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Günter Dippold

Kleine Geschichte
Oberfrankens


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© 2020 Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Gutenbergstraße 8 | 93051 Regensburg

Tel. 0941/920220 | verlag@pustet.de

ISBN 978-3-7917-3170-4

Umschlaggestaltung und Layout: Martin Veicht, Regensburg

Satz: Vollnhals Fotosatz, Neustadt a. d. Donau

Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg

Printed in Germany 2020

eISBN 978-3-7917-6179-4 (epub)

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Inhalt

Das Werden Oberfrankens

Von den ersten Siedlern bis ins Hochmittelalter

Im Frankenreich / Die Markgrafen von Schweinfurt / Das neue Bistum Bamberg / Der Bamberger Dom / Die frühe territoriale Entwicklung des Hochstifts Bamberg / Bischof Otto I. von Bamberg / Der Aufstieg der Andechs-Meranier / Die Stadt in Oberfranken

Wandlungen im Spätmittelalter

Der Zerfall der meranischen Herrschaft / Umwälzungen im 14. Jahrhundert

Das Hochstift Bamberg

Der Fürstbischof / Die Neue Residenz zu Bamberg / Das Domkapitel / Klösterliche Unabhängigkeitsbestrebungen

Die Herrschaft der Zollern

Das Wachsen der Macht / Die jüngere fränkische Linie der Zollern und die Verlegung der Hauptstadt / Musik bei Hofe / Kulmbach-Bayreuth im 17. und 18. Jahrhundert

Das Coburger Land

Die Reichsritterschaft

Wandlungen niederadligen Lebens am Beginn der Neuzeit / Das Werden der reichsunmittelbaren Ritterschaft

Die Glaubensspaltung

Die reformatorische Bewegung und ihre ersten Folgen / Die landesherrliche Reformation / Protestantismus im Hochstift Bamberg / Die Gegenreformation

Die Verfolgung vermeintlicher Hexen

Prozesswellen im Hochstift Bamberg / Hexereiprozesse in Coburg und Kulmbach

Gute und schlechte Nachbarschaft

Geeint im Fränkischen Reichskreis / Der Markgräflerkrieg 1552–1554 / Vereint im Elend: der Dreißigjährige Krieg

Umbruch um 1800: Vordringen der Großmächte und Säkularisation

Preußen als Erbe des Markgraftums Kulmbach-Bayreuth / Die Ära Hardenberg / Europäische Konflikte und ihre Folgen für Franken / Die Herrschaftsübernahme durch Bayern / Die Aufhebung der Klöster und Stifte / Mythos Beutekunst / Die bayerischen Reformen / Das Ausgreifen Bayerns nach Bayreuth / Marktredwitz

Wirtschaftliches Leben zwischen Altem Reich und früher Industrialisierung

Wandlungen in der Landwirtschaft / Besonderheiten des regionalen Handwerks / Das Patchworkeinkommen in der frühneuzeitlichen Stadt / Holzhandel und Flößerei / Die Schwierigkeiten früher Fabriken / Die Fränkische Schweiz

Hochschulen und kulturelles Leben bis ins 19. Jahrhundert

Das Allgemeine Krankenhaus in Bamberg / Städtisches Theater in Bamberg

Obermainkreis und Oberfranken im Königreich Bayern

Wittelsbacher in der Region / Die Eingliederung des östlichen Franken in den bayerischen Einheitsstaat / Neue Strukturen für die Glaubensgemeinschaften / Adlige Vorrechte im Königreich Bayern / Oberfranken im Vormärz / Die Revolution von 1848/49 / Neue Verkehrswege / Oberfrankens Bedeutung in Staatsregierung und Landtag

Sachsen-Coburg und Gotha

Die Industrialisierung

Die Textilindustrie / Weißes Gold aus Oberfranken / Weitere Industriezweige / Starke Hausindustrien / Die Industrie des Coburger Raums

Oberfranken nach dem Ersten Weltkrieg

Wirtschaftliche Folgen des Kriegs / Bayern statt Thüringen: der Weg Coburgs / Bamberg als Landeshauptstadt auf Zeit / Das Aufkommen völkischer Bewegungen / Der Aufstieg der NSDAP

Oberfranken im „Dritten Reich“

Der Zusammenschluss mit Mittelfranken / Die „Machtergreifung“ in der Region / „Tyrann in der Westentasche“: Fritz Wächtler / Der schöne Schein des Regimes / Antisemitismus und Massenmord / Von Kutzenberg in die Vernichtungsanstalt: die T4-Aktion / Oberfranken im Zweiten Weltkrieg

Im Schatten der Zonengrenze: Oberfranken zwischen 1945 und 1990

Leben mit der Grenze / Die Eingliederung der Heimatvertriebenen / Die neuen Hochschulen

Zurückgewonnene Mitte: Oberfranken seit der Wiedervereinigung

Neue Verkehrswege / Chance und Krise traditioneller Industrien / Vermarktungsstrategien für Oberfranken

Anhang

Zeittafel / Generalkommissäre des Mainkreises bzw. des Obermainkreises / Regierungspräsidenten von Oberfranken bzw. von Ober- und Mittelfranken / Kreistags- und Bezirkstagspräsidenten von Oberfranken / Übersichtskarte / Literatur / Register / Bildnachweis

Das Werden Oberfrankens

Oberfranken ist eine junge Raumeinheit. Wenngleich der Begriff vereinzelt auftauchte, um höher gelegene Landstriche Frankens zu bezeichnen, so führte ihn doch erst König Ludwig I. von Bayern (reg. 1825–1848) auf Dauer ein. Im Herbst 1837 verfügte der Monarch einen Neuzuschnitt der acht „Kreise“ des Königreichs Bayern. Waren sie bis dahin nach Flüssen benannt, so beschwor der Monarch nun die Historie: Durch göttliche Vorsehung seien unter seinem Zepter mehrere der edelsten deutschen Volksstämme vereinigt, deren Vergangenheit reich an den erhabensten Vorbildern jeder Tugend und jeglichen Ruhmes ist. Daher sei es seine Absicht, die Benennung der einzelnen Haupt-Landestheile auf die ehrwürdige Grundlage der Geschichte zurückzuführen.

Bei Ober- und Niederbayern, bei Schwaben und bei der Oberpfalz konnte der König auf alte Namen zurückgreifen, wenngleich der Zuschnitt nicht immer den historischen Grenzen entsprach. Der Hauptteil des ehemaligen Fränkischen Reichskreises, der im frühen 19. Jh. an Bayern gefallen war, wurde in drei Kreise gegliedert. Ihre Namen waren Neuschöpfungen, die sich an den geografischen Gegebenheiten orientierten: Der Kreis, der die tiefst gelegenen Punkte einschloss, hieß Unterfranken; der Kreis, der mit dem Schneeberg und dem Ochsenkopf die höchsten Erhebungen Frankens besaß, wurde Oberfranken genannt.

Wenngleich das Oberfranken von 1837 seinen Umriss der königlichen Geschichtsbezogenheit verdankte, so band doch die Administration heterogene Räume zusammen. Oberfranken vereinigte in sich Gebiete ganz unterschiedlicher Tradition. Seine Hauptbestandteile waren das Hochstift Bamberg, über das bis 1802 der Bischof von Bamberg regiert hatte, und das Fürstentum Kulmbach-Bayreuth, das Markgrafen aus dem Haus Zollern beherrscht hatten, das 1792 Teil des Königreichs Preußen geworden war und das zuletzt unter französischer Verwaltung gestanden hatte. Ferner gehörten zum 1837 geformten Oberfranken mit Seßlach und Schlüsselfeld kleine Teile des einstigen Hochstifts Würzburg. Auch die Zisterzienserabtei Ebrach im Steigerwald war im Grunde würzburgisch, wenngleich sie bis zu ihrer Aufhebung 1803 den Anspruch erhoben hatte, reichsunmittelbar zu sein. Betzenstein, Gräfenberg und Hiltpoltstein hatten zum Landgebiet der Reichsstadt Nürnberg gezählt. Obendrein schloss Oberfranken zahlreiche Dörfer ein, die bis 1806 reichsritterlichen Familien untertan gewesen waren.

Eine Geschichte Oberfrankens bis ins frühe 19. Jh. muss also vom Nebeneinander des Fürstbistums Bamberg, des Markgraftums Brandenburg-Kulmbach und der ostfränkischen Reichsritterschaft erzählen.

Vielgesichtig wie in seinen historischen Wurzeln ist Oberfranken auch in naturräumlicher Hinsicht. Es umfasst Mittelgebirge wie Frankenwald und Fichtelgebirge, die einerseits aus landwirtschaftlicher Warte Ungunsträume darstellten, andererseits über Bodenschätze und ausgedehnte Wälder verfügten. Ihnen stehen die fruchtbaren Tallandschaften gegenüber, wie sie der Main und seine Quellflüsse sowie die Regnitz formten.

Die natürlichen Baustoffe ließen unterschiedliche Hauslandschaften entstehen: Holz dominierte in den Mittelgebirgsregionen, zunächst als Blockbau, später vor allem als Fachwerk. Die Außenwände waren – je näher das Haus bei den großen Schieferbrüchen des Frankenwalds stand, desto häufiger – mit dem „blauen Gold“ beschlagen. Als Werkstein diente im Umgriff des Maintals der Sandstein, bei repräsentativen Bauten in Form gleichmäßig behauener Sandsteinquader. Im Fichtelgebirge hingegen finden wir den Granit an Fenster- und Türgewänden.

Kirchlich war das einst von Bamberg und von Würzburg geprägte Gebiet katholisch, die einstigen Herrschaftsgebiete der Zollern sowie die Dörfer der Ritterschaft waren dagegen evangelisch. Jüdische Gemeinden bestanden in der Frühen Neuzeit vor allem unter niederadligem Schutz.

Das 1837 geformte Oberfranken erfuhr 1920 einen spürbaren Zuwachs, als aufgrund einer Volksabstimmung der Freistaat Coburg sich nicht dem neuen Land Thüringen, sondern Bayern anschloss. Dies bedeutete eine Neuorientierung, denn das Coburger Land hatte bis 1806 nicht zum Fränkischen, sondern zum Obersächsischen Reichskreis gehört, und es war in mancherlei Hinsicht mit anderen thüringischen Kleinstaaten verzahnt gewesen. Von Exklaven in den Haßbergen abgesehen, wurde das einstige Herzogtum, 562 km2 umfassend, zu Oberfranken hinzugefügt. Dessen Einwohnerzahl stieg dadurch um rund 75.000 auf etwa 750.000. Coburg jedoch, zwei Jahre zuvor noch die Hauptstadt eines deutschen Bundesstaates, war mit einem Mal bloß noch eine von zehn kreisfreien Städten in Oberfranken.

Bei der Gebietsreform von 1972, offenkundig von Süden her konzipiert, erlitt Oberfranken einen schmerzlichen Verlust: Der wirtschaftsstarke Raum um Höchstadt und Herzogenaurach fiel an Mittelfranken, ohne dass Oberfranken einen angemessenen Ausgleich erfahren hätte. Per Saldo büßte Oberfranken über 40.000 Einwohner und rund 300 km2 Fläche ein und war damit der Hauptverlierer der Reform.

Von den ersten Siedlern bis ins Hochmittelalter

Erste menschliche Spuren im heutigen Oberfranken stammen aus dem Mittelpaläolithikum. An verschiedenen Orten, beispielsweise oberhalb von Kösten im oberen Maintal und wenige Kilometer entfernt auf dem Schneyer Berg, wurden, teilweise schon an der Wende vom 19. zum 20. Jh., rund 70.000 bis 80.000 Jahre alte Faustkeile und Schaber gefunden, aber auch Artefakte aus dem Mesolithikum.

Als im Neolithikum Menschen sich dauerhaft niederließen und begannen, Ackerbau zu treiben, wählten sie Siedlungsorte mit leichten Böden, die mit hölzernen Werkzeugen zu bearbeiten waren. Manche dieser ersten „Dörfer“ lagen in der Nähe prägnanter Dolomitfelsen, die als Kultplätze dienten. Nur vereinzelt lassen sich Befestigungen durch umgebende Gräben nachweisen.

Unter den Siedlungen der Urnenfelderzeit, aus der zahlreiche Gräber erhalten sind, ragt die Heunischenburg bei Kronach heraus. Die dritte Anlage an diesem Platz, im 9. Jh. v. Chr. entstanden, gilt als älteste bekannte Steinbefestigung nördlich der Alpen. Da die Funde lediglich auf die Anwesenheit von Männern hinweisen, wird die Heunischenburg als Garnison gedeutet, die die Kupfer- und Zinntransporte aus Böhmen und dem Fichtelgebirge nach Westen sichern sollte.

Ebenfalls in der späten Bronzezeit entstanden größere, von einer Pfostenschlitzmauer umfangene Höhensiedlungen. Die bedeutendste unter ihnen dürfte in der Region die Ehrenbürg gewesen sein, ein Inselberg nahe Forchheim, nahe dem Zusammenfluss von Regnitz und Wiesent. Dieser Berg war seit dem 14. Jh. v. Chr. besiedelt und befestigt. Seine größte Bedeutung erlangte er in frühkeltischer Zeit, zwischen ungefähr 520 und 380 v. Chr. Rund 10.000 Kellergruben, die sich auf dem 36 Hektar großen Hochplateau nachweisen lassen, zeugen von einer dichten, stadtartigen Besiedlung. Aus derselben Epoche sind auch kleinere, befestigte Höhensiedlungen im Bereich der nördlichen Frankenalb nachgewiesen (Kasendorf, Staffelberg, Burggaillenreuth u. a.).

Die Ehrenbürg bei Forchheim, 2012

In spätkeltischer Zeit (2./1. Jh. v. Chr.) erscheint als dominante Siedlung das Oppidum auf dem Staffelberg, das seit langem mit dem von Ptolemäus erwähnten Menosgada identifiziert wird. Es gliederte sich in eine Oberstadt auf dem Hochplateau als Wohnsitz der Elite und eine Unterstadt und war insgesamt 49 ha groß. Zur Albhochfläche war es durch eine mächtige Pfostenschlitzmauer gesichert. Ein imposantes Stadttor auf halber Höhe zum Maintal wurde 2018/19 ergraben. Münzfunde deuten auf wirtschaftliche Beziehungen zu Böhmen, der Nordschweiz, Manching und Rom hin; zwei eiserne Münzstempel zeigen an, dass auf dem Staffelberg Geld geprägt wurde. Dieses Oppidum wurde einige Jahrzehnte vor Christi Geburt aufgegeben.

Dass ankommende Germanen die Kelten verdrängten, lässt sich in Altendorf im Regnitztal südlich von Bamberg beobachten, wo neben einer spätkeltischen eine germanische Siedlung entstand. Gröbere Keramik germanischer Provenienz wird neben Resten feinerer, keltischer Gefäße gefunden.

Keltische Gefäße aus einer Kellergrube auf dem Staffelberg, ergraben in den 1980er Jahren

Die vorgeschichtlichen Bodendenkmäler konzentrieren sich auf den Westen des Regierungsbezirks, auf das Main- und Regnitzgebiet sowie die Frankenalb. Der Frankenwald, das Fichtelgebirge und das Hofer Land sind vergleichsweise fundarm und waren offenbar eher dünn besiedelt, in manchen Landstrichen womöglich bis ins hohe Mittelalter hinein.

Ab dem späten 4. Jh. n. Chr. drangen verschiedene germanische Völker ins heutige Oberfranken vor. Unter den wenigen Befestigungen der Spätantike zeichnet sich die Wehranlage auf dem Reisberg bei Scheßlitz am Westrand der Frankenalb aus. In ihrem Areal wurden ansehnlicher Schmuck und Geräte gefunden. Nach einigen Jahrzehnten wurde die Anlage gewaltsam zerstört.

Im Frankenreich

Seit dem 6. Jh. wurde der Westen des heutigen Oberfranken dem Frankenreich einverleibt. Die merowingischen Könige errichteten Königshöfe in Forchheim und Hallstadt. Sie lagen noch im frühen 9. Jh. an der Ostgrenze des Frankenreichs.

Als 741 der fränkische Hausmeier Karlmann das entstehende Bistum Würzburg mit Besitz ausstattete, übereignete er ihm den Zehnten von 26 königlichen Gütern, darunter der Königshof Halazestat (Hallstadt). Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass ein Friedhof in Hallstadt spätestens seit dem frühen 6. Jh. bestand. Der Ort lag an einer Fernstraße von Erfurt nach Regensburg, und auch Ost-West-Verbindungen werden ihn wohl berührt haben. So gewann der Königshof über seine administrative Funktion hinaus gewiss Bedeutung als Handelsplatz.

Forchheim, ab 805 genannt, war bereits um die Mitte des 9. Jhs. Stätte von Hoftagen. 900 und 911 fand die Wahl des römischen Königs in der Pfalz an der Regnitz statt.

Zur Zeit Kaiser Karls des Großen (reg. 768–814) sind neben dem Königtum auch Große des Reichs bis aus dem Neckarraum nachgewiesen, die an der äußersten Ostgrenze des fränkischen Reichs begütert waren. Belegt ist dies durch mehrere Schenkungen an das Kloster Fulda im späten 8. und im 9. Jh. Unter jenen Familien errangen die wohl in der Wetterau beheimateten Popponen – in der modernen Geschichtsforschung so benannt nach einem Ahnherrn des Geschlechts – die stärkste Position im östlichen Franken. Sie errichteten wohl die Burg auf dem späteren Domberg von Bamberg oder verstärkten zumindest die Befestigung, wie Bodenfunde des 9. Jhs. nahelegen. Wegen dieses wichtigen Sitzes hat sich für die Familie die Bezeichnung „Babenberger“ eingebürgert.

Wohl im 8. Jh. war das heutige Franken in Grafschaften gegliedert worden, in denen jeweils ein Graf als Vertreter der königlichen Gewalt amtierte. Dabei erlangte der Babenberger Heinrich († 886) die Grafenwürde sowohl im Grabfeldgau mit dem Mittelpunkt Münnerstadt als auch im Volkfeldgau, der sich von der Regnitz bis zum Maindreieck erstreckte, und im Radenzgau, der sich weitgehend mit dem jetzigen Oberfranken deckte.

Im späten 9. Jh. gerieten die Babenberger in immer schärfere Konkurrenz mit den Konradinern, die ihr Machtzentrum im heutigen Hessen hatten und von dem mit ihnen verschwägerten Kaiser Arnulf († 899) begünstigt wurden. Nach seinem Tod wurde der Streit zwischen den beiden Familien ab 902 mit Waffengewalt ausgetragen, wobei die Babenberger 906 endgültig unterlagen. Der Babenberger Adalbert wurde hingerichtet, Bamberg fiel in königliche Hand. 973 schenkte es Kaiser Otto II. (reg. 973–983) seinem bayerischen Vetter, Herzog Heinrich dem Zänker (reg. 955–976 und 985–995).

Die Markgrafen von Schweinfurt

Trotz der Niederlage der Babenberger behaupteten ihre mutmaßlichen Nachkommen, die Grafen von Schweinfurt, eine starke Position im östlichen Franken. Kurz vor der Mitte des 10. Jhs. können wir die Familie mit Graf Berthold († 980) erstmals fassen. Dieses einflussreiche Geschlecht wird in der Mittelalterforschung nach einer ihrer Hauptburgen, nämlich Schweinfurt, benannt, doch residierten die Grafen ebenso in Sulzbach, Oberammerthal, Hersbruck, Creußen, Kronach, Burgkunstadt und Banz.

Sie vereinten in ihrer Hand drei Grafschaften: den Volkfeldgau, den Radenzgau und den südöstlich anschließenden Nordgau. Das Geschlecht dominierte damit ein Gebiet, das vom Mainknie bei Schweinfurt bis an den Regen und den Böhmerwald reichte und den größten Teil des heutigen Oberfranken einschloss. „Markgraf“ (marchio) nannten sich die Schweinfurter, um ihre besondere Würde als dreifache Grafen zu betonen.

Einen Einbruch erlebte ihre Macht durch den Aufstand des Grafen Heinrich (Hezilo) gegen König Heinrich II. († 1024). Hezilo hatte dem bayerischen Herzog Heinrich 1002 geholfen, die Königswürde zu erlangen. Doch danach fühlte Markgraf Hezilo sich um den politischen Lohn, nämlich die bayerische Herzogswürde, betrogen. Er erhob sich gemeinsam mit dem polnischen König Bolesław Chrobry († 1025) gegen den König. Hezilo wurde 1003 geschlagen und verlor seine Grafschaften und königlichen Lehen. Immerhin behielt er seine umfangreichen Eigengüter, die er möglicherweise in der Folge stärker durchdrang. Der Ortsname „Heinersreuth“, der im Raum Kulmbach/Bayreuth siebenmal vorkommt, mag in mehreren Fällen auf Rodungen unter Graf Heinrich/Hezilo zurückgehen. Weiterhin besaßen die Schweinfurter die Vorherrschaft rund um den Obermainbogen und in der nördlichen Frankenalb.

Andererseits war, weil der Schweinfurter seine Grafschaften verloren hatte, ein Machtvakuum entstanden, das Hezilo nach einer gewissen Frist erneut zu füllen drohte. Um dies zu vereiteln, gründete Kaiser Heinrich II. 1007 das Bistum Bamberg. Er stattete es mit reichem Besitz aus, der sich im Regnitztal ballte: ehemalige Königsgüter, dazu die Grafenwürde im Radenzgau und vielleicht weitere dem Schweinfurter genommene Lehen. Zugleich zielte die Schaffung eines geistlichen Zentrums in Bamberg auf die Missionierung der letzten „heidnischen“ Bevölkerungsreste ab.

Das neue Bistum Bamberg

Die Christianisierung Oberfrankens hatte wohl im 6. Jh. begonnen. 793 ordnete Karl der Große dann an, dass das Bistum Würzburg 14 sogenannte „Slawenkirchen“ im Radenzgau errichte. Dies waren Taufkirchen für die wohl im 7. Jh. zugewanderten, noch nicht für das Christentum gewonnenen Slawen. Zu diesen Gotteshäusern zählt gewiss Seußling, wo diese Annahme durch archäologische Befunde gestützt wird, ferner wohl Amlingstadt, Kirchschletten, Bischberg, Trunstadt, Uetzing und Modschiedel. Für ihre anfängliche Funktion spricht das Patrozinium: Sie waren allesamt Johannes dem Täufer geweiht.

Im 9. und 10. Jh. kamen weitere Kirchen hinzu, deren Verbindung zu Würzburg am Kilians-Patrozinium sichtbar ist, so in Buttenheim, Heiligenstadt, Hallstadt, Scheßlitz, Königsfeld und Staffelstein. Vor der Gründung des Bistums Bamberg bestand also im westlichen Oberfranken ein dichtes Netz geistlicher Stützpunkte. Dennoch hielten sich lange nicht-christliche Siedlungen. Nur wenige Kilometer neben der karolingerzeitlichen Kirche von Altenkunstadt findet sich ein Gräberfeld des 10. Jhs. am Rand von Weismain; die Lage des Bestattungsplatzes abseits des Wohnplatzes und die Zerschlagung von Gebeinen einige Zeit nach der Beisetzung sprechen für eine nichtchristliche Population. Solche Personengruppen sollten nun durch die Gründung des Bistums Bamberg vollends für den christlichen Glauben gewonnen werden.

Der Bamberger Dom

Der erste Bamberger Kathedrale wurde 1012 geweiht, nach einem Brand 1081 erneuert und durch ein erneutes Schadenfeuer 1185 vernichtet. Den Abschluss des Neubaus bildete die Weihe im Jahr 1237. Weisen die östlichen Teile noch romanische Formen auf, so zeigen die westlichen Abschnitte, zumal die Türme, deutlich den Einfluss der frühen französischen Kathedralgotik. Der Innenraum, ab Mitte des 17. Jhs. barock umgestaltet, wurde auf Geheiß König Ludwigs I. von Bayern zwischen 1829 und 1837 purifiziert, also seiner nachgotischen Raumzier und Ausstattung weitgehend beraubt.

Hauptsehenswürdigkeit des Doms bildete bis ins 18. Jh. sein überreicher Reliquienschatz, der dem Volk vor der Reformation in siebenjährigem Turnus auf dem Domplatz präsentiert wurde („Heiltumsweisung“). Im 19. und 20. Jh. rückten mehr die mittelalterlichen Skulpturen ins Augenmerk der Besucher, namentlich der in seiner Deutung umstrittene „Bamberger Reiter“.

Der Dom birgt das Grab des Papstes Clemens II. († 1047), der zuvor unter seinem Taufnamen Suidger Bischof von Bamberg war und diese Würde als Pontifex beibehielt. Ferner ist im Kircheninneren das heilige Kaiserpaar Heinrich († 1024) und Kunigunde († 1046) beigesetzt. Ihr Hochgrab, von 1499 bis 1513 entstanden, ist ein Werk des Würzburger Bildhauers Tilman Riemenschneider († 1531).

Zu solchen missionarischen Motiven und den machtpolitischen Gründen, die Heinrich II. zur Schaffung des Bistums Bamberg bewogen, kam sein Bestreben, sich eine Grablege zu schaffen. Bamberg sollte der Ort sein, an dem nach seinem Tod für ihn gebetet und seiner gedacht werde. In der Tat liegt das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde im Dom zu Bamberg begraben, und die Bamberger Bischöfe haben im 12. Jh. die Heiligsprechung des kinderlosen Kaisers mit Erfolg betrieben.

Der kaiserliche Stifter rief neben dem Bistum auch ein Chorherrenstift am Dom ins Leben und stattete diese Kanonikergemeinschaft, das Domkapitel, großzügig mit Besitz aus. Ferner gründete er in Bamberg das Benediktinerkloster St. Michael auf einer Anhöhe über dem linken Regnitzarm. In der Folge entstand ein weiteres Chorherrenstift in der Bischofsstadt, St. Stephan, dem später noch die Stifte St. Jakob und St. Gangolf folgten. Kaiser Heinrich empfing 1020 in Bamberg Papst Benedikt VIII. († 1024), der gekommen war, um militärische Hilfe in Italien zu erlangen. Bei dieser Gelegenheit weihte der Pontifex zwei Kirchen, darunter St. Stephan.

Bamberg war ein vergleichsweise junges Bistum, das erst ein Vierteljahrtausend nach den benachbarten Diözesen Würzburg und Eichstätt entstand. Um den Makel der Jugend zu tilgen, beschenkte Kaiser Heinrich seine Gründung reichlich. Er entzog dabei anderen Orten prachtvolle Handschriften und wohl auch Reliquien, um Bamberg auszustatten, wie ein Mönch von Petershausen bei Konstanz beklagte: „Da nun der König Heinrich allerorts aus anderen Kirchen das, was zur Ausstattung und zum Glanz des von ihm gegründeten Hochstifts nötig war, aufs eifrigste zusammenholte, beraubte er durch seine Forderungen viele Orte, bis er seine Kirche über alles Maß bereichert hatte.“ Bamberg erlangte auf diese Weise einen reichen Domschatz. Abt Gerhard von Seeon rühmte Bamberg 1012 als „deutsches Rom“, ja gar als „Haupt der Welt“.

Heinrich und Kunigunde mit dem Modell des Bamberger Doms. – Abbildung aus dem Bamberger Heiltumsbuch (illustriertes Verzeichnis der Reliquien im Dom) von 1509

Bamberger Dom, Blick zum Ostchor; im Vordergrund das Kaisergrab, 1903

Die neue Diözese entstand gegen den erbitterten Widerstand des Würzburger Oberhirten, der den Osten seines Bistums abgeben musste. Deshalb trat die Würzburger Kirche nur so viel ihres geistlichen Bezirks ab wie nötig. Bamberg lag daher nicht im Zentrum, sondern am äußersten Rand der neuen Diözese. Eine der beiden großen Stadtpfarreien, die Obere Pfarre zu Bamberg, die sich bis ins Aurachtal erstreckte, grenzte an das Bistum Würzburg. Ein erheblicher Teil des westlichen Oberfranken gehörte bis ins frühe 19. Jh. zum geistlichen Sprengel des Würzburger Bischofs. Dies gilt namentlich für die Orte rechts des oberen Mains.

Um die Diözese Bamberg nach Süden auszudehnen, wartete Heinrich II. den Tod des mit ihm verwandten Eichstätter Bischofs Megingaud († 1015) ab und bewegte erst dessen Nachfolger Gundekar († 1019), den Raum zwischen Schwabach und Pegnitz an Bamberg abzutreten. Damals kam der Landstrich um Nürnberg und Fürth zum geistlichen Sprengel von Bamberg. Die ausgedehnte Pfarrei Rekkenze (Hof a. d. Saale) wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt, offenbar im 11. oder 12. Jh., Teil des Bistums Bamberg, während sie zuvor wohl zur Diözese Zeitz, später Naumburg, gehört hatte.

Die frühe territoriale Entwicklung des Hochstifts Bamberg

Der Besitz, den der kaiserliche Gründer dem Bamberger Bischof übertragen hatte, lag keineswegs nur in Franken; vielmehr erstreckte er sich weit nach Süden. Die Alte Kapelle beim Herzogshof in Regensburg war beispielsweise bambergisch. Zur ursprünglichen Ausstattung Bambergs zählten Güter in der Nähe wichtiger Alpenpässe; diesen Besitz konnten die Bischöfe nach und nach erweitern, ohne aber ein geschlossenes Territorium zu bilden. Der Schwerpunkt ihres Einflussgebiets im Alpenraum lag nördlich und nordöstlich der Karawanken, vor allem in den Tälern von Drau und Lavant. Insgesamt 22 Ämter umfasste im Spätmittelalter der bambergische Besitz, der sich auf Kärnten, Ober- und Niederösterreich sowie die heutige italienische Provinz Udine verteilte. Den Zentralort der Kärntner Besitzungen bildete Wolfsberg; wichtig waren Villach, Griffen, St. Leonhard und Feldkirchen.

Hingegen fiel den Bischöfen die herrschaftliche Expansion nördlich und östlich ihrer Stadt nicht leicht, denn am Obermain und auf der Frankenalb dominierten die Erben der Schweinfurter und verhinderten zunächst eine territoriale Ausdehnung der Bamberger Kirche. Als 1059 die Grafen von Schweinfurt im Mannesstamm ausstarben, wurde der reiche Besitz unter die Witwe und vier Töchter des Grafen Otto aufgeteilt. Ihm, dem letzten männlichen Vertreter des Geschlechts, war 1048 noch der Aufstieg zum Herzog von Schwaben gelungen.

Alberada, eine Tochter Ottos von Schweinfurt, erbte das Land zwischen Main und Itz mit der Hauptburg Banz. Sie schenkte schon bald einen Teil ihres Besitzes der Bamberger Kirche. Das Benediktinerkloster, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Hermann von Habsberg-Kastl, um 1070 in diese Burg stiftete, übertrug sie, obwohl der Ort in der Diözese Würzburg lag, dem Bamberger Bischof als Eigenkloster. Bamberg fasste damit endgültig im Obermainbogen Fuß.

Bischof Otto I. von Bamberg

Der von 1102 bis zu seinem Tod 1139 an der Spitze seiner Diözese stehende Bischof Otto I. von Bamberg war eine herausragende, weit über die Bistumsgrenzen hinaus tätige Stiftergestalt. Er war Gründer bzw. Mitgründer der Benediktinerklöster Arnoldstein in Kärnten, Aura a. d. Saale, Prüfening bei Regensburg, Michelfeld, Ensdorf a. d. Vils, Biburg bei Kelheim, der Augustinerchorherrenstifte Aldersbach und Windberg, des Prämonstratenserklosters Veßra sowie der Zisterzienserabtei Heilsbronn. Die meisten dieser Klöster dienten als Stützpunkte der weltlichen Macht Bambergs. Otto zog zweimal nach Pommern (1124/25 und 1128) und verbreitete dort das Christentum. Der „Apostel der Pommern“ wurde 1189 als einziger Bamberger Bischof heiliggesprochen.

Von Kaiser Heinrich V. (reg. 1106–1125) ließ sich Bischof Otto I. von Bamberg 1122 den Besitzkomplex Kronach übertragen, der von den Schweinfurtern an das böhmische Herrschergeschlecht der Přemysliden und von diesen an das salische Herrscherhaus übergegangen war. Alsbald errichtete der Bischof bei Kronach eine Befestigung, wohl die Keimzelle der späteren Festung Rosenberg.

Einen weiteren bambergischen Stützpunkt bildete die Zisterzienserabtei Langheim, die 1132/33 links des oberen Mains von Ministerialen gegründet wurde. Hinter dieser Gründung stand Bischof Otto I. Das Kloster sollte die fürstbischöfliche Herrschaft in diesem Raum festigen, geriet jedoch bald unter den Einfluss einer weltlichen Familie: der Grafen von Andechs.

Der Aufstieg der Andechs-Meranier

Wohl durch eine Ehe mit Sophie aus der Familie der Grafen von Weimar hatte im frühen 12. Jh. Graf Berthold von Andechs im heutigen Oberfranken Fuß gefasst. Seine Frau scheint Besitz im Raum Coburg als Mitgift in die Ehe gebracht zu haben.

Berthold entstammte einer Familie, die bereits um die Jahrtausendwende mit einflussreichen Geschlechtern versippt war. Der am frühesten nachweisbare Besitz der Familie lag um Wasserburg am Inn, auch in Tirol. Kurz nach Mitte des 11. Jhs. benannte sich eine Linie nach der Burg in Dießen am Ammersee, später nach der nahen Burg Andechs. Durch eine zweite Ehe mit der Tochter eines Grafen von Vornbach, dessen Machtzentrum an Inn und Ilz lag, erlangte Berthold offenbar Besitz in Burgkunstadt und Kulmbach. Jedenfalls nannte er sich ab 1135 comes de Plassenperch nach der Plassenburg ob Kulmbach.

Sein Sohn Poppo († 1148) erweiterte die Macht in Ostfranken, indem er die Erbtochter des Grafen Reginboto von Giech heiratete. Er erwarb dadurch Besitz im Obermainbogen und auf der nördlichen Frankenalb, der aus dem schweinfurtischen Erbe stammte. Der andechsische Machtbereich blockierte nunmehr eine weltliche Expansion der Bamberger Kirche im Osten und Nordosten.

Poppos Bruder und Erbe, Graf Berthold III. († 1188), beerbte die Wolfratshausener Linie seines Geschlechts und stieg überdies zum Markgrafen von Istrien auf, offenbar in der Nachfolge seines Großvaters, des Grafen von Weimar. Wenig später, 1180, als die Wittelsbacher die bayerische Herzogswürde erlangten, erhob Kaiser Friedrich Barbarossa Bertholds gleichnamigen Sohn zum Herzog von Meranien. Es mag Barbarossa darum zu tun gewesen sein, die Gleichrangigkeit der beiden mächtigsten bayerischen Familien zu verdeutlichen.

Die Heiraten der Töchter von Herzog Berthold IV. († 1204) hatten europäische Dimension: Der König von Frankreich, der König von Ungarn, der Herzog von Schlesien waren seine Schwiegersöhne. Zwar waren die andechs-meranischen Töchter womöglich Instrumente kaiserlicher Bündnis-, sprich: Heiratspolitik, doch spiegelten die Verbindungen jedenfalls deutlich den Rang- und Machtzuwachs der Andechs-Meranier.

Auch in der Reichskirche gewann die Familie an Gewicht. Der Bruder Bertholds III., Otto († 1196), wurde erst Bischof von Brixen, 1177 dann Bamberger Oberhirte. In der Folge besetzten – von einer kurzen Pause abgesehen – bis 1242 Andechser den Bamberger Bischofsstuhl. Dies bedeutete einen Einflussgewinn im östlichen Franken, denn das jahrzehntelange Gegeneinander der Bamberger Kirche einer- und der Andechser andererseits wich schlagartig einem engen Miteinander – und Profiteur war hierbei die Familie.

Ein Sohn Herzog Bertholds wurde durch den Einfluss seiner Schwester, der ungarischen Königin, Erzbischof von Kalocsa in Südungarn, später Patriarch von Aquileia. Das Geschlecht hatte zu Lebzeiten des letzten Herzogs sogar eine notable Heilige vorzuweisen, denn Elisabeth von Thüringen († 1231), vier Jahre nach ihrem Tod kanonisiert, entstammte mütterlicherseits dem Haus Andechs-Meranien. Ihr Onkel, Herzog Otto I., schloss 1208 die Ehe mit der Barbarossa-Enkelin Beatrix († 1231), Erbin der Pfalzgrafschaft Burgund. Nun beherrschten die Andechs-Meranier vollends ein europäisches Reich, das Gebiete und Rechte in Franken und Bayern, Istrien und Dalmatien, Tirol und Burgund umfasste.

Während die Andechs-Meranier in ihren bayerischen Herrschaften gegenüber den Wittelsbachern in die Defensive gerieten, verfestigte sich ihre beherrschende Stellung in Franken. Das Kloster Langheim, seit 1180 unter meranischer Hoheit stehend, löste Dießen als Grablege und Hauskloster der Familie ab. Die Herzöge von Andechs-Meranien beschenkten die Zisterzienserabtei großzügig.

Es fügte sich für die Andechser, dass um 1180 die Grafen von Wohlsbach, die eine starke Stellung östlich von Coburg besaßen und mit der Benediktinerabtei Mönchröden sogar über ein eigenes Hauskloster verfügten, im Mannesstamm erloschen. Die Grafen von Abenberg-Frensdorf, die erbliche Hauptvögte des Hochstifts Bamberg waren, starben 1199 oder 1200 aus, ebenso mehrere edelfreie Familien. Andere Edelfreie unterstellten sich als Ministeriale den Meraniern oder gerieten, wie die Walpoten, zumindest unter ihren politischen Einfluss.

Sichtbare Spuren hinterließen die Meranier, indem sie Städte gründeten. Das heutige Oberfranken war bis um 1200 ein städteloser Raum. In Bamberg gab es Kaufmanns- und Händlersiedlungen im Sand, dem schmalen Streifen Schwemmland unterhalb der Domburg, sowie auf der Insel zwischen den beiden Regnitzarmen. Diese Siedlungen wurden jedoch erst im Lauf des 13. Jhs. befestigt und bildeten seit dieser Zeit Rechtskörperschaften. Auch der einstige Königshof Forchheim avancierte nicht vor dem 13. Jh. zur Stadt. Daneben existierten bloß schwach befestigte Märkte, häufig am Sitz ausgedehnter Pfarreien.

Die Stadt in Oberfranken

Oberfranken ist eine ausgesprochen städtereiche Landschaft. Wesentlich für eine Stadt waren wirtschaftliche Vorrechte wie das Marktrecht und der exklusive Anspruch der Handwerker oder Brauer, das Umland zu beliefern. Ein wichtiges Kennzeichen war die Stadtmauer. Baunach und Kasendorf beispielsweise erhielten zwar im 14. Jh. das Stadtrecht, galten aber, weil die Mauer fehlte, als Märkte; Baunach erlangte erst 1954 den Rang einer Stadt. Zentrales Element der Stadteigenschaft war die Tatsache, dass dem Stadtherrn nicht der einzelne Bürger als Untertan gegenübertrat, sondern die Bürgerschaft als Ganzes. Die Bürger, einander in einer Schwurgemeinschaft (Bürgereid) verbunden, regelten Streitigkeiten unter sich; die Befugnisse der fürstlichen Beamten waren bezüglich der vollberechtigten Stadtbewohner eingeschränkt. Sichtbares Zeichen der Bürgerschaft als Rechtspersönlichkeit war das Stadtsiegel.

Das Uraufnahmeblatt von Weismain, entstanden 1855, zeigt noch die ursprüngliche Struktur der Stadt, die auf die Andechs-Meranier zurückgeht. In der Nordecke befand sich die Herzogspfalz, der spätere Kastenhof.

Erst die Andechs-Meranier scheinen planmäßig Städte angelegt zu haben. Lichtenfels, Weismain, Scheßlitz und Bayreuth dürfen mit einiger Wahrscheinlichkeit als ihre Gründungen angesehen werden, wohl auch Hof an der Saale. Bei Herzogenaurach deutet der Ortsname womöglich auf die Herzöge von Meranien hin. Unsicher ist die Entstehungszeit – und damit die Frage nach dem Stadtgründer – im Fall von Kulmbach, Coburg und Neustadt bei Coburg. Die vier erstgenannten Städte ähneln sich in ihrer Struktur: Die Hauptdurchgangsstraße weitet sich innerorts zum Straßenmarkt. An einer Ecke des Mauerrings findet sich die Pfalz des Stadtherrn, die von außen durch ein gesondertes Tor zugänglich und zur restlichen Stadt hin befestigt war. Neuralgische Flanken der Stadt waren durch Ministerialensitze innerhalb der Ummauerung zusätzlich gesichert.

Wandlungen im Spätmittelalter
Der Zerfall der meranischen Herrschaft

Im Juni 1248 starb mit Otto II. der letzte Herzog von Andechs-Meranien auf seiner Burg Niesten bei Weismain. Der Dreißigjährige hinterließ keine Kinder. Um sein Erbe entspann sich ein langjähriger Streit unter seinen drei in Franken ansässigen Schwestern, deren Ehemännern und Söhnen. Auch der Bischof von Bamberg, dem seine an den Herzog vergebenen Lehen heimfielen, war Partei in der Auseinandersetzung, ebenso Graf Poppo von Henneberg, der erst wenige Jahre zuvor westlich von Coburg Fuß gefasst hatte und zeitweilig das bambergische Heer im Erbfolgestreit führte. Auch niederadlige Familien suchten in den zwölf Jahren des Ringens ihren Vorteil.

Als 1260 der Erbfolgestreit endete, hatte sich Bamberg die Herrschaft über Lichtenfels und das nahe Kloster Langheim gesichert. Der Burggraf von Nürnberg aus dem Haus Zollern erlangte Bayreuth. Kulmbach fiel an den Grafen von Orlamünde. In Scheßlitz und Baunach behauptete sich der Edelfreie von Truhendingen (benannt nach der Stammburg Hohentrüdingen bei Wassertrüdingen). Coburg und sein Umland brachte der Graf von Henneberg an sich, und im Gebiet um Hof erscheinen die Vögte von Weida als neue Herren. Das meranische Land zerfiel also in verschiedene Machtblöcke.

Daneben konnten sich weitere Herren entfalten. Ab dem späten 13. Jh. expandierten die edelfreien Herren von Schlüsselberg, deren gleichnamige Stammburg nahe Waischenfeld stand, von Pegnitz quer durch die nachmals so genannte Fränkische Schweiz bis in den Steigerwald hinein. Sie gründeten die Städte Waischenfeld, Ebermannstadt und das nach ihnen benannte Schlüsselfeld; ferner stifteten sie ein Frauenkloster als Familiengrablege, dem sie ebenfalls den Namen gaben: Schlüsselau.

Burgruine Niesten. In dieser Burg starb 1248 der letzte weltliche Andechs-Meranier. – Zeichnung von Carl August Lebschée, um 1850

Auch andere Edelfreie und sogar Ministerialen vermochten eine gewisse Machtposition zu entwickeln, etwa die Herren von Sparneck im westlichen Fichtelgebirge, die sich mit Münchberg eine Stadt schufen, oder die Herren von Schaumberg am Südhang des Thüringer Waldes. Die einflussreicheren Herren festigten ihre Herrschaftsbereiche anfangs mit den altbewährten Mitteln des Burgenbaus und der Klostergründung. So errichtete Graf Poppo von Henneberg eine Burg (Liebenburg bei Oberbrunn, Markt Ebensfeld) inmitten bambergischen Gebiets, während der Bischof durch ein ihm unterstehendes Frauenkloster (Sonnefeld) den Machtbereich des Hennebergers zu beschneiden suchte.

Ab den 1320er Jahren wurden dann mehr und mehr Städte zum Instrument, durch das die Herrschenden das Erreichte sichern und womöglich einen Brückenkopf für eine Expansion schaffen wollten. Daher entstanden die ostfränkischen Städte in den Randzonen des jeweiligen Territoriums. Rings um Bamberg, im Kern des Hochstifts, liegt ein weitgehend städteloser Raum. Dagegen gründeten die Bischöfe Städte an der Peripherie: Teuschnitz, Stadtsteinach und Kupferberg im Norden, Pottenstein und Hollfeld im Osten, Höchstadt an der Aisch im Südwesten, Zeil am Main im Westen.

Nicht immer entstand tatsächlich eine Stadt; schon die kaiserliche Befugnis, sie zu gründen, konnte Mittel der Politik sein. 1328 gewährte der Kaiser dem Burggrafen Friedrich IV. von Nürnberg († 1332) für sieben Ortschaften das Stadtrecht. Nur eine von ihnen, Wunsiedel im Fichtelgebirge, ist tatsächlich Stadt geworden. In den übrigen Fällen diente das kaiserliche Privileg offenbar als politisches Faustpfand, mit dessen Hilfe man den Nachbarn unter Druck setzen konnte.

Franken wurde in der Regierungszeit von Ludwig dem Bayern (reg. 1328–1347) und Karl IV. (reg. 1355–1378) binnen weniger Jahrzehnte ein städtereicher Raum. Die Randlage der meisten Städte aber führte dazu, dass diese in ihrer Entwicklungsmöglichkeit von Beginn an buchstäblich begrenzt waren. Ohne Einzugs- und Absatzgebiet blieben sie klein.

Umwälzungen im 14. Jahrhundert

Im Lauf des 14. Jhs. schieden mehrere politische Akteure aus dem oberfränkischen Machtgefüge aus. Konrad von Schlüsselberg wurde 1347, als er wegen einer neu eingerichteten Zollschranke im Krieg mit den Hochstiften Bamberg und Würzburg sowie dem Burggrafen von Nürnberg stand, bei der Verteidigung seiner Burg Neideck von einem Wurfgeschoss tödlich getroffen. Mit ihm erlosch sein Geschlecht. Den Großteil seines Besitzes übernahmen die Bischöfe von Bamberg und Würzburg – zwei leibliche Brüder, Friedrich und Albrecht von Hohenlohe – zunächst gemeinsam. 1390 teilten ihre Nachfolger die Güter untereinander auf.

Die Truhendinger, an sich nur Edelfreie, die aber den Grafentitel führten, waren die schwächsten unter den Erben der Andechs-Meranier. Fortwährend befanden sie sich in Geldnöten, und so gelang es dem Bamberger Bischof, sie zu verdrängen. 1308 kaufte er Scheßlitz und mehrere Burgen, darunter Giech und Gügel, sowie das jeweilige Umland von Graf Friedrich von Truhendingen und seinen Söhnen, doch 1318 gelang ihnen, zumal der Kaufpreis noch nicht voll gezahlt war, der Rückerwerb.

Spätmittelalterlicher Kreuzgang des Klosters Himmelkron (Aufnahme 1965)

Endgültig hatte Bamberg erst Jahrzehnte später Erfolg. Nachdem Graf Johann von Truhendingen böhmische Kaufleute ausgeraubt hatte, verurteilte ihn 1381/82 König Wenzel zu einer erheblichen Strafe und beschlagnahmte, um die Zahlung zu gewährleisten, die Burgen Arnstein und Neuhaus; schließlich veräußerte der König sie dem Bamberger Bischof. Wenig später brachte der Oberhirte auch den truhendingischen Besitz um Scheßlitz an sich: 1384 kaufte er dem von Gläubigern gepeinigten Grafen Johann seine Hälfte ab, 1390 dessen Halbbruder Oswald die andere Hälfte.

Obendrein erwarb der Bamberger Bischof in den 1380er Jahren vom Kloster Langheim, das allzu ehrgeizig versucht hatte, seinen Besitz abzurunden, wodurch es in eine wirtschaftliche Krise gerutscht war, umfangreiche Besitzkomplexe im Frankenwald um die Stadt Teuschnitz und um den Markt Marktleugast. Damit verlor die Abtei genau solche Güter, die der fürstbischöflichen Herrschaft bis dahin weitgehend entzogen waren.

Das Erbe der Andechs-Meranier in und um Kulmbach, Trebgast, Berneck, Goldkronach hatten Neffen des letzten Herzogs angetreten: die Grafen Hermann († 1283) und Otto († 1285) von Orlamünde aus einem thüringischen Geschlecht, dessen Stammburgen in Weimar, Rudolstadt und Orlamünde standen. Als Hauskloster stiftete Otto im Jahr 1279 die Zisterzienserinnenabtei Himmelkron; dort war die Grablege des Geschlechts.

Einige Jahrzehnte später zogen sich die Orlamünde aus Franken zurück. Der letzte über Kulmbach herrschende Graf, in kinderloser Ehe verheiratet, schloss einen Erbvertrag mit dem Burggrafen von Nürnberg, der wenig später Wirklichkeit wurde: 1340 ergriff Burggraf Johann († 1357) von der Plassenburg, der Stadt Kulmbach und dem Umland Besitz.

Überdies waren die edelfreien Walpoten im beginnenden 14. Jh. ausgestorben. Die Vögte von Weida verpfändeten Hof samt Umland erst an die Zollern und verkauften es ihnen schließlich.

Unter den Erben der Andechs-Meranier behaupteten sich langfristig also zwei Kräfte: der Bischof von Bamberg und der Burggraf von Nürnberg. Im Coburger Land setzten sich die Grafen von Henneberg durch. Sogar das reich begüterte Kloster Sonnefeld, das als Bollwerk gegen ihr Vordringen gegründet worden war, brachten sie unter ihren Einfluss. 1291 fiel der Besitzkomplex an den mit einer Hennebergerin verheirateten Markgrafen Otto von Brandenburg († 1298). Dessen Enkelin Jutta schloss 1312 die Ehe mit einem Grafen von Henneberg-Schleusingen, sodass das Coburger Land wieder an dieses Geschlecht fiel. Allerdings hatte dieser Henneberger keinen männlichen Erben. Seine Witwe teilte die Herrschaft unter ihre drei Töchter auf. Den Raum Coburg erhielt dabei Katharina, die Markgraf Friedrich den Strengen von Meißen zum Mann hatte. Mit ihm wurde 1353 ein Wettiner zum Herrn des Coburger Landes. Seine Nachkommen regierten hier bis 1918.

Das Hochstift Bamberg

Nach den Erwerbungen, die dem Bamberger Bischof im späten 14. Jh. von den Truhendingern, aus dem Erbe der Schlüsselberger und vom Kloster Langheim gelungen waren, konnte er sein Hochstift nicht mehr nennenswert erweitern. Nur gelegentlich wurde ein kleiner Komplex, der an eine Ritterfamilie als Mannlehen ausgegeben war, nach deren Aussterben in bischöfliche Verwaltung genommen. Nach der Reformation zog der Bischof auch den Besitz aufgehobener geistlicher Institutionen – des Chorherrenstifts Neunkirchen am Brand und der Frauenklöster Schlüsselau sowie St. Maria und Theodor in Bamberg – ein.

Das Hochstift erstreckte sich vom Amt Teuschnitz im Norden bis nach Marloffstein vor den Toren Erlangens und nach Herzogenaurach im Süden. Es reichte im Nordosten bis nach Kupferberg und Marktschorgast, im Südosten bis Pottenstein, im Westen bis Zeil am Main (heute Unterfranken). Mehrere Landesteile waren ohne räumliche Verbindung zum Kernland: das Amt Zeil am Main, das von würzburgischem Gebiet umschlossen war, und das Amt Vilseck in der Oberpfalz, das sich inmitten wittelsbachischen Territoriums befand. Die größten Exklaven lagen in Kärnten und Österreich. 1674 wurden diese Güter mediatisiert: Die landesherrliche Gewalt ging vom Bamberger Fürstbischof an die Habsburger über; nur grundherrliche Rechte blieben bei Bamberg. Vollends verkaufte der Bischof seine in den habsburgischen Erblanden gelegenen Ämter 1759 an Kaiserin Maria Theresia.

Auch innerhalb Frankens bildete das Hochstift Bamberg kein geschlossenes Herrschaftsgebiet, und es besaß keine eindeutigen, klar zu ziehenden Grenzen. Die Hochgerichtsbarkeit spielte zwar für die Herausbildung und für das Selbstverständnis der fürstlichen Herrschaft die zentrale Rolle, aber seine Herrschaft konnte der Fürstbischof nur an den Orten oder auf den Anwesen durchsetzen, wo er selbst oder ihm unterstehende Körperschaften grundherrliche Rechte besaßen. Grundlage und Ausgestaltung der Landeshoheit waren alles andere als einheitlich. Der Fürstbischof beherrschte in Franken zuletzt 19 Städte, 23 Märkte und mehr als 700 Dörfer, aber die Basis und die Form seiner Herrschaft unterschied sich von Ort zu Ort.

Ansicht Bambergs in der „Weltchronik“ des Nürnberger Arztes Hartmann Schedel, 1493

Im 15. Jh. regierte der Bischof selten über das gesamte Hochstiftsgebiet, denn es kam vor, dass das Hochstift, chronisch an Geldknappheit leidend, einzelne Orte oder ganze Ämter verpfändete. Gegen ein Darlehen – oft von Niederadligen – übereignete der Bischof dem Gläubiger Hochstiftsbesitz mit dem Recht des Rückkaufs; durch diese Verpfändung waren das Kapital gesichert und die Zinszahlung in Gestalt der anfallenden Abgaben gewährleistet. Der Geldgeber wurde – zugespitzt formuliert – Landesherr auf Abruf. Häufig blieben Ämter für wenige Jahre verpfändet, manchmal für Jahrzehnte. Dies kam jedoch nach dem 16. Jh. nicht mehr vor.

Der Fürstbischof

Der Landesherr im Hochstift Bamberg, der Fürstbischof, wurde seit dem 12. Jh. von den vollberechtigten Mitgliedern des Domkapitels gewählt, zumeist in geheimer Wahl und mit Hilfe von Stimmzetteln. In der Regel kürten die Domherren einen der ihren zum Fürstbischof: Sämtliche Träger dieses Amtes seit 1500 hatten vor ihrer Wahl dem Bamberger Domkapitel angehört. Alle Bischöfe führten die Regierung selbst, denn minderjährige Fürstensöhne bestiegen den Bischofsstuhl nie, da das Hochstift nicht in der unmittelbaren Einflusssphäre eines größeren weltlichen Fürstentums lag. Die Gewählten hatten durchweg bereits als Domherren Erfahrung in den Staatsgeschäften gesammelt.

Es kam gelegentlich vor, dass einem alt gewordenen Bischof ein Koadjutor zur Seite gestellt wurde, ein Helfer mit dem Recht, nach dem Tod des Oberhirten dessen Platz einzunehmen. 1708 nutzte Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (1655–1729), keineswegs regierungsunfähig, dieses Instrument, um seinem Neffen Friedrich Karl von Schönborn (1674–1746) die Nachfolge zu sichern.

Warum bei bestimmten Wahlen der eine oder der andere Kandidat die Mehrheit der Domherren auf seine Seite brachte, ist nicht in jedem Fall zu klären. Oft scheinen Verwaltungspraxis und diplomatische Fähigkeiten eines bestimmten Kapitulars entscheidend gewesen zu sein; ferner verbanden sich mit der Wahl eines bestimmten Mannes Erwartungen an seine Politik. Im Zeitalter der Konfessionalisierung versuchte die katholische Führungsmacht im Süden, das Herzogtum Bayern, die Wahlen auf bestimmte Kandidaten zu lenken; im 18. Jh. unternahmen hingegen der Kaiser, Frankreich und Preußen Anstrengungen, die Wahl zu beeinflussen.

Sitz des Bischofs und Hauptstadt des Hochstifts war und blieb Bamberg. Dies war durchaus nicht selbstverständlich, da doch mehrere Bischöfe im Reich aus ihrer unbotmäßigen, den Status einer Reichsstadt erringenden Domstadt (Augsburg, Speyer, Köln etc.) abzogen. Der Bamberger Bischof residierte in der einstigen Königspfalz neben dem Dom. Im 15. und frühen 16. Jh. diente immer öfter die Altenburg oberhalb der Stadt als Residenz, im späten 16. Jh. auch das Geyerswörth-Schloss am linken Regnitzarm mit seinem prächtigen Garten. 1602 begann der Bau eines neuen Schlosses innerhalb der Domburg, das ab 1697 unter Lothar Franz von Schönborn zur Neuen Residenz erweitert wurde.

Lothar Franz von Schönborn, 1693–1729 Bischof von Bamberg und 1695–1729 Erzbischof von Mainz. – Kupferstich, 1702

Die Neue Residenz zu Bamberg

Mit einem Werk von Leonhard Dientzenhofer (1660–1707), der Neuen Residenz zu Bamberg, beginnt die große Epoche barocken Bauens im Hochstift. Dientzenhofer, sowohl Planer als auch ausführender Baumeister, stammte aus dem oberbayerischen Gericht Aibling und war in Prag sowie auf Oberpfälzer Baustellen eines älteren Bruders geschult worden. Unter Einbeziehung eines 1605 entstandenen Residenzbaus errichtete er im Auftrag des Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn ab 1698 einen langgestreckten, winkelförmigen Bau. Die spätere Idee, ihn zu einer Dreiflügelanlage auszubauen, blieb unausgeführt.

Das Residenzschloss birgt heute Schauräume aus der Bauzeit, aber auch aus der Phase als griechischer Exilhof (ab 1862). Ferner sind in ihm die auf 1811 zurückgehende, Teile der fürstbischöflichen Sammlung einschließende Staatsgalerie sowie seit 1966 die Staatsbibliothek Bamberg untergebracht. Deren Grundlage bildeten 1803 die Buchbestände der aufgehobenen Universität sowie der aufgelösten Klöster und Stifte.

Der Bischof verfügte zusätzlich über Nebenresidenzen. 1563 empfahl das Domkapitel ihm ausdrücklich, er solle nicht das ganze Jahr hindurch in Bamberg bleiben, sondern im Fürstbistum reisen. Im 15. und frühen 17. Jh. wurde die hochmittelalterliche Giechburg als Residenzschloss ertüchtigt. In der Stadt Forchheim, die seit dem 16. Jh. kontinuierlich zur südlichen Landesfestung ausgebaut wurde, hatte sich Bischof Lamprecht von Brunn (reg. 1374–1399) ab 1377 eine Pfalz errichtet, die mehrere seiner Nachfolger von 1515 an erweiterten. Wiederholt hielt sich der Bischof auf der Festung Rosenberg ob Kronach, der nördlichen Bastion des Hochstifts Bamberg, auf. In der Regel saß er jedoch in Bamberg, wenn nicht die Personalunion mit einem anderen Hochstift, wie sie zwischen 1617 und 1795 öfters vorkam, seine Abwesenheit verursachte. Ein Sommerschloss errichtete sich Bischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (reg. 1683–1693) ab 1687 nahe seiner Hauptstadt: „Marquardsburg“ nannte man es anfangs nach dem Erbauer, später meist „Seehof“ wegen der großen Teichflächen, die an den ausgedehnten Park angrenzten.

Dom und Neue Residenz in Bamberg, im Vordergrund links das ehemalige Dominikanerkloster. – Fotografie des späten 19. Jhs.

Der neugewählte Fürstbischof zog, zuweilen erst nach Jahren, durch sein Land und ließ sich von seinen Untertanen einen Treueid schwören; so war es von 1459 bis 1750 üblich. Die Städte, in die er kam, waren dann mit Triumphpforten geschmückt, und örtliche Würdenträger hießen den Landesherrn mit ausgezirkelten Reden oder kunstvoll gefügten Poemen willkommen.

Das Domkapitel

Der Bischof war im Hochstift der Landesherr, jedoch herrschte er nicht unumschränkt. Eine bescheidene Rolle spielten die Landstände – sie mussten die Steuern genehmigen –, seit die Ritterschaft ab 1560 nicht mehr an Landtagen teilnahm. Die Städte und Klöster allein vermochten sich den Bitten des Landesherrn um Gewährung einer Steuer immer weniger zu entziehen. In der zweiten Hälfte des 17. Jhs. beseitigte der fürstliche Absolutismus die landständische Organisation vollends: Landtage wurden in Bambergischen nicht mehr einberufen; Steuern erhob der Fürstbischof ohne ihre Zustimmung.

Schloss Seehof mit Park. – Stich nach einer Zeichnung von Salomon Kleiner, Mitte der 1720er Jahre

Umso größeren Einfluss gewann das Domkapitel, dem schon von seiner Gründung 1007 an vornehmlich Adlige angehörten. Diese Praxis schrieben die Domherren 1390 fest: Wer ins Kapitel aufgenommen werden wollte, hatte nachzuweisen, dass er adliger Abstammung war, und zwar mehrere Generationen zurück. Diese Ahnenprobe wurde im Lauf der Zeit verschärft. Im 18. Jh. mussten sämtliche 32 Urururgroßeltern mindestens ritterlichen Familien entstammen.

Das Domkapitel bestand aus bis zu 34 Personen: aus 20 stimmberechtigten Domkapitularen (Vollmitglieder) sowie sechs emanzipierten und acht nichtemanzipierten Domizellaren (ohne Stimmrecht). Die Domherren hatten Anteil am Kapitelsvermögen, das zum größten Teil der Dompropst verwaltete. Ihn kürten sie aus ihrer Mitte. Daneben besaß jeder Domherr eine Reihe von kleinen Besitzgruppen, sogenannten Obleien, für sich allein.

Wichtigste Befugnis der Domkapitulare war die Wahl des Bischofs im Gefolge des Wormser Konkordats von 1122. Sie verschaffte ihnen Macht. Dank ihres Wahlrechts wurden die Domherren, wie sie 1576 selbstbewusst formulierten, zu des Stifts regirendt Mitglidt. Seit dem 14. Jh. war es üblich, dass die Neugewählten eine Wahlkapitulation beschworen, die alle Wähler zuvor beschlossen hatten. Dadurch versuchten die Domherren nicht nur, den künftigen Bischof auf eine bestimmte Politik festzulegen. Vor allem waren sie bestrebt, dem Domkapitel einen Anteil an der Herrschaft zu sichern. So errangen die Domherren im 15. Jh. Einfluss auf die Bestellung der hochstiftischen Beamten, und 1501 setzten sie den Anspruch durch, künftig das Finanzwesen des Staates mitzuprüfen. Ihre eigenen Ämter entzogen sie dagegen weitgehend der bischöflichen Herrschaft. Zwar verbot der Papst 1695 Wahlkapitulationen grundsätzlich, doch gab es sie weiterhin, nun eben unter anderer Bezeichnung.

Entscheidend für die Verfassung waren die Persönlichkeiten, die hinter dem geschriebenen Wort standen. Ein schwacher Bischof hatte dem Domkapitel viel zuzugestehen und dies dann auch einzuhalten; ein starker Fürstbischof, zusätzlich gestützt durch Kaiser, Papst oder mächtige Fürsten, konnte dagegen regieren, ohne allzu viel Rücksicht auf seine Domherren und auf seine Wahlkapitulation zu nehmen.

Klösterliche Unabhängigkeitsbestrebungen

Im Hochstift Bamberg gelang es keiner Stadt und keinem Stift oder Kloster, sich von der bischöflichen Herrschaft zu befreien. Dabei ließ es zumal das Zisterzienserkloster Langheim nicht an entsprechenden Versuchen fehlen. Der langheimische Besitz blieb also Teil des Hochstifts Bamberg, sofern er nicht im Herrschaftsbereich eines anderen Fürsten lag. Erst 1741 gab Langheim sein Streben nach Reichsunmittelbarkeit auf; im Gegenzug machte der Fürstbischof der Abtei Zugeständnisse, indem er seine Herrschaftsausübung in langheimischen Orten einschränkte oder dem Kloster besondere Befugnisse wie die Jagd auf Hochwild einräumte.

Wie Langheim wollte auch dessen Mutterkloster Ebrach, die erste Zisterze rechts des Rheins, die Reichsunmittelbarkeit erlangen. Die Abtei im Steigerwald, in deren Kirche sowohl Angehörige des staufischen Hauses als auch (bis 1573) die Herzen der Würzburger Bischöfe beigesetzt wurden, erlangte kaiserliche Privilegien, die ihr umfassende Steuer- und Gerichtshoheit über ihre Zinspflichtigen zugestanden. Dennoch glückte es Ebrach nicht, sich aus der Herrschaft des Würzburger Fürstbischofs zu lösen. Jedoch beharrte das Kloster bis zu seiner Auflösung darauf, nur dem Kaiser untertan zu sein.

Die Herrschaft der Zollern

Die Burggrafen von Nürnberg aus dem Haus Zollern verstanden es, ihre Herrschaft im östlichen Franken beständig zu erweitern. Seit 1191 im Besitz des Nürnberger Burggrafenamtes, hatte das ursprünglich schwäbische Geschlecht seine Machtbasis schon im 13. Jh. verbreitert. Alsbald im Amt, beerbten sie die Grafen von Abenberg-Frensdorf. Nach 1248 zählten sie zu den Erben der Andechs-Meranier, wodurch sie bis nach Bayreuth ausgriffen. Sie drangen nach Westen wie nach Nordosten vor, während der Amtssitz Nürnberg für sie immer mehr an Bedeutung verlor.

Das Wachsen der Macht

Die Zollern verdrängten Grafengeschlechter oder Edelfreie und nutzten geschickt das Aussterben anderer Familien. Nicht zuletzt erwarben sie Gebiete hinzu und arrondierten dadurch ihre eigene Herrschaft. 1251 kauften sie dem staufischen König Konrad II. Creußen ab. 1285 erlangten sie als königliches Lehen die Burg Wunsiedel und brachten in der Folge weitere Burgen im Fichtelgebirge in ihre Hand. 1331 erhielten sie durch eine Zahlung Ansbach von den schwäbischen Grafen von Oettingen, 1340 Kulmbach von den ursprünglich thüringischen Grafen von Orlamünde. Hof und sein Umland, nach einem Flüsschen als Regnitzland bezeichnet, erwarben sie von den Eigentümern, den Vögten von Weida, 1361 als Pfand und 1373 auf Dauer. Münchberg kauften sie den Herren von Sparneck 1373 zum Teil, wenige Jahre darauf vollständig ab. Von ritterlichen Familien brachten die Zollern 1383 Schauenstein an sich. 1402 erlangten sie Pegnitz und das Amt Beheimstein, das der böhmische König Wenzel als Pfand genutzt hatte und das durch mehrere Hände an die Burggrafen von Nürnberg kam. Die Burg Streitberg in der Fränkischen Schweiz, nahe der bambergischen Stadt Ebermannstadt, brachten die Zollern 1508 durch einen Kauf an sich, der jedoch einen jahrzehntelangen Streit nach sich zog.

Ihre wirtschaftliche Potenz verdankten die Burggrafen nicht zuletzt dem Bergbau, der im Fichtelgebirge stark betrieben wurde. Nachdem ihnen der Kaiser 1323 das Bergregal übertragen hatte, baute man unterschiedliche Metallerze ab. Eisenerz gewann man im östlichen Frankenwald, Zinn im Raum Wunsiedel. Eine besondere Bedeutung gewann offenbar der Goldbergbau in und um Goldkronach. Für ihn gibt es aus dem Jahr 1342 ein erstes Indiz, 1363 ist er sicher nachgewiesen, und 1365 nahm der Burggraf das Goldwerk zu Cronach, daß auferstanden und funden ist, unter seinen Schutz und Schirm. Denjenigen, die sich hier im Bergbau unternehmerisch engagierten, dazu den Bergleuten und allen Einwohnern von Cronach gewährte er bestimmte Vorrechte, daß die leut dester fleisiger, williger und freylicher da arbeitten. Für den Bergbau und für die neue Stadt solle das Recht von Iglau in Mähren gelten, einer Stadt mit reichen Silbergruben.

Es scheint, als habe an den Flüsschen Kronach und Zoppaten im 14. Jh. ein regelrechter Goldrausch geherrscht, wobei Einzelheiten kaum auszumachen sind. Aber in keiner Beschreibung Goldkronachs vor den Stadtbränden des 19. Jhs. durfte ein Hinweis auf die Figur eines Löwen in der Kirche fehlen. Er hielt ein kleines Brot im Maul: So groß wie der Laib sei die wöchentlich geförderte Menge Goldes einst gewesen. Wenn tatsächlich bis zu 1500 Gulden pro Woche erzielt wurden, wie wieder und wieder geschrieben wurde, dann mögen solche Erfolge in der Frühzeit des Goldkronacher Bergbaus zu verzeichnen gewesen sein. Ein Pfarrer des späten 17. Jhs. verwies darauf, dass Gebietserwerbungen der Zollern – bis hin zur Belehnung mit der Mark Brandenburg 1415 – durch den Metallreichtum des Fichtelgebirges möglich geworden seien.

Allerdings erlahmte der Goldbergbau bald wieder. Die ältere Literatur machte dafür den Hussiteneinfall 1430 verantwortlich, aber vermutlich waren die leicht abbaubaren, ertragreichen Strecken einfach erschöpft, so dass der Bergbau viel mehr Mühe machte und dabei weniger Ausbeute erbrachte. Zwar unternahmen die Fürsten immer wieder Versuche, ihn durch die Berufung von Fachleuten und die Einführung technischer Innovation wiederzubeleben, jedoch stets nur mit kurzfristigem Erfolg.

Die Plassenburg ob Kulmbach vor ihrer Zerstörung 1554

Im frühen 15. Jh. stießen die Zollern in die oberste Riege der Dynasten des Reichs vor, als sie 1415 mit der Mark Brandenburg belehnt wurden und dadurch die Kurwürde erlangten. Der fränkische Besitz wurde dadurch zum Nebenland, regiert entweder von Verwesern oder jüngeren Brüdern des Kurfürsten, später dann von Nebenlinien des Geschlechts. Diese Fürsten bezeichneten sich, weil sie formell Mitregenten der Mark waren, als Markgrafen.

1473 bestimmte Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg (reg. 1470–1486 als Kfst.), der nach einigen Jahrzehnten der Landesteilung die Mark und die fränkischen Herrschaften wieder in seiner Hand vereint hatte, dass sein ältester Sohn die ungeteilte Mark erhalten, also Kurfürst werden solle, während seinem zweit- und seinem drittältesten Sohn die nun erst förmlich gebildeten Fürstentümer Kulmbach und Ansbach zugedacht waren. Wer welches Land bekam, bestimmte das Los. Da einer der Brüder keine Erben hinterließ, fielen beide fränkischen Gebiete bereits 1485 zusammen. Erst 1541 wurden Kulmbach und Ansbach von neuem getrennt, wobei zum Fürstentum Kulmbach auch Gebiete im heutigen Mittelfranken, um Erlangen und um Neustadt a. d. Aisch, gehörten.

Die einmalige Bestimmung von 1473, die Dispositio Achilleia, galt künftig als Grundregel: Die Mark, auf der die Kurwürde ruhte, sollte nicht unter mehreren Erben geteilt werden; die fränkischen Länder bildeten eine Sekundogenitur.

Die jüngere fränkische Linie der Zollern und die Verlegung der Hauptstadt

Ende des 16. Jhs. stand die fränkische Linie vor dem Aussterben. Die Kulmbacher Linie war 1557 erloschen und vom Ansbacher Markgrafen beerbt worden. Dieser aber, Markgraf Georg Friedrich (reg. 1543/57–1603), hatte keine Söhne. Deshalb kamen nach dessen Tod 1603 zwei Halbbrüder des brandenburgischen Kurfürsten zum Zug, wobei wieder das Los entschied: Christian (1581–1655) erhielt Kulmbach, der jüngere Joachim Ernst (1583–1625) Ansbach.

Die Plassenburg ob Kulmbach, wohl noch unter den Andechs-Meraniern erneuert, bildete die Hauptresidenz der Markgrafen, sofern nicht – in den Zeiten der vereinigten fränkischen Herrschaft – Ansbach den Vorzug erhielt. Ferner bestand eine Reihe von Nebenresidenzen, darunter Bayreuth. Auch hier ging der Fürstensitz innerhalb des Stadtmauerrings auf die Meranier zurück. Er wurde jedoch nach 1340 nur sporadisch als Witwensitz oder Ausweichquartier genutzt.

1554 durch die gegen den Markgrafen verbündeten Nachbarn zerstört, wurde die Plassenburg in der Folge als prachtvolles Renaissanceschloss wiedererrichtet. Es bildete 1604 den würdigen Rahmen für die Heirat des neuen Markgrafen Christian, der aus Cölln an der Spree nach Franken gekommen war, mit Maria, einer Tochter des Herzogs von Preußen, in Königsberg geboren. Es scheint, als habe dem jungen Paar die Bergresidenz hoch über Kulmbach allerdings nicht behagt. Die Frage muss offenbleiben, was den Ausschlag gab. Womöglich war es das eigene Gewohntsein an Ebenen. Christian jedenfalls beschloss 1604, seinen Sitz nach Bayreuth zu verlegen. Die dortige Bürgerschaft war – anders, als man erwarten sollte – nicht sehr erbaut über den Zuzug. Im März 1604 klagten Bürgermeister und Rat, ihre Stadt von 200 Häusern sei für einen Hof zu klein; die Häuser seien gering, die Nebengebäude ohnehin zu wenige.

Für Kulmbach muss die Verlagerung der Hofhaltung ein schwerer Schlag gewesen sein. Die Plassenburg war nicht mehr Fürstensitz. Nur sporadisch erschien der Landesherr, etwa wenn er in der Umgebung jagte. Sie diente weiter als Landesfestung, wurde bisweilen erneuert und ausgebaut, veraltete aber im Ganzen. Ihre wesentliche Nutzung bestand darin, das Landesarchiv zu bergen. Gewölbe waren vollgeschlichtet mit Akten. Dieser Bestand war, wie in den 1790er Jahren einer der drei Archivare sagte, ein Ocean, er sei nun 20 Jahre lang dabei angestellt und kenne noch so viel als gar nichts davon.

Der Markgraf plante für seinen neuen Sitz eine ausgedehnte Befestigung, schier den Ausbau zur Festungsstadt, doch dazu kam es nicht. 1605 suchte ein Stadtbrand Bayreuth heim, der 137 Wohnhäuser vernichtete. Wohl oder übel zog der Markgraf samt Hof und Behörden zurück nach Kulmbach, um erst 1610 nach Bayreuth wiederzukehren. Er ließ nun die Pfarrkirche erneuern, sie im Innern mit Logen für den Hofstaat versehen und unter dem Chor eine Grablege für seine Familie anlegen. Das Schloss, das sein Vorgänger Georg Friedrich erneuert und dem er einen mächtigen Turm mit Reittreppe hinzugefügt hatte, ließ Christian erweitern, die Fassade mit Reliefmedaillons verzieren. Markgraf Friedrich baute sich zusätzlich zum Alten Schloss ab 1753 ein Neues Schloss vor der Stadtmauer, dem sich ein Park anschloss. Der Erbprinz und spätere Markgraf Georg Wilhelm (reg. 1712–1726) errichtete im beginnenden 18. Jh. ein Schloss 2 km neben Bayreuth bei einem riesigen Fischteich und gründete dazu eine Planstadt: St. Georgen.

Altes Schloss in Bayreuth, im Hintergrund das Markgräfliche Opernhaus, 2000

Diverse markgräfliche Jagd- und Landschlösser entstanden im Barock. Das einstige Zisterzienserinnenkloster Himmelkron wurde zum Schloss umgebaut. Im Fichtelgebirge wurde Schloss Kaiserhammer errichtet, südlich von Bayreuth das unvollendet gebliebene Schloss Thiergarten, bei Berneck Schloss Falkenhaube. Ein Stück abseits der Stadt, beim Dorf St. Johannis, schufen die Markgrafen ab 1715 die Parkanlage „Eremitage“ mit zwei Schloss- und diversen anderen Bauten sowie Wasserspielen. Neben der Burg Zwernitz entstanden ab 1744 der Felsengarten „Sanspareil“ (Ohnegleichen), der sich am frühaufklärerischen Roman Telemach orientierte, und am Rand der Anlage der Morgenländische Bau.

Schon die Bauten und Gärten zeigen, dass in Bayreuth ein reges Hofleben herrschte. Doch die markgräfliche Repräsentation belastete das kleine Fürstentum stark. Im späten 17. Jh. stand es vor dem Bankrott, auch aufgrund der militärischen Ambitionen von Markgraf Christian Ernst (1644–1712), der es bis zum kaiserlichen Generalfeldmarschall brachte. Markgraf Friedrich und seine Gattin, die preußische Königstochter Wilhelmine, verwandten große Summen auf die Zurschaustellung ihrer fürstlichen Würde. Neben einer regen Bautätigkeit spielten hier Instrumentalmusik und Oper eine wichtige Rolle.

Innenraum des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth, Blick zur Bühne

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10 сентября 2025
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206 стр. 45 иллюстраций
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9783791761794
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