Цитаты из книги «Шум времени», страница 12

Mitleid war ihm ebenso unangenehm, wie Lob ihn seit jeher in Verlegenheit gebracht hatte.

In den jüngeren Tagen der Welt, als Magie und Religion das Regiment führten, hatte man glauben können, dass Ungeheuer ein Gewissen hatten. Jetzt nicht mehr. Die Welt hatte sich weiterentwickelt, war wissenschaftlicher, praktischer geworden und weniger von den alten abergläubischen Anschauungen beherrscht. Und auch die Tyrannen hatten sich weiterentwickelt. Vielleicht hatte das Gewissen seine evolutionäre Funktion verloren und war deshalb verkümmert. Wer unter die Haut eines modernen Tyrannen vordringt und sich Schicht und Schicht weiterarbeitet, der stellt fest, dass das Gewebe unverändert bleibt, dass Granit immer nur mehr Granit umschließt und dass da keine Gewissenshöhle zu finden ist

Tragödien sehen im Rückblick wie Farcen aus.

Es war nicht leicht, ein Feigling zu sein. Ein Held zu sein war viel leichter, als ein Feigling zu sein. Um ein Held zu sein, musste man nur für einen Moment Mut beweisen - wenn man die Waffe zog, die Bombe warf, auf den Zündknopf drückte, den Tyrannen umbrachte und sich selbst gleich mit. Aber ein Feigling zu sein, hieß, eine Laufbahn einzuschlagen, die ein Leben lang andauerte. Man durfte niemals ruhen. Man musste ständig voraussehen, wann es wieder einmal galt, Entschuldigungen vorzubringen, zu lavieren, sich zu ducken, Speichel zu lecken und sich über den eigenen gebrochenen, erbärmlichen Charakter klar zu werden. Ein Feigling zu sein erforderte Zähigkeit, Ausdauer, die Weigerung sich zu ändern - und das machte es gewissermaßen zu einer Art Mut.

Integrität ist wie Jungfräulichkeit: einmal verloren, unwiederbringlich dahin.

Vielleicht war das eine der Tragödien, die das Leben für uns ersinnt: Das Schicksal will, dass wir im Alter das werden, was wir in der Jugend am meisten verachtet haben.

Das Leben weist Einfachheit immer zurück.

Wozu ist ein Gewissen denn nütze, wenn es nicht wie eine Zunge, die die Zähne nach Löchern absucht, Bereiche von Schwachheit, Falschheit, Feigheit und Selbstbetrug aufspürt? Wie er alle zwei Monate zum Zahnarzt ging, immer in Sorge, in seinem Mund könne etwas nicht in Ordnung sein, so prüfte er täglich sein Gewissen, immer in Sorge, mit seiner Seele könne etwas nicht in Ordnung sein.

Wenn die Welt im Ganzen unkontrollierbar wird, muss man dafür sorgen, dass man die Kontrolle über möglichst viele Bereiche das eigenen Lebens behält. Und seien sie noch so klein.

Wo wurde großartiger gezeigt, wie sich die Illusionen des Menschen zerschlagen, als in König Lear? Nein, das stimmte nicht ganz: Sie zerschlugen sich nicht, denn das hätte eine einzelne große Krise bedeutet. Die Illusionen des Menschen zerbröckeln eher, sie welkten dahin. Es war ein langen und ermüdender Prozess, wie ein Zahnschmerz, der bis tief in die Seele reicht. Aber einen Zahn kann man ziehen, und dann ist er weg. Illusionen aber faulen und stinken weiter in uns, selbst wenn sie tot sind. Wir können ihrem Geschmack und Geruch nicht entgehen. Wir tragen sie ständig mit uns herum.

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Возрастное ограничение:
16+
Дата выхода на Литрес:
08 сентября 2016
Дата перевода:
2016
Дата написания:
2016
Объем:
190 стр.
ISBN:
978-5-389-12181-2
Переводчик:
Правообладатель:
Азбука
Формат скачивания:

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