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Doktorspiele: Erika Lust-Erotik

Lust

Doktorspiele: Erika Lust-Erotik Übersetzung Rebecca Jakobi Original Dirty DoctorCopyright © 2018, 2019 Olrik und LUST All rights reserved ISBN: 9788726076226

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit LUST gestattet.

Doktorspiele

„Gibst du mir bitte das Salz? Bianca? Hallo, willst du mir nicht endlich mal das Salz geben?“

„Ja, entspann dich. Hier.“ Ich hob den Salzstreuer hoch und knallte ihn vor Miriam auf den Tisch.

„Meine Güte“, sagte sie überrascht.

„Nein. Entschuldigung. Das war nicht so gemeint. Entschuldigung, ich war bloß in Gedanken“, sagte ich beschwichtigend.

Tatsächlich hatte ich gehört, dass sie mich mehrmals um das Salz gebeten hatte und in jeglicher Hinsicht war ich diejenige, die die Grenzen einer gemütlichen Mittagspause überschritten hatte, aber zurzeit hatte ich wirklich viel um die Ohren.

„Ist alles okay?“, fragte Miriam, während sie gefühlt den halben Inhalt des Salzstreuers auf ihren mitgebrachten Avocados und hartgekochten Eiern verteilte.

Möglicherweise trug ihr übermäßiger Salzverbrauch auch dazu bei, dass es ihr schwerfiel, abzunehmen, dachte ich, aber sagte nichts. Stattdessen versuchte ich mich nochmals für mein Verhalten zu entschuldigen. Miriam konnte schließlich nichts für meine Anspannung.

„Es ist nur… du weißt schon… zu Hause. Wir haben uns gestern Abend ein bisschen gestritten.“

„Ist Martin wieder zu Hause?“, fragte Poul, mein direkter Vorgesetzter und Martins alter Klassenkamerad, der plötzlich der Meinung war, nun, da wir Kollegen waren, könnte er einen auf best friends mit Martin machen, auch wenn sie in der Schule nichts miteinander zu tun gehabt hatten.

„Nein, er kommt morgen Abend zurück.“ Ich konnte sehen, wie Poul die Augenbrauen hob, als wäre ihm gerade etwas eingefallen und fügte hastig hinzu: „Spät! Sehr spät.“

„Auch gut. Dann schaue ich am Wochenende mal vorbei.“ Natürlich gab Poul sich die Zustimmung selbst.

„Wir sind nicht da“, setzte ich nach. „Wir fahren schon am Freitag zu seiner Großmutter, um bei ihren Geburtstagsvorbereitungen zu helfen.“

„Ah“, sagte Miriam. „Dann verstehe ich, warum du so gereizt bist. Erst ist er drei Wochen weg und dann müsst ihr sofort irgendwohin.“ Sie lächelte und machte sich über die Salzorgie auf ihrem Teller her.

Ich schaute sie verwundert an. Sie war immer so streng, was Menschen anging. Denn ja, unser Streit am Telefon hatte tatsächlich einen Grund gehabt.

„Sag ihm, dass ich nächste Woche anrufe“, sagte Poul und verließ unsere kleine Kantine, während ich fröhlich lächelte und ihm ein Daumen hoch gab.

Miriam kicherte, sobald er aus der Tür war. „Du kannst ihn echt nicht leiden, oder?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Naja, das ist es nicht… es ist nur… Ja.“

„Martin“, sagte die allwissende Miriam.

Ich nickte.

„Ja, es ist aber auch verdammt schwer, da wieder rauszukommen“, murmelte sie mit vollem Mund.

Und es war wirklich schwer, da wieder rauszukommen. Ich arbeitete nun seit fast zwei Jahren für die kleine Produktionsfirma und bisher war alles gut gelaufen. Normalerweise waren wir zehn Festangestellte und diverse Selbstständige, aber die Firma arbeitete an einem größeren Projekt über dänische Emigranten in Neuseeland, also waren alle bei den Dreharbeiten, außer Miriam, Poul und mir.

Das Problem mit Poul war auf der Weihnachtsfeier vor einem halben Jahr entstanden. Firmenchef Mads Emil hatte alle samt Geschäftspartnern zu einem unglaublich tollen Mittagessen eingeladen und Poul hatte herausgefunden, dass mein Mann Martin sein alter Schulfreund war. „Freund“ ist etwas zu viel gesagt, denn sie hatten damals wie gesagt nichts miteinander zu tun gehabt. Poul war Martin zufolge ein ganz schön uncooler Nerd gewesen. Doch Poul hatte es als Zeichen der Götter gedeutet, dass er nun wieder über Martin gestolpert und obendrein noch eine Art Chef seiner Frau war. Seitdem stalkte er Martin nahezu. Einmal durch mich, indem er ständig fragte, wo Martin war, allerdings auch durch ständiges Auftauchen vor unserer Haustür – vollkommen unangekündigt.

Schließlich hatte es unerträgliche Ausmaße angenommen. Besonders für Martin, der zurzeit in Norwegen arbeitete. Drei Wochen am Stück mit anschließend zehn bis vierzehn Tagen Urlaub. Gleichzeitig machte Poul eine Riesennummer daraus, dass wir zwei jetzt auch Superkumpel waren, weil ich mit seinem besten Freund verheiratet war.

Ich glaube nicht einmal, dass er vor der Weihnachtsfeier überhaupt meinen Namen kannte. Er ist unser IT-Chef, ich bin für die Buchhaltung zuständig. Er ist in dem Sinn mein nächsthöherer Chef, weil er für alle Internetangelegenheiten verantwortlich ist – Budgets inklusive – aber ich war immer nur eine ausführende Kraft für ihn gewesen und solange ich meinen Kram erledigte, hatte er sich nicht um mich gekümmert. Ich hatte damit kein Problem gehabt, weil er sowieso nicht der Typ ist, mit dem ich mich anfreunden will – oder mit dem ich generell über irgendetwas anderes als Budgets und Wirtschaft reden könnte.

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