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Xenia Melzer
Ein Dom und sein Krieger
Impressum:
© dead soft verlag, Mettingen 2021
http://www.deadsoft.de
© Xenia Melzer
Published by Arrangement with dreamspinner press
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© Artem Furman – stock.adobe.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-478-0
ISBN 978-3-96089-479-7 (epub)
Inhalt:
Leeland Drake und Jonathan White sind ein festes BDSM-Paar und gerade zusammengezogen. Leeland hat nur noch ein Jahr auf dem College vor sich und alles scheint perfekt zu sein … bis Leelands Onkel ihn bittet, für einen verletzten UFC Kämpfer den Ersatzmann zu spielen.
Leeland will seinem Onkel helfen, aber er erinnert sich von seinen Jahren der Wettkämpfe im Kampfsport nur zu gut daran, wie anstrengend das Leben als Athlet sein kann. Er will seine Beziehung zu Jonathan nicht riskieren. Nach einigen Diskussionen entscheiden sie, dass Leeland für ein Jahr lang Profi sein wird.
Als ob das Training und die strikte Diät nicht schon genug wären, erhöht sich der Druck ins Unendliche, als Leeland auf den homophoben Kämpfer Noah Adams trifft – vor allem, als sie sich im Kampf um den Gürtel des Champions gegenüberstehen.
Die widerlichen verbalen Angriffe seines Gegners, die Aufmerksamkeit der Medien, der Druck von seinem Sponsor und ein Feuer im Fitnessstudio seines Onkels setzen Leeland so zu, dass er kurz vor dem Zusammenbruch steht. Nur Jonathans Unterstützung und Liebe helfen ihm, seinen Fokus zu bewahren und noch einmal das Oktagon zu betreten – und vielleicht als Sieger wieder herauszukommen.
Für all die Schokoladenliebhaber da draußen.
Kapitel 1
Jonathans Blick wanderte voller Liebe über Leelands nackten Körper. Sie waren im Whisper, in einer privaten Suite, für eine intensive Session. In den letzten drei Wochen hatten sie nicht viel Zeit füreinander gehabt und heute Abend ging es darum, wieder zueinanderzufinden. Es ging auch darum, Stress abzubauen. Leelands Prüfungen am Ende des Semesters waren vorbei. Sein Boy hatte es gut gemacht; nein, mehr als gut, er hatte nur Einsen geschrieben. Noch ein Jahr harte Arbeit und Leeland würde mit dem College fertig sein. Jonathan holte tief Luft, konzentrierte sich auf Leelands perfekten Körper in der Schlinge. Eine schwarze Augenbinde aus Seide hielt seinen Boy davon ab zu sehen, was er machte. Leelands Atmung war jedoch gleichmäßig. Er vertraute Jonathan absolut.
Es machte Jonathan immer demütig, dieses Vertrauen. Vor allem, wenn er daran dachte, mit welcher Leichtigkeit Leeland ihn auf die Matte werfen konnte, dank seines Kampfsporttrainings. Das berauschende Gefühl, Macht über jemanden zu haben, der so stark war, ließ Jonathans Schwanz in seiner Lederhose anschwellen. Die Widersprüche an Leeland verfehlten nie ihre Wirkung auf ihn. Dieser wunderschöne, schlanke Körper, die androgyne Schönheit, die langen, seidigen Haare, die riesigen, mandelförmigen Augen, die hochstehende kleine Nase und die schmalen, aber sinnlichen Lippen sprachen Jonathans Beschützerinstinkte an, sein Bedürfnis zu erobern und zu besitzen, den Drang zu dominieren.
Die wilde Intelligenz, das freche Mundwerk und das Selbstbewusstsein, das von einer soliden Ausbildung in Selbstverteidigung gestützt wurde, sprachen Jonathans inneres Raubtier an, das so lange nach einem ebenbürtigen Partner gesucht hatte. Ja, Leeland, war alles, was Jonathan sich wünschen konnte, alles, was er je gewollt hatte. Was er für diesen Abend geplant hatte, war eine Möglichkeit, Leeland zu zeigen, wie sehr Jonathan ihn zu schätzen wusste und ihn liebte. Nur an die Freuden zu denken, die noch kommen würden, ließ Jonathans Schwanz Liebestropfen vergießen.
Er umkreiste die Schaukel, vergewisserte sich, dass alles gesichert war, Leelands Handgelenke und Knöchel gefesselt, aber nicht auf eine Weise, die ihn verletzen würde. Obwohl sie beide hin und wieder ein Spanking genossen, standen sie mehr auf sinnliche Spiele. Jonathan strich mit seinen Fingerspitzen über Leelands Brustkorb, genoss die Glätte der Haut und das leichte Schaudern, das die Berührung durch Leelands Körper schickte. Sein Boy stöhnte leise, voller Vorfreude. Jonathan lächelte.
„Das hier wird so gut, Liebster.“ Er hielt inne. „Dein Codewort?“
Leeland lächelte. Jonathan wusste, wie viel es ihm bedeutete, jedes Mal, wenn sie eine Session hatten, danach gefragt zu werden. Es zeigte, wie fürsorglich Jonathan war, wie ernst er ihre Interaktionen nahm.
„Staubflocke für Stopp, Löwenzahn für langsamer, Weide für mach weiter.“
„Sehr gut. Lasset die Spiele beginnen.“
Er wusste, wie kitschig das klang und Leelands Kichern bestätigte das nur. Mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck trat Jonathan zu dem kleinen Tisch, auf dem er die Dinge, die er für diese Session brauchen würde, bereitgelegt hatte.
Zuerst nahm er die Straußenfeder. Es ging nichts über ein leichtes Aufwärmen, bevor er die stärkere Munition auspackte. Sozusagen. Er ließ die Feder über Leelands Bauch streichen, entlockte seinem Boy ein Stöhnen. Jonathan lächelte, als er die Gänsehaut sah, die sich auf der leicht gebräunten Haut erhob. Er kartierte Leelands Körper mit der Feder, wanderte von seinem Bauch zu seiner rechten Seite, glitt mit den Fäden über den Brustkorb, in die Achsel, an der Unterseite von Leelands Arm nach oben, dann wieder hinunter, um das Ganze auf der anderen Seite zu wiederholen. Als die Feder zum vierten Mal mit ihrer Reise begann, wand Leeland sich in seinen Fesseln, brachte die Schlinge zum Schwingen. Jonathan legte eine Hand auf den Bauch seines Boys, stoppte so alle Bewegung.
„Shh, Boy. Wir haben gerade erst angefangen.“
Leeland wimmerte. „Ich weiß. Hör nicht auf.“
Jonathan beugte sich nach vorne und küsste die bebenden Lippen, schluckte ein weiteres, gieriges Stöhnen. Dann machte er sich wieder an die Arbeit, änderte den Pfad der Feder nach unten, über Leelands schlanke Taille, seine leicht vorstehenden Hüftknochen, die langen, wohlgeformten Beine, hinauf an den Innenseiten seiner Oberschenkel, stimulierte seine Eier und seinen Schwanz, der jedes Mal zuckte, wenn die Feder über das heiße, empfindsame Fleisch huschte. Leeland versuchte, seinen Rücken aufzuwölben, ein fruchtloses Unterfangen in der Schlinge. Das Wissen, dass er das mit seinem Boy anstellte, dass er es war, der Leeland zum Stöhnen und Wimmern und Betteln brachte, indem er nicht mehr als eine Feder benutzte, ging direkt in Jonathans Gemächt, zog seine Eier nach oben und brachte seinen eigenen Schaft dazu, zu versuchen, ein Loch in seine Lederhose zu stoßen. Leeland war absolut anbetungswürdig, wenn er sich so hingab.
Jonathan ließ die Feder noch einmal über die geschwollenen Hoden wandern, ehe er sie beiseitelegte und den nächsten Gegenstand von dem Tisch holte. Weil er nichts sehen konnte, strengte sein Boy sichtlich seine Ohren an, um zu erraten, was als Nächstes kam. Jonathan grinste und hob die kleine Porzellanschüssel mit dem warmen, nach Sandelholz duftenden Öl hoch in die Luft, bevor er sie kippte. Das Öl ergoss sich in einem kleinen, kontrollierten Strahl, traf Leelands empfindliches Fleisch beinahe lautlos und begann, seinen Oberkörper nach unten zu laufen, entlockte Leeland ein glückliches Stöhnen. Sobald die Schüssel leer war, stellte Jonathan sie wieder zurück auf den Tisch, bevor er anfing, das Öl in Leelands Körper zu massieren, ein Vorgang, den er zutiefst genoss. Er war ein äußerst sinnlicher Mann, der es liebte, diese Art Lust zu bereiten. Jonathan musste jedoch zugeben, dass er noch nie einem Sub begegnet war, der sich so sehr hingab, wie Leeland es tat. Mit ihm wurde alles beinahe bis ins Unendliche gesteigert. Auch jetzt versuchte er, sich in Jonathans Berührung zu wölben, bettelnd, wimmernd, stöhnend, gab sich allem hin, was Jonathan ihm geben wollte. Es war wie eine Droge – für sie beide.
Jonathan wechselte festes Streichen mit federleichten Berührungen seiner Fingerspitzen ab, hörte nicht auf, bis Leelands Haut sich unter seinen Fingern erhitzt anfühlte. Er grinste ein klein wenig bösartig. Im nächsten Teil würde Leeland um seine Kontrolle kämpfen müssen. Er beugte sich vor und flüsterte nahe am Ohr seines Boys.
„Vergiss nicht, Liebster, du darfst nicht kommen, es sei denn, ich gestatte es.“
Leeland stöhnte, die Worte allein ließen seinen Schwanz zucken. Jonathan schaute kurz zu, wie sein Boy sich wand. Dann ging er wieder zu dem Tisch. Sorgfältig den Moment sowohl für sich als auch für seinen zuckenden Boy hinausziehend wählte er einen der Eiswürfel, die in einer anderen Schüssel lagen. Die plötzliche Kälte fühlte sich gut an seinen Fingern an und er konnte sich nur vorstellen, was Leeland empfinden würde.
Er nahm den Würfel, kehrte zu Leeland zurück und verharrte über seinen Nippeln, wartete darauf, dass die Wassertropfen fielen. Als der erste die erhitzte Haut von Leelands schön erhärtetem Nippel traf, zischte der Boy in einer Kombination aus Lust und Überraschung.
„Verdammt.“
Jonathan räusperte sich. Ein weiterer Tropfen fiel, kurz darauf gefolgt von einem dritten und vierten.
„Es tut mir leid, Master. Aah!“
Leeland wimmerte und Jonathan legte den ganzen Würfel auf seinen linken Nippel. Als Jonathan anfing, Kreise um beide Nippel zu beschreiben, dabei einen feuchten Pfad hinterließ, schließlich nach oben in Richtung von Leelands Hals und Ohren vorstieß, dann wieder nach unten, am Tal seines Nabels vorbei und zu seinem Gemächt, erhielt er einen gleichmäßigen Strom an Stöhnen und Wimmern, das sich in unverständliches Betteln verwandelte, sobald er Leelands geschwollene Hoden erreichte. Der Eiswürfel war beinahe geschmolzen. Jonathan tauchte ihn in seinen Nabel, ließ ihn dort, damit er ganz schmelzen konnte, bevor er einen weiteren aus der Schüssel nahm, sich sofort wieder Leelands Geschlecht zuwandte. Er stimulierte den harten Schaft, glitt über den tropfenden Schlitz, zog den Eiswürfel hinunter zu den Hoden, rieb das empfindliche Fleisch zwischen den Eiern und dem Loch, ehe er anfing, Leelands Anus zu massieren.
Vorsichtig, damit der Würfel ihm nicht aus den Fingern glitt, stieß Jonathan ihn gegen den festen Ring aus Muskeln, stimulierte, forderte und Leeland sang für ihn, sein Atem kam in kurzen Stößen. Die Muskeln in seinen Oberschenkeln zitterten und sein Loch fing an, sich für den Eiswürfel zu öffnen. Jonathan schob das Eis hinein, rieb es überall ein, stieß tiefer vor, bis es vollkommen geschmolzen war. Er holte einen weiteren Eiswürfel und wiederholte den Vorgang. Leelands innerer Kanal fühlte sich jetzt kalt an und er bockte auf den beiden Fingern, die Jonathan in ihm hatte.
„Bitte! Jonathan, bitte!“
Es war nicht die Dringlichkeit in Leelands Stimme, die Jonathan überzeugte, dass es Zeit war ihn zu ficken. Es war Leeland, der ihn bei seinem Namen nannte. Wenn Leeland kurz davorstand zu fliegen, hörte er immer auf, Jonathan mit Master anzureden, und benutzte stattdessen seinen Namen. Andere Doms hätte das vielleicht gestört, aber Jonathan liebte es. Er liebte es, dass er Leeland so vollkommen ruinieren konnte, dass er das ganze Protokoll vergaß.
Jonathan öffnete schnell seine Lederhose, schüttete etwas Öl auf seinen Schwanz und verteilte es. Mit einem Seufzen trat er zwischen Leelands gespreizte Beine in der Schaukel.
„Ich werde es dir jetzt besorgen, Liebling.“
Er bekam ein Schluchzen zur Antwort. Jonathan legte eine Hand auf Leelands Bauch. Mit der anderen richtete er seinen Schaft aus. Langsam, vorsichtig, drückte er seine Eichel in Leelands Loch und zischte, als die Kälte ihn traf. So gut. Das hier war so gut. Leeland stöhnte.
„Mehr. Jonathan, ich brauche mehr! Fick mich!“
Auch das war etwas, was die meisten Doms nicht tolerierten, einen Sub, der ihnen sagte, was sie tun sollten. Aber wer war er, seinem wunderschönen Engel irgendetwas zu verweigern, nachdem er so brav gewesen war? Jonathan drang tiefer ein, bis er ganz in Leelands Hintern vergraben war. Für einen Moment hielt er inne, genoss das Gefühl von Leelands immer noch kühlem Kanal, der ihn fest packte, sich langsam wieder erhitzte. Als Leeland einen ungeduldigen Laut von sich gab, fing er an, ihn mit langen, sicheren Bewegungen zu ficken, versuchte, es so lange wie möglich hinauszuziehen.
Das war aber schwierig. Es gab einfach so viele Empfindungen, zusammen mit dem wunderbaren Wissen, dass sie von keiner Barriere getrennt wurden. Erst diesen Nachmittag hatten sie ihre Testresultate bekommen und Jonathan konnte immer noch nicht glauben, dass er das hier machte, seinen Boy ohne Kondom ritt. Seinen. Sie waren exklusiv. Nur sie beide.
Leeland schien gleichermaßen erregt zu sein, weil er einige unzusammenhängende Worte keuchte.
„Wir. Ohne. Härter. So gut. Mehr.“
Jonathan packte Leelands Hüften mit beiden Händen und fing an, ihn ernsthaft zu ficken. Sie würden nicht lange durchhalten, warum also sollte er sich selbst quälen? Er war nicht der Sub in dieser Beziehung. Als Jonathan das warnende Kribbeln in seinem Rücken spürte, knurrte er leise.
„Komm, Leeland! Jetzt!“
Leeland gab ein würgendes Geräusch von sich und bei Jonathans nächstem, brutalen Stoß kamen sie gemeinsam, Leeland versprühte seinen Samen auf seinem Bauch, die Spritzer schafften es bis an sein Kinn. Jonathan kam tief im Körper seines Liebhabers und sank in einem Haufen reiner Seligkeit auf ihm zusammen.
Soweit es Jonathan betraf, war das hier der Himmel.
Kapitel 2
Nach ein paar Momenten befriedigten Schweigens stöhnte Leeland und wand sich unter Jonathans Gewicht. Jonathan stützte sich ab, was sich in der Schaukel nicht so einfach gestaltete, wie es auf einem Bett gewesen wäre. Er musste tatsächlich seine Rückenmuskeln anspannen. Er spürte, wie sein weich werdender Schwanz aus Leelands Körper glitt.
„Hmm, Liebling, ich will dir einen Plug verpassen.“
„Perverser.“
„Gib es zu, du liebst mich dafür. Außerdem ist das das erste Mal, dass wir es ohne gemacht haben. Ich will meine Wichse in dir einsperren.“
Dank der Augenbinde war Jonathan nicht in der Lage, das Verdrehen der Augen zu sehen, das Leeland sicherlich gerade vollführte und musste darum seinen süßen Sub auch nicht bestrafen.
„Wie sehr Neandertaler kannst du werden? Ich bin keine Frau. Es wird keine Babys geben, das weißt du, oder?“
Jonathan grinste und schlug hart genug auf Leelands Flanke, um an ihre Rollen zu erinnern.
„Frechdachs. Jetzt zieh dein süßes Loch zusammen, während ich nach einem schönen fetten Plug suche.“
Er glitt ganz aus Leelands Loch und bewunderte für einen Moment den Anblick. Der Anus zeigte ein wunderschönes Rosa, glänzte von Öl und Wichse und zuckte hilflos. Jonathan spürte, wie sein eigener Schaft erneut Interesse anmeldete. Plug, erinnerte er sich selbst. Plug und dann Nachsorge. Er kramte in einer der Schubladen des Spielezimmers, dankbar dafür, dass Whisper alle Arten von Sexspielzeugen zur Verfügung stellte. Mit einem triumphierenden Schnaufen wählte er einen mittelgroßen Plug aus Silikon in Neongelb, schlenderte zurück zu der Schaukel, wo Leeland immer noch wartete, sein Loch zusammendrückte, um Jonathans Wichse davon abzuhalten herauszufließen, und schob ihn in seinen Sub. Leeland stöhnte, auch sein Schwanz regte sich wieder.
Jonathan entfernte die Augenbinde und drückte einen schnellen Kuss auf Leelands Nase.
„Kuscheln.“ Leeland war offensichtlich immer noch selig. Seine Augen zeigten dieses Glänzen, das Jonathan sagte, dass er bald einschlafen würde. Er beeilte sich damit, Leeland aus der Schaukel zu holen, und trug ihn dann zu dem Kingsize-Bett, das es in jedem privaten Spielzimmer im Whisper gab. Jonathan ordnete die Kissen so an, dass er sich bequem an das Kopfteil lehnen konnte. Mit einem zufriedenen Seufzen zog er Leeland zwischen seine Beine. Leelands Kopf kam auf seinem breiten Brustkorb zu ruhen, der schwache Geruch seines Zitronenshampoos mischte sich mit den dominanteren Gerüchen nach Sex und Schweiß. Als Jonathan nach den feuchten Tüchern auf dem Nachttisch griff – eine weitere Sache, mit der jede Suite ausgestattet war – sagte ihm das Zusammensacken von Leelands Körper, dass sein Boy bereits eingeschlafen war. Jonathan lachte leise, wischte die trocknende Wichse von Leelands Bauch, warf das schmutzige Tuch in die vage Richtung des Mülleimers, verfehlte ihn und kümmerte sich nicht darum.
Leeland kennenzulernen war das Beste, was ihm je widerfahren war. Jonathan hatte sich von dem Moment an zu ihm hingezogen gefühlt, als er Leelands eleganten, schlanken Körper hinter der Bar des Whisper gesehen hatte. Sie hatten ein paar Sessions zusammen gemacht, aber damals hatte Jonathan gedacht, dass Leeland wie all die anderen Submissives war – unterwürfig. Und ja, er wusste, wie widersprüchlich dieser Gedanke war. Bei der Einweihungsparty in Richards und Deans Haus hatte er sich Leeland von hinten genähert und Leeland hatte ihn ohne ersichtliche Mühe zu Boden geworfen. Das war für Jonathan ein ausreichender Grund gewesen, den Boy um ein Date zu bitten. Von da an hatte ihre Beziehung sich stetig entwickelt, bis zu dem Punkt, dass sie jetzt ohne Kondom miteinander schliefen. Er hatte verdammtes Glück gehabt und er wusste es.
Zwischen seinen Beinen regte Leeland sich, gähnte und versuchte, sich noch enger an ihn zu kuscheln. Jonathan lächelte weich, schlang seine Arme um Leelands Oberkörper.
„Was für eine unglaubliche Session, Master. So gut.“
Jonathan lachte leise. Er genoss es immer, wenn Leeland ihre Sessions reflektierte. Einigen Doms gefiel das nicht, sie fühlten sich sogar beleidigt, wenn ihre Subs ihnen sagten, was ihnen an einer Session gefallen hatte und was nicht. Jonathan war für die Informationen dankbar. Auf diese Weise war er in der Lage, sich ständig zu verbessern und immer noch bessere Erfahrungen für sie beide zu schaffen. Das kam dem ehrgeizigen Teil seiner Persönlichkeit zupass.
„Es hat dir also gefallen?“
„Hmm. Sehr. Versteh mich nicht falsch, ein gutes Spanking ist nicht schlecht, aber das hier … das war ganz anders. Heiß und kalt und heiß …“ Er verstummte, streichelte Jonathans Finger abwesend. „Sex ohne Kondom ist auch toll. Ich fühlte mich so verbunden.“
Jonathans Herz vollführte diesen verrückten kleinen Tanz, den er gelernt hatte, mit Leeland zu assoziieren, und er redete, ohne nachzudenken.
„Zieh bei mir ein.“
Leeland wurde sehr still in seinen Armen. Jonathan biss sich auf die Lippe, verfluchte sich innerlich selbst. Warum, oh warum nur hatte er das heraussprudeln müssen? Es war etwas, über das er jetzt seit einem Monat nachdachte, auf den richtigen Moment wartete, um es vorzuschlagen. Er hatte nicht vorgehabt, Leeland auf diese Weise damit zu überfallen. Nach einer Session war nie ein guter Zeitpunkt, um wichtige Dinge zu besprechen. Zu viele Hormone, die wild herumschwirrten.
„Liebling?“
Leelands fehlende Reaktion machte Jonathan Sorgen. Als er sich vorgestellt hatte, wie sie zusammen wohnten, hatte er für keine Sekunde gedacht, dass Leeland vielleicht gegen die Idee sein könnte. Unter Umständen zögerlich, aber nicht dagegen. Jonathan spürte, wie Nervosität an seinem Rückgrat nach oben kroch.
Leeland fing an, seine Hand zu streicheln.
„Peyton wird mich umbringen. Er ist gerade erst damit fertig geworden, alles einzurichten.“
„Das ist deine größte Sorge?“ Jonathan konnte es nicht glauben. „Du könntest wütend auf mich sein, weil ich dich so abrupt damit konfrontiert habe oder überwältigt, weil du bis jetzt keinen Gedanken daran verschwendet hast oder, ich weiß nicht, einfach wütend, weil ich während der Nachsorge damit herausgeplatzt bin. Aber du machst dir Sorgen um Peytons Reaktion?“
Leeland neigte seinen Kopf zur Seite, grinste Jonathan an wie ein Irrer. Als Jonathan das amüsierte Funkeln in Leelands Augen sah, wusste er, dass er hereingefallen war.
Leeland kicherte, sah offensichtlich, wie die Erkenntnis auf Jonathans Gesicht erblühte.
„Ich mache nur zum Teil Spaß. Ja, dein Antrag kommt ein wenig überraschend und ja, du hättest den Moment etwas – sorgfältiger wählen können. Aber ich habe auch schon darüber nachgedacht, zusammen zu ziehen. Ich verbringe ohnehin eine Menge Zeit bei dir und du wohnst nahe genug an der Dade und Whisper, dass das Pendeln kein Problem ist. Unglücklicherweise wird Peyton mich umbringen, wenn ich jetzt ausziehe. Er hat sich sehr viel Mühe damit gegeben, das Apartment perfekt zu machen und er hat es sogar irgendwie geschafft, Richard dazu zu bringen, dafür zu bezahlen.“
Leeland runzelte die Stirn. „Ich weiß aber immer noch nicht, wie er das gemacht hat. Richard hat mir schon das Apartment geschenkt, was mehr als großzügig ist. Ich wusste nicht einmal, dass er die Rechnung bezahlt, bis es Peyton herausgerutscht ist. Bis dahin hatte ich ihm die Geschichte geglaubt, dass er das alles umsonst macht, im Austausch dafür, dass er Bilder vom Apartment für seine Webseite machen darf.“
Jonathan biss sich auf die Lippe. Er erinnerte sich an den Tag, als Leeland herausgefunden hatte, dass Richard die Rechnung bezahlte. Sein süßer Boy hatte den Besitzer von Whisper sofort angerufen, um ihm zu sagen, dass er nicht so weit zu gehen brauchte und zu versuchen, ihn zu überreden, die Rechnung zumindest zu teilen. Richard hatte sich schlichtweg geweigert. Nach ungefähr zwanzig Minuten Tirade von Leeland, hatte Richard den Anruf beendet, indem er seine Dom-Stimme einsetzte. Leeland hatte nachgegeben, aber Jonathan hatte gewusst, dass er nicht glücklich war. Zwei Tage später hatte Jonathan Richard getroffen und ihn wegen der ganzen Sache befragt. Wie sich herausstellte, war es Dean, der Peyton dafür bezahlte, die Inneneinrichtung von Leelands Apartment zu machen. Dean war mehr als dankbar für Leelands Hilfe und Unterstützung während seiner kurzen Trennung von Richard und hatte ihm seine Wertschätzung zeigen wollen, ohne ihre Freundschaft wegen etwas so Unwichtigem wie Geld zu gefährden. Nach Peytons Ausrutscher und nachdem er dann die Schuld auf Richard geschoben hatte, hatte Richard zugestimmt, als Strohmann für Dean zu agieren. Normalerweise billigte Jonathan solche Intrigen nicht, aber das hier war für seinen geliebten Boy und niemand wusste besser als er, wie stur Leeland sein konnte. Er verdiente alles. Dean hatte einen Weg gefunden, ihm zumindest einen guten Teil von allem zu geben, und Jonathan würde dagegen nichts einwenden.
„Schon gut, Liebling. Du kannst Peyton jederzeit sagen, dass es meine Schuld ist.“
Leeland wand sich, bis er auf den Knien war, Jonathan anschaute, wobei ein koboldhaftes Lächeln sein Gesicht leuchten ließ.
„Du weißt, dass er dich auf wirklich grauenvolle Weise dafür bezahlen lassen wird, oder?“
Jonathan schnaubte.
„Ich habe keine Angst vor Peyton.“
„Weil du ihn nicht so gut kennst – noch nicht.“
Leelands Stimme klang ominös genug, dass Jonathan sich ein klein wenig Sorgen machte. Peyton war einmal in seinem Apartment gewesen, als Jonathan über eine Renovierung nachgedacht hatte. Peytons Vorschlag, was mit den Zimmern gemacht werden konnte und sollte, hatte ausgereicht, um Jonathan davon abzuhalten, irgendetwas zu verändern.
Da er seine Unruhe spürte, drückte Leeland einen Kuss auf Jonathans Mund. „Mach dir keine Sorgen. Er wird wahrscheinlich nur einen Diven-Anfall haben. Widersprich nicht und vergiss nicht, an den richtigen Stellen ‚Ja, Peyton‘ zu sagen, und alles wird gut.“
Jonathan schnaubte. „Ich bin ein Dom. Ich werde mit einem Handtuch wie Peyton fertig.“
Leeland lachte laut auf. „Natürlich wirst du das, Master.“ Er spreizte seine Beine, wimmerte ein wenig, als der Plug in ihm wohl über seine Prostata strich und machte es sich auf Jonathans Oberschenkeln gemütlich. „Du bist mein Master. Mein Dom. Ich liebe dich.“
Jonathan gab seinem Boy einen tiefen Kuss.
„Und ich liebe dich. Heißt das ja?“
„Ja! Mit Freuden.“
Jonathan zog Leeland enger an sich. Mit den Fingern seiner rechten Hand stieß er die Basis des Plugs an, schickte einen weiteren Schauder durch Leelands Körper.
„Sobald du deinen Führerschein hast, kannst du eine der Harleys haben, um zur Dade und zum Whisper zu fahren.“
Leeland gab einen überraschten Laut von sich. „Wirklich?“
„Ja, Boy. Alles, um dein Leben mit mir angenehm zu machen.“ Jonathan konnte Leelands Überraschung verstehen. Seine Harleys waren sein größter Schatz. Aber Jonathan hatte schon vor mehr als einem halben Jahr erkannt, dass Leeland ihm sogar noch wichtiger war. Und er würde schon bald seinen Führerschein haben.
„Mein Leben mit dir ist perfekt. Du machst es immer besser und besser.“
„Mach weiter so mit deinen Komplimenten und mein Kopf wird explodieren.“
Leeland kicherte. „Mach dir keine Sorgen. Wenn du zu eingebildet wirst, kann ich dich jederzeit zu einer Runde im Studio herausfordern. Das sollte dich wieder zurechtstutzen.“
„Du bist so ein Süßholzraspler.“
Jonathan wusste, dass er bei einem Kampf keine Chance gegen Leeland hatte, es sei denn, er schaffte es, ihn mit seinem Gewicht niederzudrücken. Normalerweise war Leeland zu schnell auf den Beinen, damit das geschehen konnte. Dass ein so starker, selbstständiger Mann sich ihm unterwarf, ihn liebte, ihn ertrug, war mehr, als Jonathan verdiente und er hatte fest vor, Leeland für den Rest ihres Lebens zu zeigen, wie sehr er ihn schätzte und liebte.
Sie fingen an, sich zu küssen, und schon bald wurde der Plug von etwas ersetzt, das sie beide deutlich mehr genossen.
Kapitel 3
„Hi, Leeland, Emilio! Es ist schön, euch zu sehen!“
Leeland konnte bei Collins überschwänglicher Begrüßung ein Lächeln nicht unterdrücken. Der zerstreute Künstler war einfach zu niedlich.
„Hi, Collin. Danke, dass wir kommen durften!“
Collin umarmte zuerst Leeland, dann Emilio. „Nicht der Rede wert. Ich bin so aufgeregt. Die anderen sind schon da und Martin ist bei Richard und ich habe ganz allein Essen bei Mamma’s bestellt und Dean hatte recht, es ist wirklich einfach und wir werden Pasta essen und Salat und Tonnen von Nachspeise, weil Nachspeise einfach nur das Beste ist und Martin hat den Fernseher für mich vorbereitet, damit ich nur zwei Knöpfe drücken muss.“
Leeland grinste. Für einen typischen Collin-Satz war dieser relativ kurz gewesen. „Ich freue mich darauf.“
Sie folgten dem glücklich hüpfenden Collin in die riesige Villa in der er und sein Dom, Martin Carmichael, Mitbesitzer des Clubs Whisper, wohnten. Leeland stellte sicher, dass Emilio in seiner Nähe blieb. Der hübsche Sub mit den dunklen Augen und den sündigen Lippen wirkte zögerlich, was Leeland verstehen konnte. Martins Haus war riesig, der unglaubliche Reichtum seines Besitzers spiegelte sich in jedem kleinen Detail, von den polierten, antiken Messingknöpfen an den Türen über die glänzenden Hartholzböden bis hin zu den sparsam verteilten Dekorationsstücken, die ihren Wert praktisch herausschrien. Und das war nur der Flur. Das Einzige, was die einschüchternde Atmosphäre ein wenig dämpfte, waren die Skizzenblöcke, Pinsel, Kreiden und Bleistifte, die überall herumlagen. Leeland wusste, dass Martin wollte, dass Collin seine Kunst auf das Konservatorium beschränkte, das sein Atelier war, aber das war eine unmögliche Forderung. Collin arbeitete, wo immer ihn die Muse küsste und wenn das im Flur geschah, dann fing er dort zu skizzieren an und vergaß in der Regel, hinterher aufzuräumen. Sie alle hatten gelernt, sich mit Vorsicht in Collins Heim zu bewegen. Auf einem Bleistift auszurutschen war nicht lustig. Auf ihrem Weg zu den anderen, kamen sie an einer Wand vorbei, die bei Leelands letztem Besuch noch leer gewesen war. Jetzt befand sich darauf die große Skizze eines nackten Mannes mit halb ausgebreiteten Flügeln, einem Halsband um seinen Hals und einer Kette in seinen Händen. Die Enden der Kette waren auf eine Weise gezeichnet, dass sie sich in einen Schwarm Schmetterlinge verwandelten, der an der Wand entlangflog. Es gab noch keine Farbe, aber das Bild war bereits faszinierend.
„Das ist wunderschön, Collin.“
Collin hielt an und blickte mit zur Seite geneigtem Kopf nach rechts.
„Ich weiß. Wir sind vor ein paar Tagen gerade vom Whisper zurückgekommen und als Martin die Tür geöffnet hat, habe ich gesehen, wie ein paar Motten im Licht über dem Eingang tanzten und mir wurde klar, wie sehr Flügel mit Subs verbunden sind und wie wichtig es ist zu fliegen und wie die Ketten uns wirklich helfen, wie alles transzendiert und ich konnte nicht aufhören zu zeichnen und ich weiß schon, welche Farben ich brauche und ich bin so froh, dass Martin gesagt hat, es ist in Ordnung die Wand zu benutzen, weil sie einfach dort sein muss und ich kann mir aus irgendeinem Grund nicht vorstellen, wie es auf der Leinwand ist, und ich brauche echte Ketten, die ich einarbeiten werde.“
Leeland lächelte. Es war niedlich, wie aufgeregt Collin wurde, wann immer er über seine Arbeit sprach. Es war auch erfrischend, Zeit mit jemandem zu verbringen, der eine so einzigartige Sicht auf die Welt hatte.
Jetzt führte Collin sie ins Wohnzimmer, wo Dean, Richards Ehemann, Peyton, Deans Freund und genialer Inneneinrichter und Curtis, Kunstgalerist und Collins Agent, auf zwei riesigen cremefarbenen Sofas lümmelten, die den Raum dominierten.
„Seht wer gekommen ist!“
Peyton sprang von seinem Sitz auf, um zuerst Leeland und dann Emilio zu umarmen. Dean und Curtis folgten seinem Beispiel. Aus dem Augenwinkel sah Leeland zu, wie Dean Emilio umarmte. Der junge Mann verspannte sich für einen Moment, ehe er locker wurde. Als Deans Eltern versucht hatten, ihm seine Nichte – jetzt Tochter – Emily vor beinahe einem Jahr wegzunehmen, hatten sie einen Privatdetektiv angeheuert, um belastende Beweise zu finden, dass Dean und Richard nicht in der Lage waren, sich um ein Baby zu kümmern. Weil die Sicherheitsvorkehrungen im Whisper zu streng waren, als dass ein Außenstehender einfach so hereinspazieren könnte, hatte der Privatdetektiv Emilio bedroht und ihn gezwungen, Bilder von Dean und Richard in ihrer Lederkluft im Whisper zu machen. Emilio war klug genug gewesen, nichts explizit Sexuelles zu fotografieren, weil er angenommen hatte, dass die Bilder dann wertlos wären, was der Grund war, warum Richard und Martin ihn nicht von seinem Job im Whisper gefeuert hatten. Er hatte seine Strafe erhalten, war aber in der Nähe von Dean immer noch ein wenig nervös, als ob er nicht glauben konnte, dass der Schriftsteller ihm wirklich vergeben hatte. Leeland lächelte. Dean war ein großzügiger Mann, der Emilio mit offenen Armen in ihrer kleinen Gang aus Subs willkommen geheißen hatte.
Es klingelte, was Collin dazu brachte, wieder nach draußen zu rasen.
„Das Essen!“
Nur ein paar Augenblicke später trugen zwei Männer große Wärmeboxen mit dem Logo von Mamma’s auf der Seite ins Wohnzimmer. Der verführerische Geruch ließ Leeland das Wasser im Mund zusammenlaufen. Curtis atmete tief ein, runzelte dann seine Brauen.
„Sollten wir das nicht in die Küche bringen?“
Collin sah verwirrt aus. „Warum?“
„Weil das hier das Wohnzimmer ist, nicht das Esszimmer?“ Curtis erweckte den Eindruck, als würde er versuchen, ein Lachen zu unterdrücken.
Dennoch schien Collin nicht zu verstehen. „Wir essen nicht hier?“
Dean legte einen Arm um Collins Taille. „Es ist dein Haus, Süßer. Wir essen, wo immer du willst. Mr. Gentleman da drüben weiß nur nicht, dass man im Wohnzimmer essen kann. Das ist ein ihm fremdes Konzept.“
Dean warf Curtis ein schelmisches Lächeln zu, eines das der ältere Mann sehr erwachsen mit einer herausgestreckten Zunge erwiderte.
Collins Augen waren groß geworden. „Man isst nicht im Wohnzimmer?“
Curtis grinste. „Wie Dean schon gesagt hat, das hier ist dein Haus. Wir essen, wo du willst. Ich war nur – überrascht von deiner Wahl der Lokalität.“
Collin seufzte erleichtert.
„Ich denke, es ist schön hier zu essen. Das Sofa ist sehr bequem. Peyton hat es ausgesucht. Und heute müssen wir uns keine Sorgen darüber machen, dass Dog alles von unseren Tellern klaut, weil Martin ihn mit zu Richard genommen hat, damit er mit Donar und Thor und Wilma und Fred spielen kann, obwohl er vielleicht ein wenig enttäuscht sein wird, weil Dean gesagt hat, dass Emily schon schläft und Dog liebt es auch, mit ihr zu spielen.“
Leeland und Dean teilten einen Blick. Es war für jeden außer Collin eine Überraschung gewesen, wie gut der Wachhund mit den beiden Hunden von Deans Schwiegervater und den beiden Katzen, die Richard für Emily besorgt hatte, auskam.
„Collin, Sugar, wir brauchen aber trotzdem Besteck und Teller. Es macht mir nichts aus, hier zu campen, aber ich werde auf gar keinen Fall aus demselben Behältnis essen wie alle anderen. Dafür ist nicht annähernd genügend Alkohol im Spiel.“ Peyton ließ sein charmantestes Lächeln aufblitzen. „Und wenn einer von euch einen Fleck auf das Sofa oder den Teppich macht, werde ich euch an den Eiern aufhängen, und zwar nicht auf die gute Weise.“
Als sie ihn alle anstarrten, zuckte er mit den Schultern. „Hey, es war ein Albtraum diese Sofas zu bekommen.“
Nach dieser Warnung half Leeland Curtis und Collin, das Geschirr ins Wohnzimmer zu tragen. Peyton hatte die verschiedenen Behälter bereits geöffnet und der himmlische Geruch von Pasta verbreitete sich in der Luft.
Leeland leckte sich die Lippen. „Was hast du bestellt?“
Collin errötete. „Ich wusste nicht, was jeder möchte, darum habe ich sie gebeten, mir eine Auswahl ihrer Pasta-Gerichte zu schicken, etwas Salat und jede Menge Nachspeise.“
„Du meinst jede Menge Tiramisu.“ Leeland grinste, als Collin hilfesuchend zu Dean schaute.
„Ich finde Tiramisu ist die perfekte Wahl.“ Dean tätschelte beruhigend Collins Hand. „Wenn du keines willst, umso besser. Mehr für uns.“
„Hey, denk nicht einmal daran, all diese cremige Köstlichkeit für dich zu beanspruchen! Wir wollen unseren Anteil, nicht wahr, Emilio?“ Peyton stieß den jüngsten Mann in ihrer Mitte mit dem Ellbogen an.
Emilio sah aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Leeland war sich nicht sicher, ob Emilio ein schüchterner Mensch war oder ob die Jahre, die er auf der Straße verbracht hatte, ihn so gemacht hatten. Jetzt wand er sich unter der gebündelten Aufmerksamkeit aller Männer.
„Ich … ich sollte wahrscheinlich gar nichts essen. Master Garrett hat eine strikte Diät für mich.“
Leeland runzelte die Brauen. In seinem Hinterkopf fing eine Alarmglocke zu schrillen an. Emilio hatte vor ungefähr vier Monaten angefangen, Sessions mit Master Garrett zu machen. Zwei Monate später hatte der Master ihn auf das erste Date eingeladen. Bis jetzt hatte Leeland den Eindruck gehabt, dass zwischen den beiden alles gut lief. Emilio schien unter der Aufmerksamkeit und Fürsorge, die er von Master Garrett erhielt, aufzublühen.
„Warum lässt er dich Diät halten?“ Curtis stellte die Frage, ehe Leeland es konnte.
Eine tiefe Röte stieg in Emilios Wangen. „Er will meine Kondition verbessern. Für unsere Sessions. Er … Master Garrett kann ziemlich intensiv sein. Er will, dass ich in der Lage bin, die heftigeren Sessions zu überstehen, ohne dass ich am Ende ohnmächtig werde. Ich gehe fünfmal die Woche in sein Fitnessstudio.“
Das ergab Sinn und war nicht das schlimme Szenario, das Leeland sich vorgestellt hatte. Dennoch fühlte es sich irgendwie falsch an. Als ob Emilio nicht ganz glücklich war. Leeland konnte den Standpunkt von Master Garrett verstehen. Dem Mann gehörte eine Kette hochklassiger Fitnessstudios überall in den Staaten. Er war seine eigene beste Werbung, ein perfekt gebauter Prachtkerl, dessen wunderschön geformte Muskeln nicht von einem Gramm Fett verunziert wurden. Emilio war – normal. Er hatte den Körper eines jungen Mannes, der seine Zeit mit Arbeit und Lernen verbrachte. Fitnessratten-Material war er nicht. Als er ihn näher betrachtete, entdeckte Leeland einige Veränderungen an Emilios Körperbau. Seine Oberarme in dem einfachen grünen Polohemd, das er trug, schienen definierter zu sein, sein Brustkorb ein wenig breiter als zuvor. Ja, er trainierte ganz eindeutig.
„Hat er irgendetwas über Essenverbote heute Abend gesagt? Er muss schließlich gewusst haben, dass es hier Essen geben würde.“ Dean klang besorgt.
Emilio schüttelte den Kopf. „Er hat nichts gesagt. Aber das letzte Mal, als ich mich nicht an meine Diät gehalten habe, hat er mich das ganze Wochenende über in einen Cockcage gesteckt und hat mich gefickt, wann immer ihm der Sinn danach stand. Am Montagmorgen hat er ihn abgenommen, mich nach Hause geschickt und mir für die ganze Woche verboten zu kommen.“
Ein kollektives Wimmern kam von Dean und Curtis. Leeland schauderte. Cockcages waren gemein. Und Master Garrett war einer der strengsten Doms im Whisper, sogar noch strenger als Richard und Martin, die im Grunde genommen Weicheier waren und so gründlich um Deans und Collins Finger gewickelt, dass es nicht einmal mehr lustig war. Jonathan hatte etwas mehr Biss, aber auch er konnte ganz leicht mit einem Schmollen oder einem bittenden Blick überzeugt werden. Es war interessant, wie die Liebe eine Person verändern konnte.
„Die Frage ist, willst du bestraft werden?“
Peytons Stimme riss Leeland aus seinen Überlegungen. Wie immer kam der lebhafte Blondschopf gleich zum Kern der Sache. Sich eine Bestrafung einzuhandeln, konnte Spaß machen, je nachdem, welche Art Strafe ein Dom verhängte. Sogar Cockcages hatten ihre guten Seiten, obwohl Leeland nicht allzu scharf auf sie war.
Emilio wirkte hin- und hergerissen. „Ich weiß nicht. Er ist so streng.“
„Ich nehme an, es ihm nicht zu sagen, kommt nicht infrage?“
Peyton klang pragmatisch. Curtis schüttelte den Kopf.
„Ein Sub lügt seinen Master nicht an. Zumindest nicht in einer funktionierenden Beziehung. Absolute Ehrlichkeit ist bei BDSM sehr wichtig.“
„Und ihr Jungs wundert euch, warum ich den Schmerzen keine Chance geben will.“ Peyton warf seine Hände in die Luft. „Triff deine Entscheidung, Emilio. Wirst du böse sein?“
So wie Peyton es sagte, mussten sie alle lächeln. Sogar Emilio, der immer noch unentschlossen wirkte.
„Vielleicht nur ein wenig. Wenn es nur eine kleine Portion ist …“
„Schön, das ist geregelt. Ich bin am Verhungern!“
Mit diesen Worten schnappte Peyton sich einen Teller und fing an, ihn mit den verschiedenen Pasta-Variationen zu beladen. Sie alle folgten seinem Beispiel, Emilio eingeschlossen, der ungefähr vier Spaghetti aglio e olio auf seinen Teller legte, bevor er sich neben Leeland setzte. Für eine Weile herrschte glückliches Schweigen.
Als ihr schlimmster Hunger gestillt war, oder zumindest Peytons schlimmster Hunger, sah er sich mit diesem abenteuerlustigen Glitzern in seinen Augen um, das sie alle zu fürchten gelernt hatten.
„Gibt es irgendwelche saftigen Neuigkeiten, die wir erfahren müssen?“
Leeland spannte sich an, hoffte, dass einer der anderen etwas Haarsträubendes verkünden würde, das sie den ganzen Abend beschäftigen würde. Er hatte kein Glück. Einer nach dem anderen schüttelten die Männer den Kopf. Collin und Martin diskutierten immer noch über das perfekte Datum für ihre Hochzeit und ehe das Datum nicht feststand, hatte Martin ihnen verboten, über die Hochzeit selbst zu reden, weil es Collin verwirrte, wenn er mit so vielen Entscheidungen konfrontiert wurde. Leeland war sich beinahe sicher, dass Martin irgendwann einen Hochzeitsplaner anheuern würde, nur um seinen Boy davon abzuhalten, sich zu sehr zu stressen. Nicht einmal Dean schien irgendwelche Neuigkeiten von der Leihmutterschaft zu haben, ein Thema, das sie immer gut unterhielt. Vor ungefähr fünf Monaten hatten Richard und Dean eine Leihmutter gefunden, die jetzt versuchte, schwanger zu werden. Die erste Runde war fehlgeschlagen und Dean immer noch enttäuscht. Hoffentlich würde der nächste Versuch von Erfolg gekrönt sein.
Leeland holte tief Luft. Er würde es ihnen irgendwann sagen müssen und wenn die anderen dabei waren, würde Peyton vielleicht nicht vollkommen durchdrehen.
„Äh, ich habe … irgendwie Neuigkeiten.“
Leeland spürte, wie sich alle Augen auf ihn richteten. Ein kalter Schauder lief an seinem Rückgrat nach oben. Es würde ein Massaker werden.
„Jonathan hat mich gebeten, bei ihm einzuziehen und ich – habe zugestimmt.“
Das Zimmer explodierte in Chaos.
„Leeland, wie wunderbar! Glückwunsch!“ Das war Dean.
„Ooh, umzuziehen kann Spaß machen, man findet Sachen, von denen man nicht wusste, dass man sie hat, das ist wie ein Abenteuer!“, fügte Collin hinzu.
„Herzlichen Glückwunsch, Leeland. Du und Jonathan, ihr seid so ein gutes Paar. Ich bin mir sicher, dass es hervorragend wird.“ Curtis, freundlich und unterstützend wie immer, mit einer Spur Traurigkeit und Sehnen in seinen Augen.
„Das ist toll, Leeland.“ Emilio sagte nichts weiter. Er sorgte sich wahrscheinlich immer noch wegen der drei Nudeln, die er zu sich genommen hatte.
„Was?“ Der schrille Klang von Peytons Stimme erhob sich mühelos über die der anderen. „Ich habe gerade Wochen damit zugebracht, das Apartment perfekt zu machen, und jetzt willst du ausziehen? Und noch dazu in diesen Schweinestall? Hast du auch nur die geringste Ahnung, wie lange ich gebraucht habe, um die perfekte Farbe für die Küche zu finden? Oder um diese Kommode zu bekommen, von der du gesagt hast, dass sie dir so gut gefällt? Es war ein Albtraum, das kann ich dir sagen. Ich musste in diese kleine Hinterwäldlerstadt fahren, an deren Namen ich mich nicht einmal erinnern kann und mit einer alten Hexe verhandeln, die sich aus ‚sentimentalen Gründen‘ nicht davon trennen wollte und ich musste ungefähr eine Tonne ihrer steinharten Kekse essen und reden, bis mir die Zunge ausgefallen ist, ehe sie endlich zugestimmt hat, sie zu verkaufen. Und ich will erst gar nicht mit dem Holzboden in deinem Schlafzimmer anfangen oder ich werde dich töten müssen!“
Peytons Stimme wurde mit jedem Wort lauter, bis sie eine Höhe erreichte, von der Leeland sich vorstellen konnte, dass der Schrei einer Banshee so klingen würde, wenn diese Kreaturen existierten. Leeland zuckte zusammen. Es war übel.
„Es tut mir leid. Wirklich. Ich weiß, wie hart du gearbeitet hast und ich weiß das zu schätzen. Sehr sogar. Es ist nur so, das ist das erste Mal, dass ich bei jemandem einziehe.“
„Ja, lass ihn in Ruhe, Peyton. Das sind großartige Neuigkeiten.“ Dean versuchte, Peyton zu beruhigen, wofür Leeland dankbar war.
Peyton sah für einen Moment zögerlich aus, wog eindeutig die Vorteile, seinen Anfall weiterzuführen gegen die Möglichkeit, herunterzufahren, ab. Ein gefährliches Glitzern glomm in seinen Augen. Mit einem Mal fühlte Leeland sich wie eine Maus, die von einer athletischen Katze in die Ecke getrieben worden war. Nicht noch so viel Selbstverteidigungstraining konnte ihn auf Peyton vorbereiten, wenn der eine seiner Stimmungen hatte.
„Nun, ich werde dir vielleicht vergeben. Da meine Bemühungen in deinem Apartment ganz eindeutig umsonst waren, könnte ich davon überzeugt werden, nicht länger wütend auf dich zu sein, wenn du mir freie Hand bei Jonathans Apartment lässt.“
Leeland schluckte. Jonathan hat gesagt, dass er alles tun würde, erinnerte er sich selbst. Wie schlimm konnte es werden? Du sagst der Harley besser auf Wiedersehen. Für einen Moment zögerte Leeland, aber dann gab er nach. Welche Wahl hatte er schon? Er wollte wirklich mit seinem Master zusammenwohnen.
„Schön. Ich werde es Jonathan sagen.“
Ein zufriedenes Grinsen sagte Leeland, wie sehr er gerade manipuliert worden war. Er konnte jedoch nicht böse sein. Trotz seiner Unberechenbarkeit war Peyton ein guter Freund – und Jonathans Apartment konnte eine kleine Auffrischung vertragen. Nun ja, nicht so klein, wenn Peyton das Sagen hatte, aber es würde den Wiederverkaufswert enorm steigern. Und wenn er weiter gute Gründe fand, würde er am Ende vielleicht sogar an einen davon glauben.
„Jetzt, da das geklärt ist, … Collin, welchen Film hast du ausgesucht?“
Peyton wirkte vollkommen ruhig, wahrscheinlich, weil er gerade seinen Willen ohne große Anstrengungen von seiner Seite bekommen hatte. Leeland konnte eine gewisse Schadenfreude nicht unterdrücken, als Peyton das glückliche Lächeln sah, das sich auf Collins Lippen formte, während sein eigenes Gesicht lang wurde.
„Nein! Nicht SCHON WIEDER The Nightmare Before Christmas!“
Collin zog einen Schmollmund. „Hey, dieser Film ist großartig. Aber keine Sorge. Wir werden uns Corpse Bride anschauen.“
Jetzt waren Curtis und Dean an der Reihe zu stöhnen.
„Ich weine am Ende dieses Films immer. Wegen jemandem, der schon tot ist!“ Curtis wimmerte beinahe.
„Ich habe Taschentücher“, bot Collin hilfsbereit an.
Ehe Curtis eine Antwort geben konnte, mischte Peyton sich ein. „Du hast Nerven. Du hast uns gezwungen, Eyes Wide Shut anzusehen, als wir das letzte Mal bei dir waren!“
„Dieser Film ist ein Klassiker!“, protestierte Curtis.
„Das macht ihn nicht gut. Das nächste Mal treffen wir uns in meinem Apartment.“
Curtis schnaubte. „Auf gar keinen Fall. Ich werde nicht noch einen Vin Diesel Marathon über mich ergehen lassen.“
Peyton verdrehte die Augen. „Vin ist ein Hengst.“
„Das mag ja sein, aber seine Filme sind Müll.“ Curtis‘ hitziges Argument wurde von einem wild nickenden Dean bekräftigt.
Peyton hielt seine Hände protestierend in die Höhe. „Hey, nur weil es nicht viel Dialog gibt –“
„Versuch es mit gar keinem“, murmelte Dean leise, was ihm einen bösen Blick von Peyton einbrachte.
„– heißt das nicht, dass es keine tiefere Bedeutung …“
„Oh bitte, welche tiefere Bedeutung kann es in The Fast and the Furious schon geben?“ Curtis klang entnervt.
„Schnallt euch immer an?“ Emilios Stimme war leise, schüchtern, als ob er sich nicht sicher war, wie seine Bemerkung aufgenommen werden würde.
Für einen Moment herrschte erstauntes Schweigen. Dann fingen die Männer zu lachen an, Peyton inklusive.
„Schön, das muss ich zugeben.“ Peyton hatte Tränen in den Augen.
Emilio lächelte schüchtern, eindeutig glücklich, dass sein Scherz so gut aufgenommen worden war. Dean schlug ihm auf die Schulter.
„Wie wäre es, wenn wir nächste Woche einen Colin Firth Marathon machen? Ich denke, wir sind uns alle einig, dass er ein Prachtkerl ist, und seine Filme sind angemessen intellektuell – na ja, die meisten jedenfalls.“
Die anderen nickten. Die Wahl des Films führte immer zu einer lebhaften Diskussion in ihrer kleinen Gruppe. Nach den Regeln hatte der Gastgeber das Recht zu entscheiden, was manchmal anstrengend sein konnte. Es führte auch dazu, dass sie alle Filme sahen, die sie sonst nie ausgesucht hätten, darum funktionierte das System Leelands Meinung nach. Sie brachten ihr schmutziges Geschirr weg, holten Schüsseln, die sie mit Tiramisu und Pannacotta füllten und machten es sich dann auf den beiden Sofas bequem, um zu sehen, wie die Toten lebendig wurden.
Als der Schmetterling anfing, durch die seltsam getönte Welt der Corpse Bride zu fliegen, lehnte Leeland sich zurück und musterte seine Freunde. Collin starrte mit der fokussierten Aufmerksamkeit eines Fünfjährigen auf den Bildschirm, formte die Worte des ersten Liedes mit seinen Lippen. Dean und Curtis saßen nebeneinander, die Schachtel Taschentücher stand zwischen ihnen. Peyton tat immer noch so – vergeblich – als wäre er von der Wahl des Films beleidigt.
Leeland lächelte. Ein Abend mit engen Freunden, köstliches Essen und ein verdammt guter Film, ganz egal was Peyton dachte. Und zu Hause wartete sein atemberaubend heißer fester Freund. Das Leben konnte nicht viel besser werden.
Um halb zwölf verabschiedeten Leeland und Emilio sich von Collin. Curtis war bereits gegangen, hatte Peyton mitgenommen. Dean half Collin in der Küche, was bedeutete, dass er die Spülmaschine auf eine Weise belud, die Martin später dazu bringen würde, das ganze schmutzige Geschirr wieder herauszunehmen und es „auf vernünftige Weise“ einzuräumen, wie er es bezeichnete. Leeland hatte gesehen, wie sich exakt diese Szene jedes Mal abspielte, wenn Collin sich um die Spülmaschine kümmerte und er war sich nicht ganz sicher, ob der zerstreute Künstler es nicht absichtlich machte. Oder vielleicht gab es wirklich eine künstlerische Weise, wie man das Geschirr in der Spülmaschine verteilen konnte, die niemand außer Collin begriff. Andererseits war Dean verdächtig eifrig darauf bedacht, Collin zu helfen, und Leeland kannte seinen Freund gut genug, um das potenzielle Entertainment zu sehen, das Dean hier für sich herausziehen konnte. Und Dean hatte die letzten Spuren seiner Unschuld verloren, kurz nachdem Richard ihn in die Welt des BDSM eingeführt hatte. Hier handelte es sich um ein Mysterium, das Leeland nicht unbedingt lösen wollte, zumindest nicht an diesem Abend.
Er setzte sich hinter das Lenkrad des Volvos, den er sich von Jonathan geliehen hatte, während Emilio auf der Beifahrerseite einstieg. Jonathan bestand darauf, dass Leeland in einem sicheren Auto fuhr, was auf eine sehr neandertaler-hafte Weise niedlich war und auch irgendwie herablassend, weil Jonathans liebste Transportmethode seine Harleys waren, die nicht unbedingt für ihre Sicherheit bekannt waren. Andererseits war es nett, ein Auto zu fahren, das über eine Sitzheizung verfügte, einen Parkassistenten, ein höllisch gutes Soundsystem und all die anderen Annehmlichkeiten, die Geld kaufen und ein fester Freund mit seiner eigenen Werkstatt in ein Auto einbauen konnte. Leeland liebte mittlerweile den sich automatisch anpassenden Fahrersitz und die Massagefunktion, die Jonathan eingebaut hatte und die man aktivieren konnte, wann immer das Auto anhielt. Im Stau zu stehen war noch nie so entspannend gewesen.
Emilio starrte aus dem Fenster und Leeland wurde klar, dass er sogar noch stiller als gewöhnlich war.
„Alles in Ordnung?“ Leeland konnte die Frage nicht unterdrücken, auch wenn er sich ein wenig neugierig fühlte. Er war sich beinahe sicher, dass Emilio sich an ihn wenden würde, wenn er etwas brauchte. Beinahe.
„Ja. Es war ein langer Tag.“
„Bist du immer noch nervös wegen des Essens?“
Emilio schüttelte den Kopf. „Nein. Ich meine ja, bin ich, aber nicht so, wie du denkst. Es war meine Entscheidung, es zu essen und es war köstlich.“ Emilios Hände wanderten zu seinem Gemächt. „Und schon bald werde ich herausfinden, ob es das wert war.“
„Wenn du gewollt hättest, dass es sich lohnt, hättest du auch das Tiramisu essen sollen. Wenn eine Strafe ohnehin feststeht, warum dann nicht ganz eintauchen und es genießen?“
Emilio seufzte. „Du hast wahrscheinlich recht.“
Leeland grinste. Er spürte, dass er an diesem Abend nichts aus Emilio herausbringen würde und wollte die Stimmung aufhellen. „Ich habe beinahe immer recht. Frag nur nicht Jonathan, er könnte vielleicht anderer Meinung sein. Und wo wir gerade dabei sind, es gibt etwas, das ich dich fragen möchte.“
Leeland nahm Emilios schüchternen Seitenblick als Stichwort.
„Da ich bei Jonathan einziehen werde, wollte ich das Apartment vermieten. Ich mache mir aber ein wenig Sorgen. Du weißt ja, nicht alle Mieter sind verlässlich und nach all der Arbeit, die Peyton sich gemacht hat, um das Apartment hübsch zu machen, will ich es nicht schlecht behandelt sehen. Nicht zu vergessen Peytons Reaktion, wenn irgendetwas mit der Küche oder seiner kostbaren Kommode passiert. Du hast ihn da drinnen gehört.“ Leeland schauderte. „Darum hätte ich gerne, dass jemand dort wohnt, den ich bereits kenne.“
Emilio antwortete nicht. Da es zu spät am Abend war, um lange um den heißen Brei herumzureden, ging Leeland direkt vor.
„Ich würde es zu schätzen wissen, wenn du bei mir einziehen könntest, Emilio.“
Emilio errötete so heftig, dass Leeland den Farbwechsel sogar im schwachen Licht der Fahrerkonsole sehen konnte. „Das ist sehr nett von dir, Leeland, aber ich habe das Geld nicht. Ich kann kaum die Miete für meine Ein-Zimmer-Wohnung bezahlen.“
Leeland schüttelte den Kopf. „Das weiß ich, Emilio. Wie viel bezahlst du?“
„Sechshundert.“
„Wie wäre es dann, wenn du die Hauseigentümerkosten für mein Apartment übernimmst, während ich mir überlege, was ich damit mache?“
„Leeland! Das kann ich nicht annehmen. Du könntest für das Apartment mindestens zweitausend verlangen. Wahrscheinlich mehr, jetzt wo Peyton damit fertig ist.“
Emilio hatte natürlich Recht, aber Leeland hatte andere Gründe, ihm die Wohnung anzubieten.
„Es geht nicht ums Geld, Emilio. Ich verdiene im Whisper genug und Jonathan hat klargemacht, dass er keine Miete von mir verlangen wird. Ich habe Glück. Und ich will, dass andere ebenfalls Glück haben. Dir das Apartment zu vermieten, ist eine Art, dem Universum sozusagen etwas zurückzuzahlen. Außerdem wohnt auf diese Weise jemand dort, dem ich vertraue.“
Emilio war eindeutig aufgeregt. „Bist du dir sicher?“ Er klang nicht so, als könnte er glauben, dass tatsächlich jemand nett zu ihm war und das brach Leeland das Herz und erhärtete seinen Entschluss, dass Emilio in seinem Apartment wohnen würde. Der Junge verdiente ein paar gute Dinge in seinem Leben, nach all dem Scheiß, den er durchgemacht hatte. Er streckte die Hand aus und tätschelte tröstend Emilios Oberschenkel. Wenn Emilio nur erkennen würde, dass nicht alle Menschen selbstsüchtige, herzlose Bastarde waren wie seine Familie und ehemaligen Freunde.
„Absolut. Ich will dich nicht beschämen, aber deine Wohnung …“
„Ich weiß. Sie ist eine Absteige.“ Emilio wandte den Blick ab und es brauchte kein Genie, um zu erkennen, dass er sich schämte. Leeland konnte das nicht zulassen. Er wollte, dass Emilio Selbstvertrauen gewann, nicht es verlor.
„Hey, hör mir zu, Emilio. Es ist unglaublich, was du ganz alleine geschafft hast. Du hast sehr hart gearbeitet, um dort zu sein, wo du jetzt bist, mit deiner eigenen Wohnung und einem Stipendium an der Miami Dade. Lass dir das von niemandem nehmen. Ich bewundere dich für deine Stärke – das tun wir übrigens alle – und darum will ich dir helfen.“
Ein Lächeln erblühte auf Emilios Gesicht und erhellte es. „Danke, Leeland. Von dir bedeutet mir das eine Menge.“
„Haben wir einen Deal?“
„Wir haben einen Deal.“
Leeland grinste glücklich. Jetzt musste er nur noch Jonathan von dem Handel, den er mit Peyton gemacht hatte, erzählen – etwas, auf das er sich nicht freute – und von seinen Plänen, Emilio im Apartment wohnen zu lassen – wovon er sich sicher war, dass Jonathan es gutheißen würde.
Alles in allem war das Leben gut.
Kapitel 4
Zwei Wochen später
Jonathan stand auf der Schwelle zum Wohnzimmer in Leelands Apartment und bewunderte die Aussicht. Zwei perfekte, knackige Hinterteile waren hoch in die Luft gereckt, wackelten hin und wieder, wenn ihre Besitzer auf ihren Händen und Knien nach vorne oder hinten wankten. Was er sah, war so atemberaubend, dass nicht einmal das ständige Zanken, das die Luft erfüllte, Jonathans Erregung dämpfen konnte.
„Warum musstest du dieses dämliche Regal überhaupt wegschieben?“ Dean hörte sich entnervt an.
„Ich wollte nach Staubflocken suchen.“ Leelands Antwort klang trotzig. Jonathan konnte seinen Schmollmund praktisch sehen, auch wenn ihm der köstliche Rücken seines Boys zugewandt war.
„Leeland! Wir reden hier von deiner Wohnung. Es gibt hier keine Staubflocken. Wenn es irgendwann welche gegeben hat, haben sie vor langer Zeit ihre kleinen Staubkoffer gepackt und sind ausgezogen, um bei Peyton zu wohnen.“
Dean hatte natürlich Recht, dachte Jonathan. Leeland war ein Sauberkeitsfanatiker.
„Ich wollte nur sichergehen. Was würde Emilio denken, wenn er hierherkommt und Staub hinter dem Regal findet?“
Dean seufzte. „Zunächst einmal würde er wahrscheinlich nicht einmal nachschauen. Dieses Regal ist schwer und wir sind nicht alle vom Putzen besessen.“ Sein Hintern wackelte verführerisch, als er sein Gewicht verlagerte, um eine Hand zu heben, damit Leeland ihn nicht unterbrach. „Und zweitens denke ich, dass es ihn mehr stören wird, wenn der Fernseher nicht funktioniert.“
„Vielleicht.“ Leeland klang ein wenig kleinlaut. „Wie bringen wir das in Ordnung?“
„Nun, all diese Stecker gehören irgendwohin, oder? Wir müssen nur herausfinden wohin.“
Leeland schnaubte. „Dean, das Einzige, was ich über Stecker und Kabel weiß ist, dass der mit dem gabelähnlichen Ende in die Dose muss. Und das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, warst du nicht viel klüger.“
„Bin ich auch nicht.“
Jonathan sah zu, wie die beiden Hinterteile aufhörten, sich zu bewegen, beide Männer scheinbar in Gedanken verloren. Als Dean wieder zu reden anfing, klang er, als würde er eine Theorie testen.
„Wir könnten jemanden fragen.“
„Und zugeben, dass wir Mist gebaut haben und vollkommen ahnungslos sind? Wie lange würde Richard dich wegen so etwas aufziehen? Weil Jonathan monatelang keine Ruhe geben würde! Er hat das Gedächtnis eines Elefanten.“
Deans Hintern schwankte ein wenig, als er sein Gewicht mehr auf seine Knie verlagerte. Jonathan hatte Probleme damit, sein Lachen zu unterdrücken. Natürlich hatte sein Boy recht. Er würde hiermit einen Menge Spaß haben.
„Wir könnten einfach … das Regal wieder zurückschieben, weißt du.“
Jetzt war Leeland an der Reihe, sein Gewicht zu verlagern, während er anscheinend über diese Idee nachdachte.
„Das wäre grausam. Emilio damit allein zu lassen. Er hat zwar Master Garrett, aber der kommt mir nicht sonderlich – fähig vor, was elektrische Geräte betrifft. Außerdem sind wir keine Doms. Wir arbeiten nicht mit Grausamkeit.“
Jonathan entschied, dass es an der Zeit war, seine Anwesenheit zu verkünden. So wie die Dinge standen, würde sein Boy heute Abend ohnehin eine Strafe bekommen. Er räusperte sich. Es war beinahe komisch zu sehen, wie Dean und Leeland sich hektisch aufrichteten, Jonathan mit verlegenen Blicken anschauten. Eine anbetungswürdige Röte kroch in ihre Wangen und die Blicke, die sie tauschten, ließen sie wie zwei sehr böse Jungs aussehen, die auf frischer Tat ertappt worden waren.
„Master Jonathan, was für eine nette Überraschung.“
Dean versuchte es mit Lässigkeit und versagte kläglich. Leeland entschied sich für eine direktere Herangehensweise, was Jonathan noch mehr anmachte.
„Wie viel hast du gehört?“
Jonathan lächelte bösartig. „Genug, damit ihr Ärger bekommt.“
Leeland verzog schmollend den Mund, aber Jonathan konnte am Glänzen in seinen Augen sehen, wie sehr der Gedanke an eine Strafe ihm gefiel.
„Vielleicht kannst du uns helfen, Master Jonathan. Wir haben ein paar kleinere Probleme mit dem Fernseher.“
Wenn da ein Hauch Herausforderung in Deans Stimme war, entschied Jonathan sich, es zu ignorieren. Er konnte später immer noch mit Richard reden.
„Lasst mich mal sehen.“
Jonathan ging auf die Knie, um einen Blick hinter das Regal zu werfen, wo er von einem Nest aus Kabeln begrüßt wurde, das ihn an sich windende Schlangen erinnerte. Er hatte bei sich zu Hause sein eigenes Soundsystem angeschlossen und war sich sicher, dass er es schaffen würde. Wie schwierig konnte es sein, ein paar Kabel einzustecken? Er fing an, mit den schwarzen Kabeln zu spielen, in einem Versuch, sie zu entwirren, was nicht so einfach war, wie er es erwartet hatte. Die Dinger benahmen sich, als wären sie lebendig. Sobald alle Kabel gerade dalagen, untersuchte er sie genauer und spürte, wie sein Mut sank. Das System in seinem Heim hatte eine Farbcodierung, designt, um von den Ahnungslosen bedient zu werden, wie der nette, unbeholfene Verkäufer erklärt hatte, als Jonathan es gekauft hatte. Leelands Fernseher und Kabel waren offensichtlich dazu bestimmt, von Profis angeschlossen zu werden, weil sie keine Farbcodierung hatten. Alles war schwarz, mit lustig geformten Steckern, die mehr wie etwas aus Star Trek aussahen als Gerätschaften, die von normalen Menschen für ein einfaches Soundsystem benutzt werden konnten. Ein Auto oder Motorrad an Kundenwünsche anzupassen war einfach, verglichen mit der schwindelerregenden Menge an Möglichkeiten, die die Stecker boten. Es gab für ihn keine Möglichkeit herauszufinden, welches Kabel wohin gehörte. Jonathan spürte, wie ihm der Schweiß auf den Brauen ausbrach. Das würde ihm für immer anhängen. Sein Verstand arbeitete auf Hochtouren in dem Versuch, einen Weg zu finden, sich herauszuwinden, aber ihm fiel nichts ein. Mit einem Mal hörte er Leelands Stimme sehr nahe an seinem Ohr, was ihn daran erinnerte, dass die beiden Subs ihn wahrscheinlich mit Argusaugen beobachteten.
„Gibt es Probleme, Master?“ Der Hauch Erheiterung entging Jonathan nicht.
„Reiß dich zusammen, Boy. Das hier ist komplizierter, als ich dachte. Du hast keine Farbcodierung!“
„Es tut mir leid. Das nächste Mal, wenn ich mir von Richard eine Fernseh- und Soundanlage kaufen lasse, werde ich darauf bestehen, dass meine Kabel in unterschiedlichen Farben sind.“
Jonathan erhob sich und schlug Leeland auf den Hintern. Der Boy zuckte zusammen.
„Autsch.“
„Das hast du verdient und du weißt es auch.“
„Vielleicht. Schön, ja, ich habe es verdient. Ändert nichts an der Tatsache, dass es immer noch nicht funktioniert.“
„Nuuun …“ Dean sah sich im Zimmer um, versuchte, unschuldig auszusehen. „Leeland und ich sind vielleicht nicht grausam, aber wir haben jetzt einen Dom hier …“
Jonathan schaute ihn finster an und Dean hatte den Anstand, peinlich berührt zu sein.
„Ja, ich bin ein Dom. Und ja, Doms können grausam sein, wenn ihre Subs es verdienen. Im Moment kenne ich zwei, die sich auf eine ernste Bestrafung freuen dürfen. Es ist auch nicht gut für einen Dom, wenn er vor Subs im Allgemeinen schwach erscheint. Weshalb ich meine Männlichkeit und Stärke beweisen werde, indem ich das Regal wieder dorthin schiebe, wo es war.“
Jonathan war sehr stolz auf sich, dass er diese Rede geschwungen hatte, ohne dass seine Lippen einmal gezuckt hätten. Sobald er aber seinen Boy und Dean anschaute, die ihr Bestes gaben, um nicht zu kichern, konnte er sich nicht mehr beherrschen. Sie alle fingen an, so laut zu lachen, dass sie beinahe die Türglocke nicht gehört hätten.
„Das muss Richard mit dem Van sein.“
Richard hatte die Aufgabe übernommen, zwei Vans zu organisieren, um Leelands und Emilios Besitztümer zu ihren neuen Wohnungen zu transportieren. Jonathan ging, um die Tür zu öffnen, während Dean und Leeland die gepackten Umzugskartons noch einmal überprüften.
Der Mann an der Tür war nicht Richard. Er trug ein beiges T-Shirt mit dem Slogan Entspanntes Umziehen – Sie ziehen um, wir übernehmen das Schleppen. Es war nicht der einfallsreichste Slogan aller Zeiten, aber charmant in seiner Direktheit. Jonathan sah den Mann an. Er hatte bereits einen Verdacht, wohin das hier führen würde.
„Ja?“
Der Mann räusperte sich.
„Sind Sie Mr. Leeland Drake?“
„Nein, ich bin sein Partner, Jonathan. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Wir sind hier, um Mr. Drake zu seinem neuen Wohnsitz umzuziehen. Ein Richard Miller hat uns angestellt.“
Jonathan runzelte die Stirn. „Er sollte zwei Vans mieten, kein Umzugsteam.“
Der Mann wand sich ein wenig. „Er hat gesagt, dass er nicht schleppt.“
Jonathan schnaubte. „Das kann ich mir denken. Kommen Sie rein.“
Als der Mann das Wohnzimmer betrat, in dem alle Kartons aufgestapelt waren, blickten Dean und Leeland überrascht auf. Jonathan grinste.
„Das ist …“ Er sah den Mann erwartungsvoll an.
„Oh, ja, tut mir leid. Ich bin Bob. Ich kümmere mich um Ihren Umzug.“
Deans Augen wurden zu schmalen Schlitzen.
„Lassen Sie mich raten, Richard hat sie beauftragt.“
Bob mied Deans finsteren Blick, spürte offensichtlich, dass etwas nicht stimmte. Für einen Sub konnte Dean ziemlich einschüchternd sein, wenn er das wollte. Jonathan hatte gesehen, wie er dieses Talent entwickelt hatte, nachdem Emily in sein Leben getreten war. Wenn er sich richtig erinnerte, bezeichnete Leeland es als Deans „Vaterstarren“.
„Ja?“ Bob klang zögerlich, als ob er sich wirklich wünschte, er wäre irgendwo anders. Jonathan konnte das verstehen.
Ehe Dean seinen Mund öffnen konnte, betrat Richard das Zimmer. Jonathan erinnerte sich daran, dass er die Tür offengelassen hatte, in der Annahme, dass der Rest des Umzugsteams heraufkommen würde. Dean schaute zu seinem Master.
„Du solltest einen Van mieten, keine Crew.“ Er klang beinahe anklagend.
Richard zuckte mit den Schultern. In Jonathans Augen sah er nicht sonderlich reumütig aus.
„Eine Crew zu beauftragen, den Umzug zu übernehmen war nur ein wenig teurer, als nur die Vans zu mieten, darum habe ich mir das gegönnt.“
„Du willst nur nichts tragen!“ Ein Hauch Lachen klang jetzt in Deans Stimme durch.
„Ich wurde damit beauftragt, mich um den Transport zu kümmern, ich habe mich um den Transport gekümmert. Wenn du und Leeland es versäumt habt, genaue Instruktionen zu geben, ist das nicht mein Problem. Bob, zieh dein Ding durch.“
„Natürlich, Mr. Miller.“ Bob wusste ganz eindeutig, wer das Sagen hatte. Er verließ das Apartment, um seinen Leuten Anweisungen zu geben. Richard zog Dean in seine Arme.
„Gib es zu, Liebster, so ist es viel besser. Wir können die Kartons Bob und seinen zweifelsohne fähigen Männern überlassen und zu Jonathans Wohnung fahren, uns einen netten Drink gönnen, während wir warten und du und Leeland könnt alles für die Ankunft der Kartons vorbereiten.“
„Du, Master, bist schrecklich gut vorbereitet.“ Dean grinste. „Muss der Grund sein, warum ich dich so sehr liebe.“
Richard schlug Dean auf sein Hinterteil. „Ich hoffe, es gibt mehr Gründe, als nur meine Fähigkeit zu organisieren und zu delegieren.“
„Mir fällt vielleicht auf unserem Weg zu Jonathan etwas ein.“
Richard schaute zu Jonathan, der einen Arm um Leelands Taille geschlungen hatte.
„Können wir fahren?“
Jonathan nickte. Er konnte es nicht erwarten, seinen Boy in seiner Höhle zu haben, dieses Mal für immer.
„Ja, lasst und fahren.“
Sie wollten die Hausschlüssel bei Bob lassen, damit er das Apartment abschließen konnte, aber der Mann schüttelte den Kopf.
„Das andere Team in Mr. Vidals Wohnung ist beinahe fertig. Wir warten, bis sie hier sind. So ist das Apartment nicht ohne Aufsicht.“
Jonathan lächelte den Mann an. Bob hatte sich gerade ein großzügiges Trinkgeld verdient.
„Danke, Bob.“
Er nahm Leelands Hand und führte seinen Boy zum Aufzug und aus dem Gebäude. Richard und Dean hatten sich bereits in Richards Z8 gesetzt, bereit loszufahren. Jonathan ging zu seinem Volvo, öffnete die Beifahrertür, damit Leeland einsteigen konnte, umrundete dann das Auto, setzte sich hinter das Steuer und startete den Motor.
„Du und ich, Leeland. Ich bin so glücklich.“
Jonathan wusste nicht, warum er das gesagt hatte, aber das strahlende Lächeln im Gesicht seines Boys sagte ihm, dass es gut war.
„Ich auch, Jonathan. So glücklich.“
„In Ordnung, lass uns herausfinden, wofür Richard noch bezahlt hat.“
Leeland lachte. „Du hättest sein Gesicht sehen sollen, als Dean ihm gesagt hat, dass wir den Umzug selbst machen wollten. Er war absolut entsetzt.“
„Na ja, Bob hier zu haben, macht die Dinge einfacher.“
Eine Umzugscrew zu haben war, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Emilio hatte nur seine Kleidung, ein paar Bücher, seine Toilettenartikel und seinen verbeulten alten Laptop einzupacken. Und weil Jonathans Apartment bereits voll möbliert war, brachte Leeland keine Möbel mit, abgesehen von seinem Lieblingsschaukelstuhl. Die einzigen schweren Sachen, die sie heben mussten, waren die Kartons mit seinen Büchern und besagter Stuhl.
Jonathan spürte, wie ein kalter Schauder an seinem Rückgrat nach unten lief, als er sich daran erinnerte, was noch mit Leeland kommen würde – Peyton hatte bereits vorbeigeschaut, um die Blaupausen des Apartments mit der tatsächlichen Raumsituation zu vergleichen. Nur an das abenteuerlustige Funkeln in den Augen des Inneneinrichters zu denken, ließ Jonathan innerlich zusammenzucken. Es bestand kein Zweifel, dass wenn Peyton mit seinem Apartment fertig war, er es wahrscheinlich nicht mehr wiedererkennen würde.
Jonathan seufzte. Wen wollte er verarschen? Solange Leeland glücklich war, war ihm alles andere egal. Und Peyton war ein Genie. Es würde nur Zeit und Geld brauchen, zwei Dinge, die Jonathan erübrigen konnte. Er sah zu seinem wunderschönen Boy und dankte dem Schicksal oder wer immer für das glückliche Ende für Doms und ihre Subs zuständig war, für das Geschenk, das sie ihm gewährt hatten.
Kapitel 5
Drei Wochen später
Leeland stand in der Küche, bereitete den Salat zu, den er zu dem Fisch reichen würde, den er fürs Abendessen kochte. Sich bei Jonathan einzugewöhnen war überraschend einfach gewesen, wahrscheinlich, weil er schon vor dem Umzug einen Großteil seiner Zeit in dem Apartment verbracht hatte. Auch Emilio war von seiner neuen Unterkunft begeistert und wie sich herausgestellt hatte, war Curtis, der Emilio beim Einzug geholfen hatte, sehr gut darin, Soundsysteme anzuschließen. Der Mann hatte eindeutig versteckte Talente. Der einzige Wermutstropfen im Moment waren die Umbauarbeiten, die gerade im Apartment durchgeführt wurden. Peyton hatte keine Zeit damit verloren, die Wohnung in etwas „Präsentables“ zu verwandeln, wie er sich ausdrückte. Obwohl Mike und Jeff – Peytons Geschäftspartner und freie Mitarbeiter – ihr Bestes gaben, Jonathan und Leeland nicht zu stören, indem sie immer nur an einem Zimmer arbeiteten, damit sie die Tür hinter der Baustelle schließen konnten, gab es doch Momente, in denen Leeland sich wünschte, er hätte sich nachdrücklicher gegen Peyton gewehrt, vor allem letzte Woche, als Mike und Jeff zwei Wände eingerissen hatten, um das Wohnzimmer größer zu machen und ein großzügiges Gästezimmer zu schaffen. Dabei hatten sie geopfert, was Peyton die „Überbleibsel aus der Steinzeit der Inneneinrichtung“ bezeichnete, was viele kleine Zimmer anstelle großer, offener Räume bedeutete. Diese „Überbleibsel“ hatten das gesamte Apartment in eine staubige Hölle verwandelt und es hatte Leeland drei Tage hektischen Putzens gekostet, bis alles wieder normal war. Oder so normal, wie es sein würde, bis alle Renovierungen abgeschlossen waren. Als er sich bei Peyton wegen des Drecks beschwert hatte, hatte der Mann nur etwas von nötigen Opfern gemurmelt und dass niemand in der Lage zu sein schien, seine Genialität zu schätzen.
Die Arbeiter waren für den Tag gegangen, was Leeland alleine zurückließ, um in Ruhe zu kochen. Er schnitt gerade die Tomaten auf, als sein Handy klingelte. Leeland runzelte die Stirn beim Anblick des Namens auf dem Display.
„Onkel Misaki?“
„Hallo, Leeland. Es ist gut, deine Stimme zu hören.“
„Ja, das ist es, Onkel.“ Misaki Aoki war nicht wirklich Leelands Onkel. Als Routa Hashimoto, Leelands Vater, sich in eine amerikanische Frau verliebt hatte und ihr in die Staaten gefolgt war, war sein Freund aus Kindheitstagen, Misaki, der Einzige aus seinem alten Kreis an Freunden und Familie gewesen, der ihn nicht wegen seines Bruchs mit der Tradition mied. Drei Jahre, nachdem Routa Layla Drake geheiratet und ihren Nachnamen angenommen hatte, konnte Misaki die Beschränkungen der ländlichen japanischen Gesellschaft nicht länger ertragen und folgte seinem Freund in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Männer hielten ihre enge Freundschaft aufrecht und als Leeland geboren wurde, wurde Misaki sein Taufpate. Er war auch der Mann, der geholfen hatte, Leeland in mehreren Kampfsportarten auszubilden. Sie hatten immer noch Kontakt, hauptsächlich bei Familientreffen, obwohl es ungewöhnlich für Misaki war, ihn einfach anzurufen. Der Mann war mit seinem MMA Studio ziemlich ausgelastet.
„Wie komme ich zu der Ehre, mit dir zu reden?“
Als echter japanischer Mann würde Misaki endlos um den Grund für seinen Anruf herumreden, was Leeland nur zu gut wusste. Der einzige Weg, die Information schnell zu bekommen, war, direkt zu fragen, auch wenn das, zumindest in Japan, nicht als höflich angesehen wurde. Leeland war zu sehr Amerikaner, als dass es ihn gekümmert hätte und er ahnte bereits, dass dies kein Anruf aus reiner Höflichkeit war.
„Nun, da du so direkt fragst …“ Ein Hauch Tadel klang in Misakis Stimme durch, gepaart mit einer Prise Erheiterung. Er hatte lange genug in diesem Land gelebt und mit genügend MMA-Kämpfern gearbeitet, um von der „amerikanischen Direktheit“, wie er es nannte und die Leeland von seiner amerikanischen Mutter geerbt hatte, nicht beleidigt zu sein.
„Ja, ich frage direkt.“ Leeland lächelte den Salat vor sich an.
„Ich muss dich um einen Gefallen bitten, Lee-kun. Einen großen Gefallen.“
Leeland spürte, wie Kälte seinen Rücken nach oben kroch. Das klang ominös.
„Was ist los, Ojisan?“ Leeland griff automatisch auf die japanische Anrede für seinen Onkel zurück.
„Wie du weißt, habe ich ein wohltätiges Projekt gestartet, Hinode.“
Leeland nickte, auch wenn Misaki das nicht sehen konnte. Er liebte dieses Projekt, das Kindern ohne Geld die Möglichkeit gab, in Misakis Studio zu trainieren, wodurch sie weg von der Straße waren und keinen Ärger bekommen konnten. Seine Eltern, beide Polizisten, halfen, wo sie konnten.
„Gibt es Probleme mit dem Projekt?“
„Nein, aber dennoch.“
Leeland holte tief Luft. „Ojisan, bitte sag mir, was los ist.“
Sein Onkel seufzte. Obwohl er ihn nicht sehen konnte, konnte Leeland praktisch spüren, wie sein Oji sich wand.
„Vor ungefähr sechs Monaten habe ich ein Angebot bekommen, das es mir gestattete, das Projekt zu erweitern. Eine europäische Firma, die einen Energiedrink namens Smash! produziert, will auf den US-Markt. Sie versuchen, ein gewisses Image zu propagieren und haben mich angesprochen, gefragt, ob ich jemanden trainieren könnte, der an offiziellen Kämpfen in der UFC teilnehmen kann. Ich hatte einen vielversprechenden Kandidaten, den ich dorthin schicken wollte und dank der finanziellen Hilfe von Smash! war bis vor zwei Tagen alles wunderbar. Dann hatte mein Mann einen Autounfall. Sein Bein ist gebrochen und wie du dir vorstellen kannst, fällt er für diese Saison aus. Vielleicht auch noch für die nächste, je nachdem wie der Heilungsprozess und die Reha laufen. Der Vertrag mit der UFC ist bereits unterzeichnet, aber sie sind bereit, einen Ersatz anzunehmen. Smash! hat bereits alles für diese Saison vorbereitet, so weit, dass sich zurückzuziehen sie mehr Geld kosten würde, als mit einem Kandidaten anzutreten, der wahrscheinlich nichts gewinnen wird.“ Misaki machte eine Pause und Leeland wusste, was kommen würde. „Was mich zu dir bringt.“
„Du willst, dass ich kämpfe?“ Leeland konnte es nicht glauben.
„Ich weiß, dass es viel verlangt ist. Und du musst nicht. Denk bitte nur darüber nach. Ich brauche das Geld für das Projekt und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob die Leute von Smash! mich behalten werden, wenn ich keinen Ersatz finden kann. Sie wollen in die UFC und sie wollen es sofort.“
So zog man die Daumenschrauben an. Leeland wusste, dass Misaki ihn nicht absichtlich in die Enge trieb, aber er machte es ganz sicher schwer, nein zu sagen. Während er noch versuchte, diese Bitte, die sein Onkel gerade gestellt hatte, zu begreifen, erinnerte Leeland sich an etwas Wichtiges.
„Ich bin out und proud, Ojisan. Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war die MMA-Welt nicht sonderlich offen gegenüber Schwulen und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das nicht geändert hat, ganz egal, was Dana White vor den Kameras sagt. Es ist immer noch kein schwuler Mann in der UFC geoutet und du und ich, wir wissen beide warum. Ich werde mich nicht wieder verstecken, nicht einmal für dich. Ich glaube nicht, dass ich das an diesem Punkt noch kann. Wenn man bedenkt, wie ich lebe, würde es ohnehin jemand herausfinden. Weiß dein Sponsor, dass du einen schwulen Mann fragst?“
Misaki seufzte erneut, dieses Mal mit mehr Nachdruck.
„Ja. Wie ich schon sagte, sie haben keine große Wahl und wie Samantha Jones, die PR-Dame für Smash! es so schön gesagt hat, es gibt nichts Schlimmeres als gar keine PR. Einen schwulen Kämpfer zu sponsern mag nicht ihr ursprünglicher Plan gewesen sein, aber das wird ihnen ganz gewisse eine Menge Aufmerksamkeit einbringen.“
„Du meinst, sie wollen mich in einen schwulen Poster-Boy verwandeln?“ Leeland versuchte nicht einmal, die Wut aus seiner Stimme herauszuhalten. Wenn es eine Sache gab, die er noch mehr hasste, als zu verstecken, wer er war, dann war es, wegen dem, was er war, ausgenutzt zu werden. Warum konnten die Leute ihn nicht einfach in Ruhe lassen?
„Nein, natürlich nicht. Du solltest mich besser kennen, Lee-kun. Ich habe Samantha bereits gesagt, dass du mit Publicity nicht glücklich bist, was sie unglücklich gemacht hat. Wir haben uns schließlich darauf geeinigt, den schwulen Aspekt nicht zu verstecken, ihn aber auch nicht zu bewerben. Je nachdem, wie erfolgreich du bist, werden die Leute ohnehin anfangen zu graben, aber mit etwas Glück werden sie den großen Fund erst gegen Ende der Saison machen.“
„Schön. Ich werde also vielleicht oder vielleicht auch nicht der erste geoutete schwule UFC-Kämpfer sein. Wie wunderbar.“ Leeland fühlte sich so aus dem Konzept gebracht, dass er nicht einmal versuchte, den Sarkasmus aus seiner Stimme zu halten, obwohl er seinem Onkel gegenüber normalerweise nicht so respektlos war. Dass Misaki ihm das ohne weiteren Kommentar durchgehen ließ, wühlte Leeland noch mehr auf, weil es zeigte, wie verzweifelt er sein musste. „Was ist mit meinem Studium? Ich habe nur noch ein Jahr und ich kann nicht einfach so ein Freisemester beantragen.“
Misaki klang schuldbewusst, als er antwortete. „Ich habe mich bereits bei der Miami Dade erkundigt. Die Aussicht, einen professionellen MMA-Athleten auf der Liste ihrer Studenten zu haben, hat ausgereicht, um sie sehr umgänglich zu machen. Sie werden dein Stipendium pausieren und Smash! wird dich für die Zeit bezahlen, in der du nicht studieren kannst, sodass du deswegen kein Geld verlierst.“
Leeland war wie vom Donner gerührt. Er wusste nicht, ob er genervt oder amüsiert sein sollte, und entschied sich, seine Reaktion auf später zu verschieben.
„Du scheinst dir ziemlich sicher zu sein, dass ich es machen werde.“
„Um ehrlich zu sein, ja. Du weißt, dass ich dich nicht bitten würde, wenn ich eine andere Wahl hätte, aber die habe ich nicht. Außerdem bist du ein unglaublich talentierter Kämpfer, du hast bereits Wettkampferfahrung und ich weiß, dass du immer noch regelmäßig trainierst. Dich in Wettkampfform zu bringen, mag eine Herausforderung sein, je nachdem wie bald dein erster Kampf angesetzt wird, aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können. Ich sehe sogar eine Chance, dass du ein paar der Kämpfe gewinnst.“
Leeland schnaubte. „Schmeicheleien werden dir meine Kooperation nicht sichern, Ojisan. Ich werde nicht lügen, ich bin in Versuchung. Aber ich muss erst mit Jonathan reden. Wir wohnen jetzt zusammen und er hat ein Stimmrecht bei dieser Angelegenheit. So etwas Schwerwiegendes wird unser beider Leben tief beeinflussen und ich will, dass er weiß, worauf er sich einlässt und eine informierte Entscheidung trifft. Ich werde heute Abend mit ihm reden und dich morgen zurückrufen. Das ist alles, was ich im Moment versprechen kann.“
„Und es ist mehr, als du tun musst, Lee-kun. Danke.“ Misaki legte auf und die aufrichtige Erleichterung in der Stimme seines Onkels traf Leeland tief. Misaki war ein Teil seiner Familie, genau wie seine Eltern und Jonathan und Dean und all die anderen Männer im Whisper, mit denen er Freundschaften gebildet hatte. Dem Mann nicht zu helfen, der geholfen hatte, ihn aufzuziehen, ging gegen alles, woran Leeland zu glauben gelernt hatte. Es stimmte jedoch, dass ein Profi zu werden, auch wenn es nur für eine Saison war und nicht mit dem Ziel, irgendetwas zu gewinnen – etwas, womit Leeland sich auch nicht wohlfühlte; wenn er kämpfte, dann kämpfte er, um zu siegen – ihr Leben zutiefst verändern würde. Leeland hoffte nur, dass er Jonathan alles auf eine Art erklären konnte, die es seinem Master ermöglichte, eine wohldurchdachte Entscheidung zu treffen.
Traurig schaute Leeland auf die Soße, die auf dem Herd köchelte. Eine cremige Köstlichkeit wie diese würde unter den vielen Dingen sein, die er aufgeben musste, wenn er zustimmte, seinem Onkel zu helfen.
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