Читать книгу: «Eltern werden 40+»
Kyra und Sascha Kauffmann
Eltern werden 40 +
So gelingt eine späte Schwangerschaft
Ein naturheilkundliches Selbsthilfeprogramm für Frauen & Männer

VAK Verlags GmbH Kirchzarten bei Freiburg
Haftungsausschluss
Dieses Buch ist in erster Linie für Lernzwecke gedacht. Es soll kein Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung sein. Wenn Sie einen medizinischen Rat einholen möchten, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt oder Heilpraktiker.
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© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2020
Produktion: Schmieder-Media GmbH, Lünen
Lektorat: Brigitte Hamerski
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Umschlagdesign: X-Design, München
Coverabbildungen: Iconic Bestiary/Shutterstock.com
Layout und Satz: kw-unlimitedmedia, Lünen
Druck: mediaprint solutions GmbH, Paderborn
Printed in Germany
ISBN 978-3-86731-232-5 (Paperback)
ISBN 978-3-95484-411-1 (ePub)
ISBN 978-3-95484-413-5 (PDF)
Inhalt
VORWORT VON PROF. DR. INGRID GERHARD
VORWORT DER AUTOREN: WARUM DIESES BUCH?
JETZT NOCH EIN KIND?
RISIKO SCHWANGERSCHAFT?
Expertin Maren Fischer, Hebamme
Biologie schlägt Chronologie
WIE ENTSTEHT EIN WUNDER?
Die weiblichen Hauptdarsteller: Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter
Neuer Monat, neue Chance: Der weibliche Zyklus
Die männlichen Hauptdarsteller: Hoden und Nebenhoden
Das Wunder geschieht
WAS IST ANDERS übER 40?
Das goldene Dreieck
Progesteronmangel: Fehlender Eisprung und Gelbkörperschwäche
Expertin Prof. Dr. Ingrid Gerhard, Gynäkologin
Testosteronmangel: Libidoverlust und Erektionsstörungen
Das Post-Pill-Syndrom
DER CHECK-UP BEIM GYNäKOLOGEN
Experte Dr. Guido Hofmann, Gynäkologe
Häufige Probleme über 40: PCOS, Myome und Endometriose
Experte Dr. Clemens Stock, Gynäkologe
DAS ZYKLUSTAGEBUCH
Korrektes Messen der Basaltemperatur
Typische Temperaturkurven bei Frauen über 40
Der Ovulationstest im Urin
DER CHECK-UP BEIM UROLOGEN
Spermiogramme verstehen
Experte Dr. Reinhold Schaefer, Urologe
DIE HäUFIGSTEN FRUCHTBARKEITSKILLER üBER 40
Schlafmangel
Experte Dr. Alexander Wunsch, Arzt
Schilddrüsenstörungen
Experte Dr. Firoz Sojitrawalla, Internist
Expertin Dr. Simone Koch, Gynäkologin
Nebennierenstörungen
Nährstoffmängel
Expertin Oec. Troph. Ulrike Gonder
Experte Prof. Dr. Jörg Spitz, Präventiv- und Nuklearmediziner
Zuckerkonsum
Expertin Julia Tulipan, Ernährungswissenschaftlerin und Biologin
Störungen im Mikrobiom
Experten Dr. Adriana Radler-Pohl und Dr. Jens Pohl, Biologen und Heilpraktiker
Toxische Belastungen
Zahnerkrankungen
Experte Dr. Joung-Min Yoo, Zahnarzt
Durchblutungsstörungen im Becken
Expertin Karin Bürk, Heilpraktikerin und Osteopathin
DAS 15-WOCHEN-FRUCHTBARKEITSPROGRAMM
Expertin Dr. Sabine Paul, Biologin und Gewürzspezialistin
DIE THERAPIE MIT BIOIDENTISCHEN HORMONEN
Expertin Dr. Heike Kuran, Humanbiologin
WIR SIND SCHWANGER!
LITERATUREMPFEHLUNGEN UND QUELLEN
VORWORT VON PROF. DR. INGRID GERHARD

Als ich 1972 in der neu gegründeten Abteilung für Hormonforschung und Fortpflanzungsmedizin an der Uni-Frauenklinik Heidelberg die Hormon- und Kinderwunsch-Sprechstunde aufbaute, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mich das Thema unerfüllter Kinderwunsch mein Leben lang begleiten würde. Damals hatten die Männer meist fantastische Spermiogramme. Es waren überwiegend die Frauen, die unfruchtbar waren aufgrund von entzündlich veränderten Eileitern oder fehlendem Eisprung. Die Frauen waren durchschnittlich Anfang 30, und vielen von ihnen konnte durch damals hoch moderne Hormontherapien geholfen werden.
Dieses Bild hat sich heute total geändert. Spermienanzahl und vor allen Dingen Spermienqualität haben sich sehr verschlechtert, der Kinderwunsch wird fünf bis zehn Jahre später erst aktuell, Hormonstörungen sind immer noch häufig, sind aber durch die früher üblichen Hormontherapien nicht zufriedenstellend behandelbar. Glücklicherweise hat unser Wissen über die Vernetzung der Hypothalamus-Hypophysen-Ovariellen-Achse mit Schilddrüse, Nebennieren und Melatonin zugenommen.
Während wir früher in der Ambulanz für Naturheilkunde verlacht wurden, wenn wir Kinderwunschpaaren eine Ernährungsumstellung empfahlen, gibt es inzwischen eine Fülle handfester Studien, die einen Mangel an Mikronährstoffen mit eingeschränkter Fertilität nachweisen. Auch an dem desaströsen Einfluss von Umweltgiften auf die Fertilität kann nicht mehr gezweifelt werden. Kein Wunder also, dass sich die Folgen einer schlechten Ernährung, eines kranken Darms, chronischer Entzündung und Cocktails von Umweltbelastungen chemischer und physikalischer Herkunft umso stärker negativ auswirken müssen, ja älter die Kinderwunschpaare sind.
In diesem Ratgeber für Paare mit spätem Kinderwunsch ist es den Autoren gelungen, die heute bekannten Ursachen einer eingeschränkten Fertilität systematisch und ganzheitlich darzustellen und für alle möglichen Störungen auch gleich Behandlungstipps anzugeben. Eigentlich sollte dieses Buch jedes Paar mit potenziellem Kinderwunsch durcharbeiten, das würde vielen von ihnen teure und vergebliche Reproduktionstechniken ersparen. Und was mir noch wichtiger erscheint – viele Frauen würden mit besserer Gesundheit eine Schwangerschaft erzielen und damit auch gesündere Babys bekommen, eine Investition in die Gesundheit der nächsten Generation. Dieses Buch gehört auch in die Hände von Reproduktionsmedizinern, die über den Tellerrand schauen und mit einfachen Methoden ihre Ergebnisse verbessern wollen.
Und noch ein Tipp auch für jüngere Frauen: Epidemiologische Studien konnten zeigen, dass durch einen gesunden Lebensstil die fruchtbare Lebensphase der Frau um mindestens zwei Jahre verlängert werden kann, die Wechseljahre also erst später auftreten.
Diesem Buch ist eine große Verbreitung zu wünschen!
Prof. Dr. Ingrid Gerhard
www.netzwerk-frauengesundheit.com
VORWORT DER AUTOREN: WARUM DIESES BUCH?
»Wer sagt, es gibt keine Wunder auf dieser Erde, hat noch nie die Geburt eines Kindes erlebt. Wer sagt, Reichtum ist alles, hat noch nie ein Kind lächeln gesehen. Wer sagt, diese Welt sei nicht mehr zu retten, hat vergessen, dass Kinder Hoffnung bedeuten.«
Reinhard Becker (Autor)
Liebe Leserin, lieber Leser,
Bücher über Schwangerschaft und Fruchtbarkeit gibt es bereits sehr viele. Bislang aber keines, das auf die Sorgen und Ängste von Frauen und Männern eingeht, die um die 40 sind und schwanger werden möchten.
Wer sich erst relativ spät im Leben dafür entscheidet, ein Kind zu bekommen, den beschäftigen ganz andere Fragen als jüngere Paare, nämlich:
• Bin ich überhaupt (noch) fruchtbar und wenn ja, wie viel Zeit bleibt mir noch?
• Kann ich meine eigene Fruchtbarkeit beeinflussen?
• Welche Risiken sind mit einer späten Schwangerschaft für Mutter und Kind verbunden?
Die eigene nachlassende Fruchtbarkeit ist nun mal eine biologische Tatsache, die in erster Linie die Frauen stark beschäftigt und oft auch belastet. Dabei nimmt auch die männliche Fertilität mit zunehmendem Alter ab. Auch wenn viele Männer dies gar nicht wissen (wollen).
Jetzt kommt aber die gute Nachricht: Biologie schlägt Chronologie!
Auch wenn wir uns um die 40 nicht mehr auf dem Höhepunkt unserer fruchtbaren Jahre befinden, so sind wir dennoch in der Lage, gesunde Kinder in die Welt zu setzen.
Kyra wurde mit 42 und mit 45 Jahren Mutter eines gesunden Kindes – ohne Verfahren der künstlichen Befruchtung wie IVF, ICSI oder künstliche hormonelle Unterstützung. Sascha war 40 bzw. 43 Jahre alt bei der Geburt seiner Söhne. Wir sind keine exotischen Ausnahmen, wie die Erfahrungen mit unseren Patienten zeigen.
Wir haben viel mehr Einfluss auf unsere fruchtbare Lebensspanne und auch auf viele Risiken einer Schwangerschaft, als allgemein angenommen wird. Und darum geht es hauptsächlich in diesem Ratgeber.
Als Frau erfahren Sie u.a.:
• welche Untersuchungen mit 40 besonders sinnvoll sind,
• was Ihr Schlaf mit Ihren Eisprüngen zu tun hat,
• wie Sie Ihre Vaginalgesundheit und damit Ihre Empfängniswahrscheinlichkeit optimieren.
Als Mann erfahren Sie u.a.:
• was ein Spermiogramm wirklich aussagt,
• warum Ihre Hoden Algen und fetten Fisch lieben,
• was Sonnencreme mit Ihrer Spermienqualität zu tun hat.
Wie bei all unseren Büchern versichern wir Ihnen auch hier: Alle Methoden sind wissenschaftlich fundiert und haben sich in unserer Praxis seit Jahren bewährt.
Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Umsetzen unseres Programms – egal, ob Sie auf natürlichem Weg schwanger werden möchten oder in einem Kinderwunschzentrum zusätzliche Unterstützung suchen.
Kyra und Sascha Kauffmann
JETZT NOCH EIN KIND?
UTE LEMPER, BRIGITTE NIELSEN, CAROLINE BEIL, JANET JACKSON – in der Welt der Promis sind sie mal bestaunte, mal kritisierte Phänomene: Frauen, die über 40 oder gar erst mit 50 ein Kind bekommen.
Was die Klatschpresse gerne reißerisch auf ihre Titelseiten setzt, ist bei Frau Normalverbraucherin schon längst Realität: späte Schwangerschaften. In den 1970er Jahren, als unsere Mütter uns bekamen, war die erste Schwangerschaft mit Anfang 20 normal. Mit 28 Jahren galt man damals als »spätgebärend«. Dies hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Statistisch gesehen, bekommt eine deutsche Frau heute im Alter von 29 Jahren – eine Spanierin sogar erst mit 34 – ihr erstes Kind. Immer mehr Frauen werden sogar erst im fünften Lebensjahrzehnt das erste Mal Mutter. Seit 1990 hat sich die Zahl dieser späten Erstmütter vervierfacht.
Im Jahr 2018 kamen in Deutschland 42.800 Babys zur Welt, deren Mütter schon den 40. Geburtstag hinter sich hatten – davon waren 9.210 Erstgeburten.
Und was ist mit den Herren der Schöpfung?
DIETER BOHLEN, PETER MAFFAY, ULRICH WICKERT, HERBERT GRÖNEMEYER – alles späte Väter, die Fruchtbarkeit bis ins Rentenalter suggerieren – ein Mythos im Übrigen, wie wir später noch sehen werden. Sie stellen zwar nicht die Mehrheit dar, aber immerhin werden sechs Prozent der deutschen Männer noch mit über 45 Jahren Vater.
Wer sich erst mit über 40 für ein Kind entscheidet, liegt im Trend
Längere Ausbildungszeiten, ein starkes berufliches Engagement oder ein fehlender dauerhafter Partner – es gibt genug Gründe, warum die Entscheidung zur Familiengründung erst einmal vertagt wird. Und wie schnell vergehen die Jahre. Plötzlich sind wir 40! Wo ist die Zeit bloß geblieben?
Der 40. Geburtstag ist für viele ein Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen und zurückzuschauen:
• Die Partyzeit ist schon lange vorbei. Viele Freunde aus den wilden 20ern und den nicht mehr ganz so wilden 30ern haben mittlerweile selbst eine eigene Familie.
• Die große Karriere ist entweder schon in sicheren Tüchern oder es hat die nüchterne Erkenntnis eingesetzt, dass einige berufliche Ziele in diesem Leben wohl nicht mehr erreichbar sind.
• Traumreisen wurden schon gemacht.
• Viele Jahre beruflicher Erfahrung zahlen sich nun merklich aus.
• Der Lebenspartner ist gefunden.
All dies sind positive Punkte, die für eine späte Familiengründung sprechen.
Aber mit 40 tickt die biologische Uhr doch hörbar lauter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt fragen sich viele:
Und jetzt noch ein Kind?
Wir sind beide Eltern geworden, als wir die 40 bereits erreicht bzw. überschritten hatten. Hier sind unsere Erfahrungen zu der Zeit nach der Geburt:
Sascha: »Der Schlafmangel in den ersten Jahren hat mich sehr belastet. Seit die Kinder auf der Welt sind, schlafe ich nicht mehr so tief wie früher. Ich wache von jedem kleinen Geräusch auf. In der ersten Zeit war es für mich zudem eine große Umstellung, meine Bedürfnisse hintanzustellen. Sport, Kino, Freunde treffen – all das war erst einmal für mehrere Jahre gestrichen. Jetzt sind die Jungs vier und fast sieben Jahre alt und für Hobbys und Freizeitaktivitäten ist wieder mehr Raum.«
Kyra: »Während die Schwangerschaften problemlos waren, hat auch mir der chronische Schlafmangel der ersten Jahre mit den Säuglingen sehr zugesetzt. Ich habe beide Kinder lange gestillt, und auch nach der Stillzeit gab es immer wieder Phasen von durchwachten Nächten, z.B. wenn einer der Jungs krank war. Ich habe mich davon immer nur sehr langsam erholt. Dies hat sicherlich auch etwas damit zu tun, dass die Regenerationsfähigkeit im Alter doch spürbar nachlässt. Auch die Rückbildung und die Gewichtsregulation nach der Geburt können länger dauern als bei jüngeren Frauen. Manchmal bleiben deutliche Zeichen einer Schwangerschaft mit Bindegewebsrissen an Brust und Bauch zurück. Mein Körper hat sich sehr verändert durch die beiden späten Schwangerschaften. Und noch einen Punkt finde ich wichtig zu erwähnen: Holen Sie sich Hilfe, wo es nur geht. In unserem Fall gab es leider keine Eltern mehr, die uns hätten unterstützen können – ein häufiges Problem älterer Paare. Denn entweder sind die eigenen Eltern bereits zu alt oder leben nicht mehr. Wer nicht auf die Unterstützung von »Oma und Opa« für die Kinder zählen kann, sollte sich rechtzeitig ein Netzwerk aufbauen und im Vorhinein überlegen, wie trotz Kindern Schlaf und Regeneration möglich werden.«
Wir sind froh und dankbar für unsere beiden wilden Jungs, die unser Leben seit einigen Jahren auf den Kopf stellen. Wir finden, die ersten Babyjahre sind unvergesslich und vergingen wie im Fluge. Sie sind aber auch wahnsinnig anstrengend. Die Regenerationsfähigkeit nach drei oder vier fast schlaflosen Nächten ist bei vielen über 40 einfach nicht mehr wie mit 25. Das sollte nicht vergessen und berücksichtigt werden, damit diese besondere Zeit wirklich genossen werden kann. Diese Erfahrungen möchten wir zukünftigen Elternpaaren mit auf den Weg geben.
RISIKO SCHWANGERSCHAFT?
Nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen waren, erhielt Kyra von ihrem Gynäkologen den Mutterpass mit dem Vermerk »Risikoschwangerschaft/Schwangere über 35 Jahre« und war zunächst ziemlich verunsichert. Was genau bedeutet dieser Eintrag?

EXPERTIN MAREN FISCHER, HEBAMME

Maren Fischer erklärt: »Der Begriff Risikoschwangerschaft wurde in den 1970er Jahren eingeführt und beschreibt eine Schwangerschaft, bei der in der Vergangenheit oder zum Zeitpunkt der Schwangerschaft bestimmte Risikofaktoren bestanden. Wir Hebammen – Gleiches gilt für Gynäkologen – müssen u.a. folgende Risiken abfragen:
• Allgemeinerkrankungen der Mutter, wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus
• Wiederholte Fehlgeburten oder Frühgeburten
• Geburt(en) von Kindern mit einem Gewicht über 4.000 Gramm oder unterentwickelten Kindern
• Zustand (des Vaginaltrakts) nach Gebärmutteroperationen (z. B. auch nach einer Konisation des Gebärmutterhalses)
• Komplikationen bei vorherigen Geburten, z.B. Thrombosen oder eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)
Studien konnten zeigen, dass diese Vorerkrankungen die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen während der Schwangerschaft oder während bzw. nach der Geburt erhöhen.
Aber auch das Alter der Schwangeren, unter 18 Jahren, und – was heutzutage viel häufiger ist – das Alter von über 35 Jahren – gelten als Risiken.«
»Ist das Alter denn ein eigenständiger Risikofaktor ab 35?«, fragen wir nach.
Dazu Maren Fischer: »Das Risiko für Frauen steigt nicht plötzlich mit dem 35. Lebensjahr an, sondern es steigt tendenziell mit zunehmendem Alter. Dies ist allerdings auch wieder von Frau zu Frau ganz unterschiedlich.
Rein statistisch gesehen erhöht sich mit zunehmendem Alter der Frau das Auftreten von z.B.:
• Schwangerschaftsdiabetes,
• Bluthochdruck,
• Thrombose,
• Placenta praevia,
• Früh- und Fehlgeburten,
• Präeklampsie (früher: EPH-Gestose),
• Chromosomenschäden des Kindes,
• Fruchtwasserembolie.«
Aber nicht nur das Alter der Mutter alleine spielt eine Rolle. Auch das Alter des Vaters hat einen Einfluss auf Schwangerschaftsrisiken von Mutter und Kind:
»Das Risiko für die Frau, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln, nahm um 28 Prozent zu, wenn der Vater im Alter zwischen 45 und 54 Jahren alt war. Bei einem Alter des Mannes über 55 Jahren stieg es sogar auf 34 Prozent an. Andere frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Erkrankungen wie Autismus und Schizophrenie ebenfalls mit dem Alter des Erzeugers assoziiert sind«, so Professor Dr. Stefan Schlatt, Universität Münster.
Hebamme Maren Fischer: »Viele Erkrankungen sind mittlerweile gut behandelbar. Es reicht schon manchmal, nur eine Veränderung im Lebensstil durchzuführen, z.B. bei Schwangerschaftsdiabetes eine Ernährungsumstellung oder bei Bluthochdruck mehr Ruhe und Entspannung. Bei Thromboseneigung lassen sich genetische Risiken im Vorfeld abklären, z. B. ein genetisches Faktor-V-Leiden oder eine MTHFR-Mutation (Störung des Folsäurestoffwechsels), um dann z. B. durch eine Heparintherapie die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose drastisch zu reduzieren. Der Vorteil einer Risikoschwangerschaft ist, dass die werdende Mutter engmaschiger untersucht wird und viele Risiken auch schon früh erkannt werden können und dann auch gut behandelbar sind.«
Neben den in den Mutterschaftsrichtlinien empfohlenen Untersuchungen (z. B. das Ersttrimester-Screening, regelmäßige Ultraschallscreenings und der Glukosetoleranztest) gibt es eine Reihe weiterer Tests. Ob diese alle sinnvoll sind und grundsätzlich durchgeführt werden müssen, hängt vom eigenen Sicherheitsbedürfnis und -empfinden ab. Fakt ist, dass eine späte Schwangerschaft noch nie so sicher war wie heutzutage.
KYRA: »In meiner zweiten Schwangerschaft mit fast 45 Jahren haben wir uns gegen eine Fruchtwasseruntersuchung und auch gegen eine Chorionzottenbiopsie zum Ausschluss genetischer Erkrankungen entschieden. Wir haben den Harmony®-Test (auch PraenaTest®) in der 11. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Dabei wurde über eine Blutuntersuchung bei mir das kindliche Erbgut auf die häufigsten Chromosomenschäden, nämlich Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 (Patau-Syndrom) und 18 (Edwards-Syndrom) untersucht. Die Wartezeit war sehr belastend, aber nach ca. zehn Tagen wussten wir, dass unser Sohn diese Chromosomenschäden nicht hatte. Die Trisomien 13 und 18 sind in aller Regel nicht mit dem Leben vereinbar, im Gegensatz zu einer Trisomie 21.«
Statistiken sagen wenig über das eigene, individuelle Risiko aus. Lebensstilfaktoren sind mitentscheidend. So kann ein Schwangerschaftsdiabetes häufiger auftreten, wenn die Schwangere übergewichtig ist bzw. eine gestörte Glukosetoleranz bereits vor der Schwangerschaft bestand.
Frau Fischer, wir danken für dieses Gespräch. 
BIOLOGIE SCHLÄGT CHRONOLOGIE
Zwar findet man eine Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu steigenden Risiken für Mütter ab 35 Jahren. Doch zumindest für die Risiken »Frühgeburt« (Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche) und »niedriges Geburtsgewicht« (weniger als 2.500 Gramm) scheint das Alter der Mutter nicht ausschlaggebend zu sein. In einer aktuellen Studie wurden Tausende finnische Familien untersucht, die mindestens zwei Kinder bekommen hatten. Hatte eine Frau beim ersten Kind im jüngeren Alter kein Frühchen oder ein Kind mit niedrigem Geburtsgewicht, so war es auch der Fall in höherem Alter. Umgekehrt konnte aber nicht aus dem Alter auf höhere Risiken geschlossen werden. Mut machende Worte des Direktors vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, Mikko Myskylä: »Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Frauen sich keine Sorgen über ihr Alter an sich machen sollten, wenn sie darüber nachdenken, ein Kind zu bekommen. Persönliche Lebensumstände und das eigene Verhalten scheinen wichtiger zu sein als das Alter.«
Grundsätzlich bringt unser reiferes Alter aber auch Vorteile mit sich: Eine große Studie aus Schweden hat 1,5 Millionen schwedische Kinder untersucht und kam zu dem Schluss, dass Kinder älterer Mütter denen jüngerer in nichts nachstehen. Im Gegenteil: Sie sind gesünder, größer und in der Schule erfolgreicher.
Und es gibt noch einen Punkt, der für eine späte Elternschaft spricht: Unsere Lebenserwartung steigt immer weiter. Eine jetzt erwachsene Frau wird statistisch ca. 84 Jahre und ein Mann 79 Jahre erreichen. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 betrug die Lebenserwartung für eine Frau nur 71 Jahre. Es ist daher auch mit 45 Jahren statistisch gesehen noch genug Zeit, die eigenen Enkel zu erleben. Zudem zeigen andere Untersuchungen, dass Frauen von einer späten Mutterschaft profitieren – viele späte Mütter werden sehr alt. Dies kann auch damit zusammenhängen, dass eine Fruchtbarkeit im 5. Lebensjahrzehnt ein Zeichen einer allgemein guten Gesundheit ist oder aber, dass Kinder uns länger jung halten.
Kyras Oma (Jahrgang 1914) hat noch mit 44 Jahren Zwillinge zur Welt gebracht und hat insgesamt 17 Enkel und Urenkel erlebt, bis sie im Alter von 96 Jahren friedlich eingeschlafen ist.
Lesen Sie keine Statistiken, die Ihnen Ihre Chancen auf eine Schwangerschaft pro Zyklus berechnen. Das verunsichert nur. Statistiken sagen nichts über den Einzelfall aus, und die 42.800 Babys im Jahr 2018 sind genügend solcher Einzelfälle, die Sie ermutigen sollten, Ihren Kinderwunsch noch umzusetzen, oder?
WIE ENTSTEHT EIN WUNDER?
Wenn wir uns an die Aufklärung im Biologieunterricht in der siebten Klasse zurückerinnern, fällt uns vor allem der Biolehrer ein, der einen riesigen Tampon in ein Gefäß mit Wasser legte, bis dieser zum Entsetzen aller Mädchen – und unter dem Gelächter der Jungen – zu einem unförmigen Etwas aufquoll. Oder an die Nummer mit den Kondomen, die reihum über einen Holzpenis gestreift werden mussten. Und mit allem verbunden das Gefühl von Ekel und Scham. Und ja, stimmt, irgendwas war da doch noch mit Eisprung um den 14. Tag, und dass ungeschützter Geschlechtsverkehr (die Betonung lag auf »schlecht«) zu einer Schwangerschaft führen könnte. In jenen Tagen dann sicherlich ungewollt.
Viel Nützliches ist aus diesem Unterricht bei den meisten wohl nicht hängen geblieben. Man hat uns beigebracht, wie Organe funktionieren, aber nicht dazu angeleitet, unseren Körper richtig wahrzunehmen. Und durch jahrelange Verhütung mit der Pille, die oft schon in der Teenagerzeit begann, ist es vielen Frauen nicht bewusst, dass der Körper jeden Monat deutliche Signale der Fruchtbarkeit bzw. der Unfruchtbarkeit aussendet. Der eigene Körper blieb uns, den Frauen der 1970er und 1980er Jahrgänge, dadurch fremd und unverständlich.
Die eigene Fruchtbarkeit ist und bleibt für viele Frauen und auch Männer ein Leben lang ein Buch mit sieben Siegeln – zu viele scheinbar verwirrende biologische Prozesse.
Zum Glück liegen nun schon einige Jahre hinter unserer Schullaufbahn, sodass wir uns in der Theorie ganz entspannt dem widmen können, worum es in diesem Buch eigentlich geht: nicht das Verhüten, sondern das Schaffen neuen Lebens – damit wir unser ganz eigenes persönliches Wunder erleben.
Die Entstehung neuen Lebens ist tatsächlich ein Wunder. Und um dieses einzufangen, ist es wichtig, die Abläufe des weiblichen Zyklus und auch die wesentlichen Aspekte männlicher Fruchtbarkeit zu verstehen, um den optimalen Zeitpunkt für eine Befruchtung nicht zu verpassen. Dieser liegt nämlich keinesfalls immer am 15. Zyklustag, wie uns viele Biologiebücher so gerne glauben machen wollen. Widmen wir uns zunächst dem Schauplatz der Befruchtung und Schwangerschaft, quasi der Bühne des Lebens.
DIE WEIBLICHEN HAUPTDARSTELLER: EIERSTÖCKE, EILEITER UND GEBÄRMUTTER
Wie bei einem richtigen Theaterstück geht ohne die Hauptdarsteller gar nichts. Wir finden sie umgeben von Darm, Blase und Bauchwand gut geschützt durch unsere Beckenknochen und das Schambein. Die Eierstöcke sind etwa walnussgroß und mit Haltebändern an der Beckenwand befestigt. Sie beherbergen unzählige Eizellen.
Haben Sie übrigens gewusst, dass die gesamten Eizellen eines weiblichen Babys schon in der 20. Schwangerschaftswoche der Mutter angelegt sind? Es sind zu der Zeit ca. drei Millionen, die sich aber bis zur Geburt schon bereits auf zwei Millionen reduziert haben. Beim Einsetzen der Pubertät sind immer noch 400.000 Stück vorhanden. In jedem Zyklus gehen ca. 1.000 Eizellen zugrunde. In der Regel hat eine Frau um die 40 immer noch eine hohe Anzahl Eizellen, die sogenannte »ovarielle Reserve«. Diese schwankt jedoch von Frau zu Frau sehr. Wir kommen später noch einmal darauf zu sprechen.
Die Eierstöcke sind nicht nur die Hüter der Eizellen, sondern in ihnen werden auch Östrogen und Progesteron gebildet. Diese beiden wichtigen Geschlechtshormone sind, wie wir später noch sehen werden, entscheidend für das Zustandekommen einer Schwangerschaft.
Die Gebärmutter ist ein birnenförmiges, etwa fünf bis sieben Zentimeter großes Organ, das im Inneren mit einer Muskelschicht versehen ist. Dieser Muskel kann sich enorm dehnen, um einem Baby den Raum zum Wachsen zu geben, den es in der Schwangerschaft braucht. Er kann sich aber auch zusammenziehen, was sich manchmal während der Perioden bemerkbar machen kann und natürlich auch während der Geburtswehen.
Rechts und links der »Gebärmutterbirne«, die übrigens auf dem Kopf steht, also mit dem dicken Ende Richtung Bauchnabel zeigt, gehen die Eileiter ab. Bei ihnen handelt es sich um tunnelförmige ca. 10 bis 15 Zentimeter lange Schläuche, die einen Durchmesser von 0,1 Milimeter haben. Sie sind von innen mit Flimmerhärchen bedeckt, die sich wellenförmig bewegen und auf denen das Ei nach dem Eisprung in Richtung Gebärmutter transportiert wird. In den Eileitern treffen in der Regel Ei und Samenzelle aufeinander. Hier ist der Ort, an dem dem Wunder in einem magischen Moment durch das Verschmelzen von Ei- und Samenzelle erstes Leben eingehaucht wird.

Damit die Eizelle beim Eisprung nicht einfach irgendwo in der Bauchhöhle verschwindet, befinden sich am Ende der Eileiter wie Finger anmutende Enden, die die Eizelle nach dem Eisprung auffangen und so sicherstellen, dass sie dort hingelangt, wo sie hingehört.
Das untere schmale Ende der Gebärmutter bildet den Gebärmutterhals (Zervix). Er ragt etwa vier Zentimeter in die Scheide hinein und wird von dem äußeren Muttermund verschlossen. Dieser verändert sich im Laufe des Zyklus. Direkt nach der Periode ist er verschlossen, hart und liegt tief in der Scheide, d.h. er ist dann auch gut tastbar. Je näher der Eisprung rückt, desto weicher wird der Muttermund und desto höher steigt er auch, sodass er manchmal gar nicht mehr ertastet werden kann. Dies ist eine Körperbeobachtung, die man sich selbst zunutze machen kann, um die fruchtbaren Tage einzugrenzen bzw. abzutasten. Denn nach dem Eisprung kehrt der Gebärmutterhals wieder zu seiner ursprünglichen Position zurück und wird auch wieder härter.
NEUER MONAT, NEUE CHANCE: DER WEIBLICHE ZYKLUS
Jeden Zyklus, seit dem Einsetzen der ersten Periode (insofern er nicht durch Hormone künstlich verändert wurde), betreiben die Eierstöcke und die Gebärmutter einen unglaublichen Aufwand, um sich darauf einzustellen, einem neuen Menschen Raum zum Wachsen und Gedeihen zu geben.
Wenn man davon ausgeht, dass eine Eizelle, nachdem sie »gesprungen« ist, nur maximal 18 bis 24 Stunden lebensfähig ist, wird das Zeitfenster der Befruchtung schon sehr klein. Umso wichtiger ist es, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen und optimal auf allen Ebenen vorbereitet zu sein. Sehen wir uns also den weiblichen Zyklus einmal genau an. Die Schauplätze des Geschehens kennen wir ja bereits.
Der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Periodenblutung und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Blutung. Bei einigen Frauen kündigt sich das Zyklusende durch Schmierblutungen an. Diese gelten aber nicht als erster Zyklustag. Gezählt wird ab dem Tag, an dem die Blutung richtig einsetzt. Im Menstruationsblut finden sich übrigens jede Menge Nährstoffe, wie Vitamine, Eiweißstoffe, Eisen, Kupfer, Kalzium oder Magnesium sowie Abwehrstoffe und sogar Stammzellen.
Noch während eine Frau blutet, werden in den Eierstöcken etwa 20 Follikel (unreife Eizellen) durch das follikelstimulierende Hormon (FSH) angeregt zu wachsen. Dieses wird in der Hypophyse im Gehirn gebildet und ist der übergeordnete Dirigent für die Östrogenbildung. Ohne FSH kann die Gebärmutterschleimhaut nicht aufgebaut werden und die Follikel nicht reifen. Sie liegen in einer mit Flüssigkeit gefüllten Hülle, die wie eine kleine Blase aussieht und daher Eibläschen oder eben Follikel genannt wird. In der Hülle wird das Hormon Östrogen gebildet. Östrogen bewirkt, dass die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut neu aufgebaut wird, die Haltebänder der Gebärmutter sich straffen und sich die Gebärmutter dadurch aufrichtet. Zudem verändert sich der Zervixschleim, der in den Einbuchtungen des Gebärmutterhalses, den sogenannten Krypten, gebildet wird. Die Schleimmenge nimmt zu und verändert ihre Konsistenz. Ist sie zu Beginn des Zyklus oft dicklich, zäh, klumpig oder cremig, wird sie je näher der Eisprung rückt und umso mehr Östrogen gebildet wird, immer durchsichtiger, flüssiger und spinnbar – d.h. der Schleim kann zwischen den Fingern mehrere Zentimeter auseinandergezogen werden.
Nicht nur die Beschaffenheit verändert sich, sondern auch die Farbe. Am Zyklusanfang ist der Zervixschleim eher weißlich, gelblich oder milchig. Um den Eisprung herum erhält er ein glasiges Aussehen, das auch an rohes Eiweiß erinnern kann. Der Schleim, sonst eher spermienfeindlich und »sauer«, verändert sich und wird nun alkalisch. Die Samenzellen finden in ihm Nährstoffe, die sie einige Tage am Leben halten und mit neuer Energie versorgen. So haben auch die Spermien, die schon vor dem Eisprung ihren Weg in die Gebärmutter gefunden haben, eine Befruchtungschance. Damit erhöht sich der fruchtbare Zeitraum eines Zyklus von wenigen Stunden auf bis zu 6 Tage. Maximal 5 Tage vor dem Eisprung bis maximal 24 Stunden danach. Dieser Zeitraum ist nur bei idealen Bedingungen möglich. Im Normalfall überleben Spermien eher 2 bis 3 Tage.

Das Östrogen verändert aber nicht nur den Zervixschleim. Es sorgt auch dafür, dass unsere Knochen härten und die Blutgefäße vor Ablagerungen geschützt werden.
Der über eine längere Zeit erhöhte Östrogenspiegel löst in der Hirnanhangdrüse das Signal aus, das luteinisierende Hormon (LH) zu produzieren, was zur Folge hat, dass das größte Follikel den Eisprung wagt. Das LH ist übrigens das Hormon, auf das Ovulationstests im Urin anspringen und so die (bevorstehenden) fruchtbaren Tage anzeigen können. Wir gehen auf diesen Test später noch ein.
Der Eisprung kann, muss aber nicht von einem Mittelschmerz begleitet sein. Auch wenn nicht ganz klar ist, was diesen Schmerz auslöst, wird vermutet, dass etwas Flüssigkeit in die Bauchhöhle läuft und das Bauchfell reizt. Der Mittelschmerz kann sich durch krampfartige Schmerzen oder Stiche bemerkbar machen, die auch in die Oberschenkel oder in die Afterregion ausstrahlen können.
Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Muskelkontraktion der Eileiter das Bauchfell reizen, während sie versuchen, sich über das Eibläschen zu legen. Oder es ist das wachsende Follikel selbst, das durch seinen zunehmenden Umfang für Unbehagen sorgt. Dieser Zustand kann wenige Minuten bis zu mehreren Tagen andauern.
Nicht alle Frauen nehmen einen Mittelschmerz wahr und selbst bei Frauen, die damit vertraut sind, tritt er nicht bei jedem Zyklus auf. Der Mittelschmerz ist kein sicheres Zeichen für einen Eisprung, weil er auch erst nach dem Eisprung auftreten kann. Er kann aber einen Hinweis auf ein fruchtbares Fenster geben.
Nach dem Eisprung fällt das Eibläschen in sich zusammen und wandelt sich zu einer Drüse um, die aufgrund ihrer gelblichen Farbe auch Gelbkörper genannt wird. Die Östrogenproduktion wird jetzt heruntergefahren. Der Gelbkörper übernimmt und produziert nun Progesteron. Dieses Hormon wird über verschiedene Stufen aus Cholesterin hergestellt. Bei einer Progesteronerhöhung bekommt der Körper das Signal »Achtung – bereiten Sie sich vor, eine Schwangerschaft steht an.« Und zwar unabhängig davon, ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Der Körper muss zwischen Eisprung/Befruchtung und Einnistung mithilfe von Progesteron in die Lage gebracht werden, alle Vorkehrungen zu treffen, dass eine Schwangerschaft möglich ist. Dafür hat er in etwa eine Woche Zeit: Die Gebärmutterschleimhaut wird aufgebaut. Es entstehen neue kleine Blutgefäße und Nährstoffe werden eingelagert. Die Brust spannt, wird schwerer, größer und berührungsempfindlich. Sie wird stärker durchblutet und neue Milchdrüsen entstehen. Der Zervixschleim wird wieder dicker, zäher und verändert seine Farbe und verschließt den Muttermund wie ein Pfropfen.
Wenn keine Schwangerschaft eintritt, wird nach zehn bis vierzehn Tagen die Progesteron- und Östrogenproduktion eingestellt. Die Gebärmutterschleimhaut wird mit der einsetzenden Menstruationsblutung abgestoßen. Für den Körper war die ganze Arbeit umsonst und doch wird er im nächsten Zyklus wieder von vorne anfangen. Unermüdlich. Und das, wenn nicht hormonell verhütet wird, etwa 400-mal im Leben einer Frau.
Sie haben nun einen relativ einfachen Überblick über das Zyklusgeschehen erhalten. Die erste Zyklushälfte kann unterschiedlich lang sein. Es gibt Frauen, bei denen findet der Eisprung schon am siebten bis zehnten Tag statt. Bei anderen Frauen dauert die erste Zyklushälfte mehrere Wochen. Das sind natürlich Extreme. Im Durchschnitt liegt die Dauer der ersten Hälfte bei 17 Tagen. Die zweite Phase dauert zwischen 10 und 16 Tagen.
Die Abläufe bei der Frau sind komplexer als beim Mann, aber auch Männer in unseren Praxen wissen oft erstaunlich wenig über ihre eigene Fruchtbarkeit.
Da wir uns ausführlich mit der weiblichen Fruchtbarkeit beschäftigt haben, möchten wir nun auch auf die Vorgänge bei Männern eingehen.
DIE MÄNNLICHEN HAUPTDARSTELLER: HODEN UND NEBENHODEN
Nun betreten die männlichen Hauptdarsteller die Bühne des Lebens: die Hoden und die Nebenhoden. Sie liegen außerhalb des Körpers, da sie große Temperaturen nicht gut vertragen.
Während die Frau mit allen ihr in ihrem Leben zur Verfügung stehenden Eizellen auf die Welt kommt, nehmen bei Männern irgendwann im Laufe der Pubertät unter dem Einfluss von Testosteron die Hoden die Produktion der ersten Samenzellen auf. Ab dann werden ca. 1.000 fertige Spermien pro Sekunde hergestellt. Täglich entstehen somit 20 bis 100 Millionen neue Spermien. Dabei dauert es von den Anfängen bis zum fertigen Spermium drei Monate. Ihre Reifezeit verbringen die Samenzellen in den Nebenhoden. Dort ist es etwa zwei Grad kühler als im restlichen Körper. Ein wichtiger Aspekt, da zu viel Hitze den Samenzellen schaden kann.
Und obwohl auch die männliche Fruchtbarkeit im Alter nachlässt, sind Männer prinzipiell vom ersten bis zum letzten Samenerguss zeugungsfähig. 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Was für ein Unterschied zu den maximal 24 Stunden, in denen eine Eizelle befruchtungsfähig ist und eine Frau sich fortpflanzen kann.
Eine Samenzelle ist nur wenige Hundertstelmillimeter lang und setzt sich aus drei Teilen zusammen: dem Schwanz, dem Mittelstück und dem Kopf, der nicht nur die Erbinformationen (DNA) enthält, sondern auch das Akrosom, ein Zellteil, in dem sich Enzyme befinden, die dem Spermium helfen, die Hülle der Eizelle zu durchdringen. Im Mittelstück der Spermien befinden sich die Mitochondrien. Diese Zellorganellen sind in fast jeder Körperzelle vorhanden. Sie regeln wichtige Zellfunktionen. Ohne Mitochondrien sind Zellen nicht lebensfähig. Für die Spermazellen sind Mitochondrien die treibende Kraft, denn sie produzieren unentwegt Energie, die die Spermazellen für ihre Fortbewegung benötigen. Ohne funktionierende Mitochondrien sind die Spermazellen lahme Schwimmer.

Je schneller sich ein Spermium fortbewegen kann, desto eher ist es an seinem Zielort, der Eizelle, angekommen. Langsame Spermien sind eher ein Nachteil bei der Fortpflanzung.
Interessant ist, dass die Mitochondrien des Mannes nicht mit der Eizelle bei der Befruchtung verschmelzen. Das Mittelstück mit den Energiekraftwerken fällt genauso wie der Schwanz der Spermazelle ab. Nur der Kopf, der die männliche DNA enthält, vereinigt sich mit der Eizelle. Diese besitzt bis zu 120.000 Mitochondrien – keine Körperzelle hat hier mehr zu bieten! Alle Mitochondrien, die wir besitzen, haben wir also von unserer Mutter geerbt.

DAS WUNDER GESCHIEHT
Beim Samenerguss werden die Spermien an den Samenbläschen und der Prostata vorbeigeführt, wo sie mit einem Sekret versorgt werden, das Energie liefert und das Ejakulat flüssiger macht. Beim Samenerguss machen sich durchschnittlich 150 Millionen Spermien auf den Weg.
Der Eisprung ist der Moment, ab dem die Zeit läuft. Einen halben bis maximal einen dreiviertel Tag haben die Spermazellen nun Zeit, die Eizelle zu erreichen. In dieser Zeit müssen die Spermien die Vagina durchqueren, den Gebärmutterhals, die Gebärmutter erklommen haben und in den Eileiter gelangt sein. Eine bis anderthalb Stunden dauert es, bis die Hülle der Eizelle von den sie bearbeitenden Spermien mithilfe von Enzymen geknackt wird. Aber nur ein einziges Spermium darf eintreten. Und auch nur der Kopf wird hineingelassen. Der Schwanz und der Mittelteil sowie alle anderen Samenzellen müssen draußen bleiben. Nun ist der Grundstein für ein neues Leben gelegt: Ein Wunder ist geschehen!
Den Eileitern kommt eine ganz entscheidende Rolle zu: Sie müssen durchlässig genug sein, damit sowohl die Spermien hochschwimmen als auch das befruchtete Ei in die Gebärmutter hinuntergelangen kann. Das befruchtete Ei erreicht nach ca. drei bis fünf Tagen die Gebärmutter und nistet sich dort ein. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die befruchtete Eizelle bereits vielfach geteilt.
Wie entsteht also ein Wunder? Im Detail wissen wir es (noch) nicht, es ist immer noch ein Geheimnis der Natur oder der Schöpfung – ein Wunder eben, das uns jedes Mal wieder in Staunen versetzt.
Wir wissen aber, dass die Entstehung neuen Lebens nur dann möglich ist, wenn die Bedingungen für alle Beteiligten zumindest ausreichend gut sind.
Auf der Seite der Frau:
• Die Gebärmutterschleimhaut wurde in der ersten Zyklushälfte hoch genug und wohl genährt aufgebaut.
• Es hat ein Eisprung stattgefunden oder dieser steht unmittelbar bevor.
• Der pH-Wert in der Vagina ist leicht basisch.
• Die Eileiter sind durchlässig (in beide Richtungen).
• Die Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut funktioniert reibungslos.
Auf der Seite des Mannes:
• Möglichst viele, schnelle, normal geformte Spermazellen.
WAS IST ANDERS ÜBER 40?
Ist 40 wirklich das neue 30 – wie es oft so schön heißt? Ist man tatsächlich nur so alt, wie man sich fühlt? Für unsere Fruchtbarkeit gilt dies leider nicht so pauschal.
Wer den 40. Geburtstag schon gefeiert hat, hat seinen biologischen Fruchtbarkeitshöhepunkt mindestens seit 15 Jahren überschritten. Das ist nicht weiter tragisch. Es sollte uns nur bewusst sein, dass wir im fünften Lebensjahrzehnt nicht mehr nach Lehrbuch funktionieren – weder Frau noch Mann. Genauso wie es z.B. am Bewegungsapparat mit der Zeit vermehrt zu Symptomen, wie chronischen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen und Arthrose kommen kann, stellen sich auch bei den an der Fortpflanzung beteiligten Organen »Verschleißerscheinungen« ein. Dies ist ein schleichender Prozess, der in etwa ab dem 30. Geburtstag beginnt, sich aber oft schon mit Mitte 30 bemerkbar machen kann.
DAS GOLDENE DREIECK
Die Geschlechtsorgane sind nicht autark, sondern funktionell eng verbunden mit der Schilddrüse und den Nebennieren. Wir bezeichnen diese drei Organe gerne als das »goldene Dreieck«. Die Schilddrüsenfunktion hat über die Schilddrüsenhormone einen direkten Einfluss auf die Geschlechtshormone. Dies gilt auch für die Nebennieren, die über die Ausschüttung von DHEA, Pregnenolon und Progesteron sowie des Stresshormons Cortisol mit den Geschlechtsorganen verbunden sind. Wir kommen auf die Zusammenhänge noch im Detail zu sprechen. Stress und auch lebensstilbedingte Störungen im goldenen Dreieck sind mit über 40 viel häufiger als in jüngeren Jahren und können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Die Auswirkungen sind häufig messbar als Progesteronmangel bei der Frau und Testosteronmangel beim Mann.

PROGESTERONMANGEL: FEHLENDER EISPRUNG UND GELBKÖRPERSCHWÄCHE
Die häufigste hormonelle Störung einer Frau über 40 ist der Progesteronmangel, manchmal in Kombination mit schwankenden Östrogenspiegeln in der zweiten Zyklushälfte. Daher sieht der typische Zyklus möglicherweise so aus:

Es gibt zwei hauptsächliche Gründe für Progesteronmangel. Zum einen ist es der ausbleibende Eisprung. Ohne diesen haben wir keinen Gelbkörper und somit auch keinen Progesteronproduzenten. Infolgedessen haben wir keinen Progesteronanstieg in der zweiten Zyklushälfte, aber oft noch normale oder sogar hochnormale Östrogenspiegel.
Der zweite Grund ist eine Gelbkörperschwäche. Diese kommt dann vor, wenn zwar ein Eisprung stattgefunden hat, der Gelbkörper aber nicht mehr ausreichend Progesteron produziert.
In einer Laboruntersuchung kann sich z.B. dieses Bild zeigen:
Ein relativer Mangel an Progesteron wird auch oft als »Östrogendominanz« bezeichnet. Diese macht vielen Frauen über 40 oft sehr zu schaffen. Progesteron ist nicht nur wichtig für einen regelrechten Zyklus und für die Schwangerschaft, sondern es sorgt auch für guten Schlaf, für gute Stimmung und eine optimale Immunreaktion. Fehlt Progesteron, so merken viele Frauen dies deutlich an typischen Symptomen. Anhand unseres Selbsttests können Frauen leicht feststellen, ob bei ihnen eine Östrogendominanz vorliegen könnte:

Wenn Sie mehr als zwei Kreuze gemacht haben, ist es wahrscheinlich, dass Sie an einem Progesteronmangel – aus welchen der Gründe auch immer – leiden.
Während bei fehlendem Eisprung keine Schwangerschaft möglich ist, ist bei einer Gelbkörperschwäche eine Schwangerschaft zwar möglich, aber unwahrscheinlich. Denn die Aufgabe des Progesterons ist es, die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung in die durch den Östrogeneinfluss aufgebaute Gebärmutterschleimhaut vorzubereiten.
Frau Professor Dr. Ingrid Gerhard ist sicherlich Deutschlands bekannteste Gynäkologin. Wir haben uns mit ihr über das Gelbkörperhormon unterhalten.
EXPERTIN PROF. DR. INGRID GERHARD, GYNÄKOLOGIN

Ein (relativer) Progesteronmangel ist das häufigste hormonelle Problem von Frauen um die 40. Es scheint, dass immer mehr Frauen bereits auch ab Anfang bis Mitte 30 davon betroffen sind. Was sind die Gründe dafür aus Ihrer Sicht?
Die wichtigsten Ursachen aus meiner Sicht sind zum einen die hormonellen Verhütungsmethoden, die Antibabypille mit Gestagenen (= synthetisches Progesteron, das im Stoffwechsel nicht die Funktion von Progesteron erfüllen kann), die Minipille und auch die Hormonspirale.
Darüber hinaus fehlen vielen Frauen oft wichtige Mikronährstoffe (B6 und weitere B-Vitamine, Jod, Vitamin D, Magnesium, Zink, Omega-3-FS), um Progesteron überhaupt aufbauen zu können.
Hinzu kommen Übergewicht, Funktionsstörungen der Eierstöcke und vor allem Dauerstress. Leider sind Umweltbelastungen auch zunehmend schuld am Progesteronmangel: zum einen als toxische Belastungen, die den Stoffwechsel und die Aktivität der Mitochondrien stören, zum anderen als hormonaktive Substanzen, sogenannte endokrine Disruptoren, die den Steroid-Stoffwechsel beeinflussen und häufig östrogenähnlich wirken. Als modernes Gift wirkt Elektrosmog, der die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke verändert und wichtige Regelkreise im Gehirn und den Hormondrüsen stört.
Wie wirkt sich speziell Dauerstress auf den Progesteronspiegel aus?
Bei Dauerstress aktiviert der Körper die Ausschüttung von Cortisol in der Nebennierenrinde. Da Cortisol aus Progesteron hergestellt wird, sinkt der Progesteronspiegel infolge des erhöhten Verbrauchs. In der Folge bleiben Eisprünge aus und es kommt häufig zu einer Östrogendominanz. Daher ist Dauerstress auch eine ungünstige Voraussetzung, um schwanger zu werden.
Bei Dauerstress steigt auch der Prolaktinspiegel und sorgt ebenfalls für ein sinkendes Progesteron. Übrigens: Auch Männer können Progesteronmangel entwickeln, der dann zu einem Testosteronmangel führen kann.
Ganz entscheidend ist aber auch, dass Dauerstress und der damit verbundene Progesteronmangel sich auf die Funktion von GABA (Anm. d. Verlags: Gamma Amino-Buttersäure, ein Neurotransmitter) negativ auswirkt. Daher klagen Frauen (aber auch Männer) in diesen Fällen über Reizbarkeit, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen. Progesteronmangel ist in der heutigen Zeit mit den vielfachen Stressbelastungen leider sehr häufig und kann zu starken Einschränkungen der Lebensqualität führen. Leider wird diesem Phänomen in der normalen gynäkologischen Sprechstunde kaum Beachtung geschenkt.
Wie lässt sich ein Progesteronmangel feststellen?
Für Frauen mit regelrechtem Zyklus von 28 Tagen ist es sinnvoll, am 22. Zyklustag eine Blutabnahme oder eine Speichelprobe durchzuführen. Es bietet sich an, bei der Gelegenheit auch die anderen Geschlechtshormone – Östrogen und Testosteron – sowie die Nebennierenrindenhormone Cortisol und DHEA zu bestimmen. Frauen nach den Wechseljahren und Männer können die Laboruntersuchung zu jedem Zeitpunkt durchführen.
Mit welchen natürlichen Mitteln lässt sich der Progesteronhaushalt stabilisieren?
Zunächst muss die Ursache für den Hormonmangel gefunden werden. Ist es Dauerstress – bei stark erhöhten Cortisolwerten – sollte in jedem Fall versucht werden, seinen Lebensstil zu ändern.
Alles was für Entspannung sorgt, ist sinnvoll: Waldspaziergänge, Sport, Yoga, Meditation und nicht zu vergessen: ausreichend Schlaf. Denn eine gute Melatoninproduktion in der Nacht kann maßgeblich zu einer Cortisolreduktion beitragen, was dann den Progesteronspiegel wieder regulieren kann.
Häufig ist auch ein Vitamin-B6-Mangel die Ursache. Ohne Vitamin B6 funktioniert nicht nur die Glückshormonsynthese nicht, sondern die Umwandlung von Cholesterin in Progesteron kommt ebenfalls zum Erliegen.
Die Antibabypille ist im Übrigen der wichtigste Vitamin-B6-Räuber bei Frauen. Frauen, die jahrelang die Pille einnehmen und dann absetzen, um schwanger zu werden, haben u.a. durch leere Vitamin-B6-Speicher häufig hormonelle Probleme, wie z. B. das Post-Pill-Syndrom mit starken Störungen des Zyklus.
Ich setze auch gerne Pflanzenheilmittel ein, die gleichzeitig auf die Stress- und Hormonachse wirken, wie z.B. Alchemilla (Frauenmantel), Agnus castus (Mönchspfeffer), Engelswurz und Traubensilberkerze sowie Nachtkerzenöl.
Frau Professor Dr. Gerhard, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 
Es gibt selbstverständlich Frauen, die auch noch mit Mitte 40 monatliche Eisprünge haben. Dies trifft aber sicherlich nicht auf die meisten Frauen zu.
Hormonelle Dysfunktionen sind das häufigste Problem bei Menschen über 40, aber weitaus nicht das einzige. Bei Frauen verringert sich die Eizellreserve um bis zu mehrere Hundert Eizellen monatlich. Zudem nimmt auch die Eizellqualität kontinuierlich ab. Schäden an den Eizellen können die empfindliche Erbsubstanz (DNA) schädigen.
TESTOSTERONMANGEL: LIBIDOVERLUST UND EREKTIONSSTÖRUNGEN
Auch Männer altern, auch wenn sie sich das oft nicht eingestehen wollen. Sie gehen durch eine Phase ähnlich wie die Menopause, die Andropause (Andro = Mann), auch Klimakterium virile genannt. In dieser Phase nimmt die Produktion von Testosteron und Progesteron ab.
Anders als bei der Frau findet der Rückgang dieser Hormone sehr langsam statt, sodass die Ausprägungen und Symptome nicht so drastisch sind wie bei einer Frau. Dies kann durchaus bei einigen Männern bereits mit Mitte 30 der Fall sein, wohingegen andere noch mit 60 gute Progesteron- und Testosteronwerte aufweisen.
Auch für Männer ist Progesteron das wichtigste Vorläuferhormon, insbesondere für Testosteron. Männer über 40 haben oft einen zu geringen Progesteronspiegel. Dieser ist häufig bereits erniedrigt, wenn das Testosteron noch knapp in der Norm ist. Während Frauen deutliche Symptome bei Progesteronmangel verspüren, sind diese bei Männern nicht so stark oder kaum merklich ausgeprägt. Spätestens aber wenn Testosteron abfällt, merken die Männer dies. Der folgende Befund zeigt die typische Hormonsituation eines Mannes von Anfang 40. Wir sehen einen niedrigen Testosteron- und kaum nachweisbare Progesteronwerte. Durch Dauerstress und somit ständig erhöhte Cortisolspiegel ist das Progesteron und in Folge das Testosteron (und auch das Östradiol) gesunken. Wir kommen auf diese Zusammenhänge später noch einmal zu sprechen.
Testen Sie doch einmal anhand unseres Fragebogens, ob Sie von einem Testosteronmangel betroffen sein könnten:

Wenn Sie mehr als zwei Kreuze gemacht haben, ist es wahrscheinlich, dass Sie an einem Testosteronmangel leiden. Dieser kann einen negativen Effekt auf Ihre Spermienqualität – aber auch auf Ihre restliche Gesundheit – haben.
DAS POST-PILL-SYNDROM
Bei vielen Frauen kommt es nach Absetzen von Pille, Hormonspirale, Hormonspritze oder auch NUVA-Ring für einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nicht zu einem störungsfreien Rhythmus, bei einigen Frauen um die 40 stellt sich der Zyklus gar nicht oder nur schwer wieder ein. Das Risiko für das Post-Pill-Syndrom steigt mit der Dauer der hormonellen Verhütung.
Die Pille ist nach wie vor das beliebteste Verhütungsmittel, denn sie ist zweifelsohne sehr sicher und hat noch einige gerade für junge Frauen angenehme Nebenwirkungen, wie eine reinere Haut und schmerzfreie Periode. Die Risiken, wie eine erhöhte Thrombose- und Embolieneigung, fallen gerne unter den Tisch. Spätestens aber, wenn sich Ende 30 bzw. Anfang 40 doch der Kinderwunsch meldet, dann merken viele Frauen, dass die Pille jahrelang massiv in die Hormonregulation des Körpers eingegriffen hat.
Das Absetzen der Pille bringt den Körper im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal aus der Fassung und stürzt ihn in ein hormonelles Chaos. Dass der Körper so reagiert, ist eigentlich nicht verwunderlich, denn er wurde jahrelang durch einen Chemiecocktail künstlich schwanger gehalten und aus seinem natürlichen Rhythmus gebracht. Auch wenn die Periode wieder einsetzt, sind häufig Zyklen ohne Eisprung vorhanden, was sich anhand der Basaltemperatur und eines Ovulationstests schnell überprüfen lässt. Die Eierstöcke und auch die Gebärmutter(schleimhaut) wurden über Jahre in Ruhestand geschickt. Wie sollen sie es so schnell wieder schaffen, zur Normalität zurückzufinden?
Zudem: Durch die Pille wird dem Körper vor allem Vitamin B6 entzogen und somit Darm und Leber belastet. Jungen Frauen in dieser Situation wird geraten, erst einmal sechs Monate abzuwarten, wenn nach Absetzen der Pille Störungen im Zyklus einsetzen.
Das können wir aber Frauen um die 40 aus Zeitgründen nicht empfehlen. Sollten Sie nicht nach acht Wochen wieder einen regelrechten Zyklus haben, dann wäre eine gründliche Untersuchung bei einem Gynäkologen notwendig.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch eine Jod-, Vitamin-D- und -B6-Gabe der Zyklus nach einigen Wochen einsetzt, wenn keine sonstigen Stressoren bestehen.
Auch wenn wir nicht mehr in der hormonellen Hochphase unseres Lebens stehen, sind wir doch oft noch fruchtbar. Frauen haben in aller Regel mit Anfang 40 noch drei bis fünf fruchtbare Jahre vor sich. Männer noch mehr. Nur bei ca. einem Prozent aller Frauen kommt es vor dem 40. Lebensjahr zu einer vorzeitigen Menopause, also zu einem vollständigen Versiegen der Eierstockfunktion. Die allermeisten europäischen Frauen sind erst mit ca. 51 Jahren, einige sogar erst mit Ende 50, in der Menopause.
Wir können die biologische Uhr ein Stück weit verlangsamen. Dafür müssen wir zunächst wissen, wie schnell sie für uns persönlich tickt. Wo stehen wir zeitlich – wie viel Zeit bleibt uns noch? Wie ist es um unsere Fruchtbarkeit bestellt? Das sind zugegebenermaßen unangenehme Fragen, die aber beantwortet werden müssen.
Wir raten daher, zunächst einen gründlichen Check-up beim Gynäkologen bzw. beim Urologen vornehmen zu lassen, um Gewissheit über die eigene Fruchtbarkeit zu haben.
Diese Untersuchungen sind zwingend notwendig, da wir nicht mehr viel Zeit zum Probieren und Abwarten haben. Es gilt, keine Zeit zu verlieren!
DER CHECK-UP BEIM GYNÄKOLOGEN
Wie sage ich es meinem Gynäkologen? Am besten direkt auf den Kopf zu. Ein später Kinderwunsch ist nichts, für was frau sich schämen müsste. Suchen Sie sich Ihren Gynäkologen sorgfältig aus. Am besten jemanden, der sich mit der Betreuung »später« Kinderwunschpatientinnen auskennt. Die Person, die Sie durch das Abenteuer Schwangerschaft begleitet, sollte jemand sein, dem Sie bedingungslos vertrauen. Sie brauchen jemanden, der Ihnen Mut macht und niemanden, der Ihnen Statistiken vorbetet, wie gering Ihre Chancen rein rechnerisch eigentlich sind. Ihr Gynäkologe sollte Sie zudem sehr gründlich untersuchen, damit Sie wissen, wie es um Ihre Fruchtbarkeit überhaupt bestellt ist.
EXPERTE DR. GUIDO HOFMANN, GYNÄKOLOGE

Dr. med. Guido Hofmann ist ein Gynäkologe, der seit vielen Jahren Paare mit Kinderwunsch ganzheitlich betreut, auch Paare über 40 Jahre. Wir haben uns mit ihm über sinnvolle Erstuntersuchungen unterhalten.
Welche Untersuchungen sollten Frauen, die mit über 40 schwanger werden möchten, unbedingt durchführen, um mögliche Hindernisse frühzeitig zu erkennen?
Ich empfehle im Rahmen meiner integralen Kinderwunschbehandlung zügig eine Reihe von Untersuchungen, grundsätzlich aber sind zunächst möglichst frühzeitig zwei wesentliche Untersuchungen von Bedeutung. Diese führe ich aus langjähriger Erfahrung heraus systematisch vor jeder Kinderwunschbehandlung durch.
1. Zyklusmonitoring mit Ultraschall und Bluttests
Der natürliche Zyklus einer Frau ist von zentraler Bedeutung. Nach ausführlicher Anamnese führe ich ein Zyklusmonitoring am etwa 5., 15. und 25. Zyklustag mit Ultraschallfollikulometrie und Blutuntersuchungen durch. Hierdurch kann ich feststellen, ob der Zyklus noch regelrecht verläuft und die Follikelreifung sowie der Eisprung überhaupt noch stattfinden. Die Blutuntersuchungen umfassen zum einen die Hormone FSH, Östrogen (17-ß-Estradiol), LH und Progesteron, Testosteron, Prolaktin und ein komplettes Schilddrüsenprofil und das Anti-Müller-Hormon.
2. Prüfung der Eileiterdurchgängigkeit
Die zweite enorm bedeutsame Untersuchung vor jeder Behandlung ist die Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit der Frau. Hierzu verwende ich seit mehr als 20 Jahren eine schonende Ultraschallmethode, die sogenannte HyCoSo-Methode. Hierbei wird schonend in lokaler Betäubung eine Kontrastmittellösung in die Gebärmutter eingebracht und so u.a. die Eileiterdurchgängigkeit, der sogenannte Tubenfaktor festgestellt. Die diagnostische Sicherheit dieser Methode beträgt bei guter Erfahrung des Untersuchers mehr als 90 Prozent. Darüber hinaus werden die Eileiter zusätzlich durch diese Untersuchung gespült, und die Schwangerschaftsrate erhöht sich meiner Erfahrung nach – und durch Studien deutlich bestätigt.
Eine wissenschaftliche Untersuchung konnte eine dreifach erhöhte Schwangerschaftsrate nach dieser Behandlung bestätigen. Nicht selten tritt nach manchmal jahrelangen erfolglosen Versuchen noch im gleichen Zyklus, in dem die Untersuchung stattfand, eine Schwangerschaft ein. Dies hat mich anfangs oft freudig überrascht, da eine solche unkomplizierte Untersuchung einen solch tollen Erfolg zeigte. In der Regel ist Kinderwunschbehandlung ja doch eher von Geduld und Ausdauer geprägt. Sind die Eileiter verschlossen, ist eine Schwangerschaft auf normalem Wege allerdings nicht möglich. Hier kann dann nur zügig die sogenannte assistierte Reproduktion (z. B. IVF, ICSI) im Kinderwunschzentrum helfen. Diese Untersuchungen sind für die Patientin wesentlich weniger belastend als eine Bauchspiegelung in Vollnarkose.
Das Anti-Müller-Hormon ist ein Labormarker, dessen Ergebnis häufig mit Angst erwartet wird. Welche Aussage hat dieser wirklich?
Im Rahmen der Blutuntersuchungen führe ich grundsätzlich auch den Anti-Müller-Hormon (AMH)-Test durch. Hierbei ist es von großer Bedeutung, die Patienten vorab darüber aufzuklären, dass der AMH-Wert aber kein Maß für die Fruchtbarkeit der Frau per se ist, sondern nur eine Aussage über die sogenannte ovarielle Reserve trifft. Dies ist deswegen von großer Bedeutung, da Frauen auch mit niedrigen AMH-Werten schwanger werden können und solche mit hohem Wert auch nicht. Dies wird leider von Patienten und auch Gynäkologen oft missverstanden. Für mich persönlich hat z.B. dieser Wert in der Kinderwunschbehandlung eine eher untergeordnete Bedeutung und muss immer mit anderen Untersuchungsergebnissen gemeinsam interpretiert werden. Im Übrigen hat der AMH-Wert auch eine gewisse Schwankungsbreite und lässt sich in Maßen durch naturheilkundliche Therapien (wie z. B. Vitamin-D-Optimierung) beeinflussen. Bei Frauen mit PCO-Syndrom ist er oft hoch und dennoch ist die Fruchtbarkeit bei dieser Patientengruppe eingeschränkt.
Welche Risiken bestehen für Frauen durch eine Ü40-Schwangerschaft im Vergleich zu jüngeren Frauen?
Formal sind vor allem das Fehlgeburtsrisiko, das EPH-Gestoserisiko (Präeklampsie) und das Fehlbildungsrisiko erhöht. Allerdings lassen sich hier eine Reihe von diagnostischen und (integralen) therapeutischen Maßnahmen durchführen, um diese Risiken zu minimieren.
Wie alt war Ihre älteste Kinderwunschpatientin?
Die älteste Spätgebärende in meiner Praxis mit eigenen Eizellen war 47 Jahre alt. Dies ist natürlich eine Ausnahme, aber dieser Fall zeigt, dass dies grundsätzlich möglich ist. Die älteste schwangere Patientin war 55 Jahre. Hier kam es allerdings nicht zur Geburt.
Herr Dr. Hofmann, wir danken für dieses Gespräch. 
DIE CHECK-LISTE ZUR UNTERSUCHUNG BEIM GYNÄKOLOGEN
• Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke
• Ultraschalluntersuchungen während des Zyklus, um die Follikelreifung und den Eisprung zu überprüfen
• Zyklushormone: FSH, Östrogen (17-ß-Estradiol), LH, Progesteron
• Sonstige Hormone: Anti-Müller-Hormon, Prolaktin, Testosteron
• Prüfung der Eileiterdurchlässigkeit (wenn nicht bereits durch eine Bauchspiegelung erfolgt)
• Schilddrüsencheck mit Ultraschall der Schilddrüse, Schilddrüsenhormone und Antikörper
Бесплатный фрагмент закончился.
