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Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir uns entschlossen, durchgängig die männliche (neutrale) Anredeform zu nutzen, die selbstverständlich die weibliche mit einschließt.
Das vorliegende Buch wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder der Autor noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, Haftung übernehmen.
JIMMY CZIMEK

VOLLEYBALL
ALLES, WAS MAN WISSEN MUSS

Volleyball – Alles was man wissen muss
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© 2021 by Meyer & Meyer Verlag, Aachen
Auckland, Beirut, Dubai, Hägendorf, Hongkong, Indianapolis, Kairo, Kapstadt, Manila, Maidenhead, Neu-Delhi, Singapur, Sydney, Teheran, Wien
Member of the World Sport Publishers’ Association (WSPA)
Gesamtherstellung: CPI – Clausen & Bosse, Leck
ISBN 978-3-8403-7741-9
eISBN 978-3-8403-3761-1
E-Mail: verlag@m-m-sports.com
www.dersportverlag.de
INHALT
Vorwort von Georg Grozer junior
1 Einleitung
2 Wie alles anfing
3 Volleyball in Deutschland und auf der ganzen Welt
3.1 Entwicklung des Spiels in Deutschland
3.2 Volleyball in anderen Ländern
4 Was wird denn da gespielt?
4.1 Was wird gespielt? Die Spielidee
4.2 Wo wird gespielt? Das Spielfeld & Netz
4.3 Wie wird gespielt? Die Spielregeln
4.4 Wer leitet das Spiel? Das Schiedsgericht und seine Zeichen
4.5 Das Adlerauge: Die Video-Challenge
5 Die Akteure auf und neben dem Spielfeld
5.1 Der 10er des Volleyballs: Der Zuspieler
5.2 Die Universalgenies: Die Annahme-Außenangreifer
5.3 Lang und unterschätzt: Die Mittelblocker/Schnellangreifer
5.4 Kaiserlich: Der Diagonalangreifer
5.5 Defensiv-Spezialist: Der Libero
5.6 Neben dem Spielfeld: Das Trainerteam
5.7 Das Team hinter dem Team
6 Techniken & Taktiken
6.1 Die Eröffnung jedes Ballwechsels: Der Aufschlag
6.2 Der erste Kontakt des Spielaufbaus: Die Annahme
6.3 Technisch anspruchsvolle Assists: Das Zuspiel
6.4 Die Königsdisziplin: Der Angriff
6.5 Defense in der Luft: Der Block
6.6 Defense am Boden: Die Abwehr
6.7 Stets vernachlässigt: Die Angriffssicherung
7 Wie analysiere ich ein Spiel?
7.1 Der Spielberichtsbogen
7.2 Die Spielstatistik: Der Matchreport
8 Verband und Liga
8.1 Deutscher Volleyball-Verband (DVV)
8.2 Die Volleyball Bundesliga (VBL)
8.3 Die Landesverbände
8.4 Der Europäische Volleyballverband: Confédération Européenne de Volleyball (CEV)
8.5 Der Weltverband: Fédération Internationale de Volleyball (FIVB)
9 Wettbewerbe im Volleyball
9.1 Wettbewerbe im Vereinsvolleyball
9.1.1 Deutsche Meisterschaft
9.1.2 DVV-Pokal
9.1.3 Supercup
9.1.4 Champions League
9.1.5 CEV-Pokal
9.1.6 Challenge-Cup
9.1.7 Klub-Weltmeisterschaft
9.2 Wettbewerbe der Nationalteams
9.2.1 Olympische Spiele
9.2.2 Weltmeisterschaft
9.2.3 World Cup
9.2.4 Volleyball Nations League (VNL)
9.2.5 Europameisterschaft
10 Die erfolgreichsten Volleyballteams der vergangenen zehn Jahre
10.1 Vereinsteams aus Deutschland
10.1.1 Allianz MTV Stuttgart (Frauen)
10.1.2 Dresdner SC (Frauen)
10.1.3 SSC Palmberg Schwerin (Frauen)
10.1.4 BERLIN RECYCLING Volleys (Männer)
10.1.5 VfB Friedrichshafen (Männer)
10.2 Nationalmannschaften
10.2.1 Deutschland
10.2.2 Brasilien
10.2.3 Russland
10.2.4 Italien
10.2.5 USA
10.2.6 China
10.2.7 Polen
10.2.8 Türkei
11 Die berühmtesten Volleyball-Namen aller Zeiten
11.1 National
11.1.1 Stelian Moculescu
11.1.2 Burkhard Sude
11.1.3 Renate Riek-Bauer
11.1.4 Susanne Lahme
11.1.5 Stefan Hübner
11.1.6 Angelina Hübner (geb. Grün)
11.1.7 Georg Grozer junior
11.1.8 Margareta Kozuch
11.1.9 Louisa Lippmann
11.1.10 Athanasios Papageorgiou
11.2 International
11.2.1 Charles Frederick „Karch“ Kiraly
11.2.2 Lorenzo Bernardi
11.2.3 Andrea Giani
11.2.4 Mireya Luis
11.2.5 Nikola Grbic
11.2.6 Sergio Dutra Santos
11.2.7 Jekaterina Gamowa
11.2.8 Saeid Marouf
11.2.9 Kim Yeon-koung
11.2.10 Wilfredo Léon
11.2.11 Zhu Ting
12 Varianten des Sportspiels Volleyball
12.1 Beach-Volleyball
12.2 Snow-Volleyball
12.3 Sitzvolleyball
12.4 Standvolleyball
13 Volleyball-ABC
1 Literaturverzeichnis
2 Bildnachweis
VORWORT VON GEORG GROZER JUNIOR
„Die perfekte Sportart!“
Volleyball ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Als Kind habe ich zwar auch Basketball und Fußball ausprobiert, aber Volleyball bietet so viele Facetten, die ich bei anderen Mannschaftssportarten nicht gefunden habe, dass ich dabeigeblieben bin. Was ich damit meine? Es ist ein rasantes Spiel mit durchgängig Action – alle paar Sekunden fightet man wieder um den nächsten Punkt. Diese Sportart besitzt so viel Speed; als Spieler ist man permanent in Bewegung, hat viele Ballkontakte und ist durchgängig am Spielgeschehen beteiligt.
Man kann seine Emotionen zeigen und ist dennoch durch das Netz vom Gegner getrennt und hat somit auch keinen Körperkontakt mit diesem. Trotzdem entsteht eine Atmosphäre voller positiver Aggressivität, Hingabe und Leidenschaft, mit der man eine Halle voller Zuschauer fesseln kann. Und: Volleyball ist ein Mannschaftssport, bei dem der Zusammenhalt eine entscheidende Rolle spielt, denn ein Spieler alleine kann kein Spiel gewinnen. Das Wichtigste ist jedoch: Volleyball macht einfach Spaß! Und das von jung bis alt, egal ob in der Halle oder am Strand.
Ja, Volleyball hat mich meinen Traum leben lassen. Beim Volleyball konnte ich die Person sein, die ich sein wollte und meinen eigenen Charakter ausleben.
Dieses Buch soll auch Ihnen, liebe Leser, den Zutritt zu meiner Sportart ermöglichen. Ich würde mich freuen, wenn es Ihnen meine Lieblingssportart näherbringt und auch Sie das Volleyballfieber packt. Dazu hat Jimmy für Sie nicht nur ein Buch voller Wissen geschrieben, sondern lässt Sie mit zahlreichen Einblicken „aus erster Hand“ tiefer in die Sportart blicken.
Ich hoffe, wir sehen uns in der Zukunft bei einem packenden Spiel,
Ihr Georg Grozer junior
1
EINLEITUNG
In diesem Buch biete ich Ihnen einen Einblick in die faszinierende Welt des Volleyballs. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob Sie sich bereits in dieser Sportart auskennen oder gar Experte sind, sondern ich möchte Ihnen in dieser Lektüre die Sportart so einfach wie möglich erklären. Wenn Sie in Zukunft ein Spiel im Fernsehen oder – besser noch – live in der Halle sehen, so hoffe ich, dass Sie das Geschehen auf dem Feld mit etwas anderen Augen sehen werden und Ihnen viele Dinge verständlicher sind.
Zu Beginn möchte ich Ihnen die Entstehung und Verbreitung des Volleyballspiels näherbringen. Im Anschluss erkläre ich Ihnen das Spiel mit seinen wichtigsten Spielregeln und stelle Ihnen die einzelnen Akteure, die Spielpositionen auf und neben dem Spielfeld vor. Anschließend erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Techniken und Taktiken der manchmal kompliziert wirkenden Sportart.
Da mittlerweile zu jedem Erstligaspiel Matchreports im Internet frei zugänglich sind, stelle ich Ihnen das Lesen eines solchen Bogens sowie des Spielberichtsbogens in seinen Grundzügen vor. Zusätzlich biete ich Ihnen einen Überblick über das auf den ersten Blick verwirrend wirkende Geflecht aus Liga und nationalen Verbänden und zeige Ihnen im Anschluss die zahlreichen nationalen und internationalen Vereins- und Nationalmannschafts-Wettbewerbe auf. Nach der Präsentation der besten deutschen Teams und erfolgreichsten Nationalmannschaften dürfen natürlich auch die erfolgreichsten Spielerinnen und Spieler aus dem In- und Ausland nicht fehlen.
Am Ende möchte ich Sie auf die Reise zu den mit Volleyball verwandten Sportarten Beach-Volleyball und Snow-Volleyball mitnehmen und das Volleyballspiel der Menschen mit Behinderung in Form von Sitz- und Stand-volleyball thematisieren. Zum Abschluss habe ich Ihnen ein Volleyball-ABC mit den wichtigsten Fachbegriffen zum Nachschlagen erstellt, mit dessen Hilfe Sie Kommentatoren und Experten besser verstehen können.
Über das gesamte Buch hinweg sollen Sie Volleyball-Rekorde zum Staunen bringen. Darüber hinaus veranschaulichen zahlreiche von mir persönlich gesammelte Zitate von Volleyball-Persönlichkeiten die Themen und bringen Ihnen diese auf authentische Art und Weise näher. Vielen Dank an dieser Stelle für Eure Unterstützung!
Bedanken möchte ich mich zudem bei meinen Volleyball-Studierenden des großen Schwerpunktfachs Volleyball an der Deutschen Sporthochschule Köln: Mona Dexel, Sebastian Graw, Emma Kohlhoff, Christian Petermann, Miguel Reuss, Jördis Richter, Benedikt Rist, Joline Schmude, Linnea Schneider, Lene Stegelmann und Jakob Wächter sowie meinem Absolventen Patrik „Zimbo“ Zimmermann, die mich tatkräftig bei der Vorarbeit und Recherche unterstützt haben.
Zuletzt ein großer Dank an einen Mann, der das Volleyballspiel in Deutschland in den vergangenen beiden Jahrzehnten geprägt hat wie kein anderer: Georg Grozer junior. Er hat sich sofort bereit erklärt, das Vorwort für dieses Buch zu schreiben. Georg, vielen lieben Dank dafür!
Auch wenn vielleicht nicht Alles, was man über Volleyball wissen muss in ein einziges Buch passt, so hoffe ich, dass ich Ihnen hier die wichtigsten und interessantesten Themen der Sportart Volleyball zusammengestellt habe. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
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WIE ALLES ANFING …
DIE GESCHICHTE DES VOLLEYBALLSPIELS
Ballspiele haben eine lange Tradition und der Ball ist das vermutlich älteste Sportgerät der Welt. Ob im Reich der Mitte, bei den Azteken oder den Mayas, Vorläufer von Ballsportspielen sind bis zu 4000 Jahre v. Chr. überliefert. Reine Hochballspiele, welche sich durch Schlagen des Balls, um ihn in der Luft zu halten, kennzeichnen, wurden zu Formen der Hin- und Rückschlagspiele weiterentwickelt. Das römische Trigon oder das aztekische Indiaka waren solche, bei welchen zwei Parteien versuchten, sich das Spielgerät so lange wie möglich hin und her zu spielen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder unterschiedliche Spielformen, welche sich jedoch nie längerfristig durchzusetzen schienen. Dies änderte sich Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. In Europa entwickelten sich Sportarten wie Fußball, Handball oder Hockey. In Amerika entstanden American Football, Baseball und auch Basketball.
William G. Morgan war ein Sportlehrer eines YMCA-Instituts im US-amerikanischen Holyoke im Staat Massachusetts. Dieser suchte für ältere und körperlich beeinträchtigte Männer eine Alternative für das nur wenige Jahre zuvor in Springfield von James Naismith entwickelte Basketballspiel, da er die Ansicht vertrat, dass sich Basketball vornehmlich für Jüngere eignet. Er wollte ein Spiel mit wenig Körperkontakt, sodass er Elemente von Tennis, Minton (eine Art Squash) und Handball in „Mintonette“ einfließen ließ, die Schläger entfernte und das Netz anhob.
Diese Spielform stellte Morgan 1896 seinen Kollegen des YMCA Colleges in Holyoke vor, indem zehn Spieler (in einem fünf gegen fünf Spieler) einen Ball aus Kalbsleder so lange wie möglich über ein Netz hin und her spielten. Ein Lehrer merkte an, dass es doch eher „Volley Ball“ heißen solle, da der Ball durchgängig in der Luft gehalten werde (im Englischen „volley“). Dies wurde von Morgan akzeptiert, sodass die Sportart Volleyball 1896 offiziell ins Leben gerufen wurde.
Die inoffiziell beschlossenen Regeln hatten 1896 noch wenig mit dem heutigen Regelwerk gemein, die Spielidee war jedoch geboren. Die Netzhöhe betrug beispielsweise 1,98 Meter, die Spielfeldgröße 7,62 x 15,24 Meter (25 x 50 feet) und die Spieleranzahl sowie Ballkontakte waren im Gegensatz zu heute unbegrenzt. Seit 1895 wurden zahlreiche Regeln angepasst, modifiziert und neu eingeführt. 1897 erfolgte eine erste Niederschrift der Regeln im Athletic Handbook, welche aber immer wieder grundlegend überarbeitet wurden.
Über die YMCA-Bewegung breitete sich das Spiel schnell aus. Deren Anhänger, insbesondere Studierende, brachten den Sport in die Welt. Bereits 1900 wurde „Volley Ball“ in Kanada gespielt, 1906 gelangte das Spiel nach Kuba. Ein Studierender der Bewegung führte die Regeln 1908 erstmals in Tokyo in Japan vor, von wo aus die Sportart 1910 nach China und auf die Philippinen gelangte.
Durch den Ersten Weltkrieg brachten amerikanische Soldaten den Sport auch nach Afrika und Europa. Besonders in Osteuropa fand „Volley Ball“ begeisterten Anklang, aber auch in Italien wurden die Leute von dem Spiel angesteckt, welches US-Luftstreitkräfte erstmals 1917 bei Ravenna vorführten.
Bis 1917 vergrößerte sich die Netzhöhe bis zu 2,43 Meter und die für einen Satzgewinn notwendigen Punkte wurden von 21 auf 15 reduziert. Zudem wurde festgelegt, dass zum Gewinn eines Matches ein Team zwei von drei Sätzen gewinnen muss. Seit 1920 besteht die Regel, dass ein Team maximal drei Kontakte haben darf, bevor der Ball das Netz überqueren muss.
Durch das immer höher werdende Netz mussten neue Lösungen gefunden werden, den Gegner unter Druck zu bringen, da der Ball bis dato als scharf gespielter Ball zum Gegner gespielt wurde. Auf den Philippinen wurde um 1920 der Angriffsschlag (Spike) entwickelt, wodurch, auch wenn es nicht in den Regeln stand, erste Blockversuche entstanden. Die höhere Bedeutung des Angriffsschlags für das Volleyballspiel gab dem Zuspiel einen höheren Stellenwert und es wurde zuehmend präzisiert.
Schon gewusst? Die erste Angriffstechnik im Volleyball wurde nach den Erfindern „Philippino-Bombe“ benannt.
Durch das hohe Netz werden neue Absprungtechniken ausgearbeitet, Trefffläche beim Schlag war nicht mehr die Faust, sondern die Handinnenfläche, um eine höhere Präzision in die Schläge zu bringen. Der hinteren Reihe, das heißt der netzfernen Reihe, war es seit 1922 nicht mehr gestattet, am Netz anzugreifen.
Im Jahr 1923 wurde die Spieleranzahl auf sechs Spieler pro Seite (plus zwölf Ersatzspieler) festgelegt, die feste Rotation der Aufschlagreihenfolge eingeführt, eine Mittellinie unterhalb des Netzes zur Feldabgrenzung beschlossen und zwei aufeinanderfolgende Ballkontakte eines Spielers verboten. Zudem musste der Aufschlag an der hinteren Linie rechts ausgeführt werden.
Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris wurden neben anderen amerikanischen Sportarten auch Volleyball als Demonstrationssportart vorgestellt. Ein Jahr darauf entstand in den Niederlanden die Zählweise, dass man für einen Satzgewinn beim Stand von 14:14 zwei Punkte Vorsprung haben muss und nicht wie bisher, nur zwei aufeinanderfolgende Punkte zu einem Satzgewinn führen. 1930 wurde der Block offiziell ins Regelbuch aufgenommen und der Doppelblock 1938, nachdem die Tschechoslowakei diese Techniken bereits fest in ihr Spiel integriert hatten.
Ab dem Jahr 1935 wurden Kreuze auf das Parkett gezeichnet, um die Spielerpositionen zu bestimmen. Die Netzberührung wurde als Foul betrachtet und eine weitere, wichtige Regel betraf die Angreifer: Es war verboten, das Spielfeld zu verlassen, solange der Ball auf der Angreiferseite im Spiel war. Bis dahin war es üblich, dass der Angreifer während des Satzes von außerhalb anlief und dann mit einem Bein absprang.
Erste Organisationsstrukturen entstanden in vielen Ländern bereits in den 20er- und 30er-Jahren. Erste nationale Verbände gründeten sich, nationale Ligen und Meisterschaften wurden erstmals abgehalten. 1947 war es schließlich soweit: 14 nationale Verbände gründeten den Weltdachverband „Fédération Internationale de Volleyball“, kurz FIVB (siehe Kapitel 8.5). Die Gründung brachte auch die Anpassung der offiziellen Regeln der einzelnen Kontinente und Regionen mit sich und führte zu einheitlichen Regelungen weltweit. Man einigte sich auf die festgeschriebene Feldgröße von 9 x 18 Metern und bei den Männern auf eine Netzhöhe von 2,43 Metern, bei den Frauen auf eine Höhe von 2,24 Metern. Ein Spiel war von nun an gewonnen, wenn ein Team drei Sätze für sich entschieden hat. Nur Asien behielt zunächst abweichende Regeln zum Dachverband. Das Feld war größer und man spielte beispielsweise statt einem sechs gegen sechs ein neun gegen neun in drei Dreierreihen.
Ägypten war ebenfalls im Jahr 1947 das erste arabische und afrikanische Land, das Volleyball-Aktivitäten entfaltete und einen nationalen Verband gründete.
Ein Jahr später fand die erste Europameisterschaft der Männer in Rom statt, welche von der Tschechoslowakei gewonnen wurde. Jetzt musste jeder Spieler während des Aufschlags auf „seiner Position“ sein und Punkte, die durch einen falschen Aufschlagspieler erzielt worden waren, wurden annulliert. 1949 fanden die ersten Weltmeisterschaften der Männer in Prag statt, parallel dazu die erste Europameisterschaft der Frauen. Am Ende durften sich jeweils die Teams der UdSSR zum Sieger krönen. Bei der Premieren-WM der Männer spielte die UdSSR erstmals mit einem Läufersystem im Sinne des 1:5. Dies bedeutet, dass ein Spieler fest als Zuspieler abgestellt wird, welcher die Bälle am Netz auf drei mögliche Angreifer verteilt. Auf seinem dritten Kongress im Jahr 1951 entschied die FIVB, dass die Hände der Spieler während des Blockens am Netz übergreifen dürfen, jedoch nur in der Schlussphase des Angriffs.
1952 wurde schließlich auch die erste Weltmeisterschaft der Frauen in Moskau ausgetragen, bei welcher sich auch hier das Heimteam den Titel holte. 1955 führte auch der japanische Volleyballverband die internationalen Spielregeln ein und schrieb sich auf die Fahne, dies auch für die mitasiatischen Länder durchzusetzen.
Bei der Europameisterschaft der Männer 1958 in Prag überraschte das Team der Tschechoslowakei mit einer neuen Technik, dem Annahme- und Abwehrbagger. Diese neue revolutionäre Technik war vermutlich mit ausschlaggebend für den Titelgewinn der Tschechen. Nun waren alle Volleyball-Grundtechniken, welche sich seither nicht grundlegend verändert haben, komplett.
Schon gewusst? Die Technik des Baggers wurde erst im Jahr 1958 erfunden, lange nach der ersten Weltmeisterschaft und sogar erst nach der Einführung des Läufersystems.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschloss 1961 die Aufnahme der Sportart Volleyball für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio. Bei diesen ersten Spielen gewannen die UdSSR bei den Männern, der Gastgeber bei den Frauen. Dabei war Volleyball die erste olympische Mannschaftssportart für weibliche Athletinnen.
Ein Jahr vor den Olympischen Spielen wurde der europäische Volleyballverband CEV (Confédération Européenne de Volleyball, siehe Kapitel 8.4) ins Leben gerufen. Dieser war von nun an für die Organisation, Leitung und Durchführung aller länderübergreifenden, innereuropäischen Wettbewerbe zuständig.
1974 wurde Polen erstmals Weltmeister. Neu war, dass diese Mannschaft mit Hinterfeldangriffen beeindruckte und so variabel über mehr Positionen als vorher üblich angreifen konnte, welches noch im selben Jahr auch im Regelbuch verfestigt wurde.
Aus erster Hand … „Bis weit in die 70er-Jahre gab es praktisch kein (gewolltes) Zuspiel im Sprung. Heute muss das neben den Zuspielern jeder Libero beherrschen.“
Wolfgang Schütz, ehemaliger Sportdirektor des WVV und langjähriger Ex-Spieler und -Trainer
Im Jahr 1980 wurde kurzzeitig der „Block gegen den Aufschlag“ erfunden: Ein oder mehrere Netzspieler standen am Netz, um den gegnerischen Aufschlag direkt und aktiv zu blocken oder sogar direkt (ohne Übergreifen) zurückzuschlagen. Nach den Olympischen Spielen 1984 wurde die Regel aber bereits wieder abgeschafft – damit war sie wohl eine der kurzlebigsten Regeln in der Volleyballgeschichte.
Aus erster Hand … „Die Entwicklung von Volleyball lässt sich gut am zeitlichen Aufwand erkennen. Anfang der 70er-Jahre wurde ca. dreimal zwei Stunden pro Woche trainiert – also sechs Stunden pro Woche. Heute kommt man an einem einzigen trainingsintensiven Tag schon auf diese Stundenzahl. Das spiegelt sich auch in der athletischen Entwicklung der Spieler wider. Heute gehört das Krafttraining ‚zum täglichen Brot‘. Als ich in den 80er-Jahren anfing, auch während der Wettkampfphase mit hohen Gewichten zu trainieren, erntete ich großes Kopfschütteln – ‚jetzt dreht der Sude völlig durch!‘ Höchstens zur Saisonvorbereitung wurden damals Hanteln aufgelegt.“
Burkhard Sude, 203-facher Ex-Nationalspieler in den 80er-Jahren
Bei den Olympischen Spielen 1984 erreichte der Silbermedaillengewinner Brasilien eine große Beachtung durch die Fähigkeit, Sprungaufschläge auszuführen. Die Idee war nicht neu – Argentinien hatte sie schon 1982 bei der Weltmeisterschaft versucht, aber noch nie hatte jemand sie zuvor so effektiv eingesetzt wie die Brasilianer.
Die Weltliga der Männer stellte 1990 eine Neuerung dar, welche die Vermarktung der Sportart auf ein anderes Level hob. Dieses Reiseturnier mit einem Preisgeld von einer Millionen US-Dollar lenkte eine große Aufmerksamkeit auf sich. Vor 10.000 Zuschauern gewann Italien vor Japan.
Das Preisgeld und das Prestige des Turniers wurden in den folgenden Jahren immer weiter gesteigert, drei weitere Siege Italiens später lag das Preisgeld 1994 bereits bei sechs Millionen US-Dollar. 1993 fand erstmals die Frauen-Weltliga statt, Sieger wurde Kuba.
Zum Jahr 1996 sorgte die neue Ganzkörperkontaktregel für Aufsehen: War bislang nur der Ball-Körper-Kontakt bis zum Knie erlaubt, so darf seitdem der Ball mit jedem Körperteil – auch mit dem Fuß – nicht nur passiv, sondern auch aktiv gespielt werden. Zudem wird der Aufschlagraum auf die gesamte 9m-Feldlinie verbreitert. Auch war nun die Doppelberührung beim ersten Ballkontakt möglich: Der Ball darf nacheinander Kontakt mit verschiedenen Körperteilen haben, vorausgesetzt sie erfolgen innerhalb derselben Aktion. Die schließt auch die Doppelberührung beim oberen Zuspiel mit ein – damit war seitdem die Annahme im Pritschen erlaubt.
1999 geschahen die letzten größeren Regeländerungen der FIVB. Der Trainer musste nicht mehr auf der Bank sitzen, sondern er durfte nunmehr auch innerhalb der Freizone vor der Mannschaftsbank bis hin zur Aufwärmfläche stehen oder sich dort bewegen.
Aus erster Hand … „Früher mussten die Coaches auf der Bank sitzen und durften ausschließlich in den Auszeiten und nach dem Seitenwechsel etwas sagen – ansonsten gab es Strafen! Dann wurde ‚aktives Coachen‘ erlaubt und einige nutzten das, um als ‚Rumpelstilzchen‘ am Spielfeldrand ihre Emotionen auszuleben. Heute wird wieder (fast) jede emotionale Reaktion geahndet – dann können sich die Coaches doch auch wieder setzen, oder?!“
Wolfgang Schütz, ehemaliger Sportdirektor des WVV und langjähriger Ex-Spieler und -Trainer
Weitaus einschneidender war jedoch die Einführung einer neuen Zählweise: Statt nur Punkte nach eigenem Aufschlag erzielen zu können, führte von nun an nach dem Rally-Point-System jeder Spielzug zu einem Punkt. Die Satzlänge wurde mit diesem System angepasst, sodass ein Satz bis 25 Punkte geht, der fünfte Satz, der sogenannte Tie-Break, bis 15 Punkte. Jeder Satz muss mit zwei Punkten Vorsprung beendet werden. Zudem wurde der weiße durch einen bunten Ball abgelöst.
Eine weitere, große Veränderung war die Einführung des Liberos als reinem Annahme- und Abwehrspezialisten, welcher für einen Spieler in der Hinterzone eingetauscht werden kann, um eben jene Elemente zu verstärken. Diese Änderung führte zu einer noch stärkeren Spezialisierung auf den jeweiligen Positionen und zu einem noch höheren Größendurchschnitt und der Sport wurde noch schneller und athletischer.
Aus erster Hand … „Die Einführung des Liberos trägt seit längerem einerseits zur Rückentwicklung und fast Verarmung im taktischen und strategischen Bereich bei, aber anderseits hat sie die Entwicklung zu mehr Dynamik beeinflusst. Das Spiel ist sehr kraftvoll, sehr schnell und viel abhängiger von den physischen Voraussetzungen geworden.“
Athanasios Papageorgiou, langjähriger FIVB- und World Para Volley-Ausbilder
Nachdem 2009 kurzzeitig für sechs Jahre eine Netzberührung mit Ausnahme des weißen, oberen Netzbändchens erlaubt war, kehrte man im Jahr 2015 zur alten Netzregel zurück, dass das Netz während einer Spielaktion nicht berührt werden darf.
Aus erster Hand … „Volleyball hat sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren unglaublich entwickelt. Das Spiel, das wir jetzt sehen, ist schneller, dynamischer, aufregender als je zuvor geworden. In der Tat ist Volleyball so schnell geworden, dass unabhängige Zuschauer es im Männerbereich kaum noch mit bloßem Auge verfolgen können.“
Mark Lebedew, dreifacher Meistertrainer mit den BR Volleys und Ex-Trainer von Polens Spitzenklub Jastrzębski Węgiel
3
VOLLEYBALL IN DEUTSCHLAND UND AUF DER GANZEN WELT
3.1 ENTWICKLUNG DES SPIELS IN DEUTSCHLAND
Volleyball kam während des Ersten Weltkrieges auch nach Deutschland und wurde 1920 an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) in Berlin vorgestellt. Eine wirkliche Entwicklung dieser Sportart in Deutschland geschah jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in der sowjetischen Besatzungszone. Im Westen war der Sport hingegen kaum anzutreffen. Diese plötzliche Begeisterung für Volleyball in der damaligen DDR kann vermutlich auf die Begeisterung der Besatzungsmacht für diesen Sport zurückgeführt werden.
1951 wurde im Deutschen Sportausschuss der DDR die Sektion Volleyball in Leipzig gegründet. Erster DDR-Meister wurde sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern die HSG Geschwister Scholl Halle. 1955 zog der Westen in Kassel mit der Gründung des Deutschen Volleyball-Verbandes, kurz DVV, nach. 1957 wurde die Pädagogische Hochschule Hannover bei Frauen und Männern erster Meister der BRD.
Die erste Teilnahme beider Verbände an internationalen Wettkämpfen konnte man bei der Weltmeisterschaft 1956 verbuchen. Während Vertretern der BRD international nur die Teilnehmerurkunde zugewiesen werden konnte, entwickelte sich die DDR zu einer international konkurrenzfähigen Volleyballnation. Dem SC Leipzig gelang 1964 der Sieg im Europapokal der Männer. Die männliche Nationalmannschaft der DDR holte 1969 in Berlin den Weltpokal. Im darauffolgenden Jahr wurde die Mannschaft in Sofia nach einem spektakulären Comeback im fünften Satz gegen Bulgarien Weltmeister. 1972 folgte Olympiasilber in München hinter Japan.
Auch die BRD nahm mit einer Auswahl an den Olympischen Spielen teil. Die Spiele von München weckten nun auch in der Westbevölkerung das Interesse an Volleyball und es entstand im Westen ein „Volleyballboom“. Zahlreiche Mannschaften und Vereine wurden gegründet, 1974 entstand die 1. Bundesliga der Männer, 1976 die der Frauen.
1975 gewann der SC Traktor Schwerin den Europacup der Pokalsieger der Frauen und 1978 sogar den Europapokal der Landesmeister. 1980 gelang der weiblichen Auswahl der DDR Olympiasilber in Moskau. Es folgten zwei Europameistertitel ´83 und ´87. Am 9. Dezember 1990 konnte man die Vereinigung beider Verbände in West-Berlin feiern.
Der Deutsche Volleyball-Verband (siehe Kapitel 8.1) umfasst 17 Landesverbände mit 4.976 Vereinen (Stand 2016), 6.693 Mannschaften und 405.461 Mitgliedern (Stand 2019). Im Jahre 1998, neun Jahre nach der Wiedervereinigung, konnte der DVV die bisher größte Anzahl mit 535.627 Mitgliedern in seiner Geschichte sowie ein Jahr zuvor 5.474 Vereine und 11.897 Mannschaften aufweisen. Dies ist vor allem auf die aus Japan stammende Anime-Fernsehserie „Mila Superstar“ zurückzuführen, welche zwischen 1993 und 1997 ausgestrahlt wurde. Dieser Boom führte vor allem bei den jungen weiblichen Mitgliedern zu einer Wachstumsrate von 77 Prozent in den Jahren ’94-’97. Die Zahl der Volleyball spielenden Mädchen unter 18 Jahren stieg in diesem Zeitraum von 61.137 auf 108.526 an. Bei den Jungen stieg die jährliche Wachstumsrate ebenfalls an, war aber nicht so enorm wie bei den Mädchen. Nach Absetzung der Serie flachte auch der Zuwachs wieder stark ab, aber der deutsche Volleyball profitiert noch bis heute von den Auswirkungen dieses Booms.
In den Jahren 2000 und 2004 konnte die deutsche Nationalmannschaft der Frauen einen Platz bei den Olympischen Spielen in Sydney und Athen verbuchen, die Männer 2008 in Peking und 2012 in London. 2011 und 2013 holten die deutschen Frauen ihren größten internationalen Erfolg seit der Wiedervereinigung mit jeweils einer Silbermedaille bei den Europameisterschaften. Der bedeutendste internationale Erfolg der jüngeren deutschen Volleyballgeschichte ist die Bronzemedaille der Männer bei der Weltmeisterschaft 2014 in Polen.
Aus erster Hand … „Bei der WM 2014 ist mit der Bronze-Medaille, die keiner von uns im Vorfeld erwartet hatte, ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir waren jung und haben ein solch geniales Turnier gespielt – das werde ich – genauso wie Olympia 2012 und die EM 2017 nie in meinem Leben vergessen und es war definitiv eines der Highlights in meiner Karriere.“
Georg Grozer junior, 165-facher Nationalmannschafts-Diagonalangreifer
Um den nationalen Vereinssport weiter voranzutreiben, wurde 2006 die Deutsche Volleyball Liga (DVL) mit Sitz in Berlin gegründet. Diese wurde 2012 in Volleyball Bundesliga (VBL, siehe Kapitel 8.2) umbenannt. Diese organisiert die 1. und 2. Bundesliga und soll einer besseren Vermarktung und Medienpräsenz und Verbesserung der nationalen Vereins- und Ligastrukturen dienen.
Mit „Sport1“ hat die VBL einen Fernsehsender gefunden, welcher seit der Saison 2017/2018 zahlreiche Spiele der 1. Bundesliga im Free-TV überträgt. Zudem konnte „Sporttotal.tv“ als Streamingplattform für sämtliche Spiele der 1. und zahlreiche Spiele der 2. Bundesliga ins Boot geholt werden.
Bei den Frauen ist Volleyball mittlerweile die zuschauerstärkste Mannschaftssportart in Deutschland und die einzige, welche ihrem männlichen Pendant im Zuschauerschnitt in nichts nachsteht, auch wenn die BERLIN RECYCLING Volleys mit einem Zuschauerschnitt von über 5000 Fans in der Max-Schmeling-Halle sogar europaweit führend sind.
3.2 VOLLEYBALL IN ANDEREN LÄNDERN
Der internationale Volleyballverband FIVB umfasst weltweit rund 150 Millionen Mitglieder. Das ist zum Vergleich doppelt so viel wie die FIFA im Fußball. Ein Sechstel der Weltbevölkerung kommt Schätzungen zufolge regelmäßig mit Volleyball in Kontakt, ob als Zuschauer oder als Spieler.
Besonders groß ist die Begeisterung für Volleyball in Osteuropa und Italien. Wer als Athlet mit Volleyball viel Geld verdienen möchte, wechselt nach Italien in die Serie A1 (Frauen) und SuperLega (Männer), nach Russland in die Super League oder in die PlusLiga nach Polen.
In Polen ist Volleyball Nationalsport. Der Staat unterstützt den Sport mit öffentlichen Mitteln, die Hallen füllen sich mit tausenden Zuschauern, Fanartikel und Fernsehübertragungen sind im Nachbarland Deutschlands nicht wegzudenken.
Aus erster Hand … „Polen ist im Volleyball ein spezieller Fall. Es ist ein Land, in dem Volleyball in der Gesellschaft wichtig ist. Für Volleyball sind Italien, Russland und Brasilien vielleicht wichtiger. Aber in Polen ist Volleyball wichtig. Das ist etwas anderes.“
Mark Lebedew, dreifacher Meistertrainer mit den BR Volleys und Ex-Trainer von Polens Spitzenklub Jastrzębski Węgiel
2005 verteidigten Polens Frauen den EM-Titel, während auch die Ergebnisse von Polens Nationalwahl liefen. Diese wurde jedoch nur von 2,5 Millionen polnischen Bürgern verfolgt, während neun Millionen Polen mit ihrem Nationalteam mitfieberten. Durch Fernsehverträge und Sponsoren fließen Millionen in die Kassen des polnischen Volleyballverbandes und in die Vereine. Beim Eröffnungsspiel der Heim-WM 2014 der Männer waren die 62.000 Karten innerhalb von 100 Minuten ausverkauft. Eine enorme Geräuschkulisse und ein weiß-rotes Farbenmeer füllten das Warschauer Nationalstadion und sollten Polen zum Titel peitschen. Im Jahr 2017 verfolgten sogar 65.407 Zuschauer das 0:3 des Heimteams Polen gegen Serbien.
Aus erster Hand … „Spiele der polnischen Nationalmannschaft haben oft Public Viewings wie in Deutschland die Fußballnationalmannschaft. Die Fans übernachten in Zelten vor den Ticketverkaufsständen, wenn sich ein zusätzliches Finalspiel ergibt. Beim Spiel selbst ist der Hallensprecher zwar da, aber zweitrangig, weil in erster Linie die Fanklubs mit ihren Gesängen die Stimmung und Atmosphäre in der Halle gestalten.“
Jochen Schöps, von 2012 bis 2018 beim polnischen Spitzenklub Asseco Resovia Rzeszów unter Vertrag
Auch in Italien tummeln sich zahlreiche Stars der Volleyballszene. Die große Volleyballnation im europäischen Zirkus stellt auch in beiden Geschlechtern eine der drei Topligen in Europa. Volleyballinteresse ist in Italien keine Frage. Laut Statistica haben sich zwischen 2010 und 2018 mehr als 50 Prozent aller Italiener mit Volleyball beschäftigt. Pro Saison füllen über 450.000 Zuschauer die Hallen der italienischen Mannschaften. Das Damenteam der Imoco Volleys Conegliano hält europaweit mit durchschnittlich 4.139 Zuschauern den Saison-Rekord bei den Frauen.
Aus erster Hand … „In Italien fragt Dich keiner, was Du neben dem Sport sonst noch machst. Dort ist klar, dass Volleyballspieler ein Beruf ist, der vollen Einsatz erfordert.“
Angelina Hübner (geb. Grün), langjährige Italien-Legionärin
Noch höhere Gehälter sind im möglicherweise volleyballbegeisterten Russland zu finden. Die russische Super League gilt als die beste Liga der Welt und dank sehr finanzstarker Sponsoren und Mäzenen können den besten Sportlern Millionengehälter ausgezahlt werden.
Rekordverdächtig! Laut „InstaVolley“ verdiente der Annahme-Außenspieler Wilfredo León beim russischen Klub Zenit Kazan 1,4 Millionen US-Dollar pro Jahr.
Zum Vergleich: In der Volleyball Bundesliga kommen die absoluten Top-Spieler auf ca. 100.000 Euro Jahresgehalt. Dabei ist die Gehaltsspannweite extrem, zahlreiche Spieler erhalten nur ein Zehntel davon.
Aus erster Hand … „Als ich in Russland gespielt habe, empfanden die Spieler das Training am Tag wie Arbeit. Sie kamen morgens, arbeiteten die Zeit ab und gingen abends nach Hause. Ich denke, heute sind dort auch mehr Emotionen und Spaß dabei.“
Jochen Schöps, von 2007 bis 2012 Russland-Legionär
Brasilien gehört ebenfalls zu den erfolgreichsten Nationen der Volleyballgeschichte. Der bewegteste Moment der brasilianischen Volleyballgeschichte war wahrscheinlich der Olympiasieg der Männer 2016 in der Heimat. Aber schon in der Vergangenheit zeigte Brasilien sein Interesse am Sport, indem 1994 für eine Frauen-WM eine Rekordkulisse von 12.000 Zuschauern geschaffen wurde, welche den Sieg Kubas über Brasilien verfolgten. Diese Erfolge ermöglichen auch viele Gelder aus der Staatskasse, welche für Volleyball aufgewendet werden. Die Sportart steht an dritter Stelle der beliebtesten Sportarten in Brasilien nach Capoeira und Fußball.
Rekordverdächtig! Am 26.07.1983 schauten unglaubliche 95.887 Fans das Volleyballspiel zwischen Brasilien und der UdSSR (0:3) im Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro (Brasilien). Lustige Randnotiz: Das Spiel wurde durch Regen unterbrochen und die Spieler zogen ihre Schuhe aus, um in Socken weiterzuspielen.
Zum Vergleich: Bei der Premiere des DVV-Pokalfinals in Mannheim wurde eine deutsche Zuschauer-Rekordkulisse erreicht: Über 12.000 Fans strömten am 28. Februar 2016 in die SAP Arena.
Auch in den USA ist Volleyball eine große Nummer. Hier wird der Sport jedoch weniger über eine Profiliga definiert, sondern der Collegevolleyball füllt die Sporthallen der Staaten. Hier kann man die Stars von morgen beobachten. Die Nationalmannschaften gehören ebenfalls zu den besten der Welt. Aufgrund der fehlenden Profiligen wechseln die vielversprechendsten Sportler häufig nach Europa in der Hoffnung, sich von dort in die Nationalmannschaft spielen zu können.
Rekordverdächtig! Beim größten Volleyballturnier der Welt gingen in Orlando, Florida (USA) im Jahr 2012 insgesamt 24.262 Gesamteilnehmer in 20 verschiedenen Altersklassen an den Start. Dabei war die Altersklasse „16 Club“ mit 2.631 Teilnehmern die größte.
Auch in Asien hat Volleyball eine große Bedeutung. In Japan beispielsweise genießen Volleyballspieler einen Stellenwert wie die Superstars Taylor Swift oder David Beckham. Japanische Volleyballer dürfen eigentlich nur in der eigenen nationalen Liga aufschlagen, doch die Nationalspieler erhalten auch die Gelegenheit, ins Ausland zu wechseln, um für internationale Großereignisse konkurrenzfähig zu sein. Bei ihnen explodieren häufig die Social-Media-Kanäle der jeweiligen Vereine mit tausenden neuen „Followern“. Fernsehteams laufen über das Sportgelände, Fans reisen aus Japan an, um ihre Idole spielen zu sehen. In Japan dürfen aufgrund einer Regel des japanischen Volleyballverbandes nur maximal zwei ausländische Spieler in einem Team sein. Dies macht wiederum die Liga spannend und lockt Superstars wie den Polen Bartosz Kurek und Volleyballriese Dmitry Muserskiy auf die Inseln. Auch die 345-fache deutsche Nationalspielerin Christiane Fürst spielte von 2016 bis 2018 bei Denso Airybees in Japan.
Finanziell ähnlich gut geht es im Nachbarland China zu, wo die deutsche Nationalspielerin Louisa Lippmann in den Jahren 2019 und 2020 für Shanghai Bright Ubest aufschlug.
Aus erster Hand … „Volleyball spielt in China eine große Rolle. Die Meisterschaft 2020 wurde coronabedingt in einer ‚Bubble‘ ausgetragen. Wir hatten keine Heim- und Auswärtsspiele, sondern alle Mannschaften waren an einem Ort und pendelten lediglich zwischen Hotel und Hallenkomplex nebenan. Stippvisiten in der Stadt waren verboten, Kontakt nach draußen untersagt. Bei der Einreise musste ich 14 Tage alleine in einem Hotelzimmer in Quarantäne verbringen – schon eine sehr harte Probe. Zuschauer bei den Spielen gab es nicht, aber alle Partien wurden im Fernsehen gezeigt.
Wenn wir (vor Corona) mit Shanghai bei Auswärtsspielen waren, haben nach dem Spiel vor der Halle 50-100 Fans auf uns gewartet, die ein Foto oder ein Autogramm wollten – hier in Deutschland undenkbar, höchstens beim Fußball. Es ist eine tolle Volleyball-Kultur mit sehr viel Respekt und Anerkennung.“
Louisa Lippmann, Vizemeisterin und Meisterschaftsdritte in China
Im arabischen Raum ist besonders der Iran für Volleyball bekannt. Dort spielte beispielsweise der WM-Bronzemedaillengewinner von 2014, Dirk Westphal. Besonders stolz ist man dort jedoch auf die Sitzvolleyballnationalmannschaft (siehe Kapitel 12.3).
Auch im Emirat Katar gibt es mit der „Qatari Volleyball League“ eine professionelle Volleyballliga, in der mit Christian Pampel und Jochen Schöps zwei ehemalige deutsche Nationalspieler ihr Geld verdienten.
Aus erster Hand … „Meine Zeit im Ausland hat mir besonders gezeigt, wie gut es den Sportlern hier in Deutschland eigentlich geht, vor allem in Bezug auf Kritik und den Menschen hinter dem Sport. In vielen Stationen im Ausland ist man häufig mehr eine Maschine, die funktionierend super ist, aber wehedem man spielt mal schlecht oder verletzt sich. Besonders in Korea und Katar habe ich recht harte Erfahrungen gemacht. Wenn ein Verein nicht zufrieden ist mit seinen Spielern, dann werden sie entsprechend ausgetauscht. In einer Saison hat ein Verein in Katar siebenmal die gleiche Position getauscht. Sieben verschiedene Profis sind gekommen und gegangen auf derselben Position im selben Verein …
Denn in Katar geht es nicht um Zuschauer oder Sponsoren, sondern nur darum, die bessere Mannschaft zu haben und diese zu kontrollieren nach dem Motto ‚Meine Mannschaft ist besser als deine‘. Die eigenen Spieler werden dabei gerne auch einem gut befreundeten Verein für ein Turnier ausgeliehen – eine Art von Prestige, dass andere Vereine den eigenen guten Spieler haben wollen.“
Christian Pampel, mehrfacher Meister in Katar als Diagonalangreifer
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WAS WIRD DENN DA GESPIELT?
DIE SPIELIDEE & SPIELREGELN
Schaut man sich ein Volleyballspiel von Freizeit-Volleyballern an, scheint es auf den ersten Blick leicht erlernbar und verständlich zu sein. Doch beobachtet man den Spielverlauf eines offiziellen Wettkampfes in der Halle genauer, stellt sich heraus, dass hinter dem „kontaktlosen Mädchensport“, bei dem man sich kaum bewegen muss, deutlich mehr steckt.
Das folgende Kapitel soll Ihnen dabei helfen, die grundlegenden Regeln im Hallenvolleyball zu verstehen. Auch wenn Sie noch nie Volleyball gespielt haben, dieses Kapitel ermöglicht Ihnen einen Einstieg in die Komplexität des Mannschaftsspiels.
4.1 WAS WIRD GESPIELT? DIE SPIELIDEE
Beim Volleyball stehen sich zwei Mannschaften mit je sechs Personen, getrennt von einem Netz, in quadratischen Feldern gegenüber. Sie spielen gegeneinander, indem jede Mannschaft versucht, den Ball mit höchstens drei Ballkontakten im eigenen Team hochzuhalten, um ihn in das gegnerische Feld zu spielen. Dabei wechselte die Spielidee im Laufe der Entwicklung des Volleyballspiels von „den Ball in der Luft halten“ zum Gedanken „den Ball auf den gegnerischen Boden zu bringen“, wodurch der Wettkampfcharakter in den Vordergrund rückte. Der heutige Zielgedanke des Spiels ist es, den Ball auf den Boden des gegnerischen Spielfelds zu spielen oder einen Fehler des Gegners zu erzwingen.
Vor jedem Aufschlag müssen sich alle Spieler, abgesehen vom aufschlagenden Spieler, innerhalb des Spielfelds befinden. Sobald die Aufschlagberührung erfolgt, darf jeder Spieler das Spielfeld nach links, rechts und hinten verlassen und somit den Ball auch im „Aus“ in der sogenannten Freizone rund um das Spielfeld zu jeder Zeit weiterspielen.
Um als Mannschaft erfolgreich zu sein, muss es einem Team gelingen, einen Spielaufbau zu entwickeln, um einen erfolgreichen Angriff auszuführen, der im besten Fall zu einem direkten Punkt führt. Zudem sollte man die Schwächen des gegnerischen Teams erkennen und sie somit gezielt zu Fehlern zwingen. Volleyball ist demzufolge ein „Spiel der Fehler“, bei dem es nicht nur um Athletik und Kraft eines einzelnen Sportlers, sondern auch um Technik, Taktik, mentale Stärke und vor allem Teamgeist geht.
4.2 WO WIRD GESPIELT? DAS SPIELFELD & NETZ
Das Spielfeld im Hallenvolleyball ist rechteckig und beträgt insgesamt 18 Meter x 9 Meter. Somit hat jede Mannschaft auf ihrer Seite ein quadratisches Feld von 9 Meter x 9 Meter zu verteidigen, die durch 5 Zentimeter breite Grund- und Seitenlinien gekennzeichnet sind. Über der Mittellinie der Fläche werden die Spielfelder von einem gespannten Netz getrennt. Links und rechts am Netz werden die Seitenlinien in der Höhe durch je eine Netzantenne abgegrenzt, innerhalb derer der Ball durch den sogenannten „Überquerungssektor“ auf die andere Spielfeldhälfte gespielt werden muss.
Schon gewusst? Wenn eine Mannschaft in der Annahme oder Abwehr den ersten Ballkontakt außerhalb der Antennen neben das andere Spielfeld gespielt hat, so darf ein Spieler in die Freizone des gegnerischen Spielfelds laufen und den Ball mit dem zweiten Ballkontakt wiederum außerhalb der Antennen in die eigene Hälfte zurückspielen, um ihn dann mit dem dritten Kontakt durch den Überquerungssektor über das Netz zum Gegner zu spielen. Dabei dürfen die Spieler nicht vom Gegner behindert werden.
Die Angriffslinie verläuft in jeder Spielfeldhälfte drei Meter entfernt parallel zur Mittellinie und unterteilt sie jeweils in eine Vorder- und Hinterzone. Abgesehen vom Spielfeld gehören auch die Freizonen zur Spielfläche. Als Freizone bezeichnet man die spielfreien Flächen, die um das Spielfeld herum einen hindernisfreien, mindestens drei Meter breiten Bereich freihalten müssen.
Spielfeldgrößen

Spielfeld Hallenvolleyball
In der Bundesliga müssen die Freizonen an den Grundlinien mindestens 6,50 Meter und an den Seitenlinien 3 bis 7 Meter breit sein und hindernisfrei gehalten werden. Die Decke muss in der 2. Bundesliga 7 Meter und in der 1. Bundesliga 9 Meter hoch sein. Bei den Frauen ist das Netz 2,24 Meter, bei den Männern 2,43 Meter und im Mixed 2,35 Meter hoch. Im Wettkampf muss die Höhe des Netzes in der Mitte stimmen und darf auf jeder Seite jedoch bis zu 2 Zentimeter abweichen, muss dabei jedoch beidseitig gleich sein.
4.3 WIE WIRD GESPIELT? DIE SPIELREGELN
Die Spielregeln sind im Wettkampfvolleyball hochkomplex – hier erhalten Sie einen Einblick in die wichtigsten Spielregeln.
Aus erster Hand … „Regeln wurden gemacht, um sie zu brechen. Irgendeiner sollte also schauen, dass sie eingehalten werden.“
Nils Weickert, erfahrener Erstliga-Schiedsrichter in der VBL
Basisregeln auf einen Blick
Um Volleyball zu verstehen und in einfachster Form spielen zu können, sind folgende Basisregeln wichtig:
Es gibt zwei Teams aus je sechs Spielern, die sich in zwei gleichgroßen Spielfeldern, getrennt von einem Netz, gegenüberstehen und welche im Uhrzeigersinn rotieren.
Dabei werden die Spieler in drei Vorder- und drei Hinterspieler unterteilt.
Ziel ist es, den Ball, mit höchstens drei Ballberührungen im eigenen Team in das gegnerische Spielfeld zu spielen. Dabei wird versucht, das eigene Spielfeld abzudecken und Angriffe zu verteidigen, sodass der Ball nicht den Boden berührt.
Eine Mannschaft erzielt einen Punkt, wenn der Ball innerhalb des gegnerischen Spielfelds den Boden berührt oder es der gegnerischen Mannschaft nicht gelingt, den Ball regelkonform zu spielen und dieser ein Fehler unterläuft oder der Gegner eine Bestrafung (rote Karte) erhält.
Die erste Ballberührung pro Spielzug wird als Aufschlag hinter der eigenen Grundlinie ausgeführt.
Der Ball darf nicht zweimal nacheinander vom selben Spieler gespielt werden (außer beim Block – dieser zählt nicht als Ballkontakt).
Nur Vorderspieler dürfen einen Ball in der Vorderzone oberhalb der Netzoberkante in die andere Spielfeldhälfte spielen.
Der Libero im andersfarbigen Trikot ist ein reiner Defensiv-Spieler, der nur in der Hinterzone eingewechselt werden kann und einen Ball nicht oberhalb der Netzoberkante angreifen sowie nicht blocken und aufschlagen darf.
Ein Satz ist bei 25 Punkten gewonnen (mit zwei Punkten Führung) und ein Spiel endet mit drei gewonnenen Sätzen. Nach jedem Satz werden die Seiten getauscht.
Der fünfte Satz geht nur bis 15 Punkte (mit zwei Punkten Vorsprung). Hier werden die Seiten bei acht Punkten gewechselt.
Aufstellung, Rotation und Rotationsfolge

Auf einer Seite eines Spielfelds gibt es insgesamt sechs Spielpositionen (I bis VI als römische Zahl), die sich aus Vorder- (Position II, III und IV, gestrichelte obere Umkreisung) und Hinterspielern (Position I, VI und V, gestrichelte untere Umkreisung) zusammensetzen.
Im Moment des Aufschlags müssen die Spieler beider Mannschaften entsprechend der Rotationsfolge stehen. Dabei muss der jeweilige Hinterspieler hinter seinem Vorderspieler stehen, d. h. Position I hinter II, VI hinter III und V hinter IV (verdeutlicht durch die dunklen Umkreisungen). Zudem müssen die Spieler innerhalb der Vorder- und Hinterreihe in der richtigen Reihenfolge nebeneinanderstehen, d. h. Position VI rechts von Position V und links von Position I sowie Position III rechts von Position IV und links von Position II. Solange diese Regeln eingehalten werden, dürfen sich die Spieler beim Beginn des Spielzugs überall auf dem Spielfeld verteilen, was zu auf den ersten Blick z. T. sehr merkwürdigen Aufstellungen führt (siehe Kapitel 5). Die Startaufstellung seines Teams muss der Trainer vor jedem Satz schriftlich beim 2. Schiedsrichter abgeben.
Schon gewusst? Ist dem Trainer bei der schriftlichen Einreichung der Startaufstellung vor einem Satz ein Fehler unterlaufen, indem er zum Beispiel einen falschen Spieler aufgeschrieben hat, so muss er bereits vor dem ersten Spielzug beim Stand von 0:0 einen Spielerwechsel durchführen, um diesen Fehler zu korrigieren.
Wurde der Aufschlag ausgeführt, dürfen sich alle Spieler überall auf der eigenen Spielfeldhälfte bewegen und es gelten im Spielverlauf nur noch die Regelvorgaben für Vorder- und Hinterspieler.
Eine Regel, die man in kaum einer anderen Sportart findet, ist die Rotation der Spieler auf dem Spielfeld. Wenn eine Mannschaft das Aufschlagrecht erhält, so rotieren alle Spieler im Uhrzeigersinn eine Spielposition weiter, das heißt die Position I auf die Position VI, die V auf die IV usw. Somit wechseln alle Spieler (mit Ausnahme des Liberos) vom Hinter- ins Vorderfeld und umgekehrt, was einen gewissen Universalismus der Spieler (in Block und Abwehr) voraussetzt. Dennoch haben die einzelnen Spieler Spezialaufgaben wie Zuspiel und Angriff über eine entsprechende Position; dies wird in Kapitel 5 erläutert. So wechseln die Spieler innerhalb ihrer Vorder- und Hinterreihe stets wieder auf ihre Spezialposition zurück, um ihre individuellen Stärken auf der dafür vorgesehenen Position ausspielen zu können.
Aus erster Hand … „Zur Saison 2020/21 sind in der 1. und 2. Volleyball Bundesliga Schiedsrichter-Tablets eingeführt worden, mit deren Hilfe die Schiedsrichter die Möglichkeit haben, Positions- und Rotationsfehler der Mannschaften noch schneller und zielsicherer zu erkennen. Die Einführung der Tablets ist ein weiterer notwendiger Schritt, um die Schiedsrichter in Sachen Digitalisierung mit der technischen Entwicklung aufseiten der Teams schritthalten zu lassen.“
Ronny Ackermann, Schiedsrichter-Einsatzleiter der VBL
Ballkontakt
Jedes Team hat insgesamt drei Ballkontakte und somit drei Versuche, den Ball zurück ins gegnerische Spielfeld zu spielen. Sobald der Ball vom Spieler mit der Hand, dem Arm oder einem anderen Körperteil berührt wird, wird dies als Ballkontakt gewertet. Ein Spieler darf den Ball nur einmal hintereinander berühren. Die Ausnahme ist der Ballkontakt bei einer Blockberührung – diese wird nicht gezählt. Somit darf ein Spieler den Ball nach einem ausgeführten Block weiterspielen, auch der Blockspieler selbst.
Während des Spielzugs darf der Ball mit jedem Körperteil durch einen kurzen Kontakt gespielt werden. Ein gefangener oder geworfener Ball wird als „gehalten“ bezeichnet und abgepfiffen. Generell hat sich das Spielen mit den Händen bzw. Fingern und Armen durchgesetzt, da es am zielgenauesten ist, jedoch ist auch das Spielen mit dem Kopf, Fuß, Knie oder Oberschenkel erlaubt. Entscheidend ist ein kurzer Ballkontakt. Hier hat sich in der Annahme, Abwehr und Zuspiel das Pritschen des Balls mit den Fingern und Baggern des Balls mit den Armen etabliert, beim Aufschlag und Angriff das Schlagen des Balls mit der flachen Hand und beim Block ebenfalls die Trefffläche des Balls mit Armen und Händen.
Ein beim ersten Ballkontakt einer Mannschaft doppelt gespielter Ball ist kein Fehler – somit darf der Ball in der Annahme und Abwehr technisch „unsauber“ mit Doppelberührung gespielt werden.
Schon gewusst? Auch der zweite Ballkontakt des zuspielenden Spielers wird mittlerweile häufig großzügig ausgelegt. Hier unterscheiden sich jedoch die „Linien“ von Schiedsrichtern sowie ihre Auslegung zum Teil deutlich voneinander. In spektakulären Aktionen, bei denen eine geringe Unsauberkeit beim Spielen des Balls vorkommt, soll laut FIVB nach dem Motto „Keep the ball flying“ gehandelt werden, um für die Zuschauer lange und eindrucksvolle Spielzüge zu ermöglichen.
Der erste Ballkontakt eines jeden Spielzuges ist der Aufschlag. Um diesen auszuführen, hat der auf Position I stehende Spieler nach Anpfiff des 1. Schiedsrichters lediglich einen (Anwurf-)Versuch, den Ball innerhalb von acht Sekunden aufzuschlagen. Vor jedem Spiel wird durch eine Auslosung der Mannschaftskapitäne unter der Leitung der beiden Schiedsrichter entschieden, welche Mannschaft als erste mit dem Aufschlag beginnt.
Aus erster Hand … „Bei der Auslosung habe ich bei uns im Frauenbereich meist den Aufschlag gewählt – das macht aber nur Sinn, wenn man wirklich eine sehr aufschlagstarke Mannschaft ist – sonst nimmt man lieber die Annahme und kann sofort mit dem ersten Angriff punkten.“
Margareta Kozuch, langjährige Ex-Kapitänin der Nationalmannschaft
Ball „In“ und „Aus“
Ein Ball wird vom Schiedsrichter „In“ gegeben, wenn noch ein Teil des Balls eine der Spielfeldbegrenzungslinien berührt. Dabei muss die Verformung des Balls bei einem harten Schlag mitberücksichtigt werden. Berührt der Ball das Spielfeld nicht, sondern landet außerhalb der Spielfeldlinien, so wird er „Aus“ gegeben. Dies ist auch der Fall, wenn er die Decke, eine Wand oder einen sonstigen Gegenstand, ausgenommen das Netz innerhalb der Antennen, berührt. Der Spieler, der den Ball als letztes berührt hat, hat diesen ins „Aus“ befördert und begeht damit den Fehler.
Netzfehler, Übertreten und Übergreifen
Das Berühren des Netzes zwischen den Antennen ist für jeden Spieler, der an einer Spielaktion beteiligt ist, verboten und wird als Netzfehler abgepfiffen. Dies kommt häufig beim Block, aber auch beim Angriffsschlag oder Zuspiel vor. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob die obere oder untere Netzkante oder das Netz dazwischen berührt wird. Netzberührungen von Spielern, die nicht an der Spielaktion beteiligt sind, stellen hingegen keinen Fehler dar. Alles, was sich außerhalb der Antennen befindet, also das Netz, die Spannseile und der Netzpfosten darf berührt werden, solange das Spiel dadurch nicht behindert wird.
Im Gegensatz zum Netz darf die Mittellinie berührt werden. Sie darf sogar fast mit dem gesamten Körper überquert werden, solange die Füße auf der eigenen Seite bleiben und das Spiel oder die gegnerischen Spieler in ihrer Aktion nicht beeinflusst werden. Es darf auch der halbe Fuß die Linie überqueren. Wenn ein ganzer Fuß die Mittellinie überquert, wird der Spielzug durch den 2. Schiedsrichter beendet.
Doch nicht nur die Mittellinie unter dem Netz darf nicht übertreten werden, auch die Hinterspieler, die auf den Positionen I, V und VI stehen, müssen beim sogenannten Hinterfeldangriff, bei dem sie den Ball oberhalb der Netzoberkante aus dem Hinterfeld auf die andere Seite spielen, mit dem ganzen Fuß hinter der Angriffslinie abspringen. Die Landung in der Vorderzone, auch Dreimeterraum genannt, ist hingegen erlaubt.
Ein weiterer Fehler ist das Be- oder Übertreten der Grundlinie bei der Ausführung des Aufschlags, da diese bereits zum Spielfeld zählt. Beim Sprungaufschlag müssen die Spieler demzufolge hinter der Grundlinie abspringen, dürfen jedoch im Spielfeld landen.
Generell darf der Ball außer im gegnerischem Raum (der Bereich über dessen Spielfeldhälfte) überall gespielt werden. Im gegnerischem Raum ist lediglich beim Blocken des Balls ein Übergreifen in das gegnerische Spielfeld erlaubt – dies jedoch nur beim Angriff des Gegners und erst nach dem Ballkontakt des Angreifers. Behindert man zum Beispiel den zuspielenden Spieler auf der anderen Netzseite mit einer Blockaktion, so wird dies als „Übergegriffen“ abgepfiffen.
Liberoregeln
Ein besonderer Spieler im Volleyball ist der Libero (siehe Kapitel 5.5). Er ist auf dem Spielfeld leicht erkennbar, da er ein andersfarbiges Trikot trägt und meist kleiner als seine Mitspieler ist. Der Libero darf beliebig oft, ohne Genehmigung der Schiedsrichter, vor dem Pfiff des 1. Schiedsrichters zum Aufschlag für einen beliebigen Hinterspieler ein- und ausgewechselt werden. Zwischen den Tauschaktionen muss immer ein vollständiger Spielzug oder eine Bestrafung (rote Karte) liegen.
Er fungiert als „Defensivspezialist“ und darf generell nicht oberhalb der Netzoberkante angreifen sowie einen Blockversuch unternehmen. Zudem darf er nicht aufschlagen. Damit der Libero nicht als Zuspieler „missbraucht“ wird, darf ein anderer Spieler auch nicht oberhalb der Netzoberkante angreifen, wenn der Libero in der Vorderzone im Pritschen zugespielt hat.
Spielt eine Mannschaft mit zwei Liberos, was mittlerweile gestattet ist, so dürfen diese auch untereinander tauschen (sogenannte „Liberoersetzung“), jedoch nie gleichzeitig auf dem Spielfeld stehen.
Schon gewusst? In den USA darf der Libero zum Teil bereits zum Aufschlag für einen Spieler eingetauscht werden und auch in einer der sechs Rotationen aufschlagen. Er ist dort somit häufig auch „Aufschlagspezialist“.
Mannschaftsliste, Spielerwechsel und Auszeit
In einem offiziellen Spiel besteht eine Volleyballmannschaft in der 1. und 2. Bundesliga aus bis zu 14 Spielern (in tieferen Ligen zum Teil nur aus zwölf Spielern), einem Trainer, zwei Co-Trainern, einem Arzt und einem Physiotherapeuten. Jedoch müssen stets zwei Liberos im Kader sein, wenn mehr als zwölf Spieler mitwirken. Jeder Spieler mit Ausnahme des Liberos darf die Rolle des Kapitäns übernehmen.
Aus erster Hand … „Als Kapitän versucht man, seiner Mannschaft da zu helfen und zu unterstützen, wo es nur geht. Jedoch reicht dies nicht, sondern ausschlaggebend war immer für mich, dass sich jede Einzelne verantwortungsbewusst und mit ihrem Potenzial ins Team einbrachte. Denn so entsteht Team-Spirit: Jede fand so ihre Nische und einzelne nahmen zum Beispiel auch mir Dinge organisatorischer Art ab, für die ich eigentlich verantwortlich war, sodass ich meine Stärken fürs Team weiter ausbauen konnte.“
Margareta Kozuch, langjährige Ex-Kapitänin der Nationalmannschaft
Volleyball ist ein temporeiches Spiel, in welchem es nach jedem Ballwechsel eine kurze Pause bis zum nächsten Aufschlag gibt. Längere, dreiminütige Pausen gibt es zwischen den einzelnen Sätzen. Weitere Spielunterbrechungen entstehen durch Spielerwechsel und Auszeiten. Jedem Team stehen sechs Spielerwechsel pro Satz zur Verfügung, das heißt man könnte das gesamte Team auswechseln. Das Besondere an den Wechseln im Volleyball ist jedoch, dass man wieder zurückwechseln darf – wenn, dann aber nur gegen denselben Spieler. Dementsprechend können pro Satz auch drei Spieler ein- und wieder ausgewechselt werden. Die Wechsel erfolgen stets in der Wechselzone, das heißt seitlich der Vorderzone beim 2. Schiedsrichter.
Pro Satz gibt es, wenn eine der beiden Mannschaften acht bzw. 16 Punkte erreicht hat, in der Volleyball Bundesliga jeweils eine einminütige, technische Auszeit, welche jedoch bei Einsatz des Challenge-Systems wegfällt. Des Weiteren hat jedes Team in jedem Satz zwei 30-sekündige (taktische) Auszeiten, die in der Regel genommen werden, um das eigene Team mit aktuellen Informationen zum Spiel zu coachen und den Spielrhythmus des Gegners zu unterbinden.
Aus erster Hand … „Auszeiten sollte man lieber zu früh als zu spät nehmen, durchaus auch mal bereits früh im Satz oder nach zwei Punkten des Gegners in Folge, um seinen Rhythmus früh zu brechen – auch mal vor einem starken Aufschläger. Ich nehme sie aber durchaus auch mal bei eigenem Aufschlag, um meinen Spielern vor einem entscheidenden Punkt wichtige Infos mitzugeben.“
Stefan Hübner, Ex-Weltklasse-Mittelblocker, jetziger Erstligatrainer
Satz- & Spielende
Volleyball ist ein Punktespiel, das nicht auf Zeit gespielt wird, sondern in dem drei Sätze gewonnen werden müssen. Ein Satz wird für sich entschieden, wenn ein Team 25 Punkte mit mindestens zwei Punkten Vorsprung erreicht. Steht es in einem Satz also zum Beispiel 24:24, so muss der Durchgang mindestens bis 26 gespielt werden. Der Satz ist erst dann beendet, wenn einer der Mannschaften mit zwei Punkten führt.
Rekordverdächtig! Den längsten Satz der Bundesliga gab es am 21.12.2019 in der Erstligapartie der Männer beim Spiel Hypo Tirol Alpenvolleys Haching gegen SVG Lüneburg. Mit 50:48 gewann der Gastgeber den dritten Satz und letztendlich auch das Spiel mit 3:1. Lüneburg vergab in dem epischen Durchgang zehn Satzbälle, Haching verwandelte seinen 16. Satzball. Randnotiz: Während des 55-minütigen Satzes mussten sich mit Paulo Da Silva und Danillo Gelinski sogar zwei Hachinger Spieler in die Mülleimer hinter den Spielerbänken übergeben, da sie das Spiel krank absolvierten.
International gab es 2013 in Korea sogar ein 56:54, in der italienischen und griechischen Liga jeweils ein 54:52.
Hat eine Mannschaft einen Satz gewonnen, werden die Seiten gewechselt und der nächste Satz beginnt nach einer dreiminütigen Pause. Somit kann ein Spiel 3:0, 3:1 oder auch 3:2 ausgehen. Muss der fünfte Satz über den Sieg entscheiden, so wird dieser sogenannte Tiebreak lediglich bis 15 Punkte gespielt. Auch hier gilt jedoch die Regel, dass eine Mannschaft mit zwei Punkten führen muss, um zu gewinnen. Vor Beginn des fünften Satzes wird noch einmal das Aufschlagrecht ausgelost.
Rekordverdächtig! Der Guinness-Weltrekord im Volleyball liegt bei 101 Stunden und fand vom 2. bis 6. Januar 2017 in Amstelveen in den Niederlanden als längster Indoor-Volleyball-Marathon statt.
Das längste Einzelspiel im Beach-Volleyball bestritten vier Spieler vom VfB Görlitz aus Deutschland am 3./4. Juli 2010. Es dauerte insgesamt 25 Stunden und 39 Minuten.
4.4 WER LEITET DAS SPIEL? DAS SCHIEDSGERICHT UND SEINE ZEICHEN
Ein Wettkampfspiel wird vom 1. und 2. Schiedsrichter geleitet und der Spielverlauf vom Schreiber protokolliert.
1. Schiedsrichter
Der 1. Schiedsrichter steht auf einer Erhöhung mittig neben dem Spielfeld, gegenüber von den Mannschaftsbänken und dem 2. Schiedsrichter, um einen Überblick über das gesamte Spielgeschehen zu haben. Er pfeift den Spielzug an sowie ab und macht seine Entscheidungen mit Handzeichen kenntlich. Dabei zeigt er zuerst in die Richtung der Mannschaft, die das Aufschlagrecht bekommt und zeigt im Anschluss den Fehler an. Zudem trägt er eine gelbe und rote Karte bei sich, um sanktionswürdiges Verhalten, zum Beispiel Verwarnungen (gelbe Karte) oder Bestrafungen (rote Karte) kenntlich zu machen. Er beobachtet in erster Linie den Spielverlauf, das heißt den Ball und die Spieler in Aktion und achtet darauf, ob der Ball den Boden berührt oder eine Mannschaft einen Fehler begeht. Bezüglich der Aufstellung ist er für die Überprüfung der aufschlagenden Mannschaft verantwortlich.
Aus erster Hand … „Der 1. Schiedsrichter ist der Mannschaftskapitän der dritten am Spiel beteiligten Mannschaft, dem Schiedsgericht, und sollte sein Team genauso anführen wie die beiden anderen Mannschaftskapitäne.“
Nils Weickert, erfahrener Erstliga-Schiedsrichter in der VBL
2. Schiedsrichter
Der 2. Schiedsrichter übt seine Tätigkeit vor dem Anschreiber und in der Nähe des Netzpfostens, gegenüber vom 1. Schiedsrichter aus. Er hat die Aufstellung der annehmenden Mannschaft im Blick. Während der Spielzüge ist er in erster Linie für das Ahnden von Netzberührungen und Übertreten der Mittellinie sowie der Angriffslinie bei Hinterfeldangriffen zuständig.
Schon gewusst? Nur, wenn wie zum Beispiel beim Aufschlag in Netznähe keine Aktion erfolgt, darf er auch die Linie auf seiner Seite mit beobachten. Ein 2. Schiedsrichter, der nach dem Spiel viel über das Spielgeschehen und vor allem gelungene Abwehraktionen berichten kann, hat seine eigentlichen Aufgaben nicht richtig gemacht, oder er hat Chamäleonaugen …
Linienrichter
Um den 1. Schiedsrichter insbesondere bei In- und Ausbällen zu unterstützen, gibt es ab der 1. Bundesliga und auch unterhalb der Oberliga mindestens zwei Linienrichter, die an zwei der diagonal gegenüberliegenden Ecken der Grundlinie stehen. Somit kann jeder Linienrichter während des Spielzugs zwei Linien beobachten und mittels einer Fahne (Ball in = Heruntersenken der Fahne, Ball aus = Anheben der Fahne) verdeutlichen, ob der Ball im Spielfeld oder außerhalb des Spielfelds gelandet ist. Zudem zeigen die Linienrichter ein Übertreten der Grundlinie beim Aufschlag, einen Fehler bei der Netzüberquerung oder wenn der Ball ein spielfremdes Objekt berührt durch Schwenken der Fahne an. Auch signalisieren sie dem 1. Schiedsrichter einen Blocktouch, das heißt eine Blockberührung eines Blockspielers nach einer gegnerischen Angriffsaktion, die man häufig von der Position hinter dem Spielfeld gut erkennen kann. Dazu heben sie ihre Fahne senkrecht vor der Brust und berühren deren Spitze mit der Handfläche ihrer freien Hand.
Aus erster Hand … „Die Anwendung der Regeln auf Top-Niveau führt Volleyball-Schiedsrichter nicht selten an die Grenzen der menschlichen Wahrnehmungsmöglichkeit. Das Spiel ist mittlerweile so schnell und athletisch geworden, dass es eine echte Herausforderung darstellt, korrekte Entscheidungen zu treffen. Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten des Schiedsgerichts (Schiedsrichter, Linienrichter, Schreiber) – nur gemeinsam im Team können enge Spielsituationen korrekt entschieden werden. Einzelkämpfer im Schiedsgericht haben heutzutage auf Dauer keine Chance mehr.“
Ronny Ackermann, Schiedsrichter-Einsatzleiter der VBL
Schreiber/E-Scorer
Hinter dem 2. Schiedsrichter sitzt der Schreiber, der an einem Tisch für das Protokollieren des Spiels verantwortlich ist. Er hält die Startaufstellungen, den Punktestand, die Spielerwechsel, die Auszeiten, und die Sanktionen fest. In der 1. und 2. Bundesliga und zum Teil auch in den Ligen darunter geschieht dies auf elektronischem Weg mittels E-Scoring. Um den Zuschauern, den Spielern und den Schiedsrichtern über die Punktezahl Auskunft zu geben, steht neben dem Schreiber eine Anzeigetafel, die der Schreiberassistent bedient. Sie zeigt den aktuellen Punktestand der Teams sowie die bisher gewonnenen Sätze in kleinen Zahlen oben in der Ecke der Tafel an.
Wichtige Schiedsrichterzeichen

Anzeige Seite

Bewilligung Aufschlag

Verzögerung Aufschlag

Sichtblock

Rotationsfehler

Ball IN

Ball AUS

Gehaltener Ball

Doppelberührung

Vier Berührungen

Netzberührung

Über Netz reichen
Fehler Angriffschlag

Doppelfehler

Ball berührt

Auszeit

Spielerwechsel

Satz-Spielende

Verwarnung Fehlverhalten

Bestrafung Fehlverhalten

Verwarnung Verzögerung

Bestrafung Verzögerung

Hinausstellung

Disqualifikation
Die Schiedsrichterfotos wurden zur Verfügung gestellt vom Schleswig-Holsteinischen Volleyball-Verband.
4.5 DAS ADLERAUGE: DIE VIDEO-CHALLENGE
Vielen sportbegeisterten Zuschauern sind Video-Challenges aus anderen Sportarten, wie zum Beispiel im Tennis oder Fußball, bereits bekannt. Insbesondere im Volleyball, bei dem ein menschliches Auge manchmal nicht schnell genug ist, um eine Spielsituation genau zu beurteilen, kann die Video-Challenge Klarheit verschaffen. Diese wird international bei nahezu allen Veranstaltungen sowie in der Volleyball Bundesliga bei wichtigen Spielen (zum Beispiel Play-off-Finale oder Pokalfinale) eingesetzt.
Während des Spiels beobachten Hochgeschwindigkeitskameras das gesamte Spielfeld aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Jede Linie und das Netz werden mit mindestens einer eigenen Kamera versehen, sodass bei Unklarheiten die Überprüfung durch den Challengeschiedsrichter angefordert werden kann. Dieser kann sich die Szene anhand der Aufzeichnungen aus unterschiedlichen Perspektiven anschauen. Somit sollen Fehlentscheidungen des Schiedsgerichtes sowie negative Emotionen von Spielern und des Trainerteams verhindert werden.
Aus erster Hand … „Ich hätte mir die Challenge auch zu meiner Zeit als Spieler gewünscht. Damit bekommen Fehlentscheidungen viel weniger Einfluss auf das Spiel.“
Michael Dornheim, 192-facher Ex-Nationalmannschafts-Zuspieler
Jede Mannschaft darf pro Satz zwei Video-Challenges anfordern. Dabei muss die Challenge unmittelbar nach der vermeintlich fehlerhaften Aktion, innerhalb von acht Sekunden nach Beendigung eines Spielzugs oder direkt nach der Aktion während des Spielzugs, angefordert werden. Eine Mannschaft kann den Spielzug also auch direkt während der Aktion unterbrechen. Dabei kann aber nur die wirklich letzte Spielaktion gechallenged werden. Wenn die Mannschaft kein Recht hat, verliert sie den Spielzug.
Schon gewusst? Auch der erste Schiedsrichter kann jederzeit eine Video-Challenge beantragen, wenn er sich unsicher ist und er die Aktion noch einmal vom Challengeschiedsrichter überprüft haben möchte.
Wird ein Videobeweis von einer Mannschaft beantragt und es stellt sich heraus, dass der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung getroffen hat, wird diese korrigiert. Die Mannschaft verliert dabei aber keine ihrer zwei möglichen Challenges. Daher kann eine Mannschaft auch mehr als zwei Video-Challenges in einem Satz beantragen, solange sie im Recht ist. Um den Videobeweis zu beantragen, wird in der Regel mit dem Daumen und Zeigefinger einer Hand ein „C“ geformt, manchmal gibt es auch Beantragungstafeln oder einen „Buzzer“.
In den verschiedenen Ländern können zum Teil unterschiedliche Situationen „gechallenged“ werden. Am häufigsten lassen Trainer In- und Ausbälle, Netzberührungen sowie Blocktouches (Blockberührung oder keine Blockberührung) überprüfen. Es kann aber auch die Antennenberührung eines Spielers oder des Balls, eine Bodenberührung des Balls sowie das Übertreten eines Spielers beim Aufschlag, beim Hinterfeldangriff oder der Mittellinie überprüft werden.
Aus erster Hand … „Erst gab es Daten, um Spieler zu analysieren, Trainer bewertet man am Sieg oder der Niederlage; jetzt kann man endlich auch mal sehen, wer die besten Schiedsrichter sind – diejenigen, die am wenigsten Video-Challenges verlieren. Und das Gute daran ist, dass wir so die besten Schiedsrichter auf das Podest bekommen.“
Vital Heynen, Weltmeistertrainer mit Polens Nationalmannschaft
Dabei helfen die Spieler den Trainern bei der Beantragung, denn sie nehmen die Spielaktionen auf dem Spielfeld meistens am besten wahr.
Bei der Beantragung der Challenges liegen die Trainer bzw. Teams laut FIVB im Durchschnitt in 60 Prozent der Fälle falsch. Es werden jedoch nicht alle Challenges mit der Erwartung gemacht, dass ein Punkt annulliert wird. Einige werden quasi als zusätzliche „Auszeiten“ genommen und andere sind spekulative „Nichts zu verlieren“-Challenges, wenn ein Team weit hinten liegt.
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DIE AKTEURE AUF UND NEBEN DEM SPIELFELD
DIE SPIELPOSITIONEN UND DER TEAMSTAFF
Auch wenn Volleyball von der Dynamik der Spielaktionen und den Ballgeschwindigkeiten von bis zu knapp 140 km/h ein schnelles Spiel ist, so wirkt die Sportart von der Positionierung her eher statisch.
Aus erster Hand … „Volleyball ist wie Schach – nur mit Tempo 200.“
Dr. Hans-Friedrich Voigt, Ex-Dozent an der Ruhr-Universität Bochum & Ex-Trainerausbilder der FIVB (modifiziert nach Arturo Hotz)
Jeder Spieler hat durch die Rotationsfolge eine feste Spielposition, die erst nach der Ausführung des Aufschlags verändert werden darf (siehe Kapitel 4.3). Dann jedoch wechseln die jeweils drei Vorder- und drei Hinterspieler untereinander auf ihre jeweilige Spezialposition im Vorder- und Hinterfeld.
Im Laufe der Zeit haben sich im Volleyball unterschiedliche Spielpositionen entwickelt, die im Spitzenvolleyball nahezu überall in das im Folgenden vorgestellte System münden. Beinahe jede Mannschaft im hochklassigen Bereich agiert derzeit im Spielsystem 1:2:2:1 + L mit einem Zuspieler, zwei Mittelblockern/Schnellangreifern, zwei Annahmeaußenspielern, einem Diagonalangreifer und einem Libero.
In der Grundaufstellung steht der Diagonalangreifer entsprechend seiner Bezeichnung diagonal zum Zuspieler. Die beiden Außenangreifer stehen ebenfalls diagonal zueinander wie auch die beiden Mittelblocker/ Schnellangreifer, von denen jedoch in den meisten Teams der hintere nach seinem Aufschlag durch den Libero ersetzt wird.
Mit dem Zuspieler auf der Position I ergibt sich die folgende Grundaufstellung:
Grundaufstellung im Spielsystem 1:2:2:1+L mit Zuspieler auf Position I
Universalspieler, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind, sind aufgrund der starken Spezialisierung leider selten geworden. Jedoch sollten die Spieler im Nachwuchsbereich noch möglichst lange universell, das heißt vielfältig ausgebildet werden.
Aus erster Hand … „Wie viele Spieler braucht man, um deutscher Vizemeister zu werden? Heute gibt es bei nationalen und internationalen Spielen und Meisterschaften oft den 14er-Kader. Das macht auch durchaus Sinn, da man dann alle Positionen doppelt (und dreifach) besetzt hat. Mit Düren sind wir im Jahr 2005 immerhin deutscher Vizemeister geworden – und das mit genau zehn Spielern. Möglich war dies nur durch die beiden Universalspieler im Kader: Sven Anton und mich. So hatten wir zum Beispiel nur zwei ‚richtige‘ Mittelblocker und Außenangreifer. Sven und ich haben immer dort gespielt, wo das Team uns brauchte. Ich habe die Saison als Außenangreifer begonnen und bin nach der Verletzung des Diagonalspielers auf dessen Position geblieben. Sven hat oft in der Mitte ausgeholfen und war dann in den Play-offs Außenangreifer und hat auf dieser Position gegen den damaligen amtierenden Meister SCC Berlin den Matchball im Halbfinale verwandelt.“
Christian Dünnes, Ex-Nationalspieler und jetziger Sportdirektor des DVV
Aufgrund der Rotationsregel muss jeder Spieler um eine Position weiterrotieren, wenn sein Team dem Gegner das Aufschlagrecht abnimmt und selbst zum Aufschlag kommt. Somit muss jeder Spieler grundsätzlich auf jeder der sechs Spielpositionen agieren. Mithilfe von Positionswechseln versuchen die Mannschaften jedoch, diese Rotation jeweils im Vorder- und Hinterfeld zumindest teilweise rückgängig zu machen. Das Ziel der Positionswechsel ist es, dass jeder Spieler entsprechend seiner Stärken auf der Position im Spielfeld steht, auf der er seinem Team die meisten Vorteile bringt.
Positionierung im Spielfeld nach erfolgten Positionswechseln im Spielsystem 1:2:2:1+L mit Zuspieler auf Position I
Somit versucht man den Zuspieler im Vorderfeld stets auf der Positon II und im Hinterfeld auf der Position I zu haben, um von dort aus die Zuspielpässe auf dem Spielfeld zu spielen, denn so bekommen die überwiegend rechtshändigen Angreifer den Ball günstig auf ihre Schlagschulter.
Die Mittelblocker/Schnellangreifer sollen zentral am Netz positioniert werden, da sie so auf sämtlichen Positionen das Blockspiel gegen alle gegnerische Angreifer unterstützen können. Im Hinterfeld sollen diese in der Regel langen, eher annahme- und abwehrschwachen Spieler versteckt werden; dies gelingt durch den Austausch durch den Libero hervorragend.
Die Annahme-Außenangreifer werden im Vorderfeld auf der Position IV im Angriff aus der Annahme auf der Außenposition benötigt und im Hinterfeld überwiegend auf der Position VI für den zentralen Hinterfeld-VI-Angriff.
Der Diagonalangreifer ist das Pendant zum Zuspieler. Ihn hat man stets auf der gleichen Spielfeldhälfte wie den Zuspieler, um diesen mit seinem in der Regel fehlenden Angriff zu kompensieren, da der Diagonalangreifer nicht nur über Position II (wenn der Zuspieler im Hinterfeld auf der I steht), sondern auch über die Hinterfeldposition I angreifen kann. So wird auch mit dem Zuspieler auf der Position II noch gefährlich über diese Spielfeldhälfte angegriffen.
Insgesamt ergeben sich im Spielsystem 1:2:2:1+L sechs verschiedene „Bilder“ in der Annahme, die im Folgenden kurz skizziert werden. Es sind immer die drei Annahmespieler, der Laufweg des Zuspielers sowie die Anlaufwege der Vorder- und Hinterfeldangreifer eingezeichnet.
Aufschlag- und Annahmesituation mit Läufer I
Im Läufer I (die Bezeichnung „Läufer“ wird verwendet, weil der Zuspieler aus dem Hinterfeld „läuft“) ist die Besonderheit, dass der Zuspieler einen langen Laufweg aus der Annahme von Position I hat. Zudem greift der Diagonalangreifer auf der für ihn ungewohnten Position IV (über die linke Spielfeldhälfte) und der Annahme-Außenangreifer über die für ihn ungewohnte Position II (rechte Spielfeldhälfte) an. Aus diesem Grund ist der Läufer I bei vielen Teams die unbeliebteste Aufstellung.

Aufschlag- und Annahmesituation mit Läufer VI
Im Läufer VI hat der Zuspieler einen sehr kurzen Laufweg aus der Annahme und der Diagonalangreifer kann direkt über seine Libelingsposition II angreifen. Nachteil in dieser Aufstellung ist es, dass kaum eine Veränderung des Annahmeriegels (anderer Spieler in die Annahme, Umstellung auf einen Viererriegel) vorgenommen werden kann. Der Pipe-/Hinterfeld-VI-Angriff ist vom Annahme-Außenangreifer, der jedoch auf Position I annimmt, nicht ganz leicht umzusetzen.

Aufschlag- und Annahmesituation mit Läufer V
Im Läufer V hat der Zuspieler einen langen Laufweg aus der Annahme und muss sich vor dem Zuspiel zusätzlich noch drehen. Der Schnellangreifer auf Position IV hat ebenfalls einen längeren Laufweg. Insgesamt können aber alle Spieler (inkl. dem Pipe-/Hinterfeld-VI-Angreifer) aus einer optimalen Ausgangsposition eingesetzt werden.

Aufschlag- und Annahmesituation mit Zuspieler IV
Im Zuspiel IV [da der Zuspieler jetzt nicht aus dem Hinterfeld „läuft“, wird nun nicht von Läufer, sondern von Zuspiel(-position) gesprochen], hat der Zuspieler den längsten Laufweg aus der Annahme inklusive einer Drehung um 180 Grad vor dem Zuspiel. Aufgrund der Zuspiel-Vorne-Situation ist der Hinterfeld-I-Angriff über den Diagonalangreifer wichtig. Im Frauenbereich läuft die Schnellangreiferin überwiegend zum einbeinigen Angriff hinter der Zuspielerin. Hier läuft dann die Hinterfeld-I-Angreiferin einen etwas eingerückten Pass zwischen Position I und VI an.
Aufschlag- und Annahmesituation mit Zuspieler III
Im Zuspiel III steht der Zuspieler in der Annahmesituation bereits auf seiner optimalen Position und der Schnellangreifer hat beide Optionen, vor oder hinter dem Zuspieler anzugreifen. Der Pipe-/ Hinterfeld-VI-Angreifer läuft etwas unglücklich von Position I aus an und der Diagonalangreifer mit beiden Möglichkeiten über Hinterfeld Position I (eingerückt oder außen).

Aufschlag- und Annahmesituation mit Zuspieler II
Im Zuspiel II steht der Zuspieler in der Annahmesituation wiederum auf einer optimalen Ausgangsposition. Der Schnellangreifer greift vor oder hinter dem Zuspieler an. Der einbeinige Überkopfangriff ist jedoch bei den Frauen nicht unbedingt die Stärke dieser Spielerin, da diese Spielerin ihn nur in dieser Situation spielt, in den anderen beiden Rotationen jedoch vor der Zuspielerin agiert, da dann die Diagonalangreiferin über die Position II angreift. Der Diagonalangreifer hat in dieser Rotation einen sehr langen Anlaufweg zum Hinterfeld-I-Angriff.
5.1 DER 10ER DES VOLLEYBALLS: DER ZUSPIELER

Steckbrief Zuspieler
Charakter/Typ: Lenker & Denker – Ruhepol – verlängerter Arm des Trainers auf dem Spielfeld – Stratege mit Spielwitz und Spielintelligenz – Spielmacher – muss insbesondere unter Druck cool und abgeklärt agieren – behält stets die Nerven und den Überblick über das Spiel – kommunikativer Typ für einen Informationsaustausch mit seinen Mitspielern, insbesondere mit den Angreifern – muss stets positiv bleiben und Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Mitspieler haben.
Aufgaben: Architekt, Organisator, Koordinator und Umsetzer der Zuspiel- und Angriffsstrategie – spielt stets den zweiten Pass auf seiner Spielfeldseite mit dem Ziel des optimalen Einsetzens seiner Angreifer, das heißt, er verschafft seinen Angreifern im besten Fall eine blockfreie Angriffssituation bzw. einen Angriff gegen einen Einerblock oder offenen Doppelblock.
Fähigkeiten: Außergewöhnlich gute Pritschtechnik zum Spielen des Zuspielpasses – muss schnell sein zum Erreichen des angenommenen Balls – sehr gutes periphäres Sehen und Blicksprungtechnik zur Beobachtung der gegnerischen Block- und Feldverteidigung.
Besonderheiten: Springt mit 34 (Frauen) und 26 (Männer) Sprüngen pro Satz von allen Spielpositionen am häufigsten – muss sich mit seiner Funktion identifizieren, auch wenn er nur sehr wenige eigene Punkte erzielt.

Der Zuspieler wechselt im Vorderfeld stets auf die Position II und im Hinterfeld auf die Position I, um von dort aus einer für die Angreifer günstigen Position das Zuspiel zu übernehmen.
Er hat das Spiel seines Teams im wahrsten Sinne des Wortes „in der Hand“, denn im Optimalfall spielt er stets den zweiten Kontakt für sein Team. Er ist damit das Bindeglied zwischen der Annahme/Abwehr (erster Ballkontakt) und dem Angriff (dritter Ballkontakt). Er muss die Stärken der eigenen Angriffsspieler und die Schwächen der gegnerischen Block-/ Feldverteidigung kennen und gegeneinander abwägen. Daraus ergibt sich, welchem Angreifer er wie zuspielen wird.
Aus erster Hand … „Der Zuspieler ist das ‚Hirn‘ sowie der Dreh- und Angelpunkt des Teams – er sollte deshalb ein absoluter Leadertyp sein.“
Patrick Steuerwald, 125-facher Ex-Nationalmannschafts-Zuspieler
Der Zuspieler muss nicht nur ein Multitasking-Talent sein und ein überdurchschnittlich gutes periphäres Sehen besitzen, um die gegnerischen Blockspieler zu beobachten und sein Zuspiel danach auszurichten, sondern auch eine enorm präzise Zuspieltechnik haben. Ganz klar dominiert bei ihm das obere Zuspiel, das Pritschen, womit der Ball am besten kontrolliert werden kann. Dabei spielt er nach Möglichkeit alle Zuspiele im Sprung zu, da er so das Angriffsspiel beschleunigt sowie als Vorderspieler eine zusätzliche Bedrohung durch das eventuelle Spielen einer Zuspielfinte darstellt. Hierbei geht es zudem um den Überraschungseffekt.
Der Zuspieler muss die vorher mit dem Trainer abgesprochene Spielidee auf dem Spielfeld umsetzen und die Verantwortung dafür mit übernehmen. Dazu verwendet er vier unterschiedliche Angriffswellen für verschiedene Passgeschwindigkeiten. Dabei sollte er einerseits die Pässe variantenreich auf seine vier Vorder- und Hinterfeldangreifer verteilen, andererseits sollte er wissen, wer in den entscheidenden Spielsituationen der „go-to guy“, das heißt der effektivste Angreifer seines Teams, ist. Diesem wird in den wichtigen Spielsituationen die Verantwortung im Angriff aufgetragen.
Bei jedem seiner Pässe sollte der Zuspieler eine neutrale Körperstellung haben, um dem Block so spät wie möglich seine Aktion zu verraten. Trotzdem müssen die Pässe natürlich präzise zum Angreifer kommen.
Aus erster Hand … „Wenn ich den Block ausgespielt habe und der gegnerische Mittelblocker in die andere Richtung gerannt ist, habe ich ihn manchmal gefragt: ‚Ist bei euch heute Wandertag?‘“
Manuel Rieke, 33-facher Ex-Nationalmannschafts-Zuspieler
Nach erfolgtem Pass muss der Zuspieler den Angriff sichern, falls dieser geblockt wird. Passiert das nicht, bereitet er sich zum Block vor, denn ihm gegenüber greift der Außenangreifer der gegenerischen Mannschaft an. Wenn der Zuspieler in der Rotation hinten ist, geht er in der Abwehr auf die Position I.
In der Annahmesituation gibt es einige Besonderheiten: Da der Zuspieler möglichst jeden Ball zuspielen sollte, um den effizientesten Angriff zu erzielen, wird er aus der Annahme herausgenommen. Zudem positionieren sich die Annahmespieler so im Feld, dass der Zuspieler einen kurzen Weg zu seiner Zuspielposition hat. Diese Umstrukturierung unter Beachtung der Aufstellungsregeln ist nicht immer leicht.
Aus erster Hand … „Eine gute Zuspielerin erkennt man nicht in den ‚Dankeballsituationen‘, sondern in den schwierigen Spielsituationen. Vor allem darf man als Zuspieler niemals die Bindung zu seinem Schnellangreifer verlieren. Wenn man den Block ausspielen will, muss die Möglichkeit, ihn einzusetzen, so lange wie möglich bestehen bleiben.“
Mareike Hindriksen, langjährige Ex-Bundesliga-Zuspielerin
Zuspieler sind häufig eher älter, da insbesondere bei dieser Spielposition eine gewisse Spielerfahrung von großem Vorteil ist. Zudem müssen sie extrem fehlerresistent sein, falsche Entscheidungen sofort abhaken können und „auf Reset stellen“ können.
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