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Frank Baumann
Single in 365 Tagen
Ein Leidfaden für Golfer

Einer der ganz großen Träume der golfenden Menschheit (vor allem der männlichen) ist es, so gut Golf zu spielen, dass man eines Tages »single« ist. Nicht etwa Single im Sinne von ledig, sondern lediglich single! Einstellig. Handicap 9 oder tiefer. Bloß, je verbissener man dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen versucht, desto größer ist die Chance, dass die Beziehung zu Bruch geht und man ein Single wird, bevor man single ist. Und deshalb erklärt Frank Baumann in seinem heiteren Werk, das vor allem auch durch die zahlreichen amüsanten Illustrationen besticht, wie man schlechter Golf spielen und dadurch seine Beziehung retten kann.
Aber auch die Angefressenen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein Single-Handicap zu haben, werden begeistert sein. Denn liest man zwischen den Zeilen und macht konsequent das Gegenteil von dem, was vom Autor geraten wird, ist die Chance relativ groß, dass man in 365 Tagen tatsächlich einstellig sein wird. Allerdings dann eventuell auch ein Single!
Trailer zu »Single in 365 Tagen«:
www.woerterseh.ch
»Eine grandiose Annäherung an die Leiden und Freuden all jener, die das Golfspiel lieben.«
Mo Wright, PGA-Golf-Proette, Winterberg
»Ich weiß, Frank Baumann ist immer für eine Überraschung gut. Trotzdem hat mich sein Buch verblüfft, und ich wage zu behaupten: Es ist für Profis, genauso wie für Neulinge, ein Muss. Warum? Man kann bei der Lektüre so wunderbar über sich selber lachen. Balsam auf die Seele eines jeden Golfers!«
Bernhard Russi, ehemaliger Schweizer Skirennfahrer und Single-Handicapper
»Ein ironischer Blick auf das Golfspiel mit all seinen liebenswerten und manchmal eben auch sehr abstrusen Seiten: Mit diesem Buch bringt Frank Baumann auf überaus amüsante Art selbst fanatische Golfer zum Schmunzeln.«
Petra Himmel, Golf-Journalistin, Süddeutsche Zeitung
Spielst du Golf, oder hast du noch Sex? Eine selten dämliche Frage. Natürlich spiele ich nur noch Golf … im Gegensatz zu Tiger Woods! Aber dass beides möglich ist, beweist Frank Baumann eindrücklich mit seinem Buch! Danke Frank. Ich spare mir mit Deinem Buch den Therapeuten!
Marco Rima, Schauspieler, Kabarettist, Autor und Golfer.

© Gianni Pisano
Frank Baumann, geb. 1957 in Zürich, ist Texter, TV-Produzent und künstlerischer Leiter des Arosa Humorfestivals. Baumann gewann mit seinen Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem wurde er 1999 am Festival »Rose d’Or« für seine TV-Sendung »Ventil« ausgezeichnet. 2009 wurde seine Sendung »Ein Fisch für 2« für den renommierten Adolf-Grimme-Preis nominiert. Mit »Single in 365 Tagen« erinnert sich der Mann, der in seinen frühen Jahren als Gerichtszeichner und politischer Karikaturist für die verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften tätig war, an sein zeichnerisches Talent. Frank Baumann ist Captain des Buna Vista Golf Sagogn und – obwohl »Single-Handicapper« – glücklich verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes. Er lebt in der Nähe von Zürich und in Vals.
www.frankbaumann.ch
Alle Rechte vorbehalten, einschließlich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe.
Achtung: Die karikierten Personen stehen mit den Handlungen in keinem Zusammenhang.
© 2013 Wörterseh, Gockhausen
Lektorat: Petra Himmel, Gauting
Korrektorat: Andrea Leuthold, Zürich
Umschlaggestaltung: Thomas Jarzina, Holzkirchen
Foto Umschlag: © John Lund/Stephanie Roeser/Blend Images/Corbis
Illustrationen: Frank Baumann
Layout, Satz und herstellerische Betreuung:
Rolf Schöner, Buchherstellung, Aarau
Print ISBN 978-3-03763-039-6
E-Book ISBN 978-3-03763-537-7
www.woerterseh.ch
Lerne leiden, ohne zu klagen!
Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen aka Friedrich III. (1831–1888)

Je mehr Schläge, desto besser
Anders als alle anderen Golfbücher erklärt dieses wahnwitzige Werk, wie man schlechter Golf spielt. Darum wird es vor allem all jenen gut gefallen, die lieber extrem viele Golfschläge machen statt möglichst wenige. Jenen also, die etwas auf der Golfrunde erleben und das teure Greenfee amortisieren wollen.
Schritt für Schritt wird erklärt, wie man ohne großen Aufwand Runden von 137 und mehr Schlägen spielen kann. Wie man also mit weniger Training mehr Zeit für sich und die Familie hat. Mehr Zeit für die Familie bedeutet: keine Grundsatzdiskussionen morgens um 3 Uhr 20, kein Erklärungsnotstand. Und dies wiederum bringt Ruhe ins Leben und Glück.
Aber auch die Angefressenen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein Single-Handicap zu haben, werden begeistert sein. Denn liest man zwischen den Zeilen und macht man konsequent das Gegenteil von dem, was geraten wird, ist die Chance relativ groß, dass man in 365 Tagen tatsächlich einstellig sein wird.
Doch Vorsicht: 365 Tage, das bedeutet nichts anderes, als an 365 Golf-Tagen die Schläger zu schwingen bis die Bandscheiben knacksen. Endlos kurzes Spiel zu üben. Putten, bis das Gesicht einschläft, tonnenweise Sand aus dem Bunker zu schippen, im Rough herumzusensen und Turnier um Turnier zu spielen, das Autolenkrad wie ein Eisen 7 zu greifen, auf Schritt und Tritt Distanzen zu schätzen und vor und während des Einschlafens an nichts anderes mehr zu denken als an »Easy Swing«, »Longest Drive« und »Chip and run«, an »Fade« und »Draw«, an »Eagle-Putt« und »Dolly Buster« (vgl. Seite 28).
Wer diese Folter auf sich nimmt, wird (mit etwas Talent) in zwei, drei Jahren nicht nur sein ersehntes Single-Handicap haben und »single« sein, sondern eben auch ein Single. Also getrennt und mausbeinallein daheim.

Bloß nicht Single werden
Sie sind bereits Single? Dann können Sie dieses Buch weglegen. Sie möchten Single werden? Dann können Sie es auch weglegen. Sie möchten auf keinen ein Fall Single werden? Dann sind Sie hier richtig.
Einer der ganz großen Träume der golfenden Menschheit (vor allem der männlichen) ist es, eines Tages »single« zu sein, im Golf ein einstelliges Handicap zu haben. Also nicht Single im Sinne von ledig, sondern lediglich »single«! Einstellig. Handicap 9 oder tiefer.
Je verbissener man dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen versucht, desto größer ist allerdings die Chance, dass die Beziehung zu Bruch geht und man Single wird, bevor man »single« ist. Eigentlich logisch, denn mit einer ehrgeizigen Golferin beziehungsweise einem angefressenen Golfer zusammenzuleben, bedeutet für jeden noch so verständnisvollen Partner die Hölle auf Erden. Der Crash der Ehe ist praktisch programmiert. Tag und Nacht nur Golf, und vor dem Zubettgehen noch rasch die Schlüsselmomente der letzten Runde nachstellen, das hält keiner aus. Spätestens in 365 Tagen ist man wieder ledig – also Single.
Unsere Methode gegen das Schicksal »Single in 365 Tagen« wird Ihnen dabei helfen, sich selbst und die Beziehung zu retten. Wenn Sie sich eisern an die Ratschläge halten, werden Sie mit größter Freude und völliger Gleichgültigkeit auf niedrigem Niveau Golf spielen. Sie werden in einem Zustand meditativer Gelassenheit den »weglosen Weg durchs torlose Tor« gehen.
Und sich die Kosten für einen Scheidungsanwalt sparen.

Fast nichts ist unmöglich
Vorsicht: Dieser Leidfaden ist kein Golfbuch im eigentlichen Sinne. Wie der korrekte Golfgriff sein sollte, auf welchem Fuß man wann wie viel Prozent seines Gewichtes haben muss oder welcher Schwung (ob »single« oder »double plane«) der richtige ist, das wird man im vorliegenden Buch gewiss nie erfahren.
Meine erste 65er-Runde spielte ich auf dem Par-72-Golfplatz von Carnoustie in Schottland. Am heutigen Championship Course haben über die Jahre zuerst ein gewisser Allan Robertson, dann »Old« Tom Morris und schließlich James Braid herumgewerkelt, bevor er 1926 ein ordentlicher Golfplatz mit achtzehn Löchern wurde. Jetzt ist er 6941 Yards, also 6346 Meter, 85 Zentimeter und 0,8 Millimeter lang.
Obwohl der Franzose Jean Van de Velde hier 1999 mit einer saftigen Sieben am achtzehnten Loch all seine Major-Träume begrub, fand ich den Platz nicht so schwierig, wie er immer beschrieben wird (mehr dazu auf Seite 69).
Wesentlich anspruchsvoller erscheint es mir, das Zusammenleben mit einer Frau in den Griff zu bekommen als Carnoustie.
Generell ist die Paarbeziehung ja eine hochexplosive Lebensform! Da lachen wir uns doch glatt weg, wenn wir hören, dass kiffende Klippenspringer, Extremskifahrer oder einer, der sich in einem Klohäuschen auf eine Höhe von 31 333 Meter hochziehen lässt, von Red Bull gesponsert werden. Ha! Alles Weicheier. Wir sind es, die gesponsert werden sollten. Wir, die Ehemänner. Wir, die wir im Auftrag unserer Partnerinnen Dinge tun, die wir in der freien Wildbahn nie täten. Zum Beispiel zwei gefüllte (inoffizielle) Abfallsäcke in einen (gleich großen!) offiziellen moschten, um ein paar Rappen zu sparen. Mit einer Frau Tisch und Golfbag zu teilen, ist eine der letzten großen Herausforderungen der männlichen Menschheit!

Stabhochsprung auf Mallorca
Golf ist eine der schwierigsten Sportarten. Die zweitschwierigste überhaupt, sagen Fachleute. Bloß Stabhochsprung sei noch komplexer.
Doch Golf – mit all seinen Geräten, den Umwelteinflüssen und der verstörend oft wechselnden Topografie und, nicht zu vergessen, den strengen Regeln – ist nicht zu toppen. Und überhaupt, wer springt schon Stab? Voilà, da haben wirs schon! Nein, Stabhochsprung ist nix für Golfer. Hat ja auch relativ wenig Spielerisches, die Springerei. Also hören Sie auf damit, falls Sie es tatsächlich tun sollten. Spielen Sie Golf.
Alles, was Sie dazu brauchen, ist eine teure Ausrüstung, einige tausend Bälle, Nerven, ein gesundes Maß an Masochismus und Zeit. Viel Zeit. Sehr viel Zeit. Der Rest erledigt sich von selbst. Klar, beim Stabhochsprung kommen Sie mit wesentlich weniger Material aus. Eine Latte, eine Stange, eine alte Matratze, zwei, drei Meter Verbandsmaterial genügen.
Andererseits ist Stabhochsprung ein Vergnügen, das man nicht unbedingt als gesellig bezeichnen möchte. Kunststück, auf einer Höhe von rund fünf Metern irgendwo da droben. (Die Damen circa 4 Meter 80, die Männer über sechs Meter. Und Sergei Bubka hält mit 6,14 Metern noch immer den Weltrekord.)
Alles wunderbar – aber jetzt stellen wir uns doch einfach mal vor, wir machen mit unserem Partner Stabhochsprungurlaub auf Mallorca. In Schottland, in Südafrika oder Kalifornien. Wir springen die schönsten Plätze, kaufen uns im Pro-Shop neue Stäbe und sündhaft teure Poloshirts mit dem Logo des gediegenen Stabhochsprung-Resorts von Pebble Beach und genießen anschließend ein vorzügliches Essen im Klubrestaurant und beenden den Ausflug mit einer kubanischen Zigarre. Halten Sie das für realistisch? Eben.

Die Paartherapie
Spielen Sie Golf, oder haben Sie noch Sex? Was wie ein Witz klingt, ist selbstverständlich keiner. Ja, überlegen wir uns doch einfach mal, mit welcher Lüsternheit ein Mensch, der stundenlang in der sengenden Sonne rumstolperte, im Unterholz und im knietiefen Gras nach seinem Golfball suchte, verzweifelt in Sandbunkern herumschaufelte und in Wasserhindernissen von blutgeilen Stechmücken ausgesaugt wurde, überlegen wir uns doch einfach mal, mit welcher Lüsternheit jemand, der dermaßen vom System und sich selber fertiggemacht wurde, mit welcher Basisschärfe so jemand nach Hause kommt. Egal, ob Männlein oder Weiblein.
Dass Menschen, die sich bis schier zur Bewusstlosigkeit über ihre eigenen Fehler ärgern mussten, sich vor Wut über ihre ins Sankt-Nimmerleins-Tal geballerten Bälle und vergeigten Dreißig-Zentimeter-Putts am liebsten in den Hintern beißen wollten, dass solche Patienten nach der Runde, erfüllt von Liebe und Romantik, ins Bett oder auf den Partner auf dem Küchentisch steigen würden, scheint unwahrscheinlich. Nein, das Gegenteil ist der Fall; die armen Schweine können nicht abschalten. Ja wie denn, wenn dir zum Heulen zumute und die Stimmung im Eimer ist?! Einzeln oder in der Kleingruppe wird jeder Schlag, jede Situation noch einmal analysiert, wird das nächstbeste Subjekt, nicht selten eben der Partner, mit Geschichten gelangweilt, die individuell vielleicht von größter Wichtigkeit sein mögen, für den Rest der Welt jedoch nur sehr, sehr am Rande von Bedeutung sind.
Die Stabhochspringer habens da übrigens ein bisschen einfacher: So wahnsinnig variantenreich sind die Erlebnisse dort oben in der Luft ja nun auch wieder nicht, dass sie einem Psychiater erzählt werden müssten. Aber beim Golf, klar, da gehts kaum ohne.

Der Söiniggäl
Nun könnte man natürlich unken, was soll denn das Gejammer? Dann hört halt auf mit dem Schwachsinn. Es geht doch auch ohne. Klar, es geht im Leben ja auch ohne Stabhochsprung, ohne Bücher, ohne Religion, ohne Aston Martin, ohne klassische Musik, ohne Philosophie, ohne Kunst und ohne Sex. Aber andererseits ist es doch irgendwie lustiger mit.
Und ist es nicht ein prima Gefühl, nach einem aufreibenden Golftag geknüttelt auf die Matratze zu fallen? Und mit oder mit ohne Sex wegzudriften?
Haben Sie übrigens schon mal bemerkt, dass Sie, ganz egal, ob nach der ersten oder der hundertsten oder der tausendsten Runde, jeden Schlag, den Sie gemacht haben, in Ihrem Golf-Gedächtnis abgelegt haben. Jeden. Die Runden sind vorübergehend eintätowiert. Leben Sie damit!
Es ist zum Glück ja nur vorübergehend. Im Verlauf der Zeit verblassen die Erinnerungen und werden von neuen Erkenntnissen überdeckt. Sie werden zwar noch immer nicht dahinterkommen, warum die Bälle nach rechts wegzischten, warum Sie sie nicht aus dem Sand brachten oder weshalb Sie todsichere Putts verschoben – aber Sie stehen mit diesem Problem nicht allein da. Die Tatsache, dass man die Erfahrungen auf der Runde nicht einfach ausblenden kann, dass sie einen bis in den Schlaf verfolgen, ist zwar einerseits unangenehm, handkehrum aber doch auch irgendwie hilfreich.
Man kann sich abends im Bett endlich die mühsame Zählerei von Schafen ersparen. (Das machen übrigens auch ganz viele Menschen falsch. Anstatt die miefigen Schafe zu zählen, kann man doch auch bloß deren Beine zählen – und dann das Ergebnis ganz einfach durch vier teilen. Tja, gewusst wie!)
Eine andere, noch einfachere Technik ist es, sich mit zwei, drei Gläsern Whisky eine schwere Leichtigkeit anzutrinken. Spontan würde ich jetzt mal einen ungetorften 1970er-Bruichladdich vom Rande des Loch Indaal auf der Insel Islay empfehlen. Dort wird seit 1881 gebrannt, was von Whiskynasen aus aller Welt mit größter Freude geschnuppert wird. Der Fairness halber sei hier aber erwähnt, dass es sich beim vorgeschlagenen Tropfen, der auch bestens in jedes Klubhaus passt, nicht unbedingt um den günstigsten aller Whiskys handelt. Sollten Sie also das dringende Bedürfnis verspüren, nicht in Gläsern, sondern in Flaschen zu rechnen, dürfen Sie die tranquilisierende Wirkung des Getränks nicht unterschätzen. Während sich die Sprachentwicklung beim Konsum einer Flasche schönen Bordeaux, zum Beispiel eines einfachen 61er-Château-Petrus, ja noch einigermaßen kontrollieren lässt, werden Sie sich nach einer Buttel Bruichladdich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Zeitalter der ersten Periode der Nordischen Bronzezeit (ca. 1800 vor Christus) zurückversetzt fühlen und auf dem schwankenden Pfad ins Bett wie einer reden, der eine mittelschwere Dysarthrie eingefangen hat. Handkehrum werden Sie spähestens nach de esten Ffasche den Hamen Bruchaddich howieho nich mea hichtig aufprechen gönnen. Cheerio, Miss Sophie!
Mit der Golfmethode dämmern Sie mit wesentlich weniger körperlichem Einsatz und viel simpler weg, da geht alles ganz automatisch. Weil Sie sich ja haargenau daran erinnern, wo der Ball im Verlauf der Runde lag, können Sie sich doppelt entspannt entspannen (ja zweimal entspannen, das ist zeitgenössische Literatur), Sie können sich also zweimal entspannt entspannen, und spätestens beim dritten Wasserhindernis werden Sie – und tschüss – in die erste REM-Phase abtauchen. Und von den vielen wunderbaren Momenten träumen, in welchen Sie auf dieser Runde Ihr Greenfee amortisierten. Von Schlangen im Unterholz, von Pfifferlingen und Morcheln, von poppenden Hasen und von zwergwüchsigen Exhibitionisten, über die Sie im Unterholz stolperten.
Vor einiger Zeit hatten wir auf unserem Golfplatz auch so eine Art Exhibitionisten. Der Wahnsinnige, ein Gast aus dem Norden, habe sich, so gaben die Damen seines Flights zu Protokoll, »wie ein Elefant im Porzellanladen benommen und zudem den Nerv gehabt, während des Turniers mehrfach sein Gemächt auszupacken und munter auf die blauen Abschläge zu pinkeln«. Doch, Sie haben richtig gelesen, »mehrfach sein Gemächt auszupacken, um munter auf die blauen Abschläge zu pinkeln«. Als die drei Frauen, allesamt honorable Ladys unseres Klubs, beim Abgeben der Skorekarten vom sonderlichen Benehmen ihres verhaltensoriginellen Flightpartners berichteten, verstand man im Sekretariat die Welt nicht mehr. Der Manager staunte Bauklötze, und der Headgreenkeeper sprang im Viereck, weil er die Pisserei als persönliche Beleidigung und respektlosen, »vermutlich politisch motivierten«, terroristischen Anschlag eines talibanen Sleepers auf seinen geheiligten Rasen empfand. Frau Muggli hingegen meinte trocken, dass es sie am meisten gestört habe, dass er stehend gebrünzelt und sich anschließend nicht einmal die Hände gewaschen habe, der Söiniggäl!

Die Wiederholbarkeit
Das Maß aller Dinge ist für den Golfer die sogenannte Wiederholbarkeit der Schwungbewegung. Die Fähigkeit, einen spezifischen Golfschlag auf Kommando abzurufen.
Je öfter man die Bewegung trainiert, desto tiefer prägt sie sich in unserm Golfgehirn ein. Und wenns drauf ankommt, kann man den einstudierten Schwung abrufen. Vielleicht.
Denn was einfach klingt, ist in Tat und Wahrheit ein Mysterium. Es gibt Schläge, die man spielend x-fach wiederholen kann. Sieben von zehn Golfern bringen es zum Bleistift problemlos fertig, den Ball achtzehnmal am Abschlag perfekt nach rechts zu slicen. Und diesen Slice, diese wunderbare ästhetische Rechtskurve, die können sie problemlos unendlich oft wiederholen. Keine Sache. Flacher, schneller Rückschwung, Gewicht auf den Zehenspitzen, Arme in affenartiger Geschwindigkeit hoch- und wieder runterreißen, und schon kurvt der Ball spektakulär nach rechts weg. Und wenn der Slice erst einmal drin ist, wenn er quasi imprägniert ist, ja dann kann man ihn beliebig oft wiederholen, das weiß man.
Schwieriger wirds, wenn bestimmte Umstände exakt diese kontrollierte, nach rechts gebogene Banane erfordern. Zum Beispiel, weil es sich beim vorliegenden Loch um ein Dogleg handelt oder weil eine Baumgruppe die Flugbahn aufs Grün versperrt und umspielt werden muss. Dann klappts natürlich nicht mehr, ist ja klar. Dann kurvt der Ball nicht nach rechts, sondern zischt, schnurgerade wie eine Silvesterrakete, in die Bäume oder an ihnen vorbei ins dahinterliegende Out.
Solche, das Golferlebnis bis zum Wanndanndannda belebenden Schläge lassen sich theoretisch mit jedem Equipment vollführen – am besten gehts aber mit dem teuersten.

Die Ausrüstung
Kaufen Sie sich von Anfang an das Teuerste, was es auf dem Markt gibt. Es lohnt sich. Nicht weil Sie dann zwangsweise besser spielen, sondern weil diese Equipment-Dominanz ein gewisses Hochgefühl hervorruft, das auch anhält, wenn der Ball in die Büsche fliegt.
Leisten Sie sich möglichst auffällige, bunte Hightech-Klamotten und schmalkrempige Designer-Strohhütchen. Und ein schweineteures, weil mundgeschmiedetes Schlägerset aus dem Land der aufgehenden Sonne. Am besten Blades mit winzigen Köpfen, falls Ihnen das etwas sagt.
Vergleicht man Golf mit anderen Sportarten, wird man kaum eine finden, bei der das Material a) so bedeutend und b) für alle Beteiligten so gut sichtbar ist. Beim Tennis zum Beispiel können Sie ein noch so teures Racket haben, Ihre Gegner sehen es höchstens dann aus der Nähe, wenn es Ihnen aus Versehen aus der Hand flitzt und übers Netz rauscht. Vor dem Spiel steckt Ihr Sportgerät in einer Tasche, und dort verschwindet es nach dem letzten Ballwechsel auch wieder fein säuberlich. Oder nehmen wir Ihre überrissen teuren Skier. Die nehmen Sie vom Dach Ihres Autos, steigen rein, und ab gehts zum Tiefschneetauchen. Okay, vielleicht quetschen Sie sich mal in eine überfüllte Gondel. Dann hat Ihr Gegenüber wenigstens die Chance, während zwölf Minuten Ihre Skispitzen an der Nasenwurzel zu spüren und den Speedwachs zu schnuppern, der aus Ihren Rennlatten wahre Raketen macht. Aber das wars dann auch schon. Nein, dass die teuren Gerätschaften während Stunden so prominent präsentiert werden und aus nächster Nähe zu bestaunen sind, das gibts wirklich nirgends. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung der Schläger, die Sie mit sich führen, im Quadrat. Es geht nicht nur ums Wohlfühlen, sondern auch ums Imponieren, ums Markieren. Oder militärisch gesprochen: um Dissuasion!
Am sichersten ist es, wenn Sie bereits am Abschlag die Weichen in die richtige Richtung stellen und auf eine schlagkräftige Waffe setzen, die in der Außenwirkung sofort dokumentiert, dass Sie ein echter Mann sind. Ich empfehle an dieser Stelle einen Driver mit einem Loft von maximal acht Grad. Mit dem werden Sie die Bälle erfreulicherweise nie in die Luft kriegen, aber das gilt ja vermutlich auch für alle anderen Driver, die Sie ohne professionellen Beistand kaum je in den Griff bekommen werden. Also gib ihm! Und denken Sie doch einfach auch mal daran, dass die Golfschläger enorm viel über deren Besitzer aussagen.
Gerade für High-Handicapper, die etwas für ihr Ego tun wollen, empfehlen sich schön schwere Stahlschäfte, so um die 330 Gramm das Stück. Möglichst bolzenhart, weil extra-stiff. Je steifer, desto besser, dann haben Sie auch gleich ein anständiges Feedback in den Fingern, wenn Sie den Ball nicht richtig treffen. Also immer. Merke: Wenn es sich so anfühlt, als ob Sie einen elektrischen Schlag abbekommen hätten, haben Sie alles richtig gemacht. Die 230-Volt-Schocktherapie, die Sie übrigens bei niedrigen Außentemperaturen potenziert genießen können, hat sich gewaschen und wirkt enorm stimulierend. Viel spektakulärer als eine öde, gute Runde.
Apropos spektakulär: Haben Sie schon mal was vom guten alten Sam Snead gehört? Der Kollege lebte von 1912 bis 2002 und war und bleibt einer der größten Golfer aller Zeiten. Siebenfacher Major-Sieger und so. Sam »Slamin« Snead gewann im Verlauf seiner Karriere 82 Turniere auf der PGA Tour und 70 weitere weltweit. Seine fantastische Laufbahn begann er – wie so manche der alten Größen – als Caddie auf einem Golfplatz. Falls Sie es nicht lassen können und doch ins verschärfte Training einsteigen wollen: Snead nutzte alte Tomaten-Konservendosen als Löcher und allerlei Stöcke aus der durchaus üppigen Waldlandschaft in Virginia als Schläger.
Mit 62 Jahren wurde Sam Snead – mit nur drei Schlägen Rückstand auf den Sieger – spektakulärer Dritter der PGA Championship. Meistens trug er einen kecken Strohhut (eben doch!). Und manchmal spielte er Turniere sogar barfuß. Das konnte er sich leisten, er hatte seine Schläger im Griff. Seine Persimmon-Hölzer und die bocksteifen Blades. Geräte, mit denen heute niemand mehr spielen würde, weil sie geradezu brüllend veraltet und ungeeignet sind. Immerhin spielte er 1984, also mit 72, auf dem Platz von »The Homestead« mit exakt diesen ollen Gurken eine Sechziger-Runde.
Und was lernen wir daraus? Nichts. Oder vielleicht, dass er, hätte er mit heutigem Material gespielt, wahrscheinlich laufend unter sechzig gescorend hätte, was auf eine Form von Talent schließen lässt, auf die Sie erst einmal nicht hoffen sollten. Deshalb bietet es sich an, sich eher an der leicht auffälligen Außendarstellung von Snead zu orientieren, um im Low-Profile-Golfalltag von unsereins zumindest optisch herauszustechen.
So zum Beispiel wie Nordkoreas verstorbener Machthaber Kim Jong Il, der zwar eher selten zum Golfen kam, laut offizieller Propaganda aber dennoch nicht nur der schönste, sondern auch der beste Golfer der Welt war. Für einen Achtzehn-Loch-Kurs soll er nämlich bloß 38 Schläge gebraucht und während der Runde obendrein fünfmal ein Hole-in-one geschossen haben. Chapeau!

Das Hole-in-one
Wenn Sie aus diesem Sachbuch etwas lernen müssen, dann das, dass es eine geradezu hirnrissige Idiotie ist, absichtlich ein Hole-in-one zu schießen. Vor allem bei einem offiziellen Wettspiel wird ein Ass zum Supergau, weil es doch die Etikette verlangt, im Anschluss an die Runde nicht nur den eigenen Flight zum Champagner-Umtrunk einzuladen, sondern gleich das ganze Teilnehmerfeld.
Gehen wir also von 72 Spielern aus, von denen sechzig Nasen je einen Deziliter eines ordentlichen Champagners trinken (zum Beispiel jenes rund zweihundert Jahre alten Veuve Clicquot, von dem Forscher 2010 vor der finnischen Küste auf dem Grund der Ostsee 145 Flaschen aus den Zwanzigerjahren des vorletzten Jahrhunderts fanden), dann benötigt man rund zehn Flaschen à 15 000 Euro. Vorausgesetzt, es sind nicht auch noch die Partner der Teilnehmenden mit dabei!
Nein, wenn Sie einigermaßen schlau sind, dann lassen Sie den Quatsch mit dem Hole-in-one. Es sei denn, Sie sind Nordkoreaner oder Diktator oder reich. Und gut versichert. Oder alles auf einmal, was in der Regel nur auf nordkoreanische Machthaber zutrifft. Anyway, erfahrungsgemäß macht es sich enorm gut, wenn Sie bereits am ersten Abschlag verkünden, dass Sie, für den Worst Case eines Hole-in-one, gut versichert sind und einer größeren Party im Klubhaus somit nichts mehr entgegenstünde. Das entspannt die Runde ungemein.
In Deutschland wurde 2007 laut Informationen des Deutschen Golf Verbandes insgesamt 473-mal ein Hole-in-one erzielt, was bei rund 4,8 Millionen gespielten Par-3-Löchern einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10 150 entspricht. Leider hängt ein derartiger Glücksfall aber nicht vom Schwung ab – wenns dumm läuft, kann es also auch Sie treffen.

Der richtige Schwung
Wenn Ihnen Ihre Beziehung am Herzen liegt, wenn Sie nicht schon bald als Single auf der Straße stehen möchten, weil Sie nur noch ans Golfen denken, dann hören Sie nicht auf esoterischen Schwachsinn wie »slow down your backswing, slow down your life«. Das Leben ist zu kurz, um langsam zu schwingen.
Ganz tragisch sind ja jene Kollegen, die den Schwung-Rhythmus mit einer Eselsbrücke zu verlangsamen versuchen. Die, die beim Rückschwung »Co-ca« und beim Schlag »Co-la« murmeln. »Sprite« heißt das Zauberwort. Zack! Michael Douglas soll sich sogar in die Aussage verstiegen haben, dass er sein Handicap mit dem simplen Trick verbesserte, bei jedem Schlag »Cin-dy Craw-ford« zu denken. Dann heiratete er die hübsche Catherine Zeta-Jones, und der Schwung war voll im Eimer.
Also hauen Sie einfach drauf. Hau ruck! Rock’n’Roll! Volles Rohr! Krawummm! Ihr Ball wird ästhetische Bananen beschreiben, die sich gewaschen haben. Wenn Sie sich nicht dreinquatschen lassen, werden Sie diese Technik ohne großen zeitlichen Aufwand im Nu perfektioniert haben, und Ihre Freunde werden vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zukriegen.
Die Länge des Schlages und die Breite der Streuung ergeben die auf dem Golfplatz genutzte Fläche. Nur für den Pseudoprofi besteht Golf zu 75 Prozent aus »kurzem Spiel« und davon wiederum zu 40 Prozent aus Putten. Das wuchtige Spiel mit den Hölzern und langen Eisen kommt bei den trainingsfleißigen Aficionados viel zu kurz. Am Ende des Tages fehlen denen locker die siebzig Schläge, die Sie mehr machen dürfen. Was doch eigentlich sauschade ist. Genau genommen besteht Golf für die Streber nämlich zu einem großen Teil aus dem, womit kein Golfer in Verbindung gebracht werden möchte: aus Minigolf.

Auf dem Grün
Streng wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich beim Golf ja um eine Verbindung zweier grundverschiedener Sportarten, die miteinander nicht die Bohne zu tun haben. Die eine findet auf dem Golfplatz statt, die andere auf dem Green. Die eine wird mit Vorliebe von jenen ausgeübt, die gern draufhauen und die weiße Kugel über die Fairways fliegen sehen. Die zweite richtet sich an Frauen und Weicheier. An Ingenieure, Neurochirurgen oder andere Haarspalter, die im Tausendstel-Millimeter-Bereich herumzirkeln wie unsereiner in einem dieser affig engen Parkhäuser, die vermutlich von fahrradelnden Lehrlingen gezeichnet wurden, bestimmt aber nicht von SUV-Besitzerinnen.
Okay, jetzt sind wir ein bisschen abgeschweift. Der langen Rede kurzer Sinn: Es gibt Golfer – und es gibt Bastler. Pingelige Pingelsingles, die es kaum erwarten können, auf dem grünen Grün anzukommen und den Ball über den Teppich rollen zu lassen, zu hören, wie er ins Loch fällt. Aber Achtung: Golf findet draußen statt. Bei jeder Witterung. Und nicht in der Stube.
Dorthin gehören die Erbsenzähler, die jeden Krümel vom kurzgeschorenen Teppich pusten und jedes noch so kleine Einschlagloch akribisch reparieren wie ein Schönheitschirurg die Orangenhaut an Frau Direktors Allerwertestem. Das sind die Schlimmsten, diese Grünspechte mit einstelligem Handicap! Schleichen ums Loch herum wie der Nebelparder um den Nasenaffen im Mangrovenwald auf Borneo. Studieren stundenlang Graswuchs und Neigung – und das von allen Seiten. Kalkulieren jede Eventualität ein, jede noch so kleine Unebenheit, die einen Einfluss haben könnte. Und dann »werden« sie zuerst zum Ball – und dann zum Loch. Verschmelzen mit den Umständen. Und dann schieben sie, darauf können Sie wetten, den Putt grannenhaarscharf vorbei. Schade für den ganzen Aufwand.
Einer der größten Fehler beim Putten ist es, den Schlag nicht zu kurz zu lassen, ihn also so stark zu dosieren, dass der Ball – für den Fall, dass er nicht fallen sollte – zehn Zentimeter hinter dem Loch zu liegen kommt. Entgegen allen Unkenrufen kommt es im Leben nämlich doch auf die Länge an. Nur ein zu kurzer Putt gibt Ihnen die hundertprozentige Sicherheit, einen zweiten Versuch hinterherschieben zu können. Wenn Sie sich aber angewöhnen, Ihre Putts »zu lang zu lassen«, dann laufen Sie automatisch Gefahr, dass der Ball nicht vor dem Loch zum Stillstand kommt und eventuell per Zufall fällt. Wenn Sie den Zufall explizit aus Ihrem Spiel ausklammern wollen, dann denken Sie einfach an die Faustregel »In der Kürze liegt die Würze«. Und meiden Sie das Loch wie der Teufel das Weihwasser!
Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, einigermaßen vernünftig sind, dann machen Sie es anders. Dann putten Sie ganz einfach entspannt drauflos. Wenn der Ball fällt, Pech gehabt, denn Sie wollen ja möglichst oft putten und auf keinen Fall ein Single-Handicap. Also beim Putten immer die Nerven behalten und jetzt bloß keinen Fehler machen. Zielen Sie nicht, sondern schieben Sie seelenruhig ein-, zweimal am Loch vorbei. Da braucht es kein Training, keine Handbücher, keine Schulungsvideos und keine neunmalschlauen Pros. Das Einzige, was Sie haben müssen, ist ein wasserfestes Konzept. Und sooo ein Rückgrat!
Aber Achtung: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Und so muss auch der Golfer nur zu oft feststellen, dass ihm die Löcher ausgehen. Wehmut stellt sich ein: Warum habe ich den Ball am neunten Loch schon mit dem vierten Schlag aus dem Sandbunker gebracht und nicht erst mit dem siebten oder achten? Warum habe ich den langen Putt auf der Zwölf eingelocht, wo ich doch spielend noch drei, vier weitere hätte anhängen können …
Womit wir bei einer der bedeutungsvolleren Grunderkenntnisse dieses faszinierenden Spiels wären: Ist der Ball erst einmal in Fahnennähe, gibts kein Zurück mehr. Das Loch hat geradezu magische Anziehungskräfte. Vor diesem philosophischen Hintergrund ist es denn auch nur zu verständlich, dass sich so mancher Golfer dem Drang zum Üben nicht entziehen kann. Viele von diesen Hyperaktiven haben einen Pettingteppich zu Hause, einige lassen sich sogar ein regelrechtes Putting-Grün im Garten einbauen.
Ein Ansatz, den man an dieser Stelle nur als lächerlich abtun kann. Denn wer jeden Tag ein paar hundert Putts übt, wird irgendwann automatisch ein Gefühl für Richtung, Länge und Tempo entwickeln und letztlich auf dem Golfplatz mit wesentlich weniger Schlägen vom Grün gehen, als dies der Fall wäre, wenn er einfach so draufloshaudern würde. Er wird im Nullkommanix um Welten besser scoren und schon bald unter neunzig oder gar achtzig spielen. Wollen Sie das? Eben. Beim Putten können Sie Ihr Ziel, Spaß am Spiel zu haben und beziehungstechnisch kein Risiko einzugehen, auf jeden Fall voll vergeigen!
Merke: Ist V ein Vektorraum über R oder C und L eine Teilmenge von V, so ist L eine Strecke genau dann, wenn L als L = {u + tv | t € [0,1]} parametrisiert werden kann, wobei u, v € V zwei Vektoren sind und v ≠ 0 gelten muss. Dabei sind die Vektoren u und u + v die Endpunkte der Strecke L.
* Ja, ich weiß, € ist falsch, es sollte eigentlich dieses ∈ sein, doch das haben wir nicht.

Das Carbonara-Prinzip
Der Putt ist die versuchte Verbindung zweier Punkte, wobei einer dieser Punkte ein viel zu kleines Loch von gerade mal 10,79 Zentimetern Durchmesser ist.
Vor diesem Hintergrund könnte man natürlich auf die Idee verfallen, den Ball entweder a) mit dem ersten Versuch einzulochen oder b) mit Gefühl in einen imaginären Spaghetti-Teller zu putten. Und ihn dann emotionslos mit dem zweiten Putt zu versenken. Par.
Der Nachteil dieses Carbonara-Prinzips ist allerdings, dass man deutlich weniger oft zum Putten kommt, was vor allem dann schade ist, wenn man sich gerade erst ein affig teures Werkzeug gekauft hat, das man auf den Grüns fleißig benutzen möchte. Es ist dann ein bisschen so, als hätte man einen Ferrari in der Garage stehen und würde ihn lediglich zum Brötchenholen rausfahren. Allora, verabschieden Sie sich von der Idee des Spaghetti-Tellers, und putten Sie ungehemmt und mit viel Schwung drauflos. Richten Sie sich nicht aufs Loch aus. Lassen Sie das. Versuchen Sie gar nicht erst, ein Gefühl für die Distanz zu gewinnen, vergessen Sie die Ondulierung und den Break auf dem Green; wer zielt, ist feige!
Falls Sie zur großen Gruppe jener Golfer gehören, die bei einem netten kleinen Privat-Zock gerne gewinnen, sollten Sie in Erwägung ziehen, dass der Sieg womöglich gar nicht erstrebenswert ist. Denken Sie mal scharf nach: Die »Möglichst viele Schläge«-Strategie verlängert doch nicht nur die Freude und die Golfrunde, sondern ist auch fürs Klima innerhalb des Flights Gold wert. Denn der Verlierer oder die Verliererin bezahlt schließlich das Bier oder den Aperitif nach der Runde.
PS: Sehe gerade, dass sich im vorherigen Kapitel ein Schreibfehler eingeschlichen hat. Es heißt natürlich Petting-Teppich. Mit Bindestrich. Und nicht mit ohne.

Das Zocken
Colin Montgomerie soll einmal gesagt haben, dass er sich nicht erinnern könne, jemals nicht um Geld Golf gespielt zu haben. Er ist kein Einzelfall. Viele der Tour-Profis zocken während des Turniers und veranstalten hemmungslos allerlei Sidegames.
Beim Skin-Game zum Beispiel werden zu Beginn der Runde pro Spieler achtzehnmal x Euro, Franken, Dollar oder was auch immer in den Pott gelegt. Ob Sie in Einheiten von 1, 100, 1000 oder 10 000 operieren, hängt in der Regel davon ab, an welcher Stelle der Money-List Sie sich befinden beziehungsweise wie viel Geld nach der Scheidung noch zur freien Verfügung steht. Das Skin-Game ist simpel: Gespielt wird Loch für Loch, und derjenige mit dem alleinigen niedrigsten Score gewinnt den Pott. Dann beginnt man wieder von vorn.
Sehr heiter, wenn auch für Turniere weniger gut geeignet, ist »Robin Hood«, eine fiese, kleine Figine, die pro Runde dreimal angewandt werden darf. Nach einem wunderbaren Schlag kann der Gegner eine Wiederholung verlangen. Der Anfänger wird seinen Mitspieler bei einem besonders langen Drive darum bitten. Der erfahrene Zocker wartet geduldig, bis der Ball nach dem langen Pitch dreißig Zentimeter neben der Fahne sitzen bleibt. Oder, auch sehr beliebt, wenn der Fünf-Meter-Putt fällt, dann sagt man anerkennend: »Du, das hast du jetzt aber wirklich großartig gemacht. Respekt. Ein Wahnsinnsputt. Weeeltklasse!«
Und dann sieht man, wie sich beim Gegner die Pupillen weiten, denn er ahnt schon, was kommt. »Du, darf ich den noch einmal sehen?« Und je länger man zuwartet, desto toller ist dieses kleine, aber feine Spielchen.
Man weiß von Menschen, die daraufhin in psychiatrische Behandlung mussten. Für immer.

Der Sandmann
Wenn Sie den Ball erfolgreich in den Sand vor dem Grün gehauen haben, wenn Sie also am Strand liegen, wird alles gut. Jetzt gibt es unzählige heitere Möglichkeiten, die Golfrunde zu verlängern. Eine davon ist es, planlos draufzudreschen. Vielleicht toppen Sie den Ball bei dieser Gelegenheit, und er pfeift mit hundert Sachen Ihren Mitspielenden um die Ohren. Wenn Sie Glück haben, tauchen Sie den Schlägerkopf zehn, zwanzig Zentimeter hinter dem Ball in den Sand; mit Sicherheit wird er wie eine mit rezentem Valser Bergkäse überbackene Tomate dort liegen bleiben, wo er ist.
Eine andere, auch originelle Variante ist es, den Schläger kurz, spitz hinter dem Ball in den Sand zu hacken. Mit dieser Technik schaffen Sie es bestimmt bis knapp zur Bunkerkante. Nach drei, vier Versuchen, Ihre Schuhe werden voll Sand und die Handgelenke geschwollen sein, schmeißen Sie den Ball am besten unauffällig von Hand raus. Das ist für alle Seiten das Beste.
Dringend würde ich Ihnen davon abraten, sich in den Sand zu setzen. Bildlich gesprochen, bloß bildlich! Eine Variante, die immer wieder von besonderen Spaßvögeln ausprobiert wird. Die stehen dann breitbeinig da, das Gewicht leicht auf die Fersen verlagert, und stellen sich vor, sie säßen auf einem Stuhl und vor ihnen läge ein Erdbeertörtchen. (Ich persönlich mag zwar lieber Toni Gartmanns absolut legendäre Heidelbeer-Teile aus Zerfreila, aber das spielt jetzt keine Rolle.)
So, und nun schneidet der schlaue Sandmann mit seinem Wedge eben nicht nur den Rahm oben ab, sondern gleich das ganze Törtchen aus dem Sand. Mit lockerem Griff und einem vollen, elastischen und entschlossenen Schwung. Ball draußen. Voilà. Ende der Vorstellung. Fun-Faktor gleich null. Selber schuld.

Am Sandstrand
By the way: Falls Sie den Bunker jemals verlassen sollten und für gute Stimmung bei den nachkommenden Sandmännern und -frauen sorgen wollen, brauchen Sie ihn nicht unbedingt sorgfältig zu rechen. Und wenn Sie wollen, dass der nächste Spieler einen Nervenzusammenbruch kriegt, dann schmeißen Sie das Werkzeug möglichst nahe an die Bunkerkante. Je näher, desto besser. Das hat den netten Nebeneffekt, dass ein in den Bunker rollender Ball am Rechen hängen bleiben wird – und zwar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so saublöd, dass man ihn kaum anständig von dort wegspielen kann. Besonders lustig ists immer dann, wenn der Ball zusätzlich in einer Fußspur zu liegen kommt. Großes Kino! Dem »Rechen von Fußabdrücken« wird im Golfsport generell viel zu viel Bedeutung beigemessen – da haben einige ja einen richtigen Knall.
Je niedriger das Handicap, desto pingeliger pflegen die Wichtigtuer ihren Spielplatz – und umso hysterischer überreagieren sie, wenn ihnen Trampeltiere eben diesen durcheinanderbringen. Nach einem Bunkerschlag liebkosen sie entrückt den Sand wie ein buddhistischer Mönch den Zen-Garten des Tenryu-ji-Klosters im Nordwesten von Kioto. Dabei müsste man doch meinen, dass die neunmalschlauen Single-Handicapper gar nicht erst in den Bunker spielen würden. Falsch. Irren ist männlich.
Weil die Scherzkekse immer wie die Professionals die Fahne angreifen und sich nicht mit einem »Green in Regulation« plus zwei Putts zufriedengeben, ist es nicht verwunderlich, dass sie praktisch immer ein viel zu hohes Risiko eingehen.
Wenn die Fahne in der Sonntagsposition steht, also ganz knapp am Bunker, ist der Strandbesuch dann eben programmiert. Und schon knirscht es zwischen den Zehen. Und den Zähnen.

Der Stromboli-Effekt
Frieda Muggli, 93 Kilogramm Lebendgewicht (relativ mittig auf 161 Zentimeter Körperlänge verteilt), klebt am Lochrand, hält die Fahnenstange und wartet freudig darauf, dass ihr Mann den Drei-Meter-Putt zum Bogey einlocht. Wäre sie eine Ballerina aus der Ballettkompanie der Dresdener Semperoper, wäre alles kein Problem. Frau Muggli hat andere Qualitäten: Sie verantwortet mit ihrer stämmigen Fahnenbedienung den Stromboli-Effekt, der wesentlich dazu beiträgt, dass wir die Zahl der Dreiputts lockerflockig nach oben schrauben können.
Menschen wie die Mugglis sind es, die dafür verantwortlich sind, dass sich um die Löcher auf den Grüns Krater bilden, die jeden langsamen Putt kurz vor dem Fallen ausbrechen lassen. Klar erkennt der Profi bei genauer Inspektion, dass das Loch wie ein Vulkan aussieht – puttet er aber zu positiv und verzieht den Schlag nur um ein µ (physikalisch: das Müh, eine im Golf vergleichsweise verbreitete Einheit), dann isser halt weg. Und wenn er zu vorsichtig ans Werk geht, dann gerät der Ball an den Stromboli-Kraterrand und geniert sich erst recht am Loch vorbei.
Vermutlich ganz unbewusst macht Frau Muggli das einzig Richtige, um all jenen zu helfen, die ihr Handicap auf keinen Fall spielen können möchten. Jenen also, die die Fairways nur vom Hörensagen her kennen, weil sie dauernd irgendwo im Kakao rumturnen. Golfer, die sich Schlag um Schlag aus dem Semi-Rough, aus Wasserhindernissen und absurden Bunkern heraus aufs Grün arbeiteten, werden vor Freude ausflippen, wenn die Putts nach dem ganzen heiteren Scrambeln kurz vor dem Loch wegstrombolieren. Trampeltieren Sie also bitte weiter übers Grün, stehen Sie gopferteli möglichst nahe am Lochrand, und halten Sie die Fahnenstange dicht am Körper, Frau Muggli – es hilft!

Die Lieblingsdistanz
Welches ist eigentlich Ihre Lieblingsdistanz? Hundertachtzig Meter? Bei welcher Entfernung zur Fahne fühlen Sie sich am sichersten? Bei hundertachtzig Metern? Angeber! Nein, jetzt mal im Ernst: bei hundertzehn oder hundert Metern? Bei sechzig oder vierzig? Das war natürlich eine Fangfrage, denn wer mit Lieblingsdistanzen operiert, versucht den Ball im Spiel zu halten, und wer das anstrebt, will ihn »in regulation« auf dem Grün landen lassen.
Aber exakt das wollen Sie ja vermeiden. Sie wollen vor allem die Natur genießen, die Gegend erkunden, auf benachbarten Fairways freundliche Menschen kennen lernen, Pilze und Beeren sammeln und möglichst viele Schläge machen und den Ausflug im Kreise von Freunden und mit einem Getränk nach Wahl begießen. Und Sie haben recht. Tatsächlich ist es ja eine kolossale Schnapsidee, die wirklich nur aus Schottland kommen kann, unbescholtenen Bürgern die Freizeit mit einem grotesk komplizierten Konzept zu vermiesen, dessen Endziel ein Zustand der Perfektion ist.
Wobei nicht einmal ganz sicher ist, dass das Golfspiel von schottischen Männern in Röcken erfunden wurde. Schon die alten Ägypter, die Römer und die Japaner, ja sogar die Koreaner – um 1400, vermutlich Kim Jong Il – sollen mit Ball und Schlägern rumhantiert haben. Die Chinesen gar schon ab 1000 – damals hieß das Spiel noch Gorf (!), aber weil das kein Schinese aussplechen konnte, wurde aus dem R der Einfachheit halber ein L.
Erst im 15. Jahrhundert tauchte Golf in Schottland auf und sorgte auf Anhieb für ziemlich viel Diskussionsstoff im Parlament. Dokumentiert ist, dass König James II. (ein Nichtgolfer) im Jahre 1457 das Spiel verbieten ließ, weil es ihn wahnsinnig nervte, dass seine Soldaten, statt mit Pfeil und Bogen zu üben, ein weißes Bäläli durch die Gegend schossen.
Knapp fünfzig Jahre später kam erfreulicherweise die Wende, als Schottland und England beschlossen, sich nicht mehr auf die Mütze zu geben. Das Säbelrasseln war gegessen, dem Golfspiel stand nichts mehr im Wege – und siehe da, auf dem Latrinenweg sickerte durch, dass der regierende King James IV. (nicht der II.) himself ein leidenschaftlicher Golfer war! Eine Rechnung über für ihn angefertigte Golfschläger tauchte im offiziellen Etat des Hofes auf und wurde prompt von einem Whistleblower an die Medien gewhistleblowt. Dumm gelaufen.
Der erste bürgerliche Golfer soll übrigens 1527 ein gewisser Sir Robert Maule gewesen sein. In St. Andrews begann man offiziell 1552 die Schläger zu schwingen, und ein Jahr später erließ der Erzbischof sogar ein Dekret, das der lokalen Bevölkerung das Spiel auf den Links gestattete. Maria Stuart, die Königin von Schottland (und zufolge der Heirat mit Franz II. auch Königin von Frankreich), exportierte den Sport zu den Franzosen.
Aus dem Jahre 1567 wird überliefert, dass die Single-Handicapperin unmittelbar nach der Ermordung ihres zweiten Gatten durch (ihr wohl nicht ganz unbekannte) Komplottisten munter auf den Golfplatz ging, wofür sie vor allem von den Nichtgolfern massiv kritisiert worden sein soll – was kein Golfer verstehen kann.
Historisch unklar ist, wo die Wohlfühldistanz von Maria Stuart lag, ja ob sie überhaupt eine solche hatte. Tatsache ist, dass Sie sich auf das Konzept der Lieblingslänge nicht einlassen sollten. Schon deshalb nicht, weil Sie Ihr Vorhaben, möglichst viele Schläge zu machen, gehörig vermasseln würden. Das können Sie gut überprüfen, wenn Sie sich die Übertragungen von den Profiturnieren der PGA Tour anschauen.
Für Kaymer und Co. ist die Wohlfühldistanz ein wichtiger Teil ihrer Strategie. Nicht so weit, sondern so präzise wie möglich zu spielen, lautet ihre Devise. Darum reizen die Kollegen eher selten ihre ganze Schlaggewalt aus, sondern spielen den Ball auch einmal mit einem kleineren Eisen ein Stückchen kürzer. Und zwar auf eine Distanz, die ihnen gut liegt. Von wo aus sie den Ball mit dem nächsten Schlag dicht an die Fahne ran kriegen können.
Die Wohlfühldistanzen der einzelnen Pros sind übrigens ganz unterschiedlich. Und selbstverständlich haben sie nicht nur eine, sondern mehrere. Die meisten guten Klubspieler schießen sich zum Beispiel auf eine Pitching-Distanz von hundert Metern ein, versuchen also, wenn immer möglich in der Nähe des Hunderterpfostens zu landen. Darum üben sie auf der Driving Range auch immer und immer und immer wieder diese Schläge. Und obendrauf noch die Annäherungen von sechzig, vierzig oder zwanzig Metern. Öde. Ermüdend. Lassen Sie sich niemals auf solche Späßchen ein. Sie haben ja einen anständigen Beruf und eine intakte Beziehung und wollen sich nicht mit einer Strategie über den Platz tigerwoodsen, die all diese Dinge aufs Spiel setzt.
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