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Lieblingsplätze Mainfranken
Werner Schwanfelder
Impressum
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Alle Bilder stammen von Werner Schwanfelder. Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
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1., überarbeitete Neuauflage 2021
© 2014 – Gmeiner-Verlag GmbH
Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © Benjamin Arnold; © mohamed_hassan – pixabay.com; © EH Grafik – stock.adobe.com; © Fiedels – stock.adobe.com; © SylwiaNowik – stock.adobe.com; © paullouis – stock.adobe.com; © Design Studio RM – stock.adobe.com
Kartendesign: Kim-Anna Bucher / Susanne Lutz
ISBN 978-3-8392-7020-2
Inhalt
Impressum
Zu Gast in Main- und Weinfranken
Vorwort: Eine Einladung
Um Schweinfurt herum
1 Friedrich Rückert war unzufrieden
Zeil am Main: Um Schweinfurt herum
2 Als wir noch gegen Hexen kämpften
Zeil am Main: Hexenturm
3 Bester Wein im schönsten Haus
Zeil am Main: Weinhaus Nüßlein
4 Eine bunte, futuristische Himmelswelt
Schweinfurt: Altarbild von St. Johannis
5 Wie stellt man Schrot her?
Schweinfurt: Schrotturm
6 Ein Schwimmbad als Kunsthalle
Schweinfurt: Kunsthalle
7 Zur Orientierung und zur Meditation
Werneck: Bildstockweg ab Egenhausen
8 Vom Kloster zum Bauernhof
Schwanfeld: Kloster Heiligenthal
9 Pfadfindergeist notwendig
Schwanfeld: Jüdischer Friedhof
10 Don Quijote kämpft noch immer
Dipbach: Windmühlen
11 Wo der Wein bunt schmeckt
Eisenheim: Weingut Hirn
12 Bierbrauer im Weintrinker-Land
Volkach: Privatbrauerei Friedrich Düll in Krautheim
13 Auferstehung über den Weinbergen
Volkach: Wallfahrtskirche Maria im Weingarten
14 Der Wein für Philosophen
Nordheim: Vinothek Divino
15 Winzer im himmlischen Weinreich
Sommerach: Weinreich im Winzerkeller Sommerach
16 »Alter Satz« und »Junge Franken«
Sommerach: Weingut Zang
17 Gräflicher Wein im Schatten der Burg
Volkach: Schloss Hallburg
18 Was die Bibel zum Wein spricht
Dettelbach: Bibel-Wein-Pfad in Neuses am Berg
19 Die coolste Location der Gegend
Dettelbach: Main-Street-Café
20 Drei Ziele, ein Bau
Dettelbach: Kultur- und Kommunikationszentrum
21 Wein mit Persönlichkeit
Dettelbach: Apfelbacher Weingut-Weinkellerei
22 Ein monumentales Ei
Dettelbach: Mainfrankenpark
23 Chinesische Heilmethoden in Franken
Gerolzhofen: Klinik am Steigerwald
24 Stadtgeschichte in Brunnenform
Gerolzhofen: Stadtbrunnen
25 Ein Bußort ohne Lebensgefahr
Prichsenstadt: Hotel Freihof
Um Kitzingen herum
26 Das Reinheitsgesetz und die Narren
Kitzingen: Im Zentrum des Maindreiecks
27 Wertvolles aus Abfall schöpfen
Abtswind: Schwanfelder Ölkernprodukte
28 Der älteste Weinlehrpfad in Bayern
Abtswind: Frankenwein-Lehrpfad
29 Hier kann man alt werden
Mainstockheim: Seniorenheim Schloss Ebracher Hof
30 Ein Wohnhaus mit Glockengeläut
Mainstockheim: Ältester Siedlungskern Gumbertla
31 Im Haus der Ewigkeit
Rödelsee: Jüdischer Friedhof
32 Auf dem Weg zur allerletzten Ruhe
Rödelsee: Evangelisch-Lutherischer Friedwald bei Schwanberg
33 Auf Meineid steht die Todesstrafe
Iphofen: Das Tor zum Höttehött-Denkmal
34 Weine, Kultur und ein bisschen mehr …
Iphofen: Vinothek
35 Der Vorgarten der Stadt
Mainbernheim: Graben- und Mauergärten
36 Alles nur Gips
Iphofen: Knauf Museum
37 Süß bis zuckersüß
Kitzingen: Conditorei-Museum
38 Lachen erwünscht
Kitzingen: Deutsches Fastnachtmuseum
39 Turmzimmer zu vermieten
Sulzfeld am Main: Stadtmauer und Jocklerturm
40 5,60 Meter Bratwurst
Sulzfeld am Main: Meterbratwurst im Gasthaus Zum Goldenen Löwen
41 Die Winzer sind »Silvanianer«
Sulzfeld am Main: Weingut Brennfleck
42 Weingeschichten im Eiltempo
Frickenhausen: Weingut Meintzinger
43 Schon vergessen?
Marktbreit: Alzheimer Geburtshaus
44 Die Zuckerfee von Ochsenfurt
Ochsenfurt: Zuckerfabrik Südzucker
45 Wo Wasser heilt
Ochsenfurt: Kneipp-Werke in Hohestadt
46 15 Stationen bis zur Auferstehung
Ochsenfurt: Kirche des Kartäuserklosters in Tückelhausen
47 Weite Kultur in engen Räumen
Sommerhausen: Torturmtheater
48 Wein seit Jahrhunderten
Sommerhausen: Weingut Schloss Sommerhausen
49 Kunst im Weinort
Sommerhausen: Spaziergang zu den Galerien
50 Lügen mit kultivierten Beinen
Eibelstadt : Lügensteinweg
Um Würzburg herum
51 Weintrauben – Inspiration pur
Würzburg: In und um die Stadt herum
52 Heilig. Wein. Stiftung.
Würzburg: Weingut Juliusspital
53 Wo der Bocksbeutel erfunden wurde
Würzburg: Bürgerspital
54 Weg mit dem Müll
Würzburg: Müllheizkraftwerk
55 Moderne Kunst in alten Räumen
Würzburg: Kulturspeicher
56 Trotz Altar unbekannt
Rimpar: Riemenschneider-Altar in Maidbronn
57 Antiken Göttern die Hand geben
Veitshöchheim : Hofgarten
58 Im Wappen dokumentiert
Veitshöchheim: Wallfahrtskirche St. Vitus
59 Orchideenfelder und Fotografengefahr
Thüngersheim : Orchideenpfad
60 Von allem das Beste
Retzbach: Winzerhütte
61 Die Poststelle des Christkinds
Himmelstadt: Spaziergang durch den Weihnachtsort
62 Im Haus des ewigen Lebens
Laudenbach: Jüdischer Friedhof
63 Katzen fallen weich
Karlstadt: Katzenturm
64 Ich bin Klempner von Beruf
Karlstadt: Europäisches Klempner- und Kupferschmiedemuseum
65 Der Wein und unsere Gesundheit
Eußenheim: Wein- und Gesundheitsweg
66 Sängerfest auf der Homburg
Gössenheim: Homburg
67 Die Gartenanlage eines Bürgers
Gemünden: Ronkarzgarten und Kulturhaus
68 Wo die Hoffnung in der Musik liegt
Hammelburg: Schloss und Kloster Saaleck
69 Die runden Ohren für das Weltall
Fuchsstadt: Erdfunkstelle
Um Aschaffenburg herum
70 Politisch Franken, emotional Hessen
Aschaffenburg: Perlen vor den Toren der Stadt
71 Auf den Spuren der Gebrüder Grimm
Lohr am Main: Schneewittchen im Spessartmuseum
72 Die Welt der Isolatoren
Lohr am Main: Isolatorenmuseum
73 Kleinste Bibliothek und Sektwiege
Marktheidenfeld : Franck-Haus
74 Ein Paradies für Schokoladen-Genießer
Wertheim: Art of Chocolate
75 Samtiger Frühburgunder
Bürgstadt am Main: Weingut Fürst und Weinkulturhaus
76 Wie Bier im Weinland bestehen kann
Miltenberg: Brauerei Faust
77 Gewürze, liebevoll gemischt
Klingenberg: Altes Gewürzamt
78 In der Rotweinecke Frankens
Klingenberg: Weingut Steintal
79 Saurer Wein auf Pompejanum-Grund
Aschaffenburg: Pompejanum
80 Sich selbst auf den Arm nehmen
Aschaffenburg: Ascheberger Arsch
81 Die Fahrschule der ersten Autofahrer
Aschaffenburg: Denkmal Autolenkerschule
82 Als die Römer frech geworden …
Franken: Die Geschichte des Frankenweins
Karte
Zu Gast in Main- und Weinfranken
Vorwort: Eine Einladung
Wir sind Mitte. Das können die Unterfranken durchaus behaupten. Mitten in Europa gelegen. Fünf Autobahnen erschließen die lebenswerte Region. Würzburg ist Intercity-Knotenpunkt, die Flughäfen Frankfurt und Nürnberg sind rasch erreichbar.
Mainfranken nennen viele das Gebiet. Damit wird der kulturelle Kontext beschrieben. Man versteht darunter das Maingebiet um Würzburg, Bamberg und Aschaffenburg. Leider erhielt der Begriff eine besondere Bedeutung unter den Nationalsozialisten, die den NSDAP-Gau und den Regierungsbezirk so benannten. Da die Bezeichnung nach 1945 als belastet galt, hieß der Regierungsbezirk seit 1946 (wieder) Unterfranken. Und dann hört man noch den Begriff »Weinfranken«, der allerdings nicht ganz deckungsgleich ist. Das Weinbaugebiet Franken liegt im Nordwesten der Region, hat etwa 6.000 Hektar Anbaufläche und ist damit eines der eher mittelgroßen Anbaugebiete Deutschlands. Der weitaus größte Teil der Rebflächen befindet sich in Unterfranken, aber nennenswerte Teile auch in Mittel- und kleinere Teile sogar in Oberfranken. Die Ortsbezeichnung für dieses Buch würde ich gerne mit Wein-Main-Franken beschreiben, das Land am Main, wo alles fließt. Es deckt sich natürlich weitgehend mit Unterfranken.
Alles im Fluss. Der Fluss prägt die Region landschaftlich, kulturell und wirtschaftlich. Mainfranken hat wirtschaftliches Potenzial. Natürlich dominiert der Weinbau. Aber nicht nur. Über 70.000 Unternehmen haben ihren Sitz in dieser Region. Mainfranken ist einer der zehn führenden High-Tech-Standorte in Europa.
Und schließlich Kultur und Kunst. Mainfranken ist historischer Boden. Schon 1.000 vor Christus kamen die Kelten hierher, später die Römer, noch später im Dreißigjährigen Krieg die Schweden, die eigentlich finnische Söldner waren. Die Region war und ist Schnittpunkt von Handelsrouten und Pilgerwegen. Davon zeugen heute noch historische Altstädte mit zünftigen Maueranlagen, schnuckeligen Fachwerkhäusern und lebendigen Marktplätzen. Berühmte Architekten und Künstler haben Schlösser und Kirchen erbaut. Die Spuren von Tilman Riemenschneider und Balthasar Neumann sind unübersehbar. Unbekannter sind häufig die Schöpfer der Bildstöcke, die am Wegesrand stehen. Viele Prominente sind in der Region geboren oder haben dort gelebt und gewirkt. Allein zu den berühmtesten Würzburgern zählen Walther von der Vogelweide, Wilhelm Conrad Röntgen und Dirk Nowitzki.
Es gibt »große« Sehenswürdigkeiten und unbekanntere, die beim Vorbeifahren eher nicht auffallen. Denen ist dieses Buch auf der Spur. Bei näherer Betrachtung überraschen sie. Weil sie mehr sind, als sie scheinen. Weil sie den Besucher erfreuen, wenn er sie entdeckt hat.
Doch was für ein Besucher ist das? Ich habe mich für Sie auf den Weg gemacht, die Schönheiten von Unterfranken, von Mainfranken zu entdecken. Es war für mich auch ein Weg in meine Vergangenheit. Meine Großmutter stammt aus Obernbreit. Später wohnten wir im Raum Nürnberg-Fürth. Doch in meiner Jugend waren wir regelmäßig in Unterfranken, um Verwandtschaft zu besuchen und auf der einen oder anderen Burg herumzukraxeln. Und auch heute noch machen wir gerne Ausflüge in diese Region. Da bin ich auch meinem Namen irgendwie verpflichtet: So gibt es einen Ort namens Schwanfeld. Und ich kenne einen Schwanfelder-Clan sehr gut, der in Abtswind eine Ölmühle betreibt. In Rödelsee gehen wir gerne in die Winzerstube, in der Thomas Schwanfelder kocht. Wir sind zwar nicht verwandt, aber trotzdem kocht er einfach gut.
Eine letzte Erklärung vorab: Zu meinen Lieblingsplätzen gehören mancherorts Vinotheken, weil dies Orte sind, an denen man Wein genießen kann, aber auch »mehr« bieten: Museen, Informationen, Bibliotheken. So grenzen sie sich von den Winzern ab.
Lassen Sie sich einladen auf einen Streifzug durch Mainfranken.
Werner Schwanfelder
Um Schweinfurt herum

1 Friedrich Rückert war unzufrieden
Zeil am Main: Um Schweinfurt herum
»Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt heißen können, weil du führest Wein, aber Schweinfurt, Schweinfurt sollt es sein«, bemerkte der wichtigste Sohn der Stadt Friedrich Rückert zum Namen. Vermutlich gab aber doch die für Schweine begehbare Furt der Stadt ihren Namen: 791 wurde der Name Swinfurt erstmals urkundlich belegt. Er wandelte sich sich über Suinuurde, Suinfurte, Swinvordi, Sweinvort und Sweinfurt im Laufe der Zeit zu Schweinfurt.
Vom 12. Jahrhundert an war die Stadt freie Reichsstadt. Das endete jedoch 1802, als sie in das Königreich Bayern eingegliedert wurde. Als alte Industrie- und Arbeiterstadt ist sie bis heute das Zentrum der Wälzlagerindustrie. Dennoch – Schweinfurt war nie ein Industrie-Moloch. Und heute leben Menschen jeder Couleur in der Stadt, denn es lebt sich dort gut. Es sind an die 50.000.
Schweinfurt wirbt für sich mit dem Slogan »Industrie und Kunst«, der neben den industriellen Wurzeln auch Kunst, Kultur und Wein betont. 1200 Jahre Geschichte haben sich in einem bunten Mosaik von Bauwerken im Stadtbild niedergeschlagen: moderne Architektur neben Gebäuden vergangener Jahrhunderte. Durch die Straßen weht der Geist der alten Industriepioniere, die Lebensfreude der freien Reichsbürger und der frische Wind der Gegenwart.
Schweinfurt liegt weit östlich in Unterfranken am Main, der Stadtkern weitgehend rechtsmainisch. Gleichzeitig befindet sich Schweinfurt aber auch ganz im Norden des Gebietes, das wir mit Weinfranken umschreiben. Nachdem der Main Schweinfurt passiert hat, biegt er nach Süden ab und es beginnt das Maindreieck. Im Süden wachsen die Weinreben.
Die Perlenkette meiner Lieblingsplätze beginnt bei Zeil am Main (noch etwas weiter östlich) und führt bis nach Prichsenstadt im Süden. Die meisten Plätze liegen linksmainisch. Die Auswahl fiel schwer und viele Plätze, die ich gerne besuche, konnte ich nicht aufnehmen. Hier ein paar Anmerkungen zu den Lieblingsplätzen, die ich nicht berücksichtigt habe: Vom Zeiler Käppele hat man einen wunderbaren Blick auf die Mainlandschaft. Wenn ich Zeit habe, gehe ich in Schweinfurt an der Main-Promenade spazieren – sehr kurzweilig. Das Museum Georg Schäfer ist einen Besuch wert, schon allein die Architektur ist beeindruckend. In Werneck gibt es ein großes Schloss, für das einmal ein Unternehmenskonzept gesucht war: heute gefunden, eine große Klinik. Volkach kommt viel zu kurz. Die Stadt selbst ist erlebenswert mit ihren Gärten an der Stadtmauer. Im Hinterhöfle kehre ich gerne ein, in Obervolkach findet man die beste Fischzucht weit und breit und dort, wo die Weinberge beginnen, im letzten Haus, hat ein Künstler einen Skulpturengarten wachsen lassen. Auch die Vogelsburg habe ich nicht aufgenommen; sie ist vielleicht schon zu bekannt. In Astheim befindet sich in der Kartause das Museum für christliche Bildgeschichte, deren Ausstellung spannender ist, als man sich vorstellt. In Nordheim gibt es nicht nur eine empfehlenswerte Vinothek, sondern auch den Zehnthof, in dem sich bestens essen und trinken lässt. In Dettelbach kann man den Skulpturenweg entlanggehen und in Neuses am Sand besuche ich gerne Wörners Schloss, das neben Gastronomie auch viel Kleinkunst bietet. Streift man durch Gerolzhofen, überrascht die Anmut des Städtchens. Ein Seniorenheim ist in historischen Gemäuern untergebracht und ich habe den Eindruck, dass man hier beschaulich alt werden kann. Machen Sie einfach die Augen auf, wenn Sie auf den Spuren dieses Buches durch die Lande fahren: Es gibt noch mehr zu entdecken.
Und ab und zu Pause machen! Ich trinke dann gerne einen kleinen Frankenwein. Er stärkt und macht neugierig – auf all die Lieblingsplätze.
2 Als wir noch gegen Hexen kämpften
Zeil am Main: Hexenturm
Friedlich, ganz unschuldig gibt sich Zeil am Main als malerisches mittelalterliches Fachwerkstädtchen mit einem wunderbaren Marktplatz. Um die Altstadt herum zeugen einige Türme von der alten Stadtbefestigung. In einem dieser Stadttürme ging es im 17. Jahrhundert alles andere als friedlich zu – dort wurden nämlich der Hexerei Bezichtigte gefangen gehalten. Der Zeiler Hexenturm wurde umfassend saniert, der historische Zugang zum Turm wiederhergestellt. Dabei restaurierte man auch Überreste eines Kerkers aus dieser Zeit.
Seit 2011 beherbergt er das Dokumentationszentrum Hexenverfolgung. Mit der Ausstellung an diesem Originalschauplatz möchte man daran erinnern, dass Zeil am Main als Richtstätte des Hochstifts Bamberg Schauplatz vieler Hexenprozesse und -verbrennungen war. Nach den Unterlagen im Stadtarchiv wurden damals über 400 sogenannte Hexen verbrannt.
Die Gestalter richteten im ersten Obergeschoss eine Dauerausstellung mit Dokumenten und audiovisuellen Veranschaulichungen zur Geschichte der Hexenverfolgung ein. Eindrucksvolles Zeugnis ist das Tagebuch des Johann Langhans, der selbst Opfer wurde und seine Geschichte aufzeichnete. Es lohnt sich, für diese Aufzeichnungen Zeit zu investieren. Sie helfen, einen Zipfel dieser schlimmen Zeit zu entdecken und zu begreifen.
Auch wenn im Mittelpunkt der Ausstellung die lokale Spurensuche steht, geht die Ausstellung auch auf das generelle Thema Ausgrenzung ein, beleuchtet ihre Gründe und Mechanismen. Die Besucher erhalten Anregungen zum Nachdenken. So steht am Ende die plakative Frage: Könnte dies heute auch noch geschehen? Wenn man darüber ernsthaft nachdenkt, wächst einem statt einer einfachen Antwort Gänsehaut – auch im schönen Franken, im lieblichen Zeil am Main.
Ab und zu organisiert das Dokumentationszentrum einen Rundgang durch die nächtlichen Gassen. Ohne Straßenbeleuchtung. Im Schein der Fackeln durch die Altstadt.

2
Der Hexenturm ist nicht zu verfehlen: Er definiert die Ortsausfahrt.
Dokumentationszentrum Zeiler Hexenturm
Obere Torstraße 14
97475 Zeil am Main
09524 949861
www.zeiler-hexenturm.de
3 Bester Wein im schönsten Haus
Zeil am Main: Weinhaus Nüßlein
Das Weinhaus Nüßlein kann man nicht übersehen, weil das Weingeschäft in einem der schönsten Häuser am Marktplatz untergebracht ist. Vor ein paar Jahren kaufte Roger Nüßlein das Nachbarhaus und richtete dort eine helle, moderne Vinothek ein, in der man sich den Wein der Nüßleins schmecken lassen kann.
Die Weine aus Zeil am Main und besonders die vom Weingut Nüßlein haben schon viele Preise eingesammelt. Besonders erfolgreich war das Premium-Sortiment 1er Traube. Der Ertrag der Trauben ist gering, aber die Qualität bestens – Handarbeit eben. Besonders zu empfehlen: der Riesling aus dem Eulengrund, ein kräftiger, würziger Wein mit einer dezenten Frucht.
Die Besitzer des Weinhauses Nüßlein betreiben in der vierten Generation Weinbau in Zeil am Main. Schon der Urgroßvater von Roger Nüßlein hat in der Region seine Weinberge bestellt. Das war damals aber gar nicht so einfach. Ihm ist sogar zu verdanken, dass es einen Weinanbau am Obermain nach den Wirren der Nachkriegszeit noch gab. Aber insbesondere sein Sohn Anton, ein Visionär, entwickelte in Zeil wieder eine blühende Weinbauregion, machte sich für die Wiederbelebung des Weinbaus und für die Flurbereinigung stark. Nicht überall führte sein Engagement zu einem neuen Flächennutzungsplan, so kaufte er manche kleine Parzelle auf, um zu einer Fläche zu kommen, die sich besser bewirtschaften ließ. Er wagte sich auch wieder an den Anbau von Riesling, Burgunder und Rotwein bis hin zum Eiswein. Am besten kann man selbst einen Eindruck von diesem Wein-Schaffen bekommen, wenn man entlang des Weinwanderweges Abt-Degen-Steig schlendert.
Abt Degen? Alberich Degen führte die aus Österreich stammende Silvanerrebe 1665 in Franken ein. Er war der Abt des Zisterzienserklosters, zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt und stammte selbst aus Zeil.
Das Haupthaus ist das schönste Fachwerkhaus am Marktplatz. Hier befindet sich das Ladengeschäft, aber auch die Vinothek.

3
Weinhaus Nüßlein
Marktplatz 1
97475 Zeil am Main
09524 279
www.weinhaus-nuesslein.de
4 Eine bunte, futuristische Himmelswelt
Schweinfurt: Altarbild von St. Johannis
Die St.-Johannis-Kirche ist die evangelische Hauptkirche Schweinfurts, wie alle evangelischen geöffnet. Sie ist übrigens das einzige noch erhaltene mittelalterliche Gebäude der Stadt, stammt wohl aus dem 12. Jahrhundert, und ist 1542 mit der gesamten Bevölkerung Schweinfurts konvertiert.
Drinnen merkt man: Berühmt ist die Kirche für ihr Stilgemisch, also Kostproben aus fast allen Kunstepochen. Ein Bilderbuch der Kunstgeschichte, inklusive seltener Übergangsstile. Das wird durchaus unterschiedlich gewürdigt.
So ist es fast keine Überraschung, dass auch das Altarbild von Adolf Kleemann (1904–1989) ein Objekt der Diskussion ist. Es ist sehr dicht gehalten, kontrastiert trefflich mit der Umgebung, was zunächst durchaus störend wirkt. Man muss sich erst auf das Altarbild konzentrieren, sich damit beschäftigen. So schreibt die Gemeinde: »Das Bild prägt sich ein und darüber können wir uns nur freuen.«
Es ist ein Auferstehungsbild. Aber Kleemann malt Christus nicht als lächelnden Sieger, sondern eher als ein Objekt, das in eine bunte, futuristische Himmelswelt gezogen wird. Darunter breitet sich die irdische Welt aus mit Wohnblocks und purem Alltagsleben. Doch finden wir auch Adam und Eva. Eva hält noch den verlockenden Apfel unangebissen in der Hand. Die Entscheidung gegen das Paradies wurde noch nicht getroffen.
Wichtigste Person ist in der Mitte eine Frau im gelben Kleid der Eitelkeit, mit langer Zigarettenspitze, irgendwie herausfordernd. Symbol für die Oberflächlichkeit, für die Nichtigkeiten der Welt. Wir verfallen so oft diesen Nichtigkeiten und nehmen keine Notiz vom Leid des Menschen und auch nicht von der Hoffnung der Auferstehung. So packt das Bild den Betrachter an Herz und Seele. Dieses Bild ist einen längeren Besuch der Kirche wert.
St. Johannis ist eine Radwegekirche. Sie liegt am Main-Radweg und ist auf Fahrradtourenkarten als Sehenswürdigkeit verzeichnet.

4
St.-Johannis-Kirche
Martin-Luther-Platz
97421 Schweinfurt
09721 53315210
www.schweinfurt-stjohannis.de
5 Wie stellt man Schrot her?
Schweinfurt: Schrotturm
Man kann ihn nicht übersehen. Seit fast 400 Jahren prägt der Schrotturm die südliche Altstadt. Es ist ein markanter Anblick. Steht er nicht sogar ein bisschen schief?
Erbauen ließ ihn Balthasar Rüffer III. als Treppenturm eines Renaissance-Hauses (1611–1614). Eine Provokation sollte die dreifache Kuppelhaube damals sein: Sie sollte vom katholisch geprägten Umland abgrenzen, die politische und religiöse Eigenständigkeit der Freien Reichsstadt demonstrieren. Das ist jedoch Vergangenheit. Die Kuppelhaube wurde ersetzt durch einen eher kegelartigen Dachabschluss.
Wichtig war insbesondere eine Nutzungsänderung im 19. Jahrhundert. Der Turm diente zur Herstellung von Schrotkugeln. Die Geschäftsidee war einfach und simpel: Wie stellt man Schrot her? »… man verfertigt dasselbe, indem man geschmolzenes Bley von einer Höhe von 150 Fuß herabfallen lässt, welches während des Falls eine vortreffliche runde Form bekommt, und im Wasser aufgefangen wird.« So Johann Georg Krünitz in seiner Ökonomisch-technologischen Enzyklopädie.
Der Unternehmer und Schroterfinder Johann Christian Voit brauchte nun einen Ort, an dem er die Schrotkugeln fertigen konnte. Dazu stockte er 1818 den ursprünglichen Rüfferturm, so bis dahin sein Name, auf fünf Etagen auf. Mit dem Schweinfurter Schrot war Voit wirtschaftlicher Erfolg beschieden, die Fabrik bestand bis 1912. Damit hatte der Turm jedenfalls einen neuen Namen bekommen.
Doch das Gebäude zeigt sich heute etwas anders als zu Zeiten der Schrotfabrik: Nur der Südflügel, ein Teil des Nordflügels sowie der Turm bestehen noch. Allerdings sind diese umfassend restauriert und erfüllen ihren Zweck als Bürgerhäuser.
Der Schrotturm ist dennoch ein sehenswerter Blickfang und zugleich ein malerisches Schmankerl mitten in der Innenstadt.
Besichtigung während der Bürozeiten der Rückert-Gesellschaft im Schrotturm (www.schweinfurtfuehrer.de/vereine/kulturvereine, 09721 25377).

5
Schrotturm
Zugang von der Rosengasse
97421 Schweinfurt
Tourist-Information Schweinfurt 360°
Rathaus
Markt 1
97421 Schweinfurt
09721 513600
www.tourismus.schweinfurt.de
6 Ein Schwimmbad als Kunsthalle
Schweinfurt: Kunsthalle
Schweinfurt ist stolz auf seine Industrie und auf die Persönlichkeiten, die sie erschaffen haben. Diese haben der Stadt auch mancherlei hinterlassen, die Stadt die Denkmäler gerne in Anspruch genommen. Das Museum Georg Schäfer zum Beispiel oder das Schweinfurter Volks- und Hallenschwimmbad, ein Geburtstagsgeschenk des Industriellen Ernst Sachs an die Stadt. Es wurde 1933 fertig gestellt, ein Bau mit intensiver Symbolik. Der repräsentative Vorplatz und die Baukomposition sollten Übergang zu den neuen Baugebieten im Westen der Stadt sein. Aber nichts ist für die Ewigkeit. Im Krieg zerstört, geschlossen, wiedereröffnet, von der Bevölkerung nicht mehr so richtig angenommen.
Wenn man nicht weiterweiß, muss Kunst helfen. 2003 entschied sich der Stadtrat für die Umnutzung als neues Domizil für die städtische Galerie. Das Hallenbad mit seiner Architektur ist die Hülle für die neue Kunsthalle. Die Raumelemente aus der Bade-Epoche sind noch vorhanden. Der Innenhof ist frei zugänglich. Helle Wände und Decken, eine durchgängige Lichtführung unterstreichen die Architektur. Der massive Steinboden betont die Bodenständigkeit.
Heute ist es ein Zentrum für die Kunst der klassischen Moderne bis hin zur Gegenwartskunst, ein kultureller Kontrast zum Museum Georg Schäfer auf der anderen Seite der Stadt. Wir finden eine Sammlung der deutschen Kunst nach 1945 und die Sammlung Joseph Hierling mit Werken des Expressiven Realismus aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die beiden Sammlungen passen gut zueinander. Darüber hinaus hat man auch Platz für repräsentative Sonderausstellungen. Die Kunsthalle hat sich gemausert, Ansehen weit über Mainfranken hinaus gewonnen. Das ist wichtig für eine Stadt, die sich kulturell einen Namen machen will. Durchaus gelungen. Besuch zu empfehlen.
Seit 1984 gibt es in Schweinfurt eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Im Mai 2009 konnte die neue Kunsthalle im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad bezogen werden.

6
Kunsthalle Schweinfurt im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad
Rüfferstraße 4
97421 Schweinfurt
09721 514721
www.kunsthalle-schweinfurt.de
7 Zur Orientierung und zur Meditation
Werneck: Bildstockweg ab Egenhausen
Sie stehen selbstverständlich wie ein Baum auf der Erde – und fallen nur flüchtig auf. Wir Franken sagen Bildstock dazu, in Österreich und Bayern nennt man sie auch Marterl oder Marter, Wegstock oder Kreuz und die Schweizer sagen dazu Helgenstöckli.
Die Bildstöcke sind Abbild der Volksfrömmigkeit. Sie markieren Wege, aber bieten auch Anstoß zur Meditation. Meist haben Menschen sie gestiftet, die damit etwas Besonderes ausdrücken wollten: Sie sind ein Symbol für Dankbarkeit angesichts überstandener Gefahren oder Seuchen oder Erinnerung an Unglücksfälle oder Personen. Gefertigt aus Holz, Stein oder Mauerwerk sind sie in ihrer Form sehr vielfältig.
An manchen Orten häufen sie sich. Dann wird ein Museum eingerichtet oder ein Wanderweg von Bildstock zu Bildstock installiert. In der Alten Schule von Egenhausen – einem Ortsteil des Marktes Werneck – befindet sich das Herzstück des Fränkischen Bildstockzentrums. Auf fast 1.000 Quadratmetern kann man sich aufklären lassen über die Kulturgeschichte dieser christlichen Wegmarken: anschaulich, unterhaltsam, interaktiv und multimedial. Aber erleben und verstehen lassen sie sich am besten an ihren originalen Standorten, in den Dörfern und Fluren der fränkischen Landschaft. Das Fränkische Bildstockzentrum hat daher Rundwanderwege ausgewiesen. Sie beginnen alle in Egenhausen und erschließen den Bildstockreichtum der Region. Auf zur Wanderung.
Ein häufiges Motiv ist »Maria mit dem Kind«, in Stein und Holz gleichermaßen. Vielfach werden auch Heilige dargestellt. Manche Bildstöcke sind im Laufe der Zeit zu kleinen Kapellen geworden. Doch auch ohne Erweiterung sind die meisten sehr schön anzusehen und Spannung und Erwartung gleichermaßen begleiten den Wanderer. Zeit sollte man sich lassen, schlicht Landschaft und Sonne in Ruhe genießen, an den Bildstöcken verweilen.
In Egenhausen befindet sich ein Informations- und Kompetenzzentrum für Bildstöcke. Hier gibt es Kartenmaterial über die Bildstöcke im Oberen Werntal und eine Datenbank.

7
Bildstockweg
Startpunkt: Fränkisches Bildstockzentrum Egenhausen
St.-Johannes-Straße 73
97440 Werneck-Egenhausen
09722 2262
www.bildstockzentrum.de
8 Vom Kloster zum Bauernhof
Schwanfeld: Kloster Heiligenthal
Eine der ältesten Spuren jungsteinzeitlicher Bauern in Deutschland findet sich in Schwanfeld. Belegt ist, dass hier vor rund 7.500 Jahren Bandkeramiker Ackerbau betrieben und in Häusern lebten. Dies kann man im Museum nachprüfen.
Nach den frühgeschichtlichen Funden wurde Schwanfeld das erste Mal 772 urkundlich erwähnt. Jutta von Fuchsstadt gründete 1234 das Kloster Heiligenthal. Sie war die erste Äbtissin des Zisterzienserinnenkloster und wurde später als Jutta von Heiligenthal selig gesprochen. Die Schwanfelder bezeichnen das Kloster auch heute noch als sehr wichtigen Bau; er dokumentiert schließlich eine Glanzzeit der Schwanfelder Ortsgeschichte. Doch das Juwel ist gar nicht so einfach zu finden, befindet sich einen Kilometer außerhalb des Ortes, Hinweisschilder sind selten und die Straße ist eng. Und dann landet man schließlich auf einem Bauernhof.
Der Eingang am Wohnhaus beweist, dass man es mit historischem Gemäuer zu tun hat. 1579 löste Fürstbischof Julius Echter das Kloster auf und von da an nutzte man es nur noch landwirtschaftlich. Dabei wurde der westliche Gebäudekomplex, in dem die Nonnen gelebt hatten, zu Scheune und Getreidespeicher umgebaut, 1610 ließ Julius Echter das Wohnhaus neu errichten. Nur der östliche Teil blieb erhalten, die Kirche. Seit 1951 ist sie im Besitz der Familie Wirth. Die Kirche wirkt vom Bauernhof aus gesehen wie eine Scheune mit einem großen Scheunentor. Erst muss man um die Mauern des Hofes herumgehen, dann erkennt man den imposanten Bau. Sie steht zwar unter Denkmalsschutz, was aber nicht bedeutet, dass sie irgendwie gepflegt wird. Der Zutritt ist nur möglich, wenn man jemanden von der Bauersfamilie findet, der aufsperrt. Trotz allem: Die Kirche ist imposant und die Umwidmung zum Bauernhof wirkt irgendwie stark.
Bandkeramiken sind nicht jedermanns Sache. Vielleicht sollte man hier eine Ausnahme machen, allein wegen des Alters.

8
Klosterkirche Heiligenthal, Familie Wirth
Heiligenthal 1
97523 Schwanfeld
09384 1510
www.schwanfeld.de
Von Schwanfeld aus dem Heiligenthalgraben folgen.
Bandkeramik Museum
Pfarrgasse4
97523 Schwanfeld
09384 97300 (Verwaltungsgemeinschaft Schwanfeld)
www.schwanfeld.de
9 Pfadfindergeist notwendig
Schwanfeld: Jüdischer Friedhof
Es gibt in Franken viele Jüdische Friedhöfe. Ihnen ist meistens gemein, dass sie in den Ortschaften nicht ausgeschildert sind. Sie liegen außerhalb und es gehört etwas Pfadfindergeist dazu, sie zu finden. In Schwanfeld ist dies anders. Bereits am Ortsschild erfährt man, dass es hier einen solchen gibt – sozusagen als Sehenswürdigkeit. Die Hinweisschilder sind dann aber auch so selten, dass man ihn kaum findet – wäre nicht die Ortskarte. Auch dieser Jüdische Friedhof liegt recht weit außerhalb der Ortschaft. Kein asphaltierter Weg führt zu ihm, nur ein Wiesenrain. Dann ein Zaun. Dahinter zwei Reihen Gräber, eher ungepflegt. Also doch keine so große Sehenswürdigkeit.
Urkundlich nachweisen kann man den Friedhof seit 1604. Damals gestattete der Grundbesitzer Konrad von Grumbach, Amtmann zu Karlstadt, die Beisetzung der Juden am Untereisenheimer Weg auf Schwanfelder Gemarkung. Das war Ödland, für nichts sonst zu gebrauchen, also konnte man es den Juden auch als Friedhof gönnen. Zu dieser Zeit durften die Juden in Schwanfeld auch Unterricht geben und ein jüdisches Gericht halten. Interessant ist allerdings die Passage, dass dieser Kauf auch Gültigkeit habe, wenn der Flecken Schwanfeld an einen anderen Herrn verkauft werden solle.
Bis 1940 wurde der Friedhof genutzt. Juden von Dettelbach bis Eisenheim und Rimpar wurden hier bestattet. Augenscheinlich war Schwanfeld ein jüdisches Zentrum in Mainfranken. 1938 stellte man den Friedhof unter Naturschutz, was vielleicht ein ganz geschickter Schachzug war, da sich kaum mehr jemand um ihn kümmerte und sich die Natur seiner erbarmte.
In Erinnerung an den letzten in Schwanfeld geborenen jüdischen Mitbürger, der am 1. Februar 1984 im hochbetagten Alter von 82 Jahren verstarb, erhielt der zum Jüdischen Friedhof führende Holperweg den Namen Ludwig-Gutmann-Weg.
Der Jüdische Friedhof steht unter der Obhut des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayern.

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Jüdischer Friedhof
Ludwig-Gutmann-Weg
97523 Schwanfeld
Das Dorf über die Obereisenheimer Straße verlassen und auf den ungepflasterten Ludwig-Gutmann-Weg einbiegen.
10 Don Quijote kämpft noch immer
Dipbach: Windmühlen
Wind in Unterfranken? Der Wind des Wandels weht auch hier: Wenn man von Eisenheim nach Dipbach fährt, kommt man auf der Anhöhe an einem Feld voller Windmühlen vorbei. Die Dörfer sind dagegen Sturm gelaufen. Sie wollten keine Windräder an der Mainschleife, sie beeinträchtigen nur das Leben, verunstalten die Landschaft. So haben sich die Menschen organisiert: für den Erhalt der Kulturlandschaft Mainschleife und gegen den Bau von Windkraftanlagen.
Im Rahmen der Energiewende hat der Protest nicht viel genutzt. Es wurde gebaut. Und nun stehen die Windmühlen auf dem Feld. Sie überragen die Mainschleife, sind weithin sichtbar. Sie sind respekteinflößend hoch: 160 Meter, die Rotoren kreisen leicht und eigentlich gemütlich langsam. Ein leises Summen begleitet sie.
Und sie verschandeln nun die Landschaft? Vielleicht müssen wir uns einfach erst an ihren Anblick gewöhnen, wie man sich auch an Wolkenkratzer gewöhnen musste, an Solaranlagen auf den Bauernhöfen und an Straßen, die überall das Land durchqueren.
Sie sind mit Sicherheit ein neuer Akzent in der Natur der Mainschleife. Aber zerstören sie das Landschaftsbild? Bei tief stehender Abendsonne trete durch die Rotorenbewegung der sogenannte Stroboskop-Effekt ein, behaupten die Kritiker, der bekanntermaßen Mensch und Tier irritiert und das gesamte Maintal belästigt. Es ist gerade Abend und die Sonne geht unter. Ich kann keine irritierenden Effekte feststellen. Wie auch immer, die Entscheidung ist gefallen, für die Energieversorgung, für erneuerbare Energien, für einen Riesen-Windmühlen-Park an der Mainschleife. Ich würde in diesem Fall Peter Altmaier zustimmen, der einmal sagte: »Jede Erneuerung braucht Zeit, bis sie auch glaubwürdig wirkt.«
Hoffentlich hat das keinen Einfluss auf die Weinqualität. Der Geschmack des Frankenweins muss erhalten bleiben. Wenn dies nicht garantiert wäre, würde auch ich protestieren.
Dipbach liegt etwa vier Kilometer östlich der Gemeinde Bergtheim auf der Hochfläche des Maindreiecks.

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Windmühle
Zwischen 97241 Dipbach und 97247 Eisenheim
11 Wo der Wein bunt schmeckt
Eisenheim: Weingut Hirn
Da steht am Fuße eines Weinberges in Untereisenheim ein buntes Haus mit wenigen geraden Linien. Staunen ist angesagt. Vom Hausherrn erfährt man die Geschichte: Zuerst stand die Idee, ein Haus zu bauen, so farbenfroh und unkonventionell wie Hundertwasser. 1999 begann die Planung. Leider verstarb der Künstler im Februar 2000. Die Gestaltung des »Weinparadieses« wurde von einem Architekten weitergeführt und vollendet, der mit Friedensreich Hundertwasser schon gemeinsame Projekte realisiert hatte. 2003 war dann der Lebenstraum des Winzers in Erfüllung gegangen. Allerdings darf das Haus nicht den offiziellen Titel eines Hundertwasserhauses führen, steht also auch nicht auf der Werkliste von Hundertwasser. Der Weinbauer bemerkt, dass es vielleicht ganz gut war. So hat er zumindest ebene und barrierefreie Böden eingezogen, damit er mit dem Sackkarren seine Weinkisten problemlos transportieren kann. Solche praktischen Erwägungen hätten vermutlich nicht in das Originalkonzept von Hundertwasser gepasst.
Das Weingut Hirn fällt auf. Kunstwerke stehen im Garten, lustige Geschöpfe, und man ist froh gestimmt, wenn man das Weingut betritt. Eine Abbildung des Hauses ziert auch jedes Etikett der Flaschen einer der zehn Rebsorten, die das Weingut Hirn im Angebot hat.
Man überlegt unwillkürlich. Will der Hirn durch seine Architektur auffallen oder durch seine Weine? Das Haus fällt zweifelsohne auf – aber auch die Weine. Fast jeder 0,75-Liter-Flaschenwein des Winzers wurde bislang mit einer Medaille ausgezeichnet. Zudem hat er den Ehrenpreis des Landkreises Würzburg für herausragende Leistungen bei der Fränkischen Weinprämierung erhalten. Ich habe bei ihm einen Spätburgunder trocken getrunken und war begeistert.
»Fortschritt ist Rückschritt, und der Rückschritt wird zum Fortschritt«, sagt Friedensreich Hundertwasser. Was er damit wohl gemeint hat?
Man kann sich im Weingut Hirn nicht nur am Wein laben, sondern auch übernachten, wenn man für die Rückfahrt zu erschöpft ist.

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Weingut Hirn
Dipbacher Straße 8
97247 Untereisenheim
09386 388
www.weingut-hirn.de
12 Bierbrauer im Weintrinker-Land
Volkach: Privatbrauerei Friedrich Düll in Krautheim
Krautheim liegt mitten im Weinland, gehört zur Wein-Stadt Volkach – doch hier wird Bier gebraut. Es mag am Wein-Land liegen, dass es in Unterfranken nicht so viele Brauereien gibt. Und dennoch wird natürlich auch hier Bier getrunken – und wenn es auch nur gegen den Durst ist.
Der Ort ist mehr als 1.100 Jahre alt, aber die Brauerei gibt es »erst« seit 1654. Heute ist sie im Besitz der Familie Düll – in der fünften Generation. Zur Brauerei gehört eine eigene Mälzerei, in der die fränkische Gerste nach strengen Qualitätsrichtlinien vermälzt wird. Der Herstellungsprozess vom Acker bis zur Abfüllung wird lückenlos verfolgt. Regionalität ist das Erfolgsrezept: Sämtliches Getreide stammt von den Landwirten aus der Region, auch die Hefe ist selbstgemacht. Zur Verwendung kommen ausschließlich Brauwasser aus eigenen Brunnen, Malz aus eigener Herstellung und Doldenhopfen. Alles sozusagen selbst »gewachsen und gemacht«. Kurzum: Das Bier wird unter strikter Einhaltung des Reinheitsgebotes gebraut.
Wie es schon die Vorfahren bewerkstelligten, werden die Biere im Gärkeller kalt vergoren. Später kommen sie in den Lagerkeller. Das Bier hat Zeit. In großen Kellern, zwischen null und zwei Grad, lagert es mindestens acht Wochen. So reift das Bier und sein Geschmack. Auch wenn diese lange Lagerung zeit- und kostenaufwendig ist, besteht der Brauer darauf. So schmeckt das Bier besser.
Das stärkste Produkt ist ein dunkler Doppelbock. Dunkel, deutlicher Geschmack nach Malz, dennoch mild und ausgewogen. Feines Karamellaroma, der Hopfen ist hinter dem Malz nur schwach zu schmecken. Zu 100 Prozent aus dunklem Malz hergestellt. Und richtig kräftig mit 7,8 Prozent Alkoholgehalt und 18,5 Prozent Stammwürze. Er wird aber nur zu bestimmten Zeiten hergestellt. Dann strömen die Volkacher in die Brauerei, um ihren dunklen Doppelbock abzuholen. Wohl bekomm’s.
Es gibt einen idyllischen Biergarten, der bei schönem Wetter gut besucht ist. Der Verzehr von mitgebrachten Speisen ist ausdrücklich erwünscht – das Bier kommt aus dem Fass.

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Privatbrauerei Friedrich Düll
Landstraße 4–8
97332 Volkach-Krautheim
09381 71089410
www.krautheimer.com
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