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Lieblingsplätze Engadin
Daniel Badraun / Rolf Canal
Impressum
Dank an
Rolf Canal für die stets unkomplizierte und professionelle Zusammenarbeit.
Daniela Tuena Badraun, Barbara Tuena Giovanoli und Marcello Giovanoli, die mich auf meinen Wanderungen und Entdeckungsreisen begleitet und mich beständig unterstützt haben, Filip Zuan für sein Bild sowie Madeleine Papst von Engadin Scuol-Zernez und Maite Werder von Engadin St. Moritz Tourismus AG für die wertvolle Hilfe.
Meinen Eltern gewidmet
Autor und Verlag haben alle Informationen geprüft. Gleichwohl wissen wir, dass sich Gegebenheiten im Verlauf der Zeit ändern, daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Sollten Sie Feedback haben, bitte schreiben Sie uns! Über Ihre Rückmeldung zum Buch freuen sich Autor und Verlag: lieblingsplaetze@gmeiner-verlag.de
Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Rolf Canal:
Engadin St. Moritz Tourismus AG/Filip Zuan 46; Buttega (Scuol) 156; Andrea Badrutt (Chur) 158
Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
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1., aktualisierte Neuauflage 2021
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Im Ehnried 5, 88605 Messkirch
Telefon 0 75 75/20 95-0
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Ricarda Dück
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung/Bildbearbeitung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © stock.adobe.com, kovaricekpavel, sila5775, SimpLine, IconWeb, VRD, nicknik93759375e, © woravit_worapani – istockphoto.com; © Benjamin Arnold, © Katrin Lahmer
Kartendesign: Mirjam Hecht
ISBN 978-3-8392-6386-0
Inhalt
Impressum
Increschantüm – Heimweh
Vorwort: Eine Art Liebeserklärung
Vom Bergell bis nach Sils
1 Zwei Seen für die Seele
Maloja: Von der Staumauer Orden zum Bitabergh- und Cavlocsee
2 Fast eine Insel
Maloja: Wanderung zum Weiler Isola
3 An der Quelle des Inns
Maloja: Aufstieg zum Lunghinsee
4 Steil nach oben
Maloja: Malojapass (1.815 Meter) ab Chiavenna
5 Im Süden angekommen
Bregaglia: Ausflug ins Bergdorf Soglio
6 Wenn die Landschaft …
Bregaglia: Bergsturz bei Bondo
7 Der steinerne Kuss
Bregaglia: Architektur und Kunst in Coltura und Stampa
8 Zwischen Wasser und Himmel
Sils: Schifffahrt auf dem Silsersee
9 Also sprach Zarathustra
Sils: Nietzsche-Haus
10 Hort der Kultur
Sils: Hotel Waldhaus und Hotel Fex im Val Fex
Rund um St. Moritz
11 Nicht nur für Verrückte
Silvaplana: Bergstation Corvatsch und Restaurant 3303
12 Die gespiegelten Eisriesen
Silvaplana: Übergang Fuorcla Surlej mit Berggasthaus
13 Im Wind des Südens
Silvaplana: Wind- und Kitesurfing beim Surfcenter
14 Auf den Spuren der Römer
Silvaplana: Julierpass (2.284 Meter) nach Tiefencastel
15 Unterwegs mit der Kleinen Roten
St. Moritz: Mit der Rhätischen Bahn ab Chur
16 Auf zwei Rädern bergab
St. Moritz: Ski- und Bike-Gebiet Corviglia
17 Der schwarze Berg
St. Moritz: Piz Nair mit Panoramarestaurant
18 Windowshopping und Architektur
St. Moritz: Hotels Badrutt’s Palace und Schweizerhof
19 Werden, Sein, Vergehen
St. Moritz: Segantini Museum
20 Sport- und Heilstätte
St. Moritz: Ortsteil Bad mit Hallen- und Heilbad
21 Formel 1 im Eiskanal
St. Moritz: Eiskanal Olympia Bob Run
22 Tiere und Pelze auf dem See
St. Moritz: Pferderennen auf Eis mit White Turf
23 Versteinerte Wunderblumen
Celerina: Skigebiet und Restaurant Marguns
24 Barfuss in den Wald
Celerina: Pfarrkirche San Gian und Barfusstrails
Von Samedan bis ins Puschlav
25 Wasser zieht um
Samedan: Flusslandschaft um Inn und Flaz
26 Baden unter dem Kirchturm
Samedan: Rundgang durch den Ort rund um das Mineralbad
27 Das besondere Wohnmuseum
Samedan: Bauernhaus Chesa Planta
28 Hinauf zu den Hirten
Samedan: Naturlehrpfad La Senda und Alp Muntatsch
29 Der einzigartige Blick
Samedan: Mit der Standseilbahn nach Muottas Muragl
30 Auf und um den Schafberg
Muottas Muragl: Höhenweg zur Alp Languard und Segantinihütte
31 Von Bergsteigern und anderen Gästen
Pontresina: Museum Alpin und Bergsteigerschule
32 Im Reich der Jäger
Pontresina: Ausflug ins Val Roseg
33 Ein Gletscher auf der Flucht
Pontresina: Von der Alp-Schaukäserei zum Morteratschgletscher
34 Auf Du und Du mit den Eisriesen
Pontresina: Bergstation und Berghaus Diavolezza
35 Pizzoccheri und paradiesische Seen
Poschiavo: Berninapass (2.328 Meter) nach Ospizio Bernina
36 Auf Schienen in den Süden
Poschiavo: Berninapass (2.253 Meter) mit der Rhätischen Bahn
37 Wo der Veltliner am besten schmeckt
Poschiavo: Ausflug ab Ospizio Bernina zu den Crotts in Sassal Masone
38 Cappuccino und Gelati an der Sonne
Poschiavo: Historische Piazza mit Hotel-Restaurant Albrici
39 Ein Volk von Zuckerbäckern
Poschiavo: Via di Palazzi
40 Zu Fuss an den See
Poschiavo: Altes Kloster und Ausflug nach Miralago
Von Bever bis S-chanf
41 Geschichten von Nann’Engel
Bever: Märchenweg
42 Tief hinein und hoch hinaus
Bever: Ausflug ins Val Bever über Spinas zur Jenatsch-Hütte
43 Wandern im Blumenparadies
Preda: Über den Palpuognasee zur Fuorcla Crap Alv (2.466 Meter)
44 Die Strasse der Geniesser
La Punt-Chamues-ch: Albulapass (2.312 Meter) ab Tiefencastel
45 Ein Maiensäss mit Freitreppe
La Punt-Chamues-ch: Ausflug ins Val Chamuera und zur Acla Serlas
46 Auf der Via Engiadina
Madulain: Ausflug zum Kunstort und Hotel Castell in Zuoz
47 Kunst in alten Mauern
Zuoz: Galerie Tschudi
48 Fairplay auf dem Campus
Zuoz: Lyceum Alpinum Zuoz und Via Maistra
49 Hirsche garantiert
S-chanf: Ausflug ins Val Trupchun im Nationalpark
50 Auf langen Brettern durchs Tal
S-chanf: Skimarathon ab Maloja
51 Die Treppe nach Susauna
S-chanf: Scalettapass (2.606 Meter) ab Davos
Vom Val Müstair bis Ftan
52 Im UNESCO-Weltkulturerbe
Müstair: Kloster St. Johann
53 Wo die Öfen aus sind
Tschierv: Ofenpass (2.149 Meter) nach Zernez
54 Ein Kubus voller Natur
Zernez: Schloss Wildenberg und Nationalparkzentrum
55 Wo man Hirschen gute Nacht sagt
Zernez: Wanderung ins Val Cluozza zur Cluozza-Blockhütte
56 Auf zwei Rädern talabwärts
Zernez: Inn-Radweg ab Maloja nach Susch
57 Kunst mit »Sprachfehler«
Susch: Muzeum Susch
58 In zwanzig Minuten unten durch
Susch: Flüelapass (2.383 Meter) ab Davos bis zum Hotel Flüela Hospiz
59 Gegen die Abwanderung
Lavin: Dorfbrunnen und Kleintheater La Vouta
60 Engadiner Gaumenschmaus
Lavin :Traditionelle Küche im Hotel Piz Linard
61 Das Ursli-Dorf
Guarda: Brauch Chalandamarz im Engadiner Dorf
62 Unterhalb des Piz Buin
Guarda: Ausflug ins Val Tuoi
63 Gebäude erzählen Geschichten
Ardez: Engadiner Häuser mit Sgraffitoverzierungen
64 Eine der besten Tuorta da Nuschs
Ftan: Engadiner Nusstorte bei der Bäckerei Cantieni
Rund um Scuol
65 Der Stolz des Unterengadins
Tarasp: Schloss Tarasp
66 Engadiner Heilquellen und Kunst
Scuol: Kurhaus Tarasp und alte Bäder
67 Verein Movimento
Scuol: Chasa Monreal mit Café und Laden
68 Die Bäderkönigin der Alpen
Scuol: Bogn Engiadina
69 Wo die Kühe Sauerwasser saufen
Scuol: Mineralquellenweg
70 Kaffeepause Mit der Engadiner Post
Scuol: Café Benderer im Center Augustin
71 Das Ziel vor Augen
Scuol: Punt da Gurlaina und Nationalpark Bike-Marathon
72 Feuer und Licht im Winter
Scuol: Brauch Hom Strom und Museum d’Engiadina Bassa
73 Schnee, Hüttengaudi, Traumpiste
Scuol: Skigebiet Motta Naluns
74 Im Tal bei den Bären und Bergleuten
Scuol: Dorf S-charl mit Museum Schmelzra
75 Die romanische Seele im Arvenwald
S-charl: Pass da Costainas (2.251 Meter) ab Lü ins Val S-charl
76 Wo das Heimweh zu Hause ist
Sent: Kirchenruine San Peder und Sentergiebel
77 Grosse Kunst im kleinen Dorf
Sent: Skulpturenpark Parkin von Not Vital
78 Ein Spukschloss für die Holländer
Sent: Kurhaus Val Sinestra
79 In Stein gehauen
Sur En: Ausflug ins Val d’Uina
80 Wo den Wörtern Flügel wachsen
Ramosch: Burg Tschanüff und Weiler Vnà
81 Zwischen Tradition und Aufbruch
Tschlin: Volksmusik und regionale Produktion im Engadiner Dorf
82 Das Tor ins Unterengadin
Tschlin: Reschenpass (1.507 Meter) nach Mals
83 Am rauschenden Inn
San Niclà: Café Etter und Kirche
84 Hinter hohen Bergen
Samnaun: Grenzdorf als Ski- und Zollfreigebiet
Karte
Increschantüm – Heimweh
Vorwort: Eine Art Liebeserklärung
Einhundert Strassenkilometer liegen zwischen Maloja am Anfang des Oberengadins und Vinadi am Ende des Unterengadins. Es ist ein Tal voller Gegensätze, in dem sich unberührte Natur und pulsierendes Leben nur wenige Kilometer voneinander entfernt begegnen. Maloja liegt auf 1.815 Metern über Normalnull, Vinadi gerade noch auf 1.000 Metern. Während der ganzen Fahrt folgt man dem Inn – oder En, wie der Fluss auf Rätoromanisch heisst. Unterwegs sprechen die Leute Italienisch, Deutsch und Romanisch in den beiden Idiomen Putèr (Oberengadin) und Vallader (Unterengadin). Im Oberengadin überwiegen weite, von Gletschern geschaffene Ebenen und die grossen Seen. Sie werden überragt von den höchsten Gipfeln der Ostalpen. Im Unterengadin wird das Tal eng, der Fluss rauscht tief unten in seinem Bett, hier beeindrucken die Unterengadiner Dolomiten sowie die wilden Täler des Schweizerischen Nationalparks.
Das Engadin war eine wichtige Transitachse im Nord-Süd-Verkehr, die Pässe waren von erheblichem strategischem Wert. Römische Imperatoren und deutsche Kaiser samt Armeen mussten hier durch. Nicht immer kamen die Besucher in friedlicher Absicht. Die Dörfer im Unterengadin wurden mehrfach von fremden Truppen geplündert und gebrandschatzt. Verschiedene Burgen und Schlösser zeugen von einer kriegerischen Vergangenheit des Engadins, das ein fester Bestandteil des Freistaates der Drei Bünde war.
Im Hochtal des Inns gab es nicht immer genug Nahrung für alle Bewohner. Viele junge Engadiner sahen sich gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. So kämpften in etlichen europäischen Kriegen Bündner Regimenter mit. Einen friedlicheren Weg der Emigration wählten die Cafétiers und Zuckerbäcker. Von Russland bis Spanien wurde in Bündner Konditoreien gutes Geld verdient und von den Rückkehrern oft in repräsentative Bauwerke investiert.
In der Pionierzeit des Tourismus entstanden grosse und prächtige Hotelbauten wie das Palace in Maloja, das Kulm in St. Moritz, der Kronenhof in Pontresina oder das Palace in Scuol, um nur einige zu nennen. Diverse Wirtschaftskrisen machten der Hotellerie stark zu schaffen, nicht alle Grandhotels können noch rentabel betrieben werden. In den letzten 40 Jahren veränderten sich die Ortsbilder stark. Gerade im Oberengadin entstanden viele neue Bauten mit wenig benutzten Zweitwohnungen, die das Landschaftsbild bis heute nicht immer vorteilhaft prägen.
Doch immer noch dominiert die Natur das Engadin. Viele Seitentäler bieten unberührte Landschaften, Ruhe und unzählige, unvergessliche Touren. Man muss nicht unbedingt im Viersternehaus logieren, es gibt preisgünstige Alternativen wie Jugendherbergen, Berghütten, Campingplätze sowie Ferienwohnungen. Wer es dennoch luxuriös mag, kommt hier im prickelnden Champagnerklima voll auf seine Kosten. Sehen und gesehen werden gilt vor allem in den Wintermonaten in den grösseren Kurorten des Oberengadins. In der kältesten Jahreszeit schwillt das Oberengadin zur Grossstadt an. Die Pisten sind gut genutzt und in den Restaurants, Clubs und Nobelboutiquen herrscht reges Treiben. Ganz anders ist es in den kleinen Dörfern mit den stolzen Engadiner Häusern. Hier hat man Zeit für einen Schwatz, sitzt gemütlich am Stammtisch in der Usteria und erzählt sich von der Jagd.
Trotz städtischem Flair darf man niemals vergessen, dass man hier in den Alpen ist. In den Bergen herrschen andere Verhältnisse als im Flachland. Das Wetter kann schnell umschlagen, auch im Sommer ist jederzeit Schneefall möglich. Eine gute Ausrüstung ist darum Pflicht, auch sollte man jede Tour gut planen und sich mit den Verhältnissen vertraut machen. Dann steht dem ungetrübten Naturerlebnis nichts im Wege.
Vom Bergell bis nach Sils

1 Zwei Seen für die Seele
Maloja: Von der Staumauer Orden zum Bitabergh- und Cavlocsee
Von Maloja aus folgt man der Passstrasse die erste Abzweigung links bis zum Parkplatz Orden d’Ora. Und dann kommt sie in unser Blickfeld, die mächtige Staumauer von Orden, geschmückt mit den farbigen Stelen des Bildhauers Arthur Honegger und erbaut, um das Bergell vor Überschwemmungen zu schützen. Es lohnt sich, den Weg über die Mauer zu nehmen. Rechts geht es steil hinunter nach Casaccia, links sanft ins Tal hinein bis zum Bildungszentrum Salecina. Auf den Stelen stellen sich dem Spaziergänger Sinnfragen. »Müssen Menschen Spuren hinterlassen?« oder »Verändert uns die Zeit, oder verändern uns Augenblicke?« Hat man den Steg überquert, schlängelt sich der Weg durch einen märchenhaften Wald, der für Familien einen Abenteuerparcours mit Hängebrücken und Kletterstellen bereithält und bis zum versteckt gelegenen Lägh da Bitabergh reicht.
Der Weg zum Lägh da Cavloc führt an der Bergflanke entlang, zu empfehlen ist ein kleiner Umweg mit kurzem Aufstieg zur Motta Salacina auf 2.105 Metern mit herrlicher Rundsicht. Im Gegensatz zum kleineren Lägh da Bitabergh, der versteckt in einer Schonung liegt, präsentiert sich das Gelände um den Lägh da Cavloc offen. Picknickplätze laden zur Rast ein und das Restaurant offeriert einheimische Spezialitäten.
Vom See aus kann man die Wanderung bis hinauf zur Fornohütte auf 2.574 Metern fortsetzen. Hier, im Fornogebiet, drehte Leni Riefenstahl mit Luis Trenker in der Hauptrolle den Film Der heilige Berg. Die Route führt gut gesichert über den Gletscher.
Auf dem Rückweg nach Maloja kommt man am Bildungszentrum Salecina vorbei. Lange Zeit galt das von Linksintellektuellen 1972 gegründete Zentrum als »verdächtig«. So sammelte der Staatsschutz im Kalten Krieg Daten über die Gäste aus der ganzen Welt. Heute ermöglicht sie auch Urlaubern mit kleinerem Geldbeutel ein paar Tage der Erholung im Engadin.
Im Sommer wird auf der Alp hinter dem See Ziegenkäse verschiedener Reifegrade verkauft. Bringen Sie Ihr Brot mit und geniessen Sie ein Picknick am See!

1
Staumauer von Orden
Startpunkt: Parkplatz Orden d’Ora
7516 Maloja
Lägh da Bitabergh/ Lägh da Cavloc
7516 Bregaglia
Fornohütte
7516 Maloja
0041 081 8243182
www.fornohuette.ch
2 Fast eine Insel
Maloja: Wanderung zum Weiler Isola
»Isola« heisst auf Italienisch »Insel«. Der Ort liegt auf einem Flussdelta auf der südlichen Seite des Silsersees. Die Wege zum Weiler sind von Sils und Maloja aus gut beschildert. Parkmöglichkeiten finden sich im Parkhaus Sils und in Maloja Capolago/Cadlägh.
Anfang Winter, wenn der See noch nicht zugefroren ist, ist der Weiler schwer erreichbar, fast wie ein Eiland. Wenn Ende Januar die Sonne den Weiler wieder erreicht, wird bei der Pension Lagrev die Terrasse geöffnet. Langläufer und Spaziergänger kommen über den See, gehen bei der nördlichen Spitze des Sasc da Corn, einem bewaldeten Hügel, an Land und folgen den Wegen über das Delta hinauf zum kleinen Ort. Bei Polenta und Nusstorte sitzt man draussen in der Wintersonne oder in der gemütlichen, kleinen Gaststube. Natürlich ist die Küche das ganze Jahr über empfehlenswert. Wer Isola im Sommer besucht, hat zwei Möglichkeiten. Entweder gemächlich auf der Fahrstrasse von Maloja her oder über die Ebene von Sils den Pfad am Hang entlang, mit herrlichem Blick auf den See. Geniesser lassen sich keinen der beiden Wege entgehen.
Zwischen Isola und Sils verläuft die Sprachgrenze. Sils ist Teil des rätoromanischen Sprachraums, Isola gehört mit Maloja zum italienischsprachigen Bergell. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kamen die Bauern aus dem Südtal im Sommer mit ihren Tieren hinauf nach Isola, mähten die Wiesen und stellten Käse her, im Herbst wanderten sie zurück ins Bergell. In den Wintern, wenn der See zugefroren war, kamen die Männer mit den Tieren zurück und verfütterten das eingelagerte Heu.
Ein beeindruckendes Erlebnis – gerade für Kinder: die abendliche Rückkehr der Ziegenherde ins Dörfchen und wie die Tiere den steilen Hang oberhalb der Brücke meistern. Übrigens: Frischen Ziegenkäse bekommt man mitten im Dorf bei Familie Pedroni-Cadurisch.
Im Sommer ist ein Bad im See ein erquickendes Erlebnis. Geeignet ist das seichte Ufer gegen Maloja hin sowie die kleine Bucht rechts vom Sasc da Corn.

2
Isola am Silsersee
7516 Maloja
Startpunkt Wanderung: Parkplatz Capolago/Cadlägh
Capolago
7516 Maloja
Pensione Ristorante Lagrev
Isola
7516 Maloja
0041 081 8243591
www.lagrev.ch
3 An der Quelle des Inns
Maloja: Aufstieg zum Lunghinsee
Am Ortseingang von Maloja in Cadlägh gibt es einen Parkplatz, von wo aus der direkte Aufstieg hinauf zum Lägh da Lunghin beginnt. Eine steile und schweisstreibende Plackerei, die am besten frühmorgens in Angriff genommen werden sollte. Entschädigt wird man durch den Blick auf den Silsersee und hinein ins Tal der Orlegna auf der anderen Talseite. Der Lägh dal Lunghin, ein kleiner tiefblauer Bergsee, liegt gut geschützt zwischen steilen Bergflanken. Kühe weiden an seinem Ufer. Kaum vorstellbar, dass der leise murmelnde Bach 517 Kilometer weiter talwärts zum mächtigen Alpenfluss Inn heranwächst.
Auf der südlichen Seite des Sees geht es weiter aufwärts. Für trittsichere Berggänger sei die Route über den Grat zum Gipfel des Piz Lunghin empfohlen. Wenn man dem Tal hinauf zum Pass folgt, so überquert man Geröllfelder, die noch vor einigen Jahrzehnten vom nun weggeschmolzenen Gletscher bedeckt waren. Pionierpflanzen bilden Kissen und besiedeln den kargen Boden.
Auf dem Pass Lunghin befindet sich die einzige dreifache Wasserscheide der Alpen. Aus einem kleinen Becken fliesst Wasser nach Norden über Julia und Rhein in die Nordsee, nach Westen über Maira und Po in die Adria und nach Osten über den Inn und die Donau ins Schwarze Meer. Unter uns liegt der von den Römern rege benutzte Septimerpass, der vom Bergell nach Bivio führt.
Der Weg hinunter nach Maloja führt vorbei an den Wasserfällen des jungen Inns hinunter in den Ortsteil Pila. Hier wurden vom legendären Metzger Renato Giovanoli die weitum besten Würste hergestellt. Leider fand sich kein Nachfolger, der die Tradition weiterführen konnte. Zurück in Maloja lohnt es sich, dem Atelier Segantini einen Besuch abzustatten. Im Pavillon gibt es wechselnde Ausstellungen zum Werk von Giovanni und Gottardo Segantini.
Der Sentiero Giovanni Segantini umfasst Stationen wie Wohnhaus, Atelier, Entstehungsorte bekannter Bilder sowie das Grab des Malers auf dem Friedhof.

3
Leij da Lunghin
Starpunkt Wanderung:
Parkplatz Capolago/Cadlägh
Capolago
7516 Maloja
Atelier Segantini
Via Giovanni Segantini 3
7516 Maloja
0041 79 442 27 23
www.segantini.org
0041 081 8243113
4 Steil nach oben
Maloja: Malojapass (1.815 Meter) ab Chiavenna
Vom italienischen Chiavenna, dem Grenzstädtchen mit mediterranem Flair, steigt das Gelände auf einer Strecke von 32 Kilometern Stufe für Stufe um 1.482 Höhenmeter an. Der einzige Pass endet auf 1.815 Metern in Maloja und verfügt über keine Abfahrt auf der Ostseite.
Bereits die Römer legten einen Saumweg an. Lange Zeit war die direkte Verbindung über den Septimerpass wichtiger, der auch von Karren befahren werden konnte. Ab dem 16. Jahrhundert gewann die Route an Bedeutung, im 19. Jahrhundert wurde dann eine Strasse erbaut, auf der ab 1846 eine Postkutsche zwischen Samedan und Chiavenna pendelte. Im 17. Jahrhundert planten die Habsburger den Bau eines Schifffahrtskanals von Wien nach Mailand über den Malojapass. Ebenfalls in der Projektierungsphase stecken geblieben ist das Vorhaben, eine Bahnlinie von St. Moritz hinunter nach Chiavenna zu bauen. Das Abschlussgleis beim Bahnhof St. Moritz erinnert daran.
Die mächtigen Häuser im Bergell zeugen vom Reichtum, den der Passverkehr mit sich brachte. Auch hatte das Tal eine grosse Bedeutung im Handel mit dem Veltlin. Mit Einsetzen des Alpentourismus wurde die Route durch das Bergell zum Hauptzubringer für Gäste aus Norditalien. Nach einer kurzen Blütezeit dämmerte das stolze Hotel Bregaglia in Promontogno über die Jahre dahin. Zum Glück, denn so fehlte das Geld für eine Renovierung. Das Bregaglia bietet Übernachtungen in den herrlich altmodischen Räumen und eine gute einheimische Küche.
Unterhalb der letzten Steigung liegt das Dörfchen Casaccia. Links oberhalb des Dorfes steht die Wallfahrtskirche San Gaudenzio, die im Zuge der Reformation 1551 entweiht wurde und deren Reliquien und Bilder im Fluss Orlegna landeten. Die Kirche – ohne Dach – ist bis heute ein ganz spezieller Ort der Stille geblieben.
Oben am Abhang steht der Belvedere-Turm. Er wurde von Graf Camille de Renesse als Residenz geplant und bietet eine fantastische Rundsicht.

4
Der Turm Belvedere
ist Wahrzeichen am
Malojapass
Zwischen Chiavenna
und Maloja
www.bregaglia.ch
Hotel Bregaglia
7606 Promontogno
0041 081 8221777
5 Im Süden angekommen
Bregaglia: Ausflug ins Bergdorf Soglio
Soglio liegt auf einer Sonnenterrasse auf 1.090 Metern. Am äusseren Rand des Dorfes hoch über dem Tal steht ein mehrstöckiges Herrschaftshaus und die denkmalgeschützte Kirche aus dem Jahr 1354 mit angrenzendem Friedhof. Hier hat man eine einmalige Sicht auf die steilen Granitwände der Scioragruppe und auf den Bondascagletscher auf der anderen Talseite. Gleich hinter der Kirche beginnt ein Gewirr von gepflasterten Gassen, Häusern und Ställen. Gedeckte Brunnen, lauschige Plätze, von hohen Mauern eingefasste Gärten und die stattlichen Palazzi der Familie von Salis geben dem Bergdorf einen Hauch von Italianità, dem südlichen Lebensgefühl. Aus der Vogelperspektive sieht man, wie eng die mit Steinplatten gedeckten Häuser zusammengebaut sind.
Im Jahr 1630 erbaute Ritter Baptista von Salis seinen stattlichen Palazzo. Die Familie war durch fremde Kriegsdienste und lukrative Ämter in den Untertanengebieten im Veltlin zu Macht und Geld gekommen. Als durch die Neuordnung Europas 1797 das Veltlin und Chiavenna vom Freistaat der Drei Bünde abgetrennt wurde, verlor die Familie viel von ihrem Eigentum und verliess das Dorf. Seit über 100 Jahren ist der Palazzo Salis ein Hotel. Die Einrichtung aus vier Jahrhunderten sowie der Park mit den zwei Mammutbäumen machen den Palazzo einzigartig. Setzt man sich in den romantisch barocken Garten aus dem 17. Jahrhundert, fühlt man sich dem ehedem Inspiration suchenden Rainer Maria Rilke ganz nah.
Ein schöner mit Steinplatten belegter Weg führt erst über die Ebene hinter dem Dorf und dann durch einen der schönsten Kastanienwälder Europas hinunter nach Promontogno. Im Herbst werden die Früchte gesammelt und in die Cascinna gebracht, eine kleine Hütte im Wald, in der man sie über dem Feuer trocknet. Danach werden Säcke voller getrockneter Kastanien zum Schälen auf Holzblöcke geschlagen.
Ein kinderwagentauglicher Pfad oberhalb von Castasegna erzählt viel über die Geschichte und die Verwendung der Kastanie, die auch als Brot der Armen diente.

5
Bergdorf Soglio
7610 Bregaglia
Hotel Palazzo Salis
7610 Soglio
0041 081 8221208
www.palazzo-salis.ch
6 Wenn die Landschaft …
Bregaglia: Bergsturz bei Bondo
Im italienischen Piuro gleich hinter der Grenze verschüttete um 1618 ein nächtlicher Bergsturz den gesamten Ort, es gab gegen 1.000 Todesopfer. Übrig geblieben ist der herrschaftliche Palazzo Vertemate Franchi am gegenüberliegenden Hang. Das Renaissancebauwerk ist ein absolutes Highlight auf dem Weg hinunter ins italienische Chiavenna (www.palazzovertemate.ch).
Fast 400 Jahre später kam es 2017 an der Nordflanke des Piz Cengalo zu einem vergleichbaren Felsabbruch. Bereits im Vorfeld stellten die Geologen erhöhte Steinsbewegungen fest, man glaubte allerdings, dass die instabile Flanke des Berges in kleinen Mengen abrutschen würde. Am 23. August kam es jedoch zu einem enormen Sturz mit vier Millionen Kubikmetern Gestein. Die Felsmassen fielen auf den darunterliegenden Gletscher hinab, die Energie brachte das Eis zum Schmelzen und die Mischung aus Geröll und Wasser raste talwärts. Die Mure füllte das Val Bondasca auf einer Breite von 100 Metern auf. Acht Berggänger, die im Tal unterwegs waren, kamen ums Leben. Dank einem Auffangbecken entstand im Dorf Bondo an Gebäuden und Fahrzeugen zwar Sachschaden, die Bewohner konnten sich jedoch in Sicherheit bringen. Die Kantonsstrasse wurde hingegen stark beschädigt und war längere Zeit gesperrt.
Einen guten Überblick über das Gebiet erhält man bei einem Spaziergang vom Parkplatz beim Hotel Bregaglia aus. Es geht dem Hang entlang zum Einschnitt der Valle Bondasca und über die Brücke nach Bondo. Das Dorf ist bekannt für seine Palazzi mit den schönen Gärten. Seit dem Murgang von 2017 sind die Wanderwege ins Val Bondasca und hinauf zu den beiden Hütten des Alpenclubs SAC Capanna Sasc Furä und Capanna Sciora gesperrt. 2019 wurde ein neuer Weg in die Capanna Sasc Furä eröffnet.
Zwischen Bondo und Castasegna steht die extravaganteste Tankstelle Graubündens. Der 1962/63 entstandene Betonpilz mit elf Metern Durchmessern ist eine Referenz an die steilen Bergflanken der Umgebung.

6
Bergsturz bei Bondo
Aussichtspunkt: Hotel Bregaglia
Promontogno (Bondo)
7606 Bregaglia
Stazione die Servizio
Strada Cantonale 42
7608 Castasegna
7 Der steinerne Kuss
Bregaglia: Architektur und Kunst in Coltura und Stampa
Unterhalb von Stampa neigen sich zwei mächtige Felsbrocken gegeneinander, als würden sie sich küssen. Die Strasse führt unter diesem Kuss vorbei, der wohl schon eine kleine Ewigkeit dauert.
In Coltura steht nicht weit von der Strasse der Palazzo Castelmur – mit turmbewehrter Fassade im maurischen Stil. Das 1723 erbaute Patrizierhaus wurde von Baron Giovanni de Castelmur gegen Süden erweitert und mit einer prunkvollen Innenausstattung im Stil Louis Philippes ausgestattet. Der Vater von Giovanni hatte sein Geld mit einer Konditorei in Marseille gemacht, der Baron führte eine Konditorei in Nizza und kehrte als wohlhabender Mann ins Tal zurück. Haus und Garten gehören heute dem Comune di Bregaglia und sind öffentlich zugänglich. Sehenswert ist die Dauerausstellung über die Auswanderung und das Bündner Zuckerbäckerwesen.
Ebenfalls in Coltura steht das vom Architekten Bruno Giacometti erbaute Oberstufenschulhaus, ergänzt durch einen Bau von Mierta und Kurt Lazzarini mit einer Fassade aus Kastanienholz und Flussgestein. Bruno, der jüngste Sohn der Künstlerfamilie Giacometti, der 2012 im Alter von 105 Jahren starb, entwarf unter anderem auch das Postgebäude in Maloja. Bei der nächsten Brücke flussaufwärts, die hinüber nach Stampa führt, steht auf der linken Seite das Haus der Familie Giacometti. Hier wurde auch der weltberühmte Plastiker und Maler Alberto geboren, der mit seinen dünnen Figuren Weltruhm erlangte. Gleich an der Strasse befand sich sein Atelier.
Im Museo Ciäsa Granda mitten in Stampa gibt es unter anderem einen wunderbaren Saal, der den grossen Bergeller Künstlern gewidmet ist. Die Giacomettis Giovanni, Alberto, Diego, Bruno und Augusto sind vertreten. Ihre letzte Ruhe haben die Giacomettis auf dem Friedhof in Borgonovo gefunden.
In Stampa an der Strada Cantonale 86 findet man das geschmackvoll eingerichtete Bed and Breakfast Pontisella samt Butéga mit regionalem Kunsthandwerk. Das Frühstück mit regionalen Produkten ist einmalig (www.pontisella-stampa.ch).

7
Der Palazzo Castelmur in Stampa-Coltura
Coltura
7605 Stampa
0041 81 822 15 54
www.palazzo-castelmur.ch
Museo Ciäsa Granda
Strada Principale 102
7605 Stampa
0041 081 8221716
www.ciaesagranda.ch
8 Zwischen Wasser und Himmel
Sils: Schifffahrt auf dem Silsersee
Rund um den Silsersee gibt es wunderschöne Wander- und Spazierwege. Einige führen direkt am Ufer entlang, andere verlaufen in den Berghängen und bieten eine beeindruckende Sicht auf das Wasser. So kann man von Crasta im Fextal aus nach Petpreir und zur Alp Ca d’Starnam am Eingang des wilden und einsamen Val Fedoz wandern. Die Route führt dann weiter nach Maloja. Auf der anderen Seite des Tales lockt ab Sils Baselgia der Höhenweg über Grevasalvas und Blaunca nach Maloja. Das oberhalb von Plaun da Lej gelegene Grevasalvas wurde mit der stimmigen Verfilmung des Klassikers Heidi von 1978 bekannt, auch heute vermag das gut erhaltene Maiensässdorf zu faszinieren.
Die Orte rund um den grössten See Graubündens werden durch die höchstgelegene Schifffahrtslinie Europas verbunden. Die MS Segl Maria verkehrt vier Mal täglich, Kapitän Franco Giani führt das Boot sicher über das weite Blau. Gianis Grossvater kam 1907 aus wirtschaftlichen Gründen vom Comer See nach Sils. Franco Giani fährt nun in der dritten Generation und mit dem dritten Motorschiff als Kapitän auf 1.800 Metern dem Licht entgegen und bringt Wanderer von Sils nach Maloja oder von Plaun da Lej nach Isola.
Für Spaziergänger, die es gerne etwas gemütlich angehen, eignen sich die Wege bei Sils, die den See entlang bis zur Halbinsel Chastè führen. Wenn man Glück hat, findet man im Herbst am Wasser eine sogenannte Silserkugel. Die gelben Kugeln bestehen aus Lärchennadeln, die durch die Wellenbewegungen zusammengeknetet und in eine runde Form gebracht werden. Wer kein Glück hat, bekommt die Silserkugeln auch in Schokoladenform in den Konditoreien.
Aus eigener Kraft auf den See hinaus? Franco Giani vermietet bei seinem Bootshaus Ruderboote. Ruderboote und Pedalos kann man auch bei der Segelschule in Plaun da Lej mieten, ausserdem bietet die Schule Segelkurse an.
Lust auf Fisch? Das Restaurant Murtaröl in Plaun da Lej serviert Fisch, Hummer, Krebse, Langusten und Muscheln direkt vom Markt in Mailand.

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Silser Schifffahrtsgesellschaft
7514 Sils
0041 079 4243227
www.sils.ch/schifffahrt
Plaun da Lej Resort
Via dal Malögia 14
7517 Plaun da Lej
0041 081 8265350
www.plaundalej.ch
9 Also sprach Zarathustra
Sils: Nietzsche-Haus
Im Juli 1881 kam Friedrich Nietzsche das erste Mal nach Sils. Das Klima tat ihm gut, in der Abgeschiedenheit der Bergwelt konnte er schreiben. Der Schriftsteller wohnte und arbeitete während sieben Sommern bis 1888 im Haus der Familie Durisch. 1960 übernahm eine Stiftung das Haus und errichtete ein Museum darin. Neben Bibliotheken und vielen Bildern sowie Manuskripten gibt es eine Stube mit Mobiliar aus der Zeit, als Nietzsche Professor in Basel war, und das Arbeitszimmer des Dichters zu sehen. Damit das Haus »lebendig« bleibt, werden Zimmer an Künstler, Schriftsteller, Studenten oder Journalisten vermietet.
Nach Nietzsche kamen weitere Geistesgrössen ins Hochtal, so etwa Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke. Bis heute tun es ihnen Menschen wegen der speziellen Stimmung nach, lassen sich vom Licht verzaubern. Es scheint, als ob hier Ideen, als ob hier Bilder in der Luft liegen würden.
Ein Lieblingsort von Friedrich Nietzsche war die Halbinsel Chastè (romanisch: das Schloss), die weit in den Silsersee hinausragt. Mauerreste auf der Insel erinnern noch an das Kastell. Wenn der See im Dezember zufriert, ohne dass ihn eine Schneeschicht zudeckt, sieht man unter dem von Blasen durchzogenen Schwarzeis Wurzeln und Steine, dann den Übergang in die schwarze Tiefe des Sees. Um Tiefe geht es auch im Gedicht, das ganz vorne an der Halbinsel in Stein gemeisselt ist: O Mensch! Gib acht! Was spricht die tiefe Mitternacht? …
Also sprach Zarathustra ist eines der Hauptwerke des Schriftstellers und zum Teil in Sils entstanden. Ein Buch für alle und für keinen. Nicht weit von der Halbinsel Chastè schrieb auch die aus gutem Haus stammende Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach, die von ihrer Familie nie ganz anerkannt wurde und sich oft nach Sils zurückzog, wo sie 1942 starb.
Die feine Biblioteca Engiadinaisa bietet Blick auf den See und vom Kinderbuch bis zum Krimi die passende Ferienlektüre. Hier werden Sie fündig!

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Nietzsche-Haus
Via da Marias 67
7514 Sils-Maria
0041 081 8265369
www.nietzschehaus.ch
Biblioteca Engiadinaisa
Via da Baselgia 46
7515 Sils Baselgia
0041 081 8265377
www.bibliotecasegl.ch
10 Hort der Kultur
Sils: Hotel Waldhaus und Hotel Fex im Val Fex
Was haben Thomas Mann, Hermann Hesse, Joseph Beuys und Erich Kästner gemeinsam? Sie alle logierten schon im 1908 eröffneten Hotel Waldhaus in Sils. Das Waldhaus wird bereits in der fünften Generation von den Familien Kienberger und Dietrich geführt. Im hoch über dem Dorf und See gelegenen Hotel legt man viel Wert auf die Erhaltung der Substanz und die Förderung der Kultur. Grosse Panoramafenster öffnen den Blick, in der Halle scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, man lauscht der Musik, liest, plaudert. Der wahre Luxus ist wohl, ungezwungen Zeit verstreichen zu lassen.
Das Waldhaus liegt an der Strasse zum Val Fex. Dieses breite Seitental wird ganzjährig bewohnt. Da hier ein Fahrverbot herrscht, ist eine Kutschenfahrt von Sils durch die verschneite Landschaft ins Tal hinein eine gute Möglichkeit, die Landschaft zu erleben. Es gibt auch eine Langlaufspur, spektakulär ist der Gang durch die Schlucht. Man geht vom Platz mit den Pferdekutschen beim Gemeindehaus geradeaus, das Tal verengt sich, der Bach gurgelt in seinem Bett. Nach einem kurzen Aufstieg erreichen Sie Fex Platta, auf einmal ist die Weite da, das Licht und die Berge rundherum. Weiter oben Fex Crasta mit der kleinen Kirche und den sehenswerten Fresken im Chorgestühl! Im Sommer kann man rechts an der Bergflanke den Weg weiter ins Tal fortsetzen, er ist nicht nur für Blumenfreunde empfehlenswert.
Das Hotel Fex, ursprünglich ein Teil des Bäderkomplexes in St. Moritz Bad, wurde um 1900 demontiert und hier wieder aufgebaut. Im Haus ist die Pionierzeit des Tourismus noch spürbar. Die Patina des getäfelten Speisesaals, des Salons und der Veranda erinnert an die vielen Gäste, die hier schon ein- und ausgegangen sind. Ab hier fahren keine Kutschen mehr, es lohnt aber, weiter ins Tal bis wenigstens zur Alp zu spazieren. Alternativ nehmen Sie die Schotterstrasse mit dem Mountainbike in Angriff.
Nach der Wanderung entspannen Sie im Solbad des Hotels Schweizerhof im Zentrum von Sils Maria – an einem Winterabend im Aussenbecken ein besonderes Erlebnis!

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Hotel Waldhaus
Via de Fex 3
7514 Sils Maria
0041 081 8385100
www.waldhaus-sils.ch
Hotel Fex
Via da Fex 73
7514 Fex
0041 081 8326000
www.hotelfex.ch
Rund um St. Moritz

11 Nicht nur für Verrückte
Silvaplana: Bergstation Corvatsch und Restaurant 3303
Auf 3.303 Metern über dem Meer liegt die Bergstation der Corvatschbahn, hier befindet sich das höchstgelegene Panoramarestaurant der Ostalpen, in dem auch kulinarische Höhenflüge erlebbar werden.
Der Hochseilartist Freddy Nock lief im Jahr 2011 auf dem 56 Millimeter dicken Tragseil, ausgerüstet nur mit einer Balancestange, von der Bergstation hinunter zur Mittelstation, eine Riesenleistung, an die man auf der Bergfahrt mit Blick in die bodenlose Tiefe kaum zu denken wagt. Auf dem Corvatsch erbringt man gerne Spitzenleistungen. Viel Action ist bei Engadinsnow angesagt, die besten Freerider der Welt treffen sich am Berg und nehmen die von der Gondelbahn aus gut zu sehende Corvatsch-Nordwand in Angriff.
Während der Wintersaison findet jeden Freitag die Snow Night statt. Auf der längsten beleuchteten Piste der Schweiz tummeln sich unter dem Engadiner Sternenhimmel die Schneesportbegeisterten. Natürlich stehen den Gästen die diversen Restaurants offen, damit man sich aufwärmen kann nach einer stiebenden Fahrt in der klirrenden Kälte. Die 14 Transportanlagen und die 120 präparierten Pistenkilometer lassen keine Wünsche der Skifahrer offen. Ein Freestylepark und der Bagjump, eine Schanze mit Mattenlandung, vervollständigen das Angebot. Bei windigem Wetter kann es auf dem Corvatsch empfindlich kalt sein, gerade bei der Abfahrt vom Gipfel ist man den Elementen voll ausgesetzt!
Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Fahrt von Sils bis Celerina. Start ist bei der Furtschellas-Bahn, dann geht es hinüber an den Corvatsch. Die neun Kilometer lange Traumpiste führt über den Hahnensee nach St. Moritz Bad. Nun geht es mit der Signalbahn hinauf ins Corviglia-Skigebiet und hinüber nach Marguns. Diese abwechslungsreiche Ski-Safari kann mit einer einzigen Tageskarte absolviert werden.
Das gediegene Restaurant Hahnensee auf 2.153 Metern erreicht man von der Corvatsch Mittelstation. Es liegt an der Traumpiste hinunter nach St. Moritz.

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Panorama der Berninagruppe an der
Bergstation Corvatsch
und Restaurant 3303
7513 Silvaplana
0041 81 838 73 60
www.corvatsch.ch
Bergrestaurant Hahnensee
7500 St. Moritz
0041 081 8333634
12 Die gespiegelten Eisriesen
Silvaplana: Übergang Fuorcla Surlej mit Berggasthaus
Auf einem breiten Weg erreicht man von der Corvatsch Mittelstation Murtèl aus die Fuorcla Surlej, den Übergang hinunter ins Val Roseg. Das gleichnamige Berggasthaus auf 2.755 Metern wird bereits in der dritten Generation von der Familie Rähmi geführt. Überwältigt setzen Sie sich auf einen Stein und geniessen. Da stehen hoch und mächtig der Piz Tschierva, der Piz Morteratsch, der Piz Bernina und der Piz Roseg. Von der Panoramaterrasse des Berghauses aus sieht man den berühmten Biancograt, die weisse Himmelsleiter hinauf zum Piz Bernina, dem einzigen Viertausender der Ostalpen. Mit dem Fernglas sind die Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel gut zu erkennen. Bei schlechtem Wetter und im Winter bietet Fuorcla Surlej eine gemütliche Gaststube. Unbedingt die Nusstorte versuchen!
In gut zwei Stunden Marschzeit erreicht man von der Fuorcla Surlej aus, ohne grosse Höhenunterschiede bewältigen zu müssen, die Chamanna Coaz, immer oberhalb des Roseggletschers. In den Hütten des Schweizerischen Alpenclubs sind auch Tagesgäste herzlich willkommen. Das Hüttenteam verwöhnt die Wanderer mit wechselnden Spezialitäten, im Herbst beispielsweise mit Wildgerichten aus eigener Jagd. Die Coazhütte, ganz vorne auf einem Felskopf mit Blick hinunter auf die Spaltenlandschaft des Roseggletschers, eignet sich gut für eine Übernachtung. Am Abend zuschauen, wie die Sonne untergeht und die Berge ins milde Abendlicht taucht, mit den Bergsteigern essen, ihren Geschichten lauschen und dann müde ins Massenlager sinken – ein unvergessliches Erlebnis (www.coaz.ch).
Wer es gerne gemütlich hat, fährt mit der Bahn zurück nach Silvaplana. Es gibt auch einen abwechslungsreichen Wanderweg der Piste entlang über Alpweiden und durch verschiedene Vegetationsstufen bis hinab ins Tal.
Etwas steil ist der Abstieg hinunter ins Val Roseg. Vom Restaurant Roseggletscher aus kann man dafür mit der Pferdekutsche nach Pontresina gondeln.

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Übergang Fuorcla Surlej
Startpunkt: Mittelstation Murtèl
Via dal Corvatsch 73
7513 Silvaplana
Berghaus Fuorcla Surlej
Via da l’Alp
7513 Silvaplana
0041 081 8426303
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