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Stacey Lynn
Luminous Club Teil 1
Dominate Me: Erwachen
Aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen von Joy Fraser
© 2017 by Stacey Lynn unter dem Originaltitel „Dominate Me (Luminous Book 1)“
© 2021 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels
www.plaisirdamour.de
info@plaisirdamourbooks.com
© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)
© Coverfoto: Shutterstock.com
ISBN Print: 978-3-86495-497.9
ISBN eBook: 978-3-86495-498-6
Dieses Werk wurde im Auftrag von Harlequin Books S.A. vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover.
Die Personen und die Handlung des Romans sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.
Dieser Roman darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches andere Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Epilog
Danksagungen
Autorin
Kapitel 1
Haley
„Ich muss es tun, Anya“, wisperte ich ins Telefon. Die Tür meines Büros war geschlossen, und keiner meiner Mitarbeiter des gerade von mir übernommenen Urlaubsresorts brauchte zu wissen, dass ich in ein paar Stunden in einen Sexclub gehen würde. „Ich habe Master Dylan getroffen. Er war sehr offen und hat meine endlosen Fragen beantwortet. Heute Abend gibt er mir eine Führung und zeigt mir, wie es in dem Club so abläuft.“ Allein der Gedanke daran, was ich alles zu sehen bekommen könnte, brachte meine Schenkel zum Zittern. Gott, wie sehr ich es wollte. Schon so lange wollte ich diese Neigung von mir erforschen. „Heute werde ich mir nur alles ansehen, Süße. Mir wird nichts passieren, ich verspreche es dir.“
„Du rufst mich gleich an, wenn du wieder zu Hause bist, ja?“
Ich wusste, dass Anya jetzt in ihrer Küche saß und Stundenpläne studierte, dabei die Stirn runzelte und ihre roten Haare zwischen den Fingern drehte.
„Es wird aber sicherlich spät werden.“ Anyas Mann Lance musste wegen der Arbeit früh aufstehen und daher gingen sie meist zeitig schlafen. Ich wollte die beiden nicht wecken.
„Das ist mir egal, Haley. Ich möchte dir bei dieser neuen Sache gern zur Seite stehen, aber auch nicht lügen und so tun, als würde ich mir keine Sorgen machen. Schick mir eine Nachricht aufs Handy oder ruf an, damit ich weiß, dass du sicher nach Hause gekommen bist.“
Verdammt, ich liebte sie. Wir waren schon seit der Highschool vor dreizehn Jahren befreundet, als wir im selben Tennisteam gewesen waren. Während der Collegezeit und meine schreckliche Ehe hindurch waren wir immer füreinander da gewesen.
„Ich rufe dich an, Süße, versprochen.“
Sie seufzte.
„Willst du auch einen detaillierten Bericht?“
Sie lachte nervös. „Äh, nein. Das ist dein Ding, und ich verstehe es nicht, aber ich liebe dich trotzdem.“
Genau deshalb liebte ich sie auch. „Ich dich auch. Ich rufe an.“
„Gut. Pass auf dich auf.“
Ich beendete das Gespräch und sah auf das Gemälde des ursprünglichen Portsmouth Inn, der großen Villa aus der Jahrhundertwende, die meine Urgroßeltern in ein B&B umgewandelt hatten. Über die Jahre hatten meine Großeltern, und später meine Eltern, als sie es übernahmen, das Haus renoviert und den Besitz vergrößert.
Heute war das Portsmouth Inn eines der luxuriösesten Urlaubsresorts am Ostufer des Lake Michigan. Zwar war es nicht das größte, doch meine Familie hatte sich über drei Generationen einen Namen in Denton gemacht. Ich liebte meine kleine Heimatstadt und das idyllische Haus auf dem Gelände des Resorts, in dem ich aufgewachsen war. Nie hatte ich etwas anderes tun wollen, als das Familienerbe eines Tages zu übernehmen.
Dann hatte ich Timothy in der Highschool kennengelernt und war hin und weg von seinen grandiosen Träumen und seinem sexy Gang. Ich verliebte mich in einen Jungen, der, wie ich gleich nach der Heirat nach dem Collegeabschluss begriff, lediglich ein Träumer war. Timothy stellte sich immer vor, welch unglaubliche Dinge geschehen könnten, aber nachdem er einen Job nach dem anderen verlor und die Zeiten der Arbeitslosigkeit dazwischen immer länger wurden, musste ich einsehen, dass aus ihm nie etwas werden würde.
Er war einfach ein Träumer, kein Macher.
Fünf Jahre lang versuchte ich, meine Ehe am Laufen zu halten, doch dann hatte ich genug. Ich hatte meine eigenen Träume, und darin kam nicht vor, einen unreifen Mann zu unterstützen, der den ganzen Tag herumsaß und auf der Playstation spielte und nur von den Orten auf der Welt träumte, die er einmal bereisen wollte.
Ich stöhnte, nahm einen Stapel Rechnungen zur Hand, die bezahlt werden mussten, und verdrängte die Gedanken an meine gescheiterte Ehe. Doch dann beschloss ich, dass die Rechnungen warten konnten, schob sie zur Seite und überprüfte lieber die Buchungen fürs Wochenende. Sollte sich da ein Fehler eingeschlichen haben, würde ich den ganzen Abend von Telefonanrufen belästigt werden.
Ich arbeitete oft länger und die Arbeit wurde nie weniger, aber der heutige Abend war mir genauso wichtig, und ich wollte nicht gestört werden.
Ich wagte einen Schritt in die Erforschung eines Lebensstils, der mich schon immer neugierig gemacht hatte. Nachdem ich Timothy geheiratet hatte, hatte ich schnell gemerkt, dass ich ihm diesen Teil von mir nicht anvertrauen konnte, also hatte ich ihn verdrängt.
Nach der Scheidung vor einem Jahr hatte ich mich dann in einem Online-Netzwerk namens KinkLife mit Gleichgesinnten getroffen und das Thema recherchiert. Ich suchte jemanden, dem ich mich unterwerfen konnte. Jemanden, der die Kontrolle nach seinen eigenen Wünschen übernahm. Auch außerhalb des Schlafzimmers träumte ich von Unterwerfung. Vor zwei Wochen fand ich endlich einen Master in Grand Rapids und er nahm sogar noch neue Mitglieder in seinem Club auf.
Heute Abend würde ich all meine Fantasien zu sehen bekommen, von denen ich schon als Teenager träumte. Ich würde herausfinden, ob dieser Lebensstil wirklich etwas für mich war oder nichts als eine Fantasie beim Masturbieren. Wieder erbebten meine Innenschenkel und meine Haut rötete sich erregt.
Oh ja, ich wollte es.
Ich konnte es verdammt noch mal kaum erwarten.
Jensen
Obwohl ich immer mehr Anwälte beschäftigte, saß ich vor einem Berg Akten und die Arbeit wurde täglich mehr. Das war der Preis dafür, wenn man eine der erfolgreichsten Anwaltskanzleien in drei Landkreisen führte. Ich konnte mich nicht beschweren, wünschte aber, der Tag hätte mehr Stunden, um alles zu bewältigen. Ich blätterte gerade durch einen Bericht, den ich heute Morgen von meinem Privatdetektiv bekommen hatte, als das Handy klingelte und auf dem Display Dylan angezeigt wurde.
Dylan ignorierte ich nie. „Was ist los, alter Mann?“ Ich grinste. Es ärgerte ihn, wenn ich ihn damit aufzog, dass er bereits graue Haare bekam, obwohl er nur fünf Jahre älter war als ich.
„Ich habe jemanden gefunden, den du kennenlernen solltest. Komm heute Abend in den Club.“
„Du weißt doch, dass ich das nicht tun werde.“ Seit zwei Jahren versuchte Dylan, mich wieder in die Szene zu zerren. „Du weißt, dass ich das nicht kann.“ Ich konnte wirklich nicht. Und würde es auch nicht, obwohl mein Sexleben zwar ausgiebig, aber alles andere als erfüllend war. Was nicht bedeutete, dass ich je wieder die Kontrolle verlieren würde. Meine Muskeln spannten sich an, bis sie brannten. „Ich kann nicht glauben, dass du mich überhaupt darum bittest.“
„Du weißt, dass ich es nicht tun würde, wenn es nicht wichtig wäre.“ Er war ein Master. Er hatte mich betreut und trainiert. Wenn er seine autoritäre Stimme einsetzte, hörte ich ihm zu. „Es kommt eine Neue, und sie ist wie für dich gemacht.“
Das hatte ich einst auch von Courtney gedacht. Aber noch nie hatte ich mich so geirrt. „Dylan …“
„Der Lebensstil ist neu für sie“, fuhr er fort, als hätte er meine wachsende Wut nicht bemerkt. „Sie ist neugierig und absolut hübsch, Jensen. Sie braucht und will dringend jemanden. Mann, wäre ich nicht so begeistert von Gabby, würde ich sie selbst übernehmen. Sie braucht einen starken Meister, einen, der sich im Griff hat. Ich würde sie keinem anderen als dir anvertrauen.“
Verdammter Kerl. Er wusste genau, was er sagen musste. Meine Handfläche brannte bei der Vorstellung, wieder jemanden zu markieren. Es war verdammt lange her. „Du weißt, dass ich draußen bin.“
„Du musst über Courtney wegkommen. Es war nicht deine Schuld, und wenn du mal loslässt, weißt du das auch selbst. Sie war gestört, Jensen. Keiner von uns wusste es oder hätte es ahnen können.“
Bla, bla, bla. Darüber hatten wir schon oft gesprochen. Meine Antwort war immer dieselbe, und da er das wusste, ersparte ich mir eine Wiederholung.
Als ihr Dom war es meine Aufgabe gewesen, es zu wissen. Ich war zu beschäftigt, zu abgelenkt, um die Zeichen zu bemerken. Beziehungsweise, ich hatte sie bemerkt, war aber zu fasziniert von Courtneys Schönheit gewesen, von ihrer Bereitschaft, mir zu gefallen, dass ich sie ignoriert hatte. Darin lag mein Versagen. Ich würde so etwas nie wieder tun. „Vergiss es. Ist sonst noch etwas? Ich muss weiterarbeiten.“
Er fluchte, und dann wurde er noch ernster, doch auch mitfühlend. „Du musst es zumindest in Betracht ziehen, Jensen. Du weißt, dass ich dich nicht zurück ins Luminous holen würde, wenn ich nicht tief in mir wüsste, dass diese Frau für dich bestimmt ist. Ich habe sie gesehen, getroffen und persönlich befragt – was ich dir nur erzähle, damit du siehst, wie ernst es mir ist. Sie ist rein wie frisch gefallener Schnee, Jensen, ich schwöre es dir bei meinem Leben. Fuck, sogar bei Gabbys Leben. So viel würde es mir bedeuten, dass du mir versprichst, wenigstens darüber nachzudenken. Diese Frau hat keinen Mist in der Vergangenheit, der sie von dir abhalten könnte. Sie ist neu, aber sie weiß schon viel und kommt heute Abend für eine Tour vorbei. Sie will einen Meister oder einen Dom kennenlernen, und ich habe ihr gesagt, es wäre ihre Entscheidung, aber ich weiß, dass der Einzige, der mit ihr umgehen und sie zähmen kann, du bist. Bitte sorge nicht dafür, dass ich sie ablehnen muss.“
Sie zähmen. Mit ihr umgehen. Sie kontrollieren. Alles Dinge, nach denen sich meine Seele sehnte. Auch wenn ich nicht sollte oder konnte, alles, was Dylan sagte, erweckte die Neigung in mir, die ich vor zwei Jahren in den Winterschlaf gelegt hatte. Nun reichte er mir den größten Teil von mir selbst zurück. Den Teil, der nach dem Sex mit einer schönen Frau, die ich mehrmals zum Kommen gebracht hatte, ehe ich an mich selbst dachte, das Bett unbefriedigt verließ. Egal wie gut der Sex war und wie aufgeschlossen die Frau war, nie genügte es mir.
Ich musste die Sache schon im Ansatz ersticken. „Ich muss jetzt wirklich wieder an die Arbeit.“ Aber, verdammt noch mal, mein Schwanz war bereits hart bei dem Gedanken an eine Frau, wie Dylan sie beschrieb.
„Denk darüber nach“, befahl er. „Und sei um 22:00 Uhr hier. Ich werde Joe Bescheid sagen, dass du kommst.“
Er legte auf.
Ich warf das Handy auf den Schreibtisch, bedeckte das Gesicht mit den Händen und stöhnte. Verdammt sei Dylan, dass er mich an Courtney und die zwei Jahre, die ich sie gehabt hatte, erinnerte. Sie war nicht nur schön gewesen, sondern auch ausdrucksstark und empfänglich. Ich hatte sie für die perfekte Sub gehalten. Und was war ich doch heftig auf und in ihr gekommen, bei ihrem Geschmack und meinen Markierungen auf ihren Schenkeln und ihrem Hintern.
Obwohl ich immer wieder über die letzten sechs Monate unserer Vereinbarung nachgedacht hatte, verstand ich heute noch nicht, wie alles derartig schiefgehen konnte.
Ich hatte zu viele offene Fragen, zu viele Bedenken.
Dennoch, wider alles besseren Wissens drückte ich auf den Knopf der Sprechanlage und sagte meiner Assistentin Claire, dass sie den heutigen Termin zum Abendessen auf morgen verschieben sollte.
Kapitel 2
Haley
Ich rieb meine Handflächen aneinander. Sie waren kalt und klamm, trotz der Hitze und sommerlichen Luftfeuchtigkeit.
Ich tat es tatsächlich.
Gleich würde ich persönlich vor mir sehen, was ich mir immer nur hatte vorstellen können.
Angst und Aufregung durchliefen mich gleichzeitig. Würde ich es abstoßend finden? Wäre die Realität zu viel für mich? Oder würde mich der Gedanke, die Möglichkeit, eine der zur Schau gestellten Frauen zu sein, anmachen? Eine, die vor aller Augen von einem Dom bespielt wurde, der wusste, was er tat.
Ich nahm einen tiefen Atemzug, der auch nichts zur Beruhigung beitrug, atmete aus und blickte noch einmal in die Gasse hinter mir.
Das Luminous war ein geheimer Club nur für Mitglieder und nirgends gelistet. Master Dylan hatte mir erst davon erzählt, nachdem ich ihn auf KinkLife angeschrieben und letzte Woche persönlich auf einen Kaffee getroffen hatte.
Viele Jahre hatte ich mich danach gesehnt, diese Seite in mir zu erforschen, doch jetzt, wo ich hier war … hatte ich überhaupt den Mut?
Ja.
Den hatte ich.
Ich nahm die Schultern zurück und die Türklinke in die Hand. Mit geradem Rücken betrat ich das Luminous und war sofort von der Sinnlichkeit des kleinen Foyers beeindruckt. Ein schwerer, silberner Vorhang trennte es vom eigentlichen Club. Indirekte Beleuchtung mit winzigen weißen, funkelnden Lichtern umrahmte die Decke und erhellte alles auf sanfte Weise. Die dunkelgrauen Wände funkelten ebenfalls, als wäre der Farbe Glitter beigemischt. Es war irgendwie dunkel und doch gleichzeitig verführerisch hier.
Von rechts erklang eine tiefe Stimme. „Kann ich dir helfen?“
Ein Mann stand hinter einem schwarzen Tresen und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Sein goldbraunes Haar war an den Seiten kurz geschnitten und oben länger, perfekt gestylt und auf die Seite gekämmt. Eine dünne Narbe verlief durch seine Lippen. Mit den tiefbraunen Augen fühlte ich mich von seinem Blick durchbohrt. Ich kämpfte die Nervosität nieder, die mich wie eine Flutwelle erfassen wollte.
„Ich habe einen Termin mit Master Dylan. Er sollte mich erwarten.“
Der Mann sah kurz nach unten und dann wieder zu mir. „Haley?“
Hätte ich doch nur einen Alias benutzt. Wollte ich etwa, dass die Leute wussten, wer ich wirklich war? Andererseits ging es hier genau darum, mich nicht zu verstecken und ganz ich selbst zu sein. „Ja, Sir.“
Der Mann grinste und entblößte einen Mund voll strahlend weißer Zähne. „Ich bin Joe. Du brauchst nicht so förmlich zu sein.“
Zwar hatte ich nur höflich sein wollen, doch daraufhin nickte ich ihm kurz zu. „Vielen Dank.“
Er legte einen Finger an sein Ohr, in dem der kleine Knopf eines Kommunikationssystems steckte, und murmelte: „Yep. Sie hat endlich den Mut gefunden, reinzukommen, und wartet jetzt auf dich.“
„Äh, woher weißt du …? Wie hast du …“, stotterte ich und sah zur Tür, durch ich soeben getreten war.
„Keine Sorge, das ist ganz normal. Dylan überwacht jeden Zentimeter hier, außen und innen, zur Sicherheit aller Besucher. Und falls es dich beruhigt, du hast dich weit besser angestellt als die meisten, die zum ersten Mal herkommen.“
Äh, nein, das beruhigte mich kein bisschen. Doch ich lächelte ihn schwach an. „Oh, das sollte ich wohl als Kompliment nehmen, danke.“
Er trat hinter dem Tresen hervor und stellte sich neben den Vorhang, der vor und zurück wehte, da Bewegung hinter ihm stattfand. „Viel Spaß, Haley. Master Dylan wird sich gleich mit dir an der Bar treffen.“
Er zog den Vorhang auf und bedeutete mir, hindurchzutreten. Ich nahm den Blick von ihm und betrachtete den offenen Raum vor mir. Das Innere eines alten Lagerhauses hätte ich nie derartig luxuriös vermutet. Ich hatte etwas Dunkleres in Rottönen vermutet, etwas, das deutlich Sex und Sünde ausrief. Es war eher das Gegenteil der Fall. Glitzernde, tiefgraue Wände wie im Empfangsbereich. Poliertes, dunkles Holz fiel mir als Erstes ins Auge. Ich ließ den Blick schweifen und konnte mich kaum auf etwas Bestimmtes konzentrieren. Riesige Kronleuchter mit tränenförmigen Ornamenten hingen von der Decke und reflektierten das Licht auf die Wände und den Boden. Alles flüsterte Traumwelt und Begehren. Wie mir Master Dylan bereits erklärt hatte, war dies der allgemeine Treffpunkt und die intimeren Bereiche lagen oben im ersten Stock.
Was er nicht hatte beschreiben können, war das Gefühl, dass die sanfte Musik ein Pulsieren erzeugte, das diese erotische Höhle durch und durch aufheizte. Es ging mir unter die Haut, bis mir das sowieso schon sehr enge schwarze Kleid zu einengend vorkam. Mein Atem wurde schneller und ich trat in den High Heels von einem Fuß auf den anderen.
Leute saßen an Tischen und an der Bar und ich betrachtete sie alle. Einige trugen Ledersachen, andere Jeans oder Anzüge. Die Frauen trugen Dessous-Outfits, enge Anzüge oder bodenlange Abendkleider. Hier war alles möglich, und das war das Einzige, was mich nicht überraschte. Dieser Lebensstil war für alle und jeden gedacht. Sex und Begierde waren nicht nur an die körperliche Anziehungskraft zwischen zwei Menschen gebunden, sondern auch an das Verlangen, dass es von einer anderen Person erfüllt wurde. Und das bedeutete nicht immer nur Sex. Geschlechtsverkehr war innerhalb des Clubs nicht einmal erlaubt, was allerdings nicht bedeutete, dass man keine Orgasmen haben durfte. Dazu konnte es bei den Demonstrationen durchaus kommen oder in den öffentlichen oder privaten Spielräumen. Master Dylan hatte erklärt, dass viele in dieser Gemeinschaft nicht unbedingt Sex brauchten, sondern das Spiel mit einem Partner. Das gehörte nicht unbedingt zusammen. Ohne Sex konnte man sich entspannter fühlen und war bereiter, Experimente zu machen und zu üben. Außerdem sorgte es dafür, dass niemand dachte, hier könnte man Sex kaufen, falls jemand den falschen Eindruck von seinem Club bekommen könnte.
Verlangen brodelte in mir hoch, als ich an die Bar ging. Mit jedem Schritt auf den glatt polierten Tresen zu stieg meine Vorfreude. Ich blickte durch den Raum, sah die flackernden Lichter, nahm die sanfte Veränderung der Musik wahr, die gemurmelten Unterhaltungen und das leise Gelächter. Niemand beachtete mich.
Das alles saugte ich auf, und als ich die Bar erreicht hatte, hatte es mich vor Verlangen fast verrückt gemacht. Ich brauchte mehr als nur Befriedigung. Ich brauchte die Unterwerfung.
„Haley“, sagte eine raue Stimme links von mir.
Ich sah zu dem Mann und konnte kaum das Nach-Luft-Schnappen zurückhalten. Zuerst hatte ich im Internet Fotos von Master Dylan gesehen und mich dann auf einen Kaffee mit ihm getroffen. Doch in dieser Umgebung war er noch viel beeindruckender und machtvoller. Mit seinem karamellfarbenen Teint, dem kurzen schwarzen Haar und den noch dunkleren Augen versengte er mir fast die Haut, als er mich von oben bis unten betrachtete und mir dann in die Augen sah.
„Ich bin begeistert, dass du heute gekommen bist“, sagte er, legte eine Hand auf meine Schulter und verringerte den Abstand zwischen uns.
Instinktiv wandte ich den Blick ab. Für jemanden wie mich, der sich unterwerfen wollte, obwohl noch untrainiert, war es schwer, ihm in die Augen zu schauen. Mit seiner großen Erscheinung, den Muskeln, die unter dem schwarzen Anzug zu erahnen waren, und dem tiefen Timbre seiner Stimme strahlte er aus, dass er in der Lage war, auf viele Arten zu dominieren. Zwar war er nicht mein Master und hatte mir von seiner monogamen Beziehung mit seiner Sklavin Gabby erzählt, sodass er das auch nie sein würde, doch das spielte keine Rolle. Seine tiefgründigen schwarzen Augen schienen direkt in meine Seele zu blicken.
„Danke, dass du dir die Zeit für mich nimmst“, brachte ich mit einem schwachen Lächeln heraus.
Er bewegte seine Hand auf meinen unteren Rücken und dadurch fühlte ich mich schon entspannter. Seine Berührungen waren nicht sinnlich, sondern eher beruhigend.
„Bestellen wir dir einen Drink und dann setzen wir uns hin und reden, und wenn du so weit bist, führe ich dich herum. Klingt das gut?“
Oh Gott. Es geschah wirklich. „Ja, Sir.“
„Sehr schön“, antwortete er.
Ich spürte, dass ihm meine Antwort gefiel, und verbarg ein Grinsen.
Nachdem er erklärt hatte, dass es im Club eine Zwei-Drinks-Regel gab und Trinken nur hier im allgemeinen Bereich erlaubt war, bestellte er mir ein Glas Champagner und führte mich an einen Tisch in der Mitte des Raumes. Männer wie Frauen grüßten Master Dylan beim Vorbeigehen, entweder verbal oder durch ein Nicken. Es fiel mir leichter, als ich gedacht hätte, an der Art ihrer Reaktionen zu erkennen, wer Sub und wer Dom war. Frauen, die eindeutig Subs waren, senkten ihr Kinn, schrumpften praktisch vor ihm, während sich die dominanten Männer und Frauen aufrichteten, größer und stärker wurden. Der Gegensatz war offensichtlich und gleichzeitig verführerisch.
Ich konnte das Verhalten der Subs nachvollziehen. Es war, als ob man vor seiner ihm innewohnenden Macht niederknien wollte. Ich musste gegen den Drang ankämpfen, dasselbe zu tun.
Diese Erkenntnis war alles, was ich brauchte.
So war ich. Es wurde mir bewusst, als mich Master Dylan zum Tisch führte. Anstatt mich vor ihm zu fürchten, akzeptierte ich ihn. Meine Nervosität verschwand, als ich das begriffen hatte.
„Etwas ist passiert auf dem Weg hierher“, sagte er aufmerksam und führte sein Glas Wodka an die Lippen. „Ich habe gespürt, dass du dich verändert hast. Magst du es mir erklären?“
Unglaublich, dass es ihm aufgefallen war. Allerdings sollte es mich wohl nicht erstaunen, wo er doch so weise und wissend wirkte. Manchmal sagte Master Dylan Dinge, als wüsste er mehr über mich als ich selbst.
Ich sah in mein Champagnerglas, das ich vorsichtig zwischen den Fingern hielt. Die Flüssigkeit zitterte im Glas. Schnell stellte ich es ab und wischte mir mit den zittrigen Händen über die Oberschenkel.
Er ließ mir Zeit, meine Gedanken zu sammeln, doch es dauerte nicht lange, bis ich ihn fast direkt ansehen konnte. „Ich bin genauso“, sagte ich. Scham erhitzte meine Wangen. Um den Kopf klarzukriegen, schüttelte ich ihn kurz. „So, wie sich hier alle verhalten und reagieren … auf dich und andere. Es ist schwer zu erklären, aber ich muss an Timothy denken. In unserer Ehe lag mir immer ein Stein im Magen, als hätte sich ein Felsen dort niedergelassen, den ich ständig beiseiteschieben musste.“ Ich trank einen Schluck. Die Kohlensäure kitzelte in meiner Kehle. Ich atmete tief aus. „Ich spüre deine Macht, erkannte sofort eine Sub, die vor dir zusammengeschrumpft ist. Und ich fühle mich mit ihr verbunden.“
Sein Blick wirkte zufrieden. Ich lächelte und die Anspannung fiel mir von den Schultern.
Er beugte sich vor und stützte sich mit den Unterarmen auf dem Tisch ab. Sein Blick fiel auf den Spiegel auf der anderen Seite und dann sah er mich wieder an. „Hast du Fragen an mich? Oder möchtest du jetzt mit der Führung beginnen?“
Jensen
Das dürfte alles gar nicht passieren.
Wieder im Club zu sein, der einmal mein zweites Zuhause gewesen war und den ich vor so langer Zeit verlassen hatte, hätte mich nicht derartig innerlich beruhigen sollen. Auch hätte es sich nicht so anfühlen sollen, als wäre ich zurück zu mir selbst gekommen, als ich von einigen Doms im Vorbeigehen begrüßt wurde. Und Joes verspielter Schlag auf meine Schulter hätte mir nicht so viel bedeuten sollen.
Jeder meiner Atemzüge, jeder erkennende Begrüßungsblick der anderen hätte mich dazu bringen sollen, auf dem Absatz kehrtzumachen und den Ort zu verlassen, dem ich einst abgeschworen hatte.
Doch ich war immer noch hier, in Dylans Büro, das eher wie ein Zimmer in einem Fünfsternehotel wirkte als ein Büro. Solange man die Spanking-Bank und die Sex-Chaiselongue in der Ecke übersah.
Allein der Anblick der Gerätschaften in diesem Zimmer ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen und mein Blut verlangend pulsieren.
All das geschah, bevor Haley kam.
Als sie durch die Gäste schritt, floss Adrenalin durch meine Adern. Dylan hatte recht. Sie war perfekt. Groß und gertenschlank, lange, schokofarbene Haare. Als das Licht der Kronleuchter günstig auf sie fiel, schimmerten und funkelten ihre Haare atemberaubend. Ihre großen, rehartigen, grünen Augen beobachteten alles genau, und wie sie leicht die Lippen erstaunt öffnete, zeigte deutlich, dass ihr der Lebensstil neu war.
Dylan führte sie mit der Hand an ihrem Rücken zu einem Tisch. Ich ballte eine Faust und unter meinem schwarzen, langärmeligen Hemd erhob sich mein Bizeps. Jeder hier wusste, dass Dylans Handbewegung Besitz anzeigte. Doch er hatte bereits eine Sklavin. Haley gehörte nicht zu ihm.
Aber sie kann auch nicht dir gehören.
Am liebsten hätte ich mir und damit meinem Gewissen eine Kugel durch den Kopf gejagt, um es verfickt noch mal zum Schweigen zu bringen.
Als Dylan sie zum Tisch führte, sah sie noch einen anderen Master. Thomas. Sofort senkte sie das Kinn, mied seine Augen, während ihre perfekte cremefarbene Haut leicht rosa wurde. Das berührte mich verdammt tief. Dieser eine Blick weckte den Dom in mir, der sich an die Oberfläche kämpfte und drohte, mir die Kontrolle zu entreißen, obwohl ich mir geschworen hatte, nie wieder so zu leben. Nie wieder eine Sub zu trainieren.
Während sie mit Dylan sprach, wurden ihre Bewegungen immer sicherer, das zittrige Lächeln wurde breiter und ihre Selbstsicherheit nahm zu.
Nicht Dylan sollte derjenige sein, der ihre Fragen beantwortete. Und Dylan sollte sie auch nicht durch die Räume führen. Und es sollte auch nicht der verfluchte Dylan sein, der seine Hand auf ihre legen durfte, während er mich angrinste und wusste, dass ich ihn beobachtete. In mehr als zehn Jahren Freundschaft hatte ich ihm nie so sehr eine reinhauen wollen wie jetzt.
Mehr brauchte ich nicht, um mich zu entscheiden.
Ich wollte sie.
Ich wollte sie zähmen.
Und sobald sie trainiert wäre, würde ich sie einem anderen übergeben, der ihr Dauerhaftigkeit und Stabilität bieten konnte.
Kapitel 3
Haley
Nicht zum ersten Mal seit Beginn unseres Gesprächs grinste Master Dylan zum Spiegel. Da er mir nicht eitel vorkam und nicht ständig seine Frisur überprüfen musste, irritierte es mich langsam.
„Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte ich, entzog ihm meine Hand und legte sie auf meinen Schoß.
„Wie bitte?“ Er sah mich halb grinsend, halb verwirrt an.
„Der Spiegel. Du schaust immer wieder hinein.“
Master Dylan lehnte sich zurück und nahm seinen Wodka in die Hand. Er sah mich an und ließ die Eiswürfel in dem fast leeren Glas klirren. „Nein, du hast nichts falsch gemacht“, sagte er mit leiser Stimme, sodass es fast ein Schnurren war.
Verdammt, das berührte mich. Alles hier. Mein Verlangen war stetig gestiegen, während er mir Fragen stellte. Wo meine Grenzen lagen, was mich am meisten interessierte, woran ich am häufigsten dachte. So sehr, dass ich beim Bewegen auf dem Ledersitz spürte, wie mein Höschen immer feuchter wurde.
Während des Gespräches hatten sich einige Paare gefunden und waren zur Treppe nach oben gegangen.
Als ich ihn gebeten hatte, die Führung zu beginnen, hatte er mich gebeten, noch zu warten. Da ich aber nur deswegen hier war, beunruhigte mich das etwas.
„Also“, sagte Master Dylan und deutete mit dem Kopf Richtung Spiegel, „dahinter befindet sich mein Büro. Jemand beobachtet uns, jemand, den ich für perfekt für dich halte. Ich habe darauf gewartet, dass er aus sich herauskommt, und anscheinend tut er das jetzt, nachdem er gesehen hat, dass ich dich angefasst habe.“
Ich zuckte zurück. „Was?“
Er beugte sich vor und sprach leise, doch ernst. „Ich habe mich mit jemandem über dich unterhalten. Mit dem besten Dom, den ich kenne. Momentan trainiert er niemanden, aber er wäre der perfekte Dom für dich.“
„Ich dachte, ich darf mir einen aussuchen.“ Eine Mischung aus Irritation und Ach-du-Scheiße-tu-es-doch-einfach kreiste durch meinen Verstand.
„Das ist auch so. Wenn du willst, kannst du ihn ablehnen. Aber ich mache das hier schon lange, Haley. Du solltest mir erst mal vertrauen.“
Seine Worte umhüllten mich wie eine warme Decke. Als ob jemand endlich verstanden hatte, was ich brauchte, und wusste, wie er es mir geben konnte. Es war tröstlich und gab mir die Zuversicht, weiterzumachen. Vertrauen und eine offene Kommunikation waren das Wichtigste an diesem Lebensstil. Dylan war ehrlich, und ich wüsste nicht, warum ich ihm nicht trauen sollte. Außerdem wusste er viel besser, wer ein guter Dom war, als ich.
Auch wenn es mir schwerfiel, ihm direkt in die Augen zu schauen, tat ich es. „Okay. Ich möchte ihn gern kennenlernen.“
Seine schwarzen Augen glänzten wie polierter Onyx. Er lächelte anerkennend. „Braves Mädchen.“
Meine Schultern bebten. Ich konnte meine Reaktion nicht verhindern. Ich hätte mich dafür geschämt, doch mir blieb keine Zeit, denn als ich gerade den Mund öffnen wollte, fiel ein Schatten über unseren Tisch. Ein Mann mit der sinnlichsten und selbstsichersten Stimme, die ich je gehört hatte, sagte:
„Master Dylan, ich glaube, du wolltest mich dieser schönen Frau vorstellen.“
Wieder erzitterte ich, schaffte es jedoch, es zum größten Teil zu unterdrücken. Ich nahm nicht den Blick vom siegessicheren Gesicht Master Dylans, dessen Lächeln frecher wurde.
„Hast du dich unterwegs verlaufen?“
Ein tiefes, knurrendes Lachen kam von dem Mann neben dem Tisch. „Es ist lange her, ich habe den Weg vergessen.“
Master Dylan zwinkerte ihm zu und wandte sich an mich. Ich hatte noch nicht den Mut gehabt, mir den Mann anzusehen, den Dylan anscheinend für mich handverlesen hatte.
„Haley …“
Der Mann neben mir unterbrach ihn. „Ich heiße Jensen. Du darfst mich Sir nennen.“
Ich zwang mich dazu, weiterzuatmen, und drehte mich zu dem Mann um, dessen Stimme eine Mischung aus sinnlicher Verstimmung und Irritation mit einer gehörigen Portion Verlangen war. Ich ließ den Blick über seinen unglaublich gut geformten Körper schweifen. Er trug Jeans, die sich perfekt um seine Schenkel und seinen gut bestückten Schritt schmiegten, einen schweren schwarzen Ledergürtel um die schmale Taille und ein schwarzes Hemd über der Wölbung seines Brustkorbs. Ich sah einen gut gepflegten Bartschatten, einen vollen rosa Mund mit zwei kleinen Spitzen an der Oberlippe und eine leicht schiefe römische Nase.
Er hatte die Brauen irritiert zusammengezogen und seine steifen Schultern zeigten Ungeduld, doch seine Augen faszinierten mich am meisten. Kleine Seen in einem tiefen Blau, blauer als der Saphirring, den ich immer trug, gaben mir fast den Rest. Sie erzählten eine Geschichte, die ich sofort entdecken wollte.
Mein Brustkorb zog sich zusammen. Gott, dieser Mann war sexy. Absolut außerhalb meiner Liga. Ich sah kurz zu Dylan, der mir zunickte. Wollte er, dass ich mit diesem Mann sprach? Ich brachte kein Wort heraus.
Ich sah wieder zu Jensen.
Sein Blick wurde grimmiger. „Willst du mir nicht Hallo sagen?“ Er hob eine Braue.
Master Dylan hüstelte.
Ich durchbrach den Zauber, der mich anscheinend gefangen hielt, und wandte den Blick von Jensen ab, als ich meinen Fehler erkannte. „Sorry, Sir“, sagte ich schnell. Erstaunlich, wie unzureichend dieses Wort war. „Entschuldigung, ich bin Haley.“
Ich reichte ihm die Hand und seine Finger griffen fest zu. Feuerfunken rieselten durch mich hindurch bei diesem kleinen Kontakt. Ich zuckte zusammen, erschrak über meine eigene Reaktion, doch sein Griff wurde noch fester.
Er zog an meiner Hand, bis ich mich erheben musste und direkt vor ihm stand.
„Ich bin kein Master. Du darfst mir in die Augen schauen, wenn wir miteinander reden, es sei denn, ich stimme zu, dich zu trainieren, und wir befinden uns in einer Szene. Hast du das verstanden?“
Ich starrte weiter auf seine Hand um meine. Spielend leicht hatte er mich in die stehende Position gezogen. Die Luft um uns knisterte vor Anspannung. Es kam mir so vor, als ob uns tausend Augen beobachteten, doch ich konnte niemanden ansehen. Auch konnte ich nicht den Blick heben und ihn ansehen, obwohl er das gerade eben verlangt hatte. Mein Atem beschleunigte sich und veranstaltete ein Wettrennen mit meinem klopfenden Herzen.
„Haley“, sagte Jensen warnend. „Sieh mich an.“
Es war ein Befehl. Und ich wollte gehorchen. Er wusste, dass es neu für mich war, und wenn Master Dylan dachte, dass dieser Mann perfekt für mich war, dann hatte er ihm erzählt, was ich wusste und dass ich willig war. Es fiel mir schwer, doch ich gehorchte. „Schön, dich kennenzulernen, Sir.“ Ich war wie ausgedörrt und wollte verzweifelt gern nach meinem Champagnerglas greifen, doch ich konnte den Blick nicht von dem Mann vor mir nehmen. Oder ihm meine Hand entziehen.
Eine ähnliche Emotion flackerte in Jensens Augen und er betrachtete mich von oben bis unten.
Zwar hielt ich mich selbst nicht für besonders schön, doch ich hatte auch kein Problem mit dem Selbstvertrauen. Abgesehen von den paar Jahren, in denen ich jämmerlich versucht hatte, meine Ehe zu retten, die nie hätte stattfinden sollen, was meinem Selbstbewusstsein einen Dämpfer gab, hatte ich Eltern, die mich mit ihrer Liebe überschütteten. Und es gab immer genügend Männer um mich herum, die mir bewiesen, dass ich körperlich durchaus attraktiv war.
Jensen schien nach etwas über das Körperliche hinaus zu suchen, das unter dem kurzen schwarzen Kleid lag. Nach den vom jahrelangen Yoga und Joggen wohlgeformten Schenkeln und Waden.
Ich hätte ewig einfach nur so dastehen können und mich von ihm betrachten lassen. Jeder Teil meines Körpers, über den sein Blick schweifte, erwachte. Es kribbelte in meiner Brust. Zwischen meinen Schenkeln begann ein Pulsieren. Nässe wurde von meinem Höschen aufgesaugt. Unter dem knappen Spitzen-BH und dem Satin des Kleides wurden meine Nippel hart.
„Ich würde dich gern herumführen“, sagte Jensen und sein Griff um meine Hand wurde kurz lockerer.
Ich nickte, doch er blieb stehen und hob langsam eine Braue. Dann räusperte ich mich und antwortete. „Okay, ja, das wäre nett.“
Seine Lippen, die er zusammengepresst hatte, zuckten im Mundwinkel. „Ja, was?“
Oh. Verdammt. „Sir. Ja, Sir. Ich hätte gern eine Führung, Sir.“
Sein Mundwinkel zuckte erneut. „Es reicht, es ein Mal zu sagen, meine Schöne.“
Mein Magen machte einen Salto. Meine Schöne.
Oh Gott. Aber das war nichts Besonderes. Dennoch war es wichtig. Auf seine Weise hatte er mich die Seine genannt.
Meine Knie gaben nach. Nicht vor Verlangen, vor ihm auf die Knie zu fallen und ihm zu dienen, sondern wegen der Empfindungen, die meinen Körper in Flammen setzten.
Er fing mich auf, bevor ich fallen konnte. „Alles okay?“ Er sah zum Tisch, und mir fiel ein, dass Master Dylan ja immer noch da war. „Wie viel hat sie getrunken?“
Ich sah Master Dylan über die Schulter hinweg an.
Er grinste. „Das ist immer noch ihr erstes Glas, das weißt du doch.“
„Stimmt.“
Seine Hand an meiner Hüfte fühlte sich wie ein Brandeisen an. Heiß, schmerzhaft. Ich war jetzt schon ein Wrack und hatte ihn gerade erst kennengelernt. Hatte noch keins der Zimmer gesehen, hätte jedoch bei der kleinsten Berührung einen Orgasmus haben können. Oder auch ohne jegliche Berührung. Alle Teile in mir, die immer getrennt voneinander gewesen waren, in verschiedene Richtungen gezerrt oder zerbrochen worden waren, begannen, sich wieder zusammenzusetzen.
Ich hatte recht gehabt. Ich wollte das hier und brauchte es, und es hatte nur wenig mit dem mysteriösen und mächtigen Mann vor mir zu tun.
„Ich hätte wirklich sehr gern die Tour, Sir“, sagte ich leise und holte so seinen Blick von Master Dylan zu mir zurück.
„Okay, dann los.“
Jensen
Von Dylans Büro aus, aus der Ferne und in dem gedämpften Licht, hatte Haley hinreißend ausgesehen. Und als sie mich das erste Mal ansah, hatte es mir den Atem verschlagen. Sie war auf unaufdringliche Weise wunderschön. Ihre grünen Augen mit den goldenen Einsprengseln wurden von dichten Wimpern umgeben.
Diese Augen berührten mich, und als sie mich zögerlich anlächelte, ihre Lippen sich vor offensichtlicher Anziehung zu mir leicht öffneten, vergaß ich kurz alle Bedenken. Vergaß, warum ich die Finger von ihr lassen sollte. Ich wollte sie vor mir auf den Knien sehen, meinen Befehlen unterworfen, und zwar nicht in einem Spielzimmer, wo ich sie nicht frei erkunden konnte, sondern in meinem Schlafzimmer, wo ich all die versauten Dinge tun konnte, nach denen ich mich so verzweifelt sehnte.
Ihr Duft war leicht und unaufdringlich, genau wie alles an ihr, dennoch verlockend. Ihre Porzellanhaut wirkte, als hätte sie noch nie einen Tag in der Sonne verbracht. Das hatte Dylan mit rein gemeint. Sie wirkte so. Ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, wie sie wohl mit meinen Markierungen aussehen würde, die ihre Haut vorübergehend entstellen würden, und wie es wäre, zu wissen, dass sie mich unter ihrer sexy Kleidung immer mit sich herumtrug.
Oh Mann. Ich verfiel schnell. Nicht ihr, sondern der Kontrolle, die ich einst gehabt hatte.
Mit jeder Faser dieser Kontrolle führte ich sie durch die offenen Spielräume und begriff irgendwann, wenn ich sie trainieren wollte, sollte ich wahrscheinlich auch mit ihr sprechen.
Mit der Hand auf ihrem unteren Rücken führte ich sie die Treppe hinauf. Dylan hatte mir versichert, dass die Szenen, die wir heute beobachten konnten, gewisse Dinge beinhalteten, auf die Haley stand. Ich wusste nicht, was das war, denn ich hatte nicht zugehört, als mir dieser hinterlistige, manipulative Mistkerl alles erzählt hatte.
Und jetzt konnte ich es nicht erwarten, es zu erfahren. Mein Schwanz war so hart, dass er gleich den Reißverschluss sprengen würde.
„Du hast mit Master Dylan über deine Grenzen gesprochen?“, fragte ich und benutzte absichtlich Dylans Dom-Anrede. Ich selbst als Dom musste das im öffentlichen Bereich nicht tun, tat es aber stets aus Höflichkeit. Er war ein guter Freund, auch wenn ich ihm immer noch gern eine reinhauen würde.
Sie hüstelte und senkte den Blick auf ihre Schuhe. Diese waren verdammt sexy, genau wie alles an ihr. Sie kleidete sich, als wäre sie schon im Club gewesen und würde dazugehören. Das schimmernde schwarze Kleid schmiegte sich perfekt um ihre vollen Brüste und ihre Hüften. Die Stilettos hatten nur zwei silberne Riemchen über den Zehen und um die Knöchel. Sie betonten ihre Beine sowie den roten Nagellack. Wenn sie versucht hatte, einen submissiven Look zu erreichen, war es ihr misslungen. Sie sah mehr wie eine Verführerin aus, und ich war in Versuchung.
„Äh, ja, Sir. Wir haben darüber gesprochen, was ich suche, was ich möchte und was mich an dem Lebensstil interessiert.“
„Du hattest noch keinen Dom.“ Das war keine Frage, denn ich wusste es bereits. Aus irgendeinem Grund wollte ich wissen, warum. Mir gefiel die Vorstellung, ihr Erster zu sein. Ich hatte schon vor Courtney andere trainiert, und es war immer etwas Besonderes, wenn man als erster Dom eine Frau markierte, ihr die richtigen Positionen zeigte. Wenn sie sich einem ergaben, und wenn man wusste, dass man der Erste war, dem sie es erlaubten … Fuck, allein bei dem Gedanken daran wurde ich noch härter.
Sie schüttelte den Kopf, und als wir an der Treppe angekommen waren, nahm sie die Unterlippe zwischen die Zähne.
„Und warum nicht?“
Sie erlöste ihre Lippe und hielt den Blick gesenkt. Wenn wir uns besser gekannt hätten, hätte ich darauf bestanden, dass sie mich nicht direkt ansah, doch jetzt war es anders. Ich trat neben die Treppe, um niemandem im Weg zu stehen, und als sie mir folgte, berührte ich ihr Kinn und hob ihr Gesicht an.
„Eine Sub sieht mir nicht in die Augen, außer ich bitte sie darum, aber das gilt nur während einer Szene. Wenn wir miteinander reden, uns kennenlernen, muss ich dich lesen können und du mich. Verstanden?“
„Ja.“
Ich hob warnend eine Braue und sie korrigierte sich sofort.
„Ja, Sir. Ich verstehe.“
„Braves Mädchen“, wisperte ich. „Also, warum hattest du noch nie einen Dom? Warum interessierst du dich erst jetzt dafür?“
Ihre Brust hob und senkte sich schneller und sie biss sich wieder auf die Lippe. Ich bewegte leicht den Daumen und holte ihre Lippe zwischen ihren Zähnen hervor. „Es wird nie einen Grund geben, Angst vor mir zu haben oder vor all dem. Und wenn du wirklich trainiert werden willst, müssen wir miteinander kommunizieren, und wir werden Dinge besprechen, von denen du nie gedacht hättest, je darüber zu reden. Ich werde dich also nicht noch einmal fragen. Wenn du mir bei dieser Frage nicht vertrauen kannst, der einfachsten von allen, macht es keinen Sinn, weiterzumachen.“
„Okay, Sir. Es ist nur sehr persönlich. Ich bin geschieden und war schon immer daran interessiert, aber mein Ex nicht.“ Sie sah zur Seite, zog die Nase kraus und sah mich wieder an.
„Hat er dich missbraucht?“ Ich mochte diese Frage nicht, doch diese Art Fragen waren wichtig, um den Hintergrund der Sub zu erfahren. Traumatische Erinnerungen zu wecken, war das Letzte, was ein Dom wollte.
Ihr entkam ein leises, prickelndes Lachen. Heilige Scheiße, lachend war sie noch schöner, es haute mich fast um. Es traf mich mitten in die Brust.
„Nein, Sir.“ Humor tanzte in ihren Augen. „Das hätte Anstrengung bedeutet. Mein Ex arbeitete schwer daran, so wenig Energie wie möglich in alles zu stecken.“
Ich hätte gedacht, ein Mann, der eine Schönheit wie diese verlor, konnte nur ein Arschloch sein, das sie schlecht behandelt hatte. Aber faul sein war wahrscheinlich genauso schlimm. In mir zog sich dennoch alles zusammen bei dem Gedanken, dass sie verheiratet gewesen war. Noch dazu lange. Jemand hatte sie bereits in Besitz genommen, auch wenn er sie achtlos weggeworfen hatte. Ein tiefes Knurren wollte in mir hochkommen, doch ich zwang es wieder nach unten. Es hatte keinen Sinn, auf Haley Besitzansprüche anzumelden. Ich würde sie nur trainieren, sie lehren und wieder gehen lassen. Das war der Plan.
Ich seufzte. „Okay. Also, es gibt drei Räume, in die wir gleich gehen. Wir schauen überall ein paar Minuten zu. Dann gehen wir in ein Einzelzimmer und sprechen über das, was du gesehen hast. Wenn du dich entschieden hast, von mir trainiert zu werden, reden wir das nächste Mal über deine Grenzen.“
Ihre Augen weiteten sich, die Pupillen wurden größer, bis das Grün fast unsichtbar war. Verdammt, allein darüber zu reden, machte sie schon an. Ich hatte den Verdacht, wenn ich sie jetzt bitten würde, das Kleid zu heben, sodass ich über ihre Mitte streicheln konnte, wäre sie total nass. Ich konnte ihre Erregung riechen. Köstlich. Noch verführerischer als ihr Körper.
Ohne Vorwarnung nahm ich ihre Hand und zog sie durch den Flur in den ersten Raum. Es wurde Zeit, dass sie erkannte, worauf sie sich eingelassen hatte, und es kam auf ihre Reaktion an, an der ich ablesen musste, ob sie überhaupt mit mir umgehen könnte.
Kapitel 4
Haley
Noch nie war ich so erregt gewesen. Die sinnliche Atmosphäre im gesamten Club hatte mich derartig unter Spannung gesetzt, dass ich jederzeit einen Kurzschluss bekommen konnte, seit mich Master Dylan zum ersten Mal berührt hatte.
Von Jensen angefasst zu werden, war eine ganz andere Geschichte. Während Master Dylan respektvoll und freundlich war, jagten Jensens Berührungen Wellen der Anziehung und Lust direkt in meine Mitte. Mein Höschen war nass und mir lief der Schweiß den Rücken hinunter. Jeder Schritt machte mich noch unruhiger und erhöhte das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch. Jensens Hand auf meinem unteren Rücken wirkte wie eine Erdung mitten in diesem Wahnsinn.
Im ersten Raum, in den wir eintraten, hörte ich leise, basslastige Musik, ähnlich wie der Rhythmus von Bongo-Trommeln, doch keine erkennbare Melodie. Zumindest keine mir bekannte. Sofort wurde meine Aufmerksamkeit auf das Zischen einer Peitsche gelenkt. Mit einem starken Verlangen zog sich etwas in mir zusammen, als das Leder auf Haut traf.
Ja!
Ich blickte in die Mitte des Raumes, wo die Geräusche herkamen, und blieb wie angewurzelt auf dem Teppichboden stehen. Eine Frau war an ein Andreaskreuz gebunden. An Handgelenken und Fußknöcheln daran gefesselt. Bei meinen Online-Recherchen hatte ich diese Kreuze bereits gesehen, war allerdings davon ausgegangen, dass die Person mit dem Gesicht zum Kreuz daran befestigt wurde, mit dem nackten Rücken zum Zuschauer. Doch sie stand mit dem Gesicht zu uns daran und hatte rote Striemen auf den Brüsten und dem Bauch. Anscheinend kamen Jensen und ich etwas zu spät dazu, und ich dachte darüber nach, was wir wohl alles verpasst hatten.
Als mir Jensen unvermittelt ins Ohr flüsterte, zuckte ich überrascht zusammen. „Das ist Miranda. Sie liebt es, ausgepeitscht zu werden, falls das nicht offensichtlich sein sollte.“
Es war offensichtlich. Meine Atmung wurde flacher, während ich die roten Striemen auf Bauch und Brüsten betrachtete. Und guter Gott, sie hatte auch Striemen auf ihren Schenkeln und um ihre glatt rasierte Pussy herum.
Der Mann, der vor Miranda stand, holte aus. Er hatte einen Flogger in der Hand, mit dem er zwei kurze Schläge landete, einen auf jeder ihrer Brüste.
Ich ballte meine Fäuste, als mir ganz heiß wurde und meine Pussy sich zusammenzog. Ob aus Angst, Aufregung oder Erregung, konnte ich nicht genau sagen. Die Nässe in meinem Höschen nahm zu, als die Frau auf den Schmerz reagierte und sich dem Mann entgegen bog, als ob sie mehr davon wollte. In ihrem Blick glänzte genussvolles Einverständnis, als weitere Hiebe auf ihren Brüsten landeten. Der Mann schwang seine Hand erneut ruckartig und ließ den Flogger über ihre entblößte Pussy zischen.
Meine Klit kribbelte, als wäre ich es, die an dem Kreuz hing.
„Das gefällt dir“, sagte Jensen hinter mir. Er hatte seine Hand an meine Hüfte gelegt und ließ sie dann auf meinen Bauch gleiten. Ich hatte seine Berührung gar nicht bemerkt, bis er seine Finger in meinen Bauch bohrte. „Er benutzt einen Leder-Flogger mit Blüten an den Enden. Sie graben sich leicht in die Haut ein und brennen etwas heftiger als ein einfacher Flogger.“
Ich atmete schneller.
Der Mann legte den Flogger beiseite und kehrte mit Nippelklemmen zurück.
Meine Brustspitzen wurden hart.
Er drehte die Klemme, bis sie seiner Meinung nach korrekt saß, oder doch etwas fest war, weil Miranda sichtlich durch den Schmerz atmete. Sie biss die Zähne zusammen. Nachdem er dasselbe an der anderen Brust wiederholt hatte, verwandelte sich ihr Ausdruck des Lustschmerzes in Euphorie.
Beim Masturbieren zwickte ich oft meine Nippel, bis es wehtat, doch so etwas wie die Frau vor mir hatte ich noch nie erlebt.
Jensens Stimme ertönte wieder neben meinem Ohr. „Du hast meine Frage nicht beantwortet, Haley.“
Er hatte eine Frage gestellt? Also, streng genommen war es keine Frage gewesen. „Ja, Sir. Es gefällt mir.“
„Das Zuschauen oder das Geschehen?“
Ich überlegte, wie es wäre, nackt für alle sichtbar an diesem Kreuz zu stehen, und ob es mir gefallen würde, von fremden Augen beobachtet zu werden. „Ich glaube, es ist mehr das Geschehen, Sir, die Klammern und das Flogging.“ Die Nässe kroch jetzt meine Schenkel hinab. Guter Gott, sprach ich tatsächlich mit jemandem über das Peitschen? Nippelklemmen? Es war so verboten und doch auch natürlich. Niemand in diesem Raum achtete auf uns. Keiner interessierte sich dafür, was ich tat. „Ob ich mich beim Beobachtetwerden genug entspannen könnte, weiß ich nicht, Sir.“
Ich wandte ihm den Kopf zu. Er hatte davon gesprochen, dass wir uns gegenseitig, ohne zu sprechen, lesen können mussten, und ich wollte seine Augen sehen. Unten waren sie dunkelblau gewesen. In dem gedämpften Licht wirkten sie endlos wie das Meer und man konnte die Pupillen kaum ausmachen.
„Das könntest du. Mit der Zeit und etwas Übung wirst du es lieben, beobachtet zu werden.“
Das klang, als ob er mich kennen würde, und das gefiel mir so gut, dass ich ihn nicht fragte, woher er das so genau wissen wollte.
„Was gefällt dir daran so gut?“, fragte er.
Ich runzelte die Stirn. „Sir, ich dachte, wir reden hinterher darüber.“
„Ich ändere die Regeln, weil ich es wissen will, während du es erlebst. Dreh dich um, sieh zu und sag mir, was genau dir an dieser Szene besonders den Puls erhöht.“
Ich drehte mich zu Miranda und dem Kreuz um. Jensen presste sich an meinen Rücken und brachte meine Sinne durcheinander, während ich versuchte, mich auf die Szene zu konzentrieren. Seine Erektion drückte gegen mich, sodass ich überrascht aufschreckte. „Oh!“
„Sprich“, befahl er.
„Die Klammern“, antwortete ich eilig. „Ich wollte schon immer den Zugschmerz spüren, das Stechen. Das will ich, und den Flogger. Ich denke ständig daran. Wie sich die beiden bewegen, ist wunderschön, wie ein Tanz zu einer schönen Melodie.“
„Miranda und Shawn sind schon seit zehn Jahren miteinander verheiratet. Er weiß genau, was sie will. Sie hatten genug Zeit, ihre eigene wortlose Sprache zu entwickeln.“
„Ich liebe es“, gab ich zu.
„Weißt du, was er als Nächstes tun wird?“
Ich schüttelte den Kopf, unfähig, zu sprechen oder zu raten. Die Kette zwischen den Klemmen schwang mit jedem Treffer des Floggers, der ihre Haut traf. Sie wirkte wie gefangen zwischen Schmerz und Ekstase, und immer, wenn das Leder ihre Klit traf, erhöhte sich die Ekstase.
„Er wird sie weiterpeitschen, bis sie ihn bittet, aufzuhören. Dann wird er sie abschnallen, sie zu dem Tisch hinter ihm bringen, sie erneut festbinden und die Nippelklemmen entfernen. Weißt du, was passiert, wenn er das tut?“
„Nein.“ Aber verflucht noch mal, ich hätte es gern gewusst. Nicht nur in Worten, sondern hätte gern selbst erlebt, an dem Kreuz zu sein.
„Sie wird explodieren. Sie wird einen Orgasmus bekommen, ohne auch nur angefasst zu werden, sobald die Durchblutung wieder einsetzt. Er muss sie nicht einmal ansehen oder berühren, er braucht es nur zu befehlen und es wird passieren.“
„Oh Gott.“ Mir wurden erneut die Knie weich. Ich konnte es nicht verbergen. Das beförderte mich direkt bis kurz vor den Orgasmus, dabei war ich gar nicht diejenige, die gefesselt, geklammert und gepeitscht wurde.
„Möchtest du dabei zusehen?“
„Nein“, log ich atemlos und heiser. Doch ich wollte zusehen. Verlegenheit hinderte mich daran, Ja zu sagen. Wenn sie kommen würde, würde ich es vielleicht ebenso tun, und ich war noch nicht dazu bereit, dass ein Raum voller Leute es mitbekam.
Ich brauchte Wasser. Und Befriedigung.
Und ein Vibrator wäre mir auf keinen Fall genug für die Erlösung, nach der ich mich heute so verzweifelt sehnte.
„Nun gut“, sagte Jensen.
Seine Stimme klang stahlhart, als er das sagte, als hätte ich etwas falsch gemacht. Mit der Hand an meiner Hüfte wirbelte er mich herum und führte mich zur Tür. Draußen blendete mich das grellere Licht zunächst, und ich blinzelte, während ich seinen großen und schnellen Schritten zum nächsten Raum folgte.
Himmel, wenn ich jetzt schon kurz vorm Kommen war, was erwartete mich wohl jetzt noch?
Er öffnete die Tür und trat zur Seite, um mich hineinzulassen. Ich ging an ihm vorbei, und als sich die Tür hinter mir schloss, knipste er das Licht an. Das hier war kein öffentlicher Raum, sondern ein privater.
Und wir waren allein.
Ich weitete die Augen und wirbelte herum. „Was machen wir hier?“
Jensen
Scheiß auf den Voyeurismus.
Sie war so erregt, dass der Geruch sie durchdrang. Wenn ich sie in noch einen Raum führen würde, würde ich die Beherrschung verlieren. Wir mussten reden und das nächste Treffen besprechen. Und ich musste nach Hause und mit meiner rechten Hand allein sein, bevor ich die Dinge heute Abend zu weit treiben würde.
„Ich glaube, nach dieser Vorstellung habe ich einen guten Eindruck gewonnen, was dich anmacht“, sagte ich selbstgefällig grinsend.
Ihre Wangen waren rosa, und auch wenn ich ihr etwas Zeit gab, sich zu beruhigen, hob und senkte sich ihre Brust immer noch mit ihrem schnellen Atem. Wenn ich jetzt mit der Fingerspitze ihre Klit berühren würde, würde sie sofort in tausend Stücke zerspringen.
„Deine Tabus“, sagte ich. Meine Stimme war voller Verlangen. Ich steckte die Hände in meine Hosentaschen, um Haley nicht anzufassen. „Welche sind das?“
Ihr Blick wurde wild und ihre Lippen öffneten sich leicht. Mein Schwanz zuckte und drückte sich gegen den Reißverschluss. Oh Mann, ich musste unbedingt nach Hause. Schnell. Vielleicht musste ich sogar vorher noch auf die Toilette gehen und es mir wie ein verdammter Teenager selbst besorgen.
„Äh …“
„Sir“, warf ich ein. Mir war nicht entgangen, dass sie mich in dem Raum nicht mehr so genannt hatte. Würde sie bereits mir gehören, hätte sie dafür ein paar harte Klapse mit der Hand von mir bekommen. Ich biss die Zähne zusammen. Verdammt. Wie konnte ich diesen Teil von mir zwei Jahre unterdrücken und jetzt drohte er, explosionsartig meine Selbstkontrolle zu zerstören? Ich atmete tief durch, um meine Nerven zu beruhigen. Oder ich würde aus der Haut fahren.
„Sorry, Sir.“ Sie kniff die Augen zusammen und atmete ebenfalls durch. Als sie die Beherrschung wiedererlangt und die meisten ihrer Sinne beisammen hatte, fuhr sie fort. „Kein Fisting, Urin oder Kot, Strom, Tierspiele, öffentliche Bloßstellung oder mehrere Partner. Und ich bin kein Fan von Seilen.“
Ich verzog das Gesicht. Das war neu. Über die Jahre waren eine Menge Subs verrückt nach erotischer Fesselkunst gewesen. Warum sie das wohl nicht mochte? Doch ich fragte nicht nach. Ich hatte Shibari sowieso nicht trainiert, also spielte es keine Rolle.
„Nicht mehrere Partner?“, fragte ich stattdessen. „Du bist nicht neugierig auf einen Dreier?“
„Nein. Ich möchte mich unterwerfen, möchte im Schlafzimmer die Kontrolle abgeben und bin gewillt, dies auch außerhalb des Schlafzimmers zu tun; kommt auf die Umstände an. Aber ich weiß noch nicht, ob ich bereit dafür bin, rund um die Uhr Sklavin zu sein. Ich besitze ein Geschäft und kann nicht alles stehen und liegen lassen, nur weil jemand mich ständig braucht. Ich will eine Beziehung, nicht nur spielen, und es ist mir klar, dass das nicht unbedingt mit dir sein muss. Ich habe ewig darauf gewartet, und jetzt, wo ich die Möglichkeit habe, es auszuprobieren, will ich das auch.“
Ihre Antwort erschütterte den Boden unter meinen Füßen. Sie überraschte mich immer wieder. Ihre Selbstsicherheit trotz der Nervosität verriet, dass sie genau wusste, was sie wollte.
Ich trat einen Schritt vor. Verdammt, sie begann, mir unter die Haut zu gehen. Sie war nicht nur schön, sondern offensichtlich auch intelligent. Von ihren aufgerichteten Schultern und den genauen Vorstellungen ihrer Wünsche bis zu den leuchtenden Augen, als sie sprach, all das erhöhte mein Interesse an ihr.
„Und du hast dich nie gefragt, wie es wohl wäre?“, fragte ich mit tieferer Stimme direkt vor ihr. Sie hob das Kinn und sah mir in die Augen. „Wie sich zwei Schwänze in dir anfühlen würden? Einer im Hintern und einer in der Pussy und vielleicht sogar ein dritter im Mund? Hast du noch nie darüber nachgedacht, wie es wäre, von drei Männern gleichzeitig genommen zu werden, deren einziger Wunsch es ist, dich zu verwöhnen?“
Nicht, dass ich je einem anderen erlauben würde, sie zu berühren. Schon als Dylan seine Hand auf ihre gelegt hatte, wollte ich ihn in Stücke reißen.
Allerdings zu sehen, wie sich ihr Blick verschleierte und sich ihre Hände zu Fäusten ballten und sie kurz scharf die Luft einsog, verriet mir, dass ich sie viel weiter bringen konnte, als sie sich je vorgestellt hätte … und sie würde es genießen.
„Nein, Sir, daran habe ich noch nie gedacht.“
„Wärst du daran interessiert? Wenn dein Dom dich darum bitten würde?“
Sie saugte die Unterlippe zwischen ihre Zähne und ließ sie wieder los, ehe ich es für sie tun konnte.
Ich grinste zustimmend. „Du musst nicht nervös oder beschämt sein, hier sind nur wir beide, meine Schöne.“
„Darüber muss ich erst nachdenken. Die Beschreibung klingt verlockend, und ich weiß, dass man hier Sex gegenüber sehr offen ist, aber mir ist Monogamie immer noch sehr wichtig.“
Eine Frau mit Wertvorstellungen und Moral. Sie würde diese für einen Flogger oder eine Klit-Klammer oder vielleicht auch einen Knebel über Bord werfen, aber bei einem anderen Mann zog sie die Grenze. Interessant und ungewöhnlich.
Ich senkte das Kinn und trat zurück, ein verführerisches Lächeln im Gesicht. „Master Dylan hat mir erzählt, dass du schon eine Weile recherchierst. Kennst du die Willkommensposition? Die erste Stellung, in der eine Sub immer ihren Partner empfängt?“
„Auf den Knien.“
„Mach es“, befahl ich.
Sie zögerte, ihre Lippen öffneten sich und sie wendete den Blick ab.
„Das ist keine Bitte, Haley.“
„Ich dachte, Dylan hätte gesagt, dass heute noch nicht angefasst wird.“
„Aha, aber ich werde dich gar nicht anfassen.“ Ich ließ sie erleichtert ausatmen, bevor ich weitermachte. Das hier war nicht gegen die Regeln, aber auch nicht wirklich den Richtlinien folgend. Doch ich hatte lange genug gewartet. Ich wollte sehen, wie sie zerfloss. „Du wirst dich selbst anfassen und ich werde zusehen.“
„Sir, äh … muss das sein?“
Ich neigte den Kopf zur Seite und spielte den Verärgerten. „Bist du nicht hier, um Unterwerfung zu lernen? Um mit einem Dom zu sprechen und trainiert zu werden?“
„Doch, Sir.“
Sie hatte an das Sir gedacht. Ich war beinahe enttäuscht. Denn zu gern hätte ich ihr den Hintern gerötet und mir angesehen, welche Reaktionen das hervorrufen würde.
„Dann knie dich hin. Ich möchte deine Haltung prüfen.“
Mit nur einem leichten Zögern ging sie auf die Knie.
Heilige Scheiße.
Durch die Hose griff ich mir in den Schritt, ganz egal, ob sie es sah. Meine dicke Wölbung war ohnehin deutlich zu sehen und ich brauchte es. Ich schluckte ein Stöhnen und konzentrierte mich auf die Frau vor mir.
Sie war genau wie Courtney und doch ganz anders. Dylan hatte nicht gelogen. Sie unterwarf sich spielend leicht, reagierte bereits auf mich und wollte es wirklich. Noch brauchte sie es nicht, doch eines Tages würde es so sein. Sie besaß Selbstsicherheit und kannte sich selbst und ihre Bedürfnisse sehr gut, ganz im Gegenteil zu Courtney, der das alles gefehlt hatte.
Hör auf, zu vergleichen!
„Sehr gut, meine Schöne“, lobte ich sie und ging um sie herum. „Richte den Rücken auf, aber behalte den Kopf unten.“ Sie reagierte sofort, bis ihr Kreuz schön gerade war, und nahm die Schultern zurück. „Hacken zusammen, den Hintern draufsetzen und die Knie so weit es geht auseinander.“ Ohne zu zögern, gehorchte sie, lernbegierig. Das gefiel mir. Besser gesagt, ich liebte es. „Normalerweise faltest du die Hände auf dem Rücken zusammen, während wir spielen. Nicke, wenn du mich verstanden hast.“ Wieder reagierte sie sofort. „Aber heute machen wir etwas anderes. Ich möchte, dass du deinen Rock bis zur Taille hochziehst, okay?“
Normalerweise würde ich sie nicht darum bitten, ich trieb es bereits zu weit. Dylan würde mir dafür mit einem Rohrstock den Arsch versohlen.
Sie gehorchte. Gott sei Dank.
„Wenn du willst, dass ich dich trainiere …“
„Das will ich.“
Ich ging vor ihr in die Hocke.
„Ich meine, das will ich, Sir.“
Ihr Stottern war niedlich. „Wieso bist du dir so sicher?“, fragte ich sie auf Augenhöhe, ohne sie zu berühren. Sie hob nicht den Blick zu mir, was gut war, denn das hatte ich ihr nicht befohlen.
„Weil ich Master Dylan vertraue, und er meinte, du wärst gut für mich. Er war nett, verbindlich und geduldig mit mir, und ich wüsste nicht, warum ich ihm nicht glauben sollte.“
Nun ja, fuck. „Okay.“ Ich stand auf und legte die Hand erneut auf meinen Schritt. „Zieh das Höschen zur Seite und zeig mir deinen nassen Schlitz. Er ist doch nass, nicht wahr? Ich kann es riechen, seit wir die Treppen hinaufgegangen sind.“
Sie atmete hastig ein und dann folgte eine lange Pause.
„Vergiss nicht“, sagte ich leiser, „Submission ist deine Wahl. Zwar mag ich das Sagen haben, aber hier geht es um die gleichgestellte Machtübertragung. Immer. Rot bedeutet Stopp und Gelb bedeutet, langsamer zu machen, bis wir unsere eigenen Safewords haben, okay?“ Mit den Fingern an den Innenschenkeln nickte sie sofort. „Würdest du jetzt gern Gelb sagen?“
„Nein, Sir.“ Sie schob den schwarzen Tanga zur Seite und hielt ihn mit den Fingerspitzen der anderen Hand fest. Sie öffnete sich für mich und ihre rasierte, schöne, rosa Pussy glänzte vor Nässe. „Ich musste mich nur daran erinnern, dass ich diese Möglichkeit habe“, sagte sie schließlich.
„Die besteht immer. Sieh mich an, Haley.“ Sie hob mir den Blick zu und ich zeigte meinen mitfühlendsten Ausdruck. Nie würde sie wissen, wie wichtig mir das war, doch ich hoffte, dass ich mit der Zeit schaffen konnte, ihr klarzumachen, wie ernst ich es meinte. „Alles, was wir tun werden, kommt nur auf dich an. Ich werde deine Grenzen erweitern, dich aus deiner Komfortzone holen, aber wenn du es nicht magst, versuchen wir es mit etwas anderem. Meine Aufgabe ist es, dich zu verwöhnen, dir Lust zu verschaffen … deine Befriedigung ist meine Belohnung. Verstanden?“
„Ja … Ja, Sir.“
„Sehr gut.“ Mein Ausdruck zeigte wieder die steinerne Maske. „Gleite mit den Fingern durch deine Pussy. Nimm die Nässe auf und spiele mit deiner Klit. Ich will sehen, wie du es dir selbst machst, wie du es nachher allein zu Hause wieder tun wirst, denn auch wenn du das hier unbedingt willst, ist es doch nur die Spitze des Eisbergs deines Verlangens.“
„Oh Gott“, wisperte sie rau. „Woher weißt du das?“
„Sir“, fügte ich für sie an. Ich beugte mich vor und wisperte: „Und wenn du das Wort wieder vergisst, wird das Erste, was wir beim nächsten Treffen tun, ein Spanking auf meiner Spanking-Bank sein. Und jetzt gehorche.“
„Sorry, Sir“, sagte sie und begann bereits, meinen Befehl auszuführen.
Und zwar genau in der besagten Reihenfolge. Mit den Fingern, deren roter Nagellack zu dem auf den Zehen passte, glitt sie durch ihre Pussy. Ich hörte das nasse Geräusch und konnte den Blick nicht abwenden. Die äußeren Bereiche ihrer Pussy pulsierten in dem Versuch, ihre Finger einzusaugen, und ihre Klit war deutlich angeschwollen. Haley bebte unter ihren eigenen Berührungen, bewegte die Finger von der Pussy zur Klit und streichelte diese vor und zurück.
Verdammt. Bald werden es meine Finger sein, werde ich es sein, der sie derartig zum Erzittern bringen wird.
„Hüften stillhalten“, sagte ich, als sie sich ihren Fingern entgegen bog. Sie musste Beherrschung lernen, das war deutlich erkennbar. Sie kämpfte um den Orgasmus, anstatt ihn zu ihr kommen zu lassen. „Und sieh mich weiter an.“
Sofort gehorchte sie und richtete den Blick, der mir alles sagte, unter schweren Lidern auf mich. Es gefiel ihr verfickt gut, es sich vor einem Fremden selbst zu besorgen.
„Bist du gleich so weit?“, fragte ich und beugte mich wieder auf Augenhöhe mit ihr. Leicht hätte ich jetzt eine Hand in ihren Nacken legen und sie zu mir ziehen können, meine Zunge zwischen ihre geöffneten Lippen schieben, doch das tat ich nicht. „Wenn du gleich so weit bist, dann komm, Haley. Halte es nicht zurück. Ich will dich dabei hören.“
„Scheiße, scheiße, scheiße“, betete sie vor sich hin.
Ich hielt ihren Blick, während der Orgasmus sie schneller überrollte, als sie erwartet hatte. Ich sah es in ihren geweiteten Pupillen, an der Röte ihrer Wangen, die sich auf ihre Brust ausdehnte, und dann am Beben und Zucken ihres ganzen Körpers.
„Ich komme!“, rief sie, warf den Kopf in den Nacken, kniff die Augen zu und schrie mehrmals auf, während der Orgasmus sie schüttelte. „Heilige Scheiße!“
Ich sah ihr zwischen die Beine und beobachtete, wie ihre Mitte pulsierte und sich zusammenzog, als sie überwältigt wurde.
Danach sank sie nach vorn und rang um Atem.
„Ich würde dich gern beruhigen und anfassen dürfen, ist das okay?“
Ich hatte ihr in kurzer Zeit recht viel zugemutet. Wahrscheinlich war sie von allem, was sie heute gesehen und getan hatte, überfordert. Daher nahm ich an, dass sie sich nach Körperkontakt sehnte.
Sie nickte, noch unfähig, zu sprechen, also setzte ich mich auf den Boden und zog sie in meine Arme. Ihre Beine lagen über meinem Schoß und meine Hände stützten ihren Rücken, eine davon oben an der Schulter. Haleys Gesicht ruhte an meinem Hals.
„Braves Mädchen“, lobte ich sie und streichelte ihren Rücken in beruhigenden Kreisen. „Meine Schöne hat das perfekt gemacht.“
Sie erzitterte noch einmal und lächelte. Ich presste die Lippen auf ihren Kopf.
Haley würde perfekt sein.
Und ich war total gefickt.
Kapitel 5
Haley
Ich zerknüllte den Zettel in der Hand und runzelte die Stirn. Dieser verdammte, narzisstische Verlierer von einem Ex-Ehemann wollte einfach nicht verschwinden. Dabei hatte ich erwartet, dass bei so wenig Mühe, die Timothy in unsere Ehe gesteckt hatte, er nicht annähernd so viel in die Zeit nach der Scheidung stecken würde.
Bei der Scheidung hatte ich ihm alles gegeben, was er haben wollte, selbst gegen den Rat meines Anwalts. Im Resort und Heim meiner Eltern hatte ich alles, was ich brauchte.
Doch seine neue Taktik, mich verklagen zu wollen, ging einfach zu weit.
Hinzu kam, dass ich die Klageschrift gleich am Montagmorgen bekam, als ich mich an den Schreibtisch setzte. Ich musste mich auf die Realität konzentrieren, was mir schwerfiel, da ich geistig immer noch im Fantasieland von Donnerstag im Luminous weilte.
Oh Mann. Wenn ich an die Dinge dachte, die ich gesehen und getan hatte, kribbelte es immer noch überall, und ich konnte nicht aufhören, an Jensen zu denken. Wie er mit mir gesprochen hatte und mich herumkommandierte, wobei er gleichzeitig darauf achtete, dass ich mich wohlfühlte, indem er mir alles erklärte und mir Fragen stellte.
Und er hatte recht gehabt. Als ich nach Hause kam, musste ich sofort etwas gegen die sexuelle Frustration tun. Dabei stellte ich mir seine Stimme vor, seine Blicke, und wie er mir befahl, was ich tun sollte. Das hatte ich nicht nur einmal getan, sondern zweimal.
Freitag war ich leicht wund und steif aufgewacht und meine Gedanken rasten. Die ganze Zeit über hatte ich das Handy in der Tasche und half dem Personal, die Zimmer für die Wochenendbuchungen vorzubereiten. Es war das erste Mal, dass ich selbst der Boss war.
Gott sei Dank war das Wochenende gut gelaufen, doch das war sicherlich hauptsächlich Maria zu verdanken, der leitenden Haushälterin, die schon ein Leben lang mit meinen Eltern befreundet war.
Ich war viel zu sehr in Gedanken an Jensen versunken, der versprochen hatte, mich anzurufen, um das nächste Treffen zu vereinbaren und das Training zu besprechen, und zu abgelenkt davon, dass mein Handy schwieg.
Das ganze Wochenende über hatte ich den Donnerstag im Kopf durchgespielt, und mit jedem Tag, der verstrich, fühlte ich mich innerlich leerer. War ich nicht gut genug für ihn? Wollte er mein Training doch nicht übernehmen? Hatte ich nicht richtig zugehört und gehorcht?
All diese Fragen beschäftigten meine Gedanken und kamen zu der Klage von Timothy hinzu, als ich am Montag im Büro saß und die Klageschrift anstarrte, während ich versuchte, den Papierkram zu sortieren. Es war einfach alles zu viel.
Ich fühlte mich verloren. Auf eine Art verunsichert, mit der ich nach dem ersten Kink-Erlebnis, das eigentlich recht vanilla gewesen war, nicht gerechnet hatte. Doch es war alles neu für mich und ich hatte noch mehr Fragen. Da mein Handy seit vier Tagen schwieg, hätte ich am liebsten den Kopf auf den Schreibtisch gelegt und meinen zurückgehaltenen Gefühlen freien Lauf gelassen.
Ich zwang Jensen aus meinen Gedanken, was bisher nicht funktioniert hatte, aber man durfte ja noch hoffen, und suchte im Internet nach Anwälten in Grand Rapids, um einen neuen zu engagieren.
Ich hatte Timothy nie wirklich gehasst, als wir verheiratet waren, sondern war lediglich enttäuscht von ihm – und mir selbst, dass ich die Warnzeichen übersehen hatte, die er ganz klar ausgestrahlt hatte. Er war der Badboy gewesen und hatte mich in seine Märchen, sanfte Küsse und Zärtlichkeiten gelullt, an die ich alle verzweifelt glauben wollte.
Nein, ich hatte ihn nicht gehasst, nicht, bis ich diese Papiere bekommen hatte.
Jetzt widerte er mich an.
Stöhnend scrollte ich durch die Anwaltskanzleien. Mr. Townsends Kanzlei in Ann Arbor war eine der Größten, also brauchte ich eine vergleichbare. Ich brauchte jemanden, der in der Lage war, den anderen zu schlagen, auch wenn der ganze Fall im Grunde lächerlich war.
Während ich mich durch sämtliche Webseiten und Kundenbewertungen las, fiel mir ein Name immer wieder auf. J. R. Rhodes. Er tauchte oft in Bezug auf gewonnene Fälle auf, und die Erwähnung der Größe seiner Kanzlei, der angestellten Anwälte sowie positive Bewertungen von verschiedenen Institutionen sprachen für sich.
Doch ich fand keine persönlichen Informationen über ihn oder ein Foto. Gemessen an seinen Erfolgen musste er alt genug sein, um mein Vater sein zu können.
Ich atmete zuversichtlich durch und wählte die Nummer seiner Kanzlei. Es sah so aus, als wäre er der Beste. Und das war genau, was ich brauchte.
„Was soll das heißen, er ist auf drei Monate ausgebucht?“ Meine Stimme war zu hoch und panisch, und ich konnte einen Aufschrei nicht verhindern.
Ein schweres, genervtes Seufzen klang durch die Telefonleitung. „Ich glaube, ich habe mich klar genug ausgedrückt, Mrs. Portsmouth.“
„Miss“, korrigierte ich sie.
Das Erste, was ich nach der Scheidung getan hatte, war, meinen Mädchennamen wieder anzunehmen. Den Namen Miller loszuwerden, war fast so aufregend gewesen, wie Timothy im Rückspiegel zurückzulassen.
Der Ton der Assistentin wurde ruhiger. Doch sie sprach nicht mit mir. „Ja, Mr. Rhodes, Ihre Reservierung im The Royal Mile um sechs wurde bestätigt.“
Schnell schrieb ich die Information auf einem Zettel mit.
Dann wandte sie sich wieder an mich. „Wenn das alles ist, ich habe Ihnen alles gesagt, was Sie wissen müssen. Mr. Rhodes hat schlicht keinen Termin für Sie frei.“
„Danke fürs Nachsehen“, murmelte ich und beendete das Gespräch.
Jetzt wusste ich wenigstens, wo ich ihn finden konnte. Nun musste ich nur noch herausfinden, wie ich es anstellen sollte, nicht aus dem schönsten Restaurant in Grand Rapids geworfen zu werden, ehe ich die Möglichkeit haben würde, mit ihm zu sprechen.
Auf keinen Fall konnte ich drei Monate auf einen Termin warten, und nachdem ich noch weiter nach Kanzleien gesucht hatte, gab es auf den ersten Blick keine andere mehr, der man trauen konnte.
Den Rest des Tages machte ich die Buchhaltung für das Resort, prüfte die Ausgaben und freute mich darüber, dass die Gewinne stiegen. Die Wirtschaftslage war in den letzten paar Jahren nicht gut gewesen, doch glücklicherweise war mein Dad ein ausgezeichneter Geschäftsmann und hatte rechtzeitig renoviert und modernisiert, bevor die Wirtschaft den Bach hinunterging. So konnten wir vierzehn Ferienhütten und ein Ferienwohnungshaus mit zwanzig Zimmern erhalten.
Es gab keine besonderen Annehmlichkeiten außer einem Spielplatz und einem kleinen Schwimmbad für Gäste, die nicht im See schwimmen wollten. Jedoch verschaffte uns dies gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil in der Vor- und Nachsaison, wenn der Lake Michigan zu kalt zum Schwimmen war. Daher öffneten wir früher als die anderen im Frühling und hatten im Herbst länger offen.
Ich würde nie zu einem Luxusleben gelangen und mich dennoch für immer wohlfühlen, und nachdem ich so viel verloren hatte, war dies alles, was ich wollte.
Ich machte Maria ein paar anweisende Notizen auf einem Zettel, nahm meine Handtasche und verließ das Büro. Es war noch eine Menge zu erledigen, bevor ich sozusagen ein Geschäftsessen sabotieren und einen schrecklichen ersten Eindruck bei jemandem hinterlassen würde, den ich dringend brauchte.
Doch ich war verzweifelt und bereit, alles zu tun. Jetzt brauchte ich noch ein Kleid, das elegant war, Entschlossenheit ausstrahlte und zugleich meine erbärmliche Verzweiflung tarnte.
Jensen
Ich saß an einem Tisch in meinem Lieblingsrestaurant The Royal Mile, lauschte Merediths belanglosem Geplapper aus der Gerüchteküche und versuchte, nicht die Lippen zu verziehen.
Unsere Familien waren befreundet, seit unsere Väter zusammen auf die Columbia Uni gegangen waren, und Meredith und ich waren zusammen aufgewachsen. Sie war drei Jahre jünger als ich und hatte früher für mich geschwärmt, doch ich hatte sie nie als etwas anderes betrachtet als eine nervtötende kleine Schwester und hatte sie auch nie anfassen wollen.
Meredith lebte für Galaveranstaltungen und Aufmerksamkeit, beruflich wie persönlich. Sie krallte sich an die gesellschaftliche Leiter in Michigan, als ob sie auf Seite sechs der New York Times Gesellschaftsseite erscheinen würde. Es war ein sinnloses Unterfangen und jeder Mann mit einem Gespür für Goldgräberinnen konnte sie kilometerweit kommen sehen.
Das war schon immer Merediths Problem gewesen. Sie benahm sich zu offensichtlich, zu aufdringlich. Sie wollte dominiert werden, während sie dabei die Kontrolle in ihren manikürten Händen behielt und nur losließ, wenn sie es für nötig hielt, anstatt sie frei zu geben.
Da ich Courtney durch Meredith kennengelernt hatte, kannte ich auch Merediths Neigungen. Sie waren meinen sehr ähnlich, außer dass ich meine Dominanz nicht aufzwang. Ich wollte freiwillige Submission. Vorzugsweise von einer schönen Brünetten mit grünen, großen Rehaugen, an die ich seit vier Tagen ununterbrochen denken musste.
„Hörst du mir überhaupt zu?“, forderte Meredith und verengte die Augen wie eine Zicke. Oder wie ein Falke, der seine Beute umkreist und sich das wehrloseste Opfer aussucht.
Ich tupfte mir den Mundwinkel mit der Serviette ab und gab Interesse vor. „Natürlich, aber du hast mir immer noch nicht gesagt, warum du mit mir essen gehen wolltest.“ Mein Tonfall war angespannt und sie deutete ihn entsprechend.
Wie eine Submissive, die sie so unbedingt sein wollte, wurde ihr Blick weich und sie senkte das Kinn. Es war eine perfekte Pose. Schade, dass es nur Theater war. Allerdings hätte ich sie sowieso nicht angefasst. In letzter Zeit hatte sie den Bogen zu oft überspannt und unsere Freundschaft balancierte am Rand des Zusammenbruchs. Immerzu wollte sie etwas von mir. In den letzten zwei Monaten hatte sie klargestellt, dass sie mich wollte. Doch ich war noch nie auch nur in Versuchung geraten.
„Wir sind Freunde, Jensen, und haben uns ewig nicht mehr gesehen. Ich dachte einfach, dass ein schönes, gemütliches Dinner gut für uns wäre und wir uns … wieder neu verbinden könnten.“ In ihren Augen glänzte Aufrichtigkeit.
Nur schade, dass ihre Stimme vor Lüge nur so triefte. Mit Meredith Geduld zu haben, hatte mich schon immer froh gemacht, daran gearbeitet zu haben, mich in allen Bereichen beherrschen zu können. Sie brauchte eine starke Hand, doch es würde nicht meine sein, die diese Schläge austeilte.
„Ich habe eine stressige Woche, Meredith. Einen stressigen Monat. Du hast mich hergelockt, weil du so getan hast, als wäre es etwas Wichtiges, das nicht warten kann. Wenn du mich so manipulieren wolltest, war es reine Zeitverschwendung. Also, jetzt komm zur Sache oder ich rufe nach der Rechnung.“ Bisher waren nur die Salate serviert worden. Das war mir egal.
Plötzlich stellten sich mir die Nackenhärchen auf. Ich sah mich im Restaurant um, um herauszufinden, was dieses seltsame Gefühl verursachte. Am Eingang blieb mein Blick hängen.
Haley.
Sie stand am Pult der Platzanweiserin und die Elektrizität zwischen uns richtete mir die Härchen auf den Armen auf. Etwas an ihrem inneren Feuer, daran, wie genau sie wusste, was sie wollte, und ganz zu schweigen von dem Ausdruck der Ekstase, als sie gekommen war, machte Haley gefährlich.
Man sah ihr die Nervosität daran an, wie sie auf ihrer Unterlippe kaute und die Handtasche umklammerte, als wäre sie ein Rettungsring. Dennoch hielt sie das Kinn erhoben und den Rücken gerade, als sie auf einen freien Hocker an der Bar zusteuerte.
Was zur Hölle wollte sie hier?
Wut explodierte in meinen Adern. Hatte ich die Anzeichen übersehen, dass sie eine genauso manipulative Frau war wie diejenige mir gegenüber?
„Du weißt, was ich will“, sagte Meredith im perfekt submissiven Ton. Doch es berührte mich nicht im Mindesten. „Ich will dich wie verrückt, Jensen. Du weißt das, und jetzt, wo ich glaube, dass genug Zeit vergangen ist, um über Courtney hinwegzukommen, dachte ich, dass du bereit bist, dich meiner anzunehmen.“
„Das ist dein Problem, Meredith.“ Ich sah sie grimmig an und erhob mich, warf die Serviette auf den Tisch. „Du riechst nach Verzweiflung, und so, wie du mich einforderst, als ob du wüsstest, was ich brauche, ist es genau der Grund, warum ich nicht dein Dom sein kann und warum die meisten anderen dich auch nicht wollen. Gib die Kontrolle auf, zu der du dich ständig selbst zwingst, dann wirst du auch jemanden finden.“ Ich stützte mich auf dem Tisch auf und beugte mich zu ihr. „Aber das werde niemals ich sein. Ich kenne dich schon zu lange und habe dich nie auf diese Weise gewollt, und selbst wenn ich dich wollen würde, wärst du immer noch mit Courtney befreundet, verdammt noch mal.“
So krass hatte ich noch nie mit ihr geredet. Das war ein gefährliches Vorgehen. Da ihre und meine Familie sich schon immer nahegestanden hatten, war es die Firma ihres Vaters, die mir die meisten meiner wichtigen Klienten auf den Schreibtisch brachte. Schon immer hatte er mich als Hauptanwalt für seine Firma haben wollen, und ich hatte stets abgelehnt. Ich wollte mir selbst einen Namen machen. Meredith zu verärgern, die eines Tages die Firma ihres Vaters übernehmen würde und bereits Vizepräsidentin war, war ein gefährlicher Schritt. Es könnte bedeuten, eine Menge Geschäfte verlieren, sollte sie es darauf anlegen. Was meine Zurückhaltung nur noch bestätigt hätte, hätte es je einen Zweifel gegeben. Ich mischte niemals Geschäft mit Privatvergnügen.
Als ich mich aufrichtete, ging mein Blick sofort zu Haley, und diesmal sah sie mich an. Sie hatte die vollen Lippen leicht geöffnet und war mit dem Champagnerglas vor ihrem Mund erstarrt. Sie war aufrichtig schockiert, ein Blick, den man nicht fälschen konnte, und mir entglitten sämtliche Gedanken an eine mögliche Manipulation. Sie hätte sowieso nicht wissen können, dass ich heute hier war.
Mit dem Blick auf ihr ging ich auf sie zu. Sie sah kurz zu Meredith am Tisch, presste die Lippen zusammen und wandte sich der Bar zu.
Bevor ich bei ihr ankam, sprach ich meinen Kellner an und sagte ihm, er solle die Rechnung auf mich schreiben, und erklärte ihm, dass Meredith und ich leider gehen mussten. Ich ignorierte seinen verblüfften Ausdruck und ging weiter, bis ich direkt hinter Haley stand. Ich umfasste ihren Ellbogen und zog sie sanft, aber bestimmt vom Hocker, bis sie auf wackeligen Beinen stand.
„Was machst du hier?“, fragte ich zischend. „Spionierst du mir nach?“ Mein Manipulationsverdacht wurmte mich offenbar doch noch. Sie hatte kaum Zeit, ihr Glas abzustellen, da führte ich sie bereits den Gang zu den Toiletten entlang. „Erkläre es mir“, forderte ich, ließ ihren Ellbogen los, doch drückte sie mit meiner nahen Präsenz flach an die Wand.
Ihr Gesicht wurde pink und sie presste sich selbst noch enger an die Wand. „Und was machst du hier?“
Sie sah mich mit denselben großen, grünen Augen an, zu denen ich jeden Tag wichste, und das mehr als einmal.
„Du bist nicht auf der Suche nach mir hier? Es hat dir so gut gefallen, dass du nicht darauf warten konntest, dass ich wie versprochen Kontakt zu dir aufnehme, dass du nach mir gesucht hast?“
Heftig schüttelte sie den Kopf und antwortete atemlos. „Nein. Natürlich nicht. Ich war zwar enttäuscht, nichts von dir zu hören, aber anscheinend hattest du Besseres zu tun.“ Nach dem Vorwurf presste sie die Lippen aufeinander. Feuer glomm in ihren Augen auf. Mich juckte es in den Fingern, sie für diesen eigensinnigen Blick zu bestrafen. „Und um deine Frage zu beantworten, ich suche Mr. Rhodes, nicht dich.“
Oh fuck!
Ich leckte mir über die Zähne und atmete scharf ein. Das war ja noch schlimmer. „Haley, ich bin Mr. Rhodes. Es sei denn, du suchst meinen Vater, aber der ist seit sechs Jahren tot.“
„Was?“ Sie schluckte sichtbar schwer und weitete die Augen. „Du bist … Nein, ich suche J. R. … oh!“
Diese Lippen formten ein perfektes O, als sie begriff. Ich schloss die Augen, um die Beherrschung nicht zu verlieren. Niemals Geschäft und Vergnügen mischen! Das hatte mir Dylan von Anfang an eingebläut. Die Grenzen zwischen Dom/Sub, Master/Sklave waren schwer genug umzusetzen. Wenn man da Geschäftliches mit hineinbrachte, konnte es schnell ungemütlich werden.
„Du bist Mr. J. R. Rhodes?“ Ihre Unterlippe bebte. „Ich habe heute in deiner Kanzlei angerufen. Ich brauche dringend einen Anwalt, und deine Assistentin hat gesagt, dass du auf drei Monate ausgebucht bist, aber dann habe ich sie mit dir reden hören. Sie hat erwähnt, dass du heute Abend hier sein wirst, also habe ich die Chance genutzt. Ich wollte nicht … Ich habe auf deinen Anruf gewartet.“
Auch wenn ich sauer auf sie war, war ihr Herumgestotter trotzdem süß. „Und jetzt hast du gerade zugegeben, mich für einen Termin auf andere Weise manipulieren zu wollen?“
Sie blinzelte mehrmals und Tränen schimmerten in ihren Augen.
Verdammt. Ich wollte sie nicht zum Weinen bringen.
„Ich hatte keine andere Wahl, Jensen.“
Verdammte Scheiße. Wie sie meinen Namen aussprach, berührte mich irgendwie.
Mir schwirrte der Kopf von der plötzlichen Wende der Situation, doch ich hatte kein Bedürfnis, die Achterbahnfahrt zu stoppen. Haley war, genau wie letzte Woche, unvorhersehbar.
Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare, atmete seufzend aus und blähte kurz die Wangen auf. „Das ist eine verfickte Katastrophe. Ich mische meinen Beruf nicht mit meinem … Lebensstil“, sagte ich aus Mangel an einem treffenderen Wort.
Haleys Blick wurde wieder klar. „Dann ist es ja gut, dass ich dich nur als Anwalt brauche.“
„Wie bitte?“, fragte ich barsch. Diese Antwort stand im direkten Widerspruch zu dem, was sie bereits zugegeben hatte.
„Ich habe doch schon gesagt, dass mir Monogamie wichtig ist. Du bist mit einem Date hier, und wenn ich wählen muss, dann wähle ich den Anwalt. Master Dylan kann mir bei der anderen Sache helfen.“
Einen Scheiß würde er tun. Ich sah rot und trat einen Schritt näher. „Wäre ich dein Dom, würde ich dir für diese Drohung den Hintern versohlen, und es wäre mir egal, ob hier jemand vorbeikäme und es sehen würde. Man droht keinem Mann wie mir, wie du es gerade getan hast.“
Sie schnappte nach Luft und benetzte ihre Lippen.
Ich fuhr fort, ehe sie etwas sagen konnte. „Und wie reizvoll dieser Gedanke auch für dich sein mag, werde ich dir diesen Ungehorsam ausnahmsweise durchgehen lassen, weil wir noch kein Training hatten. Aber vergiss nie, wer ich bin, Haley. Ich habe hier heute einen geschäftlichen Termin, der gerade abrupt zu einem Ende kam, als du aufgetaucht bist. Ich muss noch ein paar Dinge klären, aber das ist alles, was ich dir dazu erklären werde. Jetzt will ich, dass du gehst, bevor ich dich auf die Knie zwinge, damit du meinen Schwanz lutschst, der deinen Mund nicht erwarten kann. Wir treffen uns in zehn Minuten in der Raccoon Brewery um die Ecke. Hast du mich verstanden?“
Sie presste die Lippen zusammen.
Ich wartete eine Sekunde … zwei …
„Ja.“
Ich hob strafend eine Braue.
„Ja, Sir.“
„Gut gemacht, meine Schöne“, wisperte ich, ehe ich mich beherrschen konnte. Ich legte eine Hand auf ihre Wange und sprach freundlicher. „Dort können wir reden.“
„Worüber?“
Ich verengte meine gierigen Augen. „Über alles.“
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