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Hans Christian Andersen
Die Blumen der kleinen Ida
Saga
Die Blumen der kleinen Ida ÜbersetzerJulius Reuscher Coverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 1835, 2019 Hans Christian Andersen und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726379945
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Die Blumen der kleinen Ida.
„ Weine armen Blumen sind ganz verwelkt!“ sagte die kleine Ida. „Sie waren so schön gestern abend, und nun hängen alle Blätter vertrocknet da! Warum?“ fragte sie den Studenten, der im Sofa sass, denn sie mochte ihn sehr gern leiden; er wusste die allerschönsten Geschichten und schnitt belustigende Bilder aus: Herzen mit kleinen Damen darin, welche tanzten, Blumen und grosse Schlösser, woran man Türen öffnen konnte; es war ein munterer Student! „Warum sehen die Blumen so jämmerlich aus?“ fragte sie wieder, und zeigte ihm einen Strauss, welcher ganz vertrocknet war.
„ Ja, weisst du, was ihnen fehlt?“ sagte der Student. „Die Blumen sind diese Nacht auf dem Ball gewesen, deshalb lassen sie heute die Köpfe hängen.“
„ Aber die Blumen können ja nicht tanzen!“ sagte die kleine Ida.
„ Jawohl,“ sagte der Student, „wenn es dunkel wird und wir andern schlafen, dann springen sie lustig umher; fast jede Nacht halten sie Ball.“
„ Können Kinder mit auf diesen Ball kommen?“
„ O ja,“ sagte der Student, „ganz kleine Gänseblümchen und Maiblümchen.“
„ Wo tanzen die schönen Blumen?“ fragte die kleine Ida.
„ Bist du nicht oft vor dem Tore bei dem grossen Schlosse gewesen, wo der König im Sommer wohnt und der herrliche Garten mit den vielen Blumen ist? Du hast ja die Schwäne gesehen, welche zu dir hinschwimmen, wenn du ihnen Brotkrumen geben willst. Glaube mir, da draussen ist grosser Ball.“
„Ich war gestern mit meiner Mutter draussen im Garten,“ sagte Ida, „aber alle Blätter waren von den Bäumen, und da war durchaus keine Blume mehr! Wo sind sie? Im Sommer sah ich viele!“
„ Sie sind drinnen im Schlosse!“ sagte der Student. „Wisse, sobald der König und alle Hofleute zur Stadt ziehen, dann laufen die Blumen gleich aus dem Garten in das Schloss und sind lustig. Das solltest du sehen. Die beiden allerschönsten Rosen setzen sich auf den Thron, und dann sind sie König und Königin, alle die roten Hahnenkämme stellen sich zu beiden Seiten auf und stehen und verbeugen sich, das sind die Kammerjunker. Dann kommen die niedlichsten Blumen, und dann ist da grosser Ball; die blauen Veilchen stellen kleine Seekadetten vor, sie tanzen mit Hyazinthen und Krokus, welche sie Fräulein nennen. Die Tulpen und die grossen Feuerlilien sind alte Damen, die sorgen dafür, dass hübsch getanzt wird und dass es ordentlich zugeht!“
„ Aber,“ fragte die kleine Ida, „ist da niemand, der den Blumen etwas zuleide tut, weil sie in des Königs Schloss tanzen?“
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