Читать книгу: «Antonius der Held»

Шрифт:

Anna Croissant-Rust
Antonius der Held

Saga

Anna Croissant-Rust

Vom Blickpunkt der erd- und landschaftsverbundenen Dichtung unserer Tage aus betrachtet, erscheint uns die deutsche Heimatkunst um die Jahrhundertwende gewöhnlich als „Tochter des Naturalismus“ und damit mehr oder weniger als Erfüllung aufgestellter Leitsätze. Man spricht sie gern als gewollte, bewusste Heimatkunst an. Doch ist nicht zu übersehen, dass sich unter den damaligen Heimatdichtern auch wurzelechte, bodenständige Gestalten finden, die, frei von gedanklichen Zielsetzungen, offenen Sinnes aus übervollem Herzen schufen. Sie sind ragende Vorposten unserer aus Schollenkräften gewachsenen Dichtung.

Zu diesen Vorposten zählt Anna Croissant-Rust. Mit grosser Unmittelbarkeit schaut diese Dichterin in Leben und Welt. Als ursprüngliche Seele hält sie sich frei von programmatischen Absichten, und selbst dort, wo sie mit den Stilmitteln des Naturalismus gestaltet, wächst sie weit über diesen hinaus. Sie ist auch geschützt gegen Gefahren der Einförmigkeit, denn jedes Werk beginnt sie aus neuem Grund zu heben. Darum auch die leuchtende Farbigkeit und blühende Fülle. Vielen ihrer Werke ist ein dauernder Platz in der deutschen Prosadichtung sicher.

Anna Croissant-Rust wurde am 10. Dezember 1860 in Bad Dürkheim in der Rheinpfalz geboren. Dem Geburtsland und dem pfälzischen Einschlag vieler Werke verdankt sie es, dass die Leser in ihr meist eine Pfälzer Dichterin sehen und ihren Humor dem Weinland zuschreiben. Aber vielleicht ist ihre bäuerliche Herkunft mütterlicherseits aus dem Altbayerischen wichtiger. Gerade diesem Bluteinschlag verdankt sie wohl den oft gerühmten unbestechlichen, ja herben Wirklichkeitssinn mit dem tiefdringenden Blick, dem bodenständigen Naturgefühl und dem tapferen Gemüt. Selbst ihr Humor ist sachlich.

Die Bücher der Croissant gehören zu denen echter Dichtung, wo plastisch etwas gestaltet ist und wo Handlung abrollt. Der Stoffkreis ihrer Werke umspannt immer wieder pfälzisches Dorf- und Kleinstadtleben und Tiroler Bauerndasein. Auf ihrem Hintergrund lässt sie Zustände und Schicksale erwachsen. Es scheint fast, als wollten sich in der stofflichen Zweiheit die beiden Elemente ihres Bluterbes ausdrücken. Wo sie durch die Verhältnisse, etwa einer Kleinstadt, Plottes und Alltägliches gefördert sieht, haftet den Menschen in ihren Augen Schrulliges, Lächerliches, ja vernichtend Komisches an; wo aber ein bäuerlicher Mensch wie Antonius gegen feindliche Gewalten ankämpft, trägt er für sie ein tragisch-heldenhaftes Gesicht. Zwischen beiden Gegensätzen wechseln ihre Werke in lebendigem Rhythmus ab.

Die frühen Arbeiten der Dichterin, Erzählungen und Dramen, beschwören eine düstere Welt. Das herbe Bauerndrama „Der Bua“ (1897) stellte einige Zeit vor Ludwig Thoma die bajuwarische Bauernseele auf die Bühne. Mit den Pfälzer Geschichten „Pimpernellche“ (1901) setzt Humor ein. Er schlägt in der Sammlung „Ausunseres Herrgotts Tiergarten“ (1906) öfters ins Tragische um, wenn sich der Wesenskern von originellen Taugenichtsen in der Maske der Komik enthüllt. Fast ganz den ernsten Ton beherrscht der Volksroman „Die Nann“ (1906). Er erzählt das harte Leben eines Tiroler Mädchens, das durch sieghafte Reinheit alle Fährnisse überwindet. Die meisterhafte Romanerzählung „Winkelquartett“ (1908) ist als Kleinstadtgeschichte wieder ganz auf Humor gestellt. Unvergessliche Sonderlingsgestalten gehen durch das Buch. Als Gegenstück zur „Nann“ gilt die grosse pfälzische Gutsgeschichte „Der Felsenbrunner Hof“ (1910). Ein Mensch kämpft sich durch, mit leidenschaftlichster Anspannung seines Willens. Einen neuen „Tiergarten“ bringt die „Arche Noah“ (1911). Der nächste Roman „Unkebunk“ (1921) ergreift die Lebenswelt einer kleinen Garnisonsstadt. Die beiden Wesensseiten ihrer Dichtung, die komische und heldenhaft-tragische, finden sich in der letzten Sammlung „Kaleidoskop“ (1921) in schönen Geschichten vereinigt.

Das beste Werk darunter ist der hier abgedruckte „Antonius, der Held“. Diese Geschichte, entstanden während des Krieges, ist in ihrem tapferen Gehalt der schönste Beitrag der Dichterin zum vaterländischen Schrifttum. Eine Kindererzählung könnte man sie nennen, da die rührende Freundschaft zwischen dem verkannten Toni und der mütterlichen Lene die seelische Mitte bildet. Das Werk ist mit seiner urtümlichen Kraft und holzschnittartigen Einfalt das süddeutsche Gegenstück zu Storms „Pole Poppenspäler“. Wie ist der Toni dargestellt! Er, der von Eltern, Schwester und Altersgenossen verachtet wird, ohne Liebe aufwächst und in einen Zwiespalt der Seele hineintreibt! Und dabei ist er doch ein stiller Wisser und Herrscher in seinem Reich, der durch die Firmung zu heldenhafter Festigkeit gestärkt wird und sich schliesslich vor allen andern bewährt. Ein Stück deutschen Landes steigt plastisch umrissen auf, scharfkantige Gestalten mit ihren Schwächen und Vorzügen sehen wir ein zeitloses Dasein in Tal und Gebirge dahinleben. Durch die Geschlossenheit und das meisterhafte Steigerungsgefüge ist die Antoniusgeschichte bezeichnend für Anna Croissants Kunst überhaupt. Wie überall beherrscht auch hier den Sprachstil das zieltreffende, anschauliche Wort. Ein feines Empfinden für Tonfall und Eigenwesen der Mundart lebt in der Erzählung. Bei aller Naturtreue der Darstellung schwingt sie in dichterischer Sprache.

Dr. Ferdinand Denk

Antonius der Held

Hoch oben, wo im Mai noch die Frühjahrsheide blüht und der kleine leuchtend blaue Enzian an den sonnigen Hängen gerade anfängt, seine Sterne aufzutun, stand das Haus des Raschötzers. Vom Tal aus konnte man nur das Dach des grossen Futterhauses sehen; man musste dazu den Kopf schon ziemlich tief in den Nacken legen, so hoch und steil war’s da hinauf. Das Haus selbst aber hatte sich hinter den grünen Buckel versteckt, den es dem Berg einfiel, gerade da zu machen, wo der böseste Wind herwehte. Es war aber noch rauh genug, und das Heidekorn, das der Raschötzer baute, musste er zeitig säen und nicht erst nach dem Roggen, wie sie’s weiter unten taten, wollte er seine Plentenknödel noch im gleichen Jahre essen. Eine Kuh konnte man auf Raschötz ernähren, daneben eine Geiss und ein paar Schafe, mehr aber nicht. Das Häusel war klein, mit ganz winzigen Fenstern, des bösen Windes wegen, der von den Bergen herunterfiel; es war altersbraun wie das Futterhaus, das sich hoch über den Rain aufreckte, wie wenn es dem kleinen und geduckten Häuschen den Vorrang streitig machen wollte.

Des Raschötzers Vater war aus dem Krautwelschen drüben eingewandert und hatte das armselige Heimatl um ein Billiges erworben, weil keiner so hoch oben hausen wollte. Er war ein finsterer, schwarzbrauner Mann, der sich um die Leute im Tal nicht scherte, ohne Weib kam und allein mit seinem Sohn hauste. Der Sohn war um ein weniges zutunlicher geraten, obwohl auch in ihm ein Stück von der finsteren Art des Alten steckte. Die Talleute hatten es nie mit dem Krautwelschen da droben gehalten, der ihnen nicht einmal einen Gruss gab: also blieb’s auch beim alten, als der junge Bursche erwachsen war und öfter ins nächste Dorf kam, das tief in der Mulde unten lag, und zu dem er eine Stunde brauchte, wenn er hinuntersprang, oder ins Städtchen, das er erst in drei Stunden erreichte. Die Leute redeten mit ihm — ja, so halb über die Achsel, die Worte fielen ihnen nur gerade aus dem Munde, oder sie warfen sie ihm förmlich hin, besonders die Dirnen, die gleich die Lippen schürzten, wollte er freundlich oder gar zutraulich werden.

So musste er sich nach dem Tod des Alten eine Frau aus dem Krautwelschen holen, und wäre nicht fast jedes Jahr die Amme hinaufgestiegen, um der Raschötzerin einen Buben oder ein Mädel, einmal sogar einen Buben und ein Mädel, in die Welt setzen zu helfen, die Bauern im Dorf und die weit unten im Tal hätten kaum daran gedacht, dass da oben hinter dem Raschötzer Buckel noch Menschen hausten. Leben blieben die vielen Kinder nicht, sie kamen und gingen, und im Dorf sagte man: „Wieder eins vom Raschötzer“, wenn die weise Frau eins in die Kirche trug oder ein kleiner Sarg versenkt wurde. Die Raschötzerin war froh, dass zuletzt nur ihrer zwei mit aus der Schüssel assen, der Toni und die Warwe. Es war schwer genug, die beiden Mäuler zu stopfen, besonders dem Toni seines, das nie genug kriegen konnte. Zur Arbeit war der Toni gerade nicht schlecht zu gebrauchen, so klein er noch war, wenn’s auch recht langsam ging. Aber wenn das Essen auf dem Tisch stand, liefen seine Füsse von selbst ins Haus. Essen war ihm das Wichtigste und Höchste im Leben. Was wusste der Toni sonst vom Leben! Das Haus, das Futterhaus, die graue Kuh, die Schafe, die er liebte, und die Geiss, die er schrecklich fürchtete, weil sein Hosenboden schon ein paarmal eindringlich Bekanntschaft mit ihren Hörnern gemacht hatte, die Hühner, der Hund, Vater und Mutter, die kleine Warwe, das bedeutete für ihn das Leben. Aber eines Tages, der Himmel war blau, und auch oben schien die Frühlingssonne schon so warm, dass die Heide blühte und die Himmelsschlüssel, nahm ihn der Vater mit auf die Waldblösse ober Raschötz, von wo aus man tief, tief hinunter ins Tal schauen konnte, wo die Strasse zog und der Fluss und auf der anderen Talseite drüben Dörfer aufgereiht waren und Weinberge und Burgen und Schlösser, wo unten zwischen Wiesen und Feldern das Dorf lag, dessen spitzer Kirchturm gerade zu ihm heraufschaute. „Do ischt die Stadt“, sagte der Vater und deutete gerade hinunter. „Stadt“, was war das? Da lagen viele Häuser nah beisammen, so nah wie ihre Schafe im Stall nebeneinanderlagen. Von der Stadt hatte er noch nie etwas gehört, vom Dorf unten wohl, denn dahin ging der Vater manchmal. Er hatte es auch schon gesehen, dies Dorf, aber er verband keine angenehmen Vorstellungen damit, denn dort sollte er zur Schule gehen. Das war ihm schon gesagt und angedroht worden, und etwas Gutes konnte das Schulgehen nie und nimmer sein, denn es hiess stets: „Wart ner, wenn du Schuel kimsch!“ Wollte er nicht beten, weil er zu faul oder schläfrig war, schrie ihn die Mutter an: „Kimm du ner Schuel!“ Puffte er die Warwe — gewöhnlich puffte zwar sie ihn —, so drohte sie gleich: „Aber wenn du Schuel kimsch!“ Auf diese Weise bekam er eine heillose Furcht vor der Schule, die gleich nach dem Fegfeuer kam, in dem man elendig verbrennen musste, wenn man der Mutter über die Häfen mit Rahm oder über die gezuckerten Beeren gekommen war. Nein, vom Dorf wollte er nichts wissen, lieber schaute er nach der Stadt, die ihm der Vater noch einmal wies. „Das ischt die Stadt, das ischt Kloschder Gäben, die Stadt Klausen ischt das.“ Jetzt spitzte er die Ohren: Klausen! Klausen giahn! Das war was anderes! Wenn das die Stadt war! Klausen giahn, hiess Zuckerln kriegen und weisses Brot! Wenn nur die Mutter öfter nach Klausen ginge! Im Jahr ein paarmal. Und dann stand er und wartete und lief den Weg ein Stück hinunter und lief ihn wieder zurück vor Angst, er könne nicht mehr heimfinden, und abermals hinunter, der Mutter entgegen. So wartete und wartete er stundenlang, halbe Tage lang und schaute sich die dunkeln Kugelaugen fast heraus, die wie Glasknöpfe aus seinem grossen Kopf standen, immer nach dem Weg hin, den sie kommen musste. Währenddem sprang die Warwe lustig herum, unbekümmert und lachend, wenn sie sich auch einmal sehnsüchtig an seine Seite stellte; die Mutter würde schon kommen, und die Zuckerln waren ihr ja gewiss! Kam sie dann endlich, so flog die Warwe nur so, sie war die Behendere, die Erste bei ihr; sie schwatzte dann und freute sich, man hätte meinen können, sie sei der Mutter den ganzen Nachmittag entgegengelaufen! So machte sie es immer.

Natürlich war sie jetzt auch gleich hinter ihnen her und stellte sich neben den Vater, und ehe er noch fragen konnte, hatte sie schon sechs Fragen getan, und der Vater konnte kaum nachkommen mit Antworten. „Wo ischt die Stadt? Wo ischt Klausen? Han, Vater, wo? Wo ischt die Schuel? I möcht gern Schuel giahn, Vater, i schon. Vater, hörsch? Wo ischt der Eisack? Wo ischt die Bohn? Die Eisenbohn?“ schrie sie. „Schaug, Toni, so schaug decht! Wo fahrt sie hin, die Eisenbohn?“ Aber Tonis runde Augen hingen immer noch am Kloster Säben, das so hochfahrend oben stand und ihm mit seinen vielen blitzenden Fenstern so überaus wohl gefiel. Was war denn das, die Eisenbahn? Bis seine Augen Warwes kleinem Zeigefinger folgten, der hinunter ins Tal zappelte, war die „Bohn“ längst verschwunden, und die Warwe lachte ihn aus „Derf i aa amal Bohn fahrn, Vater“, quälte sie, „gell, wenn i Schuel geh, gell, Vater!“ Und der Vater tröstete: „Ja, ball du Schuel geascht.“

„I geah gern Schuel“, sagte sie und schielte nach dem Toni.

„Hörscht es du, was die Gitsch sagt? Die fürchtet ihr niacht; so schteah do net a so do, red was!“ schrie er ihn plötzlich in ausbrechender Wut an. „Wart ner, wenn du Schuel kimsch, die wer’n dir’s vertreiben! Net oanmal fragscht du; los, was die Gitsch sagt!“

Ja freilich, die Warwe plaudert fort, jetzt erst recht, dass ihm ganz wirblig im Kopf wurde. Zehn Sachen konnte die anschauen, bis er eine sah, und was sie alles sah, und um was sie frug! Doch auf einmal war’s ihr zu langweilig, und mitten drin warf sie den Kopf nach hinten, fing zu singen und zu schreien an und lief davon. Fürchtete sich gar nicht vor dem Vater, wie sie sich nicht vor der Schule, nicht vor der Mutter, nicht einmal vor der Geiss fürchtete. Die hatte ein schönes Leben, die Einsicht war ihm längst gekommen. Toni seufzte schwer. Noch ein paar Monate, dann wurde es richtiger Ernst, dann mussten sie beide zur Schule, da hinunter, wo der spitze Kirchturm heraufschaute. Er jährte sich schlecht, so hatte man ihn über Winter noch zu Hause behalten. Nun durfte er keinen Winter mehr in der warmen Stube auf der Ofenbank liegen neben dem zottigen Hund Lion. War das eine schöne Zeit! Der Toni brauchte nicht neben den Schafen herlaufen, brauchte kein Holz aus dem Wald herbeischleppen und keine Steine von den Wiesen klauben. Konnte nur fort und fort ruhig liegen und zusehen, wie der Schnee runterfiel, und den Vorgenuss des Essens empfinden, das langsam neben ihm im Ofen schmorte, Kraut und Plentenknödel. Und konnte schlafen, so viel und so lange er wollte, wenn ihn nicht gerade die Warwe von der Bank herunterzog, der kleine „sekante Tuifl“.

Vielleicht würde sie doch nicht so sehr jubilieren, wenn sie wirklich in die Schule kam. — Beten konnte sie natürlich schon, während ihn die Mutter immer zankte: „Tuascht gar nicht beten, kann leicht die Warwe mehr.“ Und zum Vater sagte sie oft: „Werd decht no wos aus den Buam wern, wo er lei ans Essen denkt und ans Schlafen un net beten mag.“ Die kleine, magere Mutter hatte alle Hände voll zu tun; sie konnte nicht immer neben dem Toni stehen, ihm die Hände falten oder seine kleinen Daumen packen und ihm ein Kreuz machen lehren über seinen dicken Kopf herunter bis auf die Brust. Man hatte keine Zeit auf Raschötz, sich mit den Kindern abzugeben. Wenn’s Schnee gab, ja, da hatte der Vater Zeit, und es war im letzten Winter gewesen, als er einen Anlauf nahm, den Toni zu erziehen; denn er sollte doch etwas erzogen sein, ehe er zur Schule kam, an welche Notwendigkeit niemand bisher gedacht hatte. Sie lagen alle zwei auf der Ofenbank; der Vater murmelte etwas von Himmel, Hölle und Fegfeuer. Er redete leise und stockte immer dazwischen, denn er schämte sich; er redete von mein und dein, von Sünde und Strafe. Der Toni verstand kein Wort, er sperrte das Maul weit auf, was der Vater für ein Zeichen grosser Aufmerksamkeit nahm. Ausserdem war die Sache dem Alten ebenso unbehaglich wie dem Toni, und er gab nach einmaligem Versuch die Erziehung wieder auf, erleichtert, weil er meinte, seine Pflicht getan zu haben. Das war die erste Vorbereitung zu Tonis Werdegang; die zweite war einschneidender und auch spannender und verständlicher für Toni. Der Vater stieg nämlich nach Klausen hinunter, um ihm einen Hut zu kaufen. Der Tag verging dem Buben in grosser Erregung, soweit das bei ihm möglich war. Der Hut nahm immer mehr zu an Bedeutung — einen ganzen Tag brauchte der Vater, um ihn zu kaufen, was würde er erst für einen Sack voll Zuckerln mitbringen, wenn’s so lange dauerte! Als der Vater endlich anstolperte, kam er als ein anderer Mensch heim, pfiff und sang und redete in einem fort, er, der sonst den ganzen Tag mürrisch herumging. Wahrhaftiger Gott, das war was anderes, dieses Leben, und der Toni konnte nicht begreifen, warum die Mutter wütend war, im Haus herumrumorte und mit den Türen schmiss. So gefiel ihm der Vater viel besser als sonst, er tanzte förmlich in der Stube umher, wobei er die Absätze einsetzte und den Hut krumm schob, dass die Warwe gar nicht aus dem Lachen kam! Und „Guatelen“ verschenkte er! Freilich die meisten kamen an die Warwe, denn sie hielt sich immer um ihn; aber das tat nichts, denn es war eine Lustbarkeit, wie sie noch nie bei dem Raschötzer gewesen. Vom Hut sah der Toni vorderhand noch nichts, er dachte auch nicht daran, denn er hatte so viel darüber nachzudenken, dass alles heute so merkwürdig anders war. Erst den nächsten Tag kramte der Vater in seinem Bündel, zog den Hut heraus und setzte ihn dem Buben so fest und nachdrücklich auf den Kopf, dass er gleich bis an die Augenbrauen rutschte. Der Toni zog sie hoch aus Ungewohnheit, und eine leise Ahnung der Welt, die seiner wartete, und die mit Unbequemlichkeiten und mit Gewalttätigkeiten begann, zog durch seine Seele, eine erste, schmerzliche Erschütterung, die sich wiederholte, als er am Schultag sehr früh geweckt, nachdrücklich und schmerzhaft gewaschen wurde, ehe er seine Milchsuppe bekam. Wer hatte es denn sonst mit dem Waschen so genau genommen! Jetzt fuhr ihm die Mutter sogar in die Nasenlöcher und rieb an ihm, als hätte er mehrere Häute und die oberste müsse um jeden Preis durchgerieben werden! Dann erst durfte er seine frischen Kleider anziehen mitsamt dem neuen Hute. Wohl zehnmal langte er immer wieder nach dem Kopf, bis ihn ein tüchtiger Schlag an seinen Platz, ganz nahe den Ohren, verwies. Während dem Toni die Tränen herunterliefen, trillerte die Warwe in der Stube herum und schielte nach dem Bruder, der an Händen und Füssen zitterte, als ihn der Raschötzer bei der Hand nahm. Noch auf der Schwelle stemmte er sich wie ein Kalb, das nicht aus dem Stall fort will.

„Ich geah gern Schuel“, versicherte die Warwe, doch klang es nicht sehr zuversichtlich, denn, als sie sah, wie der Toni heulte und sich spreizte, wurde sie stiller und stiller, und wenn man genau zusah, konnte man merken, wie ihre Mundwinkel zuckten. Immerhin lief sie ganz tapfer voran, ihr folgte der Vater, der den Toni wirklich wie ein störrisches Kalb hinter sich nachzog. Dem Alten war es selbst nicht geheuer, er redete auf dem ganzen langen Weg kein Wort, und auch die Warwe, die ab und zu gefragt hatte, schwieg zuletzt, weil sie keine Antwort bekam. So langten sie, da der Vater sehr schnell ging, ausser Atem und bedrückt im Dorfe an. Hatte der Toni gedacht, dass das An-der-Hand-Nehmen so weitergehen würde bis in die Schulbank hinein, so sah er sich jetzt grausam getäuscht, denn der Vater nahm gerade vor dem Schulhaus Reissaus, und er tat das so schnell, so fluchtartig, ganz in Übereinstimmung mit dem, was der Toni eigentlich hätte tun wollen, dass ihn auch der klägliche Ruf, den der Toni ausstiess, nicht mehr erreichte. So stand er also mitten unter den fremden Kindern, die ihn anglotzten, während er sich nicht getraute, sie anzuglotzen, und ängstlich nach der Warwe Hand langte, die sich ihm bang entgegenstreckte, gerade in dem Augenblick, als eine Tür aufgetan und die ganze Herde in ein grosses Zimmer eingelassen wurde, wo sie sich alle einem jungen, ungeduldigen Manne gegenübersahen, der nicht gerade übermässig freundlich nach ihnen blickte. Dieser ungeduldige, junge Mann, der neue Lehrer, fuhr sich fortwährend durch seine rotblonden Haare, und es sah aus, als sträube sich sein borstiger, kleiner Schnurrbart vor innerer Unruhe. Mit einer raschen Bewegung trennte er den Toni von der Warwe, die noch einmal hilflos nach ihm griff, denn sie war wie die meisten Kleinen recht blass und weinerlich geworden. Nur unter den grösseren Buben und Gitschen, denen das Schulgehen wie der Lehrer nichts Neues war, summte es unterdrückt wie in einem Bienenschwarm. Dem Toni war zu Mut, wie wenn man ihm eine gehörige auf den Kopf gegeben hätte, so wie’s nur die Mutter konnte, und von Zeit zu Zeit schaute er mit kläglichen Blicken zur Warwe hinüber, die mittlerweile schon munter geworden war. Ihre blanken, raschen Äuglein wanderten von dem rotbäckigen, stämmigen Lehrer mit dem borstigen Schnurrbart angefangen über die grosse Schultafel, die vielen Köpfe und Füsse hin, über all die Mädeln und Buben, die vor und neben und hinter ihr sassen, und als sie das Kreuz machen und beten mussten, war sie die erste und lauteste und hatte bald ihre alte Keckheit wieder, während der Toni um keinen Preis der Welt dazu zu bewegen war, seinen Daumen zu rühren und ein Kreuz zu schlagen.

„Wer bist denn du? — Was? — Wer? Der Toni? Ja was für a Toni?“ „Vom Raschötzer, Herr Lehrer“, schrie die Warwe so laut, dass sich der Lehrer belustigt nach ihr umschaute.

„Ah so! Anton heisst du, Anton Palua!“ Der Toni riss seine Augen weit auf und schüttelte den Kopf. Anton sagte der Lehrer! Er war doch der Toni. Musste man denn hier ein anderer Mensch werden, wurde man hier umgetauft? Das vollzog sich bei ihm nicht ohne grossen, staunenden Schmerz; er hatte zu drucken und zu schlucken vor Weh um seinen guten, alten Namen, während es der Warwe sehr wohlgefiel, dass sie nicht mehr Warwe, sondern die Barbara Palua hiess. Sie hob sogar den Kopf und tänzelte und schwänzelte vor ihm her, als die Schule für heute aus war, während in ihm ein dumpfer Groll wuchs, eine unbewusste Verachtung für „das Weib“, das sein Wesen schnell aufgibt, um ein anderes, ihm besser dünkendes dafür einzutauschen, das sich umformt und umformen lässt, wie wenn es nur dazu da wäre und nur darauf gewartet hätte. So hörte er mit Groll das Gepappel des kleinen Wesens neben sich an, das nicht aufhören konnte, alles aufzuzählen, was es in der Schule gehört und gesehen. Nie und nimmer würde er verstehen, dass man so viel auf einmal sehen und hören konnte; er hatte nichts gesehen als die funkelnden Brillengläser des Lehrers, vor denen er sich fürchtete, und nichts gehört, als dass er von nun an nicht mehr der Toni, sondern der Anton war, Anton Palua. Aber auch darüber liess ihn die Warwe nicht Nachdenken, weil sie immerfort fragen musste, weil sie immerfort ihre Augen überall hatte, da und dort und dort und da, und nicht begreifen konnte, dass es der Toni nicht ebenso machte. Scheltend sprang sie zuletzt voraus und liess den Mürrischen und Wortkargen allein trotten. Und so blieb’s von nun an immer und nicht nur auf dem Heimwege. Die Warwe sprang voraus, und es dauerte nicht lange, so hatte sie mit Äugleinmachen und verlegenem Lächeln, mit stummem Danebentraben sich an des Hulzen Kinder angemacht, die ein Stück weit denselben Weg hatten. Bald zwitscherte und lachte sie mit ihnen, wie wenn sie sie schon Jahre lang kennte und es ihr nichts Ungewohntes und Fremdes sei, mit andern Kindern beisammen zu sein, während der Toni seinen Weg einsam und betrübt hinter ihnen zog. Er war und blieb auch seltsamerweise für die Kinder, und nicht nur für die Hulzenkinder, der Krautwelsche, der fremde Vogel im Nest, der, auf den gepickt werden musste; bei der Warwe dachten sie nicht daran und waren mit ihr wie mit den andern Kindern. Ihn verlachten sie seines Hutes wegen, der bis an die Ohren fiel, wegen seiner verwaschenen Hosen, wegen seiner groben Stiefel; die Warwe tänzelte in ihrem starren Lodenröcklein wie noch mal eine Prinzessin, und niemand fiel es ein, sie auszulachen. Sie war sehr stolz, mit den Kindern aus dem reichen Hof gut zu sein, sie tuschelte und lachte mit ihnen über den Toni, der in der Schule eine Stunde brauchte, bis er dem Lehrer antwortete, und der immer heulte, weil der ihn so anfuhr. Der Lehrer und auch der Pfarrer! Ach, was stand der Toni aus! Waren das Leute! So schnell ungeduldig wurden sie! Konnten sie denn nicht warten? Gerade, wenn er es sagen wollte, zogen sie los über ihn, nahmen ihn bei den Ohren (wie wenn die nicht schon lang genug gewesen wären) und schrien ihn an, er solle doch die Warwe ansehen! Ja, die begriff schnell, freilich, aber bis er begriff, hatte sie längst alles wieder vergessen, während bei ihm alles, was er einmal wusste, sass wie in Felsen gehauen. Er sollte immerfort denken, und das war hart, zudem konnten der Lehrer und der Pfarrer nie warten, bis man ausgedacht hatte.

„Antonius! Antonius! Du wirst der Erste gar niemals nicht“, sagte der Lehrer oftmals und drohte mit dem Finger. Er war ein Schäker, der Lehrer, er hatte wohl bemerkt, wie es den Toni betrübte, dass er von einem Toni in einen Anton verwandelt worden war, und während er all den Seppeln, den Guschdeln, den Loisen, den Namen und auch der Warwe den ursprünglichen Namen wieder schenkte, wenn sie denselben auch nicht schreiben durften, gab er ihn dem Toni nicht wieder zurück; er war und blieb der Anton, und jetzt war er gar der Antonius!

Und weil er stets allein trabte, mit niemanden redete und stets trübselig war, nannte der Lehrer ihn wohl auch öfter Einsiedelmann oder gar Parsifal. Das letztere erschien dem Toni als eine besondere Beleidigung, weil er es nicht verstand; es war hart, so verspottet zu werden, und weil er es nicht wagte, angesichts der hohen Schulobrigkeit zu weinen, heulte er auf dem Heimweg, wenn seine schweren, viel zu grossen genagelten Stiefel den felsigen Pfad abklopften, und das Gelächter der Warwe oder der Hulzenkinder, das er unter oder ober sich hörte, verstärkten nur diese einsame Heulerei.

Trotz Abscheu und Angst vor der Schule bekam sein einsamer Weg allmählich immer mehr Reize für ihn. Da gab es so allerlei, das er gern genau angeschaut und über das er am liebsten Schule gehabt hätte, da wäre er nicht dumm gewesen, das hätte er gelernt! Vor allem war es die lange Reihe der Berge, waren es die Wälder, die Flüsse und Strassen, die Dörfer und die fernen Schneespitzen, die er gern gekannt, die ihm immer vertrauter wurden und denen er zuerst still für sich Namen gegeben, bis er ihre richtigen Namen nach und nach, zäh und beharrlich, auch ein bisschen scheu, dem Vater förmlich abgerungen hatte. Er entdeckte hoch oben, wo’s schon fast in den Himmel ging, Häuser; da war das Dorf Latzfons, das Schutzhaus auf der Kassianspitze, das Rittenhaus, dort war der Schlern, die Geislerspitzen und die plumpe, dicke Plose, die sich lang in den Frühling hinein wie ein schneeweisses Federbett auf die dunklen Waldrücken legte. Und die vielen Dörfer da und dort, mit spitzen Kirchtürmen aus den Kastanienwäldern aufragend. Alle kannte er sie, ihre Namen hütete er wie einen Schatz; das war sein Kleinod, etwas, das sonst keiner hatte, das ihn auszeichnete, nicht nur vor der flatterhaften Warwe und den schreienden Hulzenkindern, die ihn verhöhnten, auch vor all den andern, die halb mitleidig und halb spöttisch über ihn lachten, weil ihnen alles so leicht fiel. Je mehr er sich verschloss, desto mehr fürchtete er aber die Leichten und Leichtsinnigen und Fröhlichen, desto grösser ward sein Heimweh, wenn er in der Schule sass, nach seiner lieben Welt da oben, wo niemand so viel Unnötiges von ihm wollte, mit Ausnahme der Mutter, die er ja lange schon kannte und von der ihm nichts weh tat. Hätte er sich nur in sein altersbraunes Haus verkriechen und für all die andern verschwinden können, die’s nicht gut mit ihm meinten und ihm nur Plage und Schmerz brachten! So wurde er immer verschlossener, zuletzt auch vor den Eltern verschlossener und von ihnen als „bockischer“ Bub herumgestossen und ewig gezankt. Den ganzen Tag wurde ihm die Warwe als Muster vorgestellt, in der Schule und zu Haus; der Lehrer lobte sie, der Pfarrer tätschelte ihren wirren Krauskopf, und er blieb der verstockte „Krautwelsche“, der er von Anfang an gewesen; so rissen sich die Kinder um die Warwe, die voller Leben und Lustbarkeit steckte und voller Schwänke. Oft hörte er sie und die Hulzenkinder bis vom Hulzenhof herauflachen und singen; da würgte es ihn im Hals, und er wäre gern hinuntergesprungen und hätte geschrien: „Lasst mich doch auch mithalten, ich will auch lustig sein wie ihr!“ Oft stand er lange Zeit und sah und horchte hinunter, die unten sahen ihn auch stehen, aber keines rief ihn, keines kam, ihn zu holen, so sehnsüchtig er auch wartete. Die Warwe war oft bis zur Dämmerung bei den Hulzenkindern, niemand zankte mit ihr, wenn sie nichts tat, nur er sollte nicht stehen und faulenzen. — Der Vater drückte dem blöden Gaffer den Stock in die Hand; das Schauen in die blauen Fernen und das Hinunterhorchen nach den fröhlichen Stimmen ergrimmte ihn; Antonius, der Einsiedelmann, musste mit den Schafen und mit den Ziegen in den Wald hinauf und dort oben bleiben bis zum Abend, wenn er keine Schule hatte oder wenn Ferien waren. Die Einsamkeit war ihm recht und den Wald gewann er lieb. Nur wenn er einen Menschen von fern sah, entfloh er und versteckte sich in einem Gestrüpp oder kroch hinter einen Felsen, bis er keine Schritte mehr hörte. Oft grübelte er darüber nach, wie das so sonderbar war, dass die Warwe auf alle Leute begierig zulief, mit ihnen lachte und schwätzte, ja lange Zeit neben ihnen hersprang und oft etwas geschenkt bekam. Mit ihm lief sie nicht, und ihm war’s recht so, er war froh, allein zu sein. Allmählich wurde er immer vertrauter mit dem Wald und seinem Getier, mit den Blumen, den Steinen, den Wiesen, den Halden und Felsen und Bergen. Er kannte den bunten Wiedehopf, der im Weidenbaum nistete und seinen Schopf zu dem hohlen Stamm herausstreckte, er kannte die grossen Eidechsen, die an besonnten Mauern lagen, grün wie Smaragde oder schillernd blau. Er hatte keine Scheu vor ihnen, wie die andern Kinder, die sie aus Furcht verfolgten und verstümmelten, weil sie sie für Hexen hielten, wenn sie lautlos, blinzelnd in der Sonne lagen; er kannte jeden Vogel an dem Ruf, den klagenden „Schlof“, der Nächte lang schrie, den schwätzhaften Häher, der allem Getier die Nähe der Menschen kreischend verriet, den Schrei der helläugigen Bergamsel, die Sprache der Grasmücken und der emsigen Spechte. Den possierlichen „Oacher“ liebte er besonders, der von Baum zu Baum sprang, anzusehen ganz wie der braunrote Pfarrer mit seiner grossen Nase und den kleinen, schlauen Augen. Er wusste die schönsten blassrosa Berganemonen und die wundersamen schwefelgelben mit den tieforangenen Staubfäden, die eines Tages wie vom Himmel gefallen auf der lichtgrünen Wiese in Reih und Glied aufmarschiert standen. Er wusste die glührotesten Alpenrosen zu finden, es war ihm nicht zu weit und zu steinig, um sie von oben zu holen. Alles laufende und kriechende Getier liebte und kannte er, Käfer und Würmer und alle bunten Steine. Oft schleppte er alle Taschen voll zum Bersten nach Hause, doch die Mutter stösst den störenden Kram unwirsch zur Seite, und die Warwe wirft ihm alles weg und freut sich, wenn er sich darum grämt. Aber der Toni weiss sich zu helfen. Er legt sich droben im Wald, im saubern roten Sand ein Versteck an für all seine Kostbarkeiten. Das ist nun sein Reich, sein Heiligtum, das ihn keiner streitig machen kann; dort vergisst er, dass ihn keiner mag, dort vergisst er die Schule, die Bosheiten der Warwe, seine Sehnsucht, auch zu spielen und lustig sein zu können wie die andern Kinder. Im Winter träumt er von seiner Sommerherrlichkeit. Wie ein Murmeltier hält er seinen Winterschlaf an den Tagen, an denen Schneestürme oder Glatteis die Kinder abhalten, zur Schule zu gehen, und solche Tage gibt es viele; manchen freien Tag bettelt auch noch die Warwe dazu, wenn es nicht gar so schlimm ist, ihr aber das Hinuntertrappen und Heraufkrabbeln nicht passt, denn im Winter geht’s immer halb stürzend, halb rutschend zur Schule. „Heut ischt es zu letz, kann man net giahn“, tut sie weinerlich; der erste Reiz der Schule, wo sie durch ihre Altklugheit und ihr schnelles Erfassen hervorstach, ist längst vorbei, der Lehrer lobt sie nicht mehr, und der Pfarrer zankt sie sogar ob ihres Leichtsinns.

Бесплатный фрагмент закончился.

294,57 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
100 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9788711466674
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания: