Читать книгу: «Märchen und Gedichte für kleine Kinder»

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Josefine Neu

MÄRCHEN UND GEDICHTE

FÜR KLEINE KINDER

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2017

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Copyright (2017) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Januar

Die Heiligen drei Könige

Ein Unfall auf der Rodelbahn

Februar

Karneval der Kinder

März

Der kluge Gaul

Der böse Riese

Der Maler David und die Zecken

April

Heidi wartet auf den Osterhasen

Wem gehört das Nest?

Der Hühnerdieb

Der Dieb

Die Ausreißer

Das Eichhörnchen und der Igel

Mai

Herr Berger und der Kuckuck

Das Geheimnis der verschwundenen Frösche und Kröten

Die neidische Maus

Lisa und die Suppe

Matze und seine Glatze

Juni

Der Sommer

Der Sittich von Frau Wittich

Die Maus Klaus in der Mülltonne

Die Rache von Hasso

Wie ein kluger Fisch sein Leben rettete

Ulrich und die Tomatensoße

Juli

Wer kriegt wen?

Zwei kluge Erbsen

Ein Sonnenstich

Das Abenteuer der Mäusekinder

August

Wer hat den schönen Wald angezündet?

Was erzählen sich die Mücken?

Der Zwerg

Ein Sommergewitter

Der Tierquäler

Die Wespe will ein Eis

Das Fischmädchen

September

Der Papagei Florian

Die Maus in der Suppenschüssel

Der Apfeldieb

Ein Apfel oder vier Äpfel?

Wolli und Strupps, die Fuchsbrüder

Oktober

Andreas und die Gans

Das kluge Huhn

Was erzählt der Wind und was erzählt der Sturm?

Die Mäusefamilien und das Hochwasser

November

Geschichte zu St. Martin

Wir bauen einen Schneemann

Dezember

Der Nikolaus und das Geschenk der Waldfee

Die verzauberten Schneemänner

Die gestohlenen Tannenbäume

Die Weihnachtsüberraschung

Silvester

Januar

Gestatten, mein Name ist Januar.

Ich bin der erste Monat in diesem Jahr.

Was halte ich für euch bereit?

Kälte- und dass es manchmal schneit.

Schlitten fahren, Schneemann bauen,

könnt euch zum Schlittschuhlaufen trauen.

Nach 31 Tagen muss ich gehen,

denn dann ist schon der Februar zu sehen.

Die Heiligen drei Könige

Die Mutter, Benny und Karsten sitzen am Tisch und essen Abendbrot. Mama will von Benny wissen: „Du warst heute lange bei Oma, länger als sonst. Was habt ihr denn gemacht?“

Daraufhin antwortet Benny: „Filme haben wir angeschaut – von den Heiligen drei Königen, denn Oma hat gesagt, heute ist Dreikönigtag.“

„Erzähl mal, welche Könige du in den Filmen gesehen hast“, fordert ihn sein großer Bruder auf.

Benny überlegt und erzählt dann: „Es war auch eine Königin dabei, die hieß Elisabeth – wie die Oma. Und dann war da ein König, der hieß Gustav, und noch einer, aber ich habe vergessen, wie der hieß.“ Da meint Karsten: „Das waren aber keine Filme von den Heiligen drei Königen.“

„Doch, doch“, protestiert Benny, „du kannst die Oma fragen.“

„Benny, die Heiligen drei Könige sind schon lange tot“, sagt Mama, „aber die Königin Elisabeth von England und der König Gustav von Schweden leben ja noch.“

Karsten fügt hinzu: „Als die Heiligen drei Könige lebten, gab es noch keine Filmkamera und keinen Fotoapparat.“

„Wieso sind die Heiligen drei Könige schon tot?“

„Weil sie vor ganz langer Zeit gelebt haben, vor fast 2000 Jahren“, erklärt Mama.

Karsten bietet Benny an, ihm die Geschichte von den drei Königen zu erzählen. Vorher aber räumt Mama den Tisch ab und stellt eine Kerze darauf, während Benny ein Feuerzeug holt und sie anzündet. Dann setzen sich Mama und Benny ganz still an den Tisch und schauen gespannt auf Karsten. Dieser beginnt zu erzählen: „Ob die drei Könige tatsächlich Könige oder aber Gelehrte, also ganz kluge Männer waren, das weiß ich nicht.“

Benny besteht darauf, dass es wohl Könige waren, weil er sich lieber Könige vorstellt als kluge Männer …

Karsten erzählt weiter: „In einem ganz weit entfernten Land, in Asien oder in Afrika, lebte ein König mit Namen Caspar. Er war ganz gescheit und liebte es, sich mit anderen klugen Männern zu unterhalten. Eines Tages berichteten ihm einige der weisen Männer, dass sie einen neuen Stern am Himmel entdeckt hätten. Caspar war ganz interessiert und sagte zu den Männern: ‚Kommt doch heute Nacht zu mir in den Palasthof, dann betrachten wir gemeinsam den Sternenhimmel und ihr könnt mir den neuen Stern zeigen.‘

Als es Nacht wurde, kamen alle diese Gelehrten in den Palasthof, setzten sich auf Kissen, tranken ihren Tee und betrachteten den Himmel. Die Sterne, die in jeder Nacht zu sehen waren, kannten sie schon und hatten ihnen Namen gegeben. Plötzlich streckte ein Mann seinen Arm gegen den Nachthimmel und rief aufgeregt: ‚Da ist er!‘

Alle Betrachter und auch Caspar setzten sich zu dem Mann, der den Stern entdeckt hatte, und suchten mit ihren Augen den Himmel ab, bis sie ihn gefunden hatten.

Caspar sagte: ‚Dieser Stern sieht etwas anders aus als die anderen, der hat einen Schweif.‘

‚Genau, richtig, stimmt!‘, sagten die Männer, und ein ganz alter Gelehrter meinte, dass dieser Stern ein besonderer Stern wäre, weil er eine besondere Bedeutung habe. Caspar fragte: „Wer weiß, was es zu bedeuten hat, dass dieser neue Stern gekommen ist?“

Alle schüttelten den Kopf, weil sie es nicht wussten. Aber ein ganz alter Mann hatte die Idee, in alten Schriftrollen nachzulesen, da dort vielleicht etwas darüber zu erfahren wäre. Ab dem anderen Tag sah man Caspar und seine klugen Männer ständig in alten Schriftrollen lesen. Dann rief einer der Gelehrten: „Hurra, ich habe die Bedeutung gefunden!“ Alle liefen zu ihm hin und sagten: „Zeig her, lies vor!“ Ganz aufgeregt sagt er: „Da steht geschrieben: ‚Wenn ein neuer Stern am Himmel erscheint, wir in Judäa ein Kind geboren werden, das später König der Juden werden wird. Wer dieses Kind sehen will, muss dorthin gehen, wo der Stern hinzieht.‘“

„Interessant“, sagte Caspar, „die Juden haben keinen eigenen König. Die Römer haben das Land Judäa besetzt und alle Juden müssen tun, was der römische Kaiser will. Wenn also jetzt ein jüdischer König geboren wird, dann wird er wohl die Römer besiegen und vertreiben.“

Die Gelehrten sagten zu Caspar: „Es ist ein weiter Weg bis Judäa. Aber es ist so üblich, dass man den neugeborenen König besucht und ihn beschenkt. Wenn wir dem Stern folgen, dürfte es wohl leicht sein, den Weg zu finden.“

Caspar antwortete: „Jawohl, wir bereiten unsere Reise vor, übermorgen brechen wir auf.“

Alle waren aufgeregt, besorgten ihre Essensvorräte und füllten ihre Wasserbeutel auf, und ließen ihre Kamele noch ganz viel Wasser trinken. Zur verabredeten Zeit kamen alle Gelehrten mit ihren beladenen Kamelen zum Palast. Auch Caspar hatte sein Reisegepäck schon aufgeladen. Er hatte einigen Soldaten befohlen, mitzureisen, damit diese Räuber abwehren konnten. Da es am Tag zu heiß zum Reisen war und der Stern auch nur in der Nacht zu sehen war, warteten alle bis es dunkel war. Als sie den Stern dann sahen, sagte Caspar: „Wir reiten jetzt los, immer in Richtung Stern. Dann werden wir den Weg nicht verfehlen.“

Wenn mehrere Menschen mit Kamelen in der Wüste unterwegs sind, sagt man Karawane dazu. Es kam immer mal vor, dass eine Karawane von Räubern überfallen und ausgeraubt wurde. Deshalb mussten Soldaten vor und hinter dem König und den Leuten hergehen, um sie zu beschützen. Am Ende der Nacht, als es hell wurde, war der Stern nicht mehr zu sehen. Also schlugen die Reisenden ihr Lager auf, entfachten ein Feuer und kochten ihren Tee und ihr Essen. Danach ruhten oder schliefen sie bis am Abend. Und so ging es weiter, einige Tage und einige Nächte. Nach der fünften Nacht wollten sie auch wieder ihr Lager aufschlagen. Es war noch dunkel und sie wollten ein Feuer anzünden. Da zischte ein Soldat: „Seid still und macht kein Feuer!“

Er zeigte in eine bestimmte Richtung und sagte: „Dort brennt ein Feuer, hoffentlich sind’s keine Räuber!“

Alle Männer waren still und schauten angestrengt in Richtung Feuer. Dann kam aus dieser Richtung ein Soldat auf einem Kamel geritten. Der Soldat hielt das Kamel an, dieses ging in die Knie und der Mann stieg ab. Er hob die Hand zum Gruß und sprach: „Seid gegrüßt, ich gehöre zur Leibwache von König Melchior. Wer seid ihr?“

Caspars Soldaten antworteten: „König Caspar und sein Gefolge.“

„Was will König Caspar in der Nacht hier in der Wüste?“

Caspar rief: „Wir folgen einem Stern.“

Der fremde Soldat wunderte sich und meinte: „Wir auch.“

Dann ritt er zurück zu König Melchior und erzählte dem alles. Der König befahl ihm, den König Caspar und seine Leute einzuladen. Als der Soldat zu Caspar und seinen Leuten sagte: „König Melchior bittet euch, seine Gäste zu sein“, war bei diesen die Freude groß und sie folgten ihm gerne zu Melchior und seinen Leuten. Als Melchior Caspar sah, erhob er sich und umarmte ihn. Stundenlang unterhielten sie sich über den neuen Stern und die Prophezeiungen in den alten Schriftrollen. In der nächsten Nacht folgten somit zwei Karawanen dem Stern. Es war allen recht so, denn jetzt waren sie doppelt so stark und hätten sich viel besser gegen Räuber wehren können.

Nach zwei Nächten merkten alle, dass ihre Wasservorräte zu Ende gingen und die Kamele Durst hatten. Deshalb mussten einige Soldaten sich auf die Suche nach einem Brunnen begeben. In diesem Teil der Wüste war nicht nur Sand, es waren auch viele Felsen da. Deshalb konnten die Soldaten nicht weit genug sehen. Plötzlich hörten zwei Soldaten Musik hinter einem großen Felsen. Sie lauschten und verstanden die Worte: „Es gibt einen neuen Stern.“

Erleichtert sprach ein Soldat zum anderen: „Diese Leute laufen so wie wir, dem Stern hinterher, also sind sie keine Banditen. Reiten wir doch zu ihnen hin.“

Sie ritten vor die Felsen. Als die anderen Menschen sie sahen, hörten sie sofort auf mit Singen und ihre Soldaten stellten sich schützend vor sie. Dann kam ein fremder Soldat auf die beiden Soldaten zu und fragte: „Wer seid ihr, was wollt ihr?“

Ein Soldat antwortete: „Wir suchen einen Brunnen. Wir gehören zu König Caspar und König Melchior und begleiten diese auf dem Weg zum neugeborenen König der Juden.“

Der fremde Soldat wunderte sich und fragte: „Ihr auch? Ich und meine Kameraden begleiten unseren König Balthasar zum jüdischen Königskind. Wartet hier!“

Der Soldat ging zu König Balthasar und erzählte ihm, was die Soldaten gesagt hatten. Als Balthasar hörte, dass noch zwei andere Könige dasselbe wollten wie er, sprach er zu seinem Soldat: „Sage den beiden Soldaten von König Caspar und König Melchior folgendes: ‚Wir lagern hier an einer Oase und an einem Brunnen. Ihr könnt alle zu uns kommen. Dann sind wir nicht mehr alleine und es gibt genügend Wasser.‘“

Balthasars Soldat überbrachte Caspars und Melchiors Soldaten diese Botschaft und diese ritten eilig zu Caspar und Melchior. Als alle dort hörten, dass sie an einen Brunnen und an eine Oase kommen können, war die Freude groß. Sie luden ihr Gepäck auf die Kamele und ritten zu König Balthasar und seinen Leuten. Balthasar sprach zu Caspar und Melchior: „Dass wir drei Könige uns in der Wüste zufällig getroffen haben und wir alle dasselbe wollen, ist eine ganz erfreuliche Angelegenheit. Wir sollten in der nächsten Nacht nicht reiten, sondern ein Fest feiern.“

Diese Idee gefiel allen Leuten. In der Nacht, als sie alle um die Lagerfeuer herum saßen, aßen, tranken und miteinander redeten, waren sie glücklich. Immer wieder schauten sie nach dem neuen Stern am Himmel. Einige von Balthasars Gelehrten hatten Musikinstrumente dabei und begannen, zu musizieren. Das gefiel allen und viele Männer tanzten um die Lagerfeuer herum. Wer lieber sitzen blieb, klatschte in die Hände. Dann sagte ein Soldat zu Balthasar: „Als wir heute früh hinter den Felsen standen, haben deine Leute ein Lied vom Stern gesungen. Das war sehr schön, können deinen Musiker wieder dieses Lied spielen?“

„Aber natürlich“, antwortete Balthasar, „geh zu den Musikern und bitte sie darum.“

Die Musikanten freuten sich über die Bitte des Soldaten und spielten gern ihr neues Lied.

Karsten fragt seinen kleinen Bruder Benny: „Weißt du, wie das Lied geht?“

„Nein“, antwortet Benny.

„Aber ich weiß es“, sagt Karsten und holt seine Gitarre aus seinem Zimmer. Dann stellt er sich an den Tisch und spielt die Melodie von dem Lied: „Horch was kommt von draußen rein?“

Dazu singt Karsten nach dieser Melodie:

„Es gibt einen neuen Stern

bum ba di, bum ba do

diesen haben wir so gern

bum ba di ba do

bringt uns zu einem Königskind

bum ba di bum ba do

deshalb sind wir alle froh

bum ba di ba do.“

Die Mutter spricht zu Karsten: „Das Lied gefällt mir gut und ich singe gleich mit.“

„Ich auch“, sagt Benny. Alle drei singen und Benny klatscht im Takt mit seinen Händen auf den Tisch. Dann stellt Karsten die Gitarre in eine Ecke, setzt sich und erzählt weiter: „Am Tag danach schliefen alle und in der folgenden Nacht wurde aus den drei Karawanen eine ganz lange mit vielen Kamelen und vielen Männern. Nach ein paar Nächten kamen sie in das Land Judäa. Von den römischen Soldaten wurden sie angehalten und gefragt, wer sie sind und was sie wollen. Als die römischen Soldaten hörten, dass diese Leute den neugeborenen König der Juden besuchen wollten, sagten sie: „Hier im Land Judäa gibt es nur den römischen König Herodes. Der lebt in Jerusalem. Geht nach Jerusalem zu Herodes und fragt den!“

Römische Soldaten begleiten die große Karawane nach Jerusalem zum Palast von Herodes. Der König Herodes empfing alle freundlich, er lud sie zum Essen ein. Als er dann mit Caspar, Melchior und Balthasar zusammen saß, wollte er von diesen genau wissen, warum sie hergekommen sind. Herodes hörte, dass sie alle einem neuen Stern gefolgt sind und, dass dieser Stern bedeutet, dass ein jüdischer Königssohn geboren wurde. Dann sprach er: „Ich bin doch hier der König der Juden, aber meine Frau hat kein Kind geboren.“

Herodes rief seine klugen Männer herbei und fragte sie, ob ihnen bekannt ist, dass bei der Geburt eines jüdischen Königssohns ein neuer Stern am Himmel erscheint. Die Gelehrten antworteten: „Jawohl, es gibt eine Prophezeiung, dass den Juden ein Erlöser geboren wird. Den neuen Stern am Himmel haben wir auch gesehen.“

Da dachte Herodes: „Wenn die Juden einen König bekommen, dann wird der hierher kommen und mich vertreiben oder sogar umbringen. Ich muss wissen, welches Kind der Königssohn ist. Dann bringe ich diesen Bub um, damit ich König bleiben kann. Diese Könige sollen den Königssohn suchen und mir sagen, wo er ist.“

Herodes sagte zu Caspar, Melchior und Balthasar: „Ich kann euch leider nicht helfen, aber sucht ihr nur weiter. Wenn ihr das Kind gefunden habt, dann kommt hierher und erzählt es mir.“

Und dann log Herodes, als er sagte: „Dann will auch ich das Kind besuchen und es beschenken.“

In der Nacht danach folgte die Karawane wieder dem Stern. Dabei kamen sie auf ein Feld, auf dem viele Hirten ihre Tiere weideten. Einige Hirten kamen zu der Karawane und fragten die Männer: „Sucht ihr das Kind, das der König der Juden wird? Schaut mal, über diesem Stall dort steht der Stern. Dort ist das Kind geboren worden. In der Nacht, in der das Kind zur Welt kam, waren ganz viele Engel auf dem Feld und sie sangen wunderbar. Außerdem sagten sie: ‚Es ist euch der Sohn Gottes geboren worden.‘“

Caspar, Melchior und Balthasar und alle ihre Männer waren froh, endlich das Kind gefunden zu haben. Alle gingen sie zum Stall. Da der Stall aber klein war und nicht alle auf einmal darin Platz hatten, mussten sie nacheinander das Kind besuchen. Die Könige gingen zuerst hinein. Sie sahen Maria und Josef und das Baby. Josef sagte: „Das ist unser Sohn, er heißt Jesus.“

Caspar, Melchior und Balthasar schenkten dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es dauerte lange, bis alle Männer Jesus besucht hatten. Danach wollten sie zu Herodes und ihm erzählen, wo Jesus ist. Aber: Ein Engel kam zu den drei Königen und sagte: „Geht nicht mehr zu Herodes. Der will das Kind nicht beschenken, sondern umbringen. Ich zeige euch einen Weg, auf dem ihr nach Hause reisen könnt.“

So geschah es auch. Carsten sagt zu Benny: „Jetzt kennst du die Geschichte. Morgen kannst du sie der Oma erzählen.“

Ein Unfall auf der Rodelbahn

Ulrich schaut zum Fenster raus

und ruft: „Wie sieht es denn da draußen aus?

Es hat ja ganz schön viel geschneit.“

„Ich weiß“, sagt die Mutter

und streicht sich grad die Butter

auf ihr Brot.

„Siehst du auch das schöne Morgenrot?“

„Ja“, sagt Ulrich

und setzt sich an den Tisch.

„Ich ruf nachher den Benny an

und frag, ob er zum Rodeln kann.“

Der Benny kann,

und Ulrich zieht sich warme Kleidung an.

Ungeduldig wartet Ulrich vor der Tür

und denkt: „Wär der Benny doch schon hier.“

Endlich kommt Benny die Straße rauf.

Er fragt: „Geh’n wir zum Berg hinauf?

Dort ist die beste Rodelbahn

und wir können am schnellsten Schlittenfahren.“

Nun schneit es wieder,

dicke Flocken fallen auf die Erde nieder.

Vorbei am zugefrorenen See

stapfen beide durch den Schnee.

Auf der Rodelbahn

sind schon andere Kinder beim Schlittenfahr’n.

Die Freunde Klaus, Phillip und Lisa

sind auch schon da.

Diese rodeln munter

gerade den Berg hinunter.

Benny und Ulrich

freuen sich.

Sie schreien juchhee

und schon gleiten sie mit ihren Schlitten über den Schnee.

„Aus dem Weg“, hört man den Benny rufen,

zu spät, schon hängt sein Schlitten in den Kufen

eines ander’n Schlitten drin

und es fällt der Benny hin.

„Macht nichts“, sagt er und steht schnell auf.

Mit Ulrich geht er wieder den Berg hinauf.

Sobald sie oben sind,

rodeln sie wieder hinunter geschwind.

Allen Kindern macht es Spaß

und sie reden über dies und das.

Nun kommt ein Mann mit seinem Rad,

der nicht mal einen Helm anhat.

Er will vom Berg ins Tal hinein.

Grad fängt es wieder an zu schnei’n.

Das Rad fällt um mitsamt dem Mann.

Beides kommt ins Rutschen dann.

Das Rad liegt auf dem Mann,

weshalb der nicht mehr lenken kann.

Die Kinder, die bergan nun gehen,

können dieses sehen, sie weichen aus.

Aber o Schreck, o Graus für den Klaus!

Es rutscht das Rad mitsamt dem Mann

an den Klaus, der nicht mehr ausweichen kann.

Klaus fällt aufs Rad, der Ulrich sieht es grad.

Er springt schnell hinüber

doch der Benny fällt nun über

den Klaus, PARDAUZ!

Es rutscht das Rad im Schnee.

Dem Mann tut’s schon sehr weh.

Diese Rutschtour ist nicht schön,

es darf auch so nicht weitergeh’n.

Endlich steigt die Rodelbahn wieder an

das Fahrrad kommt zum Halten dann.

Die Kinder hatten Glück

bei diesem Missgeschick.

Sie stehen auf und geh’n bergan,

doch was ist mit dem Mann?

Aufstehen kann er nun nicht mehr,

denn die Schmerzen plagen ihn so sehr.

Zu den Kindern ruft er: „Helft mir doch,

ich komm alleine nicht mehr hoch!“

Die Lisa hat ihr Handy dabei

und ruft sofort die Polizei.

Die Polizei schaut alles an

und ruft den Krankenwagen für den Mann.

Der Mann fährt mit ins Krankenhaus.

Die Polizei fragt noch die Kinder aus:

„Wem ist was passiert und wer hat was gesehen?“,

und schreibt es auf,

was geschehen.

Das Rad kommt mit zur Polizei.

Die Rodelbahn ist wieder frei.

Wer genug hat, geht nach Haus

und ruht sich dort vom Rodeln aus.

Benny, Lisa, Ulrich, Klaus

gehen auch schon bald nach Haus.

Als Ulrichs Mutter von dem Unfall hört,

sagt sie: „Der Mensch war wohl verstört!

Dass ein Mensch so dumm sein kann,

mit einem Fahrrad auf der Rodelbahn zu fahr’n.“

Februar

Trari, trara, nun komme ich,

der Februar.

Ich bringe euch den Karneval,

so werdet ihr zu Narren all.

Dann gibt es Gecken,

die sich necken.

Weil meine Zeit nur 28 Tage hat,

bin ich der kürzeste Monat.

Aber in jedem 4. Jahr

bin ich einen ganzen Tag länger da.

Karneval der Kinder

Wir haben heute Karneval

und sehen Narren überall.

Auch im Garten und im Haus,

von Heikes Opa Klaus,

ist die Party voll im Gang,

mit Kuchen, Tee und viel Gesang.

Der König tanzt mit dem Vampir,

und sagt zu ihm: „Ich rate dir,

beiß mich nicht, du übler Wicht.“

„Dein Blut interessiert mich nicht.

Viel lieber trink’ ich Tee

und tanz mit einer Fee.“

Der Clown kommt mit Grimassen her.

Darüber freu’n sich alle sehr.

Es tanzt Prinzessin Juliana

mit einem großen Indianer.

Der sagt: „Ich fange dich jetzt ein,

dann musst du immer bei mir sein.“

„Nein, nein, nein!“, ruft die Prinzessin

und läuft zum Cowboy hin.

Der Cowboy sagt: „Lass uns hier ganz schnell verschwinden,

dann kann der Indianer uns nicht finden.“

Sie laufen aus dem Haus,

in den Garten von Opa Klaus.

Dort wachsen viele Hecken,

und man kann sich gut verstecken.

„Juliana!“, ruft ganz laut der Indianer

und läuft auch aus dem Haus, zu den vielen Hecken.

Dort kann er sie entdecken.

Da hebt der Cowboy sein Gewehr

und ruft: „Ich erschieße dich, das ist nicht schwer!“

Schon macht es Peng und Bum

es fällt der Indianer um.

Die Heike ist die Königin.

Sie läuft zum Indianer hin, und spricht:

„Heut’ kriegst du die Juliana nicht.“

„Komm’ mit mir ins Haus,

dort gibt es einen feinen Schmaus.

Mein Opa, der hat ganz viel Eis,

mit Soßen, kalt und heiß, Vanilleeis,

Erdbeereis, Schokolade- und Himbeereis.“

Da springt der Indianer in die Höhe

und schreit: „Juchhe, juchhe,

ich brauche die Juliana nicht,

mir wird was Feines aufgetischt.“

Es fragt der Cowboy die Juliana:

„Was bekommt der Indianer??“

Die Prinzessin sagt: „Es gibt Eis

und das ist meine Lieblingsspeis’.“

„Mmmh“, macht der Cowboy, „meine auch“,

und reibt sich schon den Bauch.

Der Cowboy rennt so schnell er kann

und kommt als erster in der Küche an.

Dann kommt die Juliana, gefolgt vom Indianer.

Es ruft die Heike alle Narren her:

Den Zauberer, den Vampir und die Fee,

diese trinken eben Tee,

den Pirat, der seinen Säbel verloren hat,

die Hexe und den Clown,

diese wollen sich grad’ verhauen,

den König, der seine Krone verbogen hat.

Heike sagt: „Mein Opa Klaus,

teilt in der Küche Eis für alle aus.“

Gleich geh’n alle Kinder zum Opa Klaus

und suchen sich ihr Lieblingseis aus.

„Ei, wie lecker, ei wie fein,

es müsste jeden Tag Kinderkarneval sein.“

Nach dem Essen kommt die Mareike.

Sie ist die Oma von der Heike.

Sie sagt: „Für heute ist die Party aus

und alle Narren geh’n nach Haus.“

März

Ich bin der März,

das ist kein Scherz.

Ich darf 31 Tage bleiben

und seh’n, wie die Pflanzen ins Wachstum treiben.

Wie in jedem Jahr bestellt

der Bauer jetzt sein Feld.

Schon blüht so schön der Löwenzahn,

schaut ihn euch doch mal genauer an.

Der kluge Gaul

Es suchte einst der Herr von Raul

auf dem Markt nach einem Gaul.

Er wollt’ ihn für die Arbeit auf dem Feld,

denn damit verdiente er sein Geld.

ein Händler sprach: „Grüß Sie, Herr von Raul,

ich hab für Sie den richtigen Gaul.“

Herr von Raul blieb stehen

und sprach: „Lassen Sie mich sehen.“

Der Händler sagte: „Dies ist der Gaul,

der ist kein bisschen faul.

er ist stark und gesund,

damit läuft die Arbeit rund.“

Herr von Raul bezahlte den Gaul,

stieg in die Bügel, nahm die Zügel

und ritt nach Hause.

Dort machte er erst mal eine Pause.

Er sprach: „Von heut an heißt du Ferdinand,

mit dir bestelle ich mein Land.“

Empört öffnete der Gaul

sein großes Maul: „Das fällt mir im Traum nicht ein,

ich will doch nicht dein Sklave sein!“

Es schaute der Herr verwundert drein:

„Ein Pferd, das spricht, das kann nicht sein.“

Es antwortete: „Doch, doch,

hör zu, ich rede immer noch.

Heute will ich nichts mehr tun,

sondern erst einmal bis morgen ruh’n.“

Es fasste der Herr sich an die Stirn

und sagte: „Ich glaub, ich hab ein krankes Hirn.“

Dann sprach der Gaul zum Herrn von Raul:

„Red’ nicht so dumm, sitz nicht so faul herum.

Gib mir mein Futter und ’ne Decke

und im Stall ’ne gute Ecke.“

Herr von Raul

gab dem Gaul,

was der begehrte

und murmelte: „Welch’ ein außergewöhnliches Pferd!“

Tags drauf sprach Herr von Raul

zu seinem Gaul:

„Steh auf Ferdinand,

heut bestellen wir das Land.“

„Ich bestelle nicht dein Land

und heiße auch nicht Ferdinand.

Ich werd’ spazieren gehen,

um mir die Landschaft anzusehen.

Mach deine Arbeit du allein,

oder hol dir für den Pflug ein Schwein.“

Da sprach der Herr:

„Du missfällst mir sehr.

Womit verdiene ich denn Geld,

wenn nicht mit der Arbeit auf dem Feld?

Wovon soll ich denn dann leben

und dir auch noch dein Futter geben?“

Da sprach der Ferdinand:

„Ich bin das klügste Pferd im Land,

denn ich kann reden

und verblüffe damit jeden.

Häng doch ein Schild am Stalltor auf

und schreibe dann darauf:

‚Hier wohnt der Ferdinand,

das klügste Pferd im ganzen Land –

es kann reden

und unterhält sich gern mit Jedem.

Eintritt: 20,00 €.‘“

Herr von Raul

sprach zum Gaul:

„Ich häng das Schild noch heute auf,

geb’ noch ’ne Anzeige in der Zeitung auf.

Kommt kein Geld damit herein,

kauf ich ein anderes Pferd mir ein.“

Drei Tage später fing es an,

ein Mensch kam nach dem anderen an.

Jeder wollt zum Ferdinand

und gab dem Herrn 20 € in die Hand.

Es sprach sich rum im ganzen Land

und jeder kam zum Ferdinand.

Nach einem Jahr ward Herr von Raul

durch seinen Gaul

ein reicher Mann.

Er schaffte sich ’nen Traktor an

und hängte seinen Pflug daran.

Da sprach das Pferd: „Das gefällt mir sehr,

für einen Traktor ist der Pflug nicht schwer,

für einen Gaul dagegen sehr.“

Der böse Riese

Vor langer, langer Zeit lebte eine Familie Baum zusammen mit zwanzig anderen Familien in einem Dorf. Vater Dieter Baum war schon sechzig Jahre alt, hatte graues Haar und war der kleinste Mann im Dorf. Gertrude, seine Frau, war auch schon alt und war größer als Dieter. Ihre erwachsenen Söhne, der Josef und der Alfons, waren verheiratet und wohnten in den Nachbardörfern. Nur die Bärbel und der Tobias, fünfzehn und neunzehn Jahre alt, lebten noch bei Gertrude und Dieter. Beide waren sie größer als ihre Eltern, hatten braune Haare und graue Augen. Sie waren fleißig und arbeiteten mit ihren Eltern zusammen in dem großen Garten und auf den Feldern. Zu dieser Zeit gab es noch keine Geschäfte. Alles, was die Menschen zum Leben brauchten, mussten sie selbst besorgen. Salat und Gemüse wuchsen in ihrem Garten, auf ihren Feldern bauten sie Getreide und Kartoffel an. Damit sie Eier, Milch, Fleisch und Wolle hatten, hielten sie sich Tiere.

An einem Morgen, es war noch nicht ganz hell, hörten die Baums ein lautes Gebrüll. Als Dieter Baum zum Fenster rausschaute, sah er einen Mann, nicht weit vom Haus auf dem Boden sitzen. Dieser Mensch war riesengroß und brüllte fortwährend: „Ich habe Hunger!“

„Ein Riese“, flüsterte der Vater zu seiner Frau, die gerade in die Küche kam. Dann stand der Riese auf, kam auf das Haus von Baums zu, trat mit seinem Fuß ein Fenster kaputt und rief: „Kommt raus, ihr Zwerge, kommt alle raus!“

Voller Angst gingen Vater und Mutter vor ihr Haus, Bärbel und Tobias ebenfalls. Der Riese schimpfte: „Habt ihr nicht gehört? Ich habe Hunger! Ihr bringt mir jetzt sofort all euer Essen hierher!“

Ganz zittrig vor Angst, gingen Dieter und Gertrude ins Haus, legten ihre Nahrungsmittel in zwei Körbe und brachten sie zum Riesen. „Soll ich davon satt werden?“, keifte dieser, und: „Bringt mir alle eure Vorräte aus eurem Keller!“

Tobias, ein starker und mutiger Bursche, sagte: „Aber dann haben wir doch nichts mehr zu essen!“

Da lachte der Reise und sagte: „Na und? Die Hauptsache ist, dass ich satt werde. Wenn ich kein Essen mehr bekomme, dann verspeise ich euch!“ Schnell begaben sich die Eltern in den Keller und holten ihre Vorräte, um sie dem Riesen zu geben. Mittlerweile war es ganz hell geworden und es kamen einige Nachbarn gelaufen, dabei auch der Schmied, der immer für die Hufe der Pferde sorgte.

Er stellte sich vor den Riesen und fragte: „Wer bist du?“

„Das siehst du doch!“, antwortete der Hüne barsch.

„Bist du über die Berge oder über das Meer gekommen?“, fragte der Schmied weiter. Da lachte der Riese und sagte: „Sehe ich aus wie ein Fisch? Ich kann doch nicht schwimmen!“

Dann packte er den Schmied am Nacken und am Po und warf ihn durch die Luft auf einen Apfelbaum. Vor Schmerz schrie der Mann laut auf. Die Nachbarn halfen ihm schnell vom Baum hinunter. Dann liefen alle Menschen schnell in ihre Häuser, sperrten ihre Türen zu und schlossen ihre Fensterläden. Der Riese kümmerte sich nicht weiter drum, sondern brüllte zu den Baums: „Ihr geht jetzt in den Wald, sägt ein paar Bäume ab und bringt sie hierher. Ich will mir ein Feuer anzünden. Es ist März und ich habe kalt!“

Alle Baums liefen ins Haus. Vater Dieter sagte: „Dass dieses Ungetüm uns in den Wald schickt, ist unsere Chance. Wir werden nicht zurückkommen, sondern zu Josef flüchten. Zieht alle Kleider, die ihr habt, übereinander an.“

Früher hatten die Menschen nicht viel Kleidung und Baums waren schnell fertig. Der Vater teilte das letzte Brot durch vier, gab jedem ein Stück und sagte: „Versteckt es, denn wenn dieser Räuber es sieht, holt er es uns weg.“

Dann gingen Baums in den Stall, holten ihre vier Pferde und sattelten sie. Als der Unhold das sah, brüllte er: „Was wollt ihr mit den Pferden?“ Vater Baum antwortete: „Ohne die Pferde können wir dir nur einen Baum bringen, mit den Pferden bringen wir dir vier Bäume.“

„In Ordnung“, antwortete der Riese. Vater, Mutter, Bärbel und Tobias setzten sich auf ihre Pferde und ritten in Richtung Wald davon. Nach zwei Stunden legten sie eine Rast ein. Vater Dieter entrüstete sich: „Habt ihr gesehen, wie er den Schmied auf den Baum geworfen hat? Dieses Ungetüm ist grauenhaft stark. Wenn wir ins Dorf zurückkehren, haben wir keine Chance gegen ihn. Wir haben Zuhause kein Essen mehr. Die Hühner und Schafe wird er sich auch noch holen. Josef hatte eine gute Ernte und wird uns bei sich wohnen lassen. Außerdem müssen wir bei unserem Sohn im Dorf alle Menschen warnen. Der Riese wird wohl von Dorf zu Dorf ziehen und auch dorthin kommen.“

Gertrude, Bärbel und Tobias hatten keine andere Idee und waren einverstanden.

Bei Anbruch der Dämmerung kamen die Baums im Dorf an. Das Hoftor von Josefs Haus war geöffnet und sie ritten in den Hof. Josef sah seine Familie kommen und begab sich zu ihnen. Er freute sich, hatte aber gleich den Eindruck, dass etwas passiert sein musste.

„Ihr schaut so verängstigt aus, was ist geschehen?“, fragte er, während er alle umarmte.

„Ein Riese ist ins Dorf gekommen“, antwortete Tobias. „Ein Mensch, der doppelt so groß ist wie andere“, fügte Dieter hinzu. Und die Mutter beklagte, dass sie ihm alles Essen geben mussten und sie selbst nun hungern müssten. Mittlerweile waren alle in der großen Küche angekommen. Als Josefs Frau hörte, dass die Familie ihres Mannes nichts mehr zum Essen hatte, ging sie direkt in die Speisekammer, holte Brot, kaltes Fleisch, Käse usw. und deckte den Tisch. Während Gertrude, Dieter, Tobias und Bärbel aßen, ging Josef zu zwei Nachbarn und forderte sie auf, in sein Haus zu kommen. Dort hörten die Nachbarn Stefan und Reiner von Dieter, dass ein Riese mit seinem Fuß ein ganzes Fenster eingetreten hat, dass er all ihr Essen und ihre Vorräte verlangt hat, dass dieses Ungetüm einen Nachbar durch die Luft auf einen Baum geworfen hat und dass er gesagt hat: „Wenn ich kein Essen mehr bekomme, verspeise ich euch!“

„Wie ist euch denn die Flucht gelungen?“, wollte Stefan wissen. Tobias erzählte: „Wir hatten das Glück, dass er uns in den Wald geschickt hat, um Bäume zu fällen. Er sagte, er will ein Feuer anzünden, weil es ihm kalt sei.“

„Glück gehabt“, kommentierte Reiner. Dann erzählt dieser, dass der Sohn seiner Schwester ihn im letzten Herbst besucht und gefragt hat, was in Forstdorf passiert ist. Alle Häuser wären zertrümmert und kein einziger Mensch wäre mehr zu sehen.

„Dort war wohl auch der Riese“, sagte Josef, „und wir müssen damit rechnen, dass dieser Zerstörer auch hierherkommt.“

„Wir müssen den Riesen umbringen, sonst bringt er uns alle um“, sagte aufgeregt Stefan.

„Aber wie?“, fragte Reiner.

„Kaputt schlagen“, meinte Stefan.

„Nein“, sagte Dieter, „das ist zu ekelhaft, da mache ich nicht mit.“

„Wie können wir diese Kreatur davon abhalten, uns unser Essen zu nehmen, unsere Häuser zu zerstören und uns umzubringen?“, fragte Reiner. „Wir müssen ihn überlisten“, sagte Dieter.

„Er kann nicht schwimmen. Hier sind wir nicht weit vom Meer entfernt und wenn wir ihn auf die Meloneninsel bringen würden, könnte er uns nichts mehr antun.“

„Richtig“, sprach Josef, „das müssen wir irgendwie hinbekommen. Wir brauchen einen Plan, wie wir uns vor dem Riesen schützen. Er kann jederzeit zu uns kommen.“

Dann schickte er Reiner und Stefan los, um alle Nachbarn in Josefs Hof zu holen. Zu seinen Eltern und seinen Geschwistern sagte Josef: „Im Dachgeschoss sind drei Zimmer, in denen ihr wohnen könnt. Wenn der Riese euer Dorf verlassen hat, gehe ich mit euch zurück und helfe euch, euer Haus zu reparieren.“

Es war schon dunkel, als viele Nachbarn sich im Hof von Josef versammelten. Sie redeten alle durcheinander und hatten Angst. Als Dieter und Josef mit Laternen den Hof betraten, wurden alle still. Josef sprach: „Ihr habt von Reiner und Stefan gehört, dass ein Riese in Vaters Dorf ist und was er anrichtet. Falls er auch hierher kommt, müssen wir uns und unsere Nahrung vor ihm schützen. Am besten bauen wir erstmal einen Wachturm, auf dem immer abwechselnd einer von uns Wache hält und uns warnt, wenn er sich unserem Dorf nähert. Außerdem brauchen wir ein Versteck, in das wir alle unsere Nahrungsmittel bringen und in dem wir uns auch selbst verstecken können.“

„Jawohl, genau, stimmt, richtig“, antworteten einige Nachbarn.

Michael, ein junger Nachbar rief: „Ich habe genug Holz, um einen Wachturm bauen zu können. Wer hilft mir?“

Es meldeten sich einige Männer zum Helfen.

„Morgen früh fangen wir an, den Turm zu bauen, am besten auf dem Marktplatz.“

Anna, eine Nachbarin, sagte: „Ihr müsst eine Glocke am Wachturm befestigen. Wer den Riesen sieht, muss die Glocke läuten, damit alle Menschen sich verstecken können.“

„Wo können wir uns verstecken?“, fragte Dieter. Ein Nachbar, namens Albert rief: „In der Felsenhöhle im Wald, diese ist groß genug für unsere Nahrungsmittel und für uns alle.“

„Gut, sehr gut“, ergriff Dieter wieder das Wort, „es wird wohl eine Weile dauern, bis er hier eintreffen wird. Er wird erst kommen, wenn er bei uns im Dorf alle Nahrungsmittel verzehrt haben wird. Es ist schon spät. Geht nach Hause und überlegt euch, wie wir den Riesen auf die Meloneninsel bringen können. Da er nicht schwimmen kann, kann er von dort nicht mehr weg. Ein Floß oder ein Schiff kann er sich nicht bauen, da auf dieser Insel kein einziger Baum wächst.“

Die Nachbarn verabschiedeten sich. Dieters Familie und Josef und seine Frau legten sich schlafen. Aber viele Leute konnten vor Aufregung nicht schlafen und überlegten, auf welche Weise sie den Riesen überwältigen und auf die Insel bringen könnten.

Am anderen Morgen kamen alle wieder in den großen Hof von Josef und machte ihre Vorschläge. Manche Männer sagten: „Wir könnten vom Wachturm Steine auf ihn werfen, bis er umfällt“, aber ein anderer Mann entgegnete: „Ihr glaubt doch nicht, dass der Riese still stehen bleibt und wartet, bis der nächste Stein angeflogen kommt. Das geht nicht.“

Andere meinten: „Wir könnten ihm ein Lasso über den Kopf werfen und ihn zu Boden zerren.“

Aber andere Nachbarn waren dagegen, weil der Riese das Lasso zerreißen könnte. Dann aber kam eine Idee, die allen gefiel: „Wenn wir wissen, dass er kommt, sollen alle Kinder und Frauen in die Höhle laufen. Wir Männer holen einige Flaschen von unserem Wein und begeben uns zum Marktplatz. Wir öffnen ein paar Flaschen. Wir trinken keinen Wein, damit wir nicht betrunken werden. Wenn der Unhold kommt, werden wir ihn freundlich empfangen und zu ihm sagen: ‚Wie schön, so einen großen Mann wie dich zu sehen. Setz dich zu uns und trinke mit uns.‘

Er ist eine gierige Kreatur und wird wahrscheinlich so lange trinken, bis er betrunken einschlafen wird. Wir sollten ein Floß bauen mit Rädern. Dieses Floß werden wir auf den Marktplatz stellen. Wenn das Ungeheuer müde ist, werden wir zu ihm sagen: ‚Lege dich auf die Karre und schlafe dich aus!‘

Wenn er schläft, binden wir ihm am Floß fest, schieben ihn gemeinsam ans Meer, heben ihn auf unser Schiff. Aber bevor wir ihn vom Floß heben, müssen wir ihn fesseln. Mit dem Schiff werden wir ihn zur Meloneninsel bringen, ihn dort auf den Boden legen, seine Fesseln entfernen und schnellstens unser Schiff besteigen und nach Hause rudern. Dann sind wir ihn los.“

Diesen Vorschlag machte der älteste Mann vom Dorf. Er war auch der Klügste, weil er viel gelernt hatte. Alle Nachbarn waren von dieser Idee begeistert. Reiner aber gab zu bedenken, dass der Riese vielleicht keinen Wein trinken wolle.

„Was tun wir dann?“, fragte er. Die meisten Männer zuckten mit den Achseln, andere sagten: „Kein Ahnung.“

Josef sagte: „Wir sollten an die Arbeit gehen, einen Wachturm und ein Floß bauen. Derweil können wir uns noch eine weitere Möglichkeit überlegen, wie wir diesen Räuber loswerden.“

Es dauerte nicht lange, da sah man die Männer auf dem Marktplatz den Wachturm und das Floß bauen. Die Frauen und die Kinder brachten ihre Nahrungsmittelvorräte in die Felsenhöhle im Wald. Außerdem hatten sich die Menschen folgendes überlegt: Falls der Riese keinen Wein trinken wollte, dann geben wir ihm Essen. Wenn er müde ist und auf dem Floß eingeschlafen ist, dann binden wir ihn mit ganz vielen Seilen am Floß fest. Es vergingen einige Wochen ohne, dass der Riese zu sehen war. Als dann viele Leute glaubten, dass er nicht kommen würde, läutete die Glocke auf dem Wachturm. Es war schönes Wetter, die Sonne strahlte am blauen Himmel und es war schon etwas warm. Frauen und Kinder flüchteten direkt in die Höhle im Wald. Dieter, Gertrude, Bärbel und Tobias begaben sich ebenfalls in diese Höhle, denn der Riese durfte sie nicht sehen. Jeder Mann schnappte sich ein paar Flaschen Wein und begab sich zum Marktplatz. Dort setzten sie sich auf die Bänke oder auf den Boden, öffneten ihre Weinflaschen. Dann sahen sie ihn kommen. Er machte ein furchtbar böses Gesicht, seine Haare standen zu Berge und er schimpfte vor sich hin. Die Männer lächelten alle freundlich und Josef rief: „He du, sei uns willkommen. Wir haben sehr guten Wein. Willst du davon probieren?“

Der Riese blieb vor dem Marktplatz stehen und schaute ganz verwundert. Er war es nicht gewohnt, freundlich empfangen zu werden. Josef hob eine Flasche Wein in die Höhe und rief: „Komm, trink mit uns.“

„Das lass ich mir nicht zweimal sagen“, antwortete der Riese und stapfte auf die Männer zu. Er setzte sich auf den Boden, nahm die Flasche von Josef und leerte sie in einem Zuge.

„Schmeckt dir der Wein?“, fragte Stefan. Der Riese brummte zurück: „Das siehst du doch!“

Stefan öffnete eine neue Flasche und reichte sie dem unfreundlichen Kerl. „Da hast du noch“, sagte er und freute sich, dass der Plan aufzugehen schien. Gerne gaben ihm die Männer immer wieder eine neue Flasche Wein. Nach einer Stunde wurde der Riese müde. Wenn er den Mund aufriss, um zu gähnen und man seine großen Zähne sah, war das furchterregend. Als er sagte: „Ich will schlafen“, antwortete Reiner: „Du kannst dich gerne auf die große Karre legen, denn wir haben kein Bett, in das du hineinpasst.“

Der Hüne wollte aufstehen, aber seine Beine wackelten durch den vielen Alkohol. Schnell sprangen einige Männer zu ihm, stützten ihn und halfen ihm, sich auf das Floß zu legen. Er räkelte sich, dreht sich mal nach rechts und mal nach links, bis er dann, auf dem Rücken liegend, einschlief. Alle Nachbarn warteten gespannt, bis Josef sagte: „Jetzt schläft er ganz tief, wir binden ihn jetzt auf dem Floß fest.“

Reiner, Stefan und andere Männer holten aus einer Kiste, die sie hinter einer Bank versteckt hatten, Seile heraus. Sie legten diese Seile unter das Floß, zogen rechts und links davon die Enden hoch und banden sie auf dem Riesen fest zusammen. Der Betrunkene merkte nichts. Er schlief tief und fest, auch als die Männer diese Floßkarre vom Marktplatz weg Richtung Meer schoben. Es war ein weiter Weg bis zum Schiff, den Leuten lief der Schweiß von der Stirne. Als sie nun endlich am Meer angekommen waren, drehten sie die Räder ab und hoben das Floß mit dem Räuber darauf auf eines ihrer Boote. Dann befestigten sie dieses Boot mit Seilen an zwei anderen Booten. In diese zwei Boote setzten sich die stärksten Männer und zogen rudernd das Boot, mit dem Riesen hinter sich her. Das war anstrengend, aber alle wussten: „Wenn wir diesen Unhold auf der Meloneninsel haben, sind wir ihn für immer los!“

Sie ruderten und ruderten. Als die Sonne langsam unterging, kamen sie an der Insel an. Der Riese schlief immer noch. Er merkte nicht, dass er samt Floß auf die Insel getragen wurde. Josef sprach: „Jetzt wird’s gefährlich. Wir müssen ihn losbinden, schnell vom Floß kippen und dieses schnell wieder ins Wasser bringen. Alle Männer außer Stefan, Reiner und mir müssen in die Boote. Wir drei lösen die Seile, ziehen das Floß unter ihm weg und schieben es ins Wasser. Dann kommen auch wir schnell in das letzte Boot und rudern sofort los. Hoffentlich wird er nicht wach.“

Die mutigen Leute verteilten sich auf die drei Boote und schauten gespannt zu, wie Josef, Reiner und Stefan die Seile lösten. Dann packten diese drei das Floß an einer Seite und hoben es an, so dass der Riese auf die Erde rollte. Anschließend schoben sie es jetzt ins Wasser. Ohne sich umzudrehen, liefen Josef, Stefan und Reiner ins Meer und stiegen in das Boot, auf dem sie den Riesen transportiert hatten. Der Hüne schlief und schlief, als wäre nichts passiert. Alle Männer ruderten, um ins tiefere Wasser zu gelangen, damit der Fiesling ihnen nicht nachkommen konnte. Es war Nacht, als sie an Land kamen. Am Strand warteten die Frauen und die Männer, die nicht mitgerudert waren. Sie klatschten lange und laut in die Hände, um den Rettern ihre Anerkennung zu zeigen. Alle begaben sich in Josefs Hof und freuten sich über ihre Rettung.

„Am Sonntag gibt’s ein Fest“, rief Reiner, „für alle und für den ältesten Mann im Dorf, denn er hatte die rettende Idee!“

Nach dem Fest begaben sich Josef und einige Nachbarn mit Dieters Familie zurück in deren Dorf. Dort sah es schlimm aus. Fenster und Türen an den Häusern waren kaputt und an zwei Häusern hatte der Riese das Dach abgerissen. Die Leute im Dorf waren alle geflüchtet wie Dieter, kamen aber nach und nach zurück. Als sie hörten, dass der Riese auf der Meloneninsel sei, war die Freude groß.

Bärbel sagte: „Melonen können wir uns nicht mehr von dort holen, aber darauf können wir wohl verzichten. Alle Häuser wurden repariert und die Leute aus Josefs Dorf teilten ihre Nahrungsmittel mit den Menschen in Dieters Dorf, bis zur neuen Ernte. Der Riese wurde nie mehr gesehen.“

Der Maler David und die Zecken

Der Maler David malt gern Flecken,

an die Wände und die Decken:

Gelbe Flecken, blaue Flecken,

rote Flecken, grüne Flecken.

Schön bunt sieht’s aus

in des Malers Haus.

Der Maler kann den Sommer kaum erwarten

und sucht jeden Tag in seinem Garten

nach Steinen, nach großen und nach kleinen.

Diese will er farbig sehn,

denn das findet er sehr schön.

Sind alle Steine bunt bemalt,

vor lauter Glück der Maler strahlt.

Scheint auf die Steine die Sonne,

ist’s für die Augen eine Wonne.

Bald hat er keine Steine mehr

und überlegt: „Wo kriege ich noch welche her?“

Er sagt zu seiner Frau: „Es ist nun nicht mehr kalt,

ich geh’ jetzt in den Wald.

Von dort hol ich mir Steine her,

denn meine Malerei gefällt mir sehr.“

In kurzer Hose

sucht er auf dem Weg und im Moose nach Steinen,

kniet auf der Erde mit den blanken Beinen.

Kraxelt über Sträucher und Hecken

und denkt nicht an die Zecken.

Hier liegt ein weißer Stein, dort ein blauer,

davor liegt ein roter, dahinter ein grauer.

David sagt: „Ich hab jetzt fünfzehn Stück,

welch ein Glück.“

Frohgemut kommt er nach Haus,

packt alle seine Steine aus.

Seine Frau sagt: „Du bist schmutzig wie ein Schwein,

geh nur schnell ins Bad hinein!“

David will gern sauber sein,

reibt sich von Kopf bis Fuß mit Seife ein.

Spült sich ab sodann

und schaut sich seine Beine an.

Er sagt zu seiner Frau: „Schau’ du mal ganz genau.

An meinen Beinen hab ich kleine, schwarze Flecken.“

„Von wegen Flecken“, sagt die Frau,

„da sind Zecken, ich sehe’ s genau.“

Die Frau ruft flott den Doktor an.

Dieser kommt so schnell er kann.

Er holt seine Pinzette raus

und dreht damit die Zecken raus.

David fragt: „Herr Doktor, sagen sie mal ehrlich,

sind Zecken wirklich so gefährlich?“

Es antwortet der kluge Mann:

„Am gefährlichsten sind Zecken dann,

wenn sie selber krank sind.

Das weiß doch jedes Kind.

Wenn eine kranke Zecke einen Menschen beißt,

weißt du nicht, was das heißt?“

David sagt: „Wieso soll ich das wissen?

Sie haben mich ja heut zum ersten Mal gebissen.“

„Ist nur eine davon krank,

wirst auch du schwer krank“,

sagt der Arzt mit besorgtem Gesicht.

„David, ich versteh dich nicht!

Geht man in den Wald hinein,

muss die Kleidung richtig sein:

Langärmelige Jacke oder Weste

ist das Beste,

lange Hose, hohe Schuh’,

dann hat man vor den Zecken Ruh’.

Auf dem Kopf Mütze oder Hut

ist in jedem Falle gut.

Acht Zecken hattest du in deinen Beinen,

in sechs Wochen musst du in meiner Praxis erscheinen.

Dann brauche ich“, sagt der Doktor,

„Blut von dir für ins Labor.

Vom Labor gibt’s den Bericht

ob du krank bist, oder nicht.“

Sechs Wochen lang grämt sich der Maler sehr

und manchmal seine Frau noch mehr.

Dann schickt der Doktor

Davids Blut in das Labor.

Nach ein paar Tagen kommt der Bericht

und der Arzt zum Maler David spricht:

„Deine Vernunft war klein, dein Leichtsinn groß,

aber jetzt hast du deine Sorge los.

Zum Glück ist es nicht passiert,

die Zecken haben dich nicht infiziert.

Denke daran, zieh dich richtig an,

wann immer du den Wald betrittst,

falls eine Zecke sich auf dich stürzt.“

Es sagt der Maler richtig froh:

„Jawohl, Herr Doktor, das mach ich so.“

April

Ich bin der April.

Die Leute sagen:

„Der April macht was er will!“, mit seinen 30 Tagen

und das ist wahr.

Mal scheint die Sonne wunderbar,

dann gibt’s Hagel, Regen, Schnee,

und die Kälte tut euch weh.

Und wer läuft im April durchs grüne Gras?

Das ist der liebe Osterhas’.

Heidi wartet auf den Osterhasen

„War der Osterhas schon hier?“,

frag die Heidi morgens, früh um vier.

Der Papa gähnt und spricht:

„Sooo früh kommt der Hase nicht.“

Und die Mama sagt dazu:

„Es ist noch Nacht, lass uns in Ruh.“

Heidi mault: „Ich will den Hasen heute sehen.

Könnt ich das denn nicht verstehen?“

Dunkel ist es noch im Garten

aber dort will Heidi warten.

Es ist noch kalt und Heidi friert,

weshalb sie die Geduld verliert.

Also geht sie wieder rein

und legt sich in ihr Bett hinein.

Im Traum sieht sie den Hasen

hinterm Haus auf dem Rasen.

Um 10 Uhr ruft die Frau Mama:

„Heidi, der Osterhas war da.“

Heidi wird direkt putzmunter,

läuft ganz schnell die Treppe runter.

Mama hält ihr ein Körbchen hin,

viele bunte Eier sind darin.

Auch ein Schokoladenosterhas

steht auf einem Büschel grünem Gras.

Ein Zettel liegt im Körbchen drin.

Heidi hält ihn ihrer Mutter hin.

„Lese mir bitte vor.“

Die Mama sagt dem Kind ins Ohr:

„Mich, den Osterhasen kannst du niemals sehen,

kannst du das denn nicht verstehen?“

Wem gehört das Nest?

Während die Taube Frieda auf einem Feld Maiskörner sucht, denkt sie daran, dass sie sich mit ihrer Freundin Lilly im Park treffen will. Als sie genug gefressen hat, erhebt sie sich in die Luft und fliegt Richtung Park. Es ist April: Zwar scheint die Sonne, aber es weht ein kalter Wind. Im Park angekommen, sieht Frieda ihre Freundin auf dem Platz, an dem sie sich immer treffen. Lilly sieht traurig aus. Sie hinkt. Frieda fragt: „Lilly, warum hinkst du?“

Die Taube Lilly antwortet: „Ich habe Schmerzen in meinem rechten Fuß. Als ich in der Stadt war, haben unvernünftige Kinder mit Steinen nach uns Tauben geworfen. Ein Stein hat mich am Fuß verletzt.“

„So etwas ist böse“, entrüstet sich Frieda.

„Ja“, sagt Lilly und ist fast am Weinen, „wir Tiere können nicht zu einem Arzt gehen, wenn es notwendig ist.“

„Ja“, spricht Frieda, „wir Tiere müssen die Schmerzen aushalten.“ Traurig erzählt Lilly: „Eigentlich hatte ich vor, in diesem Jahr Eier zu legen und auszubrüten, damit ich ein paar Taubenkinder haben kann. Aber es ist mir doch zu gefährlich, in meinem Nest in der Stadt meine Kleinen aufzuziehen. Wenn wieder ein Mensch mit Steinen nach mir wirft, kann es passieren, dass ich schwer verletzt werde und meinen Kindern keine Nahrung bringen kann. Dann müssen diese verhungern.“

„Stimmt“, antwortet Frieda, „du müsstest deine Jungen in einem Nest im Wald ausbrüten, das ist nicht so gefährlich.“

Während beide Tauben von den Essensresten picken, die Menschen im Park auf den Boden geworfen haben, hebt Frieda ihren Kopf und fragt Lilly: „Hörst du den Specht hämmern?“

Lilly lauscht und sagt: „Ja, ich höre ihn. Er hat gestern und vorgestern schon gehackt. Nun schafft er sich ein neues Nest, die Baumhöhle, in der er jetzt noch wohnt, ist ihm wohl zu klein.“

Frieda meint: „Wir sollten den Specht fragen, ob er dir seine alte Baumhöhle überlässt, dann brauchst du nicht noch extra ein Nest im Wald zu bauen.“

Diese Idee findet Lilly sehr gut und da Frieda bereit ist, mit ihrer Freundin zum Specht in den nahen Wald zu fliegen, erheben sich beide in die Luft. Es ist nicht schwer, den Specht zu finden. Die Tauben brauchen nur nach dem Klopfgeräusch zu suchen. Als die Tauben bei ihm landen, unterbricht dieser Vogel seine Arbeit. Lilly trägt ihm ihr Anliegen vor. Sie braucht ihn nicht lang zu bitten. Der Specht sagt: „In zwei Tagen ziehe ich in diese neue Höhle ein. Dann kannst du, liebe Lilly, mein altes Nest haben. Kommt mit ihr beiden, ich zeige es euch.“

Alle drei Vögel fliegen zu dem alten Tannenbaum und schauen sich die Höhle an. Lilly ist begeistert von ihrem neuen Zuhause und bedankt sich beim Specht. Dieser begibt sich wieder an seine Arbeit und die Tauben fliegen zurück in den Park. Nicht nur die Taube Lilly will in diesem Jahr Eier ausbrüten, sondern auch Siglinde, ein Raufußkäuzchen. Sie hat noch kein Nest, aber das ist kein Problem für sie. Seit Tagen hört sie, dass der Specht sich eine neue Baumhöhle hämmert. Als ihre Freundin Daniela sie fragt, ob sie ein Nest hat, antwortet Siglinde: „Ich werde in die alte Höhle vom Specht einziehen, der hämmert gerade eine neue Baumhöhle.“

Daniela will wissen, ob Siglinde den Specht gefragt hat, ob sie sein altes Nest haben kann. Siglinde schüttelt den Kopf und meint: „Nein, das brauche ich nicht, der braucht die Höhle nicht mehr, also hole ich sie mir.“

Jetzt schüttelt das Käuzchen Daniela den Kopf und rügt Siglinde: „Du kannst dir doch nicht einfach ein Nest holen, das dir nicht gehört. Dieses Nest gehört dem Specht und du musst ihn fragen, ob du es haben kannst.“

„Unsinn“, plappert Siglinde, „das ist nicht nötig.“

Nach zwei Tagen zieht der Specht in seine neue Behausung ein. Direkt, nachdem der Baumeister seine alte Höhle verlassen hat, schnappt Siglinde ihre Nahrungsvorräte und zieht in die alte Spechthöhle ein. Am anderen Tag fliegen Lilly und Frieda zur alten Buche, damit Lilly das Nest vorbereiten kann für die Eiablage. Was müssen sie sehen? Da wohnt ja schon ein Raufußkäuzchen! Lilly sagt zu Siglinde: „Diese Höhle gehört mir, du musst dir ein anderes Nest suchen.“

„Nein“, schreit Siglinde, „ich wohne hier, haut ab ihr zwei Tauben!“

Frieda erklärt: „Der Specht hat der Lilly das Nest überlassen, also bitte, verschwinde!“

Gerade kommt Daniela angeflogen.

„Hilf mir“, sagt Siglinde zu ihrer Freundin, „die Tauben wollen mir mein Nest wegholen.“

Lilly sagt: „Max, der Specht hat mir erlaubt, in dieser seiner alten Höhle zu wohnen.“

Siglinde schreit: „Das ist nicht wahr, mir hat er sie versprochen!“ Da mischt sich Daniela ein: „Siglinde, ich hatte gesagt, du sollst den Specht fragen. Und du hast geantwortet, dass du das nicht bräuchtest!“ Aber Siglinde kreischt nur: „Red nicht so dumm, sondern hilf mir, die Tauben zu verjagen.“

„Nein“, antwortet Daniela, „ich bin deine Freundin, aber ich helfe dir nicht ein Unrecht zu tun.“

In dem Moment kommt Max, der Specht dazu. Er freut sich, Lilly und Frieda zu sehen. Als er Siglinde in seiner ehemaligen Höhle sieht, fragt er sie: „Was fällt dir denn ein? Ich habe dieses Nest der Lilly versprochen. Du hast mich nicht gefragt, ob du hier wohnen kannst.“

Siglinde ist ganz frech und schreit: „Hau ab, du bist ausgezogen, du hast nichts mehr zu bestimmen!“

Daniela sagt: „Siglinde, komm jetzt aus dem Nest. Ich helfe dir, ein anderes zu suchen. Wenn du jetzt nicht raus kommst, werden Max, Lilly, Frieda und ich dich packen und aus der Höhle ziehen.“

Siglinde kommt freiwillig aus der Baumhöhle, nimmt ihre Vorräte und fliegt mit Daniela weg. Und somit richtet Lilly das Nest für sich her. Nach ein paar Wochen schlüpfen aus den zwei weißen Eiern, die Lilly gelegt hat, zwei Taubenkinder. Der Fuß tut Lilly nicht mehr weh und sie ist glücklich, dass sie ihre Jungen im Wald aufziehen kann.

Der Hühnerdieb

Bauer Max hat plötzlich Sorgen,

denn an jedem neuen Morgen

hat er ein Huhn weniger im Stall.

„Wer macht mir meine Hühner all?

Bald ist keines mehr im Stall.

Das geht nicht auf die Dauer,

ich leg mich auf die Lauer.“

Am Abend mit der Dunkelheit

macht der Bauer sich bereit,

sitzt in der Küche ohne Licht,

ist auf den Dieb nun ganz erpicht.

22 Uhr – 23 Uhr – 24 Uhr …

Wo bleibt der Dieb denn nur?

Bauer Max schaut aus dem Fenster

und denkt: „Hoffentlich sind’s keine Gespenster.“

Da! Um 03° Uhr

wird der Dieb ganz fleißig.

Er klettert über die Gartenmauer.

Und Max sagt: „Aha, da ist der Hühnerklauer.“

Zum Hühnerstall geht die Gestalt,

Max denkt: „Leider bin ich viel zu alt

um mir zuzutrauen,

diesen zu verhauen. Und Max sieht dann

wie gut der Dieb dort klettern kann.

Vom Dach aus steigt der Dieb nun ein,

gleich wird ein Huhn sein Eigen sein.

Max jammert: „Mein armes Huhn,

was kann ich nur tun?“

Dann steigt der Dieb vom Dach hinab.

Max denkt: „Greif ich ihn an, dann bringt er mich ins Grab.

Ich muss eine bessere Lösung finden.“

Nun will der Dieb verschwinden.

Max wartet, bis der Dieb auf der Straße ist

und denkt: „Den kriege ich mit einer List.“

Leise schleicht er ihm nun hinterher,

denn dieses ist nicht schwer.

Es biegt der Dieb in eine Straße ein

und geht ins zweite Haus hinein.

Zunächst geht der Max am Haus vorbei

und denkt: „So eine Schweinerei.

Der bringt mir meine Hühner um.“

Dann dreht Max sich um

und geht zurück.

„Vielleicht hab ich Glück

und finde einen Beweis“,

sagt Max zu sich selbst ganz leis.

Er schleicht nun um des Diebes Haus

und leuchtet mit der Taschenlampe jede Ecke aus.

Dann schaut er in die Mülltonne rein,

und stöhnt: „Oh nein, das kann nicht sein.“

Dort liegen Hühnerfedern, Hühnerknochen.

Bauer Maxens Wut fängt an zu kochen.

„Das ist ein Beweis,

den ich mir zu sichern weiß“,

murmelt Max vor sich hin,

„ich werde die Mülltonne mit nach Hause zieh’n.“

Leise zieht Max die Tonne zum Hof hinaus

und nimmt sie mit zu seinem Haus.

In den Keller stellt er sie

und denkt: „Dort findet der Dieb sie nie.“

Am Tag darauf ruft er die Polizei

und diese kommt herbei.

Er erklärt: „Im Keller neben den Kohlen,

die Mülltonne hab ich gestern Nacht gestohlen.

Die Tonne gehört dem Müller Erwin

was er mir gestohlen hat, liegt in der Tonne drin.

Nacht für Nacht war er in meinem Hühnerstall

meine Hühner sind fast all.

Es sagt ein Polizist: „Wir lassen jetzt die Tonne steh’n,

wir werden morgen weitersehen.“

Tag’s drauf geht der Müller Erwin

zur Polizeidienststelle hin.

Er sagt: „Ich zeige einen Diebstahl an

und hoffe, dass die Polizei mir helfen kann.

Meine Tonne fehlt seit heute Morgen.“

„Machen sie sich keine Sorgen“, sagt der Polizist,

„Ich weiß, wo ihre Tonne ist.

Fahr’n sie mit zum Haus vom Dieb.“

„Ja“, sagt Erwin, „Das ist mir ganz lieb:.“

Vor Bauer Maxens Haus

steigen beide aus dem Auto aus.

Der Erwin fragt den Polizist,

wie es wohl möglich ist,

dass Max die Tonne gestohlen hat.

„Er hat bestimmt eine Erklärung parat.“

Nun kommt der Max aus dem Haus

und holt die Tonne aus dem Keller raus.

Grad fängt der Erwin an zu schrei’n:

„Meine Tonne zu klauen, was fällt dir ein?“

Max antwortet: „Sieben Hühner hast du mir gestohlen,

da darf ich wohl die Tonne holen.

Damit ich auch beweisen kann

was du mir und meinen Hühnern angetan.“

Schämen muss sich nun der Dieb

und dieses ist ihm gar nicht lieb.

Max sagt: „Bring sieben neue Hühner mir,

dann gebe ich deine Tonne dir.“

Nun fragt der Polizist

den Erwin, ob er damit einverstanden ist.

Darauf sagt der Erwin dann:

„Ich bringe sieben neue Hühner an.

Hol meine Tonne dann nach Haus

und die Klauerei ist aus!“

Der Dieb

Neulich war ich im Geschäft

wollte dort ein neues Heft.

Als ich suchte und schaute, sah ich einen Mann, der klaute.

Der steckte sich drei Kulis in die Tasche

und eine große Klebstoffflasche.

Ich fand ein Rechenheft.

Ich dachte: Das ist ungerecht,

ich muss mein Heft bezahlen,

doch dieser kann zu Hause prahlen:

„Hab alles umsonst bekommen

hab’s mir einfach mitgenommen.“

Ich könnte mir ja auch was stehlen

und zu Hause nichts davon erzählen.

Will ich oder will ich nicht?

Was ist, wenn man mich erwischt?

Ich überlege hin und her

und die Entscheidung fällt mir schwer.

Dann denk’ ich nein, nein, nein,

ich will ein ehrliches Mädchen sein.

Mama sagt: „Wer andern etwas klaut,

dem wird auch etwas geklaut.“

An die Kasse geht der Mann

und ich stell mich hintendran.

Der Mann bezahlt nur

eine Rolle Schnur.

Ich zahl und sag „Auf Wiedersehen.“

und seh’ den Mann nach draußen gehen.

Vor der Türe steht ein Mann

und was dann?

Ich bleibe steh’n

will alles sehn.

Der Dieb muss mit dem Mann ins Geschäft zurück

also: Das Stehlen brachte ihm kein Glück.

Der Detektiv hat ihn erwischt,

der ist auf Diebe ganz erpicht.

Er schreibt nun eine Anzeige

und gibt sie an die Polizei.

Eine Strafe gibt es für den Mann,

weil der nicht einfach klauen kann.

Als wir am Tag darauf zur Schule geh’n,

kann ich den Mann schon wiederseh’n.

Auf einem Parkplatz schreit er laut:

„Mein Auto, mein Auto ist geklaut!“

Die Ausreißer

In einer Nebenstraße in einem kleinen Dorf stehen nur zwei Häuser, eines am Anfang und eins am Ende der Gasse. Dazwischen liegen die Gärten und Wiesen von Lutz, der im Haus am Anfang der Straße wohnt und von Gerhard, dem das Haus am Ende der Gasse gehört. Lutz ist nicht klein, aber auch nicht groß, aber stark. Er ist Maurer, aber seine Arbeit gefällt ihm nicht. Deshalb hat er meistens schlechte Laune und streitet mit seiner Frau. Aber die Erika lässt sich das nicht gefallen und schreit so laut, dass ihr Mann noch wütender wird. Dann geht Lutz in den Hof und lässt seine Wut am Hund aus. Der kleine schwarze Schnauzer heißt Isidor und hat furchtbare Angst vor Lutz, denn er weiß, dass er dann von diesem Mann gehauen und getreten wird. Der arme Isidor! Wenn der Hund dann Schmerzen hat und ganz traurig ist, denkt er immer: „Ich muss weglaufen, aber wohin? Wo ist eine Hundehütte und Essen für mich? Außerdem habe ich hier einen Freund, dem es auch nicht besser geht. Ich will den Bulli nicht alleine lassen!“

Bulli ist ein großer Hund, ist auch schwarz und sieht so ähnlich aus wie ein Bernhardiner. Sein Besitzer ist der alte Gerhard, ein ganz großer, dünner Mann, der alleine im Haus wohnt. Seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen, weil er immer mit ihr geschimpft und getobt hat. Und so schimpft Gerhard allein im Haus herum, tritt seine Hühner auf der Wiese mit seinen Füßen und auch den armen Bulli. Gerhard braucht nicht mehr arbeiten zu gehen, aber trotzdem hat er wie Lutz immer schlechte Laune. Die beiden Männer sind befreundet. Wann immer Gerhard auf seinem Rad ins Dorf fährt, schaut er, ob Lutz zu Hause. Ist sein Freund da, kommt dieser an die Straße und beide unterhalten sich. An jedem Samstagnachmittag kommt Gerhard zu Lutz in den Hof. Dort spielen beide Männer Kartenspiele. Dann ist Bulli bei Isidor. Wenn Isidor und Bulli in der der Hundesprache miteinander reden, das heißt, wenn sie bellen, können Lutz und Gerhard natürlich nicht verstehen, was sich die Hunde sagen. Das ist auch gut so, sonst würden sie hören, dass Isidor sich über Lutz und Bulli über Gerhard beklagt. Heute ist Samstag und am Nachmittag wartet Isidor ungeduldig darauf, dass Gerhard mit Bulli kommt. Es ist April und an manchen Tagen schon angenehm warm. Während Lutz den Tisch im Hof herrichtet, damit er mit seinem Freund Karten spielen kann, liegt Isidor auf dem Boden und lässt sich von der Sonne bescheinen. Samstags ist Lutz gut gelaunt, weil er nicht arbeiten braucht und Gerhard zu ihm kommt. Dann tut er Isidor nichts.

„Du dämlicher Köter“, schimpft Gerhard, als er sich mit Bulli auf den Weg begibt. Isidor hat das gehört und denkt: „Endlich kommt Bulli.“ Er steht auf und tippelt mit seinen kurzen, dünnen Beinen schnell zum offenen Hoftor. Da kommt Gerhard auf seinem Rad und hintendran wie immer, Bulli. Der große, schwarze Hund sieht ganz traurig aus.

„Hallo Bulli!“, sagt Isidor. Schon schnauzt der unverschämte Mann auch noch den Isidor an: „Was soll die Bellerei?!“

Dann stellt er sein Fahrrad im Hof ab und Lutz kommt mit zwei Flaschen Bier aus dem Haus. Jetzt sind beide Männer gutgelaunt, sie begrüßen sich und setzen sich an den Tisch. Beide Hunde wollen einander etwas erzählen, sie gehen gemeinsam außerhalb des Hofes in der Gasse hin und her. Bulli lässt den Kopf hängen und sagt: „Ich halt es nicht mehr aus. Gestern hat der Gerhard mir so fest an den Kopf getreten dass ich heute noch Schmerzen habe. Außerdem konnte ich nach dem Tritt stundenlang nichts mehr sehen. Wen der mir nochmal an den Kopf tritt, werde ich vielleicht blind. Ich muss abhauen, denn wenn ich erblinde, kann ich nicht mehr abhauen.“

Isidor antwortet: „Mein armer Freund, du tust mir leid. Auch ich will weglaufen. Vorgestern hat der Lutz mich so fest getreten, dass ich zwei Meter weit gegen den Zaun geflogen bin. Diese Menschen denken nicht daran, dass wir Schmerzen haben durch das, was sie uns antun.“

Bulli entgegnet: „Vielleicht wissen sie aber, dass es uns weh tut und sie wollen, dass wir Schmerzen haben. Wir laufen weg. Wenn wir nicht abhauen, bringen sie uns noch um.“

„Aber wohin?“, fragt Isidor.

„Wir brauchen Essen und Wasser. Es gibt ein Tierheim in der Stadt, vielleicht sollten wir dorthin laufen?“

„Nein, nein“, wehrt Bulli ab, „erinnerst du dich noch an Rex, den Hund von der Grete?“

Isidor schüttelt den Kopf: „Nein.“

„Der Rex war weggelaufen. Jemand hat ihn eingefangen und ins Tierheim gebracht. Dort hat ihn die Grete abgeholt. Wenn wir ins Tierheim laufen, holen Gerhard und Lutz uns wieder zurück.“ erklärt Bulli.

Plötzlich hebt Isidor seinen Kopf ganz hoch und sagt: „Ich habe eine Idee. In den Geschäften gibt es Hundefutter zu kaufen. Zwar dürfen keine Hunde ins Geschäft, aber wir wollen nicht verhungern. Wir haben kein Geld, also werden wir uns Hundefutter stehlen.“

Von dieser Idee ist Bulli so begeistert, dass es ihm gleich besser geht. Und Isidor tippelt ganz aufgeregt und sagt: „Komm Bulli, wir laufen sofort weg.“

„Nein“, bestimmt Bulli, „es ist noch hell. Egal wo wir hinlaufen, sie holen uns ein, weil sie mit dem Auto schneller sind.“

Gerhard brüllt: „Bulli, hier her!“

„Isidor, bei Fuß!“, schreit Lutz. Schnell sagt Bulli zu seinem Freund: „Wir laufen erst bei Anbruch der Dunkelheit weg, wenn beide betrunken sind.“ Dann gehen beide Hunde in den Hof zu ihren Besitzern. Gerhard und Lutz trinken Bier, spielen Karten und sind gut gelaunt. Die beiden armen Hunde liegen auf dem Boden und denken an ihre Flucht und an ein besseres Leben: Sie warten ganz ungeduldig auf die Dämmerung. Isidor ist froh, dass er nicht alleine flüchten muss, dass Bulli bei ihm sein wird, denn ein großer Hund kann sich besser verteidigen als ein kleiner. Nun geht die Sonne unter und beide Hunde sind aufgeregt. Nach einer Weile können beide Männer ihre Karten der Dunkelheit wegen nicht mehr lesen, weshalb Lutz das Licht im Hof einschaltet. Da die Freunde betrunken sind, achten sie nicht mehr auf ihre Hunde. Langsam erhebt sich Bulli und geht umsichtig vor das Hoftor auf den Bürgersteig. Gerhard ist ins Kartenspiel vertieft und sagt nichts. Dann steht auch Isidor auf und tippelt durchs Tor zu Bulli. Isidor sagt: „Ich habe Angst, im Dunkeln wegzulaufen.“

Bulli aber sagt: „Jetzt oder nie, ich bin bei dir, wir schaffen das. Also los! Wir laufen!“

Da Isidor kurze Beine hat, kann er nicht so schnell laufen wie Bulli, aber sein Freund weiß das und läuft langsam. Aus der Gasse heraus geht’s nach rechts auf eine Straße, an der rechts und links Felder und Wiesen liegen.

Bald gelangen die Hunde an den kleinen Wald, der sich an die Wiesen und Felder anschließt. Bulli biegt in einen kleinen Waldweg ein und sagt: „Isidor, ruh dich aus. Dieser Lauf war für dich anstrengend.“ Isidors Zunge hängt aus seinem Maul heraus und er kann nur japsen: „Ja, Bulli!“

Der große Freund erklärt: „Wir dürfen jetzt nicht auf der Straße bleiben. Wegen dem Licht von der Straßenlaterne würden Gerhard und Lutz uns sehen.“

Der kleine Isidor ist noch außer Atem. Er versucht angestrengt in der Dunkelheit etwas zu sehen und er jammert: „Es gruselt mich hier im dunklen Wald. Der Lutz hatte seiner Frau erzählt, dass eine Eule eine Frau angegriffen und verletzt hat.“

„Ja“, antwortet Bulli, „Gerhard hat das auch am Telefon seinem Sohn erzählt. Habe keine Angst, wir sind keine Menschen. Lege dich nicht hin und pass auf, dass du nicht an den Sträuchern vorbei streifst, sonst kriegst du Zecken ins Fell. Wenn du ausgeruht bist, laufen wir durch den nächsten Ort in den großen Wald. Dort sind wir in Sicherheit. Die beiden Männer sind zu betrunken, um heute noch Auto fahren zu können.“

„Bulli, Isidor, Bulli, Isidor!“, brüllt Gerhard ganz laut. Beide Hunde kriegen einen Schreck und Isidor zittert an seinem ganzen, kleinen Körper. „Keine Angst“, ermuntert Bulli seinen kleinen Freund.

„Hier auf diesem schmalen Waldweg wird er uns nicht suchen.“

Gerhard fährt mit seinem Fahrrad die Straße rauf und brüllt immer wieder: „Bulli, Isidor!“

Außerdem schimpft er wütend: „Diese unverschämten Köter sind abgehauen!“

Als Gerhard mit seinem Rad auf der Straße umkehrt, stürzt er hin und schreit: „Autsch!“

Dann hören die Hunde den Lutz rufen: „Isidor, Bulli!“ Gerhard ruft: „Hier sind sie nicht.“

Lutz kommt ebenfalls auf seinem Rad daher. Gerhard ist zwar schon aufgestanden, aber ein Knie tut ihm weh und er erzählt Lutz, dass er gestürzt ist. Lutz berichtet: „Ich habe die ganze Dorfstraße und die Kirchgasse abgesucht, aber die zwei nicht gesehen.“

„Vielleicht kommen sie ja von alleine wieder zurück“, meint Gerhard, „ich hab jetzt keine Lust, weiter zu suchen. Ich will jetzt nach Hause.“ Lutz tröstet seinen Freund: „Komm, wir trinken bei mir noch ein Bier und dann machen wir Schluss für heute. Wenn die Hunde Hunger haben, kommen sie von sich aus wieder nach Hause.“

Gemeinsam gehen die Freunde zu Fuß nach Hause.

„Die sind wir jetzt erstmal los“, sagt Bulli, „jetzt gehen wir die Straße hoch, durch den Wald, durch das Nachbardorf.“

Isidor bleibt ganz nah bei seinem Freund. Auf dieser Straße fahren nur tagsüber Autos. Nach einigen Minuten sind die Hunde im nächsten Dorf angelangt. Isidor hat Angst und sagt: „Hoffentlich sieht uns kein Mensch, der uns kennt und den Lutz und den Gerhard anruft.“ Bulli antwortet: „Wir sind bald in dem großen Wald, dann sieht uns niemand mehr.“

Vom Dorfende aus führt ein schmaler Feldweg zu einem großen Wald. Da jetzt keine Wolken mehr den Vollmond verdecken, können die beiden Freunde genug sehen. Für Bulli ist es nicht so anstrengend, er braucht nicht schnell zu gehen, aber Isidor hat alle Mühe, Schritt zu halten. „Ich kann nicht mehr“, japst er atemlos, als beide am Wald ankommen. „Für heute sind wir am Ziel“, erwidert Bulli.

„Wir bleiben hier vor dem Wald, bis es hell ist. Irgendwo hier steht eine Bank, dort können wir uns drauflegen. Im Wald können wir uns nicht hinlegen. Wenn wir Zecken ins Fell bekommen, ist niemand da, der sie entfernt.“

Da Bulli schon mal mit Gerhard hier war, weiß er, dass eine Bank am Waldrand steht.

„Ich suche die Bank, du kannst hier warten“, sagt er und läuft am Wald entlang. Nach nur einer Minute hat der große Freund die Bank gefunden und ruft: „Isidor, komm hier her!“

Der Vollmond leuchtet hell und so findet der kleine Hund seinen Freund schnell.

„Auf dieser Bank ist Platz für uns beide“, sagt Isidor und springt auf die Bank. Er ist so erschöpft, dass ihm gleich die Augen zufallen und er einschläft. Auch Bulli liegt nun auf der Bank. Da er mit Gerhard immer mal in dieser Gegend unterwegs war, kennt er sich etwas auch und überlegt, wo sich ein Geschäft befindet. Er hat Hunger und Durst, schläft aber bald ein. Als es am anderen Morgen hell wird, erwacht Isidor. Er hat großen Hunger und ganz viel Durst. Auch Bulli erwacht mit Hunger und Durst. Er weiß, wo sich ein Bach befindet. Beide Hunde laufen zum Wasser und stillen erstmal ihren Durst.

„Wo kriegen wir jetzt Essen her?“, fragt Isidor. „Ich falle beinahe um vor lauter Hunger.“

„Im nächsten Dorf ist ein Geschäft“, erklärt Bulli, „wir laufen jetzt dorthin.“

Nun kann man schon die Sonne sehen und es wird wohl schönes Wetter werden. Bulli kennt den Weg. Bald sind sie an einem still gelegten Bahnhof angekommen. Durch die Sträucher und Bäume, die mittlerweile zwischen den Bahngleisen wachsen, können sie ein großes Geschäft sehen. Sie wundern sich, dass das Geschäft geschlossen ist. Aber dann fällt Isidor ein, dass es Sonntag ist. Bei beiden Hunden ist die Enttäuschung groß, denn sie haben viel Hunger und wissen nicht, woher sie Essen haben können. Bulli erinnert sich, dass in diesem Ort eine Metzgerei ist. Von dort hat Gerhard manchmal Fleischabfälle für ihn bekommen. In der Hoffnung, Essen zu bekommen, laufen die Freunde durch das Dorf zur Metzgerei. Da Sonntag ist, schlafen die meisten Menschen noch und die Hunde sind froh, dass ihnen niemand begegnet. Die Metzgerei ist geschlossen, aber im Schlachthaus ist ein Fenster offen. Für Isidor ist das Fenster zu hoch, aber Bulli springt durchs Fenster ins Schlachthaus. Isidor passt auf, ob ein Mensch kommt. Dann kommt Bulli an die Fensteröffnung. Er hat ein großes Stück Fleisch im Maul und lässt es vor Isidor auf den Boden fallen- dieser packt es schnell mit seinen Zähnen! Oh, wie freut er sich! Dann springt Bulli in den Hof. Er hat auch für sich ein großes Stück Fleisch im Maul. Beide Hunde laufen schnell zum Bahnhofsgelände zurück. Dort, zwischen Bäumen und Sträuchern vertilgen sie das Fleisch.

„Welch ein Glück!“, denken die Hunde. Isidor sagt: „Heute brauchen wir nicht zu verhungern.“

„Ja, Glück gehabt“, antwortet Bulli.

„Wir sollten nicht hier bleiben“, redet er weiter, „hier gibt es Menschen, die den Gerhard und mich kennen.“

Isidor würde am liebsten hier bleiben, wegen dem Fleisch im Schlachthof. Aber er will nicht, dass Bulli wieder zum Gerhard muss. Ohne Bulli könnte er nicht überleben und er vertraut seinem Freund. Gerade, als sie das verwilderte Bahnhofsgelände verlassen wollen, sieht Bulli Gerhards Auto auf der Straße kommen und erschrickt.

„Schnell zurück, versteck dich Isidor, Gerhard sucht uns“, sagt er zu seinem kleinen Freund. Beide verstecken sich hinter einer großen Hecke. Gerhard hält sein Auto an, steigt aus, geht ein paar Meter zwischen dem Gestrüpp und ruft: „Bulli, Isidor!“

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22 декабря 2023
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190 стр. 1 иллюстрация
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9783960088264
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