Читать книгу: «Tiroler Skitouren Handbuch»

1 Kaltenberg
2 Knödelkopf, Peischlkopf, Wirt
3 Vordere Rendlspitze
4 Sulzspitze
5 Bleispitze (Pleisspitze)
6 Namloser Wetterspitze
7 Galtjoch
8 Kleines Pfuitjöchle
9 Roter Stein
10 Muttekopf, Scharnitzsattel
11 Simmering, Grünberg
12 Grünstein-Umfahrung, Hinterer Tajakopf
13 Wankspitze
14 Leutascher Dreitorspitze
15 Pleisenspitze, Larchetkarspitze
16 Zäunlkopf
17 Schafreuter
18 Eppzirler Scharte
19 Großer Solstein
20 Hochglückscharte
21 Vorderunutz
22 Juifen, Hochplatte
23 Stuhljöchl
24 Sonnwendjoch
25 Vordere Jamspitze, Schnapfenspitze
26 Pezinerspitze
27 Hohe Köpfe
28 Furgler
29 Weißseespitze
30 Hochjoch, Lahnkopf, Frudiger
31 K2, Rostizkogel, Wurmtaler Kopf
32 Ötztaler Wildspitze, Hinterer Brochkogel
33 Linker Fernerkogel, Rechter Fernerkogel
34 Murmentenkarspitze
35 Eiskögele, Mittlerer Seelenkogel
36 Breiter Grieskogel
37 Hohe Wasserfalle, Hochreichkopf
38 Brand
39 Kuhscheibe, Windacher Daunkogel
40 Pirchkogel
41 Schöllekogel, Kraspesspitze, Weitkarspitze
42 Samerschlag, Gleirscher Fernerkogel
43 Lampsenspitze
44 Zischgeles
45 Schöntalspitze
46 Lüsenser Fernerkogel
47 Hoher Seeblaskogel, Westl. Seeblaskogel
48 Fotscher Windegg
49 Gallwieser Mittergrat
50 Archbrandkopf, Brechten
51 Jochkreuz
52 Nockspitze
Top Ten
Tirol hat – wie Sie in diesem Handbuch sehen – besonders attractive Skitouren zu bieten. Um Ihnen die Qual der Wahl zu erleichtern, haben wir hier für Sie unsere Top Ten zusammengestellt. Diese Auswahl ist naturgemäß subjektiv und abhängig von den Verhältnissen. Bei strahlendem Wetter im stäubenden Pulverschnee oder rauschendem Firn wird jede Skitour zum Erlebnis und umgekehrt im Bruchharsch und Nebel der schönste Skihang zur Plage.
Vordere Rendlspitze – eine Skitour am Arlberg mit Klettersteig. Klingt ganz schön extrem, ist aber für in diesem Metier geübte Bergsteiger relativ leicht machbar. Man steigt vom Lift und schon klinkt der Karabiner in das Drahtseil ein. Die Skier kommen auf den Rucksack, denn nach der Gipfelüberschreitung wartet eine tolle Abfahrt. Tour 3
Vorderunutz – ein unscheinbarer Berg in der hinteren Kette des Rofangebirges. Seine riesige Latschenflanke verlangt aber immer eine satte Schneelage und die ist in dem als "Schneeloch“ bekannten Steinbergtal meist reichlich gegeben. Nur die äußersten Pinsel der Zwergkiefern sollten aus der dicken Schneedecke hervorlugen. Der Tiefblick zum Achensee und der Guffert sind die landschaftlichen Höhepunkte. Tour 21

Sonnwendjoch – das Berggasthaus am Rosskopf oberhalb von Kramsach hält seinen Winterschlaf. Der Lift ist eingestellt, wodurch den Tourengehern traumhafte Skihänge im ehemaligen Pistengelände zurückgegeben wurden. Wichtig ist nur, dass die Schneedecke bis ins Inntal herunterreicht. Dann aber nichts wie hin. Tour 24
Murmentenkarspitze – hinter dem Skigebiet von Jerzens. Eine Skitour für höhere Ansprüche an Kondition und skifahrerisches Können, die uns auf einen der nördlichsten Ausläufer des Geigenkamms und damit in ein fast unberührtes Skitourengebiet bringt. Mit der Hochzeigerbahn lässt sich der Anstieg etwas verkürzen, dafür kann man sich 2000 Höhenmeter Abfahrt einhandeln. Tour 34
K2 – ein ehemaliger Geheimtipp, der es geschafft hat, zum großen Renner zu werden. Nur ein Vermessungspunkt in den Landkar ten, verdanken die Skitourengeher seine Entdeckung dem Bundesheer der Imster Kaserne. Idealtour schlechthin – der spaltenlose Mittlere Löcherferner hat Platz für ganze Kompanien. Tour 31
Nockspitze – das glattgebügelte "Leintuch“ ist wohl der idealste Skihang, den man sich vorstellen kann. Schade, dass das exzellente Skivergnügen so schnell vorbei ist, aber die Tour geht ja noch weiter. Auch die Abfahrt von der Schneiderspitze ins Lizumer Kar kann noch ganz toll sein. Tour 52
Fischers Napf – noch vor Kurzem der absolute Geheim- tipp im Schmirntal, gehört diese Tour schon zum Standard und ist auch fast immer angespurt. Nach etwas verzwicktem Beginn erreicht man lange und wunderschöne Pulverhänge. Tour 71
Maurerspitze – gar nicht so selten kommt es vor, dass die Schneelage südlich des Brenners besser ist als in Nordtirol. Vor allem das nahe Pflerschtal kann dann oft mit den idealen Verhältnissen aufwarten. Und es sind wahre Leckerbissen, die der trainierte Skitourengeher hier in den südlichen Stubaier Bergen vorfindet. Gehört die Maurerspitze zum Standardprogramm, so ist die Ellesspitze eher als elitär zu bezeichnen. Tour 80
Gabler – ein Prachtgipfel über dem Wildgerlostal, wenn die Verhältnisse passen. Lange Gehstrecke, viele Höhenmeter, eine richtige Monstertour für das fortgeschrittene Frühjahr. Immerhin brauchten wir für diese Tour drei Anläufe – dann aber hat es endlich geklappt. Die Schneegrenze sollte noch bis 1500 m Seehöhe herunterreichen. Tour 99

Lämpersberg – von den Kitzbüheler Bergen eine Skitour besonders hervorzuheben, grenzt fast schon an Landesverrat. Bei diesem Berg in der Wildschönau hat sich bei den Tourengehern die ostseitige und – auf die Lawinenverhältnisse bezogen – nicht ganz ungefährliche Steilabfahrt eingebürgert. Ganz toll, aber nur bei niedrigster Gefahrenstufe. Tour 106
Tiroler Skitouren — Übersicht
Vorwort
Basisablaufschema im Lawinennotfall
Übersichtskarte
Top Ten
1 Kaltenberg
2 Knödelkopf, Peischlkopf, Wirt
3 Vordere Rendlspitze
4 Sulzspitze
5 Bleispitze (Pleisspitze)
6 Namloser Wetterspitze
7 Galtjoch
8 Kleines Pfuitjöchle
9 Roter Stein
10 Muttekopf, Scharnitzsattel
11 Simmering, Grünberg
12 Grünstein-Umfahrung Hinterer Tajakopf
13 Wankspitze
14 Leutascher Dreitorspitze
15 Pleisenspitze, Larchetkarspitze
16 Zäunlkopf
17 Schafreuter
18 Eppzirler Scharte
19 Großer Solstein
20 Hochglückscharte
21 Vorderunutz
22 Juifen, Hochplatte
23 Stuhljöchl
24 Sonnwendjoch
25 Vordere Jamspitze, Schnapfenspitze
26 Pezinerspitze
27 Hohe Köpfe
28 Furgler
29 Weißseespitze
30 Hochjoch, Lahnkopf, Frudiger
31 K2, Rostizkogel, Wurmtaler Kopf
32 Ötztaler Wildspitze Hinterer Brochkogel
33 Linker Fernerkogel, Rechter Fernerkogel
34 Murmentenkarspitze
35 Eiskögele, Mittlerer Seelenkogel
36 Breiter Grieskogel
37 Hohe Wasserfalle, Hochreichkopf
38 Brand
39 Kuhscheibe, Windacher Daunkogel
40 Pirchkogel
41 Schöllekogel, Kraspesspitze, Weitkarspitze
42 Samerschlag, Gleirscher Fernerkogel
43 Lampsenspitze
44 Zischgeles
45 Schöntalspitze
46 Lüsenser Fernerkogel
47 Hoher Seeblaskogel, Westl. Seeblaskogel
48 Fotscher Windegg
49 Gallwieser Mittergrat
50 Archbrandkopf, Brechten
51 Jochkreuz
52 Nockspitze
53 Waldraster Jöchl
54 Serles
55 Seblasspitze
56 Wildes Hinterbergl
57 Wilder Freiger
58 Hinterer Daunkopf
59 Zuckerhütl
60 Nößlachjoch
61 Weiße Wand
62 Kesselspitze
63 Padasterkogel
64 Muttenkopf
65 Hoher Lorenzen, Allerleigrubenspitze
66 Morgenkogel
67 Seeblesspitze
68 Pfoner Kreuzjöchl, Naviser Kreuzjöchl
69 Kleiner Kaserer, Höllscharte
70 Hohe Warte, Naviser Kreuzjöchl
71 Fischers Napf
72 Leiten, Ottenspitze, Windbichl
73 Alpeiner Scharte
74 Sumpfschartl
75 Sattelberg
76 Kraxentrager
77 Wolfendorn
78 Flatschspitze
79 Amthorspitze
80 Maurerspitze, Ellesspitze
81 Glungezer
82 Largoz
83 Rosenjoch, Malgrübler
84 Eiskarspitze
85 Geier
86 Halslspitze, Hobarjoch
87 Proxenstand
88 Kellerjoch, Kreuzjoch (1)
89 Kellerjoch (2)
90 Gilfert (1)
91 Gilfert (2)
92 Kleiner Gilfert
93 Sonntagsköpfl
94 Rosskopf
95 Rastkogel
96 Torhelm, Brandberger Seespitze
97 Kirchspitze
98 Hoher Riffler
99 Gabler, Wildkarspitze
100 Loderstein, Wiedersberger Horn
101 Hochstand, Sagtaler Spitze
102 Großer Galtenberg
103 Schatzberg, Joel, Saupanzen
104 Sonnenjoch
105 Breiteggspitze, Wildkarspitze, Breiteggern
106 Lämpersberg
107 Kastenwendenkopf, Pallspitze
108 Sonnenjoch, Niederjochkogel
109 Stanglhöhe
110 Tristkopf, Schafsiedel
111 Steinberg
112 Brechhorn, Floch
113 Kuhkaser
114 Weißkopfkogel, Sonnspitze
115 Ellmauer Tor

Vorwort
Liebe
Skitourenfreunde!
Erfreulicherweise kommt das Tiroler Skitouren Handbuch gut 20 Jahre nach seinem ersten Erscheinen noch immer so gut an, dass eine weitere Auflage notwendig wurde. Ganz einfach unverändert nachdrucken wollten wir es aber nicht, denn mit den Wintern, die ins Land gezogen sind, haben sich auch wesentliche Neuerungen ergeben, die berücksichtigt sein wollen.
2008 mussten wir uns von unserem langjährigen Freund und Bergkameraden Franz Hüttl Abschied nehmen. Ich denke oft an die gemeinsame Zeit zurück, deren Erlebnisse in diesem und anderen Büchern gebündelt sind. Aus gesundheitlichen Gründen war es mir leider nicht möglich, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen und die Tiroler Berge auszukundschaften.
Deshalb sind eine Wintersaison lang schneehungrige junge Skitourenprofis (Dank an Matthias Holzer, Andrea Mayer, Moritz Oberrauch, Lukas Riedlsperger und Leonhard Schweiger) losgezogen, um die Routen in diesem Handbuch zu erkunden, die Franz Hüttl und ich vor Jahren gesammelt haben. Der Fokus lag dabei darauf, altbekannte Skitouren zu überprüfen. Die Berge sind dieselben geblieben, aber gerade in Bezug auf Parkplätze und Seilbahnunterstützungen gibt es doch einige Änderungen. Angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten fällt die Tourenwahl manches Mal schwer! Die passenden Verhältnisse immer im Blick und allen Widrigkeiten zum Trotz wurden am Ende die wichtigsten und schönsten Routen in allen Tourengebieten Tirols – vom Arlberg bis zum Pass Thurn und ein klein wenig über die Landesgrenzen hinaus – auf den aktuellen Stand gebracht.
Die Tiroler Bergwelt unterteilt sich in 17 Berggruppen und nicht alle sind gleichermaßen prädestiniert als Skitourengebiete. Darum werden sich die Tourengeher im Hochwinter häufig in den Tuxer und den Kitzbüheler Bergen treffen, die mit ihrer sanfteren Struktur das ideale Gelände bieten. Die Hochtouren führen uns in die Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen sowie in die Silvrettaberge. Große weiße Flecken in unserer Skitourenlandkarte gibt es naturgemäß in den Lechtaler Alpen, im Karwendel und Wetterstein, wo sich aber – bei günstigen Verhältnissen – überraschend schöne Skitouren finden. Besonderes Augenmerk haben wir darauf gelegt, Touren für die Saison zu beschreiben. Schwerpunkt sind altbekannte und immer wieder gerne begangene Skianstiege. Daneben stellen wir auch eine Reihe fordernder Anstiege für ausdauernde Skialpinisten vor, für die alle Voraussetzungen genau passen müssen. Beherzigen Sie bitte immer die Anmerkungen zu den Lawinenverhältnissen und stimmen Sie Ihre Planung mit dem aktuellen Lagebericht (www.lawine.at) ab!
War das Skitourengehen früher eher eine elitäre Sache, so ist es mittlerweile zu einem wahren Breitensport geworden. Vieles ist dadurch einfacher geworden: An den Ausgangspunkten der beliebten und viel begangenen Standardtouren kann man oft mit eigenen Parkplätzen für Tourengeher und praktischen Aufstiegsrouten direkt vom Parkplatz aus rechnen. Dass sie meist mit Geldschluckautomaten versehen sind, muss man einsehen oder wenigstens zähneknirschend in Kauf nehmen. Auch die vielfach kritisierten Forstwege lernen Skitourengeher zu schätzen, erleichtern sie doch die Überwindung der engen Waldpassagen und verschonen Jungwald und Aufforstungsgebiete.
Völlig Unbekanntes dürfen Sie sich nicht erwarten, aber viele Varianten und Alternativen, mit denen sich das Standardprogramm erweitern lässt. Ab und zu taucht auch eine Skitour auf, die früher ein streng gehüteter Geheimtipp war, heute aber vermehrt besucht wird. Mit der Tatsache, dass man nicht mehr alleine unterwegs ist, muss man sich abfinden. Wer eine einsame Skispur durch die frisch verschneiten Hänge ziehen will, muss schon früh aufstehen. Aber sehen Sie es positiv: Man trifft viele Gleichgesinnte, man marschiert in einer festen Spur und rasch ausgefahrene Naturpisten erleichtern die Abfahrten auch bei schlechten Schneeverhältnissen.
Bis in den Sommer verlängern kann man die Skitourensaison in den hohen Regionen der Gletscherskigebiete, wo sich abseits des Pistenbetriebs noch einige besonders schöne Skianstiege finden. Durch die Lifterschließung sind die Top-of-Tyrol-Berge wie Wildspitze, Zuckerhütl, Weißseespitze und manch andere Gletschergipfel ohne großen Aufwand mit kurzem Aufstieg und einer Riesenabfahrt möglich.
Immer noch allgegenwärtig bleibt die Lawinengefahr – trotz aller technischen Errungenschaften eine permanente Bedrohung abseits der Piste. Gute Ausrüstung kann zwar das Risiko vermindern, soll aber beileibe nicht als Lebensversicherung betrachtet werden. Die vielen Verunglückten, alle Jahre wieder, sollen uns eine Warnung sein. Lesen Sie daher bitte aufmerksam die Hinweise der Lawinenexperten Harry Riedl und Walter Würtl – und beherzigen Sie ihre Ratschläge!
Viel Freude auf allen Skitouren wünscht Kurt Pokos

Expertentipps von Harald Riedl und Walter Würtl
Basisablaufschema im Lawinennotfall
Allgemeines
Jeder, der sich beruflich oder privat in den winterlichen Bergen bewegt, muss sich die Frage stellen, was im Falle eines Lawinenunfalles zu tun ist. Nach Auswertungen des Kuratoriums für Alpine Sicherheit und der Alpinpolizei müssen sich jede Wintersaison rund 200 Personen konkret dieser Situation stellen, da sie in Lawinenunfälle verwickelt sind. Wahrscheinlich ist die Zahl sogar noch höher, da es eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer gibt.
Charakteristisch für eine Notsituation ist, dass man mehr oder weniger unvorbereitet und plötzlich mit einer außerordentlichen Lage konfrontiert ist und dabei zumeist nur über beschränkte Ressourcen (Rettungsmittel) verfügt. Um trotzdem handlungsfähig zu bleiben, empfiehlt es sich, nach einem bestimmten Schema vorzugehen, mit dem man sich idealerweise schon vorher vertraut gemacht hat.
Checklisten oder individuelle Vorgehensweise?
Checklisten oder Notfallalgorithmen für den Lawinenunfall haben den Vorteil, dass selbst Ersthelfer ohne viel Erfahrung zu guten Ergebnissen in der Lawinenrettung kommen und auch in komplexen Situationen handlungsfähig bleiben. Standardmäßig werden alle wichtigen Punkte erfasst – eine Grundlage für effiziente und gleichzeitig sichere Einsätze. Der Nachteil von festgelegten Checklisten ist, dass der Spielraum für situativ angepasste (variable) Lösungen wesentlich kleiner ist.
Profis mit viel Erfahrung und großem Know-how können dieses natürlich jederzeit einsetzen und von den Vorgaben der Checklisten abweichen. Die Praxis bei Lawineneinsätzen zeigt jedoch, dass es nur sehr wenige Personen gibt, die tatsächlich über so etwas wie „Routine“ bei Lawineneinsätzen verfügen. Wenn man als Bergführer, der nicht auch hauptberuflich als Bergretter tätig ist, schon wirklich viel Erfahrung mit Lawinenunfällen gesammelt hat, sollte man sich das eigene Risikomanagement überhaupt noch einmal überlegen.
Ablaufschema
1) Ruhe bewahren!
Noch bevor man mit der Rettung beginnt, ist es wichtig, einmal tief durchzuatmen und möglichst Ruhe zu bewahren. Auch wenn es schwierig ist, gilt es, möglichst „cool“ zu bleiben und keine Hektik aufkommen zu lassen. Nur wer nicht in Panik gerät, kann auch effizient helfen! Leute, die den richtigen Ablauf im Lawinennotfall schon oft geübt haben, zeigen auch im Ernstfall eine bessere Performance.
2) Überblick verschaffen!
Zuallererst gilt es, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Gibt es weitere Gefahren, beispielsweise Absturzgefahr, ist überlegtes Handeln wichtig, damit die Situation sich nicht noch durch einen weiteren Zwischenfall verschärft. Außerdem gilt hier die Grundregel: Die Sicherheit des Retters steht an oberster Stelle!
Hat man den Lawinenabgang beobachtet, ist es wichtig, den Verschwindepunkt (Punkt, an dem der Verschüttete zuletzt an der Oberfläche gesehen wurde) festzuhalten. Dieser Punkt bestimmt nämlich in weiterer Folge den primären Suchraum, also den Bereich, in dem man die Verschüttetensuche beginnt – es ist jener Bereich, in dem der Verschüttete wahrscheinlich liegt: Er befindet sich unterhalb des Verschwindepunktes in Fließrichtung der Lawine.
Der primäre Suchraum umfasst häufig auch Staubereiche bei Steinen, Bäumen oder Geländestufen. Nachdem er abgesucht wurde, geht man zu den Rändern der Lawine über.
Weiters sind noch die Fragen nach der Anzahl der Verschütteten und der verwendeten Notfallausrüstung zu beantworten. Beide Punkte haben nämlich eine wichtige Auswirkung auf die weitere Vorgehensweise.
3) Notruf
Der richtige Zeitpunkt, um den Notruf abzusetzen, hängt in erster Linie von den Umständen ab. Sofort nachdem man sich einen Überblick verschafft hat, setzt man einen kurzen Notruf ab – wenn eine der folgenden Situationen gegeben ist:
Professionelle Rettung ist rasch zu erwarten (Handyempfang, Flugwetter, Pistennähe, …).
Es sind genügend Retter vor Ort, sodass jemand den Notruf übernehmen kann, ohne dass in der Verschüttetensuche eine Zeitverzögerung entsteht.
Die rasche Kameradenrettung hat wenig Erfolgschancen, da der Verschüttete oder die „Retter“ keine Notfallausrüstung mitführen bzw. nicht wissen, wie man damit umgeht.
Ist man als Retter alleine oder sind professionelle Rettungskräfte aufgrund von fehlendem Handyempfang oder schlechten Witterungsbedingungen innerhalb eines kurzen Zeitraumes nicht zu erwarten, beginnt man gleich mit der Verschüttetensuche und setzt den Notruf später – nach erfolgter Erster Hilfe – ab.
Hat man Handyempfang, wählt man den Alpinnotruf 140. Hat man mit dem eigenen Netz keinen, jedoch Zugriff auf das Mobilfunknetz eines anderen Netzbetreibers, wählt man die Nummer 112. Über diesen Euronotruf kommt man in die nächstgelegene Polizei-Leitstelle, von der aus der Einsatz dann koordiniert wird.
Für Bergführer ist es jedenfalls überlegenswert, sich ein alternatives System zur Alarmierung (z.B. Satelliten-Handy) anzuschaffen.
Rasch gilt es die folgenden Fragen zu beantworten:
Wo ist es passiert?
Was ist passiert?
Wie viele Personen sind betroffen?
Wie sind die Wetter- und Sichtbedingungen?
Stets ist dabei den Anweisungen der Leitstelle zu folgen, ihre Fragen sind zu beantworten. Nachdem die Leitstelle das Gespräch beendet hat, sollte man erreichbar bleiben (Mobiltelefon eingeschaltet lassen).
Bei der Ortsangabe ist es hilfreich, wenn man die Koordinaten des Unfallorts kennt. Diese können entweder der Karte entnommen (braucht Zeit) oder vom GPS-Gerät bzw. einem Smartphone mit GPS-Funktion abgelesen werden. Sogenannte Notruf-Apps können in diesem Zusammenhang wertvolle Hilfestellung geben, wenngleich man mit einer klassischen Ortsangabe („Wir sind ca. 100 Hm oberhalb der XY-Alm“) immer noch am schnellsten ist.
Auch wenn ein kurzer Notruf abgesetzt wurde, empfiehlt es sich, nach Freilegen der Atemwege des Verschütteten bzw. nach erfolgter Erster Hilfe nochmals anzurufen, um sich zu vergewissern, dass ein Einsatz bereits angelaufen ist und es keine Missverständnisse gegeben hat.
Hat man keinen Empfang und ist die Verschüttetensuche erfolglos, muss man notfalls den Unfallort verlassen, um Hilfe zu holen bzw. um einen Notruf abzusetzen.
4) Signalsuche
Die Verschüttetensuche beginnt mit der Signalsuche. In dieser ersten Suchphase wird mit Auge, Ohr und LVSGerät der primäre Suchraum am Lawinenkegel abgesucht. Bin ich als Retter alleine, muss die Oberflächensuche (mit Auge und Ohr) gleichzeitig mit der LVS-Suche erfolgen.
Damit dies überhaupt gelingen kann, hält man das LVS-Gerät mit dem Lautsprecher seitlich ans Ohr. So kann man ein mögliches „Erstsignal“ – das immer akustisch kommt – nicht überhören und die Augen gleichzeitig auf die Oberfläche richten, um eventuell Gegenstände zu entdecken. Außerdem muss man natürlich schauen, wo man hinläuft.
Um die Empfangsreichweite des eigenen LVS-Geräts noch zu erhöhen, empfiehlt der Schweizer Rettungsexperte Manuel Genswein, das LVS-Gerät während der Signalsuche dreidimensional neben dem Ohr zu drehen.
Die Suchstreifenbreite ist geräteabhängig und beträgt zwischen 20 und 50 m. Die Suchrichtung wird von der Position des Retters bestimmt und kann sowohl von unten nach oben, als auch von oben nach unten gehen. Ist man zu Fuß unterwegs (bei harten Ablagerungen, im schwierigen Gelände oder bei großen Blöcken) geht man in rechtwinkeligen Suchstreifen vor. Kommt man mit Skiern von oben, macht man Schrägfahrten.

Signalsuche
Die Suchgeschwindigkeit sollte in der Phase der Signalsuche so hoch als möglich sein. Insbesondere deshalb muss man sich immer überlegen, wie man sich schnell auf der Lawine bewegen kann. Fundgegenstände werden dabei an Ort und Stelle belassen und deutlich sichtbar aufgestellt. In unmittelbarer Nähe von Fundgegenständen ist die Chance, die verschüttete Person zu finden, besonders groß. Eine besonders aufmerksame Suche in diesem Bereich ist deshalb wichtig.
Stehen mehrere Retter zur Verfügung, teilt man sich die Suche auf. Damit es eine effiziente Signalsuche geben kann, sollten bei kleineren Lawinen nur so viele Retter mit dem LVS-Gerät suchen, wie Verschüttete angenommen werden. Alle anderen Retter schalten ihr LVS-Gerät „aus“!
Bei großen Lawinenkegeln und mehreren Rettern geht man in 20 m-Suchstreifen auf Signalsuche. Zur Organisation mehrerer Retter ist es wichtig, dass einer das Kommando übernimmt.
Die Signalsuche geht bis zum Auffinden des Opfers (wenn es an oder nahe der Oberfläche liegt) bzw. bis zum Erstempfang am LVS-Gerät. Achtung: Häufig wird die Oberflächensuche zu schlampig durchgeführt, weil man sich zu sehr auf das LVS-Gerät konzentriert.
Hat man am eigenen LVS-Gerät ein Erstsignal, so ist dies deutlich mittels Ruf „Signal!“ an die anderen Retter zu kommunizieren.
5) Grobsuche
Als Grobsuche bezeichnet man die Suche vom Erstsignal bis in den Nahbereich (ca. 3 m) des Verschütteten. Dabei folgt man mittels LVS-Gerät den Feldlinien – zuerst sehr rasch, je näher man kommt, immer im Sinne des „airport approach“. Diese von Manuel Genswein entwickelte Vorgehensweise ist mit dem Landeanflug vergleichbar: In weiter Entfernung bewegt sich ein Flugzeug sehr schnell zum ungefähren Zielpunkt; ist es dann in unmittelbarer Nähe, wird es langsamer, um schließlich punktgenau am Boden zu landen.
Auf die Lawinensituation umgesetzt bedeutet das: Ich folge der Anzeige meines LVS-Geräts im Laufschritt bis ca. 10 m Entfernungsanzeige, danach verlangsame ich meine Geschwindigkeit etwas, um den Pfeilen genau folgen zu können und dem Gerät genügend Zeit zu geben, die Signale zu verarbeiten. Spätestens bei der Anzeige von 3 m gehe ich mit meinem LVS-Gerät direkt auf den Boden bzw. die Schneeoberfläche.

Grobsuche
Bei der Grobsuche nimmt die Geschwindigkeit also mit der Annäherung ab – dafür steigt die Suchgenauigkeit.
Damit auch alle anderen Retter und insbesondere der „Einsatzleiter“ Bescheid wissen, werden die Annäherungsmarken „10 Meter!“ und „3 Meter!“ laut und deutlich kommuniziert.
6) Feinsuche
Spätestens ab ca. 3 m Entfernungsanzeige beginnt man mit der Feinsuche. Da man mit den modernen 3-Antennen-LVS-Geräten eine relativ genaue Positionsbestimmung durchführen kann, reicht es, wenn man den Punkt der geringsten Entfernung zum Verschütteten durch einmaliges „Einkreuzen“ ermittelt. Dabei wird das LVS-Gerät nicht mehr gedreht, sondern langsam und präzise über die Schneeoberfläche geführt.
Die Feinsuche wird abgeschlossen, indem der Punkt mit der geringsten Entfernung am LVS-Display durch Einstechen der Schaufel markiert wird.

Feinsuche
Bei nur einem Verschütteten wird das eigene LVSGerät sofort auf „Senden“ zurückgeschaltet und rasch in einer verschließbaren Tasche am Körper versorgt. Gibt es mehrere Verschüttete, wird das LVS-Gerät ausgeschaltet bzw. je nach Gerät auf „Rettungsmodus“ geschaltet.
Bei der Feinsuche sollte man insgesamt behutsam vorgehen, da man direkt über dem Verschütteten steht und eine möglicherweise vorhandene Atemhöhle nicht zerstören möchte.
7) Punktortung
Die letzte Phase der Verschüttetensuche stellt die Punktortung mittels Sonde dar. Begonnen wird bei der Schaufel, die den Punkt der geringsten Entfernung bzw. der höchsten Signalstärke markiert. Führt der erste Sondenstich nicht zum Erfolg, wird spiralförmig oder kreisförmig weitersondiert (Abstand der Sondierpunkte ca. 25 cm).
Durch eine systematische Sondierung lässt sich relativ rasch ein größerer Bereich absuchen. Spiralförmiges oder kreisförmiges Sondieren hat den Vorteil, dass man kleine Wege macht und auch nach „hinten“ arbeitet. Hat man einen „Treffer“, bleibt die Sonde als Orientierung für das Ausschaufeln stecken.

Punktortung
Die Sonde hat insgesamt gesehen den Vorteil, dass sie den Sucherfolg bestätigt, man dadurch neue Motivation schöpft und Informationen über die Verschüttungstiefe bekommt. Der „Sondentreffer“ wird jedenfalls wieder lautstark kommuniziert. Entwickelt wurde diese Form der Punktortung ebenfalls von Manuel Genswein.
Exkurs: Verschüttetensuche bei Personen ohne LVS-Gerät
Leider kommt es (immer noch) sehr häufig vor, dass Personen ohne LVS-Gerät von Lawinen verschüttet werden. Während man diese Situation in der organisierten Rettung mit Lawinenhunden, anderen technischen Hilfsmitteln (z.B. RECCO) oder großen Sondiermannschaften meistern kann, steht bei der Kameradenrettung nur eine sorgfältige Oberflächensuche und eine selektive Sondierung der primären Verschüttungsräume zur Verfügung.
Damit man bei der Sondierung innerhalb kurzer Zeit eine möglichst große Fläche absuchen kann, muss man eine Methode wählen, bei der Flächensuchgeschwindigkeit und Trefferwahrscheinlichkeit optimal sind. Das „offene Sondieren“ ist eine von Tim Auger und Bruce Jamieson entwickelte und überprüfte Methode, mit der man bei gleicher Trefferquote rund 30 % schneller sondieren kann als mit der herkömmlichen Suchmethode.
Vorgangsweise
Primären Suchbereich möglichst genau festlegen.
Mit ausgestreckten Armen nebeneinander aufstellen – der richtige Abstand ist dann erreicht, wenn sich die Fingerspitzen berühren.
Jeder Retter sondiert einmal in der Mitte, einmal 50 cm links und einmal 50 cm rechts. Die Sondiertiefe beträgt im ersten Durchgang max. 2 m.
Danach macht man einen Schritt (70 cm) nach vorne und wiederholt den Vorgang.
Häufig stellt sich beim Sondieren die Frage, wie man einen Verschütteten erkennt. Dies ist insofern kein Problem, da die Sondendetektion in den allermeisten Fällen über die Eindringtiefe der Sonde erfolgt. Kann ich meine Sonde immer 2 m tief einstechen und gelingt dies plötzlich nicht mehr, habe ich wahrscheinlich einen Treffer gelandet. Fingerspitzengefühl ist zwar gefragt, aber da man ohnedies Handschuhe an hat, darf man hier nicht zu viel erwarten.
8) Ausschaufeln
Gerade in den letzten Jahren wurde der Stellenwert des systematischen Schaufels deutlich, da die mögliche Zeitersparnis in diesem Bereich beträchtlich ist.
Ist man als Retter alleine, beginnt man unterhalb der Sonde mit dem Ausgraben. Die Entfernung zur Sonde entspricht dabei der Verschüttungstiefe. Wichtig ist, dass man keinen „Brunnenschacht“ gräbt, sondern den Schnee großflächig wegschaufelt.
Als derzeit wohl beste Schaufelstrategie in der Gruppe kann das V-förmige Schneeförderband von Manuel Genswein bezeichnet werden. Dazu stellen sich die Retter V-förmig unterhalb der Sonde auf – bei flachen Ablagerungen macht man ein breites V (doppelte Verschüttungstiefe), bei steilen Ablagerungen ein schmales V (einfache Verschüttungstiefe). Der Abstand der Retter zueinander beträgt ca. 80 cm, wobei man sich wechselseitig positioniert. Das Kommando übernimmt der Retter an der Spitze. Da der Retter an der Spitze die höchste Belastung hat, sollte spätestens nach 4 Min. im Uhrzeigersinn rotiert werden. Nur dadurch kann auch über einen längeren Zeitraum die Grableistung aufrecht erhalten werden. Sobald man den Körper erreicht, müssen schnellstmöglich die Atemwege freigelegt werden, um das Überleben des Verschütteten zu gewährleisten. Tatsächlich ist nämlich Ersticken die Haupttodesursache bei Ganzverschütteten in Lawinen. Bereits beim Ausschaufeln sollte man darauf achten, ob der Verschüttete freie Atemwege hat – dies ist eine wichtige Information für die weitere Behandlung durch den Notarzt.

Ausschaufeln
Der Retter an der Spitze verwendet zum Freilegen der Atemwege nur noch seine Hände, um das Opfer vor weiteren Verletzungen zu bewahren. Die restlichen Retter rücken auf und graben den Verschütteten weiter aus. So kann während des Ausgrabens mit den lebensrettenden Sofortmaßnahmen begonnen werden.
Da das V-förmige Schneeförderband erst ab einer Gruppe von 5 Personen wirklich gut funktioniert, kann man in kleineren Gruppen auch ein umgekehrtes V machen. Diese von Bruce Edgerly (BCA) entwickelte und publizierte Technik ist jedenfalls eine gute Alternative.
9) Erste Hilfe
Hat man den Körper freigeschaufelt und sind noch weitere Personen verschüttet, ist das LVS-Gerät des Opfers auszuschalten, um die weitere LVS-Suche nicht zu stören. Ist der Verunfallte freigeschaufelt, sind weitere lebensrettende Sofortmaßnahmen zu ergreifen. Je nach dem, welches Verletzungsmuster vorliegt, gilt es, die geeigneten Maßnahmen zu treffen – von der Herz-Lungen-Wiederbelebung bis zur Wundversorgung.
Bei längeren Verschüttungszeiten (> 35 Min.) kommt auch dem Aspekt einer allgemeinen Unterkühlung ein wichtiger Stellenwert zu. Kälteschutz bzw. Schutz vor weiterer Auskühlung ist auf jeden Fall angebracht, da bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaften unter Umständen noch einige Zeit vergehen kann. Aufgrund der besonderen Situation bei einem Lawinenunfall sollte man sich als Skitourengeher unbedingt eingehend mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen auseinandersetzen.
Die wichtigsten Punkte bei der Lawinenrettung sind:
Ausgraben und Kopf freilegen Atemwege sofort mit den Händen vom Schnee befreien. Ist eine Atemhöhle vorhanden?
Bewusstseinskontrolle Erfolgt auf „Anrufen“ keine Reaktion, wird durch Berührung (leichtes Zwicken) ein Weckreiz gesetzt. Reagiert der Verschüttete adäquat und ist er bei Bewusstsein, wird er weiter ausgegraben und bestmöglich versorgt (Kälteschutz, Schockbekämpfung, …). Reagiert er nicht, ist kein Bewusstsein vorhanden – es folgt die Atemkontrolle.
Atemkontrolle Die Mundhöhle wird inspiziert und bei Verlegung (z.B. durch Schnee) gesäubert. Dazu wird der Kopf vorsichtig zur Seite gedreht. Erst danach wird er überstreckt und mit Wange und Ohr die Atmung kontrolliert. Die Hand legt man dabei auf den Brustkorb, um zu fühlen, ob sich dieser hebt und senkt. Falls normale Atmung feststellbar ist: Vorsichtig weiter ausgraben, stabile Seitenlage herstellen, vor Kälte schützen und überwachen.
Sofortige Beatmung Falls keine normale Atmung feststellbar ist, sofort (noch vor dem vollständigen Ausgraben) mit der Beatmung beginnen. Dazu bleibt der Kopf in überstreckter Position und man führt in der eigenen Atemfrequenz eine Mund-zu-Mund-Beatmung durch (Beatmungsvolumen ca. 500–600 ml). Dabei beobachtet man die Hebung und Senkung des Brustkorbes als Zeichen der effizienten Atemspende.
Herz-Lungen-Wiederbelebung 30:2 Sobald es die Situation zulässt und der Verschüttete auf einer harten, festen Unterlage liegt, wird mit der kombinierten Herz-Lungen-Wiederbelebung im Verhältnis 30:2 begonnen. Der Druckpunkt liegt dabei in der Mitte des Brustkorbes, die Drucktiefe beträgt ca. 4–5 cm und die Frequenz mindestens 100/Min. Nach 30 Herzmassagen wird zwei Mal beatmet. Die Wiederbelebung wird so lange durchgeführt, bis der Betroffene wieder normal atmet oder die Rettungsmannschaften eintreffen.
Abtransport Der Abtransport des Verschütteten sollte idealerweise durch die Bergrettung bzw. durch professionelle Rettungskräfte erfolgen, da hier sehr schonend vorgegangen werden muss. Das behelfsmäßige Abtransportieren mittels Biwakschleife ist ein Notbehelf, der nur in absoluten Ausnahmesituationen gerechtfertigt ist.
Bei vielen Rettungseinsätzen im Gebirge kommt der Hubschrauber zum Einsatz. Der Landeplatz sollte einigermaßen eben, hindernisfrei und mindestens 5 × 5 Meter groß sein. Die Entscheidung, ob gelandet wird, bleibt immer dem Piloten vorbehalten. Bei Tiefschnee ist der Landeplatz nach Möglichkeit mit Skiern festzutreten.
Der Einweiser steht mit dem Rücken zum Wind am Ende des Landeplatzes. Bei der Landung muss der Einweiser unbedingt an seinem Platz bleiben. Er ist bei aufgewirbeltem Schnee die einzige Orientierungshilfe für den Piloten.
Achtung: Der unmittelbare Bereich um den Hubschrauber ist eine Gefahrenzone. Lose Gegenstände (z.B. Biwaksack, Bekleidung etc.) müssen weggeräumt werden. Eine Annäherung zum Hubschrauber erfolgt nur auf Zeichen der Besatzung.
Zusammenfassung
Rechtzeitig üben! Damit man im Ernstfall nicht überfordert ist, sollte man das Notfallmanagement beim Lawinenunfall regelmäßig üben. Diese Übung darf sich natürlich nicht nur auf die LVS-Suche beschränken – alle Punkte müssen angesprochen und durchgearbeitet werden. Prinzipiell gilt aber immer noch, dass Vorbeugung und Prävention von Lawinen an erster Stelle stehen und man alles daransetzen muss, durch angepasstes Verhalten nie in die Situation einer Lawinenverschüttung zu geraten. Um keine aufwändigen und gefährlichen Fehleinsätze der Bergrettung zu verursachen, sollten alle Lawinenauslösungen gemeldet werden. Dies hat auch den Vorteil, dass sie statistisch erfasst werden können und somit Grundlagen für die Unfallprävention darstellen.

| 1 | Kaltenberg 2896 m |

Erst am Krachelgrat präsentiert der Kaltenberg seinen ausnehmend schönen Gipfelhang.
Verwallgruppe
Ein Skiberg der Extraklasse ist der Kaltenberg in der Verwallgruppe am Arlberg. Der Gipfel liegt genau an der Tiroler Landesgrenze, der Anstieg erfolgt jedoch zur Gänze auf der Vorarlberger Seite.
Ausgangspunkt: Stuben am Arlberg, Talstation Albonabahn.
Höhenmeter, Zeit: Albonagrat (2391 m) – Maroikopf (2522 m) 30 Min., 150 Hm. – Abfahrt Krachelkar (bis ca. 2200 m) – Krachelgrat (2586 m) 1:30 Stunden – Kaltenberg (2896 m) 1 Stunde. Gegenanstieg Krachel (130 Hm., 20 Min.).
Insgesamt 3:30 bis 4 Stunden, Aufstieg 1120 Hm., Abfahrt 2200 Hm.
Lawinensituation: Sicherste Verhältnisse erforderlich.
Landkarte: Kompass-Karte Silvretta/Verwall, mit Skirouten, Bl. 41, 1:50.000.
So locker wie manch anderer Skiberg geht der Kaltenberg nicht her, doch die grandiose Abfahrt entschädigt reichlich für den etwas umständlichen Aufstieg. Eine Tour für den Spätwinter, vor allem solange man die Lifthilfe der Albonabahn in Anspruch nehmen kann. Diese verkehrt üblicherweise bis Anfang Mai. Man startet dann schon hoch oben am Albonagrat, hat aber schon zwei Abfahrten und zweimaliges Auffellen in den Beinen, bis man den Gipfel überhaupt zu Gesicht bekommt. Auch am Rückweg stellt sich noch ein Gegenanstieg in den Weg, bis man endlich vom Krachelgrat aus die ungehinderte Talfahrt nach Langen antreten kann. Das bedeutet, dass man im Handling fix sein sollte und nicht zuviel Zeit verlieren darf. Auch muss man sich überlegen, welche der beiden möglichen Anstiegsvarianten man wählt. Die Meinungen gehen auseinander: die einen bevorzugen den hier beschriebenen Nordanstieg (mit der Abfahrt ins Krachelkar), die anderen fahren lieber von der Maroischarte nach Süden bis auf Höhe der Kaltenbergalpe ab, haben 200 Höhenmeter mehr Aufstieg, sparen sich dafür aber die Abfahrt vom Krachel in die Gipfelmulde. Vom Gegenanstieg bei der Abfahrt bleibt aber keiner verschont.

Ausgangspunkt: Anfahrt von St. Anton entweder über den Arlbergpass oder durch den Tunnel nach Stuben. Die Albonabahn (verkehrt üblicherweise bis Anfang Mai, 15 Euro) befördert auch Tourengeher. Auffahrt mit zwei Sektionen zum Albonagrat (2391 m).
Aufstieg: Die dritte Sektion mit dem südseitigen Lift bringt gar nichts, besser startet man gleich am Unteren Maroijoch, quert Richtung Westen hinüber zum Maroikopf, dessen Gipfelhang man in einer festgetretenen Spur mit geschulterten Skiern besteigt.
Abfahrt nach Westen in die Maroischarte, wo man sich nun entscheiden muss. Nach Norden rattert man über die harschigen Hänge bis in den obersten Boden im Krachelkar auf einer Höhe von 2200 m. Dort fellt man auf und findet meist eine gut angelegte Aufstiegsspur, die im äußerst rechten Teil des Kares über mehrere Gratschultern auf die Grathöhe unmittelbar neben der Krachelspitze leitet. Der Kaltenberg mit seinem makellosen Gipfelhang bietet einen grandiosen Anblick. Zuvor fährt man aber in die Seemulde ab und steigt eher im linken Teil des riesigen 400-m-Hanges bis knapp unter den Gipfel. Die letzten Schritte zum Kreuz haben es noch in sich und sind mit Hilfe eines Fixseiles zu bewältigen.
Abfahrt nach Langen: Zuerst im Gipfelhang bis in das flache Becken, von dem der Gegenanstieg aufs Krachel führt. Auffellen und Aufstieg in der steilen Sonnenflanke (130 Hm., 20–30 Min.) zur Grathöhe neben der Krachelspitze. Dann Abfahrt über eine Reihe von prächtigen Steilhängen in gerader Linie nach Norden. Man hält sich am besten – im Sinne der Abfahrt – eher in den linksseitigen Hängen auf. Weiter unten wartet noch eine steile Bachschlucht, nach der flache Almböden bis zur Unteren Bludenzer Alpe führen. Üblicherweise fährt man am Forstweg, nun rechts des Baches, hinunter nach Langen. Ist die Schneegrenze schon bis hier heraufgerückt, heißt es die Skier gut 30 Minuten tragen. Man kommt genau beim Westportal des Bahntunnels an und muss dann nur noch schauen, wie man die 2 km nach Stuben hinaufkommt (per Bus oder Autostopp).
| 2 | Knödelkopf 2400 mPeischlkopf 2412 mWirt 2339 m |

Beeindruckend bei dieser Höhenwanderung ist das Panorama, das vom mächtigen Patteriol dominiert wird.
Verwallgruppe
Beuschel mit Knödel, Herr Wirt! Als „Wirtstour“ bekannt ist die Überschreitung dieser drei kleinen Gipfel über dem Arlbergpass. Feine Schnuppertour ohne jeden Lift mit rauschender Abfahrt nach St. Christoph.
Ausgangspunkt: St. Christoph, Parkplatz bei der Findelkind-Galerie (1760 m), alternativ Arlbergpass (1793 m), Passhöhe.
Höhenmeter, Zeit: Knödelkopf (2400 m) ca. 2 Stunden, Übergang zum Peischlkopf (2412 m) 20 Minuten, Übergang zum Wirt (2339 m) 20 Minuten. Insgesamt 700 Hm.
Lawinensituation: Sichere Lawinensituation erforderlich.
Landkarte: Kompass-Wanderkarte mit Skirouten Silvretta/Verwallgruppe, Nr. 41, 1:50.000, AV-Karte 3/2 Lechtaler Alpen, Arlberggebiet 1:25.000.

Die Skilehrer am Arlberg, die ihre Gäste abseits der Pisten ins Tiefschneegelände führen, machen sich erst gar nicht die Mühe, lange zu Fuß aufzusteigen. Sie fahren mit den Liften von Stuben auf die Albona und beginnen dort diese Skitour, zu der sie nicht einmal Steigfelle benötigen, weil sie die kurzen Gegenanstiege mit geschulterten Skiern in der Spur stapfen. Nach Überschreitung der drei kleinen Berge in der nördlichen Verwallgruppe winkt eine schöne Abfahrt nach St. Christoph. Der richtige Tourengeher braucht aber keine Lifte. Er startet in St. Christoph, direkt auf der Passhöhe, und steigt zuerst auf den Knödelkopf, womit der Großteil des Aufstiegs bereits geschafft ist. Dann geht man hinüber zum nahen Peischlkopf und weiter zum Wirt, von dem es zwei Abfahrtsmöglichkeiten zurück nach Christoph gibt.
Die Tour braucht eine niedrige Lawinenwarnstufe. Besonders für die steile Abfahrtsvariante über die Nordflanke am Wirt sind sichere Verhältnisse notwendig.
Ausgangspunkt: Direkt nach der Findelkind-Galerie vor St. Christoph am Arlberg linker Hand auf dem großen Parkplatz. Von hier aus kann man auch gleich die geplante Abfahrt vom Wirt in Augenschein nehmen. Alternative: Parkplatz am Arlbergpass direkt auf der Passhöhe unmittelbar nach St. Christoph.
Aufstieg: Vom Parkplatz entlang der Zufahrt zurück bis über die Brücke (so spart man sich eine Bachquerung), dann in Richtung der rechten Hochspannungsleitung durch den Graben in ein langgezogenes flaches Tal, das sich hinter den Brunnenköpfen am Fuß unserer drei Gipfel nach Westen zieht. Vom Arlbergpass: Bei der eingeschneiten hölzernen Imbissbude beginnt schon die Skispur. Man steigt auf den ersten Rücken, quert nach links in einen steilen Bachgraben, den man etwas mühsam mit kurzen Spitzkehren überwindet und erreicht dann das lang gezogene flache Tal. Dort trifft man mit der linken Hochspannungsleitung zusammen und folgt ihr so lange durch das Tälchen (ca. 1 km), bis sich linker Hand ein breiter Steilhang für den Aufstieg anbietet. Weiter vorne sieht man einen Lüfterturm des Arlbergtunnels. Nach dem Steilhang erreicht man eine Geländestufe, dahinter eine Karmulde und mündet am Sattel (2330 m) zwischen Knödel- und Peischlkopf. Nur mehr wenige Höhenmeter trennen dann noch von den beiden Gipfeln. Südseitig um den Peischlkopf herum und über den flachen Boden zum Wirt, dem niedrigsten des Dreigestirns. Nach Belieben kann auf den weiten Hängen hier auch weiter abgefahren und wieder aufgestiegen werden. Abfahrt vom Wirt erst in Richtung Süden (ca. 200 Hm.), dann biegt man allmählich nach Nordosten ein und hält auf St. Christoph zu. Man mündet beim Nordportal der Findelkind-Galerie. Wer die Rechnung ohne den Wirt machen will, kann gleich vom Sattel zwischen Knödel- und Peischlkopf entlang der Aufstiegsspur nach St. Christoph abfahren.
Wirtstour mit Lift: Will man auf dieser Tour mühelos und rein skifahrerisch auf seine Rechnung kommen, fährt man von Stuben mit dem Lift in zwei Sektionen auf den Albonagrat. Nach kurzer Abfahrt ins Untere Maroijoch umrundet man den Knödelkopf südseitig, stapft gleich auf den Peischlkopf und nach kurzer Abfahrt weiter zum etwas niedrigeren Wirt. Abfahrt nach St. Christoph. Um nach Stuben zurückzukommen, fahren die Skifahrer noch auf Galzig und Valluga und auf der Valfagehrabfahrt nach Rauz und zurück nach Stuben.
| 3 | Vordere Rendlspitze 2816 m |

Ein völlig neues Gefühl vermittelt das Klettern im winterlichen Felsgelände.
Verwallgruppe
Erst Klettersteig, danach tolle Skiabfahrt. Der erste Arlberger Winterklettersteig auf die Vordere Rendlspitze bei St. Anton ist speziell für Begehungen bei winterlichen Verhältnissen angelegt. Zum Einstieg gelangt man mit dem Lift.
Ausgangspunkt: St. Anton a. A., Rendlbahn. Auffahrt zum Rendl mit Gondelbahn, mit Sessellift Riffel 1 und Riffel 2 zum Einstieg (2645 m).
Höhenmeter, Zeit: Winterklettersteig zur Vorderen Rendlspitze (2816 m) – Mitterkarspitze (2792 m), Schwierigkeit B/C, Länge 850 m, 180 Hm., 1:30 bis 2 Stunden.
Landkarte: Kompass-Karte Silvretta/Verwallgruppe 41, 1:50.000., AV-Karte 3/2 Lechtaler Alpen, Arlberggebiet
Normalerweise halten die stahlseilversicherten Klettersteige einen langen Winterschlaf, so sie sich nicht gerade in unmittelbarer Talnähe befinden. Im Hochgebirge sind die Seile und Eisenbügel lange unter einer dicken Schneedecke verborgen. Nicht so der Winterklettersteig auf die Rendlspitze im Verwallgebirge südlich von St. Anton am Arlberg. Denn dieser wurde speziell für die Skisaison konzipiert und so angelegt, dass die auf hohen Eisenständern verankerten Seile kaum unter der Schneedecke zu liegen kommen und stets gut griffbereit sind. Die Stahlseilstrecke hat eine Länge von 850 Metern und überwindet knapp 200 Höhenmeter. Zum Großteil verläuft der Klettersteig auf einem schwach ausgeprägten Schneegrat, unterbrochen von ein paar steilen, aber nur kurzen Felsstufen, wo man doch recht kräftig zupacken muss.


Der erste Arlberger Winterklettersteig führt über den gut gestuften Nordgrat auf die Vordere Rendlspitze. Der Einstieg befindet sich unmittelbar neben der Bergstation des Riffelliftes.
Der Schwierigkeitsgrad liegt zwischen B und C, mit einer kurzen Stelle D, wobei aber erschwerend hinzukommt, dass man die Skier auf den Rucksack geschnallt hat und eventuell, je nach Verhältnissen, auch mit Steigeisen klettern muss. Denn das ist der Clou an diesem Unternehmen: dass nach dem Klettersteig und dem südseitigen Abstieg in die Rossfallscharte noch eine tolle Tourenabfahrt ins Moostal oder ins Malfontal wartet. Und zum Einstieg gelangt man – bequemer geht es wohl nicht – mit Gondelbahn und Sessellift.
Ausgangspunkt: In St. Anton a. A. zum Parkplatz der Rendlbahn (P6, Tagesgebühr 7 Euro). Tourenkarte für Gondelbahn und Sessellifte 19,50 Euro. Von der Bergstation am Rendl auf Piste 4 abwärts, Richtung talein, zum Riffellift I, danach nochmals kurze Abfahrt zum Riffellift II und in die Riffelscharte.
Der Einstieg zum Klettersteig befindet sich unmittelbar neben der Bergstation. Nötig ist zusätzlich zur Skitourenausrüstung das komplette Klettersteigset, evtl. Leichtsteigeisen. Auch eine gute Befestigung der Skier am Rucksack ist wichtig und vor allem keine glatten Handschuhe.
Der Klettersteig beginnt gleich mit einer kurzen C-Stelle. Über die erste Schulter im Schnee zu einem sperrenden Felsriegel. Die Steilstufe kann direkt überwunden oder wesentlich leichter rechts im Schneegelände umgangen werden. Weiter oben wartet noch die kurze Schlüsselstelle in Form eines engen Spaltes (D), wo ein kräftiger Klimmzug nötig ist. Danach weiter, großteils im Schneegelände und über kurze Felsstufen zum höchsten Punkt. Die Zeitangaben für den Klettersteig schwanken zwischen einer und zwei Stunden, je nach Geschick und Verhältnissen. Vom Gipfel der Rendlspitze (2816 m) am Grat – ebenfalls gesichert – weiter Richtung Süden zur benachbarten Mitterkarspitze (2792 m), Abstieg in die Rossfallscharte.
Abfahrtsmöglichkeiten: Nach Westen führt die direkte Abfahrt durch den Rossfallwinkel ins Moostal, wobei man am Talboden ab der Rossfallalpe eine längere Schiebestrecke entlang eines Forstwegs zurück nach St. Anton zu bewältigen hat, bevor man wieder auf die Talabfahrt mündet. Man kann aber auch nach ca. 300 Höhenmetern wieder nach rechts abschwenken, ins Liftgebiet zurückkehren und am Rendl die Talabfahrt benützen. Nach Osten bietet sich die Abfahrt durch das Malfontal an. Man mündet in Pettneu und lässt sich mit dem Skibus nach St. Anton zurückbringen.

Die Schlüsselstelle, Schwierigkeitsgrad D, kann mit einer leichteren Variante umgangen werden.
| 4 | Sulzspitze 2084 m |

Auf der Stridenscharte ist man endlich in der Sonne. Blick auf Rote Flüh und Gimpel.
Allgäuer Alpen
Tannheimer Tal
In den Allgäuer Alpen mit ihren schroffen Gipfeln gibt es nur wenige sichere Skitouren. Die Sulzspitze dürfen Sie getrost dazurechnen. Aber nehmen Sie lieber dicke Handschuhe und einen Pullover extra mit!
Ausgangspunkt: Haldensee-Westufer (1124 m)
Höhenmeter, Zeit: 960 Hm., 2:30 bis 3 Stunden
Lawinensituation: An sich ziemlich sichere Skitour, jedoch nicht unmittelbar nach größeren Schneefällen.
Österr. Karte: Blatt 114 Holzgau, 1:50.000
Dieser harmlose Grasgipfel oberhalb des Haldensees ist ein viel besuchter Skiberg. Geht man im Hochwinter, so ist man gut beraten, sich warm anzuziehen, denn bis in den Februar hinein marschiert man im Strindental die längste Zeit im tiefen Schatten des Litnisschrofens, dafür kann man meistens mit Pulver rechnen.
Die Skitour lässt sich gut in drei Abschnitte gliedern. Das erste Drittel verläuft auf breiten Fahrwegen, die meist rasch zu einer Piste ausgefahren sind, im Talinneren folgen wunderschöne Schatten- und somit Pulverhänge hinauf zur Strindenscharte, und erst am Schluss im steilen Gipfelhang genießt man dann die volle Sonne, das herrliche Panorama der Allgäuer Alpen und den weiten Blick ins Alpenvorland. Die Lawinengefahr hält sich in Grenzen, nur nach stärkeren Neuschneefällen sollte man einige Zeit zuwarten, denn der durch den Wald führende Fahrweg ist – ohne dass es einem besonders auffällt – gleich am Beginn von zwölf Lawinenstrichen bedroht. Danach ist „nichts mehr“, wie mir bergkundige Einheimische erklärten.
Ausgangspunkt: Von Reutte ins Lechtal bis Weißenbach und Auffahrt auf den Gaichtpass. Weiter nach Nesselwängle und bis zum Haldensee (20 km von Reutte). An seinem Westufer, genau beim Ortsschild Haldensee (1124 m) links ab, am LL-Parkplatz vorbei und 200 m weiter zum geräumigen, gebührenpflichtigen Parkplatz für die Tourengeher.

Aufstieg: Auf der Loipe steuert man geradeaus auf den Berghang zu, geht über die Brücke und dahinter links auf dem Fahrweg ins Strindental (Wegweiser Strindenalpe). In einer langen Links-rechts-Schleife überwindet der breite Fahrweg die erste Steilstufe zum Taleingang. Bei der Weggabelung bleibt man rechts am unteren Weg. Erst noch flach, dann allmählich ansteigend bis zur Edenbachalm. Unter dieser vorbei und immer am Fahrweg talein in den großen Kessel, der von den dunklen Felsen des Litnisschrofens eingerahmt ist. Gerade vor sich erkennt man die Strindenscharte und rechts davon die Sulzspitze mit ihrem lang gezogenen Schrofengürtel unterhalb der Gipfelabdachung. Der Almweg wechselt nun die Talseite nach links, gewinnt mit ein paar flachen Serpentinen an Höhe, bis die Waldgrenze erreicht ist, und zieht dann nach rechts hinüber zur Oberen Strindenalm. Diese bleibt aber unberührt und man steuert geradeaus über schönstes Skigelände auf die breite Strindenscharte zu und kann es kaum erwarten, bis man aus den Schattenhängen in die Sonne kommt. Der Gipfelhang mit seinen 200 Höhenmetern hat es noch in sich und ist gehörig steil, lässt sich aber mit ein paar weiten Spitzkehren gut überwinden.

Der unbenannte Gratkopf rechts der Sulzspitze hat wunderschöne Sonnenhänge.
| 5 | Bleispitze (Pleisspitze) 2225 m |

Erst wenn die Bichlbächler Alpe erreicht ist, wird der Weg zum Gipfel klar erkennbar.
Lechtaler Alpen
Die Bleispitze mit ihren glatten Hängen sticht dem Betrachter bereits auf der Fahrt von Lermoos nach Reutte ins Auge. Der Aufstieg vollzieht sich jedoch zur Gänze auf der den Blicken abgewandten Nordseite des Berges. Ausgangspunkt ist der versteckt liegende Weiler Bichlbächle.
Ausgangspunkt: Bichlbächle (1278 m).
Höhenmeter, Zeit: Bichlbächler Alm (1606 m) – Bleispitze (auch Pleisspitze, 2225 m) 2:30 bis 3 Stunden, 950 Hm. Abfahrtsmöglichkeiten mit Retouraufstieg nach Norden ins Riegetal (ca. 300 Hm.) oder nach Osten ins Gartnertal (400 bis 500 Hm.). Aufstieg zurück zum Sommerbergjöchle 1 Stunde.
Lawinensituation: selten gefährdet.
Österr. Karte: Blatt 115 Reutte, 1:50.000.
Die Bleispitze ist eine super Skitour im Außerfern, schon wegen der großartigen Umgebung der Lechtaler Berge mit dem alles dominierenden Massiv der Zugspitze. Zum Auftakt ist gleich ein steiles Waldstück zu überwinden, in dem enge Spitzkehren erforderlich sind, was bei guter Schneelage aber kein Problem darstellen sollte. Damit hat man schon das Gröbste überwunden und das Gelände wird wesentlich freundlicher und übersichtlich. Die Lawinengefahr ist auf dieser Seite deutlich geringer als beim Anstieg aus dem Gartnertal. Die Ortsbewohner berichten, dass es nur wenige Tage im Jahr gibt, an denen man diese Tour nicht machen kann. Auf den berühmten Firnhang an der Ostseite der Bleispitze brauchen Tourengeher mit entsprechender „Kondi“ trotzdem nicht zu verzichten, wenn sie nachher einen nochmaligen Aufstieg von 400 Höhenmetern dranhängen.

Ausgangspunkt: In Bichlbach fährt man zuerst Richtung Berwang, aber schon bald erreicht man die Abzweigung links nach Bichlbächle (2 km). Genügend Parkplätze (ohne Gebühr) unterhalb der Häuser des kleinen Weilers. Am besten parkt man am zweiten Platz rechts, vor der ersten Auffahrt zu den Häusern (noch vor dem Hinweisschild zur Imbissstube Bergmandl).
Aufstieg: Keinesfalls darf man geradeaus in den Talgrund marschieren, stattdessen folgt man einem Weg nach rechts, kommt auf eine freie Wiese und hat schon den Beginn der Aufstiegsspur erreicht. Gut angelegt führt sie links durch den steilen Wald aufwärts. In der durch Warntafeln gekennzeichneten Aufforstungszone ist der Skifahrer angehalten, auch bei der Abfahrt im Bereich der Aufstiegsspur zu bleiben und keinesfalls die freien Schneisen in den Talgrund zu befahren, auch wenn schon die Skispuren einiger Unvernünftiger hinunterführen und wieder einmal die Tourengeher in Verruf bringen.
Oben angekommen quert man auf gleicher Höhe durch den Wald auf die freie Fläche der Bichlbächler Alpe. Kurze Abfahrt über welligen Boden an der Alm vorbei bis zum Beginn eines schmalen, Waldrückens. Dort steigt man hart am Rand des Bachgrabens auf der rasch zu einer Piste ausgefahrenen Spur zur Waldgrenze. Der weitere Aufstieg ist nun klar einzusehen – entweder im spitz zulaufenden Hang, bis der Grat erreicht ist, oder dahinter im weiten Kar bis zum Sommerbergjöchle. Der vermeintlich höchste Punkt darüber entpuppt sich als Vorgipfel, dahinter warten noch ein paar Spitzkehren, bis das Gipfelkreuz mit seinem Strahlenkranz erreicht ist.
Abfahrtsvarianten mit Rückaufstieg: Auf die Traumhänge an der Ostund auch an der Nordseite der Bleispitze braucht man nicht zu verzichten. Wer zeitmäßig im Plan ist, kann ohne weiteres zuerst in Richtung Gartnertal abfahren (ca. 400/500 Hm.) und danach gut 200 Hm. zum Sommerbergjöchle aufsteigen. Auch nach Norden gibt es unterhalb des Gipfels einen Pulverhang von 300 Hm. ins Riegetal, von dem man wieder zurück aufsteigen muss.
| 6 | Namloser Wetterspitze 2553 m |

Unnahbar scheint die Wetterspitze bei Kelmen. Mit Ski erreicht man sie vom Westen.
Lechtaler Alpen
Fallerscheingruppe
Beim Anblick der wuchtigen Berggestalt beschlichen uns noch leise Zweifel, ob man ohne Probleme mit Skiern auf diesen Gipfel kommt. Dieser landschaftlich großartige Skitourenklassiker ist bei sicherer Schneelage jedoch gut zu bewältigen.
Ausgangspunkt: Namlos (1263 m), 1,5 km Richtung Stanzach, Parkplatz Fallerscheinalpe
Höhenmeter, Zeit: 1300 Hm., 3:30 bis 4 Stunden
Lawinensituation: Ernste Hochwinterskitour für sichere Verhältnisse.
Österr. Karte: Blatt 115 Reutte, 1:50.000
Wer von Berwang kommend auf Namlos zufährt und auf der Höhe von Kelmen zur Namloser Wetterspitze hinaufblickt, kommt kaum auf die Idee, dass dieser hingewuchtete Felskamm mit Skiern ersteigbar ist. Aber jeder Berg hat eben zwei Gesichter. Allerdings – und das sei einschränkend gesagt und es gilt genauso für die meisten anderen Lechtaler Berge – muss die Lawinensituation eindeutig sicher sein, denn nicht einmal so sehr von den befahrenen Hängen an der Wetterspitze selbst, sondern eher aus den Flanken der Bschlaber und Elmer Kreuzspitzen, die mit ihren schneeweißen Wechtengraten wie Andenberge ausschauen, drohen die Gefahren. Doch sowohl vom Gelände als auch von der Aussicht her bietet diese Tour ein prächtiges Erlebnis.


Nur wenige Meter in den Gipfelfelsen muss man zu Fuß stapfen.
Ausgangspunkt: Von Namlos fährt man noch 1,5 km in Richtung Stanzach bis zur Abzweigung nach Fallerschein zu einem kleinen Parkplatz. Tourengeher parken oft entlang der Straße.
Aufstieg: Die Tour beginnt mit einem flachen Marsch auf dem im Winter nicht geräumten Fahrweg nach Fallerschein zu einem großen Almdorf (1302 m, 2 km, 30 Min. Man durchquert die Almsiedlung in südlicher Richtung und steigt über Wiesenterrassen am rechten Rand oberhalb der Schlucht des Sommerbergbaches bis zum Waldrand auf und gerade im Sommerbergtal einwärts, direkt auf den Felsriegel des Ortkopfs zu, der jeden Weiterweg zu sperren scheint, bis sich dann plötzlich linker Hand ein weites Kar öffnet, in das man einbiegt. Im oberen Teil der Pulverhänge zieht man durch schattige Mulden seine Spur nach rechts zu den bereits sonnenbeschienenen Hängen der Namloser Wetterspitze und erreicht eine schöne Terrasse unterhalb ihres mächtigen Gipfelhanges, der jetzt gar nicht mehr so hoch aussieht. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, denn die Flanke ist nur zur Hälfte einsehbar und schwingt sich noch gut 400 Höhenmeter auf. Ein genau nach Süden gerichteter Rücken vermittelt den steilen Aufstieg (entlang des Sommerweges) und wird erst im Gipfelbereich allmählich flacher. Bis knapp unterhalb des Grates mit Ski und zum Schluss über einige Felsterrassen in 5 Min. nach rechts zum höchsten Punkt.
| 7 | Galtjoch 2109 m |

Schön gewellte Skihänge ziehen oberhalb der Waldgrenze zum Galtjoch.
Lechtaler Alpen
Liegfeistgruppe
Das Galtjoch ist viel besucht und stets angespurt – kein Wunder, bietet diese Tour doch wunderschöne Skihänge, die zudem noch sehr lawinensicher sind.
Ausgangspunkt: Weiler Rauth am Rotlech (1157 m), Zufahrt über Berwang–Rinnen
Höhenmeter, Zeit: 950 Hm., 2:30 bis 3 Stunden
Lawinensituation: Bei weitem lawinensicherste Skitour in der Umgebung von Reutte bzw. in den Lechtaler Bergen.
Österr. Karte: Blatt 115 Reutte, 1:50.000
Die weißen Hänge des Galtjochs und des Abendsteins glitzern schon von weitem in der Morgensonne, wenn man von Berwang auf Rinnen zufährt, danach sieht der Tourengeher das angestrebte Ziel lange nicht mehr, denn gut die Hälfte des Anstiegs verläuft im dichten Wald, in dem sich aber bald – eine satte Schneedecke vorausgesetzt – eine regelrechte Riesenslalompiste bildet. Dafür braucht man, und das ist für Touren in den Lechtaler Bergen schon eher ungewöhnlich, kaum einen Gedanken an Lawinengefahr zu verschwenden.

Ausgangspunkt: Von Reutte oder vom Fernpass kommend auf der Fernpass-Bundesstraße bis Bichlbach und der Beschilderung folgend ins Berwanger Tal. In Berwang durch den Ort und noch ca. 2 km bis Rinnen. Bei der Ortstafel von Rinnen gleich rechts von der Straße weg zur Kapelle und hier den linken Weg abwärts. Auf dem gut geräumten, aber steilen Sträßchen in einer lang gezogenen Kehre mit 14 % Gefälle (Schneeketten!) hinunter in den Talgrund des Rotlechs nach Rauth. Hier gibt es aber nur wenige Parkmöglichkeiten gleich beim ersten Haus. Die bessere Variante wäre, bereits heroben in Rinnen zu parken und mit den Skiern beim Hotel Rotlech über die Wiesen ins Tal abzufahren. Die 100 Hm. Gegenanstieg mit 20 Minuten Mehraufwand sollten bei der nicht allzu langen Tour zu verkraften sein.
Aufstieg: Von Rauth wenige Minuten links des Baches talein bis zu einer Brücke und Wildfütterung. Über die Brücke und auf einem Forstweg nach links, Wegrichtung Ehenbichler Alm. Hoch über dem Rotlech biegt der Weg in den Seitengraben des Rotbachs und erreicht bald darauf die Rotbachwiesen mit mehreren Almhütten. Über die Wiese aufsteigen bis zum oberen Rand der Lichtung, die man schräg nach rechts verlässt. Nun im steilen Wald aufwärts durch schmale Waldschneisen und Lichtungen. Ab und zu bemerkt man alte Skimarkierungen an den Bäumen, hat aber kaum Probleme mit der Orientierung, denn meist kann man sich über eine gute Aufstiegsspur freuen, oder sich ärgern, wenn diese von Schneeschuhgehern zertrampelt ist. Bei der im Winterschlaf ruhenden Ehenbichler Alm ist die Waldgrenze erreicht. Man wendet sich nach links, folgt einem kurzen Tälchen und kommt nach einem kurzen Steilaufschwung endlich hinaus ins freie Gelände. Jetzt liegt das Galtjoch mit seinen strahlenden Hängen frei vor dem Betrachter. Fürs Erste schaut es noch weiter aus, als es in Wirklichkeit ist, und relativ locker erreicht man die Senke im Grat zwischen Galtjoch und Abendstein. Dafür ziehen sich die letzten Aufschwünge wiederum, denn der mit einem mächtigen Kreuz versehene Gipfel rückt erst ab der Grathöhe ins Blickfeld. Auf dem breiten Rücken zum höchsten Punkt.
Abfahrt: Am besten hält man sich stets in der Nähe der Aufstiegsspur. In der Tourensaison wird man meistens eine ausgefahrene schmale Piste vorfinden. Einkehrstationen unterwegs gibt es auf dieser Tour keine, dafür kann man danach dem „Heustadl“ mit der höchstgelegenen Bierbrauerei Österreichs einen Besuch abstatten. Oberhalb der Kapelle in Rinnen.
| 8 | Kleines Pfuitjöchle 2135 m |

Blick vom Marienbergjoch über den Ehrwalder Talkessel zum Pfuitjöchle.
Ammergauer Alpen
Estergebirge
Der kleine Gipfel im Kamm zwischen Hochschrutte und Daniel hält eine beschauliche Tour für Genießer mit früh im Jahr auffirnenden Südhängen bereit. Ideal ist das Kleine Pfuitjöchle vor allem für Bahnfahrer: Sie können direkt neben den Schienen in die Bindung steigen.
Ausgangspunkt: Lähn (Lermoos), Bahnhaltestelle (1112 m)
Höhenmeter, Zeit: 1020 Hm.; 2:30 bis 3 Stunden
Lawinensituation: Kaum oder nur selten lawinengefährdet.
Österr. Karte: Blätter 115 Reutte und 116 Telfs, 1:50.000
So wie das Galtjoch ist auch das Pfuitjöchle unter den im Außerfern gerne als lawinengefährlich „verrufenen“ Skitouren eine willkommene Ausnahme, auch wenn man es in der ÖK und in manch anderen Landkarten vergebens suchen wird. Ist der Name nicht zu finden, dann gelten die Höhenquoten „2135 m“ für das Kleine und „2196 m“ für das Große Pfuitjöchle. Alpinistisch zwar unbedeutend, als Skitour allemal schön und problemlos, zumal sich die Lawinengefahr ziemlich in Grenzen hält. Ideal ist seine leichte Erreichbarkeit, denn wo sonst kann man bei einer Bahnhaltestelle direkt neben den Schienen schon in die Bindung steigen. Und dann geht es, ohne einen flachen Meter, geradewegs in einer Linie hinauf ins Gelände. Der Wald ist hier bei weitem nicht so dicht wie am Galtjoch und lässt sich mit nur kurzen Engstellen in schönen Schneisen durchfahren und darüber befindet man sich in sonnigen Südhängen, die schon relativ früh im Jahr auffirnen.
Ausgangspunkt: Eisenbahnhaltestelle Lähn an der Bahnstrecke nach Reutte, eine Station nach Lermoos. Mit dem Auto kommt man genauso problemlos hin. Vom Fernpass kommend, verlässt man ca. 1 km nach dem Umfahrungstunnel die Bundesstraße bei der Ausfahrt Lähn. Durch den Ort und nach der Kirche rechts ab zur Bahnhaltestelle. Man kann dort parken oder sonst an der westlichen Ausfahrtsstraße.

Aufstieg: Über die Schienen und gerade ansteigend über die Wiesen des Simesbichls hinauf zum Waldrand. Lichtungen und Waldschneisen reihen sich nahtlos aneinander, stets geht es auf dem ausgeprägten breiten Rücken (zwischen Wiestal und Böstal) gerade empor oder höchstens etwas nach rechts versetzt. Die Bichlbacher Alm rechts drüben bleibt unberührt.

Tief unten liegt die kleine Ortschaft Lähn, dahinter die Bleispitze.
Hat man am oberen Waldrand das Farenegg und damit die hindernislosen Hänge erreicht, muss man sich für das Kleine oder das Große Pfuitjöchle entscheiden. Zum Kleinen zieht man die Spur durch die flache Karwanne kerzengerade hinauf zur tiefsten Einschartung im Hauptgrat östlich der Hochschrutte. Der Gipfel befindet sich gleich links des Sattels. Zum unmittelbar östlich benachbarten Großen Pfuitjöchle (2196 m) quert man vom Farenegg noch vor der Mulde nach rechts hinaus auf einen stumpfen Rücken und verfolgt ihn bis zum etwas stärker ausgeprägten Gipfel, der sich als felsdurchsetzter Kopf präsentiert (nur unwesentlich weiter). Abfahrt entlang der Aufstiegsspur.
| 9 | Roter Stein 2366 m |

Blick über den Fernpass zum Roten Stein, links davon die Heiterwand.
Lechtaler Alpen, Ost
Loreagruppe
Entdecken Sie bei optimalen Bedingungen diesen verborgenen Leckerbissen, dessen gewaltige Hänge sich erst offenbaren, wenn man die enge Schlucht des Kälbertals passiert hat. Die hier vorgeschlagene Route ist ungewöhnlich, dafür aber weniger stark frequentiert als der klassische Aufstieg.
Ausgangspunkt: Fernpass, Passhöhe (1212 m)
Höhenmeter, Zeit: 1200 Hm., 3:30 bis 4 Stunden
Lawinensituation: Im Hochwinter nur bei sichersten Lawinenverhältnissen oder erst später, wenn mit Firn zu rechnen ist.
Österr. Karte: Blatt 115 Reutte, 1:50.000
So wie mit allen Supertouren in den Lechtaler Alpen, so ist es auch hier mit dem Roten Stein. Es ist keine Skitour für alle Tage, man muss die Lawinenlage genau beobachten und darf sich nur bei niedrigster Lawinenwarnstufe in das Kälbertal und in die steilen Osthänge wagen. Oder man wartet überhaupt bis ins Frühjahr auf gute Firnverhältnisse. Üblicherweise wird der Rote Stein als Skitour von Norden, von Klein-Stockach her, angegangen, viel seltener vom Fernpass aus. Wohl weil er sich hier gänzlich allen Blicken entzieht und überhaupt erst zu sehen ist, wenn man den ebenfalls ganz versteckten Taleinschnitt des Kälbertals passiert hat.

Ausgangspunkt: Punktgenau am Fernpass (1212 m), direkt beim Restaurant „Fernpasshöhe“.
Aufstieg: Die Tour beginnt mit einer kleinen Abfahrt hinunter zum Kälberbach (1176 m) – also noch nicht auffellen. Von der Kapelle hinter dem Restaurant auf dem breiten Weg dem Zaun entlang flach abwärts in den weiten Boden bis zum Bach, der hurtig aus der engen Mündung des Kälbertals heraussprudelt. Den Bach nicht überqueren, sondern hart an seinem orogr. linken Ufer auf die Schluchtöffnung zu, bis man auf den von rechts her kommenden Weg trifft, und in einer S-Kurve durch die meist mit Lawinenschnee gefüllte Engstelle, hinter der sich nun das Kälbertal öffnet. An seiner rechten Flanke talein in den Hinteren Pirchboden, von wo sich der ganze Anstieg auf den Roten Stein gut überschauen lässt.
Auffallend ist ein tiefer Bachgraben, ober dem die idealen Skihänge erst so richtig ansetzen. Man braucht aber nicht durch diese trogförmige steile Rinne aufzusteigen, sondern kann sie in der rechten Flanke, in den zum Bichlbächler Jöchle hinaufziehenden Hängen gut austricksen. Schon ein Stück vor Erreichen des Bachgrabens weicht man also in den rechtsseitigen Latschenhang aus, der zwar auf den ersten Blick wenig einladend ausschaut, sich aber mit mehreren lang gezogenen Serpentinen überraschend harmlos überwinden lässt. Wo sich die Bachrinne – in der Mitte etwa, wo sie breiter wird – gut überschreiten lässt, überquert man sie nach links in die weiten Hänge und erreicht eine kleine Schäferhütte. Jetzt ziemlich gerade ansteigend in Richtung auf einen dem Roten Stein vorgelagerten felsigen Vorgipfel zu, der den Blick zum Gipfel für eine Weile verdeckt. Man kann beliebig, links oder rechts, den Stierkopf umrunden und gelangt in die dahinter liegende Scharte, von der man gerade zum Hauptgipfel aufsteigt. Die letzten Meter meistens zu Fuß.
Abfahren kann man bei guten Verhältnissen auch rechts, also nördlich des Stierkopfs, vom Gipfelhang gerade hinunter auf die große Bachrinne zu, und erst wenn man die eigene Aufstiegsspur wieder erreicht hat, nach links (im Abfahrtssinne) in den Latschenhang hinaus und in den inneren Grund des Kälbertals. Am Ausgang der Schlucht klebt man am besten noch einmal die Felle auf die Ski und steigt in ein paar Minuten die 40 Höhenmeter zur Passhöhe hinauf.

Nach Passieren des engen Kälbertals erschließen sich die Skihänge des Roten Steins.
| 10 | Muttekopf 2774 mScharnitzsattel 2441 m |

Schlüsselstelle am Hinteren Alpjoch: hier heißt es, die Skier auf den Rucksack schnallen.
Lechtaler Alpen
Die Imster Standardskitour, die man einmal gemacht haben muss. Hier geben wir sicher keinen Geheimtipp preis, aber wegen seines einmaligen Anstiegs – mit Klettersteigstelle – und der scheinbar endlos langen Abfahrt darf dieser Skiberg in keinem Skitourenführer fehlen.
Ausgangspunkt: Imst, Bergstation (2050 m) oder Talstation der Hochimst-Lifte (1050 m)
Höhenmeter, Zeit: Muttekopf 900 Hm. Anstieg, 2000 Hm. Abfahrt, 2:45–3:00 Stunden; Scharnitzsattel 1400 Hm., 3:30 Stunden
Lawinensituation: Wenig lawinengefährdet, da immer angespurt und angefahren – außer nach großen Neuschneefällen.
Österr. Karte: Blätter 115 Reutte und 145 Imst, 1:50.000
Den meisten Imster Skitourengehern kann es gar nicht steil genug sein. Das beweisen die waghalsigen Skispuren, die man in den Steilrinnen der Imster Berge – vom Vorderen und Hinteren Alpjoch, vom Pleiskopf, Ödkarkopf und Rotkopf, allesamt im Nahbereich der Imster Bergbahnen – schon großteils bei der Auffahrt zum Dirschlhaus aus sehen kann. Diese überlassen wir gerne den Gebietskennern und nehmen mit der Standardtour auf den Imster Hausberg – den Muttekopf – vorlieb, die immer noch anspruchsvoll genug für den Durchschnittsskitourengeher ist und vor allem durch seinen landschaftlich einmalig schönen Anstieg besticht. Sollte man für die 2000 Hm. Abfahrt dazu noch beste Pulver- oder Firnverhältnisse – oder beides, was sehr oft der Fall ist – vorfinden, dann ist das Tourenerlebnis perfekt. (Infos erteilt die Betriebsleitung der Imster Bergbahnen, Tel. 05412/66322.)
Ausgangspunkt: Vom Stadtzentrum Imst beim Krone-Areal sehr steil hinauf zum Liftgebiet Hochimst. Mit der Doppelsesselbahn in zwei Sektionen zum Dirschlhaus, 2050 m (Tourenkarte 15.30 Euro, ab 9.00 Uhr).
Aufstieg: Bei der Bergstation wird aufgefellt, meist auch gleich die Harscheisen aufgesteckt, und links oder rechts der Lawinenverbauung sehr ausgesetzt die sehr steile Spur aufwärts verfolgt. Am kleinen Kreuz des Vorderen Alpjochs vorbei gelangt man zum Grat, dort mäßig steil weiter. Vom höchsten Punkt des Grates fährt man etwas ab, bevor man für ein paar Meter die Skier auf den Rucksack schnallt und eine seilversicherte Stelle absteigt. Danach kann man wieder die Skier anschnallen und fährt in das Sattele vor dem Pleiskopf ab. Bei guter Schneelage ist die gesamte Strecke mit Skiern fahrbar. Von hier rechts über die Pulverhänge hinunter ins „Seebrig“, talein/nordwestlich auf eine Höhe von ca. 2200 m. Über sanftes Skigelände durch Tälchen und Mulden zum Felsriegel der Blauen Köpfe und damit zur Aufstiegsspur von der Muttekopfhütte herauf. Nun mittels großer Kehren – schnell an Höhe gewinnend und zunehmend steiler werdend – im mächtigen Kar aufwärts zur links/westlich des Gipfels gelegenen Muttekopfscharte (2630 m). Der Übergang vom Kar/Rinne zur Scharte ist meist stark überwechtet und erfordert überlegtes Spuren. Die Ski kann man meist hier zurücklassen und zu Fuß den steindurchsetzten SW-Grat hinaufstapfen, außer man will eine der vielen noch steileren Abfahrtsvarianten ausprobieren – dann aber nur bei allersichersten Verhältnissen.

Abfahrtsvarianten Standard: wie Aufstieg das Kar abwärts in den Talkessel und ostwärts hinaus zur geschlossenen Muttekopfhütte. Dort je nach Schneeverhältnissen links oder rechts des Baches zur Latschenhütte (den ganzen Winter über bewirtschaftet, Montag Ruhetag); weiter über den kombinierten Ski-/Rodelweg zur Mittelstation und auf der Kunstschneeautobahn zum Ausgangspunkt.
Über den Ostrücken mit mehreren Varianten direkt hinunter zur Muttekopfhütte.
Ebenfalls direkt vom Gipfel noch weiter östlich extrem steil ins Scharnitzkar und zur Hütte.
Zum Scharnitzsattel: Ausweichtour für Liebhaber der Einsamkeit Der Scharnitzsattel ist dann als Ausweichtour zu empfehlen, wenn man in Hochimst erfährt, dass die spezielle örtliche Lawinensituation von der in Innsbruck ausgegebenen großräumigen doch etwas abweicht – das „Scharnitzjöchle“ geht fast immer. Zudem ist man bei dieser Tour den Großteil über auf sich allein gestellt, weil sie einmal auf keinen Gipfel führt, nur in einem Sattel endet und einen etwas faden Anfang hat. Landschaftlich trotzdem schön und mit Fug und Recht zu empfehlen.
Wer 1400 Hm. in den Beinen hat, kann sich auch die Liftkarte (450 Hm.) für die erste Sektion sparen (damit auch früher starten) und geht auf dem Skiweg zur Untermarkter Alm. Auf der Piste Nr. 3 bis zur Brücke über den Malchbach Richtung Latschenhütte und noch davor links auf dem Kanalweg talein, bis man links oberhalb die Muttekopfhütte ausmachen kann. Nicht zu dieser hinauf, sondern rechts davon über kupiertes Gelände an den Guggerköpfen vorbei ins anfangs flache, zunehmend steilere Scharnitztalele. Zum Schluss ordentlich steil – Vorsicht geboten! – im Scharnitzkar hinauf zum Sattel. Der Weiterweg am markierten Sommersteig zum Scharnitzkopf ist im Winter meist sehr heikel.
| 11 | Simmering 2096 mGrünberg 1497 m |

Die weiße Hochfläche des Simmering zwischen Inntal und Mieminger Plateau.
Mieminger Berge
Tschirgantmassiv
Der großartige Ausblick zur Mieminger Kette und ins Inntal sowie die geringe Lawinengefahr machen den unspektakulären Aufstieg zum Simmering wett, besonders an Tagen, die sonst keine Skitour zulassen. Seit Stilllegung des Liftes haben die Tourengeher sofort den Grünberg okkupiert.
Ausgangspunkt: Obsteig, ehemaliger Grünberglift (1031 m)
Höhenmeter, Zeit: 1050 Hm., Simmeringalm (1813 m) 2 bis 2:30 Stunden, Simmering-Gipfel 45 Min., Grünberg (1497 m), 1:15 bis 1:30 Stunden, 480 Höhenmeter
Lawinensituation: Kaum lawinengefährdet.
Österr. Karte: Blatt 116 Telfs, 1:50.000
Nicht immer scheint die Sonne, aber trotz Nebel und Schneetreiben ist der Rodelweg auf die Simmeringalm leicht zu finden. Vielleicht sogar der Gipfel. Zugegeben: Es ist eine Verlegenheitstour, aber eine recht nette. Wenn einmal das Wetter schlecht ist oder wenn man einfach nur etwas Kurzes und Unkompliziertes machen will, um im Training zu bleiben. Der Großteil der Tour verläuft jedoch auf einem – allerdings mit dem Schneewiesel gespurten Forstweg – bis hinauf zur Waldgrenze, den man mit den Rodlern teilen muss. Fein ist, dass man mit der bewirtschafteten Simmeringalm, die auch im Winter geöffnet ist (Montag Ruhetag), eine geheizte Einkehrstation hat. Die Hänge hinauf zur Gipfelkuppe sind dann nur mehr kurz, aber ideales Skigelände und kaum lawinengefährdet. Vor allem genießt man, wenn die Wolken wider Erwarten aufreißen, die wunderschöne Sicht hinüber zur Mieminger Kette, aufs ausgebreitete Plateau und ins Inntal.

Ausgangspunkt: Am westlichen Ortsrand von Obsteig beim Hotel Bergland links abbiegen (so man von Telfs kommt) Richtung Familienland Grünberg Obsteig und zum Parkplatz vor der Brücke.
Aufstieg Simmering: Am besten schnallt man sich hier gleich die Skier an und marschiert am Rand der von rechts einmündenden breiten Pistenschneise aufwärts. Über die erste Steilstufe der Piste, bis der Rodelweg die Abfahrt kreuzt und nach rechts auf den Weg, den man jetzt nicht mehr verlässt, wieder flacher bis in den Sattel des Zwischensimmering. Dann erst wendet sich der Weg auf den Simmering selbst zu und führt in sieben langen Kehren gleichmäßig steil hinauf zur Simmeringalm (1813 m) an der Waldgrenze.
Zum Gipfel sind es jetzt noch 300 Höhenmeter, man braucht dazu eine schwache Stunde. Kurz vor der Hütte zweigt man nach links ab, steigt über die ersten Hänge bis in eine ausgeprägte Mulde, von der man das Gipfelkreuz gut ausnehmen kann. Am sichersten ist es, wenn man den linken, südlichen Rücken als Aufstieg wählt. Über latschenbesetzte Aufschwünge und schöne Hänge zum höchsten Punkt.
Bei der Abfahrt von der Simmeringalm kann man – so die Schneelage ausreichend ist – ein paar Mal freie Schläge und Schneisen ausnutzen, sonst läuft es auch auf dem Rodelweg wie geschmiert dahin, wie auf einer schmalen Piste.
Zum Grünberg: Die Tourengeher haben rasch mitbekommen, dass die Lifte am Grünberg stillgelegt und mittlerweile sogar ratzeputz abgebaut wurden. Damit bietet sich dieser kleine Waldberg mit seiner breiten Piste geradezu als angenehme Kurztour mit knapp 500 Höhenmetern an. Manchmal fährt sogar ein Ratrac und das alte Lifthäusl steht offen zum Umziehen. Auch der hölzerne Aussichtsturm ist einen Besuch wert. Aufstieg direkt über die Pistenschneise oder, wenn sie wenig befahren ist auf der flacheren Rodelbahn. Start ist südlich der Brücke beim Familienland Grünberg Obsteig links des Baches.
| 12 | Grünstein-Umfahrung Hinterer Tajakopf 2408 m |

Zweiter Anstieg aus der „Hölle“ zur Grünsteinscharte, rechts die Westliche Griesspitze.
Westliche Mieminger Berge
Eine anspruchsvolle Panoramatour mit Aussicht über halb Tirol. Vom Marienbergjoch über Höllscharte und Grünsteinscharte zum Tajatörl, dann Steilabfahrt durchs Brendlkar zur Ehrwalder Alm … Skifahrerisch und landschaftlich ein Hit!
Ausgangspunkt: Biberwier, Bergstation Marienbergjoch (1789 m)
Höhenmeter, Zeit: 700 Hm. Aufstieg, 1500 Hm. Abfahrt, gesamt 3 Stunden
Lawinensituation: Beste Verhältnisse in allen Hangrichtungen nötig.
Österr. Karte: Blatt 116 Telfs, 1:50.000
Manche mögen’s steil … Der Grünstein ist ein mächtiger Felsberg, ganz im Westen der Mieminger Kette. Die Skiumfahrung dieses Bergstockes ist dank der Lifte eine beliebte Skitour geworden, mit eher bescheidenen 700 Höhenmeter Aufstieg kommt man auf gut 1500 m Abfahrt. Start ist in Biberwier, Liftauffahrt zum Marienbergjoch, wo man richtig losstartet. Die Querung in den doch recht steilen Südhängen unterhalb der Marienbergspitzen und des Grünsteins zum Hölltörl verlangt aber sichere Verhältnisse. Die Abfahrten in den Schattenhängen vom Hölltörl und durchs Brendlkar, wo sich der Pulverschnee lange hält, sind durchwegs steil und für gute Skifahrer ein reiner Genuss. Ausklang auf der Autobahnpiste der Ehrwalder Alm. Eine wahre Panoramatour mit Aussicht über halb Tirol, eindrucksvoll dominiert von der Zugspitze mit der prallen Wetterwand im zweiten Teil der Tour. Von Ehrwald zurück nach Biberwier gibt es einen Shuttlebus.
Ausgangspunkt: Biberwier, Marienbergjoch-Bahnen. Auffahrt in drei Sektionen (15 Euro) zuerst mit der Vierersesselbahn, umsteigen in Zweiersessellift, Abfahrt rechts hinunter zum Jochlift (Schlepper).

Aufstieg: Vom Marienbergjoch (1789 m) ansteigend querend durch die steilen Südhänge der Marienbergspitzen hinüber zum Hölltörl (2126 m, 350 Hm., 1 Stunde). Dann folgt die erste Abfahrt in schattigen Pulverhängen, nach denen sich der Skifahrer in der „Höll“ (ca. 1850 m) wieder findet (jenem Kar, das natürlich vom Lehnberghaus viel häufiger besucht wird und von dem man zur Firnzeit mit Hölltörl, Grünsteinscharte und Stöttltörl die beliebte Dreischartentour unternimmt).
Je nachdem, wie weit man sich im Pulverrausch in die „Höll“ hat abtragen lassen, oder schon weiter oben zur Grünstein-Reiße gequert ist, erfolgt nun der Aufstieg über den langen Steilhang zur Grünsteinscharte. In vielen Spitzkehren, aber gut zu gehen, erreicht man die schmale Einkerbung im Grat zwischen Grünstein und Westlicher Griesspitze (2272 m, 1:15 bis 1:30 Stunden). Querfahrt auf der Nordseite der Griesspitze mit ganz geringem Höhenverlust nach rechts hinüber zum Tajatörl (2259 m), von dem man noch technisch leicht, aber mühsam, die zusätzlichen 150 Hm. auf den Hinteren Tajakopf (2408 m) hinaufstapfen könnte. Dann kann man sich auf die nordseitige Superabfahrt durch das Brendlkar freuen. Vom ersten Karboden noch flach zu einer Stufe oberhalb des in einem tiefen Loch liegenden Brendlsees, links oberhalb vorbei und vom nächsten Absatz wiederum eher rechts haltend zu einem markanten Bachgraben, dessen Verlauf folgend, bis man auf der zur Seebenalm führenden Loipe steht. Ein kurzer Gegenanstieg (15 Min.) am Loipenweg hinüber zum Igelsee und über ein kleines Waldjoch zur Ehrwalder Alm, wo sich der Tourengeher unter das Pistenvolk mischt und auf der Skiautobahn zu Tal fegt. Von der Talstation der Ehrwalder-Alm-Bahn verkehrt im Stundentakt ein Shuttlebus, der alle Skistationen im Talkessel anfährt. Bei der Kasse in Biberwier kriegt man einen genauen Fahrplan.

Ein kleiner Gipfel „zum Mitnehmen“ ist der Höllkopf oberhalb der Höllscharte.
| 13 | Wankspitze 2209 m |

Die Wankspitze, gesehen vom Höllkopf. Der Skianstieg erfolgt von rechts.
Mieminger Kette
Weil sie von den mächtigen Felsbergen der Mieminger Kette fast erdrückt wird, macht die vorgelagerte Wankspitze eher einen unscheinbaren Eindruck. Dabei ist dieser Miniberg am Mieminger Sonnenplateau von jeher eine beliebte Familienskitour – zu Recht, wie wir meinen.
Ausgangspunkt: Obsteig, GH Arzkasten (1151 m)
Höhenmeter, Zeit: 1050 Hm., 2:30 bis
Lawinensituation: Wenig gefährdet, unter Umständen auf den Gipfelhang verzichten
Österr. Karte: Blatt 116 Telfs, 1:50.000, AV-Karte 4/2 Wetterstein- und Mieminger Gebirge Mitte, 1:25.000
Feine Skitour für den Hochwinter, immer angespurt, oft pistenmäßig ausgefahren. Schöne Rodelbahn. Die Tour ist nicht sehr anstrengend, aber auf tausend Höhenmeter kommt man auch; man kann fast immer mit guten Schneeverhältnissen rechnen und kommt kaum mit lawinengefährdetem Gelände in Berührung, wenn man bei der Abfahrt auf der Aufstiegsroute bleibt. Am Parkplatz winkt der Gasthof Arzkasten.
Ausgangspunkt: Von Telfs kommend durch Obsteig und Richtung Holzleitensattel. Ca. 1 km vor der Passhöhe bei Beschilderung „Lehnberg“ rechts ab nach Arzkasten (GH). Zwei große Parkplätze, gebührenpflichtig, 4 Euro/Tag (Bezahlung mit Bankomatkarte möglich, für Gäste des Gasthauses gebührenfrei).
Aufstieg: Ein paar Minuten auf dem Rodelweg zum Lehnberghaus (zur Skitouren- und Rodelzeit meist bewirtschaftet), aber gleich nach der Bachbrücke links aufwärts auf schmaler Waldschneise, die schon nach wenigen Tourentagen rasch zu einer Piste ausgefahren ist. Trifft man wieder mit dem Rodelweg zusammen, bleibt man jetzt besser auf diesem, bis kurz vor dem Lehnberghaus (1554 m) – gleich wenn die Hütte ins Blickfeld rückt – die Spur rechts abbiegt.


Abfahrt am lawinensicheren Rücken der Wankspitze, links der Höllkopf und darüber die Marienbergspitzen.
Durch eine breite Schneise mit lockerem Jungwald allmählich steiler werdend auf den flachen Rücken hinter dem Nisskogel, von wo man einen überraschenden Tiefblick auf das ausgebreitete Plateau und das Inntal genießt. In mehreren Stufen aufwärts, immer am freien Rücken bis zum Beginn der Latschenzone, die oft noch einen Meter Schnee vertragen könnte. Die Aufstiegsspur zieht meist in einen ganz engen Bachgraben, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Zwei steile Wellen muss man mit quergestellten Skiern hinaufbretteln. Leichter tut man sich, wenn man schon vor Beginn dieser hohlen Gasse im schmalen Hang links davon bleibt. Danach erreicht man die hindernislosen Hänge. Im Gipfelgelände vermeidet man die breite Flanke links, hält sich immer knapp unterhalb des Gratrückens und kommt mit den Skiern bis zu dem schon von weitem sichtbaren Gipfelkreuz. Abfahrt auf der Aufstiegsroute. Die Spur ist meistens zu einer schmalen Riesenslalompiste ausgefahren. Beim Lehnberghaus überquert man gleich den Rodelweg und kann unterhalb desselben auf der pistenähnlichen Schneise abfahren.
| 14 | Leutascher Dreitorspitze 2682 m |

Unter den Wänden des Mustersteins dehnt sich das riesige Leutascher Platt.
Wettersteingebirge
Hauptkamm
Beeindruckende, alpine Skitour auf einen der wenigen Wetterstein-Skigipfel mit einigen mitunter prekären Passagen. Unser Tipp: Geduldig die richtigen Verhältnisse abwarten und dann rasch zuschlagen!
Ausgangspunkt: Leutaschtal, Reindlau (1080 m)
Höhenmeter, Zeit: 1600 Hm., 4:30 bis 5 Stunden
Lawinensituation: Nur bei allersichersten Frühjahrsverhältnissen.
Österr. Karte: Blatt 117 Zirl, 1:50.000
Wenn die Wiesen im Leutascher Talboden längst grün sind, die Himmelschlüssel blühen und die ersten Frösche sich unter den Schneeresten herausgraben, dann ist oben im Berglental noch tiefster Winter. Dann wäre die richtige Zeit für die Leutascher Dreitorspitze, eine jener seltenen Skitouren im Wetterstein-Hauptkamm, die man gar nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Bei passender Lawinensituation ist die Tour aber den ganzen Winter hindurch ein Vergnügen.

Vom Tal aus, über dem Eingang des Berglentales, sieht man nur das erste, aber entscheidende Drittel der Tour, dahinter verbirgt sich ein riesiges, von hellen Kalkwänden eingerahmtes Kar, das so genannte Leutascher Platt. Im Sommer eine Mondlandschaft, im Winter bzw. bis ins späte Frühjahr endlose Firnhänge unter den Wänden des Bayerländer Turms und des Mustersteins. Der Zugang in dieses verborgene Skiparadies ist aber nicht ganz einfach. Vor allem die steile Querung an den Hängen des Öfelekopfs, genau über der Schluchtkante des Bergleintales, kann unter Umständen kritisch sein. Von der Leutascher Straße kann man diesen Teil bereits gut einsehen und vielleicht abschätzen, ob die Tour sicher zu machen ist.
Ausgangspunkt: Im Leutaschtal von Weidach/Gasse in die Unterleutasch bis Reindlau (großer Campingplatz). Kleiner, kostenloser Parkplatz etwas oberhalb des Hotels Hubertushof, unmittelbar am beschilderten Wegbeginn ins Berglental. Alternativ großer Parkplatz beim Hotel (Gebühr 5 Euro). Die Parkkosten werden bei einer Einkehr angerechnet.
Aufstieg: Man folgt dem Sommersteig auf der linken, westlichen Seite des Baches und gelangt nach der ersten Waldstufe leicht absteigend in ein wildes, von großen Lawinen gefülltes Becken am Beginn der schmalen Felsschlucht. Unmittelbar an der linken Kante des Schluchteingangs führt ein schlechter Steig durch Erlengebüsch hinauf in die freien Hänge unterhalb des Öfelekopfs. Mit einer langen Querung (Harscheisen) durch die steilen Schräghänge wird der Eingang der riesigen Karmulde erreicht. (Manche probieren es auch direkt durch die von Lawinenschnee gefüllte Schlucht, was zwar möglich ist, zeitlich aber überhaupt keinen Vorteil bringt.) Unter der prallen Südwand des Mustersteins zieht man die Spur im ideal gestuften Gelände in der Karmitte aufwärts, oben peilt man das linke Eck an, wo eine schmale Felsrinne den Aufstieg zum Gipfel der Leutascher Dreitorspitze vermittelt. So hoch wie möglich mit Ski, das letzte Stück muss man zu Fuß stapfen. Wichtiger als bei manch anderer Tour ist hier ein früher Aufbruch, damit man die Abfahrt auch im unteren Bereich noch genießen kann.

Ein Frosch in der Skispur: Dann ist es höchste Zeit für die letzten Frühjahrstouren.
| 15 | Pleisenspitze 2569 mLarchetkarspitze 2541 m |

Blick vom Pleisengrat nach Westen zur Hohen Munde und zum Wetterstein.
Karwendelgebirge
Hauptkamm
Eine Skitour der Kontraste im Karwendel: Die Pleisenspitze ist ein viel besuchter Skigipfel. Vollkommene Stille herrscht dagegen ein Kar weiter. Hier finden Sie also – je nach Geschmack und Stimmung – sowohl Gesellschaft als auch Einsamkeit.
Ausgangspunkt: Scharnitz, Hinterautal, GH Wiesenhof (1029 m)
Höhenmeter, Zeit: 1530 Hm., 4 bis
Lawinensituation: Pleisen wenig gefährdet, wenn man schön am Rücken bleibt, für die wesentlich alpinere Larchetkarspitze sind sichere Verhältnisse Voraussetzung.
Österr. Karte: Blätter 117 Zirl und 118 Innsbruck, 1:50.000
Die meisten Karwendelberge sind im Winter schwer einnehmbare Bastionen und fast allen ist ein endlos langer Talmarsch vorgelagert. Eine Ausnahme ist dabei die Pleisenspitze bei Scharnitz, die besonders zur Firnzeit, aber oft schon ab Mitte Februar viel Besuch von Skibergsteigern erhält. Als westlichster Gipfel im Hauptkamm liegt sie ganz nahe am Eingang des Hinterautals, doch auch hier ist erst einmal ein halbstündiger Marsch von der Isarbrücke bis zum Wiesenhof zu bewältigen, was aber im Vergleich mit anderen Karwendeltouren nur ein Klacks ist. Auch der eintönige Anstieg zur Pleisenhütte ist noch nicht das Gelbe vom Ei, aber hat man endlich den Wald überwunden und die Mittelstation der Skitour erreicht, dann wird es wunderschön. Bei guten Verhältnissen streben ganze Kolonnen ins Vorderkar und dem Hinteren Pleisengrat entgegen, während Individualisten gleich oberhalb der Hütte, aber noch in den flachen Latschenhängen die Pleisenspur verlassen und nach rechts ins benachbarte Mitterkar zur Larchetkarspitze ziehen. Dieses ist allerdings etwas steiler, und zum Schluss wartet noch ein kurzer Felsgrat mit einem Miniklettersteig.
Ausgangspunkt: In Scharnitz bei der Kirche Einfahrt zu den Karwendeltälern. Parkplatz vor der Isarbrücke (6 Euro/Tag) und 1,5 km Fußmarsch auf der Hinterautalstraße bis zum Wiesenhof. Direkt beim Wiesenhof gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz.
Aufstieg: Ein paar Schritte vor dem Wiesenhof links bei Wegweiser auf den Forstweg durch den Lablehnerwald, bei zwei Gabelungen jeweils rechts bis zur schottrigen Runse des Wasserlegrabens. Unmittelbar nach dem Bach kann man den Fahrweg verlassen und in gerader Linie – bei ausreichender Schneelage immer angespurt – durch den Wald aufsteigen, bis man wieder auf den Weg trifft. Jetzt folgt man am besten den Kehren des Sommerweges. Nach einer langen Rechtsquerung ist dann die an Wochenenden bewirtschaftete Pleisenhütte (1757 m, 2 Stunden, Tel. 0664/9158792) erreicht. Von der Hütte zieht man leicht rechts haltend auf das unmittelbar unter dem Pleisengipfel gelegene, von zwei Gratausläufern umrahmte Vorderkar zu. Sobald der unterste Karboden erreicht ist, biegt man nach rechts durch die (mehr oder weniger dicht verschneiten Latschengassen) auf den breiten Rücken des Hinteren Pleisengrates, der von unten betrachtet harmlos kurz aussieht. Die optische Täuschung wird einem bald bewusst, wenn die vielen Kehren kein Ende nehmen wollen. Dafür ist der Hang bei weitem nicht so steil, wie es von ferne den Anschein hatte. Nach der Kante wird der Rücken merklich flacher und im Linksschwenk erreicht man den Gipfelaufbau. Abfahrt auf der gleichen Route. Bei sicheren Firnverhältnissen ist eine Abfahrt etwas direkter unter dem Gipfen sehr schön. Nicht zu spät abfahren ist die Devise. Aber man merkt ja selbst, wie die Schneedecke mit der Tageserwärmung aufweicht und wann es höchste Zeit ist, die Kurve zu kratzen.

Zur Larchetkarspitze: Im Gegensatz zur oft schon pistenmäßig angefahrenen Pleisenspur findet man hier nach wenigen Schritten und mit einem Schlag die berühmte Bergeinsamkeit, ein Firnkar mit einem tollen Schlusshang und eine fast dolomitenähnliche Zinne, wo man die Sicherungsseile gerne in die Hand nimmt.
Von der Hütte also noch ein paar Minuten auf der Spur Richtung Pleisen, dann immer rechts querend über kupiertes Latschengelände unter dem plattigen Auslauf des Hinteren Pleisengrates herum, bis einem der grandiose Blick ins Mitterkar den Atem raubt. Unterhalb der wasserzerfressenen Kalkplatten leicht fallend in den Karboden. Über fantastische Skihänge, zum Schluss ordentlich steil, zielt man gerade auf das Felshorn der Larchetkarspitze zu und steigt hinauf zur Scharte am Ansatz ihres felsigen Ostgrates und einem Köpfl rechts davon (Skidepot). Durch eine Schneerinne steil hinauf zum Grat, zum Schluss 80 Höhenmeter entlang der Sicherungsseile zum schmiedeeisernen Gipfelkreuz (insges. 4 bis 4:30 Stunden).

| 16 | Zäunlkopf 1746 m |

Ein selten schöner Aussichtspunkt mit Blick auf alle Karwendelketten ist der Zäunlkopf.
Karwendelgebirge West
Ausläufer der Erlspitzgruppe
Die etwas andere Skitour in Scharnitz: Ein biederer Vorberg des Karwendels, der eine reine Waldtour bietet, Sie jedoch mit viel Bergeinsamkeit sowie mit einer überwältigenden Traumaussicht belohnt – ein Geheimtipp für Individualisten und Landschaftsgenießer.
Ausgangspunkt: Scharnitz, Mühlberglift (960 m)
Höhenmeter, Zeit: 800 Hm., 2 bis 2:30 Stunden
Lawinensituation: Kaum lawinengefährdet.
Österr. Karte: Blatt 117 Zirl, 1:50.000
Auch noch so passionierte Tourengeher werden in der einschlägigen Literatur vergebens nach einer Skitour auf den Zäunlkopf suchen, denn es ist so etwas, was die Einheimischen als absoluten Geheimtipp bewahren und wo ein „Fremder“, ohne eine Aufstiegsspur vor sich zu haben, auch kaum hinfinden würde.

Das Gelände beginnt recht gemischt, führt anfangs noch problemlos auf einer aufgelassenen Pistentrasse hinauf auf den Mühlberg, dann durch lockeren Wald mit schmalen Schneisen bis zum Mittagskopf und das letzte Stück über einen freien Latschenrücken auf einen nur mehr von einzelnen Bäumen bestandenen kahlen Kopf. Voraussetzung ist eine genügend dicke Schneedecke im Wald.
Unternehmen kann man diese etwas andere Skitour sogar dann, wenn ringsum eine hohe Lawinengefahrenstufe herrscht und im Radio von Touren im freien Gelände gewarnt wird. Oder wenn man mit sich und der Bergwelt allein sein und nicht das Vergnügen mit „Millionen“ von Gleichgesinnten teilen will, wie ich einen Tourengeher auf einem Gipfel im Kühtai klagen hörte. Das Besondere an dieser etwas rustikalen Tour ist die gewaltige Rundumsicht. Von nirgends präsentiert sich das Karwendel mit seinen aufgeklappten Tälern und schroffen Ketten dermaßen übersichtlich wie von dieser unscheinbaren Warte. Nahtlos wechselt das Panorama über die Ahrnspitzen zum Wetterstein und zur Hohen Munde.
Ausgangspunkt: In Scharnitz (von Seefeld kommend) gleich nach der Ortstafel rechts in den Mühlbergweg, über das Bahngleis und wiederum rechts zur Talstation der aufgelassenen Sesselbahn des Mühlbergliftes. Meist gut geräumter Parkplatz (ebenfalls Beginn einer 2 km langen super Rodelbahn).
Aufstieg: Zuerst auf der Pistentrasse immerhin an die 300 Höhenmeter bis zur Bergstation am Mühlberg. Weiter geht es nun rustikaler. Nach links in den Wald, ein paar Schritte abwärts in die anschließende Senke und so ziemlich in Richtung Nordost durch lockeren Wald (eine Sommermarkierung auf den Bäumen sollte man finden) zu einer ersten flachen Lichtung. Eine deutliche Schneise bergan, an ihrem Ende nach rechts und über kurze Steilstufen auf den Mittagskopf, der vom Zäunlkopf noch deutlich abgetrennt ist. Steil abwärts in das trennende Schartl – ein kurzes Stück muss man abrutschen – und jetzt im freien Gelände ziemlich genau am Rücken oder rechts daneben zur baumlosen Gipfelkuppe des Zäunlkopfs. Abfahrt genau auf der Aufstiegsroute, ein paar Gegenbichl muss man wieder hinaufbretteln.

Als kahle Kuppe präsentiert sich der Zäunlkopf.
| 17 | Schafreuter 2102 m |

Im Sommer geht’s entlang von Steinmandln von der Tölzer Hütte zum Gipfel.
Karwendel-Vorgebirge
Auch Tiroler dürfen auf einen „Münchner Hausberg“. Die zahlreichen deutschen Skitourengeher, die hierher strömen, verteilen sich erstaunlich gut, so dass Sie sich von diesem lohnenswerten bayrischen Ziel nicht abhalten lassen sollten.
Ausgangspunkt: Oswaldhütte im Risstal (840 m)
Höhenmeter, Zeit: 1260 Hm., 3:30 Stunden
Lawinensituation: Nur bei stabilen Verhältnissen empfehlenswert.
Österr. Karte: Blatt 87 Walchensee, 1:50.000
Den ganzen Winter über ist diese Tour viel begangen, dadurch sind die steilen Gipfelhänge immer angefahren. Obwohl der Anstieg auf den Schafreiter oder Scharfreuter oder Schafreuter zur Gänze über bayrisches Territorium führt, haben auch Tiroler ein Anrecht darauf, diesem tollen Skigipfel einen Besuch abzustatten – denn das Gipfelkreuz steht ja zur „Hälfte“ auch auf Tiroler Boden, weil die nördliche Landesgrenze über diesen letzten Zweitausender vor den bayrischen Voralpen führt. Einen besonderen Vorteil hat die Tour aufzuweisen: Mittels Übersichtstafeln und Beschilderung versucht man hier die Massen möglichst umweltverträglich zu kanalisieren, was meiner Meinung nach ganz gut gelungen ist. Noch ein Tipp: Der Berg ist auch im Sommer einen Besuch wert (s. Foto), am schönsten mittels einer Runde über die Tölzer Hütte.
Ausgangspunkt: Vom deutschen Vorderriss Richtung Tiroler Hinterriss (Parken nahe der Oswaldhütte und Haltestelle, km 4,5 (WW zur Tölzer Hütte). Bei hohem Andrang wird meist entlang der ganzen Straße geparkt. Beginn der Forststraße 50 m weiter zwischen Privathaus (re.) und Kraftwagen-Garage (li.). Bei guten Verhältnissen und am Wochenende kann man schon mal einige Minuten an parkenden Autos entlang wandern, bevor man zum Forstweg kommt.
Aufstieg: Von der Übersichtstafel auf dem meist zur Piste ausgefahrenen Fahrweg zur Moosenalm. Nach einem Viehgatter Schranken und Skitafel von DAV + ÖAV. Über den Kälbergraben zur Alm und über tolles Skigelände hinauf zum Sommerweg zur Tölzer Hütte

Alternativer Aufstieg über Forstweg: Start bei der Übersichtstafel zum naturverträglichen Routenverlauf, ca. 1 Stunde entlang der Almstraße zur Moosenalm. An einer weiteren Tafel in einer Links-Kehre (ca. 1370 m) zweigt man nach rechts ab, über den Kälbergraben Richtung Mooslahner Alm (nicht bewirtet), weiter über schönes Skigelände auf den Schafreuter und seine Westhänge zu. Noch vor dem Bergkessel quert man auf dem Sommerweg zur Tölzer Hütte kurz steil nach links (Süden), bis große frei Hänge links zum breiten Nordwestkamm hinaufziehen. In etlichen Serpentinen zu diesem aufwärts bis kurz vor das Gipfelkreuz. Das letzte Stück ist schmal und meist stark überwechtet.
Abfahrtsvariante: Bei sicheren Verhältnissen kann man direkt über den Westhang rechts von der Aufstiegsspur abfahren, bis man den Sommerweg wieder erreicht.

Die Tourenmassen in den Griff bekommen will der DAV mit solchen Info-Tafeln.
| 18 | Eppzirler Scharte 2083 m |

Skispaß während einer Rastpause auf der Eppzirler Alm.
Karwendel
Erlspitzgruppe
Wenn Sie einen Blick fürs Gelände und eine ausgeprägte Kondition haben, wird Sie diese anspruchsvolle Karwendelüberschreitung von Süd nach Nord begeistern.
Ausgangspunkt: Bahnhof Hochzirl (930 m)
Höhenmeter, Zeit: 1200 Hm., 3:30 Stunden
Lawinensituation: Nur bei besten Pulververhältnissen oder sicherem Firn.
Österr. Karte: Blatt 117 Zirl, 1:50.000
Die Eppzirler Scharte ist bei den Zirlern, neben dem Solstein, ein beliebtes alpines Skitourenziel – sowohl die sonnige, daher schon im Hochwinter meist firnige Südseite als auch die bis zum Frühling tiefpulvrige Nordseite von der Eppzirler Alm aus. Am schönsten ist aber eine Überschreitung von Hochzirl durchs Höllkar über die Scharte und Abfahrt durchs Kuhloch hinaus zur Eppzirler Alm und durchs Eppzirler Tal bis vor die Bahnstation Gießenbach (Züge retour nach Hochzirl um 7 nach voller Stunde, aber nicht um 16:07, Preis 5.30 Euro, Dauer 21 Minuten).

Ausgangspunkt: Von der Seefelder Bundesstraße in Zirl rechts zum Landeskrankenhaus Hochzirl, vor der Bahnunterführung Parkplätze unterhalb des Bahnhofs. Es gibt auch einen kleinen Parkplatz direkt oberhalb des LKH, von dem man direkt losgehen kann.
Aufstieg: Mit den Skiern am Rucksack unter der Mittenwaldbahn durch, den Wegweisern folgend zum Solsteinhaus. Man mündet in die Wege, die vom Krankenhaus bzw. von der Zufahrtsstraße heraufkommen, ein, gelangt durch schönen Föhrenwald zum „Thomasegg“ und erreicht kurz danach die Materialseilbahn, 1:15 Stunden. Eben in einen Bachgraben, diesen querend am Sommerweg hinauf zur privaten Solnalm, 1644 m. Hier wird der Blick frei hinauf zu den markanten Berggestalten der Kuhlochund Erlspitze. Nun entweder – je nach Skispuren – rechts 35 Hm. hinab in den Graben oder am Sommerweg etwas heikel den steilen Waldgürtel querend zum Beginn des Höllkars. Auf der gegenüberliegenden Grabenseite zieht nach einer 180-Grad-Kehre der Hüttenweg hinauf zum schon lange sichtbaren Solsteinhaus. Jetzt steigt man im sich bald weiter öffnenden Höllkar mittelsteil über tolles Skigelände aufwärts und zum Schluss steiler werdend unterhalb der Erlspitze ins linke breitere Schartl; 1200 Hm./3:30 Stunden. Hier kann man ohne Rucksack, aber mit Fellen – bei entsprechendem Firn einige hundert Höhenmeter ins Höllkar abfahren und wieder aufsteigen.
Weiterweg bzw. Abfahrt nach Norden: Über gut 30 Grad steile Hänge ins immer breiter werdende Kuhloch und sanft ausschwingend 700 Höhenmeter Schwung um Schwung zur Eppzirler Alm. Hier ist eine Rast empfehlenswert, um einen der schönsten Talkessel des Karwendels auf sich wirken zu lassen. Über flache Almwiesen talaus – 10 Min. fest schiebend – zu einem Eisengatter. Ab hier flott auf dem Fahrweg (immer angefahren) abwärts zum Gießenbach (bei der Brücke Abzweigung hinauf zur Oberbrunnalm). Auf der geräumten Straße – oberhalb der kurzen Schlucht entlang – in schönem Tempo bis zum Parkplatz vor der Haltestelle Gießenbach.
| 19 | Großer Solstein 2511 m |

Das Solsteinhaus mit Kuhlochspitze, rechts unten der Erlsattel.
Karwendel
Inntalkette
Die „alpine Firntour“ im Raum Innsbruck: durchgehend steil (aber etwas weniger als die Hohe Munde), viele Höhenmeter zurückzulegen, anspruchsvolle Strecke. Dafür gibt es ein großartiges Panorama, aber nur für erfahrene Tourengeher.
Ausgangspunkt: Landeskrankenhaus Hochzirl (ca. 1000 m)
Höhenmeter, Zeit: 1600 Hm., 3:30 bis 4 Stunden
Lawinensituation: Nur bei sicherem Firn.
Österr. Karte: Blatt 117 Zirl, 1:50.000
Fast jeder Tiroler kennt den riesigen Westhang des Großen Solsteins – diesen einmal mit Tourenskiern hinunterzuschwingen, braucht’s einige Voraussetzungen, die nicht so leicht unter einen Hut zu bringen sind: Da wären einmal maximal Lawinenstufe 2, weiters eine perfekt verfestigte Schneedecke, eine klare Nacht vor dem und viel Sonne während des Tourentages, dann sollte der Schnee noch ziemlich weit zum Ausgangspunkt reichen – diese Konstellation ist meist erst ab Mitte März gegeben. Wenn aber alles passt, ist allein die Fast-1000-m-Abfahrt über 30–35 Grad steiles Skigelände hinunter zum Ehnbach die Aufstiegsmühen wert; die Abfahrt von der Solnalm hinunter zur Materialseilbahnstation am Oberbach eine feine Draufgabe. Diesen neuralgischen Punkt zu erreichen, gibt’s mehrere Varianten, die kürzeste sei hier beschrieben.
Ausgangspunkt: Von der Zirlerbergstraße die 2. Abfahrt rechts hinauf zum LKH Hochzirl, oberhalb des Haupteingangs rechts zu kleinem Parkplatz vor Fahrverbot, ca. 1000 m. Ist der Großteil der Strecke zur Solsteinhaus-Materialseilbahn aper, – was im Frühjahr häufig der Fall ist – empfiehlt sich die Verwendung eines Mountainbikes. Man gewinnt zwar beim Aufstieg kaum Zeit, da man einen Großteil der knapp 4 km schieben muss, verkürzt aber die Abfahrt.


Der riesige Gipfelhang des Großen Solsteins.
Aufstieg: Vom Parkplatz eben ostwärts bis zur Einmündung des Fußweges vom Bahnhof Hochzirl herauf (WW Solsteinhaus). Nun steil weiter Richtung „Thomasegg“, wo die Fahrstraße einmündet. In ein paar Minuten zur Materialseilbahn am Oberbach, 370 Hm. Diesen querend auf dem Sommerweg durch den lichten Wald aufwärts zur privaten Solnalm, 1644 m. Auf gleicher Höhe bleibend etwas heikel hinein in den Ehnbachgraben und mit einer U-Schleife auf die andere östliche Seite. Steil hinauf zum schon lange sichtbaren Solsteinhaus, 1806 m (mit frei zugänglichem Winterraum); 1 Std. Den Wegweisern folgend abwärts in das Erlalmsattele und so bald wie möglich durch Latschengelände rechts auf den breiten Westrücken hinausqueren. Dieser legt sich erst ab einer Höhe von 2400 m etwas zurück, ehe man nach einer sich ordentlich „ziehenden“ Gipfelkalotte das metallene Gipfelkreuz erreicht, 1:30 bis 2 Stunden. Die Aussicht ins Karwendel ist grandios, hinunter ins smoggeplagte Inntal weniger.
Abfahrt wie Aufstieg bis zum Solsteinhaus, dort fährt man entweder im Graben, links oder rechts davon hinunter zum Ehnbach und steigt 50 Hm. hinauf zur Solnalm. Beim Abstieg darauf achten, die Abzweigung vom Forstweg nach links Richtung Hochzirl Bahnhof nicht zu verpassen.
| 20 | Hochglückscharte 2387 m |

Blick nach Norden über den Großen Ahornboden bis ins Alpenvorland.
Karwendel
Hauptkamm
Man glaubt es kaum – Buckelpisten in einem Karwendelkar. Doch man muss für dieses Vergnügen genau den richtigen Zeitpunkt abwarten – zumindest so lange, bis die Straße in die Eng frei ist. Dann auf „zum Sommerskilauf ins Hochglückkar“!
Ausgangspunkt: Parkplatz Alpengasthaus Eng (1218 m)
Höhenmeter, Zeit: Ca. 1150 Hm., 2:30 bis 3 Stunden
Lawinensituation: Nur sinnvoll bei optimalen Firnverhältnissen.
Österr. Karte: Blatt 118 Innsbruck, 1:50.000, AV-Karte 5/2 Karwendelgebirge Mitte, 1:25.000
Der Große Ahornboden ist eine ganz besondere Sehenswürdigkeit im Naturpark Karwendel. Nicht nur im roten Herbstlaub, auch im Bergfrühling, wenn sich die knorrigen Ahorne ganz zaghaft mit dem ersten Blattgrün schmücken. Kaum ist die Straße in die Eng schneefrei, schon begegnen sich Ausflugstouristen, Radfahrer und sonst noch alles, was Rollen an den Beinen hat – und die letzten Skitourengeher, die ihr Glück bereits in den frühen Vormittagsstunden im weitläufigen Kar unter den Wänden von Hochglück und Spritzkarspitze finden und sich mit den letzten Schwüngen von einer langen Skisaison verabschieden.
Aus dem Inntal wird es gleich einmal eine 100-km-Fahrt rund um das ganze Karwendel – aber eine lohnende und landschaftlich besonders imposante Skitour für Frühaufsteher ist es allemal, die man nur im späten Frühjahr machen kann.

Ausgangspunkt: Über Achensee/Achenkirch und gleich nach dem ehemaligen Zollamt Abzweigung links nach Vorderriss/Hinterriss zum Großen Ahornboden (43 km ab Abzweigung). Ab Hinterriss Maut, 4.50 Euro pro Pkw. Mautstraße im Regelfall ab Anfang Mai geöffnet. Über Scharnitz/Mittenwald bis Krün/Wallgau, ab hier ebenfalls Mautsträßchen (4.50 Euro) bis Vorderriss.
Aufstieg: Start für Tourengeher am Parkplatz in der Eng. 20 bis 30 Minuten wird man die Skier wohl schon tragen müssen, bis man zum Schnee kommt. Am besten schont man den weichen Almboden und marschiert auf dem Fahrweg zu den Hütten der Engalm. Dort auf dem Almweg nach links zum Hangfuß hin und auf dem „Panoramasteig“ zum Schneebeginn. Aufstieg zuerst genau unter der Nordwand der Spritzkarspitze bis zu einer ebenen Terrasse mit einem weithin sichtbaren einzelnen Stein. Nun ansteigende lange Querung im breiten Schräghang (Harscheisen) nach links zu einem von einzelnen Lärchen und Latschen bestandenen Rücken und über diesen gerade hinauf ins Hochglückkar. Ein Steilhang in Karmitte, oft schon zur Buckelpiste ausgefahren, kann in einer Linksschleife leicht umgangen werden. Am Schluss zieht der Hang stets steiler werdend zur engen Scharte empor. Das letzte Stück nur mehr zu Fuß; wenn es hart ist, wären sogar Steigeisen angebracht. Die meisten haben aber schon längst am obersten Karboden ihre „Brotzeit“ gemacht und warten hier, bis es richtig auffirnt. Abfahren sollte man spätestens zwischen 11 und 12 Uhr, was bedeutet, dass man so gegen 7 Uhr aufbrechen sollte.

Unter der Nordwand der Spritzkarspitze geht es nach links ins Hochglückkar.
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