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WALTER M. WEISS

HERZSTÜCKE
IN WIEN
BESONDERES ABSEITS DER BEKANNTEN WEGE ENTDECKEN



Inhalt
IMMER: EINE SÜNDE WERT!
1 Dem Himmel über Wien so nah
2 Mit gutem Gewissen schlecken
3 Unaussprechlich, aber echt gut
4 Bernhards Stammcafé
5 Würstel für Wagnerianer
6 Ein Weincafé für Connaisseure
7 Biobrot »vom Pheinsten«
8 Gourmetgenüsse im Kassensaal
9 Ideenbeschleunigungslabor
10 Spice and books for cooks
11 Nostalgiemode für Connaisseure
12 So kreativ und bunt ist die Welt
13 Heilsamer kochen geht nicht
14 Trendmode von morgen
15 Deliziöses in der Josefstadt
16 Die ganze City in Cinemascope
17 Süße Sünden in Zuckerlrosa
18 Nicht nur »Kaas« am Karmelitermarkt
19 Sinnlicher Maghreb mitten in Mariahilf
20 Heiligenstädter Einkehr
21 Beim König der Konfitüren
22 Eine Quelle der Freude
23 Jausen, wo Kaisers Kinder spielten
24 Grüne Gourmetkost beim Schloss
25 Kaffeejause im Dreivierteltakt
26 Die Leichtigkeit des Seins
MORBID, SKURRIL: ODER EINFACH ÜBERRASCHEND!
27 Gestern und Heute der »schenen Leich’«
28 Knochenarbeit vom Feinsten
29 Conceptstore für alle Sinne
30 Kurzweil für Groß und Klein
31 Big Brother im Teddy-Format
32 Makabere Medizingeschichte
33 Heiße Beats in der Sauna
34 Ein Stück adeliger Wienerwald
35 Konnichiwa im Villenviertel
36 Kulinarisches Mesozoikum
37 Ein in der Geschichte versunkener Ort
38 Die letzte Ruhestatt eines Unsterblichen
39 Das süßeste Museum der Stadt
40 Habe die Ehre, Herr Gulda!
41 Zeitreise in den Kalten Krieg
42 Winteridylle hinter Glas
MAL WIEDER
43 Zentrale Vogelperspektive
44 High Noon am Hohen Markt
45 Kommunaler Übervater
46 Gemütlichkeit mit Biss
47 Wo Gustav Mahlers Karriere gipfelte
48 Himmelskörper im Modell
49 Weltpolitik im Wienerwald
50 Gedenken an den Naziterror
51 Ein Hoch auf die Zukunft!
52 Eine Verbeugung vor der Wissenschaft
53 Ein Mythos, in Marmor gemeißelt
54 Himmlische Aussichten
55 Hier stand Ludwig van am Pult
56 Lorbeer für die Avantgarde
57 Kino wie in den 1950er-Jahren
58 Altwiener Idyll par excellence
59 Im Gedenken an eine Blütezeit
60 Nostalgie auf Zelluloid
61 Eine Insel armenischen Geistes
62 Ein Mekka für Leseratten
63 Liveschaltung in den Himmel
64 Karl der Große an der Donau
65 Die Welt durch die Linse betrachtet
66 Ein Mann, vibrierend von Schaffenskraft
67 Ein Ohr für die Hörkultur
68 Sakrale Architektur aus Russland
69 Große Oper im Taschenformat
70 Haus gewordene Logik
71 Eine lange verkannte Schönheit
72 Die neue Geometrie des Wissens
73 Zum Wohle aller Wesen
74 Vermittler zwischen den Kulturen
75 Ein Pilgerort für Freudianer
76 Eine Augenweide für den Seelenfrieden
77 Eine fantastische Wallfahrt der Sinne
78 Wo nur der Kaiser verkehrte
79 Auf den Spuren einer Künstlerikone
80 Wunderkammer der Technik
81 Spiritualität meets Archaik
HEUTE: WILL ICH RAUS
82 Oase für Sinne und Forschung
83 Alltag und Schwerkraft ade!
84 Grandioses Gartenflair
85 Platte Nasen bei Jung und Alt
86 Rummel wie anno dazumal
87 Schmalspurheldin on tour
88 Traben gegen die Zeit
89 Au-Idyll Heustadlwasser
90 Sternegucker willkommen
91 Ganz öko: Strom aus Wasserkraft
92 Rein in die wilden Wellen!
93 Eintauchen in aquatische Wonnen
94 Befreiung für Leib und Seele
95 Eine Bootspartie als gemütliche Zeitreise
96 Schönheit gepaart mit Nutzen
97 Auf die Bäume, fertig, los!
98 Lustvoll in die Irre gehen
99 Die Wüste von Schönbrunn
100 Von Faulbäumen und Pimpernüssen
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Fiebern Sie auch das ganze Jahr dem Urlaub entgegen, um dann in der Ferne Ihre Sehnsucht nach Neuem zu stillen? Und mal zu Hause Spannendes abseits gewohnter Pfade suchen? Machen Sie nicht? Lohnt sich aber!
Ich zum Beispiel lebe in dieser wunderbaren Stadt und dachte, sie wie meine Westentasche zu kennen. Bis ich den Auftrag für dieses Buch erhielt. Von da an stromerte ich mit Frau und Enkel kreuz und quer von der Ringstraße zur Donau und retour auf der Suche nach Unbekanntem. Und das fanden wir: sündhaft lecker, skurril, kulturell interessant oder im Grünen – und waren jedes Mal aufs Neue begeistert!
In diesem Sinne: Servus in Wien und viel Vergnügen beim Entdecken! Ihr Walter M. Weiss

IMMER
EINE SÜNDE WERT!
MEINE LIEBLINGSLÄDEN ZUM ESSEN, TRINKEN UND EINKAUFEN
1Dem Himmel über Wien so nah
2Mit gutem Gewissen schlecken
3Unaussprechlich, aber echt gut
4Bernhards Stammcafé
5Würstel für Wagnerianer
6Ein Weincafé für Connaisseure
7Biobrot »vom Pheinsten«
8Gourmetgenüsse im Kassensaal
9Ideenbeschleunigungslabor
10Spice and books for cooks
11Nostalgiemode für Connaisseure
12So kreativ und bunt ist die Welt
13Heilsamer kochen geht nicht
14Trendmode von morgen
15Deliziöses in der Josefstadt
16Die ganze City in Cinemascope
17Süße Sünden in Zuckerlrosa
18Nicht nur »Kaas« am Karmelitermarkt
19Sinnlicher Maghreb mitten in Mariahilf
20Heiligenstädter Einkehr
21Beim König der Konfitüren
22Eine Quelle der Freude
23Jausen, wo Kaisers Kinder spielten
24Grüne Gourmetkost beim Schloss
25Kaffeejause im Dreivierteltakt
26Die Leichtigkeit des Seins

01
DEM HIMMEL ÜBER WIEN SO NAH
»Im Kaffeehaus sitzen die Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.« Treffender hätte Alfred Polgar (gest. 1955) die soziale Funktion des Wiener Cafés wohl nicht umschreiben können. Was der Meisteressayist nicht voraussehen konnte, ist, dass manch leutselige Einsiedler Gefallen an Horizonterweiterungen finden, sprich: ihre öffentlichen Wohnzimmer auf Dächer verlagern würden. Inzwischen gibt es etliche Lokale in luftiger Höh’: die Rooftop-Bar im Sofitel, Onyx Bar (Do & Co.), Dachboden (25hours). Spektakulärster Neuzugang ist die Café Bar Bloom im 9. Stock des Hotel Lamée. Genießen Sie ein Frühstück, einen Nachmittagslatte oder Schlummertrunk mit diesem Panorama: kaum zu toppen.
Café Bar Bloom · März–Nov. 11–23 Uhr · Rotenturmstr. 15 · 1010 Wien · Tel. 01/532 22 44 · www.cafebarbloom.at · U1, U3 Stephansplatz

02
MIT GUTEM GEWISSEN SCHLECKEN
Sie ernähren sich seit frühester Jugend vegan, sehnten sich aber alle Sommer wieder nach dem cremigen Speiseeis aus Kindertagen. Muss, so fragten sich Susanna und Cecilia, wer Lust auf Gefrorenes hat, jedoch tierische Zutaten ablehnt, wirklich mit wässrigen Sorbets vorliebnehmen? 2013 eröffneten die zwei innovativen Schwestern Wiens erste vegane Eisdiele. Das Sortiment umfasst Klassiker wie Schoko-Vanille, aber auch Cooles wie Rosmarin-Pinie, Olive-Safran, Kürbis oder Basilikum. Alle ohne künstliche Zusatzstoffe, auf Basis frischer Saisonprodukte und pflanzlicher Milchsorten von Hand hergestellt. Und Sie werden sehen: Alle zergehen so herrlich auf der Zunge, dass Sie an heißen Tagen auch als »Normalernährer« die mittlerweile zwei Veganista-Salons stürmen.
Veganista · ganzjährig 12–20 Uhr · Neustiftgasse 23 · 1070 Wien · U2 Volkstheater · Margaretenstr. 51 · 1050 Wien · U4 Kettenbrückengasse · www.veganista.at

03
UNAUSSPRECHLICH, ABER ECHT GUT
Würden Sie nicht auch meinen, in Zeiten trendiger Erlebnisgastronomie wären altbackene Stehbuffets chancenlos? Zumal, wenn ihr Angebot aus schlichten Brötchen mit Aufstrich besteht? Doch siehe da: Seit Franciszek Trześniewski 1902 seine Imbissstube eröffnete, erfreut sie sich als Kalorientankstelle gegen den kleinen Hunger ungebrochener Beliebtheit. Sardinen, Matjes, Gurken, Paprika, Zwiebel, Speck mit Ei … Die zwei Dutzend Zutaten sind seit Pioniertagen weitgehend die gleichen. Auch die Art, sie püriert auf dünne Brotscheiben zu streichen, das Selfservice und die Art des Verzehrs – am Stehtisch mit bloßen Fingern, begleitet von einem »Pfiff« Bier – blieben unverändert – zum Glück für die begeisterte Stamm- und Laufkundschaft.
Trześniewski · Mo–Fr 8.30–19.30, Sa 9–18, So 10–17 Uhr · Dorotheerg. 1 · 1010 Wien · Tel. 01/512 32 91, www.speckmitei.at · U1, U3 Stephansplatz

04
BERNHARDS STAMMCAFÉ
In Wien gibt es ungefähr 1000 Kaffeehäuser und noch einmal so viele Café-Restaurants. Dass Kenner just bei der Erwähnung des Bräunerhof glänzende Augen bekommen, mag daher rühren, dass sich trotz zentralster Lage kaum ein Tourist hierher verirrt. Auch die etwas altväterliche Behaglichkeit des Ambientes, der herbe Charme der Obers und die Live-Kammermusik an Wochenenden mögen zur Ausnahmestellung beitragen. Das Atout freilich ist seine Vergangenheit als Thomas Bernhards »zweite Wohnstube«. Der Meister der literarischen Flegelei pflegte sich hier Melange schlürfend durch den Blätterwald zu lesen. Weshalb er draußen am Caféfenster von einem Schwarzweißfoto die Passanten grüßt.
Café Bräunerhof · Mo–Fr 8–21, Sa 8–19, So 10–19 Uhr · Stallburggasse 2 · 1010 Wien · Tel. 01/512 38 93 · U1, U3 Stephansplatz

05
WÜRSTEL FÜR WAGNERIANER
»An siaßn oder schoafn?«, lautet die klassische, an Wiens Würstelständen täglich tausendfach gestellte Frage. Süßer Kremser Senf und scharfer Estragon sind freilich nicht die einzigen Beilagen, die Sie an diesen traditionsreichen Kalorientankstellen ordern können. Bei der Oper um die Ecke bekommen Sie sogar Champagner serviert.
Sie sind, ähnlich dem Kaffeehaus und dem Heurigen, gastronomische Institutionen und für eingefleischte Wiener als Rettungsinseln bei jäh auftretenden Hungerattacken unverzichtbar: jene rund 300 Würstelstände, die, versorgungsstrategisch über die Stadt verstreut, all den Asia-Snacks und Kebab-Buden Paroli bieten. Es gibt sie in proletarischer Ausführung aus Aluminium, vereinzelt noch Holz, mit Resopaltresen, um die sich nachts vor allem Taxler, Prostituierte und Obdachlose scharen. Und es gibt Edelkioske, chic, aus rostfreiem Stahl mit rahmenlosen Glaswänden, die dank prominenter Gäste und Medienpräsenz Kultstatus genießen.
Vorzeigeexemplar für Letztere ist »der Bitzinger« auf dem Albertinaplatz. Gewiss, auch diese Nobeladresse fungiert als ein Ort ambulanter Geselligkeit, an dem Bankbeamte und Bauarbeiter, Fiakerkutscher und Touristen, kurzzeitig alle sozialen Gegensätze überbrückend, einträchtig Seite an Seite futtern. Und was Sie hier stehend mit bloßen Fingern vom Pappteller essen, gleicht in seiner explizit nicht-vegetarischen Beschaffenheit grundsätzlich dem Angebot weniger illustrer Standplätze: Auch hier brutzeln und sieden Brat- und Burenwurst, Frankfurter, Debreciner, die rauchschwarze Waldviertler und die mit ortsüblichem Charme gern als »Eitrige« titulierte Käsekrainer um die Wette. Ebenso bietet man dazu Brot oder Semmel, Salz- oder Essiggurkerl, Perlzwiebel, Ölpfefferoni, Almdudler-Limonade, »a Blech« oder »Hüsn« (Dose oder Flasche) Bier. Aber man kredenzt eben auch glasweise Qualitätsweine und prickelnden Schampus. Schließlich wollen die Besucher der Oper vis-à-vis nach Vorstellungsende in Ergänzung zu den sublimen geistigen auch mit leiblichen Genüssen standesgemäß versorgt sein.
Bitzinger’s Würstelstand · 8–4 Uhr · Albertinaplatz · 1010 Wien · www.bitzinger-wien.at · U1, U2, U4 Karlsplatz

06
EIN WEINCAFÉ FÜR CONNAISSEURE
Allein die Adresse verdient Ihr besonderes Augenmerk. Immerhin gilt der sachlich-elegante, 1930 bis 1932 von Theiss & Jaksch errichtete Komplex mit seinen 16 Etagen als erstes Hochhaus von Wien und war seinerzeit so umstritten wie als Ikone der Modernität und Wohnadresse der Künstlerprominenz gerühmt. An seinem Eckeingang befand sich bereits in den 1950er-Jahren eine trendig-amerikanisch gestaltete Milch-/Espressobar. An diese Tradition knüpften Helmuth Unger und Michi Klein 2012 mit ihrer Wein-Kaffee-Panini-Tankstelle an. Bar aus cognacfarbenem Leder, Terrazzoboden, eine Bambusinstallation an der Decke, Tresen aus Edelstahl: Das kleine Glasrondell ist ein Designjuwel erster Güte.
Unger und Klein im Hochhaus · Mo–Fr 8–23, Sa 10–23, So 11–18 Uhr · Herrengasse 6–8 · 1010 Wien · Tel. 01/532 13 23 · www.imhochhaus.at · U3 Herrengasse, Bus 1A, 2A

07
BIOBROT »VOM PHEINSTEN«
Brot von seinem Image als Billigprodukt befreien, das, industriell mit künstlichen Zusatzstoffen fabriziert, nach wenig schmeckt und rasch verdirbt. Stattdessen Laibe wie zu Omas Zeiten backen – nach zerlassener Butter duftend, saftig-weich und nachhaltig frisch. Dieses Ideal befeuerte Josef Weghaupt, als er 2011 downtown seinen Laden eröffnete. Nur Demeter-Getreide, kaum Hefe, zwei Tage Teigruhe, doppelter Backvorgang, rein händische Herstellung … Kein Wunder, dass sein Altwiener Hausbrot oder das Roggen-Honig-Lavendel-Brot längst Kultstatus genießen. Und dass Fans vor dem Stammshop wie auch vor der noch jungen Filiale, einem schicken Pâtisserie-Bistro im 3. Bezirk, regelmäßig Schlange stehen.
Joseph · Mo–Fr 7–18, Sa 8–18 Uhr · Naglergasse 9 · 1010 Wien · U3 Herrengasse · Bäckerei Pâtisserie-Bistro · Mo–Fr 7.30–18, Sa 8–18, So 8–16 Uhr · Landstraßer Hauptstr. 4 · 1030 Wien · www.joseph.co.at

08
GOURMETGENÜSSE IM KASSENSAAL
Ein solcher »Stammbaum« ist für ein Restaurant schon ungewohnt: Im Speisesaal von The Bank wurden vor ein paar Jahren noch Geldgeschäfte abgewickelt. Und in der Monarchie tagte an diesem Ort der Hofkriegsrat. Zum Glück schmälert die prosaische Vergangenheit nicht den Genuss – nicht für den Gaumen und schon gar nicht fürs Auge.
Natürlich könnten Sie argumentieren, in Zeiten von Sparbudgets und Hartz IV sei solcher Luxus wenig sexy. Stilpuritaner könnten auch bemäkeln, das ganze Hotel Park Hyatt, das da 2014 Am Hof eröffnet hat, passe irgendwie gut zu dem benachbarten »Goldenen Quartier«, dessen noble Boutiquen und Big-Brand-Flagshipstores in ihrem sterilen Prunk vorrangig auf eine neureiche Klientel aus dem Osten abzielen. Aber seien Sie keine Spielverderber. Geben Sie sich dieser Orgie aus Alabaster, Perlmutt, Holzgetäfel, Messing und Marmor einfach mal hin – und unumwunden zu: Es bleibt einem ziemlich die Spucke weg.

Gediegener Tagesausklang bei Snacks, Whisky, Zigarre in den Lederfauteuils der holzgetäfelten Lounge namens Living Room, So–Mi 17–1, Do–Sa 17–2 Uhr
Beim Betreten des Restaurants The Bank erleben Sie, was Lifestyle-Magazine den klassischen Wow-Effekt nennen: Sieben Meter ist der ehemalige Kassensaal der Länderbank hoch, und seine bauliche Grundausstattung mit ihren Säulen, Friesen, Balustraden, Glasfenstern und Wandreliefs aus der Bauzeit (1913–1915) am Übergang von Secessionsstil zu Art déco blieb original erhalten. Old Style sind auch die meisten neuen Dekorelemente, von der geschnitzten, taubenblau bespannten Bestuhlung über die Lüster in Form gläserner Pusteblumen bis zu den dicken Teppichen. Einen imposanten Kontrast bietet die auf erhöhter Ebene abgesetzte Schauküche mit ihren beiden spacigen, an alte Science-Fiction-Filme gemahnenden Dunstabzugshauben. Was darunter vor aller Gäste Augen gebraten, gedünstet, gegart, geröstet und geschäumt wird, stimmt selbst verwöhnte Feinschmecker zufrieden – und ist sogar erschwinglich.
Restaurant The Bank im Hotel Park Hyatt · 7–10.30, 12–14.30, 18–22.30 Uhr · Bognergasse 4 · 1010 Wien · Tel. 01/227 40 12 36 · www.restaurant-thebank.com · U3 Herrengasse, Bus 1A, 2A


09
IDEENBESCHLEUNIGUNGSLABOR
Das Heuer am Karlsplatz: vorzügliches Esslokal, doch auch Bühne für spontane künstlerische Interventionen. Im zugehörigen Karlsgarten können Sie, pionierhaft in Wien und wissenschaftlich fundiert, auf 2000 Quadratmetern das Konzept des Urban Gardening erleben.
Sie können über dieses Lokal am Westende des Karlsplatzes auf zweierlei Weise sprechen. Sie können seine kulinarische Qualität loben – Küchenchef Peter Fallnbügl und sein Team bringen mit handverlesenen Zutaten durchwegs hochwertige Köstlichkeiten hervor. Dann gehören im selben Atemzug auch das gute Frühstück und die selbst gemachten Limonaden erwähnt, der herrlich nussige Kaffee aus eigener Rösterei und die langen Reihen von Gläsern im Wandregal, gefüllt mit selbst hergestellten Kompotten, Säften und Sauergemüsen. Dieser gläserne Pavillon mit seiner großen Terrasse ist einfach ein cooler (und zugleich sehr behaglicher) Ort.

Der Glaskubus am Karlsplatz beherbergt auch eine Dependance der im Museumsquartier beheimateten Kunsthalle. 10–19, Do bis 21 Uhr, www.kunsthallewien.at
Sie können aber auch – nein: müssen! – das Gesamtkonzept ansprechen. Dann ist von der Veranstaltungsreihe »Cooks in Residence« zu berichten, für die man Spitzenchefs aus aller Welt an den Herd bittet; auch von der hauseigenen Plattensammlung, aus der DJs jeweils Mittwoch- bis Samstagabend ihre individuellen Line-ups zusammenstellen; und von den Lesungen, Konzerten, Film- und Modeevents, bei denen mal etablierte, mal junge, aufstrebende Künstler die Gäste ohne Vorankündigung überraschen. Vor allem aber gehört der angrenzende Karlsgarten vor den Vorhang: In dieser frei zugänglichen Grünoase werden über 50 Obst-, Gemüse- und Getreidesorten angebaut und Bienen gezüchtet, hier ist jedermann eingeladen, im Rahmen von Workshops, Führungen und saisonalen Festen die vielfältigen Möglichkeiten und Methoden von Urban Farming kennenzulernen. Oder auch nur tief durchatmend zu verweilen.
Heuer am Karlsplatz · 10–2 Uhr · Treitlstr. 2 · 1040 Wien · Tel. 01/890 05 90 · www.heuer-amkarlsplatz.com, www.karlsgarten.at · U1, U2, U4 Karlsplatz

10
SPICE AND BOOKS FOR COOKS
Ob Hobby- oder Profikoch, Gewürzfetischist oder Trüffelschwein in Sachen exotische Rezepte: Bei Babette’s wird jeder Appetit gestillt. Das Kerngeschäft dieser »Genuss-Buch-Handlung« bilden naturgemäß Kochbücher, von denen sich in den Regalen 2500 Titel zu allen Themen türmen. Als zweite Schiene gibt’s, von Anis und Ajowan-Kümmel bis Sesam und Sumach, Frischgemahlenes und Gemischtes aus der hauseigenen Gewürzmanufaktur. Zum Schmökern kredenzt man Kaffee und selbst gebackene Sweeties – und in der Dependance (Am Hof 13) wochentags sogar Mittagsmenüs. Und wenn Sie Ihr Repertoire am Herd erweitern wollen, können Sie Kochkurse oder einen Nachmittagsworkshop namens »Kitchen Quicky« absolvieren.
Babette’s im Freihausviertel· Mo–Fr 10–19, Sa 10.30–17 Uhr · Schleifmühlgasse 17 · 1040 Wien · Tel. 01/585 51 65 · U1, U2, U4 Karlsplatz, Bus 59A · www.babettes.at

11
NOSTALGIEMODE FÜR CONNAISSEURE
Unter Vintage wird nicht selten fälschlich schnödes Secondhand-Gewand verstanden. Was das Wort in Wahrheit meint, zeigt sich im Freihausviertel: Dort betreibt Ingrid Raab seit 1978 eine Boutique, die Brancheninsider als europaweit konkurrenzlos rühmen. Ob Petticoat mit Polka-Dots oder perlenbestickte Jugendstilrobe, ob Cocktail-Mini aus den Sixties, Haute Couture oder keckes Paillettenkostüm der Charleston-Ära: In ihrem Depot lagern an die 5000 Atelier- und Designerstücke aus der Zeit von 1880 bis 1980 plus passende Accessoires, vom Tüllcape bis zum historischen Hut, Schmuck und (Hand-)Schuh. Wen wundert’s, dass selbst aus Übersee Trendscouts und Mode-Celebrities einander die Türklinke reichen.
Flo Vintage · Mo–Fr 10–18.30, Sa 10–15.30 Uhr · Schleifmühlgasse 15a · 1040 Wien · Tel. 01/586 07 73 · www.flovintage.com · U1, U2, U4 Karlsplatz, Bus 59A


12
SO KREATIV UND BUNT IST DIE WELT
Ob Schals aus Äthiopien, Masken aus Angola oder Hocker aus Ghana, ob Vasen aus Kapstadt oder Körbe aus Swaziland: Mit seiner hochwertigen Manufakturware von mehr als einhundert Künstlern und Handwerkern aus gut 30 Ländern ist Habari der europaweit mit Abstand am besten sortierte Laden für afrikanisches Design.
Die Programmatik ist so simpel wie anspruchsvoll: Man reise offenen Auges durch jenen großen Teil der Welt, den Trendscouts für gewöhnlich bloß nach kommerziell rasch ausbeutbaren Ideen abgrasen, und halte Ausschau nach Kreativen, die in kleinen Werkstätten und Studios abseits gängiger Massenproduktion exklusive Produkte mit Charakter herstellen – Kunsthandwerk an der Schnittstelle von Tradition und Moderne, aus hochwertigem Rohmaterial, mit außergewöhnlichem Design. Also gründeten Lore Sander und Werner Pilz, Globetrotter aus Leidenschaft mit Affinität zu Afrika, nach diesen Prinzipien vor 20 Jahren in Mariahilf ein Geschäft für ausgewählte Textilien, Wohn- und Modeaccessoires.
Habari, so sein Name, ist inzwischen auf 700 Quadratmeter angewachsen und führt Kunsthandwerk aus allen Winkeln – auch westlichen Designmetropolen – der Welt. Doch das Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf Schwarzafrika. Ob aus Baumwolle, Leinen, Seide, Damast oder Sabra, einer seidigen Faser aus Aloe vera, ob gewebt, gestrickt, gewalkt, gebatikt, bedruckt oder bemalt: Das hauseigene Textilsortiment umfasst Aberhunderte Stoffe, teils als Meterware, teils in Form von Tüchern, Decken, Polstern, Wandbehängen. Schmuck und Keramik bilden weitere Schwerpunkte. Doch bietet man auch einen bunten Mix an Möbeln, Lampen, Korbwaren, Skulpturen, Masken und vielerlei kuriosen Artefakten an.
Habari heißt auf Suaheli so viel wie »Was gibt es Neues? Hast du was zu erzählen?« Die Ladenbetreiber kennen all ihre Lieferanten persönlich, sorgen für deren faire Entlohnung und stehen mit ihnen fortlaufend im Dialog. Jedes Objekt ist per Hand hergestellt und somit ein Unikat.
Habari · Mo–Do 11–19, Fr 10–19, Sa 10–17 Uhr · Theobaldgasse 16 · 1060 Wien · Tel. 01/586 23 40 · www.habari.at · U2 Museumsquartier, Bus 57A


13
HEILSAMER KOCHEN GEHT NICHT
In Wien-Neubau hat ein familiäres Team aus Idealisten eine kleine, kunterbunte Parallelwelt geschaffen. In ihrem Rohkost-Restaurant, dem Ersten in der Stadt, bekommen Sie, fantasie- und geschmackvoll zubereitet, Gesundheit und Lebensfreude serviert. Im zugehörigen Laden gibt’s die Zutaten für ein ganzheitliches Dasein zum Mitnehmen.
Einen Geheimtipp zu verraten ist immer riskant. Entweder es ist keiner mehr, dann wird, wer ihn gegeben hat, als verzopft bloßgestellt. Oder es ist wirklich einer, dann ist er’s vielleicht bald gewesen und seines Charmes beraubt. In diesem einen Fall sei’s trotzdem gewagt. Denn das Restaurant, von dem hier die Rede sein soll, verdient so oder so regen Zulauf.
Es begann mit einem Hippiepärchen, das beschloss, seine Passion für Indien zur Existenzbasis zu machen. Also eröffneten Riki und Martin Mitte der 1990er einen Laden für Düfte, Textilien und Kunsthandwerk. Sie nannten ihn nach dem zerstörenden, zugleich heilbringenden Gott »Dancing Shiva«. Später gründeten sie eine eigene Fairtrade-Modelinie. Als Riki dann den Bestseller »Superfoods« von David Wolfe, dem US-Guru für ganzheitlich-gesunde Ernährung, in die Hände bekam, vollzog sie den Schwenk in die Gastronomie. Als Superfoods bezeichnet Wolfe die hochwertigsten Lebensmittel des Planeten. Von der Natur vollgepackt mit perfekt ausbalancierten Nährstoffen, hätten sie die Fähigkeit, uns von Grund auf zu ernähren, stärken, reinigen und regenerieren. Sie steigern Aufmerksamkeit, Lebenslust und Liebeskraft. Rohen Kakao als die weltbeste Quelle für Magnesium zählt Wolfe dazu, die Frucht Camu-Camu wegen ihres unübertrefflichen Vitamin-C-Gehalts, die Mikroalge Spirulina als Eiweißträger, auch Acai- und Inkabeere, die Kokosnuss, Kelp, Hanfsamen, Afa-Algen und Aloe vera. Mit diesen »natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln«, ergänzt durch weitere streng bio-kontrollierte Produkte, zaubert Ihnen die Küche von Dancing Shiva Superfoods nach dem Rohkostprinzip, also ohne zu kochen, zu backen oder zu braten, essbares Glück auf den Teller und heilsame Energie ins Glas.
Dancing Shiva Superfoods · Rest. Mo–Sa 11–17 Uhr · Neubaugasse 58 · 1070 Wien · Tel. 01/524 78 43 · www.dancingshiva.at · U3 Neubaugasse

14
TRENDMODE VON MORGEN
Auch wenn das »Kreativgrätzel« rund um Linden- und Neubaugasse mit seinen vielen jungen Boutiquen noch Zeit brauchen wird, um den Szenevierteln in Paris, London und Mailand das Wasser zu reichen: In den hohen, puristisch weißen Räumen dieses Fashionstore fühlen Sie sich wie in einer der Modemetropolen. Großzügigkeit ist Programm bei der auf 500 Quadratmeter und zwei Etagen verteilten Präsentation, cooler Stilmix beim Sortiment. Da hängen arrivierte Labels neben Newcomer-Avantgarde, finden sich Vintage, Streetwear und Industrial Design, dazu ausgewählte Accessoires, Bücher, Magazine. Selbst die Möbel sind verkäuflich. So wandelt Park beständig sein Outfit, ganz nach dem Konzept der Betreiber: Das Leben ist Veränderung.
Park Fashionstore · Mo–Fr 10–19, Sa 10–18 Uhr · Mondscheingasse 20 · 1070 Wien · Tel. 01/526 44 14 · www.park-onlinestore.com · U3 Neubaugasse, Tram 49

15
DELIZIÖSES IN DER JOSEFSTADT
Essig aus Weinbalsam und Rosenblüten, Tomaten-Honig-Senf, Kiwi-Relish, Whisky- und Winzersekt, Pestos und Wildrosen-Salz, Öle aus Weichsel-, Marillen- oder Chilikernen, Quittenaufstrich oder Apfelstrudel-Likör: Fastfood-Fans sind hier völlig fehl am Platz. Denn was unter Alexandra Höllers gestrengem Gaumen und Augen seinen Weg in die Holzregale ihrer Genussboutique gefunden hat, entspricht allerhöchsten Geschmackskriterien. Die passionierte Feinschmeckerin sieht sich für jedes Produkt vor Ort bei den – mehrheitlich österreichischen – Herstellern um. Sie wissen also, woher es stammt, wer dahinter und was in den vielen sorgsam präsentierten Säckchen und Schächtelchen, Fläschchen und Gläsern steckt. Und das Tolle: Es darf verkostet werden!
Die Höllerei · Mi–Fr 11–18, Sa 10–12.30 Uhr · Florianigasse 13 · 1080 Wien · Tel. 01/402 26 72· www.diehoellerei.at · U2 Rathaus

16
DIE GANZE CITY IN CINEMASCOPE
Das Deckenbild des Dachrestaurants Le Loft kündet dank seiner flammenden Farben nach Einbruch der Dunkelheit weithin sichtbar von Wiens Modernität. Noch formidabler ist freilich die Aussicht, die man durch seine riesige Glasfront hoch über dem Nordufer des Donaukanals auf die Stadt genießt.
Votivkirche, Rathaus, Stephansdom und die gesamte Uferfront des Donaukanals vom Ringturm bis zur Urania: Wie in einem Imax-Film liegt die Innenstadt als 180-Grad-Breitwandpanorama hingebreitet. Im linken Gesichtsfeld: Schloss und Park Belvedere; dahinter, gestaffelt bis zum Wolkenkratzernest auf dem Wienerberg: die südlichen Bezirke 3, 4, 5 und 10; und ganz hinten die letzten Ausläufer des Alpenbogens.

Noch weiter schweift der Blick aus Restaurant und Bar im 57./58. Stock des 2014 eröffneten DC Tower, dem mit 250 Metern höchsten Wohngebäude Österreichs, www.melia.com
Als Ende 2010 an der Ecke Tabor- und Praterstraße das Hotel Sofitel Wien den Betrieb aufnahm, verbreitete sich die Kunde wie ein Lauffeuer: Vom Restaurant und der Bar in seinem obersten, dem 18. Stock, zeige sich Wien von einer völlig neuen, faszinierenden Seite. In der Tat eröffnet die Glasfront unter dem Dach – übrigens in alle Himmelsrichtungen – eine Stadtaussicht, wie sie bis dahin kein Standort auch nur annähernd bot.
Doch auch das Hotel selbst, das der Stararchitekt Jean Nouvel hier an der Schwedenbrücke anstelle eines schnöden Versicherungsgebäudes aus den 1960ern hinstellte, garantiert ein visuelles Vergnügen der besonderen Art. Der Pritzker-Preisträger aus Frankreich (der in Wien schon einen der Gasometer in einen spektakulären Wohnturm umwandelte) bezeichnete die Essenz des Konzepts als »Fast Nichts« – Monochromie, die sich an den Außenfassaden wie im Zimmerinneren auf die »Nicht-Farben« Schwarz, Weiß und Grau beschränkt. Kontrapunkte setzen lediglich die fünf von der Schweizerin Pipilotti Rist gestalteten, effektvoll mit LED-Lampen illuminierten Etagendecken.
Hotel Sofitel Vienna Stephansdom, Restaurant Le Loft · 6.30–22.30, Bar 12–2 Uhr · Praterstr. 1 · 1020 Wien · Tel. 01/906 16-0 · www.sofitel.com · U1, U4 Schwedenplatz

17
SÜSSE SÜNDEN IN ZUCKERLROSA
Sie sind als Treffpunkte für den ungezwungenen Plausch, bei dem man sich mit einem schnellen Espresso oder einem Stück feiner Torte stärkt, aus dem Alltag der Wiener nicht wegzudenken. Von den 30 über die Stadt verteilten Filialen der Café-Konditorei-Kette Aida ist jene nahe dem Praterstern besonders nett.
Die Geschichte beginnt, wie so viele in Wien, kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit einem ehrgeizigen Zuwanderer. Dieser hieß Josef Prousek, kam aus Böhmen und kaufte nach einer Ausbildung zum Zuckerbäcker einen Konditoreibetrieb. Nachdem er 1924 die erste Open-Air-Oper auf Wiener Boden erlebt hatte – es war die Aida, mit 700 Komparsen auf dem Sportplatz Hohe Warte inszeniert und von Maestro Pietro Mascagni dirigiert –, benannte er sein Unternehmen nach der Verdi-Oper um. Bald betrieb er ein Dutzend Filialen. Nach dem Krieg rappelte er sich mit Aufträgen der Besatzer auf: Torten für die Rote Armee, Doughnuts und Icecream für die Amerikaner. Damals sorgte die Filiale in der Wollzeile als Österreichs erste Café-Konditorei mit Espressomaschine für Furore.
Das Sortiment wurde seit jenen Pioniertagen behutsam erweitert. Neuerdings gibt es mancherorts warme Speisen, Salate und, sehr originell, Sandwich-Torten aus Brot mit pikanten Füllungen. Die meisten Gäste kommen freilich nach wie vor wegen des Kaffees, der Creme- und Kardinalschnitten, Golatschen, Strudel, Powidltascherln, Punschkrapferl und Torten mit Topfen, Trüffel oder Schwarzwälder Kirsch; ein wenig wohl aber auch wegen des pinkfarbenen Corporate Designs, das, seit den 1950er-Jahren konsequent beibehalten, heiter und leicht nostalgisch stimmt. Fassaden, Schriftzüge, Bestuhlung, Servietten, Zuckersäckchen, Einwickelpapier, auch die Uniformen der Kellnerinnen, der berühmten Aida-Damen: Das biedermeierliche Rosé prägt selbst die Filialen, die der mittlerweile in vierter Generation geführte und forsch expandierende Familienbetrieb kürzlich in Krakau, Kanada, Katar, in Doha, Dubai, Jeddah und Riyad eröffnet hat.
Aida, Filiale Praterstraße 78 · Mo–Sa 7–19, So 9–19 Uhr · 1020 Wien · Tel. 01/890 89 88-216 · www.aida.at · U1, U2 Praterstern, S1, 2, 3, 7, Tram O, 5

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NICHT NUR »KAAS« AM KARMELITERMARKT
Existiert hat Wiens ältester noch bestehender Markt schon 1671. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg war er jahrzehntelang verwaist. Wie der ganze einst vorrangig von Juden bewohnte 2. Bezirk, in dessen Herzen er liegt. Inzwischen hat er eine wundersame Wandlung durchlebt. Slow-Food hieß das Zauberwort, das nun trendige »BoBos« als neue Klientel anlockt. Beispielhaft für die junge Generation von Marktstandlern ist Isabel Kaas (Wienerisch für »Käse«). Die Ernährungsexpertin betreibt einen schicken Hybrid aus Laden und Lokal, in den Vitrinen liegen grandiose Käse aus ganz Europa sowie Fleisch und Wurst der heimischen Bio-Elite.
Kaas am Markt · Mo 8–15, Di–Fr 8–18, Sa 8–14 Uhr · Karmelitermarkt 33–36 · 1020 Wien · Tel. 0699/18 14 06 01 · www.kaasammarkt.at · U2 Taborstraße, Tram 2

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SINNLICHER MAGHREB MITTEN IN MARIAHILF
Würden Sie sich in Ihren schönsten Träumen den Ausstieg aus dem Alltag so vorstellen? Auf warmen Marmor hingestreckt, werden Sie aus Messingschalen mit kühlem Nass übergossen und von kundigen Händen massiert, bis Gemüt und Muskeln entspannt schnurren. Hernach ruhen Sie, rosahäutig in duftende Tücher gehüllt, beim Pfefferminztee, nuckeln an einer Shisha, lauschen Lautenmusik. Seit Christine Ruckendorfer 2002 an der Rahlstiege ihr Aux Gazelles eröffnet hat, gilt diese orientalische Oase als Geheimtipp für erholsame Stunden. Die Kernzone ihres »Hôtel sans chambres«, zu dem auch ein Salon de Thé et de Beauté, ein Deli-Restaurant, ein Café, ein Nachtclub und eine Austernbar gehören, bildet das 500 Quadratmeter große Hammam – Wiens einziges echtes.
Aux Gazelles Hammam · Sept.–Juli Di–Fr 14–22, Sa 11–22 Uhr · Rahlgasse 5 · 1060 Wien · Tel. 01/585 66 45-39 · www.auxgazelles.at · U2 Museumsquartier, Bus 57A

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HEILIGENSTÄDTER EINKEHR
Heurige gibt es in Wien viele. Aber nur einen, in dem Beethoven gelebt hat. Der Meister aus Bonn war ja nicht eben sesshaft. An die drei Dutzend Wohnadressen sind belegt, allein drei hier in der damals noch sehr ländlichen Sommerfrische Heiligenstadt, wo er an Eroica, Pastorale und der Neunten schrieb und von Taubheit geplagt sein erschütterndes Testament verfasste. Beim Mayer am Pfarrplatz nahm er 1817 Quartier. Noch heute verströmt das Lokal dörfliches Flair: Der von Reben umrankte Innenhof, die bis zu 400 Jahre alten Stuben, der Vorplatz mit Floriani-Statue und Jakobskirche … In dem Gut wird bereits seit 1683, dem Jahr der zweiten Türkenbelagerung, Wein gekeltert!
Mayer am Pfarrplatz · Mo–Sa 16–24, So ab 12 Uhr · Pfarrplatz 2 · Dependance am Nussberg · 1190 Wien · Tel. 01/336 01 97, www.pfarrplatz.at · Tram 37, D, Bus 38A

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BEIM KÖNIG DER KONFITÜREN
Die Gegend zwischen Ottakringer- und Thaliastraße, das Brunnenviertel, gilt als Wiens multikultureller Schmelztiegel schlechthin. Zwar hat sich sein Herz, der Yppenplatz, dank einer Reihe zeitgeistiger Lokale zum beliebten BoBo-Treff gemausert, doch der hier und nebenan in der Brunnengasse täglich abgehaltene Markt ist fest in türkisch-balkanischer Hand. Es gibt freilich Ausnahmen: generationenalte Familienbetriebe wie Hans Stauds ruhmreiche Feinkostfabrik. Seine süßen und feinsauren Delikatessen – Konfitüren, Kompotte, Gelees, eingelegte Gemüse – findet man weltweit in den Regalen exklusiver Deli-Läden und auch in der Spitzenhotellerie. Und zum Verkauf im Stammgeschäft auf dem Brunnenmarkt.
Staud’s Shop · Di–Fr 8.30–12.30, 15–18, Sa 8–13 Uhr · Ecke Brunnen-/Schellhammergasse ·1160 Wien · Tel. 01/406 88 05 21 · www.stauds.com · U2 Josefstädterstraße

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EINE QUELLE DER FREUDE
Wien und Wein stehen sich ja nicht nur buchstäblich sehr nahe. Doch zu Stelze oder Schweinsbraten trinkt man auch hier bevorzugt Bier. Die wohl prominenteste Adresse für Freunde feiner Gerstensäfte – und neuerdings trotz ihrer gut 175 Jahre auch ein beliebter Clubbing-Treff – ist die Ottakringer Brauerei.
»A Eitrige, an Bugl und a 16er-Blech«. Was für Zugereiste im besten Fall Spanisch klingt, ist für des Wiener Dialekts mächtige Insider eine Standardformulierung. Sie wird immer dann gebraucht, wenn es gilt, an einem Würstelstand quasi das Nullachtfünfzehn-Menü zu ordern. Eine »Eitrige«, um bei dem Instant-Sprachkurs mit der unappetitlichsten Vokabel zu beginnen, meint eine spezielle Brühwurst aus Schweinebrät, die Käsekrainer. Der »Bugl«, ein »Buckel«, ist das Brotendstück. Das Blech indes steht für ein Dosenbier aus einer allseits bekannten Brauerei, die vor geraumer Zeit schon, nämlich 1837, im Bezirk Ottakring gegründet wurde. Und dieser ist, erraten, gemäß behördlicher Nummerierung Wiens 16.
Womit wir endlich beim Kernthema wären: nämlich der Ottakringer Brauerei und ihren zu Recht gerühmten Gerstensäften. Zwölf Sorten bietet sie zur Auswahl, vom Klassiker, dem Hellen, über die Premium-Marke »Gold Fassl« in den Versionen Dunkles, Zwickl, Pils, Bock und Pur (dessen Zutaten allesamt aus biologischem Anbau stammen), bis zum alkoholfreien »Null Komma Josef«. Das Wasser für die Maische kommt aus dem hauseigenen 118 (!) Meter tiefen Brunnen. Der jährliche Bierausstoß beträgt aktuell satte 540 000 Hektoliter. Interessierte können gruppenweise Führungen buchen, inspizieren dabei Sudhaus und Fassmuseum, steigen in die Gärkeller hinab und enden, nach einem Blick auf die moderne Abfüllanlage, bei einer ausgiebigen Verkostung. Mehrere stillgelegte historische Produktionshallen sind zu abends heiß begehrten Event-Locations avanciert, in denen zugleich bis zu 2300 Personen abtanzen und hernach quasi an der Quelle ihren Durst löschen können.
Ottakringer Brauerei · Ottakringer Platz 1 · Führungen n. Anm. (0)66 46 18 21 29 · 1160 Wien · Tel. 01/49 10 00 · www.ottakringerbrauerei.at · Tram 2, 9, 44

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JAUSEN, WO KAISERS KINDER SPIELTEN
Etliche Cafés laden im Schönbrunner Park zur Einkehr ein: im Tier- und im Tirolergarten, auf der Gloriette, beim Neptunbrunnen. Ein wenig im Windschatten der Wahrnehmung liegt, versteckt zwischen grünen Hecken nahe dem Meidlinger Tor, die Jausen Station Meierei. Der luftig-lichte Holzpavillon war einst das Spielhäuschen der Kaiserkinder und wirkt immer noch märchenhaft aus der Zeit gefallen. Hier sitzen Sie, abgeschottet vom Trubel, unter Sonnenschirmen und schnabulieren sich durch die Köstlichkeiten der Speisekarte. Und hernach baumeln Sie, während der Nachwuchs in der Sandkiste spielt, auf der »Faulenzer-Wiese« im Liegestuhl mit der Seele.
Landtmann’s Jausen Station Meierei · April–Nov., die genauen Öffnungszeiten entnehmen Sie bitte der Webseite · Schloss Schönbrunn, Kronprinzengarten · 1130 Wien · Tel. 01/241 00-380 ·www.landtmann-jausenstation.at · U4 Schönbrunn
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