Читать книгу: «Die Vampirschwestern (Band 10) - Ein Date mit Bissverständnis»

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Liebe macht blöd

Glaubst du etwa nicht an die wahre, flammende Liebe, bei der man lichterloh brennt? Bei der alle anderen irdischen Belange nichtig werden?‘, fragte er. ‚Oh, wie gerne würde ich in dieses süße Reich der Gefühle fliehen‘, erwiderte sie. ‚Doch schon allzu oft brach man mir gar grausam mein unschuldiges Herz. Es wurde zerschmet–‘“

„SILVANIA! Lies deinen Liebes-Fumpfs-Roman gefälligst leise!“ Daka hing kopfüber an der Metallleine, die durchs gemeinsame Zimmer der Vampirschwestern gespannt war. „Sonst verstopfen meine Gehörgänge noch vor lauter Schmalz.“ Sie bohrte sich den kleinen Finger ins Ohr, zog ihn heraus und tat so, als würde sie eine Ladung Schmalz durchs Zimmer schnipsen.

Silvania, Dakas sieben Minuten ältere Schwester, saß unter ihr in einem alten Samtsessel, hatte die Beine übereinandergeschlagen und ein dickes Buch auf dem Schoß. „Skyzati“, sagte Silvania.

Das war Vampwanisch und hieß „Entschuldigung“. Silvanias Ton war allerdings so spitz und zitronig, dass „Bunkprum“ besser gepasst hätte. Auch das war Vampwanisch und hieß so viel wie „oller Sargpupser“.

„Ich wollte Helene nur in die richtige Stimmung für ihren Chat mit Murdo bringen“, sagte Silvania.

Helene war die beste Freundin der Vampirschwestern. Sie saß am Schreibtisch vor einem Laptop. Ihre Finger flogen wie Spinnenbeinchen über die Tastatur, während sie mit glänzenden blauen Augen auf den Bildschirm starrte. Sie bekam vom Schmalz der Vampirschwestern nichts mit. Sie war gerade in einer anderen Welt: im Vampir Vunio Zettercorda, kurz VampirVZ.

„Liegt Murdo denn in seinem virtuellen Sarg?“ Daka schielte auf den Laptopbildschirm, erkannte aber nichts.

„Hat er dir eine romantische Nachricht in den Sargdeckel geritzt?“, fragte Silvania und richtete sich im Samtsessel auf.

„Oder dir eine virtuelle Fledermaus mit einem Kanister Blut geschickt?“, fragte Daka.

„Oder hat er dich gegreißt?“ Silvania zwinkerte Daka verschwörerisch zu.

Greißen war eine Mischung aus liebevollem Beißen und Grüßen. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hätte Daka auch nichts dagegen gehabt, von Murdo mal so richtig schön gegreißt zu werden. Murdo war wild, verwegen und finster. Und er war ein Star. Zumindest in Bistrien, der unterirdischen, transsilvanischen Heimatstadt von Silvania und Daka Tepes. Murdo war der unwiderstehlich modrige Sänger der unwahrscheinlich muffigen Band Krypton Krax.

Als Helene mit den Vampirschwestern in den Ferien nach Bistrien geflogen war, hatte sie Murdo bei einem Konzert kennengelernt. Knallbumm oder rapedadi, wie man auf Vampwanisch sagen würde, hatte sie sich in ihn verliebt. Bisher war es weder zum Kuss noch zum Biss gekommen. Aber die Botschaften, die Murdo im VampirVZ an Helene schickte, brachten ihr Blut in Wallung – was Murdos Eckzähne wiederum vor Entzückung zum Quietschen brachte.

„He, Helene!“ Daka schaukelte an der Metallleine. „Hast du dein Hörgerät ausgeschaltet?“

„Ich würde sagen, das ganze Gehirn“, meinte Silvania und musterte Helene wie eine Chefärztin mit Kennerblick. „Oder aber Liebe macht nicht nur blind, sondern auch taub.“

„Gumox! Liebe macht blöd. Sieht man doch.“ Daka blickte mitleidig zu Helene.

Helene tippte ungestört fieberhaft auf der Tastatur. Die feinen blonden Härchen auf ihren Armen, die wie immer mit Kugelschreiber-Tattoos verziert waren, stellten sich vor Prickeln auf.

„Ist schon klasse, wenn man eine Freundin hat, die immer ein offenes Ohr und Zeit für einen hat.“ Daka sah zu Helene.

Silvania nickte. „Eine Freundin, mit der man sich richtig gut unterhalten kann.“

„Soll ja Freundinnen geben, die hocken nur vor dem Computer und schweigen sich an“, meinte Daka.

„Echt? Wie furchtbar!“ Silvania schielte zu Helene. „Stell dir vor, man sitzt zusammen mit der Freundin in einem Zimmer und man ist Luft für sie.“

„Ach komm, hör auf, so etwas gibt es doch gar nicht“, erwiderte Daka.

Plötzlich knallte ein tennisgroßes dunkelgraues Bündel gegen das Fenster. Silvania und Daka zuckten zusammen. Helene tippte unbeirrt weiter.

„Fledermauspost!“ Daka schwang sich mit einer Rolle rückwärts von der Leine und flopste zum Fenster. Sie holte die Fledermaus herein, nahm ihr das Papierröllchen ab und hängte sie an die Metallleine. Dann fischte sie aus einem Spinnennetz eine Fliege und fütterte damit die Fledermaus. Nach dem langen Flug aus Transsilvanien hatte sie sich eine Stärkung verdient.

Silvania sah gespannt zu ihrer Schwester, die das Papierröllchen öffnete.

Helene blickte gebannt auf den Bildschirm.

Einen Moment wurde es totenstill im Zimmer. Dann riefen Daka und Helene plötzlich wie aus einem Mund:

„KRYPTON KRAX GEHEN AUF TOUR!“

Silvania rutschte der dicke Liebesroman vom Schoß, als sie aufsprang. „Schlotz zoppo!“

Helene fuhr am Schreibtisch herum. Ihre Augen funkelten vor Freude und Aufregung. „Murdo hat es mir gerade in den Sarg geritzt! Krypton Krax kommen zu uns nach Deutschland, nach Bindburg! Aaaaaaaah!“ Sie kreischte und trommelte mit den Füßen auf den Boden, zog sich an den Haaren und schüttelte danach den Kopf wild hin und her.

Silvania hatte wieder den Chefärztinnenblick aufgelegt und musterte sie besorgt.

„Und hier schreibt Murdo“, Daka hielt das Papierröllchen hoch, „dass wir in Bindburg die Managerinnen der Band sein sollen. Er sagt, wir sollen eine modrige Location für das Konzert auschecken, eine gruftige Bude zum Pennen für sie finden und mal schön bissig Werbung machen, damit viele leckere Fans aller Blutgruppen kommen.“

„Zensatoi futzi!“ Helene sprang auf den Schreibtisch und führte einen Ausdruckstanz auf. Es sah gefährlich aus.

Dr. Silvania machte ein Gesicht, als müsste dringend eine Not-OP durchgeführt werden.

Doch davon ließ sich Helene nicht stören. Sie und Daka hüpften auf den Möbeln durchs Zimmer, sprangen im Kreis und riefen: „KRYPTON KRAX AUF TOUR, boi, boi, boi!“

Friedhofsnotizen

Als Helene an diesem Nachmittag das Haus der Familie Tepes verließ und den Lindenweg entlanglief, hatte sie das Gefühl, genau wie ihre besten, bissigen Freundinnen fliegen zu können. Wie eine riesengroße Seifenblase kam sie sich vor. Eine Seifenblase voller rosa Brausepulver, in der es kribbelte, gluckerte und vergnügt quietschte.

Immer wieder musste sie an die Nachricht von Murdo denken – und dann schnell die Luft anhalten, damit sie vor Freude und Aufregung nicht laut loslachte. Am liebsten hätte sie es der ganzen Welt entgegengeschrien: MURDO KOMMT!

Murdo Dako-Apusenu. Sänger von Krypton Krax. König ihres Herzens. Wie oft hatte Helene sich in den letzten Monaten zurückgeträumt nach Transsilvanien! Wie oft hatte das Konzert in den Baumkronen des finsteren Waldes vor ihrem inneren Auge (und Ohr) stattgefunden? Murdo hatte sie damals auf die Bühne geholt und mit ihr zusammen ein Liebeslied gesungen. Danach hatte er sie durch die Luft gewirbelt, dass Helene nicht mehr gewusst hatte, ob sie Haare auf dem Kopf oder an den Füßen hatte. Verwirrt genug war sie ohnehin schon gewesen, allein von Murdos flammengleichen Blicken aus seinen orangefarbenen Augen und seinen lila Lippen, die hervorragend zu seiner blassen Haut passten. Dazu noch seine Stimme – tief und rau wie das Gurgeln im Abfluss der Badewanne. Helene badete seitdem sehr häufig.

Silvania und Daka waren allerdings gar nicht erfreut darüber gewesen, dass Helene sich ausgerechnet in Murdo verliebt hatte. Murdo war ein Vampir. Beißen, saugen, unsterblich, Knoblauchallergie, das ganze Programm. Nicht nur das, er stammte aus einem besonders aggressiven und blutrünstigen Vampirgeschlecht, den Transgiganten. Obwohl es Silvania und Daka zu verhindern versucht hatten, war es Helene damals gelungen, Murdo alleine im transsilvanischen Wald zu treffen. Was für ein Date! Murdo hatte Helene in eine muffige Grotte geführt, wo es niedliche Wassermolche und Flohkrebse gab. Danach hatte Murdo Helene seine Hand gereicht, deren Finger wie weiße Spinnenbeine aussahen, und sie waren durch den finsteren Wald spaziert.

Helene liebte es, auf Friedhöfen herumzustreifen, durch verlassene Fabrikanlagen und an anderen düsteren Orten. Doch dieser Spaziergang damals war das Schaurig-Schönste gewesen, was sie bisher erlebt hatte. Mitten in der Nacht, mitten in Transsilvanien, mitten im dichten Wald mit einem leicht muffig müffelnden Vampir, den sie am liebsten mitten auf den lila Mund geküsst hätte. Doch dazu war es leider nicht gekommen. Ein gewisser Dirk van Kombast – selbst ernannter Vampirjäger und Nachbar der Familie Tepes – war ihnen nach Transsilvanien gefolgt und hatte genau in dem Moment, als der Kuss (oder Biss?) kurz bevorstand, seine Knoblauchpistole ausprobieren müssen. Murdo war sofort ins Knoblauchkoma gekippt und weder zum Knutschen noch zum Beißen noch zu sonst irgendwas zu gebrauchen gewesen.

Helene ging etwas langsamer und schloss einen Moment die Augen, als sie daran dachte, wie Murdo sich damals über sie gebeugt hatte. Fast meinte sie, seinen bezaubernden, muffig-modrigen Geruch wahrzunehmen. Deutlich sah sie seine Augen, die tief in den Höhlen lagen, mit den dichten Wimpern vor sich. Seine schwarzen Haare mit den knallroten Spitzen, die wie Dornen abstanden. Und das feine violette Äderchen auf seiner Stirn. Sie hatte das Gefühl, sie brauchte nur die Hand auszustrecken und –

„Achtung, Mops!“

Helene riss die Augen auf, schwankte, ruderte mit den Armen und hielt sich gerade noch auf den Beinen. Direkt vor ihren Füßen saß ein Mops. Er hatte einen rosa Strickanzug an und hing an einer rosa Leine, die von einer Dame gehalten wurde. Sie sah ihrem Mops sehr ähnlich.

„’tschuldigung“, sagte Helene. Erst da bemerkte sie, dass sie beinahe am Eingang zum Friedhof vorbeigelaufen wäre. Sie schwenkte nach rechts und ging durch das eiserne Tor.

„Komm, Kleofee, Frauchen muss noch eine Küchenkelle kaufen.“

Helene aber hatte den Mops und sein Frauchen vergessen, kaum stand sie auf dem Friedhof. Sie sog die Friedhofsluft in sich auf wie andere eine frische Meeresbrise. Der Bindburger Hauptfriedhof war Helenes zweites Zuhause. Sie liebte die alten verknorpelten Bäume, die auch an einem sonnigen Sommertag die Wege und Gräber in kühle Schatten hüllten. Sie genoss die Stille, das Flüstern und die ruhigen Bewegungen der Friedhofsbesucher. Der Friedhof war für Helene eine Insel mitten in der Großstadt. Draußen mochte das Leben hupen, schreien, lachen und es eilig haben. Hier drin, hinter den alten, moosbewachsenen Friedhofsmauern, stand die Zeit still. Die Gräber verschluckten alle Geräusche und mahnten stumm, dass alles endlich und jeder Mensch sterblich war. Es sei denn, er wurde vorher von einem Vampir gebissen.

Meistens streifte Helene in aller Ruhe an den Gräbern vorbei, las die Inschriften und dachte sich zu den Verstorbenen Geschichten aus. Sie gab ihnen ein neues Leben. Doch heute hatte sie dazu weder Zeit noch Muße. In ihrem Kopf war kein Platz für Geschichten von Toten. Ihr Kopf war knackevoll mit einem äußerst lebendigen Untoten.

Leise knirschte der Kies unter Helenes Turnschuhen, als sie vom Hauptweg auf einen schmalen Trampelpfad abbog. Er führte zu einem uralten Familiengrab. Wahrscheinlich war die Familie einst wohlhabend gewesen. Zumindest war der Grabstein so groß wie ein Siegerpodest und mit der Statue eines Mannes geschmückt. Der Mann hielt einen langen Stab in der Hand, um den sich eine gewaltige Schlange geschlungen hatte. Neben dem Grab stand eine steinerne Bank, direkt unter einer Trauerweide. Das war einer von Helenes Lieblingsplätzen auf dem Friedhof. Noch nie hatte sie überlebende Angehörige an diesem Familiengrab gesehen. Hier war sie ungestört. Und genau das wollte sie sein.

Sie setzte sich, nahm ihren Rucksack ab und holte ihr Tagebuch heraus. Dann schlug sie die Seite auf, wo das glänzende Leseband lag. Genauso fieberhaft, wie sie vorhin bei ihren Freundinnen auf der Tastatur des Laptops getippt hatte, ließ sie jetzt den Stift über das weiße Papier fliegen. In Helenes Kopf hatten sich so viele Gedanken zusammengebraut, dass er wie ein Topf Griesbrei jeden Moment überzukochen drohte, würde sie nicht alles zu Papier bringen.

„MURDO KOMMT!!!!!“, schrieb sie, betrachtete kurz ihren Eintrag und fügte noch fünf weitere Ausrufezeichen hinzu.

Dann vertraute sie dem Tagebuch an, wie sehr sie sich auf das Wiedersehen freute, wie oft sie sich in die transsilvanischen Wälder zurückgesehnt und was Murdo genau im VampirVZ geschrieben hatte. Seit ihrem grausig-romantischen Date im Wald waren sie in Kontakt geblieben. Allerdings waren Murdos Botschaften meist zweideutig gewesen – wodurch das Misstrauen, das Silvania und Daka gegenüber Murdo hegten, geblieben war. Wahrscheinlich waren sie nur neidisch. Silvania, weil Helene einen romantischen (und bissigen) Freund hatte, und Daka, weil Helene mit dem Star ihrer Lieblingsband Krypton Krax zusammen war.

Doch jetzt würde sich alles ändern. Jetzt würden Silvania und Daka schon sehen, dass Helene für Murdo mehr war als ein Blutspender. Er hatte gesagt, er wolle sie unbedingt saugen, äh, sehen. Bald würde er in Bindburg landen. Bald würden seine orangeroten Augen wieder vor ihr aufflammen. Bald würde er seine kühlen Spinnenfinger wieder in Helenes Hand legen.

Beim Gedanken daran rutschte Helene der Stift aus der Hand. Als sie ihn aufhob, warf sie einen Blick auf die Uhr. „Fumpfs und Schlotz zoppo!“, fluchte sie leise und perfekt auf Vampwanisch. Sie musste los. Schließlich hatte sie für den Abend Gäste eingeladen. Gäste für ihre Hammer-Horror-Videonacht.

Schnell stopfte sie Tagebuch und Stift in den Rucksack, schwang ihn über die Schulter, eilte zurück auf den Hauptweg und auf das eiserne Friedhofstor zu. Helene war in Gedanken abwechselnd bei der Hammer-Horror-Videonacht und in Murdos langen kühlen Armen. Auf jeden Fall war sie geistig nicht mehr auf dem Friedhof. Sonst hätte sie vielleicht die hagere Gestalt bemerkt, die sie schon seit geraumer Zeit mit eiskaltem Blick beobachtet hatte und jetzt aus dem Schatten einer hohen Esche trat.

Hammer-Horror-Videonacht

Bis ich sage Los! und dann rennt ihr, so schnell ihr könnt. Habt ihr das alle verstanden?“

Helene, Silvania, Daka und Ludo starrten wie gebannt auf den Bildschirm. Sie saßen in einer Reihe mit dem Rücken an Helenes japanischem Bett. Zwischen Helene und Silvania stand eine Schüssel Popcorn, zwischen Silvania und Daka eine Schüssel marinierte Schweineborsten und zwischen Daka und Ludo eine Schüssel Erdnüsse.

Der Hammer-Horror-Videoabend näherte sich seinem grausamen Ende – den letzten Szenen aus Alfred Hitchcocks Klassiker Die Vögel.

Zuvor hatte Helene einen Vampirfilm ausgesucht, in dem sich ein Mädchen in einen Vampir verliebte. Doch der wurde aufgrund lautstarker Proteste von Daka und Ludo, denen im Film zu viel gesäuselt und zu wenig gebissen wurde, wieder ausgestellt. Selbst Silvania, die sonst für jedes Liebesgedusel zu haben war, wollte sich das endlose Geschmachte nicht länger mitansehen. So kam es, dass sie sich eine alte DVD aus dem Regal von Helenes Vater geholt hatten. Auf der Hülle stand: „Die Vögel von Alfred Hitchcock – dem Meister der Angst. Wild gewordene Vogelbestien versetzen die Bewohner eines Küstenorts in Panik.“ Das klang gut, fanden Helene und ihre Freunde.

Und Alfred Hitchcock hatte sie nicht enttäuscht. Schon bei der ersten spannenden Szene hatte Silvania sich ihren Fächer vors Gesicht gehalten. Helene hatte sich vor prickelnder Angst in die Arme gezwickt und Daka hatte in die Erdnussschüssel gegriffen, eine besonders große Nuss gepackt und sich in den Mund gesteckt – und erst da gemerkt, dass sie Ludos Zeigefinger erwischt hatte.

Mittlerweile war die Spannung fast unerträglich. Im Film hatten sich unzählige Krähen um ein Schulgebäude versammelt. Die Lehrerin hatte beschlossen, das Gebäude zu räumen.

Daka raufte sich die Haare. „Fumpfs! Wieso bleiben die nicht einfach in der Schule?“

„Weil die Krähen sonst das Gebäude stürmen! Hast doch gesehen, wozu die imstande sind.“ Helene stopfte sich Popcorn in den Mund.

Jetzt rannten die Kinder schreiend aus der Schule. Die Krähen stürzten sich auf sie. Ein Kind mit Brille fiel zu Boden.

Silvania versuchte, an etwas Schönes zu denken (Himbeeren mit Würmern), Helene kreischte mit den Kindern im Film mit und Daka flopste sich vor Angst auf Ludos Schoß. Ludo verschluckte sich an einer Erdnuss.

Helene schielte zu Daka und Ludo. „Was macht ihr denn da?“

Daka starrte auf den Bildschirm, während Ludo noch immer an der Erdnuss würgte.

„Daka, sitzt du bequem?“, fragte Silvania.

Erst da wandte Daka den Blick vom Fernsehbildschirm. „Schlotz zoppo!“, rief sie und setzte sich schnell wieder neben Ludo. Die lila Tüpfchen in ihren braunen Augen flackerten. „… Fußboden war so hart und kalt …“, murmelte sie und stopfte sich den Mund mit Schweineborsten voll. Sie achtete nicht auf die fragenden Blicke von Helene und Silvania, sondern klopfte dem noch immer an der Erdnuss röchelnden Ludo zweimal kräftig auf den Rücken. Daraufhin kam die Erdnuss im hohen Bogen herausgeflogen und prallte gegen den Bildschirm. „Alles klar, du Nuss?“, fragte Daka.

Ludo nickte und Daka richtete ihre ganze Aufmerksamkeit wieder auf Die Vögel von Alfred Hitchcock.

Als der Film zu Ende und der Bildschirm schon längst schwarz war, starrte Daka noch immer darauf. „Verstehe ich nicht, das Ende.“

„So etwas nennt man ‚offenes Ende‘“, erklärte Silvania. „Da du keine Romane, sondern immer nur Flatsch ug Mitch liest, kennst du das nicht.“

Flatsch ug Mitch war ein vampwanischer Comic. Dabei ging es um die bittersüße Feindschaft zwischen Flatsch, einer Fledermaus, und Mitch, einem Kater.

„Offenes Ende?“ Daka schnaufte. „Wie ’ne Tüte mit einem riesigen Loch am Boden ist das. Bei Flatsch ug Mitch ist am Ende immer alles klar – meistens liegt Mitch unter einer Dampfwalze und Flatsch schlürft entspannt ein frisch gezapftes Blut.“

„Apropos Blut“, warf Helene schnell ein, bevor zwischen den Schwestern noch ein Streitgespräch über Romane und Comics entstehen konnte. „Ich habe mir schon mal Gedanken gemacht, wo Krypton Krax schlafen könnten. Wie wäre es auf dem Friedhof? Da gibt es mehrere große Bäume. In denen könnten sie schön kopfüber abhängen.“

Silvania, Daka und Ludo stellten sich einen Moment vor, wie eine Band in den Bäumen des Bindburger Hauptfriedhofs hing und den Omas, die zum Gräbergießen kamen, höflich „Guten Morgen“ wünschte.

„Gute Idee“, fand Daka.

„Und …“, fuhr Helene fort und stand auf, „… ich habe auch schon Flyer entworfen für das Konzert.“ Sie holte ein paar Zettel vom Schreibtisch. KRYPTON KRAX stand mit fetten, spitzen Buchstaben in Schwarz auf blutrotem Untergrund. Die Schrift sah aus, als hätte ein tollwütiger Bär sie mit seiner Tatze eingeritzt. „Live und heiß aus Transsilvanien!“ und „Tanz dir keinen Wolf, sondern ’nen Vampir!“ oder „Die Überflieger des Musik-BISS-ness!“ hatte Helene wahlweise dazugeschrieben. Die rote Hintergrundfarbe hatte sie nach unten hin in dicken Schlieren auslaufen lassen, sodass sie wie Blut aussah.

„Zensatoi futzi!“ Daka nickte anerkennend.

„Und was sollen die beiden Löcher da an der rechten Ecke?“, fragte Ludo.

„Da hat ein Vampir in den Flyer gebissen.“ Helene grinste stolz.

„Die kopieren wir und lassen sie von der Postfledermaus ausfliegen“, sagte Silvania.

„Und wo soll man sich einen Vampir tanzen?“, fragte Ludo.

„Im BATCAVE!“, riefen Daka und Silvania wie aus einem Mund.

„Batcave – in einer Fledermaushöhle?“ Helene konnte nicht nur gut Vampwanisch, sondern auch Englisch.

„Im Batcave Club“, erwiderte Silvania. „Das ist ein kleiner, gruftiger Club, in dem sich alle finsteren Gestalten der Schattenwelt von Bindburg abends tummeln.“

„Unsere Mutter kennt den Besitzer. Er hat sich von ihr die Klobrillen im Club mit Spinnweben, Stacheldraht und Nieten gestalten lassen“, fügte Daka hinzu. „Wir haben schon mit ihm gesprochen und er fände es ‚mordsjut‘, hat er gesagt, wenn eine junge Band aus Transsilvanien in seinem Laden die Bühne rockt. Ich hab ihm zwar gesagt, dass Krypton Krax nicht rocken, sondern punken, aber das hat ihn nicht weiter gestört.“

„Er war so begeistert von Mamas Klobrillen, dass er einer Band aus der transsilvanischen Heimat ihres Mannes eine Chance geben will“, sagte Silvania.

„Eure Eltern sind soooo cool!“, meinte Helene. „Mein Vater bohrt nur allen möglichen Leuten in ihren stinkenden Zahnlöchern herum. Der würde sich nie in einen finsteren Club verirren.“

„Hat ja genug Horror in seiner Zahnarztpraxis“, fand Ludo und fuhr seine Zähne mit der Zunge nach einem Loch ab.

Helene winkte ab. „Seine Patienten schreien noch nicht einmal richtig.“

„Unser Vater würde schreien, dass es ganz Bindburg hört“, sagte Silvania. „Er hasst Zahnärzte.“

„Im Moment schreit er aber ganz sicher nicht.“ Daka verzog das Gesicht. „Er säuselt bestimmt.“

Silvania nickte und lächelte selig. „Unsere Eltern haben heute auch einen ganz besonderen Abend.“

„Auch irgendwas mit Hammer-Horror?“, fragte Helene.

„So ähnlich“, sagte Daka.

Schlauchbootseufzer

Der abgelegene See glitzerte wie eine silberne Münze im Mondschein. Hohe, dunkle Tannen ragten am Ufer in den Nachthimmel und umgaben den See schützend, einem dicken Schal gleich. Das Wasser war ruhig und schimmerte wie warmer, weicher Samt. Nur dort, wo sich ein kleines Boot langsam vom Ufer entfernte und den Weg durch das Gewässer bahnte, kräuselte es sich leicht. Es war ein rotes Schlauchboot. Am Bug hatte es Fischaugen und einen Mund, am Heck eine gelbe Flosse. An Bord waren eine Frau und ein Vampir.

Mihai Tepes, Vater der Vampirschwestern und 2676 Jahre alter Vampir, paddelte. Er lächelte seiner Frau Elvira zu, die ihm gegenübersaß. Sein Schnauzer kringelte sich wie zwei Lakritzschnecken, seine halblangen dunklen Haare glänzten im Mondschein und seine schwarzbraunen Augen funkelten wie zwei glatte Steine am Grund eines transsilvanischen Waldbaches.

Elvira hockte mit angezogenen Beinen am Bug und strahlte ihren Mann an. „Das ist die romantische Überraschung? Eine nächtliche Bootsfahrt im Kinderschlauchboot unserer Töchter?“

„Psst“, machte Mihai. Es klang wie das Zischeln einer Schlange. „Warte, bis wir in der Mitte des Sees sind!“

Elvira zog die Knie dichter an den Körper und die Augenbrauen hoch. Sie spähte in die Nacht, die Wald und See in eine dunkle Bühne für allerlei Fantasiegestalten verwandelt hatte. Das dunkle Wasser kräuselte sich. War es nur der Nachtwind oder verbarg sich unter der Wasseroberfläche etwas unheimliches Unbekanntes?

In den hohen Tannen, die das Ufer säumten, raschelte es hin und wieder. Ein Vogel rief durch die Nacht. Vielleicht ein Käuzchen. Elvira Tepes kannte sich mit Vogelarten nicht so gut aus. Die drei schrägen Vögel, die sie zu Hause hatte, reichten ihr. Mit einem davon war sie heute auf den Tag genau vierzehn Jahre verheiratet. Elvira hatte Mihai am Morgen schon mit einem Ständchen beglückt, das sie mit zwei Hundeknochen auf seinen Sargdeckel geklopft hatte. Danach hatte sie ihrem stets durstigen Mann einen Blutcocktail serviert. Er hatte vor Genuss geschmatzt, als er ihn Schluck für Schluck getrunken hatte. Frau Tepes sah ihren Mann an und seufzte versonnen.

Mihai Tepes paddelte mit ruhigen, kräftigen Zügen auf die Mitte des Waldsees zu. Er dachte an all die glücklichen Jahre, die Elvira und er in seiner transsilvanischen Heimatstadt Bistrien verbracht hatten. Und an die … nun ja … interessanten Zeiten, die sie seit ihrem Umzug nach Bindburg, der deutschen Heimatstadt seiner Frau, verlebt hatten. Natürlich dachte er auch an Silvania und Dakaria, ihre einzigartigen und wunderbaren Töchter. Mihai Tepes war unsagbar stolz auf sie. Obwohl sie keine echten Vampire waren, sondern Halbvampire. Aber jeder Vampir konnte sich von seinen Töchtern eine Scheibe abschneiden – natürlich nicht wortwörtlich. Mit feuchten Augen dachte Mihai zurück an die Geburt der Zwillinge, an ihre ersten wackelnden Milcheckzähne, an glückliche Stunden im Schlammkasten und an verregnete Nachmitternächte bei einer Runde Vampir, beiß mich nicht.

Mihai war so in Gedanken versunken, dass er beinahe einmal quer über den See zum anderen Ufer gepaddelt wäre. Gerade noch rechtzeitig merkte er, dass er die Mitte des Sees längst erreicht hatte. Er ließ die Paddel ruhen, kniete sich vor Elvira und nahm ihre Hand. „Elvira …“, begann er. Neben ihm flatterte ein Nachtfalter. Blitzschnell schnappte Herr Tepes nach dem Falter, biss zu und zutschte genüsslich.

Elvira zog die Augenbrauen zusammen und ihre Hand aus der ihres Mannes.

„Skyzati.“ Mihai räusperte sich, nachdem er aufgegessen hatte, und begann erneut: „Elvira, vierzehn Jahre ist es her, dass wir ‚sni‘ zueinander sagten und unser Blut im Eheschwur vereinten. Noch heute kribbelt es in meinen Eckzähnen, wenn ich an die wundervolle Zeremonie damals denke.“

„Du sahst so stattlich und verwegen aus“, sagte Elvira.

„Und du so rein und appetitlich“, raunte Mihai. Er zwinkerte seiner Frau zu und sie lächelte. „Ich habe bisher kein Jahr, keine Stunde, keine Minute und keine Sekunde mit dir bereut. Und du?“

Elvira dachte an den muffigen Geruch in Mihais Keller. Sie dachte an die Blutflecke, die immer so schwer bei der Wäsche rausgingen. Sie dachte an die tote Ratte, die ihr Nachbar auf ihrer Terrasse gefunden hatte. Und an die Nacht, in der Mihai den Vermieter ihres Klobrillenladens beißen wollte. Sie dachte an die Heimaterde im Katzenklo im Wohnzimmer, die unschöne Flecken auf dem weißen Teppich hinterließ. Und an die Kopfnüsse, die Mihai in der Nachbarschaft verteilte.

Frau Tepes holte tief Luft, funkelte ihren Mann aus ihren nachtblauen Augen an wie am Tag, an dem sie ihm zum ersten Mal begegnet war, und flüsterte: „Keine Sekunde bereue ich.“ Dann beugte sie sich vor, um ihren Mann zu küssen.

Mihai aber wich zurück. „Nicht so stürmisch, El Virus.“ So nannte er seine Frau normalerweise nur, wenn sie verärgert war. Er drehte sich kurz um und hantierte hinter seinem Rücken. Elvira reckte den Hals und versuchte, etwas zu erkennen. Aber natürlich war der Rücken ihres Mannes zu breit.

Mihai drehte sich wieder zu ihr um. Er sah sie ernst an. Dann griff er hinter seinen Rücken und holte eine kleine Schale hervor. Darin lag ein schwarzer Wackelpudding, der wie eine Spinne aussah und eine Spezialität von Mihai war. Mitten im Pudding steckte eine schwarze Kerze.

„Spinnenpudding!“ Elvira nahm Mihai den Pudding ab. „Danke. Datiboi.“ Wieder beugte sie sich vor und wollte ihren Mann küssen. Doch wieder wich Mihai zurück.

„Das ist noch nicht alles.“ Mihai Tepes lächelte und seine spitzen Eckzähne blitzten im Mondlicht weiß unter dem Lakritzschnauzer hervor. „Vierzehn Jahre sind wir ein Paar. Ein Traumpaar. Dein Vater würde sagen, ein Albtraumpaar. Aber lassen wir das jetzt. Ich hoffe, dass wir noch viele Hunderttausend weitere glückliche Jahre miteinander verbringen werden.“

Elvira runzelte die Stirn.

„Liebste Elvira, du Stern meiner schlaflosen Tage, du mein Wölkchen vor der gleißenden Sonne, du zauberhafte Taggestalt.“ Mihai hielt inne und sah seiner Frau fest in die Augen. „Es jährt sich die glücklichste Nacht meines Lebens, unsere Hochzeitsnacht. Aus diesem Grund möchte ich dir etwas sagen …“ Mihai hob eine Hand und schnippte mit dem Finger.

Elvira sah verdutzt auf die Hand, dann wieder in die dunklen Augen ihres Mannes.

Mihai schielte zum Nachthimmel und schnippte abermals mit dem Finger. Dazu stieß er einen schrillen Pfiff aus. Im Geäst der Tannen rund um den See raschelte es. Die Tannenspitzen wiegten sich hin und her, als wäre eine leichte Brise aufgekommen. Plötzlich leuchteten zwischen den Ästen Lichter auf. Erst eins, dann zwei, dann immer mehr, bis die Tannen aussahen wie Weihnachtsbäume. Die Lichter bewegten sich nach und nach. Schließlich erhoben sie sich und stiegen über die Bäume auf. Es waren Kerzen, die von Dutzenden kleinen schwarzen Gestalten auf dem Kopf getragen wurden. Als sie zur Mitte des Sees flogen, erkannte Elvira, dass es Fledermäuse waren. Ein paar von ihnen hielten ein Banner zwischen den Krallen.

„Zur Jahresnacht unserer Hochzeit möchte ich dir sagen …“, Mihai strahlte seine Frau an und zeigte auf das Banner.

Elvira sah zum Banner. Dort stand: . Sie legte den Kopf schräg und runzelte die Stirn.

Mihai blickte jetzt ebenfalls zum Banner. „Fumpfs! Verkehrt herum, ihr Flederdussel!“ Er stand auf, wedelte mit den Armen und rief den Fledermäusen für Menschen unverständliche Laute zu. Das Schlauchboot wackelte bedrohlich.

Die Fledermäuse aber verstanden. Schnell flogen sie einen Halbkreis und formierten sich neu, sodass die Schrift auf dem Banner nicht mehr auf dem Kopf stand.

„Miloba oista bratscho ky sangu“, las Elvira vor. Es dauerte einen Moment, bis sie den vampwanischen Satz übersetzt hatte. „Liebe ist dicker als Blut.“ Sie lächelte Mihai an.

„Und du bist so schön wie ein Tautropfen in einem Spinnennetz an einer modrigen transsilvanischen Blutbuche am Morgen.“

„So etwas Schönes hat noch nie jemand zu mir gesagt.“ Elvira beugte sich zu ihrem Mann.

Dieses Mal wich er nicht zurück. Im Gegenteil. Er umarmte Elvira voller vampirischer Leidenschaft, woraufhin diese nach hinten kippte und beide auf dem Bug landeten.

„Mihai! Pass auf, dass du mit deinen Eckzähnen kein Loch ins Schlauchboot machst!“

Mehr konnte Elvira Tepes nicht sagen. Der Lakritzschnauzer ihres Mannes kitzelte bereits auf ihren Lippen.

Stunk in der Schule

Die Fassade der Gotthold-Ephraim-Lessing-Schule schimmerte senfgelb im Licht der aufgehenden Sonne. Aus allen Himmelsrichtungen strömten Schüler auf das große Eingangstor zu. Manche mit prall gefüllten Rucksäcken, manche mit Umhängetaschen, die fast am Boden schleiften, und einige mit Rollkoffern, als müssten sie zur Vorstandssitzung einer großen Bank jetten. Sie kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit der Straßenbahn, dem Bus oder wurden von ihren Eltern mit dem Auto vor der Schule vorgefahren.

Silvania und Daka Tepes stiegen gerade aus der Straßenbahn. Daka war so gut gelaunt, dass sie sich gleich mal über den Fahrradweg auf den Fußweg flopste. Sie hatte wunderbar geschlafen, obwohl es Nacht gewesen war. Lag wohl daran, dass sie vom Konzert von Krypton Krax geträumt hatte. Im Traum hatte sie mit ihrer Lieblingsband auf der Bühne gestanden. Wie ein Wirbelwind hatte sie am Schlagzeug gesessen und danach mit Murdo ihr verschwitztes T-Shirt getauscht. Sie hatte seinen Schweiß im Traum förmlich riechen können. Zensatoi futzi!

„Daka! Bist du total guguplum?“ Silvania zog ihre Schwester am Arm, nachdem sie über den Radweg auf den Fußweg gehüpft war. „Du kannst doch nicht einfach mitten am Tag mitten in der Stadt vor allen Leuten herumflopsen. Hast du die sieben radikalen Regeln schon vergessen, die Mama aufgestellt hat?“

„Würde ich gerne. Geht aber kaum. Mama wiederholt sie ja ständig. Fliegen und Flopsen tagsüber verboten, keine lebenden Mahlzeiten, immer fett Sonnencreme drauf und so weiter – weiß ich doch alles.“ Daka verzog den Mund.

„Dann halt dich daran!“

„Och, reicht doch, wenn du dich dran hältst.“ Daka schielte grinsend zu Silvania.

Die versuchte, ein ernstes Gesicht zu machen. Auch Silvania hatte ausgesprochen gute Laune. In ihrem 800-Seiten-Liebesroman, den sie gestern nach dem Hammer-Horror-Videoabend noch bis nach Mitternacht zu Ende gelesen hatte, war alles gut ausgegangen. Die Heldin des Buchs hatte ihre große Liebe gefunden und es wurde groß geheiratet. Genauso stellte sich Silvania ihr Liebesleben auch vor. Und immer wenn es am schönsten war (total verliebt auf der Hochzeit), würde es aufhören, wie in all ihren Romanen, und eine neue Liebe würde beginnen.

Silvania wollte sich verlieben und heiraten, verlieben und heiraten, ihr ganzes Leben lang. Was nach der Hochzeit kam, interessierte sie nicht sonderlich.

Die Zwillinge hingen ihren sonnigen Gedanken nach – Silvania dachte an die große Liebe und Daka an den großen Auftritt mit Krypton Krax. So gut gelaunt kamen die Vampirschwestern selten zur Schule. Wenn sie jetzt noch vor der ersten Stunde Helene trafen, würde der Tag perfekt beginnen.

An der Wand neben dem Haupteingang der Gotthold-Ephraim-Lessing-Schule lehnte jemand, der alles andere als gut gelaunt war. Helene hatte die Arme verschränkt und stemmte sich mit einem angewinkelten Bein von der Wand ab. Wie immer hatte ihr Vater sie zur Schule gefahren, bevor er seine Zahnarztpraxis öffnete. Wie immer viel zu früh. Schon seit zehn Minuten stand sie am oberen Ende der breiten Steintreppe und wartete auf ihre Freundinnen – wenn sie das überhaupt noch waren.

Schon von Weitem sah Helene die Vampirschwestern aus der Straßenbahn steigen. Daka schien es heute besonders eilig zu haben, in die Schule zu kommen, denn sie flopste sich auf den Fußweg. Jetzt gingen die Schwestern die Treppe zum Schultor hinauf. Silvania trug ein violettes Kleid mit schwarzer Spitze an den Ärmeln und am Kragen. Ihr Hut, der schräg auf ihrem Kopf saß, erinnerte an eine Schildkröte.

Daka hatte eine kurze Hose mit Fransen an, an denen lauter kleine Spinnen baumelten. Sie hoben sich deutlich von der knallroten Strumpfhose ab. Auf Dakas T-Shirt stand „Boi Noap!“. Helene wusste, dass das „Gute Nacht!“ hieß. Schade eigentlich, dass es die Lehrer nicht verstehen würden.

Helenes Nacht war alles andere als gut gewesen. Und daran waren die Vampirschwestern schuld. Allerhöchstwahrscheinlich jedenfalls. Helene kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, presste die Lippen aufeinander und fixierte die beiden wie ein Scharfschütze sein Opfer. Silvania und Daka stiegen mit federleichten Schritten die Treppe hinauf und quasselten dabei. Sollten sie ein schlechtes Gewissen haben, sah man es ihnen nicht an. Schöne beste Freundinnen hatte Helene sich da ausgesucht!

„Hoi boi, Helene!“, rief Daka und nahm die letzten beiden Stufen mit einem Satz. Sie gab Helene eine Kopfnuss, wie es in Bistrien üblich war und es sich auch zwischen den Freundinnen eingebürgert hatte.

Silvania klopfte von der anderen Seite auf Helenes Kopf und lächelte. „Boi Motra, Inimajuschka!“

„Lasst das!“ Helene wedelte mit den Armen, als wollte sie Fliegen verscheuchen. „Und eure Inimajuschka könnt ihr euch zwischen die dreckigen Fußzehen stecken.“

„Oho, oho.“ Daka wackelte in ihren Schnürschuhen mit den Zehen, zwischen denen immer etwas transsilvanische Heimaterde klemmte.

„Was ist los?“, fragte Silvania. „Schlechte Laune?“

„Grottenmordsmuffenschlechte Laune“, erwiderte Helene.

„Das klingt ernst“, fand Silvania.

„Krypton Krax sind unterwegs nach Bindburg, du wirst deinen Murdo bald wiedersehen und hast schlechte Laune? Wie geht das denn?“, wunderte sich Daka.

„Ach, hört doch auf mit dem blöden Verstellen.“ Helene stemmte die Hände in die Hüften. „Gebt es wenigstens zu!“

Silvania und Daka sahen sich fragend an.

„Zieht jetzt bloß keine Unschuldsshow ab von wegen, ihr wisst nicht, wovon ich rede.“ Helenes Stimme quietschte wie Kreide an der Tafel.

„Wir wissen echt nicht, wovon du redest“, sagte Silvania.

Helene schüttelte enttäuscht den Kopf. „Ihr macht es nur noch schlimmer. Einfach so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Das ist echt das Letzte. Wenn ihr wenigstens selbst zugeben würdet, dass ihr es genommen habt. Dazu wart ihr mutig und fies genug. Aber jetzt habt ihr nicht einmal die Eier in der Hose, es mir zu sagen.“

„Welche Eier in der Hose?“, fragte Daka.

„Und was denn genommen?“, fragte Silvania.

„Worum geht es überhaupt?“ Daka sah Helene ratlos an.

„Als wüsstet ihr das nicht, ihr scheinheiligen Zwitterwesen!“ Helene warf den Vampirschwestern einen finsteren Blick zu.

„Also mir reicht’s langsam“, sagte Silvania.

„Liebe macht echt blöd“, fand Daka.

„Selber blöd.“ Helene schnaufte.

Silvania verdrehte die Augen. „Moment, wenn wir schon streiten, möchte ich wenigstens wissen, worüber. Also, du denkst, wir haben irgendetwas von dir genommen, richtig?“

Helene sah die Vampirschwestern mit gesenktem Kinn an und nickte.

„Was denn? Dein Hörgerät? Deinen Kugelschreiber? Dein Pausenbrot?“, fuhr Silvania fort.

Helene musterte die Vampirschwestern misstrauisch. „Wisst ihr echt nicht, wovon ich rede?“

„NEIN!“, rief Daka. „Mann, das ist ja heute zum Eckzähneausreißen mit dir.“

„Aber es ist verschwunden“, fuhr Helene fort.

„WAS???“, riefen Silvania und Daka. Einige der vorbeieilenden Schüler drehten sich nach ihnen um.

„Ihr habt wirklich nicht den allerleisesten Schimmer?“, fragte Helene.

„Nein. Weil wir, was auch immer verschwunden ist, nicht genommen haben.“ Silvania legte ihre Hand auf Helenes Schulter. „Also, was ist weg?“

Helene sah Silvania und Daka einen Moment an. Dann holte sie tief Luft. „Mein Tagebuch.“

Die Vampirschwestern brauchten ein paar Sekunden, um die Nachricht zu verarbeiten. „Schlotz zoppo!“, rief Silvania schließlich.

„Fumpfs!“, sagte Daka.

„Gestern nach dem Videoabend wollte ich noch etwas ins Tagebuch schreiben. Ich habe es überall gesucht. Im Rucksack, auf dem Schreibtisch, im und unter dem Bett, einfach überall in meinem Zimmer und in der ganzen Wohnung. Sogar im Kühlschrank. Es ist weg.“

„Und du meinst, wir haben es geklaut?“ Silvania sah Helene traurig und fassungslos an.

„Na toll. Dein Tagebuch ist weg und wen verdächtigst du sofort: deine besten bissigen Freundinnen. Datiboi auch“, murmelte Daka.

Helene zuckte mit den Schultern. „Wer soll es denn sonst genommen haben? Auf dem Friedhof gestern Nachmittag hatte ich es noch. Ich habe es in meinen Rucksack gesteckt und bin nach Hause. Danach habe ich die Wohnung nicht mehr verlassen und am Abend seid ihr gekommen.“

„Verstehe. Weil wir gestern Abend bei dir waren, sind wir total verdächtig“, sagte Daka.

Helene sah zu Boden und blickte dann zweifelnd zu den Vampirschwestern auf. „Na ja, ich hatte mein Tagebuch noch, bevor ihr gekommen seid. Und als ihr wieder weg wart, war das Tagebuch auch weg …“

„Helene! Wir haben dein Tagebuch nicht“, erklärte Silvania. „Das schwöre ich bei der Liebe meines Lebens.“

„Äh … also ich schwöre beim Barte meines Vaters“, fügte Daka hinzu.

„Wenn ihr es nicht genommen habt, wer dann?“, fragte Helene.

„Gut’n Morgen.“ Ludo stand auf einmal neben ihnen und sah die drei Mädchen verschlafen an. Seine halblangen braunen Haare fielen ihm vor die Augen.

„LUDO!“, riefen Helene, Daka und Silvania im Chor.

„Stimmt. So heiße ich.“ Ludo blies sich die Haarsträhnen aus dem Gesicht. Mit der linken Hand spielte er an einem Faden an der Hosennaht, in der rechten hielt er eine alte braune Ledertasche.

Ein paar Sekunden starrten die Mädchen ihren Freund an. Auf ihren Gesichtern spiegelten sich Unglaube, Wut und Argwohn.

Ludo schielte von einer Freundin zur anderen. „Ist was? Hab ich was Fieses im Gesicht oder so?“

„Kann schon sein, dass du etwas hast“, begann Silvania schließlich.

„Sehr wahrscheinlich sogar.“ Helene nickte. „Aber nicht in deinem Gesicht, sondern zu Hause oder vielleicht in deiner Tasche da.“

„Und weil du die ganze Nacht darin gelesen hast, siehst du so verpennt aus.“ Daka machte ein Gesicht wie eine Kriminalkommissarin.

Ludo, der hellsehen konnte, machte wiederum ein Gesicht, als wäre in seinem Gehirn gerade alles zappenduster. „Was soll ich gelesen haben? Redet ihr von der Deutsch-Hausaufgabe?“

„Nein. Wir reden von Helenes Tagebuch“, sagte Silvania.

Ludos Augenbrauen wanderten in die Höhe.

„Es ist verschwunden. Seit gestern Abend“, fuhr Helene fort. „Seit DU bei mir zum Hammer-Horror-Videoabend gewesen bist.“

Ludo riss seine ockerfarbenen Augen weit auf. „Ihr meint, ich habe dein Tagebuch geklaut?“

Helene und Silvania nickten. Daka sah zu Boden.

„Warum sollte ich das machen?“, fragte Ludo.

„Du bist eben ein Junge und Jungs machen manchmal blöde Sachen“, erklärte Helene.

Silvania nickte. „Daka und ich haben Helenes Tagebuch gestern Abend auf jeden Fall nicht mitgehen lassen.“

„Also muss ich es gewesen sein, verstehe“, sagte Ludo. Seine Augen waren plötzlich ganz dunkel. Er schüttelte den Kopf und sah seine Freundinnen nacheinander traurig an. „Bei Freundinnen wie euch verbringe ich meine Zeit lieber mit einer Spülbürste.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand mit zwei Schritten im Schulgebäude.

„Was für eine Spülbürste?“, wunderte sich Daka.

„He, was ist mit meinem Tagebuch?“, rief Helene Ludo hinterher. „Rückst du das gefälligst mal wieder raus oder erst, wenn du es ganz durchgelesen hast?“

Silvania legte den Arm um Helene. Daka sah Ludo nach, bis es klingelte. Ihre gute Laune war auf einmal zu Staub zerfallen.

Plakate rotzen

Silvania trug an diesem Nachmittag ganz besonders ausgefallene Armreifen. Es waren zwei Rollen mit Paketklebeband. Helene hatte eine Schere in der Hand und schnitt lange Streifen vom Klebeband ab. Daka rollte ein Plakat auf, hielt es an eine Häuserwand und nahm von Helene einen Klebestreifen entgegen.

„Etwas höher“, sagte Silvania, die das Plakat musterte.

Daka hob ein paar Zentimeter vom Fußboden ab und klebte das Plakat an die Hauswand.

„DAKA! Denk an die radikale Regel Nummer eins! Kein Fliegen bei Tageslicht“, zischte Silvania.

„Du hast doch gesagt, etwas höher!“ Daka zuckte mit den Schultern und landete wieder auf dem Bürgersteig. „Außerdem bin ich nicht geflogen, nur etwas geschwebt.“

Helene betrachtete zufrieden ihr Werk. „KRYPTON KRAX in Concert“ stand in fetten schwarzen Buchstaben auf blutrotem Hintergrund. „Die Senkrechtstarter aus Transsilvanien – VampPunk, der ins Blut geht!“ Darunter konnte man lesen, wo und wann das Konzert stattfand.

„Das wird so was von zensatoi futzi“, sagte Helene, als sie weitergingen und an einem Ahornbaum stehen blieben. „Ich kann es kaum erwarten. Schon bei dem Gedanken an das Konzert kitzelt es in meinem Bauch, als hätte ich ein Dutzend Flohkrebse verschluckt.“

Silvania hielt Helene ein Döschen mit Reißzwecken entgegen. Helene nahm vier Stück heraus und reichte sie Daka, die das nächste Plakat am Stamm des Ahorns aufrollte. „KRYPTON KRAX – sind sie zu laut, bist du zu schwach“ stand darauf. „Vampirisch abfeiern und Blut schwitzen!“

Daka steckte die Reißzwecken in den Mund. Dann spuckte sie jede einzelne gekonnt und kraftvoll genau an eine Ecke des Plakats. Sie schielte zu ihrer Schwester. „Gegen Reißzwecken-Rotzen hat Mama keine radikale Regel aufgestellt.“

„In zwei Tagen sind sie da!!!“, sagte Helene, die nur noch an eins denken konnte – das Konzert von Krypton Krax.

„Du meinst vor allem: Dann ist Murdo da“, warf Silvania ein.

Helene grinste.

Silvania musterte ihre Freundin besorgt. „Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie sehr du dich auf das Wiedersehen mit Murdo freust. Aber bitte versprich mir, dass du vorsichtig bist. Immerhin ist Murdo …“

„… ein Vollblutvampir, der vom besonders blutrünstigen Geschlecht der Transgiganten abstammt. Ich weiß.“ Helene trat ein Stück vom Ahornbaum zurück.

„Nach dem langen Flug aus Transsilvanien hat er sicher ’nen Riesendurst“, warf Daka ein.

„Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Das mit Murdo und mir, das ist mehr als nur eine Essensverabredung“, erwiderte Helene.

„Hat er das gesagt? Hat er gesagt, dass er mehr von dir will als nur dein Blut?“, hakte Silvania nach.

Helene wickelte eine blonde Haarsträhne um den Zeigefinger. „Na ja, er hat geschrieben, dass er mit mir in den Wolken schweben möchte und mir gerne das Herz stehlen würde. Und dass er mich zum Fressen lieb hat. Und dass er mich zum Anbeißen findet.“

Silvania und Daka warfen sich einen vielsagenden Blick zu.

Eine Frau in einer rosafarbenen Strickjacke trat mit einem Mops an den Ahornbaum. Sie studierte interessiert das Plakat, während ihr Mops unten am Baumstamm seinem Geschäft nachging.

„Wir müssen auf sie aufpassen“, flüsterte Daka ihrer Schwester zu.

„Was tuschelt ihr denn da?“, fragte Helene und reckte den Hals. Zur Sicherheit überprüfte sie, ob sie ihr Hörgerät eingeschaltet hatte.

„Ach, nichts. Ich habe nur gerade gesagt, dass ich es cool fände, wenn ich mit Krypton Krax auf der Bühne stehen könnte“, erwiderte Daka. „Ich am Schlagzeug und du am Cello, das wär’s doch!“ Daka nickte Silvania zu.

Silvania spitzte nachdenklich die Lippen. Eigentlich wollte sie Jacob zum Konzert einladen und eigentlich ganz dicht neben ihm stehen. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Krypton Krax ein langsames, romantisches Lied spielten. Aber mit einer Band wie Krypton Krax auf der Bühne zu stehen – wann hatte man schon diese Gelegenheit? Und wenn Jacob sie auf einer Bühne am Cello sah und das Publikum ihr zujubelte, das würde sicher Eindruck machen.

„Meinetwegen könnt ihr stehen oder hängen, wo ihr wollt“, sagte Helene. „Ich stehe beim Konzert auf jeden Fall in der ersten Reihe, direkt vor Murdo.“

„Was ist mit Ludo?“, fragte Daka auf einmal.

„Was soll sein mit dem Verräter?“ Helene presste die Lippen aufeinander.

„Wollen wir ihn nicht auch zum Konzert einladen?“, fragte Daka.

„Pah!“, machte Helene. „Schon vergessen? Ludo Schwarzer hat mein Tagebuch geklaut!“

„Und es immer noch nicht zurückgegeben“, fügte Silvania hinzu.

„Meint ihr echt? Ich weiß nicht. Was soll Ludo denn mit deinem Tagebuch?“, fragte Daka.

„Wahrscheinlich macht er gerade Kopien und tapeziert damit sein Zimmer.“ Helene schnaufte.

„Gumox! Ludo kann hellsehen. Was sollte er an deinem Tagebuch spannend finden?“, fragte Daka.

„Immerhin hat er nie abgestritten, dass er es genommen hat. Vielleicht interessiert er sich ja für Helene.“ Silvania zog eine Augenbraue hoch.

„Hä?“, machte Daka und Helene guckte wie „Hä“.

„Na schön. Vielleicht hat er es aus Versehen eingepackt, aus reiner Neugierde – warum auch immer. Er könnte sich langsam mal entschuldigen und es zurückgeben“, fand Silvania.

„Es sei denn, er hat es nie genommen“, sagte Daka. „Dann müssten wir uns langsam mal entschuldigen.“

Einen Moment dachten Silvania und Helene darüber nach.

„Wenn Ludo mein Tagebuch echt nicht genommen hat, dann …“, begann Helene.

„… hat es vielleicht jemand anderes genommen. Irgendjemand, der sich für dein Leben und deine Gedanken interessiert“, sagte Daka.

„Dein Vater?“, fragte Silvania.

„Der würde sich eher mit dem Bohrer ein Loch ins Knie bohren, als etwas von mir zu klauen!“, erwiderte Helene.

„Wer auch immer dein Tagebuch hat – ob es Ludo ist oder ein anderer –, er weiß jetzt alles über dich, deine Gedanken, deine Träume …“, sagte Silvania.

„Und alles über meine Freundinnen“, warf Helene ein.

Silvania und Daka horchten auf.

„Na ja. Schließlich steht alles über euch in meinem Tagebuch. Dass ihr Halbvampire seid, dass euer Papa ein echter Vampir ist, dass ihr fliegen und flopsen könnt, all das.“

Silvania und Daka sahen sich an. „Fumpfs!“

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