Читать книгу: «Aschaffenburger Schloss»
Herausgeber
Erik Schreiber
Historisches Deutschland
Verlag Saphir im Stahl
e-book 054
Schloss Aschaffenburg
Erscheinungstermin: 01.10.2021
© Saphir im Stahl Verlag
Erik Schreiber
An der Laut 14
64404 Bickenbach
www.saphir-im-stahl.de
Titelbild: Simon Faulhaber
Lektorat: Peter Heller
Vertrieb neobook
Das Wappen dient als Bildzitat und ist kein hoheitsrechtlicher Verstoß.
Herausgeber
Erik Schreiber
Historisches Deutschland
Das Schloss zu Aschaffenburg
von
Otto Schulze-Kolbitz
Verlag Saphir im Stahl
STUDIEN ZUR DEUTSCHEN KUNSTGESCHICHTE
65. HEFT.
DAS SCHLOSS
ZU ASCHAFFENBURG
VON
OTTO SCHULZE-KOLBITZ
DA. PHIL.
STRASSBURG
J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel)
1903
Inhalt
Vorwort
Verzeichnis der benutzten Literatur
Zeittabelle
Berichtigungen und Zusätze
Erster Teil
Das alte Schloß zu Aschaffenburg (bis 1552)
Schloß- und Stadtbefestigungen
Zweiter Teil
Der Notbau. 1556 – 1606 (das sogenannte „Alte Schloß“)
Dritter Teil
Das neue Schloß zu Aschaffenburg
Einleitung
Porträt des Bauherrn und Baumeisters
Alte Baubeschreibungen. Urkunden und Abbildungen
I. Das Kupferstichwerk Ridingers
II. Hypotyposis scenographica Arcis Augustissimae Aschbg.
III. Die Bauakten
IV. Weitere schriftliche Mitteilungen über das Schloß
Baubeschreibung des Schlosses zu Aschaffenburg
A. Lage des Bauplatzes und seine Umgebung
Vorarbeiten
Die Vorfundamente
Südseite
Grundriß des Schlosses
Schloßwasserleitung und Entwässerung
B. Außenfronten
Die Südseite in ihrer Gesamtwirkung
Die Türme
Die Giebel
Das Dach
Gesamtwirkung des Schlosses
C. Hofansicht
Der alte Turm
Das Kapellentor
Die vier Treppentürme dea Hofes
Die Arkaden
Gesamtbild des Hofes
D. Das Innere
Der Kaisersaal
Beschreibung des Dachstuhles über dem Kaisersaal
Rekonstruktion der ehemaligen Verteilung der 23 Reliefs über die Decke des Kaisersaales Schloßkapelle
Altar
Kanzel
Der Schöpfer der Sehloß-Skulpturen Hans Juncker
Schluß
Anhang
Urkunden
Bauakten
Reisehandbücher, topographische und geographische Werke
Münzen mit Abbildungen des Schlosses
Register
Verzeichnis der benutzten Literatur.
Archiv des historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg.
Amrhein, die Prälaten und Kanoniker des ehemaligen Kollegialstiftes St. Peter u. Alexander zu Aschaffenburg (Würzburg 1882).
Bavaria, Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern 1866. Bd. IV.
Behlen und Merkel. Geschichte und Beschreibung von Aschaffenburg und dem Spessart. Aschaffenburg 1842.
Beilhac, Durch und um Aschaffenburg. 1878.
Beschreibung der 4 weltberühmten Ströme Mosel, Saar, Neckar und Mayn. (Ausführliche und grundrichtige Beschr.). Frankfurt 1690.
Bezold, Gustav von, Handbuch der Architektur. II. Teil, Bd. 7. Die Baukunst der Renaissance in Deutschland, Holland, Belgien und Dänemark. Stuttgart 1900.
Boehmer, Regesta Arch. Mogunt I.
Braunfels, Die Mainufer. 1842.
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Cerceau, Du, Les plus excellents bastimens de France. Paris 1576.
Cornill. Otto. Neujahrsblatt des Vereins für Geschichte und Altertumskunde zu Frankfurt a. M. 1871
Craemer, P. Die Jagd im Spessart München 1892.
Dahl, J. C, Geschichte und Beschreibung der Stadt Aschaffenburg 1818
Darmstädter, Paul. Das Großherzogtum Frankfurt. Frankfurt 1901
Dohme, R. Geschichte der Deutschen Baukunst. Berlin 1885
Ebe, Die Spätrenaissance. Berlin 1886
Friedrich, Karl, Augustin Hirsvogel. Nürnberg 1885
Fritsch, K. E. O. Denkmäler deutscher Renaissance. Berlin 1880 - 91.
Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte. Stuttgart. Berlin. Leipzig. 1891.
Girstenbrey, J. M. Festschrift zur 300 jährigen Jubelfeier der Stiftskirche in Aschaffenburg (zugleich ein Beitrag zu deren Geschichte). Aschaffenburg 1882
Gudenus, Codex Diplomaticus. Frankfurt, Leipzig 1747
Harrer, Peter, Beschreibung des Bauernkrieges, 1625 in „Materialien zur neueren Geschichte“ (G. Droysen). Halle 1881.
Hauss, Franz, geschriebene Chronik der Stadt Aschaffenburg, 1818 zusammengetragen. In der Städt. Sammlung zu Aschaffenburg.
Hefner-Alteneck, Dr. J. H. von, Lebenserinnerungen. München 1899
- Eisenwerke oder Ornamentik der Schmiedekunst des Mittelalters u. d. Renaissance. I. Bd. Tafel 11.
- Briefe an den Konservator der städt. Samml. zu Aschaffenburg, Herrn Friedrich.
Hennes, die Erzbischöfe von Mainz.
Hergenröther, Kirchenlexikon.
Herrlein, A. von, Aschaffenburg und seine Umgebung. Aschaffenburg 1857.
Hypotyposis Scenographica arcis augustissimae … Moguntiae apud Joannem Albinum. Anno 1614 (Festschrift zur Feier des Einzuges in das neue Schloß vom Erzbischöflichen Jesuiten-Kollegium überreicht.)
Joannis, G. Chr., „Res Moguntiacae” Tomus I. II. Frankfurt 1722.
- Scriptouam Historiae Moguntinensi cum maxime inservientium. Frankf. 1722
Kittel, M. B., Die Bauornamente aller Jahrhunderte an monumentalen Gebäuden der Kgl. Bayer. Stadt Aschaffenburg. Programm der Kgl. Bayer. Gewerkschule zu Aschaffenburg. Aschaffenburg 1862/68.
- Manuscript, die Stadtgeschichte Aschaffenburgs betreffend.
- Zettelkatalog.
Dieser und das Manuscript befinden sich im Besitze des Konservators der städt. Samml. zu Aschaffenburg, Herrn Friedrich Kugler, Geschichte der Baukunst.
Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Buchen und Adelsheim (Kreis Mosbach) 1901. Tübingen und Leipzig.
Lotz, Kunsttopographie Deutschlands l857. Bd. II.
Lübke, Wilhelm, Geschichte der Renissance in Deutschland. Stuttgart 1882.
Link, Georg. Klosterbuch der Diözese Würzburg. II. Bd. Würzburg 1876.
May, Beschreibung und Geschichte der kgl. Schlösser und Lustgärten von Würzburg, Aschaffenburg etc. Würzburg 1830.
Meisner, Daniel, Thesaurus philo-politicus h. e. emblemata s. moraliapolitica ... Frankfurt 1624 – 26, bei Eberhard Kieser. Erste Ausgabe enthält 416 Blätter. Zweite Ausgabe enthält 800 Blätter. Nürnberg 1642.)
Merian, Matthaeus. Topographia Alsatiae etc. 1663 s. nnter Topographia Archiepiscopatuum Moguntinensis. 3. 1646. Frankfurt.
Merkel, Joseph. die Miniaturen und Manuscripte der kgl. bayer. Hofbibliothek in Aschaffenburg. 1836.
Mitteilungen zur Geschichte des Heidelberger Schlosses. Bd. II. 1890.
Unter „Sebastian Goetz, der Bildhauer des Friedrichsbaues“ von A. v. Oechelhaeuser.
Monconys. Journal des Voyages de Monsieur de Monconys. Conseiller du Roy en ses conseils d'Estat ... A Paris chez Louis Billanie au Pallais 1675.
Monumenta Germaniae.
Oesterley, Dr. Hermann, historisch-geographisches Wörterbuch des deutschen Mittelalters. Gotha. Perthes 1882.
Ortwein, deutsche Renaissance. XXVI. Abt. Zeichnungen Niedlings vom Schloß Aschaffenburg, Leipzig 1871 - 75. Neue Folge von Scheffers. Leipzig: 1876 - 88.
Protokolle des Stiftsarchivs zu Aschaffenburg.
Piccolomini. Aenae Sylvii, opera, quae exstant omnia. Basel 1571.
Ranke, Leopold von. Jahrbücher des deutschen Reiches. II. Bd. I. Abt. Repertorium für Kunstwissenschaft. XII.
Ridinger, Architectur des Maintzischen Churfürstlichen neuen Schloßbawes St. Johannspurg zu Aschaffenburg sampt dessen gründen, aufzügen, gehenckswercks, gibeln und figuren, von alten römischen Kaysern. Innerhalb des bawes, beneben einen ufzug der Statt Aschaffenburg und gantzen Schloßbawes dnreh Georg Ridingern, Maintzischen Churfürstlichen bestelten Bawmeistern. Bedruckt in der Churfürstlichen Statt Maintz, durch Joan Albin. 1616 Schober, Johann, Führer durch die Stadt und nächste Ungebung von Aschaffenburg. Aschaffenburg 1901.
Serarius. Moguntiacarum rerum ab initio usque ad reverendissimum et illustrissimum hodiernum Archiepiscopum ad Electorem, Dominium. D. Joannem Schwickardum. Libri Quinque. Auctore Nicolao Serario Societatis Jesus S. S. Theologiae Doctore, ac in Academia Mogontina Professore. Moguntiae l604.
Waagen. Kunstwerke und Künstler im Erzgebirge und Franken (Deutschland). I. Leipzig, 1843.
Wallhausen, Joh. Jakob von, Defensio patriae oder Landtrettung. 1621.
Würzburg. Kreisarchiv, Hauptbaurenung des Schlosses Aschaffenburg. 1606 - 18.
- Rechnung. 1618 – 1619.
- Dachstuhl, Grundrisse, Innendekorationen.
Zedler, Universallexikon. 1732.
Zeiller, Martin. Itinerarium Germaniae. Straßburg 1632.
Zeitschrift für die Geschiehte des Oberrheins. N. F. IV. 1899. O. 1 - 45.
Zimmermann. Dr. W., Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges. Stuttgart. l854.
Zimmerische Chronik, ungefähr 1566 geschrieben Bd. IV. I. 166.
Zeittabelle.
855 30. Nov. stirbt Königin Liutgard, Gemahlin Ludwig d. J. in Aschaffenburg (S. 4).
974 Otto, der Sohn Ludolfs v. Schwaben, im Besitz der civitas Ascafabure ; läßt sich hier ein Jagdhaus bauen (S. 5).
1122 Erzbischof Adalbert I. befestigt das alte Schloß (S. 7).
1285 Erzbischof Werner baut eine nene Schloßkapelle (S. 9).
1337 Bau des alten Schloßturmes (S. 9). Ende des 14. Jahrh. wird er erhöht, um 1450 im gotischen Stil ausgebaut. Konrad III. (1419 - 1439) erweiterte das Schloß (S. 10). Theoderich v. Erbach (1419 – 1439) erweitert dasSchloß ebenfalls und schützt es durch neue Mauern (S. 10).
1447 Reichstag in Aschaffenburg (S. 11). Zwischen 1520 - 1530 Entstehung der Hirsvogelzeichnung (S. 14).
1545 24. Sept. Erzbischof Albrecht von Brandenburg stirbt im Schloß (S. 16).
1552 am Laurentiustag wird das alte Schloß niedergebrannt (S. 17).
1556 Erzbischof Daniel kauft vom Stift ein Haus zur Vergrößerung des Hofbaues (S. 20).
1557 Erzbischof Daniel kauft zu demselben Zweck ein anderes Haus von Hans Leonhardt Kottwitz v. Aulenbach (S. 20).
1558 ca. Notbau fertig.
1566 wurde die Glocke, die im Dachreiter des alten Turmes hängt, gegossen (S. 88).
1601 Erzbischof Wolfgang stirbt im Schloß (S. 21).
1604 17. Febr. Schweickhardt Kurfürst.
1605 Vorarbeiten zum Schloßbau (S. 56).
l605 - 1618 (incl.) Hauptrechnung über den Aschaffenburger neuen Schloßbaw. (Würzburger Kreis-Archiv). (S. 43).
1606 Die Vorfundamente werden zu bauen begonnen (S. 57).
1606 (23. - 30. Juli) Wochenrechnung über Erdarbeiten für das Schloß. (Würzburger Kreis-Archiv) (S. 49).
1607 Anlage der Schloßwasserleitung u. Entwässerung (S. 64).
1607 (Frühling) Schweickhardt in Seligenstadt (S. 66).
1607 Bau der Wappenmauer (S. 58).
1608 Kellergeschoß im Bau (S. 66).
1610 Erdgeschoß im Bau (S. 71).
1612 Bildnis des Baumeisters Ridinger im KrämerKunstbuch Aschaff. (S. 34).
1613 große eichene Schloßtüre (Südportal) gefertigt (S. 74).
1613 Schloßkapellenaltar fertig (S. 120).
1614 südliche Burgmauer im Bau (S. 61).
1614 17. Febr. Schloß eingeweiht, am l0jährigen Jahrestage der Wahl Schweickhardts zum Kurfürsten (17. Febr. 1604) (S. 39 u. 86).
1614 Münzen geprägt zur Feier der Einweihung (1613 17. Febr.). Anhang N. 29.
1614 erscheint die Hypotyposis scenographica in Mainz vom Jesuitenkolleg daselbst herausgegeben (S. 41).
1615 in den Wintermonaten wurde dasSchlo bezogen (S. 37).
1616 1. Januar überreicht Ridinger „ein Kupferstichwerk dem Erzbischof (S. 36).
1618 - 1619 Rechnung über den «Newen Schloßbaw zu Aschaffenburg. (Würzburger Kreis- Archiv) S. 47.
1618 Kanzelunterbau mit Bildwerk in der Schloßkapelle von dem Bildhauer Hans Juncker gefertigt, also Kanzel wahrscheinlich schon 1617 (S. 120).
1618 Altar gesäubert von HansJuncker (S. 119).
1618 Tabernakel für den Altar von Jörg Kayser (S. 110).
1618 Inschrifttafel über den Schloßbau am vorderen Eingang (Anhang Nr. 3l).
1619 Münzen geprägt zur Vollendung des Schloßbaues (Anhang Nr. 29).
1621 Stich mit Ansicht des Schlosses. Joh. Jac. v. Wallhausen (S. 26).
1624 (26) Stich mit Ansicht des Schlosses. Daniel Meisner (S. 27).
1625 3. Jan. Brief des Bürgermeisters und Rates von Nürnberg an den Erzbischof Schweickhardt (S. 49).
1631 Gustav Adolf im Schloß.
1646 Stadtplan Aaschaffenburgs von Merian (8. 27). Prospekt Aschaffenburgs von Merian.
Prospekt, Gesamtansicht des Schlosses. Merian (S. 28).
1674 Bericht über das Schloß in: „Itinerarium Germaniae“ (S. 50).
1675 Reisetagbbuchblätter des Baron de Monconys. Abhandl. über d. Schloß (S.51).
1690 Notizen über das Schloß in „Ausführliche u. grundrichtige Beschreib. d. 4 ... (S. 52).
1692 Dachboden und oberen Turmstockwerke des Schlosses eingerichtet (S. 29). Bald darauf Dachstuhl über Kaisersaal ausgebessert und verstärkt (S. 29).
1732 Bericht über das Schloß in dem Zedlerschen Universallexikon (S. 52).
1750 ca. Stich des Rochushospitals (Mainz). Prospekt Totalansicht des Schlosses (S. 30). 2 große Oelgemälde mit Ansichten des Schlosses von Ferdinand Kobell (1740 - 1799) (S. 29). Große Grundrißpläne des Schlosses mit der alten Raiumverteilaug. Würzb. Kreisarchiv (S. 31). Umbauskizzen zur Herstellung der durchlaufenden Korridore. Würzb. Kreisarchiv (S. 31).
1783 Notbau abgerissen (S. 32). Ende d. 18. Jahrh. Stich mit Ansicht des Schlosses (S. 31).
1799 Stich mit Ansicht des Schlosses. A. W. Huffner (S. 32).
1780 - ca. 1815. Dauer der großen inneren Umbauten.
19. Jahrh. Zahlreiche Abbildungen Schlosses in Kalendern, Almanachen, Reisehandbüchern (S. 32).
1802 Schalldeckel über der Kanzel von Bildhauer Eckert (S. 112).
1805 Der plastische Aufbau, der bis ca. 1780 über dem großen Wappen der Wappenmauer stand, wird als künsliche Ruine ins Schöntal gebracht (S 32, S. 59).
1806 Stich mit Ansicht den Schlosses. Aubert père. Nach einem Oelgemälde gestochen, das den Einzug Napoleons in Aschaffenburg darstellt und sich in der Galerie in Versailles befindet (S. 32).
1836 Aus den Schloßkellern werden Urkunden und Akten des Kurmainzer Archivs, die dort in Kisten und Fässern untergebracht waren, entfernt (S. 99).
1867 Aufsatz Dr. M. B. Kittels über das Schloß (S. 33).
Vorwort
Die vorliegende Studie macht den Versuch, die Baugeschichte des Aschaffenburger Schlosses darzustellen, die bisher nur mit kurzen Notizen in Handbüchern der Kunstgeschichte oder sehr unvollständigen Abhandlungen der alten und neueren Reiseliteratur abgetan wurde.
Schon gleich zu Beginn der Arbeit stellte es sich heraus, daß in die Betrachtung des jetzigen Schlosses die des alten notwendigerweise mit hineinbezogen werden mußte; hierbei war zuerst der Irrtum zu klären, der dem alten Schloß eine andere Stelle als dem neuen anwies, ferner die Entstehung der Bauteile zu beleuchten, die sich nach dem großen Brande des Jahres 1552 in die neue Anlage hinübergerettet haben.
Bei dieser Untersuchung und der der Baugeschichte des jetzigen Schlosses kam es mir in erster Linie darauf an, aus urkundlichen Quellen und Mitteilungen die bis dahin überhaupt unberücksichtigt geblieben waren, die Entstehung der erzbischöflichen Residenz in gedrängter Uebersicht zu geben. Es fanden sich bei diesem Versuch eine beträchtliche Reihe von Angaben, die in kunsthistorischer und rein technischer Beziehung sowohl, als auch in kulturhistorischer über manche bisher offen geliebene Fragen Auskunft gaben.
Hierbei gelang es auch, den Bildhauer der Skulpturen der Schloßkapelle zu entdecken, der es vollauf verdient, in die so namenarme Reihe deutsche Künstler der Renaissance gereiht zu werden. Weitere Studien sollen den Nachweis erbringen, wie sich in den Maingegenden eine ausgedehnte Bildhauerschule entwickelte, die Würzburg zum Zentrum hat.
Ferneren Untersuchungen muß es auch vorbehalten bleiben, die Architektur des Schlosses in eine bestimmte Bauschule einzugliedern, da mir bisher die Zeit fehlte, die mit unserem Bau in Verbindung stehenden Werke persönlich zu prüfen. Mit Abbildungen allein, glaube ich, ist diese Arbeit nicht zu bewältigen, da das vorhandene Material sehr unzureichend ist und meist nur Gesamtansichten, selten gute Details gibt.
An dieser Stelle sei es mir noch erlaubt, Herrn Prälaten Dr. Friedrich Schneider in Mainz meinen pflichtschuldigsten Dank zu sagen für die mannigfaltigen Förderungen und Anregungen, die ich durch ihn erfahren habe.
Ebenso fühle ich mich zu Dank verpflichtet: den Vorständen der Kgl. Bibliothek zu Aschaffenburg und Würzburg Herrn Professor Hart und Herrn Archivrat Göbl, ferner dem derzeitigen Restaurator des Mainzer Schlosses Herrn Architekten Opfermann und vor allem dem Konservator der Städt. Sammlung zu Aschaffenburg Herrn Friedrich, der in selbstlosester Weise mir jederzeit fördernd zur Seite stand.
Ein Mann, der aus Aschaffenburg gebürtig, mir noch in den Tagen hohen Alters mit seiner großen Erfahrung viel genützt hat, weilt nicht mehr unter den Lebenden: Herr von Hefner-Alteneck, der unermüdliche Forscher deutscher Kunst.
Ihm will ich treues Gedenken bewahren.
Berlin, Oktober 1905
Otto Schulze - Kolbitz.
ERSTER TEIL.
DAS ALTE SCHLOSS ZU ASCHAFFENBURG
(BIS 1558).
Schloß- und Stadtbefestigungen.
Unermüdlich ziehen die stillen Wasser des Mains zu Tal, seit Jahrtausenden folgt rastlos Welle auf Welle, in ewig junger Naturkraft alle Wechsel der Zeit überdauernd. Die Berge mit ihren friedlichen Tälern, durch die sich einst der junge Strom mit schäumendem Uebermut siegreich Bahn brach, stehen noch ragend, wie an jenem ersten Tage; die Wälder und Fluren, die seine Ufer umsäumen, sind noch wie damals, nur was des Menschen Hand in schaffender Arbeit errichtete, ist, wie er selbst, dem Verfall und der Vergänglichkeit unterworfen.
Oede und einsam war es hier in jener Urzeit, dicht verwachsen und unwirtlich, lange mußte der Mensch in verwegenem Kampfe und harter Mühe ringen, bis er sich Bahn gebrochen in diesen verlassenen undurchdringlichen Waldgegenden. Die fließenden Wasser hörten den Schlag der Axt, sie sahen armselige Holzhütten in dem Dickicht, das sich langsam lichtete, auf den Fluten glitt der Einbaum hinab.
Andere Zeiten kamen. Durch die Berge klang schaurig das Echo römischer Tubahörner, gewappnete Krieger erblickten die erschrocken aufblitzenden Wellen, trotzige Männer bauten die ersten Brücken über sie (1), Kastelle und Mauern stiegen aus der Erde. Ein ander Geschlecht zerbrach diese Grenzfesten, in den gährenden Zeiten der wandernden Völker zog manch fremder Stamm das Maintal hinab, und als es endlich wieder ruhig geworden, als die Merovinger-Könige jene Gegenden in ihren Besitz genommen, pilgerten ernste Männer den Strom hinauf und kündeten den rauhen Einwohnern mit leuchtendem Auge und glaubensvollem Gemüte von dem Erlöser der Welt. (2)
In einem stillen Winkel, da wo der Main wieder nach Nordwesten fließt, nachdem er die große sudliche Schleife über die alten Städtchen Wertheim und Miltenberg fast beendet hat, liegt Aschaffenburg auf den letzten Ausläufern des Spessarts, die hier bis an den Fluß vorrücken: jenseits der Ufer, weit hinter der fruchtbaren Niederung schließen in blauender Ferne die sanften Höhenzüge des Odenwaldes den Horizont.
Lange war man der Ansicht, diese Stadt sei ursprünglich ein römisches castrum mit einer Niederlassung gewesen auf dessen Grundmauern später die erste Anlage des Alten Schlosses, dessen Reste man auf dem Badberge suchte, erstanden sei: (3) mau lutdi sie für einen Brückenkopf des am anderen Ufer liegenden Kastells Stockstadt des transrheinischen limes, der
hier nicht wie in seinem übrigen Laufe von Wall und Graben, sondern zwischen Miltenberg und Groß-Krotzenburg nur von dem trennenden Flusse gebildet wurde.
Dieser Glaube bildete sich durch die Funde, die man 1777 bei Niederlegung eines Stadtturmes (Döngesturm) der alten Mauer machte. Es fanden sich dort römische Opfer- und Gelübdesteine eingemauert, und der geistliche Rat Heim, der sie damals beschrieb, folgerte daraus den römischen Ursprung Aschaffenburgs.
Heute ist, dank der Ausgrabungen des Kreisrichters Conrady (Miltenberg) (4) nachdem schon vorher Herrlein zuerst die festgewurzelte Meinung angezweifelt hatte (5), erwiesen, daß hier nie Römer gesessen, daß alle diese Steine (6), deren Gesimse meist abgeschlagen wurden, um sie als glatte Quadern besser vermauern zu können, aus dem nahen Stockstadt stammen.
Wahrscheinlich hatte der Mainzer Erzbischof Adalbert I., als er 1122 Aschaffenburgs Mauern, wie wir unten sehen werden, notgedrungen plötzlich erweitern und verstärken mußte, dies Material, soweit es nicht die umwohnenden Landbewohner für ihren Häuserbau benutzt hatten, heranbringen lassen. Bis auf die untersten Fundamente wurde damals das verlassene Kastell umgewühlt, alles, was irgend brauchbar war, wurde fortgeschleppt. Wäre in Aschaffenburg jemals eine römische Ansiedlung gewesen, hätte man gewiß Scherben ausgegraben, die sich an allen derartigen Plätzen in großer Zahl finden. Nachforschungen in dem Boden Aschaffenburgs zeigten aber keine Spur von diesen, und die wenigen Münzen, die man bisher entdeckte, sind keineswegs ein sicherer Anhalt, da sie bei dem regen Verkehr der römisehen Kaufleute fast überall verstreut vorkommen. Auch berührte die alte Römerstraße den Winkel, den der Fluß hier bildet, und an dem unsere Stadt liegt. überhaupt nicht, sondern ging von Stockstadt in gerader Linie auf Obernburg zu.
In der Merovingerzeit sollen Karl Martell und Pipin der Kurze in diese Gegend gekommen sein, um im Spessart, den vorher schon König Gunther von Worms mit seinen Degen durchzogen hatte, dem Waidwerk obzuliegen. (7)
Unter Karl des Großen wurde der Spessart, der sich damals noch bis in die Gegenden des Odenwaldes erstreckte (8), königlicher Bannforst; ein schlichtes Jägerhaus, nur aus Findlingen und Holz errichtet, bot gewiß dem hohen Jäger Schutz und Unterschlupf vor Wind und Wetter, und seine Nachfolger, die vorübergehend in Frankfurt residierten (9), werden den Main hinaufgefahren sein und wie einst der große Vorfahr von hier aus durch die wildreichen Wälder gepürscht haben.
Um 855 findet sich Aschaffenburg urkundlich erwähnt (10) und wir erfahren, daß die Königin Liutgard, die Gemahlin Ludwigs des Jüngeren, in Asseafaburh am 30. November gestorben und ehrenvoll bestattet ruhe. (11)
Ferner berichtet Ekkehard von Aura, wie auch Girstenbrey angibt, die Hochzeit der beiden eben erwähnten Fürstlichkeiten habe zu Aschaffenburg in Ostfranken stattsgefunden (869) und letztere Stadt sei der Liutgard als Morgengabe und Witwensitz von ihrem Gemahl geschenkt worden. (12) Wurde ein solches Fest hier gefeiert, mußte das ehemalige Jagdhaus Karls des Großen unterdessen erweitert worden sein, und gewiß war auch eine Niederlassung allmählich um dasselbe entstanden. Nach dem Tode der Königin Liutgard, die in Aschaffenburg ihre letzte
Ruhestätte fand (13), kam die Stadt an die fränkischen Herzöge, die in dieser Zeit der zunehmenden Entwickelung des Sonderstaats in Deutschland auch hier ihre Macht zu entfalten anfingen.
Inzwischen hatte Eberhard von Franken im Jahre 941 nach dem gemeinsamen Aufstande mit Heinrich, dem Sohne Otto I., Giselbert von Lothringen, Ludwig IV. von Frankreich und Erzbischof Friedrich von Mainz bei Andernach Land und Leben verloren: das Herzogtum wurde nicht wieder hergestellt, und Eberhards Erbgüter geteilt. 974 ist Otto, der Sohn Ludolfs von Schwaben, der Enkel Otto I. im Besitze der civitas Ascafaburc (14). Als er am 31. Oktober 982 auf dem Heimweg von Unteritalien, wo er mit Kaiser Otto II. gegen Griechen und Sarazenen gekämpft hatte, in Lucca starb (15), ließ er sein Land, da er unvermählt geblieben war, ohne Erben, nur für seine Stiftung, die er der Aschaffenburger Kirche gemacht hatte, war schon vorher von ihm in verschiedenen Schenkungsurkunden gesorgt worden.
Er ist der Erbauer der Stiftskirche zu St. Peter und Alexander und Gründer des Kollegiatstiftes in Aschaffenburg (16); ferner ließ er sich an demselben Orte ein Schloß, oder richtiger ausgedrückt, eine Behausung und Unterschlupfstätte für Jäger errichten, wie es in der hetreffenden Handschrift heißt. (17) „Ravenspurc“ nannte man diesen Sitz, der in der Nähe des damals noch kleinen Ortes Aschaffenburg lag. Nach einer alten Sage (18) stand diese Ravensburg schon zur Zeit Karls des Großen, der sich auf einem Pürschgange nachts in dem dichten Walde verirrte, und gelobte, an der Stelle, wo er den ersten Menschen treffen würde, ein Kloster zu gründen. Früh morgens weckte ihn das Geräusch eines Holzfällers, der ihm mitteilte, daß er in der Nähe der Ravensburg übernachtet habe, und der Kaiser löste bald sein Versprechen ein.
Möglich, daß diese Sage erst später entstanden, als Otto seine Behausung bereits so genannt hatte, möglich auch, daß letzterer das alte Jagdschloß, das schon seit Karls Zeiten den Namen trug, für seine Zwecke wohnlicher gestaltete, jedenfalls irren alle früheren Geschichtsschreiber des Schlosses (19), wenn sie die Stelle dieses ersten Baues in der Webergasse suchen, wo heute das Forstamtsgebäude und das Kornhäuschen steht (20); alle haben sich durch den Merianschen Stadtplan (21) von 1646 irre leiten lassen, auf dem freilich ungefähr an dem bezeichneten Orte „das alt Schloß“ steht. Auch der Prospekt Aschaffenburgs in dem Kupferstichwerke Ridingers (22) zeigt über einer Reihe von kleineren Gebäuden, die ebenfalls an der obengenannten Stelle stehen, die Worte: „Das Altte Schloß“. Was dies für eine Anlage war, werden wir später erfahren, nur soviel sei gesagt, daß der Zeichner des Planes in der Topographia hiermit eine weit Jüngere Anlage meinte.
Ottos Leiche wurde von Lucca über die Alpen nach Aschaffenburg gebracht und in Anwesenheit des Erzbischofs Willigis feierlich in der Stiftskirche beigesetzt. Bald darauf kam die Stadt zum Erzbistum Mainz, denn schon im Jahre 989 erbaute Willigis bei derselben die erste Brücke (23) über den Main und fast 820 Jahre blieb sie treu unter diesem Reginiente. Erst im Jahre 1122 wird wieder der Stadt und des Schlosses urkundlich Erwähnung getan. Damals lag Kaiser Heinrich V. mit dem Mainzer Erzbischof Adalbert I. im Streit wegen der Neubesetzung des Würzburger Stuhles und da der ebenso „tatkräftige als weitausschauende und diplomatisch gewandte“ Kirchenfürst deshalb einen festen Zufluchtsort brauchte, um sich vor einer eventuellen neuen Gefangennahme von Seiten des Kaisers zu schützen, so erneuerte er die alten Stadtmauern seiner Residenz Aschaffenburg (24) verstärkte und erweiterte sie und befestigte gleichzeitig das alte Schloß, von dem es heißt, daß es schon seit langer Zeit fast gänzlich verfallen und zerstört war (25).
Gewiß mußte der Bau möglichst beschleunigt werden, zumal der Kaiser, der von dem kühnen Plane Adalberts gehört hatte, sich persönlich beleidigt fühlte und dies Unternehmen als eine Verletzung der Reichsgesetze ansah. (26) Tag und Nacht werden, die Städter für ihren Herrn gearbeitet, viele Fuhren Steine werden die Einwohner der umliegenden Ortschaften im Frondienst mühsam herbeigeschafft haben, und damals war es auch, daß von Stockstadt als willkommenes Material die bereits behauenen Quaderreste des alten Römerkastells angefahren wurden. Alle römischen Funde, die man in Aschaffenburg machte, waren in dem Mauerwerk, das Adalbert hatte errichten lassen, auch der Döngesturm, den wir oben erwähnten, gehörte in diesen Befestigungsring, gerade er sollte nach seinem Abbruch im Jahre 1777 ein wichtiges Dokument für die angeführte Behauptung liefern. Es kam nämlich hier ein Gelübdestein zutage, den ein gewisser Publius Ferrasius Avitus dem Jupiter geweiht hatte. Nun fand sich in Stockstadt das Bruchstück eines ganz ähnlichen Denkmals (27), dessen Inschrift nach dem Votivstein aus dem Döngesturm unschwer ergänzt werden konnte und es ergab sich, daß beide Steine von demselben Stifter herrühren. Beide waren auch ohne Zweifel einst an demselben Orte, in Stockstadt, aber während der eine an seinem alten Platze verblieb, wurde der andere zum Mauerbau nach Aschaffenburg gebracht. Hieraus folgt, daß auch die anderen beim Abbruch des Turmes gefundenen Steine von dort hierher geschafft wurden und so lange keine anderen wirklichen Beweise für die Entstehung der Stadt aus einer römischen Niederlassung gefunden werden, müssen wir sie, und gewiß mit Recht, auf germanischen Ursprung zurückführen.
Von der alten Umwallung, die Adalbert hatte errichten lassen, steht noch ein gut Stück oben auf der Anhöhe nach dem Main zu. (28) Bei dem sogenannten Windfang bog sie nach Nordosten um, lief am Löhergraben entlang, gerade auf die Stiftskirche zu und näherte sich dann in nordwestlicher Richtung der Mainmauer wieder. An dem nördlichen spitzen Winkel, wo der Berg nach zwei Seiten plötzlieh abfällt, stand das alte Schloß, genau an derselben Stelle, an der auch das jetzige sich befindet, und erst im Jahre 1552 fiel es der Brandfackel Albrechts von Brandenburg-Kulmbach zum Opfer. Kein anderer Platz wäre schon während seiner natürlichen Lage so geeignet gewesen; nördlich und westlich senkt sieh das Gelände nach dem Viehberg und dein Main zu, an den übrigen Seiten wurde die Burg von der oben genannten Mauer gedeckt. Hätte sie weiter südlich, wie man bisher allgemein annahm, gestanden, wäre es jedem Angreifer ein leichtes gewesen, die Anhöhen ungehindert zu erklimmen und dann auf dem ebenen Plateau gegen das Schloß anzustürmen. Die weiteren Beweggründe für die Annahme der ursprünglichen Lage desselben an dem bezeichneten Platze werden wir bei Betrachtung der Zeichnung des alten Schlosses von Veit Hirsvogel (29) näher ins Auge fassen.
Abermals verging eine lange Spanne Zeit, päpstliche Legaten hatten während ihres Aufenthalts in Mainz Kaiser und Erzbischof ausgesöhnt, in dem Schloß saß nun ein Vizedominus, der seinen Herrn vertrat und besonders die Geld und Verwaltungsgeschäfte zu leiten hatte. (30) Wohl hören wir manches von dem Stifte, das sich durch reiche Schenkungen immer mehr ausdehnte, dem viele adelige Familien lehenspflichtig waren, über das Schloß schweigt die Geschichte und erst im Jahre 1285 meldet uns eine kurze Nachricht (31), daß unter dem Erzbischof Werner hier eine neue Kapelle zu Ehren Johannes des Täufers eingeweiht wurde. Wir ersehen hieraus, daß schon das alte Schloß denselben Schutzpatron wie das neue hatte. Aschaffenburg selbst wurde der alte Mauergürtel, der die Oberstadt umschloß, zu eng, neue Ansiedlungen entstanden und in den Jahren 1363 bis 1364 wurden auch diese mit Wall und Zwinger umgeben; von der Löherpforte im Südosten der Stadt lief diese Befestigungslinie über das Sand- und Herstalltor nach Norden herum und weiter um das Viertel, das zu der inzwischen gebauten St. Agathakirche gehörte. Auch die Fischergasse unten an der Mainbrücke wurde in die Erweiterung mit hineinbezogen. (32)
Ende des XIV. Jahrhunderts wurde unter der Regierung Erzbischofs Johann II. der alte Streitturm des Schlosses, den man schon 1337 (33) zu bauen begonnen hatte, erhöht, der als einziger Ueberrest der ersten Anlage Zerstörung und Zeit überdauerte und später dem Neubau des Erzbischofs Schweickardt von Cronenberg (1605 - 1614) eingegliedert wurde. Sicherlich wird Kurfürst Johann II. die Befestigungen noch mehr verstärkt haben, damit er in seinen Kämpfen mit Thüringen und Hessen eine etwaige Belagerung besser aushalten konnte. Kurfürst Konrad III. (1419 - 1439) erweiterte die Burg abermals und stattete sie prächtiger und glänzender aus (34), auch schuf er 1430 eine neue steinerne Mainbrücke, da die alte, wie die Limburger Chronik berichtet, bei einem schweren Eisgange zerstört worden war. (35)
Unter seinem Nachfolger Theoderich von Erbach (1439 - 1459) erfuhren Stadt und Schloß neue Erweiterungen. (36) Er setzte den Ausbau des letzteren fort und sicherte es durch Anlage einer starken Mauer, die vorn am Main die tiefe Einsenkung sperrte, welche zwischen Schloßberg und der Anhöhe, auf welcher heute das Kapuzinerkloster liegt, von der Stadt aus allmählich nach dem Fluß zu abfällt und Viehberg genannt wurde.
In der Nähe der jetzigen Karlstraße fand sich in dem oberen Teile dieser starken und mit breiten Strebepfeilern versehenen Wehr der Rumpf einer Figur eingemauert. Da von unten nicht genau zu erkennen war, was das mutwillig von Steinwürfen beschädigte Stück zu bedeuten habe, ließ ich es aus seiner Umgebung vorsichtig herausbrechen, und bald kam der gut gearbeitete Torso einer männlichen Figur zutage, der von der Hüfte bis zum Oberschenkel erhalten war. Aus dem feinkörnigen Sandstein treten deutlich die Bauchmuskeln hervor, besonders plastisch aber ein Kranz von Weinblältern, der sich um die Hüften legt. Ueber die Entstehungszeit wird kaum etwas Genaues zu ermitteln sein, jedenfalls aber wurde die Figur schon bei Errichtung der Mauer als Baumaterial benutzt. Sie auf römischen Ursprung zurückzuführen und wegen des Weinlaubes etwa als Bacchus- zu deuten, wird kaum angehen, da die Werke, die aus dieser Periode am limes gefunden sind, in der Ausführung einen bedeutend handwerksmäßigeren Eindruck machen. Die einzige Möglichkeit wäre, ihre Anfertigung in romanische oder gotische Zeit zu versetzen und als Bruchstück einer Adamsfigur zu erklären. Diese mächtige Mauer, die unterhalb des Schlosses den Hohlweg hinabläuft, biegt am Main im scharfen Winkel nach Norden um, zieht an dem Ufer entlang und öffnet sich nach dem Viehberg in einem breiten spitzbogigen Tore, über dem man noch heute das steinerne Wappen des Erbauers erblickt. Ueber diesem ragen elf kräftige Konsolen aus der Wand hervor, auf denen einst ein Vorbau, eine sogenannte Pechnase ruhte. Während man jetzt auf der Mauer unter einem grünen Rebendache entlang geht, war dieselbe früher schräg abgedeckt und hinter ihr zog sich der Wehrgang hin, auf dem die Verteidiger standen und durch schmale Schießscharten den Gegner mit ihren Geschossen überschütteten. (37)
Steile Felsen bildeten weiter stromab genugende Befestigung für das dahinterliegende Gelände, das der „Schutz“ genannt wurde, die Mauer begann erst wieder da, wo jetzt der kleine Pavillon (ehemals ein Turm) steht, und lief als Stickelzaun zum Dingstalltor, hinter dem sich auch nach und nach Ansiedler niedergelassen hatten. (38) In dieser Zeit berief Kaiser Friedrich III. einen Reichstag nach Aschaffenburg (1447), da er zur Erreichung seiner Pläne Erzbischof Dietrich von Mainz brauchte. (39) Aeneas Sylvins Piccolomini, der spätere Papst Pius II., weilte Camals als Abgesandter des Kaisers hier und wird gewiß als Gast im Schlosse während seines Aufenthaltes gewohnt haben. (40)
Das Jahrhundert ging zur Neige, viel hatte die Stadt in den unruhigen Zeiten zu erdulden, aber die härtesten Prüfungsjahre standen ihr noch bevor. Im Bauernkriege zogen die Kriegshaufen, an der Spitze Goetz von Berlichingen und Metzler, von Miltenberg durch das Modautal gegen Aschaffenburg. (41) Hier belagerten sie den Statthalter Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1514 - 1545) Wilhelm, Graf von Hohenstein, die Einwohnerschaft selbst half dem Feinde die Stadt einnehmen, zwang Wilhelm die vorgelegten Bedingungen und zwölf Artikel zu unterzeichnen, und Bürger und Bauern praßten gemeinsam in den geistlichen Häusern und Pfarrhöfen: später verhandelte man wegen der Brandsehatzung. (42) Wenn Kittel und Lübke angeben, das Schloß sei damals bis auf die Grundmauern zerstört worden (43), so irren sie, denn Goetz selber hatte den Räten des Statthalters, die ihn um Vermittelung angingen, zugesichert, er werde dem Stifte keinen Schaden zufügen, wenn er ihm freilich auch nichts nützen könne. (44) Noch stand der Bau, der allmählich durch Anbauten und Erweiterungen immer größer und stolzer geworden war, der dem Simon Lemnius, bekannt durch seine Händel mit Luther und durch Lessings trefflich geschriebene Rettung die schwülstigen Verse entlockte: (45)
„Kühn und gebietend erhebt sich der Bau zu ätherischen Räumen,
Läßt Pyramiden zurück. glänzender Könige Werk!
Dir weicht Memphis und Ilion Dir, und das reiche Mykene,
Schweigend vor Dir in den Staub, sinket neronische Pracht,
Weithin blickt Dein Fürst auf segenbeladene Felder.
Unter dem stampfenden Fuß strömet in Fülle der Most.
Kaum im Hetrurien wächst der Reichtum schwellender Trauben,
Selber Methymna rühmt minderer Fülle sich nur.
Hügel hinan reift köstlicher Wein, dem Falerner vergleichbar -
Deutschem Gelände entquillt, herzerfreuend der Saft
Vor Dir strömt in der Tiefe des Mains sanft gleitende Welle.
Dessen gewundener Lauf weite Bezirke bespült;
Doch so herrlich geschmückt, stolz ragend empor zu den Wolken,
Bist Du an Größe doch nicht gleich dem erhabenen Herrn!
Von diesem Wunderwerke, das keineswegs erst eine Neuschöpfung Erzbischofs Albrecht von Brandenburg war, wie man bisher annahm, sondern sich allmählich durch die Jahrhunderte zu diesem Umfange entwickelt hatte, ist nun auch eine Zeichnung wiedergefunden, (46) die das alte Schloß, wie es bis 1552 gestanden, darstellt und von Veit Hirsvogel dem Jüngeren herrührt. (47) Sie gehört zu der Sammlung des 1798 in Bamberg geborenen Kunstfreundes Joseph Heller, der wahrscheinlich ein Verwandter des bekannten Nürnberger Patriziers und Tuchhändlers Jakob Heller war, welcher 1500 nach Frankfurt am Main übersiedelte und dort 1509 für die Dominikanerkirche das herrliche, von Albrecht Dürer gemalte Altarwerk und den aus sieben überlebensgroßen Figuren bestehenden Kalvarienberg auf dem Domkirchhofe stiftete. (48) Vielleicht fuhr der junge Maler damals mit seinem Gönner zu Schiff von Nürnberg nach Frankfurt zur Messe, er zeichnete das imposante Bild des mächtigen Schlosses, und Jakob Heller erwarb die Skizze, die später in den Besitz seines Verwandten überging. Sieht man von dieser Möglichkeit ab, so kann letzterer auch das Blatt in Nürnberg gesehen und erworben haben, als er seine Sammlung anlegte. Das Eine ist gewiß, daß die Entstehung dieser bisher einzigen Abbildung des alten Aschaffenburger Schlosses in die Zeit nach 1500 fällt; stilistisch ist sie wohl sicher nach 1520, vermutlich erst zwischen oder 1540 anzusetzen, da die reine Landschaftszeichnung in Deutschland erst durch Albrecht Dürer aufkam, dem dann Altdorfer mit dem ersten Landschaftsölbilde (in München) nachfolgte. Oben über der Zeichnung steht:
„Das ist Aschennburg, do der Bischoff von Menz hoff helltt. Leigtt am Mein.“
Genau an derselben Stelle, wo die heutige Johannisburg Schweickardts steht, erblicken wir den gewaltigen Bau, der die Stadt weit überragt.(49) Vorn links am Mainufer zieht sich die vorhin erwähnte Mauer des Erzbischofs Theodorich entlang, die noch heute erhalten ist, auch das runde Ecktürmchen mit dem spitzen Helm ist noch jetzt, wenn auch nur in seinem unteren Teile sichtbar. Die sich hier anschließende zinnenbekrönte Wehr ist abgetragen, nur noch ein Stück dicht über dem Erdboden hat man stehen gelassen und später da, wo einst diese untere Mauer hinlief, eine Straße (heute Suicardusstraße angelegt. Im Vordergrunde auf einer kleinen Insel stehen verschiedene Fachwerkgebäude, die zu einer Mühle gehörten, deren Räderwerk und sinnreiche Konstruktion schon dem Nürnberger Arzt Hieronymus Münzer auffiel, als er 1495 bei einer Reise nach Würzburg hier durchkam (50). In seinem weiteren Bericht über Aschaffenburg sagt er, daß die auch sonst mit stattlichen Gebäuden gezierte Stadt vor allem wegen des herrlichen Schlosses einen Namen habe.
Und betrachten wir die Hirsvogelzeichnung, so begreifen wir dies vollsläridig. Ueber der Verlängerung der alten Stadtmauer, die an ihrem linken Ende mit einem Turme abschließt und von da im schrägen Winkel auf die Mauer, die ich im folgenden als Theodorichmauer bezeichnen werde, stößt (51), erhebt sich das Schloß in malerischem Gewirr von hohen und niederen Gebäuden, großen und kleinen, runden und eckigen Türmen, die wieder mit lustigen Anbauten verziert sind. Alles überragt ein schwerer, massiger Bergfrit, oben ebenfalls mit kleinen Türmchen geschmückt, über denen sich das steile gotische Dach erhebt. Das ist der alte Geselle, der trotzig die Jahrhunderte überdauerte und noch heute im Hofe des neuen Schlosses steht. Nicht war er, wie man früher annahm, ein Turm der alten Stadtmauer (52); er sollte vom kurfürstlichen Vizedom bei Belagerung besetzt werden, um Stadt und Burg auf der schwächeren, nordwestlichen Seite vor Ueberfällen zu schützen. (53) Im Jahre 1337 (54) hatte ihn der abgesetzte Kurfürst Heinrich III. zu bauen angefangen, durch Johann II. war er Ende des XIV. Jahrhunderts erhöht und von Theodorich 1450 oben im gotischen Stile ausgebaut worden. Damals erhielt er auch die Ecktürmchen, denen erst eine spätere Zeit die spitzen Dachhelme nahm und sie durch geschweifte ersetzte. Wie ein echter Bergfrit besaß er kein Tor zu ebener Erde, nur im oberen Teile befand sich ein Zugang, der mittelst einer beweglichen Leiter erreicht werden konnte. Der Raum zur ebenen Erde enthielt Schlafgemächer und Vorratskammern. (55) Der Keller diente als Verließ und Aufbewahrungsort von Trinkwasser, das durch eine Oeffnung im Fußboden emporgewunden wurde. Zur Linken des Baues sieht man auf der Zeichnung die Mauer, die Theodorich den Viebberg hinauf errichten ließ, und weiter hinten, an den Nordostturm des Schlosses anschließend, die, welche sich um das Stadtviertel der Agathakirche herumzog. Rechts erblickt man die Stadt (56) mit ihren Fachwerkgiebeln und Wänden, mit ihren Dächern und Kirchtürmen und weit im Hintergrunde die waldigen Höhen des Spessarts. Hier weilte der Mainzer Erzbischof, Albrecht von Brandenburg, lange Jahre, nachdem er sich aus dem protestantisch gewordenen Halle zurückgezogen hatte, hier sann er seinem Leben nach, in dem Luther eine so bedeutende Rolle gespielt hatte, und suchte den Frieden seiner unruhigen Seele im stillen Schauen des weiten Landes, des ruhig dahinziehenden Flusses: sein künstlerischer Sinn umgab sich mit den Werken eines Grünewald und anderer Meister, wie Beham und Glockendon, die seine Gebetbücher mit unendlichar Liebe und Phantasie schmückten (57), die mit einer bewundernswerter Ausdauer seine Schöpfungen für die Kirche schufen; hier gab er am 24. September 1545 seinen nimmermüden Geist auf, und die leise rauschenden Wasser des Main, denen er so oft in tiefem Grübeln und Denken nachgeschaut, die in ihrem ewigen Kommen und Gehen ihn an die Vergänglichkeit alles Irdischen mahnten, trugen den jetzt so stillen Mann, dessen Leiche auf dem schwarzverhängten Schiffe aufgebahrt stand, hinab in die alte Stadt, durch die er einst in jungen Tagen in strahlendem Glänze gezogen war. (58)
Unter Albrechts Nachlolger, dem Kurfürsten Sebastian wütete der schmalkaldische Krieg im Mainzer Gebiet, das verbündete Heer brannte 1546 einen Teil von Aschaffenburg nieder und plünderte Kirchen und Klöster der ganzen Umgebung: auch die kurfürstlichen Schlösser wird man dabei nicht verschont haben, da der Besitzer sich weigerte, die 40000 fl. Brandschatzung zu erlegen. (59) Die unruhigen Jahre wollten kein Ende mehr nehmen, Truppendurchmärsche und Einquartierungen von Freund und Feind wechselten miteinander ab, alles lebte in steter Sorge und Aufregung, endlich rückte das Jahr 1552 heran, das das größte Unglück über unsere Stadt bringen sollte. Sie wurde vom Grafen von Oldenburg besetzt, auf des Markgrafen Albrecht von Brandenburg Geheiß plünderte das Soldatenvolk das kurfürstliche Schloß und als alles fortgeschleppt war, was irgendwie Wert besaß, warf man im rohen Uebermute die Brandfackel hinein, und die gierig züngelnden Flammen vernichteten in lodernder Glut in wenigen Stunden alles, was Menschenhände durch Jahrhunderte mit Mühe und Fleiß errichtet hatten. (60)
Als der Laurentiustag zur Neige ging, war das Zerstörungswerk beendet; aus der rauchenden Trümmerstätte, die sich in den dumpfmurmelnden Wassern wiederspiegelte, ragte starr und unverrückbar, wie ein warnendes Mal, ein einziger Zeuge alter Pracht und Herrlichkeit aus dem schwelenden Schutt - der alte Turm! –
ZWEITER TEIL.
DER NOTBAU. 1556-1606.
(Das sogenannte „Alte Schloß“)
Im Jahre 1554 wurde endlich der streitsüchtige Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, nachdem er schon vorher (9. Juli 1553) von Moritz von Sachsen bei Sievershausen besiegt und bald darauf in die Reichsacht erklärt war, von den verbündeten Fürsten auf der Heide zwischen Volkach und Kissingen derart geschlagen, daß er nach Frankreich fliehen mußte, wo man ihm ein Jahrgeld ausgesetzt hatte. Nach allen den Streitigkeiten der letzten Jahre und besonders durch den Markgräfler Krieg war die Sehnsucht nach Frieden, zumal bei den schwer betroffenen geistlichen Herren immer lebhafter geworden und alles wünschte einen „allgemeinen, von jeder Zeitbegrenzung unabhängigen Religionsfrieden herbei. Erleichtert atmete Deutschland auf, als endlich zu diesem Zwecke am 5. Februar 1555 der Reichstag in Augsburg zusammentrat der die Grundlage der weiteren politischen und religiösen Entwickelung des Reiches werden sollte.
Auch in das Mainzer Gebiet, das in der letzten Zeit so viel erlitten, zog wieder Ruhe und Ordnung ein, langsam erholte sich das Land und nach und nach entfaltete sich aufs neue der einstige Wohlstand, den harte Kriegsjahre erbarmungslos vernichtet hatten.
In Aschaffenburg ward wieder aufgebaut, was das Feuer und die rohe Soldateska zerstört hatten, nur das Schloß blieb als trauriger Schutthaufen liegen; vor ihm stand 1566 der Graf von Zimmern, als er auf seinen Reisen die Stadt berührte und verwünschte in derben Worten den Urheber all dieses Frevels. Er nennt es die „herrlich alt reichscanzlei, die nimmer mag widerum restaurirt werden, und schad, fährt er fort, daß der Ursach halb ime (d. h. hier dem Markgrafen
Albrecht) sein schandlichs Haupt nit ist mit einem Britt abgestoßen worden“. (61)
Keine Hand fand sich, die es wagte, die ausgebrannten Mauern und Wände in altem Glanze wieder erstehen zu lassen. Wer hätte auch nach allen den Brandschatzungsgeldern, den Unsummen, die die ständigen Einquartierungen erforderten, an einen solchen Plan überhaupt denken mögen! Und den schon genug geplagten und ausgesaugten Bürgern noch neue Lasten aufzuerlegen, wäre jetzt ein Frevel gewesen, der sich gewiß bitter gerächt hätte!
Man mußte also einen Ausweg suchen, damit der Erzbischof wie in alten Zeiten die Sommermonate seine Residenz in Aschaffenburg aufschlagen konnte.
Aus der Zeit Albrechts von Brandenburg waren zwischen der alten Stadtmauer, die sich oben auf der Anhöhe parallel mit dem Maine hinzog und der Webergasse, ungefähr da, wo heut das Kornhäuschen und das Kastanienwäldchen stehen, mehrere Gebäude erhalten, die Oekonomie und Verwaltungszwecken dienten, ferner auch Räume für Hofbeamte in sich schlossen. (62) Diese fing man an auszubauen und würdiger herzurichten, damit in ihnen, wenn auch nur notdürftig, die Erzbischöfe Hof halten konnten.
Leider lagen sie nicht geschlossen zusammen, da hier seit früherer Zeit längs der Stadtmauer schon verschiedene stiftische und andere Häuser aufgeführt waren, die Albrecht zwangen, seine Bauten in die noch freien Parzellen einzufügen. (63) Jetzt empfand man das hinderlich, und im Interesse des ungestörten Verkehrs zwischen den einzelnen im Umbau begriffenen Gebäuden ging man daran, die am meisten im Wege stehenden den ursprünglichen Besitzern abzukaufen. So belehrt uns eine Urkunde vom Jahre 1556, daß der damalige Erzbischof Daniel ein Haus samt Hof kaufte, welches bereits 1368 der Stiftsvikar des St Michaelisaltars Johannes Borich zur Anschaffung und Unterhaltung einer ewigen Lampe am Kapitelhause im Kreuzgang dem Stift zu Aschaffenburg vermacht hatte, von dem es der Kurfürst erwerben wollte. (64) Ausdrücklich wird hier gesagt, daß er es nur deshalb kaufte, um eine Verbindung zwischen den neuen von Albrecht errichteten Baulichkeiten zu haben, nachdem, wie hinzugefügt wird, das Schloß niedergebrannt war. (65)
Aber mit dem Ankauf dieses einen Hause war der Zweck noch nicht völlig erreicht. Schon im Jahre 1557 hören wir von einem ähnlichen Geschäft. Diesmal handelt es sich um das Besitztum des Hans Leonhardt Kottwitz von Aulenbach, der letzteres erst kurz vorher mit allen seinen Gerechtigkeiten von den Gebrüdern von Vechenbach erstanden hatte. (66) Bereits am 28. Juni desselben Jahres tauschte Kottwitz dies gegen ein anderes um, das dem Erzbischof in Klingenberg gehörte, wo er selbst Amtmann war und Daniel kam so in den Besitz des Hauses, das nach den mehrmaligen Angaben in den Pergamenten „neben dem Newen Baw gegenn dem Schloß zu gelegen war (67).
Stets wird von dem „Neubau“ gesprochen, der unweit des zerstörten Schlosses lag, so daß die Ansicht, daß letzteres nach dem Brande wieder aufgerichtet wurde, zu verwerfen ist (68).
Bald nach 1557 scheint das Werk fertig gewesen zu sein. Daniel und seine Nachfolger wohnten wieder zur Sommerzeit hier in diesem Notbau, der also nur aus einem Komplex ursprunglich anderen Zwecken dienender Gebäude bestand, und den ich deshalb Notbau genannt habe.
Die Jahre gingen dahin, die Erzbischöfe auf dem Mainzer Stuhl wechselten, jeder aber weilte wenigstens ein paar Monate in Aschaffenburg. 1601 starb Kurfürst Wolfgang in dem neuen Schlosse und in lebendigen Farben schildert das alte Stiftsprotokoll die Feierlichkeiten seines Leichenbegängnisses. (69)
Unter der Regierung des Erzbischofs Srhweickardt von Kronenberg begann für Aschaffenburg eine neue glänzende Periode. Dieser Kurfürst entstammte dem schon im 12. Jahrhundert bekannten Geschlechte der Eschborn, das sich später nach seiner Burg am Rande des Taunus von „Cronenberg“ nannte, in der er am 5. Juli 1553 geboren wurde. Da er sich dem geistlichen Berufe widmen sollte, ging er nach Rom, Studierle dort am Collegio Germanico und kehrte dann in die Heimat zurück, nachdem er Herz und Auge an den Schätzen der ewigen Stadt gebildet und verfeinert hatte. Von Stufe zu Stufe, von Würde zu Würde, trug ihn seine Laufbahn empor; schon am 17. Februar 1604 wurde er zum Kurfürsien gewählt und bald darauf vom Fürstbischof Julius von Würzburg und dem päpstlichen Nuntius Cariolano in die Martinsburg zu Mainz eingeführt. (70) Als er zum erstenmale Aschaffenburg besuchte und die kleinen und winkligen Gemächer seiner Residenz betrat, als er nach jener Stelle sinnend hinüberblickte, wo noch der alte Turm unnahbar stolz über den Trümmern thronte, damals vielleicht schon stieg in seinen Gedanken, die sich im Süden an das Große und Erhabene gewöhnt hatten, denen deutsche Traulichkeit fremd geworden war, ein erster Plan auf, über diesen Schutthaufen ein neues Schloß zu errichten, das an Glanz und Pracht das alte noch überstrahlen sollte.
Kaum ein Jahr verging und der Plan war zur Tat geworden. Den Main hinab ziehenn schwerbeladene Steinkähne, unten am Ufer vor der alten Brandstätte knarrt ächzend der langarmige Krahn, der die schweren Quadern aus den Schiffsbäuchen herauswindet, unter lautem Zuruf und Peitschenknall schleppen kräftige Pferde das Material an seinen Bestimmungsort, und Mauern steigen aus der Erde auf, die für die Ewigkeit gebaut zu sein scheinen. (71)
Am 17. Februar 1614, am zehnten Jahrestag seiner Erwählung zum Kurfürsten bezog Schweickardt bereits den Neubau, jetzt war endlich „der jämmerliche Anblick“, den, wie Ridinger (72) schreibt, das Vaterland lange Jahre betrauert und beklagt hatte, verwischt, und die Erzbischöfe von Mainz, die sich lauge „mit ihrer Hofhaltung außerhalb in einem geringen Werk hatten aufhalten müssen“, (73) besaßen wieder eine würdige Residenz. Der Neubau in der Webergasse stand nun verlassen da, die einzelnen Gebäude wurden wie vor dem Jahre 1556 zu verschiedenen Zwecken benützt, nur noch einmal hören wir, in einer kurzen Notiz vom 17. September 1673 etwas von ihm. An diesem Tage entstand hier nachmittags gegen 2 Uhr eine Feuersbrunst, die fast die Häftie desselben in Asche legte (74), endlich fiel er unter der Regierung Friedrich Karl Joseph‘s von Erthal 1783 der Zeit und ihren neuen Ideen zum Opfer, und da, wo er einstmals gestanden, blühen heute Kaslanienbäunie. (75).
Dies ist in kurzen Zügen die Geschichte des Gebäudes, von dem man bisher altgemein glaubte, daß es das ursprünglich alte Schloß gewesen sei. (76)
Wie schon zu Anfang angedeutet, hatte man für diese Ansicht zwei Stützpunkte. Einmal den alten Stadtplan von Merian (77) und dann den Prospekt in dem Kupferstichwerke Ridingers. (78) Auf beiden Blättern steht an der bezeichneten Stelle in der Webergasse „das alte Schloß“. Es war daher für jeden, der ohne genauere Prüfung die Frage behandelte, von vornherein abgemacht, daß sich hier das ursprüngliche und erste Schloß befunden habe. Die einen waren der Ansicht, an dieser Stelle habe einst die sagenhafte Ravensburg gestanden, andere meinten, erst Adalbert habe 1122 ebenda seine Burg errichtet, die 1552 im Markgräfler Krieg zerstört wurde, einigen stieg aber doch hierbei ein leiser Zweifel auf: sie vermochten den alten Turm nicht unterzubringen. Man half sich, indem man ihn zu einem Stadtturm der alten Mauer machte, der dann freilich die übrigen hinsichtlich seiner Größe bedeutend übertraf.
Auch dies suchte man zu erklären: an der einem feindlichen Angriff besonders ausgesetzten Stelle war größere Höhe und Stärke von vornherein erforderlich. Eine weitere Ansicht ging dahin, Albrecht von Brandenburg hätte sich da, wo der alte Turm steht, ein eigenes neues Schloß errichten lassen, welches dann 1552 wieder gefallen sei. Die diese Idee vertraten, hielten aber auch den Notbau für die älteste Anlage.
Wie ich nun vorhin dargelegt habe, sind alle diese Erklärungen irrig, das alte, ursprüngliche Schloß, das also von dem von mir als Notbau bezeichneten zu trennen ist, lag von Anfang an genau da, wo das heutige steht; vielleicht gingen seine ersten Anfänge schon in karolingische Zeit zurück und Otto von Schwaben errichtete sein „castrum“ auf den alten Fundamenten. Soviel ist gewiß, daß es sich seit 1122 auf der bezeichneten Stelle unter den verschiedenen Erzbischöfen allmählich vergrößerte, bis es unter dem Brandenburger den Glanz und Umfang erreichte, den die Zeitgenossen im Liede gepriesen haben. Nach seiner Zerstörung im Jahre 1552 wurde der Bau in der Webergasse eine notdürftige Residenz, die später mit Recht „das alte Schloß“ genannt werden konnte, weil in der Zwischenzeit das neue Schloß des Erzbischofs Schweickardt errichtet und das eigentliche alte Sehloß 1552 niedergebrannt worden war.
Fassen wir zum Schluß noch einmal die Beweise zusammen, die mich zu der von der bisherigen Meinung abweichenden Auffassung zwangen, so sind es kurz folgende:
1. Der alte Turm, der schon 1339 zu bauen begonnen wurde.
2. Die Hirsvogelzeichnung, die die früheren Geschichtsschreiber nicht kannten.
3. Die Urkunden über verschiedene Häuserankäufe in der Webergasse, die das sogenannte alte Schloß als Neubau bezeichnen.
4. Bedeutende Mauerreste von 2 - 3 m Stärke, die sich ca. ½ m unter dem Boden, auf dem das jetzige Schloß steht, kreuz und quer hinziehen und Reste des alten Schlosses sind. (79)
5. Endlich die natürliche Lage; man baute eine Burg nicht mitten, sondern am Rande einer Anhöhe, um so dem Feinde den Aufstieg möglichst zu erschweren.
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