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Toby Hemenway
GAIAS
GARTEN
Mit Permakultur nachhaltig gärtnern -
Die perfekte Anleitung für Selbstversorger


Impressum
Toby Hemenway
GAIAS GARTEN
Mit Permakultur nachhaltig gärtnern - Die perfekte Anleitung für Selbstversorger
1. deutsche Ausgabe 2021
ISBN 978-3-96257-210-5
© Narayana Verlag 2021
Titel der Originalausgabe:
GAIA’S GARDEN
A Guide to Home-Scale Permaculture
Second Edition
Copyright © 2000, 209 by Toby Hemenway
Narayana Verlag GmbH edition published by arrangement with Chelsea Green Publishing Co, White River Junction, VT, USA www.chelseagreen.com
Übersetzung aus dem Englischen: Gecko Lingua Translations International
Illustrationen © 2009 Elayne Sears
Fotografien © 2009 Toby Hemenway
Coverlayout: Peter Holm, Sterling Hill Productions
Herausgeber:
Unimedica im Narayana Verlag GmbH, Blumenplatz 2, D-79400 Kandern
Tel.: +49 7626 974 970–0
E-Mail: info@unimedica.de
www.unimedica.de
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Die Empfehlungen in diesem Buch wurden von Autor und Verlag nach bestem Wissen erarbeitet und überprüft. Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.
Für Kiel
Und in liebevoller Erinnerung an meine Eltern, Tee und Jackie, und meine Schwester Leslie
INHALT
Liste der Tabellen
Vorwort zur zweiten Auflage
TEIL EINS: Der Garten als Ökosystem
1. Der ökologische Garten – Einführung
2. Die Ökologie eines Gärtners
3. Entwurf eines ökologischen Gartens
TEIL ZWEI: Die Teile des ökologischen Gartens
4. Den Boden zum Leben erwecken
5. Wasser gewinnen, sparen und nutzen
6. Pflanzen vielseitig einsetzen
7. Bienen, Vögel und andere Nützlinge in den Garten locken
TEIL DREI: Den ökologischen Garten aufbauen
8. Gemeinschaften im Garten schaffen
9. Gartengilden entwerfen
10. Einen Nahrungswald pflanzen
11. Gärtnern in der Stadt mit Permakultur
12. Und der Garten explodiert
ANHANG
Eine Auswahl an Nutzpflanzen
Glossar
Literaturverzeichnis
Index
Bezugsquellen
Über den Autor
LISTE DER TABELLEN
2-1. Unterschiede zwischen jungen und voll entwickelten Ökosystemen
3-1. Das sollte man beachten – Gestalter-Checkliste
3-2. Die Verbindungen eines Birnbaums
3-3. Das Zonensystem: Funktionen und Inhalte
4-1. Kohlen- zu Stickstoffanteile (K:S) in normalen Mulch- und Kompostmaterialien
4-2. Gründüngung
5-1. Fünf Wassersparmethoden und ihre Vorteile
5-2. Nützliche Pflanzen aus Mittelmeerklimaten
5-3. Pflanzen für ein Brauchwasser-Feuchtgebiet
6-1. Zum Stapeln (und als Toilettenpapier)
6-2. Dynamische Nährstoffspeicher
6-3. Stickstoffbinder
6-4. Eine Auswahl an verbreiteten essbaren Wildkräutern
6-5. Ammenpflanzen
7-1. Wirtspflanzen für nützliche Insekten
7-2. Nützliche Pflanzen für Vögel
7-3. Pflanzen, die Grünfutter für Geflügel bieten
9-1. Angehörige der Weißeiche-/Haselnuss-Gemeinschaft
9-2. Funktionen der Pflanzengilden
10-1. Pflanzen für den Waldgarten
Anhang Eine Auswahl an Nutzpflanzen
Große Bäume, 15 Meter und höher
Stauden und kleine Bäume, 1-15 Meter hoch
Nützliche Pflanzen für die Krautschicht
Nützliche Rank- und Kletterpflanzen
VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE
Als die erste Auflage von Gaias Garten in Druck ging, führten die Mitarbeiter bei Chelsea Green, meine Agentin und ich rege Diskussionen darüber, ob auf dem Titel des Buchs der Begriff Permakultur erscheinen sollte. Im Jahr 2000 hatten erst wenige Leute den Begriff gehört und wir alle hatten Zweifel, ob wir ihn benutzen sollten. Würde das Wort potenzielle Leser anlocken oder sie nur verwirren? In den darauffolgenden Jahren ist die Permakultur zwar nicht zu einem Alltagsbegriff geworden, doch sie ist in den Medien aufgetaucht, wurde an mehreren Dutzend Universitäten gelehrt und hat ein Basisnetzwerk aus vielen Tausenden von Menschen gebildet, die sie anwenden. Daher fühle ich mich in dieser Ausgabe wohl dabei, etwas tiefer in die Natur der Permakultur einzutauchen. Wenn Sie immer noch nicht wissen, was Permakultur ist, wird das erste Kapitel helfen, dies zu erklären.
Obwohl die Permakultur viele Disziplinen umfasst, kommen die meisten Leute über das Gärtnern und ihre Liebe zu Pflanzen dazu. Auch wenn die permakulturellen Aspekte dieses Buches in dieser erweiterten Ausgabe deutlicher hervortreten, bleibt das Buch dennoch mehr gartenorientiert und ist kein umfassender Leitfaden zu allen Aspekten der Nachhaltigkeit.
Eine zweite Veränderung, die eine gewisse Erklärung erfordert, hat sich in den Jahren seit der ersten Ausgabe ergeben. Als ich Gaias Garten geschrieben habe, lebten wir auf vier Hektar überwiegend bewaldetem Land außerhalb von Oakland, Oregon, in einem Dorf mit 850 Einwohnern im sehr ländlichen Douglas County. Dort erlernte ich die Konzepte und Methoden, die im Buch beschrieben sind, und ich spreche oft von unserem Oakland-Zuhause. Doch das Leben ist immer in Veränderung und viele Umstände, auch der Erfolg dieses Buches, führten dazu, dass wir näher an Menschen sein mussten. Wir sind seitdem nach Portland, Oregon umgezogen, drei Autostunden nördlich, und leben jetzt auf einem kleinen Stadtgrundstück. Das hat zu zwei Änderungen im Buch geführt: Der Bezug auf unser Zuhause im südlichen Oregon ist nun in der Vergangenheitsform, und ich habe ein Kapitel zu Permakultur-Gärtnern in der Stadt hinzugefügt. Das Buch hat sich immer auf ein typisches nordamerikanisches Grundstück von 1000 m2 oder weniger konzentriert, doch das Leben in der Stadt und die Landschaftsgärtnerei stellen eine Reihe einmaliger Herausforderungen und Chancen für den ökologischen Gartenbau bei kleinerem Platzangebot dar. Da drei Viertel der Bevölkerung auf diesem Kontinent in Ballungsräumen wohnen, wollte ich allen von uns – selbst denen, die überhaupt keinen Garten haben – Werkzeuge an die Hand geben, um unsere Landschaften zu nutzen. Diese Werkzeuge verringern unseren ökologischen Fußabdruck und lassen uns eigenständiger werden, während sie gleichzeitig den Lebensraum für die immer stärker bedrohten Wildtiere verbessern.
Dieses Buch nahm seinen Anfang, als ich einen Garten besuchte, der sich anders anfühlte als jeder andere, den ich je gesehen hatte.
Beim Durchqueren eines alten Walds oder Schnorcheln durch ein Korallenriff habe ich eine Lebendigkeit gespürt, das Gefühl, dass viele Teile ineinandergreifen, um ein lebendiges und dynamisches Ganzes zu bilden. Diese Orte strahlen eine natürliche Fülle aus. Leider fehlte das in allen menschengemachten Landschaften, die ich besucht habe. Natürliche Landschaften strotzen vor Aktivität, sie summen vor Leben im Vergleich zu unseren eigenen. Warum kann die Natur mit sorgloser Anmut eine ausgelassene Fülle über Wald oder Prärie ergießen, während wir Menschen es kaum schaffen, ein paar Blumen zu ziehen? Warum bieten unsere Gärten dem Rest des Lebens so wenig? Unsere Gärten erscheinen häufig eindimensional, ganz einfache Orte mit paar Gemüse oder Blumen, wenn überhaupt. Doch die Natur kann tausend Dinge auf einmal: Insekten und Vögel, Schlangen und Rehe ernähren und ihnen Schutz bieten, Wasser sammeln, speichern und reinigen, den Boden erneuern und anreichern, die Luft reinigen und mit Duft parfümieren und so weiter und so fort.
Dann begegnete mir ein Garten, der die wilde Lebendigkeit der Natur hatte und gleichzeitig voller Früchte und essbarem Grün war. Schon bald fand ich weitere. An diesen Orten hatte eine wachsende Anzahl von Pionieren mithilfe neuer Techniken aus Permakultur und ökologischer Gestaltung sowie alter Techniken von Ureinwohnern und biologischem Gartenbau Landschaften geschaffen, die sich wie Natur anfühlen, aber auch ein reichhaltiges Zuhause für die Menschen bieten. Das sind wahre Garten-Ökosysteme, die mit aus der Natur entlehnten Methoden und Konzepten arbeiten und sich so lebendig wie ein Wald anfühlen. Ich wollte wissen, wie man diese Plätze schafft und anderen helfen, mehr von diesen Plätzen zu gestalten. Gaias Garten ist das Ergebnis.
Diese Gärten stellen eine neue Landschaft dar, die Menschen und den Rest der Natur gleichermaßen versorgt. Man könnte sie vielleicht »essbarer Landschaftsbau trifft auf Wildnisgärtnern« nennen, aber sie sind viel mehr. Dies sind echte Garten-Ökosysteme – nicht nur unterbrochene Fragmente – die ebenso widerstandsfähig, abwechslungsreich, produktiv und schön wie in der Natur sind. Sie sind nicht einfach nur Attraktionen voller Blumen oder linealgerade Anordnungen von Reihenkulturen. Sie sind jedoch auch nicht das Brombeergestrüpp, an dem man viele Naturgärten erkennt. Es sind Orte, an denen bewusstes Design mit einem Respekt und Verständnis der natürlichen Prinzipien verschmolzen sind. Das Ergebnis ist eine lebendige und ausgelassen üppige Landschaft, in der alle Teile zusammenarbeiten, um Nahrung, Blumen, medizinische und kulinarische Kräuter, ja sogar handwerkliche Güter und Einkommen für die menschlichen Bewohner hervorzubringen und gleichzeitig einen vielfältigen Lebensraum für hilfreiche Insekten, Vögel und andere Wildtiere zu bieten. Orte, an denen die Natur das meiste tut und Menschen ebenso willkommen sind wie andere Bewohner der Erde.
Obwohl dieses Buch umweltfreundliche Landschaften zum Thema hat, ist es kein Ökofanatikermanifesto. Es ist ein Buch übers Gärtnern, voller Techniken und Gartenwissen. Aber zwischen den Zeilen steckt ein Plädoyer für weniger Konsum und mehr Autarkie. Jeder, der dieses Buch in die Hand nimmt, ist sich wohl der Umweltzerstörung bewusst, die der Mensch in den letzten Jahrzehnten angerichtet hat. Ich werde meine Leser daher nicht mit düsteren Statistiken konfrontieren. Es genügt zu sagen, dass wir es besser machen müssen. Dieses Buch ist der Versuch, einen Weg zu zeigen, wie wir das anstellen können. Unsere heimischen Landschaften verschlingen immense Ressourcen – weit mehr Wasser, Dünger und Pestizide pro 5000 m2 als jeder industrialisierte Betrieb. Und die Befriedigung unserer Bedürfnisse treibt die unerbittliche Umwandlung von Wildnis in Fabrikfarmen und Industriewälder an. Doch unsere Gärten, Stadtparks, Straßenränder, selbst Parkplätze und Büroinnenhöfe könnten zu üppigen, produktiven und attraktiven Landschaften werden, die der Natur helfen und auch etwas für uns abwerfen, statt der grasbewachsenen Öden, die sie heute sind. Dieses Buch zeigt, wie man das erreichen kann, und verwendet Techniken und Beispiele, die von den Pionieren der Bewegung für nachhaltige Landschaftsgestaltung entwickelt wurden.
Dieses Buch ist eine Einführung in die ökologische und permakulturelle Landschaftsgestaltung. Gaias Garten ist kein Gartenbuch für Anfänger – ich gehe davon aus, dass die meisten meiner Leser schon etwas gegärtnert haben. Ich versuche vielmehr, einige neue Techniken und Konzepte so zu erklären, dass auch Gartenanfänger sie umsetzen können. Viele der hier behandelten Themen sind umfassend genug, dass sie ein eigenes Buch verdient hätten, daher konnte ich bei einigen faszinierenden Themen nicht so tief eintauchen, wie ich es gern getan hätte.
Für die meisten im Text erwähnten Pflanzen werden ihre gebräuchlichen Namen verwendet, um die lateinische Verwirrung zu vermeiden, die die botanische Nomenklatur vielen Gärtnern auferlegen kann. Bei einigen ungewöhnlichen oder doppeldeutigen Arten habe ich den botanischen Namen hinzugefügt. Die verschiedenen Tabellen und Pflanzenlisten sind nach gebräuchlichen Namen alphabetisch aufgeführt, aber dort habe ich auch den botanischen Namen hinzugefügt, da man nur so sicher sein kann, dass wir über dieselbe Art reden. Da man aus Hunderttausenden von Pflanzenarten wählen kann, stellen diese Tabellen kaum umfassende Listen aller Nutzpflanzen dar. Ich hoffe eher, dass meine Auswahl den Lesern eine breit gefächerte Palette bietet, aus der sie selbst eine Wahl treffen. Um die große Vielfalt der geographischen Regionen auf diesem Kontinent darzustellen, habe ich auch versucht, Beispiele aus vielen Gebieten und für verschiedene Klimazonen zu geben. Westlich des Mississippi leben heute mehr Amerikaner als östlich davon, und dieses Buch spiegelt diese Realität von Ost- und Westküste wider.
Die meisten Ideen in diesem Buch sind nicht von mir. Viele hier gezeigte Techniken wurden von Indigenen jahrtausendelang praktiziert oder von Gärtnern aller Couleur entwickelt. Sie wurden auch in der immer größer werdenden Anzahl von Büchern über ökologische Gestaltung und Permakultur gesammelt. In diesem Buch habe ich versucht, diese permakulturellen Ideen mit dem wachsenden Verständnis der Ökologen darüber zusammenzufassen, was in der Natur funktioniert. Ich kann mir einige der hier beschriebenen Techniken und Konzepte als Verdienst anrechnen, allein für die Art und Weise, wie einige von ihnen präsentiert werden. Und natürlich bin ich für alle Fehler verantwortlich.
Zahlreiche Menschen schenkten mir uneigennützig ihre Zeit, Kooperation, harte Arbeit und Unterstützung. Für die Inspiration, Anregungen und Entwicklung der Ideen über die Permakultur gilt mein erster und größter Dank Bill Mollison und David Holmgren. Dafür, dass sie mich durch ihre Gärten geführt haben, und für ihre Großzügigkeit danke ich – in alphabetischer Reihenfolge – Earle Barnhart, Douglas Bullock, Joe Bullock, Sam Bullock, Kevin Burkhart, Doug Clayton, Joel Glanzberg, Ben Haggard, Marvin Hegge, dem sehr vermissten Simon Henderson, Alan Kapuler, Brad Lancaster, Penny Livingston, Art Ludwig, Vicki Marvick, Anne Nelson, Jerome Osentowski, John Patterson, Barbara Rose, Julia Russell, James Stark, Roxanne Swentzell, Tom Ward und Mary Zemach. Für ihre Unterstützung und die fruchtbaren Ideen danke ich Peter Bane, Bill Burton, Brock Dolman, Ianto Evans, Heather Flores, Jude Hobbs, Dave Jacke, Keith Johnson, Mark Lakeman, Michael Lockman, Scott Pittman, Bill Roley, Larry und Kathryn Santoyo, Michael Smith, John Valenzuela und Rick Valley. Ein besonderer Dank gilt Stuart Cowan, der mir versichert hat, dass Bücher nicht so schwer zu schreiben sind, wie ich befürchtet hatte. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei meiner Agentin, Natasha Kern, für ihre Beharrlichkeit, ihre Ideen, ihre Hartnäckigkeit, ihr unerschütterliches Vertrauen und ihre Unterstützung. Ich danke auch meinen Lektoren, Rachael Cohen und Ben Watson, die den Text erheblich geglättet, meine grammatikalischen Exzesse aufgeräumt und mich durch den labyrinthischen Prozess der Veröffentlichung geführt haben. Es war eine Freude, mit den Mitarbeitern bei Chelsea Green zusammenzuarbeiten. Und meiner Frau und Seelenverwandten Kiel bin ich für tausend große und kleine Gnaden dankbar, während ich zweimal in diesem Buch verschwand.
TOBY HEMENWAY
TEIL EINS

Der Garten als Ökosystem
KAPITEL EINS
Der ökologische Garten – Einführung

Die Bewegung für eine nachhaltige Landschaftsgestaltung nimmt Fahrt auf. Gärtner begraben ihre Rasenflächen, die Ressourcen verschlingen und keinen Lebensraum bieten, immer öfter unter Gärten mit einheimischen Pflanzen, Wildtiere anlockenden Dickichten und sonnendurchfluteten Waldgebieten. Es ist ein ermutigender Trend, diese Bewegung hin zu ökologisch gesünderen, naturfreundlicheren Gärten.
Doch nicht alle sind dabei. Manche Gärtner zögern, auf Naturnah umzustellen, denn sie fragen sich, wie z. B. die ordentlichen Reihen eines Gemüsegartens in diesen wilderen Stil passen sollen. Was passiert dann mit all den knackigen Fleischtomaten? Oder Zierpflanzen – bedeutet nachhaltiger Gartenbau jetzt, dass man ein geliebtes Schnittblumenbeet oder die von Großmutter geerbten Rosen herausreißen muss, um Platz für eine natürlich aussehende Landschaft zu schaffen?
Wildtiere zu fördern und einheimische Arten zu bewahren, sind bewundernswerte Ziele, doch wie passen Menschen in diese natürlichen Landschaften? Kein Gärtner will sich in seinem eigenen Garten wie ein Fremder fühlen. Gärtner, die nicht aus ihren eigenen Gärten ausgeschlossen sein wollen, aber die Natur lieben, sahen sich gezwungen, fragmentierte Gärten zu schaffen: ein ordentliches Gemüsebeet hier, Blumenbeete dort und eine Ecke für die Wildtiere oder eine Naturlandschaft. Und jedes dieser Fragmente hat seine Schwächen. Ein Gemüsegarten bietet keine natürliche Umgebung für einheimische Insekten, Vögel und andere Wildtiere. Ganz im Gegenteil – kleine, an den Blättern knabbernde Insekten und Vögel sind unwillkommene Gäste. Der Blumengarten, so viel Freude die Blüten auch bereiten, kann den Gärtner nicht ernähren. Und ein Wildnisgarten sieht oft ungepflegt aus und bietet den Menschen kaum etwas, außer das Wissen, dass es gut für wilde Kreaturen ist. Dieses Buch zeigt, wie man diese isolierten und unvollständigen Teile in ein lebendiges, blühendes Garten-Ökosystem integriert, von dem Menschen und Wildtiere profitieren. Diese Gärten werden anhand derselben Prinzipien gestaltet, die die Natur zur Schaffung gesunder Pflanzengemeinschaften nutzt, so dass die unterschiedlichen Bepflanzungen und anderen Elemente sich miteinander verbinden und gegenseitig nähren.
Ökologische Gärten kombinieren die besten Merkmale von Naturgärten, essbaren Landschaften und herkömmlichen Blumen- und Gemüsegärten, doch sie verbinden diese Stile nicht nur einfach miteinander. Sie sind mehr als die Summe ihrer Teile. Ein ökologischer Garten fühlt sich wie ein Lebewesen an, mit einem Charakter und einer Essenz, die jedem eigen ist. Diese Gärten gründen in relativ neuen Konzepten wie Permakultur und ökologischer Gestaltung, doch sie nutzen lange erprobte Techniken, die durch Ureinwohner, Renaturierungsökologen, Biobauern und hochmoderne Landschaftsplaner perfektioniert wurden. Sie kombinieren geringe Umweltbelastung, Pflegeleichtigkeit (nachdem sie erst einmal etabliert sind) und hohe Erträge mit eleganter Ästhetik. Gaias Garten bietet Instrumente, um diese Garten-Ökosysteme zu verstehen, zu gestalten und zu bauen, so dass sie den Menschen ebenso dienen wie dem Rest der Natur.

Permakultur-Designer Larry Santoyo von Earthflow Design Works wollte die weiträumige Landschaft des Wassereinzugsgebiets in den städtischen Garten im kalifornischen Santa Barbara integrieren. Der Garten liegt am Fuß eines Berges und wurde in Terrassenbeete und Wege umorientiert, die an den Höhenlinien entlangfließen, um den im trockenen Klima wertvollen Wasserabfluss aufzufangen. Eine Laube, die aus lokal geerntetem Bambus errichtet wurde, rahmt den Blick auf die benachbarten Gärten ein und bietet eine vertikale Anbaufläche für Kiwi-Ranken und Glyzinien und schafft eine Zone zum Ausruhen und Entspannen. Kakipflaume und Zitrusbäume bekommen Lebendmulch aus Bodendeckern dürreresistenter Kapuzinerkresse, Rosa Nachtkerze (Oenothera speciosa), Thymian und Ringelblume.
Ökologische Gärten sind voll von schönen Pflanzen, die viele Einsatzmöglichkeiten besitzen, Obst und Gemüse liefern, Heil- und Küchenkräuter, auffallende Gruppen farbenfroher Blüten, bodenbildenden Mulch, Schutz vor Schädlingen und Lebensraum für wilde Tiere und Pflanzen bieten. Da man aus Tausenden von Pflanzenarten wählen kann, finden wir viele, die mehrere dieser Aufgaben auf einmal erfüllen. Multifunktionale Pflanzen sind ein Markenzeichen von Gärten, die auf ökologischen Prinzipien beruhen: So arbeitet die Natur. Wir können Nahrungspflanzen wählen, die Insekten und andere Wildtiere unterstützen, Kräuter, die Ortstein aufbrechen, Bodendecker, die essbar sind oder Bäume, die dem Boden Nährstoffe liefern.
Diese Landschaften können sogar ein Einkommen aus Nahrungs- und Heilpflanzen, Samen und Baumschulbeständen oder getrockneten Blumen generieren und Bau- oder Bastelmaterialien wie Bauholz, Bambusrohre, Korbweide und Pflanzenfarben bringen. In einem Garten, der nach ökologischen Prinzipien entworfen wurde und lebendige Landschaften hervorruft, fühlen sich Vögel und andere Tiere ebenso willkommen wie der Gärtner. Durch eine gute Gestaltung benötigen diese Gärten nur eine unregelmäßige Bewässerung und die Erde erneuert sich eher selbst, als starke Düngung zu erfordern. Es sind lebendige Ökosysteme, die gemäß den natürlichen Regeln entworfen wurden und die Üppigkeit und Widerstandsfähigkeit der natürlichen Umwelt aufweisen.
Gärten, die wirklich mit der Natur arbeiten
Ökologie, so erklärt uns Herr Webster, »befasst sich mit der Wechselbeziehung von Organismen und ihren Umgebungen«. Ich nenne diese Gärten ökologisch, weil sie einen Organismus – die Menschen – mit ihrer Umwelt verbinden, denn sie verknüpfen die vielen Teile eines Gartens, und weil sie eine Rolle zur Erhaltung gesunder Ökosysteme spielen können.
Ökologische Gärten vermischen auch viele Gartenstile, was Gärtnern genug Spielraum verschafft, um die Qualitäten hervorzuheben – Nahrung, Blumen, Kräuter, Handwerk und so weiter –, die er am meisten mag. Manche ökologischen Gartengestaltungen finden ihre Wurzeln in der Gestaltung essbarer Landschaften, was die Nahrungspflanzen bei einer kreativen Vermischung aus ihrem Gemüsebeetgefängnis befreit und sie unter die respektable Gesellschaft der Zierpflanzen im Vorgarten mischen lässt. Ökologische Landschaften besitzen auch Gemeinsamkeiten mit Naturgärten und sie bieten ebenso eine natürliche Umgebung für die Welt jenseits des Menschen. Und da die heimischen Floren in diesen Gärten stark vertreten sind, haben sie viel mit Gärten für einheimische Pflanzen gemein.
Doch in diesen Landschaften werden nicht einfach nur mehrere Gartenstile kombiniert. Sie orientieren sich daran, wie die Natur funktioniert. Manche Gärten wirken wie natürliche Landschaften, doch der Schein trügt. Ich habe Gärten mit einheimischen Pflanzen gesehen, die Berge an Dünger brauchen, weil sie die unpassende Erde haben, und Herbizide, um die kräftigen Gräser und Unkräuter zu unterdrücken, die sich freudig zwischen den langsam wachsenden Einheimischen breit machen. Das ist kaum natürlich. Ein ökologischer Garten sieht so aus und funktioniert wie die Natur. Er tut dies, indem er starke Verbindungen zwischen den Pflanzen, dem Bodenleben, nützlichen Insekten und anderen Tieren und dem Gärtner aufbaut, um ein widerstandsfähiges, natürliches Netzwerk zu weben. Jeder Organismus ist an viele andere gebunden. Es ist diese Vernetzung, die der Natur Stärke verleiht. Denken Sie an ein Netz oder Gewebe: Wenn man einen Faden durchschneidet, funktioniert das Netz weiterhin, weil alle anderen Verbindungen zusammenhalten.
Nichts in der Natur tut nur eine Sache. Dieser Multifunktionalismus – bei dem jedes verbundene Stück viele Rollen spielt –, ist eine weitere Qualität, die einen ökologisch geplanten Garten von anderen abhebt. In einem typischen Garten dienen die meisten Elemente nur einem einzigen Zweck. Ein Baum wird wegen des Schattens gewählt, ein Strauch für seine Beeren, ein Spalier, um die wilde Weinrebe zu bändigen. Doch wenn man einen Garten gestaltet, in dem jedes Teil alle Rollen spielt, zu denen es imstande ist, kann der Gärtner der Natur nicht nur einen Großteil der Arbeit überlassen, der Garten wird auch eher weniger Probleme verursachen und üppiger und reichhaltiger werden. Dieser Schattenbaum z. B. – kann er nicht auch noch Nüsse oder andere Nahrung für Menschen und die Tier- und Pflanzenwelt bieten und vielleicht Bestäuber anlocken, die den Obstbäumen später helfen, höhere Erträge zu liefern? Außerdem werden die Blätter des Baumes später beim Bodenaufbau helfen, wenn sie herabfallen, und er sammelt Regenwasser und absorbiert Staub aus der Luft. Dieser Baum übernimmt bereits etwa 15 Aufgaben. Wir müssen diese »Erträge« nur auf andere Teile des Gartens übertragen, die sie benötigen. Das bedeutet weniger Arbeit für uns und bessere Gesundheit für die Landschaft.
Was ist Permakultur?
Ich beziehe mich in diesem Buch oft auf Permakultur und ökologische Gestaltung, zwei eng verwandte Gebiete, auf denen viele Ideen in diesem Buch beruhen. Da manchen Lesern Permakultur nicht vertraut sein mag, sollte ich es erklären.
Die Permakultur benutzt eine Reihe von Prinzipien und Praktiken, um nachhaltige, menschliche Siedlungen zu gestalten. Das Wort wurde aus »permanent (agri)culture« (»dauerhafte Landwirtschaft« oder »dauerhafte Kultur«) abgeleitet und von zwei Australiern geprägt. Der erste war Bill Mollison, ein charismatischer und bilderstürmerischer, ehemaliger Förster, Lehrer, Trapper, Naturforscher und Autor der massiven und enzyklopädischen Bibel des Fachs, Handbuch der Permakultur-Gestaltung. Der andere ist David Holmgren, einer der ersten von Bills vielen Schülern, der den Rahmen der Permakultur brillant erweitert hat.
Mollison sagt, dass er die ursprüngliche Idee zur Permakultur 1959 hatte, als er Beuteltiere beobachtete, die durch die Regenwälder Tasmaniens streiften. Inspiriert und beeindruckt von der lebensspendenden Fülle und reichen Vernetzung dieses Ökosystems schrieb er in sein Tagebuch: »Ich glaube, dass wir Systeme bauen könnten, die so gut funktionieren wie das hier.« In den 1970er Jahren begannen er und Holmgren anhand dessen, was sie in der Natur und bei indigenen Kulturen beobachtet hatten, die Prinzipien zu identifizieren, die diese Systeme so reich und nachhaltig machten. Sie hofften, durch das Anwenden dieser Prinzipien naturverträgliche, produktive Landschaften zu gestalten. Sie folgerten, dass das Leben und indigene Kulturen wohl etwas über Nachhaltigkeit erkannt haben mussten, wenn das Leben auf der Erde über drei Milliarden Jahre florieren konnte und die Indigenen für Jahrtausende in relativer Harmonie in ihrer Umwelt leben konnten. Davids Diplomarbeit, die er und Bill überarbeiteten und ergänzten, wurde schließlich als das bahnbrechende Buch Permaculture One veröffentlicht.
Die Permakultur begann damals als Instrumentarium zur Gestaltung von Landschaften, die die Natur zum Vorbild haben, doch auch Menschen beinhalten, und dieses Buch – sobald wir die Definition von Permakultur abgeschlossen haben – konzentriert sich auf den landschaftsgestaltenden Aspekt der Permakultur. Doch Mollison, Holmgren und alle nach ihnen erkannten bald, dass wenn wir lernen, Farmen, Gärten und Landschaften zu schaffen, die die Natur nachahmen, eine nachhaltige Landnutzung, die in eine nicht nachhaltige Gesellschaft eingebettet ist, nicht verhindern wird, dass unser Aufenthalt auf diesem Planeten kurz, zunehmend verarmt oder beides sein wird. Doch es zeigt sich, dass die Prinzipien der Permakultur – da sie auf der Weisheit der Natur beruhen – eine atemberaubende Reichweite besitzen, die weit über die Ursprünge der Permakultur in der Landwirtschaft hinausgehen. Die Permakultur wurde eingesetzt, um Gebäude, Energie- und Abwassersysteme, Dörfer und selbst weniger greifbare Strukturen wie Lehrpläne, Geschäfte, Bürgergruppen und Entscheidungs-findungsprozesse zu entwerfen.
Wie macht die Permakultur das?
Obwohl Anhänger der Permakultur einerseits mit Organismen, Gebäuden und jenen weniger greifbaren Dingen gestalten, die wir als unsichtbare Strukturen bezeichnen, konzentrieren sie sich seltener auf die Objekte selbst als auf den sorgfältigen Entwurf von Beziehungen, also Verflechtungen, zwischen ihnen, die ein gesundes, nachhaltiges Ganzes schaffen. Diese Beziehungen sind es, die eine Ansammlung zusammenhangloser Teile in ein funktionierendes System verwandeln, sei es ein Garten, eine Gemeinschaft oder ein Ökosystem.
Das scheint noch etwas theoretisch, daher hier eine unkomplizierte Definition von Permakultur. Wenn wir an Praktiken wie biologischen Gartenbau, Recycling, natürliches Bauen, erneuerbare Energie und selbst Konsensprinzip und Bemühungen um soziale Gerechtigkeit als Werkzeuge für Nachhaltigkeit denken, dann ist Permakultur der Werkzeugkasten, der uns organisieren und entscheiden hilft, wann und wie man diese Werkzeuge einsetzt. Die Permakultur ist keine Disziplin selbst, sondern eher ein Gestaltungsansatz, der auf der Verbindung verschiedener Fächer, Strategien und Techniken beruht. Sie nutzt und verbindet wie die Natur die besten Eigenschaften von allem, das verfügbar ist. Manche Leute, für die dieser Ansatz neu ist, glauben, Permakultur sei eine Reihe von Techniken. Obgleich es bestimmte Methoden gibt, die oft eingesetzt werden, weil sie die Permakultur-Prinzipien gut darstellen, wie Kräuterspiralen und Schlüssellochbeete (die auf den folgenden Seiten zu sehen sind), gibt es wenige Techniken, falls überhaupt, die nur der Permakultur zugehören. Permakulturisten wenden Techniken aus vielen verschiedenen Fachbereichen an. Doch diese Werkzeuge werden danach ausgewählt und angewandt, wie gut sich mit ihnen Permakultur-Prinzipien umsetzen lassen, und nicht, weil eine bestimmte Methode ist, »wie wir es in der Permakultur machen«.
In einer Kultur, die sich eher auf Dinge als auf Beziehungen konzentriert, kann der Schwerpunkt der Permakultur, der auf Verbindungen statt auf »Sachen« liegt, das Erklären schwierig machen. Manche Permakultur-Anfänger haben die Verfechter von nachhaltigen Praktiken mit der Aussage verärgert, »zur Permakultur gehört biologischer Gartenbau (oder Solarenergie oder natürliches Bauen)«. Aber statt diese Fachgebiete zu absorbieren oder sie als Teil davon (und somit kleiner) anzusehen, zeigt uns die Permakultur, wo und wie man diese wichtigen Ideen anwendet. Es ist eine Wissenschaft, die verbindet.
Das Ziel der Permakultur besteht darin, naturverträgliche, wirtschaftlich wohlhabende, menschliche Gemeinschaften zu entwerfen. Sie wird von ethischen Grundsätzen geleitet: Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und den Überschuss, der aus dieser Fürsorge entsteht, erneut investieren. Aus dieser Ethik leiten sich eine Reihe von Designgrundsätzen oder -prinzipien ab, die an vielen Orten und in leicht abgewandelter Form beschrieben wurden. Die Liste unten ist die Version, die ich verwende, erstellt mit der Hilfe vieler Permakultur-Lehrer und abgeleitet aus der Arbeit von Mollison, Holmgren und ihrer Co-Autoren.
Permakultur-Prinzipien
A. Kernprinzipien für ökologische Gestaltung
1. Beobachten. Ausgedehnte und aufmerksame Beobachtung statt anhaltender und gedankenloser Aktion. Beobachten Sie den Standort und seine Elemente zu allen Jahreszeiten. Entwerfen Sie für spezielle Plätze, Kunden und Kulturen.
2. Verbinden. Den relativen Aufenthaltsort nutzen, d. h. platzieren Sie die Elemente des Entwurfs so, dass nützliche Beziehungen und zeitsparende Verbindungen zwischen allen Teilen entstehen. Die Zahl der Verbindungen unter Elementen schafft ein gesundes, bunt gemischtes Ökosystem, nicht die Zahl der Elemente.
3. Energie und Materialien gewinnen und speichern. Identifizieren, sammeln und bewahren Sie nützliche Flüsse. Jeder Zyklus ist eine Gelegenheit für Ertrag, jeder Gradient (in Gefälle, Ladung, Temperatur und Ähnlichem) kann Energie erzeugen. Die Reinvestition von Ressourcen baut Kapazitäten auf, noch mehr Ressourcen zu gewinnen.
4. Jedes Element erfüllt viele Funktionen. Wählen und platzieren Sie jedes Element in einem Entwurf so, dass es so viele Funktionen wie möglich erfüllen kann. Hilfreiche Verbindungen zwischen breit gefächerten Bestandteilen schaffen ein stabiles Ganzes. Stapeln Sie Elemente in Raum und Zeit.
5. Jede Funktion wird durch mehrere Elemente unterstützt. Verwenden Sie verschiedene Methoden, um wichtige Funktionen zu erzielen und Synergien zu schaffen. Redundanz schützt, wenn ein oder mehrere Elemente ausfallen.
6. Mit geringsten Veränderungen die größte Wirkung erzielen. Verstehen Sie das System, mit dem Sie arbeiten, gut genug, um dessen »Hebelpunkte« zu finden und dort einzugreifen, wo die geringste Veränderung die größte Wirkung hervorbringt.
7. Intensive Systeme mit kleinem Maßstab einsetzen. Beginnen Sie vor Ihrer Haustür mit den kleinsten Systemen, die die Arbeit erledigen, und bauen Sie auf Ihren Erfolgen auf. Wachsen Sie durch »Portionierung« – d. h. man entwickelt ein kleines System oder Arrangement, das gut funktioniert – und wiederholt es mit Variationen.
8. Randzonen optimieren. Die Randzone – der Übergang zweier Umgebungen – ist der vielfältigste Platz in einem System, und dort sammeln sich Energie und Materialien oder sie werden umgewandelt. Je nach Bedarf sollte man eine Randzone vergrößern oder verringern.
9. Mit Sukzession arbeiten. Lebende Systeme schreiten gewöhnlich von Unreife zu Reife fort. Wenn wir diesen Trend akzeptieren und unsere Entwürfe daran anpassen, statt dagegen zu kämpfen, sparen wir Arbeit und Energie. Ausgereifte Ökosysteme sind abwechslungsreicher und produktiver als junge.
10. Biologische und erneuerbare Ressourcen nutzen. Erneuerbare Ressourcen (gewöhnlich Lebewesen und ihre Produkte) vermehren und sammeln sich im Laufe der Zeit, speichern Energie, unterstützen den Ertrag und interagieren mit anderen Elementen. Man sollte sie Ressourcen vorziehen, die nicht erneuerbar sind.
B. Prinzipien basierend auf Einstellungen
11. Probleme in Lösungen verwandeln. Einschränkungen können zu einem kreativen Design anregen, und die meisten Probleme tragen gewöhnlich nicht nur den Keim ihrer eigenen Lösung in sich, sondern auch die Inspiration, gleichzeitig noch andere Probleme zu lösen. »Wir sind mit unüberwindlichen Chancen konfrontiert«. – Pogo (Walt Kelly) zugeschrieben.
12. Einen Ertrag erzielen. Gestalten Sie so, dass Ihre Bemühungen sofortige und langfristige Erträge haben: »Man kann nicht mit leerem Magen arbeiten«. Richten Sie positive Feedback-Schleifen ein, um das System aufzubauen und Ihre Investition zurückzuzahlen.
13. Die größte Begrenzung der Fülle ist Kreativität. Die Vorstellungskraft und das Können des Gestalters begrenzen in der Regel Produktivität und Vielfalt, bevor physische Grenzen erreicht werden.
14. Fehler sind Werkzeuge, um zu lernen. Analysieren Sie Ihre Versuche. Machen Sie Fehler, ist das ein Zeichen dafür, dass Sie es besser machen wollen. Sie werden kaum für Ihre Fehler bestraft, wenn Sie aus ihnen lernen.
Wie setzen wir die Prinzipien ein? Wenn Sie dieses Buch lesen, sehen Sie an Dutzenden von Beispielen, wie sie umgesetzt werden. Der Permakultur-Designer und -Lehrer Larry Santoyo nennt die Prinzipien »Indikatoren der Nachhaltigkeit«.
Jedes Design, ob von einem Garten, einem Haus oder einer gemeinnützigen Organisation, das diese Prinzipien anwendet, wird effizienter, effektiver und ökologisch ausgewogener sein als eines, das sie verletzt. Lassen Sie sich davon bei Ihren Entscheidungen leiten, und wenn Sie Ihren Garten planen, versuchen Sie, sie so oft es geht einzubinden. Achten Sie besonders auf Situationen, in denen die Prinzipien nicht befolgt werden, denn mit diesen Bereichen werden sie die meiste Arbeit haben, und sie werden den größten Umweltschaden anrichten.
Die Prinzipien besitzen auch tiefe und erstaunliche Verflechtungen. Ein Teil des Entwurfs, der vielleicht multifunktional zu sein versucht, befolgt oft auch die Prinzipien »Verwende biologische Ressourcen« und »Unternimm die kleinste Veränderung für die größte Wirkung«. Wenn solche Synergien auftauchen, sind wir auf dem richtigen Weg.
Bei der Permakultur geht es also um viel mehr als nur Gärtnern. Doch da die Permakultur in der Weisheit der natürlichen Welt fußt, gelangen viele Menschen zuerst über ihre Liebe zu Pflanzen und Gärtnern zur Permakultur. Ich werde mich in diesem Buch bemühen, mich bei der Beschreibung von Permakultur auf die häusliche Landschaft zu beschränken.
Die Weinlaube könnte ein zu sonniges Deck auf der zu heißen Südseite des Hauses beschatten. So werden Deck und Gebäude kühler und die Glücklichen, die darunter liegen, haben Früchte zum Essen. Die Teile sind schon da und warten. Wir müssen sie nur verbinden und die wunderbare Vernetzung der Natur als Modell nutzen.
Diese Verbundenheit geht zudem in zwei Richtungen. In der Natur hat nicht nur jedes Teil viele Rollen, sondern jede Rolle wird von vielen Akteuren unterstützt. So wird beispielsweise jede Insektenplage in einer natürlichen Landschaft von einer hungrigen Armee natürlicher Fressfeinde verfolgt. Wenn ein Raubinsekt oder auch eine ganze Art für diese Aktivität ausfällt, sind andere da, die Arbeit zu übernehmen. Diese Redundanz vermindert das. Wenn man also einen einzigen Schattenbaum aus dieser Perspektive betrachtet, sollte man nicht nur einen pflanzen – pflanzen Sie eine Gruppe verschiedener Arten. Wenn einer langsam wächst oder kein dichtes Blattwerk bekommt, springen die anderen ein. Die Kombination sorgt auch dafür, dass für eine längere Jahreszeit Schatten da ist. Sehen Sie die Synergie? Fahren wir in dieser Richtung fort, können wir bei der Weinlaube für die Farbe eine Klematis pflanzen, einen Jasmin für den Duft oder ein paar schnell kletternde Erbsen, damit die Erntezeit länger dauert und wir mehr Ertrag haben.
Hier ein weiteres Beispiel dafür, wie Verbundenheit Gärten natürlicher machen und auch Arbeit sparen kann. Als wir in unserem ländlichen Zuhause im südlichen Oregon lebten, waren Rehe ein großes Problem, denn sie fraßen fast jede ungeschützte Pflanze ab. Sie machten aus der südwestlichen Ecke meines Gartens einen richtigen Trampelpfad. Also pflanzte ich auf der Seite eine gekrümmte Hecke, um sie von anderen leckeren Anpflanzungen abzulenken. Die Hecke wurde um einige einheimische Büsche angeordnet, die bereits dort wuchsen – Schaumspiere, Heckenrosen, eine einzelne Bärentraube. Doch ich wählte die anderen Heckenpflanzen aus, mehrere Funktionen zu übernehmen. Ich pflanzte Koreakirschen, Mandschurische Aprikosen, Johannisbeeren und andere Wildpflanzen, damit die wildlebenden Tiere Futter hatten, und dornige Prärie-Pflaumen, Osagedorn und Stachelbeeren, um die Rehe abzuwehren. Aber auf der Innenseite der Hecke – meiner Seite – pfropfte ich einigen dieser Heckenpflanzen inländische Obstsorten auf. Bei den wilden Kirschen wuchsen auf der dem Haus zugewandten Seite der Hecke süße Kultivare und die buschigen Aprikosen und Prärie-Pflaumen trugen bald eine Reihe saftiger Chinesischer Pflaumen. Diese fruchttragende Hecke hat die Rehe und auch mich versorgt.
Ich verband sie außerdem mit anderen natürlichen Zyklen. Sie lag ein gutes Stück von unserem Haus entfernt und ich war es bald leid, ständig Dünger und den Schlauch dorthin zu schleppen. Daher pflanzte ich einige Kleesorten und zwei Stauden, den Gemeinen Erbsenstrauch und die Silber-Büffelbeere, in die Hecke, damit der Boden Stickstoff bekam. Und ich säte mehrere tief wurzelnde Arten, darunter Zichorie, Schafgarbe und Daikonrettich, die Nährstoffe aus dem Untergrund ziehen und sie an der Oberfläche deponieren, wenn die Blätter fallen. Sie bauen auf natürliche Weise Erde auf. Ich wollte Wasser sparen, also fügte ich Mulch produzierende Arten wie Beinwell und Karde hinzu, eine dickblättrige Verwandte der Artischocke. Ich schnitt hin und wieder ihre Blätter ab und ließ sie auf dem Boden liegen, um eine Mulchschicht zu schaffen, die die Feuchtigkeit im Boden hält. Die Hecke musste dennoch bewässert werden, denn im südlichen Oregon bleibt es drei Monate lang trocken, doch die Mulchpflanzen sparten eine Menge Wasser.
Während die Hecke heranreifte, wurden die Rehe ein geringeres Problem für uns. Bis die Tiere sich ans Ende der Hecke durchgefressen hatten, waren sie fast am Rand des Gartens angekommen und zeigten wenig Interesse, von dort wieder zum Haus zu laufen.
Jedoch ist alles im Wandel und das war auch hier so, als am Ende unserer Schotterstraße ein neuer Nachbar einzog. Da er aus der Stadt kam, fand er die Rehe süß und stellte Kisten mit faulenden Äpfeln für sie auf. Dies veränderte das Annäherungsverhalten der Rehe radikal und immer größere Herden von ihnen begannen, die Straße oberhalb unseres Hauses zu nehmen und über seine Obstkisten herzufallen, statt wie bisher vom Wald zu kommen, wo die Hecke lag. Unterwegs zum Fressgelage und zurück vom Haus unseres Nachbarn wanderten viele Rehe auf die heckenlose Seite unseres Grundstücks. Ihr Fressverhalten dort war zu vehement, als dass ich eine neue Hecke etablieren konnte. Ungern brachte ich oberhalb des Gartens einen Zaun an. Doch die Nahrungshecke schützte das Grundstück noch immer vom unteren Hang her und lieferte uns Obst.
Die Natur hat einen langen Atem und mit etwas Einfallsreichtum und einem veränderten Blickwinkel kann ein Gärtner eine Menge Arbeit auf seinen willigen Partner verlagern. Die Natur kann die Verbündete des Gärtners sein. Wir tragen noch immer Spuren einer früheren Zeit in uns, als die Natur als Feind oder etwas angesehen wurde, das es zu erobern und zu bändigen galt. Sagen Sie das Wort Insekt in Gegenwart eines Gärtners, wird er fast immer an fressendes, saugendes Ungeziefer denken, das Blätter zerfetzt und Obst ruiniert. Doch die große Mehrheit – 90 Prozent oder mehr – aller Insekten sind nützlich oder harmlos. Eine vielfältige und ausgewogene Gesamtheit an Insekten in der Landschaft bedeutet gute Bestäubung und Fruchtansatz und rasche, giftfreie Kontrolle von Schädlingsbefall, der von Raubinsekten in Schach gehalten wird. Wir brauchen Insekten im Garten. Ohne sie wäre unsere Arbeitslast lähmend – wir müssten jede Blüte von Hand bestäuben und Laub von Hand zu Kompost verarbeiten.

Eine Nahrungshecke, die Rehe ablenkt, mit Pflanzen für wildlebende Tiere an der Außenseite, aber Sorten für den menschlichen Verzehr an der Seite zum Haus.
Dasselbe gilt für alle anderen Bewohner der Königreiche des Lebens. Nicht nur sind Insekten, Vögel, Säugetiere und Mikroben wesentliche Partner in jeder Art von Garten, sondern durch ein schlaues Design können sie auch mit uns arbeiten, um unsere Arbeit zu verringern und die Schönheit, Gesundheit und Produktivität unserer Landschaften zu maximieren. Selbst Haustiere können beim Gärtnern helfen, wie ich in einem späteren Kapitel erklären werde.
Warum ist Gärtnern so viel Arbeit?
Ein Ziel eines ökologischen Gartens besteht darin, die natürlichen Zyklen wiederherzustellen, die durch konventionelle Gartengestaltung und Landwirtschaft unterbrochen wurden. Haben Sie sich jemals gefragt, warum ein Wald oder eine Wiese perfekt aussehen und kaum Krankheiten haben, ohne gepflegt zu werden, während ein Garten mühsame Arbeitsstunden erfordert? In einem Garten kommen Unkräuter noch immer hoch wie, na, Unkraut eben, und jede Pflanze scheint ihre eigenen seltsamen Flecken und Fraßinsekten zu haben. Dies geschieht, weil die meisten Gärten die Regeln der Natur ignorieren.
Sehen Sie doch, wie sich Gärten von natürlichen Landschaften unterscheiden. Die Natur tut nie nur eine Sache, und sie verabscheut nackte Erde, große Blöcke einer einzigen Pflanzensorte und Vegetation, in der alle Pflanzen die gleiche Höhe und Wurzeltiefe haben. Die Natur gräbt auch nicht um – in der Wildnis wird der Boden eigentlich nur dann durcheinandergebracht, wenn ein Baum umfällt und seine nach oben gewandten Wurzeln die Erde aufwühlen. Doch unsere Gärten sind virtuelle Schaukästen all dieser unnatürlichen Methoden. Ganz zu schweigen von unserem breit angelegten Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln.
Jede dieser unnatürlichen Gartentechniken wurde zu einem bestimmten Zweck entwickelt. Die Bodenbearbeitung z. B. vernichtet Unkräuter und bringt Luft an die Mikroben, die metabolisch aufgeladen eine Flut von Nährstoffen für ein schnelles Pflanzenwachstum freisetzen. Dies sind kurzfristig fantastische Vorteile für die Pflanzenden. Doch wir wissen mittlerweile, dass die Bodenbestellung langfristig die Fruchtbarkeit herabsetzt (diese aufgedrehten Mikroben verbrennen alle Nährstoffe und sterben dann), mehr Krankheit verursacht und die Bodenstruktur ruiniert, was eine Verdichtung des Ortsteins und massive Erosion zur Folge hat.
Die nackte Erde in einem typischen Garten, ob in einem frisch bestellten Beet oder zwischen sauber angeordneten Pflanzen, ist der perfekte Lebensraum für Unkrautsamen. Unkräuter sind einfach Pionierpflanzen, die durch Milliarden Jahre Evolution geformt wurden, um schnell gestörten, offenen Boden zu bedecken. Das tun sie unerbittlich auf dem kahlen Boden eines Gartens. Die nackte Erde wird auch mit dem Regen weggespült, wodurch mehr Bodenbearbeitung zum Auflockern der am Ende verschlammten, zerklüfteten Erde und mehr Dünger zum Ersetzen verlorener Nährstoffe nötig ist.
Dicke/Solide Blöcke der gleichen Pflanzenart sind zwar leicht zu säen und zu ernten, aber sie wirken wie ein »All you can eat«-Schild für Insektenplagen und Krankheiten. Schädlinge fressen sich an diesem ununterbrochenen Feld reichhaltiger Nahrung satt, während sie von Pflanze zu Pflanze springen und sich so stark vermehren, dass sie zur Plage werden.
Jede der oben genannten gebräuchlichen Techniken entstand, um ein bestimmtes Problem zu lösen, doch wie jeder zielgerichtete Ansatz lassen sie sich oft nicht so gut mit anderen Methoden kombinieren, die nur einem Zweck dienen, und verlieren das große Ganze aus den Augen. Das Gesamtbild ist hier, im typischen Garten, kein glückliches. Viel mühsame Arbeit, kein Platz für einheimische oder seltene Arten, kränkelnde Pflanzen auf der Intensivstation, Abhängigkeit von Ressourcen verschlingenden giftigen Chemikalien und, ganz allgemein, ein Rückgang von Gesundheit, Ertrag und Schönheit im Garten, wenn wir nicht ständig und mühsam eingreifen. Dennoch haben wir all dies als Teil der Gartenarbeit akzeptiert.
Es gibt auch andere Wege des Gärtnerns. Konventionelle Landschaften haben das Gewebe der Natur zerrissen. Wichtige Fäden fehlen. Wir können viele dieser unterbrochenen Verbindungen wiederherstellen und mit der Natur arbeiten, um unsere eigene Last zu verringern, ganz zu schweigen von den Kosten für die Umwelt. Warum soll man z. B. umgraben und enorme Mengen Dünger einarbeiten, wenn Würmer und anderes Bodenleben, kombiniert mit Fruchtbarkeit steigernden Pflanzen, ohne viel Arbeit die feinste Erde erzeugen? So macht die Natur das. Dann müssen wir nur die kleinen Mengen an Nährstoffen ergänzen, die durch die Ernte verloren gegangen sind. (Pflanzen bestehen überwiegend aus Wasser sowie etwas Kohlenstoff aus der Luft. Die winzigen Mengen an Mineralien, die sie aus der Erde holen, lassen sich leicht ersetzen, wenn man die richtigen Techniken anwendet.)
»Lass es die Natur machen« lässt sich auch auf Schadinsekten anwenden. In einer ausgeglichenen Landschaft geraten Krankheiten und Insektenprobleme selten außer Kontrolle. Denn in dem bunt gemischten, vielfältigen Garten, den wir durch dieses Buch gestalten lernen, ist jedes Insekt, jeder Pilz, jedes Bakterium oder jede potenziell invasive Pflanze von einem natürlichen Netz der gegenseitigen Kontrolle umgeben. Wenn eine Art zu zahlreich wird, macht ihre schiere Verfügbarkeit sie zu einer schmackhaften, unwiderstehlichen Nahrungsquelle für etwas anderes, das sie auf ein überschaubares Maß zurückschraubt. So funktioniert die Natur und das ist ein nützlicher Trick für den ökologischen Garten.
Einen gut ausgewogenen Garten schaffen bedeutet, etwas darüber zu wissen, wie sich die Natur verhält. Zu diesem Zweck bietet dieses Buch ein Kapitel über Ökologie für Gärtner und in den anderen Kapiteln sind viele Beispiele für die Prinzipien der Natur bei der Arbeit eingeflochten. Indem man die Methoden der Natur anwendet, sei es zum Anbau von Gemüse, Blumen oder Pflanzen für wildlebende Tiere, macht der Garten weniger Arbeit, ist weniger anfällig für Probleme und deutlich mehr wie die dynamischen, lebhaften Landschaften in der Natur. Diese Garten-Ökosysteme sind enorm einladend für die wilde Welt und die Menschen, bieten Nahrung und andere Produkte zur Selbstversorgung sowie Schönheit und Inspiration.
Ganz weit über natürliches Gärtnern hinaus
Manches, was Sie bisher gelesen haben, klingt vielleicht vertraut. In den letzten 20 Jahren haben wir gesehen, wie Gärten und Landschaften mit heimischen Pflanzen entstanden, die natürliche Vegetationsgruppierungen nachahmen, ein Stil, der allgemein als natürliches Gärtnern bezeichnet wird. Viele dieser Gärten versuchen, heimische Pflanzengemeinschaften nachzustellen, indem sie Pflanzen im Garten zu Prärien, Waldstücken, Feuchtgebieten und anderen wilden Lebensräumen gruppieren. Somit ist Gärtnern mit der Natur für viele Leser keine neue Idee.
Ökologische Gärten nutzen auch Prinzipien, die aus der Beobachtung und dem Leben in wildem Land abgeleitet wurden, doch mit einem anderen Ziel. Natürliche Gärten bestehen fast ausschließlich aus heimischen Pflanzen und wollen Lebensraum schaffen und wiederherstellen. Ein geringer Prozentsatz der gepflanzten Arten könnte bedroht sein, obwohl sie normalerweise verbreitete heimische Arten sind. Diese Gärten werden, wie Ken Druse in The Natural Habitat Garden schreibt, oft als »unentbehrlich für die Zukunft des Planeten« beschrieben. Ich unterstütze den Einsatz heimischer Pflanzen in der Landschaft zu Hause. Aber natürliche Gärten, die kaum etwas für den Menschen bieten, werden nie mehr als einen winzigen Einfluss auf den Umweltschaden haben. Hier ist die Erklärung.
In den USA beträgt die Fläche aller bebauten und bewohnten Grundstücke – Städte, Vororte und ländliche Gemeinden, einschließlich Straßen, Gebäude, Gärten und so weiter – nur etwa 6 Prozent der gesamten Landesfläche. Man könnte jeden Garten und Stadtpark mit heimischen Pflanzen bepflanzen und hätte damit noch nicht einmal im Ansatz begonnen, den Verlust an einheimischen Arten und Lebensraum einzudämmen.
Doch selbst wenn bebautes Land in Städten und Vororten mit Gärten gefüllt wäre, in denen nur Einheimisches wächst, wäre es niemals wild. Durch Straßen in winzige Fragmente geteilt, mit Häusern und Autobahnen zugekleistert, die Bäche in den Untergrund verbannt, voller räuberischer Katzen und Hunden, ist dies Land, das von Menschen und unseren Verbündeten an sich genommen und aus größeren Ökosystemen herausgelöst wurde, und so wird es auch bleiben. Ich leugne nicht, dass wir einige wenige Arten retten könnten, wenn wir die Vorstädte mit ungewöhnlichen, gefährdeten einheimischen Pflanzen bepflanzen würden. Doch viele einheimische Arten, vor allem Tiere, sind mit dem vom modernen Menschen bewohnten Land unvereinbar und benötigen große Flächen unberührten Terrains, um zu überleben. Die Bepflanzung vorstädtischer Gärten mit einheimischen Pflanzen wird sie nicht retten.
Der echte Schaden an der Umwelt geschieht auch nicht durch die Städte und Vororte selbst, sondern durch die Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Wir, die wir in den bebauten 6 Prozent des Landes wohnen, haben einen unstillbaren Appetit und nutzen zwischen 40 und 70 Prozent der Landfläche der USA (die Schätzungen schwanken je nachdem, wie »nutzen« definiert ist), um uns zu versorgen. Monokultur-Farmen und Wirtschaftswälder, Weideland und Mastbetriebe, Stauseen, Tagebau, Militärsperrgebiete und all die anderen Errungenschaften der modernen Zivilisation verbrauchen sehr viel Platz, und fast nichts davon funktioniert als ursprüngliche oder gesunde natürliche Umgebung. Jede nicht einheimische Mahlzeit, jeder Besuch im Holzhandel, in der Apotheke, im Bekleidungs- oder einem anderen Geschäft autorisiert dazu, den einst ursprünglichen Lebensraum in eine ökologische Wüste zu verwandeln. Das Bauholz für ein typisches US-amerikanisches Haus mit einer Fläche von 230 m2 skalpiert ungefähr 1,2 Hektar Wald und macht daraus einen öden Kahlschlag – somit hilft es einheimischen Arten deutlich mehr, wenn man in einem bescheidenen Heim lebt, statt ein paar Berglorbeeren auf einem kleinen Vorstadtgrundstück zu pflanzen.
Heimische Pflanzen sollten in unseren Gärten sicher nicht fehlen, doch Gärten mit einheimischen Gewächsen werden unseren Raubbau an wildem Land nicht sehr viel verringern, wenn wir nicht auch unseren Ressourcenverbrauch zurückschrauben. Ein Garten mit heimischen Pflanzen ist für die Umwelt zwar einfacher als ein Rasen, doch er ändert nichts an der Tatsache, dass der Besitzer überall einen immensen Verlust an Lebensraum verursacht, den er nicht sieht. Aber ein ökologischer Garten kann das ändern.
Jedes bisschen Nahrung, jedes Stück Bauholz, jedes Heilkraut oder andere menschliche Produkt, das aus dem Garten von jemandem stammt, bedeutet, dass ein Stück Land weniger außerhalb unserer Heimatstadt seiner heimischen Pflanzen beraubt und für den menschlichen Gebrauch erschlossen werden muss. Massentierbetriebe und Industriewälder – mit Pestiziden versetzt, in Monokultur angebaut, von allem steril gehalten außer einer einzigen Art – sind biologisch weitaus verarmter als jeder Vorstadtgarten. Aber Bauernhöfe und Baumplantagen sind die Ländereien, die tatsächlich wieder wild werden könnten. Städte und Vororte sind bereits außerhalb des natürlichen Kreislaufs, daher sollten wir uns bemühen, sie für die Menschen so nutzbringend und multifunktional wie möglich zu machen, nicht einfach nur Büroparks und Schlafzimmer. Und städtisches Land kann unglaublich produktiv sein. In der Schweiz z. B. stammen 70 Prozent des gesamten Bauholzes aus Gemeindewäldern. Unsere Städte könnten die Materialien für viele menschliche Bedürfnisse liefern und einigen Ackerflächen und Baumschulen erlauben zu renaturieren.
Ich spreche nicht davon, jeden Garten in Reihenkulturen zu verwandeln. Wenn man ökologisch gärtnert und multifunktionale Landschaften entwirft, die Nahrung und andere Güter für uns selbst liefern, während sie eine natürliche Umgebung für andere Arten schaffen, können wir unsere Städte wirklich zum Blühen bringen. Doch ein Garten voller heimischer Pflanzen, ohne eine einzige für den menschlichen Gebrauch, bedeutet nur, dass es woanders und außer Sichtweite einen Bauernhof mit ausländischen Pflanzen und Fabrikwald gibt, die mit der damit einhergehenden Umweltzerstörung für die Bedürfnisse dieses Vorstädters sorgen, der heimische Pflanzen liebt. Selbst Biobauernhöfe sind gewöhnlich Monokulturen. Im Kontrast dazu vermindert ein Garten mit sorgfältig ausgesuchten Exoten (und auch einigen Einheimischen) den ökologischen Schaden durch die menschlichen Bewohner weitaus mehr als ein Garten, der nur heimische Gewächse aufweist. Wenn wir uns in unseren eigenen Gärten versorgen, können Massentierbetriebe und Wirtschaftswälder schrumpfen. Irgendwo muss ein Landwirt nicht mehr ganz so nah an einem Bach pflügen und rettet Uferarten, die nie auf einem Vorortgrundstück gedeihen würden.
Die Debatte Einheimische versus Exoten
Zunächst ein Wort zur Terminologie. Der Begriff invasiv ist emotional mit negativen Konnotationen aufgeladen. Das Wort impliziert, dass eine Art von sich aus eindringen kann, doch die Fähigkeit zum Eindringen ist nicht auf bestimmte Arten begrenzt. Ob ein Organismus in eine neue Landschaft eindringt, hängt von der Interaktion zwischen ihm und seiner Umgebung ab, der lebenden und unbelebten. In einem neuen Zuhause kann eine Art gedeihen, in einem anderen kann sie völlig versagen. Eine Spezies »invasiv« zu nennen, ist keine gute Wissenschaft. Ich folge David Jackes Beispiel, der in seinem Buch, Edible Forest Gardens, das Wort opportunistisch verwendet. Dieses Wort gibt viel genauer den Sinn wieder, dass eine Art bestimmte Bedingungen benötigt, um sich so zu verhalten, wie sie es tut. Viele widerspenstige exotische Arten sind in ihrer Heimat langweilig zahm. Selbst die Begriffe einheimisch und exotisch haben ihre Schwierigkeiten, doch ich verwende sie weiterhin. Bedeutet exotisch, eine Art war nicht da, bevor Sie auftauchten, vor der Ankunft des ersten Botanikers, vor Kolumbus, dem ersten Menschen oder was? Die Arten sind ständig in Bewegung. Wir müssen diese Begriffe neu überdenken und auch, warum wir sie einsetzen.
Das Gärtnern mit heimischen Pflanzen ist in den letzten Jahren nicht nur populär geworden, sondern eine cause célèbre. Unterstützer von natürlichem Gärtnern können sich richtig in Rage reden, wenn jemand nicht einheimische Pflanzen empfiehlt. Regierungen, die Agrarwirtschaft und Schutzgruppen haben Millionen in dem Bemühen ausgegeben, »exotische« Arten auszurotten. Parkabteilungen landesweit haben Grundsätze für Wanderwege, Spielplätze und andere öffentliche Plätze. Die Argumente für heimische Pflanzen haben ihre Berechtigung: Natürlich wollen wir unsere einheimischen Arten und ihren Lebensraum schützen. Doch viel von der Energie, die darauf verwandt wird, exotische Arten auszureißen und Einheimische zu pflanzen, ist fehlgeleitet und zwecklos, wie der Misserfolg so vieler Reaktivierungsprojekte belegt, bei denen sich die nicht heimischen Gewächse langsam, aber sicher wieder ausbreiten, nachdem die Finanzierung oder der Arbeitskräftepool versiegt ist. Ohne größere Veränderungen in unseren Landnutzungspraktiken läuft die Kampagne, exotische Pflanzen zu beseitigen, ins Leere. Ein wenig ökologisches Wissen zeigt warum. Sehen Sie sich die opportunistischsten Pflanzen an. Baumwürger und Japanisches Geißblatt überwuchern die Waldränder von New England. Die Kopoubohne oder Kudzu erstickt die Straßenränder und Waldränder im Süden. Blutweiderich durchsetzt die Wasserwege beider Küsten und des Mittleren Westens und Schmalblättrige Ölweide schießt im Westen in kleinen Forsten empor. In fast jedem Fall dringen diese Pflanzen in devastierte Flächen und gestörte Ökosysteme ein, die durch Beweidung, Abholzung, Staudämme, Straßenbau, Verschmutzung und andere menschliche Aktivitäten fragmentiert und degradiert sind. Weniger gestörte Ökosysteme sind viel widerstandsfähiger gegenüber opportunistischen Arten, obwohl Opportunisten auch dorthin gelangen, wenn sie sich an Eintrittspunkten wie Straßeneinschnitten und Holzeinschlagstellen etablieren.
Ein Gartenautor, der für heimische Pflanzen wirbt, beschreibt das mit seinen Worten als »Kudzu-Phänomen, bei dem ein Exot heimische Arten verdrängt, wenn wir nicht ständig eingreifen«. Aber unser Eingriff ist das Problem. Wir gehen davon aus, dass die Natur einen Fehler macht, wenn sie hybride, schnell heilende Dickichte erzeugt, also anstatt einer gestörten natürlichen Umgebung zu erlauben, sich zu stabilisieren, stören wir sie immer weiter. Wir können Baumwürger und Geißblatt so viel besprühen und ausreißen, wie wir wollen, doch sie kommen immer wieder zurück.
Dies sind Arten, die sonnendurchflutete Randbereiche lieben, und wir haben die Wälder in so viele kleine Stücke zerschnitten, dass wir mehr Rand- als Innenbereiche haben, wodurch der perfekte Lebensraum für diese Exoten entsteht. Dasselbe gilt für die Kopoubohne, Weiderich und fast alle anderen. Im Osten folgte der Blutweiderich den Kanälen des 19. Jahrhunderts in die Feuchtgebiete; und im Westen hat er sich schnell entlang von Bewässerungsgräben in Sumpfgebieten und Teichen ausgebreitet. Die Menschen schaffen perfekte Bedingungen, in denen exotische Arten gedeihen. Ich habe oft gehört, dass die eine oder andere opportunistische Art dafür verantwortlich gemacht wurde, wenn einheimische Arten lokal verschwinden. Das ist verständlich. Wenn wir etwas verlieren, das wir lieben, suchen wir einen Schuldigen, und eine kürzlich eingeführte Art ist ein leichtes Ziel. Aber wirklich jedes Mal, wenn ich einer solchen Anschuldigung nachgegangen bin, hat sich herausgestellt, dass der Platz zuerst massiv durch Erschließung, Holzfällerei oder andere menschliche Nutzung gestört worden war. Der Opportunist kam an, nachdem der erste Schaden erfolgt war und oft in direkter Reaktion darauf.
Opportunistische Pflanzen brauchen Störung und sie lieben Randzonen. Eine Erschließung bringt beides in hohem Maße. Wenn wir nicht aufhören, Randbereiche und Störung zu kreieren, werden unsere Vernichtungsmaßnahmen vergeblich sein, außer in kleinen Fleckchen. Die langfristig beste Hoffnung für die Beseitigung der meisten opportunistischen Arten liegt darin, eine Störung des Bodens zu vermeiden, intakten Wald herzustellen und die Neulinge mit anderen Arten zu überschatten. Mit anderen Worten, wir müssen Landschaften schaffen, die ökologisch reifer sind. Opportunistische Pflanzen sind, mit ein paar Ausnahmen wie Efeu, fast ausschließlich Pionierarten, die Sonnenlicht, aufgebrochene Erde und oft auch mageren Boden brauchen. Kudzu, Besenginster und Schmalblättrige Ölweide sind beispielsweise Stickstoffbinder, deren Rolle darin besteht, Bodenfruchtbarkeit aufzubauen. Sie gedeihen daher in überwirtschafteten Feldern und überweidetem Weideland und sind eine Möglichkeit, wie die Natur Fruchtbarkeit mit dem zurückgewinnt, was verfügbar ist.
Opportunistische Pflanzen sind so erfolgreich, weil wir viele offene Nischen schaffen, wenn wir Land roden oder einen Wald in Fragmente zerstückeln. All dieser sonnige Platz und die nackte Erde schreien geradezu danach, von leichter und Fruchtbarkeit absorbierender grüner Masse kolonisiert zu werden. Die Natur möchte so viel Biomasse wie möglich zaubern, indem sie niedrig wachsende »Unkräuter« in eine Lichtung sät, oder noch besser ein riesiges Dickicht entstehen lässt, dass sich in alle drei Dimensionen ausbreitet, um das Licht noch wirksamer zu absorbieren und tiefe Wurzeln zu entwickeln. Deshalb sind Waldränder oft ein undurchdringliches Gewirr aus Büschen, Ranken und kleinen Bäumen: Hier ist viel Licht zu ernten. Direkt innerhalb der Randzone aber, wo es weniger Licht und kaum eine Störung gibt, sind Wälder gewöhnlich offen und weitläufig.
Wenn die Menschen eine Lichtung erschaffen, springt die Natur hinein und arbeitet wie wild daran, intakten Humus und eine Pilzschicht zu bilden, Energie zu gewinnen und all die Zyklen und Verbindungen wiederherzustellen, die unterbrochen wurden. Ein Dickicht aus schnellwachsenden Pionierpflanzen, die eine Menge Biomasse auf engem Raum ansiedeln, ist ein wirksamer Weg, um dies zu bewerkstelligen. Der Permakultur-Mitbegründer David Holmgren nennt diese ungezügelt wachsenden Mischungen aus Einheimischen und Exoten »rekombinante Ökologien« und glaubt, dass sie die wirkungsvolle Strategie der Natur sind, verfügbare Pflanzen zu versammeln, um beschädigtes Land zu heilen. Die aktuelle Forschung zeigt den Wert und die Heilkraft dieser neuen Ökologien. Wenn wir das Dickicht in dem fehlgeleiteten Glauben lichten, dass Wiesen für immer Wiesen bleiben sollten, selbst bei extremer Bewässerung, oder dass alle Waldränder saubere, offene Untergehölze haben sollten, werfen wir den Erholungsprozess zurück. Die Natur geht dann unerbittlich erneut an die Arbeit und füllt alles mit Pionierpflanzen. Und ihr ist es egal, ob ein Stickstoffbinder oder eine bodenstabilisierende Pflanze über Kontinentaldrift oder die Reifen eines Bulldozers dorthin gelangten, solange sie rasch ein funktionierendes Ökosystem zusammenflicken können.
Der abrupt endende Waldrand, an den sich eine Wiese oder ein Feld anschließt – wie es so häufig in Vororten der Fall ist – ist ein perfektes Zuhause für sonnenliebende exotische Arten. Wenn wir niedrige Bäume und Büsche pflanzen, um diese Ränder abzumildern, wodurch das Sonnenlicht geschluckt wird, das die Waldränder durchdringt, verschwindet die Nische für den Opportunisten. Entfernt man den Exoten einfach nur, hilft das nicht viel, es sei denn, der Garten wird gut gepflegt. Die Pflanze kommt gleich wieder in den perfekten Lebensraum, der auf sie wartet. Das ist ein Grund dafür, wieso Herbizidhersteller die Kampagne für heimische Pflanzen unterstützen. Sie erkennen einen Stammkunden sofort. Die Natur verabscheut ein Vakuum – schaffen Sie eines und sie wird mit allem, was ihr zur Verfügung steht, hineinstürmen. Um Opportunisten auszumerzen, muss die natürliche Umgebung dafür in eine gereiftere, weniger günstige Landschaft verändert werden. Die Bedingungen, die den Opportunisten unterstützen, müssen beseitigt werden.
Dieser Ansatz ist weit entfernt von »leben und leben lassen« und effektiver als ewiges Unkrautjäten. Pionier-Unkräuterlandschaften mögen der Weg der Natur sein, doch die meisten Leute wollen nicht, dass verworrenes Dickicht die Ränder ihres Gartens bildet. Gärten können von Opportunisten freigehalten werden, besonders kleinräumig, und wenn wir bereit sind, mehrere Saisonen lang auf der Hut zu bleiben. Aber es ist schwer, Erfolg zu haben, wenn man immer noch der alten Maxime »roden, sprühen und verteufeln« folgt. Eine einfachere und produktivere Strategie besteht darin, von den ausgereifteren Waldrändern in unserer Nähe zu lernen. Auch hier kann uns die Naturbeobachtung lehren, welche Arten es sich natürlich an den sonnigen Rändern alter Wälder gemütlich machen. Sehen Sie sich diese Plätze an und Sie finden möglicherweise Hartriegel, Kirsche, Holzapfel, Erle oder kleine Ahornsorten. Die Arten variieren landesweit, doch randbereichliebende Bäume und Büsche sind gute Kandidaten als Starthilfe für den Rand eines Gartens oder einer Waldparzelle, um eine reifere ökologische Phase einzuläuten. Man pflanzt sie an den überwucherten waldigen Rändern, um die Lücken zu füllen, ehe sich dort etwas festsetzt, das man nicht möchte. Sie können die Natur nicht bekämpfen – die Natur hat immer das letzte Wort – aber man kann ihr manchmal die gewünschte Richtung geben.
Der Wissenschaftler Thomas Henry Huxley aus dem 19. Jahrhundert verglich die Natur mit einem brillanten Gegner beim Schach: »Wir wissen, dass er immer fair, gerecht und geduldig spielt. Doch wir wissen auch, zu unserem Schaden, dass er nie einen Fehler übersieht oder auch nur im Geringsten Unwissenheit zulässt.« Die Natur hat eine Geduld, die den Menschen fehlt. Wir reißen vielleicht für ein paar Saisonen Baumwürger oder Kudzu aus, aber die Natur sät sie immer wieder, Jahr für Jahr, und wartet, dass wir kampfmüde werden. Die Natur plant auf lange Sicht.
Es ist nur unser begrenzter Zeitrahmen, der die ganze »Einheimische versus Exoten«-Kontroverse verursacht. Wind, Tiere, Meeresströmungen und Kontinentaldrift haben schon immer Arten in neue Umgebungen gebracht. Denken Sie daran, dass es seit Millionen von Jahren Milliarden Vögel gab, die über Hunderte oder Tausende von Kilometern gereist sind, jeder von ihnen mit ein paar Samen im Bauch oder an den Füßen klebend. Und jeder dieser vielen Milliarden Samen, von Tausenden von Arten, ist bereit aufzugehen, wo auch immer der Vogel Rast macht. Seit Anbeginn des Lebens wurde der Planet von wogenden, schwärmenden Artenbewegungen überflutet. Die Tatsache, dass es sich nicht um ein großes homogenes Unkrautgewirr handelt, ist ein überzeugender Beweis dafür, dass es nicht so einfach ist, in intakte Ökosysteme einzudringen.
Unsere Mobilität im Jet-Zeitalter hat die Bewegung von Arten wohl auf beunruhigende und wirtschaftlich oft schädliche Weise beschleunigt. Aber irgendwann kommt eine opportunistische Art nach einer Periode des Auf- und Abschwungs in ein Gleichgewicht mit ihrer Umgebung. Es dauert vielleicht ein Jahrzehnt oder ein Jahrhundert, Zeitspannen, die für einen Hauseigentümer wie eine Ewigkeit scheinen mögen, der sich mit Baumwürger oder Flockenblume herumschlägt. Doch eines Tages wird die neue Art ins örtliche Ökosystem »hineingezogen«, entwickelt natürliche Feinde und erlebt ungünstige Umgebungen, die sie im Zaum halten.
»Einheimisch« ist schlicht eine Frage der Perspektive: Ist eine Art heimisch an diesem Hang oder in diesem Landkreis, der Bioregion, dem Kontinent oder vielleicht auf diesem Planeten? Ich sehe eine gewisse Ironie darin, dass US-Amerikaner, die von Immigranten abstammen, »invasive Exoten« verfluchen, weil sie einheimische Arten verdrängen. Und häufig spielt eine opportunistische Art eine wichtige Rolle, wo die Natur an einem Problem arbeitet, das wir vielleicht nicht erkennen, und die besten Werkzeuge einsetzt, die ihr zur Verfügung stehen. Blutweiderich z. B. ist vielleicht das Paradebeispiel, das Enthusiasten für die Beseitigung exotischer Arten ins Feld führen. Wie sich herausstellt, verträgt er verschmutztes Wasser ausgezeichnet und eignet sich perfekt, um es zu reinigen. Wie viele andere opportunistische Arten schreit er uns geradezu an, dass es ein Problem gibt – verunreinigtes Wasser – und er ist einer der besten Akteure der Natur, um das Problem zu lösen, indem er alle Verschmutzungen herausfiltert. Studien haben zudem gezeigt, dass der Weiderich abstirbt, sobald der Verschmutzungsgrad eine relative Sauberkeit erreicht hat. Andere Forscher haben herausgefunden, dass Weiderichstellen entgegen der Annahmen ebenso viele einheimische Bestäuber und Vögel unterstützen wie die sie umgebenden Bereiche heimischer Pflanzen. Dies zeigt, dass wir uns eingehender mit den Gründen für die Dämonisierung bestimmter Arten befassen müssen.
Natürlich ist es unklug, absichtlich eine Art einzuführen, die als lokal opportunistisch bekannt ist. Permakulturisten verwenden bei der Auswahl von Pflanzen eine Sicherheitshierarchie. Verwenden Sie zunächst nach Möglichkeit eine einheimische, um die gewünschte Rolle auszufüllen. Falls für diese Nische keine heimische Pflanze existiert, verwenden Sie einen erprobten Exoten. Erst nach vielen Recherchen würde man die Einführung eines neuen Exoten in kleinem Maßstab in Erwägung ziehen. Und um ehrlich zu sein, habe ich das noch nie getan, kenne persönlich niemanden, der das getan hat, und ich empfehle es auch nicht. Es gibt Tausende von Arten, die in vielen Lebensräumen ausprobiert worden sind, und wenn eine aus dieser riesigen Auswahl nicht funktioniert, muss das, was Sie im Sinn haben, vielleicht auch gar nicht getan werden.
Ich liebe einheimische Pflanzen und pflanze sie an, wo immer es passt. Doch fast das gesamte Problem – von der Brandmarkung bestimmter sich schnell ausbreitender, bodenbildender Pionierpflanzen als böse bis hin zur Schaffung der Bedingungen, die ihre Ausbreitung begünstigen – stammt daher, dass man die Wege der Natur nicht versteht. Wenn man ökologisch denkt, verpufft das Problem entweder als Missverständnis oder eröffnet Lösungen, die im Lebenszyklus des Opportunisten stecken. Eine Pflanze gedeiht nur dann, wenn die Bedingungen dafür stimmen. Ändert man diese Bedingungen – Ränder beseitigen, nicht mehr umgraben, mit Bäumen Schatten schaffen, Verschmutzung beseitigen – wird der Opportunist fast immer aufhören, ein Problem zu sein.
Ich bin auch beunruhigt über das feindselige, polarisierte Verhältnis zu Pflanzen, das ein übereifriger Enthusiasmus für Einheimische fördern kann. Dies kann zu einer Geisteshaltung von »heimische Gewächse gut, alles andere schlecht« führen, was den Blutdruck des Gärtners beim Anblick jeder exotischen Pflanze zum Kochen bringt. Wut ist nicht die beste Emotion, mit der man in den Garten gehen sollte. Und wir alle sind für so viele unserer Bedürfnisse enorm auf nicht heimische Gewächse angewiesen. Sehen wir uns nur mal unser Essen an. Woher kam das Frühstück heute früh? Ich wäre überrascht, wenn viele US-Amerikaner regelmäßig eine Pflanze essen, die in ihrem Staat heimisch ist. So sind etwa die einzigen verbreiteten Nahrungspflanzen, die aus Nordamerika stammen, Sonnenblumen, Hopfen, Kürbis, einige Nüsse und Beeren. Fast alles, was wir essen, kam ursprünglich aus anderen Kontinenten. Wenn wir exotische Arten eliminieren, wären die meisten von uns ziemlich hungrig, bis wir lernen würden, örtliche Wurzeln, Beeren, Nüsse und Wildgemüse zu essen.
Daher plädiere ich für eine vernünftige Balance aus heimischen und exotischen Pflanzen in unseren Landschaften. Wir werden wohl kaum imstande sein, unsere Städte in heimische Wildnis zurückzuverwandeln, doch unsere Gärten können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Funktionen und Dienste instandzusetzen, die von der Umwelt unseres Planeten geboten werden. Eine wichtige Annahme dieses Buches ist, dass unsere eigenen Gärten es uns ermöglichen, den unaufhörlichen Druck auf die Gesundheit des Planeten zu verringern. Die Techniken der Permakultur und der ökologischen Gestaltung ermöglichen es uns auf einfache, intelligente und schöne Art, einige unserer eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Wir können Landschaften schaffen, die in ähnlicher Weise wie die in der Natur agieren, aber ein wenig an ihnen herumbasteln, um ihren Ertrag für die Menschen zu steigern und gleichzeitig heimischen Lebensraum zu bewahren. Und wenn wir das tun, können einige Massentierhaltungsbetriebe und Industriewälder wieder zu Wildnis werden.
Wir haben von Kulturen, die in relativer Harmonie mit ihrer Umgebung leben, und aus wissenschaftlichen Studien über Ökologie und Landwirtschaft genügend Wissen gesammelt, um Gärten zu schaffen, die wilden Tieren und Pflanzen Habitat und Unterstützung für die Menschen bieten. Sie sehen nicht wie Farmen aus. Stattdessen fühlen sie sich wie die einheimische Vegetation an, aber können optimiert werden, um die Bedürfnisse und Interessen der menschlichen Bewohner zu erfüllen. Stellen Sie sich Ihre Lieblingslandschaft vor und sehen Sie sich dabei, wie Sie Obst von den Bäumen pflücken, einen knackigen Salat aus den Blättern zubereiten, einen Strauß üppiger Blumen schneiden und einen Vorrat Gartenpfähle vom Bambusfeld anlegen. Diese Gärten stellen den Menschen eine Menge Platz zur Verfügung, verhalten sich jedoch wie Ökosysteme, recyceln Nährstoffe, reinigen Wasser und Luft und bieten heimischer und eingebürgerter Flora und Fauna ein Zuhause.

Designer Joel Glanzberg steht 1989 in New Mexico im kargen Wüstengrundstück des Flowering Tree Permaculture Institute.
Natürliche und ökologische Gärten betonen die Rolle von Pflanzengemeinschaften, d. h. Gruppierungen von Bäumen, Büschen und nicht verholzten Pflanzen, die natürlich zusammen vorkommen und zu einem Ganzen verbunden zu sein scheinen. Der Unterschied ist, dass natürliche Gärten versuchen, einheimische Pflanzengemeinschaften nachzuahmen, während die Gärten in diesem Buch heimische Pflanzen, Nahrungspflanzen, Heil- und Küchenkräuter, Insekten und Vögel anlockende Arten, Pflanzen, die Boden bilden und andere zu synergistischen, für beide Seiten vorteilhaften Gruppierungen kombinieren. Diese »synthetischen« Pflanzengemeinschaften, die von der Permakultur Gilden genannt werden, bilden gesunde, interagierende Netzwerke, die die Arbeit des Gärtners vermindern, Menschen und Wildtieren ausreichend Gaben liefern und die Kreisläufe der Natur wiederherstellen.
Indigene Gesellschaften, vor allem in den Tropen, haben Gilden seit Jahrtausenden verwendet, um nachhaltige Landschaften zu schaffen. Erst seit Kurzem verstehen wir, was sie da und wie sie das machen. Ethnologen verwechselten die üppigen und produktiven Hausgärten, die tropische Häuser umgaben, mit wildem Dschungel, so perfekt hatten die Bewohner den umgebenden Wald nachgeahmt. Von diesen Gärtnern haben wir etwas darüber gelernt, wie man Landschaften kreiert, die genau wie die Natur funktionieren, aber den Menschen eine Rolle geben.
In gemäßigten Klimazonen ist die Kunst und Wissenschaft, Gemeinschaften aus nützlichen, attraktiven Pflanzen zu schaffen, ein neues und lebhaftes Feld. Viele Gärtner, mit denen ich bei der Recherche für dieses Buch gesprochen habe, sind Pioniere für diese Techniken. Die letzten Kapitel dieses Buches erklären, wie man Gilden entwirft und einsetzt, um dynamische »Nahrungswälder« und schöne Lebensräume für Menschen und Wildtiere zu schaffen. Ich hoffe, einige Leser dieses Buches werden zu diesem aufstrebenden Feld beitragen.

Vier Jahre später steht Joel an der gleichen Stelle. Ein intelligentes Permakulturdesign hat eine üppige Oase um ihn herum kreiert.
Die Wüste nachhaltig zum Blühen bringen
Damit Leser ein Gefühl für einen ökologischen Garten entwickeln können, möchte ich eines der schönsten Beispiele dafür beschreiben, die ich je gesehen habe. Nördlich von Santa Fe, New Mexico, hat Bildhauerin Roxanne Swentzell eine Oase in der hoch gelegenen Wüste geschaffen, die sie Flowering Tree Permaculture Institute nennt.
Als ich bei Flowering Tree ankam, stieg ich aus dem Auto, und mich empfing eine Hitze um die 35° C. Das grelle Licht wurde von den kahlen, erodierten Hängen in der Nähe reflektiert. Doch vor mir lag eine Mauer aus Grün, eine üppige Landschaft, die ich schon mindestens einen Kilometer davor entdeckt hatte und die in beruhigendem Kontrast zum gelben Sand und dem Kies der Wüste stand. Ich betrat den Garten durch eine Lücke zwischen sich wölbenden Bäumen und die Temperatur sank deutlich. Die Luft hier war frisch, kühl und feucht, anders als die staubige, die Stirnhöhlen austrocknende, die ich draußen geatmet hatte. Ein Blätterdach aus Walnussbäumen, Pinyon-Kiefer und Neumexiko-Robinie beschirmte ein üppiges Untergehölz aus Granatäpfeln, Nektarinen, Jujube-Bäumen und Mandeln. Eine essbare Passionsblume wärmte sich an einer Steinmauer. Weinranken überwucherten ein Eingangsspalier. Zwei kleine Teiche funkelten von dem Regenwasser, das über das Dach des Adobehauses aufgefangen wurde. Unter Sträuchern und entlang von Wegen blinkten unendlich viele einheimische und exotische Blumen.
Roxanne, eine athletisch aussehende Frau mit hohen, festen Wangenknochen, die sie von ihren Vorfahren aus Santa Clara geerbt hat, begrüßte mich und lächelte über meine leichte Verwirrung. Sie sah nicht zum ersten Mal, dass Besucher das prächtige Wachstum bestaunten, das in solchem Gegensatz zur Kargheit draußen stand. »Wir haben auf einer Fläche von etwa 500 m2 ungefähr 500 Arten«, erzählte sie mir. »Wir haben versucht, es zu einem autarken Ort zu machen, der sich um uns kümmert, während wir uns um ihn kümmern. Also bauen wir an, was immer wir können, das in diesem Klima überlebt.«
1986 zog sie auf ein Stück karges Land auf dem Stammland von Santa Clara. Sie beschreibt den Platz als »keine Bäume, keine Pflanzen, keine Tiere, nur festgetretene Erde und viele Ameisen«. Sie und ihre zwei jungen Kinder bauten ein Adobehaus mit passiver Solarenergiegewinnung und begannen zu pflanzen. Aber das Klima war zu rau. Trockene Winde fegten von den zerklüfteten, überweideten Hügeln herab und verbrannten die Setzlinge und töteten diejenigen, die nicht im Winter erfroren waren.
Damals traf Roxanne den Permakulturdesigner Joel Glanzberg aus der Gegend und er half ihr, Techniken für den Gartenbau in der Wüste aufzustöbern. Sie schleppten Felsen und Baumstämme herbei, um Setzlingen Schatten zu geben und gruben seichte Gräben, Bodensenken genannt, um wertvolles Regenwasser zu sammeln, und schufen geschützte, feuchte Mikroklimate. Um dringend benötigten Schatten zu erhalten und organisches Material zu generieren, pflanzten Joel und Roxanne jede mögliche nützliche, dürreresistente Pflanze, heimisch oder exotisch, die sie finden konnten. Durstigere Pflanzen platzierten sie in der Nähe des Acequia, oder Bewässerungskanals, der sich gemäß Stammesvereinbarung einmal pro Woche mit Wasser füllte. Ohne zuverlässige Wasserversorgung hätte man den Garten in der Wüstenhitze nicht zum Wachsen gebracht.
Sie schleppten Dünger und Mulchmaterialien herbei, um einen nährstoffreichen Boden aufzubauen, der die Feuchtigkeit während der Dürre bewahren konnte. Sobald die robusten jungen Bäume und Büsche sich etabliert hatten, setzten sie empfindlichere Pflanzen in ihren Schatten. Sie pflanzten Beerensträucher und kleine Obstbäume zu einer essbaren Hecke an der Nordgrenze, die ihnen Nahrung bieten und die Winde abhalten sollte, die vom nahegelegenen Canyon herunter wehten. All diese Techniken wurden zu einer mehrgleisigen Strategie kombiniert, um fruchtbare Erde aufzubauen, Schatten zu bilden, die wilden Temperaturschwankungen der Wüste abzumildern und Wasser zu sparen. Gemeinsam erzeugten diese Praktiken einen milden, unterstützenden Ort, der einen Garten zum Wachsen brachte. Langsam verwandelte sich die karge Landschaft in einen jungen, mehrstöckigen Nahrungswald. Roxanne erzählte mir: »Es war hart, den Garten in Gang zu bringen, aber sobald die kleinen Setzlinge loslegten, gab es kein Halten mehr.« Bei meinem Besuch war die Landschaft acht Jahre alt, und wo vorher keine Bäume gestanden hatten, waren sie nun so hoch wie das zweistöckige Haus. Angenehmer, kühlender Schatten, von dichtem bis Halbschatten, hielt die glühenden Sonnenstrahlen ab. Statt den Boden zu backen, wurde die stechende Hitze der Sonne vom dicken Blätterdach aufgenommen und in üppiges Grün, Mulch, Nahrung und tiefreichende Wurzeln verwandelt, die die Erde auflockerten. In den hellen Lücken wetteiferten Blumen und Nahrungspflanzen um das Sonnenlicht. Selbst im Schatten unterteilte ein vielschichtiges Unterholz aus Stauden und kleinen Bäumen den Garten in eine Reihe kleiner, von Pfaden durchzogener Räume.
Ich erhaschte Blicke auf Vögel, die von Zweig zu Zweig tanzten, ehe sie im Gebüsch verschwanden. Ein ständiges Rascheln und Zirpen umhüllte uns von allen Seiten und ich wusste, dass im Laub noch Dutzende von Vögeln versteckt waren. Metallisch glänzende nützliche Wespen tauchten in die Blüten, die uns umgaben, und Schmetterlinge aller Größen und Farben schwebten und flatterten von Blüte zu Blatt.
Roxanne hatte eine Gartenschere dabei und schnitt hin und wieder einen zu üppigen Ast von den Maulbeeren, Pflaumen, Robinien und anderen lebhaft wachsenden Bäumen und Büschen ab, die an den Wegen standen. Sie waren Futter für ihre Truthähne oder einfach mehr Mulch.
Sie deutete auf eine purpurfarbene Penstemon barbatus mit trompetenförmigen Blüten, die im tiefen Schatten unglücklich aussah. »Die Dinge ändern sich so rasch hier«, sagte sie. »Sie stand vor zwei Jahren voll in der Sonne. Jetzt ist es völlig schattig und ich glaube, sie fault, weil die Erde zu nass bleibt. Und schau nur all die Pfirsiche an. Ich sollte sie schnell ernten.«
Die Techniken und Designstrategien (die dieses Buch im Detail beschreiben wird) hatte die Landschaft verwandelt. Roxanne und ihre Helfer hatten ein angeschlagenes Stück Wüste zum Leben erweckt, eine dicke Schicht nährstoffreichen Bodens hergestellt und immense Artenvielfalt an einen einst verarmten Platz gebracht. Hier in der hoch gelegenen Wüste gab es fast zu viel Wasser und Schatten. Das Essen fiel schneller von den Bäumen, als sie es ernten konnten, und Vögel, die nie jemand vorher gesehen hatte, fühlten sich im Garten zu Hause.
Nicht jeder beginnt mit solch einer schweren Herausforderung und einem kargen Platz wie Roxanne. Doch es besteht eine ziemliche Lücke zwischen dem typischen Garten und dem, was Roxanne und andere Gärtner geschaffen haben. Der Durchschnittsgarten ist eine ökologische und landwirtschaftliche Wüste. Der Hauptschuldige ist kurz gemähtes Gras, das keinen Lebensraum und nichts für die Menschen bietet, außer einem Platz zum Sitzen, aber weit mehr Wasser und Chemikalien aufsaugt als eine vergleichbare Fläche von Ackerland.
Die üblichen Pflanzungen, die nur einen Zweck erfüllen und die man in den meisten Landschaften findet, haben auch ihre Nachteile. Überzüchtete Blumen, ohne Pollen und Nektar, verdrängen Varietäten, die Vögel und Insekten nähren. Viele Zierpflanzen sind nicht mehr als eine angenehme Augenweide und ließen sich durch gleichermaßen attraktive Arten ersetzen, die für Menschen und Wildtiere nützlich sind.
Auch die typischen Gartentechniken helfen nur wenig. Eine ordentliche Schicht Rindenmulch statt natürlicherer und schützender Bodenpflanzen raubt kleinen Tieren und Insekten ihr Zuhause. Der häufige Einsatz von Chemikalien in vielen Rasen, der nötig ist, weil natürliche Bodenfruchtbarkeit und Raubinsekten fehlen, verseucht das Wasser, tötet Wildtiere und steht fast sicher in Verbindung mit vielen Erkrankungen. Wie gesagt, maskieren unproduktive Heimatlandschaften den immensen Umweltschaden, den unser Ressourcenverbrauch anderswo, außer Sichtweite, anrichtet und tragen dazu bei.
Der ökologische Garten bietet eine Lösung. Unsere Gärten könnten tief mit der Natur verbunden sein und dennoch mehr sein als nur Wildnis oder Gärten mit heimischen Pflanzen – sie könnten uns auch mit der Fülle der Natur vereinen. Die Techniken und Strategien dafür wurden von erfinderischen und einfallsreichen Pionieren erarbeitet. Diese Leute haben ein neues Terrain abgesteckt und zurückgebracht, was sie gelernt haben. Ich habe mit vielen von ihnen gesprochen und ihre lebendigen, natürlich produktiven Landschaften besucht, als ich für Gaias Garten recherchierte. Diese Pioniere haben ihr Wissen geteilt und ich habe versucht, dies auf den folgenden Seiten bestmöglich zu teilen.
So verwendet man dieses Buch
Gaias Garten ist in drei Teile gegliedert. Der Rest des ersten Teils führt weiter in die Idee des Gartens als ein Ökosystem ein. Kapitel 2 bietet eine einfache Anleitung zu den Konzepten aus der Ökologie, die Gärtner anwenden können, damit ihre Gärten mehr wie die Natur funktionieren. Keine Angst – das ist kein Lehrbuch, es ist ein Gärtnerhandbuch, ich rede also nicht sehr viel über technische Details. Ich gebe ausreichend praktische Beispiele, wie ökologische Prinzipien funktionieren. Kapitel 3 beschreibt im Anschluss den Designablauf und die Techniken, die bei der Gestaltung eines ökologischen Gartens angewandt werden. Die meisten dieser Ideen werden jenen vertraut sein, die in Permakultur bewandert sind, aber neu für Leute, die einen herkömmlichen Gärtnerhintergrund haben.
Im zweiten Teil des Buches gehen wir von der Theorie zur Praxis und betrachten die Bestandteile des ökologischen Gartens. Je ein Kapitel befasst sich mit dem Boden (Kapitel 4), Wasser (Kapitel 5), den Pflanzen (Kapitel 6) und Tieren (Kapitel 7), doch aus einer anderen Perspektive als die meisten Gartenbücher. Statt Erde, Wasser, Pflanzen und Tiere als statisch anzusehen, als Objekte, die manipuliert werden, damit sie tun, was wir wollen, behandle ich sie dynamisch und in steter Veränderung, mit eigenen Qualitäten, die es zu verstehen gilt, um erfolgreich damit zu arbeiten und als untrennbar verknüpft mit allen anderen Teilen des Gartens.
Der dritte Teil zeigt, wie man die Elemente des Gartens in einem Garten-Ökosystem zusammenführt. Kapitel 8 beginnt mit einfachen Mischkultur-Techniken und erklärt sie genauer, um zu zeigen, wie man Polykulturen (Mischungen aus mehreren bis vielen Pflanzenarten, die zusammenwirken) und von Menschen geschaffene Pflanzengemeinschaften oder Gilden bildet. Kapitel 9 bietet mehrere Methoden zum Entwurf von Gartengilden an. Aufbauend auf diesen beiden Kapiteln beschreibt Kapitel 10, wie man Pflanzen und Gilden zu einem mehrstöckigen Nahrungswald oder Waldgarten zusammensetzt. Kapitel 11 bietet Strategien und Techniken für besondere Herausforderungen, mit denen Stadtbewohner konfrontiert sind. Das letzte Kapitel verdeutlicht, wie diese Gärten ein Eigenleben entwickeln und zu autarken Mini-Ökosystemen heranreifen, die viel mehr sind als die Summe ihrer Teile. Ich gebe auch ein paar Tipps und Techniken, um diesen Prozess zu beschleunigen.
Der Haupttext des Buches erklärt die Ideen hinter einem ökologischen Garten und gibt Beispiele und Beschreibungen der umgesetzten Ideen. Spezifische Gartentechniken sind gewöhnlich vom Text in Kästen abgesetzt, damit man sie leicht finden kann. Es gibt auch Listen von Pflanzen, die relevant für die Ideen im Text (Insekten anlockende Arten, trockenheitsverträgliche Pflanzen usw.) sind, und der Anhang enthält eine große Tabelle nützlicher, multifunktionaler Pflanzen und ihrer Eigenschaften.
Viele der Techniken und Ideen in diesem Buch können für sich allein verwendet werden, einfach als Mittel, um einen konventionellen Garten produktiver oder freundlicher zur Erde zu gestalten. Es ist aber auch nichts falsch daran, einen Kombi-Ansatz für diese Ideen zu wählen und nur diejenigen zu verwenden, die sich leicht in eine bestehende Landschaft einfügen lassen. Doch diese Techniken sind auch synergistisch; je mehr man sie in die Praxis umsetzt, desto mehr arbeiten sie zusammen, um eine reich verbundene und vollständige Landschaft zu schaffen, die mehr ist als eine Gruppe unabhängiger Teile. Diese widerstandsfähigen, dynamischen Garten-Ökosysteme verhalten sich wie die der Natur, während sie für uns sorgen und unsere Ansprüche an die schwindenden Ressourcen dieses Planeten reduzieren.
KAPITEL ZWEI
Die Ökologie eines Gärtners

Etwas raubte das Essen der Bullock-Brüder. Joe, Douglas und Sam Bullock waren in den frühen 1980er Jahren auf die San Juan Islands in Washington gezogen und fingen an, einen Nahrungswald zu pflanzen. Sie bauten den Boden ihres Grundstücks auf und pflanzten Obstbäume, Nussbäume und Hunderte anderer Arten, die alle dazu gedacht waren, die Artenvielfalt und Üppigkeit dieses einst verbuschten, brombeerüberwucherten Grundstücks zu fördern. Zehn Jahre später beschatteten Walnussbäume und Bambushaine die Wege. Pflaumen, Pfirsiche, Kirschen und Äpfel hingen in dichten Girlanden von ausladenden Ästen, und unter ihnen breiteten sich über jeden Zentimeter Boden Blumen, Beeren, essbares Grünzeug und bodenbildende Pflanzen aus. Die Bullocks hatten ein sich selbst erneuerndes Ökosystem geschaffen, das ihre Familien und Besucher ernährte, Baumschulbestände für ihre Landschaftsgestaltungsfirma lieferte und örtlichen Wildtieren Schutz bot.
Eine Randzone ihres Grundstücks grenzte an ein Feuchtgebiet, das ein paar Jahre zuvor aus aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen zurückgewonnen worden war. Am Rande der Marsch wuchsen Rohrkolben in dicken Beständen. Junge Rohrkolbentriebe sind eine leckere Wildnahrung und für mehrere Jahre hatten die Brüder im Frühling und Sommer die Babytriebe geerntet, gedämpft oder sautiert und sie in ihre Mahlzeiten integriert. Doch in einem Jahr konnten sie keine Sprossen finden, nur raue, reife Rohrkolbenstängel. Ihre natürliche Nahrungsquelle war versiegt und die Brüder wollten wissen, warum.
Bei näherer Betrachtung der Marsch stellte sich heraus, dass ein Tier die jungen Schösslinge kurz über dem Wasserspiegel abnagte.
Die Diebe waren gründlich. Es blieb nichts für die Bullock-Brüder und ihre Familien übrig.
Schnell war klar, wer sich hier gütlich tat. »Wir hatten festgestellt, dass mit der Entwicklung des Sumpfs, während er immer produktiver wurde, die Bisamrattenpopulation richtig in Fahrt kam«, berichtete Douglas Bullock. Die Brüder hatten Gartenbeete gebaut, die bis ins Sumpfland reichten, d. h. sie kopierten eine Idee der alten Azteken. Sie hatten Halbinseln erzeugt, indem sie Stroh und Äste anhäuften, die wie Finger in den See hineinreichten, bedeckten sie mit nährstoffreichem Sumpfschlamm und bepflanzten diese sich selbst bewässernden Gartenbeete, oder Chinampas, mit Nahrungs- und Wildpflanzen. Die Tiere vor Ort, die bereits das neue Feuchtgebiet genossen, reagierten auf den verbesserten Lebensraum der Chinampas mit explosiver Vermehrung. Enten, Eisvögel, Reiher und andere Wasservögel gab es nun im Überfluss, aber eben auch Bisamratten. »Plötzlich sah der Sumpf wie ein geschäftiger Hafen aus, durchzogen von den Blasenspuren der Bisamratten«, erzählte Douglas. Ganze Flotten von Bisamratten gruben am Rand der Marsch Tunnel in den nährstoffreichen Boden und knabberten an den Rohrkolbentrieben. Die weniger flinken Menschen hatten keine Chance gegenüber den fleißigen Nagern.
Die Brüder beklagten den Verlust ihrer Wildnahrung, weigerten sich aber, die Schuldigen auszurotten. »Erstens töten wir nicht die Wildtiere, die wir selbst angelockt haben«, erklärte Douglas. »Zweitens hätten wir wochenlang Bisamratten schießen können, aber sie hätten sich einfach weiter vermehrt. Der Lebensraum war zu gut.«
Ein oder zwei Jahre ohne Rohrkolben gingen vorbei. Dann waren die leckeren Sprossen plötzlich wieder da und der einst so geschäftige »Hafen« war ruhiger geworden. Die Bisamrattenpopulation hatte abgenommen. Was war geschehen?
»Es waren Otter eingezogen«, sagte Douglas. »Die Bisamratten waren eine leckere neue Nahrungsquelle. Wir hatten noch nie zuvor Otter gesehen. Und es kamen nicht nur Otter. Wir hatten andere Raubtiere: Weißkopfseeadler, Habichte, Eulen. Sie räumten auf.« Statt vergeblich zu versuchen, die sich rasch vermehrenden Bisamratten zu beseitigen, hatten sich die Bullocks zurückgelehnt und der Natur die Arbeit überlassen. Die Brüder boten einfach ein reichhaltiges, breit gefächertes Habitat, wo sich ein lebhaftes Nahrungsnetz – das auch Raubtiere beinhaltete – entwickeln und Unausgewogenheiten wie eine Horde hungriger Bisamratten wieder richten konnte.
Drei ökologische Prinzipien
Die Bullocks haben ein herrliches Beispiel für ökologisches Gärtnern gebaut, wo Menschen und Wildtiere die Fülle ernten und in Harmonie leben können. Was auf dem Land der Brüder geschah, veranschaulicht mehrere Prinzipien der Ökologie, die Gärtner nutzen können. Die Abfolge von Rohrkolben/Bisamratte/Otter ist ein guter Ausgangspunkt, um drei wichtige und verwandte Konzepte zu betrachten: Nische, Sukzession und Artenreichtum. Ich beginne mit ihnen und gebe im Laufe dieses Kapitels Beispiele anderer ökologischer Ideen, die bei der Gestaltung nachhaltiger Gärten helfen können. Die Ideen auf den nachfolgenden Seiten legen die Grundlage für den ökologischen Garten. Die Beispiele und Techniken im Rest dieses Buches gründen in diesen Prinzipien der Natur.
Eine Nische finden
Jahrzehnte bevor die Bullocks eintrafen, war der am tiefsten gelegene Teil ihres Grundstücks eine Au. Ein fleißiger Landwirt hatte den »nutzlosen« Sumpf eingedämmt, entwässert und trockengelegt und dort viele Jahre Feldfrüchte angebaut. Die ökologisch orientierten Bullocks verstanden, dass Auen, abgesehen von ihrer Notwendigkeit für sauberes Wasser und Wildtierlebensraum zu den produktivsten Ökosystemen auf dem Planeten gehören und in denen es vor mehr Pflanzen und Tieren wimmelt als auf jedem Bauernhof. Sie beschlossen, das Feuchtgebiet wiederherzustellen und beseitigten die Dämme und Abflüsse. Im niederen Grund sammelte sich Wasser und bald war die Au wieder da.
Während die Marsch zurückkehrte, beförderten die Bullocks mit ihrem aus den Fugen platzenden Pick-up unzählige Ladungen an Mulch und Dünger auf ihr Land. Die Brüder schaufelten auch nährstoffreichen Schlamm aus dem Sumpf ans Ufer, um mit organischer Substanz und Nährstoffen Boden aufzubauen. In ein paar Jahren zahlte sich dieser gewaltige Zuwachs an Fruchtbarkeit vielmals aus. Die Bullocks konnten nicht nur mehr Pflanzensorten als zuvor anbauen, sondern opportunistische wilde Arten konnten auch eine Heimat in der verbesserten natürlichen Umgebung finden. Die Kombination aus Wasser und fruchtbarer Erde war unwiderstehlich.
Zu den ersten neuen Bewohnern gehörten die Rohrkolben. Ihre Samen wurden vielleicht von Wasservögeln zum erneuerten Sumpf gebracht oder lagen jahrelang inaktiv in der Erde, in der Hoffnung auf eine Rückkehr des Feuchtgebiets. Auf jeden Fall profitierten die Rohrkolben vom reifen Habitat und verwandelten Sonnenlicht, Wasser und Sumpfschlamm in schnell wachsende Schösslinge.
Wo immer es junges Grün gibt, ist jemand da, der es auffrisst – eine Lektion, die Gärtner schnell lernen, wenn Kaninchen, Feldmäuse, Stachelschweine, Waschbären und der ganze Rest über ihr Gemüse herfallen. Sie können sich das als eine Art schreckliches Ergebnis des »Feld der Träume«-Effekts vorstellen: Wenn man es anbaut, kommen sie und fressen es. Doch mit den Begrifflichkeiten eines Ökologen veranschaulicht das die Nische oder Rolle, die jeder Organismus spielt. Durch Schaffung eines Lebensraums eröffneten die Bullocks eine Gelegenheit für das Leben, auf Erkundung zu gehen. So, wie wenn man für eine Rolle in einem neuen Stück vorspricht, kamen Organismen, die für den Job geeignet waren, um diese Nische auszufüllen. Die Nische wäre dann ein Beruf und das Habitat der Arbeitsplatz, um diese Arbeit auszuführen.
Wenn die natürliche Umgebung vielseitiger wird, entstehen auch mehr Nischen. Die Schaffung eines Lebensraums löst häufig eine Kaskade von Nischen aus, was wir eben im ökologischen Garten erreichen wollen. Der Platz der Bullocks ist ein gutes Beispiel für eine Nischenkaskade. Das fruchtbare Habitat bot eine Nische für die Rohrkolben, die dann eine neue Nahrungsquelle bereitstellte, die rasch von den Bisamratten ausgenutzt wurde – Tiere, die dafür geschaffen sind, junge Pflanzen im Uferbereich zu fressen. Der Opportunismus der Bisamratten führte zu ihrem Aufstieg und Untergang: Sie wurden glücklich von den Rohrkolben fett, doch der geschäftige Hafen der Nagetiere war wie ein Leuchtfeuer für Raubtiere. In den noch wilden San Juan Islands lebten die Otter irgendwo in der Nähe. Die »Buschtrommeln« der Natur sind schnell und wirkungsvoll, und nur ein oder zwei Saisonen später bekamen die Otter Wind von der möglichen Ernte und zogen ein. So wie die Rohrkolben klein angefangen und sich dann zu einer prosperierenden Menge entwickelten hatten und schließlich bis auf ein Überbleibsel abgebissen wurden, so tauchten auch die Bisamratten auf, florierten und stürzten in einem Kreislauf ab, der nun mit dem der Rohrkolben und Otter verzahnt ist.
Schließlich bildete sich im Land der Bullocks eine gewisse Stabilität aus, doch es fluktuiert hin und wieder, wenn die eine oder andere Art vorübergehend die Oberhand gewinnt und dann wieder auf Linie gebracht wird. Doch an einem Ort, wo zuvor weder Rohrkolben noch Bisamratten oder Raubtiere überleben konnten, gedeihen nun alle drei, weil die Bullocks Lebensraum und Bodennährstoffe zur Verfügung gestellt haben. Die Brüder sorgten für die Anfänge und die Natur übernahm den Rest. Statt ausgelaugtes Ackerland können die Bullocks und ihre Freunde ein grünes Feuchtgebiet mit vielen Arten bewundern, in dem Rohrkolben, Riedgräser, Weiden und Wildblumen rascheln, das voller Heidelbeeren, anderer Früchte und von der Musik der Wasservögel und Frösche erfüllt ist und einen kurzen Blick auf Otter und Adler gestattet.

Auf der Farm der Bullock-Brüder auf Orcas Island im Bundesstaat Washington wird ein Apfelbaum von Nahrung und Lebensraum bildenden Pflanzen umgeben, die zusammenarbeiten und der Natur und den Menschen nutzen.
Gärtnern in Sukzession
In weniger als zehn Jahren machte das Grundstück der Bullock-Brüder den Sprung von einem brombeerüberwucherten Feld zu einem grünen jungen Nahrungswald. Über dem Sumpf, wo sich die Brombeeren in undurchdringlichen Dickichten ausbreiteten, werfen Äste, die voller Pflaumen und Kirschen sind, ihren Halbschatten auf leuchtende Kapuzinerkresseblüten. Nussbäume beschirmen einen Bambushain und Gemüsebeete schlängeln sich bis zum Wald. Die Brüder haben diese reichhaltige Landschaft rasch geschaffen, indem sie lieber mit der Natur als gegen sie arbeiteten. Einige der vielen Techniken, die sie eingesetzt haben, werden sich im Laufe dieses Buches allmählich entfalten, doch zuerst untersuchen wir eine der allumfassenden Strategien, die ihre Arbeit geleitet hat: beschleunigte Sukzession.
Wenn Pflanzen zuerst nackte Erde kolonisieren – z. B. einen verlassenen Bauernhof – beginnt eine Entwicklung. Bestimmte Arten von einjährigen Gräsern, Kräutern und Blumen sind die erste Flora, die erscheint, und wegen ihrer Neigung zur raschen Besiedlung werden sie Pionierpflanzen genannt. Sie sind gut daran angepasst, sich auf nackter oder gestörter Erde niederzulassen und die florale Leere mit Grün zu bedecken. Pionierpflanzen füllen das pflanzliche Vakuum und bringen die Lebenskreisläufe wieder zum Laufen. Wir kennen die meisten dieser schnell wachsenden Horde als Unkräuter: Fingerhirse, Löwenzahn, Kleiner Sauerampfer, Vielsamiger Gänsefuß, Wegerich, Wegwarte, wilder Lattich und viele andere. Aufgelassene Felder und frische Erde sind ihr Milieu, in dem sie eine Aufgabe zu erledigen haben: die nackte Erde vor erodierendem Regen zu schützen und Nährstoffe von tief im Boden an die Oberfläche zu leiten, wo sie genutzt werden können. Diese rasch wachsenden, kurzlebigen Pioniere bewahren und erneuern die Fruchtbarkeit des gestörten Grundes.
Falls man diese Unkräuter nicht stört, sind die kurzen, frühen Einjährigen nach ein paar Saisonen von einer Gruppe größerer, überwiegend mehrjähriger Pflanzen in die Enge getrieben und überschattet. In der nördlichen Hälfte der Vereinigten Staaten gehören zu diesen Pflanzen Astern, Weidenröschen, Goldrute, Wolfsmilch, mehrjährige Gräser und viele andere. Das dichte Laub, die verzweigten Stängel und viele Texturen der hohen Unkräuter bieten weitere Nischen, in denen Insekten und Vögel Schutz finden, sich paaren und fressen. Die Menge an lebender Materie, die man Biomasse nennt, wächst, während Nährstoffe und Sonnenlicht angesammelt und in robuste Stängel, dichte Begrünung und winterharte Samen umgewandelt werden, die wiederum zu Nahrung für Insekten und andere Tiere werden. Auf diese Weise bekommt das Leben auf dem nackten Boden schnell einen festen Halt. Wo die lebensnotwendigen Elemente zuvor auf eine dünne Schicht Oberboden beschränkt waren, strömen diese Nährstoffe nun in eine viel dickere Vegetationsschicht, die voller lebhafter Tiere steckt. Das Leben bahnt sich seinen Weg in neues Terrain.
Der Verlauf von blankem Boden über kurze einjährige Unkräuter zu hohen mehrjährigen Pflanzen wird als Sukzession bezeichnet. Falls es weiterwachsen darf, wird das Unkrautfeld in fünf bis fünfzehn Jahren mit Stauden bewachsen sein. Bei genügend Regen und Fruchtbarkeit werden die Büsche in 10-20 Jahren einem jungen Wald weichen. Überall dort, wo genügend Regen fällt, treibt die Sukzession eine Landschaft unaufhaltsam in Richtung Wald.
Obwohl das ein nahezu unaufhaltsamer Prozess ist, verläuft er nicht reibungslos linear. Zu jedem Zeitpunkt können Feuer, Wind, Blitz, der Pflug oder eine andere Störung ihn in eine frühere Phase zurückversetzen. Die meisten Landschaften sind ein Mosaik aus vielen aufeinanderfolgenden Stadien in vielen Maßstäben. Selbst in ausgereiften Gemeinschaften mit später Sukzessionsphase finden sich an den Rändern noch Arten aus allen anderen Sukzessionsperioden. Störungen, die von einem katastrophalen Waldbrand zu einem einzigen umgestürzten Baum reichen, lassen Pionierkräuter oder Sträucher aus dem Sukzessionsmittelfeld wieder einfließen, was eine bruchstückhafte Landschaft unterschiedlichen Alters und Stadiums zur Folge hat.
Was hat das mit Gärtnern zu tun? Konventionelle Gärten ahmen unreife Ökosysteme nach. Sie werden gewöhnlich von Pflanzen einer frühen Sukzessionsphase dominiert. Die meisten Gräser, Blumen und besonders einjährige Gemüsesorten sind Pioniere. Das bedeutet, dass wir in unserer Liebe zu Rasen und geordneten Gärten versuchen, unsere Gartenflächen in einem frühen Stadium der ökologischen Entwicklung zu halten. Die nackte Erde und der gestörte Boden in einem Gemüsegarten oder unter sauber kultivierten Sträuchern locken das Unkraut, das eifrig den nackten Boden bedeckt, Nährstoffe aus dem darunter liegenden mineralischen Boden und Gestein herauszieht und den Standort für ein reiferes Ökosystem wie Buschland oder Wald vorbereitet. Eine reine Fläche mit gut bewässertem Gras schreit gemäß dem Willen der Natur nach einem Blitzkrieg aus Setzlingen und Sträuchern oder zumindest nach einer Steigerung der Artenvielfalt durch schnell wachsende, einjährige Unkräuter.
Wir können unser Verständnis von Sukzession dazu nutzen, solche Gartenprobleme zu lösen. Die meisten Unkräuter sind Pionierarten, gedeihen durch Störung, Sonnenlicht und schlecht entwickelte Böden. Allein durch den Verzicht auf die Bodenbearbeitung als Gartentechnik schrumpften meine Unkrautprobleme enorm, da störungs- und lichtabhängiges Saatgut unterirdisch verfaulte, statt durch Licht und Kultivierung zum Wachstum angeregt zu werden. Eine Mulchschicht blockiert aus ähnlichen Gründen oft die Keimung der Unkrautsamen.
Der Aufbau einer organischen Bodensubstanz ist eine weitere Strategie zur Unkrautbeseitigung. Eine Ladung vermeintliches Stroh enthielt zu meiner Bestürzung lebende Stückchen von Ackerwinden, die mir nicht auffielen, bis in zwei Gartenbeeten, die ich mit der schädlichen Mischung gemulcht hatte, die bekannten und unerwünschten grünen Ranken wuchsen. Zwei von drei Saisonen langwierigen Ausgrabens scheinbar endloser Wurzelgeflechte störten die Ackerwinden nicht weiter. Hohe Mulchschichten, selbst schwere Holzspäne, verzögerten lediglich ihren überschwänglichen Ausbruch ins Tageslicht und erstickte rasch alles, was ich sonst noch gepflanzt hatte. Damals war ich nahe daran, ein Herbizid in Betracht zu ziehen. Dann waren die Ackerwinden in einem Jahr blass und fleckig und zwei Jahre später waren sie weg, obwohl ich sie kaum gejätet hatte. In der Zwischenzeit hatte sich der Boden in diesen Beeten nach Jahren konstanter tiefer Mulchschichten von rotem Lehm zu üppiger schwarzer Tonerde entwickelt. Ich habe seither von mehreren Leuten gehört, dass Ackerwinden und mehrere andere renitente Unkräuter in gut entwickelten Böden schwach werden, da sie jugendliche Lehmböden und kompostarme Sandböden bevorzugen. Sukzession ist also auf Böden ebenso anwendbar wie auf Pflanzen. Oft beeinflusst die Phase der Bodenbildung, welche Arten darin wurzeln können.
Ein Garten ist ein dynamisches System, kein unveränderliches Stillleben. Wenn wir unsere Landschaften als dynamische Ökosysteme und nicht als statische Ansammlungen träger Objekte betrachten, können wir Gärten schaffen, die von Natur aus in gesunden Mustern und Richtungen wachsen. Durch diese Perspektive können wir einen Großteil der Arbeit zur Pflege unserer Gärten auf die Natur übertragen.
Unter diesem Blickwinkel können wir fragen: Welche Arten von Ökosystemen enthalten die meisten Gärten? Die Antworten sagen uns, wieso Gartenarbeit so anstrengend ist und nie aufhört. Ein Grasrasen, der mit Blumen eingefasst ist, ist ein ökologischer Cousin der Prärie. Die andere hauptsächlich vorkommende Pflanzenanordnung in den Vorstädten, der archetypische Rasen mit gelegentlichen Bäumen und Sträuchern, ahmt eine Savanne nach. (Ich wundere mich über die uralten Träume, die wir ausleben, wenn wir diese Landschaften schaffen, die die Kindheit unserer Spezies in den Ebenen Afrikas nachahmen.)
Prärie und Savanne florieren unter bestimmten Umweltbedingungen. Dazu gehören geringe Niederschläge, schwere Beweidung und immer wieder Feuer. Da nur wenige Vorstädter trockene Erde, Bisonherden und Wildfeuer in ihren Gärten erlauben, begünstigen die Bedingungen in den meisten Rasenflächen Savanne und Prärie nicht. Was geschieht also mit diesen unglücklichen Ökosystemfragmenten? Eine Prärie oder Savanne, die nicht brennt, gut gedüngt wird und unter dem stotternden Zischen von Sprinklern gebadet wird, wird dazu gedrängt, zu Buschland und Forst zu werden. Das ist ökologische Sukzession, allgegenwärtig und unermüdlich.
Unkräuter im Rasen und Ahornsetzlinge in den Blumenbeeten zeugen von der Macht der Sukzession. Ökologisch betrachtet will der übliche Vorstadtgarten einfach nur erwachsen werden. Verstehen wir das, können wir uns mit der beachtlichen Macht der Natur verbünden, statt sie zu bekämpfen.
Ein unreifes Ökosystem wie ein Rasen fordert von uns Zeit, Energie und Materialien, um die Zeiger der ökologischen Uhr mit Gewalt zurückdrehen und das Land durch Mähen und Jäten in der Präriephase zu halten. Doch die Natur – und unsere Bewässerung und Düngemittel – lassen die Uhr unaufhaltsam weiter ticken, Sämlinge und junge Bäume sprießen und überschütten uns mit ihrer Fruchtbarkeit. Durch Sprinkler und Dünger drücken wir aufs Gas, doch mit Fräse und Baumsäge steigen wir auf die Bremse. Unter dieser Art von schizophrenem Regime funktioniert kein System gut.
Typische Rasenflächen und auch in hohem Maße Gemüse- und Blumengärten leiden an einem anderen ökologischen Fehler: es sind Monokulturen. Wie wir im letzten Kapitel gesehen haben, verlässt sich die Natur auf Multifunktionalität und Redundanz, die man beide nicht im Vorzeigerasen aus Wiesenrispengras findet.
Biodiversität im Garten
Selbst wenn wir Sukzession zulassen, lockt nicht jeder Garten Bisamratten und Otter an wie bei den Bullocks. Doch alle Gärtner können von denselben natürlichen Zyklen profitieren, die hier stattfinden. Vielgestaltiger Lebensraum wird Probleme mit Ungeziefer verringern. Ein Gartenbeet, das z. B. mit Brokkoli oder Rosen bepflanzt wurde, ist ein Magnet für Ungeziefer, das zufrieden die üppige Nahrung mampft, die ihm so freundlich zur Verfügung gestellt wird, so wie es die Bisamratten mit den Rohrkolben taten. Wenn das im typischen Garten passiert, werden sofort die Sprays und Insektizide herausgeholt und erhöhen noch die Arbeit des Gärtners unangenehm. Doch wenn man den natürlichen Feinden dieser Schädlinge eine natürliche Umgebung bietet, können Gärtner der Natur die Insektenkontrolle überlassen. Genauso wie die Otter, die in der Wildnis San Juans noch üppig vorkommen, zur Rettung wurden, werden es auch nützliche Insekten tun, die in Hecken und anderen Naturlandschaften sitzen, bereit, sich auf Blattläuse und Japankäfer zu stürzen. Der Schlüssel ist biologische Vielfalt in der Landschaft. Artenreichtum ist die Vielfalt an vorhandenen Organismen, die von vielen Ebene aus betrachtet wird: Sorte, Art, Gattung, Familie und noch weiter bis hin zu allen fünf Reichen sowie die Vielfalt der Lebensräume und Ökosysteme. Für unsere Zwecke bedeutet Artenvielfalt eine halbwilde, aber gut gestaltete Palette nützlicher Pflanzen, die hilfreiche Insekten, Vögel und andere Tiere anzieht und ernährt, die wir brauchen.
Biodiversität im Garten gibt es in zwei zusammenlaufenden Formen. Eine ist die Vielfalt, die der Gärtner gestaltet, indem er eine breite Auswahl an Blumen, Sträuchern und Bäumen pflanzt, die ein vielschichtiges Habitat schafft. Die zweite ist die Vielfalt des Lebens, die in der Nähe an noch intakten wilden Orten vorhanden ist – die Vögel, Insekten und Pflanzen, importiert und einheimisch, die auf dem Sprung sind, sich in diesem einladenden Lebensraum auszubreiten. Beide hängen voneinander ab.
Die meisten Städte besitzen genug leere Grundstücke, vernachlässigte Ecken, Parks und blumenreiche Landschaft, um eine lebendige Gemeinschaft kleiner Wildtiere zu nähren. In jeder außer äußerst verarmten Landschaften können diese wilden Pflanzen und Tiere leicht gutes Habitat finden. Falls ich in einer biologischen Wüste leben würde – z. B. den pestizidgetränkten Megafarmen, die normale Supermärkte beliefern – könnte ich mich nicht darauf verlassen, dass die Wildtiere, einschließlich der Insekten, auf der Suche nach Blumenangeboten in ausreichender Menge zur Verfügung stehen würden. Deshalb ist eine natürliche Umgebung so wichtig. Jede blumenbedeckte Ecke ist ein Reservoir für hilfreiche Wildtiere.
Die Idee, Nützlinge anzulocken, ist nicht neu, doch der ökologische Garten trägt das Konzept ein paar Schritte weiter. Fast alles in so einem Garten hat mehr als eine Funktion. Ich werde diese Idee ein paar Seiten später näher beleuchten, aber hier sind einige schnelle Beispiele. Um Nützlinge anzuziehen, könnten wir Monarde pflanzen, aus der man auch einen leckeren Tee machen kann, die die Luft mit einem minzartigen Duft erfüllt und eine farbenfrohe rosarote Blüte besitzt. Oder falls wir eine Hecke anpflanzen, können wir eine Staude wie wilde Aprikose oder Koreakirsche hinzufügen, Zierpflanzen deren Früchte gut für Wildtiere und Marmelade sind. Dann könnten wir Essbare Ölweide (Elaeagnus multiflora) mit Blumen und Beeren für Insekten und Vögel kombinieren, deren Wurzeln bodenbildende, Stickstoff fixierende Mikroben tragen. Ich könnte ewig so weitermachen, aber der Punkt sollte klar sein. Füllen wir unseren Garten mit multifunktionalen Pflanzen und anderen Elementen, schaffen wir ein dichtes Gewebe vieler Nischen für Wildtiere und auch einen reichhaltigen Ort für die Menschen: einen Reichtum an Nahrung, Blumen, Heilkräutern und anderen Produkten und einen Platz der Schönheit. Diversität bietet eine Kaskade von Vorzügen.
Unsere Liebe für ordentliche, aber nicht sehr abwechslungsreiche Gärten wird uns von unserer Kultur aufgedrückt. Der makellose Rasen, der von ökologischen Autoren überall angegangen wird, entwickelte sich im milden und gleichmäßig feuchten Klima Großbritanniens. Seine Auswirkungen sind tief in unsere Psyche eingewoben. Ein Rasen verkündete in der vorindustriellen Zeit allen, dass der Besitzer genügend Wohlstand besaß, um etwas Land zur reinen Zierde zu nutzen, anstatt alles mit Nahrungsmitteln zu bepflanzen. Und auch kurzgeschnittenes Gras tat Reichtum kund: eine Schafherde, die groß genug war, um den Rasen gleichmäßig kurz zu halten. Diese Statusindikatoren flüstern uns noch Jahrhunderte später ins Ohr. Erkennen wir bewusst den Einfluss der Geschichte, können wir uns davon befreien und reflexive Impulse loslassen, die ganze Landschaft mit Rasen zu bedecken. Unsere Sucht nach sauberen Rasenflächen und Soldatenreihen von Gemüse und Blumen widerspricht der Tendenz der Natur und garantiert ständige Arbeit. Doch wir brauchen Handschaufel und Herbizid nicht in Verbitterung und endlosem Kampf gegen den üppigen Appetit von Wegwarte und wildem Lattich nach frisch aufgeworfener Erde schwingen. Schaffen wir doch einfach Bedingungen, die von uns bevorzugte Pflanzen anlocken und überlassen wir der Natur die Arbeit, wie ich es im Anschluss zeige.
Ein reifer Garten
Weil Landschaften eine unwiderstehliche Tendenz zum Reifen haben, warum springen wir dann nicht auf den Sukzessionszug auf und ziehen Nutzen aus dem Schwung der Natur? Die Bullock-Brüder taten dies und wir können es auch. Mit einem Stups hier und einer kleinen Korrektur dort können wir die Sukzession tatsächlich beschleunigen, indem wir die Natur dazu nutzen, einen Garten viel schneller reifen zu lassen, als es sonst der Fall wäre. Im ökologischen Garten schaffen wir sehr schnell gut entwickelte, produktive und üppige Landschaften, indem wir die bereits von der Natur angelegten Pfade beschreiten.
Tabelle 2-1 führt die Unterschiede zwischen unreifen und reifen Landschaften auf. Wir können dieses Verständnis nutzen, um reife Ökosysteme in unseren Gärten zu erschaffen. Reif bedeutet in diesem Fall keinen düsteren alten Wald mit geschlossenem Baumkronendach und wenigen Pflanzen darunter – Sie sollen ja nicht ein Jahrhundert oder länger warten –, sondern eine Landschaft, die das Pionier- und Jungbuschstadium hinter sich hat und ein junges bis mittelaltes Gehölz ist. Denken Sie an ein Waldgebiet mit sonnigen Lichtungen anstatt an einen dichten Wald. Diese reife Landschaft ist eine Mischung aus Bäumen, Büschen und kleineren Pflanzen, im Kontrast zu den unreifen Gruppierungen von Gräsern, einjährigen Gewächsen und vereinzelten Sträuchern, die typisch für die meisten Gärten sind.
Tabelle 2-1 zeigt einige wichtige Trends. Wenn eine Landschaft reift, sammelt sich organisches Material in Form von Pflanzen, Tieren und nährstoffreichem Boden an. Das zieht Kohlendioxid aus der Atmosphäre und vermindert potenziell den Treibhauseffekt. Weniger Nährstoffimporte von außen sind notwendig oder gehen verloren und die Kreisläufe und Muster werden komplexer. Um sich diese Entwicklung vorzustellen, vergleichen wir ein junges Ökosystem – einen typischen einjährigen Gemüse- oder Blumengarten, der alljährlich mit der Saat beginnt – mit einem ausgereiften Waldland.
Im Einjährigen-Garten liegt die Erde viele Monate im Jahr offen da. Das Klima ist rau und variiert deutlich, während die Sonne den Boden im Sommer backt und Frost-Tau-Zyklen die exponierte Erde im Winter anheben. Da die kurzen Pflanzen wenig Schutz bieten, fegt der Wind über die Erde und der Regen trommelt auf den Boden und wäscht die Nährstoffe aus. Noch mehr Fruchtbarkeit geht jedes Jahr durch das Gemüse verloren: es wird geerntet und die nackten Stängel werden im Herbst herausgerissen. Somit sind die Nährstoffkreisläufe offen, in geraden Linien – in den Garten hinein und wieder heraus – statt in geschlossenen Kreisläufen mit viel Recycling. Das bedeutet, dass die Fruchtbarkeit importiert werden muss, um all das zu ersetzen, was durch Auslaugung, Erosion und die fast vollständige Entfernung der Pflanzen verloren geht. Und wenn der Gärtner nicht eifrig kompostiert und mulcht, kann nur wenig Bodenleben die rauen, wechselhaften Bedingungen und das geringe Maß an organischem Material überleben.

Hier ist die Pflanzenvielfalt streng kontrolliert. Tatsächlich ist echte Vielfalt unerwünscht, denn sie wird als Unkräuter, Ungeziefer und raubende Vögel oder Nager definiert. In dieser Umgebung bedeutet das Geschick der Natur für Spontaneität oft Ärger statt Genuss und Verbesserung.
Dieser Garten ist ein einfacher Ort. Die Pflanzen treten in nur einer Schicht auf, etwa 30 cm bis einen Meter hoch. Die Flora ist in ordentlichen Reihen oder Gruppen angelegt, in sehr grundlegenden Mustern. Die Nahrungskette? Nur zwei Glieder: Pflanzen zu Menschen oder enttäuschenderweise Pflanzen zu Insekten oder Vögeln. Es gibt keine symbiotischen Beziehungen oder Partnerschaften, es sei denn, der Gärtner ist klug genug, sie durch Begleitpflanzungen oder mit insektenanlockenden Blumen zu bilden. Ein einjähriger Garten, in dem die Pflanzen jeden Herbst ausgerissen werden, ist aufgrund geringer Vielfalt und hoher Anfälligkeit für Unkräuter, Schädlinge und Krankheit instabil und schnell geschädigt.
Dieses eher trostlose Porträt eines Ortes zu malen, an dem Gärtner so viel Freude haben, hat mich deprimiert. Bevor ich mich mit der Untersuchung eines reifen Waldes aufmuntere, möchte ich erwähnen, dass der Grund dafür, dass diese Gärten überhaupt funktionieren und so viel Freude bereiten, die Arbeit ist, die Menschen in sie investieren. Einjährige Gärten brauchen unsere Bemühungen, weil wir all die fehlenden Kreisläufe und den Einsatz ersetzen und neu verbinden müssen, die von der Natur gewöhnlich von selbst zur Verfügung gestellt wird. Und häufig genießen wir die kreative Anstrengung und die therapeutische Arbeit, die in unseren Gärten geleistet wird. Aber wenn wir die Arbeit mit der Natur teilen und die in drei Milliarden Jahren Evolution gewonnene Weisheit in unsere Gärten einbringen, können wir all das haben, was der jährliche Garten bietet, und noch viel mehr.
Sehen Sie sich einen gut entwickelten Wald an und sehen Sie, welche Lektionen wir daraus für unsere eigenen Gärten ableiten können. Zunächst einmal ist die Erde mit einer Schicht Waldboden bedeckt und von vielen Schichten Pflanzen beschattet, die das ganze Jahr bleiben. Die Vegetation mildert die Stärke von Regen, Sonne und Wind ab und kreiert milde Mikroklimate, in denen Samen rasch aufgehen und das Leben sich behaglich einkuschelt. Die permanente Anwesenheit von Wurzeln und ein ständig entstehender Teppich aus Laubstreu bieten ein perfektes Zuhause für Würmer und andere Bodenlebewesen. Das üppige Bodenleben gewinnt Nährstoffe und führt sie erneut den Pflanzen zu, ehe sie weggewaschen werden können. Diese Nährstoffe werden kurz- und langfristig, in stets präsenten Baumstämmen, Kräutern, Flechten, Pilzen, Mulch, Humus und Bodenorganismen gespeichert. Der Wald bildet eine enorme Reserve organischer Substanz und Mineralien. Diese gesamte Biomasse agiert wie ein Sparkonto, wo die Werte des Waldes als Versicherung gegen Dürre, Schädlingsbefall oder andere stresserfüllte Zeiten aufbewahrt und wiederverwertet werden.
Ein Großteil des Waldes überdauert Jahreszeiten und Jahrzehnte. Jedes Jahr wird nur ein kleiner Teil der Biomasse ersetzt, d. h. nur ein paar Pflanzen und Tiere sterben. Stellen Sie sich vor, wie der größte Teil eines massiven Baumes von Jahr zu Jahr überlebt, während nur seine Blätter und einige wenige Wurzeln absterben. Kontinuität ist die Regel, anders als beim einjährigen Garten. Der größte Teil der Natur bleibt über die wechselnden Jahre hinweg erhalten.
Was jedes Jahr stirbt, wird innerhalb des Ökosystems mit geringem Verlust recycelt. Fast alle Produkte des Lebens, von den Baumstämmen und Rehknochen bis hinunter zu den Insektenflügeln und Bakterienzellen, können wiederverwendet werden. Die Natur baut auf und ab, löst auf und erneuert mit demselben Material immer und immer wieder, und hinterlässt keine Müll- und Giftdeponien. In der Natur gibt es nicht so etwas wie Abfall. Alles ist Nahrung für etwas anderes, in Leben und Tod mit vielen anderen Arten verbunden.
Der Wald enthält Hunderte von Pflanzenarten und Tausende Tier- und Mikrobenarten. Biologische Vielfalt ist im Waldland immens, weshalb sich ungezählte Beziehungen bilden können. In ineinandergreifenden Netzen verwoben, nutzen diese Kreaturen fast die gesamte verfügbare Nahrung sowie den gesamten Lebensraum im Wald und lassen nur wenige Nischen, falls überhaupt, für Eindringlinge offen. Diese hypereffiziente Nutzung von Ressourcen bedeutet auch, dass wohl keine einzige Art aus dem Gleichgewicht geraten kann. Was könnte ein neuer Schädling fressen, das nicht bereits von einer besser etablierten Kreatur gefressen wird? Und da sich diese Waldarten gemeinsam entwickelt haben, verfügt jede von ihnen über Abwehrmechanismen – zähe Wachsbeschichtungen, schlecht schmeckende Chemikalien –, um ihre Feinde abzuwehren. Eindringlinge können nur neue Öffnungen ausnutzen, beispielsweise wenn ein Baum umfällt und sich frische nackte Erde öffnet. Doch der Wald schließt sich dann rasch wieder und wird den Eindringling ersticken, es sei denn, die neue Art findet eine ungenutzte, enge Nische und damit ihren Frieden im Netz des Lebens.
Der Wald ist auch vielfältig an Mustern und Zyklen. Vom offenen Himmel bis zur Erde erstreckt sich die Vegetation in vielen Schichten: hohe Baumkronen, niedrige Bäume, Sträucher, hohe Kräuter, bodendeckende Rosetten und Kriechpflanzen und Ranken, die das gesamte Verbreitungsspektrum abdecken. Inmitten dieser vielgestaltigen natürlichen Umgebung gibt es Hunderte von Nischen für Insekten, Vögel und andere Kreaturen. Die Nahrungsnetze sind komplex, mit Pflanzen, Weidetieren, Raubtieren, Fleischfressern am obersten Ende der Nahrungskette und Zersetzern, die sich in einem abwechslungsreichen Tanz mit vielen Partnern befinden. Beziehungen unter den Arten sind ähnlich verwoben. Bäume unterhalten symbiotische Partnerschaften mit speziellen Pilzen und Bakterien, die Nährstoffe aus der Erde zur Wurzel befördern.
Pflanzen extrahieren Mineralien von tief in der Erde, damit andere sie nutzen können. Vögel und Säugetiere verbreiten Samen an neue Orte und verteilen unterwegs Fruchtbarkeit in Form von Dünger. Falls ein Faden dieses Netzes gekappt wird, sind Tausende anderer zur Stelle, um das Gewebe des Waldes intakt zu halten.
Ein Wald ist kein statischer, unveränderlicher Ort, sondern hat eine dynamische und widerstandsfähige Stabilität. Im Vergleich zu einem gebräuchlichen Garten gibt es wenig Platz für Ungeziefer, Krankheit, invasive Pflanzen und Aufruhr. Die Natur hat den Wald zu einem vereinten Teppich verwoben, anstatt einer Ansammlung unzusammenhängender Pflanzen und Tiere.
Wenn wir die Gegensätze zwischen dem Garten voller Einjähriger und dem reifen Wald im Kopf behalten, können wir unsere Gärten so arrangieren, dass sie lieber ausgereifte Ökosysteme nachbilden als junge. Wir brauchen auch nicht die ganze Arbeit tun. Wenn wir die Grundlagen legen, so wie in der Landschaft der Bullock-Brüder, schafft die Natur viele Verbindungen und füllt die Lücken.
Hier sind die Merkmale natürlicher Landschaften, die im ökologischen Garten am wichtigsten sind:
• Tiefe Erde, die reich an Nährstoffen und organischem Material ist
• Pflanzen, die Fruchtbarkeit tief aus der Erde, aus der Luft und aus Regenwasser holen
• Viele Vegetationsschichten, um abwechslungsreiche Nischen für andere Lebewesen zu schaffen
• Ein Schwerpunkt auf mehrjährigen Pflanzen
• Gegenseitig nützliche Beziehungen unter Pflanzen, Insekten, Vögeln, Mikroben, Säugetieren und allen anderen Bewohnern, einschließlich Menschen
• Vermehrt geschlossene Kreisläufe, d. h. mit der Zeit sollte der Garten weniger Versorgung von außen brauchen und das meiste an Dünger, Mulch, Samen, neuen Pflanzen usw. selbst produzieren. Im Garten geht außer bei der Ernte wenig durch Auswaschung und Erosion verloren – alles wird wiederverwertet.
Im Rest dieses Kapitels beschreibe ich kurz, wie man diese Einsichten aus der Ökologie im Garten anwendet. Der Rest des Buches geht dann noch stärker ins Detail.
Der Garten von Josh Robinson von Eden on Earth Landscaping in Flagstaff, Arizona. Der Garten kombiniert einjährige und mehrjährige Pflanzen und liefert mit nur einigen Stunden Arbeit im Monat eine enorme Lebensmittelernte. Er sammelt auch einen Großteil seines eigenen Wassers, wodurch die Gärtner fast gar kein städtisches Wasser brauchen. FOTO VON JOSH ROBINSON.
Ein paar Tricks der Natur für Gärtner
Neben den unterschiedlichen Ebenen an Artenreichtum ist einer der größten Kontraste zwischen den meisten Gärten und natürlichen Landschaften, dass ein Garten zerfällt, falls man sich nicht um ihn kümmert, die Natur aber nicht. Wir sind alle schon einmal aus dem Urlaub gekommen, um festzustellen, dass unsere Lieblingspflanzen aufgefressen waren, Unkräuter wild wucherten und der ganze Garten wegen des unerwartet heißen Wetters in den Seilen hing. Der natürliche Zustand eines Gartens ist, ohne den Gärtner, tot – oder wieder zur Wildnis geworden. Der natürliche Zustand eines Waldes ist gesund und dynamisch. Doch mit ein paar Lektionen der Natur können wir Gärten entwerfen, die von sich aus fruchtbarer, gesünder und besser gewässert werden und die dynamische Stabilität, Widerstandskraft und das üppige Wachstum natürlicher Ökosysteme besitzen. Dieser Abschnitt gibt einen kurzen Überblick, wie man das bewerkstelligen kann. Der Rest des Buches erklärt das Ganze dann genauer.
Bodenaufbau
Wie können wir die Weisheit der Natur auf den Garten anwenden? Beginnen Sie zuerst, wie in jedem Garten, mit dem Boden. Die Natur baut Erde von oben nach unten auf und von unten nach oben. Mit »von oben nach unten« meine ich den konstanten Fall von Laubstreu von oben, die zu lockerer Erde zerfällt. Die Natur benutzt keine Bodenfräse und wir brauchen das auch nicht. Um rasch eine reife Erde zu erzielen, häufen Sie einfach hohe Mulchschichten auf die organische Substanz. Der Mulch kompostiert rasch vor Ort und bildet reifen Boden, der vor organischem Material strotzt, in dem es vor Bodenleben wimmelt und der bereit ist, gesunde Pflanzen zu ernähren. Kapitel 4 liefert genaue Techniken, wie man Boden mit Mulch aufbaut.
Der komplementäre Bodenaufbau von unten nach oben erfolgt mit Pflanzen. In der Natur kommt die Fruchtbarkeit aus der Vegetation und dem Bodenleben, nicht aus einem Düngersack. Viele Pflanzen sind Meister darin, Nährstoffe aus den Tiefen der Erde zu ziehen und sie an die Oberfläche zu saugen, wo andere Pflanzen sie verwenden können. Diese Sorten werden in Kapitel 6 erörtert und sind im Anhang aufgeführt. In einem Gemüsegarten entfernt das Ernten ständig Nährstoffe, daher muss diese entnommene Fruchtbarkeit mit kleinen Gaben von Mulch, Kompost oder Dünger ersetzt werden. Doch hat man nährstoffanreichernde Pflanzen im Garten, muss man so gut wie keinen Dünger mehr verteilen.
Gemeinsam schaffen die Techniken von oben nach unten und umgekehrt die feinste Erde, die Sie je gesehen haben.
Mehrjährige versus einjährige Pflanzen
Als nächstes imitiert der ökologische Garten ein reifes Ökosystem, indem er mehrjährige statt einjähriger Gewächse bevorzugt. Für Zier- und Naturgärten ist das einfach, denn Tausende mehrjähriger Blumen, Büsche und Bäume sind verfügbar. Doch auf den ersten Blick scheinen mehrjährige Gewächse eine harte Einschränkung für Gemüsegärten. Ich sage ja nicht, dass Tomaten und Paprika tabu sind. Ich baue immer noch viele an. Aber viele Einjährige können durch Mehrjährige ersetzt werden. Es gibt eine Menge mehrjähriger Grüngemüse: Guter Heinrich, mehrjähriger Grünkohl und Gemüsekohl, Schild-Ampfer und viele andere, alle in Kapitel 6 beschrieben. Es gibt mehrjährige Zwiebeln, Wurzelgemüse, Kräuter und natürlich Gemüse wie Spargel, Artischocken und Rhabarber. Und vergessen Sie nicht die üblichen mehrjährigen Nahrungspflanzen wie Beeren, Früchte und Nüsse.
Mehrjährige Pflanzen haben zahlreiche Vorteile. Anzucht, Umgraben und die Chance auf Unkräuter durch das Graben fallen weg. Das beseitigt auf einen Streich drei Arbeiten von der Liste. Mehrjährige Gewächse brauchen weniger Wasser und Dünger als einjährige Pflanzen. Ihre tiefen Wurzelsysteme reichen in Feuchtigkeits- und Nährstoffreservoirs, die Einjährige einfach nicht erreichen. Da die Pflanzen das ganze Jahr da sind, bieten Stauden verlässliches Habitat für Wildpflanzen und Nutzinsekten.
Viele Etagen
Ein ökologischer Garten hat viele Schichten, von einer niedrigen Kräuterschicht über Stauden und kleine Bäume zum großen Oberholz. Jede Schicht kann Zierarten, Sorten für Nahrung und andere menschliche Nutzungen, Wildpflanzen und Flora für den Bodenaufbau und die Bewahrung eines gesunden Ökosystems beinhalten. Zusammen bieten die Schichten bunt gemischten Lebensraum, viele Produkte und viele interessante Ausblicke. In sonnigen Klimazonen können hohe Bäume näher zusammen gepflanzt werden, um Schatten zu spenden, während die Bäume in kühleren oder graueren Zonen weiter verteilt werden, damit genug Licht und Wärme hindurch gelangt. In Kapitel 10 erfahren Sie, wie man diese waldartigen Gärten anlegt.
Pflanzengemeinschaften
Genauso wie in der Natur sind die Pflanzen in einem ökologischen Garten keine isolierten Individuen, sondern bilden Gemeinschaften. Seit langem haben Ökologen (und Indigene) erkannt, dass viele Pflanzen und Tiere in eigenen Gruppen erscheinen. Bestimmte Arten scheinen stets mit denselben Begleitern aufzutreten. Im trockenen Westen tauchen Pinyon-Kiefer und Wacholder gemeinsam auf und es befinden sich auch häufig Gambel-Eiche und Bergmahagoni bei ihnen. Im Osten ist der Eichen-/Hickorywald eine verbreitete Gemeinschaft, wobei Ahornblättriger Schneeball und Hartriegel oft die Unterschicht ausfüllen. Es gibt Hunderte von Pflanzengemeinschaften, und jede enthält ein erkennbares Spektrum an Bäumen, Sträuchern und Blumen, deren Zusammensetzung von einer Gemeinschaft zur anderen schwankt. Diese Gemeinschaften können auch bestimmte Tiere beinhalten. In Eichen-/Hickorywäldern sind vor allem Eichelhäher, Tangare und Kernbeißer zu Hause. Piñon-/Wacholderhaine beheimaten Nacktschnabelhäher und Buschmeisen. Unterschiedliche Umgebungen begünstigen verschiedene Gemeinschaften.
Im ökologischen Garten nehmen wir uns an der Natur ein Beispiel und gruppieren Pflanzen oft in Gemeinschaften. Manche Gärtner haben die natürlichen Pflanzengemeinschaften aus ihrer Region rekonstruiert, während andere an Pflanzengruppierungen herumgebastelt und Einheimische gegen einige Pflanzen zur menschlichen Nutzung oder andere Funktionen ausgetauscht haben. Das Design multifunktionaler Pflanzengemeinschaften ist ein neues Feld, das in den Kinderschuhen steckt und im Gartenbau an führender Stelle steht. Clevere Gartendesigner haben einige schöne, produktive und arbeitssparende Pflanzenkombinationen zusammengestellt. Eine einzige Gartenpflanzengemeinschaft kann dem Gärtner augenfällige Blüten und Blattwerk, Nahrung und Kräuter bieten und zudem auch Pflanzen beinhalten, die Schädlinge abwehren, Mulch erzeugen, Nährstoffe ansammeln, nützliche Insekten anlocken und Wildtieren Schutz bieten. Ein Großteil dieses Buches, vor allem Kapitel 8, 9 und 10, verrät, wie man harmonische Pflanzengruppierungen anlegt, die sich gegenseitig nähren und Gärtner wie auch Wildtiere versorgen.
Funktionen stapeln
Unsere Diskussion über Nischen, Sukzession und Artenvielfalt führt zu einem weiteren wichtigen Prinzip des ökologischen Gartens: Jeder Teil des Gartens erfüllt mehr als nur eine Funktion. Permakulturdesigner haben dafür einen Jargonbegriff. Sie nennen es »Funktionen stapeln«. Nichts in der Natur hat nur eine Funktion; sie ist auf diese Weise enorm effizient. Ein Busch z. B. wirft nicht nur Schatten. Er füttert die hungrigen Vögel im Winter mit seinen Beeren, bietet Schutz, mulcht die Erde mit seinen Blättern, bietet Futter für hungrige Rehe und Stachelschweine, blockiert den Wind, hält den Boden mit seinen Wurzeln, sammelt und lenkt Regenwasser usw.
Die Natur stapelt immer Funktionen, weil dieser Busch oder jedes andere Lebewesen eine große Investition in Materie und Energie bedeutet, zwei Dinge, mit denen die Natur immens knapp haushaltet. Die Natur ist äußerst geschickt darin, das meiste aus dem Strauch herauszuholen, jede Menge Energie aus ihm herauszupressen und sie in viele andere Zyklen einzubinden, um den Ertrag zu maximieren. Die Beeren des Strauchs brauchten Energie, um zu wachsen, und wenn ein Vogel sie isst, tauscht die Pflanze ihre Mühe für die Samenausbreitung und erzeugt harte Samen, die unversehrt durch den Darm des Vogels wandern und auf neuem Boden keimen. Die Blätter speichern Sonnenenergie, sind aber ohne extra Aufwand so angeordnet, dass das Regenwasser zu den Stängeln und Wurzeln hinunter geleitet wird, wodurch die Auffangfläche des Strauchs vergrößert wird. Indem die Pflanzen mehrere Funktionen erfüllen, nutzt die Natur ihre Energieinvestitionen sehr effizient.
Die meisten menschengemachten Designs sind im Gegensatz dazu außerordentlich verschwenderisch. Wir scheinen unsere Güter in einem pfeilgeraden Strom von der Quelle zur Deponie zu hetzen, während die Natur diesen Strom in einen Zickzackkurs biegen und zurückbiegen, auf Schritt und Tritt daraus Nutzen ziehen, und das, was übrig bleibt, recyceln würde. Wenn wir unsere Gärten mit denselben Prinzipien im Kopf gestalten, werden sie weit weniger verschwenderisch und problembeladen, weitaus produktiver und reicher. Funktionen stapeln ist eine wesentliche Regel und eine der wichtigsten, die man befolgen sollte.
Hier ist ein Beispiel, wie man bei einer Landschaftsgestaltung Funktionen stapeln kann. Neben unserem Haus in Oakland gab es einen 20.000-Liter-Wassertank für Regenwasser. Er war überwiegend unterirdisch, aber der 11 m2 große Deckel ragte über den Boden hinaus, ein hässlicher grauer Betonklotz neben der Küche. Um den Deckel zu verbergen, nagelte ich ein Zederndeck darüber, aber in der Sommerhitze konnte man es dort nicht aushalten. Dann baute ich eine Laube über das Deck und zog zwei Weinstöcke mit kernlosen Trauben daran hoch. An einem Spalier auf der Seite des Tanks rankte Jasmin empor, dessen Parfüm über das Deck wehte. Die Zisterne wurde ein kühler, schattiger Platz unter den rasch wachsenden Weintrauben, wo meine Frau und ich uns aufhielten, während wir an einem kleinen Tisch unter dem grünen Blätterdach zu Mittag aßen. Unsere Zimmerpflanzen verbrachten ihren Sommerurlaub dort in einer halbschattigen Ecke. Im Spätsommer brauchten wir nach dem Mittagessen einfach nur nach oben greifen und uns ein Dessert süßer Weintrauben pflücken.
Die Weinblätter beschatteten auch unser Haus, hielten die Küche im Sommer kühl, aber im Herbst fielen die Blätter ab, wodurch die dringend benötigte Sonne aufs Deck und durch das Küchenfenster strömen konnte. Die Blätter kamen auf den Komposthaufen oder direkt auf ein Gartenbeet als Mulch. Wenn ich die Rebe im Winter zurückschnitt, machte ich daraus viele Ableger für Freunde. Der Überlauf an der Zisterne wässerte die Weintrauben und andere Bepflanzungen in der Nähe.
Durch die richtige Kombination aus Wassertank, Weinrebe und Deck erhöhte ich deren Nutzen und erhielt Vorzüge, die keiner davon allein geboten hätte. Fast jedes Element erfüllte mehrere Rollen.
Gärtner sind gut im Funktionen stapeln. Ein einfacher Komposthaufen ist multifunktional: Er wiederverwertet Abfall, erzeugt fruchtbaren Humus, fördert Bodenleben und bietet dem Gärtner sogar etwas Bewegung durch das Wenden und Ausbringen. Selbst eine Hecke, die nur aus Liguster besteht, kann als Windschutz, Sichtschutz und Vogelhabitat dienen. Indem man die Vorteile darin erkennt, Funktionen zu stapeln und unsere Gärten in diesem Sinne zu gestalten, können wir herrliche Synergien aus unseren eigenen Gärten gewinnen.
Das Konzept des Funktionenstapelns besteht aus zwei Hälften, zwei Regeln, die sich gegenseitig verstärken. Das erste ist, dass jedes Element eines Designs – jede Pflanze oder Struktur – mehr als eine Aufgabe erfüllen sollte. Unsere Weinlaube illustriert diese Regel: Die Weinrebe hat das Deck beschattet, im Winter jedoch Licht hereingelassen, das Haus gekühlt, Nahrung, Mulch und Ableger geliefert und einen ansonsten hässlichen Wassertank verschönert. Das zweite Prinzip ergänzt das erste. Jede Aufgabe, die in einem Design – jedem System oder Prozess – zu erfüllen ist, sollte von mehr als einem Element ausgeführt oder unterstützt werden. Mit anderen Worten, man sollte immer eine Absicherung haben. Auch hier gilt, Gärtner befolgen diese Regel bereits mehr oder weniger unbewusst. Wir pflanzen mehrere Sorten Gemüse, für den Fall, dass eines ausfällt, oder unterschiedliche Früchte oder Blumen, damit wir über den Verlauf einer langen Saison Erträge haben. Und jeder Gärtner hat eine Auswahl an Sprinklern, Tropfbewässerungsgeräten, Tropfschläuchen, speziellen Schlauchtüllen und Gießkannen, alles für den einzigen Zweck, unseren Pflanzen Wasser zu geben. Solche vielschichtigen Systeme sind effektiver für die gesamte Aufgabe, als ein Gerät allein es wäre. Es gibt viele Vorteile für diese Art von Redundanz. Ein kurzer Blick darauf, wie die Natur es macht, zeigt einige der Vorteile. Eines ist Katastrophenschutz. Die meisten wichtigen Funktionen in Organismen und Ökosystemen besitzen Absicherungen, oft mehrere Schichten tief. Nehmen wir beispielsweise unseren Gleichgewichtssinn. Wir nutzen drei unabhängige Methoden, um im Gleichgewicht zu bleiben. Zuerst sehen unsere Augen, wo wir uns befinden. Als zweites enthalten unsere Ohren eine mit Flüssigkeit gefüllte Kammer, die mit Haaren ausgekleidet sind, die empfindlich auf Ausrichtung reagieren. Die Position der Haare sagt unserem Gehirn, wo oben ist. Und drittens haben unsere Muskeln und Sehnen Rezeptoren, die Daten über die Bewegungen und Positionen unserer Gliedmaßen übertragen. Indem wir dieser dreifachen Strategie Energie und Organe widmen, tätigt unser Körper eine große Investition, um nicht hinzufallen. Es lohnt sich, denn wenn wir uns zum Beispiel nur auf unsere Augen verlassen, könnten wir durch blendendes Sonnenlicht auf einem steilen Bergpfad in den Abgrund stürzen. Jeder Organismus oder jedes System mit einer Absicherung überlebt länger. Falls die Erde z. B. gut gemulcht ist, könnten die Pflanzen eine wasserlose Zeit überstehen, wenn die Bewässerung im Urlaub ausfällt.
Existieren Pflanzengemeinschaften wirklich?
Ökologen haben jahrzehntelang debattiert, ob es wirklich Pflanzengemeinschaften gibt oder ob sie nur ein Konstrukt sind, das wir aus Bequemlichkeit benutzen. Manche sagen, sie seien beliebige Ansammlungen von Arten, denen dasselbe Klima, die gleiche Erde und andere Umweltbedingungen gefallen. Andere Ökologen glauben, dass sich Gemeinschaften teilweise wegen Interaktionen und gegenseitigen Vorteilen unter den Mitgliedern bilden und sie z. T. wie ganze Organismen agieren. Ein abschließendes Urteil steht noch aus. Zur Untermauerung des Arguments der zufälligen Gruppierung zeigt ein wenig Botanik, dass zwei beliebige Beispiele einer bestimmten Gemeinschaft immer unterschiedliche Arten und Pflanzenzahlen enthalten. Keine Gemeinschaft ist wie die andere. Wenn Sie eine Gemeinschaft in ihrem gesamten Spektrum verfolgen – z. B. in einem kälteren Klima – kann ihre Zusammensetzung ebenfalls variieren. Während sich die Umwelt ändert, verlagern die Arten, aus der die Gemeinschaft besteht, langsam ihren Standort, wobei ein oder zwei Arten hier wegfallen und ein paar neue sich da neu ansiedeln. Wären Gemeinschaften eng miteinander verbundene Systeme wie Organismen, sollten sie klare Grenzen haben. Man würde also erwarten, dass sich ihre Zusammensetzung abrupt ändert, so, als ob man von einem Land in ein anderes reist, anstatt allmählich.
Auf der anderen Seite hat eine Gemeinschaft von Arten eine definitive Struktur. Falls ihr bestimmte Mitglieder fehlen, leidet die Gemeinschaft als Ganzes. Douglasienwälder z. B., denen ein bestimmter Pilz fehlt – eine Trüffelart –, sind nicht so gesund wie jene, in denen er vorkommt. Der Trüffel, der zwischen den Wurzeln des Baumes lebt, liefert der Tanne Nährstoffe und vielleicht Schutz vor Krankheit. Falls der Trüffel fehlt, was bei vielen Baumplantagen der Fall ist, ist der Tannenwald nicht nur anfälliger, sondern unterstützt auch nicht so viele andere Arten.
Eine davon ist die Rötelmaus, ein Nagetier, das sich von dem Pilz ernährt. Mangels ihrer bevorzugten Nahrung, der Rötelmäuse, schrumpft die Fleckenkauz-Population. Diese Armut wirkt sich auf viele Arten aus und schwächt die gesamte Gemeinschaft. Auf diese Weise sind die Gemeinschaften in einem vielschichtigen Geflecht miteinander verbunden. Ökologen haben auch gezeigt, dass, selbst wenn es keine Umweltgradienten gibt – wenn Temperatur und Nährstoffsituation in einem großen Gebiet gleich sind – Organismen sich trotzdem in unterschiedlichen, hoch strukturierten Gruppierungen anordnen, die sich von Ort zu Ort unterscheiden.
Ich glaube, dass Gemeinschaften durch ihre Interaktionen sowie durch ihre Umgebung zusammengehalten werden. Die ökologischen Gärten, die ich gesehen habe, scheinen dies zu beweisen: Gemeinschaften – Pflanzengruppen, die in Beziehungen miteinander verbunden sind – sorgen für sehr gesunde Gärten, wie wir sehen werden.
Redundanz steigert auch den Ertrag. Nehmen wir ein weiteres Beispiel aus dem menschlichen Körper: Denken wir daran, wie der untere Verdauungstrakt alle möglichen Nährstoffe aus dem Essen herausfiltert, indem er eine Mahlzeit mehrfach verarbeitet. Der Dünndarm extrahiert eine Portion der Nährstoffladung, dann absorbiert der Dickdarm mehr davon, und die Darmbakterien wandeln noch einmal Nährstoffe in eine verwertbarere Form um. Dieser mehrschichtige Ansatz entzieht der Nahrung fast alle verfügbaren Nährstoffe. Auf dieselbe Weise erhält ein Garten mit mehreren Ebenen aus wassersparenden Techniken, Frostschutz, Krankheitsabsicherung, Windschutz oder bodenbildenden Strategien einen kumulativen Nutzen aus den vielfältigen Techniken.
Diese Vorteile der Redundanz sind ökologischen Gärtnern und Permakulturisten durchaus geläufig, die dieses Prinzip mit der Leitlinie zusammenfassen: Jede Funktion sollte von mehreren Elementen erfüllt werden.
Die zwei Aspekte der Stapelung von Funktionen – jedes Element führt mehrere Funktionen aus und jede Funktion wird von mehreren Elementen erfüllt – können im gesamten Garten auf vielen Ebenen verwendet werden, um die Landschaft mit der Kraft der Natur in Einklang zu bringen. Die folgenden Kapitel enthalten dazu zahlreiche Beispiele.
Da dieses Kapitel Ökologie für Gärtner behandelt, versuche ich nicht, jedes ökologische Konzept abzudecken. Die behandelten Ideen – die Nische, Sukzession, Biodiversität, Funktionen stapeln und anderes – erscheinen mir am wichtigsten, damit Gärtner verstehen, wie sie natürliche Landschaften entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Die Ökologie studiert die Beziehungen zwischen den Lebewesen. Es sind diese Beziehungen, die eine Ansammlung unzusammenhängender Objekte in eine lebendige, dynamische Landschaft verwandeln. Unter diesem Blickwinkel können wir nun einige gestalterische Werkzeuge betrachten, um so eine Landschaft entstehen zu lassen.
KAPITEL DREI
Entwurf eines ökologischen Gartens

Gartenbücher und -zeitschriften sind voller Designideen. Sie beschreiben, wie man Pflanzen nach Farbe anordnet oder wie man Formen und Blattmuster nebeneinanderstellt, um das Auge zu erfreuen. Sie können Methoden lehren, wie man Pflanzen so gruppiert, dass sie den Blick auf ein atemberaubendes Landschaftsmerkmal lenken. Manche verraten Tricks, die einen kleinen Garten groß aussehen lassen oder dazu beitragen, dass sich ein weitläufiger Garten gemütlich und intim anfühlt. Solche Gartendesign-Techniken helfen bei der Wahl von Pflanzen, die sehr attraktiv sind und Ihren Garten sehr hübsch aussehen lassen.
Darum geht es in diesem Kapitel nicht.
Ich habe nichts gegen die Ästhetik von Gartendesign. Eine hässliche Landschaft verkrampft die Seele, während eine schöne den Betrachter einlädt, entspannt und heilt. Doch ein Garten, der nur hübsch aussehen soll, berührt kaum die Oberfläche dessen, was Landschaften bieten können. Ein Platz, der nach tieferen Prinzipien gestaltet ist als jene, die nur Oberflächengestaltung im Sinn haben, kann nicht nur schön sein, sondern bietet auch Wildtieren Schutz, ernährt Menschen und Tiere, reinigt Luft und Wasser, speichert Kohlenstoff und ist ein Gewinn für die Erde.
Kein Mensch hat eine alpine Wiese, einen Tropenwald oder eine Höhle an einem Bach entworfen, doch diese Wildnislandschaften sind nie hässlich. Sie folgen einer größeren natürlichen Ordnung, die Schönheit zu garantieren scheint. Im letzten Kapitel haben wir Einblick in ein paar Aspekte der natürlichen Ordnung erhalten. Nun können wir diese Prinzipien und Muster der Natur einsetzen, um unsere Gärten zu entwerfen.
Eine Naturlandschaft ist so gestaltet, dass sie die Energie (Sonne, Wind, Wärme) und Materie (Wasser und Nährstoffe) gewinnt, die durch sie fließen, und ein lebendiges Netz auswirft, das diese Rohstoffe sammelt und in unzähligen Kreisläufen umher bewegt, die sie zu noch mehr Leben umwandeln. Fast alles, das in eine Naturlandschaft gelangt, wird aufgefangen und genutzt, absorbiert und in lebendige biologische Vielfalt wiedergeboren. Alles, was in dieser Landschaft produziert wird, von Abfallprodukten wie zuckrigen Wurzelsekreten zu »Abfällen« wie Dünger und gehäuteten Insektenhüllen, wird wiederverwertet, wieder verschluckt und in neues Lebendgewebe eingebaut. Und die Landschaft »lernt« unterwegs und wählt und verbessert die Muster, die am besten funktionieren. Jedes eingefangene Stückchen trägt dazu bei, ein Netzwerk aufzubauen und zu verfeinern, das immer besser darin wird, das einzufangen, was auf es zukommt.
Milliarden von Jahren der Evolution haben in der Natur nur wenig ungelöst gelassen. Der Abfall der einen Kreatur ist das Futter der anderen. Fast jede Nische ist in fester Hand, jeder Standort ist voll von miteinander verbundenen Arten. Alles, was auch nur ansatzweise einer Ressource ähnelt, wird genutzt: Wenn eine Art sie nicht nutzen kann, wird es eine andere tun.
Es ist diese Vernetzung – die Verlinkung der »Outputs« einer Spezies mit den »Inputs« einer anderen –, die wir im ökologischen Garten neu schaffen wollen. Leider können wir nicht Milliarden von Jahren warten, in denen unsere Gärten zur immensen »Verwobenheit« der Naturlandschaft werden. Doch wir haben ein Werkzeug: unseren kreativen Geist. Wir können die Teile unserer Landschaft bewusst einschätzen und Permakultur-Prinzipien nutzen, um die Verbindungen zu gestalten. Beobachtung ist der Schlüssel zu gutem Design.
Indem wir die Muster und Kreisläufe beobachten, die die Natur zur Lösung von Gestaltungsproblemen einsetzt, können wir diese Formen in unseren Gärten replizieren, nicht nur als statische Gebilde, sondern als dynamische Lösungen, die Arbeit, Ressourcen und Energie sparen. Dann können unsere Gärten fast so verbunden sein wie die Natur es ist, keinen Abfall oder Schadstoffe produzieren, wenig extra Arbeit erfordern, eine reife natürliche Umgebung bieten und in Fülle Ertrag liefern.
Dieses Kapitel bietet eine Einführung, wie man mit einigen Werkzeugen gestaltet, die auch von der Natur genutzt werden. Wir beginnen mit einem Blick darauf, wie die Natur einige Designherausforderungen mit Hilfe von Mustern und Formen löst und wie das Verständnis und die Verwendung dieser Muster unsere Heimatlandschaften funktionaler, ökologischer und schöner machen kann. Nach diesem Vorgeschmack auf das, was Permakulturisten Musterung nennen, beschäftigen wir uns Schritt für Schritt mit der Gestaltung eines Gartens, der das Gefühl und die Dynamiken der Natur neu herstellt.
Natürliche Muster im Garten
Jeder, der sich die Zeit zur näheren Betrachtung der Natur genommen hat, hat festgestellt, dass bestimmte Muster – Spiralen, Wellen, Verästelungen, Kreise – allgegenwärtig zu sein scheinen und sich in vielen Maßstäben wiederholen. Ein Verzweigungsmuster zeigt sich beim Zusammenströmen von Bächen und Flüssen, die man aus dem Flugzeugfenster sehen kann, im anmutigen Bogen eines Baumes und seinen Wurzeln unter uns und in den Ranken von winzigem Moos. Spiralen erscheinen in Galaxien, die sich über Tausende von Lichtjahren erstrecken und im Kopf eines Gänseblümchens. Wir können Wellenmuster in kollidierenden Wetterfronten und am Strand sehen, sowohl bei massivem Seegang als auch bei feinen Sandrippeln. In all diesen Fällen werden Materie und Energie in eine wirksame Form übertragen, die unterstützt, was geschehen soll. Verzweigungsmuster sind ideal, um Energie und Materialien zu sammeln und zu verteilen; daher scheinen Bäume sie zu nutzen, um Sonnenlicht aufzufangen und Wasser und Nährstoffe zu verteilen. Wellen und Rippel erlauben es zwei fließenden Körpern, mit minimaler Turbulenz aneinander vorbeizukommen. Immer, wenn wir so ein Muster sehen, erkennen wir, wie die Natur eine Designherausforderung löst, um Materie und Energie auf genial einfache und effektive Weise zu bewegen, zu sammeln, zu ernten oder zu verteilen. Dies ist genau das, was wir in einer ökologischen Landschaft zu tun versuchen. Daher sollten wir unbedingt ein paar dieser Muster näher betrachten, um zu sehen, was sie uns lehren können.
Auch Menschen nutzen Muster, doch falls die sinnlichen Kurven und komplexen Fraktale der Natur in unserer Arbeit erscheinen, dann aus ästhetischen, nicht aus funktionalen Gründen. Linealgerade Linien, Schachbrett-Straßen, Gitternetze aus Glas und Beton und die Parallelogramme, die uns gesägtes Bauholz gestattet, sind unsere bekannten Muster. Manchmal sind diese Muster passend für die Aufgabe, doch in Landschaften sind solche Muster rar. Die Formen der Natur sind selten eckig und dafür gibt es einen guten Grund.
Ändert man die Form eines Gartenbeets – und arbeitet mit Muster – kann die für Wege nötige Fläche verringert werden, wie in diesen Beeten, jedes mit 4,6 m2 Bepflanzung.
Die Auswahl und Anwendung der richtigen Formen und Muster in einer Landschaft kann nicht nur Schönheit schaffen, sondern auch Platz sparen, den Arbeitsaufwand verringern, den Lebensraum für Wildtiere verbessern und dazu beitragen, Pflanzen, Insekten und andere Tiere, auch den Gärtner, in ein besseres Gleichgewicht zu bringen.
Ich beginne mit einem einfachen Beispiel, wie Form und Muster Arbeit und Platz sparen, und gebe dann einige reichhaltigere und ausführlichere Ideen, die den Mustern der Natur abgeschaut wurden.
Schlüsselloch-Gartenbeete
Die Form eines Gartens bestimmt, wie viel seiner Fläche tatsächlich Pflanzen enthalten kann, im Gegensatz zu Wegen, über die wir diese Pflanzen erreichen können. Gartenwege sind für mich ein notwendiges Übel. Nachdem ich hart am Aufbau des Bodens gearbeitet habe, ärgert es mich, einen hohen Prozentsatz an lockerer Tonerde mit den Füßen zu Ortstein zu stampfen. Jedes Stück Weg ist unbrauchbares Land, das einer reichhaltigen Polykultur aus Grüngemüse, Gemüse und süß duftenden Blüten gewidmet werden könnte. Zum Glück kann man durch veränderte Muster für Gartenbeete das für Wege geopferte Land minimieren.
Das einfachste Gartenbeet enthält einzelne Reihen an Pflanzen mit Wegen zwischen jeder Reihe. In diesem Entwurf verbrauchen die Wege etwa die Hälfte der Bodenfläche. Ein Hochbeetgarten, bei dem zwischen allen drei oder vier Pflanzenreihen Wege nötig sind, ist eine Verbesserung, denn nur 30 Prozent der Fläche werden für Wege geopfert, wobei die Beete schmal genug sind, damit der Gärtner die Mitte erreicht. Eine einfache Geometrieänderung hat hier fast die halbe Wegfläche eingespart. Doch wir können noch mehr tun und ein ansprechendes Design planen, wenn wir schon dabei sind.
Ein Schlüssellochbeet bepflanzt mit Kohlarten, Tomaten und Blattgemüse und Kräuter am Wegrand auf einer Fläche von 2,5 x 3 m Durchmesser.

Mehrere Schlüssellochbeete können von einem zentralen Weg abgehen und einen Garten mit hübschen Schwüngen sowie ausreichend zugänglicher Beetfläche erzeugen.

Ein Mandala-Garten. Ein rundes Muster mit verschachtelten Schlüssellochbeeten ist schön und platzsparend.
Falls wir dieses rechteckige Hochbeet zu einem Kreis abändern – oder genauer gesagt zur Hufeisenform – ist noch weniger Weg nötig. Durch einen einfachen Trick bei der Raumstruktur schrumpft der Weg zu einer kleinen Schlüssellochform, die dieser Platz sparenden Gartenanlage ihren Namen gibt: Schlüssellochbeet.
Und so funktioniert es. Falls wir ein typisches 1,2 x 4,5 m großes Hochbeet in eine U-Form umbilden, mit einer kleinen zentralen Öffnung für einen Weg, verringern wir den Weg von ca. 2 m2 (mit einem 45 cm breiten Pfad auf einer Seite des Hochbeets) auf einen halben Quadratmeter. Weniger als ein Viertel des Bodens geht für Wege verloren. Ich quäle Sie nicht mit der Rechnung, um Skeptiker zu überzeugen – wie jeder Verleger weiß, schlägt jede einzelne Gleichung in einem Text die Hälfte der verbleibenden Leser in die Flucht.
Schlüssellochbeete überzeugen durch Ästhetik und sie rechnen sich. Bringt man Kurven in einen Garten, beseitigt das diese »Sojafeld«-Qualität, die lineargerade Beete und Reihen ausstrahlen. Mit Ausnahme fallender Äpfel und anderer schwerkraftbedingter Phänomene wählt die Natur nie die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten. Stattdessen mäandert die Natur und schwingt in eleganten, aber effizienten Wellenbewegungen von hier nach dort. Die Menschen sind so eingenommen von der schnurgeraden, direkten Route. Doch in unseren Gärten begegnen wir der Natur mehr oder weniger zu ihren eigenen Bedingungen. So wie ein gerades Stück Autobahn einen einschläfert, sind auch lineare Gärten monoton. Kurven und Kreise verleihen einem Garten Überraschung und Laune. Ein Bonus ist, dass sie auch noch effizienter sind.
Ein Schlüssellochbeet bauen und bepflanzen
Beim Bau eines Schlüssellochbeets beginnt man mit einem Erdkreis, der etwa 2,4-3 m Durchmesser hat und auf einer Seite von einem Weg zur Mitte durchtrennt wird. Schlüssellochbeete entstehen, indem man fruchtbaren Mutterboden in eine Hufeisenform bringt, aber ich kreiere sie lieber schichtweise wie eine Lasagne mit Blättern oder anderer kompostierbarer organischer Substanz, Zeitungen und Erde, mittels einer Technik namens Schichtmulchen (in Kapitel 4 finden Sie Details). In einem Schlüssellochbeet ist die bepflanzbare Zone etwa so breit wie ein Standard-Hochbeet: 90 cm bis 1,5 m. Der Zugangsweg ins Beet kann schmal sein, ca. 30 cm breit, doch der zentrale Pfadkreis muss groß genug sein, damit man sich umdrehen kann, etwa 45-60 cm Durchmesser.
Sie können das Schlüssellochbeet mithilfe des Zonensystems (blättern Sie weiter zu Tabelle 3-3 und den dazugehörigen Abbildungen, auf denen die Zonen erklärt werden) pflanzen. Setzen Sie die am häufigsten geernteten Pflanzen am nächsten zur Mitte. Das bedeutet, dass Kräuter, Blatt- und andere Gemüse, die täglich geerntet und gegessen werden, am mittleren Weg wachsen sollten. Dahinter setzen Sie Pflanzen, die nur alle paar Tage gepflückt werden, wie Paprika, Buscherbsen und -bohnen, Auberginen und anderes. Sie können noch immer gut erreicht werden, ohne sich zu strecken. Am äußeren Ende des Beets pflanzt man Langzeitfrüchte und solche, die nur einmal geerntet werden. Dazu gehören Kartoffeln, Karotten und andere Wurzelgemüse, plus was ich Rote-Königin-Gemüse nenne – Kohl, Blumenkohl, Eisbergsalat und –, weil bei der Ernte »ihre Köpfe rollen«.
Diese Pflanzen aus der hinteren Reihe sind vielleicht etwas außer Reichweite, falls das Beet tiefer als 90 cm ist. Daher werde ich etwas vorschlagen, das die Gärtner schockieren wird, die eifrige Anhänger des Rigolen sind. Um diese Pflanzen zu ernten, stellen Sie sich auf das Beet (Huch!) und ziehen Sie heraus. Ein Fußabdruck pro Saison wird Bodenporosität und Struktur nicht verderben. Falls die Idee, auf leichte, lockere Erde zu treten, einfach zu schrecklich ist, legen Sie ein Brett aus, auf dem Sie stehen können, das verringert die Verdichtung.
Schlüssellochbeete stecken voller kreativer Möglichkeiten. Man könnte einen ganzen Kreis nur für Tomaten machen, mit ein paar begleitenden Küchenkräutern wie Basilikum oder Schnittlauch am Innenrand. Oder man nutzt die Kreisgeometrie, um Sonne und Schatten auszugleichen: Setzen Sie Nutzpflanzen, die in der Hochsommerhitze welken, östlich von höheren Sonnenanbetern, die empfindliche Pflanzen an sengenden Nachmittagen beschatten. Für ein Spalier von Kletterpflanzen legt man eine Einfriedung ums Beet an. Falls salzige Küstenböen oder die austrocknenden Winde der Ebene den Garten rütteln, pflanzt man hohe, stabile Feldfrüchte wie Topinambur oder eine stämmige Sorte Sonnenblumen an der Außenseite der Beete als Windschutz. Natürlich passen Schlüssellochbeete auch für Blumen, dann steht man mit der Gartenschere in einem leuchtenden Farbenmeer und überlegt, womit man eine Vase oder mehr füllen könnte.
Schlüssellochbeete sind rund, während die meisten Gärten eckig sind. Also, was ist mit den Rändern, diese kleinen Dreiecke ungenutzten Bodens an den Ecken dieser Beete – ist das nicht verschwendeter Platz? Keineswegs. Jeder Garten braucht Insekten anlockende Blumen oder mehrjährige Stickstoffbinder wie Weißklee, oder eine gute Wind- und Unkrautbarriere an den Randzonen, um Unkrautsamen davon abzuhalten, vom nicht so tadellosen Land Ihres Nachbarn herüberzufliegen. Wir könnten den Rand mit robusten Mulchpflanzen wie Ackerbohnen oder Beinwell füllen. Es könnte der perfekte Ort für einen kleinen Obstbaum sein. Oder wir können das Beet auch so ausdehnen, dass die Ecken ausgefüllt sind. Es gibt keine Regel, die sagt, dass ein Schlüssellochbeet nicht lieber eckig als rund sein darf. Es ist der mittlere Weg, der es definiert.
Pflanzt man mehr als ein Schlüssellochbeet, hat man mehr Möglichkeiten. Sie können sich nach rechts oder links von einem zentralen Pfad ausdehnen.
Ein von Schlüssellochbeeten eingerahmter, geschwungener Weg kann ein Haus einrahmen und ist ein attraktiver Zone-1-Garten.
Eine weitere Modifikation des Schlüssellochplans ist der Mandala-Garten, der aus 4-8 Schlüssellochbeeten besteht, die in einem Kreis angeordnet sind und ein weiteres Beet in der Mitte sowie einen Weg ins Mandala von der Seite aufweist. Ein Mandala-Garten kombiniert Schönheit und Effizienz und hat eine magische Wirkung. Wenige Designs können mehr Anbaufläche in einen so kleinen Bereich packen und wer eher mystisch veranlagt ist, würde sagen, ein Mandala-Garten bringt einen spirituellen Aspekt auf ein Stück Boden.
Weitere Vorzüge der Schlüssellochbeete: Falls wir den mittleren Weg nach Süden ausrichten und hohe Pflanzen wie Tomaten oder Sonnenblumen hinten oder am nördlichen Ende ansiedeln, bildet das Beet eine U-förmige Sonnenfalle, in der Wärme gespeichert wird. Das warme Mikroklima im Inneren ist ein guter Platz für empfindliche oder wärmeliebende Sorten. Sie lassen sich auch leicht bewässern. Ein einziger Minisprinkler in der Mitte beschreibt ein rundes Sprühmuster, das das gesamte Beet durchfeuchtet.
Die Kräuterspirale
Wir können ein wenig tiefer auf die Verwendung von Form und Muster im Garten eingehen. Die Permakultur-Prinzipien sagen uns, dass wir an der Haustür anfangen, also legen wir einen Kräutergarten am Weg an, der bei unserer Hintertür anfängt. Hier pflanzen wir Oregano, daneben ein paar Thymianarten, dann Schnittlauch – wir mögen Schnittlauch, also setzen wir fünf – und danach ein paar Petersilienpflanzen und ein bisschen Minze. Wir fügen noch ein weiteres Dutzend Lieblingskräuter und Gewürze hinzu und schließen mit drei Sorten Salbei ab. Schon bald sprießen etwa 25 Pflanzen am Weg, der sich weit in den hinteren Garten erstreckt. Diese Salbeipflanzen sind ziemlich weit weg. An einem ungemütlich nassen Tag müssen wir Stiefel und eine Jacke anziehen, ehe wir Kräuter ernten können. Mit etwas schlechtem Gewissen holen wir dann wohl lieber getrockneten Salbei aus dem Schrank und lassen den Schnittlauch sein. Außerdem benötigt der kleine Kräutergarten etwa 9 Meter Weg, damit man leicht herankommt und jeder Zentimeter Weg ist ein Zentimeter weniger Anbaufläche.
Und wenn wir den Kräutergarten mit anderem Muster planen? Statt einer geraden – oder auch mäandernden – Linie biegen wir den Weg so, dass die ganze Sache weniger Platz braucht. Wir könnten die Kräuter einfach in ein Standard-Hochbeet packen, wodurch vor unserer Tür ein recht langweiliges Rechteck entsteht. Das würde Platz sparen, doch einige Kräuter wären dann vielleicht schwer zu erreichen. Aber sind wir noch etwas kreativer. Hier kommt ein wenig Wissen über Gebilde und Muster ins Spiel.
Dies ist ein perfekter Platz für eine Kräuterspirale. Eine Kräuterspirale rollt einen Pfad von 6-9 Metern Länge an Pflanzen in ein spiralförmiges Muster, das etwa 1,5 m Durchmesser hat. Es ist auch keine flache Spirale. Und so funktioniert es.
Eine Kräuterspirale beginnt als ein Hügel mit guter Erde, der etwa 90 cm hoch und 1,5 m breit ist. Aus diesem Hügel wird eine Spirale, wenn man fußball- bis faustgroße Steine in einem Spiralmuster anordnet, das sich von unten nach oben nach innen eindreht, wobei die größeren Steine unten liegen. Man lässt zwischen den Stockwerken der Steinspirale etwa 30 cm Erde.
Jetzt pflanzt man die Kräuter der Spirale entlang. Das wickelt eine ca. 9 m lange Reihe in eine viel kleinere Fläche. Alle Kräuter können direkt vor der Tür wachsen. Das erfordert nur die Wegfläche, um die Spirale zu umrunden. Wenn man die Erde aufhäuft, kann man die Kräuter in der Mitte zudem erreichen, ohne sich weit bücken zu müssen.
Kombiniert man das Spiral- und Hügelmuster in eine dreidimensionale Helix, spart dies mehr Platz und Mühe. Die Hügelform bedeutet, dass die Kräuterspirale in alle Richtungen abfällt. Die sonnige, nach Süden gewandte Schräge ist heißer als die Nordseite. Die östliche Seite, die Morgensonne bekommt, trocknet früher am Tag aus als die westliche. Der Boden am Fuß bleibt feuchter als an der Spitze. Wir haben einen Kräutergarten mit verschiedenen Mikroklimaten geschaffen. Wir pflanzen also entsprechend und geben jedem Kraut eine passende Umgebung. Sorten, die in heißen, trockenen Klimaten gedeihen, wie Oregano, Rosmarin und Thymian, kommen auf die sonnige Südseite an der Spitze. Petersilie und Schnittlauch, die kühlere, feuchtere Klimate bevorzugen, finden ein Zuhause an der Nordseite. Koriander, der in zu viel heißer Sonne eingeht, kann an der Ostseite positioniert werden, geschützt vor der brennenden Nachmittagssonne. Auch andere Kräuter können es sich an ihren besten Plätzen bequem machen.
Ein paar Tipps zum Bau einer Kräuter-spirale:
• Die in der Abbildung aufgeführten Pflanzen sind nur Beispiele. Wählen Sie Kräuter, die sie verwenden – nicht jeder benötigt Sonnenhut. Und es müssen auch nicht nur Kräuter sein, man kann ja auch Kopfsalat und andere Salatpflanzen, Erdbeeren, Blumen oder jede andere kleine Pflanze hinzufügen, die man oft verwendet.
• Um Oberboden zu sparen, kann man ein paar Steine, Betonabfall oder einen Haufen Unterboden an die Basis des Hügels geben und darauf aufbauen.
• Für die leichte Bewässerung verlegt man einen Bewässerungsplastikschlauch (¼ oder ½ Zoll) im Hügel, der an der Spitze herausschaut und befestigt einen Minisprinkler.
• Die lockere Erde der neuen Spirale muss sich setzen, also bewässern Sie gründlich (ohne sie wegzuspülen), nachdem Sie die Erde angehäuft haben, und ohne, dass sie sich zu stark verdichtet. Vielleicht muss im Anschluss mehr Erde hinzugefügt werden.
• Sie könnten auch eine kleine Schüssel oder einen winzigen Teich (30-90 cm Durchmesser) am Fuß der Spirale versenken. Brunnenkresse, Wasserkastanien und andere essbare Teichpflanzen können hier wachsen.
Eine Kräuterspirale kombiniert ein zweidimensionales Muster (eine Spirale) mit einem dreidimensionalen (einem Hügel), um eine schöne und platzsparende lebende Skulptur zu schaffen, die mehrere Mikroklimata beinhaltet.
Mit attraktivem Stein gebaut, kann eine Kräuterspirale ein augenfälliges Zentralelement jedes Gartens sein.
Andere natürliche Muster im Garten
Sehen wir uns an, warum die Kräuterspirale so lohnend ist. Dieses Design windet eine gerade Linie zu einer Spirale und drapiert dieses zweidimensionale Muster über ein dreidimensionales – den Erdhügel. Aus dieser Kombination ergibt sich eine Fülle von so genannten Synergieeffekten – unerwartete Vorteile einer neuen Zusammenarbeit, die keiner der Partner allein bieten kann. Diese beiden Muster interagieren auch mit der Umwelt – Sonne, Schatten, Tageszeit usw. – sowie mit Menschen – sparen Arbeit und Platz, regen zur Nutzung an, sehen attraktiv aus – auf viel mehr Arten als es eine statische Reihe je könnte. Die geschickte Verwendung natürlicher Muster kann bei der Gartengestaltung oft reizvolle Gewinne erzeugen.

Einige der vielen Spiralmuster, die man in der Natur findet.
Die Natur selbst ist voll von diesen Mustern. Die Spirale und die verwandte Helix (eine dreidimensional gestreckte Spirale, wie ein Korkenzieher oder eine Kräuterspirale) sind besonders vielfältig. Schneckenhäuser, das Muster der Samen in einem Sonnenblumenkopf, Schafsbockhörner, Hurrikane, Galaxien – alle bilden Spiralen. Die Muster von Blättern oder Ästen, die sich aus einem Stängel strecken, bilden oft eine Helix, was die Beschattung durch jedes Blatt verringern, das darunter liegt. Spiralen sind oft das Ergebnis von Wachstum oder Ausdehnung.
Hier sind ein paar weitere Muster der Natur, die nützlich sind, wenn ein Gärtner sie erkennt.
Äste. Verzweigungsmuster werden in der Natur eingesetzt, um Nährstoffe, Energie und Wasser zu sammeln oder zu verteilen. Baumäste breiten die Blätter über eine weite Fläche aus, um Sonnenlicht zu absorbieren. Sich gabelnde Wurzeln sammeln Nährstoffe und Feuchtigkeit.
Wir können unsere Beobachtung der Äste im Garten anwenden. Der kalifornische Designer und Lehrer Larry Santoyo von Earthflow Design Works verwendet ständig Muster bei seinen Gartengestaltungen. Die inspirierte Beobachtung eines Blattes lehrte ihn ein neues Design für Gartenwege. In einem seiner Kurse, die ich besuchte, verteilte er Blätter unter seinen Studenten. »Seht euch die verzweigten Adern an«, sagte er. »Sie nutzen den geringstmöglichen Platz, um den Saft von den grünen Zellen, den Photosynthesezellen, zum Rest der Pflanze zu befördern«, zeigte er uns. Die mittlere Ader des Blattes war am dicksten, die Hauptäste halb so groß und von dort erstreckten sich kleine Äderchen, über die Nährstoffe zu und Saft von jedem Zellhaufen transportiert werden konnten. Die Adern selbst sammeln nicht viel Licht, so dass es im Sinne der Pflanze ist, sie zu minimieren. »Warum gestalten wir Gartenwege nicht so? Warum ist das noch niemandem aufgefallen?«, fragte Larry. »Man legt einen breiten Zentralweg für einen Wagen oder eine Schubkarre an und kleinere, die davon abzweigen, damit man zu den Beeten gehen kann. Man spart eine Menge Platz und hat ein natürliches Fließmuster.« Ich war beeindruckt davon, wie originell und nützlich Larrys Beobachtung war. Er hat viele Gärten erfolgreich mit diesem Muster gestaltet, und andere haben ihn kopiert.
Verzweigungsmuster sind sehr effizient, um alle Punkte in einem großen Areal zu erreichen und dabei die kürzeste Entfernung zurückzulegen. Ein einzelner Zweig lässt sich leicht reparieren, falls er beschädigt wird, und sein Verlust hat nur eine kleine Auswirkung auf das gesamte System oder den Organismus. Wo immer in der Natur etwas gesammelt oder verteilt werden muss, findet man Verzweigungsmuster: die Nebenflüsse eines Flusssystems, die Fruchtstände von Wilder Möhre und anderen Doldenblütlern, Blutgefäße, das gegabelte Zickzackmuster von Blitzen oder die noch feineren Unterteilungen der Schläuche in einem Tropfbewässerungssystem. Äste sind ein verbreitetes Muster in der Natur und in unseren Gärten.
Netze. Das Netz oder Gewebemuster findet sich in der Natur in Spinnennetzen, Vogelnestern, Bienenwaben und aufgebrochener trockener Erde. Netze sind Muster der Ausdehnung, Zusammenziehung und auch der Verteilung. Gärtner erzeugen oft ein Netzmuster, wenn sie Samen in einem Hochbeet in einem Muster aus Dreiecken aussäen, um dieselbe Entfernung zwischen jedem Samen zu erzeugen. Dieses Muster passt für die meisten Samen auf der verfügbaren Fläche. In Trockengebieten pflanzen Obstgärtner ihre Bäume in einem Netzmuster, um Regen und Abfluss aufzufangen. Die Obstbäume werden in kleine Mulden gepflanzt und die Becken sind durch ein Netz flacher Gräben verbunden. Durch dieses ausgeklügelte System werden Regen- und Ablaufwasser, das auf einer großen Fläche fällt, durch das Grabennetz aufgefangen und an die Basis der Bäume geleitet.

Verzweigte Gartenwege, einem Blatt nachempfunden. Das Muster von Blattadern ist eine platzsparende Möglichkeit, um Nährstoffe zu den Blattzellen zu transportieren, ohne wertvolle, Licht absorbierende Fläche zu opfern. Wir können dasselbe Muster für Gartenwege nutzen, was die Anbaufläche minimiert, die für unsere stampfenden Füße verloren geht.

Ein dreieckiges Netzmuster erlaubt die Aussaat von mehr Samen auf derselben Fläche als bei dem üblichen quadratischen Muster.
Die Natur verwendet Netzmuster, um Boden aufzubauen und raue Bedingungen zu verbessern, und wir können uns das für unsere Gärten abschauen. Ich habe erlebt, wie wandernde Sanddünen durch ein Netzmuster von Pflanzen stabilisiert wurden. Die stürmischen Winde auf den Dünen verstreuen Gras- oder andere Samen wahllos über eine große Fläche. Während jede Pflanze wächst, bildet sie einen kleinen schattigen, windstillen Fleck um sich herum. Unterstützt von diesem selbst geschaffenen, freundlichen Mikroklima sendet die Pflanze Ausläufer aus und besiedelt neuen Boden. Schon bald hat ein netzartiges Muster von Pflanzen einen großen Fleck Landschaft eingefangen und gezähmt, obgleich zwischen den einzelnen Pflanzen blanker Boden liegt. Im Laufe der Zeit vergrößern sich die verteilten Pflanzen und verbinden sich. Die gesamte Region wurde so »gebändigt« und gemäßigt und in einen milden und einladenden Lebensraum verwandelt.
Wir können dieses Netzmuster in unseren Gärten einsetzen. Falls unser Boden mager ist und es wenige Pflanzen gibt, ist die klassische Reaktion zu oft eine arbeits- und geldintensive Blitzaktion, um Mutterboden hinzuzufügen und den Platz gleichzeitig mit Pflanzen zu füllen – eine Strategie, die gewöhnlich zu überwältigend viel Arbeit führt, gefolgt von vielen toten Pflanzen. Permakulturist Doug Clayton aus New Hampshire schwor sich, diesen Fehler nicht zu begehen, und wandte das Netzmuster in seinem Garten an. Er begann mit einem Gitter aus kleinen Obstbäumen, die über seinen zukünftigen Obstgarten verteilt waren. Um jeden Setzling herum fügte er Dung und Holzschnitzelmulch hinzu und pflanzte Gründüngung und Stauden an, wodurch ein Netz aus gemulchten Kreisen entstand. Jeder Baum wurde zu einer kleinen Zone mit gesundem Boden und mildem Mikroklima. Zwischen den Kreisen wuchs zuerst Gras, das Doug mehr oder weniger ignorierte, weil er wusste, dass es jedes Jahr weniger werden würde. »Ich habe es einfach gemäht und den Grasschnitt um die Bäume herum angehäufelt, um die Fruchtbarkeit dort zu konzentrieren«, erzählte mir Doug. Er glaubt, dass dieser Prozess auch Pilzkrankheiten unter Kontrolle hält. »Das Mähen, Laub zusammenharken, im Herbst einen Ring Dung drauflegen und periodisch alles mit Holzspänen bedecken, unterbricht meiner Meinung nach den Sporenzyklus des Apfelschorfes. Ich spritze nicht gegen Schorf, aber ich habe keine Probleme mit dem Schorf. Der Pilz verrottet einfach.«
In den folgenden Jahren erweiterte Doug diese Kreise mit Mulch und mehr Anpflanzungen. Schließlich begannen sich einige der Kreise der Fruchtbarkeit und des Lebens zu berühren und verbanden den Obstgarten mit reichhaltiger Erde und üppiger Vegetation. Dies ist eine Möglichkeit, ein Netzmuster in einem Garten oder Obstgarten einzusetzen, um allmählich Fruchtbarkeit und eine breit gefächerte Palette an Pflanzen über eine große Fläche aufzubauen. Da ein Netzmuster naturgemäß verbindet und automatisch Ganzheit schafft, bedeutet dies eine sehr überschaubare Menge an Arbeit und Ausgaben, um unsere Gärten dorthin zu stupsen, wo das Muster bereits hinführt.

Bäume in Trockengebieten können in kleinen Mulden gepflanzt werden. Die Becken werden dann durch ein Netz flacher Gräben verbunden. Man nennt das »vernetzte Mulden«. Das Grabennetzwerk sammelt Regen- und Abflusswasser, das auf einer großen Fläche fällt, und lenkt es an die Basis der Bäume. In den Becken sammelt sich auch Mulch an, was für Bodenaufbau sorgt.
Neben Spiralen, Ästen und Netzen gibt es noch viele andere Muster in der Natur, die auf den Garten angewandt werden können. Es gibt Kreise, Wellen, Flügel und Fraktale sowie die komplexen Wirbelmuster von Flüssigkeiten und Gasen mit exotischen Namen wie Kármánsche Wirbelstraßen, Korkenzieherströmung (oder Ekman-Spirale) und Overbeck-Jets. Falls Sie mehr über Muster erfahren möchten und wie sie in der Natur und im Design vorkommen, finden Sie im Literaturverzeichnis weitere Bücher dazu.
Am Rand leben
Wenn man Muster bildet, indem man eine Reihe Kräuter zu einer Spirale aufwickelt oder ein rechteckiges Gartengrundstück in ein Schlüssellochbeet verwandelt, verkürzt das die Länge des benötigten Wegs. Diese Muster vermindern die Länge des Beetrands im Verhältnis zu seiner Fläche. »Randzone« ist ein Schlüsselkonzept in der Ökologie, sodass Ökologen sogar vom »Randeffekt« sprechen. Randzonen sind faszinierende und dynamische Bereiche und ich möchte kurz darauf eingehen, wie man die Randzonen und ihre Wirkungen im Garten einsetzen kann.
An den Rändern passiert viel. Wo ein Wald auf die Prärie trifft, wo ein Fluss ins Meer fließt, oder an fast jeder anderen Grenze zwischen zwei Ökosystemen gibt es eine Brutstätte von Artenreichtum. All die Arten, die in beiden Umgebungen gedeihen, sind vorhanden und auch neue Arten, die in der Übergangszone zwischen beiden leben. Der Randbereich ist reicher als das, was auf der anderen Seite liegt. Jeder Fischer weiß das. Er wirft seinen Köder nicht in die Mitte des Sees aus, sondern im Uferbereich, wo sich die Fische versammeln, um im belebten seichten Wasser zu fressen.
Wir können in unseren eigenen Gärten Randzonen in Aktion sehen. Wo versammeln sich die meisten Vögel? Nicht in der Mitte der Wiese, sondern am Rand bei einer Gruppe Bäume oder Büsche, nicht tief in einer dichten Masse von Sträuchern, sondern auf den Zweigen im Randbereich. Wenn wir also die Artenvielfalt in unseren Gärten stärken wollen, sollten wir die Randmenge erhöhen. Dies bedeutet zunächst einmal Pflanzen unterschiedlicher Höhe. Ein Übergang zwischen Wiese und Bäumen sollte allmählich sein, mit immer größeren mehrjährigen Gewächsen und Sträuchern abgemildert werden, um die natürliche Umgebung und Abwechslung zu erhöhen. Doch es gibt viele andere Möglichkeiten, um mit »Rand« zu spielen, um die gewünschten Wirkungen zu erzielen.
Beachten Sie, dass das Permakultur-Prinzip zum Rand (siehe Kapitel 1) besagt, man sollte ihn optimieren, nicht nur maximieren. Manchmal zahlt es sich auch aus, den Randbereich zu minimieren, wie bei der Kräuterspirale und dem Schlüssellochbeet. Hier bedeutet Rand eher vergeudeten Platz und mehr Arbeit. Die Entscheidung darüber, ob man Rand vergrößert oder verkleinert, hängt davon ab, was auf der anderen Seite der Randzone liegt und was wir damit vorhaben. Ränder erlauben es uns, Räume zu definieren, ihre Grenzen zu sehen sowie was über sie hinweg fließt, und mit diesen Strömen zu arbeiten. Das sind Orte des Übergangs und der Umwandlung, wo Materie und Energie das Tempo ändern, aufhören oder oft auch zu etwas anderem werden. Sehen wir uns einige Randzonen in einem typischen Garten an und wie wir sie nutzen können:
• Rand Haus/Garten. Die Außenwände eines Hauses erzeugen unterschiedliche Mikroklimate. Die Südwand ist am wärmsten und sonnigsten, daher kann man hier wärmeliebende und kälteempfindliche Pflanzen platzieren. Es ist hier oft möglich Pflanzen anzusiedeln, die eigentlich ein oder zwei USDA-Winterhärtezonen weiter südlich wachsen. Die Westwand ist morgens kühl, aber sengend heiß an sonnigen Nachmittagen, und die Nordwand am kühlsten und dunkelsten. Wir können unsere Pflanzen, Arbeits- oder Spielbereiche entsprechend positionieren. Wir können das Haus wärmer oder kühler halten, wenn wir an diesen Rändern pflanzen.
• Rand Asphalt/Boden. Asphaltierte Oberflächen sammeln Wasser, durstigere Pflanzen können an Gehsteigen und Einfahrten gepflanzt werden, um Abfluss aufzufangen. Der Asphalt speichert an sonnigen Tagen auch Hitze, die angrenzende Erde ist daher wärmer.
• Rand Garten/Zaun. Zäune und Mauern agieren als Filter, stoppen einige Ströme (wie Menschen und Aussicht) und erlauben oder erzeugen andere (Luftstrom, sitzende Vögel). Schmutz und Schnee sammelt sich an Zäunen an, mit Mulch und Feuchtigkeit. Zäune können auch als Spaliere dienen. Ordnet man den Zaun im Zickzack an, erhöht sich der Randbereich für Spalier und Bepflanzungen an der Zaunseite. Das macht den Zaun widerstandsfähiger gegen Wind und schafft eine geschützte Nische in jedem konkaven »Zick«.
• Rand Pflanze/Boden. Um die Zahl der Pflanzen zu erhöhen, die in einen bestimmten Bereich passen, kann man sie in einem Wellenmuster statt einer geraden Linie anordnen. Pflanzen am Rand von Beeten liefern oft bessere Erträge als die in der Mitte, also steigern Muster, die den Rand in Beeten erhöhen, die Produktion. Um denselben Effekt zu erzielen, lassen sich Reihen mit hohen Pflanzen mit solchen mit kurzen abwechseln.
• Rand Pflanze/Luft. Ich habe bereits erwähnt, wie ein Schlüssellochbeet nach Süden ausgerichtet als Sonnenspeicher dienen kann. Die Ränder der Gartenbeete und, in größerem Maßstab, Busch- und Baumreihen können in gewellte Formen gebracht werden, die kühlere, windigere Flügel und geschützte, warme Buchten bilden.
• Rand Wasser/Boden. Die Form eines Gartenteichs hat Einfluss darauf, wie viele Pflanzen an den Rand passen. Ein völlig runder Teich hat den kleinsten Rand, während ein Teich mit Flügeln und Buchten oder sternförmigem Muster eine enorme Zahl an Sumpfpflanzen und anderen Feuchtigkeitsfreunden beherbergen kann. Außerdem werden die Landzungen, die in den Teich ragen, in ihrer erhöhten Mitte trockener sein. Landpflanzen können in der Mitte gedeihen, die Sumpfarten dagegen an den matschigen Rändern wachsen. Unterschiedliche Tiefen im Teich (auch so kreiert man Rand) bieten Platz für mehr Fischarten und Wasserpflanzen. Frösche und Kaulquappen können sich im flachen Wasser wärmen, die Koi-Goldfische in der Tiefe aufblitzen.

Eine Möglichkeit, den Randeffekt zu nutzen. Ein gewellter Rand bringt mehr Pflanzen unter und sorgt für mehr Sonne und Nützlinge als ein gerader Rand.
Allgemein vermindern gerade Linien und glatte Formen die Randmenge, während Gebilde mit Flügeln, Einbuchtungen, Hügeln, Gruben, Kräuseln und Zinnenmustern den Rand erhöhen. Vergessen Sie nicht, den Randeffekt in die dritte Dimension auszudehnen, indem Sie die Höhe und Tiefe von Anpflanzungen, Boden, Strukturen und Teichen variieren. Die Bedeutung von Randzonen ist einfach eine Manifestation der Rolle von Verbindungen im ökologischen Garten. Ränder sind keine statischen Orte, sie sind das Ergebnis einer Beziehung zwischen zwei oder mehr dynamischen Teilen der lebenden Landschaft.
Der australische Designer Geoff Lawton, der eng mit Bill Mollison zusammengearbeitet hat, sagt, falls wir die Ränder eines Gartens unter Kontrolle bekommen, nimmt der Rest des Designs leichter Gestalt an. Eine sorgfältige Beurteilung, was und wo die Randzonen in der Landschaft sind, was über sie fließt oder von ihnen gestoppt wird und welche wichtigen Randzonen vielleicht fehlen, erlaubt es uns, die Muster in unserer Landschaft und in ihrer Nutzung durch uns zu sehen. Sehen wir uns den Prozess einer Landschaftsgestaltung genauer an, wobei die Natur uns leitet.
Der ökologische Gestaltungsprozess
Ein ökologisches Design erkennt, dass nichts in der Natur allein und getrennt steht. Jeder Garten reflektiert diese Verbundenheit, ob wir wollen oder nicht. Pflanzt man z. B. eine Reihe Rosen oder Brokkoli, werden die Blattläuse sie schnell finden und sich an der neuen Nahrungsquelle gütlich tun. Rasch ist unsere neue Pflanze mit dem Rest der Natur verbunden, selbst wenn uns das nicht recht ist. Alles, was wir pflanzen, verbindet sich sofort mit natürlichen Zyklen, nimmt Nährstoffe und Wasser auf, gibt Sauerstoff und andere Moleküle an Luft und Boden ab, wandelt Sonnenlicht in Grün um und wird von Insekten, Vögeln, Mikroben und dem Rest des Lebens als Nahrung und Habitat betrachtet.
Das Diktum der Umweltschützer, dass alles mit allem anderen verbunden ist, stimmt. Jedes Element eines Entwurfs – eine Pflanze, ein Weg, ein Gewächshaus oder eine andere Struktur – steht in Beziehung zu vielen anderen Elementen. Wie die Teile des Designs miteinander verbunden sind, ist mindestens so wichtig wie die Teile selbst. Ein ökologisch gestalteter Garten tut mehr als einfach nur diese dynamische Vernetzung zu akzeptieren – er wird in ihr schwelgen und sie zu seinem Vorteil nutzen. Wenn z. B. eine geliebte Pflanze auch ein Magnet für Blattläuse ist, entdeckt und schafft ein guter Designer Bedingungen, die Blattlausbefall verhindern. Statt Rosen oder Brokkoli blockweise zu pflanzen, können wir ein anderes Pflanzmuster einsetzen und die Pflanzen zwischen anderen Arten verteilen, damit die Blattläuse härter arbeiten müssen, um sie zu finden. Auch die Verringerung der Stickstoffmenge im Boden ist hilfreich, da Blattläuse saftige, stickstoffgemästete Pflanzen suchen. Und wir können eine natürliche Umgebung für Blattlausfeinde wie Marienkäfer und parasitäre Wespen fördern, eine Abhilfe, die Insektenplagen allgemein vermindert. Die besten Lösungen haben Vorzüge, die weit über das ursprüngliche Problem hinausgehen.

Die Vorzüge, die Randzone in einem Teich zu erhöhen. Beide Teiche sind an Volumen und Fläche ungefähr gleich, doch der gewellte Teich hat mehr Randfläche. So kann er weitaus mehr Pflanzen beherbergen und die ausgedehnte flache Zone bietet mehr Lebensraum für Fische und Wasserpflanzen.
Ein Rosenbusch z. B. ist mit vielen anderen Arten verknüpft, auch mit den Blattläusen, die er so oft anzieht. Die Blattläuse selbst locken Marienkäfer an, die Marienkäfer werden hungrig von Vögeln verzehrt und die Vögel hinterlassen ihren Kot, der Mikroben füttert und die Rose zu düngt. Alles in einer Landschaft ist damit beschäftigt, auf andere Elemente einzuwirken und wird selbst von ihnen beeinflusst.
Um eine Landschaft zu erhalten, die nicht nur natürlich aussieht, sondern auch wie ein natürliches Ökosystem funktioniert, brauchen wir somit eine Denkweise über die Teile unseres Designs, die über das reine Aussehen hinausgeht. Falls wir vollständig begreifen, wie ein Designelement mit anderen verbunden ist, können wir die Teile auf eine Art verbinden, die elegant, effizient, produktiv und schön ist.
Bedenken Sie, wie eigenständig eine natürliche Landschaft ist. Ein Ökosystem versorgt sich selbst. Niemand bringt lastwagenweise Dünger in einen Wald, niemand bringt dessen Abfall auf die Müllhalde. Der Wald kümmert sich um all das intern, erzeugt Fruchtbarkeit und verwertet Abfall und Schmutz wieder. Mit anderen Worten, Kräfteeinsatz und Ergebnisse des Waldes sind ausgewogen, hinterlassen wenig Abfall, und die Arbeit wird durch Sonnenlicht angetrieben. Dieses Modell wollen wir nachahmen.
Die Schritte, um ein ökologisches Gartendesign zu schaffen, sind kurz gesagt folgende:
• Beobachtung. Hier fragen wir: Womit können wir arbeiten? Was sind die Bedingungen und Beschränkungen des Geländes und des Kunden?
• Projektentwicklung. Was sollte das Design tun? Was wollen wir? Was braucht das Gelände? Wie soll es sich anfühlen?
• Planung. Was müssen wir tun, um unsere Ideen zu verwirklichen? Wie sollen die Teile zusammengesetzt werden?
• Entwicklung. Wie wird die endgültige Gestaltung aussehen? Wie gelingt uns das?
• Umsetzung, der letzte Schritt. Wie bauen wir den Garten auf?
Wir glauben zumeist, dass Design der Prozess ist, bei dem wir uns überlegen, was wohin kommt: »Wir pflanzen die Heidelbeeren hier und verlegen den Weg dort.« Doch die Planung, der Schritt von »was kommt wohin«, ist nur eine von fünf Phasen des Entwurfsprozesses. Für ein erfolgreiches Design sind die anderen Schritte ebenso wichtig. Ähnlich wie wenn man ein Zimmer streicht: Wenn wir einen nassen Pinsel schwingen, ist das der Teil, den wir als »Streichen« sehen, doch das ist weniger als die Hälfte der Arbeit, um einem Raum eine andere Farbe zu geben. Bei der Auswahl der Farbtäfelchen vergisst man leicht, dass man den Raum leeren, die Wände streichen, Nagellöcher füllen und glattschleifen, Zierleisten abkleben und den Raum danach wieder einräumen muss. Aber falls man einen dieser Schritte auslässt, hat man ein Zwischending zwischen halbherzigem Streichen und außer Kontrolle geratenem Jackson Pollock. So ist das auch mit dem Design, obwohl die meisten Stufen angenehmer sind, als Wände zu streichen. Seien Sie also vorgewarnt: Nur ein kleiner Teil einer guten Gestaltung überlegt, wo die Teile hinkommen. Seien Sie nicht ungeduldig und machen Sie auch keinen kurzen Prozess damit.
Noch ein Hinweis, ehe wir den Designprozess untersuchen. Jede Landschaftsgestaltung hat zwei »Kunden« mit ihren eigenen Bedürfnissen: die Leute, die dort wohnen und das Land selbst. Wenn wir versuchen, einem Platz ein Design aufzudrücken, das er nicht unterstützen kann – ausgedehnte grüne Rasenflächen in der Wüste z. B. – kämpfen wir gegen Windmühlen. Nur große Mengen Arbeit, Energie, Ressourcen und Geld halten ein unpassendes Design am Leben. Diese Form von hohen Einsätzen ist konträr zu einer ökologischen Gestaltung. Die Natur funktioniert so nicht. Und falls der Gärtner sich kurz entspannt, zeigt die Natur schnell, wie ungeeignet dieser Entwurf ist. Mit enormen Trockenperioden, Frost-Tau-Zyklen, feuchtigkeitsliebenden Pilzen oder einer Reihe anderer verbreiteter, aber unvereinbarer natürlicher Phänomene wird die Natur einen ökologisch unerfahrenen Gärtner überdauern und ein unpraktisches Design zerstören.
Wir versuchen, Orte zu gestalten, die sich auf die Natur stützen und mit ihrer grenzenlosen Energie arbeiten, nicht gegen sie kämpfen. Wir können dies tun, indem wir erkennen, dass das Land, ebenso wie wir, seine eigenen Anforderungen und Tendenzen hat.
Gehen wir die Gestaltungsschritte im Einzelnen durch.
Beobachtung
In der Beobachtungsphase sammelt man zwei Arten von Informationen: Was befindet sich vor Ort und welche Mittel stehen für das Projekt zur Verfügung?
Eine gute Möglichkeit, um den Kennenlernprozess des Geländes zu beginnen, ist das Anfertigen einer Karte. Die Karte muss nicht schön aussehen, sollte aber Folgendes enthalten: Gebäude, Straßen und Wege, bestehende Bäume und andere wichtige Pflanzen, Böschungen und wichtige Geländemerkmale, Drainage und Wasserläufe, Bodenarten und Bedingungen (Lehm oder sandig, sumpfig oder trocken usw.) sowie Maßstäbe und Distanzen. Fast jedes gute Buch über herkömmliche Gartengestaltung erklärt, wie man eine einfache Karte von einem Grundstück anfertigt. Mehrere finden sich im Literaturverzeichnis. Landschaftsgestaltungs- und Kartierungssoftware kann auch verwendet werden, es gibt sie zu verschiedenen Preisen und mit unterschiedlichen Lernkurven.
Wenn man eine Karte zeichnet, kreiert das mehr als nur ein Stück Papier. Jedes Mal, wenn ich eine Karte anfertige, erkenne ich Details, die mir ansonsten nicht aufgefallen wären. Die Kartenerstellung bringt mich in engen Kontakt mit einem Ort. Neigung, Aussicht, Entfernung, kühle und warme Ecken, Sonnen- und Schattenflimmern, all das kommt scharf zur Geltung, wenn ich durch das Land gehe und zeichne oder notiere, was ich sehe und fühle. Das Wissen wird in meinem Kopf deponiert und wartet auf seinen Einsatz. Der Ort nimmt eine Ganzheit an, eine Fülle, die meine Sinne umfasst, alles symbolisiert auf einem einfachen Stück Papier, das sich in mir mit einem Bild verbindet.
Die Beobachtung geht weit über das Erkennen der Objekte auf dem Gelände hinaus. Beobachtung vom Feinsten bedeutet, dass man in den Ort eintaucht. Welche Lebewesen leben dort? Wann kommen und gehen verschiedene Vögel und andere Tiere? Was essen oder benutzen sie ansonsten dort? Welche Interaktionen finden zwischen den pflanzlichen, tierischen und menschlichen Bewohnern statt? Der erste Schritt besteht darin, diese Beobachtungen aufzulisten. Sie müssen kein Berufsnaturforscher oder -geograph sein. Notieren Sie einfach, was Sie sehen und lassen Sie sich von diesem Abschnitt hier leiten. Später können Sie Ihre Beobachtungen in Büchern recherchieren oder sie mit weiterer Feldarbeit ausarbeiten.
Es ist nicht einfach, den Beobachtungsprozess von der Analyse zu trennen. Wir kombinieren fast automatisch eine rohe Beobachtung, wie »die Blätter dieser Pflanze werden gelb« mit einer Analyse: »weil sie mehr Stickstoff benötigt«. Doch in der Frühphase der Beobachtung ist es wichtig, ein kindliches Staunen zu bewahren, ohne sofort zur Analyse zu schreiten. Die Analyse kanalisiert unser Denken und verringert unsere Optionen. Wenn wir vom einfachen Beobachten sofort auf den Weg zu »Stickstoffmangel« springen, beschränken wir unsere Möglichkeiten auf eine Klasse von Lösungen: Diese Pflanze braucht Dünger. Aber wenn wir geduldig bei der einfachen Beobachtung bleiben, dass »die Blätter dieser Pflanze gelb werden«, öffnen wir uns gegenüber vielen anderen Optionen. Später, wenn uns andere Beobachtungen helfen, Informationen zu erlangen, können wir fragen: Sollen wir diese kranke Pflanze behalten? Sollen wir Begleitpflanzen hinzufügen, um ihr zu helfen? Ist das der richtige Platz für diese Art? Welche Pflanzen wären unter diesen Bedingungen glücklicher? Wie viel Bodenverbesserung wollen wir investieren? Bedenken Sie, wir suchen an diesem Punkt nicht nach Lösungen, sondern einfach nach einem Verständnis darüber, was hier vorliegt.
Behalten Sie diese Beobachtungen im Kopf. Am einfachsten ist das mit einer schriftlichen Liste, doch nicht jeder denkt auf die gleiche Weise. Manche Leute finden es nützlicher, ein Video oder eine Sprachaufzeichnung zu machen oder Skizzen mit Anmerkungen zu versehen. Wählen Sie die Methode, die am besten für Sie ist. Tabelle 3-1 bietet Anregungen, welche Arten von Beobachtungen man machen kann.
Nachdem Sie die ersten Beobachtungen gemacht haben, recherchieren Sie in Büchern, bei Experten vor Ort oder im Internet, um mehr über Merkmale zu erfahren, die nicht direkt beobachtet werden können.
Die andere Phase der Beobachtung besteht darin, die für das Projekt zur Verfügung stehenden Mittel zu untersuchen. Welche Vorräte, Pflanzen und Werkzeuge gibt es am Standort? Wie viel Zeit, Geld und Energie können Sie für den Entwurf, die Umsetzung und Pflege der Landschaft aufwenden? Über welche relevanten Kompetenzen und welches Wissen verfügen Sie? Welche dieser Ressourcen können von der Familie, Freunden, Nachbarn oder Ihre Gemeinschaft gestellt werden? Ein Entwurf kann keinen Erfolg haben ohne eine realistische Einschätzung der Ressourcen und Einschränkungen. Diese Ressourceneinschätzung wird auch darauf hinweisen, was fehlt und gekauft, geliehen oder sonst woanders beschafft werden muss.
Eine Warnung über die Beobachtungsphase: Menschen lieben es, Pläne zu schmieden und können sich dabei kaum zügeln. Es ist entsetzlich schwierig, im Garten herumzulaufen und zu beobachten, ohne auch nur zu denken: »Da ist ein guter Platz für einen Pfad … und wir könnten ein Blumenbeet entlang davon anlegen« usw. Tun Sie das nicht! Versuchen Sie, eine Zen-Geisteshaltung zu entwickeln oder was immer nötig ist, um einfach zu beobachten, ohne zu planen. Statt »Da ist ein guter Platz für einen Pfad« machen Sie eine beobachtende Aussage wie »Dort kommt man nicht gut hin«. Jede zu früh getroffene Platzierungsentscheidung schränkt die Palette der verbleibenden Möglichkeiten ein. Ich kann das nicht genug betonen. Die Planung, was wohin kommt, muss warten.
Projektentwicklung
Nun, da wir wissen, was wir auf dem Gelände haben, können wir davon träumen, was wir uns wünschen, wie der Platz aussehen und sich anfühlen kann und was dort passieren könnte. In dieser Phase hilft es, ein Notizbuch oder ein Aufnahmegerät zu nutzen, um unsere Ideen festzuhalten. Viele und lange Listen sind gut. Wir sind in der Brainstormingphase ohne Beurteilung oder praktische Erwägungen. Später dünnen wir die Listen aus.
Manche Designer beginnen mit der Projektentwicklung, und das ist auch in Ordnung. Die Schritte für Beobachtung und Projektentwicklung befruchten sich gegenseitig. Die verfügbaren Mittel, besonders Zeit und Geld, beeinflussen Ihre Vision, und wenn Ihre Vision reift, erhalten Ihre Beobachtungen vielleicht eine neue Ausrichtung. Manche Leute beobachten und entwickeln gleichzeitig und springen zwischen beiden hin und her, während andere zuerst am einen, dann am anderen arbeiten und dann zum ersten Punkt zurückkehren und überprüfen. Sobald ein Schritt fertig ist, macht es Sinn, kurz frühere Schritte anzusehen und abzuschätzen, ob etwas angesichts der neuen Erkenntnisse geändert werden muss.
Die Projektentwicklungsphase beginnt mit einem vorbehaltlosen Brainstorming, das zu einem gewissen Grad von den Finanzen (aber wir träumen mal) und eigentlich nur durch ökologische und ethische Limits begrenzt ist. D. h. einfach, die neue Landschaft sollte die Erde und ihre Bewohner durch die vorgenommenen Änderungen verbessern. Leider verarmen viele konventionelle Gartengestaltungen den Planeten. Anders als natürliche Landschaften sind sie von massiven Dünger-, Pestizid-, Wasserzugaben und mit fossilen Brennstoffen betriebenen Maschinen abhängig. Sie sind keine natürliche Umgebung und bieten den Besitzern kaum mehr als einen Platz, wo sie einen Liegestuhl aufstellen können. Man kann es leicht besser machen.
Damit ein Garten als ökologisch angesehen wird, sollte die neue Landschaft:
• wenig Material von außen benötigen, vor allem sobald sie ausgereift ist,
• die Biodiversität steigern,
• Wildtier- und Pflanzenhabitat schaffen, anstatt zu zerstören,
• Luft-, Wasser- und Bodenqualität verbessern,
• die Arbeit für die menschlichen Bewohner letztlich vermindern, statt sie zu erhöhen.

Weitere Kapitel dieses Buches führen die Techniken auf, die diese Anforderungen einfach erfüllen, doch bei der Gartenplanung sollte man diese Prinzipien fest im Kopf behalten.
Denkt man an diese wenigen Beschränkungen, kann man seine Vision erschaffen. Hier sind Fragen, die man während des Entwicklungsprozesses stellen kann:
• Was wollen und brauchen Sie und die anderen menschlichen Bewohner von der Landschaft? Was kann sie anbieten? Möglichkeiten sind Nahrung, Kräuter, Lebensraum für Wildtiere, Schnittblumen, Privatsphäre, Inspiration, Ruhe, Einkommen, Spielplatz oder alles davon. Recherchieren Sie, was verfügbar ist und gehen Sie ein bisschen ins Detail, denn das ist ja nur die Traumphase.
• Was braucht die Landschaft und Region? Hat früherer Missbrauch ein Problem verursacht, das durch das richtige Design behoben werden kann? Muss der Boden regeneriert werden? Sterben Bäume oder tun sich Pflanzen schwer? Wäre mehr Wasser gut oder Lebensraum für Wildtiere? Wachsen hier seltene heimische Pflanzen, die man fördern kann? Könnte das Design eine geschädigte Landschaft regenerieren und auffrischen und eine Chance bieten, dass bedrohte Arten überleben?
• Wie soll sich die neue Landschaft anfühlen? Wie ein Wald, ein Garten Eden, eine Wiese, ein Schutzgebiet?
• Was werden Sie dort tun?
• Welche Art von Nahrung, Kräuter, Heilpflanzen, Feuerholz, Bauholz oder andere Produkte möchten Sie gerne haben? Was davon kann das Land nachhaltig auf Dauer bieten?
• Hat der Platz ein Gesamtthema oder eine Funktion wie Bildung, Schutzgebiet, Vorführort, eigenständiges Leben oder Marktgärtnern?
Lassen Sie Ihrer Vorstellung freien Lauf und führen Sie eine Liste der Möglichkeiten. Wenn Sie notieren, was Sie in der Landschaft wollen, beschreiben Sie hinsichtlich ihrer Funktion, anstatt ihnen einen statischen Namen zu geben. Statt »Zaun« schreiben Sie lieber »Barriere«, was viel mehr Möglichkeiten zulässt: Es könnte eine Hecke, Steinmauer, Berme oder sogar ein Graben sein. Statt »Komposthaufen« denken Sie an »organisches Material wiederverwerten«. Sehen Sie den Unterschied? Führt man die Teile der Gestaltung nach Funktion auf statt mit einer inaktiven Substantivbeschreibung, hält man sich weitaus mehr Möglichkeiten offen.
Der nächste Schritt besteht im Organisieren der mittlerweile wohl seitenlangen Notizen. Stellen Sie fest, was Ihre Prioritäten sind. Was sind die dringendsten Probleme oder Wünsche? Wollen Sie zuerst den energiefressenden Rasen beseitigen, abfließendes Wasser am vorderen Weg umleiten, mehr Essen anbauen? Prioritäten können persönlich sein: »Zuerst brauche ich einen Platz, an dem ich mich ruhig hinsetzen kann, dann habe ich die Energie, die Steinmauern zu bauen, die ich möchte.« Untersuchen Sie auch die am wenigsten wichtigen Aspekte der Vision, vielleicht stehen sie im Gegensatz zu den wichtigen oder können auch weggelassen werden. Falls es hilft, unterteilen Sie Prioritäten in mehrere Kategorien: persönlich, ästhetisch, zu lösende Probleme, die Umwelt betreffend/ökologisch usw. Prüfen Sie, welche Kategorien und Punkte am wichtigsten erscheinen.
Der letzte Schritt im Entwicklungsprozess besteht darin, die Ziele und Themen angesichts der Prioritäten neu zu bewerten und zu sehen, ob einige Ziele angepasst werden müssen. Vielleicht haben Sie realisiert, dass ein Spielplatz für Kinder und Hunde dringender ist, als Sie zuerst dachten, und dies beeinflusst das Gesamtdesign.
Sie haben nun eine enorme Menge an Informationen über Ihr Grundstück und Ihre eigenen Wünsche gesammelt. Obwohl die Schritte Beobachtung und Projektentwicklung nicht wie der spannendste Teil des Designablaufs aussehen, ebnet ihre Durchführung den Weg für die nachfolgenden Schritte gründlich und vereinfacht deren Umsetzung.
Planung
Dieser Aspekt des ökologischen Gartendesigns ist anstrengend, doch eine Fülle nützlicher Werkzeuge hilft uns dabei. Da der Schreibkram von Beobachtung und Entwicklung jetzt hinter uns liegt, macht die Planungsphase für die meisten Leute am meisten Spaß. Sie ist Teil des ökologischen Gestaltungsprozesses, den wir als »Design« bezeichnen und bei dem wir herausfinden, was wohin kommt. Ich habe sie in zwei Teile unterteilt, Entwurfsplanung und räumliche Anordnung.
Entwurfsplanung. Das ist das »Übersichts«-Segment des Designs. Wir kennen unsere Ziele und die Mittel, die uns dazu aktuell zur Verfügung stehen. Jetzt müssen wir die Muster, Ideen und den Rahmen finden, die unsere Vision zum Leben erwecken, alle Teile in ein zusammenhängendes Ganzes bringen und es unterstützen. David Holmgren, der Miturheber des Permakulturkonzepts, schlägt vor, dass wir von Muster zu Details planen. Dieser ausgezeichnete Rat funktioniert auf mehreren Ebenen. Die oberste Ebene: Überlegen Sie, ob es ein (oder selten auch mehrere) übergreifende physische Muster gibt, das/die die meisten Ziele Ihres Entwurfs unterstützen. Gibt es eine Verästelung, ein Netzwerk, eine Spirale oder ein anderes Muster, das versucht, aus der Landschaft zu entstehen, und das am besten unterstützt, was Sie dort kreieren wollen? Dieses Muster kann zur verbindenden Idee werden, die die Landschaft zusammenhält und vielleicht in unterschiedlichen Maßstäben erscheint, wobei jedes Mal ein bestimmter Fluss, eine bestimmte Ästhetik oder Aktivität verstärkt wird. Zwingen Sie dem Land jedoch kein Muster auf, nur weil Sie, sagen wir, Spiralen mögen. Das Muster sollte sich aus Ihrem Dialog mit dem Land und aus den Zielen des Entwurfs ergeben. Es sollte auf natürliche Weise Designprobleme lösen, statt eine Reihe von Umgehungslösungen zu schaffen, mit denen man sich befassen muss.
Damit dieses Muster entstehen kann, sehen Sie sich Ihre Listen und Beurteilungen an und gehen Sie auf dem Gelände umher, um dort bereits vorhandene Ströme und Muster zu erkennen. Es kann helfen, eine lange Liste von Zielen und Träumen in zwei oder drei prägnanten Sätzen zusammenzufassen, die das Wesen Ihrer Ziele erfassen.
Auf der nächsten Ebene kann sich ein Muster auf ein System oder eine Strategie beziehen, die für eine bestimmte Aufgabe oder Funktion des Designs nötig ist. Braucht Ihr Design Wassergewinnung, das Recycling organischer Substanz, eine Organisation des Fußgängerverkehrs? Jetzt ist der Zeitpunkt, um zu entscheiden, ob die wichtigen Ziele und Funktionen des Designs erreicht werden. Schreiben Sie eine Liste dieser Ziele und Funktionen. Dazu kann die Bewässerung gehören, Fußgänger- und Schubkarrenverkehr, verschiedene Arten von Nahrung, Blumen, eine natürliche Umgebung und Nährstoffproduktion, Kompostierung, Lagerung, Schatten, Sozial- und Familienaktivitäten, Bereiche für Haustiere, Beleuchtung, Privatsphäre, Meditation, Arbeitsbereiche und Sitzgelegenheiten. Die gewählte Methode zur Ausführung all dieser Aufgaben wird teilweise diktieren, welche Elemente für diesen Teil der Gestaltung erforderlich sind und wie sie organisiert werden. Wasser, das von einem Wasserhahn durch ein komplexes Tropfbewässerungssystem geleitet wird, braucht verschiedene Bestandteile und ist in einem anderen Muster angeordnet als Niederschlag, der in einem Teich aufgefangen wird und durch eine Bodensenke hinunter in einen Obstgarten fließt. Für jetzt notieren Sie nur die Aufgaben, Funktionen und Systeme, die Ihr Design nötig hat. Herauszufinden, welche Bestandteile jede Funktion besitzt, kann bis zur nächsten Phase warten.
Nachdem wir die Funktionen, Aufgaben, Produkte und Strategien unseres Designs aufgelistet haben, kommen wir direkt zum nächsten Schritt. Nun können wir die Gestaltungselemente ermitteln – einzelne Teile, Materialien, Arten und andere Dinge –, aus denen die größeren Systeme bestehen und die unsere Vision weiterhin erfüllen werden. Wie wählen wir sie aus und setzen sie zusammen? Das Leitprinzip ist hier erneut, dass wir keine statische Ansammlung von Objekten, sondern eine dynamische, lebendige Landschaft voll von Interaktionen zwischen ihren Bewohnern erschaffen. Welche Arten von Früchten wachsen im Garten Eden? Welche Spezies locken die Wildtiere an, die wir uns wünschen? Machen Sie detaillierte Listen von Arten und Strukturen. Spätere Kapitel und der Anhang bieten viele Anregungen für diesen Schritt.
Diese Listen erzeugen viele Einzelposten. Als nächstes und am wichtigsten ist zu sehen, wie die Teile unseres Designs so verbunden werden können, damit eine lebendige Landschaft entstehen kann.
Räumliche Anordnung. Bei diesem Schritt schließlich können wir anfangen zu entscheiden, was wohin geht. Dazu müssen wir uns darüber klar werden, wie jedes Teil des Designs sich verhält und was seine Beziehung zu den anderen Teilen der Landschaft und zu uns, den menschlichen Bewohnern, ist.
Um etwas über das Verhalten und die Beziehungen z. B. eines Baumes zu erfahren, können wir fragen: Was braucht diese Pflanze, um zu gedeihen? Was schädigt sie und sollte daher ferngehalten werden? Was bietet sie den anderen Elementen in der Landschaft? Was kann sie von ihnen erhalten? Was erzeugt sie? Was zerstört sie? Dann können wir nach anderen Dingen in unseren Projektentwicklungs- und Planungslisten suchen, die diese Bedürfnisse erfüllen oder neue Elemente hinzufügen, falls sie nötig sind. Wenn Pflanze A viel Stickstoff braucht, suchen Sie eine Stickstoff produzierende Art und pflanzen sie daneben. Jede kluge Verbindung zwischen Elementen des Designs bedeutet einen Arbeitsschritt weniger für den Gärtner, eine Schubkarrenladung weniger, die Sie in den Garten hinein- oder heraus bewegen müssen. Jeder Bedarf, der nicht von einem anderen Bestandteil des Entwurfs befriedigt wird, bedeutet Arbeit für den Gärtner, jedes nicht genutzte Produkt wird zu Verschmutzung. Die Idee besteht darin, beides durch den Entwurf kluger Verbindungen zu beseitigen.
Tabelle 3-2 zeigt ein Beispiel dieses Vernetzungsprozesses, häufig als »Bedarfs- und Ertragsanalyse« bezeichnet, anhand eines Birnbaums. Ich habe die Produkte, Aktivitäten (wie Schatten spenden), die eigenen Qualitäten (Höhe, Farbe usw.) des Birnbaums und seine Anforderungen aufgeführt, auch einige, die nicht ins Auge fallen. Mit dieser Liste kann man versuchen, den Birnbaum mit den anderen Pflanzen und Strukturen in unserem Entwurf so zu verbinden, dass er so viele Dinge auf der Liste wie möglich zur Verfügung stellt oder nutzt.
Hätten wir genug Zeit, könnten wir so eine Liste für jedes Element in unserem Design machen. Angesichts der Restriktionen in der realen Welt, in der wir nie genug Zeit haben, könnten wir einfach Listen für wichtige und repräsentative Elemente anfertigen (wie wichtige Pflanzenarten, Wege und Zäune und andere Posten wie Teiche und Elemente der »Außenanlagen«, wie Gewächshäuser, Hecken). Für die Punkte, für die wir keine Listen anfertigen, können wir einfach versuchen, über sie vom Blickwinkel des »Verbindens« aus nachzudenken und die Teile des Designs als dynamische, zusammenspielende Einheiten sehen, die sich miteinander verbinden.

Einige Verbindungen des Birnbaums
Produkte
• Obst. Wir essen oder verarbeiten alles. Falls nicht, könnte man ein Tier haben, das die gefallenen Früchte frisst, sie Nachbarn oder einem Verein geben.
• Pollen. Unser Baum kann andere Birnen bestäuben oder bietet, kombiniert mit anderen Pollenquellen, Nahrung für Bienen. Wollen wir Honigbienen halten?
• Schatten. Wir können schattentolerante Pflanzen unter die Birne pflanzen oder den Baum dort positionieren, wo der Schatten nützlich ist. Denken Sie daran, dass er saisonalen Schatten wirft. Der Baum könnte also im Sommer ein Gebäude kühlen, aber im Winter Licht ins Haus lassen. Man sollte auch die endgültige Höhe des Baumes (eine ihm eigene Qualität) berücksichtigen, wenn man andere sonnenhungrige Pflanzen in der Nähe pflanzt.
• Privatsphäre. Belaubt schirmt der Baum einen Bereich ab.
• Windschutz. Belaubt und weniger, wenn er kahl ist, blockiert der Baum Wind.
• Mulch und Bodenbildung. Blätter und Wurzeln helfen, Boden aufzubauen und zu lockern, doch verrottende Blätter könnten Pilzkrankheiten (Schorf u. ä.) verursachen, wenn es kein gesundes Bodenleben gibt, das sie rasch verarbeitet. Falls wir die Blätter rechen wollen, sollten wir die Wege und den Komposthaufen planen.
Bedürfnisse
Betrachten wir nun die Anforderungen des Baumes, was schwieriger sein kann als die Produkte:
• Wasser. Gibt es ausreichend Niederschlag? Können wir Wasserspartechniken wie Mulch und dichte Bepflanzungen unter dem Baum einsetzen, für Schatten und um Wasser in der Erde zu halten? Können diese Anpflanzungen auch andere Erfordernisse lösen, wie …
• Nährstoffe. Viele Pflanzen ziehen Nährstoffe von tief im Untergrund in ihre Blätter, was dem Oberboden beim Laufabwurf zugutekommt. Wir können den Birnbaum mit einigen dieser Speicherpflanzen (in Kapitel 6 und im Anhang beschrieben) unterpflanzen. Diese Pflanzen können vor Ort gemulcht werden, um Boden aufzubauen und Nährstoffe zu bieten. Gibt es in der Zwischenzeit in der Nähe eine Düngerquelle, die ausreicht, bis der Garten seinen eigenen produziert?
• Pollen. Bestäubt der Baum sich selbst oder braucht er eine andere Art zur Bestäubung? Wollen wir zwei fruchttragende Birnbäume oder eine Zierbirne oder gibt es in der Nachbarschaft Birnen?
• Bestäuber. Nahe des Birnbaums sollte es Pflanzen geben, die Bestäuber anlocken und einen insektenfreundlichen Lebensraum schaffen. Können manche dieser Pflanzen auch für Nahrung, Mulch oder Pflanzennährstoffe sorgen?
• Schutz vor Raubtieren und Krankheit. Brauchen wir einen Rehzaun? Können wir dafür Hecken oder dornige Pflanzen nehmen? Wie ziehen wir Insekten an, die Schädlinge abschrecken?
• Schnitt. Sollen wir einen Zwergbaum pflanzen, damit wir keine Obstgartenleiter für Schnitt und Ernte brauchen? Können wir den Baumschnitt für einen holzigen Komposthaufen (siehe die Diskussion über Hügelkultur in Kapitel 4) nehmen? Oder lassen wir den Baum seine natürliche Form annehmen?
Mit unseren Listen in der Hand können wir nun Produkte, Bedürfnisse und Aktivitäten an andere potenzielle Elemente eines Designs anknüpfen. Der Kasten auf Seite 63 zeigt einige Positionen auf der Birnbaumliste, die Probleme bringen oder zu kreativen Einsatzmöglichkeiten anregen könnten.
Mithilfe dieser Verknüpfungstechnik haben Leute geniale Verflechtungen in ihren Gartenentwürfen zustande gebracht. In Colorado hat Jerome Osentowski einen Hühnerstall an sein Gewächshaus gebaut. Diese Anordnung nutzt die Körperwärme der Vögel, um die Pflanzen zu wärmen, das Kohlendioxid ihres Atems zur Anregung des Pflanzenwachstums und den Kot als Dünger. Er nutzt auch das natürliche Kratzverhalten der Vögel, um Gartenbeete zu jäten und umzugraben. Die Hühner fressen auch Insekten.
Ein Trick von anderen Gärtnern ist es, einen Teich an die sonnige Seite eines Gewächshauses oder Gruppe von Obstbäumen zu pflanzen, wo das reflektierte Licht beim Reifen und Wärmen hilft.
Clevere Verbindungen gibt es in Fülle, wir müssen sie uns nur ausdenken und sie entwerfen.
Kurzum sollten bei der Bedarfs- und Ertragsanalyse die Anforderungen jeder Pflanze, Struktur oder jedes anderen Elements in einem Design idealerweise durch andere Gestaltungselemente erfüllt werden und Früchte offerieren, die anderen Elementen dienen. Ein Vorteil von Bedarf und Ertrag ist, dass einige von Natur aus zugehörige Verbindungen, die Produkte nutzen oder Bedürfnisse liefern, offensichtlich sind, und daher nicht ins Design aufgenommen werden müssen. Sie wissen z. B., dass Ihre Nachbarin einen Birnbaum hat, was bedeutet, Sie brauchen selbst wohl nur einen pflanzen, da die Birne in der Nähe in vielen Fällen für die Bestäubung Ihres Baums sorgt. (Und falls Ihre Nachbarin Ihnen Obst abgibt, brauchen Sie vielleicht gar keinen Birnbaum pflanzen. Auch soziale Verbindungen zählen!) Sobald die Bedarfs- und Ertragsanalyse erfolgt ist, müssen Sie wichtige fehlende Verknüpfungen im Entwurf verankern. Falls Sie einen Teich haben, aber keine Wasserquelle, sollten Sie vielleicht Regenwasser sammeln. Die Technik verrät Ihnen, wo die Lücken in Ihrem Entwurf sind.
Das Erarbeiten dieser Verbindungen beinhaltet oft einen kaskadenartigen Denkprozess: Wir wählen ein gewünschtes Designelement, sehen, was es benötigt und bietet, dann findet man ein zweites Element, das einige dieser Bedingungen erfüllt (idealerweise eine, die bereits auf einer der Designer-Listen steht), dann schaut man, was mit dem zweiten Element verbindet usw. Dieser Prozess soll ein dichtes Gewebe von Verbindungen schaffen, doch wenn das planlos getan wird, kann es zu einem Wust verwirrter Rückkoppelungskreise und Sackgassen führen.
Zum Glück bietet die Permakultur ein anderes System, um den Ablauf des Verbindungsentwurfs zu organisieren, bei dem alles in kleine Stücke zerlegt ist, die leicht zu fassen und zu handhaben sind. Man nennt das die Zonen- und Sektormethode. Diese Methode hilft uns zu entscheiden, wo alle Teile des Gartens so platziert werden, dass sie miteinander – und für uns – am wirksamsten funktionieren (siehe Tabelle 3-3).
Die Zonen- und Sektormethode beginnt am Hauseingang und erstreckt sich von Zone 0 zu Zone 5. Das Haus wäre dann Zone 0. Die Pflanzen und andere Landschaftselemente, die Sie am häufigsten nutzen oder die größte Pflege brauchen, sollten sich nah am Haus befinden. Vielleicht mögen Sie frische Kräuter in fast jedem Essen. Wo sollten Sie Ihre Kräuter pflanzen? Der Mitbegründer der Permakultur, Bill Mollison, gibt ein paar Tipps. »Wenn Sie morgens aufstehen und der Boden taubedeckt ist«, erklärt er, »ziehen Sie Ihren warmen Bademantel und Ihre flauschigen Schlappen an. Dann gehen Sie hinaus und schneiden etwas Schnittlauch und andere Kräuter für Ihr Omelette. Wenn Sie wieder hineinkommen und Ihre Schlappen sind nass, sind Ihre Kräuter zu weit entfernt.« In diesem System sollten die Kräuter in Zone 1 platziert werden. Zone 1 umfasst das Gebiet, das von einer etwa 6-12 Meter vom Haus entfernten Linie umgeben ist und enthält das, was am häufigsten genutzt wird. Eine typische Zone 1 könnte intensiv gejätete und gemulchte Salat- und Kräuterbeete, eine Terrasse oder kleine Wiese, eine schattige Laube, ein oder zwei Cocktailtomatenpflanzen, einen Zwerg-Obstbaum und die hübschesten und empfindlichsten Pflanzen enthalten. Alle Elemente des Designs, die ständige Beobachtung, regelmäßige Besuche oder stringente Techniken benötigen – wie ein Baum am Spalier oder eine Glyzinie an einem Gitter –, gehören in Zone 1.
Das macht Sinn. Wie oft haben Sie einen unkrautüberwucherten Gemüsegarten gesehen, der fünf oder 30 Meter von einem Haus entfernt sein Dasein fristete? Das ist nicht auf dem Weg irgendwohin und nicht unter dem Küchenfenster, wo sprießende Unkräuter und überreifes Gemüse jemanden alarmieren würden, der gerade abspült. Die kleine energetische Hürde, die durch die Entfernung zum Garten entsteht, kann gerade genug sein, um zu Vernachlässigung zu verleiten.
Zonen sind keine ordentlichen konzentrischen Kreise, die am Haus beginnen. Ihre Grenzen sind durchlässig und gehen ineinander über. Die Zonen werden durch Topografie, Boden, verfügbares Sonnenlicht, Zugang vom Haus, einheimische Vegetation und die Anforderungen des Hausbesitzers geformt und verengt.


Ein typischer Zonenentwurf für ein 1000 m2 großes Vorstadtgrundstück. Salatgemüse, Kräuter, Zwerg-Obstbäume, Terrasse, Rasen und andere oft verwendete Dinge sind in Zone 1. Reihenkulturen, Beeren, nützliche Sträucher, ein Teich, Hühner und ein Nahrungswald sind in Zone 2. Zone 3 hat größere Obst- und Nussbäume, während Zone 4 für Futter und Feuerholz ist. Eine Ecke des Gartens bleibt für Zone 5 wild. Die Nebenkarte zeigt ein idealisiertes Muster in konzentrischen Zonen um ein Haus, vom meist zum wenigsten genutzten Teil.
Die Zonen helfen uns, die Elemente und die Energieströme unseres Eigentums in den richtigen Beziehungen zu organisieren, so dass wir eine Ordnung anhand dessen herstellen können, wie oft wir etwas benutzen oder pflegen müssen. Zonen basieren auf dynamischen Beziehungen. Statt in statischen Kategorien – Blume, Gemüse, Baum – zu denken, überlegen wir, wie wir mit den Teilen unseres Designs interagieren. Täglich genutzte Elemente, sei es Salatgemüse, Schnittblumen oder eine Terrasse, kommen direkt vor die Tür. Falls wir Gurken zum Mittagessen mögen, pflanzen wir entsprechend. In dieser neuen Ordnung wird eine rankende Gurke, die vorher in einen weit entfernten Gemüsegarten verbannt war, eine tolle Wahl für die Laube über einem angeschlossenen Deck, wo die Ernte einfach ist. Eine Duftrose könnte unter einem häufig geöffneten Fenster stehen, wo ihr Duft ins Haus weht.
Sehen Sie, was hier geschieht. Die Randzonen des Hauses beginnen, etwas zu verschwimmen. Wo endet das Gebäude und wo beginnt der Garten?
Ordnen wir unsere Landschaft nach Nutzung und nicht nach Form oder Größe, werden einige alte Kategorien unscharf. Diese Zwerg-Spalierbirnen am Zaun – ist das der Obstgarten, die Hecke, oder, nachdem die Holzpfosten verrotten, vielleicht der Zaun selbst?
Gutes Design schlägt vor, dass wir unsere Zonen unserem eigenen Leben anpassen. Der Gourmand möchte ein Schnittsalatbeet und Kräuter vor der Tür und Babykarotten nicht weit davon. Der Typ, der sagt: »Kommt nach der Arbeit bei mir vorbei«, rückt die Terrasse und eine gemütliche Laube ins Zentrum.
Bringen Sie Ihren Garten nahe ans Haus, besonders die Pflanzen, die Sie täglich essen. Gemüsegärten sind hässlich, finden Sie? Dann hören Sie auf, in stockgeraden Reihen zu gärtnern.
Krümmen Sie die Gartenbeete, folgen Sie den Konturen Ihres Gartens – oder erzeugen Sie welche. Denken Sie sich den Garten als multifunktionale Landschaft, die Essen, Schönheit, Lebensraum für nützliche Insekten, sogar eigenen Dünger liefert. In Zone 1 kann man attraktive Mischungen aus Stauden, Einjährigen, Salatkräutern, Büschen, Blumen, die Insekten und Vögel anlocken, und nährstoffliefernden Pflanzen schaffen, die für Fruchtbarkeit sorgen.
Ich kann bestätigen, wie gut die Zonenmethode funktioniert. Jahrelang lag unser Hauptgarten in Oakland 50 Meter vom Haus entfernt, sein Platz und der 2,5 m hohe Rehzaun ein Erbe vom Vorbesitzer. Da die marodierenden Rehe das Gärtnern jenseits vom Zaun zur ständigen Enttäuschung machten, pflanzten wir alle rehsicheren Pflanzen, die wir fanden, nahe am Haus. Zwei kleine Blumenbeete lagen am Rand des Rasens, jedes umgeben von »temporären« Rehzäunen, die sehr permanent aussahen. Diese Gärten zu pflegen, wurde ein ständiger Kampf, zum Teil, weil jeder auf allen Seiten von Gras umgeben war, das sich immer wieder auf die fruchtbare, gut bewässerte Erde ausbreitete.
Wir weigerten uns, das Grundstück mit einem hohen Zaun zu umgeben – die »Gefängnis«-Aura eines solchen Arrangements widerstrebte uns und passte nicht zur Offenheit unserer Landschaft. Doch wir hatten weniger Lust, in den Garten zu gehen. Also zog ich spätnachmittags meine Stiefel an und verabschiedete mich von Kiel, als würde ich ins Büro gehen und stapfte in den Garten, incommunicado, bis die Arbeit getan war. Und es war Arbeit – im Garten schwitzte, jätete, beschnitt und grub ich.
Schließlich änderten wir die Strategien und bauten einen unauffälligen Zaun in einem Halbrund ums Haus. Er ist nicht 2,5 m hoch, ein entschlossenes Reh könnte darüber springen, doch wir haben versucht, ihnen anderswo genügend Futter anzubieten, mit dem sie beschäftigt bleiben. Innerhalb des neuen Zauns haben wir enorm viel Schichtmulch ausgebracht und pflanzten eine dichte Mischung Nutz- und Zierpflanzen.
Was für ein Unterschied! Wenn wir mit einer Tasse Kaffee im Garten schwatzten, bückten wir uns einfach ab und zu und rissen ein paar kleine Unkräuter aus. Sie wurden meist nicht groß, weil wir täglich dort waren und sie sahen. Das Gras konnte sich nicht länger von allen Seiten breit machen. Gemüse für Sandwiches kam von einem Schnittsalatbeet vor meiner Bürotür, ebenso wie Erdbeeren fürs Frühstück, ohne lange Wege. Ich ließ mich vom Schreiben – viel zu oft – ablenken, indem ich aus dem Fenster Bienen und Schmetterlinge an Schafgarbe, Salbei und Baldrian beobachtete. Es macht kaum Arbeit, etwas Mulch auf ein Fleckchen nackte Erde zu werfen oder mit dem Schlauch einem Sämling mit hängendem Kopf Wasser zu geben. Und das Beste war, wir lebten in diesem Garten, statt nur darin zu arbeiten. Da ich beides kenne, ist Zonengärtnern für mich das einzig Wahre.
Jenseits von Zone 1 liegt Zone 2. Hier sind Obstbäume, terrassierte Beete, große Büsche, Beerensträucher, Teiche und unterschiedlich gepflanzte Hecken zuhause. Dort kann man auch die Gemüsebeete für die größere Produktion anlegen: Kartoffeln, Reihen von Tomaten zum Einmachen, Spaliere mit Stangenbohnen. In einem Garten habe ich eine Zone 2 gesehen, in der ein schöner abwechslungsreicher Mix aus Büschen, weniger oft beernteten mehr- und einjährigen Gemüsesorten, Blumen sowie einige Obstbäume und ein Plastik-Gewächshaus voller Tomaten stand. Dies sind Elemente, die wir nicht jeden Tag besuchen, somit ist die Pflege in Zone 2 nicht ganz so intensiv: punktuelles statt tiefes, durchgängiges Mulchen, automatische oder großflächige Bewässerung, statt jede Pflanze einzeln mit einer Gießkanne besuchen. In einem kleinen Garten beginnt Zone 2 vielleicht nur 5 Meter von der Haustür entfernt und endet in der Nähe des Nachbarzauns. Auf einem größeren Grundstück erstreckt sich diese Zone vielleicht 15-30 Meter vom Haus.
Kleine Tiere wie Kaninchen, Bienen oder Hühner bringt man am besten im Grenzbereich von Zone 1/Zone 2 unter. Kompost sollte auch dort verrotten. Ökologische Gestaltung bedeutet, die Elemente in Beziehung miteinander zu platzieren, und sorgfältiges Nachdenken kann einige zeitsparende Positionierungen ergeben. Falls der Stall für ein paar Stadthühner auf dem Weg zu einem Gemüsebeet liegt, können Sie den Vögeln ein paar Küchenabfälle zuwerfen, wenn Sie jäten gehen und auf dem Rückweg die Unkräuter den Vögeln im Stall geben und ein paar Eier mitnehmen. Warum dreimal laufen?
Zone 3 enthält große, selten beschnittene Obst- und Nussbäume, Feldfrüchte wie Getreide und gewerbliche Gärten. Einige Bäume liefern eventuell Feuerholz, Holzprodukte oder Tierfutter. Ich habe eine vorstädtische Zone 3 mit Walnüssen, Kastanien und Bambus gesehen – Pflanzen, die wenig Aufmerksamkeit erfordern und nur ein- oder zweimal im Jahr geerntet werden.
Zone 4 bezieht sich gewöhnlich auf große Grundstücke. Hier können Tiere geweidet werden und Feuer- und Bauholz-Bäume stehen. Hier pflücken wir heimische Nahrung, Kräuter oder Material zur Holzbearbeitung. Dies ist eine halbwilde, selten bewirtschaftete Region für die Nahrungssuche.
Jedes Gelände braucht eine Zone 5. Das ist Wildnis. Ob es eine Ecke auf einem städtischen Grundstück ist, die Wildtieren ein Dickicht und ein paar raschelnde Birken bietet oder ein Landschaftsschutzgebiet im hintersten Teil des Grundstücks. Dort sind wir Besucher, nicht Chefs. Wir entwerfen die anderen vier Zonen, doch wir betreten Zone 5, um von ihr zu lernen. Dort beobachten, spielen und meditieren wir und lassen das Land in Ruhe. Zone 5 ist die Bedienungsanleitung für den ökologischen Garten und dafür, unser Leben im Einklang mit der Natur zu halten.
Welche Zone man wählt, um dort ein Gestaltungselement zu platzieren, hängt von zwei Dingen ab: wie oft wir die Pflanze, das Tier oder die Struktur besuchen müssen und wie oft sie unseren Besuch benötigt. Die Gesamtstrategie mit Gartenzonen besteht darin, an der Haustür anzufangen, zuerst die Bereiche nahe zum Haus zu gestalten und zu entwickeln und sich langsam weiter nach außen zu arbeiten. Auf diese Weise können wir ein zusammenhängendes Gebiet unter Kontrolle halten, das so viel Aufmerksamkeit wie nötig erhält, statt ein Sammelsurium verstreuter Flecken zu erhalten, die leicht vergessen werden.
Zonen helfen uns, die Teile unseres Designs in ein nützliches Verhältnis miteinander und mit uns selbst zu bringen. Sie sagen uns, wie wir mit dem arbeiten, was vor Ort ist. Doch die Designelemente müssen auch im richtigen Verhältnis zu einer zweiten Reihe von Faktoren stehen: Kräfte, die von außen kommen, wie Wind, Sonne und Wasser. Auch hier liefert uns die Permakultur ein praktisches Werkzeug, um mit diesen Kräften zu arbeiten, indem wir jede in ihrem speziellen Sektor verorten. Die Winde, die z. B. über ein Grundstück wehen, kommen normalerweise aus einer bestimmten Richtung (die Richtung ist oft von der Jahreszeit abhängig). In Oregon, wo ich lebe, wüten regenreiche Winde aus dem Südwesten. Somit ist der Südwesten mein Winterwindsektor. Im Sommer wehen kühle Brisen von Kanada herunter, der Sommerwindsektor ist also im Norden. Um diese Beobachtungen zu nutzen, schieben wir verschiedene Elemente des Entwurfs in Bezug zum Windbereich herum, bis sie am besten funktionieren. Wir könnten z. B. die Auswirkungen des Winterwinds mit Windschutz oder Gebäuden puffern oder ihn mit einem Windgenerator einfangen. Doch die Sommerbrise könnten wir ohne Hindernisse zum Haus fließen lassen. Durch die Lokalisierung und Kartierung der verschiedenen Sektoren lassen sich die Teile eines Entwurfs in ein angemessenes Verhältnis zu den in den Standort eintretenden Energien setzen und effektiv nutzen.
Hier sind mehrere andere Sektoren:
Sonne. Der Sonnensektor variiert mit den Jahreszeiten. In Nordamerika geht die Sommersonne weit im Nordosten auf und im Nordwesten unter, der Sommersonnensektor ist also sehr groß. Auf einer Grundstückskarte eingezeichnet, erstreckt er sich über fast 270 Grad. Der Wintersonnensektor ist viel kleiner, denn im Winter geht die Sonne im Südhimmel auf und unter (siehe unten).
Ausblick. Der unangenehme Anblick einer heruntergekommenen Garage des Nachbarn fällt in einen Bereich, den man als »hässlicher Anblick« bezeichnen könnte, ein Blick, den man durch Pflanzen oder eine Struktur abschirmen kann. Doch den herrlichen Ausblick aufs Meer würde man bewahren oder betonen.
Feuer. Mein Feuersektor in Oakland zeigte von Süden auf mich. Wir wohnten nicht nur auf einem trockenen, nach Süden ausgerichteten Hügel, den ein Feuer schnell erklimmen konnte, aber meine Nachbarn mit ihren Motor-Rasenmähern, Kettensägen, zündelnden Kindern und anderen brennbaren Geräten lebten ebenfalls im Süden. Feuersektoren sollten in einem Design stets berücksichtigt werden, selbst in der Stadt, und offengehalten und mit feuerbeständigen Arten bepflanzt oder mit Sprinklern ausgestattet werden.
Wildtiere. Jeder Garten wird von einem Wildtiersektor durchdrungen, ob er marodierende Rehe, einen umherschleichenden Waschbären oder einen Schwarm Zedernseidenschwänze bringt, die vom Kirschbaum eines Nachbarn zu Ihrem flattern. Wildtiere können durch Pflanzungen und Strukturen abgelenkt oder willkommen geheißen werden.
Andere Sektoren sind Überflutung und Oberflächenwasser, Nebel, Verschmutzung (Lärm, Gerüche, Stromleitungen), Fußgängerverkehr wie Gruppen von Schulkindern, und Verbrechen (ein dunkler Weg neben dem Garten). Die Teile eines Designs können mit den Sektoren auf dreierlei Art interagieren. Sie können (1) die durch den Sektor eintretenden Kräfte blockieren oder abschirmen, wie mit einem Windschutz oder Schattenbaum, (2) Energie für uns kanalisieren oder sammeln, wie ein Windgenerator oder Gewächshaus, oder (3) den Sektor öffnen, um möglichst viel Energie oder Ausblick zu nutzen, indem alles entfernt wird, was den Sektor blockiert, wie Vegetation, Zaun oder andere abschreckende Dinge. Sektor-Energien wie Sonne und Wind sind freie Energie. Stellen Sie sich diese Energie als weitere Nährstoffquelle vor, wie Dünger oder Wasser. Die Positionierung von Pflanze, Gebäude, Weg oder Spalier hier statt dort kann sie mithilfe der Sektor-Energie nähren oder anderweitig verbessern. Nur weil sie da sind, profitiert das gesamte Design von Gewächshaus, Windschutz oder Teich, während Sie in der Hängematte schwingen. Wie gesagt, Zonen organisieren die Teile eines Designs nach der Häufigkeit, mit der sie eingesetzt werden oder Aufmerksamkeit benötigen, und Sektoren helfen bei der Lokalisierung der Teile, um die von außerhalb des Geländes kommenden Kräfte handhaben können. Verwendet man Zonen und Sektoren zusammen, kann man die Verbindungen innerhalb eines Entwurfs am besten nutzen. Baut man z. B. ein Gewächshaus, will man es nah genug am Haus haben, um es regelmäßig zu besuchen (in Zone 1 oder 2), nahe an Wasserhahn und Werkzeugen, vielleicht nördlich von einem Teich, um im Sonnensektor das reflektierte Licht einzufangen, außerhalb des Winterwindsektor, um die Abkühlung zu verringern, wahrscheinlich entfernt vom Feuersektor (obwohl ein Gewächshaus aus Glas und Metall mit Sprinklersystem eher eine Feuerschneise unterstützt) und vielleicht im »Sektor hässlicher Ausblick«, um die schlimme Garage des Nachbarn zu verdecken. Schlaue Platzierungen gibt es viele: Ein duftender, immergrüner Oleander könnte neben einem Pfad in Zone 1 oder 2 stehen, um Vorbeigehende mit seinem Duft zu betören, im Sonnensektor, im Winterwindsektor und selbst im Feuersektor, denn er hat feuerhemmende Eigenschaften.

Eine Sektorkarte für ein 1000 m2-Grundstück, mit Winter- und Sommersonne, heißen und kalten Winden und Ausblick, Feuer- und Verbrechenssektor. Diese Energien fließen auf oder über das Gelände und werden von einem guten Design klug eingesetzt.
Sobald wir wissen, welche Pflanzen und Strukturen wir in unserem Entwurf wollen, können wir die Zonen- und Sektormethode einsetzen, um sie zu organisieren. Mit Hilfe einer Basiskarte und der Skizzierung unserer Ideen auf Transparentpapier oder durchsichtigen Plastikfolien können wir die Teile unseres Entwurfs so anordnen, dass sie in ihren Zonen und Sektoren sinnvoll miteinander verbunden sind.
Manchmal, wenn ich im Designablauf feststecke, setze ich eine andere Technik ein, die zufällige Anordnung, um kreative Blockaden zu lösen. Sie besteht aus einer Liste der Gestaltungselemente in einer Spalte:
• Obstbaum
• Hecke
• Spalier
• Gewächshaus
• Teich
• Komposthaufen
Ich mache weiter, bis alle wichtigen Elemente aufgeführt sind. Dann mache ich drei Kopien der Liste (am Computer ausschneiden und einsetzen geht am schnellsten) und erstelle eine weitere Liste mit verbindenden Wörtern. Hier sind alle, die mir eingefallen sind:
• rund um
• in
• gegenüber
• zwischen
• neben
• hinein
• vor
• sich entwickelnd zu
• weg von
• nach
• und
• über
• hängend von
• befestigt an
• an
• kreuzend
• unter
• statt
• in der Nähe von
• überall verteilt
• nördlich (oder südlich, östlich, westlich) von
Machen Sie zwei Kopien dieser Liste, wobei die Worte in jeder Liste einzeln untereinanderstehen. Schneiden Sie alle fünf Spalten aus (drei Listen mit Elementen, zwei mit verbindenden Wörtern) und legen Sie sie nebeneinander, dabei wechseln Elemente mit Verbindungswörtern ab. Dann schieben Sie die Listen herum und lesen Sie sie horizontal, um zu sehen, ob sich eine nützliche oder inspirierende Platzierung ergibt:
• Rankpflanze über Gewächshaus oberhalb von Teich Komposthaufen in der Nähe von Geräteschuppen hinter Hecke
Diese Strategie bringt uns im Hinblick auf Verbindungen unter den Designelementen zum Nachdenken. Manchmal ergeben die Platzierungen natürlich völligen Unsinn:
• Teich hängend von Hühnern zwischen Sauna
Doch häufig entsteht eine Kombination, die die Kreativität anregt und uns dazu bringt, in neue Richtungen zu denken. Manchmal können wir zu neuen Lösungen für Designprobleme kommen, wenn wir auch nur eine lächerliche Kombination in Betracht ziehen und darüber nachdenken, was passieren würde, wenn es sie tatsächlich gäbe. Dieses System hilft, unser urteilendes Selbst aufzuheben, und gibt uns die Freiheit, innovativ zu sein.
Fassen wir diese Methoden zusammen: Die Bedarfs- und Ertragsanalyse arrangiert die Gestaltungselemente im richtigen Verhältnis zueinander. Die Zonen tun dies auch, doch Zonen helfen wirklich dabei, Elemente in ihrem besten Verhältnis zu den menschlichen Nutzern zu positionieren. Die Sektoranalyse ortet die am besten einzusetzenden Teile des Entwurfs oder blockiert Energien, die von außen kommen. Und eine willkürliche Zusammensetzung hilft uns, durch kreative Blockaden zu kommen, und liefert Kombinationen und Verbindungen, an die wir wohl nie gedacht hätten.
Entwicklung
Bei den vorherigen Schritten haben wir bestimmt, welche Systeme und Elemente im Entwurf sein werden und wo sie ungefähr platziert werden. Nun ist es an der Zeit, diese rohen Ideen zu polieren und mit den Plätzen zu arbeiten, die wir durch die Methoden im letzten Abschnitt erhalten haben. Skizzieren Sie die verschiedenen Pflanzbeete, Bäume, Mauern und Zäune, Terrassen, Decks und andere Designelemente hinein. Gehen Sie zunächst nicht zu sehr ins Detail, zeichnen Sie nur einfache Kreise und Umrisse der wichtigsten Bestandteile, die deren relative Platzierung (man nennt das oft Blasendiagramm) zeigen. Verfeinern Sie die Verbindungen zwischen den Bestandteilen. Dann skizzieren Sie Zugangsrouten (Wege oder Straßen) zu den Elementen, die notwendig sind. Versuchen Sie, die Zahl der Wege zu minimieren. Das könnte bedeuten, dass die Bestandteile umgestellt werden müssen – um ihre Beziehungen zu bewahren –, bis die Wege am wirksamsten sind und nur wenig Platz brauchen. Dieser Schritt ist ein wenig schwierig, aber wenn Sie hier aufpassen, kann das langfristig zu Arbeitsersparnis und einer harmonischeren Anordnung führen. Es ist für die Gesamtperspektive auch nützlich, sich dabei die Ideen im Schritt »Vision« anzusehen. Bewerten Sie im Hinblick auf Beobachtungen und Ziele früherer Schritte immer wieder neu.
Sobald das Layout anhand grober Skizzen verfeinert wurde, möchten Menschen mit den entsprechenden Fähigkeiten oder der nötigen Zeit vielleicht formellere Zeichnungen und Pläne anfertigen. Ob die Dokumentation von professioneller Qualität ist oder nicht, bleibt dem Designer/Gärtner überlassen. Oft tun es einfache Skizzen, solange Entfernungen, Maßstab und genügend andere Details zur Entwurfsumsetzung enthalten sind. Eine detaillierte Dokumentation der Gestaltung ist sehr wichtig. Das Gedächtnis ist unzuverlässig. Es ist frustrierend, wenn man eine teure Pflanze einsetzen möchte, sich aber nicht erinnert, wo sie hin soll. Ohne Karten und Notizen wird genau das passieren.
Dies ist eine gute Gelegenheit, mit Farbkonzepten und anderen ästhetischen Punkten zu arbeiten. Obgleich der hier beschriebene Designprozess ökologischen Überlegungen Priorität einräumt, können wir, sobald die Pflanzen, Strukturen und anderen Gestaltungselemente in den richtigen Beziehungen positioniert sind, Pflanzensorten auswählen, deren Blattwerk und Farben gut zusammenpassen. Jede gute Bücherei bietet viele Gartenbücher an, die sich mit der Designästhetik befassen. Ein paar meiner LieblingsautorInnen in dem Bereich sind Gertrude Jekyll, Penelope Hobhouse, Rosmary Verey, Ken Druse und John Brookes.
Nun müssen wir den Aufbau planen. Was muss zuerst getan werden? Eine Kombination von Faktoren ist bei dieser Entscheidung beteiligt. Dazu gehören:
• Persönlich. Ist unser größter Wunsch die Nahrungsmittelproduktion, eine Terrasse, Schatten, ein Blumengarten oder eine andere Überlegung? Wie viel Zeit haben wir selbst für diese Arbeit?
• Die Umwelt betreffend. Braucht das Land am meisten Bodenaufbau, Erosionskontrolle, Lebensraum oder etwas anderes?
• Technisch. Erfordert das Design Erdbewegung, Beton- oder Steinarbeiten oder sonstiges Hardscaping? Dies muss oft zuerst geschehen, um den Rest des Designs nicht zu stören und Kosten und mögliche Schäden durch Bulldozer zu vermeiden. Bäume und Sträucher sollten auch früh gepflanzt werden, im Einklang mit dem alten Sinnspruch: »Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zehn Jahren«.
• Saisonal. Was kann in der Jahreszeit passend zur Arbeit erfolgen? Erdbewegung in der nassen Jahreszeit ruiniert die Bodenstruktur. In der Sommerhitze einpflanzen könnte Pflanzen verbrennen.
• Finanziell. Ist genug Geld für das ganze Design verfügbar? Falls nicht, welche Aspekte kommen sinnvollerweise zuerst?
Vergessen Sie zudem nicht, die Klugheit der Zonen anzuwenden, selbst in der Implementierungsphase: Wann immer möglich, beginnen Sie mit der Umsetzung vor Ihrer Haustür und arbeiten Sie von dort nach außen.
Umsetzung
Diese Phase der ökologischen Landschaftsgestaltung ist ähnlich wie bei einer neuen Landschaft. Man findet die Details in jedem guten Buch über häuslichen Landschaftsbau, wie Rita Buchanans Taylor’s Master Guide to Landscaping oder Roger Holmes’ Serie Home Landscaping. Führen Sie die Umsetzung in dieser Reihenfolge aus:
• Führen Sie zuerst größere Erdbewegungen aus. Planieren Sie das Gelände bei Bedarf zu einer rohen Kontur. Graben Sie Bodensenken, Teiche und Entwässerungsgräben. Installieren Sie Versorgungsleitungen und unterirdische Bewässerungsrohre und -kabel. Dann füllen Sie die Gräben wieder auf.
• Bringen Sie flächendeckende Bodenverbesserungen und Kompost aus. Mulchen und Formgebung der Beete der intensiven Zone 1 kann bis später warten.
• Hardscaping (Bearbeitung der Außenanlagen) sollte abgeschlossen werden. Designer meinen damit Holz, Stein, Beton und andere Bauelemente: Mauern, Schuppen, Wege, Zäune usw.
• Nehmen Sie letzte Anpassungen der Planierkonturen mit Harke und Schaufel vor.
• Bringen Sie Schichtmulche aus (Anleitungen dazu in Kapitel 4).
• Pflanzen Sie große Pflanzen wie Bäume und wichtige Sträucher.
Ein Plan für ein Innenstadt-Grundstück in Houston von Kevin Topek von Permaculture Design, LLC. Ziel dieses Designs war es, die Behauptung des Nachbarschaftsvereins zu beruhigen, es seien zu viele blühende Pflanzen von der Straße aus zu sehen, und gleichzeitig die durch diese Pflanzen gebotene biologische Vielfalt, den Lebensraum und die Schönheit zu erhalten. NACHGEZEICHNET VON KRISTA LIPE.
Ein Nahrungswald, entworfen von Ethan Roland von AppleSeed Permaculture, umgibt dieses Haus in West-Massachusetts. Soziale Räume, Salatgärten und einjähriges Gemüse füllen die Zonen 1 und 2, während größere Büsche und Bäume für den Wald-Garten in den äußeren Zonen des Gartens stehen. NACHGEZEICHNET VON KRISTA LIPE.
• Pflanzen Sie Bodenvegetation, nicht holzige Pflanzen, Rasen und Bodendecker.
• Passen Sie Mulch und, falls vorhanden, das Bewässerungssystem an.
• Halten Sie Pflanzen feucht und unterstützen Sie sie beim Anwachsen, indem Sie sie beobachten und solche pflegen, die mehr Fürsorge brauchen.
In Kapitel 12 befasst sich der Abschnitt »So fängt man an« mit einigen Aspekten der Umsetzung im Detail. Aber bedenken Sie, dass beteiligte Menschen, Pflanzen, Tiere und Landschaft sich dauernd verändern und voller Überraschungen stecken. Das Design und seine Umsetzung mögen unerwartete Wendungen nehmen, wenn die Schaufel tatsächlich auf die Erde trifft. Seien Sie nicht zu streng und bereit, sich erneut die frühen Schritte des Prozesses anzusehen, um einige Aspekte der Gestaltung zu überarbeiten, damit sie sich den veränderten Umständen anpassen.
Für Leute, die sich noch stärker in den Ablauf der ökologischen Gartengestaltung vertiefen möchten, sind Kapitel 3 und 4 in Band 2 von Jacke und Toensmeiers Edible Forest Gardens toll. Dave und Eric haben über 150 Seiten damit verbracht, jeden Aspekt des Designprozesses zur Schaffung einer heimischen Landschaft zu beschreiben, die Nahrung und Lebensraum bietet und dabei ungefähr dieselbe Thematik abgedeckt wie ich, nur viel detaillierter.
Im Garten arbeiten wir mit Lebewesen, nicht nur mit Formen und Farben. Diese Kreaturen wachsen, bilden Samen und vermehren sich, und nach einiger Zeit sterben sie. Pflanzen, Insekten, Vögel und der ganze Rest verbinden sich in einem engen Geflecht und treten in das Leben der anderen ein, wobei sie miteinander Nahrung, Schatten, Pollen, Samen, Humus, Äste, Bauten, Nester erschaffen und teilen – eine Vielzahl unterschiedlicher und wertvoller Geschenke. Mit einem sanften, sorgfältigen Blick können wir in diese wunderbar verwobene Welt schauen und einige der Verbindungen herausarbeiten und auf unsere eigenen Landschaften übertragen. Die Natur besitzt die Anleitung für eine nachhaltige Welt – es liegt an uns, sie zu lesen und zu erhalten.
In diesem Kapitel habe ich versucht, einen ökologischen Blick auf das Gartendesign zu vermitteln. Ganze Bücher – ja Bücherregale davon – wurden über Design geschrieben, daher kann ein einzelnes Kapitel nur an der Oberfläche dieses breiten Themas kratzen (der Rest dieses Buches geht aber etwas mehr in die Tiefe). Design erlaubt es uns, das, was wir beobachten, mit dem von uns Gewünschten zu vermischen. Es ist die Art, in der unsere Träume Gestalt annehmen, modelliert von den Grenzen unserer Fähigkeiten, Budgets und Materialien. Ökologische Gestaltung bietet eine Möglichkeit, Menschen mit der lebenden Landschaft in Einklang zu bringen, eine Harmonie, die den Orten, an den wir leben, oft fehlt. Indem wir unsere Gärten mit dem Rest der Natur verbinden, können wir uns selbst große Schönheit und Fülle geben, diesen Reichtum mit anderen Arten teilen und die Gesamtheit und Vielfalt des Lebens regenerieren, die in Gefahr sind, verloren zu gehen.
Nun, da wir einen Überblick über Gartenökologie und ökologische Gestaltung gewonnen haben, ist es an der Zeit, die einzelnen Teile des Gartens zu betrachten.
Zusammenfassung: Entwurf eines ökologischen Gartens
Als Anleitung zum Designablauf »auf einen Blick« fasse ich die Schritte nochmals zusammen, diesmal aus den neuen Blickwinkeln von ökologischer Gestaltung und Permakultur in diesem Kapitel.
1. BEOBACHTUNG Laufen Sie durchs Gelände und zeichnen Sie Karten. Notieren Sie, was da ist und wie es mit der Umgebung interagiert. Nur beobachten, nicht analysieren. Listen erstellen. Weiter recherchieren, was beobachtet wurde, die Gewohnheiten von Arten, Bodenarten usw.
2. PROJEKTENTWICKLUNG Behalten Sie ökologische Leitlinien im Kopf. Was kann der Platz uns bieten? Was braucht das Gelände von uns? Was sind unsere Beschränkungen und Ressourcen? Was sollte die Gestaltung tun? Was ist am wichtigsten für uns und für den Ort?
3. PLANUNG a. Entwurfsplanung. Entwerfen Sie vom Muster zu den Details. Was ist die organisierende Idee und das Ziel des Designs? Welche Systeme, Strategien und Funktionen brauchen wir, um die Ziele zu erreichen? Berücksichtigen Sie persönliche, ästhetische, die Umwelt betreffende/ ökologische und andere Themen sowie schwierige Stellen und Mängel, die zu korrigieren sind. b. Schematisches Design. Machen Sie eine Liste der Designelemente, die der Vision (Pflanzen, Strukturen, Funktionen usw.) entsprechen. Für jedes Element (oder so viele, wie praktisch sind) führen Sie Produkte, Aktivitäten, Erfordernisse und eigene Qualitäten auf. Verbinden Sie so viele Posten wie möglich, sodass die Anforderungen eines Gestaltungselements von anderen Elementen erfüllt werden und es die Erfordernisse der anderen Elemente bedient. Mithilfe von Zonen, die Teile eines Designs anhand dessen organisieren, wie oft sie genutzt werden oder Aufmerksamkeit benötigen, und durch Sektoren die Teile lokalisieren, damit sie Wind, Sonne und andere Kräfte steuern, die von außerhalb des Grundstücks kommen. Die Zonen- und Sektormethode optimiert die Verbindungen zwischen den Designelementen. Verwenden Sie die Methode willkürlicher Anordnung zum Brainstorming und um kreative Blockaden zu durchbrechen.
4. ENTWICKLUNG Skizzieren Sie die Orte der Gestaltungselemente. Recherchieren Sie Arten und Sorten. Optimieren Sie Wege und Beziehungen in der Gestaltung. Mit Farbe und Form arbeiten. Fertigen Sie dann Arbeitszeichnungen und genügend Dokumentation an, um das Design umzusetzen. Bestimmen Sie die Schritte der Umsetzung.
5. UMSETZUNG Setzen Sie den Entwurf um und bleiben Sie flexibel genug, um mit den auftretenden Überraschungen umgehen zu können, wenn ein Papierentwurf auf die Realität trifft.
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