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Dr. Volker Spitzer
und Nicole Spitzer
Super-Vitamin D
Rundumschutz vor den
Krankheiten unserer Zeit:
Krebs, Diabetes, Herzkrankheiten,
Osteoporose

VAK Verlags GmbH
Kirchzarten bei Freiburg
Vorbemerkung des Verlags
Inhalt
Danksagung
Vorwort
Einleitung
Die Geschichte von Vitamin D
Grundlagen zum Vitamin-D-Stoffwechsel
Vitamin-D-Mangel – ein weltweites Problem
Vitamin D ist unerwartet vielseitig
Vitamin D stärkt das Immunsystem
Vitamin D und Krebs
Vitamin D und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Vitamin D und die Gesundheit der Seele
Vitamin D und Autismus
Vitamin D und Autoimmunerkrankungen
Vitamin D und Diabetes
Vitamin D und Übergewicht
Wie steht es eigentlich um Ihren Vitamin-D-Status?
Wie erreicht man eine optimale Vitamin-D-Versorgung?
Ist die Einnahme von zusätzlichem Vitamin D sicher?
Schlusswort
Literatur
Über die Autoren
Danksagung
Wir möchten uns sehr herzlich beim VAK-Verlag bedanken, der unsere Idee, ein Buch zum Thema Vitamin D zu verfassen, begeistert aufgenommen hat und der es ermöglichte, es in kurzer Zeit in die Realität umzusetzen. Ein besonderer Dank gilt auch unserer Lektorin Nadine Weber für Ihre Unterstützung bei der Gestaltung des Buches sowie für die vielen wertvollen Anregungen, die wir von ihr erhalten haben.
Vorwort
Super-Vitamin D – ein vielversprechender Titel für ein kleines Buch. Wir selbst schwelgen nicht gerne in übertriebenen Superlativen, doch im Falle von Vitamin D gibt es dazu aus verschiedenen Gründen durchaus Berechtigung. Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema „Vitamine“, doch in keinem anderen Falle waren neue Erkenntnisse so faszinierend wie bei Vitamin D. Es besitzt unter den Vitaminen eine Sonderstellung, die schon damit beginnt, dass es eigentlich kein Vitamin im Sinne der Definition ist. Seine vielfältigen Wirkungen sind vielmehr seinem Folgeprodukt, dem Calcitriol zuzuschreiben. Dies ist ein Hormon, das schon in kleinsten Mengen große Aufgaben in der Regulation von Körperfunktionen übernimmt. 36 der menschlichen Organe benötigen für ihre Steuerung und Funktion das Hormon Calcitriol.
Seit vielen Jahren ist bekannt, dass Vitamin D bzw. sein hormonelles Folgeprodukt für gesunde Knochen essenziell ist. In einem komplizierten Regelwerk nimmt es Einfluss auf den Kalziumstoffwechsel, um die Knochen zu stärken. In den letzten Jahren wurden aber neue Erkenntnisse gewonnen, die weit über diese Funktionen hinausgehen.
Durch seinen Einfluss auf den Zellteilungs- und Differenzierungsprozess spielt es eine unmittelbare Rolle bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs. Auch im Immunsystem spielt Vitamin D eine Schlüsselrolle. Es kann das Immunsystem stärken und auch Autoimmunerkrankungen (z. B. Multiple Sklerose, Neurodermitis) beeinflussen. Vitamin D ist auch wichtig für die Regulierung der Insulin-Ausschüttung im Körper. Somit besteht auch eine Verbindung zwischen Vitamin D und bestimmten Diabetes-Arten. Selbst ein Zusammenhang zwischen Vitamin D, Herzerkrankungen und Blutdruck wurde kürzlich nachgewiesen, und auch für unsere Seele scheint es eine Rolle zu spielen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Vitaminen besteht beim Vitamin D ein weltweiter Mangel in der Bevölkerung. In Deutschland sind mehr als 50 Prozent der Menschen nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Dies kann langfristig fatale Folgen haben, wenn man sich das breite Wirkungsspektrum dieser Substanz ansieht. Die Ursachen für diesen Mangel liegen auf der Hand, wenn man sich die Quellen für Vitamin D näher ansieht. Dies ist zum einen das Sonnenlicht, das in der Haut Vitamin D erzeugt. Leider ist die Sonne hierzulande ein eher seltener Gast und im Winter nicht stark genug. Da die Sonne jedoch die Hauptquelle für Vitamin D darstellt, ist es verständlich, dass ein Mangelproblem vorprogrammiert ist. Die andere Quelle für Vitamin D sind fettreiche Fische, die bei uns leider nicht so häufig auf dem Speiseplan stehen. Aus dem Gesagten wird klar, dass wir fast keine Chance haben, einem Vitamin D Mangel zu entgehen.
In diesem kleinen Buch haben wir für Sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Vitamin D zusammengefasst. Neben einem Test, der Ihnen hilft, Ihren Vitamin-D-Status besser einzuschätzen, haben wir auch Strategien für Sie erarbeitet, die Ihnen helfen sollen, eine optimale Versorgung mit Vitamin D zu erreichen. Dies kann für Ihre Gesundheit von vielschichtiger Bedeutung sein.
Die Reise mit Vitamin D ist noch lange nicht zu Ende. Neue Forschungsergebnisse werden in den nächsten Jahren weitere Einsichten ermöglichen, welche Rolle es für die menschliche Gesundheit spielt.
Wir hoffen, dass Sie von dem „Supervitamin“ genauso begeistert sind wie wir und wünschen Ihnen eine gesunde und Vitamin-D-reiche Zeit.
Dr. Volker und Nicole Spitzer

Einleitung
Vitamin D – ein ganz spezielles „Vitamin“
Vitamine gehören zu den sogenannten essenziellen Mikronährstoffen, die wir mit der Nahrung aufnehmen müssen, weil unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. „Mikro“ deshalb, weil sie im Vergleich zu den Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fette und Proteine) nur in relativ geringen Mengen benötigt werden. Insgesamt gibt es dreizehn dieser lebensnotwendigen Substanzen, die man üblicherweise in vier fettlösliche (Vitamin A, D, E und K) und neun wasserlösliche Vitamine (Vitamin B1, B2, B6, B12, Niacin, Biotin, Pantothensäure, Folsäure und Vitamin C) einteilt. Einige Vitamine werden als sogenannte Provitamine aufgenommen, die dann erst im Körper in ihre Wirkform umgewandelt werden.
Jedes Vitamin übernimmt ganz spezielle Aufgaben im Stoffwechsel und sie sind an fast allen biochemischen Reaktionen im Organismus beteiligt. Sie unterstützen Enzyme, Co-Enzyme und Hormone bei den unterschiedlichsten Stoffwechselaufgaben. Nur wenn das Vitamin-Team komplett ist, können die Körperzellen erfolgreich ihre Arbeit verrichten. Da jedes Vitamin für sich einzigartig ist, können sie sich auch nicht gegenseitig ersetzen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Vitamine zur Verfügung stehen. Grundsätzlich sorgen sie als eine Art Katalysator für das Ankurbeln des Stoffwechsels. Sie stellen z. B. sicher, dass unsere Nahrung in biologisch verfügbare Energie umgewandelt werden kann. Obwohl sie keinen energetischen Nährwert wie die Makronährstoffe besitzen, sind sie somit für die Aufrechterhaltung aller Lebensvorgänge notwendig. Neben vielen anderen Funktionen sind sie weiterhin wichtig für das Immunsystem und unverzichtbar beim Aufbau von Zellen, Blutkörperchen, Knochen und Zähnen.
Bereits der Mangel an einem Vitamin (Avitaminosen oder Hypovitaminosen) kann zu schweren Stoffwechselstörungen führen. So kann auch die Entdeckung vieler Vitamine in Verbindung gebracht werden mit bestimmten Krankheitsbildern, die bei ihrem Mangel auftreten. Typische Beispiele hier sind Skorbut und Vitamin-C-Mangel, Beriberi und Vitamin-B1-Mangel und auch Rachitis bei Vitamin-D-Mangel.
Vitamin D weist nun im Vergleich zu den anderen zwölf Vitaminen einige Besonderheiten auf:
1. Es kann in der Haut aus körpereigenem Cholesterin mithilfe von Sonnenlicht (UV-B-Strahlung) gebildet werden. Das Sonnenlicht wandelt eine spezielle Cholesterinform in einer Reihe von Reaktionsschritten zu Vitamin D um. Somit ist es eigentlich kein Vitamin im klassischen Sinne. Vielmehr spielt in diesem Falle das Sonnenlicht selbst die Rolle eines „Vitamins“. Deshalb wurde Vitamin D von Meinhard von Pfaundler – einem sehr bekannten Kinderarzt – auch als „in das Reagenzglas gebanntes Sonnenlicht“ bezeichnet.
2. Es hat im Körper die Funktion eines Prohormons (Hormonvorstufe) und wird erst über eine weitere Zwischenstufe in seine physiologisch aktive Form umgewandelt. Dies ist das Hormon Calcitriol, das eine Vielzahl von hormonsensitiven Genen in ihren Funktionen beeinflusst.
3. Vitamin D ist auch kein weit verbreiteter Bestandteil in Lebensmitteln, sondern kommt in größeren Mengen nur in wenigen Nahrungsquellen wie Fettfischen (Hering, Lachs) vor. Dies ist von der Evolution her verständlich, da unsere afrikanischen Vorfahren während Jahrtausenden die Sonne ganzjährig großzügig zur Verfügung hatten und eine Versorgung über die Nahrung nicht notwendig war.
Die Geschichte von Vitamin D
Vitamin D ist schon seit Langem bekannt als das „Knochenvitamin“ und wird aus diesem Grund heute den Säuglingen während des ersten Lebensjahres in Form von Vitamin-D-Tropfen verabreicht. Dies dient zur Verhinderung von Rachitis (Deformierung der Knochen), die um das Jahr 1900 weit verbreitet war. In den Industrieregionen litten damals 80 bis 90 Prozent aller Kinder an Rachitis, weil sie einerseits zu wenig nach draußen an die Sonne kamen und andererseits die Sonnenstrahlen aufgrund der Luftverschmutzung durch Kohleverbrennung die Erde kaum erreichten. Die erste wissenschaftliche Beschreibung der Vitamin-D-Mangelkrankheit Rachitis stammt bereits aus dem 17. Jahrhundert, aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der kausale Zusammenhang zwischen Vitamin D und der Knochenerweichung aufgedeckt.
Im Jahre 1918 experimentierte der Wissenschaftler Sir Edward Mellanby mit Hunden, die nie das Tageslicht gesehen hatten. Er konnte beweisen, dass die Tiere die Rachitis aufgrund eines Mangels an einem Mikronährstoff entwickelten und verdächtigte ein „fettlösliches Vitamin“. Bestärkt wurde seine Annahme durch die Tatsache, dass er die Rachitis mit Fischleber (als gute Vitamin-D-Quelle) erfolgreich behandeln konnte. Der Faktor „Licht“ blieb also zunächst unbeachtet.
1919 gelang es auch dem Kinderarzt Kurt Huldschinsky, Rachitis zu behandeln. Er entdeckte, dass sich die Symptome durch Bestrahlung mit einer UV-B-Lampe schlagartig verbesserten, konnte aber noch nicht die weiteren Zusammenhänge erkennen. Kurz darauf fanden die Forscher Goldblatt und Soames heraus, dass Vitamin D durch Bestrahlung mit Sonnenlicht aus einer Vorstufe entsteht, die auch in der Haut vorhanden ist (7-Dehydrocholesterol). Die Wissenschaftler Hess und Weinstock konnten dann nachweisen, dass die Gleichung „Sonnenlicht = Vitamin D“ tatsächlich richtig ist. Sie bestrahlten kleine Hautstücke mit Licht und verfütterten sie an Ratten mit Rachitis. Die Ratten wurden schnell gesund. Die andere Gruppe der kranken Ratten erhielt unbestrahlte Hautstückchen und die Rachitis blieb bestehen. Somit wurde gezeigt, dass es sich bei der Substanz nicht nur um einen essenziellen Nahrungsbestandteil handeln konnte.
Der Biochemiker Elmer V. McCollum machte im Jahre 1923 weitere Experimente mit Lebertran. Leber ist eine sehr reiche Quelle an einem anderen Vitamin: Retinol oder Vitamin A. Um nun auszuschließen, dass Vitamin A mit der heilenden Wirkung in Bezug auf Rachitis in Verbindung stand, wurde es vor den Experimenten durch Oxidation zerstört. Trotzdem behielt der so behandelte Lebertran seine antirachitische Wirkung und es war nachgewiesen, dass ein anderer, von Vitamin A unabhängiger Stoff die Heilkraft für Rachitis besaß. Die neu identifizierte Substanz mit anti-rachitischer Wirkung nannte er „Vitamin D“.
Kurz darauf, im Jahre 1927, gelang dem deutschen Chemiker Adolf Windaus die fotochemische Herstellung von Vitamin D. Er erhielt 1928 für seine Arbeiten den Nobelpreis. Es konnte auch gezeigt werden, dass die isolierte Substanz aus dem Lebertran mit dem neu entdeckten Vitamin D identisch war. Mit synthetisch hergestelltem Vitamin D wurde Rachitis nun behandelbar. Es war das Wunder-Vitamin der 1930er-Jahre und wurde seitdem auch vielen Lebensmitteln zugesetzt.
Der Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D wurde 1945 aber ein jähes Ende gesetzt. Bei der Anreicherung von Milch kam es zu einem fatalen Fehler. Statt der üblichen Dosis gelangten extrem hohe Mengen Vitamin D in die Milch und es kam teilweise zu tödlichen Überdosierungen bei Kindern. In Extremkonzentrationen führt Vitamin D zu Verkalkungen der inneren Organe, z. B. der Nieren. Aufgrund dieses Unfalls ist es in Deutschland noch heute verboten, Lebensmittel mit Vitamin D anzureichern. Historisch gab es nur eine einzige Ausnahmegenehmigung für Margarine, um sie ihrem Vorbild, der Butter, gleichwertig zu machen. Heute ist auch Fertigmilchnahrung für Säuglinge angereichert. Hinzugekommen ist im Herbst 2008 eine Quarkspeise für Kinder, die die Versorgung von Kindern mit Vitamin D und Kalzium verbessern soll. In vielen anderen Ländern werden Lebensmittel wie Milch, Orangensaft und Frühstückscerealien mit Vitamin D angereichert.
Erst in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren wurde dann die im Körper aktive Form des Vitamin D – das Steroidhormon Calcitriol – entdeckt. Manche Wissenschaftler streiten noch heute darüber, wo die Substanz nun eigentlich einzuordnen ist. Doch für seine vielfältigen Wirkungen ist dies völlig unerheblich.
Die Geschichte dieser „Sonnensubstanz“ hat eigentlich gerade erst begonnen. Es ist seit vielen Jahren bekannt, dass Vitamin D aufgrund seiner maßgeblichen Rolle im Kalzium-Stoffwechsel unerlässlich für die Knochengesundheit ist. Seine Rolle in der Prävention von Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, verschiedenen Krebsarten, Infektionen u.v.a.m. sind aber sozusagen Neuzeitgeschichte und wir können gespannt sein auf zukünftige Erkenntnisse. Die neuesten Trends bis dato sind in diesem Buch zusammengefasst.

Grundlagen zum Vitamin-D-Stoffwechsel
Zum besseren Verständnis der folgenden Kapitel ist es wichtig, vorab einige Grundlagen zum Stoffwechsel von Vitamin D zu erläutern.
Der Begriff „Vitamin D“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig als Synonym für verschiedene Vitamin-D-Formen verwendet. Man kann je nach Quelle verschiedene Formen unterscheiden:
●Vitamin D3 (Cholecalciferol, Calciol) wird aus dem Provitamin D (7-Dehydrocholesterin) erzeugt, das wiederum aus Cholesterin gebildet wird (tierische Quellen). Dies ist auch die im Menschen synthetisierte Form.
●Vitamin D2 (Ergocalciferol, Calciferol) wird aus dem Provitamin Ergosterin (Phytosterol) gebildet (Pflanzen). Diese Form findet man in pflanzlichen Lebensmitteln und wird manchmal auch in Nahrungsergänzungsmitteln und als Lebensmittelzusatz verwendet.
Die Menge an Vitamin D wird in µg (Mikrogramm) oder Internationalen Einheiten (IE) angegeben. 1 IE entspricht 0,025 µg Vitamin D und 40 IE entsprechen 1 µg Vitamin D.
Sowohl Vitamin D3 als auch Vitamin D2, die sich geringfügig in ihrer chemischen Struktur unterscheiden, sind nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gleich gut wirksam (Holick, M. F. u.a., 2008). Beide Substanzen werden im Körper zum Hormon Calcitriol umgewandelt. Diesen Prozess wollen wir nun etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Bildung von Vitamin D in der Haut
Der Mensch kann den Großteil seines Vitamin-D-Bedarfes durch Sonnenbestrahlung der Haut decken. Im Körper wird Cholesterin zu Provitamin D3 (7-Dehydrocholesterol) umgewandelt. Dies ist in der Haut in ausreichender Menge vorhanden. Wird diese Substanz mit UV-B-Licht bestrahlt, entsteht zunächst Prävitamin D3. Dieses wird in einer weiteren Umwandlungsreaktion, die einige Stunden dauert, in Vitamin D3 überführt.
Damit der Körper keine Überdosis Vitamin D3 erhält, gibt es einen gut kontrollierten Mechanismus. Wird die Konzentration an Vitamin D3 in der Haut zu hoch und kann es nicht schnell genug ins Blut abgegeben werden, verwandelt es sich durch die Sonnenstrahlung in unwirksame Folgeprodukte. Vitamin D3 ist also selbst fotolabil.
Ein weiterer und langfristiger Schutz vor einer Vitamin-D-Vergiftung ist durch eine vermehrte Bildung von Melanin (Hautbräunung) in der Haut gewährleistet, welches das UV-B-Licht wirkungsvoll herausfiltert.
Die Konzentration der Vitamin-D3-Vorstufe (7-Dehydrocholesterolgehalt) sinkt mit dem Alter der Haut. Außerdem nimmt auch die biochemische Kapazität für die Umwandlung in Vitamin D mit einem Faktor von 3 (z. B. ein 70-Jähriger gegenüber einem 20-Jährigen) deutlich ab.
| „Vitamin-D“-Begriff | Synonyme |
| Provitamin D | 7-Dehydrocholesterin, Provitamin D3, Vitamin-D-Vorstufe |
| Vitamin D/Vitamin D3 | Calciol, Cholecalciferol, „Sonnenvitamin“, „anti-rachitisches Vitamin“ |
| Vitamin D2 | Ergocalciferol, Calciferol |
| 25-OH-Vitamin D | Calcidiol, 25-Hydroxycalciferol |
| 1,25-DiOH-Vitamin D | Calcitriol, 1,25-Dihydroxycalciferol, „Vitamin-D-Hormon“ |
Tab. 1: Vitamin-D-Begriffe (ohne rein chemische Bezeichnungen)
Experimentell konnte gezeigt werden, dass ein hellhäutiger junger Erwachsener an einem sonnigen Mittag auf dem 42. Breitengrad (z. B. Rom) bereits nach 10 bis 12 Minuten eine beginnende Hautrötung zeigt. Ist diese Bestrahlung auf den ganzen Körper gerichtet, gibt die Haut innerhalb der nächsten 24 Stunden eine Menge an das Blut ab, die vergleichbar ist mit 10 000 bis 20 000 IE (250 µg bis 500 µg) Vitamin D3 aus Nahrungsmitteln. Dies ist ein Vielfaches der Empfehlungen für die tägliche Zufuhr aus Lebensmitteln. Somit ist eine intensive Vitamin-D3-Bildung schon bei einer relativ kurzen, aber intensiven Sonnenbestrahlung möglich. Ein dunkelhäutiger Mensch benötigt statt der beschriebenen 10–12 Minuten deutlich länger.
Das in der Haut erzeugte Vitamin D3 wird im Blutstrom an ein Transportmolekül gebunden, das „Vitamin-D-bindende Protein“ (DBP), und zur Leber transportiert. In der Leber wird es weiter zu 25-Hydroxy-Vitamin D3 (Calcidiol) umgesetzt. Wie später noch näher beschrieben wird, ist die Calcidiol-Konzentration der beste Indikator zum Beurteilen des Vitamin-D-Status, da es die längerfristige Vitamin-D3-Versorgung der letzten drei bis vier Monate widerspiegelt.
Gebunden an das Vitamin-D-bindende Protein wird Calcidiol zu den Nieren transportiert, wo ein Großteil in 1,25-Dihydroxy-Cholecalciferol (Calcitriol) überführt wird. Dieses biologisch hochaktive Stoffwechselprodukt gelangt über die Blutbahn zu den Zielorganen und ist für die meisten physiologischen Wirkungen von Vitamin D verantwortlich.
Calcitriol oder das „Vitamin-D-Hormon“ ist der passende Schlüssel, um die Vitamin-D-Rezeptoren (VDR) zu aktivieren. Durch Bindung an diese Andockstellen reguliert es mehr als 50 Gene in verschiedenen Zelltypen. Die Umwandlungsprozesse in Leber und Nieren spielen für den Vitamin-D-Stoffwechsel zwar die Hauptrolle, aber inzwischen ist bekannt, dass alle Syntheseschritte eigenständig in der Haut ablaufen können. Diese kann mit Hilfe von UV-Licht biologisch aktives Calcitriol von Anfang bis Ende komplett herstellen – nach heutigem Wissensstand als einziges Organ.
Vitamin-D-Aufnahme aus der Nahrung
Bis zu 90 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs wird durch die körpereigene Synthese mithilfe des Sonnenlichts gedeckt. Nur wenige Nahrungsmittel enthalten Vitamin D in nennenswerten Mengen. Da die Menschen in Mitteleuropa aufgrund der schwachen Sonnenstrahlung in der Winterzeit kaum Vitamin D in der Haut bilden können, sind sie auf die Nahrungsquellen angewiesen. Zwar werden über die Sommerzeit Vitamin-D-Depots in den Fettgeweben angelegt, doch leider reicht das meist nicht aus, um mit einer guten Vitamin-D-Versorgung durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.
Als Hauptquellen sind hier Fettfische (z. B. Hering, Thunfisch, Lachs), Lebertran, Innereien, Eigelb sowie einige Milchprodukte zu nennen. Der Vitamin-D-Gehalt von Milch ändert sich mit der Jahreszeit. Im Sommer kann er die zehnfache Menge betragen. Glücklicherweise ist Vitamin D nicht hitzeempfindlich und kann auch längere Lagerzeiten gut überstehen. Pflanzliche Lebensmittel enthalten in geringen Mengen eine Vitamin-D-Vorstufe, wobei Pilze etwas höhere Mengen enthalten.

In der folgenden Tabelle sind die Gehalte von Vitamin in verschiedenen Lebensmitteln aufgeführt.
Vitamin D3 (aus tierischen Quellen) und Vitamin D2 (aus pflanzlichen Quellen) werden im Darm aufgenommen und dann, genauso wie das in der Haut gebildete Vitamin D, im weiteren Verlauf in Leber und Niere zu Calcitriol umgewandelt. Die gleichzeitige Anwesenheit von Fett in der Nahrung fördert die Aufnahme im Darm.

Höhere Vitamin-D-Gehalte finden sich in angereicherten Lebensmitteln und in Nahrungsergänzungsmitteln. Wie schon erwähnt, ist die Anreicherung in Lebensmitteln in Deutschland auf wenige Produkte beschränkt. In anderen Ländern, wie in den USA, wurde die Anreicherung von Lebensmitteln bereits in den 1930er-Jahren eingeführt, um Rachitis zu verhindern. Milch, Brot und auch Orangensaft sind dort mit Vitamin-D-Zusatz im Handel. Hierzulande ebenfalls erlaubt ist der Einsatz von Vitamin D in Nahrungsergänzungsmitteln und man findet es z. B. in Multivitaminpräparaten und Kalziumsupplementen. Die Mengen liegen typischerweise bei 200 bis 400 IE (5–10 µg) Vitamin D pro Tagesdosis.
| Lebensmittel | Vitamin D3 (μg) (je 100 g verzehrbarer Anteil) | Vitamin D3 (je Portion, Schätzwert) |
| Fisch | ||
| Hering | 26 | 39 |
| Lachs | 16 | 24 |
| Sardinen | 10 | 15 |
| Räucheraal | 13 | 19,5 |
| Fette | ||
| Margarine | 2,5 | 0,25 |
| Butter | 1,2 | 0,12 |
| Lebertran | 330 | 16 |
| Milchprodukte | ||
| Vollmilch (mind. 3,5% Fett) | 0,09 | 0,18 |
| Sahne (30% Fett) | 1,1 | 0,5 |
| Gouda | 1,25 | 0,1 |
| Schmelzkäse (70% Fett i. Tr.) | 3,1 | 0,3 |
| Emmentaler | 1,1 | 0,1 |
| Gorgonzola | 1 | 0,1 |
| Edamer (40% Fett i. Tr.) | 0,29 | 0,03 |
| Speisequark (40% Fett i. Tr.) | 0,19 | 0,19 |
| Joghurt (mind. 3,5% Fett) | 0,06 | 0,12 |
| Fleischprodukte | ||
| Rinderleber | 1,7 | 2,6 |
| Kalbsleber | 0,3 | 0,45 |
| Eier | ||
| Vollei | 2,9 | 1,5 |
| Pilze (Vitamin D2) | ||
| Steinpilze | 3,1 | 1,5 |
| Pfifferlinge | 2,1 | 1,0 |
| Champignons | 1,9 | 0,9 |
Tab. 2: Vitamin-D-Gehalt von Lebensmitteln
Wie viel Vitamin D wird empfohlen?
Wie auch für jedes andere Vitamin haben Wissenschaftler Referenzwerte für die tägliche Vitamin-D-Aufnahme vorgeschlagen. Im deutschsprachigen Raum (Referenzwerte der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Gesellschaften für Ernährung) werden derzeit 200 IE (5 µg) für Kinder und Erwachsene und 400 IE (10 µg) für Personen über 65 Jahre empfohlen. In Deutschland werden den meisten Säuglingen im ersten Lebensjahr täglich 500 IE Vitamin D3 (12,5 µg) zur Rachitisprophylaxe als Tablette oder Öl zum Träufeln verabreicht.
Die offizielle und aktuelle Empfehlung mit 200 IE wird von Experten als sehr niedrig eingestuft und ist hauptsächlich auf die Verhinderung von Rachitis bei Kindern ausgerichtet. Es soll also einen Vitamin-D-Mangel verhindern. Gesundheitliche Vorteile, die sich nach neuesten Studienergebnissen durch eine höhere Einnahmemenge ergeben könnten, werden hierbei kaum berücksichtigt. Viele Fachleute sind der Meinung, dass die Referenzwerte deutlich zu niedrig sind, um einen optimalen Status zu gewährleisten.
In anderen europäischen Ländern gelten deshalb auch teilweise höhere Referenzwerte speziell für Kinder und Jugendliche. Für die Altersgruppe von 4 bis 10 Jahren werden beispielsweise je nach Land bis zu 400 IE und für die Altersgruppe der 11-bis 17-Jährigen 600 IE empfohlen.
Erst im Jahr 2008 hat auch die Amerikanische Vereinigung der Kinderärzte (American Academy of Pediatry, AAP) befürwortet, dass Kinder und Jugendliche doppelt so viel Vitamin D bekommen sollen als bisher. Im Falle der USA werden also statt der bisherigen 200 IE nun 400 IE pro Tag propagiert. Der Grund dafür sind die eindeutigen Studienergebnisse der letzten Jahre, die zeigen, dass das „Sonnenschein-Vitamin” nicht nur vorbeugend bei z. B. Rachitis in der Kindheit wirkt, sondern auch positive Folgen für den Rest des Erwachsenenlebens hat. Insbesondere die präventive Wirkung von Vitamin D für Immunerkrankungen wie Diabetes wurde von den Kinderärzten herausgestellt.
Auch die Osteoporose-Gesellschaft in Kanada ist der Meinung, dass Erwachsene zumindest 20 µg/d (800 IE) Vitamin D zur Prophylaxe einnehmen sollten. Die offizielle Gesundheitsbehörde in Kanada hat ihre Empfehlungen bereits auf 10 µg (400 IE) Vitamin D für alle Menschen ab einem Alter von 2 Jahren nach oben angepasst. Diese Empfehlungen sind auch für Mitteleuropa relevant, wenn man bedenkt, dass Montreal auf dem gleichen Breitengrad liegt wie Mailand.
In den USA und Kanada ist das Institut für Medizin (IOM) für die wissenschaftliche Beurteilung von Referenzwerten für Nährstoffe zuständig. Die letzte Begutachtung von Vitamin D fand im Jahre 1997 statt. Nun ist das Gremium der Meinung, dass die Empfehlungen neu betrachtet werden müssen, da es mittlerweile viele neue Erkenntnisse über Vitamin D gibt (Yetley, E. A. u.a., 2009).
Auch in Deutschland werden derzeit die Leitlinien überprüft. Auf eine baldige Anpassung ist zu hoffen.
Vitamin-D-Mangel – ein weltweites Problem
Vitaminmangel ist ein Thema für Schwellenländer. Das zumindest glauben immer noch viele Menschen und teilweise sogar Experten in den Industrienationen. Tatsache ist jedoch, dass auch große Teile der deutschen Bevölkerung unter Vitaminmangel leiden können (Hintzpeter, B. u.a., 2008a). Gerade in den letzten Jahren sind die „Vitamine“ in der Presse mit widersprüchlichen Schlagzeilen behandelt worden. Die Nachrichten gehen von „wir brauchen mehr Vitamine“ über „Vitamine helfen nichts“ bis zu sogar „Vitamine sind schädlich“. Tatsache ist, dass das Thema eine derart hohe Komplexität erreicht hat, dass selbst Experten manchmal ins Schleudern kommen. Wie soll sich da der Laie noch die richtige Information herauspicken? Deshalb wollen wir in diesem Buch die Daten und Belege in verständlicher Form Schritt für Schritt analysieren. Insbesondere für Vitamin D ist dies eine lohnende Angelegenheit.
Der Vitaminmangel kommt schleichend
Ein Vitaminmangel tritt normalerweise nicht plötzlich auf, sondern schleicht sich über einen längeren Zeitraum ein. In der Vorstufe gehen zunächst die Reserven an dem(n) betroffenen Vitamin(en) zur Neige. Bei einigen wasserlöslichen Vitaminen kann dies schon nach wenigen Tagen bis Wochen der Fall sein. Fettlösliche Vitamine, wie auch das Vitamin D, können für längere Zeit im Körper gespeichert werden – wenn die Reserven entsprechend aufgefüllt sind. Bis vor kurzer Zeit war man der Meinung, dass das in der Sommerzeit in der Haut gebildete Vitamin D eine ausreichende Langzeitreserve für die dunkleren Monate von Oktober bis März sei. Leider ist dies aus mehreren Gründen selten der Fall, nicht einmal in Gebieten auf sonnigeren Breitengraden als Mitteleuropa.
Eine sogenannte „marginale Vitamindefizienz“ (latenter, subklinischer oder unterschwelliger Vitaminmangel) entwickelt sich bei einer chronischen Vitaminunterversorgung. In diesen Fällen werden die Nährstoffe zwar noch zugeführt, doch reichen die Mengen nicht aus, um eine optimale Zellfunktion zu gewährleisten. Der Mangel ist noch nicht so drastisch, dass die klassischen Vitamin-Mangelsymptome auftreten würden. Daher hat auch der Arzt meistens Schwierigkeiten eine klare Diagnose zu stellen oder in vielen Fällen fühlt sich der Betroffene noch nicht krank genug, um den Arzt überhaupt zu konsultieren. Trotzdem führt ein chronischer, marginaler Mangel bereits zu unspezifischen Störungen der Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit. Auf lange Sicht kann dies weitere negative, teilweise sogar irreversible gesundheitliche Folgen haben.
Einmal erkannt, kann in den meisten Fällen durch eine Umstellung auf eine gesündere Ernährung und durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln Abhilfe geschafft werden. Wird der Mangel nicht ausgeglichen und verschlimmert sich, kommt es zu den charakteristischen und klinisch eindeutigen Mangelsymptomen. Im Falle von Vitamin D ist es bei Kindern Rachitis und bei Erwachsenen Osteomalazie (eine schmerzhafte Knochenerweichung). Bei diesen Symptomen ist die Diagnose einfacher. Auf lange Sicht eigentlich kritischer, weil unerkannt, ist der unterschwellige Mangel an Vitaminen mit seinen chronischen Folgen. Bei Vitamin D ist die Gesundheit davon ganz besonders betroffen, wie Sie im Laufe der nächsten Kapitel sehen werden.
Wie kann man den Vitamin-D-Status bestimmen?
Die Speicherform des Vitamin D im Körper ist das Calcidiol (25-Hydroxyvitamin D). Dieser Parameter ist auch geeignet, um den Vitamin-D-Status im Blut zu ermitteln. Die Messung der aktiven Vitamin-D-Hormonform (Calcitriol) liefert keine Informationen darüber, da sein Wert auch im Mangelzustand normal und manchmal sogar leicht erhöht ist. Die meisten medizinischen Labors bieten die Messung von Calcidiol heute an. Fragen Sie doch mal Ihren Arzt!
In den USA gibt es mittlerweile schon Testkits für den Einsatz zu Hause. Man muss nur einen Tropfen Blut auf ein spezielles Papier aufbringen, trocknen lassen und an ein Labor schicken. Ein paar Tage später erhält man das Resultat. Doch was ist nun der optimale Versorgungswert?
Wie so oft in der Wissenschaft wurde lange Zeit darüber debattiert, was denn nun ein optimaler Vitamin-D-Status in konkreten Zahlen bedeutet. In den klassischen Lehrbüchern zur Ernährungsmedizin wird beschrieben, dass bei Werten von unter 20 nmol/L (8 ng/ml) Calcidiol eine ernsthafte Mangelsituation vorliegt.
Umrechnung nmol/L zu ng/ml (Faktor = 2,5)
2,5 nmol/L Calcidiol = 1,0 ng/ml Calcidiol
1,0 nmol/L Calcidiol = 0,4 ng/ml Calcidiol
Als grenzwertig wird der Bereich zwischen 20 und 40 nmol/L (8–16 ng/ml) angegeben und Werte über 40 nmol/L (16 ng/ml) sollen eine ausreichende Versorgung widerspiegeln. Man muss hierbei aber kritisch beachten, dass diese Festlegungen durch Stichproben von Populationen gemacht wurden, die zu einem hohen Anteil wahrscheinlich eine Unterversorgung mit Vitamin D aufwiesen. In den meisten Fällen wird der Laborarzt sich noch auf diese mittlerweile überholten Werte beziehen. Zunehmend setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass die klassische, an der Vermeidung von Mangelerscheinungen orientierte Sichtweise zur Vitamin-D-Versorgung nicht den aktuellen Stand der Wissenschaft widerspiegelt. Die möglicherweise präventiven Wirkungen des Vitamins werden mit den niedrigen Referenzwerten wahrscheinlich nicht genutzt.
In den letzten Jahren hat sich die Sichtweise daher deutlich geändert, da viele Experten aufgrund der weltweiten Mangelsituation und der durch Studien belegten positiven Wirkungen von Vitamin D eine Anpassung nach oben fordern. Renommierte Wissenschaftler haben kürzlich die Daten einer Vielzahl von Vitamin-D-Studien evaluiert und folgenden Vorschlag erarbeitet (Bischoff-Ferrari, H. A., 2008):
●Eine Konzentration von 75 nmol/L (30 ng/ml) Calcidiol wird als untere Grenze der Vitamin-D-Versorgung angesehen.
●Als optimal wird der Bereich zwischen 90 und 100 nmol/L (36–40 ng/ml) Calcidiol angesehen.
Die Autoren (Bischoff-Ferrari, H. A., 2008) weisen darauf hin, dass solche Blutwerte in den meisten Fällen mit den aktuellen Einnahmeempfehlungen von 200 IE (5 μg) für Kinder und Erwachsene sowie 400 IE (10 μg) für Senioren kaum erreicht werden können. Sie empfehlen eine Anpassung der Referenzwerte auf 1 000 IE (40 μg) Vitamin D für alle Erwachsenen. Diese Menge sei notwendig, um mindestens 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung auf eine ausreichende Blutkonzentration von 75 nmol/L (30 ng/ml) Calcidiol zu bringen.
Eine Studie aus dem Jahr 2009 belegt, dass die bisher empfohlene Dosis von 400 IE pro Tag nicht ausreicht, um die Calcidiol-Spiegel auf das gewünschte Niveau anzuheben. Erst ab einer Aufnahme von mindestens 800 IE Vitamin D pro Tag in der Winterzeit konnten 80 Prozent der jungen Frauen den unteren Grenzwert von 75 nmol/L Calcidiol überschreiten (Nelson, M. L. u.a., 2009).
Andere Wissenschaftler setzen die Latte für den unteren Grenzwert mit 125 nmol/L (50 ng/ml) Calcidiol noch höher an. Man fand heraus, dass der Körper nur ab diesem Wert beginnt, Vitamin D im Fett- und Muskelgewebe zu speichern. Zwar setzt die Speicherung bei den meisten Menschen bereits ab 100 nmol/L (40 ng/ml) ein, doch ab 125 nmol/L (50 ng/ml) ist es sicher, dass alle ausreichend versorgt sind.
Liegt der Spiegel unter dem Grenzwert, wird das Vitamin D so schnell verbraucht, wie es hergestellt wird – man fährt sozusagen ständig auf Reserve. Daher empfehlen die Autoren über das Jahr verteilt einen Blutwert von 125–200 nmol/L (50–80 ng/ml) aufrechtzuerhalten (Hollis, B.W. u.a., 2007). Dies sind übrigens Bereiche, die man auch bei „Sonnenberufen“ wie Landwirten und Bademeistern findet.
In der Tabelle auf S. 29 sind als Anhaltspunkte verschiedene Laborwerte für Calcidiol und deren mögliche Interpretation zusammengefasst.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es zahlreiche Hinweise auf eine breite Sicherheitszone für Vitamin D gibt. Erst Blutwerte ab 375 nmol/L (150 ng/ml) Calcidiol wurden mit einer Vitamin-D-Intoxikation (Vergiftung) in Verbindung gebracht. Dies ist deutlich höher als die empfohlenen Werte. Wie schon beschrieben wurde, ist weder durch Sonnenbaden noch durch Lebensmittel eine Überdosierung möglich. Nur durch falsche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln können theoretisch sehr hohe Mengen aufgenommen werden. Wie die Geschichte bisher zeigt, ist dies aber praktisch nicht von Bedeutung. Trotzdem kann eine zweimalige Kontrollmessung pro Jahr empfohlen werden, wenn Vitamin D in höher dosierter Form eingenommen wird. Mehr zum Thema Sicherheit im Kapitel Vitamin D ist sicher.
| Beurteilung | Calcidiol (nmol/L) | Calcidiol (ng/ml) |
| Schwerer Mangel | <25 | <10 |
| Mangel | 25–50 | 10–20 |
| Nicht ausreichend versorgt | 50–75 | 20–30 |
| Normaler Status | >75 | >30 |
| Optimaler Status | 100–175 | 40–70 |
| Überdosis | >250 | >100 |
| Vergiftungsdosis | >375 | >150 |
Tab. 3: Was bedeuten die gemessenen Calcidiol-Werte (25-OH-Vitamin D)?
Weltweiter Vitamin-D-Mangel?
Vitamin D wird nur zu einem geringen Anteil mit der Nahrung aufgenommen. Der Hauptanteil (80–90 Prozent) dieser Substanz wird hauptsächlich in der Haut durch den Einfluss des Sonnenlichtes produziert. Die Folge ist, dass es gerade in der dunklen Jahreszeit nahezu unmöglich ist, sich ausreichend mit dem „Sonnenvitamin“ zu versorgen.
So ist es auch kein Wunder, dass sich seit Jahren die Studien mit Hinweisen auf einen weltweiten Mangel an Vitamin D häufen. Einige Autoren sprechen mittlerweile schon von einer globalen Pandemie, also eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung des Vitamin-D-Mangels mit schwer wiegenden Folgen für die Volksgesundheit (Holick, M. F., 2005a). Man schätzt, dass weltweit eine Milliarde Menschen an Vitamin-D-Mangel leiden, die dadurch ein erheblich höheres Risiko eingehen, an Knochenbrüchen, Krebserkrankungen und vielen chronischen, insbesondere Autoimmunerkrankungen zu leiden.

Bis vor kurzer Zeit lagen konkrete Daten nur aus Nordamerika vor. In mehreren Studien wurde festgestellt, dass 40–100 Prozent der Senioren einen Vitamin-D-Mangel haben. Ebenso hatten Frauen, die nach der Menopause wegen Osteoporose behandelt wurden, zu niedrige Calcidiol-Werte (<30 ng/ml). Auch bei Kindern und Jugendlichen wurde ein Vitamin-D-Mangel nachgewiesen. Mehr als 50 Prozent der hispanischen und dunkelhäutigen Jugendlichen in Boston (USA) und mehr als 48 Prozent der weißen Grundschulkinder in Maine (USA) hatten weniger als 20 ng/ml Calcidiol im Blut. Die gleichen Werte zeigten sich nach der Winterzeit für 42 Prozent der 15- bis 49-jährigen dunkelhäutigen, weiblichen Bevölkerung in den USA. Sogar 32 Prozent gesunder Studenten und Ärzte aus der Region Boston hatten einen Vitamin-D-Mangel, obwohl sie täglich Milch (in den USA angereichert mit Vitamin D), eine Multivitamintablette und einmal pro Woche Lachs zu sich nahmen (Holick, M. F., 2008).
Diese Daten zeigen die Problematik eindrucksvoll auf. Doch Nordamerika ist „weit weg“, obwohl wir uns in Deutschland teilweise die gleichen Breitengrade und somit eine ähnliche Sonnendosis teilen. Der Tenor war bislang, dass es einen Vitamin-D-Mangel in Deutschland nicht gäbe, außer bei wenigen Risikogruppen wie Senioren. Die Problematik wurde verdrängt. Doch die Situation ist leider auch hier viel kritischer, als zuvor angenommen wurde.
Eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Instituts bestätigt, dass auch in Deutschland ein alarmierender Mangel an Vitamin D herrscht (Hintzpeter, B. u.a., 2008a); mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung leidet darunter. Bei 57 Prozent der untersuchten Männer und bei 58 Prozent der Frauen ist der Vitamin-D-Spiegel im Blut unterhalb des kritischen Grenzwertes. Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind besonders betroffen. Bei den über 65-jährigen Frauen waren sogar 75 Prozent unterversorgt. Vitamin-D-Mangel ist insbesondere bei älteren Menschen bereits in einer Vielzahl von anderen Studien nachgewiesen worden.
Ähnlich ist die Situation bei 6- bis 11-jährigen Kindern: Die KIGGS-Studie des Robert-Koch-Institutes hat gezeigt, dass die durchschnittliche Aufnahme für Kinder in Deutschland bei nur 1,5 μg Vitamin D pro Tag lag (Hintzpeter, B. u.a., 2008b). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt aber mindestens 5 μg am Tag. Dieses 70-prozentige Defizit ist aufgrund des Größenwachstums der Kinder besonders kritisch, da Vitamin D für die gesunde Knochenentwicklung essenziell ist. Die Folgen für die weitere Entwicklung und andere Gesundheitsbereiche sind noch gar nicht abzusehen.
Der Zustand ist auch bei Jugendlichen nicht besser. In einer Untersuchung an Schülern eines Olympia-Stützpunktes und eines Gymnasiums in Potsdam konnte gezeigt werden, dass es sowohl bei jugendlichen Leistungssportlern als auch bei Jugendlichen mit geringer körperlicher Aktivität zu Mangelsituationen kommen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Vitamin D und Folsäure sowie die Mineralstoffe Jod, Eisen und teilweise Kalzium unzureichend zugeführt werden (Bittmann, F.u.a., 2007). Eine Situation, die Anlass dazu geben sollte, entsprechende Maßnahmen zu einer Optimierung der Ernährungssituation in Deutschland einzuleiten.
Dies wird auch durch eine Europa übergreifende Untersuchung, die dreijährige „HELENA-Studie“ untermauert (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence). Etwa 50 Prozent der europäischen Jugendlichen haben keine optimale Vitamin-D-Versorgung, wenn man sich auf die Referenzwerte von Erwachsenen bezieht.
Auch während der Schwangerschaft kann ein Vitamin-D-Mangel entstehen und Folgen für Mutter und Kind haben. Eine Studie in den USA zeigte, dass bei 80 Prozent der schwangeren Afroamerikanerinnen und bei 50 Prozent der weißen US-amerikanischen Schwangeren ein Mangel bestand (Bodnar, L. M. u.a., 2007). Dies ist insbesondere bemerkenswert, weil neun von zehn der insgesamt 400 Frauen sogar eine Vitaminergänzung eingenommen haben. Offenbar war die enthaltene Dosis an Vitamin D nicht ausreichend (Bodnar, L. M. u.a., 2007).
Was sind die Konsequenzen eines Vitamin-D-Mangels?
Die Folgen des Vitamin-D-Mangels für die Betroffenen sind nicht unmittelbar zu spüren. Dies ist auch die schleichende Gefahr, die darin verborgen ist. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass der Knochenstoffwechsel für Jung und Alt erheblich aus dem Gleichgewicht kommt, wenn es an Vitamin D fehlt. Bei Kindern tritt dann Rachitis auf und bei Erwachsenen kommt es zur Osteomalazie sowie einem erhöhten Risiko für Osteoporose, Stürze und Knochenbrüche. Doch die Konsequenzen gehen weit über die Knochen hinaus. Die Wissenschaft konnte in den letzten Jahren belegen, dass ein Vitamin-D-Mangel mit erhöhten Risiken für Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, multipler Sklerose, Rheuma, verschiedenen Krebsarten u.v.a.m einhergeht. Deshalb lohnt es sich, auch seinen Vitamin-D-Status zu kennen und bei einem Mangel entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Experten empfehlen, dass die Messung von Calcidiol (25-Hydroxyvitamin D) ein Teil der jährlichen Check-up-Untersuchung werden sollte. Fragen Sie Ihren Arzt!
Was sind die Ursachen für den weltweiten Vitamin-D-Mangel?
Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, die für einen Vitamin-Mangel verantwortlich sein können. Doch diese sind sicher nicht die Hauptursache und können kaum die weltweite Pandemie erklären. Das Problem hat seine Wurzeln vielmehr im Bereich „Sonne“ und „Nahrung“.
Der Mangel an Sonnenlicht ist das Kernproblem
Vitamin D ist ein „alter Bekannter“. Schon vor mehr als 500 Millionen Jahren haben bereits Phytoplankton und Zooplankton das Sonnenvitamin produziert. Als der Homo sapiens im sonnigen Afrika lebte, trug er kein Fell mehr und war mit großer Wahrscheinlichkeit dunkelhäutig. Er war so vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt, was für seinen Temperaturhaushalt wichtig war. Gleichzeitig waren die Folsäurereserven (ein lichtempfindliches Vitamin) gesichert und eine ausreichende Vitamin-D-Synthese in der Haut war aufgrund der intensiven UV-B-Strahlung trotzdem möglich. Als der Mensch sich dann aber auf seine Reise nach Norden begab, nahm die Intensität der Sonnenstrahlung deutlich ab und die dunkle Pigmentierung der Haut war ein Nachteil. Die Haut wurde immer heller, je weiter man nach Norden ging. Die Färbung der Haut ist letztendlich also ein Balanceakt zwischen der Bildung des Vitamin D und dem Schutz vor Abbau der Folsäure. Hinzugekommen zur Anpassung der Hautfarbe sind neue Ernährungsgewohnheiten (Fisch). Die Menschen am Nordpol konnten sich dort nur ansiedeln, weil sie ihren Vitamin-D-Bedarf durch ihre extrem fischreiche Ernährung decken.
Wie die Evolution immer wieder gezeigt hat, ist der Mensch ein Meister der Anpassung. Leider spielt uns nun die moderne Zivilisation einen Streich: Unsere Lebensgewohnheiten haben sich drastisch geändert, weil wir die Natur aktiv beeinflussen. Wir leben zumindest in den kalten Monaten hauptsächlich in geschlossenen Räumen bei künstlichem Licht. Dazu kommt in den Großstädten eine Dunstglocke, welche die ohnehin schwachen Sonnenstrahlen kaum durchlässt. Dies war zu Beginn der Industrialisierung natürlich noch viel dramatischer.
Heute gehen viele Menschen nur noch mit Sonnencreme oder geschützt durch Kleidung unter den freien Himmel. Die für die Vitamin-D-Synthese in der Haut wichtige UV-B-Strahlung wird so herausgefiltert. Doch wie sieht es nun mit dem Vitamin D und der Sonne im Detail aus?
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