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IMPRESSUM
Gardasee
40 MIKROABENTEUER ZUM ENTDECKEN UND GENIESSEN
Jochen Müssig
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Redaktion und Lektorat: Christine Walter
Satz und Layout: Serpil Sevim-Haase
Gedruckt und gebunden:
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Bildnachweis: siehe Seite 256
ISBN: 978-3-96855-081-7
epub ISBN: 978-3-96855-133-3
mobi ISBN: 978-3-96855-134-0
Hergestellt in Deutschland
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Jochen Müssig
Gardasee
40
MIKROABENTEUER
ZUM ENTDECKEN UND GENIESSEN

Inhaltsverzeichnis
DER GARDASEE AUF EINEN BLICK
TOP 10 „EIN KÖSTLICHES SCHAUSPIEL, DER GARDASEE“
KURIOSES UND ÜBERRA SCHENDES
DER NORDEN
1.Riva: im gläsernen Aufzug zur Bastion
2.Riva – Hinterland: eintauchen in die Bronzezeit
3.Valle dei Laghi: ein Poet namens Mussolini
4.Torbole: Wind und Wellen, Brett und Segel
5.Rovereto: mehr als eine Autobahnausfahrt
6.Trento: mit Muse ins MUSE
DER OSTEN
7.Malcesine: eine Burg wie gemalt
8.Monte Baldo: frei wie ein Vogel
9.Brenzone: zwölf Fische für den Präsidenten
10.Torri del Benaco: zweite Reihe, erste Wahl
11.Garda: das Krokodil im See
DER SÜDOSTEN
12.Bardolino: immer der Nase nach
13.Lazise: auch im Winter warm
14.Peschiera: Städtchen auf drei Inseln
15.Custoza: Wein, Weib und Liebesknoten
16.Verona: die Hübsche an der Etsch
17.Valpolicella: ein toller Fehler
18.Venezia: Erektion am Canal Grande
DER SÜDWESTEN
19.Sirmione: „Oh mein Sirmione …“
20.Lugana: am Anfang war die Schlacht
21.Desenzano: in der Zaubernacht
22.Lonato: schon Napoleon war beeindruckt
23.Brescia: Bummel durch die Jahrhunderte.
24.Lago d‘Iseo: groß, größer – Monte Isola
25.Franciacorta: Italiens Champagne
26.Cremona: Stadt voller Geigen
27.Padenghe: grüner wird’s nicht
28.Moniga: Tomaten im Castello
29.Manerba: im Namen der Göttin
30.San Felice del Benaco: tausend Tonnen Oliven
31.Isola del Garda: bei der Contessa mit Tattoo
32.Valtènesi: in zartes Rosa getaucht
33.Salò: Hauptstadt für zwei Jahre
34.Gardone Riviera: Dichter. Visionär. Faschist?
DER WESTEN
35.Toscolano Maderno: der erste gedruckte Koran
36.Gargnano: edel und geerdet
37.Lago d‘ Idro: Tizian auf dem Lande
38.Tignale: das Altiplano-Feeling
39.Tremosine: zum Schaudern gut
40.Limone: wenn der Vampir kommt
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BILDNACHWEIS
In den Monaten vor der Veröffentlichung dieses Buchs mussten Lokale und Besucherattraktionen immer wieder aufgrund der Corona-Pandemie ihre Öffnungszeiten einschränken oder zeitweise komplett schließen. Die in diesem Band angegeben Öffnungszeiten wurden gewissenhaft nach dem letzten bekannten Stand recherchiert – mit weiteren Änderungen ist jedoch nach der Pandemie zu rechnen, weshalb wir Lesern empfehlen, während des Aufenthalts am Gardasee Öffnungszeiten anhand der hier aufgeführten Internetseiten selbst zu überprüfen.
Ein köstliches Schauspiel, der Gardasee
Johann Wolfgang von Goethe

Der Gardasee im Abendrot
Auf einen Blick
AM ANFANG WAR DIE MISTGABEL
Eine kleine Einführung für Lago-Kenner und -Neulinge: Wie ist der Gardasee entstanden? Wie kam der Tourismus an den See? Wie viele Milliarden bringt er ein? Wie ist der Lago politisch gegliedert? Und alles, was man sonst vielleicht noch gerne erfahren möchte.
„Wir fahren ja schon seit zehn Jahren an den See …“ – auch das begleitende Hochziehen der Augenbrauen hilft da wenig: Wer mit gerade mal zehn Jahren Gardasee-Erfahrung angeben will, kann gleich sagen, er sei das erste Mal am Lago. Den Lacus Benacus haben schon die römischen Dichter Catull und Vergil besungen. Und manchmal meint man, die Hälfte aller Gardasee-Urlauber von heute kannten Catull und Vergil persönlich. Sicher ist: Der Gardasee ist ein Urlaubsziel für alle Generationen. Papa und Mama der 1960er-Jahre sind inzwischen Opa und Oma. Die Tochter war schon im Bauch ihrer Mutter am See und nach der Geburt die folgenden 34 Jahre, ehe sie – selbst schwanger – den Lago-Kreislauf weiter ankurbelt.

Ein See für Generationen
Heinrich Mann kam 20-mal
Die mondänste Zeit erlebte der Gardasee zur Zeit der K.u.K.-Monarchie, als die High Society der Literatur – wie Ibsen, Kafka, Rilke, Nietzsche, D. H. Lawrence oder Thomas Mann – den damals deutschsprachigen Norden zwischen Riva und Torbole bevölkerte und sich inspirieren ließ. Heinrich Mann kam sogar 20-mal zu Besuch und war schon damals das, was man heutzutage einen Repeater nennt. Den Seesüden eroberten derweil Mailands vornehme Familien, allen voran Gardone und Sirmione, wo sie die Heilquellen der Grotten des Catull wiederentdeckten, die schon die Römer so liebten.

Eines der ersten Hotels am See
Aus arm wird reich
Damals war der See noch ein armes Gebiet, bewohnt von Fischern, Oliven- und Bergbauern. Die einstigen neuen Hotels waren alle in österreichischer Hand. Es war eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, bestehend aus armen Anwohnern und reichen Besuchern. In den 1950er-Jahren hielt der Camping-, in den 1960er-Jahren der Albergo-Tourismus Einzug. Mit der Mistgabel verscheuchte man zunächst die Kühe, um Platz für Zelte zu machen. Und etwas später wurde das Kinderzimmer im Sommer vermietet, um den Besuchern, die schon damals wiederkamen, ein Bett anbieten zu können. Erst nach und nach wurde das Niveau angehoben und die ersten privaten Hotels mit ein paar Zimmern entstanden. Aus einer „Casa Bottura“, nicht klassifiziert, für 20 Mark die Nacht, ist mittlerweile und beispielhaft ein hübsches Vier-Sterne-Hotel mit Pool geworden. Und die armen Botturas von damals sind nicht nur selbst alt, sondern – wie so viele am See – auch reich geworden.

Camping-Tourismus um 1955
Drei Milliarden Umsatz
Eindeutig an erster Stelle der Einnahmequellen steht der Tourismus. In Zahlen ausgedrückt, liest sich die Gardasee-Sehnsucht wie folgt: Fünf Millionen Gäste, davon knapp zwei Drittel aus Deutschland, lassen pro Jahr an die drei Milliarden Euro am See. Ihnen stehen etwa tausend Hotels mit 55.000 Betten, hundert Apartmentanlagen mit weiteren 3000 Betten und 130 Campingplätze für 26.000 Wohnmobilisten, Zelt- und Caravanfreunde zur Verfügung. Neben dem Tourismus spülen nur noch das Olivenöl und der Wein sichtbar Geld in die Kassen.

Riva gehört zum Trentino ...

... Malcesine zum Veneto
Ein See, drei Regionen
Dem Norden Italiens geht es gut – im Vergleich mit dem Süden Italiens sogar sehr gut. Und das Gardasee-Gebiet mit den Großstädten Verona, Brescia und Trient zählt zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Italiens. Doch was für den Gast wie die Einheit Gardasee aussieht, zeigt sich schön geteilt in drei Regionen: Denn das Trentino, Veneto und die Lombardei teilen sich politisch die Gestade des Sees. An den Regionengrenzen ändert sich zuweilen sicht- und spürbar der Straßenbelag. Und wenn eine Großveranstaltung wie der Gardasee-Marathon am Ostufer stattfindet, sieht man kein einziges Plakat an der lombardischen Westküste. Was dann nicht nur aussieht wie Futterneid: Denn wie die Politiker ziehen auch die Marketing-Leute nicht an einem Strang … Dass in manchen Orten Dialekte gesprochen werden, die einer zehn Kilometer weiter schon nicht mehr versteht, hat damit allerdings nichts zu tun ...

... Gargnano zur Lombardei
Parteilose Bürgermeister
Politisch führen in Italien alle Wege nach Rom, auch vom Gardasee aus. Auf regionaler Ebene sind Verona, Brescia und Trient die Hauptstädte des Veneto, der Lombardei und des Trentino, drei der 20 italienischen Regionen, die wiederum in 109 Provinzen gegliedert sind, die alle jeweils eine eigene Regierung haben. Die Bürgermeister in den Gemeinden am Gardasee werden übrigens fast ausschließlich von Parteilosen gestellt, die auf der Bürgerliste (Lista Civica) kandidieren.
Der sonntägliche Kirchgang
170.000: Auf diese Zahl kommt man ungefähr, wenn man alle Einwohner am See zusammenzählt. 170.000 von gut 60 Millionen Italienern insgesamt. Fast die gesamte Bevölkerung ist römisch-katholisch. Der sonntägliche Kirchgang gehört zur unausgesprochenen Pflicht, auch wenn die katholische Konfession seit 1984 keine Staatsreligion mehr ist.

Kirche von Castello di Brenzone
Der See ist ein Hammer
Wind im Haar und ein Glas Prosecco in der Hand, rechts und links die Berge und rund um die „Siora Veronica“ nur das Wasser des Gardasees. Die alte Dame, gebaut 1926, sticht bei gutem Wind mit zwei große Masten und vier mächtigen Segeln in See. Und bei einer Bootstour von Norden nach Süden erlebt man auch ein Stück Entstehungsgeschichte: Es waren insgesamt fünf Eiszeiten, die den Lago so wunderbar modelliert haben. Schönheit braucht eben seine Zeit. Im Großen und Ganzen reden wir von zwei Millionen Jahren, wobei die letzte dieser fünf Eiszeiten vor rund 20.000 Jahren den letzten Schliff gegeben hat und zwar durch den Würmgletscher. Bei Malcesine war er noch tausend Meter hoch, bei Garda, gerade mal gut 25 Kilometer weiter südlich, hatte er schon die Hälfte seiner Höhe verloren. Die gewaltigen Wassermassen, die aus dem Gletscher strömten, transportierten Unmengen an Geröll. Die größten Teile blieben am Gletscherende einfach liegen und formten die heutigen Moränenhügel des südlichen Hinterlands vom See. Schließlich schmolz der Gletscher zwischen den Bergmassiven und die schöne Hammerform des Lagos war vollendet. Das ist gerade mal 15.000 Jahre her, in der Geologie nicht mehr als ein Wimpernschlag.

Segelschiff „Siora Veronica“
Kein Ort, nirgends
Am Stiel im Norden ist der See schmal und von steil aufragenden Bergen umgeben wie ein Fjord. Das schöne Castello von Malcesine wirkt mit dem mächtigen Monte-Baldo-Massiv im Rücken wie eine Spielzeugburg. Hinter dem kleinen Campione ragen die Steilwände 400 Meter senkrecht in die Höhe. Doch ab Gardone an der Westküste und ab Garda im Osten ebbt alles ab. Die Bergwelt hat ein Ende. Nur noch ein paar Hügel gibt es zu sehen. Der Süden gibt sich breit, flach, fast wie ein Meer, und im häufig auftretenden Sommerdunst gilt: Kein Ort, nirgends, weil von der Seemitte kein Meter vom flachen Ufer mehr zu erahnen ist.

Die Steilwände von Campione
Oliven- und Limonen-Riviera
Das Ostufer von Malcesine bis Torri del Benaco ist die Gardesana Orientale, auch Oliven-Riviera genannt. Der Großteil der rund 700.000 Olivenbäume rund um den See ist am Ost- und Südufer zu finden. Alle Oliven werden für die Produktion des begehrten Olio extra vergine di Oliva, jenes unter Feinschmeckern und Gesundheitsbewussten so beliebten hochqualitativen Olivenöls vom Gardasee, verwendet. Während die Olivenernte immer noch von großer Bedeutung ist, spielt der Anbau der Limonen, anders als früher, keine tragende Rolle mehr. Unter Limonen-Riviera versteht man trotzdem immer noch das Westufer von Limone bis Salò: die Gardesana Occidentale. Die wichtigsten und größten Ortschaften freilich liegen im Süden mit Desenzano und mit Riva im Norden.

Tunnel an der Limonen-Riviera
Top 10
„EIN KÖSTLICHES SCHAUSPIEL, DER GARDASEE“
Das schrieb Goethe 1786 auf seiner Italienischen Reise. Und es gilt bis heute! Ob wunderbare Sehenswürdigkeit oder prickelndes Erlebnis, ob auf dem Land, zu Wasser oder in der Luft: das Beste vom Lago di Garda. Must see! Must do! Los geht’s!
1Torbole um halb sieben: Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln über den Monte Baldo und sofort nimmt jeder Surfer sein aufgebautes Rigg in die Hand. Schnell ist der See voller bunter Segel und die Windsurf-Cracks zeigen Speed und ihre tollen Tricks. Morgens treibt sie der Pelér voran, auch einfach Vento oder Nordwind genannt. Ab 14 Uhr – wie praktisch: nach der mittäglichen Pasta-Pause – setzt dann die Ora ein, der stetige Südwind.

2 Gardesana oben ohne: Mit einem schnieken Cabrio oder einem süßen Roller rund 40 grandiose Kilometer am Ostufer entlang: Dort, wo Olivenbäume und Zypressen das Bild bestimmen und man durch weniger Tunnel, in denen es keine Haltemöglichkeiten gibt, fahren muss als auf der Westseite. Die Gardesana Orientale verläuft fast die ganze Zeit unmittelbar am Wasser. Zahllose Strände laden zum Bad, Bars auf ein leckeres Gelato und Ristorante auf Pontons zum Pranzo, dem Mittagessen. Das muss „La dolce Vita“ sein!

3Malcesine und das Bild vom See: Das Castello Scaligero aus dem 13. Jahrhundert ist nicht ein, sondern das Wahrzeichen des Gardasees. Erhaben besetzt die markante Burg den Felsvorsprung von Malcesine. Goethe zeichnete sie und wurde als scheinbarer Spion sogar kurz festgesetzt. Vom Turm sieht man auf eine fast geschlossene Dächerschicht. Und Hochzeitspaare lieben das Castello als ihre Romantikkulisse: „Schöner als im Prospekt versprochen“, sagen sie.

4Über den Gipfeln ist Ruh’: Ob Schauderterrasse im Westen, Aussichtsterrasse Belvedere im Norden oder Balcone del Garda im Osten: Es gibt wunderschöne Plätze für Traumblicke auf den Gardasee. Wer aber den Mut hat, einen Paragliding-Tandemflug vom Monte Baldo zu wagen – oder selbst zu fliegen, wenn man’s kann – der wird einzigartige Blicke mitnehmen und die Freiheit über dem See im Wortsinn grenzenlos genießen. Abflug ist auf 1800 Metern Höhe. Jeder zwischen zwölf und 80 Jahren kann ohne Vorbereitung mitfliegen.

5Der schönste Ort der Welt: Gibt es den überhaupt? Ja, es gibt sogar viele davon! Einen legte der Humanist Agostino Brenzone fest und legte schlüssig dar: „Der schönste Erdteil ist Europa, und davon ist Italien der schönste Teil, von Italien wiederum der Gardasee und an diesem San Vigilio. Ergo ist San Vigilio der schönste Ort der Welt“. Der Mann folgte seiner Argumentation und ließ sich an der Punta San Vigilio, zwischen Torri del Benaco und Garda, seine Villa bauen …

6Die Wasserburg von Sirmione: Wie in einem Bilderbuch thront eine der besterhaltenen und größten je gebauten Scaliger-Anlagen aus dem 13. Jahrhundert auf der größten Halbinsel des Gardasees: Komplett von Wassergräben umgeben, hat das Castello von Sirmione Zugbrücken, Burgfried und die für die Scaliger-Bauweise so typischen zinnengekrönten Burgmauern. Leider sorgt die Anziehungskraft des Castello besonders an Ostern und Hochsommer-Wochenenden auch für unangenehmen Overtourism.

7Bei der Contessa auf der Isola: Zypressen geben der Isola del Garda die Silhouette von Zinnen, Zacken und Spitzen. In der Mitte dominiert das gräfliche Schloss, zu dem Besitzerin Contessa Alberta bescheiden „Villa“ sagt: ein Palazzo in neugotisch-venezianischem Stil. Die Treppen, Terrassen und Gärten fallen bis zum See hinab. Eingewebt ist der 1903 fertig gestellte Palast von Akazien, Zitronenbäumen, Agaven, Magnolien. Und begonnen hat alles mit einer Liebesgeschichte von Albertas Mutter in Rom ... Ein Traum – aber ganz real.

8Privileg mit Weitblick: Don Guiseppe Mattanza ist als Pfarrer von Tignale auch für die Wallfahrtskirche Madonna di Montecastello auf 700 Metern Höhe verantwortlich. Sie schwebt mit herrschaftlichem Aufgang wie ein Balkon über dem See – mit grandiosem Weitblick auf den Bauch des Lago im Süden und auf das Monte-Baldo-Massiv im Osten. Don Guiseppe bedankt sich jeden Tag im Gebet, dass er „das Privileg hat, an einem der schönsten Kirchenplätze Europas wirken zu dürfen“.

9Dampferfahrt wie vor hundert Jahren: Sonnenbrille aufsetzen, durchatmen und den See, die Dörfer und Berge vom Wasser aus erleben: Das hat seinen ganz besonderen Reiz, da sich ungewöhnliche Perspektiven auftun. Am besten nimmt man eines der beiden ältesten Schiffe am See: die „Zanardelli“ oder die „Italia“, beide Schaufelraddampfer, gebaut in den Jahren 1903 und 1908. Aber nicht vergessen: Ein Blick auf den Fahrplan ist nötig, um die Heimfahrt nicht zu verpassen ...

10„Aida“ di Verona: Gladiatoren und Henker, Huren und Tenöre: Sie kämpften und köpften, boten sich an und singen bis heute ihre „Aida“-Arien. Die Geschichte des Amphitheaters von Verona ist bewegt. Die Arena di Verona, im 1. Jahrhundert errichtet, war nach dem Kolosseum in Rom und der Arena in Capua die drittgrößte. 1913, zum 100. Geburtstag von Verdi, gab es erstmals die Opernfestspiele. Einer der 15.000 Zuschauer zu sein, wenn der Triumphmarsch aus „Aida“ erklingt, ist wie ein Geschenk … Am besten kauft man Tickets für die Gradinate, die unnummerierten Rangplätze der Arena. Dort werden traditionell die Kerzen zu Beginn von jedem Abend angezündet. Dort gibt's Panini und was zu trinken. Und es herrscht die beste Akkustik. Sitzkissen kann man für drei Euro kaufen.

Kurioses und Überraschendes
VOM GARDASEE

Gibt es ein Krokodil im Gardasee? Eine Gondel, die sich dreht? Was hat die Geburt des Roten Kreuzes mit dem Lago zu tun? Und was ein Poet namens Mussolini? Ein halbes Dutzend Geschichten, von denen Sie bislang vielleicht noch nichts gewusst haben …
Der Vampir von Limone: Der aus Limone stammende Valerio hatte viel zu hohe Cholesterinwerte, aber ein Protein, das seine Adern säubert wie Domestos die Küchenrohre. Daraufhin zapfte Professor Cesare Sirtori von der Universität Mailand jedem Einwohner von Limone Blut ab. Und der Vampir – so wird er im Ort genannt – fand bei weiteren 45 Menschen jenes einmalige Protein, das er A-1 Milano, nannte – was ganz Limone erzürnte, wäre doch A-1 Limone richtig gewesen.

Das Riesenkroko: Ein Krokodil? Am Gardasee? Ja, es gibt sogar ein sehr großes: Der Ausläufer des Monte Lúppia streckt sich als Halbinsel in den See vor Garda und sieht, vom Süden kommend, aus wie der Kopf eines Riesenkrokos. So bekam Garda, der moderne Namensgeber des Sees, sein Haustierchen.

Verrückter Transport: Es ist das Jahr 1438: Venedig muss seine Kriegsschiffe in den Gardasee bringen, um Mailand, das die Seezugänge blockiert, Paroli zu bieten. Die verrückte Idee: Galeas per Montes, die Flotte von der Etsch über die Berge nach Torbole schaffen. Es gelang mit der Sprengung einer Straße in den Fels, Hunderten von Bäumen als Rollen und mithilfe von 2000 Ochsen.

Drehwurm inklusive: Sie sind komplett verglast und drehen sich: die Kabinen der Seilbahn, die Monte-Baldo-Besucher von der Talstation Malcesine in zehn Minuten auf 1760 Meter nahe an die Gipfel des mächtigen Massivs bringen. Die Seilbahn gibt es schon seit 1962! 2002 wurde alles neu gemacht und seitdem drehen sich auch die Gondeln. Mit einer der besten Panorama-Ansichten, die man über dem See genießen kann – Drehwurm inklusive …

Bischof und Poet: Der Trentiner Fürstbischof Madruzzo hatte einst eine Geliebte. Die Liebenden trafen sich regelmäßig im noblen Castel Toblino. Es gab Kahnpartien auf dem Lago di Toblino, nördlich von Riva, mit Claudia und Mordversuchen an derselben. Übereifrige Priester hatten es auf l'Amante del Cardinale abgesehen. Im 20. Jahrhundert wurde eine Fortsetzungsgeschichte daraus, in der Trienter Zeitung „Il Popolo“, verfasst von Benito Mussolini. 1910 schrieb er sogar den historischen Roman „L’amante del cardinale“, zu deutsch „Die Mätresse des Kardinals“. Zwölf Jahre später wurde der zunächst sozialistische Poet zum faschistischen Diktator.

Trauriger Anlass: 3 Uhr morgens am 24. Juni 1859: Im Dunkel der Nacht geht es um Italiens Unabhängigkeit. Die franko-piemontesischen Truppen mit 150.000 Mann und 400 Kanonen stehen den Österreichern mit 170.000 Soldaten und 500 Kanonen gegenüber. Die Schlacht von Solferino, südlich von Sirmione, wird das größte Gemetzel – und der traurige Anlass für die Gründung des Roten Kreuzes. Der damals 31-jährige Henri Dunant sah das Schreckensbild von 25.000 Toten und mehr als 10.000 Verwundeten. Er verfasste das Buch „Erinnerungen an Solferino” und regte die Gründung einer internationalen Hilfsorganisation an, aus der wenig später das Rote Kreuz wurde. Dunant wurde 1901 der Friedensnobelpreis zugesprochen.



Der Norden

Dramatische Wolkenstimmung am Obersee
Der Norden
1. Riva: im gläsernen Aufzug zur Bastion
2. Riva – Hinterland: eintauchen in die Bronzezeit
3. Valle dei Laghi: ein Poet namens Mussolini
4. Torbole: Wind und Wellen, Brett und Segel
5. Rovereto: mehr als eine Autobahnausfahrt
6. Trento: mit Muse ins MUSE

1 Riva
IM GLÄSERNEN AUFZUG ZUR BASTION
200 Meter über dem See und Riva del Garda thront der Bastione, die Ruine einer venezianischen Festung aus dem 16. Jahrhundert. Bis vor Kurzem brauchte es einen 30-minütigen Fußmarsch zu diesem Rundturm, um den besten Blick auf Städtchen und See zu bekommen. Seit Sommer 2020 dauert es nur noch zwei Minuten, wenn man die neue gläserne Panoramabahn benutzt.

Wie verschachtelt sieht Riva von dem Bastione aus, als seien die Dächer ineinander gebaut. Nur der Platz am Hafen, die Piazza Tre Novembre, hat etwas Luft. Die Palazzi und Arkaden im venezianischen Stil bezeugen den Einfluss der Serenissima. Blickfang an der Piazza ist der 34 Meter hohe Torre Apponale. Friedrich Nietzsche war von dem schiefen Turm am Gardasee so begeistert, dass er sich wünschte, sein Leben darin als Eremit beschließen zu können.

Der runde Bastione
Etwas weiter östlich sieht man La Rocca, ringsherum von Wassergräben umgeben, liegt die Burg auf einer kleinen Insel. Sie wurde 1124 von den Scaligern erbaut und beherbergt heute das Museo Civico mit archäologischen Funden aus der Region sowie einer Pinakothek mit Gemälden des 16. bis 20. Jahrhunderts.

Riva mit schiefem Turm
Wer von der Bastione noch weiter zur 625 Meter hoch gelegenen Kapelle Santa Barbara möchte, muss weiterhin zu Fuß gehen (1,5 Stunden). Die Kirche wurde 1935 von den Bergleuten erbaut, die sich nach Vollendung des Wasserkraftwerks Ponale dafür bedankten, dass bei dem schwierigen Bau kein größeres Unglück passiert war. Das Wasserkraftwerk ist der große gelbe Bau südlich vom Hafen. Die mächtigen Rohre, die den Hang des Monte Rocchetta hinabführen, leiten das Wasser vom Lago di Ledro zum Kraftwerk.

Das Wasserkraftwerk
Aus der Zeit der Österreicher (siehe unten) stammt der Serpentinen-Star, die gute alte Pregasina-Straße südlich von Riva und dem Kraftwerk, die 1865 als Militärstraße in die Felswände geschlagen wurde. Landeinwärts geht es senkrecht nach oben und zur Seeseite fällt die Steilküste jäh ins dunkelblaue Seewasser ab. Bis zur Schließung 1990 war sie die einzige Verbindung in das Dorf Pregasina und zum Ledrosee. 2000 wurde die Schotterstraße, auch Ponale genannt, wieder für Fahrradfahrer und Fußgänger geöffnet: Atemberaubende Serpentinen und ebensolche Blicke warten!

Blick vom Brione

Die Spiaggia Sabbioni
Ein ausgedehnter Spaziergang führt in östlicher Richtung, an einer der schönsten Uferpromenaden am Gardasee, zum Monte Brione, jener schräge, wie ein Keil aussehender Berg, der Riva von Torbole trennt. In knapp 1,5 Stunden kann man den 376 Meter hohen Felsen ohne große Schwierigkeiten auch erobern und erneut ein wunderbares Panorama genießen.
Riva ist nicht schnelllebig, aber Riva gibt sich immer noch mondän und ist etwas eleganter als die meisten Orte am See. Das sieht man an manchen Hotels wie dem „Lido Palace“, Parks und Geschäften, besonders auch an der Spiaggia degli Olivi, ein Strandbad, das wie ein Amphitheater am See liegt, mit leicht wirkenden Bauten aus den 1930er-Jahren. Doch Riva la Diva – das war einmal, so ehrlich muss man schon sein. Riva la Diva, das war um 1900, als der Adel und besonders die Schriftsteller kamen: Franz Kafka, Heinrich und Thomas Mann, Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke, auch Sigmund Freud. Sie begründeten den Tourismus am nördlichen Gardasee und gaben Riva eine internationale Bedeutung, die erst Anfang der 1970er-Jahre wieder wuchs: 1973, da ist sich der gebürtige Rivaner Danilo Miori sicher, wurde der erste Windsurfer auf dem Lago gesichtet. „Da haben wir schon gestaunt: ein Mann, ein Brett, ein Segel – und der fuhr auch noch schnell ...“ Danilo muss es wissen: Er kann sich sogar noch erinnern, wie die Schiffe aus dem Süden in Riva festmachten und die Träger Baumwoll- und Leinenlappen in großen Mengen an Land schleppten, die für die Papierfabrikation benötigt wurden. Die Hafenstadt, die zu Römerzeiten noch Ripa (Ufer) hieß, hatte ja schon immer eine strategisch günstige Lage, mittels der sich der Nord-Süd-Handel von den Alpen bis zur Po-Ebene kontrollieren ließ. Nach dem Wiener Kongress fiel Riva 1815 an Österreich und blieb genau 103 Jahre lang auch österreichisch.

Lobby im „Lido Palace“
Einkaufen: Am zweiten und vierten Mittwoch im Monat ist Wochenmarkt.
Strand: Spiaggia Sabbioni, einer der größten und besten Strände am See: Schatten spendende Bäume, kein Eintritt
Unterhaltung: Lounge-Musik und Gin vom Gardasee täglich bis 2 Uhr in der schicken Rivabar, Largo Medaglie d'Oro 1
Veranstaltungen: In der Notte di Fiaba, der Märchennacht am letzten Samstag im August, wird dem Sommer „ciao“ gesagt. Ganz Riva trägt Kostüme, es gibt Musik und ein sehenswertes Feuerwerk.
Info
Lage: Riva del Garda, Region Trentino – 15.000 Einwohner
Auskunft: Piazza Medaglie d’Oro 5, Tel. +39 0464 554444, gardatrentino.it
Aktivitäten: Windstärkster Spot für die Surfer ist beim Hotel Pier, südlich von Riva.
Museen: museoaltogarda.it
Panoramabahn: täglich 9:30 bis 0:30 Uhr, 5 EUR
Restaurants:
Locanda Restel de Fer: Ristorante tipico, abseits vom Zentrum, beste regionale Gerichte wie Gardasee-Fisch-Ravioli; Hauptgerichte 13 bis 25 EUR; Via Restel de Fer 10, Tel. +39 0464 553481, resteldefer.com
Al Volt: elegant, Spezialität Kalbsbacke mit Polenta; Hauptgerichte 12 bis 24 EUR; Via Fiume 73, Tel. +39 0464 552570, ristorantealvolt.com
Trattoria La Montanara: rustikale Küche mit Trentiner Pferdesteak; Hauptgerichte 10 bis 18 EUR; Via Montanara 11, Tel. +39 0464 551954
Unterkünfte:
Lido Palace: 5-Sterne-Hotel in einem Gebäude von 1900 direkt am See mit Top-Küche, gutem Spa und Pool; DZ ab 230 EUR; Viale Giosuè Carducci 10, Tel. +39 0464 021899, lido-palace.it
Du Lac et du Parc Grand Resort: 4-Sterne-Hotel mit freistehenden Bungalows im herrlichen Park am See; zwei Pools, DZ ab 115 EUR; Viale Rovereto 44, Tel. +39 0464 566600, dulacetduparc.com
Hotel Maso: 3-Sterne-Hotel in einem Hof von 1900 im Hinterland, von Weinreben umgeben; einfache, moderne Zimmer, kleiner Wellnessbereich, Pool, DZ ab 80 EUR; Via Edoardo Modl 7, Tel. +39 0464 521514,hotelalmaso.it
2 Riva – Hinterland
EINTAUCHEN IN DIE BRONZEZEIT
Sogar eine Weltkulturerbestätte hat der Gardasee in seinem Hinterland zu bieten. Im kleinen Bruder Ledrosee wurden 1929 Pfahlbauten eines Jungsteinzeitdorfs entdeckt und die Relikte 2011 von der UNESCO zum Welterbe geadelt. Außerdem findet man in der Nähe ein mittelalterliches Dorf, einen spektakulären Wasserfall, Klettersteige, ein Stückchen Afrika und für den Gaumen Carne salada.


Tretboote am Ledrosee
Erst wunderten sich die Fischer: Warum nur verfangen sich ihre Netze immer an Baumstümpfen im Ledrosee? Dann wunderten sich die Ingenieure: Als sie für das Wasserkraftwerk in Riva am Gardasee den Seespiegel senkten, trat ein ganzer Wald aus Stümpfen hervor. Das war 1929. Und bald wusste man: Dieser Wald ist das Relikt eines Bronzezeitdorfs, das auf 15.000 Pfählen errichtet wurde. Die Ausgrabung erfolgte 1937 und der nur drei Kilometer lange und einen Kilometer breite Lago di Ledro ging in die Wissenschaft ein. 2012 wurde er sogar Weltkulturerbe. Das Pfahlbaumuseum Museo delle Palafitte in Molina zeigt, wie die Menschen vor 3700 Jahren lebten, als gerade die letzten Mammuts ausgestorben waren. Am Seeufer wurde eine Pfahlhütte rekonstruiert.

Nachgebauter Pfahlbau
Richtig nass wird es nördlich von Riva, wo die SS421 zur Cascata Varone führt, einem spektakulär illuminierten Wasserfall. In der Schlucht donnert das Wasser hundert Meter herunter. Es kommt aus dem acht Kilometer entfernten Lago di Tenno und frisst sich seit 20.000 Jahren jährlich vier Millimeter tiefer in die Klamm. Von zwei Aussichtsplattformen spürt man die Enge der Felsenschlucht und die Gischt im Gesicht.

Cascata Varone
In Serpentinen windet sich die Straße dann weiter nach Borgo di Canale. Schlendert man durch die stillen Gassen der mittelalterlichen Ansiedlung mit Häusern aus hellen Bruchsteinen, kommt man am Landwirtschaftsmuseum (Museo degli Attrezzi Agricoli) vorbei: Ausgestellt sind Utensilien von Handwerkern aus früheren Zeiten. Die verwinkelte Casa degli Artisti gegenüber ist Künstlern vorbehalten, die dort zeitweise leben, arbeiten und ausstellen. Borgo di Canale gehört zu Tenno und zählt zu den schönsten Dörfern Italiens.
Einkaufen: Ein Apotheker erfand den Picco Rosso 1940: Der Erdbeer-Himbeer-Likör ist eine Spezialität vom Ledrosee.
Wasserfall:cascata-varone.com
Oberhalb von Tenno, wo sich die Häuser um ein mittelalterliches Kastell gruppieren, schimmert türkis und eingebettet von bewaldeten Bergen der kleine Lago di Tenno mit seinem Inselchen und zwei Kiesstränden. Die Fahrt auf 428 Meter lohnt sich auch, weil man in Tenno das beste Carne salada weit und breit bekommt. Das gepökelte Rindfleisch wurde in der Gegend einst aus der Not geboren, um das Fleisch mithilfe von Salz haltbar zu machen.

Borgo di Canale
Info
Lage: Riva Hinterland, Region Trentino
Auskunft: Via Nuova 7 in Pieve di Ledro, Tel. +39 0464 591222, vallediledro.com
Aktivitäten: Wandern, Mountainbiking, in Pieve Tretbootverleih und Tennisplätze
Museum: palafitteledro.it
Restaurants:
Pizzeria al Lago: gute Pizzeria direkt am See; kein Gericht über 15 EUR. Nach dem Pranzo geht man ein paar Schritte zum Tretbootverleih. Das Auto kann man am Restaurant-Parkplatz stehen lassen; Via al Lago 3 in Molina di Ledro, Tel. +39 0464 508202
Acetaia: bestes Carne salada e Fasoi (mit braunen Bohnen) für 13 EUR, Steak von der eigenen Rinderzucht 20 EUR; Strada di San Zeno 2 in Tenno, Tel. +39 0464 550064,acetaiadelbalsamico.it
Unterkunft:
Hotel San Carlo: 3-Sterne-Hotel direkt am See mit Privatsteg; DZ ab 75 EUR; Via Maffei 115 in Molina di Ledro, Tel. +39 0464 508115, hotelsancarlo.info
3 Valle dei Laghi
EIN POET NAMENS MUSSOLINI
Valle dei Laghi, das Tal der Seen, von denen es mit den Laghi Terlago, Santa Massenza, Cavedine, Toblino vier größere und dazu noch etliche kleinere Gewässer gibt. Sowohl Olivenbäume als auch bereits Nadelbäume bestimmen das Tal, das nach Norden von den Dolomiten abgeschlossen wird. Und im romantisch gelegenen Castel Toblino ereignete sich nicht nur bei Mondschein Sonderbares …


Castel Toblino
Wie geschaffen für Seitensprünge liegt das Castel Toblino romantisch auf einer Halbinsel im Toblinosee. Den Bekanntesten leistete sich im 17. Jahrhundert der Trentiner Fürstbischof Carlo Emanuele Madruzzo, der sich dort mit seiner Geliebten Claudia Particella traf. Es gab Kahnpartien im Mondschein, aber auch Mordversuche: Übereifrige Priester hatten es auf Claudia abgesehen. Im 20. Jahrhundert wurde eine Fortsetzungsgeschichte daraus, in der Trienter Zeitung „Il Popolo”, verfasst von einem gewissen Benito Mussolini. 13 Jahre später wurde der zunächst noch sozialistische Poet zum faschistischen Diktator Italiens. Wer hätte das gedacht …

Kletterwände bei Arco
Im schönen Valle dei Laghi ist das Castel Toblino ganz sicher das Highlight. Doch das Tal, das sich entlang der Sarca schlängelt, die später zwischen Riva und Torbole im Gardasee mündet, ist nicht nur hübsch, sondern auch praktisch: Im Hochsommer, wenn die Brenner-Autobahn manchmal schon ab Trento verstopft ist, kann man die A22 bei Trento-Nord verlassen und fährt über die SP235 und SS12 auf die SS45, die einen dann in der Regel schneller an den Gardasee bringt – schöner auf jeden Fall. Zumal man bei Dro einen Abstecher nach Afrika einlegen kann: Marocche wird ein acht mal zwei Kilometer großes Bergsturzgebiet genannt. Die bizarre Steinwüste ist durch den Rückzug eines Gletschers entstanden. Vor Kurzem wurden Spuren von Dinosauriern nachgewiesen. Den besten Blick auf Klein-Marokko hat man von der Burgruine Drena.

Castello di Arco
In südlicher Richtung geht es weiter an der Sarca entlang, in der viele „Gardasee“-Forellen gezüchtet werden, nach Arco. Die Ruine des Castello di Arco auf dem Burgberg, der im 90-Grad-Winkel hundert Meter abfällt, thront wie eine Kirsche auf der Sahnetorte. Aus 278 Metern hat man eine fantastische Sicht über Stadt und Sarca-Ebene. Durch Olivenhaine gelangt man in etwa 20 Minuten zum Kastell, dessen ältester Teil der obere Turm ist: Der Torre Renghera wurde schon 516 von den Goten erbaut.
Einkaufen:
Wochenmarkt ist in Arco am ersten und dritten Mittwoch im Monat, Flohmarkt an jedem dritten Samstag.
viele Fachgeschäfte für Kletterbedarf, zum Beispiel Salewa, Via Segantini 10
Arco selbst ist ein gepflegter Kurort mit Palmenalleen, renovierten Renaissancehäusern, aber auch jeder Menge Geschäfte für Kletterbedarf, denn der Ort hat sich längst als Top-Spot für Kletterer aus ganz Europa entwickelt. Die Weiterfahrt auf der SS45 endet am Gardasee.
Info
Lage: Valle dei Laghi, Region Trentino
Auskunft: Viale delle Palme 1 in Arco, Tel. +39 0464 532255, gardatrentino.it
Aktivitäten: 80 Klettergebiete, mehr als 600 Kletterrouten; einwöchiger Kletterkurs ca. 250 EUR, klettern-arco.com
Restaurants:
Alla Lega: Es gibt prima Carne salada, Kaninchen, Milchlamm, Grigliata mista (gemischte Grillplatte). Altehrwürdige Räume aus dem 16. Jahrhundert; Hauptgerichte 12 bis 16 EUR; Via Vergolano 8 in Arco, Tel. +39 0464 516205, ristoranteallalega.com
Ristorante Castel Toblino: Das Schloss kostet 10 EUR – in Form von Castello di cioccolato. Davor Ravioli mit Trüffel aus dem Valle dei Laghi; Hauptgerichte 15 bis 25 EUR; Via Caffaro 1 am Lago di Toblino, Tel. +39 0461 864036, casteltoblino.com
Unterkunft:
Villa Italia: charmantes 4-Sterne-Hotel, mit Stil eingerichtet; Parkettböden, Indoor-Pool, Dampfbad, Sauna; DZ ab 85 EUR; Viale delle Magnolie 29 in Arco, Tel. +39 0464 516183,villaitaliarco.it
4 Torbole
WIND UND WELLEN, BRETT UND SEGEL
In Torbole braucht man keine Uhr. Der Wind regelt Zeit und Leben im Ort. Vormittags und nachmittags, wenn der Wind bläst, sind alle draußen beim Surfen. Ansonsten tummelt sich das bunte Völkchen in Bars und Restaurants oder hängt im Circolo Surf ab. Das höher gelegene Nago ist nur Durchgangsort, doch ein paar Kilometer zuvor findet man in Mori die beste Gelateria …

Verena Fauster weiß, wovon sie spricht. Der Gardasee ist ihr Revier. Die 42-Jährige ist nicht nur Biologie-Lehrerin, sondern war noch vor wenigen Jahren Welt- und Europameisterin im Slalom-Windsurfen. Während der italienischen Sommerschulferien kann man sie beinahe täglich im Circolo Surf in Torbole treffen. Viele kennen sie, fragen nach Tipps – und die Südtirolerin gibt gerne Antwort. „Der tolle Mix zwischen Nord- und Südwind ist einzigartig“, sagt sie. „Und dass sich in Torbole wirklich alles ums Surfen dreht – von früh bis nachts – das liebe ich! Für mich gibt’s einfach kein besseres Surfrevier.“

Surfer vor Torbole
Im Zentrum aller steht der Zweckbau des Circolo Surf, wo man Leute trifft und abhängt, Kurse gebucht werden können und Wettkämpfe ausgerichtet werden. Die Moves der besten Freestyler anzuschauen, ist wahrlich eine Augenweide, selbst wenn man, wie die meisten Tagesgäste, nicht vom Fach ist.

Verena Fauster

Bei Tempesta
Torbole ist einer der beliebtesten Surfspots Europas, worauf sich der Ort natürlich eingestellt hat. Es gibt beste Infrastruktur mit Surf- und Outdoorshops, Verleihstationen für Brett wie Bike. Denn wer Torbole als Urlaubsdomizil gewählt hat, geht täglich aufs Brett oder Mountainbike. Dann beginnt das endlose Kilometerfressen auf dem Lago-Highway zwischen Torbole und Riva – jeden Tag, von Ostern bis weit in den Oktober hinein. Kiten ist wegen der Dichte von Surfern zwischen Torbole und Riva übrigens verboten.
Für sehr viele ist Torbole aber auch der erste Kontakt zum See: Plötzlich tut sich der Süden auf! Entlang der Serpentinenstraße, von Nago runter nach Torbole, begrüßen Zypressen und Oleander, unten, am Wasser, auch Palmen und Agaven. Und man stößt sogleich auf die Casa del Dazio, das niedliche Zollhäuschen, das auf der Mole des kleinen Hafens steht. Es markierte bis 1918 noch die Grenze zwischen Österreich und Italien. Etwas versteckt im Ortskern liegt die Casa Alberti, wo neben dem Zierbrunnen eine Inschrift an den kurzen Aufenthalt von Johann Wolfgang von Goethe 1786 erinnert: „Heute habe ich an der ‚Iphigenie’ gearbeitet, es ist im Angesichte des Sees gut vonstatten gegangen.”
Die Dorfkirche Sant'Andrea wurde 1175 erstmals erwähnt. Vom Kirchplatz mit Zypressen- und Olivenbaumreihen hat man eine schöne Aussicht. Das gilt auch für die Marmitte dei Giganti: Einen Gang in die Eiszeit könnte man den Weg zu den Gletschermühlen nennen. Mehr Sightseeing bietet Torbole allerdings nicht. Doch dafür muss die kurioseste Geschichte in der Historie des Orts erzählt werden: Wer erinnert sich nicht an Fitzcarraldo? Der Opernfan und Kautschukbaron wollte im Amazonas-Gebiet ein Schiff über einen Bergrücken ziehen. 1438, also weit vor Fitzcarraldo, ging es sogar um mehr als 30 Schiffe, die über die nördlichen Monte-Baldo-Ausläufer geschleppt wurden. 1438 hatten die Mailänder den ganzen See besetzt. Venedig wollte aber am Gardasee präsent sein und seine Kriegsschiffe in den See bringen. Also hatte man die Idee, die Flotte von der Etsch über die Berge nach Torbole zu schaffen, was man mit gigantischem Aufwand – Sprengung einer Straße in den Fels, Hunderte von Bäumen als Rollen und 2000 Ochsen in Gespannen – auch tat. Während der zweijährigen Kämpfe unterlagen die Venezianer zwar in einer ersten Seeschlacht, siegten aber letztendlich über die Mailänder und nahmen 1440 den gesamten Gardasee in Besitz. An der Kirche Sant‘ Andrea geht es über die Via Pontalti und die Strada Santa Lucia nach oben: Auf dieser Route wurden die venezianischen Kriegsschiffe transportiert. Ein schöner Weg auch für Geschichtsmuffel …

Torbeles Mole mit Zollhäuschen

Marmitte dei Giganti
Einkaufen:
Jeden zweiten und vierten Dienstag ist Markt.
Für Surfer das Mekka: Point 7 Store, außerhalb des Ortszentrum in der Via Sabbioni 15, point-7.com
Strand: Kiesstrand Al Cor, Liegestuhlverleih, kein Eintritt
Unterhaltung: Surf-Tratsch und Remmidemmi gibt’s in der Wind’s Bar; allabendlich gefällt es Hunderten; Via Matteotti 11, windsbar.com
Veranstaltungen: jede Menge hochkarätige Surfwettbewerbe , sogar Weltmeisterschaften!; Termine unter circolosurftorbole.com
Info
Lage: Torbole, Region Trentino – 2500 Einwohner
Auskunft: Lungolago Verona 19, Tel. +39 0464 505177, gardatrentino.it
Aktivitäten:
Surfen, surfen, surfen! Treffpunkt ist Circolo Surf mit eigenem Strand; Gruppensurfkurse ab 20 EUR, Brettverleih pro Tag ca. 35 EUR; circolosurftorbole.com
Für Mountainbiker gibt es genauso viele Strecken wie Touranbieter.
Restaurants:
Surfer‘s Grill: Fischplatte mit sieben verschiedenen Fischsorten, kein Seeblick; Hauptgerichte 12 bis 22 EUR; Via Sarca Vecchio 5, Tel. +39 0464 505930, surfersgrill.it
Al Forte Alto: Zwischen dicken Steinmauern tafelt man im Fort aus dem 19. Jahrhundert trentinisch – Chef Marcello Franceschi kredenzt die Ravioli mit Speck aus dem Val di Non und die Carne salada gibt’s als Carpaccio; Hauptgerichte 15 bis 25 EUR; Via Castel Penede 26 in Nago, Tel. +39 0464 505566, alfortealto.it
Gelateria Bologna: Jeder Umweg lohnt für das beste Eis rund um den See, besonders Himbeer, Pistazie sowie die Millefoglie; Via Garibaldi 12 in Mori, Tel. +39 0464 918475, gelateriabologna.com
Unterkünfte:
Die Albergi in Torbole sind für Leute, die mit dem Rigg vom Bett zum Wasser nur ein paar Meter zurücklegen wollen.
Villa Tempesta: Mit toller Lage, ruhig und spektakulär auf einem Felsen direkt über dem See gelegen, modern und mit Pool ist die 3-Sterne-Villa eine Alternative im gleichnamigen Vorort (drei Kilometer südlich); DZ ab 150 EUR; Tempesta, Tel. +39 0464 505100, villatempesta.it
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