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HANDBUCH
FAHRRAD
UND E-BIKE
MICHAEL LINK

INHALT
01Der Einstieg
Das Fahrrad heute — Steigende Fahrleistung — Komfort und Ergonomie — Schrittlänge ermitteln — Federung am Fahrrad — Den Fahrkomfort verbessern — Preis und Qualität — Komponenten machen das gute Fahrrad teuer — Das Gewicht — Was sollte welches Rad wiegen? — Zulässiges Maximalgewicht — Preisklassen Preisklassen konventioneller Fahrräder — Preisklassen Pedelecs — Die Knackpunkte
02Evolution der Fahrradtypen
Fahrradtypologie — Das Trekkingrad — Das Cityrad – der Tiefeinsteiger — Urban Bikes — Crossräder — Mountainbikes (MTB) — Reiseräder — Rennräder — Gravelbikes — Cyclocross-Räder — Fitnessräder — Single Speed / Fixies — Hollandräder — Falträder — Kompaktbikes — Lastenräder — Tandems — Liegeräder, Dreiräder, Spezialräder — Fahrräder für Menschen mit Behinderung — Kinder- und Jugendräder — Worauf kommt es denn nun an?
03Rahmen Gabel Lenker Vorbau
Der Rahmen — Bestandteile eines Rahmens — Rahmenformen — Das Rahmenmaterial — Farbe auf den Rahmen — Die Rahmengeometrie — Rahmengeometrie und Sitzhaltung — Lenker, Steuersatz, Vorbau — Klassischer Gewindesteuersatz — Gewindelose Steuersätze – Das Ahead-System — Höhenverstellbare Vorbauten — Gefederte Vorbauten am Rennrad — Der Fahrradlenker — Die Fahrradgabel — Starre Gabeln — Federgabeln — Federgabel nachrüsten
04Laufräder Felgen Speichen Naben
Laufräder — Felgen — Felgenmaterial — Kastenfelgen — Hohlkammerfelgen — Felgen mit Ösen — Tubeless-Felgen — Carbonfelgen — Felgenband — Nabe und Speichen — Die Schnellspanner — Steckachsen — Die Speichen — Der Kampf ums Gewicht — Besondere Speichenformen und Maximalgewicht des Fahrrads — Reifen und Schlauch — Reifentypen — Pannensicherheit von Reifen — Der Luftdruck muss stimmen — Gummi und Profil sorgen für gute Haftung — Reifengrößen — Reifen und Felgen — Der passende Schlauch — Welches Ventil darf es sein? — Unterschiedliche Ventillängen
05Antrieb Schaltung Pedale
Kette, Riemen und Kettenblätter — Riemen oder Kette? — Kettenschaltung und Getriebeschaltung — Die Kettenschaltung — Schaltertypen — Umwerfer — Das Schaltwerk — Einsatzbereich der Kettenschaltung — Vergleich: Schaltung am Rennrad, Mountainbike und Citybike — Vor- und Nachteile einer Kettenschaltung — Die Getriebe- bzw. Nabenschaltung — Riemen statt Kette — Das Pinion-Getriebe — Das Enviolo-Getriebe — Einsatzbereiche von Nabenschaltungen — Pedale — Plattformpedale — Links- und Rechtsgewinde — Klick- und Kombipedale E-Bikes und Pedelecs: Antrieb mit Strom — Motor, Akku, Steuergerät und Sensoren — Pedelecs und Schaltungen — Vor- und Nachteile von Pedelecs — Der Akku — Kapazität eines Akkus — Reichweite eines Akkus — Akkuhersteller — Aufladen und Ladezeiten von Akkus — Pflege, Lebensdauer und Kosten von Akkus — Design der Akkus — Motoren an E-Bikes — Was macht eigentlich ein Pedelecmotor? — Motorunterstützung für welchen Zweck? — Unterschiede in der Motorcharakteristik — Mittelmotoren, Nabenmotoren, Vorderradmotoren — Sensoren und Steuerungssysteme — Motoren und Steuerungseinheiten — Welcher Antrieb soll es denn nun sein? — Displays und Vernetzung mit dem Smartphone — Umrüsten zum E-Bike — Händler trägt beim Umbau das Risiko — Höhere Belastung — Bremsen am nachgerüsteten Pedelec — Wie teuer darf das E-Bike sein? — Sonderangebote ab 1 600 Euro — Mittelklasse ab 2 000 Euro — Oberklasse ab 3 000 Euro
06Sattel Sitz und Licht
Weiche Polsterung oder harte Schale? — Wie finde ich den richtigen Sattel? — Der passende Sattel – das Material — Die korrekte Sattelstellung — Gefederte Sättel — Sattelstützen — Es werde Licht – Dynamos Nabendynamos — Scheinwerfertechnik — Batterie- und Akkuleuchten — Akkuleuchten im Test — MonkeyLink — Leuchten an E-Bikes — Reflektoren
07Anbauten: Bremsen Gepäckträger & Co.
Bremsen — Felgenbremsen — Scheibenbremsen ABS und Scheibenbremsen — Nabenbremsen — Bremshebel — Gepäckträger — Mitbestellen oder später anbauen? — Das Gepäckträgermaterial — Zubehör — Schutzbleche — Die Klingel — Fahrradstützen — Getränkehalter — Fahrradanhänger — Kinderanhänger — Tandemstangen — FollowMe — Kindersitze — Kindersitze am Fahrrad müssen nicht teuer sein — Kindersitze für vorn und hinten — Das Fahrrad als digitales System — Fahrradcomputer – klein und praktisch — Das Smartphone als Steuerzentrale — Smartphone unterwegs aufladen — Der Kontrollbildschirm: Bordcomputer am E-Bike
08Zubehör: Helme Schlösser Taschen Kleidung
Fahrradhelme — Gute Helme müssen nicht teuer sein — Hövding – der Airbag für den Kopf — Fahrradschlösser — Stoffschlösser — Taschen und Rucksäcke — Schon für 26 Euro gut unterwegs — Vorderradtaschen — Lenkertaschen, Oberrohrtaschen — Bikepacking — Bekleidung und Schuhe — Über Funktionskleidung — Das Zwiebelprinzip — Hosen, Trikots — Fahrradschuhe — Regenschutz — Fahrradhandschuhe — Modische Fahrradbekleidung — Sonstige Accessoires — Luftpumpen — Werk- und Flickzeug
09Kauf und Wartung
Wo kaufe ich ein? — Fahrräder online kaufen — E-Bikes online kaufen — Gebrauchte E-Bikes kaufen — Bikefitting — Das eigene Fahrrad vermessen lassen — Die Methode Sitzprobe — Versicherung, Codierung — Teure Fahrräder versichern — Das Fahrrad codieren — Dienstfahrrad und Leasing — Ein Fahrrad mieten — Fahrradpflege — Die wichtigsten Verkehrsregeln für Radfahrer — Regeln für Pedelecs — Beleuchtung – Vorschriften fürs Fahrrad — Fahrradtransport — Heckklappenträger schlechter als Kupplungsträger — Dachträger erhöhen den Spritverbrauch — Maximalgewicht nicht überschreiten — Fahrradkoffer und -taschen
10Service
Glossar — Onlineshops /-versender — Register — Bildnachweis
Symbol-Legende
Um gezielte Informationen schon auf einen Blick erhalten zu können, befinden sich neben dem Text vier verschiedene Symbole, die Kernaussagen zu bestimmten Bereichen aufzeigen. Nachstehend finden Sie diese Zeichen wie folgt aufgeschlüsselt.

Dieses Symbol zeigt Eckpunkte auf, die bei einem Kauf beachtenswert sind.
Die steigende Anzahl folgender Symbole weist auf das ansteigende Niveau im jeweiligen Bereich hin:

Preis

Gewicht

Wartung
01
DER EINSTIEG

Verstopfte Innenstädte, keine Parkplätze, Fahrverbote: Deutschlands Städte ächzen unter dem Autoverkehr und der schlechten Luft. Die Klimaveränderung führt den Menschen täglich vor Augen, dass Mobilität umweltfreundlicher werden muss. Viele haben das verstanden, das Fahrrad erlebt einen regelrechten Boom.



01Rahmen
02Oberrohr
03Unterrohr
04Sitzrohr
05Kettenstrebe
06Sitzstrebe
07Steuerrohr
08Gabel
09Rad
10Reifen
11Seitenwand
12Felge
13Fahrradventil
14Speichen
15Nabe
16Schnellspanner
17Tretlager
18Tretkurbel
19Kettenblätter
20Kette
21Pedale
22Kettenschaltung (Schaltwerk)
23Umwerfer
Kettenschaltung
24Schalthebel
25Schaltkabel
26Schaltkassette
27Vorbau
28Lenker
29Sattelstütze
30Sattel
31Sattelklemme
32Bremshebel
33Bremse
34Bremsschuhe
35Bremskabel
36Reflektor
37Dämpfer
38Schutzblech
39Griff
40Lenkerhörnchen
41Schlauch
42Tretlagergehäuse


Trike

Reiserad/Mountainbike-Kreuzung

Hollandrad

E-Citybike als Tiefeinsteiger

Kompaktes Lastenrad

Geräumiges E-Cargobike

Faltbares E-Bike

Faltrad

Trekkingbike

Kompaktes Faltrad

Tandem-Reiserad

Urban E-Bike

Zweispuriges Lastenrad

Reiserad

E-Mountainbike

Downhill-Mountainbike

Stahlrahmen-Rennnrad

Lastenrad

Das Fahrrad heute
Der Preis ist nicht entscheidend
Die Kunden sind durchaus bereit, für Qualität mehr Geld auszugeben. Nicht zuletzt aufgrund des wachsenden E-Bike-Anteils am Gesamt-Fahrradmarkt ist der Durchschnittspreis eines Fahrrads in den vergangenen Jahren gestiegen. Waren es 2018 noch 756 Euro, so kletterte die Marke 2019 auf 982 Euro. Interessant ist auch, dass das Fahrradleasing-Geschäft zunimmt. Tipps dazu finden Sie am Ende dieses Buches (siehe Seite 246). Viele Arbeitgeber bieten es über eine Gehaltsumwandlung an – das macht sich bei den Fahrrädern im hochpreisigen Sektor bemerkbar. Das Leasing wiederum stärkt den Fachhandel im Wettbewerb mit dem Onlinehandel. Beratung und Service, gerade bei den teureren E-Bikes, sind gefragt.
In Großstädten nutzen es immer mehr Menschen für ihren Weg ins Büro oder zur Kita, Schule oder zum Einkaufen. Die E-Bikes unterstützen diese Entwicklung. 1,36 Millionen E-Bikes wurden 2019 in Deutschland verkauft. Fast jedes dritte der 4,31 Millionen verkauften Fahrräder verfügte damit über einen Elektromotor.
Und das hat einen Grund: Bei einer Umfrage der Stiftung Warentest im Juni 2020 mit 10 000 Teilnehmern gaben 57 Prozent an, ein Elektrofahrrad gekauft zu haben, weil das Fahren damit Spaß mache. Ganze 84 Prozent sagten gar, sie würden mit dem Elektrofahrrad mehr fahren als zuvor mit einem konventionellen Fahrrad. Und von der Coronakrise haben die Fahrradgeschäfte sogar profitiert, berichtete die Süddeutsche Zeitung Anfang Mai 2020. Zunächst war der Andrang auf die Fahrradgeschäfte vor allem in Berlin zu spüren – denn hier waren die Fahrradläden von Anfang an nicht geschlossen worden. „Anfang März sah es nach einem kleinen Einbruch aus, aber dann lief der Verkauf sehr gut“, heißt es etwa beim Lastenrad-Experten Velogut in der Hauptstadt. Andere Händler bestätigen diesen Eindruck.
Bundesweit waren die meisten Geschäfte jedoch geschlossen. Während die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG), Europas größter Zweirad-Fachhandelsverband mit mehr als 1 000 Mitgliedern, Mitte März noch eine Talfahrt befürchtete, sah es im Mai schon wieder anders aus. Denn mit der Wiederöffnung der Geschäfte wurden den Händlern die Fahrräder förmlich aus den Händen gerissen. „Die verlorenen Umsätze sind schon jetzt wieder vielfach ausgeglichen worden“ erklärte Verbandschef Georg Honkomp der Süddeutschen Zeitung in einem Interview im Mai.
Das Fahrrad ist in, und der Verbraucher steht vor einem erfreulichen Dilemma: Wer sich ein neues Fahrrad oder E-Bike kaufen will, der sieht sich einer schier unüberschaubaren Auswahl an Modellen und Typen gegenüber. Neben den großen Anbietern wie Derby-Cycles, Hercules, Bulls, Cube, Böttcher, Viktoria, Patria oder E-Bike-Spezialisten wie Flyer gibt es Dutzende kleinerer Hersteller mit sehr findigen und interessanten Eigenentwicklungen. Gerade im wachsenden Segment der E-Bikes tummeln sich viele Start-ups und kleine Firmen mit innovativen Produkten und Lösungen. Dazu kommen immer neue Elektromotoren von verschiedenen Herstellern und eine Fülle unterschiedlicher Rahmen, Schaltungen und Materialien.
| Verkaufszahlen in Millionen Einheiten | ||
| Jahr | Fahrräder | E-Bikes |
| 2017 | 3,13 | 0,72 |
| 2018 | 3,20 | 0,98 |
| 2019 | 2,95 | 1,36 |
| Quelle: ZIV | ||
Um hier die Spreu vom Weizen trennen zu können, um „preis-werte“ Qualität vom billigen Massenprodukt zu unterscheiden, ist es gut, ein bisschen Bescheid zu wissen. Und genau dazu will Ihnen dieses Buch eine Hilfe sein.
STEIGENDE FAHRLEISTUNG
Parallel zum wachsenden Markt der E-Bikes nimmt auch die durchschnittliche Kilometerleistung zu, die in Deutschland mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Nach Erhebungen des Infas-Instituts (Studie „Mobilität in Deutschland“, 2019) fuhren im Jahr 2002 alle Deutschen zusammen täglich 82 Millionen Kilometer mit dem Fahrrad. 2017 waren es schon 112 Millionen Kilometer pro Tag.
„Die mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege und Kilometer haben im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln überproportional stark zugenommen“, heißt es in der Studie. In Hamburg stiegen die Zahlen von 9 auf 15 Prozent, in Berlin von 8 auf 15 Prozent, in Bremen von 18 auf 21 Prozent. Beim Nahverkehr hat also ein Umdenken in der Mobilität begonnen. Wer täglich fünf Kilometer mit dem Rad zur Arbeit fährt, kann sich zudem ein gesundes ökologisches Gewissen attestieren: Er spart im Durchschnitt pro Jahr 310 Kilogramm CO2-Emissionen. Ärzte weisen außerdem darauf hin, dass Fahrradfahren die Nerven schont – auch weil es keinen Lärm macht –, es verringert die Anfälligkeit für koronare Herzerkrankungen, stärkt das Immunsystem, verbessert die Funktion der Atemwege und hilft bei Rückenleiden. Ja, und Radfahren fördert die Kreativität – Einstein soll auf dem Fahrrad seine besten Ideen gehabt haben.
| Umsatz in der Fahrradindustrie | |
| Jahr | Umsatz |
| 2017 | 2,72 Mrd. Euro |
| 2018 | 3,16 Mrd. Euro |
| 2019 | 4,23 Mrd. Euro |
| Quelle: ZIV | |
Komfort und Ergonomie
Der erste Schritt zum Komfort auf dem Fahrrad liegt darin, die passende Größe zu finden. Traditionell messen die Hersteller die Länge des Sitzrohrs von der Tretlagermitte bis zur Oberkante des Sitzrohrs. Ein „56er-Rahmen“ bedeutet demnach, dass die Entfernung Tretlagermitte–Oberkante Sitzrohr 56 Zentimeter misst. Manche Anbieter messen allerdings auch von der Tretlagermitte bis zur Oberkante des Oberrohrs oder zur Mitte des Oberrohrs. Um die Dinge noch mehr zu verwirren, verkaufen einige Hersteller ihre Rahmen zudem mit den von Kleidung her bekannten Größenbezeichnungen wie S, M, L oder XL. Immerhin wird dann angegeben, welchen Körpermaßen diese Angaben entsprechen.
Bildlich kann man sich die Sitzposition und den Komfort auf einem Fahrrad ganz gut mit einem Dreieck vorstellen, das aus Sattelposition, Tretlager und Lenker gebildet wird (siehe Grafik rechts).
Ist das Dreieck eher nach hinten geneigt, sitzt man aufrecht. Ein Beispiel dafür sind Hollandräder, aber auch viele Citybikes bieten diese Haltung. Das Körpergewicht ruht fast ausschließlich auf dem Gesäß und den Füßen. Die Belastung für die Hände ist gering – die Wirbelsäule sackt bei vielen Radlern aber nach kurzer Zeit zusammen.

Sitzrohrlänge: Mitte Tretlager bis Oberkante Sitzrohr

Sitzdreieck aus Sattel, Tretlager, Lenker

Die unterschiedlichen Sitzhaltungen in Abhängigkeit vom Fahrradtyp: auf einem Hollandrad (1), einem Cityrad (2), einem Trekkingrad (3) und einem Rennrad (4)
Ist das Dreieck eher nach vorn geneigt, sitzt man etwas sportlicher auf dem Fahrrad. Auf Trekkingrädern ist der Körper etwa zwischen 30 und 60 Grad geneigt. Rücken und Wirbelsäule werden entlastet, die Hände müssen mehr Gewicht tragen, auch Nacken und Schultern sind stärker belastet. Das kann Training erfordern.
Neigt sich das Dreieck stark nach vorn, hat man eine sehr sportliche Sitzhaltung, wie sie auf Rennrädern üblich ist. Sie bietet eine sehr gute Kraftübertragung, Nacken, Schultern und Rumpf werden allerdings stark beansprucht. Gerade die Nackenüberstreckung beim Blick nach vorne kann bei untrainierten Fahrern zu Schmerzen führen.
SCHRITTLÄNGE ERMITTELN
Ermitteln Sie Ihre persönliche Schrittlänge. Klemmen Sie sich dazu barfuß und aufrecht stehend ein Buch oder ein Lineal möglichst hoch zwischen die Beine und messen Sie den Abstand vom Boden bis zur Oberkante des Buches oder des Lineals. Leichter geht das Messen mit einem Helfer. Viele Fahrradhersteller haben auf ihren Webseiten Rechner, die mit dieser Schrittlänge die passende Fahrradgröße „ausspucken“.
Weil sich die Rahmen je nach Fahrradtyp – Mountainbike, Fitnessrad, Trekkingrad – etwas unterscheiden, bieten manche Hersteller auch Rechner mit unterschiedlichen Multiplikationsfaktoren an, die auf ihre hauseigenen Angebote zugeschnitten sind. So wird zum Beispiel beim Versender Rose die Schrittlänge für ein Trekkingrad mit dem Faktor 0,61 multipliziert, für ein Rennrad mit 0,66. Bei einer Schrittlänge von 90 cm ergibt das für ein Trekkingrad einen 55er- oder 56er-Rahmen, für ein Rennrad einen 60er-Rahmen. Nicht alle Versender setzen hier aber den gleichen Multiplikationsfaktor an – beim Versender Fahrrad XXL zum Beispiel käme für die gleiche Schrittlänge bei einem Trekkingrad die Rahmengröße 57–61 cm heraus. Im Zweifelsfall hilft ein Anruf im Servicecenter des Versenders. Liegt die ermittelte Rahmengröße zwischen zwei Maßen, so gilt: Ein kleinerer Rahmen ist eher für eine sportliche Sitzposition geeignet, der größere bietet eine entspanntere Sitzhaltung. Die ermittelte Größe sollte man aber eher als Richtwert betrachten, der je nach individueller Körpergröße etwas variieren kann. Im Zweifelsfall fragt man bei Servicemitarbeitern nach. Der Autor elbst hat die Erfahrung gemacht, dass ihm der 58er-Rahmen eines Gravelbikes perfekt passte, obwohl er bis dahin nur 60er- oder 61er-Größen gefahren war. Das Beratungsgespräch beim Versender war sehr verlässlich.
Die passende Rahmengröße für Trekking- und Mountainbikes nach Körpergröße lässt sich auch mit den Tabellen hier unten errechnen.
FEDERUNG AM FAHRRAD
Vor einigen Jahren noch wurden kaum Trekkingfahrräder ohne Vorderradfederung verkauft. Gerade im Billigsektor war diese Ausstattung aber eher ein Marketing-Gag als wirksame Hilfe. Einfache Federgabeln verschleißen schnell oder werden undicht, die verrosteten Exemplare an Fahrradabstellanlagen zeugen oft vom beklagenswerten Zustand der vermeintlichen Komfortbringer.

Gute Federgabeln für ein Trekkingrad kosten ab 150 Euro. Einen viel preiswerteren Komfortgewinn für den Alltagsgebrauch erzielt man mit einer Starrgabel und einem etwas breiteren Reifen ab etwa 35 Millimetern. Breite Reifen können mit weniger Luftdruck gefahren werden, dadurch dämpfen sie Unebenheiten besser. An sportlichen Fahrrädern reichen 28 Millimeter Breite, an City- und Trekkingbikes können sie auch bis 40 Millimeter breit sein. Viele Fahrradhersteller setzen in jüngster Zeit auf diesen Trend.

1 Komfort mit einem Breitreifen
2 Profilreifen am Tourenrad dämpfen
3 Vollgefederte Mountainbikes mit breiten Reifen bieten viel Fahrkomfort.
Ansonsten findet man an Crossrädern sehr oft Federgabeln und vor allem an Mountainbikes Vollfederungen. Bei diesen sind auch die Hinterräder gefedert. Diese Modelle nennen sich „Fullys“. Dafür wurde die Rahmengeometrie zum Teil stark verändert. Die Kräfte werden je nach Hersteller über unterschiedliche Hebelsysteme umgelenkt. Das kann von einer einfachen Federung unterhalb des Oberrohrs bis hin zu einem aufwendigen Hebelmechanismus über mehrere Gelenke reichen.
Im Prinzip verhält es sich aber so: Jedes Gelenk trägt dazu bei, dass der Rahmen weniger steif ist. Beim Bergauffahren oder im Wiegetritt (auf den Pedalen stehend) muss man daher die Federung abstellen können, um nicht zu viel Kraft zu verlieren. Zudem wiegen diese Räder mehr als ungefederte Modelle, sie sind aufwendiger zu warten und zu pflegen.

Federgabel für gesteigerten Komfort – gerade im Gelände

Auch an Rennrädern haben in jüngster Zeit Federelemente am Vorder- und Hinterrad Einzug gehalten. Der US-Hersteller Specialized nennt sein System, das etwa 20 Millimeter Federweg an der Gabel ermöglicht, „Future Shock“. Trek hingegen nennt es „IsoSpeed“. Bei Trek bewegt sich der Hinterbau gar etwas, weil das Sitzrohr in einem Kugelgelenk mit dem Oberrohr verbunden ist.
Auch das Rahmenmaterial beeinflusst den Komfort am Fahrrad. Stahlrahmen sind elastischer und nachgiebiger als Aluminiumrahmen und fahren sich deutlich angenehmer. Das trifft ebenso auf Titan zu, Carbonrahmen federn leichte Stöße und Schwingungen gleichfalls ab.
DEN FAHRKOMFORT VERBESSERN
Und auch wenn ein Fahrrad aus einem starren Rahmen besteht, kann man es den eigenen Bedürfnissen dennoch anpassen, um den Komfort zu erhöhen. So lässt sich nicht nur die Höhe des Sattels verstellen, er kann auch horizontal zum Lenker hin oder vom Lenker weggeschoben werden. Dadurch verändert sich die Neigung des Oberkörpers. Man kann mit dem Vorbau – jenem Teil, an dem der Lenker befestigt ist – experimentieren, indem man einen längeren oder einen kürzeren Vorbau wählt. Seine Neigung ist variabel, sodass der Fahrer etwas aufrechter sitzt. Auch mit verschiedenen Lenkerformen lohnt es sich zu experimentieren. All das kann auch nachträglich geschehen, und manchmal wirken wenige Zentimeter Veränderung schon kleine Wunder.
| Fahrkomfort | |
·Federung (Gabel, Rahmen)
·Reifenbreite
·Sattel
·Handgriffe
Auch ergonomische Griffe mit breiter Auflage für die Handfläche tragen zum Wohlfühlfaktor auf dem Fahrrad bei. Dabei werden die Hände nicht abgespreizt, wie das manchmal an den Standard-Rundgriffen der Fall ist, feine Nervenbahnen geraten so nicht in Gefahr, eingeklemmt zu werden.
Ergonomische Griffe als „Stoßfänger“
Preis und Qualität

In der Regel gehen wir davon aus, dass teure Waren auch gleich die besseren sind. Doch wie überall, so gibt es auch beim Fahrrad günstige Alternativen. Aber wo sind die Grenzen? Was unterscheidet das Modell mit Scheibenbremsen und Vorderradfederung für 1 500 Euro von dem Sonderangebot für 399 Euro? Ist teuer wirklich immer besser und billig einfach schlecht? Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass an teuren Fahrrädern bessere Komponenten verbaut sind. Doch nicht alles, was angeboten wird, braucht man zwingend. Ist die Federgabel nötig – oder eher überflüssiger Ballast? Muss es die teurere Nabenschaltung sein oder reicht eine einfache Kettenschaltung? Ist beim E-Bike der drehmomentstarke Motor wichtig oder reicht eine einfachere Variante für den eigenen Aktionsradius?
Die Antwort hängt nicht zuletzt davon ab, was man mit dem Fahrrad machen will. Für den Einkauf um die Ecke reicht sicherlich ein preiswertes Modell – da hat das Sonderangebot durchaus eine Chance. Sobald man jedoch mit dem Rad mehr unternehmen, es vielleicht als Pendel-Mobil auf dem zehn Kilometer langen Weg zur Arbeit einsetzen will, sollte man tiefer in die Tasche greifen. Und bei Kinderfahrrädern bedeutet billig oft hohes Gewicht – ungünstig für kleine Fahranfänger.
„500 Euro sind eigentlich die Untergrenze für ein einigermaßen solides Fahrrad“, sagt der Verkäufer eines großen Discounters. Fragt man in einem Fachhandelsgeschäft nach, werden schnell 800 oder 1 000 Euro als Mindestinvestition in ein gutes Fahrrad genannt. Wo man schließlich die Untergrenze ansetzt, muss jeder selbst entscheiden – aber unter 500 Euro sollte man nicht gehen.
Qualitätsbewusst: das E-Bike „Roadster“ von Riese & Müller
Bei den Pedelecs (Elektrorädern) sieht die Sache etwas anders aus. Sie sind deutlich teurer als konventionelle Fahrräder. Das liegt zum einen daran, dass die Motoren- und Akkuhersteller Festpreise für ihre Komponenten verlangen, an die sich die Fahrradhersteller halten müssen. Zudem sind die Fahrradkomponenten wie Rahmen, Bremsen und Laufräder eines Pedelecs auch auf die stärkere Belastung durch den Elektromotor ausgelegt und deshalb etwas teurer als an Rädern ohne Motorhilfe.
Sonderangebote bei großen Anbietern finden sich manchmal schon für 1 600 Euro. Das ist so lange in Ordnung, wie es Auslaufmodelle oder Vorjahresmodelle sind. Vor neuen Rädern zu diesem Preis sollte man sich hüten – in der Regel sind die Komponenten qualitativ eher einfach. Fachhändler empfehlen als Einstiegspreis etwa 2 000, besser noch 2 500 Euro. Dafür erhält man robuste Pedelecs, die auch dem täglichen Einsatz auf dem Weg zur Arbeit gewachsen sind. Die Preisspanne bei unserem Test von E-Bike-Tiefeinsteigern vom Juni 2020 lag zwischen 2 150 und 3 500 Euro. Nach oben ist die Preisspirale natürlich offen. Manche Modelle kosten so viel wie ein gebrauchter Kleinwagen.

Preisbewusst: das E-Bike „Curt“ von Ampler
KOMPONENTEN MACHEN DAS GUTE FAHRRAD TEUER

Neben einem guten und leichten Rahmen (siehe Kapitel „Rahmen, Gabel, Lenker …“ ab Seite 84) sind es die Anbauteile, die ein Fahrrad teuer machen. Hochwertige Lenker, Sattelstützen aus Carbon, leichte Laufräder, top Schaltungen und Reifen oder ausgefeilte Lichtanlagen schlagen sich im Preis nieder. Hier unterscheiden sich einfache Modelle von höherwertigen. Hersteller wie Shimano, Campagnolo, Sram, Tektro und Tubus stehen für hohe Qualität ihrer Schaltungen und Bremsanlagen beziehungsweise Gepäckträger. Ihre Sortimente an Bremsen, Schaltern, Kurbeln, Umwerfern und Schaltwerken haben eine qualitative und preisliche Rangfolge. Es lohnt sich hier, beim Kauf auf Qualität zu achten. Hochwertige Kettenschaltungen von Markenherstellern sind teurer als einfache. Auch Nabenschaltungen, Scheibenbremsen oder ein Riemenantrieb anstelle einer Kette tragen zu höheren Preisen bei. Auf die Dauer zahlt es sich aus, an dieser Stelle mehr auszugeben.
Billiganbieter setzen dagegen bei diesen Komponenten gern den Rotstift an. Da wird schon mit einer „Shimano-Schaltung“ geworben, wenn auch nur die Schaltgriffe von dem japanischen Marktführer stammen. Umwerfer, Schaltkäfig hinten, das Ritzelpaket und die Kette können dagegen No-Name-Produkte sein. An billigen Bauteilen werden die Nutzer nach geraumer Zeit aber auch keine Freude mehr haben. Da laufen die Schalt- und Bremszüge schlecht, weil sie innen nicht mit Silikon ausgekleidet sind, da verlieren Schaltgriffe und Bremshebel ihre Leichtgängigkeit, weil es lediglich einfache Gussteile sind, die Lichtanlage gibt erstaunlich früh ihren Geist auf oder die Schaltung verstellt sich immer wieder schnell.
Auch beim Licht gibt es große Preis- und Qualitätsunterschiede. Ein guter Scheinwerfer wie der IQ-X von Busch & Müller mit Tagfahrlicht und Sensorautomatik kostet 139 Euro. Dagegen kann man ein Akku-Set schon für rund 20 Euro kaufen. Ein solches macht Sie in der Dunkelheit zwar sichtbar, aber eine richtig gute Ausleuchtung der Straße haben Sie damit noch nicht erreicht. Manche schaffen nicht einmal die gesetzlichen Anforderungen der StVZO.
Eine ganz eigene Preisspirale haben elektronisch gesteuerte Schaltungen eingeleitet. Shimano bot sie im Jahr 2009 erstmals für Rennräder an, Sram und Campagnolo haben dann nachgezogen. An Alltagsfahrrädern sind sie derzeit noch eine Seltenheit. An Pedelecs und E-Bikes findet man sie häufiger, bieten sie doch große Bequemlichkeit beim Schalten.
Unterm Strich kann man aber sagen: Fahrräder haben in den vergangenen Jahren mehr Qualität zum selben Preis bekommen, was auch die Auswertungen der Stiftung Warentest im Mai 2017 ergeben haben.
Das Gewicht

Fahrradfahren hat etwas von Ausdauersport an sich: Der Radler muss mit seiner Körperkraft sich selbst und das Gewicht des Fahrrads bewegen. Dabei kommt es beim Rad auf jedes Gramm an – je weniger ein Fahrrad wiegt, desto leichter lässt es sich bewegen.
Jeder, der schon mal einen längeren Berganstieg bewältigt hat, wird den Ausspruch bestätigen können: „Bergauf wiegt jedes Gramm doppelt.“ Wie stark man am Fahrradgewicht sparen kann, zeigt das Mindestgewicht, das der Internationale Radsportverband, die Union Cycliste Internationale (UCI), für Rennräder bei Wettbewerben festgelegt hat. Es sind 6,8 Kilogramm. Das Ziel ist es, gleiche Bedingungen zu erhalten und die Materialstabilität nicht zu überreizen. Dieses Minimalgewicht ist natürlich kein Maßstab für ein alltagstaugliches Gebrauchsrad, aber auch hier gilt: Ein leichtes Fahrrad fährt sich auch leichter. Und je weniger es wiegt, desto leichter lässt es sich herumtragen. Im Stadtverkehr gibt dies ein gewichtiges Argument ab, etwa beim Treppensteigen, wenn das Rad in U- und S-Bahn mitgenommen wird.
Dieser Umstand stellt die Rahmenbauer vor die Aufgabe, zwei sich widerstrebende Anforderungen zu vereinen: Der Rahmen soll einerseits leicht und andererseits stabil sein. Bei Metallrahmen (Stahl, Aluminium, Titan) vereinen die Hersteller diese beiden Faktoren, indem sie möglichst wenig Material verwenden und die Wandstärke der Rohre variieren (siehe „Konifizierung“, Seite 90).
WAS SOLLTE WELCHES RAD WIEGEN?
•Ein Fitnessbike ohne Schutzbleche, Lichtanlage und Gepäckträger muss nicht mehr als 10 oder 11 Kilogramm wiegen.
•Voll ausgestattete Trekkingräder mit Schutzblechen, Gepäckträger und Nabendynamo (ohne Federgabel) gibt es schon ab 12 Kilogramm, meist wiegen sie aber etwas mehr. Eine Federgabel schlägt im Durchschnitt übrigens mit zwei Kilogramm zu Buche. Die kann man einsparen und dafür in bessere Reifen investieren.
Wiegt über 30 kg: „Superdelite“ von Riese & Müller
•Leichte Mountainbikes sollten nicht mehr als acht oder neun Kilogramm wiegen. Kommt ein Motor hinzu, dann landet man schnell bei 16, 17 Kilogramm. Das liegt nicht nur am Gewicht des Motors, der drei bis vier Kilogramm auf die Waage bringt, sondern auch an stärkeren Rahmen, Bremsen, Laufrädern oder Federmechanismen. Voll gefederte Mountainbikes gibt es schon ab etwa 12 Kilogramm, Enduro-Mountainbikes sind ein, zwei Kilogramm schwerer. Auch hier wiegen die Motorvarianten einiges mehr – man muss mit 20 bis 22 Kilogramm rechnen. Als Faustregel kann man festhalten: Der elektrische Antrieb – also Motor und Akku – wiegt insgesamt etwa sieben Kilogramm.

•Bei den Trekking-Pedelecs sind 20 Kilogramm ein guter Wert, das eine oder andere City-E-Bike rangiert sogar darunter.
•Die großen S-Pedelecs kommen auf 35 Kilogramm.
Wenn Sie die Wahl zwischen zwei sonst nahezu identischen Rädern haben, entscheiden Sie sich zwischen Ausstattung und Gewicht immer für das geringere Gewicht – leichte Räder lassen sich angenehmer fahren.
ZULÄSSIGES MAXIMALGEWICHT

Das maximale Gewicht, das ein Fahrrad einschließlich Fahrer und Gepäck wiegen darf, wird weniger durch den Rahmen als durch die Laufräder bestimmt. Hier spielen die Stabilität der Felgen und der Speichen die wesentliche Rolle.
Was den meisten gar nicht so bewusst ist: Viele Fahrräder haben Beschränkungen für das zulässige Gesamtgewicht. Das kann bei leichten Fitnessbikes schon bei 110 Kilogramm liegen, bei vielen Trekkingbikes beträgt es 130 Kilogramm, schwere Reiseräder vertragen bis zu 200 Kilogramm, Lastenräder noch mehr. Hat ein Fahrrad zum Beispiel ein maximales Systemgewicht von 130 Kilogramm und wiegt selbst zehn, so kann man bei einem Körpergewicht von 90 Kilogramm noch 30 Kilogramm dazu laden. Das sind 10 Kilogramm pro Packtasche und jeweils fünf Kilogramm für die Packtaschen am Vorderrad. Meist hat man die schneller beisammen, als man denkt. Hinzu kommt, dass leichte Fahrräder auch meist für ein geringeres Gesamtgewicht zugelassen sind als etwas schwerere Modelle. Das sollte man beim Kauf beachten.
Preisklassen
Grundsätzlich lassen sich den Preiskategorien bei Fahrrädern grob auch bestimmte qualitative Kriterien zuschreiben – wenngleich sie keinen absoluten Referenzrahmen bilden und Nuancen sicher bestehen.
PREISKLASSEN KONVENTIONELLER FAHRRÄDER
Der harte Wettbewerb unter den Fahrradherstellern führt dazu, dass man nur schwer eine klare Korrelation zwischen Ausstattung und entsprechenden Preisen ausmachen kann: Woran der eine Hersteller spart, das gehört bei dem anderen zur Grundausstattung – dafür ist dort an anderer Stelle ein preiswertes Teil verbaut. Die folgende Übersicht dient denn auch eher als grober Orientierungsrahmen dafür, womit man in bestimmten Preisklassen rechnen kann.

•Fahrräder unter 500 Euro, die „Holzklasse“: Einfache Qualität, mit Langlebigkeit sollte man hier nicht rechnen. Die Rahmen sind schwer, die Bauteile schlicht, die Reifen einfach, es dominieren No-Name-Teile.

•Ab ca. 500 Euro, die Einstiegsklasse: Solide, aber schwere Rahmen mit funktionalen Anbauteilen, Licht, Gepäckträger und meist Felgenbremse. Kettenschaltungen sind die Regel, zunehmend Anbauteile von Markenherstellern.

•Ab ca. 800 Euro, die Mittelklasse: Umfassend ausgestattete Fahrräder mit meist mechanischen Scheibenbremsen, Nabendynamo und Federgabel. Die Rahmen sind leichter, meist Kettenschaltung, seltener Nabenschaltung, hochwertigere Reifen. Ab hier beginnt die Tourentauglichkeit.

•Ab ca. 1 500 Euro, die Oberklasse: Mit besten Komponenten, Gewicht um 13 Kilogramm, Nabendynamo, hydraulische Scheibenbremsen, optional Nabenschaltungen, top Federgabel, Finessen wie Riemenantrieb oder verstellbare Ausfallenden. Gepäckträger und Lichtanlage sind ins Rahmenfinish integriert. Hochwertige Reifen sind Standard.
•Ab ca. 2 000 Euro, die Luxusklasse: Hier finden Sie die leichtesten Rahmen mit innen verlegten Zügen, hydraulische Scheibenbremsen, Spitzen-Lichtanlagen, verstellbare Ausfallenden, Riemenantrieb, elektronische Kettenschaltung, hochwertige Nabenschaltung oder Tretlagergetriebe wie das von Pinion, Gabeln mit fein ansprechender Luftfederung, hochwertige Sättel, Carbonsattelstützen und integrierte Gepäckträger. „Stylische“ Modelle und handgefertigte Unikate können auch deutlich darüber liegen.
Ist teuer also doch besser? Im Prinzip ja. Der Satz: „Ich kann mir billige Ware nicht leisten“ gilt auch beim Fahrrad. Bei allen Bauteilen an wirklich guten Fahrrädern stehen die Konstrukteure vor der Herausforderung, geringes Gewicht und maximale Stabilität in Einklang zu bringen. Das treibt den Anspruch an die Qualität der Teile in die Höhe – und gleichzeitig den Preis von Rahmen und Komponenten. Hierdurch verbessert sich aber gleichzeitig die Bedienbarkeit, erhöht sich die Haltbarkeit und es steigert den Fahrspaß. Ein dreifach konifizierter Rahmen ist in der Herstellung aufwendiger und teurer als einer mit durchgängig gleicher Rohrdicke (siehe „Konifizierung“, Seite 90). Er verwöhnt überdies mit deutlich mehr Fahrkomfort. Eine simple Kettenschaltung tut es zwar auch, die teurere Variante hält aber länger und ist selbst nach vielen Tausend Kilometern noch richtig justiert. In der Summe addieren sich solche Qualitätsunterschiede zu einem stimmigen Gesamtprodukt.
Unser Tipp: Investieren Sie Ihr Geld in einen guten, leichten Rahmen und Anbauteile von Markenherstellern. Federgabeln sind nice to have, aber kein Muss.
PREISKLASSEN PEDELECS

•Bis 2 000 Euro: Hier können sich Schnäppchen aus der Vorjahresproduktion verbergen, die solide ihren Zweck erfüllen. Es dominieren Aluminiumrahmen, mechanische Schaltungen über Bowdenzüge, günstige hydraulische Bremsen und Vorderradgabeln mit Stahlfedern. Mittelmotoren und Akkus mit 500 Watt sind Standard. Die Motoren leisten 40 bis 50 Nm. Das reicht im urbanen Alltag völlig aus.

•2 000–3 000 Euro: Teurere Alurahmen und bessere Komponenten bei den Schaltungen, Kassetten, Laufrädern und Beleuchtung sind für die höheren Preise verantwortlich. Bei den Motoren gibt es in der Regel keine Unterschiede zu günstigeren Pedelecs. 500-Watt-Akkus und Motoren mit 50 Nm herrschen vor. Für den Citybetrieb bestens geeignet.

•Ab 3 000 Euro: Nochmals bessere Komponenten wie Luftfederung der Gabel, größere Akkus mit einer Kapazität von 625 Watt und Motoren mit bis 65 Nm Drehmoment oder mehr, stufenlose Getriebeschaltung, verstellbare Vorbauten, leichtere Laufräder können die Preise anheben. Hinzu kommen ausgefeiltere elektronische Steuersysteme und Displays. Modelle für Wochenendausflüge und Touren.

•Ab 4 000 Euro: Hier beginnen die Pedelecs für die großen Touren, höchst solide gefertigte Modelle mit stufenlosen Nabenschaltungen, Riemenantrieb, gefederten Sattelstützen, den kräftigsten Motoren und neuesten Steuerungssystemen. Wenn Sie jeden Tag 30, 40 Kilometer zur Arbeit fahren, dann ist das Ihre Preisklasse.
DIE KNACKPUNKTE
Wenn Sie Freude an Ihrem neuen Fahrrad haben wollen, leisten Sie sich den Luxus und suchen sich mit Geduld das für Sie passende Bike aus. Fragen Sie sich zunächst ernsthaft, wozu Sie Ihr neues Gefährt hauptsächlich einsetzen wollen und besuchen mit dieser Maßgabe im Kopf verschiedene Fachgeschäfte.
Vor Ort probieren Sie dann unterschiedliche Modelle aus und machen auf jeden Fall Probefahrten. Oftmals sind es Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen – ein besser passender Lenker, leichter erreichbare Handgriffe, ein angenehmerer Sattel, ergonomische Griffe, geringeres Gewicht. Unter Umständen fällt ein und dieselbe Rahmengröße bei verschiedenen Herstellern ganz anders aus. Und auch wenn Sie ein Modell gefunden haben, das zu Ihnen passt, scheuen Sie sich nicht, nach Änderungsmöglichkeiten zu fragen. Schon leichtere Reifen können das Fahrgefühl verbessern, leichtere Felgen erst recht.
Sie müssen diese Optimierungssuche ja nicht gleich so weit treiben wie der britische Autor Robert Penn in seinem Buch „Vom Glück auf zwei Rädern“. Darin erzählt er, wie er verschiedene Hersteller auf der ganzen Welt aufsuchte, um sich sein maßgeschneidertes Traumfahrrad zusammenstellen zu lassen: den Rahmen aus England, Laufräder aus Kalifornien, den Lenker aus Italien und die Reifen aus Deutschland.
Vergessen und unterschätzen Sie andererseits aber auch nicht: Das Fahrrad ist für die nächsten Jahre Ihr Begleiter, und nur wenn der Ihnen Spaß und Freude bereitet, werden Sie ihn auch gern nutzen. Alle Hersteller von Stahlrahmen, die Sie im Serviceteil des Buches finden (siehe Seite 256), bauen Fahrräder auch individuell auf. Und selbst bei vielen Massenherstellern können Sie Ihr Traumrad online konfigurieren.
Das triff auch auf viele E-Bike-Hersteller zu. Hier zeichnen sich zudem eine immer harmonischere Leistungsabgabe der Motoren und leichte Modelle für den urbanen Einsatz ab.
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EVOLUTION DER FAHRRADTYPEN

Aus dem „Sicherheitsniederfahrrad“, das sich ab Mitte der 1880er-Jahre entwickelte und für die moderne Fahrradform Pate stand, hat sich heute eine schier unüberschaubare Modellvielfalt entwickelt: City- und Trekkingräder, Rennräder, Mountainbikes, Falträder, Tandems, Crosser, Liegeräder, Lastenräder – inzwischen obendrein mit Elektromotoren angetrieben. Behalten Sie den Überblick!

Fahrradtypologie
Die Vielfalt unter den Fahrradtypen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Dominierten einst Trekkingräder und Citybikes den Markt, so sind mit sportlichen Versionen von Alltagsrädern, mit den E-Bikes, den Lastenrädern, Klapprädern, Mountainbikes, Crossbikes und zahlreichen Spezialanfertigungen neue Modelle hinzugekommen. Ein Überblick soll die Orientierung erleichtern.
DAS TREKKINGRAD
Das Trekkingrad ist gewissermaßen die Königin unter den Alltagsrädern. Es stellt das meist verkaufte Modell in Deutschland und ist rundum einsetzbar: Sei es für die alltägliche Fahrt zur Arbeit, einen Wochenendausflug oder die Urlaubstour – mit einem Trekkingrad liegt man immer richtig. Dem entspricht die Vollausstattung mit Gepäckträger, Schutzblechen und Lichtanlage. Man findet häufig Federgabeln, an sportlicheren Modellen aber auch Starrgabeln. Qualitativ hochwertigere Trekkingräder verfügen über Carbongabeln statt Alugabeln, das als Material leichter und elastischer ist.
Als Rahmenmaterial wird zumeist ein konifizierter Aluminium- oder Stahlrahmen verwendet (siehe Kapitel 2 „Rahmen“, ab Seite 64). Nach hinten leicht abfallende Oberrohre haben sich durchgesetzt, die 28-Zoll-Räder rollen auf pannensicheren Reifen mit deutlichem Profil, deren Breite ab 35 Millimetern beginnt. Auf einem Trekkingrad sitzt man leicht nach vorne gebeugt, aber nicht allzu sehr gestreckt.
Verkauf von Fahrrädern und E-Bikes (kombiniert) nach Modellgruppen 2019 (Menge in Stück)
Quelle: ZIV, *inkl. E-ATB, E-Jugendrad
Voll ausgestattetes modernes Trekkingbike mit Gepäckträger, Schutzblechen, Ständer, Licht und Federgabel
Immer häufiger sind diese Modelle mit Scheibenbremsen ausgestattet. Hydraulische Scheibenbremsen sind leichter zu bedienen als mechanische und dementsprechend etwas teurer. Unter den Felgenbremsen gelten die hydraulischen Modelle von Magura als Nonplusultra, weil sie sehr hohen Bremsdruck aufbauen können.
Bei den Schaltungen ist nahezu alles vertreten, was der Markt bietet: Kettenschaltungen oder die wartungsärmeren, aber auch etwas teureren Nabenschaltungen, sei es ohne oder mit Rücktritt. Stufenlose Schaltungen von Enviolo und Shimanos elektronische Schaltung Di2 sind technische Schmankerl, die für sorgenfreies Schalten stehen. Ein wartungsarmer Riemenantrieb ersetzt bei Nabenschaltungen oftmals die Kette.
Den Strom liefern Nabendynamos, die sich im Vorderrad drehen. Nur bei einfacheren Modellen findet man auch hin und wieder Akkuleuchten. Die Seitenläuferdynamos früherer Zeiten sind nahezu ausgestorben. Nach längerer Benutzung reichte oftmals der Anpressdruck nicht mehr aus, um dauerhaft Strom zu liefern. Bei Regen schleuderten sie zudem Spritzwasser aufs Hosenbein.
Trekkingräder sind die Lastentiere im Radleralltag, deshalb lohnt es sich, auf das Gewicht zu achten. Gute Modelle müssen nicht mehr als 13 Kilogramm wiegen.
Die Gepäckträger sind oft „integriert“, was heißen soll, dass sie zumindest am hinteren Ausfallende fest angeschweißt, also nicht nur angeschraubt sind. Das soll mehr Stabilität versprechen. Aber auch angeschraubte Modelle erfüllen ihre Aufgaben gut, die Träger von Tubus sind über alle Kritik erhaben.
Soweit Schutzbleche angebaut sind, sollten sie mit Sicherheitsverschlüssen verbunden sein, die sich lösen, wenn sich Matsch, Steine oder Hölzchen zwischen Reifen und Schutzblech schieben. Der Mechanismus verhindert eine Blockade des Rades. Gute Schutzbleche sind klapperfrei montiert und aus solidem Material gearbeitet.
Trekkingbikes im Test
Im Jahr 2017 hat die Stiftung Warentest Trekkingbikes verglichen (test 3/2017). Siehe auch test.de, Stichwort „Trekkingbikes“.
An Trekkingbikes findet man immer auch Fahrradständer – entweder am Hinterbau oder am Tretlager befestigt. Die sogenannten Hinterbauständer bieten bei Belastung mit Gepäck oder Packtaschen etwas mehr Stabilität als jene am Tretlager.

Für den Laien ist die Qualität eines Rahmens nur schwer zu beurteilen. Gleichmäßige Schweißraupen ohne Einschlüsse oder Löcher deuten darauf hin, dass die Rahmenverbindungen handwerklich in Ordnung sind. Aus optischen Gründen werden die Schweißraupen oft geglättet. Ob darunter alles top ist, sieht man dann leider nicht. In der Vergangenheit zeigten unsere Tests, dass Aluminiumrahmen am Lenkkopf brachen oder Risse bekamen. Beim Test von Trekkingbikes im Jahr 2017 (test 3/2017) traten diese Phänomene nicht mehr auf. Das dürfte dafür sprechen, dass die Fertigung von Aluminiumrahmen inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Bei handgefertigten Stahlrahmen können Sie grundsätzlich von solider Herstellung ausgehen.
Das Trekkingrad stand auch Pate für die ersten E-Bikes. Die Akkus wurden damals noch auf dem Gepäckträger angebracht; heute dagegen sind die Modelle schicker geworden: in der Regel halb oder ganz in das große Unterrohr integrierte Akkus, kleinere, sich ans Tretlager anschmiegende Motoren, sodass man sie kaum mehr erkennt. Scheibenbremsen dominieren den Markt, weil sie gerade an E-Bikes effizienter ihre Arbeit verrichten als Felgenbremsen. Für den Betrieb mit den elektrischen Hilfsmotoren sind die Rahmen der Trekkingräder meist etwas verstärkt, etwa im Lenkkopfbereich. Dass dies manchmal dennoch nicht ausreicht, offenbarte eine Daueruntersuchung über 20 000 Kilometer in der Preisklasse zwischen 2 000 und 2 900 Euro vom Juni 2018: Von den 12 geprüften Pedelecs zeigten drei am Testende Anrisse im Rahmen beziehungsweise der Sattelstütze. Bei einem neuerlichen Dauertest von Tiefeinsteigern im Mai 2020 (test 6/2020) zeigten vier Modelle Risse im Rahmen.
| Trekkingbikes | |
·leichter Rahmen
·leichte Laufräder
·Vollausstattung
Für Trekkingbikes reichen 250-Watt-Motoren mit 50 Nm aus, viele Hersteller bieten mehr. Man findet sie als Mittelmotor oder hinten als Nabenmotor. Auch Frontmotoren sind möglich (siehe dazu auch in Kapitel 5 „Antrieb, Schaltung, Pedale“ den Abschnitt „Umrüsten zum E-Bike“, ab Seite 165). An Schaltungen ist alles vertreten, was der Markt hergibt: Kettenschaltungen, Nabenschaltungen, Getriebeschaltungen, stufenlose Automatikschaltungen.
Dieses Segment bildet das umsatzstärkste in Deutschland, weshalb jeder Hersteller versucht, eigene Akzente zu setzen. So findet man an manchen Rädern austauschbare Akkus, mit denen sich die Gesamtkapazität auf bis zu 1 250 Wattstunden für richtig lange Touren steigern lässt. Verbaut wird gar die High-End-Reihe von Bosch, der CX-Motor.
E-Bikes: Am Anfang stand ein Schweizer Tüftler
Während Anfang der 1990er-Jahre konventionelle Mountainbikes mit immer größeren Übersetzungen die Wald- und Wiesenwege Europas eroberten, dachte ein Schweizer Tüftler weiter voraus. Philippe Kohlbrenner war als technischer Kaufmann Mitarbeiter eines Energieunternehmens in Oberburg im Kanton Bern. Er wohnte im Emmental auf dem Berg Lueg, einem bekannten Aussichtspunkt der Gemeinde Affoltern. Um sich fit zu halten, fuhr er den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad. Ins Büro ging es bergab, doch der Nachhauseweg war hart – 300 Höhenmeter musste Kohlbrenner überwinden. Nach einigen Monaten hatte er von seinem Fitnessprogramm genug – und was Kohlbrenner dann ersann, wurde zur Urform eines neues Fahrradtyps: Er hängte einen Waschmaschinenmotor und eine Autobatterie an sein konventionelles Sportrad – das erste E-Bike war erfunden.
Zwei Jahre später gründete er mit Reto Böhlen und Christian Häuselmann die Firma BKTec und stellte seine in Kleinserien gebauten verbesserten Modelle auf Messen vor. Allein, dem Elektro-Erstling war kein Erfolg beschieden. Zu schwer die Batterie, zu gering die Reichweite, zu klobig das Styling, Investoren sprangen ab. Im Jahr 2000 dann erkannte der Unternehmer Kurt Schär das in der Erfindung Kohlbrenners schlummernde Potenzial und stieg als Geschäftsführer bei BKTec ein. 2001 wurde das Unternehmen in Flyer umbenannt.
Mit seinem Geschäftspartner und Produktentwickler Hans Furrer stellte Schär 2003 einen Tiefeinsteiger mit Elektrounterstützung vor: Die „Flyer C-Serie“ war das erste Elektrofahrrad Europas mit der Lithium-Ionen-Technologie. Es hatte einen tiefen Schwanenhalsrahmen, der dicke Akkupack saß hinterm Sitzrohr – der Durchbruch auf dem E-Bike-Markt.
Dieser Flyer war massentauglich: Er war komfortabel, das Design klassisch an bekannte Formen angelehnt. Mit Verbesserungen wurde das Modell bis Ende 2018 gebaut. Es war zunächst einzigartig auf dem Markt, und mit persönlichen Promotiontouren machten die E-Biker aus der Schweiz ihre Modelle bekannt. Die Verkaufszahlen wuchsen, aus der Firma, die man heute als Start-up bezeichnen würde, wurde ein Großhersteller. Falträder, Tandems und ab 2006 auch Mountainbikes wurden elektrifiziert, S-Pedelecs kamen hinzu. Flyer hatte sich zu einer treibenden Kraft auf dem E-Bike-Markt entwickelt. Heute arbeiten im Werk in Huttwil 300 Mitarbeiter. Rund 60 000 E-Bikes werden im Jahr verkauft. Die Firma hat Tochtergesellschaften in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.
E-Bike-Pionier Philippe Kohlbrenner …

… und sein erstes E-Bike
DAS CITYRAD – DER TIEFEINSTEIGER
Dieses Segment war lange Zeit das etwas brav anmutende Fahrrad mit tief heruntergezogenem Wave-Rahmen, breiten Reifen, Kettenschaltung und dem obligatorischen Einkaufskorb auf dem Gepäckträger. Doch heute haben sich stylische Stadträder in schicken Farben mit Mixte-Rahmen, Gepäckträger vorn und Scheibenbremsen hinzugesellt. Die verbindenden Elemente: Auf diese Fahrräder kann man bequem aufsteigen, sie sind praktisch, alltagstauglich und wartungsarm. Mit ihnen erledigt man den täglichen Einkauf oder die Fahrt um die Ecke, fährt vielleicht noch am Abend zum Theater. Man sitzt aufrecht – das ganze Rad ist eindeutig auf komfortables Dahinrollen in urbanem Terrain ausgerichtet. Manchmal hilft dabei auch eine gefederte Sattelstütze. Wochenendtouren sind nicht das Metier eines Citybikes. Gewichtsersparnis ist kein Thema: Um die Tiefeinsteigerrahmen stabil zu halten, sind die Rohre üppig dimensioniert. Ein großer Radstand verhilft zu einem strikten Geradeauslauf.
Die besseren Cityräder haben Nabenschaltungen mit drei bis acht Gängen. Die stufenlose Enviolo-Schaltung ist eine gute Ausstattungsvariante, aber eher selten zu finden. Cityräder sind komplett ausgestattet mit Lichtanlage, Schutzblechen und Gepäckträgern – wovon gern auch einer über dem Vorderrad angebracht sein kann. Felgenbremsen dominieren, aber auch hier kommen immer mehr Scheibenbremsen auf. Es gibt Modelle mit Nabenschaltung und Nabenbremse, was der gewohnten Bedienungspraxis älterer Radler oft entgegenkommt. Viele Modelle sind schick gestaltet mit Weißwandreifen, Ledersätteln oder Lenkergriffen aus Leder. Manche lehnen sich an französische Räder der 1950er-Jahre mit Berceau- oder Anglaise-Rahmen (siehe Seite 87) an – und verfügen doch über moderne Scheibenbremsen.
Die E-Bike-Variante eines Citybikes besitzt all diese Eigenschaften auch. Die Motoren haben üblicherweise 250 Watt mit 40 Nm. Das reicht in der Stadt völlig aus. Scheibenbremsen sind bei E-Bikes Standard und zu empfehlen – ihre Wirkung ist einfach besser als die der Felgenbremsen. Bei den Akkus geht der Trend hin zur formschöneren Integration in den Rahmen.

Tiefeinsteiger ohne E-Motor

Citybike mit Tiefeinstieg

Tiefeinsteiger als E-Bike

Tiefeinsteiger-E-Bikes im Test

Die Kategorie der Tiefeinsteiger ist bei den E-Bikes sehr beliebt. Wegen des tiefgeschwungenen Rahmens kann man gut aufsteigen, die Modelle gelten als komfortabel. Im test-Heft 6/2020 wurden die Ergebnisse für zwölf Modelle veröffentlicht. Im Praxistest überzeugten zehn Räder die Tester – aber nur vier waren so robust und sicher, dass sie mit Gut bewertet wurden, und zwar die Modelle Stevens „E-Courier PT 5“, Pegasus „Premio Evo 10“, Raleigh „Kent 9“ und der Sieger KTM „Macina Tour 510“. Beim KTM-Rad lobten die Tester die sehr guten Fahreigenschaften und den schnell aufgeladenen Akku; gemessene Reichweite: 55 Kilometer.
Tiefeinsteiger-Pedelecs
Im Jahr 2020 hat die Stiftung Warentest Tiefeinsteiger verglichen (test 6/2020). Siehe auch test.de, Stichwort „Tiefeinsteiger“.
Das Stevens-Modell empfanden die Tester bergauf wegen der Nabenschaltung als etwas schwächer, dafür fuhr es sehr leise. Reichweite unter Testbedingungen: 51 Kilometer. Das E-Bike von Pegasus überzeugte mit einem kraftvollen Motor, der den Testern aber etwas zu laut war. Reichweite: 55 Kilometer. Das Raleigh bot einen gut abgestuften Boschmotor, wirkte aber mit viel Gepäck etwas instabil. Reichweite: 52 Kilometer.
Die Akkukapazitäten lagen zwischen 500 und 540 Watt. Zwei Räder gar waren nicht brandsicher: das Kalkhoff „Endeavour 5.S Move“ und das Kettler „Paramount 10G“. Die Steckergehäuse ihrer Akkus entzündeten sich unter starker Hitzeeinwirkung, zudem gab es Materialprobleme: Das Kalkhoff hatte einen Riss an der Sattelstütze, das Fischer „Cita 6.0i“ wies einen Riss an der Bohrung der Sattelstützenklemmung auf, beim teuren Flyer „Gotour 6““ war eine Schweißnaht angerissen. Das Qwic „Premium i MN7+“ schlingerte mit viel Gepäck und zeigte einen Riss im Steuerrohr, die Modelle Falter „E 9.8 KS Wave“, Kreidler „Vitality Eco 7“ und Winora „Sinus i 9“ enthielten kritische Mengen von Weichmachern. Die Preisspanne lag bei den getesteten Modellen zwischen 2 150 und 3 500 Euro.

KTM Macino Tour 510

Pegasus Premio Evo 10

Raleigh Kent 9

Stevens E-Courier PT 5

URBAN BIKES
Ein relativ junges Segment sind die Urban Bikes, wobei der Begriff sich explizit nicht als Synonym für Citybike versteht, sondern eine eigene Fahrradklasse definiert: sportliche Fahrräder mit schlankem, minimalistischem Design. Sie verzichten auf Ausstattungsdetails wie Schutzbleche, Lichtanlagen und Gepäckträger, sind leicht, zeichnen sich in der Regel durch eine Kettenschaltung und Scheibenbremsen aus. Teurere Modelle sind mit Nabenschaltungen ausgestattet, die etwas mehr Wartungsfreiheit bieten. Diese Räder sind auf Tempo getrimmt und haben meist profillose Reifen, die kaum breiter als 30 oder 32 Millimeter sind. Bei ihnen sitzt man stärker nach vorn geneigt als auf Trekkingrädern. Trotz des Minimalismus sind in den meisten Rahmen auch Ösen vorgesehen, damit man im Bedarfsfall einen Gepäckträger oder Schutzbleche anschrauben kann.
Die Urban Bikes haben in der Regel einen kürzeren Radstand als Trekkingbikes und einen geringeren Nachlauf (siehe Kapitel 3 „Rahmen, Gabel, Lenker, Vorbau“, ab Seite 82), das macht sie wendiger als Trekkingbikes.
Das Modell „Supermetro“ des Herstellers Koga ist ein gutes Beispiel für diese Art des puristischen Stadtflitzers: schwarzer Alurahmen, Schutzblechstummel, fehlender Gepäckträger, Gates Riemenantrieb zu einer 8-Gang-Hinterradnabe, hydraulische Scheibenbremsen und profillose Slicks (Reifen) machen es zum sportiven Alltagsbike für stilbewusste Minimalisten.
Der Aluminiumpionier Cannondale bietet sein Urban Bike „Bad Boy“ mit nur einer Gabelscheide an – die rechte spart man sich aus Gewichtsgründen. Und die polnische Firma „Rondo“ weitet ihre Stahlrahmenbikes mit Naben- oder Kettenschaltung und breiten Reifen in den Gravel-Bereich hinein aus. Man sieht: Die Grenzen sind fließend.
Im E-Bike-Segment dieser Kategorie finden sich seit Kurzem Räder, die vom Design und der Technik her sehr innovativ sind. Trendsetter war die Heidelberger Firma Coboc mit leichten E-Bikes, denen man ihren Charakter kaum mehr ansieht.
Urban Bike als E-Bike: das „Souplesse“ von MTB Cycletech
Schon 2011 begannen David Horsch und der heute ausgeschiedene Pius Warken in ihrem Start-up mit leichten Fahrradrahmen und E-Antrieben zu experimentieren. Sie wollten weg vom barocken Design der klobigen Tiefeinsteiger-E-Bikes mit Gepäckträger-Akkus. Ihre Modelle sollten schicke Urban Bikes sein, die auch ein jüngeres Publikum ansprächen. Die Räder sollten leicht und so auch bei leerem Akku noch fahrbar sein. Der Clou: Die Stromzellen wurden im Unterrohr untergebracht, der Motor in der Nabe hinten – auf den ersten Blick sieht man nicht, dass es sich um Pedelecs handelt. Als kritische Marke für ihre Räder betrachteten sie die 18-Kilogrammgrenze – darüber werde ein Rad zu schwer, der Akku müsse größer werden, äußerten sie einst. An diese Maßstäbe hat sich Coboc gehalten, denn in der aktuellen Produktpalette wiegt kein E-Bike mehr als 18 Kilogramm.

Konventionelles Urban Bike
Oder das holländische VanMoof mit seinem Unisexrahmen aus Aluminium und dem charakteristischen, vorn und hinten überstehenden Oberrohr gibt es in zwei verschiedenen Größen: S 3 für Körpergrößen zwischen 170 und 210 Zentimeter, X 3 für Menschen zwischen 155 und 200 Zentimeter Körpergröße.
Beide Fahrräder sind mit einem Frontmotor mit 250 Watt ausgestattet, den manche Nutzer als zu geräuschvoll kritisieren. Der Akku bietet 540 Wattstunden und ist in vier Stunden vollständig aufgeladen. Die Reichweite beträgt je nach Nutzung zwischen 60 und 150 Kilometer. Untergebracht ist er im Oberrohr und kann zum Aufladen nicht entfernt werden. Im Hinterrad werkelt eine automatische 2-Gang-Schaltung von Sram. Sie schaltet bei etwa 19–20 Kilometern pro Stunde in einen höheren Gang.
Das Fahrerlebnis des Bikes wird von Radlern im urbanen Umfeld als sehr angenehm beschrieben, wobei der Frontmotor den Fahrer ein bisschen zieht – man muss somit aufpassen, dass er auf losem Untergrund nicht durchdreht.
Schlicht und minimalistisch ist auch der Lenker: Es gibt zwei Bremsgriffe für die mechanischen Scheibenbremsen, einen Knopf für eine Klingel, die mit einem internen Lautsprecher gekoppelt ist, und einen kleinen Booster-Knopf, mit dem man die Akkuleistung kurzfristig auf 500 Watt erhöhen kann. Im Oberrohr findet sich zudem ein LED-Display, das Fahrstufen und Akkuladung anzeigt. An den Enden des Rohres sitzen jeweils der Front- beziehungsweise der Rückscheinwerfer, die über den Akku betrieben werden.

Trendsetter: das holländische VanMoof
Die rund 20 Kilogramm wiegenden VanMoof-Bikes treiben die Verbindung mit dem Internet und Smartphone voran. Das mitgelieferte Schloss wird über Bluetooth mit dem Handy oder einer Fernbedienung gesteuert. Dank eines eingebauten Chips und GPS-Senders kann zudem der Standort des Fahrrads ermittelt werden. Damit bietet der Hersteller einen Diebstahlschutz an: Sobald man sein Fahrrad bei VanMoof als gestohlen meldet, macht sich ein „Hunter Team“ auf die Suche danach. Der Schutz kostet derzeit 290 Euro für drei Jahre. Der Clou: Wenn das Rad unauffindbar ist, garantiert der Hersteller gleichwertigen Ersatz.
Das ebenfalls mattschwarze belgische Modell Cowboy geht in die gleiche Richtung. Es wird als „elektrisches Fahrrad für Urban Riders“ vermarktet. Zunächst sieht man kaum, dass man es mit einem Pedelec zu tun hat. Der Hinterradmotor mit 250 Watt versteckt sich in der Nabe, der entnehmbare Akku mit 360 Wattstunden im Sitzrohr des Aluminiumrahmens. Je nach Fahrweise soll er für bis zu 70 Kilometer reichen. Das Cowboy gibt es nur in einer Einheitsgröße für Fahrer von 170 bis 195 Zentimeter Körpergröße, in einheitlichem Diamantrahmen, und es wiegt 16,4 Kilogramm – sehr wenig für ein Pedelec. Es hat ein Automatikgetriebe, die Kraft kommt über einen Riemenantrieb ans Hinterrad. Gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen, und der Motor unterstützt in nur einer Stufe – „Eco“ oder „Power“ gibt es nicht.
„iPhone“ auf Rädern: Das minimalistische „Cowboy“
Das Cowboy kann nur mit einer Smartphone-App gestartet werden, was eben auch bedeutet: Bei leerem Handyakku können weder Motor noch Licht genutzt werden, dann ist das Cowboy nur ein konventionelles Fahrrad. Andererseits gibt es auch beim Cowboy ein GPS-Tracking, was Dieben das Leben schwerer machen dürfte. Auf der Handy-App kann man eine Navigationsansicht sehen, das Licht anschalten, die Tageskilometer oder den Akkustand ablesen. Der Motor unterstützt bis 25 km/h harmonisch und sanft – weil es keine Übersetzung gibt, wird eine darüber liegende Geschwindigkeit zur unangenehmen Kurbelei.

Angenehm dürfte der herausnehmbare Akku sein – Berufspendler können ihn im Büro aufladen (wo das erlaubt ist). Ob er wirklich 70 Kilometer lang hält, hängt von der Fahrweise ab.
Der Name der belgisch-polnischen Kooperation BZen soll sich an den Zen-Buddhismus anlehnen und dem Radfahrer eine ähnliche Entspanntheit ermöglichen. Es sind drei Modelle im Angebot, eines mit Diamantrahmen und zwei mit Trapez- beziehungsweise modifiziertem Berceau-Rahmen, den es in Blau, Rot, Weiß, Gold und Grün gibt. Alle Modelle sind aus Aluminium. Auch hier sieht man kaum, dass es sich um E-Bikes handelt, weil der Akku im Sitzrohr versteckt ist. Bei BZen kann er zum Aufladen aber nicht entnommen werden. Der Hinterradmotor hat die üblichen 250 Watt, der Akku wahlweise 252 oder 380 Wattstunden. Auch das soll für gut 70 Kilometer Reichweite genügen. Zum Hinterrad läuft ein Riemen, der eine Single-Speed-Nabe oder eine 9-Gang-Alivia-Nabe antreibt. Der Motor kann mit einem kleinen Lenkerdisplay in fünf Stufen geregelt werden. Das Rad wiegt nur 14,2 Kilogramm, Schutzbleche, Gepäckträger und Licht sind je nach Modell vorhanden oder können nachgerüstet werden.

Leichtes E-Bike: das „Milano“ von BZen
Auch die Modelle des estnischen Start-ups Ampler gehören zu diesen sportlich-minimalistischen Urban Bikes. Den Alurahmen gibt es in Diamant- und Trapezform, das Leichtmodell Curt verfügt über eine Carbongabel. Die Modelle sind entweder mit Riemenantrieb und Single-Speed-Naben oder Kettenschaltung und 10-Gang-Schaltung kombiniert. Der 336-Watt-Akku befindet sich im Sitzrohr (und ist nur für Reparaturen entnehmbar), der Hinterradmotor leistet die üblichen 250 Watt, seine Kraftabgabe wird über Sensoren gesteuert, die Unterstützungsstufen können mit dem Smartphone eingestellt werden. Schutzbleche und Licht sind im Lieferumfang enthalten. Das Gewicht schwankt zwischen 14 und 17,2 Kilogramm.
Für Touren sind die Akkus etwas klein – aber für den urbanen Pendler, der stilvoll und mit einem leichten Pedelec unterwegs sein will, das er an U- oder S-Bahn auch mal die Treppe hochtragen kann, sind die Ampler-Räder eine Überlegung wert.
Aus Graz kommen die E-Bikes der Firma Geero. Sie sind im Retrolook gehalten mit braunem Sattel und Lederimitathandgriffen und mit Diamant- und Trapezrahmen und verschiedenen Kettenschaltungen zum Hinterrad verfügbar. Dort werkelt ein selbst entwickelter 250-Watt-Motor, der von einem hübsch im Unterrohr versteckten 404-Wattstunden-Akku gespeist wird. Er ist entnehmbar und soll mindestens 85 Kilometer weit reichen. Fünf Unterstützungsstufen bietet das Steuerungssystem an. Auf einer Probefahrt war festzustellen, dass der Motor mit einer minimalen Verzögerung einsetzte. Positiv dürfte sich das Geero mit seiner Schaltung von den Konkurrenten abheben.
Weiteres leichtes E-Bike von der österreichischen Firma Geero
Der spanische Fahrradhersteller Orbea hält ebenfalls interessante Varianten in seinem Programm bereit. Die Gain-Serie zum Beispiel versteckt einen Akku in einem Alurahmen und bietet einen „Range Extender“: Ist der erste Akku leer, kann man den zweiten, der in den Trinkflaschenhalter passt, mit 208 Wattstunden dazuschalten. Insgesamt stehen dem Nutzer somit 450 Wattstunden zur Verfügung.
| Urban Bikes | |
·Gewicht
·Vernetzung
·Akku fest oder entnehmbar
Wie weit die Kategorie Urban Bikes inzwischen ausgedehnt wird und sich diese damit verwischen, zeigen Hersteller wie auch die Firma Cube aus dem oberpfälzischen Weiden. Sie hat drei elektrifizierte Mini-Bikes mit 20-Zoll-Rädchen im Programm, die sie Urban Bikes nennt. Das Unternehmen will damit eine neue, flexible Art innerstädtischer Mobilität mit geschrumpften Fahrrädern befördern, die zwar noch keine Klappräder sind, aber sich ein bisschen so anfühlen.
CROSSRÄDER
Crossräder sind eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike. Ihre leichten Rahmen bestehen aus Aluminium oder Carbon in Kombination mit geländetauglichen Kettenschaltungen, die vorne drei Blätter haben, und breiten Reifen ab 32 Millimetern, allerdings ohne Schutzbleche.
Es dominieren Scheibenbremsen. Manche Räder sind mit Federgabeln ausgestattet, andere haben starre Gabeln; ist Letzteres der Fall, sind breite Reifen der einzige Fahrkomfort. Diese sind bei Crossern oft grobstollig, damit sie im Gelände besseren Halt bieten. Wird das Wetter schlecht, werden Steckschutzbleche angebracht, und bei dunkler Umgebung klemmt man Akkuleuchten an Lenker und Sitzstrebe. Damenrahmen liegen meist in der Trapezform vor.
Puristisch und ohne viel Ballast sollen Crossräder dazu da sein, schnell von A nach B zu kommen, aber eben auch über Stock und Stein. Schlechte Straßen in der Stadt, Wald- oder Wirtschaftswege sind ihr bevorzugtes Terrain. Auf Crossrädern sitzt es sich sportlich nach vorn gestreckt.
Bei Crossrädern ist stärker auch die Vorbereitung für eine Internetverbindung via Smartphone im Kommen. Cannondale zum Beispiel spendiert seinem Modell „Quick“ aus der Reihe „Active Bikes“ einen Laufradsensor für die Verbindung zur Cannondale-App auf dem Handy.

Viele Hersteller preisen ihre Crossmodelle als Allzweckwaffe im Alltag an. Wer mit einer über die Schulter geworfenen Tasche ins Büro radelt, ist damit genauso gut aufgestellt wie Eltern, die am Wochenende mit den Kindern einen kleinen Ausflug ins Grüne unternehmen. Ein Crossbike ist dafür besser geeignet als ein Trekkingbike, weil es mehr auf Geländetauglichkeit und schlechte Wege ausgelegt ist. Insofern trifft die Beschreibung „Allzweckwaffe“ die Eigenschaften ganz gut.
Die E-Bike-Varianten der Crossmodelle sind sehr vielseitig. Hier gehen die Hersteller in die Vollen und gönnen ihnen den neuesten und stärksten Bosch-CX-Antrieb mit 75 Nm Drehmoment, die hydraulischen Scheibenbremsen haben einen Durchmesser von 180 Millimetern, damit sie auch bei hohem Tempo standfest sind, und es finden sich hochwertige Lichtanlagen verbaut, die vom Akku des Elektromotors gespeist werden.

Konventionelles Crossrad

Ein Crossrad als E-Bike

Ein Hardtail-Mountainbike, also ohne Hinterradfederung

Ein „Fully“, voll gefedertes MTB

MOUNTAINBIKES (MTB)
Mountainbikes sind eigentlich keine Fahrräder für den öffentlichen Straßenverkehr, sondern streng genommen Sportgeräte: Sie kommen in der Regel ohne Lichtanlage oder Reflektoren und Glocken in den Verkauf. Und was der Alltagsradler schätzt, fehlt ihnen obendrein: Schutzbleche, Klingel, ein Gepäckträger. Dennoch gibt es einen wachsenden Markt. Denn mit ihren dicken Reifen und Federgabeln sind Mountainbikes nicht nur fürs Gelände gemacht, sondern auch für den Asphaltdschungel der Großstädte mit Kopfsteinpflaster, Schlaglöchern und Rüttelpisten, die vielerorts offiziell als Radwege bezeichnet werden.
Mountainbikes charakterisieren Schaltungen mit einem sehr großen Übersetzungsbereich, mit denen man auch am steilsten Berg noch treten kann. Sind sie mindestens vorn gefedert, nennt man sie „Hardtail“, bei einer Federung auch hinten heißen sie „Fully“. Sie haben Scheibenbremsen und dicke Reifen, mit denen man über Stock und Stein fahren kann. Und mithilfe von Anbauten für Taschen lassen sie sich auch als Reiseräder nutzen. Einziger Nachteil: Auf nacktem Asphalt sind Mountainbikes nicht ganz so leichtfüßig wie andere Fahrräder.

Die Erfindung des Mountainbikes
Das Mountainbike wurde in den 1970er-Jahren in Kalifornien erfunden, um damit schnell Waldpisten und Schotterstrecken hinunterzurasen. Erfunden haben soll es unter anderen der ehemalige Radrennfahrer und Zweiradmechaniker Gary Fisher, der gleichzeitig Namensgeber der späteren Fahrradmarke wurde. Fisher und sein Freund Joe Breeze bretterten mit umgebauten Beach Cruisern einen Berg im Marin County in der Bay Area von San Francisco hinunter. Später kam Tom Ritchey hinzu, dessen Name heute noch für hochwertige Anbauteile an Fahrrädern steht. Ende der 1970er-Jahre konstruierte Tom Ritchey erstmals ein geländetaugliches Fahrrad mit eigenständigem Rahmen – es sollte der Namensgeber für das Mountainbike schlechthin werden.
Urform des Mountainbikes, wie sie in den USA entstand: der „Stumpjumper“(1981) – das erste massenproduzierte Mountainbike von Specialized
Ritchey entwickelte seinen tourentauglichen Rahmen weiter, es kamen Gangschaltungen und Steuerelemente am Lenker hinzu, und es gab Firmen, die auch Mountainbikes herstellten, wie Specialized und Cannondale. Shimano und SunTour konstruierten Anbauteile; langsam wuchs der Markt. Mitte der 1980er-Jahre boomte das Segment, dann auch in Europa. Seither haben sich Mountainbikes als eine Art Innovationstreiber im Fahrradbereich gezeigt. So stammen zum Beispiel die V-Bremsen, gefederte Vorderradgabeln, Scheibenbremsen und Hinterbaufederungen aus dem Mountainbike-Segment. Auch das Anwachsen der Zahnkränze am Hinterrad rührt daher. 1982 etwa präsentierte Shimano seine heute noch verkaufte Deore-Schalt- und Bremsgruppe für Mountainbikes.
In den 1990er-Jahren explodierte der Markt dann förmlich, Aluminium ersetzte Stahl als Rahmenmaterial, die Rahmen wurden zunehmend in Taiwan hergestellt, Rahmenformen und Modellvielfalt nahmen enorm zu.
Die Typen zu unterscheiden, fällt immer schwerer. War früher ein Mountainbike ein Fahrrad mit dicken Reifen, muss man sich heute zwischen den unterschiedlichsten Modellen entscheiden.
Ausgeklügelte Federungssysteme
An Mountainbikes haben sich die ausgeklügeltsten Federungssysteme für die Gabel und den Hinterbau entwickelt. Vorn herrschen einstellbare Gabeln vor, die besseren sind ölgedämpft, die einfacheren mit Luft. Am Hinterbau unterscheidet man grundsätzlich Eingelenk-, Mehrgelenk- und Viergelenk-Hinterbauten.

•Bei Eingelenk-Hinterbauten ist der Hinterbau, der das Rad führt, nur mit einem Gelenk meist am Tretlager befestigt. Die Federung spricht sensibel an, ist aber nicht so seitensteif wie ein ungefedertes Hinterrad. Man kann bei starkem Tritt leichte Verwindungen im Rahmen bemerken. Dafür ist sie nicht wartungsintensiv.
•Die Mehrgelenk-Hinterbauten sind an insgesamt vier Punkten gelagert und stützen das Hinterrad sehr gut ab, sodass der Hinterbau steif steht. Um diese Federung muss man sich schon häufiger kümmern.

•Viergelenk-Hinterbauten verfügen im Vergleich zum Mehrgelenk-Hinterbau über einen zusätzlichen Drehpunkt an der Kettenstrebe. Dadurch federt das Hinterrad ziemlich senkrecht nach oben. Der Hinterbau ist sehr steif, aber auch wegen der vielen Drehpunkte und Hebelchen wartungsintensiv.

•Daneben gibt es noch das VPP-System (Virtual Pivot Point). Es besitzt zwei Gelenke kurz hinter der Tretlagerachse und zwei weitere Gelenke am Dämpfer unter dem Oberrohr oder direkt über dem Tretlager. Dieses System gilt als sehr steif und verhindert deutlich das Wippen beim Fahren. Je nach Modell bieten sich kleine Unterschiede. Der MTB-Hersteller Santa Cruz verwendet diese Systeme zum Beispiel. Die Verbindung des Dämpfers am Oberrohr wird bei agilen Bikes verwendet, geht es in schwieriges Gelände, ist die Anbindung unten besser, weil sie etwas träger anspricht.
Sowohl die Federung als auch die Dämpfung der Systeme sind den persönlichen Erfordernissen anpassbar. Das geschieht per Luftdruck oder bei einfacheren Systemen mechanisch.
Die Mountainbike-Typen
Mountainbikes waren seit ihrer Erfindung Innovationsträger (siehe Infokasten „Die Erfindung des Mountainbikes“, links, Seite 36), und das sind sie auch heute noch. Ihre Federgabeln sind abhängig vom Terrain verstellbar, seit 2019 auch elektronisch. Bosch hat mit dem Federgabelspezialisten Fox das elektronische Steuerungssystem „eSuspension“ für Federgabel und Hinterbau-Federung entwickelt und setzt es ein. Der amerikanische Experte Sram bietet mit seinem „AXS-System“ eine elektronische Verstellung auch der Sattelstütze an. Das ist für Downhill-Fahrten – also bergab – praktisch, während derer man aus Stabilitätsgründen tiefer und damit sicherer sitzt.
Als Rahmenmaterial für Mountainbikes wird Aluminium benutzt, im höherpreisigen Segment ist aber immer mehr Carbon im Einsatz. Stahlrahmen findet man bei kleineren Spezialherstellern wie etwa Veloheld aus Dresden.
Je nach Einsatzzweck kann man Mountainbikes grob in vier Kategorien unterteilen:
•Allround- oder All-Mountainbike
•Tour- und Cross-Country-MTB
•MTBs nur zum Abfahren („Downhills“)
•Enduro-Mountainbikes
INFO
Federgabeln und Dämpfer am Mountainbike
Jede Federung hat den Zweck, die Bodenhaftung des Rades zu garantieren – ohne Federung könnten Mountainbikes auf ihren holprigen, von Wurzeln, Steinen oder Kanten geprägten Wegen kaum fahren, zumindest nicht so flott und komfortabel. Jedes Federsystem besteht aus einem Federungs- und einem Dämpfungssystem. Die Federung sorgt für das Ein- oder Ausfedern des Rades, die Dämpfung dafür, dass dies nicht zu abrupt, sondern kontrolliert geschieht. Wäre sie nicht da, würde ein Rad über Unebenheiten nur springen.
Die Federung ist heute meist luftgefüllt und kann mit speziellen Luftpumpen härter gemacht werden. Wenn sie mit Stahlfedern arbeitet, ist die Härte der Federung meist mechanisch einstellbar, zum Beispiel mit einer Rändelschraube. Die Dämpfersysteme funktionieren mit Öl; auch sie können eingestellt werden.
Alle Federsysteme zeichnet ein negativer Federweg aus, jenes Einfedern, das allein durch die Belastung des Rades entsteht – es federt etwas ein. Beim Überfahren von Löchern zum Beispiel kann das System dann ausfedern und die Unebenheit ausgleichen.
Allround-Mountainbikes
Sie sind meist voll gefedert und können von einfachen Touren bis zu anspruchsvollen Geländefahrten eingesetzt werden. Zuverlässigkeit und Fahrkomfort stehen im Vordergrund, deshalb haben sie einen relativ großen Federweg von 120 bis 160 Millimeter. Für Fahrten bergauf können die Federgabel vorn und die Federung hinten blockiert werden, wodurch nicht so viel Pedalkraft verloren geht. Dies geschieht bei den meisten Modellen manuell, indem man an Gabel und Hinterbau-Federung eine Sperre aktiviert. Mit den vollgefederten Allround-Bikes werden auch schwierige Trails im Gelände befahren – manch ein Bergwanderer in den Alpen mag sich ob eines Mountainbikers, den er auf seinem steilen Bergpfad sah, schon verwundert die Augen gerieben haben.
MTB für Jugendliche: das „Eightshot“-Allround-MTB

Für den öffentlichen Straßenverkehr werden die Allround-MTBs mit Akkuleuchten regelkonform aufgerüstet. Sogenannte „Ass Saver“, schmale schutzblechartige Plastikscheiben, die unter den Sattel gesteckt werden, halten bei Regen das Gröbste ab. Für Touren sind Anbaugepäckträger erhältlich. Der neue Ausrüstungszweig des Bikepackings (siehe auch Kapitel 8 „Zubehör“, ab Seite 214) hat verschiedene Taschenformen hervorgebracht, die Sie am Rahmen oder Sattel anbringen können. Diese MTBs wiegen zwischen 10 und 14 Kilogramm.
Tour- und Cross-Mountainbikes
Sie sind auch als Hardtails bekannt, also als Räder mit einem harten, ungefederten Hinterbau. Das dürfte im öffentlichen Straßenbild die am häufigsten vorkommende Version des Mountainbikes sein. Sie werden als Alltagsräder eingesetzt, können aber auch auf unbefestigten Wegen und im leichten Gelände benutzt werden. In diesem Segment findet man auch völlig ungefederte Mountainbikes – sie vertrauen allein auf den Komfort dickerer Reifen.
Hardtail für den Toureinsatz: das „F-Si“ von Cannondale

Bei den Touren-Mountainbikes lässt sich schon ein gewisser Wettbewerb um geringes Gewicht ausmachen. Bei diesen ohnehin schon minimalistischen Varianten achtet man auf jedes Gramm: Das reicht von Carbonrahmen über Carbonpedale bis hin zur Schaltung aus dem Verbundwerkstoff. Sie wiegen dann kaum mehr als 8 bis 10 Kilogramm. Stand der Technik sind Scheibenbremsen.
29er- oder 27,5er-Reifen?
Anfang der 2000er-Jahre kam in den USA eine neue Reifengröße für Mountainbikes auf: Es waren nicht mehr die wendigen 26-Zoll- oder die spurstabilen 28-Zoll-, sondern 29-Zoll-Laufräder. Sie sollten noch mehr Stabilität und mehr Fahrkomfort bieten. Mit großen Rädern rollt man leichter über Hindernisse wie Steine oder Wurzeln.
Messungen ergaben, dass die großen Räder leichter rollen und die Fahrräder im Grenzbereich damit besser zu kontrollieren sind. Andererseits haben die 29-Zöller ein größeres Trägheitsmoment – es muss einfach mehr Masse bewegt werden – und sie sind nicht so seitensteif wie kleinere Laufräder.

Einsteiger-MTB von Haibike mit 27,5-Zoll-Rädern
Die Alternative zu diesen großen Rädern ist das erst kürzlich aufgekommene Maß mit 27,5 Zoll. Es lehnt sich etwas an die 26-Zoll-Räder an, die sehr seitensteif sind, bietet aber mehr Komfort und bessere Überrolleigenschaften von Hindernissen.

Downhill-MTB mit langem Radstand von Scott

Downhills
Der Laie wundert sich vielleicht, aber es gibt eine Kategorie von Fahrrädern, die primär dafür gemacht sind, um mit ihnen möglichst schnell schlechte Waldstraßen, Feldwege oder Bergpfade herunterzurasen: Das sind die Downhills. Sie sind gewissermaßen die Elefanten unter den Mountainbikes – und wiegen bis 18 oder 20 Kilogramm. Das rührt von ihrem stabilen Rahmen und den genauso widerstandsfähigen Anbauteilen her. Ein langer Radstand macht einen ziemlich stoischen Geradeauslauf möglich, die Federwege betragen bis zu 250 Millimeter, das hohe Tempo wird mit Scheibenbremsen von über 200 Millimetern Durchmesser gebremst. Hier kommen besonders breite Reifen ab 50 Millimeter zum Einsatz. Die Downhills sind für spektakuläre Sprünge im Gelände oder auf Rennparcours ausgelegt. Touren unternimmt man mit ihnen kaum – schon der Weg vom Parkplatz zum Sessellift für den Aufstieg kann auf ihnen zu weit sein.
Enduro-Mountainbikes
Sie sind die Langstreckenfahrräder unter den Mountainbikes. Dafür sorgen ein relativ langer Radstand, der Spurtreue vermittelt, und eine eher aufrechte Sitzposition, die nicht so sportlich ist wie auf den Allround-MTBs. Auch die Lenker, die etwas zum Fahrer hin gebogen sind, unterstützen diese Position. Enduros sind vollgefedert, wobei der Federweg zwischen 150 und 180 Millimetern liegt. Bei den Schaltungen sieht man hier immer häufiger die 1 x 12-Schaltung von Sram, die vorn nur ein Kettenblatt hat. Man muss entscheiden, ob einem das gefällt – die Sprünge zwischen den einzelnen Gängen sind relativ groß. Wer für Touren gern eine kleinteilige Wahl an Gängen hat, sollte auf ein zweifaches Kettenblatt achten (siehe auch Kapitel 5 „Antrieb, Schaltung, Pedale“, ab Seite 128).
Vollgefedertes Enduro-MTB von Giant: das „Reign Advanced Pro“
Spezialfall Fatbikes
Ein ganz spezieller Fall unter den Mountainbikes sind die Fatbikes: Fahrräder mit Mountainbike-Genen und überdimensional dicken Reifen bis zu 5 Zoll Breite – das sind 12,5 Zentimeter! Dafür müssen die Rahmen an der Gabel und im Tretlagerbereich breiter sein als üblich, auch die Ausfallenden sind breiter. Mit Fatbikes kann man Baumwurzeln genauso bewältigen wie Sandpisten oder tief verschneite Wege. Das perfekte Gerät also für abenteuerlustige Draufgänger.

Experten für unwegsames, tiefes Gelände: Fatbikes
Es gibt Fatbikes mit Starrgabel oder Federgabel, auch vollgefederte Modelle sind erhältlich. Vorn dreht sich ein Kettenblatt, hinten eine dicke Kassette mit bis zu zwölf Zahnkränzen. Manche Hersteller haben auch Modelle mit zwei Kettenblättern im Angebot. Ösen und Gewinde sind für die Befestigung von Trinkflaschen und Bikepacking-Utensilien meist reichlich vorhanden. Schutzbleche, Licht oder Gepäckträger kommen in der Regel nicht vor, können aber nachgerüstet werden.
Fatbikes lassen sich wegen der breiten Reifen mit ganz wenig Luftdruck fahren. 0,8 Atü sind schon die Obergrenze – im Vergleich dazu haben Rennradreifen bis zu 8,0 Atü. Ein Gewicht von 14 oder 15 Kilogramm ist ein guter Wert.
| Mountainbikes | |
·Einsatzzweck
·Fully oder Hardtail
·Schaltung
Elektromotoren an Mountainbikes
Es versteht sich quasi von selbst, dass Mountainbikes auch ein Dorado für elektrische Antriebe sind. Denn wie kaum an einem anderen Fahrrad kann man am Mountainbike die Segnungen der elektrischen Unterstützung erleben. Steile Wirtschaftswege auf Almen werden damit zu bequemen Trainingsrouten. Auf der Fahrt von der Ebene hinauf zum Domizil in exponierter Hanglage geht einem nicht mehr die Puste aus – auch wenn es dabei über reichlich sperrige Hindernisse geht. Und die ganz Professionellen, die hoch in den Alpen waghalsig Trails befahren und in Hütten übernachten, freuen sich, dass sie auch mit etwas weniger Muskelkraft ihr Tagesziel erreichen. E-Mountainbikes sind schwerer als konventionelle MTBs und wiegen zwischen 22 und 23 Kilogramm.
Zahnriemen im Innern machen den Brose-Motor sehr leise.
An Mountainbikes fahren die Hersteller der Elektromotoren daher alles auf, was sich die Ingenieure ausgedacht haben. Über die Kombination Mountainbike plus Elektromotor entscheiden die Fahrradhersteller nach eigenen fürs Marketing ausschlaggebenden Gesichtspunkten. Die folgende kleine Motorenübersicht bezieht sich auf Fullys, vollgefederte Mountainbikes. Sie stellen bei den E-Bikes das größte Verkaufssegment dar.
•Bosch ist mit seiner überarbeiteten Motorenlinie „Performance Line CX“ vertreten. Der große Motor liefert 85 Nm Drehmoment – die seit Sommer 2020 per Update nachrüstbar sind – und gilt als äußerst fein dosierbar in der Leistungsabgabe. In einem neuen Fahrmodus „eMTB“ stellt er stufenlos die Kraft zwischen den Fahrmodi „Tour“ und „Turbo“ zur Verfügung, die gerade benötigt wird. Display und „Remote control“ könnten besser lesbar und bedienbar sein, klagen Tester.
| MTB-Motoren | |
·Drehmoment
·Schiebehilfe
·Sensorentechnik
•Der Brose „Drive S Mag“ gilt mit 90 Nm als feinfühliges Kraftpaket, das auch schon in niedrigen Unterstützungsstufen ausreichend Power liefert. Er bietet ein sehr natürliches Fahrgefühl.
•Der Panasonic „GX 0“ hat ebenfalls 90 Nm Drehmoment, bei niedrigen Drehzahlen sinkt seine Leistungsabgabe aber schnell ab. Ein Automatikmodus wirkt sehr ansprechend.
•Der Shimano „Steps E8000“ ist an sehr vielen Mountainbikes verbaut. Er hat 70 Nm Drehmoment, seine drei Fahrmodi lassen sich via App feinsteuern. Manche Fahrer bemängeln, dass er bei niedrigen Trittfrequenzen zu abrupt einsetzt.

•Die Schweinfurter Firma Haibike hat den „TQ HPR 120S“ seit 2012 bekannt gemacht. Er ist mit 120 Nm der stärkste Mountainbikemotor überhaupt. Die Leistung gibt er so brachial frei, dass man in steilem Terrain aufpassen muss, nicht hintenüber zu purzeln. Bei mittlerer Unterstützungsstufe bietet er, was andere Motoren bei höchster Power haben – ist aber schwerer zu kontrollieren.
Bei Ihrer Wahl sollten Sie sich aber nicht von Einzeldaten wie etwa Motorleistung, Federweg oder Akkugröße leiten lassen – das beste Mountainbike ist immer noch dasjenige mit dem besten Gesamtpaket. Und das kann je nach persönlichem Geschmack sehr unterschiedlich ausfallen.
Viele Fahrer von E-Mountainbikes klettern damit nicht nur Bergpfade hinauf, sondern setzen sie auch im Alltag ein – zur Feierabendrunde oder auf dem Weg zur Arbeit. Dann kann zum Beispiel auch die Möglichkeit entscheidend sein, ein ordentliches Licht oder einen Gepäckträger leicht anbringen zu können.
Randonneure
Der Begriff Randonneur kommt aus dem Französischen und bedeutet Wanderer. 1931 wurde erstmals die Fernfahrt Paris–Brest–Paris von 1200 Kilometern Länge als „randonnée à vélo“ bezeichnet. Die Teilnehmer solcher Langstreckenfahrten nannte man fortan „randonneurs“. Von da sprang der Begriff nach Deutschland über, wo nicht nur die Teilnehmer solcher Fahrten, sondern auch die dafür benutzten Langstreckenfahrräder fortan als Randonneure bezeichnet werden.
REISERÄDER
Reiseräder sind Fahrräder, die für die große Tour gedacht und deshalb besonders stabil und belastbar sind. Es sind gewissermaßen die Packesel unter den Fahrrädern. Sie können von Rennrädern abstammen und werden dann gern als „Randonneure“ bezeichnet, sie können aber auch auf Trekking- oder Mountainbikes basieren.
Traditionell haben Reiseräder meist Diamantrahmen oder leicht geschwungene Trapezrahmen aus Stahl – das Material wird weltweit verwendet und kann auch in abgelegenen Teilen der Welt repariert werden. Allerdings kommt auch Aluminium häufig zur Anwendung – moderne Alurahmen sind nicht unbedingt weniger haltbar als solche aus Stahl.
Die Rahmen sind generell auf Stabilität ausgelegt: Die Rohre können etwas dicker sein als an üblichen Trekkingrädern, auch ist der Radstand meist größer als an konventionellen Rädern. Das führt zu höherer Laufruhe.
Reiserad mit Kettenschaltung und Lowrider am Vorderrad

Auf Federungen an der Gabel oder dem Hinterbau wird verzichtet – das Motto: „Was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen“ gibt den Maßstab ab. Auch gefederte Sattelstützen sind die Ausnahme. Stattdessen setzt man für ein wenig Komfort auf solide Starrgabeln und breitere Reifen. Der Hinterbau fällt etwas länger aus, sodass man dort auch gut gefüllte Packtaschen anbringen kann, ohne mit den Fersen dagegenzustoßen. Die Gepäckträger sind meist angeschweißt und verfügen über eine zweite Rohrebene fürs Einhängen der Packtaschen. Die Gabeln haben Gewinde für die Aufnahme von „Lowrider“-Gestellen für Packtaschen. Zwei oder drei Getränkehalter sind Pflicht, ebenso Schutzbleche und eine Lichtanlage. Dazu kommen besonders stabile Laufräder, sodass das Gesamtgewicht bis 150 oder 160 Kilogramm reicht.
Der Lenker sollte ergonomisch passen und möglichst viele Variationen zum Anpacken bieten, damit der Fahrer nicht in einer einseitigen Haltung über Stunden verkrampft; Lenkerhörnchen bilden da eine gute Ergänzung. Manche Radler bevorzugen aus diesem Grund Rennlenker, da sie viele Griffmöglichkeiten bieten. Auch ein angenehmer Sattel ist ein wichtiges Kriterium – hier geht probieren über studieren.

Pinion-Getriebe und Gates-Riemenantrieb an einem Reiserad von Velotraum
An Schaltungen ist alles vertreten, was das Herz begehrt: Seien es Ketten-, Naben- oder Getriebeschaltungen mit dem edlen Pinion-System. Die Getriebeschaltungen gelten bei Reiseradlern als beste Wahl, weil sie keine Wartung brauchen. Dazu kommen Riemenantriebe zum Hinterrad und je nach Hersteller kleine technische Spielereien wie etwa eine USB-Buchse, über die man unterwegs das Handy mit dem Nabendynamo aufladen kann.
Reifen für Reiseradler: Der „Road Cruiser Plus“ von Schwalbe hat einen speziellen Pannenschutz (1), der „Billy Bonkers“ ist ein Spezialist für Sand (2), der „G-One“ ein Universalist (3).
An Reiserädern werden grundsätzlich breitere, stärker profilierte Reifen verbaut. Sie bieten auf losem Untergrund den besseren Halt und überstehen auch Schotterpassagen oder steinige Pisten besser als schmalere Reifen von 28 oder 35 Millimetern Breite.
Welche Laufradgröße: 26 oder 27,5 Zoll?
Bei den Laufrädern der Reisefahrräder gibt es eine Besonderheit: Sehr verbreitet sind 26-Zoll-Räder. Sie haben kürzere Speichen als die 28-Zoll-Räder und sind daher stabiler, Speichenbrüche seltener. Die Ersatzteillage, auch bei den Reifen, ist zudem weltweit gut. Die kleineren Räder bieten den oft schwer beladenen Reiserädern zudem den Vorteil, dass sie agiler sind, das Fahrrad sich also etwas leichter dirigieren lässt als mit größeren Laufrädern. Zu den 26-Zoll-Rädern passen auch gut breite Reifen ab 50 Millimeter – die an größeren Rädern schon sehr wuchtig aussehen.

Am Reiserad sehr verbreitet: 26-Zoll-Räder

Eine etwas neuere Entwicklung stellen 27,5-Zoll-Räder dar. Der Trend stammt von den Mountainbikes. Die Größe soll die Wendigkeit des kleineren Formats mit der Spurstabilität der 28-Zoll-Räder verbinden. Der Markt hält zudem ein breites Angebot an sehr leichten und dennoch stabilen Felgen sowie den passenden Reifen in diesem Format bereit. Somit kann etwas Gewicht gespart werden. Viele dieser 27,5-Zoll-Felgen sind auf schlauchlose Reifen ausgelegt. Sie gelten als pannensicherer als solche mit Schlauch – auch ein Vorteil auf einer Reise.
Reifen
Reiseräder haben in der Regel breitere Reifen, angefangen bei einem Minimum von 37 Millimetern und bei 26-Zoll-Reifen bis an die 50 oder 60 Millimeter heranreichend. Für diese Reifenbreiten müssen die Gabel und der Hinterbau des Fahrrads breit genug sein. Mit breiteren Reifen kann man den Luftdruck um etwa ein Atü absenken, wodurch die Traktion auf schlechtem Terrain besser wird, auch der Komfort erhöht sich damit leicht. In diesem Zusammenhang ist es ratsam, die passende Kombination aus Maulweite der Felge und Reifenbreite zu beachten – nicht jeder breite Reifen passt auf jede Felge (siehe Kapitel 4 „Laufräder, Felgen, Speichen, Naben“, ab Seite 108).
Die Reifen an Reiserädern sind zudem stark profiliert und gegen Pannen geschützt. Dafür haben die Hersteller in den vergangenen Jahren ziemlich wirksame Gummimischungen entwickelt, die mit harten Kunststoffeinlagen versehen werden und Durchstiche abhalten können.
Bremsen an Reiserädern
Scheibenbremsen haben an Reiserädern die Felgenbremsen fast vollständig verdrängt. Nur wenige Hersteller, zum Beispiel Koga oder Poison, bieten noch Modelle mit Felgenbremsen an. Poison montiert immerhin die sehr effektiven Magura-Felgenbremsen. Die Dominanz der Scheibenbremsen liegt darin begründet, dass sie bei Nässe grundsätzlich eine bessere Wirkung haben. Zudem sind Reiseräder schwerer, Scheibenbremsen diesen höheren Anforderungen besser gewachsen. Dem größeren Gewicht tragen die Hersteller auch dadurch Rechnung, dass die Bremsscheiben mindestens einen Durchmesser von 180 Millimetern haben – an konventionellen Rädern beträgt er 160 Millimeter. Idworx verbaut an seinen Reiserädern auf Wunsch gar Scheiben mit 203 Millimetern Durchmesser. Sie dürften auch steilsten Abfahrten mit noch so viel Gepäck ihren Schrecken nehmen.
Auch an Reiserädern oft verbaut: Scheibenbremsen

Große Wirkung: hydraulische Felgenbremse
Felgenbremsen bewirken zudem im Lauf der Zeit einen Verschleiß an den Bremsflächen der Laufräder, was zu Stabilitätsproblemen bis hin zum Bruch eines Laufrades führen kann. Dieses Problem verursachen Scheibenbremsen nicht. Scheibenbremsen an Reiserädern können mechanisch oder hydraulisch mit Öldruck betätigt werden. An der Frage, was sich an einem Reiserad besser eignet, scheiden sich die Geister. Hydraulische Bremsen wirken einen Tick vorteilhafter, da man etwas weniger Handkraft benötigt. Andererseits ist bei Ausfall des Systems die Reparatur aufwendiger – wer nimmt schon ein Entlüftungsset mit Ersatzbremsflüssigkeit mit ins Gebiet um den Himalaya? Da ist der Seilzug einer mechanischen Scheibenbremse leichter ersetzt.

Hydraulische Felgenbremsen erfordern auf sie abgestimmte Bremshebel
Randonneure
Die Randonneure sind die sportlichen Fahrräder unter den Reiserädern. Sie sind der Form nach einem Rennrad sehr ähnlich, die Rahmen hingegen langstreckentauglicher ausgelegt: Ein kürzeres Oberrohr und ein längeres Steuerrohr sorgen dafür, dass man nicht so gestreckt und nach vorn gebeugt sitzt wie auf einem Rennrad, sondern relativ aufrecht. Der Gepäckträger ist angeschweißt und mit bis zu 40 Kilogramm belastbar. Die Laufräder sind meist 28 Zoll groß, Reiserad-Spezialisten wie Velotraum bieten auch 26-Zoll-Räder an. Sie haben Schutzbleche und Lichtanlagen.
An manchen Rädern findet man pfiffige Details wie etwa einen Anschlagstop für die Gabel: Damit sie sich beim Abstellen des Fahrrads nicht so weit verdreht, dass vielleicht ein Schalt- oder Bremszug aus der Halterung gerissen wird, gibt es am Steuerrohr kleine Anschlagpunkte, die genau das verhindern. Zur Verbesserung der Stabilität eines voll beladenen abgestellten Fahrrads findet man an der Gabel oder dem Lowrider von Reiserädern häufig einen kleinen Seitenständer für das Vorderrad.
Klassisches Reiserad von Kona
Kettenschaltungen sind passend zum Rennrad-Flair dieser Modelle die erste Wahl – wenngleich es auch Nabenschaltungen mit Riemenantrieb an Randonneuren gibt, die allerdings etwas schwerer sind.

Randonneur oder Reiserad: der „Vättern“ von Norwid
Klassische Reiseräder
Diese Reiseräder ähneln in ihrer Form am ehesten den Trekkingrädern und sind mit Diamant- oder Trapezrahmen erhältlich. Sie haben gerade oder leicht gekröpfte Lenker, oftmals mit Lenkerhörnchen, und eine Rahmengeometrie, die etwas weniger sportlich ist als die der Randonneure. Die Rahmen sind sehr stabil, die Gabeln auf breitere Reifen jenseits der 50 Millimeter ausgelegt. Auch hier sind die Gepäckträger angeschweißt, Schutzbleche aus Blech und stabil befestigt. Im Vorderrad dreht sich ein Nabendynamo, wo meist auch schon Lowrider für Packtaschen angebracht sind.

Ein auch für Reisen geeignetes Trekkingbike

An Schaltungen kommen alle Möglichkeiten in Betracht: von Kettenüber Nabenschaltungen mit Rohloff-Getriebe und Gates-Riemenantrieb bis hin zum edlen Pinion-Getriebe, das im Tretlager sitzt. Für flaches Gelände reicht die Nexus-Nabe von Shimano mit acht Gängen völlig aus, wenn es steiler werden soll, sind die Elf-Gang-Nabe Alfine oder eine Rohloff-Nabe eine gute Wahl. Die meisten Reiseradler setzen auf Nabenschaltungen, weil sie keine Wartung benötigen. Und ein Riemenantrieb zum Hinterrad spart das Putzen und Ölen einer Kette.
| Reiseräder | |
·26 oder 28 Zoll
·Nabenschaltung bevorzugt
·Stahlrahmen
·Bremsen
Je nach Hersteller ist das Design sportlich-elegant oder robust. Stahlrahmen sind auch hier die erste Wahl, haben sie doch eine generell schlanke Silhouette, die auch bei voll ausgestatteten Reiserädern elegant wirkt.
Der Spezialist für Reiseräder Velotraum geht beim Design eigene Wege. Er betrachtet Fahrräder gemäß seiner Produktphilosophie als „Lebensmittel“. Demgemäß werden sie auf die individuellen Kundenwünsche maßgefertigt. Gekoppelt mit langjähriger Erfahrung, in deren Zentrum die Ergonomie, Materialerfahrung und Handwerk stehen, ergeben sich so eigenständige Formen und Ausstattungsvarianten, die sich von moderner Massenfertigung abheben. „Unsere Stärke ist der Dialog mit dem Kunden. Ihm liefern wir die passende Technik“, sagt Inhaber Stefan Stiener. So hat zum Beispiel das Modell „Finder“ einen Rahmen mit geknicktem Oberrohr fürs leichtere Aufsteigen, einen Rennlenker und 27,5-Zoll-Laufräder. Damit ist der „Finder“ für die große Reise genauso geeignet wie für den täglichen Pendelverkehr ins Büro.
Mountainbikes als Reiseräder
Mountainbikes schließen sich eigentlich von ihrer Konstruktion her als Reiseräder aus. Sie sind meist nicht für die Aufnahme von Gepäck konstruiert, Gewindeösen am Rahmen fehlen in der Regel, und die Federgabeln machen das Anbringen von Lowridern schwierig. Wenn überhaupt, dann kommen allenfalls Hardtails, also Räder ohne gefederten Hinterbau, infrage. Denn andererseits sind Mountainbikes sehr robust, mit ihren Übersetzungen lassen sich auch steilste Berge überwinden, und wenn man beim Gepäck nicht allzu große Ansprüche hat, lassen sich für die Urlaubstour auch so genug Sachen mitnehmen.
Ein Fatbike von Salsa als Reiserad
So gibt es durchaus die Möglichkeit, Mountainbikes zumindest für etwas längere Touren zum Reiserad aufzurüsten. Im Zubehörhandel finden Sie dafür die nötigen Utensilien. Manche Hersteller haben an ihren Rahmen Gewinde für Gepäckträger vorgesehen. Schutzbleche und Licht können mit ansteckbaren Schutzblechen und Akku-Leuchten nachgerüstet werden. Bevorzugt werden Mountainbikes aber als Modelle für das Bikepacking.
E-Bikes als Reiseräder
Auch bei den Reiserädern gibt es einen Trend hin zum E-Bike. Das klingt paradox: Mit einem Reiserad will man ja eigentlich in entfernte Orte der Welt fahren – der Elektroantrieb verlangt aber Strom zum Aufladen, also die Nähe der Zivilisation. Wie passt das zusammen? Vielleicht muss man dazu den Begriff der „Reise“ etwas weiter fassen. Nicht für jeden Radler ist erst die Tour auf dem Karakorum-Highway im Grenzgebiet zwischen China und Pakistan eine Reise – für manchen fällt schon die zehntägige Etappentour, etwa von Deutschland nach Südfrankreich, darunter. Und für diese Radler könnte ein E-Reiserad wirklich interessant sein. Bietet es doch Komfort auf planbaren Etappen, die abends nicht am Lagerfeuer, sondern im Hotel oder Hostel enden. Wer wirklich ins Outback will, wird kein E-Bike nehmen. Wer aber in Mitteleuropa lange Urlaubsfahrten plant, ist mit einem E-Bike für die Reise ganz gut dran.

E-Bike als Allround-Rad
Die Motoren- und die Fahrradhersteller haben sich auf diese Gruppe inzwischen eingestellt. Der Fahrradhersteller Koga hat zum Beispiel mit der Elektroversion seines seit vielen Jahren beliebten „World Travellers“ so ein Modell im Programm. Dieser verfügt über einen Aluminiumrahmen mit Starrgabel, den es auch in Trapezform gibt, einen soliden, angeschraubten Gepäckträger, hydraulische Scheibenbremsen, einen Motor von Bosch („Performance CX Line“) mit abnehmbarem 500-Watt-Akku und eine Kettenschaltung. Velotraum bietet in seiner „E-Finder“-Reihe Modelle mit Naben- und Mittelmotor an. Manche Modelle sind darauf ausgelegt, einen Ersatzakku mitzunehmen, womit die Kapazität auf bis zu 1 250 Wattstunden steigt. Riese & Müller hat mit seinem „Superdelite“ zum Beispiel so einen Kraftprotz im Programm. Auch Räder der E-Bike-Spezialisten Flyer und Stromer werden gern als Reiseräder eingesetzt – wobei die Stromer-Modelle S-Pedelecs sind, die ein Versicherungskennzeichen benötigen. An Solidität mangelt es beiden jedoch nicht.
Mit Gepäcktaschen, die man direkt am Rahmen befestigt, werden auch Mountainbikes zu Reiserädern. Die Taschen sitzen fest, nichts wackelt.
Aber: Aufladen muss man die Akkus irgendwann doch, egal, wie groß sie sind. Gut, wenn es dann eine Steckdose gibt. Denn wer das zusätzliche Gewicht eines E-Bikes mit reiner Muskelkraft bewegen muss, würde dann lieber auf einem konventionellen Reiserad sitzen.
RENNRÄDER

Rennräder stellen bei den Fahrrädern eine eigene Kategorie dar. Die Sportgeräte sind wie kein anderes Fahrrad auf schnelles Vorankommen getrimmt. Dazu müssen sie möglichst wenig wiegen. Deshalb wird an ihnen alles weggelassen, was zum Fahren nicht notwendig ist: Schutzbleche, Gepäckträger, Lichtanlagen, Klingel, Ständer. Und was dann noch übrig bleibt, ist auf maximalen Leichtbau ausgelegt: Rahmen, Laufräder, Lenker, Vorbau, Schaltung, Bremsen, Sattelstütze und Sattel sollen der Muskelkraft möglichst wenig Gewicht entgegensetzen. Dazu werden im hochpreisigen Bereich überwiegend Carbonrahmen eingesetzt.
Der „Comet“-Rahmen des Hamburger Fahrradherstellers Stevens wiegt zum Beispiel in Größe 58 nur 800 Gramm – so viel Gewicht bringt manche Aluminiumgabel allein schon auf die Waage. Ein Gesamtgewicht um 8 Kilogramm ist gut, weniger ist besser. Die Rahmengeometrie bei Rennrädern ist darauf ausgelegt, dass möglichst viel Kraft an die Tretkurbel kommt und der Fahrer möglichst aerodynamisch auf dem Rad sitzt. Bei Fahrten in der Ebene ist der Luftwiderstand der höchste zu überwindende Widerstand. Deshalb sitzt man mehr oder weniger stark nach vorn gebeugt auf einem dünnen, ungefederten Sattel, der höher ist als der Lenker. Der Radstand ist kurz, der Lenkrohrwinkel steil, wodurch ein Rennrad sehr wendig wird, aber auch wenig Laufruhe hat.
Rennräder mit Stahlrahmen (1) bilden eine beliebte Marktnische. Einfachere Modelle mit Alurahmen (2) gibt es schon ab 750 Euro – bei Carbon wird es teurer. Das Cannondale „Super Six Evo“ (3) mit Carbonrahmen und Sram-Funksteuerung gehört ins Hochpreissegment.

Rennräder haben einen Lenkerbügel mit Bremsschalthebeln, einen schmalen Rennsattel und Dual-Pivot-Rennbremsen (siehe auch Kapitel 7 „Anbauten: Bremsen, Gepäckträger & Co.“, ab Seite 188). Meist passen nur Reifen von maximal 28 Millimetern Breite. Bei Marathon- oder Endurance-Rennrädern, die auf etwas mehr Komfort für lange Strecken ausgelegt sind, können es auch bis zu 32 Millimeter sein.
Rennradrahmen – Material

Als Rahmenmaterial gibt es alles, was gut ist: Stahl, Aluminium, Carbon, Titan. In den vergangenen Jahren hat Carbon den Markt erobert, manche Hersteller bieten Aluminium nur noch im Einsteigerbereich an. Rennräder aus Stahl sind ein Nischenprodukt, finden aber ihre Abnehmer. Daneben gibt es auch Rennräder aus dem teuren Titan. Sie gelten als Luxusvarianten des Sportgeräts. Da Rennräder bei publikumsträchtigen Sportveranstaltungen eingesetzt werden, wird in die Entwicklung der Rahmen viel Aufwand investiert – sie sollen möglichst leicht sein (siehe Kapitel 3, „Rahmen, Gabel, Lenker, Vorbau“, ab Seite 82).
Bei Rennradschaltungen Standard: elf Ritzel (1). Srams elektronische Schaltung braucht keine Schaltzüge (2). Ein Stellmotor wechselt die Kette (3, 4). Scheibenbremsen und leichte Laufräder (5–7) reduzieren das Gewicht. Felgenbremsen werden seltener (8).
Laufräder

Natürlich sind auch die Laufräder an Rennrädern auf möglichst wenig Gewicht hin entwickelt. Das Fahrrad lässt sich schneller beschleunigen und fährt sich quirliger. Das spürt man vor allem am Berg. Als Material für die Laufräder wird in der Regel Aluminium verwendet. Auch die Zahl und das Profil der Speichen beeinflussen das Gewicht. Hochprofilfelgen sind zwar etwas aerodynamischer, aber seitenwindanfällig.
Bremsen und Schaltung am Rennrad
Bremsen und Schaltung sind am Rennrad in einem kombinierten Hebel gemeinsam untergebracht. Zum Bremsen zieht man den Hebel heran. Die rechte Seite ist grundsätzlich für das Hinterrad zuständig, die linke für das Vorderrad. Rechts bewegt man auch das Schaltwerk hinten und somit die Kette auf dem Zahnkranz. Mit dem linken Kombihebel bewegt man den Umwerfer vorn. Er befördert die Kette vom großen auf das kleinere Kettenblatt und umgekehrt.
| Rennräder | |
·Gewicht
·Bremsen
·Rahmenmaterial
·Schaltung

Felgenbremsen weichen immer mehr den Scheibenbremsen. Sie bremsen besser, schmirgeln nicht wie die Felgenbremsen die Bremsfläche des Laufrads ab und sind leicht zu bedienen. Ob man sich für hydraulische oder mechanische Scheibenbremsen entscheidet, ist eine Frage des Einsatzes und des Geldbeutels. Hydraulische Scheibenbremsen funktionieren mit Öldruck, mechanische werden wie klassische Felgenbremsen mit einem Seilzug betätigt. In beiden Fällen wird ein Bremskolben auf die Bremsscheibe gedrückt, bei den besseren Scheibenbremsen sind es zwei oder sogar vier Kolben. Hydraulische Felgenbremsen wirken einen Tick besser und sind leicht zu bedienen, allerdings schwieriger zu warten. Sie unterwegs zu entlüften, kann zum Problem werden – deshalb sind für Reisen zum Beispiel mechanische Scheibenbremsen eher zu empfehlen. Einen gerissenen Seilzug hat man schnell ersetzt – eine Ölleitung eher nicht.
GRAVELBIKES
Gravelbikes sind Rennräder mit einer gemäßigten Geometrie, breiteren Reifen und Schaltungen mit leichten Gängen fürs Gelände und die Berge. Oft kommen Befestigungsmöglichkeiten für Schutzbleche und Gepäckträger hinzu, Ösen für mehrere Getränkehalter bieten fast alle Modelle. Eine einheitliche Definition oder einen Standard der Hersteller gibt es aber nicht. So sind manche Räder fast genauso sportlich wie Rennräder mit breiten Reifen, aber etwas bequemer zu fahren. Andere Modelle erlauben eine sehr aufrechte Haltung und sind mit versteckten Federsystemen am Lenker und Sitzrohr sowie breiten Reifen ab 40 Millimeter fürs grobe Gelände gemacht. Gemeinsam ist allen Varianten, dass man damit auch auf schlechtem Terrain unterwegs sein kann und sich die Modelle von Rennrädern und Cyclocross-Rädern aus entwickelt haben.
Typisches Gravelbike mit dickeren Reifen und gemäßigter Geometreie: „Backroad“ von Rosebikes
Gravelbikes gelten als Alleskönner unter den Rennrädern, sind für die schnelle Ausfahrt genauso geeignet wie für den Ritt über Waldwege oder den täglichen Weg zur Arbeit und längere Touren.
Der Name entstammt ursprünglich dem englischen Begriff „Gravel Roads“, den Schotterstraßen in den USA, die mit solchen Rädern befahren werden. Seit einigen Jahren sind Gravelbikes auch in Europa vertreten. Nahezu alle Fahrradhersteller führen heute Gravelbikes im Programm.
Woher rührt jedoch ihre Vielseitigkeit? Häufig sorgen ein längeres Steuerrohr und ein kürzeres Oberrohr als bei Rennrädern für eine aufrechtere Sitzhaltung. Hinzu kommen ein etwas tiefer liegendes Tretlager und ein größerer Radstand als bei Rennrädern. Das bewirkt mehr Laufruhe und ein weniger quirliges Fahrverhalten als bei klassischen Rennrädern. Die Rennbügel des Lenkers sind etwas weiter nach außen gebogen – was im Gelände einen sicheren Griff gewährleisten soll; diese Form nennt sich „Flare“.
Auch die breiten Reifen tragen zur Vielseitigkeit bei. Mindestmaß sind 32 bis 35 Millimeter, die Breite kann bis 47 Millimeter reichen. Das dämpft schon mal die gröbsten Unebenheiten ab. Dann können Gravelbikes über raffinierte Tricks an der Gabel und der Sitzstrebe gefedert sein – sei es durch Federungen, wie sie Specialized verwendet, sei es durch das Iso-Link von Trek, sei es durch Sitzrohre oder Sitzstreben, in die Elastomere eingearbeitet sind. Canyon hat gar ein Modell im Programm mit einem „Doppeldecker-Lenker“, wovon der obere federt. All diese Maßnahmen erhöhen den Fahrkomfort deutlich.
| Gravelbikes | |
·Rahmenmaterial
·Gewicht
·Übersetzung
·Federung
INFO
Was bedeutet Übersetzung?
Unter einer Übersetzung am Fahrrad versteht man das Verhältnis der Zähnezahl von Kettenblatt und Ritzel. Dieses Verhältnis entscheidet darüber, wie leicht oder schwer man treten muss. Hat das Kettenblatt vorn zum Beispiel 48 Zähne und das Ritzel hinten 10 Zähne, ergibt das eine Übersetzung von 48 geteilt durch 10 = 4,8. Das bedeutet: Wenn die Kurbel eine Umdrehung macht, macht das Ritzel 4,8 Umdrehungen. Das ist bergauf relativ schwer zu treten, aber bergab gut fürs schnelle Vorankommen. Hat das Ritzel dagegen 30 Zähne, ist die Übersetzung 1,6 – deutlich leichter zu treten und eine Empfehlung fürs Bergauffahren.
Nun gibt es auch kleine Kettenblätter, die nur 32 Zähne haben und hinten kann ein Ritzel mit ebenfalls 32 Zähnen montiert sein – dann hat man eine Übersetzung von 1:1 – eine sehr leichte Übersetzung fürs Gebirge. Bei hinten gar 34 Zähnen ergäbe sich eine Übersetzung von 0,94 – eine noch leichtere Kombination für steile Anstiege. Aus der Übersetzung lässt sich die Entfaltung des Fahrrads (Wegstrecke pro Kurbelumdrehung) errechnen: Man multipliziert Übersetzung mit Radumfang, bei 28 Zoll knapp 2,1 Meter: also zum Beispiel: 4,8 x 2,10 = 10,080 Meter.
Bei einer Umdrehung fährt unser Fahrrad also 10,08 Meter weit. Wenn wir eine Übersetzung von 0,94 haben, sind das pro Kurbelumdrehung nur noch 1,97 Meter.
Übersetzungen sind immer auf den Einsatzzweck zugeschnitten. An Alltagsrädern werden gern Übersetzungen mit drei Kettenblättern und 48/36/26 Zähnen sowie Kassetten mit neun, zehn oder elf Ritzeln verbaut. Sie haben dann standardmäßig zum Beispiel einen Umfang von elf bis 36 Zähnen. An einem solchen Rad wäre die größte Übersetzung (schwerster Gang) 4,36, die kleinste Übersetzung (leichtester Gang) 0,72.
Auch die Übersetzung an Gravelbikes weicht von konventionellen Rennrädern etwas ab. Statt einer Kurbel mit 50/34 Zähnen sind Kurbeln mit 48/32 Zähnen oder 46/30 verbaut, hinten meist eine Kassette mit elf Ritzeln und elf bis 34 Zähnen. Damit kommen Übersetzungen zustande, die Hobbyradlern das Befahren von Bergen erleichtern. Auch im Gelände bietet diese Übersetzung mehr Spielraum im unteren Bereich. Alternativ sind viele Räder mit der 1:12-Übersetzung von Sram ausgerüstet. Die aus dem Mountainbikebereich stammende Übersetzung hat nur ein Kettenblatt mit 40 Zähnen, die Kette läuft auf einer Kassette mit elf oder 12 Ritzeln mit elf bis 42 Zähnen. Das spart etwas Gewicht. Als Nachteil wird aber bemängelt, dass die Sprünge zwischen den einzelnen Gängen relativ groß sind und sich auch die größte Übersetzung fürs schnelle Fahren auf Asphalt nicht so eignet.
Feld-, Wald- und Wiesenwege sind das Terrain von Gravelbikes.
Shimano hat für das Gravelbike-Segment eine spezielle Schaltgruppe „GRX“ entwickelt. Es gibt sie als ein- und zweifache Kurbeln mit Zehn- und Elffach-Schaltwerken. Die Kurbeln sind etwas breiter, die Kettenlinie wandert etwas nach rechts, um breiteren Reifen Platz zu machen. Das Übersetzungsverhältnis ist berggängiger geworden. Die Kurbeln haben 48/31 oder 46/30 Zähne. Die Einfachkurbel hat nur 40 Zähne. Es gibt einen langen und einen kurzen Schaltkäfig. Geschaltet wird mechanisch oder elektronisch.
Nach außen ausgestellte Unterlenker („flare“) sind typisch für Gravelbikes.


Als Rahmenmaterial kommen bei Gravelbikes Carbon, Aluminium oder Stahl infrage. Carbon kann man leichter formen, es federt besser und ist leichter als die anderen Materialien. Aluminium und Stahl sind robuster, und bei guten Stahlrahmen ist der Gewichtsunterschied zu Carbon nicht sehr groß. Der „Pfadfinder“ des Berliner Stahlexperten Standert wiegt zum Beispiel 9,6 Kilogramm – das Carbon-Gravelbike „Grix“ von Storck 9,1 Kilogramm.
Elektromotoren an Rennrädern und Gravelbikes
Man glaubt es kaum, aber auch vor diesen sportlichen Modellen hat der Einsatz von elektrischer Motorunterstützung nicht haltgemacht. Wer Rennrad fährt, sollte man meinen, setze allein auf seine körperlichen Fähigkeiten – deshalb tut die Person das doch schließlich. Die Logik hinter E-Bikes im Rennradbereich ist allerdings eine andere: Sie soll dem vielleicht nicht mehr ganz so agilen Rennradler auch dann über den Berg oder zum Anschluss an die Gruppe helfen, wenn die eigenen Kräfte nicht mehr reichen. Das kann bei langen Alpen-Anstiegen der Fall sein oder bei schnellen Ausfahrten. Die Motorunterstützung kann auch helfen, wenn der Gegenwind allzu stark wird. Wie dem auch sei – Elektromotoren gibt es auch an Rennrädern. König unter den Antrieben ist das Modell „Fazua“ aus Bayern (der Name steht für „Fahr zu!“ auf Bayrisch). Der Akku ist im Sitzrohr oder im Unterrohr untergebracht, der Antrieb im Tretlager, beides kaum sichtbar. Der Motor leistet 250 Watt und hilft bis 25 km/h. Darüber schaltet er sich ab. Der Akku ist abnehmbar – und dann kann das Rad wie ein konventionelles Rennrad gefahren werden.

Akku und Motor sitzen beim Stevens „E-Getaway Gents“ im Unterrohr und können entnommen werden.

Die spanische Marke Orbea verwendet Hinterradmotoren. Specialized aus den USA hat eigene Motoren im Tretlagergehäuse untergebracht. Renn- oder Gravelbikes mit E-Motor wiegen um die 15 Kilogramm.
CYCLOCROSS-RÄDER
Cyclocross-Räder sind Rennräder für Querfeldeinrennen. Sie haben den gleichen sportlichen Rahmen mit stark nach vorn geneigter Sitzhaltung. Ihr Rahmen erlaubt aber die Verwendung von Stollenreifen bis zu 38 Millimeter Breite. Im Rennen werden meist 32 Millimeter gefahren.
Weil Crosser hauptsächlich im Gelände gefahren werden, sitzt das Tretlager etwas höher als bei Rennrädern, um mehr Bodenfreiheit im Gelände zu gewähren. Die Übersetzung kommt überdies meist etwas geländetauglicher daher. Statt der Kompaktkurbel wie bei Straßenrennern mit 50/34 Zähnen findet sich an Cyclocross-Rädern oft eine Übersetzung von 46/36 Zähnen. In der Vergangenheit waren sie mit Cantilever-Bremsen ausgerüstet, die mehr Freiraum für breite Reifen und Matsch im Gelände bieten. Aber auch hier halten immer mehr Scheibenbremsen Einzug. Die Schaltzüge werden meist auf dem Oberrohr verlegt, damit sie beim Tragen des Crossrads im Gelände nicht stören. Eine Alternative ist die Verlegung in den Rohren selbst.
Cyclocross-Rad: das „SuperX Force1“ von Cannondale
Cyclocross-Räder sind Allroundräder, die auch gern von Pendlern eingesetzt werden. Eingefleischte Rennradfahrer holen sie zu Beginn des Herbstes aus dem Keller und starten damit ihr Training während der kalten Jahreszeit auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen.
FITNESSRÄDER
Fitnessräder sind Rennräder mit einem geraden Lenker und einer gemäßigteren Geometrie – auf diese knappe Formel kann man diese Kategorie Fahrräder bringen. Sie verfügen über ein abfallendes Oberrohr und ein eher langes Steuerrohr, wodurch man aufrechter sitzt als auf einem Rennrad. Sie haben leichte Systemlaufräder bekannter Hersteller. Das heißt: Felge, Nabe und Speichen sind auf Leichtbau optimiert.
Ansonsten fehlt ihnen alles, was ein alltagstaugliches Fahrrad auszeichnet: Schutzbleche, Lichtanlage, Gepäckträger oder Ständer sucht man hier vergebens. Dafür sind sie mit schmalen Reifen ausgestattet – 28 oder 32 Millimeter sind üblich – und sie wiegen nicht viel. 10 Kilogramm gelten als ein guter Wert. Als Antrieb kommen Rennradübersetzungen mit 50/34 Zähnen vorn und elf Ritzeln an der Kassette hinten zum Einsatz. Es gibt Fitnessräder mit Scheibenbremsen, einfachere Modelle haben Cantilever-Felgen- oder Rennradbremsen.

Fitnessrad von Winora, hier voll ausgestattet und mit 8-Gang-Nabenschaltung
Mit einem Fitnessrad ist man schnell in der Stadt unterwegs, Querfeldeinpassagen oder Schotterpisten sind nicht sein Metier. Auch für die Einkaufstour eignen sich Trekkingräder besser. Dennoch kann man die meisten Fitnessräder auch nachträglich mit Gepäckträgern oder Schutzblechen ausstatten, Leuchten werden als Akkuvariante angeclipt.
Wer Wert auf ein leichtes Stadtfahrrad legt, sollte sich in dieser Kategorie einmal umsehen. Fitnessräder sind technisch hochwertig gefertigt und mit nachträglichen Anbauten sogar alltagstauglich. Auch Touren lassen sich damit bestreiten. Der Autor hat selbst habe einmal die 700 Kilometer von Berlin nach Freiburg damit unter die Räder genommen, mit Gepäck an einem Träger, und war sehr angetan von der Stabilität und Spurtreue. Natürlich gibt es diese Kategorie auch mit Elektrounterstützung. Der Motor sitzt im Tretlager, der Akku im Unterrohr – beides kaum sichtbar.
SINGLE SPEED / FIXIES
Weniger Fahrrad geht kaum: Single-Speed-Fahrräder haben keine Gangschaltung, sondern nur einen Gang, und wenn sie dazu keinen Freilauf haben, nennt man sie Fixies. Das heißt, die Pedale drehen sich immer mit. Verlangsamt wird das Gefährt dadurch, dass man mit der Kraft der Beine gegen die Pedalbewegung arbeitet. Damit dürfen Single-Speed-Bikes in Deutschland nicht auf öffentlichen Straßen fahren, denn dort sind Bremsen vorgeschrieben. Um dieser Zwangslage zu entgehen, sind manche Fixies immerhin mit einer Bremse ausgestattet. Dass sich die Pedale immer mitdrehen, sorgt dafür, dass sich der Fahrer eine gleichmäßige Trittfrequenz angewöhnt. Im urbanen Bereich mag das noch angehen, bergauf zu fahren, ist mit einem Fixie aber keine Freude.
In der Stadt sehr beliebt: ein Single Speed
Dem üblichen Fahrempfinden kommen Fixies mit einem Freilauf stärker entgegen. Sie nennen zwar auch keine Gangschaltung ihr Eigen, dafür drehen sich die Pedale aber nicht ständig mit. Mit Flipflop-Naben, die auf der einen Seite ein freilaufendes Ritzel und auf der anderen ein starres haben, kann man ein Single-Speed-Fahrrad in ein Fixie verwandeln: Man baut das Laufrad aus und dreht es um.

Fixies oder Single-Speed-Räder sind minimalistisch ausgestattet. Ihr Lenker ist gerade oder es handelt sich um einen Rennlenker, dazu gesellen sich ein Leder- oder Rennsattel sowie schmale 28-Zoll-Reifen. Sie gelten als schick, sind das Statussymbol urbaner Hipster und puristischer Fahrradkuriere. Weil sie wenig wiegen, kann man sie gut auf Treppen tragen – sei es aus der U-Bahn heraus oder hinauf in den 4. Stock zur eigenen Wohnung.
HOLLANDRÄDER
Hollandräder sind Fahrräder, die sich durch eine besonders aufrechte Sitzposition auszeichnen. Ihre Form mit dem weit nach hinten gebogenen Lenker hat sich in den vergangenen 100 Jahren kaum geändert. Hollandräder sind sehr stabil, haben meist einen Kettenschutz, der die Hose vor Schmutz bewahrt, und eine Abdeckung des Hinterrads. Dazu kommen ein Gepäckträger, der deutlich mehr als die üblichen 18 oder 25 Kilogramm verträgt, und ein Ständer, der über das hintere Schutzblech hochgeklappt werden kann. Oft findet man auch einen zusätzlichen Gepäckträger vorn.
Hollandräder sind zum gemütlichen Fahren auf ebenem städtischen Terrain gemacht. Dazu haben sie einen großen Radstand, eine Nabenschaltung mit Rücktrittbremse oder auch gar keine Gangschaltung. Am Vorderrad ist eine Trommelbremse üblich, die über einen Seilzug oder ein Gestänge betätigt wird.

Holland-Klassiker als Tiefeinsteiger (oben) und mit Diamantrahmen (unten)
Als Rahmen werden klassische Diamantrahmen und geschwungene Trapezrahmen verwendet. Die Gabeln sind im Bereich der Ausfallenden weit nach vorn gebogen, wodurch sich ein ziemlich sturer Geradeauslauf ergibt. Auch der große Radstand trägt zu diesem Fahrverhalten bei. Der Fahrer oder die Fahrerin thront auf einem breiten, meist gefederten Sattel. Die Kette zum Hinterrad ist mit einem Kettenkasten abgedeckt, was den Aus- und Einbau des Hinterrads etwas kompliziert und fummelig macht. Manche Modelle haben an der Achse einen Kettenspanner, die Achse selbst wird festgeschraubt, Schnellspanner findet man an Hollandrädern nicht. Die Reifenbreite variiert zwischen 35 und 47 Millimetern – auch das trägt zum Fahrkomfort bei. Bekannte Hersteller sind Gazelle, Batavus und Sparta.

In den vergangenen Jahren sind Modelle mit leichter Abwandlung der traditionellen Rahmenform des Hollandrads auf den Markt gekommen. Sie nähern sich der Form von Trekkingrädern an, um eine etwas moderne Form des Hollandrads zu interpretieren. Geblieben aber sind der typische, hohe und weit zum Fahrer hin gebogene Lenker und die aufrechte Sitzhaltung.
FALTRÄDER
In Zeiten veränderter Mobilität erleben Fahrräder einen Boom, die vor Jahren noch ein Nischendasein bei wenigen Fahrradenthusiasten führten: Es sind die Falt- oder Klappräder – Zweiräder, die zumeist auf 16 bis 20 Zoll kleinen Rädchen rollen und zu handlichen Päckchen zusammengeklappt werden können. Platzsparend kann man sie dann in U- oder S-Bahn mitnehmen, im Büro abstellen oder in den Kofferraum des Pkw packen. Fast jeder Hersteller hat sie heute im Programm. Es gibt aber auch Falträder mit großen 26- oder 28-Zoll-Rädern, etwa vom amerikanischen Hersteller Montague.
Der Klappmechanismus
Ein Faltrad kann an mehreren Scharnieren so zusammengefaltet werden, dass es relativ klein und transportabel ist. Die Scharniere werden von Schnellkupplungen oder -spannern zusammengehalten, man braucht kein Werkzeug dazu. So ein Faltrad ist in 30 Sekunden zu einem handlichen Paket „zerlegt“.
Ein „Birdy“-Faltrad von Riese & Müller (1), Klappverschluss für Steuerrohr mit Lenker (2), Zusammengefaltet gut transportabel und verstaubar (3)
Im Detail unterscheiden sich die Mechanismen von Hersteller zu Hersteller. Einige Gemeinsamkeiten gibt es dennoch. So befindet sich etwa bei den Modellen der Hersteller Brompton und Dahon ein Scharnier in der Mitte des zentralen Rahmenrohrs vom Lenkkopf zur Hinterachse. Das Steuerrohr kann ein-, der Hinterbau umgeklappt werden, sodass er als Abstellfläche für das Klapprad dient. Dann muss vielleicht noch die Sattelstütze in das Sitzrohr geschoben werden – und schon hat man ein Fahrradpaket vor sich, das wie bei dem „Birdy“ von Riese & Müller rund 80 x 60 x 34 Zentimeter misst. Das „Birdy“ hat übrigens dieses klappbare, zentrale Rahmenrohr nicht, sondern wird an den Drehpunkten der Federung eingeklappt. Das soll die Fahrstabilität des Klapprads erhöhen. Je nach Konstruktion kann ein zusammengeklapptes Faltrad auch wie ein Rollkoffer gezogen werden. Der Klassiker der Falträder von Brompton misst zusammengeklappt 58 x 57 x 57 Zentimeter. Es wiegt zwischen 9 und 12 Kilogramm.
Faltrad mit schlichtem Einrohrrahmen von Bernds
Klappräder in öffentlichen Verkehrsmitteln
Die Deutsche Bahn erlaubt die kostenlose Mitnahme von Klapprädern, wenn sie zusammengefaltet sind. Sie müssen dazu seit 2019 nicht mehr wie ein Stück Handgepäck verpackt sein. In den Beförderungsrichtlinien heißt es: „Demontierte und komplett verpackte handelsübliche Fahrräder sowie zusammengeklappte Fahrräder – letztere auch unverpackt – können mitgenommen werden, sofern diese unter oder über dem Sitz sicher verstaut werden können und andere Reisende nicht behindern oder verletzen oder den Wagen beschädigen.“ Die öffentlichen Verkehrsmittel haben unterschiedliche Regelungen. In München, Hamburg und Berlin etwa können Falträder zusammengeklappt kostenlos mitgenommen werden, sofern es der Platz zulässt. Im Normalzustand, also nicht eingeklappt, gelten zum Teil andere Regelungen.
Über Sattelstütze und Steuerrohr kann ein Faltrad der individuellen Körpergröße angepasst werden, wodurch die meisten Falträder nicht in unterschiedlichen Größen gebaut werden. Eine Ausnahme hiervon machen die Falträder des Herstellers Bernds. Sie werden in einem Familienbetrieb in Überlingen am Bodensee in unterschiedlichen Größen hergestellt und können auf das individuelle Körpermaß hin angefertigt werden.
Viele Faltradmodelle verfügen wegen der kleinen Räder über Federungen, allerdings sorgt die weit aus dem Sitzrohr herausgezogene Sattelstütze allein schon für einen gewissen Federungskomfort.
An Schaltungen wird quasi alles verbaut, was jemals erfunden wurde. Es gibt Falträder ohne Übersetzung, mit Nabenschaltung oder mit Kettenschaltung, Riemen ersetzen zunehmend die Kette. Zum Teil werden die gleichen Komponenten wie bei konventionellen Fahrrädern verwendet, dann gibt es wieder Spezialanfertigungen mit kleineren Maßen. Die Nabenschaltungen sind die gleichen wie bei anderen Fahrrädern auch. Es gibt auch Reisemodelle für die große Tour – zum Beispiel mit der Rohloff-Speedhub-Schaltung, die bei Reiseradlern sehr beliebt ist. Mit den Übersetzungen lassen sich Fahrleistungen erzielen, die denen konventioneller Fahrräder sehr nahe kommen. Gebremst wird meist mit Felgenbremsen, aber auch Rücktrittbremsen und Scheibenbremsen sind vertreten, vor allem bei der taiwanesischen Marke Tern.
Das „AM XTB“ ist die Neuauflage des von Dr. Alex Moulton 1988 entwickelten ersten vollgefederten Mountainbikes der Welt.
Gepäckträger, Schutzbleche und Lichtanlagen machen aus den Falträdern vollwertige Alltagsräder. Zudem gibt es viele individuelle Lösungen für Packtaschen, Gepäckträger am Steuerrohr, Koffer oder Trolleys, in denen man die kleinen Flitzer für die Reise verpacken kann.
Das Gewicht der Falträder schwankt zwischen 10 und 14 Kilogramm.

Faltrad von Montague mit 28-Zoll-Laufrädern
Exoten unter den Falträdern
Ein ganz eigenes Design bieten die „Strida“-Modelle des oberpfälzischen Herstellers Motor Sport Accessoires. Der Rahmen ist praktisch ein Dreieck mit zwei Rädern: Das vordere Dreiecksrohr wurde um eine kurze Gabel verlängert, die das Vorderrad führt, hinten sitzt das Rad direkt im Rahmendreieck. Im Tretlager befindet sich eine Dreigangschaltung, der Sattel ist auf dem nach hinten abgehenden Rahmenrohr angebracht. Zusammengeklappt sieht es fast aus wie ein etwas groß geratener Spazierstock. Es wiegt rund 10 Kilogramm.

Exotische Anmutung, angenehmes Fahrverhalten: ein Strida
Einen ganz eigenen Weg zum Faltrad beschreitet die 1987 in Cambridge, Massachusetts, gegründete amerikanische Firma Montague. Sie stellt Trekking- und Mountainbikes in normalen Größen mit Rahmen her, die eingeklappt werden können.
Der Hersteller Tern hat neben Modellen mit 20-Zoll-Rädern auch Modelle mit größeren Laufrädern, etwa 26 Zoll, im Programm. Das Modell „Eclipse“ mutet ohne Schutzbleche und Gepäckträger oder Lichtanlage wie ein Fitnessbike an. Das Modell „Joe Tour“ verfügt dann über all diese Ausstattungsmerkmale und ähnelt einem Trekkingbike. Das Gewicht beträgt 16 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht 105 Kilogramm – ob sich bei einem so großen Fahrrad der Klappmodus noch lohnt, ist fraglich. Das gilt im Prinzip auch für die Räder von Montague.

Auch das gibt es: ein Moulton „Jubilee“ mit Rennlenker.
Tandemfaltrad
Man muss schon staunen – aber Falträder gibt es auch als Tandemausführung. Die Firma Bernds zum Beispiel stellt ein solches Modell her. Es kann zwar nicht so klein wie ein Solo-Faltrad zusammengeklappt werden, doch kann man den Hinterbau und das Steuerrohr einklappen, sodass dafür in den meisten Kombi-Pkw Platz sein dürfte.

Falttandem und -lastenrad in einem: das „Pax“ von Bernds

Auch Elektromotoren sind an Falträdern keine Seltenheit mehr.

Das dänische Mate Bike gibt es als klappbares Pedelec.

Falträder mit Elektroantrieb
Auch Falträder gibt es natürlich mit Elektroantrieb. In der Regel sind die Reichweiten nicht so groß wie bei konventionellen Fahrrädern. Die „Kleinen“ sind eher für die urbane Kurzstrecke als für die Wochenendtour geeignet. So schwanken die Strecken, die man elektrisch zurücklegen kann, zwischen etwa 40 und 80 Kilometern. Für die Fahrt von der U-Bahn ins Büro reicht das aber allemal.
Für die elektrische Unterstützung muss man aber meist ein größeres Gewicht in Kauf nehmen; 23 oder 24 Kilogramm sind keine Seltenheit. Das ist deutlich mehr als die elf Kilogramm, die etwa ein konventionelles Brompton wiegt. Die britische Kultmarke macht aber auch beim Gewicht ihrer Elektroversion eine gute Figur: 14 und 15 Kilogramm für die beiden Modelle sind eine echte Ansage. Dafür gibt es wahlweise eine 2-Gang- oder eine 6-Gang-Schaltung.
Bei den elektrischen Falträdern gibt es genauso wie bei den größeren Bikes Motoren im Vorderrad oder hinten als Nabenantrieb und im Tretlager. Die Akkus sind entweder auf einem Frontgepäckträger, auf dem Gepäckträger hinten oder hinter dem Sitzrohr befestigt. Ganz so schick wie bei den großen Pedelecs ist das noch nicht.
•In diesem Segment tummeln sich zahlreiche Hersteller auf dem Markt, darunter auch Start-ups mit innovativem Design – wie etwa bei dem dänischen Modell „Mate X“, einer Mischung aus BMX- und Faltrad. Es wiegt 30 Kilogramm, sein Akku soll für 50 Kilometer reichen und innerhalb von zwei Stunden aufgeladen sein. Es zeichnet sich durch eine gefederte Gabel und eine Sieben-Gang-Kettenschaltung aus.
•Corratec tritt mit seinen „LifeS“-Modellen an, die auf 20-Zoll-Rädern von 76 Millimetern Breite rollen und ein wenig nach Kinderfahrrad aussehen. Der Bosch-Mittelmotor ist mit 50 Nm aber ein Kraftpaket, das für den urbanen Alltag völlig ausreicht.
•Viel Lob seit der Premiere 2009 hat der schicke britische Hightech-Stadtflitzer Gocycle erhalten. Er wird in Spritzgusstechnik aus einer leichten Magnesiumlegierung gegossen. Designer aus dem Formel-1-Rennstall von McLaren standen dabei Pate. Das Modell „GXi“ hat einen Carbonrahmen und ist seit 2019 als Faltrad erhältlich. Glatt und sauber im Finish wiegt es rund 16 Kilogramm. Der 250-Watt-Motor sitzt im Vorderrad, im Hinterrad ist eine elektronisch gesteuerte Nexus-Drei-Gang-Nabe untergebracht, gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen. Manche Nutzer bemängeln den etwas lauten Motor und den Umstand, dass die Fahrmodi nur per App, nicht mit einem Schalter am Lenker verstellbar sind.

Falträder – Geschichte und Marken
Wer an ein Faltrad denkt, hat schnell ein Brompton oder Moulton aus Großbritannien im Kopf. Doch so neu sind Falträder gar nicht. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste zusammenfaltbare Fahrradmodelle. 1878 erfand der Engländer William Grout ein Hochrad, dessen riesiges Vorderrad sich in vier Segmente teilen ließ. Der Rahmen konnte eingeklappt werden, sodass das Rad in einen Koffer passte. Klappmodelle des Gründers der Pfadfinderbewegung Robert Baden-Powell um 1900 und ein holländisches Modell 1909, die beide fürs Militär entwickelt worden waren, setzten sich am Markt nicht durch. Britische Fallschirmjäger waren im Zweiten Weltkrieg zum Teil mit Falträdern von BSA ausgestattet. Die eigentliche Geburtsstunde des Faltrades kam dann 1959, als der britische Ingenieur Alexander Moulton sein „Stowaway“ vorstellte, ein gummigefedertes Faltrad auf 16-Zoll-Rädern. Es gab viele Nachbauten, die allerdings nicht so gut zu fahren waren wie das Moulton-Modell und die Falträder in Verruf brachten.
Mitte der 1980er-Jahre lösten dann die Modelle des britischen Herstellers Brompton eine neue Nachfragewelle nach Falträdern aus. Die Klappräder mit ihren 16-Zoll-Rädern waren schnell eingeklappt, hatten ein kleines Packmaß von 58 x 57 x 57 Zentimetern und fuhren sich richtig gut. Bis heute sind sie stilbildend.
Es folgten die Falträder des amerikanischen Ingenieurs David Hon, der seine Falträder in Taiwan bauen ließ. Heute ist Dahon der größte Faltradhersteller weltweit.
In Deutschland kam in den 1990er-Jahren das Modell „Birdy“ von Riese & Müller auf den Markt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es vollgefedert ist und sein Rahmen nicht geklappt wird. Die Faltstellen befinden sich an der Federung. Zudem wird das Vorderrad in einer Schwinge, nicht in einer Gabel geführt.
| Falträder | |
·Einsatzzweck
·Klappmechanismus
·Zubehör
·Gewicht
•In die Richtung des schicken Stadtflitzers auf kleinen Rädern gehen die Elektrofalträder der oberpfälzischen Firma Cube.
•Hercules hat eine eher traditionell gestylte Reihe mit Mittelmotor und verschiedenen Übersetzungskombinationen im Programm: Kettenschaltung oder Nabenschaltung mit Rücktrittbremse oder Freilauf können gewählt werden.
•Von Tern gibt es Elektromodelle, die den konventionellen Falträdern aus dem eigenen Haus sehr ähneln.
•NCM ist ein E-Bike-Hersteller aus Hannover, hinter dem chinesische Investoren stehen. Er hat eine ganze Reihe von Falträdern im Programm, die sich im Design an den großen Urahn Brompton anlehnen. Die Tiefeinsteigermodelle sind auf Komfort ausgelegt, angetrieben von Nabenmotoren im Hinterrad.
•Ein eigenes Design wurde den Falträdern der österreichischen Marke Vello verpasst: Statt eines dicken Rahmenrohrs haben sie zwei schlanke Röhren, die vom Steuerrohr zum Sitzrohr beziehungsweise zum Tretlager laufen. Im Hinterrad dreht sich ein 250 Watt starker Elektromotor, der bei Bergabfahrten und beim Bremsen Energie zurückgewinnen kann. Wahlweise gibt es die Modelle mit einem Zweigang-Schlupf-Planetengetriebe.
Urbaner Schönling: das britische Gocycle mit E-Motor
•Ein völlig neuartiges Konzept verfolgt das koreanische „Mando Footloose“. Es hat als erstes Faltrad der Welt keinen Antrieb im klassischen Sinne, auch keine Kette oder einen Riemen zum Hinterrad; der Fahrer lädt mit seinen Tretbewegungen ausschließlich den eingebauten Akku. Der gibt seine Kraft an den Hinterradmotor ab. Über ein Display werden die Fahrmodi gesteuert – wie etwa „Automatik“. In diesem Modus gibt der Motor je nach Trittfrequenz seine unterstützende Leistung ab. Es fährt sich etwas anders, der Widerstand ist nicht so groß wie bei konventionellen E-Bikes, man tritt fast ein wenig ins Leere. An die Steckdose muss das „Mando Footloose“ aber dennoch – nach ca. 40 Kilometern. Denn durch die Tretbewegung werden nur ca. 80 Watt produziert, während der Motor 250 Watt schluckt.
Bei den elektrischen Falträdern gibt es zudem Discounterangebote meist aus chinesischer Produktion, die wegen ihres günstigen Preises unter 1 000 Euro verlockend sind. Diese sollten Sie sich aber genau anschauen – manches davon tendiert in Richtung Spaßmobil. Und bei Discountern ist die Ersatzteilversorgung häufig längerfristig nicht gesichert.
KOMPAKTBIKES
Seit geraumer Zeit bereichern Modelle mit 20-Zoll-Rädern und Ballonreifen den Fahrradmarkt, zumindest in den Städten sieht man sie immer häufiger. Es sind Vertreter einer neuen Kompaktklasse, die sich zwischen konventionellen Fahrrädern und Falträdern gebildet hat. Diese Fahrräder lehnen sich hinsichtlich der Größe bei den Falträdern an, die meisten können aber nicht vollständig eingeklappt werden; meist lässt sich nur der Lenker verschwenken. Sie sind in nur einer Größe erhältlich, können aber durch das ausziehbare Sitz- und das verstellbare Steuerrohr an unterschiedliche Fahrergrößen angepasst werden.
Aufgrund der kleinen Räder sind sie im Stadtverkehr sehr wendig. Zudem nehmen sie beim Abstellen – im Hausflur, in der Garage oder auch im Büro – wenig Platz weg. Sie sind etwas stabiler als die Falträder, ein etwas längerer Radstand sorgt für sturen Geradeauslauf. So positionieren sie sich als alltagstaugliche Räder, die auch gern von verschiedenen Personen genutzt werden können – Bikesharing ist mit diesen Modellen relativ einfach.
Modelle wie das „Radius Tour“ von Winora, das „Compact Hybrid“ von Cube, das „LifeS Active“ von Corratec, das Pegasus „Swing“, das „Sahel 3“ von Kalkhoff, die Modelle von i:sy und Victoria, die „Futura“-Modelle, das „Rob Fold“ von Hercules oder auch das „Upstreet 1“ des Schweizer E-Bike-Spezialisten Flyer definieren damit eine neue Fahrradgattung für urbane Radler. Dass die Modelle auch mit Elektromotoren geliefert werden, unterstreicht, dass sie als ernst zu nehmende Alternative zum Auto auf dem täglichen Weg ins Büro gedacht sind.
Rahmen in nur einer Größe, bequemer Einstieg: das „LifeS“-Kompaktrad von Corratec
LASTENRÄDER
Lastenfahrräder fristeten in Deutschland lange Zeit ein Schattendasein. Sie waren bestenfalls bei der Post, bei manchen Handwerkern oder Einzelhändlern im Einsatz in Form schwerfälliger, umgebauter Alltagsräder mit verstärkten Gepäckträgern vorn und hinten und einem stabilen Ständer. Zudem fuhren sie sich schlecht und sahen genauso aus.
Das ändert sich aber rapide. In jüngster Zeit kommen mehr und mehr Modelle auf den Markt, die in den Niederlanden und Dänemark seit Langem schon den Fahrradalltag in den Städten prägen: Lastenfahrräder mit Vorbauten für Gepäck, Waren oder Passagiere. Nicht nur Kurierfahrer, Handwerker und Kleinunternehmer sind damit unterwegs, sie dienen auch als Kindertransporter für den Weg zur Kita oder als Autoersatz für den Einkauf.
„Long John“ oder Familienkutsche?
Im Prinzip gibt es bei den Lastenrädern zwei Grundformen: die einspurige Form, die „Long John“ genannt wird, mit einer Ladefläche zwischen Steuerrohr und Vorderrad, und die Formen mit zwei Rädern an der Vorderachse, über denen sich eine Transportwanne befindet.
Der „Long John“, den es in Dänemark seit den 1930er-Jahren gibt, war einmal nur als Lastenrad konzipiert worden. Anfang der 2000er-Jahre kamen mit den dänischen Herstellern Babboe und Nihola Varianten auf den Markt, die zunächst für den Personentransport entwickelt wurden: Über der Vorderachse thronte ein Transportkorb mit zwei kleinen Sitzbänken für Kinder. Schnell etablierte sich das Rad als Familienkutsche für Umweltbewusste. In der einstigen Hippie-Hochburg Christiania in Kopenhagen war es unter den Anhängern alternativer Lebensformen das Transportgefährt schlechthin.
Inzwischen hat sich die Funktion der beiden Formen angenähert. Long-John-Rahmen können mit flexibler Aufbaugestaltung zum Kindertransporter umgewandelt werden, aus der Babboe-Form können auch Lastenräder werden.

Lastenräder können flexibel auch als als Kindertransporter eingesetzt werden.
Neben dem Transport von Personen auch für den täglichen Einkauf bestens geeignet: einspurige (1 und 3) und zweispurige (2) Lastenräder.
Lastenräder mit einem verlängerten Gepäckträger, wie bei den französischen Herstellern Yuba oder Bike43, spielen auf dem Markt eher eine untergeordnete Rolle.
„Wer sportlich ambitioniert ist, wählt das Long John. Es ist trotz seines Alters immer noch völlig auf der Höhe der Zeit und gewissermaßen die eierlegende Wollmilchsau“, sagt Stefan Ottjes, Mitarbeiter beim Berliner Lastenradexperten Velogut.

Welches Lastenrad soll es denn sein?
Grundsätzlich sollte man sich vor dem Kauf eines Lastenrads überlegen, wozu man es hauptsächlich braucht: Will man den Einkauf transportieren und auch mal Kinder darin mitnehmen? Dann ist ein Babboe eine gute Wahl. Wer es sportlicher mag, vielleicht auch mal auf eine Tour geht, sollte sich nach einem „Long John“ umsehen. Zudem stellt sich die Frage: Wo kann ich das Lastenfahrrad abstellen? Steht mir eine Tiefgarage, ein Hof oder ein Garten, auf dem ein 2,45 Meter langes Bullit Platz hat, zur Verfügung? Kann ich ein dreirädriges Gefährt unterbringen oder steht nur ein schmaler Hauseingang für ein 1,95 Meter langes Muli zur Verfügung?
| Lastenräder | |
·Einspurig oder zweispurig
·Einsatzzweck
·Gewicht
·Motor
Sodann sollten Sie sich fragen: Soll es ein fertiges Komplettrad mit passendem Aufsatz für einen bestimmten Zweck sein, oder wollen Sie in der Aufsatzfrage (Last, Sitz, freie Fläche) für Drittanbieter offen sein? Solche haben oftmals pfiffigere Lösungen als die Originalausstatter. Und dann kommt der Preis hinzu. Er reicht von rund 1 600 Euro für ein einfaches Babboe-Dreirad bis zu rund 6 000 Euro für „Long Johns“ mit Elektromotor.
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