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Dein innerer Heiler
Eine vereinheitlichte Feldtheorie für die Gesundheitsfürsorge
James Mc Govern, PhD
Rene McGovern, PhD
Mit einem Vorwort von
Christian Hartmann
DIE AUTOREN

JAMES J. MCGOVERN, PhD
… ist der ehemalige Präsident der Andrew Taylor Still University, die das Kirksville College of Osteopathic Medicine, die International School of Health Management, die Arizona School of Dentistry and Oral Health und die Arizona School of Health Sciences umfasst. Er war früher Professor der Physik, Geistlicher, außerordentlicher Direktor von zwei staatlichen Schulbehörden für höhere Ausbildung, Direktor des Office of Health Finance des Staates Illinois und Vizepräsident des Medical College of Virginia und der Case Western Reserve-University.

RENE J. MCGOVERN, PhD
… ist ehemalige Professorin an der Abteilung für Neuroverhaltenswissenschaft am Kirksville College of Osteopathic Medicine der Andrew Taylor Still University und nebenberuflich außerordentliche Professorin an den Abteilungen für Psychiatrie, Neurologie und Psychologie an der Case Western Reserve University. Sie hat über verschiedene Aspekte der mentalen Prozesse, des Körpers und des Geistes Vorlesungen gehalten und veröffentlicht. Gegenwärtig ist sie Direktorin des Elderlynk-Projects, das ein mentales Gesundheitsmodell der Altenpflege im ländlichen Raum für 10 Verwaltungsbezirke anbietet.
Your Healer Within: A Unified Field Theory for Healthcare
© 2003, A. T. Still University. All rights reserved.
Fenestra Books.
ISBN 1-58736-199-X
Dein innerer Heiler
Eine vereinheitlichende Feldtheorie für die Gesundheitsfürsorge
von James McGovern und Rene McGovern
2. überarb. Auflage
© 2014, JOLANDOS
978-3-95712-000-7 (print)
978-3-941523-74-6 (mobi)
978-3-941523-75-3 (epub)
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ÜBERSETZUNG
Dr. Martin Pöttner
LEKTORAT
Martin Ingenfeld
COVERENTWURF, SATZ UND LAYOUT
Christian Hartmann
Titelbild: Hippokrates (Grafik: Simone Stricker)
DRUCK
Buchproduktion Ebertin - Uhldingen, Deutschland
EBOOK-GESTALTUNG
Zeilenwert® GmbH
Schwarzburger Chaussee 74 – 07407 Rudolstadt
www.zeilenwert.de
Jede Verwertung von Auszügen dieser deutschen Ausgabe ist ohne Zustimmung von JOLANDOS unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien.
Das Buch ist den Lesern gewidmet, die aufgrund seiner Lektüre ihr eigenes und das Leben anderer ein wenig mehr bereichern.
ABKÜRZUNGEN UND LEGENDE
AAO = American Academy of Osteopathy
AACOM =American Association of Colleges of Osteopathic Medicine
AMA = American Medical Association
AOA = American Osteopathic Association
ASO = American School of Osteopathy
DO = Doctor of Osteopathy (USA)
FAAO = Fellow of the American Academy
JAOA = Journal of the American Osteopathic Association
ATSU = Andrew Taylor Still University
KCOM = Kirksville College of Osteopathic Medicine
[] = Ergänzungen durch Übersetzer oder Herausgeber
INHALTSVERZEICHNIS
COVER
TITEL
DIE AUTOREN
IMPRESSUM
WIDMUNG
ABKÜRZUNGEN UND LEGENDE
AUTORENGRUSS AN DAS DEUTSCHSPRACHIGE LESERPUBLIKUM
VORWORT DES ÜBERSETZERS
VORWORT DES HERAUSGEBERS
EINFÜHRUNG
Prolog
KAPITEL 1: DIE FRÜHE GESCHICHTE DER MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE
Frühgeschichtliche Kulturen
Die chinesische Choi-Medizin (500 v. Chr.)
Die griechische Medizin des Hippokrates (400 v. Chr.)
Die griechische Medizin des Aristoteles (350 v. Chr.)
Die Hinduistische Susruta-Medizin aus Indien (200 n. Chr.)
Die römische Medizin des Galen (200 n. Chr.)
Die persische Medizin des Avicenna und die spanische Medizin des Maimonides (1100 n. Chr.)
Die Formulierung von Theorien
Zusammenfassung
KAPITEL 2: DIE JÜNGSTEN JAHRHUNDERTE DER MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE
Rush aus den Vereinigten Staaten (1800)
Virchow aus Deutschland (1850)
Pasteur aus Frankreich (1850)
Darwin aus England (1850)
Still aus den Vereinigten Staaten (1900)
Zusammenfassung
KAPITEL 3: OSTEOPATHISCHE EINSICHTEN
Die Medikamententour
Wohlbefinden nach Still
Osteopathische Leistungen
Die innere Bedeutung
Wir brauchen allgemeine Konzepte!
mentale Prozesse, Körper und Geist
Zusammenfassung
KAPITEL 4: DER BEDARF FÜR EINE FELDTHEORIE
Einheitliche Feldtheorien in der Physik
Interaktionen von mentalen Prozessen, Körper und Geist
Eine einheitliche Feldtheorie für die Humanwissenschaften
Etwas fehlt noch
Zusammenfassung
KAPITEL 5: DIE VIERTE DIMENSION DER GESUNDHEITSFÜRSORGE
Das Ziel im Auge behalten
Ein aktives Placebo
Ein völlig verschiedenes Prinzip
Was ein Name auslöst
Sie machen den Unterschied aus
Zusammenfassung
KAPITEL 6: DIE EINHEIT DER SYSTEME UND FELDER
Die vier Prinzipien der Gesundheitsfürsorge
Charakteristika einer einheitlichen Feldtheorie
Form(al)-Ursache (Pythagoras)
Material-Ursache (Thales)
Wirk-Ursache (Heraklit)
Final-Ursache (Platon)
Aspekte der Untersuchung
Zusammenfassung
KAPITEL 7: DIE DIMENSIONEN DER GESUNDHEITSFÜRSORGE
Andrew Weils Spontan-Heilung
A. Ayurvedische Gesundheitsfürsorge
B. Buddhistische Gesundheitsfürsorge
C. Traditionelle Chinesische Medizin
D. Homöopathie
E. Chiropraktik
G. Orthodoxe Medizin
H. Osteopathische Medizin
Zusammenfassung
KAPITEL 8: EINE EINZIGARTIGE LÖSUNG
Individuelle Reaktion und zweifache Entwicklung
Ein neues Bild
Innen-Außen-Analyse
A. Soziale Netzwerke
B. Musiktherapie
C. Haustier-Therapie
D. Erleichterung durch Komik
E. Entspannungstherapie
Die Qualitätsstempel für Heiler
Zusammenfassung
KAPITEL 9: ALLGEMEINE ÜBERBLICKE
Zusammenstellung der Ergebnisse
Weitere Modellbildung
Das biopsychosoziale Modell
Spirituelle und mentale Strukturen
Depression als Beispiel
Kognitiv-verhaltensorientierte Konzepte
Das Zusammenspiel von Praktiker und Patient
Wege in der Zukunft
DANKSAGUNGEN
GLOSSAR
BIBLIOGRAFIE
FUSSNOTEN
AUTORENGRUSS AN DAS DEUTSCHSPRACHIGE LESERPUBLIKUM
Der deutschsprachige Geist scheint besonders gut dazu geeignet, die Kontinuität, Prinzipien und allgemeinen Theorien zu erkennen, welche sich über vereinzelte Ereignisse oder Entwicklungen hinwegspannen.
Der Untertitel des Buchs lautet Eine vereinheitlichende Feldtheorie für die Gesundheitsfürsorge, zu Ehren Einsteins Anstrengungen eine vereinheitlichende Theorie zu finden, um Bereiche wie Gravitation und Elektromagnetismus miteinander zu verbinden.
Wie im letzten Kapitel hervorgehoben, hoffen wir, dass dieses Buch andere Menschen inspirieren wird, die darin genannten Prinzipien weiterzuentwickeln. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja deutsche Wissenschaftler, Therapeuten oder DOs, die diesen Versuch unternehmen werden, um dabei mitzuhelfen der osteopathischen Profession weltweit Anerkennung zu verschaffen.
VORWORT DES ÜBERSETZERS
Das Buch von James und Rene McGovern entwickelt das Konzept osteopathischer Medizin fort. Insbesondere die Vernetzung klassischer osteopathischer Einsichten mit neueren immunologischen, psychosomatischen und neurobiologischen Erkenntnissen versucht das alte Versprechen zu erfüllen, Körper, Psyche und Geist in der Medizin zu vereinbaren. Das Buch stellt entsprechend eine Reihe von geschichtlichen und systematischen Erwägungen vor, die ein Panorama antiker und moderner Medizin aus verschiedenen Kulturen entfalten.
Dabei kommt der bislang besonnensten Philosophie eine zentrale Rolle zu. Aristoteles gehört zu den phänomenologischen Denkern, die an der Wahrnehmung und Erfahrung von Phänomenen orientiert sind. Derartige Wahrnehmungen und Erfahrungen sind immer perspektivisch gebrochen. Entsprechend entwickelte Aristoteles eine Methode, verschiedene philosophische Ansichten miteinander zu vergleichen und sie kritisch zu diskutieren. Dabei werden jeweils Wahrheitsmomente gegeneinander abgewogen und als Aspekte des (mutmaßlich) Ganzen erfasst. Auf die wissenschaftliche Grundfrage von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen bezogen, vereinheitlichte er die vier bis dahin erarbeiteten Vorschläge: Es gibt Form-Ursachen, Material-Ursachen, Wirk-Ursachen und Final-Ursachen.
Dieses differenzierte Ursachen-Modell wenden McGovern & McGovern auf die Probleme der Gesundheitsfürsorge (healthcare) bzw. des Gesundheitswesens an. Dann zeigt sich, dass die osteopathischen Prinzipien von Andrew Taylor Still1 (Interaktive Einheit des Körpers, Interdependenz von Struktur und Funktion, Selbstheilungsmechanismen) den ersten drei aristotelischen Ursachentypen entsprechen. Der vierte Ursachentyp, die Final-Ursache verweist auf die grundlegende menschliche Struktur, von (nicht immer bewussten) Zielen bzw. Lebensentwürfen bestimmt zu sein. Das Prinzip lässt sich medizinisch als Bedeutungs-Erwartungs-Reaktion bezeichnen. Wissenschaftlich wird dies durch eine zutreffende Interpretation des Placebo-Effekts bzw. der Placebo-Reaktion von Patientinnen und Patienten eingeholt. Die Idee einer einheitlichen Feldtheorie, die auf Anregungen Albert Einsteins zurückgeht, wird so gedanklich kontrolliert und anschaulich erfasst.
Mit diesem vierten Schritt sind McGovern & McGovern auch in der modernen Philosophie angelangt, welche die Entwurfsstruktur und Zukunftserwartung menschlichen Daseins als grundlegend ansieht. Dass dies medizinisch reformuliert und in moderne Behandlungsweisen umgesetzt werden kann, ist eine große Leistung des Buchs. Damit ist ein wesentlicher Schritt getan, der die zur Schulmedizin alternativen Behandlungsweisen (z. T. religiöser Art) und die Hinwendung vieler Patientinnen und Patienten zu derartigen Methoden philosophisch und wissenschaftlich rekonstruieren und rechtfertigen kann. Das Glossar des Buches erschließt zusätzlich eine Reihe solcher Verfahren und in ihren Kontexten verwendete Begriffe.
M. E. sind nur zwei kleinere Fragezeichen anzubringen. Wirft das kraniale Konzept von William Garner Sutherland2 keine eigenständigen ‚philosophischen‘ Fragen auf, sodass es stillschweigend unter A. T. Still subsummiert werden kann? Wie erklären sich McGovern & McGovern genau die Interaktion von mentalen Prozessen, Körper und Geist? Hier ist neben der Ursachentheorie m. E. eine konkrete semiotische Theorie für eine einheitliche Feldtheorie nützlich und wohl auch nötig, um die Interaktionen von Körper, mentalen Prozessen und Geist zu verstehen. Denn in den unterschiedlichen Aspekten eines Menschen werden – zum größten Teil unbewusst – Zeichen ausgetauscht. Eine derartig noch ein wenig erweiterte einheitliche Feldtheorie wäre mit Stills philosophischem Zeitgenossen und Landsmann Charles Sanders Peirce (1839 – 1914) im Gespräch. Zudem fände man ihm einen reflektierten Verteidiger der Final-Ursache. Auch die psychosomatische Theoriebildung wählt zumindest gelegentlich diesen Weg.3
Diese Einwände verstärken die Einschätzung, dass hier ein tatsächlich bedeutendes amerikanisches Buch seinen Weg in den deutschsprachigen Raum findet. Es handelt sich um ein innovatives Buch, das weitere Innovationen befördern kann. Es ist sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Berufstätige im Gesundheitswesen gut lesbar. Nicht zuletzt aber korrigiert es einen (falschen) Eindruck, der in der letzten Zeit vielleicht entstehen konnte. Denn es rezipiert unter modernen Bedingungen die bedeutendste Theorie des ‚alten Europa‘ – und wendet sie erkenntnisfördernd an.
PD Dr. Martin Pöttner
Heidelberg, 2003
VORWORT DES HERAUSGEBERS
Als James und Rene McGovern in den 1990ern an die ATSU/KCOM berufen wurden, stand die älteste Ausbildungsstätte der Welt für Osteopathie finanziell am Abgrund und es ist allein dem Geschick v. a. James MacGoverns zu verdanken, dass das KCOM nicht nur weiter existiert hat, sondern inzwischen zu einer der innovativsten medizinsichen Ausbildungsstätten in den Vereinigten Staaten geworden ist. Die McGoverns sind aber nicht nur für das ‚physische‘ Überleben des KCOM verantwortlich, sie haben der amerikansichen Osteopathie auch wieder die ursprüngliche Philosophie der Klassischen Osteopathie nach Still wieder näher gebracht. Das inzwischen auf dem Campus umfassend erweiterte Museum of Osteopathic Medicine gilt inzwischen zurecht als das Mekka der osteopathiehistorischen Forschung.
Da beide oftmals durch Europa gereist sind, um die verschiedenen Kulturen und Denkweisen der alten Welt begierig und wissensdurstig zu absorbieren, gehören sie zu den wenigen Amerikanern im osteopathischen Umfeld, die tatsächlich in der Lage sind, Brücken zwischen den zwei doch sehr verschiedenen Welten der Osteopathie dies- und jenseits des Atlantik zu bauen. Obwohl Dein innerer Heiler 2003 bereits erstmals verlegt wurde, ist es m. E. bis heute der tiefgründigste, qualifizierteste und inspirierendste Versuch, die Osteopathie in ihren philosophischen Wurzeln – Klassische Osteopathie beginnt und endet nicht mit Theorie und Technik, sondern mit dem philosophischen Denken – zu erfassen. Aber die McGoverns belassen es nicht dabei, sondern erweitern und komplettieren den ursprünglichen Ansatz des Entdeckers der Osteopathie, Andrew Taylor Still (1828 – 1917), mit dem Aspekt der Bedeutungs-Erwartungs-Reaktion um eine entscheidende Dimension (s. a. Vorwort des Übersetzers).
OSTEOPATHIE UND PHILOSOPHIE
Immer wieder wird darüber gestritten, ob Osteopathie eine eigenständige Medizinphilosophie ist oder nicht. Streng genommen ist es korrekt zu sagen, dass dies nicht zutrifft, denn Stills ursprünglicher Ansatz ist salutogenetisch/vitalistisch orientiert und damit ganz in der Tradition aller naturheilkundlichen Ansätze. Stills eigene Aussagen, Osteopathie sei eine Philosophie sind vielmehr dahingehend zu verstehen, dass er den Begriff Philosophie ganz im Geiste eines pragmatischen Grenzländers seiner Zeit funktionell ausdeutet: die Liebe (altgriechisch φιλοσοφία, latinisiert philosophia, wörtlich „Liebe zur Weisheit“). Dieses Denken findet sich beispielsweise auch in Stills Ausdeutung des Begriffs Osteopathie selbst, deren Ausdeutung:
Knochen als Hebel für Techniken (Osteo…) => Anpassung des muskuloskelettalen Rahmens => ungehindertes Fließen von Blut, Lymphe und Liquor => optimaler Fluss der selbstregulierenden Informationen => maximale Entfaltung der Physiologie => maximale Verdrängung der Leiden (…pathie)=> Heilung durch die Natur.
Es geht bei der Philosophie der Osteopathie also grundsätzlich um kein akademisches Konstrukt, sondern ganz generell um die pure Lust am Wissen selbst, d. h. am ganz alltäglichen ‚philosophieren‘. Nach Still und anderen bedeutenden Osteopathen der Gründerzeit beginnt und endet Osteopathie mit eben diesem Wissen-wollen, dieser unbedingten Neugier die tieferen Zusammenhänge nicht nur medizinischer, sondern aller Dinge verstehen zu wollen, dieser Liebe zur Weisheit. Und deshalb betonten sie auch, dass DO eigentlich keinen Titel bezeichnet, sondern Dig On! (‚Grabe tiefer!‘) repräsentiert.
In diesem Sinn ist auch Dein innerer Heiler zu verstehen. Es ist nicht für Oateopathinnen und Osteopathen gedacht, die Osteopathie als Methode oder Job betrachten, als simple Ergänzung physiotherapeutsicher oder orthopädischer Grundkenntnisse, sondern für jene, die erkannt haben, dass sich in den philosophischen Grundlagen der Klassischen Osteopathie tatsächlich eine neue Dimension der Medizin des 21. Jahrhundert verbirgt. Eine Medizin, die Subjektivität als wichtig und zentral in der Behandlung akzeptiert und schätzt, eine Medizin, die den Menschen und keine Krankheitsbilder behandelt; eine Medizin, die versucht, immer den Menschen in seiner Gesamtheit und nie nur Symptome oder Krankheiten behandelt; eine Medizin, die Schöpfung und Leben nicht ausklammert, sondern im vitalistischen Kontext seriös implementiert; und eine Medizin, die evidence based medicine auf allen drei Säulen (externe Evidenz, Patientenerwartung, Therapeutenerfahrung) lebt und damit zurecht als human based science im Sinne einer modernen Biowissenschaft praktisch und menschennah nicht nur werbewirksam propagiert, sondern tatsächlich auch im klinsichen Alltag konsequent zum Wohl der hilfesuchenden Menschen umsetzt. Dieses Fokussieren auf ein über das therapeutische Ich hinausgehende Ziel, die Bewusstheit kein ‚heroischer‘ Beherrscher der Natur, kein heilender Halbgott oder rettender Engel mehr, sondern lediglich ein demütiger Erfüllungsgehilfe der Natur sein zu wollen und letztlich die damit verbundene dramatische Einsicht, dass die Natur allein für den Heilerfolg und man selbst ‚nur‘ für die Rahmenbedingungen verantwortlich ist, bezeichnet den zentralen Wesenszug der Klassischen Osteopathie nach Still.
Das grundlegende Interesse an allen Dingen, die Philosophie als idealer Urgrund für gute und menschliche Wissenschaft, bezeichnen also noch weit vor allem medizinischen Grundwissen und technischem Geschick das Alpha und Omega des osteopathischen Kunsthandwerks. Sie ist das Schiff, auf dem der osteopathische Ozean besegelt wird und auf diesem Schiff dient Dein innerer Heiler als Sextant zur Orientierung. In diesem Sinne lohnt es sich vor Beginn der Lektüre alle unmittelbar praktisch-klinischen Überlegungen beiseite zu legen, sich weit vom Bild des klinischen Alltags zu erheben und dann erst mit der Lektüre zu beginnen. Dein innerer Heiler ist kein Buch über Osteopathie im übliche Sinn, es ist – jenseits aller medizinischen Theorie und Praxis – eine Beschreibung ihres innersten Kerns, ihrer eigenen ‚Seele‘ sozusagen und belegt damit eindrücklich: Die Klassische Osteopathie war und ist ihrer Zeit noch immer weit voraus. Und genau deswegen birgst sie soviel Spannung, Unruhe, Inspiration und Sinnhaftigkeit; nicht nur für die Menschen, die mit ihr Arbeiten, sondern für das gesamte Gesundheitswesen.
WICHTIGER HINWEIS
Da Osteopathen ausschließlich in den Vereinigten Staaten den Ärzten gleichgestellt sind und auch sämtliche Fertigkeiten eines Arztes erlernen und ausüben (inkl. Chirurgie, Gynäkologie, Intensivmedizin etc.), erscheinen einige Bemerkungen der Autoren bezogen auf die Osteopathie und die Osteopathen auf den ersten Blick ungewohnt. Hier handelt es sich aber lediglich um ein oberflächliches Detail, denn worauf es ankommt ist die Geisteshaltung ALLER im Gesundheitswesen tätigen Menschen und nicht nur der Osteopathen. Dies ist die tiefe Überzeugung der McGoverns und dies betonten Sie mir gegenüber immer wieder ausdrücklich. Mit anderen Worten, das Motiv entscheidet über den Wert und die Bedeutung einer Meinung oder einer Handlung – ganz nach dem Motto jener beiden berühmten Ermahnungen, die über dem Eingang des antiken Tempels von Delphi gestanden haben sollen:
„Erkenne dich selbst!“ und „Alles in Maßen!“
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Buches!
Christian Hartmann
Pähl, Juli 2014

EINFÜHRUNG
„Jede Wahrnehmung der Wahrheit besteht in der Entdeckung einer Analogie.“
Henry David Thoreau
PROLOG
In der Geschichte erwogen Ärzte, Wissenschaftler, Philosophen und Denker aller Art die erstaunliche Heilungsfähigkeit des Körpers. Einige haben sich darum bemüht, über den physischen Aspekt hinaus die mentalen und spirituellen Dimensionen von Heilung zu untersuchen. Das vorliegende Buch verbindet die gesammelte Weisheit vieler Zeitalter, Kulturen und Studienbereiche mit modernen Forschungsergebnissen. Zumeist lassen wir die Theoretiker in ihrer eigenen Sprache zu Wort kommen, um ein Missverständnis ihrer Botschaften zu vermeiden. Letztlich strebt unser Buch nach einem Set von Prinzipien, die einen allgemeinen Kontext für die unterschiedlichen Ansätze der Gesundheitsfürsorge zur Verfügung stellen können.
Die Motivation zu diesem Buch verdanken wir den außerordentlichen Schriften von Dr. med. Andrew Taylor Still, DO, dem Gründer der osteopathischen medizinischen Profession. In seinen zahllosen Aufsätzen, Artikeln und Büchern förderte Still einen revolutionären holistischen Ansatz der Gesundheitsfürsorge. Seine Grundkonzepte sind auch heute noch gültig. Sie stellen den Schlüssel dar, um die verschiedenen Ansätze der Gesundheitsfürsorge zu integrieren. Wir werden sehen, in welcher Weise seine Konzepte auf die Fragen nach dem Wer, Was, Wie und Warum bei der Untersuchung der Gesundheitsfürsorge und der Behandlung antworten.
Zurzeit ist die osteopathische Profession so angewachsen, dass sie inzwischen zwanzig Colleges umfasst. Die wachsende Popularität dieser Schulen können wir ihrer Betonung der Behandlung der ganzen Person zuschreiben: von Körper, mentalen Prozessen und Geist. Offensichtlich wissen die heutigen Anwender genug über Psychologie oder besitzen genug Erfahrung, um zu verstehen, dass Heilung – und daher medizinische Ausbildung – die Interaktionen von Körper, mentalen Prozessen und Geist einschließen sollte.
Wie war es möglich, dass ein Landarzt im Herzen Amerikas während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein derartig umfassendes Behandlungssystem entwickelte? Unsere einzige Spur besteht darin, dass er fortwährend nach medizinischen Büchern fragte und behauptete, er habe alles über Gesundheitsfürsorge von den frühen Griechen bis in seine Zeit gelesen. Wenn man Stills Philosophie untersucht, erscheint es seltsam, dass er anscheinend Lehren rezipierte, die von den traditionellen Interpretationen bedeutender medizinischer Philosophen unterschieden sind. Dies befeuerte die Untersuchung einiger Originalschriften von Hippokrates, Galen, Virchow, Pasteur, Darwin und anderen. Dabei stellte sich heraus, dass Still nicht nur genau war, sondern auch die populären Deutungen dieser Texte die wesentlichen Punkte verfehlt zu haben scheinen.
Das vorliegende Buch handelt vom Verstehen – gelegentlich zum ersten Mal – der wahren Bedeutung mancher hervorstechenden medizinischen Entdeckungen der Menschheit. Ebenso handelt es von einer der bedeutendsten Synthesen der Medizingeschichte, in der Andrew Still manche der vergangenen Einsichten in Grundprinzipien integrierte.
Dieses Buch untersucht Ergebnisse aus verschiedenen Studienbereichen, darunter auch der jüngsten Forschung, um einen Überblick über Ansätze in der Gesundheitsfürsorge von der Ayurveda und dem Buddhismus bis hin zu Ansätzen wie dem Entspannungstraining und der Naturheilkunde zur Verfügung zu stellen. Eine derartige Verbindung wird in wachsendem Maß erforderlich, insofern Ärzte und andere, die in der traditionellen Medizin ausgebildet sind, sich selbst als begrenzt empfinden, wenn sie auf Patienten reagieren müssen, die sich Heilkräutern, der Meditation und anderen östlichen bzw. alternativen Ansätzen der Gesundheitsfürsorge zugewandt haben. Daher sollte sich dieses Buch als hilfreich für Berufstätige im Gesundheitsbereich und für Menschen im Allgemeinen erweisen, die nach einem grundlegenden, allgemeinen Verständnis der Gesundheitsfürsorge suchen.
Das Buch geht induktiv vor, insofern Allgemeinheiten in verschiedenen Fällen aufgesucht werden. Schrittweise entfaltet es Schlüsseleinsichten und lässt den Lesern Zeit, sie auf ihre eigene Weise zu koordinieren. Wenn die Menschen Beziehungen auf ihre eigene Weise stiften, formen ihre Gehirne Verbindungen, die dazu verwendet werden können, sich zu erinnern, zu verändern und weitere Beziehungen abzuleiten. Da Lernen ein individueller Prozess ist, werden wir einsehen, dass die Naturgesetze, darunter auch die des menschlichen Körpers, der mentalen Prozesse und des Geistes, aufeinander bezogen sind. Ebenso werden wir einsehen, dass diese Beziehungen schwer erreichbar sind.
Wir beginnen eine kumulative Suche in den Ergebnissen aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Menschen, auf die wir Bezug nehmen, gehören zu den subtilsten Intellektuellen in der Geschichte der Menschheit. Insofern die verschiedenen Ansätze der Gesundheitsfürsorge (Ayurveda, Chinesische Medizin, Naturheilkunde usf.) und die verschiedenen Behandlungsarten (soziale Netzwerke, Haustier-Therapie, Entspannungstraining usf.) bestimmte Elemente zu unserem abschließenden Modell beigetragen haben, werden sie nicht in ihrer individuellen Charakteristik diskutiert. Sie wurden aus vielen Möglichkeiten ausgewählt, um zu illustrieren, wie unser Modell und unsere Theorie universal angewendet werden können.
Zurzeit werden jeden Monat eine große Anzahl an Büchern zur Selbsthilfe und Verbesserung der Gesundheit veröffentlicht. Das vorliegende Buch vermag einen vereinheitlichenden Kontext für die verschiedenen Ansätze und Behandlungsweisen zur Verfügung zu stellen. Das Buch sollte ebenfalls persönlich hilfreich sein. Auf diese Weise kann das Buch zur persönlichen Fortentwicklung und zur Fortentwicklung von anderen gelesen werden.
Wir wollen beginnen und ein Auge offen halten für nützlichen Analogien, von denen Thoreau sagte, dass sie so nahe an der Wahrheit sind, wie wir ihr uns nähern können.
James McGovern,
Rene McGovern,
Kirksville, MO., USA, 2003

KAPITEL 1
DIE FRÜHE GESCHICHTE DER MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE
„Es gibt weniger Menschen, welche die Wahrheit wissen, als Menschen, die sie genießen.“
Konfuzius
In diesem Kapitel eröffnen wir eine Perspektive auf einige Schlüsselereignisse der Medizingeschichte. Wir beabsichtigen, einen kurzen Einblick in die Einsichten einiger Philosophen der Gesundheitsfürsorge zu präsentieren und auf diese Skizzen in den späteren Kapiteln aufzubauen.
FRÜHGESCHICHTLICHE KULTUREN
Die Geschichte der Medizin und der Gesundheitsfürsorge ist so alt wie die Menschheit. Die erste wesentliche Lehre über frühgeschichtliche Praktiken besteht darin, dass einige davon zu funktionieren scheinen. Wenn wir heute Gesänge, Tränke, Selbstverletzungen, Rituale und andere frühgeschichtliche Ansätze betrachten, schließen wir, dass viele von ihnen eigentlich nicht funktioniert haben können. Dies weist darauf hin, dass Autosuggestion offenbar eine große Rolle in den heilenden Künsten spielt.
Das Studium der antiken Medizin veranschaulicht ebenfalls, dass sie lange auf Tradition und wenig auf Fortschritt beruhte. Das bedeutet, in jedem Jahrhundert und jeder Kultur empfahlen Heiler vertrauensvoll Verfahren der Gesundheitsfürsorge, die sich aus heutiger Sicht allerdings als nutzlos herausstellen. Gleichwohl war der Umfang der Anstrengung, um Heilmittel zu suchen, phänomenal. Wahrscheinlich trieb die Bedeutung der Gesundheit die kontinuierliche Suche nach Heilmitteln an. Wahrscheinlich förderte die Wirkung der Autosuggestion zudem das Vertrauen als Bestandteil einer guten Praxis.
In ihrer Frühphase waren die medizinischen Praktiken mit einer Mischung aus Mythen, Aberglauben und Traditionen beladen. Dadurch war es schwierig, die tatsächlichen Ursachen der Krankheit zu klären. Da viele Erklärungen, wie die Gesundheit wieder hergestellt worden sei, völlig spekulativ und ohne physikalische Kontrolle waren, konnten diese Mythen wiederholt für Heilmittel glaubhaft gemacht werden, ohne kaum befürchten zu müssen, dass dies auf andere Weise widerlegt werden könnte. Weil sich Spekulation ohne mögliche Kontrolle bewusst jenseits der Kritik ansiedelt, ist sie für allmählich verbesserte Erklärungen nicht zugänglich.
Die Verbindung der spirituellen und physischen Aspekte der Krankheit stellt einen prominenten Trend in der frühen Gesundheitsfürsorge dar. Die Tatsache, dass Aspekte des Wohlbefindens über den Körper hinaus während der Geschichte diskutiert wurden, weist darauf hin, dass Gesundheitsfürsorge mehrdimensional ist. Tatsächlich erklärt die Aufmerksamkeit auf den Körper und den Geist in der Gesundheitsfürsorge die Verbindung von Heilern und Priestern in der frühen, der mittelalterlichen und der jüngsten Zeit. So war es z. B. im alten Ägypten ausschließlich den Priestern gestattet, Menschen zu behandeln.4 Solche geschichtlichen Tatsachen können auf die Gegenwart bezogen werden, um anzuzeigen, dass ein spiritueller Aspekt bei der Gesundheitsfürsorge benötigt wird oder zumindest hilfreich sein kann.
Das Studium der Frühgeschichte der Medizin enthüllt, dass naturalistische und supra-naturalistische Ansätze der Gesundheitsfürsorge seit den frühesten Tagen koexistiert haben.
Eine sorgfältige Untersuchung zeigt jedoch, dass ihre relative Bedeutung in wechselseitiger Abhängigkeit variierte: Lag die naturalistische Medizin im Trend, ging der supra-naturalistische Ansatz zurück.5
Das Studium der Medizin und der Praxis der Gesundheitsfürsorge vieler Jahrhunderte erbringt verschiedene allgemeine Einsichten. Manche subtilere Einsichten können aber nur durch eine genauere, detailliertere Inspektion entdeckt werden. So bleibt bei Generalisierungen in einem zu weiten oder zu distanzierten Rahmen die Tatsache unbemerkt, dass wichtigere Entdeckungen weithin das Ergebnis individueller Einsichten sind. Die folgenden Abschnitte stellen Individuen vor, die bedeutendere Entdeckungen im Blick auf die Rätsel menschlicher Funktionen machten. Bedauerlicherweise können wir angesichts des begrenzten zur Verfügung stehenden Rahmens nur einige Beiträge zu den Grundlagen der Gesundheitsfürsorge diskutieren.
DIE CHINESISCHE CHOI-MEDIZIN (500 V. CHR.)
Das Ziel der Chinesischen Medizin bestand darin, die Harmonie mit der Natur wiederherzustellen (Tao). Obgleich die alte Chinesische Medizin viele Modelle entwickelte, um Gesundheit und Krankheit zu erklären, darunter die Verbindung bestimmter Gefühle zu bestimmten Organen, bestand eines ihrer stabilsten Muster in der Verbindung von Typen des Pulsschlags mit körperlichen Gebrechen. Krankheit galt als Störung eines oder mehrerer Organe und entsprechend sollten die Pulsschläge gestört sein. In einer Untersuchung wurden zehn Bände dazu benötigt, um die große Anzahl von Pulstypen zu erklären, von denen unterstellt wurde, dass sie eine umfassende Bewertung des gesamten menschlichen Körpers gewährleisteten.6 Die unterschiedlichen Pulstypen erhielten aussagekräftige Namen wie ‚Weiden-Brise‘ oder ‚Blubbernder Bach‘, um Studenten und Praktikern sortieren und erinnern zu helfen. Mit anderen Worten: Die Sprache war wichtig für die Konzeptualisierung und Kodifizierung der Unterschiede.
Die Theorie der Pulstypen unterstellt, dass das Blut zu und von allen Organen des Körpers fließt. Daher können Anomalien oder Probleme in einem Organ bestimmte Veränderungen im Blutkreislauf verursachen, die durch Fühlen des Pulsschlages beobachtet werden. Den Puls zu fühlen, um eine ‚Lektüre‘ aller Organe des Körpers durchzuführen, passte zu einer Kultur, die Bescheidenheit schätzte. So fühlten Priester (Behandler) den Puls einer Frau beispielsweise zuweilen durch einen Vorhang oder stellten eine kleine Puppe zur Verfügung, um den Körperteil zu zeigen, der verletzt war.
Eine Beziehung zwischen den Veränderungen des Blutflusses und Problemen in unterschiedlichen Organen wurde mit höchst deskriptiven Begriffen ausgedrückt, um ein umfassendes Modell der Gesundheitsfürsorge auszubilden. Das Beispiel zeigt ebenso, wie die üblichen Sitten bzw. die kulturellen Muster die Typen der anerkannten Modelle und Praktiken ‚färben‘ können. Mit anderen Worten, derartige Formulierungen verwenden die gewöhnlichen Gedanken, Überzeugungen und Sitten.
DIE GRIECHISCHE MEDIZIN DES HIPPOKRATES (400 V. CHR.)
Die Werke des Hippokrates stammen aus der Hippokratischen Sammlung, die in der Bibliothek von Alexandria (Ägypten) zu Beginn des dritten Jahrhunderts v. Chr. zusammengestellt wurde. Allerdings ist es nicht sicher, ob alle oder einige dieser Bücher tatsächlich von Hippokrates geschrieben worden sind. Dennoch sind sie während seiner Lebenszeit geschrieben und sie sind zumindest von seiner Lehre beeinflusst.
Hippokrates war Lehrer am Tempel des Äskulap in Kos, der nach Äskulap benannt wurde, dessen Existenz unbestimmt ist. Es kann sich um einen Gott, einen Mythos oder um eine Person handeln. Das Wichtige an den Äskulapischen Tempeln besteht darin, dass es sich um Kliniken oder Orte handelte, in denen Menschen ihren Körper, die mentalen Prozesse und den Geist stärkten. Man hat oft gesagt: Die Kunst des Äskulap entwickelte sich zur Wissenschaft des Hippokrates.7
Hippokrates, der ‚Vater der Medizin‘, entfernte die Mythen und abergläubischen Überzeugungen aus medizinischen Bewertungen, indem er Ursachen und Wirkungen verband. Die moderne Gesundheitsfürsorge ist ihm darin verpflichtet, genaue Beobachtungen und genaue Interpretationen von Symptomen vorzunehmen. Er verstand Krankheit als Abweichung von der natürlichen Funktion und unterstellte, dass die natürlichen Gesetze bei voller und richtiger Funktionsweise die Gesundheit wieder herstellen könnten: „Die natürlichen Kräfte sind die Heiler der Krankheiten.“8 Hippokrates unterstellte vier Stimmungen bzw. Einstellungen und schrieb ihnen körperliche Pendants zu: Blut, Schleim, gelbe Gallenflüssigkeit und schwarze Gallenflüssigkeit. Seiner Ansicht nach war ein Mensch gesund, wenn die Stimmungen im richtigen Verhältnis zu einander standen. Andernfalls war der Mensch krank. Er glaubte zudem, dass jede Person und jeder Fall so voneinander verschieden waren, dass es nicht möglich sei, eine allgemeine Medizin für Individuen vorzuschreiben.
Hippokrates lehrte, dass Medizin sekundär sei, Übung und Ernährung dagegen primär seien. Als Grieche in einer Zeit des großen philosophischen Erwachens führte er logische Analyse ein und schlug vor, dass die Prognose bzw. Projektion zukünftiger Entwicklungen das Ziel des Arztes sei.9 Hippokrates war der Überzeugung, der Arzt solle mit den natürlichen Prozessen des Körpers arbeiten. Er beobachtete die Verbindung zwischen Struktur und Funktion im Körper und betonte stark die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat System.10
Hippokrates fasst seine Beobachtungen und Diagnosen zusammen, indem er eine ‚Sprache der Medizin‘ ausbildete, die von anderen benutzt und verbessert werden konnte. Anstatt isolierte Spekulationen zu äußern, begann Hippokrates mit einem System, das direkt auf Beobachtungen bezogen war. Daher konnten seine Schlussfolgerungen durch nachfolgende Beobachtungen und Analyse verfeinert und verbessert werden.
DIE GRIECHISCHE MEDIZIN DES ARISTOTELES (350 V. CHR.)
Aristoteles wird gewöhnlich nicht im Zusammenhang der Entwicklung der Gesundheitsfürsorge genannt. Weil wir uns mit der philosophischen Entwicklung der Gesundheitsfürsorge beschäftigen, nimmt Aristoteles mit Recht hier eine zentrale Rolle ein. Dante und nahezu allen mittelalterlichen Wissenschaftlern galt Aristoteles als DER Philosoph. Er ist der Begründer der wissenschaftlichen Methode, nämlich des abwechselnden Gebrauchs der induktiven und deduktiven Formen der Logik. Diese Methode hat über 23 Jahrhunderte große Entdeckungen hervorgebracht. Anders als Platon, der lehrte, Erkenntnis komme von innen, lehrte Aristoteles, dass sie von außen komme, von den Sinnen zu den mentalen Prozessen vermittelt. Zudem lehrte er, dass wir zunächst eine allgemeine Vorstellung der Phänomene gewinnen sollten und dann die Besonderheiten untersuchen.11
Es gelang Aristoteles den offenkundigen Streit von vier früheren Philosophen über das Wesen der Kausalität zu schlichten. Das Konzept der Kausalität antwortet auf die Frage, wodurch ein Ereignis verursacht sei. Thales lehrte, dass es sich um eine materielle Ursache handele: Ein Ding verursachte die Veränderung. Heraklit nahm an, dass es sich um eine Wirk-Ursache handele: Ein Macher verursachte die Veränderung. Pythagoras unterstellte, dass Veränderung durch eine Veränderung der Form verursacht sei: Eine neue Formation war verantwortlich. Plato lehrte, es gebe eine Finalursache in jeder Veränderung: Ein Ziel trieb bzw. verursachte die Veränderung. Aristoteles erklärte, dass diese vier Philosophen jeweils über einen Aspekt einer Ursache sprachen: über die Dinge, die daran beteiligt sind, die Macher, die Formationen bzw. die Ziele, die hinter einer Veränderung stehen.12
Alexander der Große, ein Schüler des Aristoteles, eroberte einen großen Teil Asiens und sandte Exemplare der Flora und Fauna der eroberten Gebiete an ihn. Diese Geschenke ermöglichten es Aristoteles, außergewöhnlich stark Sektionen an einer großen Zahl von Tieren vorzunehmen und über Ähnlichkeiten und Unterschiede der Arten zu schreiben. Er schrieb 50 Bücher über vergleichende Anatomie und Naturgeschichte, indem er Organe wie die Nerven, das Herz, die Blutgefäße, die Membranen des Gehirns und den Magen beschrieb. Dazu entwickelte er Modelle für ihr inneres Funktionieren. Seine Bücher waren die ersten Bücher der Bibliothek von Alexandria. Sein Enkel Erasistratos schloss sich Herophilos an, um Hunderte von menschlichen Leichen zu sezieren und so das Wissen über den Körper beachtlich zu erweitern. Doch bald wurden die Sektionen von religiösen Autoritäten in Ägypten und Europa verboten, sodass der Fortschritt in dieser Richtung endete.
Der berühmte Aphorismus des Aristoteles lautet: „Der Philosoph soll mit der Medizin beginnen. Der Arzt soll mit der Philosophie enden!“13 Es scheint, dass er keine substanzlose Spekulation billigte. Seine Philosophie basierte auf der Sammlung empirischer Daten und dem Herleiten allgemeiner oder letzter Ursachen (Prinzipien). Diese wissenschaftliche Methode blieb über viele Jahrhunderte verborgen. Es gab gelegentliche Ausnahmen wie Roger Bacon (13. Jahrhundert n. Chr.) und Francis Bacon (16. Jahrhundert n. Chr.). Der Letztere machte sie den medizinischen Forschern der vergangenen 400 Jahre zugänglich. Zusammenfassend: Der Beitrag des Aristoteles zur Medizin und der Gesundheitsfürsorge besteht darin, dass der Menschheit die Methode zu lernen und Wissen anzusammeln eröffnet wurde. Darüber hinaus werden wir einen weiteren umfassenden Beitrag des Aristoteles kennen lernen.
DIE HINDUISTISCHE SUSRUTA-MEDIZIN AUS INDIEN (200 N. CHR.)
Susruta verstand sich selbst als Fortschreiber des alten Ayurveda (Wissenschaft vom Leben), die wahrscheinlich von der brahmanischen Hindu-Religion inspiriert war.14 Die Brahmanen glaubten, dass der Arzt theoretisch ausgebildet und praktisch erfahren sein müsse. Dabei galten ihnen Hygiene und Ernährung als mindestens so wichtig wie Arzneimittel. Susrutas Buch Sammlung listete über 1.000 Krankheiten und natürliche Heilmittel auf.15
Susruta gelang es örtliche Führer davon zu überzeugen, dass Sektion und Chirurgie angemessen waren. Er entwickelte viele Arten von Operationsinstrumenten und schrieb Verfahren für verschiedene Operationen vor. Er benutzte erinnerungsfreundliche Namen für die Operationsinstrumente, die auf ihre Form bezogen waren: Adler, Reiher und Löwenkiefer.16 Die Chirurgie konstituierte das Äußerste in der Indischen Medizin und war – ihrem Wesen entsprechend – frei von Spekulation.17 Sie hatte lange Bestand vor der Ankunft anderer Nationen.18 Das System der Chirurgie blieb über Jahrhunderte in Indien auf einem hohen Niveau der Entwicklung. Sie basierte auf kühnem Eingreifen, genauer Diagnose und durchdachter Nachsorge.19
Aus welchem Grund war die Chirurgie in der Frühzeit Indiens so sorgfältig entwickelt und warum verfiel sie möglicherweise? Obgleich die Chirurgie nur einen kleinen Teil der Gesundheitsfürsorge darstellt, kann die Antwort auf diese beiden Fragen instruktiv für alle Teile der Gesundheitsfürsorge ausfallen. Der Grund, der gewöhnlich für den Erfolg der Chirurgie in den frühen Jahrhunderten genannt wird, lautet, dass Indische Regierungen Verbrecher durch Verstümmelungen bestraften. Daher seien Chirurgen nötig gewesen, um diese Menschen zu reparieren.20 Auf der anderen Seite kann der Grund für den Verfall der Indischen Chirurgie am besten so ausgedrückt werden:
„Die Indische Medizin besaß einen beeindruckenden Schatz an empirischem Wissen und technischem Können. Sie erreichte die Höhe einer systematisierenden, theoretisierenden Schule des Denkens. Gleichwohl fehlte ihr die Freiheit der individuellen Aktion, die für den Fortschritt der wirklichen Wissenschaft erforderlich ist. Ebenso fehlten ihr unvoreingenommenes Urteil und die Möglichkeit der Kritik, die nicht kurz vor ehrwürdigen Lehren aufhört. In den fremdartigen repressiven kulturellen Bedingungen war es grundlegend, dass der Evolutionsprozess verkürzt wurde und zu einer scholastischen Petrifikation führte.“ 21
Obgleich dieser Abschnitt die Bedeutung einer angemessen beschreibenden Sprache verdeutlicht, um Verfahren bzw. Instrumente zu differenzieren, besteht die zu notierende Hauptbotschaft darin, dass der Mangel an Freiheit zur Petrifikation führen kann. Insbesondere Vorurteile, das Verbot von Kritik und die Verehrung gegenwärtiger Meinungen sind als Samen der Selbstzerstörung erkannt.
DIE RÖMISCHE MEDIZIN DES GALEN (200 N. CHR.)
Die Verbindung von medizinischer Theorie und medizinischer Praxis, die mit Hippokrates begann, wurde als Dogmatismus bekannt.22 Gleichwohl spaltete sich der Dogmatismus in Alexandria in zwei Parteien. Die eine bildete sich bei den Nachfolgern von Erisastratos aus, die ihre Philosophie der Medizin auf anatomische Daten gründeten. Die andere bildete sich unter den Nachfolgern des Herophilos aus, die ihre Philosophie auf klinische Daten gründeten.23
Keine Partei im Alexandria dieser Zeit war in der Lage, die Denkschulen darüber zu versöhnen, wie der Körper funktioniert und entsprechend die beiden behaupteten Ursachen von Krankheit und Gesundheit zu versöhnen. Mit Claudius Galen erhielt die Medizin einen ‚Zweiten Vater der Medizin‘ und gelangte zu einer Versöhnung von theoretischem und klinischem Wissen, die 18 Jahrhunderte stabil blieb.
Galen wuchs in Pergamon in Kleinasien auf und studierte am dortigen Asklepeion (bzw. dem Aeskulapischen Tempel), ein Ort der Gesundheit, der viele reisende Patienten anzog. Galen studierte Anatomie und Physiologie in Smyrna, Korinth und Alexandria, bevor er die verwundeten Gladiatoren in Pergamon versorgte. Hier kombinierte er Theorie und Praxis, die Lehren von Erasistratos und Herophilos:24
„Als Arzt der Gladiatoren war er zumeist als Chirurg tätig. Dabei entwarf er vorgeblich neue [klinische] Methoden (z. B. tränkte er in Fällen ernster Verletzung die Verbände mit Rotwein, um die Entzündung zu vermindern). Doch er achtete scharf auf ähnliche Fälle, die er zu seinem anatomischen und physiologischen Wissen hinzufügen konnte. Er nutzte sorg fältig seine Beobachtung von Athleten, was Ernährung und körperliche Übungen betraf.“25
Mit anderen Worten bemerkte Galen, dass die Ansätze von Erasistratos und Herophilos nicht in einem kontradiktorischen Verhältnis zueinander standen, sondern in unterschiedlichen Weisen nützlich waren, da sie aus verschiedenen Perspektiven entwickelt worden waren.
Galens Berufserfolg führte ihn nach Rom als Arzt des Kaisers Mark Aurel. Dabei konnte er fast seine gesamte Zeit darauf verwenden, seine vielen Bücher zu schreiben. Insofern er sein großes theoretisches Wissen in Anatomie und Physiologie mit seinen intensiven klinischen Erfahrungen bei den Gladiatoren kombinierte, drehten sich seine Bücher um die Konzepte von Struktur und Funktion des Körpers:
„Das harmonische Wirken der organischen Funktionen gibt es jedoch nur, wenn die materielle Struktur normal ist […] Organerkrankungen sind durch Veränderungen der Struktur verursacht […]“26„Die Anwendung dieser allgemeinen Ideen auf die Theorie der Gesundheit und Krankheit verlangte […] nach direkter Erforschung der Struktur und Funktionen des menschlichen Körpers.“27
Galen nahm wie Hippokrates an, dass die vier Körpersäfte verschiedene Typen von Personen hervorbrachten. Er wollte ebenso vorhersagen, was als nächstes geschehen werde, d. h.: es ging um eine genaue Prognose. Gleichwohl führten ihn sein anatomisches Wissen und sein logischer Verstand dazu, eine solide Fundierung für Prognosen zu suchen. Daher begründete er seine Prognose mit der klinischen Diagnose.28 Er lehrte, dass die abschließende Diagnose durch den Ausschluss von Möglichkeiten erreicht werden solle. Auf diese Weise schrieb Galen seine Bücher, indem er die Prognose mit der Diagnose verband. Obgleich er in manchen Einzelheiten falsch lag, schenkte er der Welt eine Philosophie der Gesundheitsfürsorge, die sich als so nützlich erwiesen hat, dass sie bis zu diesem Tag den Hauptansatz der medizinischen Praxis bildet.
DIE PERSISCHE MEDIZIN DES AVICENNA UND DIE SPANISCHE MEDIZIN DES MAIMONIDES (1100 N. CHR.)
Avicenna forschte in der Bibliothek des Sultans von Bukhara in Persien. Er war ein Arzt von großer Bildung, der Organisationsstrukturen der muslimischen Religion entwickelte, indem er die aristotelische Ethik auf die Lehren des Qur’an (Koran) anwendete. Dies regte einen anderen Arzt, Maimonides aus Cordoba in Spanien an, ähnliche Strukturen bzw. Prinzipien für die jüdische Religion zu entwickeln, wobei er ebenfalls die aristotelische Ethik verwendete. Weiterhin – nachdem das Werk von Maimonides in die lateinische Sprache übersetzt wurde – entwickelte Thomas von Aquin Prinzipien für die christliche Religion, die auf der aristotelischen Ethik basierten. Auf diese Weise besitzen nun drei größere Weltreligionen ein gemeinsames Substrat an ethischen Prinzipien. Können wir ein gemeinsames Substrat an medizinischen Prinzipien besitzen?
Die Tatsache, dass Avicenna und Maimonides Philosophen und Ärzte waren, sollte nicht überraschen, weil sie beide Galen sehr bewunderten, der zum Studium der Philosophie ermutigte. Ihre philosophische Neigung ermöglichte ihnen, in ihren Büchern medizinische Wirkungen mit Ursachen zu verbinden. Die Verbindung von Ursache und Wirkung wird sich als bedeutsam erweisen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ihrer Arbeiten besteht darin, dass sie Körper und Seele in ihre medizinischen Überlegungen einbezogen. Maimonides wurde dazu durch seinen Lehrer Averroës gebracht, der ihn ebenfalls über die Werke von Avicenna belehrte. In der Tat enthielt die muslimische Medizin durch ihren Versuch, klinische Wirkungen mit diagnostischen Ursachen zu verbinden, die Anfänge einer allgemeinen Philosophie der Gesundheitsfürsorge.
Avicennas Mammut-Enzyklopädie Canon medicinae besteht aus fünf Büchern, die nach ihrer Übersetzung in die lateinische Sprache über mehrere Jahrhunderte an christlichen Universitäten der medizinischen Lehre zugrunde lag.29 Allein sein Umfang machte das Werk zur Autorität. Doch dies könnte auch eine weitere Entwicklung verhindert haben. Der Westen musste auf unabhängige Denker wie Leonardo da Vinci († 1519) warten, um die Anatomie des Canons herauszufordern, obgleich viel davon offensichtlich falsch war. Paracelsus († 1544) verbrannte sein Exemplar des Canons öffentlich in Basel. William Harvey stellte 1628 fest, dass der Abschnitt über den Blutkreislauf falsch war. Zur Zeit von Thomas Syndenham († 1689) bezogen sich viele medizinische Lehrer nicht auf muslimische Ärzte.30 Gleichwohl brachten diese Philosophen und Ärzte die Lehren von Hippokrates, Aristoteles und Galen nach Westeuropa und verschafften den folgenden Generationen Anhaltspunkte, die erforderlich waren, die grundlegenden Geheimnisse der Wissenschaften vom Menschen zu lüften.
DIE FORMULIERUNG VON THEORIEN
An dieser Stelle müssen wir die Lehren über die Formation von medizinischen Theorien bekräftigen. Dies wird uns bei der folgenden Analyse jüngerer Theorien hilfreich leiten.
Die erfolgreichen Theorien der Vergangenheit erforderten einen Menschen, der eine induktive Einsicht hatte, um eine Schlüsselbeziehung zu entdecken. So kann es sich um eine Beziehung zwischen Pulstypen und Organfunktionen oder zwischen Persönlichkeitstypen (Körpersäften) und Krankheit, darüber hinaus zwischen Diagnose und Krankheit handeln. Jemand musste eine bestehende Veränderung zwischen zwei Sachverhalten bemerken: zwischen einem potenziellen Maß und einem körperlichen Problem.
Der zweite Schritt, den wir in unserem historischen Bericht beobachtet haben, bestand in der Formulierung eines Modells bzw. eines einfachen Wegs um die oben dargestellten Beziehungen auszudrücken. Das Modell kann in einer Sprache über Pulstypen bestehen wie ‚Weiden-Brise‘ oder in klinischen Beobachtungen, wie in den Büchern des Hippokrates bzw. in Struktur-Funktion-Interaktionen, wie sie Galen darstellt. Ein Modell ermöglicht es einer Sprache, ein Maß mit einem Phänomen zu verbinden.
Der dritte Schritt bei der Formation einer erfolgreichen Theorie in der Vergangenheit schien darin zu bestehen, dass Lehren gezogen und Voraussagen zukünftiger Entwicklungen ermöglicht wurden (Prognose). Als wichtigster Faktor erwies sich dabei die Fähigkeit zu lernen, wenn wir jemals das Wissen verbessern und vermehren wollen.
ZUSAMMENFASSUNG
Während des Berichts über antike Methoden erkannten wir einen wiederholten – wenn auch unbewussten – Gebrauch der Autosuggestion bzw. des heute so genannten Placebo-Effekts. Dabei bestand bei vielen Beispielen der Gesundheitsfürsorge eine Verbindung des Körpers mit mentalen Prozessen und dem Geist. Dieser holistische Ansatz wurde in der äskulapischen Tradition am deutlichsten. In den Schriften früherer Entwickler von Konzepten der Gesundheitsfürsorge erkannten wir verschiedene Versuche, körperliche Maße mit körperlichen Funktionen zu verbinden. Dies wurde im letzten Abschnitt über die Formulierung von Theorien zusammengefasst. Insbesondere Hippokrates und Galen verbanden körperliche Strukturen und Funktionen, darunter innere Einstellungen und körperliche Funktionen.
Aristoteles wurde aufgrund seines Beitrags zur wissenschaftlichen Methode und wegen seiner Versöhnung von vier Vorgängertheorien über Veränderung und Ursache dargestellt:
1. PYTHAGORAS – die Formen der Veränderung
2. THALES – das Material der Veränderung
3. HERAKLIT – die ‚Macher‘ der Veränderung
4. PLATO – die Ziele der Veränderung
Im nächsten Kapitel stellen wir Beispiele biologischer Theorien in den jüngsten Jahrhunderten dar. Die Beispiele unterscheiden sich von der üblichen Bezugnahme, insofern einige berühmte Individuen betrachtet werden. Diese schwer verständlichen, aber wesentlichen Einsichten waren bei den Jahrtausende übergreifenden Integrationen einer weithin unbekannten Arbeit eines Arztes im Amerikanischen Mittleren Westen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts grundlegend. Wir werden ihm und seinen außergewöhnlichen Synthesen im nächsten Kapitel begegnen.

KAPITEL 2
DIE JÜNGSTEN JAHRHUNDERTE DER MEDIZIN UND GESUNDHEITSFÜRSORGE
„Das Wesen der Wahrheit besteht darin, dass sie bloß erscheinen möchte.“
Thomas Paine
Dieses Kapitel diskutiert zusammenfassend die Einsichten einiger Individuen in den letzten beiden Jahrhunderten. Manche Ausführung mag etwas knapp erscheinen. Zusammen werden sie uns jedoch zu einem allgemeinen Verständnis der Gesundheitsfürsorge führen.
RUSH AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN (1800)
Dr. Benjamin Rush gilt als ‚Hippokrates von Amerika‘ und als ‚amerikanischer Galen‘. Doch seine Ausführungen sind quantitativ und qualitativ erheblich begrenzter als diejenigen dieser Vorläufer. Obschon manche Menschen denken mögen, dass der Fortschritt kontinuierlich verlaufe, zeigt die Geschichte der Medizin das vorherrschende Praktiken manchmal rückschrittlich sind. Der Mangel an historischer Einsicht zwang Berufstätige gelegentlich, Fehler zu wiederholen oder im Kreis fortzuschreiten.
Rush unterzeichnete die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und glaubte differenziert an die Freiheit:
„Die Verfassung dieser Republik sollte besondere Vorsorge für medizinische und religiöse Freiheit treffen. Die Einschränkung der Praxis der Heilkunst auf eine Art von Ärzten und die Verweigerung der gleichen Privilegien für andere stellt die Bastille unserer Wissenschaft dar. All diese Gesetze sind unamerikanisch und despotisch. Es handelt sich um Rudimente der Monarchie und in der Republik ist kein Platz für sie.“ 31
Rush wurde aufgrund seiner Arbeit während einer Gelbfieber-Epidemie in Philadelphia in 1762 berühmt. Er schloss jedoch aus dieser Krise, dass die Natur kontrolliert oder zumindest gelegentlich korrigiert werden musste. Diese Philosophie, wie Medizin ausgeübt werden sollte, wird noch heute von manchen amerikanischen Ärzten aufrechterhalten.
Rush arbeitete ebenfalls im Bereich mentaler Gesundheit und verband Geisteskrankheit mit Erkrankungen des Gehirns. Ironischerweise wurde er selbst 179432 der Geisteskrankheit verdächtigt. Er erregte eine Menge Opposition, als er versuchte, Reformen in Philadelphia durchzuführen. Sogar die Gesundheitsbehörde der Stadt Philadelphia beteiligte sich aktiv an der Opposition gegen ihn.33
Nach seinem Tod schätzte man Rush mehr. Obgleich er nur wenige Verbesserungen eingeführt hat, könnte er eine ‚Tendenz‘ der medizinischen Praxis etabliert haben, die jetzt noch in den Vereinigten Staaten existiert. Er ist dafür bekannt, die medizinische Begrifflichkeit zu vereinfachen. Am besten kennt man ihn wegen der Praxis der ‚Heroischen‘ oder intervenierenden Medizin. Damit ist gemeint, dass er und viele andere amerikanische medizinisch Praktizierende zur Intervention neigten, anstelle darauf zu warten, dass die Natur handele. Entweder vertrauten sie der Natur nicht oder sie waren davon überzeugt, es besser zu können.
VIRCHOW AUS DEUTSCHLAND (1850)
Die Existenz von Zellen war seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Doch die Entwicklung neuer Mikroskope weckte neues Interesse an der Rolle der Zellen in der Gesundheitsfürsorge.34 1858 veröffentlichte Rudolf Virchow sein Buch Die Cellularpathologie in ihrer Begruendung auf physiologischer und pathologischer Gewebelehre, in dem er feststellte, dass Zellen gute Ernährung und eine gute Beseitigung des Abfalls benötigten.35 Virchow stellte eine ‚Einheit des Körpers‘ vor, in der allgemeine Gesundheit darin bestand, dass alle Körperzellen individuell gesund seien, weil sie miteinander verbunden wären.
Virchow schloss aus seinen mikroskopischen Beobachtungen von Zellen, dass die verschiedenen Bereiche jedes Gewebes von gutem Blutfluss zur Ernährung und Ausscheidung abhingen und dass verschiedene Bereiche irgendwie dazu fähig waren, aus dem Blut Substanzen aufzunehmen, um Material zur Reparatur zu gewinnen. Virchow schloss, dass eine dysfunktionale Zelle den Beginn der Krankheit markiere.36
PASTEUR AUS FRANKREICH (1850)
Louis Pasteur war ein Chemiker, der die Prozesse der Entwicklung verschiedener Arten von Bier und Wein erklärte. Er erfand eine Methode, Milch vor dem Verderben zu bewahren (Pasteurisierung). Er rettete die Seidenraupen-Industrie. Zudem entwickelte er Wege, wie mit Milzbrand und Tollwut verfahren werden konnte. Sein Buch über Gärung (1857) wurde zur Basis einer neuen Philosophie der Medizin und der Gesundheitsfürsorge.
Man bat ihn zu untersuchen, warum Alkohol aus Rübensaft oft verseucht war. Er benutzte ein Mikroskop und entdeckte Hefe, dazu eine Substanz, die später als Bakterien erfasst wurde. Er fand heraus, dass die Hefe, wenn sie gedreht wurde, Licht polarisierte, ein Zeichen für Stereoisomere, die ausschließlich in lebenden Substanzen vorkamen. Wie später erklärt wurde, entdeckte Pasteur, dass Hefen pflanzenähnlich und Bakterien tierähnlich sind, wie sich die mikroskopische Flora und Fauna aufdrängt.37
Die weiteren Experimente Pasteurs ergaben, dass er die Menge von Hefe und Bakterien kontrollieren konnte, indem er die Umgebung von Säure, Hitze, Licht usf. kontrollierte. Daher schmecken verschiedene Biere und Weine unterschiedlich. Sie gären (balanciert) in unterschiedlichen Umgebungen, die verschiedene Mengen an Hefe und Bakterien hervorbringen. Dies führt zu Geschmacksdifferenzen.38
Pasteur verstand, dass Gärung als Atmung ohne Luft betrachtet werden konnte. Dies eröffnete eine Möglichkeit, um Krankheit von Tieren zu erklären.39 Pasteur lernte von seinem Rivalen Claude Bernard, dass der Körper ein ökologisches Gleichgewicht (ein inneres Milieu) brauchte, um verschiedene biotische und chemische Interaktionen kontrollieren zu können.40 Daraus entsteht die Schlüsselfrage für die Gesundheitsfürsorge, wie eine gesunde körperliche Umgebung (Terrain) aufrechterhalten werden kann, um die mikroskopische Flora und Fauna in Balance und unter natürlicher Kontrolle zu halten.
Zurzeit befolgen die meisten Mediziner Pasteurs Arbeiten über Bakterien und andere Keime. Sie übersehen freilich seinen Rat zur Balance ihrer Zahl im körperlichen Terrain. So haben wir nun eine Gruppe von ‚Mikroben-Jägern‘ anstelle von ‚Mikro-Ökologen‘. Unsere Aufmerksamkeit gilt dem Töten statt dem Kontrollieren der Keime.
DARWIN AUS ENGLAND (1850)
Charles Darwins Schriften über die Evolution und die natürliche Selektion erbauten die Bühne für einen neuen Sinn dafür, wie die Natur funktioniert. So war Darwin der Überzeugung, dass die natürliche Selektion allen biologischen und medizinischen Wissenschaften als Mechanismus zugrunde lag.41 Darwins Buch Der Ursprung der Arten war am ersten Tag ausverkauft, als es 1859 veröffentlicht wurde.42 Die meisten Kommentatoren seines Buches haben sich auf die (Jahrtausende dauernden) Langzeit-Effekte der natürlichen Selektion bzw. inneren Optimierung, die Organismen vollziehen, konzentriert. Gleichwohl erkannte Darwin auch Kurzzeit-Wirkungen, die aus laufenden, alltäglichen Anpassungen entstanden:
„Man darf sagen, dass die natürliche Selektion dabei ist, täglich und stündlich zu untersuchen […] Dabei weist sie zurück, was schlecht ist, erhält und vermehrt all das, was gut ist. Es handelt sich um ein stilles und unmerkliches Wirken – wann immer und wo immer sich Möglichkeiten ergeben – an der Verbesserung jedes organischen Wesens bezogen auf seine organischen und anorganischen Lebensbedingungen.“43
2002 erklärte Stephen Gould, PhD, von der Harvard University die zentrale Stellung der Interaktion von Struktur und Funktion in der Evolution in seinem Buch Die Struktur der Evolutionären Theorie:
„Um die Quellen des kreativen evolutionären Wandels durch Verschmelzung der positiven Zwänge struktureller […] Pfade, die der Anatomie und Entwicklung von Organismen innewohnen, […] mit der externen Führung der natürlichen Selektion (dem funktionalistischen Ansatz) zu erklären, [benötigt man] ein interaktives Modell.“44
Goulds Erklärung stellt eine Resonanz der Ansätze von Erasistratos (innewohnende, anatomische Strukturen) und Herophilos (externe, klinische Funktionen) und ihrer unterschiedlichen Versuche dar, körperliche Wirkungsweisen zu erklären. Genau wie Galen die beiden Denkschulen des Erasistratos und Herophilos mittels einer Erklärung im zweiten Jahrhundert n. Chr. versöhnte, indem er eine Interaktion von Struktur und Funktion unterstellte, werden wir als nächstes betrachten, wie ein Mann namens Still die Einsichten von Virchow, Pasteur und Darwin verband.
STILL AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN (1900)
Andrew Taylor Still gründete 1892 einen neuen Typ medizinischer Schulen in Kirksville, Missouri. Zurzeit ist das Kirksville College of Osteopathic Medicine (KCOM) Teil der A. T. Still University (ATSU). Die Motivation, die Schule zu gründen, entstand bei einem Besuch von William Smith, der seinen medizinischen Grad an der Edinburgh University erworben hatte, die damals eine der hervorragendsten medizinischen Schulen darstellte. Nachdem er einen großen Teil des Tages damit verbracht hatte, Still bei der Behandlung von Patienten und der Erklärung seiner Theorien zu beobachten, sagte Smith:
„Es ist Ihnen gelungen das zu entdecken, nach dem alle [medizinischen] Philosophen in 2000 Jahren gesucht und es nicht gefunden haben!“45
Darauf bot Still Smith an, ihm seine Prinzipien und Techniken, die er als Osteopathie bezeichnete, zu lehren. Im Gegenzug sollte Smith den Studierenden an seiner neuen Schule Anatomie lehren. Als Kollegen für Smith stellte er einige Personen ein, darunter einen Dr. med. von der Harvard University, einen gleichwertigen Dr. med. von der Glasgow University, dazu einen Dr. phil. von der Columbia University. Bei dem Letzteren handelte es sich um John Martin Littlejohn (möglicherweise der Dekan), der gleichfalls medizinische und juristische Grade erworben hatte. Still sagte, sein Buch Die Philosophie der Osteopathie solle
„[…] der Welt einen Start in die Philosophie ermöglichen, der ein Leitfaden für die Zukunft sein kann.“46
„Mein Ziel besteht darin, den Osteopathen zu einem Philosophen zu machen und ihn auf dem Felsen der Vernunft zu platzieren. Dann muss ich mich nicht darüber beunruhigen, wie ich in meinen Schriften Details über konkrete Behandlungen eines Organs des menschlichen Körpers darlege. Denn der Osteopath kann aufgrund seines Wissens erkennen, was Veränderungen aller Art in Form und Bewegung hervorgerufen hat [Struktur und Funktion].“47
Still war davon überzeugt, dass der Mensch in sich alle Heilmittel besaß, um Gesundheit aufrechtzuerhalten:
„Wenn alle Teile des menschlichen Körpers an ihrem Platz sind, haben wir vollkommene Gesundheit erreicht. Ist dies nicht der Fall, dann ist die Wirkung Krankheit. Wenn die Teile wieder zur Ordnung zurückgeführt sind, tritt Gesundheit an die Stelle der Krankheit.“ 48
Da Still behauptet hat, er habe alle früheren medizinischen Philosophen einschließlich der Griechen gelesen49, können wir ziemlich sicher sein, dass er die Werke von Hippokrates und Galen gelesen hatte. Beide waren von den inneren Kräften der Heilung überzeugt und allgemein davon, dass die Strukturen in Ordnung sein müssen, damit die Funktionen in Ordnung sind. Als Wilborn Wilson, DO, einst Still besuchte, beobachtete er, dass dieser Rudolf Virchows Buch über die Zelle las. Still war von Virchows Beobachtung fasziniert, dass die Gesundheit des Körpers von der Gesundheit der einzelnen Zellen bestimmt sei, die wiederum davon abhängt, wie gut die Zellen ernährt sind und den Abfall beseitigen können. Daher erkannte Still, wie bedeutend der ungehinderte Fluss in den Systemen des Blutkreislaufs, der Lymphe und der Nerven ist.50
Still teilte Deason bei derselben Gelegenheit mit, wie nützlich er die Theorie (Pasteurs) der Fermente und der Gärung fand.51 Still unterstellte, dass ökologische Strukturen dazu genutzt werden können, um zu erklären, warum eine Person gesund bleibt, während eine andere sich eine Krankheit zuzieht: Dies ist der Fall, wenn nämlich die Zellen nur dazu in der Lage sind, zu fermentieren, aber nicht den Abfall zu beseitigen. Die ‚Struktur‘ einer Zelle besteht nach Still in einem lebendigen, dynamischen System, das in Ordnung ist, wenn angemessene Inputs und Outputs bestehen, sofern der Körper als Ganzer funktionieren kann. Daher schätzte Still die Bedeutung der Wiederherstellung der Körperflüsse und der Nervenkommunikation hoch ein:
„Dr. Still entdeckte, dass eine Manipulation der Wirbelsäule und der davon abhängenden Gewebe bestimmte überraschende und besondere Reaktionen hervorruft. Dies war auffallend der Fall, wenn an der Wirbelsäule irgendeine sichtbare oder tastbare Unregelmäßigkeit, Dysfunktion bzw. Deflektion bestand.“ 52
Anders als frühere medizinische Philosophen, die schlicht Modelle entwickelten, um körperliche Funktionen zu verstehen, entdeckte Still einen grundlegenden Weg, um die Heilungskräfte zu befreien:
„In der Osteopathie ereignete sich nicht bloß Evolution, sondern eine Revolution. Jedes frühere Behandlungssystem war primär dazu entwickelt worden, um Wirkungen zu bekämpfen. Dr. Stills große Leistung besteht in der Bestimmung der Ursache – und aufgrund des Wissens um die Ursache – in der Anwendung einer wirksamen Behandlung.“53
Stills jahrelange Praxis des Knocheneinrenkens und spinaler Manipulationen verschaffte ihm eine allgemeine ‚Landkarte‘ davon, wie die Organe des Körpers mit den verschiedenen Teilen der Wirbelsäule durch das Nervensystem und zwischen Herz und dem System des Blutkreislaufs verbunden waren. Entsprechend benutzte Still das Konzept von Struktur und Funktion, um zu erklären, wie die Strukturen von Nerven, Blutkreis und Lymphe (z. B. durch Manipulation) von Einschränkungen befreit werden mussten, um ihnen und allen verbundenen Organen eine angemessene Funktion zu ermöglichen.
Ein osteopathischer Behandler definierte Osteopathie als Teil der Evolution:
„Das grundlegende Gesetz, das jede – physische, chemische, lebende, mentale und spirituelle – Existenz reguliert, ist die Evolution. Die Evolution ist durch konstante interne Anpassung des Organismus an seine Umgebung ausgezeichnet – an die physischen, chemischen, lebenden, mentalen und spirituellen Kräfte, die auf ihm, in ihm und durch ihn spielen.“ 54
Die evolutionären Aspekte der Osteopathie wurden Still durch die Werke von Charles Darwin, Alfred Russel Wallace und Herbert Spencer vermittelt. Diese Wissenschaftler erkannten den laufenden Selbstheilungsprozess, der als natürliche Selektion bzw. Neigung alles lebendigen Seins da ist. Andrew Still nahm auf das Konzept der natürlichen Selektion häufig mittels der Worte die Natur wählt aus Bezug.55 Dieselbe allgemeine Philosophie empfing Still von seinem Vater Abram, der Arzt und methodistischer Prediger war. Die Methodisten waren davon überzeugt, dass die Selbstvervollkommnung die Pflicht jedes Menschen sei. Daher war das Konzept der Selbstheilung bzw. der Vervollkommnung der Natur eine offensichtliche Überzeugung für ihn. Tatsächlich erkannte er das Hauptprinzip der Osteopathie, als ihm blitzartig deutlich wurde, dass die Natur in jedem Moment versucht, sich zu ihrem Besten hin zu entwickeln. Wie Still sagte, erschloss sich ihm diese Einsicht am 22. Juni 1874. Diese natürliche Reaktion ist gemeinhin als natürliche Selektion, als Sich-Vollenden bzw. Selbstheilung des menschlichen Körpers bekannt.
Andrew Still brachte mithin die großen Einsichten von Virchow, Pasteur, Darwin und Hippokrates zusammen, um die folgenden grundlegenden Prinzipien zu formulieren:
1. INTERAKTIVE EINHEIT. Die verschiedenen Teile des Körpers sind miteinander (wechselseitig) verbunden. Krankheit oder Fehlfunktion in einem Teil kann die Funktion anderer Teile beeinflussen.
2. DIE INTERDEPENDENZ VON STRUKTUR UND FUNKTION. Es bestehen Interdependenzen zwischen körperlichen Strukturen und Funktionen. Das Wiederherstellen natürlicher Strukturen befördert die Funktionen. Dazu können verschiedene Typen von Funktionen die wirkenden Strukturen des Körpers beeinflussen.
3. SELBSTHEILUNGSMECHANISMEN. Der Körper besitzt eine natürliche Prädisposition zur Selbstkorrektur oder -anpassung, um natürliche Strukturen und Funktionen wiederherzustellen.
4. HOLISTISCHE BEHANDLUNG. Alle genannten Grundprinzipien sollten beachtet werden, um umfassend in der Analyse und deswegen wirksam bei der Behandlung vorgehen zu können.
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