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Svea Dunnabey
Sea of Flames
Bedenken
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Kapitel XII
Kapitel XIII
Kapitel XIV
Kapitel XV
Kapitel XVI
Kapitel XVII
Kapitel XVIII
Kapitel XIX
Kapitel XX
Kapitel XXI
Kapitel XXII
Kapitel XXIII
Kapitel XXIV
Kapitel XXV
Kapitel XXVI
Kapitel XXVII
Kapitel XXVIII
Kapitel XXIX
Kapitel XXX
Kapitel XXXI
Kapitel XXXII
Impressum neobooks
Kapitel I
Evelyn
>> Noch fünf Minuten Schätzchen, dann bist du an der Reihe.<< rief Ed mir zu, während ich noch einmal meinen schwarzen Eyeliner nachzog und mein Spiegelbild kritisch betrachtete. Dunkelblaue Augen starrten mich an, die durch die Schminke und den Kontrast mit meinen hellen, blonden Locken noch dunkler wirkten.
Unter diesen Bergen von Make-Up, Lidschatten, Mascara, Eyeliner, Lippenstift und Rouge erkannte ich mich selbst nicht mehr, doch das war genau das, was man hier von mir erwartete und was mir die Sicherheit gab, die ich brauchte. Es war die Maske, die mich schützte und hinter der ich mich jedes Mal aufs Neue versteckte.
Die Person, die mich gerade aus dem Spiegel anschaute, war nicht ich, sonst hätte ich hier niemals arbeiten können. Es war als hätte ich zwei Leben oder Persönlichkeiten. Die unscheinbare, alltägliche Eve, die meine Freunde und Familie kannten und die sexy und aufreizende Lexy, die ich nur hier im Club vertrat.
>> Ist das neu?<<
Ich zuckte kurz zusammen, da ich Lisa nicht bemerkt und sie mir im Vorbeigehen auf den Hintern geschlagen hatte.
>> Sieht sexy aus. Da werden die da draußen aber ordentlich abgehen.<<
>> Hoffentlich.<< seufzte ich und richtete noch einmal mein Outfit, das meine Brüste ordentlich nach oben quetschte. Ich hatte mir einen neuen super Push-Up BH gekauft und mit Pailletten verziert, ebenso wie meinen String. Eigentlich brauchte ich mit meiner Körbchengröße D keinen Push-Up, aber hier konnte es nicht schaden. Je größer, desto besser war die Devise. Schnell zog ich noch meine Kleidung, die ich gleich lasziv ausziehen würde, drüber und ging zum Vorhang.
>> Lohnt es sich heute?<< fragte ich Ed, der neben mir stand und darauf wartete, das Debby rauskäme, damit ich auf die Bühne gehen könnte.
>> Ich denke schon. Es sind fast alle Plätze besetzt, also gib dein Bestes.<<
>> Das mach ich doch immer.<<
>> Das weiß ich meine Süße. Neues Outfit?<< fragte er, während er seinen Blick immer wieder über meinen Körper schweifen ließ.
>> Ich hatte mal ein wenig Zeit zum Shoppen.<<
>> Wenn du zu viel Zeit hast, kannst du gerne herkommen und strippen Süße, aber es sieht heiß aus, also lasse ich das mal durchgehen.<<
Er lächelte und drückte mich an seine Seite, als Debbie zu uns durch den Vorhang kam und ich angekündigt wurde.
>> Zeig’s ihnen Süße und zieh ihnen das Geld aus der Tasche!<<
Ich nickte, holte noch einmal tief Luft, um mein eigentliches Ich nach Hause zu schicken und huschte nach der Ansage und den ersten Tönen meines Songs durch den Vorhang. Es war wirklich voll heute und so wie es aussah, gab es heute auch noch einen Junggesellenabschied, was mich besonders freute, da diese oft mehr Geld springen ließen.
Doch bevor ich zu ihnen gehen konnte, tanzte ich erst einmal und zog mich dabei aufreizend aus, woraufhin die Typen auch schon zu grölen, pfeifen und sabbern anfingen. Es war immer das gleiche und eigentlich nur noch traurig, wenn ich an einige Stammkunden dachte.
Nacht für Nacht saßen sie hier, tranken ihr Bier und geilten sich an unseren Körpern auf. Am schlimmsten war es, wenn sie uns auch noch anmachten, als ob wir genauso auf sie abfahren müssten, oder nichts Wert wären und uns mit ihnen als Partner glücklich schätzen könnten. In ihren Augen waren wir der Abschaum der Gesellschaft, doch zum Angaffen waren wir anscheinend gut genug. Aber sie brachten uns Geld, also lächelten wir immer brav und taten so, als wären sie die geilsten Typen auf der ganzen Welt.
Um sie nicht wieder ertragen zu müssen, ging ich zuerst zu der Stange, an der die jungen Typen vom Junggesellenabschied standen und schon wild mit den Scheinen wedelten. Es waren insgesamt 14 Männer um die dreißig, die schon ordentlich angetrunken waren und nur darauf warteten Geld loszuwerden.
Ich räkelte mich an der Stange, schwang mich herum und ließ mir einige Scheine in den Tanga und ans Band stecken, bis mich plötzlich einer von ihnen packte und mir den String ausziehen wollte. Ehe ich mich versah, packte Charly ihn ziemlich grob am Kragen, zog ihn weiter nach hinten und stellte ihn zur Rede, weshalb ich meinen Blick abwandte und weitertanzte, immerhin musste ich Geld verdienen. Da ich nicht mehr viel Zeit auf der Bühne hatte, tanzte ich schnell zu einer anderen Stange, um den nächsten Typen Geld aus der Tasche zu ziehen, damit ich möglichst viel einnahm.
Nachdem ich noch bei einigen Stammkunden und Geschäftsleuten getanzt und geflirtet hatte, ging ich nach einer halben Stunde wieder hinter die Bühne, wo Charly schon auf mich wartete. Als ich näher kam, wusste ich auch, weshalb er hier saß und betrachtete seine Platzwunde am Kopf genauer.
>> War das dieser Wichser, der mir den Tanga ausziehen wollte?<< fragte ich ihn ziemlich außer Atem, da ich am Ende noch einige schwierige Figuren an der Stange getanzt hatte, die mich ausgepowert hatten.
>> Mhm.<<
>> Komm mit ins Büro. Das muss genäht werden.<<
>> Das geht schon. Ich wollte nur sehen, ob du ok bist.<< protestierte er und wollte gerade wieder gehen, weswegen ich ihn festhielt und hinter mir her nach hinten ins Büro zog. Im Gehen schnappte ich mir noch schnell ein Shirt und öffnete die Tür zum Büro, wo ein Verbandkasten war.
>> Der war doch zwei Köpfe kleiner als du.<< stellte ich fest, während ich mir schnell das Shirt überzog, da ich bis auf den String nackt war und anschließend die Erste-Hilfe-Tasche holte.
>> Trotzdem hatte er eine Glasflasche in der Hand, die ich nicht gesehen hatte.<<
Ich seufzte und stellte mich vor ihm hin, da ich die Wunde säubern und desinfizieren musste.
>> Möchtest du eine Betäubung?<<
>> Quatsch, näh den Mist einfach.<<
Ich nickte und holte die Nadel und den Faden heraus, als ich mit meiner Arbeit begann. Charly zuckte kein einziges Mal zusammen und gab auch keinen Laut von sich, was mich schmunzeln ließ. Er war schon immer dieser harte Kerl gewesen.
>> Du bist wirklich tapfer.<< sagte ich belustigt und lächelte ihn kurz an.
>> Das bisschen stört mich nicht, da habe ich schon schlimmeres durchgemacht.<<
>> Ich weiß.<<
Ich kannte Charly nun schon seit acht Jahren, weshalb ich einiges miterlebt hatte, aber auch aus seiner Vergangenheit kannte ich einige Geschichten, die alles andere als schön waren. Er war einige Jahre lang auf der schiefen Bahn gewesen, bis er nach einer Schießerei sein Leben umgekrempelt und seine Heimat verlassen hatte.
Seitdem lebte er hier und arbeitete in diesem Stripclub als Aufpasser und Türsteher, da ich ihn vermittelt hatte, nachdem ich ihn zufällig kennengelernt hatte. In den Jahren war er mir sehr ans Herz gewachsen, da ich mich in seiner Gegenwart wohl und vor allem sicher fühlte. Wir hatten immer ein Auge aufeinander gehabt, sodass jeder von der Freundschaft profitierte.
Auch mit seiner Ehefrau Maggie, die er vor zwei Jahren geheiratet hatte, verstand ich mich blendend, ebenso wie mit seiner Tochter, die mit ihren elf Monaten einfach nur zum Anbeißen war.
>> Diese Typen werden immer schlimmer. Wir bräuchten hier noch viel mehr Aufpasser für euch.<< grummelte Charly, als ich den Faden lang zog und die Wunde wieder ein Stückchen mehr verschloss.
>> Keine Ahnung. Ich denke, es gab schon immer einige, die sich nicht benehmen konnten.<<
>> Aber die sollen die Hände von euch lassen, vor allem von dir!<< murmelte er, weswegen ich kurz ein Stück zurück trat und ihn irritiert betrachtete. So mürrisch und schlecht gelaunt kannte ich ihn überhaupt nicht, zudem spürte ich, wie geladen und aggressiv er gerade war, was nicht nur an dem Kerl von eben liegen konnte.
>> Alles in Ordnung mit dir?<<
Er antwortete mir nicht und versuchte weiterhin seine Wut zu unterdrücken, was ich an seinen geballten Fäusten und seinem dunkelroten Kopf nur zu leicht erkennen konnte. Was stimmte heute nicht mit ihm? Was war passiert?
>> Charly?<<
>> Es ist nur...<<
>> Was?<< hakte ich nach, als ich grade den letzten Stich setzte und den Faden erneut durchzog.
>> Du musst aufhören mit diesem Job! Es ist nicht mehr sicher für dich!<< raunte er mich in einem Ton an, den er mir gegenüber nur sehr selten anschlug, weswegen ich ein wenig zusammenzuckte.
>> Aber ich habe doch dich. Du bist mein persönlicher Leibwächter.<< schmunzelte ich und stupste ihn ein wenig an, damit er endlich wieder lockerer wurde, denn so schlimm war die Situation eben nun auch nicht gewesen. Klar der Typ hatte versucht mir den Tanga auszuziehen, aber das war harmlos gewesen, immerhin hatte er mich nicht verletzt. Das schien Charly allerdings ganz anders zu sehen, da seine Miene immer noch wie versteinert war.
>> Und wenn ich nicht mehr da bin? Wer verteidigt dich dann? Wer hilft dir dann? Wer beschützt dich vor diesen schmierigen Kerlen?<<
>> Aber du bist da.<< wiegelte ich es ab, woraufhin er nur mit dem Kopf schüttelte.
>> Nein... Ich werde kündigen.<< sagte er plötzlich, als ich den Faden abschnitt und somit fertig war. Bei seinen Worten blieb mir das Herz stehen, da ich nicht glauben wollte, was er gerade gesagt hatte und sah ihn schockiert an, während meine Hände immer noch die Schere und den Faden in der Luft hielten.
>> Was?<<
>> Du hast es richtig gehört. Ich... Ich werde kündigen. Ich habe einen Job durch meinen Schwager bekommen. Auf dem Bau, wo ich in etwa das Gleiche verdiene und noch Aufstiegschancen habe. Ich muss endlich ein Vorbild für meine Tochter sein.<<
>> Aber...<< protestierte ich und sackte auf dem Schreibtisch hinter mir zusammen, da mich die Worte ziemlich schwer trafen. Was wäre dieser Club ohne ihn? Was würde ich ohne ihn hier machen? Er passte immer auf mich auf, heiterte mich auf. Bei ihm konnte ich wirklich ich sein und musste nicht so tun, als wäre mein IQ irgendwo im unteren Bereich. Er kannte mich in und auswendig und er war der einzige Grund, weshalb ich mich auf die Abende hier freute und es schaffte mich für die Arbeit aufzurappeln.
>> Du solltest auch endlich mit diesem Mist aufhören. Du gehörst hier nicht hin. Das hast du noch nie und das wirst du auch nie! Du hast doch schon eine richtige Arbeit und du hasst diesen Nebenjob.<<
>> Aber ich brauche das Geld, also bleibt mir nichts anderes übrig.<< stammelte ich mechanisch und atmete tief durch, um endlich meine Schockstarre zu überwinden.
>> Man hat immer eine Wahl.<<
>> Du vielleicht, ich nicht.<<
>> Eve...<< beschwichtigte er mich und drückte liebevoll mein Bein, während ich abwesend den Kopf schüttelte.
>> Nein. Es gibt keinen anderen Job, bei dem ich nebenbei so viel Kohle machen könnte. Ich brauche das Geld, jedenfalls so lange ich noch in der Ausbildung bin.<<
>> Aber das ist doch nicht mehr lange.<<
>> Noch ein halbes Jahr.<<
>> Ich ertrage es nicht, wenn du hier weiterhin arbeitest. Die meisten von den Mädels sind dumm wie Brot, oder können nichts anderes als tanzen und sich dabei ausziehen, aber du? Du bist schön, intelligent und begabt. Bitte versprich mir, dass du auch so schnell wie möglich aus diesem Drecksloch abhaust.<<
Ich ertrug es nicht ihn anzusehen, fixierte stattdessen ein Bild hinter ihm, während mir eine Träne die Wange herabrann, als ich daran dachte hier bald allein zu sein. Natürlich hatte ich noch die anderen Mädels, aber bei denen verstellte ich mich immer, um nicht weiter anzuecken und aufzufallen. Mein Chef Ed wusste, wer ich wirklich war, aber er stand mir nicht so nah wie Charly, weswegen es wirklich schwer werden würde.
>> Wann wirst du weg sein?<< hakte ich kühl nach, nachdem ich mich wieder ein wenig gefasst hatte und mir die Träne wegwischte.
>> In vier Wochen.<<
>> So schnell?<<
Er nickte, als plötzlich jemand die Tür öffnete und Ed auf einmal hereinsah.
>> Wo bleibst du Eve? Dein nächster Auftritt steht an.<<
>> Ich... Ich habe nur kurz Charly genäht.<<
Er sah seine Platzwunde an und nickte, während ich mich bereits in Bewegung setzte, mein neues Outfit anzog und wieder auf die Bühne ging. Dieses Mal versuchte niemand mir zu nah zu kommen, doch wirklich viel Geld sammelte ich auch nicht ein. Ich war einfach nicht bei der Sache, da ich immer wieder an die Kündigung von Charly dachte.
Nach meinem dritten Auftritt holte Ed mich noch einmal, da eine Gruppe von Männern noch einen privaten Striptease mit mir wollten, weswegen ich in einen separaten Raum verschwand und loslegte. Ich atmete vorher noch einmal tief durch, versuchte mich auf die Arbeit zu konzentrieren und nicht an Charlies Kündigung zu denken, was mir relativ gut gelang. Ich durfte einfach nicht an ihn denken, denn dann würde ich nicht so viel Geld einsammeln und das war es, worauf es hier für mich ankam.
Zuerst tanzte ich einige Figuren an der Stange, bevor ich mir die Typen genauer ansah, die allesamt sehr gut gekleidet waren, was hoffentlich ein gutes Trinkgeld bedeutete. Ich musterte jeden von ihnen genauer, versuchte ihre Vorlieben einzuschätzen, was ihnen wohlmöglich gefiel, damit ich mehr Trinkgeld bekäme, wobei ich bei einem von ihnen besonders hinsah, da er mich mit seinem Blick regelrecht fesselte und gleichzeitig einschüchterte.
Er saß etwas abseits und beobachtete mich mit einem durchdringenden Blick, der nichts geschmackloses, oder herablassendes an sich hatte, der mich jedoch nicht mehr losließ. Immer wieder fing ich seinen Blick ein, der Schauer über meine Haut sandte, da er etwas einschüchterndes, etwas anziehendes, aber auch animalisches an sich hatte.
Von der Stange aus sah ich, dass er groß, schlank und vollkommen durchtrainiert war, da er ein wirklich breites Kreuz besaß und seine Oberarme fast das Shirt sprengten. Seine braunen Haare waren etwas länger und zu einem Dutt zusammengebunden. Normalerweise mochte ich keine längeren Haare bei Männern, doch bei ihm sah es unbeschreiblich gut und faszinierend aus, da er zusammen mit seinem gestutzten Vollbart wie ein Krieger aussah.
Wieso betrachtete ich diesen Mann überhaupt genauer? So etwas war mir noch nie passiert, weil dies hier meine Arbeit war. War es, weil er mich so interessiert musterte und ruhig betrachtete? Weil er sich nicht, wie die anderen Typen, an meinem Körper aufgeilte? Denn kein einziges Mal sah er auf meine Rundungen, sondern immer nur in meine Augen, was hier etwas Außergewöhnliches war.
Ich bemerkte, wie ich ihn anstarrte und nicht von seinem Blick loskam, bis mich einer der Typen an die Hand nahm und mich wieder in die Realität riss. Im nächsten Moment zog er mich zu sich, damit ich ihn antanzen konnte. Eilig riss ich mich zusammen, konzentrierte mich auf meinen Job und schenkte meine gesamte Aufmerksamkeit meinem Gegenüber, der nach einem privaten Striptease verlangte.
Während er auf dem Stuhl Platz nahm, tanzte ich um ihn herum, berührte ihn immer wieder flüchtig, bis ich schließlich auf seinem Schoß landete und ihn mit einband. Die anderen Typen feuerten uns an, bis mich einer nach dem anderen ebenfalls für einen intimen Striptease angelte und sie mir einige Scheine zusteckten, die ich mit einem Grinsen dankend annahm. Viel lieber hätte ich jedoch für den Mann in der Ecke getanzt, da er ein richtiger gestandener Mann war, während der Rest eher halbstarke Jungen waren. Jedenfalls in meinen Augen.
Doch mein Krieger der Moderne saß etwas abseits und beobachtete mich lediglich. Immer wieder fing ich seinen Blick ein und flirtete mit ihm, doch er fixierte mich nur und ließ sich nichts anmerken.
Als ich zu ihm ging, fielen mir seine klaren dunkelblauen Augen auf, die mich in ihren Bann zogen und nicht mehr losließen. Sie waren so rein und makellos, weswegen ich mich sofort fragte, ob sie seinen Charakter wiederspiegelten. Der tiefe Blick, den wir austauschten, sorgte dafür, dass ich alles um uns herum ausblendete, fast schon vergaß und sich eine Gänsehaut über meine Haut legte. Mein Bauch kribbelte, während mein Blut ordentlich in Wallung geriet, was ich nicht gewohnt war. Verflucht, was war bloß los mit mir?
Ich wollte gerade anfangen für ihn zu tanzen, um mich abzulenken, woraufhin er nur mit dem Kopf schüttelte und mich wieder wegdrückte. Die anderen buhten und pfiffen ihn aus, woraufhin sie mich sofort wieder zu sich zogen.
Die Abfuhr verwirrte mich, da ich so etwas nicht gewohnt war. Natürlich passierte es mal, wenn jemand zu schüchtern war, doch dieser Kerl war alles andere als schüchtern, oder zurückhaltend und ich wollte ihn verdammt noch mal antanzen. Noch nie wollte ich für jemanden tanzen, aber bei ihm war es etwas anderes. Ich wollte ihm gefallen, ihn anturnen, wollte die Bestätigung, dass auch ich irgendwas in ihm auslöste, aber anscheinend war das vergeblich, da ich nicht die geringste Wirkung bei ihm zu haben schien.
Noch nie hatte ich einen Mann in diesem Club näher betrachtet und gemustert, da ich hier niemals daran dachte einen potentiellen Partner kennenzulernen. Sowieso hatte ich für so etwas keine Zeit und dennoch ging er mir nicht mehr aus dem Kopf.
Nach einer halben Stunde kam Charly herein, da die Zeit abgelaufen war und die Kerle somit wieder in den Club gingen. Schnell drehte ich mich um, nahm meine Geldscheine und sammelte meine Kleidung ein, die noch überall verstreut lag. Als ich meinen BH wiedergefunden hatte, zog ich ihn kurz über, damit ich nicht mehr so nackt war und durch den Club zurück in die Umkleide gehen konnte.
Ich wollte nur noch nach Hause, weswegen ich mich umdrehte, doch plötzlich erschrak ich und hielt mir reflexartig die Hand auf die Brust. Der Typ, der mich nicht gewollt hatte, saß immer noch in seinem Sessel und fixierte mich weiterhin mit seinen wundervollen blauen Augen. Sein rechter Zeigefinger strich immer wieder über seine Lippen, während er mich betrachtete.
An seinen Armen zeichneten sich seine Adern und Muskeln ab, die unter seiner Haut hervorschimmerten oder sich formierten und ihn noch animalischer wirken ließen. Dieser Mann spiegelte eine Stärke wieder, die mich umhaute. Wie ein Fels oder eine Festung, die allem standhalten würde. Wieder bemerkte ich wie ich ihn anstarrte und riss mich von meinen Gedanken an seinen Körper los. Doch meinen Blick konnte ich nicht von seinem lösen.
An was dachte er gerade und warum sah das so sexy aus? Und wieso war er nicht mit den anderen mitgegangen? Immerhin war die Vorstellung zu Ende. Ich stand immer noch in meiner Schockstarre vor ihm, während er mich musterte und keine Anstalten machte sein Verhalten zu erklären. Hätte er nicht so kultiviert und sexy ausgesehen, hätte mir dieses Verhalten Unbehagen bereitet, doch so irritierte es mich lediglich, weswegen ich meinen Mut zusammennahm und ihn ansprach.
>> Sollten Sie nicht zu ihren Freunden gehen? Die sind doch schon wieder im Club.<< sagte ich etwas dümmlich und mit viel zu hoher Stimme, woraufhin er sich erhob und zu mir kam, was meine Knie weich wie Butter werden ließ.
>> Ich weiß. Dürfte ich dir denn noch etwas ausgeben?<< fragte er mit einer undurchdringlichen Miene, die mir nicht verriet, was er gerade dachte. Seine Stimme klang angenehm tief und sympathisch, was meiner Schwärmerei nicht guttat.
>> Danke, aber ich muss arbeiten und außerdem sind Sie ein Gast.<<
>> Und nach der Arbeit?<<
Ich sah ihn verwundert an, da er mich nervös machte, so nah wie er vor mir stand und mir zeigte, wer hier grade die Oberhand hatte. Immerhin war er gute zwei Köpfe größer als ich.
>> Da wären Sie glaube ich immer noch ein Gast. Oder nicht?<<
>> Nicht wirklich. Immerhin hast du nicht für mich getanzt.<<
Ich wollte gerade etwas antworten, als Charly wieder hereinkam und uns kritisch musterte.
>> Wenn Sie noch mehr Zeit mit Lexy verbringen möchten, müssen Sie zahlen. Ansonsten geht sie jetzt.<<
Der Typ nickte unbeeindruckt und drückte Charly ein paar Scheine in die Hand, die der daraufhin zählte und mir zunickte.
>> Zehn Minuten Süße. Also bis gleich.<<
Er verschwand wieder, während ich nicht wirklich wusste, was das hier sollte.
>> Setz dich. Ich möchte nur mit dir reden und bitte tu mir den Gefallen und rede normal. Ich weiß, dass du nicht so dumm bist, wie du versuchst vorzugeben.<<
Ich sah ihn verblüfft an, war aber nicht in der Lage mich zu bewegen, oder etwas zu sagen, da er mich so verunsicherte und gleichzeitig in seinen Bann zog. Er seufzte laut, da ich mich immer noch nicht setzte und weiterhin im Raum stand.
>> Ok, dann bleib halt stehen. Also, was muss ich machen, damit du mit mir ausgehst?<<
Wollte dieser Kerl wirklich ein Date? Ein Date mit mir? Ich war doch gar nicht seine Klasse. Anhand seines Äußeren konnte ich erkennen, dass er wohlhabend war. Seine Kleidung und Schuhe waren kostspielig, seine Uhr ein Vermögen Wert, seine Hände perfekt manikürt, sein Körper ein wahrer Tempel, also warum fragte er eine Stripperin während ihrer Arbeit nach einem Date? Bei seinem Aussehen und seinem Konto konnte er schließlich jede haben.
>> Wie ich schon sagte, Sie sind ein Gast, auch wenn ich nicht für Sie getanzt habe, so haben Sie gerade für ein wenig Zeit mit mir gezahlt.<< antwortete ich dieses Mal ohne meine dümmliche, viel zu hohe und piepsige Stimme, stattdessen nun sehr bestimmt und mit ernster Miene.
>> Aber auch nur, weil du mir sonst einen Korb gibst und das bin ich nicht gewohnt.<< konterte er mit einem Grinsen, das bei mir weiche Knie verursachte. Verdammt, was war bloß los mit mir? Das war nicht ich und ich hasste mich für diese Reaktion und mein Interesse ihm gegenüber, wobei ich es so gut wie möglich zu kaschieren versuchte. So primitiv mein Verhalten und meine Gedanken auch waren, meinen Verstand hatte ich noch nicht gefeuert.
>> Es mag Sie vielleicht schockieren und vielleicht ist diese Weisheit bei Ihnen noch nicht angekommen, aber mit Geld kann man halt nicht alles kaufen.<< versuchte ich mit letzter Kraft bestimmt zu sagen, doch so richtig funktionierte das nicht.
>> Das stimmt wohl. Aber vielleicht mit Charme.<< antwortete er und grinste mich an, was mich vollkommen aus der Bahn warf.
>> Hören Sie. Ich weiß nicht, was das hier soll. Ich arbeite hier und tanze, das ist alles was ich kann und wozu ich gut bin. Also entweder Sie setzen sich und sehen mir dabei zu, oder Sie gehen und suchen sich eine andere.<<
>> Tanzen ist alles, wozu du gut bist?<< fragte er mich überrascht und sah mich stirnrunzelnd an, weshalb ich mein dümmstes Lächeln aufsetzte und die Schultern hob, um ihn davon zu überzeugen.
>> Tanzen und mich dabei ausziehen kann ich glaube ich ziemlich gut. Zu mehr habe ich es halt nie gebracht.<<
Ich hasste es, wenn ich so über mich sprach, doch das war die beste Nummer, um Geld zu verdienen, also verstellte ich mich und schluckte den Ekel, der mich dabei überkam schnell herunter.
>> Mhm... Dann zeig es mir.<<
Ich nickte, atmete noch einmal tief durch und tanzte die letzten fünf Minuten um ihn herum. Mein ganzer Körper kribbelte, als ich seine durchtrainierten Schultern berührte, doch das war noch nicht das schlimmste. Als ich hinter ihm stand und meine Hände über seine Schultern hinunter zu seiner Brust gleiten ließ, spürte ich seine harten Brustmuskeln, weswegen ich mir regelrecht auf die Lippen beißen musste, um nicht meine Lust auf ihn zu verraten.
Es kostete mich eine immense Anstrengung nicht aufzufliegen, da meine Atmung inzwischen schon viel zu schnell war, meine Knie viel zu weich waren und mein Innerstes gerade explodierte, doch das konnte und durfte ich nicht zugeben.
Ich atmete noch einmal tief durch, als ich mich schließlich auf seinen Schoß setzte und wir uns tief in die Augen sahen. Normalerweise bestand ich auf Blickkontakt, da man dadurch mehr Trinkgeld bekam, doch bei ihm hielt ich es einfach nicht aus, da mir dieser Blick viel zu intensiv und intim war. Es war als wäre ich nackt vor ihm, als würde ich nicht nur meine äußere Hülle bei ihm entblößen, sondern auch mein Innerstes, weswegen ich schnell ein Riegel davor schloss.
Im Gegensatz zu seinen Freunden fasste er mich kein einziges Mal an, was ich fast schon als Beleidigung auffasste. Dieser Typ machte mich fertig. Er wollte mit mir ausgehen, aber hatte keine Lust mich beim Tanzen zu berühren? Warum wollte er dann mit mir ausgehen, wenn ich ihn nicht anmachte?
Charlie kam wieder herein und beendete unsere Zeit zu Zweit, weshalb ich mich von dem Muskelberg erhob und er mir ein paar Geldscheine gab. Warum hatte er sie nicht in den Tanga gesteckt? Fand er selbst diese kleine Berührung unangemessen? Ich atmete tief durch und nahm das Geld, bevor er sich noch einmal zu mir lehnte.
>> Ich werde wiederkommen, so lange, bis du endlich mit mir ausgehst.<< flüsterte er mir ins Ohr, was mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ, der angenehm und erschreckend zugleich war.
Beim Hinausgehen ertappte ich mich dabei, wie ich ihm auf seinen knackigen Hintern starrte, bis auch er mich dabei erwischte und mir mit einem Lächeln zuzwinkerte. Kaum war er draußen, versuchte ich wieder tief durchzuatmen und bekam auch endlich wieder Luft, füllte meine Lungen und fühlte eine enorme Erleichterung.
Verwirrt und peinlich berührt von den letzten Minuten ließ ich mich auf einen der Stühle fallen, um das Geld zu zählen. Wie viel er mir wohl gegeben hatte? Es war ein großer Batzen in meinen Händen, doch da es meistens ein Dollarscheine waren, musste das nichts heißen. Doch dieses Mal sollte ich mich irren.
Immer wieder rechnete ich nach, da ich es nicht glauben wollte. Er konnte mir doch wirklich nicht so viel Geld gegeben haben. Hatte er sich vertan? Schnell zog ich mir einen Morgenmantel über und rannte in den Club, um ihn zu suchen, allerdings war er nirgends zu sehen.
Ich suchte ihn bei den einzelnen Stangen, bei der Bar und auch bei den Tischen, aber er war nirgends zu finden, ebenso wenig wie seine Freunde. Eilig rannte ich nach draußen vor die Tür des Clubs, wo ich ihn zum Glück noch erwischte und am Ärmel zurückzog.
>> Entschuldigen Sie, aber ich glaube Sie haben sich vertan.<<
Ich wickelte meinen Morgenmantel noch enger um mich, da der Februar in Seattle doch ziemlich kalt war und ich schon zu zittern begann, während er sich umdrehte und sich in mir eine Wärme breit machte, die gegen die Kälte anzukämpfen versuchte.
>> Oh, hi. Nein, das war schon richtig so.<< sagte er mit einem umwerfenden Lächeln, während sich auch seine Freunde zu uns umdrehten, die meinetwegen gerne hätten weitergehen können.
>> Das kann ich nicht annehmen. Bitte nehmen Sie das zurück.<<
Verdammt er hatte mir 5000 Dollar gegeben, das konnte er nicht ernst meinen. Inzwischen zitterte ich am ganzen Körper, weswegen auch meine Hand mit den Geldscheinen zitterte auf die ich immer noch starrte.
>> Lexy... Wenn jemand wie du in so einem Club arbeitet, dann hat er Geld bitter nötig. Sonst würdest du das nicht machen. Also nimm es. Ich habe genug davon.<<
>> Aber...<<
>> Blake hat wirklich genügend Geld, also nehmen Sie es doch einfach.<< unterbrach mich einer seiner Freunde ungeduldig und wollte ihn weiterziehen, während er mich immer noch fixierte und stehenblieb. Blake hieß er also, ein schöner und ungewöhnlicher Name für meinen Geschmack.
>> Vielleicht sagst du mir ja wenigstens deinen richtigen Namen, wo du nun meinen kennst und ich deiner Meinung nach zu großzügig war.<<
>> Ähm... Den wissen Sie doch schon, Lexy. Meine Eltern fanden das irgendwie passend.<< log ich und versuchte so überzeugend wie möglich zu grinsen.
>> Du lügst mich also an?<<
>> Baggerst du grade echt ne Stripperin an? Im Ernst? Dir liegen alle zu Füßen, du hättest die freie Auswahl und du nimmst so eine? Das kann nicht dein Ernst sein! Mach die Augen auf! Das ist ne Stripperin Blake. Eine einfache, verbrauchte und dumme Stripperin.<< stellte ihn der Rotschopf unter ihnen zur Rede und versetzte mir damit einen imaginären Tritt in die Eingeweide. Wütend sah ich ihn an, nahm den Umschlag mit dem Geld und warf es ihm an den Kopf.
>> Ich glaube Sie haben das Geld nötiger als ich. Kaufen Sie sich davon Anstand und Manieren, würde Ihnen definitiv besser stehen, als ihre Rolex. Vielleicht klappt es dann auch mit den Frauen und Sie brauchen sich nicht mehr welche zu kaufen.<< schnauzte ich ihn an, drehte mich um und ging schnell wieder zurück zu Charly, der alles beobachtet hatte. Ich hörte noch wie Blake ihn wütend anschnauzte, doch das war alles in weiter Ferne.
„So eine... Eine einfache, verbrauchte und dumme Stripperin...“. Genau das war ich und nichts anderes. Ich war nichts Besonderes, auch nichts Außergewöhnliches, sondern nur eine Stripperin. So kurz ich mich auch als etwas anderes, besseres gefühlt hatte, so schnell wurde ich auch wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.
Charly nahm mich schnell in die Arme und brachte mich hinein, wo er mich zur Rede stellte.
>> Was war das grade?<<
>> Der Typ hatte mir nur sehr viel Geld in die Hand gedrückt, da wollte ich sicher gehen, dass er sich nicht geirrt hatte.<<
>> Du bist zu ehrlich, weißt du das? Jede andere hätte das Geld einfach genommen.<<
>> Nicht bei so viel.<<
>> Eve...<<
Ich hörte nicht mehr zu und ging wieder nach hinten, um mich abzuschminken und mir gemütlichere Sachen anzuziehen, da ich nur noch nach Hause wollte. Währenddessen dachte ich immer wieder an diesen Blake und an die Reaktion seiner Freunde, die mir immer noch weh taten.
Beim Tanzen hatten sie sich nicht beschwert, hatten alles genossen und sich an meinem Körper, so weit dies gestattet war, aufgegeilt und bedient. Aber danach war ich auf einmal etwas Widerliches? Ein Mensch einer anderen Klasse? Unter ihrem Niveau? Nicht mehr gut genug für sie?
>> Kommst du noch mit?<< riss Lisa mich gut gelaunt und vollkommen aufgedreht aus meinen Gedanken, während ich müde und ausgelaugt in den Spiegel sah.
>> Ein anderes Mal, ich bin vollkommen K.O.<<
>> Also wie immer.<<
>> Lisa...<< beschwichtigte ich sie, doch sie hob nur ihre Hand.
>> Schon gut.<<
>> Da kann ich ja mit meiner Oma mehr erleben, als mit ihr.<< hörte ich von einer der Mädels, die schon weiter weg standen, was inzwischen nur noch von mir abprallte. Mich wunderte es, dass sie überhaupt noch nachfragten, aber wahrscheinlich war das nur noch aus Höflichkeit. Ich war bisher nur ein paar Mal mit ihnen gegangen, da ich eigentlich nie Zeit und Lust hatte, doch ich wusste, dass es manchmal sein musste, damit ich weiterhin akzeptiert wurde.
Laut und schrill verließen sie die Umkleide, während ich gerade meine Schuhe anzog und meine Handtasche nahm.
>> Der Typ war noch mal da und hat den Umschlag wieder für dich abgegeben. Er meinte, du sollst ihn behalten und das es ihm Leid täte, wie sein Freund reagiert hätte.<<
Ich sah auf den Umschlag in Charlies Händen und seufzte. Natürlich konnte ich das Geld gut gebrauchen, sehr gut sogar, aber es erinnerte mich an die unangenehme Situation von vorhin.
>> Jetzt nimm schon.<< drängte Charly mich, während er mich tadelnd ansah.
>> Danke.<<
>> Und das nächste Mal hörst du nicht hin, wenn die so einen Mist reden. Du bist etwas Besonderes Eve. Und jetzt komm, ich fahr dich nach Hause.<< brummte Charly, der nun hinter mir stand und mir aufmunternd die Schultern massierte.
>> Das brauchst du nicht. Ich nehme den Bus.<<
>> Wenn du wirklich noch denkst, dass ich dich in dieser Gegend um vier Uhr nachts mit dem Bus fahren lasse, kennst du mich schlecht.<<
Ich lächelte und schloss für einen kurzen Moment die Augen, da die Massage einfach zu angenehm war.
>> Wie lange bist du schon wach?<<
>> Knappe 50 Stunden. Ich bin direkt von meiner Schicht hierher gekommen.<<
>> Du bist verrückt.<<
>> Ich kann ja jetzt schlafen, also lass uns los.<<
Wir gingen zu seinem Wagen, wo ich mich schnell auf den Sitz fallen ließ und durch das stete Brummen des Motors und die vorbeiziehende Landschaft in einen tiefen Schlaf gezogen wurde.
Kapitel II
Blake
>> Was fällt dir ein?<< schrie ich Ian an, der Lexy grade aufs Übelste beleidigt hatte und packte ihn grob an seiner Jacke.
>> Blake! Beruhige dich!<< warnte mich Dan hinter mir und versuchte mich von Ian wegzuziehen, was ihm jedoch nicht gelang.
>> Wegen so einer rastest du aus? Ehrlich?<< fragte mich Ian immer noch mit seinem schmierigen, widerlichen Grinsen, wobei es nicht mehr so überzeugend war wie eben. Er hatte Angst, die er nun zu überspielen versuchte, um vor seinen Freunden nicht dumm dazustehen, was einfach nur erbärmlich aussah. Ich blickte auf seine perfekten, weißen Zähne, die ich ihm am liebsten einzeln ausgeschlagen hätte, nachdem er so herablassend zu ihr gewesen war.
>> Geht auseinander und verpisst euch!<< schrie uns der Türsteher vom Club an, der mir eben noch das Geld für Lexy abgenommen hatte, stieß uns auseinander, um sich anschließend Ian vorzuknöpfen. Ich beobachtete, wie er ihn mit beiden Händen an der Jacke packte und ihn gegen die Wand drückte. Vor diesem Kerl hätte selbst ich Respekt, obwohl ich selbst Leibwächter und ziemlich muskulös und groß war.
>> Und du widerlicher, kleiner Hosenscheißer wirst dich hier nicht mehr blicken lassen und ganz schnell nach Hause zu Mami rennen. Wer kein Benehmen hat und meint unsere Tänzerinnen so behandeln und beleidigen zu müssen, hat es nicht verdient sie sich anzusehen. Ich habe mir dein Gesicht gemerkt und das werde weder ich noch mein Kollege vergessen, also versuch es gar nicht erst und jetzt verpiss dich, bevor ich wegen dir wieder in den Knast gehen muss und dieses Mal lebenslänglich kassiere!<< brüllte er Ian an, bevor dieser von ihm weggestoßen wurde und zur Seite taumelte.
In dem Moment gab mir Dan den Umschlag mit meinem Geld wieder, den Lexy eben Ian an den Kopf geworfen hatte und wollte mich mitziehen, da wir uns nun lieber auf den Heimweg machen sollten, als ich mich noch einmal an den Türsteher wandte.
>> Könnten Sie den bitte Lexy wiedergeben und ihr sagen, dass mir das Verhalten meines Bekannten Leid täte?<< fragte ich höflich und hielt ihm den Umschlag hin, während er mich immer noch wütend anstarrte, doch dann atmete er seine angehaltene Luft aus, beruhigte sich langsam wieder und nahm den Umschlag mit einem Nicken an.
>> Dankeschön.<<
>> Bringen Sie ihren Bekannten lieber schnellstens hier weg!<<
Ich nickte und drehte mich um, um mich den anderen anzuschließen, wobei nur noch Dan und Lewis bei mir waren, während der Rest schon einige Meter vor uns lief.
>> Jetzt beruhige dich doch mal wieder!<< forderte mich Dan auf, da er anscheinend noch den Abend retten wollte, während wir zum Haus von ihm liefen, wo wir alle noch einen Trinken und den Abend, oder auch Morgen ausklingen lassen wollten. Normalerweise wäre das auch kein Problem gewesen, doch nach der Sache mit Ian konnte ich auf dessen Anwesenheit gut verzichten.
Da wir ein wenig schneller gingen, hatten wir die anderen schnell wieder erreicht, weswegen ich unüberhörbar mitbekam, wie sie sich über die einzelnen Tänzerinnen und ihre Vorzüge unterhielten und austauschten. Als wären sie Teenager die zum ersten Mal eine nackte Frau gesehen hätten und sich ihnen nun vollkommen neue Sphären eröffnet hätten.
Frustriert atmete ich tief durch und versuchte die Idioten auszublenden, weshalb ich schnell wieder an Lexy dachte und somit alles andere ignorierte.
Schon als sie im Club auf die Bühne gekommen war, war es um mich geschehen gewesen. Sie hatte eine enorme Ausstrahlung, die den ganzen Raum ausfüllte. Alle Augen waren sofort auf sie gerichtet gewesen, jeder hatte sie mit seinen Blicken verfolgt, hatte gehofft, dass sie zuerst zu einem selbst gehen würde, was mich sofort gestört hatte, da nur ich sie ansehen und haben wollte.
Ihre hellen, blonden, langen Locken waren eine wilde Mähne, durch die ich zu gern mit den Fingern streifen wollte, die ich packen, riechen und fühlen wollte. Sie war natürlich stark geschminkt gewesen, was ich eigentlich nicht mochte, doch ich wusste, dass es in diesem Metier üblich war. Dennoch hatte ich mich die ganze Zeit über gefragt, wie sie ohne Schminke aussehen würde.
Sicherlich war sie von Natur aus wunderschön und absolut begehrenswert. Wie sie wohl im warmen Abendlicht der Sonne aussähe, wenn sie mit offenen Haaren im Bett liegen und sich nackt räkeln würde? Wenn einzelne Strähnen Schatten auf ihre zart gebräunte Haut werfen würden? Dieser Gedanke sorgte dafür, dass ich mich endlich wieder beruhigte und mein Blutdruck sich senkte, weswegen ich weiterhin lieber an sie dachte, als den Gesprächen neben mir zu folgen.
Als ich es endlich geschafft hatte, mich von ihrem Blick im Club loszureißen, hatte ich aus der Entfernung kurz auf ihren Körper gesehen, der makellos war. Sie hatte ordentliche Rundungen, eine große, wohlgeformte Oberweite und einen Hintern zum Niederknien. Schön knackig und üppig, in den ich zu gern einmal mit den Händen kneifen würde, um ihn dann wieder mit meinen Händen und etlichen Streicheleinheiten zu verwöhnen.
Kaum hatte ich sie gesehen, hatte ich eine Beule in der Hose gehabt, was mir schon seit Ewigkeiten nicht mehr passiert war und die einfach nicht mehr weggehen wollte, da selbst der Gedanke an sie mich geil machte. Seit zwei Jahren hatte mich keine Frau mehr interessiert, selbst dann nicht, wenn sie nackt vor mir stand und mir verständlich machte, dass sie Sex mit mir haben wollte.
Und dies passierte gar nicht so selten, da immer genügend Frauen auf Partys meiner Freunde zugegen waren, Alkohol in Mengen floss und diese das Geld rochen. Doch selbst wenn sie gut aussahen, hatte sich bei mir nichts geregt. Warum also jetzt bei ihr? Warum hatte ein Blick gereicht und meine Welt auf den Kopf gestellt? Ich wusste nicht, was das zwischen uns war, aber ich wusste, dass ich sie kennenlernen musste. Doch wie konnte ich das schaffen?
Während des gesamten privaten Striptease hatte ich darüber nachgedacht, wie ich sie am besten ansprechen könnte, da es selbst für mich eine merkwürdige Situation war, eine Stripperin um ein Date zu bitten. Es war nicht so, dass ich sie, wie meine Bekannten es taten, als etwas Minderwertiges ansah, vielmehr hatte ich die Angst, dass sie mich als abstoßend empfand, da ich in solch ein Etablissement gegangen war.
Immerhin wurde sie dort von den Männern angegafft, begrabscht und benutzt, so wie es auch meine Bekannten getan hatten. Ich hatte es als ekelerregend empfunden, wie sie sie angesehen hatten. Als wäre sie ein Stück Fleisch zu ihrer Befriedigung. Als hätten sie sie gekauft, um sich an ihr zu bedienen und als müsse sie darüber überaus glücklich und dankbar sein.
Keinem von ihnen war aufgefallen, wie traurig, einsam, widerwillig und unzufrieden sie ausgehen hatte, wie falsch ihr Lächeln gewesen war. Wie sie versucht hatte, all das zu überspielen, um meinen Freunden zu gefallen, denn die hatten nur Augen für ihre großen Brüste gehabt.
Jedes mal, wenn einer von ihnen sie mit ihren schmierigen Blicken angegafft hatte, oder noch schlimmer, sie berührt hatte, wäre ich am liebsten aufgestanden und hätte demjenigen eine verpasst, doch es stand mir nicht zu. Sie gehörte mir nicht, leider nicht. Wie gern hätte ich sie mir geschnappt und sie mitgenommen, um zu erfahren, was hinter der Fassade steckte.
Wer war sie wirklich und warum übte sie diesen Beruf aus, wenn sie ihn gar nicht mochte? Sie war nicht dumm, auch wenn sie versucht hatte es so aussehen zu lassen. Ihre Versuche mir vorzuspielen, dass sie nur ein dummes, blondes Püppchen war, hatten bei mir nicht gewirkt, weswegen ich in den Genuss gekommen war, die richtige Lexy kennenzulernen, jedenfalls für einen kurzen Moment.
Ihre richtige Stimme klang wie Musik in meinen Ohren, der ich stundenlang lauschen konnte und unbedingt wollte. Sie hatte etwas melodisches und beruhigendes an sich. Verdammt ich musste sie unbedingt wiedersehen, hartnäckig bleiben und sie umstimmen, damit sie hoffentlich mit mir ausging.
>> Blake!<< schrie Ian mich plötzlich an und schlug mir leicht gegen den Arm, weswegen ich aus meinen angenehmen Gedanken gerissen wurde, wofür ich ihn augenblicklich hasste.
>> Was?<<
>> Jetzt komm mal wieder zu dir, du bist ja völlig weggetreten. Hat dir das Mädchen so das Gehirn vernebelt?<< fragte er belustigt und lachte, während die anderen nach einigen Sekunden mitlachten, da sie Ian nicht verärgern wollten. Was für kleine Muttersöhnchen dachte ich bei mir, weswegen ich nur noch Mitleid mit ihnen hatte. Sie hatten einfach nicht den Mumm ihm Paroli zu bieten.
>> Nein, sie hat mir nur die Augen geöffnet.<<
>> Die Augen geöffnet? Wirklich? Womit denn? Mit ihren großen Titten?<< spielte er sich weiter auf, während mein Blut zu kochen begann. Dieser elendige Wichser. Ich hatte ihn noch nie gemocht, aber seine Eltern waren nun mal die Freunde meiner Eltern, weswegen wir uns nicht aus dem Weg gehen konnten und so taten, als würden wir uns gut verstehen, doch so langsam übertrat er eine Grenze bei mir.
>> Es reicht Ian! Rede mit mehr Respekt über sie!<< warnte ich ihn, während wir stehen blieben und einander nun gegenüberstanden, während der Rest der Truppe um uns herumstand.
>> Wieso sollte ich?<<
>> Weil sie es verdient hat.<<
>> Ich wüsste nicht wieso, sie ist nur eine Stripperin Blake!<<
>> Jetzt hört auf und kommt weiter!<< versuchte uns Tom zu besänftigen, da er merkte, wie in mir die Wut aufstieg, doch ich wollte und musste meine Wut loswerden und wenn Ian sie abbekam, umso besser, immerhin hatte er Lexy beleidigt.
>> Sie zieht sich für andere aus, also warum sollte ich vor so einer Nutte Respe...<<
Ich ließ ihn nicht ausreden, da meine Faust schneller als seine Worte war und sich in seine Wange bohrte. Ein Schmerz durchzog meine Hand, der sich ungemein gut und richtig anfühlte, während Ian zurücktaumelte und auf seinen Hintern fiel.
>> Du solltest vor ihr Respekt haben, weil sie ein besserer Mensch ist als du. Du bist verheiratet, hast eine Tochter, die immer lieb und brav auf dich zu Hause warten, nur das beste von dir denken, während du mit jeder Schlampe herummachst, sobald du deiner Familie auch nur den Rücken zukehrst. Du hast dich an dieser Frau heute Abend so aufgegeilt, hast sie so widerlich angesehen und behandelt, dass sie mir Leid tat. Diese Frau versucht nur über die Runden zu kommen, Geld zu verdienen und nein sie ist keine Nutte. Um dich ein wenig zu bilden, eine Stripperin schläft nicht mit den Kunden, sie tanzt lediglich für sie, also wer ist jetzt der Dumme von euch beiden?<< spie ich ihm entgegen, drehte mich um und entfernte mich von der Gruppe, da ich diese falschen Muttersöhnchen nicht mehr ertrug. Sollten sie doch denken, was sie wollten.
Ich hörte noch, wie Ian fluchte und wie ein kleines Baby vor Schmerzen jammerte, was mich innerlich freute. Das hatte er verdient. Allerdings entfernte ich mich schnellen Schrittes von ihnen, sodass ich bald von einer angenehmen Ruhe umschlossen wurde. Ich atmete tief durch und schluckte all den Ärger herunter, während ich mir die schmerzende Hand rieb und zufrieden war.
>> Blake warte!<< bat mich Dan und lief schnell auf mich zu, woraufhin auch Lewis zu uns stieß.
>> Geht ruhig zurück und feiert noch, ich ertrage diesen Typen heute nicht mehr.<<
>> Denkst du wir? Die können woanders hingehen und du kommst jetzt mit uns mit. So sind wir die immerhin los.<<
Ich nickte und ging mit den beiden zu Dan, was sowieso unser Ziel gewesen war, doch nun waren die anderen immerhin fort, weswegen ich mich ungemein beruhigte.
Dan und Lewis waren meine engsten Freunde, die ich seit meiner Kindheit kannte und denen ich alles anvertrauen konnte, da wir bereits durch dick und dünn gegangen waren, während der Rest wirklich nur Söhne anderer reicher Eltern waren, weswegen sie somit dazugehörten.
>> Lass dich von Ian nicht so provozieren, das ist es doch, was er möchte.<< sagte Lewis und bog in unsere Zielstraße ein.
>> Ich weiß.<<
>> Ich wette, der ist jetzt schon im Krankenhaus und lässt sich untersuchen, damit er dich anzeigen kann.<<
>> Seinen Anwalt hat er sicherlich auch schon angerufen.<< pflichtete ihm Dan bei, während ich seufzte und mit den Schultern zuckte. Sollte er mich doch anzeigen, mir war das vollkommen egal. Wenn es sein musste, würde ich das auch vor Gericht mit ihm ausdiskutieren. Es ging mir einfach ums Prinzip. Wenn seine Eltern ihm schon nicht beigebracht hatten, Respekt gegenüber anderen Menschen zu haben, dann musste er es halt auf die harte Tour lernen.
Als wir an unserem Ziel waren, schloss Dan die Haustür auf und wir gingen durch einen langen Flur, ins Wohnzimmer. Er war weder verheiratet, noch hatte er eine Freundin, weswegen er dieses Haus allein bewohnte, was eigentlich viel zu groß für ihn war, aber was noch nicht war, konnte ja noch werden.
Wir setzten uns auf die Eckcouch, während Dan uns aus der Bar einen Whiskey einschüttete und zu uns stieß.
>> Du hast aber immer noch eine gute Rechte.<< schmunzelte Lewis und erhob sein Glas.
>> Muss ich ja auch in unserem Job.<<
>> Da hast du wohl Recht. Darauf, dass du es diesem aufgeblasenen Möchtegern Proleten mal gezeigt hast.<<
>> Er sollte einfach nur den Mund halten und Respekt haben. Mehr wollte ich nicht.<<
Die beiden nickten, während wir uns einen Schluck genehmigten und die braune Flüssigkeit angenehm in meiner Kehle brannte. Sofort entspannte ich mich und lehnte mich auf dem Sofa zurück, weswegen ich kurz meine Augen schloss.
Doch sofort sah ich Lexy wieder vor mir, wie sie auf meinem Schoß saß und mir tief in die Augen sah, in denen ich so viel Verletzlichkeit und Einsamkeit gesehen hatte. Eine starke Sehnsucht durchströmte mich, zog mir mein Herz zusammen, da ich so schnell es ging wieder bei ihr sein wollte. In ihrer Gegenwart hatte ich mich so lebendig, glücklich und aufgehoben gefühlt, während ich nun wieder vollkommen einsam war.
Natürlich waren Dan und Lewis hier, doch innerlich war ich einsam und allein. Dieses Gefühl schnürte mir die Kehle zu, weswegen ich schnell wieder meine Augen öffnete, um hoffentlich auf andere Gedanken zu kommen.
>> Besser?<< fragte Dan mich und deutete auf mein Glas, weswegen ich nickte.
>> So still war er schon lange nicht mehr.<< feixte Lewis und schmunzelte, während er sein Glas neu befüllte.
>> Stimmt. Was hat es mit diesem Mädchen und dir nur auf sich? Du bist wie ausgewechselt, seit du sie gesehen hast.<< pflichtete ihm Dan bei, woraufhin mich beide neugierig anstarrten.
>> Wenn ich das wüsste...<< seufzte ich und leerte mein Glas, was sofort wieder von Lewis aufgefüllt wurde.
>> Ich würde sagen, du fandst sie heiß und wer würde dir das verübeln. Sie war mega scharf.<<
>> Sie war mehr als das, viel mehr...<< seufzte ich und kippte das zweite Glas herunter, da ich hoffte, dass der Alkohol meine Gedanken an Lexy vernebeln und mich ablenken würde, doch es funktionierte einfach nicht. Sie war immer und überall. Ich wollte nur noch nach Hause und mit meinen Gedanken an sie allein sein.
>> Hat sich da etwa jemand verguckt? Sich wohlmöglich verknallt?<< fragte Dan und sah mich dabei erwartungsvoll an.
>> Schon möglich.<<
>> Ehrlich?<< fragte Lewis erstaunt und riss dabei seine Augen so weit auf, dass ich Angst hatte, sie würden ihm herausfallen.
>> Vielleicht, ich weiß es nicht.<< wiegelte ich es ab, damit sie nicht näher darauf herumritten.
>> Was habt ihr denn noch die ganze Zeit über gemacht? Also, als wir schon draußen waren nach dem Striptease.<<
>> Wir haben uns nur unterhalten.<<
>> Du gehst in einen Stripclub, bist allein mit einer super heißen Frau, die Verrenkungen an der Stange machen kann, dass mir schwindelig wird und dann redest du nur mit ihr? Bist du noch ganz dicht da oben?<< fragte Lewis mich ungläubig, während er auf meinen Kopf deutete und seinen schüttelte, da er es nicht verstehen wollte.
>> Ich wollte halt mehr über sie erfahren, nicht wie so ein weiterer widerlicher Kunde wirken und dann habe ich...<<
Ich stockte, da ich nicht wusste, ob ich ihnen das schon erzählen sollte. Sie waren zwar meine besten Freunde, doch hatte es so eine Situation wie diese noch nie gegeben, weshalb ich nicht wusste, wie sie darauf reagieren würden.
>> Und du hast was?<< forschte Dan nach, während ich mir noch einen Schluck Mut antrank.
>> Ich... Ich habe sie um ein Date gebeten.<<
Es war mucksmäuschenstill im Raum, während die beiden mich einfach nur ungläubig anstarrten und nicht wussten, was sie sagen sollten.
>> Ohne scheiss?<<
>> Mhm, aber sie hat mich abblitzen lassen, also macht euch ruhig lustig.<<
>> Wow.<< entfuhr es Lewis, woraufhin er sich setzte und mich mitleidig ansah, bevor er die richtigen Worte fand und fortfuhr.
>> Aber überleg doch mal. Hättest du an ihrer Stelle anders gehandelt? Ihr Job ist es sich auszuziehen und sexy zu tanzen, während solche Affen wie wir sabbernd vor ihr stehen und die wildesten Phantasien über sie haben, was sie wahrscheinlich nur anekelt und dann fragt einer dieser Typen sie, ob sie mit ihm ausgeht, was sie bestimmt auch schon viel zu oft gehört hat...<<
>> Ich weiß, deswegen habe ich ja versucht anders zu sein und mit ihr zu reden. Ich will sie ja auch richtig kennenlernen und nicht nur in die Kiste mit ihr, aber naja...<<
>> Und dann auch noch die Sache mit Ian. Das wird es nicht leichter machen, wobei ich ihre Reaktion wirklich genial fand.<< sagte Lewis, weswegen ich wieder an die Situation mit Ian dachte.
Ich musste bei dem Gedanken, wie sie Ian den Umschlag mit dem Geld an den Kopf geworfen hatte, grinsen, vor allem über ihre schnelle Reaktion und ihre Worte dabei, da sie schlagkräftig war, was ich an ihr besonders mochte.
>> Also ich fand es eher verblüffend, dass sie dein Geld nicht wollte, weil es zu viel war. Mal ganz im Ernst, welches Mädchen wäre dir hinterhergelaufen, um dir zu viel Geld wiederzugeben? Jede andere hätte es doch sicherlich einfach genommen und sich über den Typen lustig gemacht.<< bemerkte Dan, der immer auf das Geld achtete und ziemlich geizig war. Somit war es kein Wunder, dass diese Bemerkung von ihm gekommen war.
>> Ich werde aus ihr einfach nicht schlau. Sie braucht Geld, sonst würde sie da nicht arbeiten und trotzdem wollte sie mir mein Trinkgeld zurückgeben, anstatt es zu nehmen. Sie ist intelligent und trotzdem arbeitet sie als Stripperin, anstatt irgendwo anders ordentlich Geld zu verdienen. Sie mag den Job ja noch nicht einmal, glaube ich jedenfalls.<<
>> Du bist definitiv verknallt, so viel, wie du über sie nachdenkst.<<
Ich seufzte, stellte mein Glas auf den Tisch und stand auf.
>> Macht ihr euch ruhig weiter über mich lustig, aber ich fahre jetzt nach Hause. Ich brauche dringend Schlaf.<<
>> Ach komm schon. Die anderen sind weg und die Nacht ist noch jung.<<
>> Es ist fünf Uhr morgens Dan!<<
>> Sag ich doch.<<
Ich schüttelte amüsiert den Kopf, während ich über mein Telefon ein Taxi rief und ihm die Adresse von Dan nannte.
>> Wir könnten noch so viel über Lexy diskutieren.<< schlug Dan vor, doch darauf hatte ich wirklich keine Lust. Das einzige, was ich wollte, war nach Hause zu fahren, allein zu sein und das Chaos in meinem Kopf zu ordnen. Lexy beschäftigte mich viel zu sehr und ich musste das irgendwie in den Griff bekommen, mir einen Plan überlegen, wie ich sie rumkriegen oder vergessen könnte.
>> Danke, aber das würde nur auf meine Kosten gehen, während ihr euch köstlich über meine Gefühle amüsiert.<<
>> Spielverderber!<< maulte mich Lewis an, was jedoch eher scherzhaft gemeint war, weswegen ich es mit einem Schulterzucken abtat.
>> Wir sehen uns am Montag zum Mittagessen.<< verabschiedete ich mich und ging nach draußen, wo nach wenigen Minuten schon das bestellte Taxi ankam. Eilig stieg ich ein, da ich es nicht erwarten konnte nach Hause zu kommen und nannte dem Fahrer die Adresse.
Schweigend sah ich nach draußen und überlegte ernsthaft noch einmal zum Stripclub zu fahren. Vielleicht hatte sie ja jetzt Schluss und ich könnte sie nach Hause bringen, aber das würde wahrscheinlich eher jämmerlich, verzweifelt und übertrieben herüberkommen. Als ob ich sie verfolgen würde wie ein Stalker.
Ob sie einen Freund hatte? Sie hatte nichts in der Richtung gesagt, aber ich hatte auch nicht explizit danach gefragt. Eifersucht stieg erneut in mir auf, die ich noch nie zuvor für jemanden empfunden hatte und das obwohl sie noch nicht einmal meine Freundin war. Das war doch nicht normal, doch bevor ich mir lächerlich vorkommen konnte, erkannte ich bereits die gewohnten Umrisse meiner Nachbarschaft und holte mein Geld heraus. Ich bezahlte den Fahrer und stieg schließlich aus.
>> Guten Morgen Mr Humphrey!<<
>> Guten Morgen George. Wie geht’s Ihnen?<< begrüßte ich den Portier beim Hereingehen in das Wohngebäude in dem ich ein Appartement besaß.
>> Alles bestens und bei Ihnen?<<
>> Bei mir auch. Irgendwelche Post für mich?<<
>> Drei Briefe.<< bestätigte George mir, holte sie aus meiner Box und reichte sie mir schließlich.
>> Danke.<<
>> Bitte Mr Humphrey.<<
Ich nahm ihm die Post ab, nickte ihm zu und stieg in den Aufzug, der schon bereitstand. Während die Stockwerke vorbeiflogen, betrachtete ich die Briefe kurz, doch es war nichts Wichtiges dabei, weswegen ich sie nicht weiter beachtete und im obersten Stockwerk ausstieg.
Ich öffnete die Tür zu meinem Appartement und warf die Briefe auf den kleinen Tisch neben der Tür, bevor ich meine Jacke auszog und sie ebenfalls auf den Tisch warf.
Innerlich war ich so unruhig wie nie zuvor, weswegen ich beschloss noch in meinen Fitnessraum zu gehen, um mich ein wenig auszupowern. Als ich endlich bequeme Freizeitkleidung trug, begab ich mich sofort auf das Laufband und rannte in einem Rekordtempo meine zwanzig Kilometer, doch auch nach etlichen Liegestützen, Crunchies, Butterflies und Klimmzügen war ich nicht ruhiger, sondern aufgebrachter und was noch viel schlimmer war, erregter denn je, da ich die ganze Zeit über an Lexy und ihren durchtrainierten Körper dachte.
Sie hatte nicht nur Kurven gehabt, sondern auch wohl definierte Muskeln besessen, die man während ihrer Akrobatik an der Stange bewundern konnte. Immer wieder hatte ich diese Bilder im Kopf, während ich trainierte, was dafür sorgte, dass ich nun eine ziemlich harte und vor allem schmerzhafte Erektion hatte, die nicht mehr weggehen wollte.
Schnell stieg ich unter die Dusche und stellte das Wasser ziemlich kalt ein, damit meine Leiden gelindert würden, doch auch das brachte nicht die gewünschte Wirkung. Egal was ich machte, ich musste immer an sie denken, wie es wäre, wenn sie nun auch hier wäre und was ich mit ihr anstellen würde.
Diese Frau machte mich fertig, weswegen ich nicht aufgeben durfte. Ich musste sie wiedersehen und sie dazu kriegen, mit mir auszugehen. Ich wollte und brauchte sie, aber wollte sie das auch? Dachte sie wohl auch so viel an mich, wie ich an sie? Und was, wenn es ihr nicht so ging? Verrannte ich mich da in etwas?
Noch nie hatte ich um eine Frau kämpfen müssen, weswegen dies ein vollkommen neues Terrain für mich war, was mich unsicher machte. Das Risiko alles zu vermasseln bestand mehr als je zuvor, weswegen ich mir schnellstens überlegen musste, wie ich sie wiedersehen und umstimmen könnte. Ein „Nein“ würde und könnte ich einfach nicht akzeptieren.
Kapitel III
Evelyn
Als wir ankamen weckte Charly mich wieder auf, was jedoch nicht so einfach war, da ich schon im Tiefschlaf gesteckt hatte. Mürrisch verabschiedete ich mich von ihm und schleppte mich die Stufen zu meiner Wohnung nach oben. Wie gern wäre ich jetzt ins Bett gefallen, doch bevor ich endlich schlafen könnte, musste ich noch einmal bei meiner Mutter ins Zimmer schauen. So oft ich es konnte, pflegte ich sie selbst, damit meine Geschwister das nicht machen mussten, also öffnete ich die Tür, nachdem ich noch einmal tief Luft geholt und Kraft getankt hatte.
Wie immer lag sie einfach nur in ihrem Bett und starrte an die Decke. Jedes Mal hoffte ich, dass sie endlich wieder die Alte wäre, diese fröhliche, unbeschwerte Frau, die ich in meiner Kindheit kennenlernen durfte. Dass sie auf mich zugelaufen käme und mich in ihre Arme schließen würde, wenn sie mich sehen würde. Dass sie wieder für uns da wäre. Aber wem machte ich etwas vor... Ich hatte Medizin studiert, arbeitete im Krankenhaus und wusste, dass die Chance gleich Null war, dass sie wieder aus ihrem Wachkoma erwachen würde.
Als ich an ihr Bett trat, überprüfte ich ihre Zugänge wie ihre Magensonde, leerte den Urinbeutel und drehte sie, damit sie keine wunden Stellen bekam. Währenddessen redete ich mit ihr über meinen Tag im Krankenhaus, über unsere Familie und Belanglosigkeiten, während ich meinen Job im Stripclub verschwieg. Sie wusste nicht, dass ich dort arbeitete, wobei ich noch nicht einmal sagen konnte, ob sie überhaupt etwas mitbekam. Dennoch sollte sie nicht wissen, dass ihre Tochter sich für Geld auszog, das war etwas, was wahrscheinlich keine Mutter gerne hören würde.
Nachdem ich sie versorgt hatte, ging ich wieder nach draußen in den Flur und sah noch schnell bei meinen beiden Geschwistern ins Zimmer, die beide in ihren Betten lagen und schliefen. Um sechs Uhr morgens ließ ich mich schließlich müde und erschöpft ins Bett fallen und schlief umgehend ein.
Erst gegen vier wachte ich wieder auf, da ich mich ordentlich ausschlafen musste. Ich wollte heute noch einmal für zwei Tänze in den Strip-Club, bevor ich kurz schlafen gehen wollte und anschließend wieder eine 36 Stunden Schicht im Krankenhaus antreten musste. Eilig stieg ich unter die Dusche und entspannte mich immer mehr durch das angenehm warme Wasser.
Immer wieder dachte ich an diesen Blake, was mich innerlich ärgerte, da er mich so durcheinander brachte. Was war es, was er in mir sah? Oder war es nur eine Wette gewesen, dass er mich rumkriegen musste? Aber warum war er dann so freundlich und nett zu mir gewesen? Und sein Blick mit dem er mich fixiert hatte, als ob er in mich hineinsehen konnte. Aber warum ich?
Noch viel wichtiger aber war, weshalb er mich so interessierte. Was zog mich so an ihm an? Er war überhaupt nicht mein Typ und dennoch hatte ich meinen Blick fast nicht mehr von ihm losbekommen, hatte in seiner Gegenwart kaum atmen können. Warum zerbrach ich mir wegen eines Gastes so das Gehirn? Eigentlich war er doch nicht anders als alle anderen.
Auch er war jemand gewesen, der in einen Stripclub gegangen war, um sich heiße Mädels anzusehen, die sich für Geld auszogen. Also war er doch genau wie alle anderen zuvor auch. Aber er hatte mich nicht angefasst, wollte am Anfang nicht, dass ich für ihn tanzte und hatte mich die ganze Zeit über nur angesehen und das in die Augen. Ich hatte ihn kein einziges Mal dabei ertappt, dass er auf meine Brüste oder meinen Hintern gestarrt hatte. Also war er doch anders, als die anderen, oder fand er meinen Körper nicht heiß? Warum musste das so kompliziert sein?
Wütend trocknete ich mich ab, verdrängte die Gedanken an ihn und zog mich warm an, da es draußen eisig kalt aussah und ich gleich noch zur Bank gehen wollte. Als ich schließlich ins Wohnzimmer ging, sah ich wie meine Geschwister vor dem Fernseher saßen und Cornflakes aßen.
>> Macht den Fernseher aus und geht in die Küche. Ich möchte nicht, dass ihr vor dem Ding esst.<<
>> Da haben wir aber grade den Boden gewischt.<<
Neugierig ging ich zur Küche und sah hinein. Dort war wirklich alles auf Hochglanz geputzt und der Boden noch feucht vom Wischen, was mich stolz machte.
>> Ihr habt echt die ganze Küche geputzt?<<
>> Ja und den Rest der Wohnung aufgeräumt, gesaugt, Staub gewischt, alle Sachen von Mum gereinigt und desinfiziert, sie gefüttert, umgelagert, alles fertig.<<
Ich sah die beiden anerkennend an und setzte mich zu ihnen auf die Couch. Sie waren Zwillinge und inzwischen vierzehn Jahre alt. Natürlich verlangte ich von ihnen, dass sie im Haushalt mithalfen, allerdings nicht in so starkem Ausmaße.
>> Danke, das ist klasse, aber das hättet ihr nicht machen müssen. Ich habe heute frei, da hätte ich euch helfen können.<<
>> Wir wollten aber, dass du auch mal einen freien Tag hast. Du arbeitest so viel für uns, damit wir alle über die Runden kommen, da ist das wirklich gar nichts, außerdem musst du gleich schon wieder los, also hast du wieder nicht viel vom Tag.<<
Ich lächelte Maya an und blickte dann zu Toby, der gerade seine leere Schüssel auf den Tisch stellte.
>> Wie war dein Footballtraining gestern?<<
>> Das war gut. Wir haben morgen ein Spiel, aber Maya kann sich dann um Mum kümmern.<<
>> Ist gut. Sonst alles in Ordnung bei euch?<<
>> Alles in Ordnung.<<
>> Schön. Ich wollte gleich zur Bank und danach noch ein paar Sachen einkaufen, wenn ihr also etwas braucht, dann schreibt es auf die Einkaufsliste.<<
Mit diesen Worten stand ich auf und holte mir einen Apfel aus der Küche, den ich im Gehen aß, während ich noch einmal bei unserer Mutter nach dem Rechten sah. Nebenbei legte ich schon mal alles für den Pflegedienst bereit, der immer kam, wenn Maya und Toby in der Schule waren.
Anschließend zog ich mir meinen Mantel und meine Stiefel an und holte den Umschlag mit dem vielen Geld aus meinem Zimmer. Draußen umklammerte ich meine Handtasche so fest ich konnte, da ich Angst davor hatte, dass sie mir jemand klauen könnte. Mit so viel Geld war ich einfach noch nie unterwegs gewesen. Umso glücklicher und erleichterter war ich, als ich endlich an der Bank ankam und das Geld einzahlte.
Ich war ungemein stolz auf mich, dass ich mich während meines Studiums nicht verschuldet hatte, während die meisten mit etwa 200.000 Dollar Schulden aus dem Studium gingen. Doch während die Anderen ihre Schulden anschließend abzahlen konnten, musste ich dann schon Geld zurücklegen, um Maya und Toby eine Chance auf ein Studium zu ermöglichen.
Inzwischen hatte ich schon eine kleine Summe angespart, dennoch freute ich mich, wenn ich das Strippen endlich an den Nagel hängen konnte und nur mit meinem Beruf als Ärztin genügend Geld verdienen würde. Allerdings war ich noch im letzten Jahr der Facharztausbildung, also würde es noch ein wenig dauern.
Nachdem ich für die kommende Woche eingekauft hatte, schleppte ich die schweren Tüten und Wasserflaschen nach oben in den vierten Stock. Ich wollte nicht das Maya und Toby das machten, da ich ihnen, so weit es eben ging, eine normale Kindheit ermöglichen wollte. Natürlich war das reines Wunschdenken, da sie durch die Pflege unserer Mutter und die Tatsache, dass sie nie eine Mutter gehabt hatten, so etwas wie eine normale Kindheit nicht kannten.
All das, was Teenager in ihrem Alter taten, war für sie nicht möglich. Es musste immer jemand zu Hause bleiben, der sich um unsere Mutter kümmerte und da ich so gut wie immer arbeitete, oder schlief, fiel diese Aufgabe auf die beiden ab. Ein Heim konnten wir uns einfach nicht leisten und das wollte ich meiner Mutter auch nicht antun. Sie war immer für mich da gewesen, also war es das Mindeste, was ich für sie tun konnte.
Maya und Toby halfen mir beim Einräumen der Einkäufe, bevor ich uns noch etwas zum Abendessen kochte und wir zusammen aßen.
In zwei Wochen hatten sie Frühjahrsferien, in denen ich selbst eine Woche Urlaub hatte. Eigentlich wollten wir gemeinsam einzelne Tagesausflüge machen, da die meisten ihrer Freunde in ein Ferienlager fuhren, doch durch die 5000 Dollar von Blake konnte ich die beiden nun ebenfalls hinschicken, woraufhin sie mir um den Hals fielen. Natürlich erzählte ich ihnen nichts von Blake, sondern nur, dass ich bei der Bank festgestellt hatte, dass wir es uns leisten könnten, woraufhin mir beide um den Hals fielen.
Ich freute mich darüber, dass sie so glücklich waren und direkt ihre Freunde anriefen, während ich die Reise beim Veranstalter buchte. In zwei Wochen würde ich also eine Woche lang allein mit meiner Mutter in dieser Wohnung hocken und ein wenig Kraft tanken.
Wann würde ich mal wieder Urlaub machen? Oder überhaupt? Während ich darüber nachdachte, fiel mir auf, dass ich noch nie im Urlaub gewesen war, sondern höchstens Mal über Nacht bei einer Freundin, oder einem Liebhaber geblieben war und so schnell würde sich das auch nicht ändern.
Als ich schließlich meine Tasche für den Club und für die Arbeit packte, kamen Maya und Toby herein und umarmten mich noch einmal, da wir uns erst in zwei Tagen wiedersehen würden. Schließlich klingelte Charly, der mich wieder mitnahm, sodass ich nach unten rannte und zu ihm ins Auto stieg.
>> Und gut geschlafen Süße?<<
>> Und wie. Fast zehn Stunden.<<
>> Sehr gut. Du sahst gestern wirklich vollkommen fertig aus.<<
>> Ich weiß, aber die Schicht im Krankenhaus vorher war ziemlich anstrengend.<<
Er nickte und bog rechts ab, als es auch schon zu regnen anfing.
>> Wie geht’s deinen Mädels?<< lenkte ich ihn ab, damit er aufhörte sich um mich Sorgen zu machen.
>> Denen geht’s gut. Zu gut manchmal. Ich glaube ich brauche bald noch männliche Verstärkung.<<
>> Na dann legt mal los.<<
>> Erst wenn ich auf dem Bau arbeite und eine geregelte, normale Arbeit habe.<<
Sofort fiel mir wieder unser Gespräch ein, das wir gestern geführt hatten, weswegen ich unbedingt etwas klarstellen musste.
>> Charly hör mal, wegen gestern. Es tut mir Leid, wenn ich falsch reagiert habe. Ich freue mich für dich, dass du gekündigt hast und bald auf dem Bau arbeitest. Das ist die beste Entscheidung, die du je treffen konntest. Ich bin stolz auf dich.<<
>> Das weiß ich doch Eve.<<
>> Es wird nur schwer ohne dich.<<
>> Deswegen sollst du da ja auch so schnell wie möglich weg.<<
>> Wenn ich noch mehr Typen wie diesen letzten von gestern hätte, ginge das auch sehr schnell.<<
>> Du machst mich wirklich neugierig. Wie viel hat er dir gegeben?<< fragte er und blickte mich erwartungsvoll an, weshalb ich schmunzeln musste.
>> 5000.<<
>> Was?<<
>> Mhm. Deswegen bin ich ja noch mal hinter ihm her, aber durch dieses Geld konnte ich Maya und Toby eine Woche Urlaub mit ihren Freunden gönnen.<<
>> Und wann machst du mal was für dich?<<
>> Ich brauche nichts.<<
>> Du hättest es am meisten nötig.<<
Wir schwiegen daraufhin für eine Weile und fuhren die letzten Kilometer schweigend zum Club. Ich beobachtete die Regentropfen und dachte sofort daran, dass heute Nacht eventuell viele Unfälle hereinkommen würden, wenn die Autofahrer schlechte Sicht hätten. Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, hielt Charly schon vor dem Club und stieg aus. Gemeinsam gingen wir hinein, wo ich direkt in der Umkleide verschwand und mich schminkte.
>> Du hast gestern wirklich was verpasst.<< sagte Debbie, die neben mir saß und sich ebenfalls fertig machte.
>> Wirklich? Was habt ihr denn gemacht?<<
>> Wir sind noch für zwei Stunden in diesen neuen Club gegangen, der vor ein paar Wochen in Seattle aufgemacht hat.<<
>> Ins JoeHoe.<< half ihr Lisa auf die Sprünge, woraufhin ich anerkennend nickte.
>> Und wie ist der Club?<<
>> Total cool. So etwas hast du noch nicht gesehen. Ich dachte da wäre um vier Uhr schon voll die Luft raus, aber da war noch richtig Stimmung und die Typen. Zum Anbeißen sag ich dir!<<
Ich lächelte nur und legte Rouge auf, während Debbie weiter schwärmte und alle im Raum unterhielt.
>> Da wäre bestimmt auch was für dich dabei gewesen. Ist ja auch schon ne Weile her bei dir, oder? Hast bestimmt schon Spinnenweben da unten.<<
>> Na danke!<< antwortete ich empört, wobei sie eigentlich Recht hatte. Es war wirklich schon Ewigkeiten her, dass ich mit einem Mann intim geworden war, was vielleicht auch ein Grund dafür war, warum ich so viel an diesen Blake dachte. Allein beim Gedanken an ihn spürte ich ein leichtes Ziehen im Unterleib, was ich besser nicht spüren sollte.
>> Ist doch so. Nächstes Mal kommst du mit und wenn wir dich an deinen schönen blonden Locken dahinziehen müssen!<<
>> Mal sehen. Wenn ich Zeit habe, komme ich mit.<<
>> Nicht vielleicht. Du kommst ganz sicher mit.<<
Ich sagte nichts mehr, da es eh nichts brachte. Sie wussten nicht, dass ich pro Woche etwa 100 Stunden im Krankenhaus verbrachte und nur nebenbei hier tanzte. Diese drei Abende pro Woche waren auch noch mal an die 20 Stunden. Da blieb keine Zeit zum Feiern.
Als wir uns gerade anzogen und ich in meine High-Heels schlüpfte, kam Ed herein, um mich auf die Bühne zu schicken. Ich hasste es, als erste auf die Bühne zu gehen, da die Typen noch nicht richtig in Stimmung waren und es sowieso noch ziemlich leer war. Umso mehr war ich überrascht, als er mich zusammen mit Ida hinausschickte. Anscheinend war es doch schon voller, da es Samstag war und wir sie zusammen aufheizen sollten.
Als die Musik schließlich erklang, traten wir durch den Vorhang und tanzten auf der Bühne, wobei jeder erst einmal auf seiner Seite blieb. Doch nach einem kurzen Blickkontakt mit Ida ging ich zu ihr hinüber und tanzte eng an ihr, berührte sie immer wieder, streichelte sie, verführte sie und zog sie aufreizend aus, was dem Publikum gefiel, sodass der Club schnell kochte. Wir zogen das die gesamte Nummer durch, weshalb ich viel Geld einsammelte und mich freute.
Nach dreißig Minuten holte Ed uns von der Bühne und kündigte die nächsten Tänzerinnen an.
Als wir gerade durch den Vorhang gingen, sah ich eine wütende Lisa, gefolgt von einer noch wütenderen Debbie.
>> Wegen euch müssen wir jetzt auch so ne Lesbennummer durchziehen. Vielen Dank!<< keifte Debbie uns an, woraufhin ich grinsen musste.
>> Jetzt stell dich doch nicht so an. Hab mal ein bisschen Spaß! Da kann ich ja mit meiner Oma noch mehr anstellen.<< rief ich ihr hinterher, weil ich es mir einfach nicht verkneifen konnte, nachdem sie mich gestern so heruntergeputzt hatte.
Als Ida und ich gerade unser Geld verstauten, kam Ed auf mich zu und sah mich nachdenklich an.
>> Dein zweiter Auftritt ist gestrichen.<< sagte er, weshalb ich ihn entgeistert ansah.
>> Was? Wieso denn? Nur wegen der Nummer gerade? Ed... ich wollte doch nur Stimmung in den Laden bringen.<< verteidigte ich mich, woraufhin er breit zu grinsen anfing.
>> Nein Süße, deswegen nicht. Das war vollkommen ok. Das könnt ihr gerne immer machen. Auch gerne nur für mich.<< sagte er mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht, weshalb ich ihm meine Faust spielerisch in die Brust rammte.
>> Nein, im Ernst. Dich hat jemand für eine private Nummer gebucht und das für die nächsten zwei Stunden und dann hast du Feierabend.<<
>> Für zwei Stunden? Was soll ich denn da alles tanzen?<<
>> Lass dir etwas einfallen. Du kriegst auf jeden Fall einen Zuschlag von mir. Komm danach einfach zu mir.<<
>> Mach ich.<< seufzte ich und dachte fieberhaft darüber nach, was ich zwei Stunden lang zeigen sollte.
>> Also Raum zwei in fünf Minuten.<<
Ich nickte und trank einen Schluck Wasser, wobei ich Ida panisch ansah, doch die zuckte auch nur mit den Schultern und verschwand schnell. Eilig zog ich mir etwas Neues an und ging schließlich in den Raum, als mich auch schon der Schlag traf.
Vor mir saß ein grinsender, selbstgefälliger und arroganter Blake. Mein Krieger der Moderne. Sein markantes Gesicht blickte mich abschätzend an, während er wieder zurückgelehnt im Sessel saß und sich unablässig über die Lippen strich. Sein Äußeres faszinierte mich immer mehr, da es so männlich und finster wirkte, wie ein Eigenbrötler, der allein in einem Wald lebte, keinen Kontakt zu Menschen besaß und auf die Jagd ging.
Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, wie er auf mich wirkte und wie gern ich ihm beim Holzhacken zusehen würde, riss er mich plötzlich aus meinen Gedanken.
>> Ich hab ja gesagt, dass ich wiederkommen werde.<< sagte er selbstgefällig und nickte mir zur Begrüßung zu.
Ich stand einige Sekunden unter Schock und starrte ihn einfach nur an, bis ich mich schließlich fasste, nickte und meinen ganzen Ärger und all meine Wut auf diesen Kerl herunterschluckte.
>> Dann tanz mal für mich Lexy und sieh mir dabei in die Augen. Die ganze Zeit, als würde es nur mich in deinem Leben geben.<<
Seine Worte verwirrten mich, weswegen es einige Sekunden dauerte, ehe ich zur Stange ging und anfing. Ich tanzte eine gute Stunde lasziv für ihn, fing immer wieder seinen Blick ein, der mir durch Mark und Bein ging, weshalb mir seine Bitte von vorhin nicht schwer fiel.
Nur zu gern stellte ich mir vor, dass er der Mann in meinem Leben war, nach dem ich mich sehnte, auf den ich vertrauen konnte, der mich beschützen und aufbauen würde und den ich anbetete, auch wenn das nur Wunschdenken war. Dennoch verflog die Zeit dadurch wie im Flug und ich genoss den Striptease, da mein Magen währenddessen Purzelbäume schlug.
Schließlich holte er mich mit einer Lockbewegung herunter, der ich sofort folgte, immerhin war er der Kunde.
>> Setz dich auf meinen Schoß und mach weiter, so wie gestern.<< hauchte er, als ich ihm schon ziemlich nah war und wir uns wieder tief in die Augen sahen. In mir kribbelte es gewaltig, während sein unvergleichlicher Duft in meine Nase stieg und mich gänzlich verrückt machte. Zunächst fuhr ich in Wellen über seinen Schritt, bis ich mich schließlich auf ihn setzte und mich nach hinten bog.
>> Du hast so wunderschöne blonde Locken wie ein Engel und dazu deine blauen Augen. Da haben wir schon mal was gemeinsam.<<
Ich ging nicht auf seine Worte ein, auch wenn ich zugeben musste, dass sie mir gefielen. Besonders gefiel mir jedoch die Art und Weise, wie er sie sagte. Als müsste er sie loswerden, als quälte ihn die Feststellung.
Bei jedem anderen wären sie mir egal gewesen, oder hätten mich abgestoßen, doch er war heiß, was er sicherlich auch wusste und er interessierte mich, was auch immer der Grund dafür war. Trotzdem war er ein Gast, weshalb ich niemals etwas mit ihm anfangen würde.
Als ich mich gerade wieder erheben wollte, hielt er mich fest und drückte mich wieder auf seinen Schoß, weswegen ich ihn fragend ansah.
>> Bleib einfach nur sitzen. Kein Tanzen, keine Spielchen, einfach nur sitzen bleiben und mich ansehen.<<
>> Warum?<< rutschte es aus mir heraus, bevor ich es verhindern konnte.
>> Ist das so ungewöhnlich?<<
Ich verkniff mir eine Antwort und biss mir auf die Lippe, da ich eigentlich nur zum Tanzen hier war, weshalb er noch einmal nachhorchte.
>> Lexy?<<
>> Es... Ehrlich gesagt ja. Gefällt Ihnen nicht, wie ich tanze? Wenn ich etwas ändern soll, dann sagen Sie es mir.<<
>> Du denkst, mir gefällt das nicht?<<
Ich zuckte mit den Achseln und sah ihn weiterhin an. Eigentlich gefiel es mir auf seinem Schoß sitzen zu bleiben, etwas, dass ich bei niemand anderem machen würde. Meine Arme waren um seinen Nacken geschlungen, der hart wie Stein war. Wie viel musste dieser Mann trainieren und wofür? Wenn er reich war, hatte er sicherlich keinen Job mit körperlicher Anstrengung, sondern eher mit geistiger. Doch bevor ich weiter darüber grübeln konnte, riss er mich auch schon wieder aus meinen Gedanken.
>> Es gefällt mir viel zu gut. Du bist heiß und total sexy, aber wenn du weitermachst, kann ich für nichts garantieren. Außerdem möchte ich die richtige Lexy sehen.<<
>> Die ist doch hier.<<
>> Verkauf mich nie wieder für dumm! Wir wissen beide, dass das nicht du bist. Ich habe gestern sehr viel über dich nachgedacht. Irgendwie gingst du mir nicht aus dem Kopf. Die ganze Zeit über habe ich gegrübelt, wer du wirklich bist, weshalb du das hier machst, warum du dir diese widerlichen Typen hier antust.<<
>> Aber...<< unterbrach ich ihn, woraufhin er mir plötzlich seinen Finger auf die Lippen legte und mich zum Schweigen brachte. Die Stelle prickelte stark und ließ in mir den Wunsch regen, es wären seine Lippen die mich dort berührten. Es knisterte gewaltig zwischen uns, da auch ihm meine Reaktion anscheinend nicht entging.
>> Du sollst mich nicht für dumm verkaufen.<< sagte er liebevoll mit einem Grinsen im Gesicht, als Charly plötzlich auftauchte und kurz nach dem Rechten sah.
>> Alles in Ordnung bei dir Lexy?<<
>> Alles ok.<< versicherte ich ihm, weswegen er nach einem Nicken direkt wieder verschwand und ich wieder Blake ansah, der auf einmal ziemlich grimmig wirkte.
>> Bist du mit ihm zusammen?<<
>> Mit Charly?<<
>> Mhm.<<
>> Nein, er passt nur auf mich auf.<< stellte ich klar, woraufhin Blakes Gesicht wieder freundlichere Züge annahm.
>> Gut. Wie lange arbeitest du schon hier?<<
>> Ich denke, dass geht Sie nichts an Mister...<<
>> Mister? Du weißt doch schon, dass ich Blake heiße.<<
>> Trotzdem würde ich Sie niemals mit dem Vornamen ansprechen.<<
>> Warum nicht?<<
Ich zuckte mit den Schultern, woraufhin er laut seufzte und ich seinen frischen, minzigen Atem roch.
>> Es ist wirklich schwierig dich kennenzulernen, wenn du so verschlossen bist.<<
>> Naja es ist halt auch ein Strip-Club und keine Bar, in der man Dates hat.<<
>> Na und? Darf man hier niemanden Nettes kennenlernen?<<
>> Wenn es nach Ihren Freunden geht nicht.<< rutschte es aus mir heraus, wofür ich mich sofort entschuldigte und die Augen schloss. Innerlich gab ich mir einen Fußtritt nach dem anderen, die ordentlich schmerzten.
>> Das waren keine Freunde. Das waren nur reiche Muttersöhnchen, die das erste Mal richtig draußen waren.<<
>> Es tut mir wirklich Leid, das geht mich nichts an.<< sagte ich und stand auf, als er mich an der Hand festhielt und ebenfalls aufstand. Er war ein ganzes Stück größer, trotz meiner High-Heels und sorgte dafür, dass zwischen uns kein Zentimeter mehr Platz blieb. Sofort beschleunigte sich mein Puls, was ich nicht mehr für möglich gehalten hätte und mehr denn je, hatte ich den Wunsch ihn zu berühren.
>> Sag mir bitte einfach nur, dass du noch einen Plan B hast, dass du das hier nicht dein Leben lang machen möchtest.<< flüsterte er an mein Ohr gelehnt, was mir eine Gänsehaut verschaffte und meinen Atem stocken ließ.
Ich trat einen Schritt zurück, damit ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte und ich nicht die ganze Zeit über auf seine durchtrainierte Brust starren und ich nicht seinen männlichen, frischen und anziehenden Duft riechen musste.
>> Lexy...<< seufzte er, während ich seinen Atem auf meiner sensiblen Haut am Hals spürte und ein starkes Kribbeln durch meinen Körper fuhr.
>> Ich... Ich weiß nicht, was das hier soll. Das überfordert mich irgendwie.<< stammelte ich, obwohl ich versucht hatte mit fester Stimme zu sprechen, doch in seiner Gegenwart war ich alles andere als bestimmt und selbstsicher.
>> Inwiefern?<<
>> Naja... Normalerweise tanze ich einfach nur ohne dabei zu reden, aber Sie möchten die ganze Zeit reden, den Prinzen spielen, aber das geht nicht.<<
>> Warum geht das nicht?<< hakte er interessiert nach und sah mich dabei wieder einige Sekunden durchdringend an, bis ich ihm mit einer Gegenfrage auswich.
>> Warum können Sie sich nicht eine andere für ihre Spielchen aussuchen? Da sind so viele, so schöne Frauen draußen. Suchen Sie sich eine andere aus, die wird sich sicherlich mehr freuen und unterhaltsamer und offener sein, als ich es bin. Denn ich bin eher der verschlossene Typ und Sie machen mich verdammt noch mal nervös.<<
Ich atmete einmal tief durch, bis ich mich wieder an seine Frage erinnerte und darauf einging.
>> Natürlich habe ich einen Plan B. Schließlich kann ich nicht ewig tanzen. Wer möchte schon eine alte Oma an der Stange sehen. Eigentlich ist das hier mein Plan B und meinen Plan A verwirkliche ich schon, aber das dauert noch, bis ich mich davon über Wasser halten kann. So lange ist das hier ein Teil meines Lebens. Aber das geht Sie eigentlich alles gar nichts an. Wissen Sie was, schreiben Sie mir einfach ihre Kontodaten auf, dann überweise ich Ihnen die 5000 Dollar zurück, dann sind wir wieder Quitt.<<
>> Du denkst, dass es mir darum geht?<< fragte er sichtlich empört und sofort spürte ich, dass ich ihn damit verletzt hatte, doch was erwartete er von mir? Ich konnte einfach nicht klar denken, wenn er hier war und so dicht vor mir stand, mir solche liebevollen Sachen sagte und sie mir ins Ohr flüsterte.
>> Ich weiß nicht, worum es hier geht. Wirklich ich habe keine Ahnung, ich weiß nur, dass es mich wahnsinnig macht.<<
>> Die 5000 Dollar waren für dich gestern und die behältst du. Auch heute möchte ich dir wieder etwas geben, immerhin konntest du deinen zweiten Auftritt heute nicht machen, also ist dir Geld entgangen.<<
>> Aber keine 5000 Dollar. Die Typen auf der Bühne geben mir ein Dollar Scheine, oder höchstens zehn Dollar Scheine, aber keine hunderter wie Sie.<<
>> Es ist doch mir freigestellt, was ich dir gebe, oder nicht?<<
>> Sie haben schon genug für die zwei Stunden Privataudienz gezahlt, mehr möchte ich nicht.<<
>> Aber das Geld bekommst nicht du, sondern der Besitzer.<<
>> Ich möchte Ihr Geld nicht, sonst komme ich mir genau so billig vor, wie die Typen mich gestern eingeschätzt haben. Tut mir Leid, aber die Zeit ist um und jemand wie Sie, der so gut aussieht, so wohlhabend ist und so fest im Leben steht, sollte woanders nach einer Frau suchen, aber bestimmt nicht hier und bestimmt nicht jemanden wie mich, denn das ist unter ihrer Würde.<<
Ohne ihn noch einmal anzusehen ging ich hinaus und flüchtete schnellen Schrittes in die Umkleide.
Als ich ankam, holte ich endlich wieder Luft und bereute meine Abfuhr zutiefst, da er es nicht verdient hatte und ich mir schäbiger als je zuvor vorkam, da ich so schlecht über mich selbst gesprochen hatte. Er war nett und aufmerksam gewesen und ich hatte ihn verjagt. Hoffentlich bekam Ed nichts davon mit, sonst könnte ich meinen Job hier eventuell vergessen.
Um mich von der ganzen Misere abzulenken, schminkte ich mich ab und zog mir meine Alltagskleidung an, da ich gleich ins Krankenhaus fahren und dort noch ein paar Stunden schlafen würde, bevor meine Schicht beginnen würde. Doch als ich gerade aufbrechen wollte, kam Charly mit einem Umschlag herein und lächelte mich an.
>> Das hat der Typ von eben noch für dich abgegeben. Scheint wieder ein ordentliches Trinkgeld zu sein.<<
>> Behalt es, ich will es nicht.<<
Das Lächeln verschwand auf seinem Gesicht, als er bemerkte, dass ich vollkommen durch den Wind war.
>> Was hat er gemacht?<< brummte er und stand sofort unter Spannung. Dieser Schrank von einem Mann schien auf einmal noch größer und noch bedrohlicher zu werden, was eigentlich nicht mehr möglich gewesen wäre.
>> Er hat überhaupt nichts gemacht. Er baggert mich an und möchte mit mir ausgehen, weil ich das aber nicht mache, kommt er her und möchte dann mit mir reden und mich kennenlernen.<<
>> Und was bringt dich dann so aus der Fassung?<<
>> Keine Ahnung. Er macht mich nervös, weil ich ihn sympathisch finde, aber er ist ein Kunde, also kann ich nicht mit ihm ausgehen.<<
>> Nur weil du ihn hier durch Zufall kennengelernt hast?<<
>> Nur?<< fragte ich ihn empört, weil es meiner Meinung nach ein absolutes Ausschlusskriterium war.
>> Wo bitte soll dich sonst jemand kennenlernen? Du bist doch wenn immer hier, oder im Krankenhaus. Du gehst nie aus, bist in der freien Zeit fast nur zu Hause und kümmerst dich um deine Mutter, damit Maya und Toby auch mal Freizeit haben. Dich kann man nicht auf neutralem Boden kennenlernen Eve.<<
>> Aber im Stripclub?<< fragte ich ihn überspitzt und sah ihn ungläubig an, da es nicht sein Ernst sein konnte, woraufhin er nur mit den Schultern zuckte und mir den Umschlag auf den Tisch legte.
>> Er hat darauf bestanden, dass du den bekommst, niemand sonst, damit dein Plan A bald dein Leben bestimmt, was auch immer das heißen soll.<<
Ich lächelte bei dem Satz und packte den Umschlag in meine Tasche, bevor ich mit Charly nach draußen ging und mich von ihm verabschiedete.
Die Busfahrt ins Krankenhaus dauerte fast 45 Minuten, in denen ich immer wieder über diesen Blake nachdachte. Wahrscheinlich war ich einfach nur verdammt geil auf ihn und mehr nicht. Immerhin war es schon ewig lange her, dass ich mit jemandem intim geworden war, was mir wieder vor Augen führte, was für ein armseliges Leben ich eigentlich führte.
Ich war gerade mal 27 Jahre alt, arbeitete gute 100 Stunden pro Woche und kümmerte mich in der restlichen Zeit um meine Mutter. Während ich grade zum Krankenhaus fuhr, um schlafen zu gehen, da ich morgen wieder arbeiten musste, fuhren die anderen im Bus, so wie es aussah, zur nächsten Party, um ihre jungen Jahre zu genießen. Verpasste ich also etwas? Vermisste ich etwas?
Ich war noch nie der Typ gewesen, der unbedingt ausgehen und sich betrinken musste, doch gegen eine Beziehung, oder Sex wäre sicherlich nichts einzuwenden. Doch wenn das mit mir so weiterginge, würde ich als einsame Jungfer enden.
Am Hilary Dawn Medical Center stieg ich schließlich aus und ging zu meinem Spind, in den ich meine Tasche mit dem Geld hineinlegte. Ich würde zu Hause nachsehen, wie viel er mir spendiert hatte, wobei ich wirklich neugierig war. Doch nun musste ich erst einmal schlafen, weshalb ich mich schon mal in meine Krankenhauskleidung warf und anschließend in ein freies Bereitschaftszimmer ging.
Als mein Wecker klingelte stand ich wieder auf, putzte mir die Zähne, band meine Haare zu einem Zopf zusammen und schminkte mich dezent, bevor ich nach draußen auf den Flur trat und meine Kollegen begrüßte.
>> Hast du wieder hier geschlafen?<< fragte mich Berry aus dem fünften Jahr, der sich, so wie ich, für die Kardiologie entschieden hatte.
>> Ja, ich war bis um zwei unterwegs, da hatte es sich nicht mehr gelohnt nach Hause zu fahren.<<
>> War wohl ziemlich viel los gestern, auf jeden Fall haben wir viel zu tun heute.<<
>> Umso besser, dann geht die Zeit schneller rum.<<
>> Guten Morgen Dr. Chamberlain, Dr. Ross.<< begrüßte uns die Oberärztin, als sie die Patientenakten für den heutigen Tag vor uns auf den Tresen legte.
>> Dr. Chamberlain Sie werden heute einen Bypass bei Mrs Miller übernehmen und eine neue Herzklappe bei Mr Turner einsetzen. Dr. Carter wird Ihnen assistieren.<<
>> In Ordnung.<<
Ich nahm mir die beiden Akten und studierte sie kurz, bevor ich mit Ian zu den Patienten ging und mit ihnen alles für die Operation besprach. Mrs Miller hatte unendlich viele Fragen, weswegen es ein wenig länger dauerte, doch daran hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Ich versuchte immer alle Fragen in Ruhe zu beantworten, da ich ihre Sorgen verstehen konnte, immerhin hielt ich unter Umständen ihr Leben in meinen Händen.
Sie sollten das Gefühl haben, dass sie bei mir in guten Händen waren und ich mich um sie kümmern würde. Während Ian die Patienten für die Operationen vorbereitete, frühstückte ich noch schnell und trank einen Kaffee, als sich Laura zu mir setzte und mich freudestrahlend ansah.
>> Ich werde gleich eine neue Niere bei Mrs Fayton einsetzen.<<
>> Dann hat es doch noch geklappt?<<
>> Ja, die Tochter aus Cleveland war geeignet.<<
>> Das freut mich für dich.<<
>> Und bei dir?<< fragte sie, während sie kurz an ihrem Kaffee nippte.
>> Einen Bypass und eine neue Herzklappe.<<
>> Mit wem?<<
>> Ian assistiert mir und wehe er konzentriert sich nicht und lässt wieder das OP-Besteck fallen, dann kriegt er einen Einlauf von mir.<<
>> Wird er schon nicht. Er hat eine Heidenangst vor dir.<<
>> Sollte er auch.<<
>> Gehen wir heute Abend vor der Nachtschicht noch etwas essen? Ich muss dir unbedingt von Ryan erzählen. Wir hatten gestern unser drittes Date.<<
Ich schmunzelte, da sie zu träumen begann und über das ganze Gesicht strahlte.
>> Da scheint es aber jemanden erwischt zu haben.<<
>> Und wie.<< seufzte sie und nahm mich nun endlich wieder wahr.
>> Also heute Abend?<<
>> Ich sollte gegen sechs mit den Operationen und den Nachsorgeterminen durch sein.<<
>> Gut dann um sechs hier.<<
Sie drückte mir noch mal die Schulter, bevor sie aufstand und ich den Rest meines Rühreis aufaß. Laura war meine beste Freundin hier, da wir uns vom ersten Tag der Ausbildung an kannten und vieles gemeinsam durchgestanden hatten. Sie kannte mich in und auswendig, wusste auch über meine Familie und meinen Job im Club Bescheid, da ich ihr vertrauen konnte.
Am Anfang hatten wir immer zusammen gearbeitet, doch während der Facharztausbildung hatte sie lieber die Allgemeinmedizin gewählt, wohingegen ich mich für die Kardiologie entschieden hatte, da mich das Herz von Anfang an fasziniert hatte. Dennoch hatten wir oft gemeinsam Dienst, vor allem nachts, wo wir in der Notaufnahme aushalfen.
Bis vor einem Jahr hatte sie noch in einer festen Beziehung gesteckt und wollte Sean heiraten, doch dann erwischte sie ihn mit einer anderen und trennte sich von ihm. Seitdem hetzte sie von einem Date zum nächsten, da niemand ihre Anforderungen erfüllen konnte.
Mit einem Seufzer erhob ich mich und ging zum Operationssaal auf der vierten Etage, um bei Mrs Miller nun den Bypass zu legen. Es dauerte gute drei Stunden und verlief ohne weitere Komplikationen, weshalb ich gegen zwei Uhr schon Mr Turner eine neue Herzklappe verpasste.
Dabei kam es zu einer kleinen Blutung, die ich jedoch schnell wieder in den Griff bekam. Auch Ian riss sich diesmal zusammen und machte keine Fehler. Anscheinend hatte er seit der letzten gemeinsamen Operation etwas dazugelernt, nachdem ich ihn mir zur Brust genommen hatte.
Um halb sechs überprüfte ich noch einmal die Vitalfunktionen meiner Patienten, bevor ich wieder nach unten fuhr und mit Laura essen ging.
>> Dann erzähl mir mal von Ryan.<< bat ich sie, als ich mich gerade setzte und mir eine Gabel des Salats gönnte.
>> Er ist einfach anders, als die anderen. Wir waren gestern im Belvedere essen, was total romantisch war. Er ist so aufmerksam und zuvorkommend und wir haben das gleiche durchgemacht.<<
>> Er wurde auch betrogen?<<
>> Ja, von seiner letzten Freundin, weswegen es ihm genau so geht wie mir und wir alles ganz langsam angehen wollen. Am Ende haben wir uns dann endlich geküsst und er kann so gut küssen... Eve...<< schwärmte sie und drückte meinen Arm.
>> Ich glaube, ich habe ihn endlich gefunden und wir verstehen uns wirklich super, haben die gleichen Interessen und lachen über die gleichen Witze. Das ist einfach so unglaublich entspannend. Bei ihm muss ich mich nicht verstellen.<<
>> Du solltest dich auch nicht verstellen. Du bist toll so wie du bist, wer das nicht sieht, ist selbst Schuld.<<
>> Ich weiß, aber irgendwie möchte man ja immer allen gefallen.<<
Ich hob kritisch meine Augenbraue und trank einen Schluck Wasser, als sie es mit einem Achselzucken abtat und weiter aß.
>> Er holt mich morgen Abend von der Arbeit ab. Dann kannst du mal einen Blick auf ihn werfen.<<
>> Dass lasse ich mir nicht entgehen, wenn ich Zeit habe.<<
>> Ich frage ihn mal, ob er einen guten Freund hat, der Single ist, dann könnten wir ja mal alle gemeinsam ausgehen.<<
>> Auf keinen Fall Laura. Vergiss es.<< sagte ich panisch, damit sie nicht weiter darüber nachdachte und schon alles plante, da ich das auf keinen Fall wollte.
>> Aber bei dir ist es schon Jahre her.<< sagte sie mitleidig und sah mich dabei mit großen, traurigen Augen an, was mich nur noch nervte.
>> Ich weiß, danke, dass du mich daran erinnerst, aber falls du es vergessen hast, ich möchte es so. Ich brauche keinen Mann an meiner Seite.<<
>> Rede dir das nur schön weiter ein.<< zickte sie mich an, woraufhin ich meine Gabel zur Seite legte und tief durchatmete.
>> Vielleicht habe ich ja auch schon jemanden kennengelernt.<<
Sofort weiteten sich ihre Augen, weswegen ich meinen Satz schon wieder bereute. Eigentlich hatte ich gedacht, dass es sie besänftigen würde und wir damit das Thema überspringen würden, doch diese Idee war nach hinten losgegangen, da sie nun nur noch neugieriger war.
>> Was? Wen? Erzähl.<<
>> Ich erzähl es dir, wenn es da wirklich etwas zu erzählen gibt. Bisher ist es eher nur ein Anbaggern. Ich weiß noch nicht, ob ich darauf eingehen sollte.<<
>> Bitte Eve, geh drauf ein, wenn du ihn nett findest.<<
>> Er wird eh das Weite suchen, wenn er merkt, was bei mir los ist.<<
>> Vielleicht auch nicht. Das kannst du nicht wissen. Versprich mir, dass du ihm eine Chance gibst.<<
>> Wenn ich ihn noch mal sehen sollte, ja. Wenn ich ihn nicht schon vergrault habe.<<
Laura seufzte, als sich plötzlich unsere Pager meldeten und wir eilig in die Notaufnahme liefen.
In der Nacht war nicht besonders viel los, es reichte jedoch aus, um uns durchgängig zu beschäftigen. Am nächsten Morgen bereitete ich noch ein zehnjähriges Kind für seine Bypass Operation vor und assistierte meiner Oberärztin bei dem Eingriff. Da das Herz schon stark geschädigt war, gab es einige Komplikationen, weswegen ich erst gegen sechs Uhr Abends aus dem OP kam.
Vollkommen erschöpft schleppte ich mich zum Getränkeautomaten und holte mir etwas Erfrischendes zu trinken. Auf einmal spürte ich wie mein Magen knurrte, weswegen ich mir noch schnell einen Schokoriegel zog und diesen in Rekordgeschwindigkeit verschlang.
Als ich mich gerade umziehen und nach Hause gehen wollte, piepte mein Melder wieder, der mir einen Notfall in der Notaufnahme anzeigte. Ich seufzte noch einmal kurz, als ich auch schon losrannte und mich auf das Schlimmste gefasst machte.
Kapitel IV
Blake
>> Oh, hallo Mr Humphrey. Wir hatten Sie heute gar nicht erwartet.<< begrüßte mich der Fotograf ein wenig irritiert und hielt kurz inne.
>> Ich habe mich spontan dazu entschieden, weil ich sehen wollte, wie es läuft.<< erklärte ich meinen Besuch und sah auf die halbnackten Models, die sich grade in Dessous auf einer Couch räkelten. Es war ein zugegeben äußerst netter Anblick, der sich mir dort bot, weswegen ich mich über meinen Job nicht beklagen konnte.
Allerdings war ich eigentlich hergekommen, um mich ein wenig abzulenken und nicht ständig an Lexy denken zu müssen. In meinem Büro war es zu ruhig gewesen, weswegen meine Gedanken immer wieder abgeschweift waren und ich nun nach etwas Ablenkung suchte, was durch diesen Anblick auch nicht wirklich funktionierte.
Sofort stellte ich sie mir in diesen Dessous vor, was wesentlich besser ausgesehen hätte, da sie einen Körper zum Niederknien hatte, während diese Models einzige Hungerhaken mit einer Hühnerbrust waren.
Vor meinen inneren Augen lag Lexy auf dem Sofa, mit dem Kopf auf der Lehne, während ihre lockige, blonde Mähne darüber nach unten fiel. Ihr linkes Bein wäre angewinkelt, wohingegen das rechte auf dem Boden stünde. Ihr Rücken würde sich durchrecken, sodass ihre Brüste nach oben gestreckt wären. Dabei würden wir die ganze Zeit tiefe Blicke austauschen, wobei ich wahrscheinlich schon nach drei Sekunden auf ihr liegen und sie küssen würde. Ihre sanften und vollen Lippen spüren würde, die gestern schon so sanft und warm an meinem Finger zu spüren gewesen waren.
>> Mr Humphrey?<< riss mich plötzlich der Fotograf aus meinen schönen Gedanken, wofür ich ihn am liebsten gefeuert hätte.
>> Mhm?<<
>> Ich sagte, dass Sie zu meiner Assistentin gehen und dann die bisherigen Bilder der Fotostrecke schon einmal betrachten können.<<
>> Das werde ich gleich machen, machen Sie ruhig weiter, ich schaue Ihnen noch ein wenig zu.<<
Er nickte nur, während ich ihn dabei beobachtete, wie er immer wieder Fotos aus allen möglichen Winkeln und Perspektiven schoss, die Models herumkommandierte und sie ständig umsetzte und neue Posen annehmen ließ. Sie kamen mir wie kleine Marionetten vor, die an seinen Fäden hingen, weswegen ich kurz schmunzeln musste.
Wenn die Leute wüssten, wie so ein Fotoshooting ablief und wie viel am Ende retuschiert wurde, würden sie nicht mehr so viel Spaß beim Anblick dieser Frauen haben und sich bestimmt nicht mehr so unter Druck setzen mit dem eigenen Körper. Es war wirklich erstaunlich, was sie alles bearbeiten konnten, was ich vor Augen hatte, als ich mir grade die Fotos der Strecke ansah, die wenig mit dem zu tun hatten, was ich in Realität vor mir sehen konnte.
Da wurden Körbchengrößen ordentlich aufgepusht, Nasen und Ohren korrigiert, Hüften schmaler gemacht, Muskeln eingebaut oder auch der Hautton verschönert. Mit den eigentlichen Models hatten diese abgebildeten Frauen am Ende wenig zu tun. Was vielleicht auch gar nicht schlecht war, denn mich turnten diese Frauen, die sich dort räkelten, überhaupt nicht an.
>> Wie viele Seiten gehören uns?<< fragte mich die Assistentin, während wir durch die Bilder sahen.
>> Acht Seiten mit Text.<<
>> Könnten wir nicht zehn haben, weil...<<
>> Geht nicht, weil wir ein Exklusivinterview haben und das braucht sechs Seiten, da können wir nichts dran machen.<< unterbrach ich sie und sah wieder auf die Fotos. Sie nickte nur, notierte es sich kurz und eilte dann schnell wieder zu ihrem Boss, der eine neue Speicherkarte benötigte.
>> Hast du Lexy etwa schon aufgegeben?<< fragte mich eine Stimme hinter mir, weswegen ich mich schnell umdrehte und Lewis ansah.
>> Sicher nicht.<<
>> Naja, bei so vielen schönen Frauen...<< bemerkte er und sah bereits mit großen Augen zu den Models hinüber.
>> Gegen Lexy kommen die nicht an. Keine von ihnen.<<
Er bewegte seinen Kopf hin und her, als müsste er überlegen und abwägen, ob meine Aussage stimmte, weswegen ich nur resigniert den Kopf schüttelte und mich zum Gehen wandte.
>> Müssen wir wirklich schon gehen?<<
>> Also ich habe Hunger, du kannst ja hier bleiben und weiterhin wie ein Groupie vor den Mädels stehen und sabbern wie ein Hund.<<
>> Sehr witzig.<<
Ich grinste, woraufhin Lewis zu mir kam und wir gemeinsam nach draußen gingen, um gemeinsam Mittag zu essen.
>> Kommt Dan heute nicht?<<
Normalerweise aßen wir immer zu dritt, da wir alle zusammen arbeiteten und dieses gemeinsame Mittagessen dazu nutzten uns auszutauschen, da ich oft auch bei meinem Vater im Verlag arbeitete und es uns somit eine Möglichkeit gab, uns angenehm und ungestört über alles auszutauschen.
>> Er hatte noch einen Außentermin der nicht warten konnte.<<
>> Verstehe. Dann kommt er aber heute Abend?<< hakte ich nach, da wir heute Abend zusammen zum Sport wollten.
>> Ja, wobei ihm acht Uhr lieber wäre.<<
>> Meinetwegen. Ich habe vorher eh noch ein Meeting mit meinem Vater.<<
>> Dann also um acht. Du arbeitest in letzter Zeit viel für ihn.<< bemerkte er und sah mich nachdenklich an. Er wusste, dass es für mich nicht einfach war, da ich lieber mein eigener Boss war, doch zu einem Familienunternehmen gehörte nun mal die gesamte Familie. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und mich ab und an zusammenreißen.
>> Es war in den letzten Tagen viel zu tun und ich glaube das wird auch erst mal so bleiben.<<
>> Und unser Unternehmen? Hast du überhaupt noch Zeit dafür?<<
>> Das läuft doch alles, wie es soll. Unsere Mitarbeiter sind gut eingearbeitet, außerdem bin ich ja auch da fast jeden Tag vor Ort, um kurz nach dem Rechten zu sehen. Es ist nur stressiger für mich, da meine Arbeitstage im Moment 16 bis 18 Stunden lang sind.<<
>> Überarbeite dich nicht, sonst verschieben wir das mit dem Sport heute Abend.<<
>> Das könnte dir so passen.<< zog ich ihn auf, während wir zu unserem gewohnten Burgerladen gingen. Wir wechselten uns alle zwei Wochen ab, sodass es uns nicht zu langweilig wurde, doch heute standen ungesunde und leckere Burger auf dem Speiseplan. Nachdem wir uns unsere Gerichte zusammengestellt hatten, setzten wir uns an einen Tisch und bissen herzhaft hinein.
>> Die Bedienung steht glaube ich auf dich.<< bemerkte Lewis, woraufhin wir sie beide ansahen und sie mich kurz angrinste. Sie sah nett aus, hatte ein hübsches Gesicht, braune lange Haare, die sie sich zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden hatte und eine schlanke Figur, dennoch interessierte sie mich nicht. Nichts an ihr sorgte dafür, dass ich meinen Blick nicht mehr von mir losbekam, was bei Lexy anders gewesen war.
>> Mag sein.<< murmelte ich und sah schnell wieder weg, um ihr nicht falsche Hoffnungen zu machen, da sie mich nicht interessierte.
>> Sprich sie doch mal an und lern mal wieder eine Frau kennen Blake.<<
>> Und wozu?<<
Lewis seufzte und gab es auf, mich dazu zu bringen die Frau anzusprechen, da es jedes Mal das Gleiche war. Er versuchte alles, um mich gut dastehen zu lassen, während ich kein Interesse zeigte und am Ende die Nummern der Frauen wegwarf.
>> Ist bei Ihnen alles in Ordnung, oder soll ich Ihnen noch etwas bringen?<< fragte sie mich plötzlich, während ich noch nicht einmal mitbekommen hatte, dass sie zu uns gekommen war.
>> Alles bestens, danke.<< antwortete ich knapp und wandte schnell wieder meinen Blick auf mein Essen, damit sie weiterging, doch das funktionierte dieses Mal nicht.
>> Sind Sie nicht Blake Humphrey?<< fragte sie nach und strahlte auf einmal über das ganze Gesicht, während ich nur noch frustriert war und am liebsten den Laden verlassen hätte. Lewis spürte sofort meinen Unmut, da er wusste, wie sehr ich es hasste, wenn man mich ansprach und wie ein Groupie neben mir stand.
>> Ist er und er würde jetzt gerne in Ruhe zu Mittag essen, wenn das ginge.<< antwortete Lewis scharf für mich, weswegen sie ein wenig eingeschnappt nickte und sofort weiterging. Erleichtert atmete ich auf und dankte ihm mit einem Nicken.
Wir konzentrierten uns aufs Essen, während wir auf einem Fernseher neben uns ein Footballspiel verfolgten und nicht weiter auf das Thema mit der Bedienung eingingen.
>> Hat Ian dich eigentlich noch angezeigt?<< fragte mich Lewis plötzlich, nachdem wir schon einige Bissen genossen hatten und der größte Hunger gestillt war.
>> Nein, hat er nicht. Allerdings hat er es seinen Eltern erzählt, die daraufhin bei meinen anriefen.<<
>> Nicht dein ernst, oder?<< fragte er mich ungläubig, woraufhin wir beide grinsen mussten. Als meine Mutter mich deswegen gestern angerufen hatte, hatte ich mich wieder in meine Kindergartenzeit zurückversetzt gefühlt, was einfach nur lächerlich für Ian war. Er war ein erwachsener Mann und trotzdem musste er sofort zu seinen Eltern rennen und den Vorfall petzen gehen.
>> Anscheinend kann er das noch nicht selbst regeln und braucht noch seine Mama dafür.<<
>> Musst du dich jetzt bei ihm entschuldigen, damit ihr wieder zusammen spielen könnt?<< hakte Lewis belustigt nach und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
>> Darauf kann er lange warten.<<
>> Ich fasse es nicht, das muss ich gleich Dan erzählen, der lacht sich kaputt.<<
Ich wollte grade etwas erwidern, als Lewis’ Telefon klingelte und er den Anruf eilig entgegennahm. Da es geschäftlich war, ging er kurz nach draußen, da es im Restaurant doch ein wenig zu laut dafür war. Es dauerte ein wenig länger, sodass ich meinen Burger schon aufgegessen und ihm einige Pommes geklaut hatte, als er schließlich wiederkam und sich setzte.
>> Das habe ich genau gesehen.<<
>> Was denn?<<
>> Dass du mir Pommes geklaut hast!<<
>> Sei froh darüber. Du hast doch ein wenig zugenommen in letzter Zeit.<< neckte ich ihn, worauf er sofort ansprang.
>> Es kann nicht jeder so einen Astralkörper wie du haben und ich arbeite dran, falls du es vergessen hast.<<
>> So durchtrainiert musst du doch auch gar nicht sein, aber ich werde dich heute Abend ordentlich scheuchen und quälen.<<
>> Ich hasse dich dafür.<< sagte er gespielt gequält, während ich mich zurücklehnte und ihn genauer betrachtete.
>> Hast du denn schon abgenommen?<<
>> Nicht wirklich glaube ich. Ich habe mich aber auch in den letzten Tagen nicht gewogen, da ich jeden Morgen einen riesigen Bogen um das Ding mache. Außerdem kocht Jen einfach zu gut und viel und zum Sport komme ich auch nicht regelmäßig, da ich die Zeit lieber mit ihr verbringe.<<
Jen war seine neue Freundin, die gelernte Köchin war, weswegen sie ihn nach Strich und Faden mit Essen verführte, was ihm anfangs nichts ausgemacht hatte, doch so langsam spürte er die Kehrseite der Medaille.
>> Aber sie tut dir gut und ich mag sie, also behalte sie.<<
>> Nichts anderes hatte ich vor.<<
Ich nickte und freute mich für ihn über dieses Glück. Er war ausgeglichener und fröhlicher als je zuvor, umso mehr wollte auch ich dieses Glück und diese Zufriedenheit spüren.
>> Ich würde sofort mit dir tauschen.<<
>> Du willst Jen?<< fragte er überrascht nach, bevor er erneut von seinem Burger abbiss und mich neugierig musterte.
>> Ach quatsch. Nein. Ich meinte, ich würde sofort ein paar Kilos in Kauf nehmen, wenn ich dafür mit der Frau zusammen sein könnte, die ich begehre.<< stellte ich die Situation klar, damit er nicht auf dumme Gedanken kam. Ich mochte Jen, allerdings nicht mehr als ich sollte.
>> Dann sprich die Bedienung an und lern sie kennen, vielleicht ist sie ja die eine...<<
>> Nein ist sie nicht. Schon gar nicht nach der Unterhaltung eben. Einen Groupie brauche ich nun wirklich nicht, der glaubt, er könne durch mich ins Rampenlicht kommen. Nein... Es gibt nur eine mit der ich zusammen sein möchte.<<
>> Verstehe. Also mit Lexy.<< seufzte er und sah mich nachdenklich an.
>> Mhm.<<
>> Hast du sie noch mal gesehen?<<
>> Samstag Abend.<< beichtete ich ihm und ließ meinen Trinkbecher immer wieder zwischen meinen Händen hin und her gleiten, um Lewis nicht ansehen zu müssen.
>> Muss ich dir jetzt alles aus der Nase ziehen. Lass mich essen und erzähl alles.<<
Ich seufzte, atmete noch einmal tief durch und stellte meinen Becher anschließend zur Seite.
>> Ich war am Samstag wieder im Club und habe sie tanzen sehen. Sie sah so wundervoll aus, dass ich die Augen wieder nicht von ihr losbekommen habe und jeden der Kerle gehasst habe, die sich an ihr satt sahen. Deswegen habe ich sie dann für zwei Stunden gebucht, damit die anderen sie nicht weiter angafften und begrabschten. Das ertrug ich einfach nicht.<<
>> Und dann?<<
>> Sie war ein wenig irritiert und hat dann aber für mich getanzt. Am Ende haben wir uns noch unterhalten, aber sie will immer noch nicht mit mir ausgehen, weil ich ein Kunde bin und ich ihrer Meinung nach in einer anderen Klasse bin, was Ian ihr zufolge ja auch ziemlich deutlich dargestellt hat.<<
>> Mhm. Fuck. Also keine Chance?<<
>> Ich weiß es nicht. Sie meinte, ich würde sie nervös machen und ich glaube, dass sie auch nicht ganz abgeneigt ist. Da war so ein Knistern zwischen uns, was sie die ganze Zeit versucht hat zu umgehen. Keine Ahnung. Ihr gefällt wahrscheinlich nicht der Gedanke, dass ich sie dort kennengelernt habe.<<
>> Warum kannst du dir nicht einfach eines der Models von eben nehmen, oder irgendeine andere Frau und mit der glücklich werden?<<
>> Weil ich bei denen keinen hochkriege.<< brachte ich es auf den Punkt, woraufhin Lewis sich kurz verschluckte und schnell etwas trinken musste.
>> Na dann solltest du deinem kleinen Freund zu liebe um Lexy kämpfen. Immerhin ist er schon zwei Jahre nicht mehr im Einsatz gewesen, oder?<<
Ich sah ihn grimmig an, was als Antwort reichen musste, da ich nicht unbedingt an diese Zeitspanne erinnert werden wollte. Früher hätte mir jeder einen Vogel gezeigt, wenn ich gesagt hätte, dass ich seit zwei Jahren keinen Sex mehr gehabt hätte, da ich dort jeden Tag eine neue gehabt hatte, doch diese Zeiten hatten sich geändert. Ich hatte mich geändert.
>> Jetzt sei nicht eingeschnappt. Wenn du dich über meine Kilos lustig machen darfst, darf ich das über dein Sexleben.<<
>> Dann schauen wir mal, wer schneller Erfolge erzielt.<< stachelte ich ihn an, wobei ich hoffte, dass Lexy bald nachgeben würde, da es sonst die Hölle auf Erden für mich werden würde.
Später am Nachmittag saß ich mit meinem Bruder, meiner Mutter und meinem Vater zusammen im Konferenzraum, da wir über die Einzelheiten unseres Verlags gesprochen und Neuigkeiten, oder auch Änderungen besprochen hatten.
Es waren zähe drei Stunden gewesen, in denen mein Bruder beweisen musste, wie gut er alles im Griff hatte und wie tief er meinem Vater in den Arsch kriechen konnte, während meine Mutter immer nur lieb und nett bei allem zustimmte, was mein Vater vorschlug.
Es war jedes Mal der Horror für mich, weil ich da überhaupt nicht hineinpasste. Ich mochte meinen Beruf, aber ich war jemand, der seine eigene Meinung vertrat und wenn das anderen nicht passte, dann war mir das egal. Dies war auch der Grund, warum mein Vater, mein Bruder und ich uns mal wieder ordentlich in die Haare bekommen hatten, doch das war nichts Neues.
>> Ist das wirklich dein letztes Wort?<< fragte mich mein Vater mit einem hochroten Kopf, während er sein siebtes Glas Whiskey herunterschüttete, um es anschließend laut auf den Tisch zu knallen. Während meine Mutter wieder einmal vor Schreck zusammenzuckte, rollte ich genervt mit den Augen, was ihn nur noch mehr in Rage zu versetzen schien, doch dieses Platzhirschgehabe nervte mich nur noch. Ich war nicht einer seiner Mitarbeiter, die er so behandeln konnte, sondern sein Sohn.
Ich atmete tief durch, damit ich mich wieder beruhigte und meinen Vater nicht noch mehr aufregte, bis ich ihm schließlich ruhig antwortete.
>> Ja, Dad! Es ist mein letztes Wort.<<
>> Aber wenn wir expandieren...<< wollte er gerade entgegenwirken, wobei wir bereits drei Mal alle Argumente besprochen hatten, weswegen ich ihn barsch unterbrach.
>> Dann wird uns das nur Miese bringen. Die Zeitschrift läuft hier gut, aber dort wird sie ein Ladenhüter werden. Das ist eine komplett andere Kultur! Die wollen keine halbnackten Frauen in Dessous sehen, wollen nichts von neuer Mode hören, wollen keine Lifestyle. Die trauen sich nicht, solch eine Zeitschrift in der Öffentlichkeit zu kaufen. Das bringt uns nichts, wann verstehst du das endlich? So dumm...<<
>> Aber wir können sie dazu bringen, dass sie sich emanzipieren, warum willst DU das verdammt noch mal nicht verstehen?<< schrie mich mein Vater an und stand auf, um unruhig durch den Raum zu laufen.
>> Denkst du die haben jahrelang nur auf dich und dein beschissene Zeitschrift gewartet? Dass sie deswegen alle anderen Magazine, die es in dieser Richtung versucht haben, links liegen lassen haben? Alle Verlage, die es versucht haben, sind gescheitert!<< brüllte ich ihn jetzt ebenfalls an, damit er endlich mal meinen Standpunkt akzeptierte.
>> Das waren aber nicht wir!<<
>> Und das sollten wir auch nicht sein und das werden wir nicht sein! Ich werde nicht zustimmen!<<
>> Aber ich brauche deine Stimme, das weißt du! Ohne deine Zustimmung kann ich das nicht durchziehen!<<
>> Ich weiß!<< fauchte ich ihn an, als er ziemlich nah vor mir stand und sich bedrohlich vor mir aufgebaut hatte. Wir sahen uns tief in die Augen, duellierten uns fast schon, während ich im Augenwinkel wahrnahm, wie meine Mutter aufstand, um uns zu beruhigen.
>> Du machst einen riesigen Fehler!<< drohte er mir, während ich schon wusste, dass er mir gleich wieder damit drohen würde, mich zu enterben und aus der Partnerschaft auszuschließen. Es war jedes Mal das gleiche, nur wusste ich, dass er ohne mich nicht zurechtkam, weil ich der einzige war, der ihm die Stirn bot und ihm wirklich sagte, was er dachte.
>> Den machst du, wenn du expandierst!<< antwortete ich deshalb kühl und hielt seinem Blick stand, wobei ich im Augenwinkel sehen konnte, wie stark seine Ader am Hals pochte.
>> Ich werde dich enterben, wenn du nicht endlich wie ein Geschäftsmann denkst und...<<
>> Dann mach es doch endlich! Enterbe mich, schmeiß mich raus, mach endlich, was du mir schon seit Jahren drohst. Tu es endlich!<<
>> Blake, das kannst du doch nicht so sagen.<< mischte sich meine Mutter vorsichtig ein, wobei ihre Stimme so schwach klang, dass sie kaum in mein Gehör drang, während ich immer noch meinen Vater anstarrte.
>> Wenn ich diesen Schritt gehe, gibt es kein zurück mehr.<< drohte mir mein Vater erneut, doch das prallte an mir ab.
>> Ich brauche dich und diesen beschissenen Verlag nicht und das weißt du! Dumm, wenn der eigene Sohn auf eigenen Beinen steht und erfolgreich ist, oder? Also tu mir endlich den Gefallen und lass mich gehen!<<
>> Niemals! Den Gefallen tu ich dir sicherlich nicht. Eine Familie hält zusammen! Vor allem die Humphreys!<<
Plötzlich klingelte sein Telefon, weswegen mir eine kurze Pause vergönnt war und ich kurz durchatmete. Inzwischen war mein Blutdruck so hoch, dass ich mich gleich auf den Sport mit Dan und Lewis freute. Es war die beste Therapie, um nach solchen Meetings wieder herunterzukommen.
Als ich den beiden grade eine Nachricht schicken wollte, dass es eventuell später werden würde bei mir, hörte ich nur, wie mein Vater sich grade wieder aufregte, etwas ins Telefon schrie und auf einmal ganz still wurde im Satz.
Sofort sah ich zu ihm, sah wie meine Mutter zu ihm rannte, während mein Bruder schon neben ihm kniete und ihm versuchte zu helfen. Mein Vater lag währenddessen auf dem Boden und hielt sich die Brust, während sein Kopf so rot und angespannt war, dass ich Angst hatte, er würde explodieren. Mechanisch wählte ich bereits die Notrufnummer und orderte einen Krankenwagen zu uns.
>> David!<< schluchzte meine Mutter besorgt, während mein Bruder ihn auf seinen Schoß zog, damit er höher lag und hoffentlich besser Luft bekam, während meine Mutter ihm bereits den Kragen öffnete. Ich stand währenddessen einfach nur da und war wie gelähmt.
Es war schon ein Wunder für mich gewesen, dass ich es geschafft hatte den Rettungswagen zu bestellen und durchzugeben, was passiert war und wo wir waren, doch nun versagte ich. Ich schaffte es nicht zu ihm zu gehen, schaffte es nicht etwas zu sagen, oder ihm zu helfen.
Vollkommen in meine Gedanken und Erinnerungen vertieft, sackte ich auf dem Boden zusammen und sah angestrengt auf meine Hände, da ich mich beruhigen musste, um nicht durchzudrehen. Ich erinnerte mich an eine Methode aus meiner Therapie, damit ich mich beruhigen konnte.
In Gedanken zählte ich rhythmisch, um gleichmäßig zu atmen und nicht die Kontrolle zu verlieren, da ich damit niemandem hier helfen würde. Sie mussten sich um meinen Vater kümmern, da durfte ich einfach nicht im Weg stehen.
Ich blickte erst wieder auf, als die Sanitäter hereinkamen und zu ihm gingen. Sie sprachen mit meiner Mutter und meinem Bruder, gaben ihm Medikamente und schlossen ihn an Geräte an. Ich beobachtete sie dabei, wie sie ihn auf eine Trage legten, bevor ich den Blick abwandte. Währenddessen dachte ich an die schreckliche Nacht von vor zwei Jahren und verspürte plötzlich die Angst meinen Vater zu verlieren.
Wir stritten uns immer wieder über die Geschäfte, waren oft nicht einer Meinung, doch alles in allem verstanden wir uns gut, da wir immerhin eine Familie waren. Er durfte nicht sterben. Ich verkraftete nicht schon wieder einen Tod, wo ich den letzten doch grade erst verarbeitet hatte.
>> Blake, komm jetzt!<< schrie Elliott mich an und sah mich auffordernd an, weswegen ich mich kurz umblickte und sah, dass sowohl mein Vater, als auch meine Mutter bereits weg waren.
>> Mum fährt im Krankenwagen mit, also komm, wir fahren hinterher!<<
Er half mir hoch, da ich meinen Körper nicht unter Kontrolle bringen konnte. Zu sehr sträubte sich alles in mir, wieder ein Krankenhaus zu betreten. Es war ein Ort, wo ich nie wieder einen Fuß hineinsetzen wollte und nun doch musste. Ich konnte meinen Vater einfach nicht allein lassen, musste mich zusammenreißen und meine Ängste unterdrücken.
Elliott spürte meinen Unmut und zog mich hinter sich her zum Auto, wo ich immer noch mitgenommen einstieg.
>> Es ist meine Schuld...<< murmelte ich vor mich hin, was Elliott jedoch gehört hatte.
>> Nein. Gib dir nicht die Schuld dafür. Nicht schon wieder! Der Anruf war Schuld.<<
>> Aber er hat sich vorher schon wegen mir aufgeregt. Hätten wir uns nicht gestritten, wäre der Anruf nicht schlimm gewesen.<<
>> Er regt sich immer auf, trinkt zu viel, schläft zu wenig, arbeitet zu viel...Da gibt es dutzende Gründe für den Herzinfarkt.<<
>> Und ich bin einer davon.<<
Mein Bruder schwieg, während wir zum Krankenhaus fuhren und jeder in seine Gedanken vertieft war. Ich hoffte, dass sie ihn retten konnten, sie mussten es schaffen, denn sonst würde ich mir das niemals verzeihen. Ich durfte nicht auch noch ein zweites Menschenleben auf dem Gewissen haben.
Kapitel V
Evelyn
Ich rannte grade um die letzte Ecke, als ich in den Raum trat, wo mein Notfall lag und ich augenblicklich wieder konzentriert und wach war, da das Adrenalin wirkte.
>> Was haben wir hier?<< fragte ich eine der Assistenzärztinnen aus dem ersten Jahr, die noch ziemlich neu hier waren.
>> Einen Mann, Mr Humphrey, 62 Jahre alt. Klagte über starke Schmerzen in der Brust und in den Armen.<< klärte sie mich auf, während ich in der Akte las, dass er bereits im Krankenwagen stabilisiert wurde.
>> Messen Sie seinen Blutdruck und horchen Sie ihn ab. Anschließend machen Sie noch ein EKG!<<
>> In Ordnung Dr. Chamberlain.<< bestätigte mir die Assistensärztin, woraufhin sie sich direkt an die Arbeit machte und ich ihn genauer betrachtete.
>> Mein Mann hatte noch nie einen Herzinfarkt.<< sagte jemand hinter mir, weswegen ich mich umdrehte und in die Augen einer etwa 60 Jahre alten Frau sah. Im selben Moment erschienen zwei Männer um die 30 hinter ihr, die sofort zu Mr Humphrey sahen, als ich plötzlich einen von ihnen wiedererkannte. Sofort gesellten sich zu meinem Adrenalin in meinem Blut auch noch tausende Schmetterlinge, was keine gute Mischung war.
Es war Blake, der mich jedoch noch nicht beachtet hatte und unentwegt auf den Mann mit dem Herzinfarkt sah. Wenn ich Glück hatte, würde er mich nicht erkennen, da ich nicht so stark geschminkt war wie im Club, weswegen ich mir nichts anzumerken versuchte.
>> Hat er irgendwelche Allergien?<<
>> Nein, nichts.<< stammelte sie und wischte sich einzelne Tränen weg.
>> Und was ist mit Medikamenten?<<
>> Er nimmt nur welche gegen seinen hohen Blutdruck.<< sagte sie, während ich die genaue Bezeichnung der Medikamente in der Akte nachlas.
>> Hat er heute etwas getrunken?<< fragte ich nach, da ich den Alkohol bis hier riechen konnte, wobei ich einen guten Meter entfernt von ihm stand.
>> Ein paar Gläser Whiskey.<<
Ich nickte und wollte mich grade umdrehen, als Blake mich stirnrunzelnd ansah. Verdammt!
>> Lexy?<< fragte er mich auf einmal, woraufhin wir uns anstarrten und ich für einen kurzen Moment unsicher wurde.
>> Dr. Chamberlain!<< rief eine der Assistenzärztinnen, weshalb ich mich schnell von Blakes Blick losriss und mich wieder seinem Vater widmete.
Ich blickte sofort auf die Monitore und verstand was sie meinte, während sie schnell seine Brust abhorchte.
>> Geben Sie mir ein Ultraschallgerät.<<
Ich schmierte sofort Gel drauf, legte es auf seine Brust und untersuchte damit sein Herz, was einige Sekunden dauerte, bis sich meine Vermutung bestätigte, die ich nicht wahrhaben wollte.
>> Rufen Sie im OP an, wir müssen sofort operieren und piepen Sie Dr. Sterling an.<<
>> Was hat er denn? David Schatz!<< schluchzte seine Frau hinter mir, während sie panisch zu uns blickte und sich an ihren Söhnen festklammerte.
>> Ihr Mann muss sofort operiert werden. Durch den Herzinfarkt hat sich ein Riss im Herzen gebildet, durch das Blut in seinen Brustkorb sickert.<<
Auf einmal fingen die Überwachungsmonitore wie wild an zu piepen, was nichts Gutes hieß, da er zu viel Blut verlor und uns entglitt.
>> Er hat einen Kreislaufzusammenbruch, piepen Sie einen anderen Kardiologen an, wenn Dr. Sterling nicht mehr da sein sollte.<<
Eilig zog ich mir einen blauen Kittel, Haube und Mundschutz über und ließ mir von einer Schwester Handschuhe überziehen, während Mr Humphrey uns immer mehr entglitt.
>> Scheiße, das schafft er nicht, ich muss ihn aufmachen. Geben Sie mir ein Skalpell!<<
>> Sie machen ihn auf? Hier?<< fragte mich die Assistenzärztin schockiert und sah abwechselnd zu Mr Humphrey und mir.
>> Haben Sie eine bessere Idee? Wenn ja, dann sagen Sie die am besten schnell, denn sonst können wir gleich nichts mehr für ihn tun.<< fuhr ich sie an, da solch eine Bemerkung, wie sie sie eben geäußert hatte, niemals vor den Angehörigen eines Patienten geäußert werden sollte.
>> Was tun Sie denn?<< fragte Mrs Humphrey besorgt, während mir ein Skalpell gereicht wurde.
>> Ich versuche ihrem Mann das Leben zu retten. Bringen Sie sie heraus.<< wies ich eine Schwester an, während ich an die Seite von dem Patienten trat. Mit dem Skalpell öffnete ich ihn und drückte mit einer Klemme seine Rippen auseinander, wo uns sofort allerhand Blut entgegenkam.
>> Saugen Sie.<< wies ich meine Kollegin an, da ich vor lauter Blut nichts sehen konnte. Nebenbei schob ich meine Hand in seinen Brustkorb und tastete nach dem Riss im Herzen.
>> Weiter saugen. Irgendwo muss es doch sein.<<
>> Er stirbt gleich...<< setzte mich die Assistenzärztin von eben unter Druck, weswegen ich noch wütender wurde. Sie sollte einfach leise sein und ihren Job machen.
>> Das ist die einzige Möglichkeit gewesen, um ihn zu retten. Entweder ich finde den Riss und kann ihn retten, oder er stirbt, was so oder so passiert wäre, da wir bei jeder anderen Methode zu spät hätten eingreifen können.<<
Ich konzentrierte mich wieder, tastete weiter, während die Assistenzärztin saugte. Vorsichtig suchte ich den Riss, durch den das Blut heraussickerte, doch das war eine der schwersten Aufgaben, die es gab.
>> Komm schon.<< murmelte ich und tastete mich weiter voran. Es dauerte weitere Sekunden, wertvolle Sekunden, die mir vorkamen wie Stunden, während ich immer nervöser wurde. Immerhin war es anscheinend Blakes Vater, weswegen es noch bedeutender für mich war, ihn zu retten.
>> Ich habe es, es wird weniger.<<
In diesem Moment kam die Oberärztin Dr. Sterling herein und sah mich fragend an.
>> Was ist passiert?<<
>> Mr Humphrey, 62 Jahre alt, Herzinfarkt. Auf dem Ultraschall war eine Herzruptur zu erkennen, die sich schnell vergrößerte. Nach einem Kreislaufzusammenbruch habe ich ihn aufgeschnitten und die Ursache wohl gefunden, die Blutung wird schwächer und sein Kreislauf stabilisiert sich.<<
>> In Ordnung. Dann legen Sie sich auf die Trage und lassen Sie die Stelle nicht los. Ab in den OP!<<
Ich sprang auf die Trage und drückte weiterhin auf den Riss in seinem Herzen, damit er nicht so viel Blut verlor und es hoffentlich schaffte, wobei seine Chancen gering waren.
Beim Herausfahren sah ich in die schockierten und vor allem besorgten Gesichter seiner Frau und wahrscheinlich seiner Söhne. Blake sah kreidebleich aus, als er auf das Loch in seinem Vater starrte und meine Hand in dessen Brust bemerkte. Das ganze Blut, was überall verteilt war, beruhigte ihn da sicherlich nicht, doch ich hatte keine Zeit mit ihm zu reden, oder ihn zu beruhigen, da nun jede Sekunde zählte.
Die Operation dauerte sehr lange, da es sich als sehr schwierig entpuppte die Blutung zu stillen und es immer wieder zu neuen Blutungen kam. Nach fünf Stunden hatten wir es jedoch geschafft, sodass wir uns auf den Weg zu den Angehörigen machten, um ihnen die guten Nachrichten zu überbringen.
>> Sie haben heute wirklich gute Arbeit geleistet Dr. Chamberlain.<< lobte mich die Oberärztin vollkommen erschöpft, während wir uns die Hände wuschen und desinfizierten.
>> Danke.<<
>> So eine Blutung zu erkennen und sie zu behandeln, bevor es zu spät ist, das war wirklich beeindruckend. Auf Sie wartet wirklich eine große Zukunft. Machen Sie weiter so.<<
Ich nickte, woraufhin wir in den Wartebereich traten und zu Mrs Humphrey gingen, die zusammen mit ihren Söhnen aufstand.
>> Mrs Humphrey, ich bin Dr. Sterling, die Oberärztin der Kardiologie.<<
>> Wie geht es ihm?<<
>> Ihrem Mann geht es, dank Dr. Chamberlain und ihrem schnellen Eingreifen, den Umständen entsprechend gut. Wir konnten die Blutung stoppen und den Riss in seiner Herzwand beheben, allerdings kam es während der Operation immer wieder zu Blutungen, weswegen wir die Nacht nun abwarten müssen. Im Moment ist er stabil, aber ich kann Ihnen keine Prognose abgeben, ob das so bleibt. Wir müssen wirklich abwarten.<<
>> Kann ich denn zu ihm?<< fragte sie sichtlich ergriffen, während sie sich krampfhaft an einem Taschentuch festhielt.
>> Das können Sie, aber bitte nur kurz. Er braucht jetzt viel Ruhe. Er liegt auf der Intensivstation, damit wir ihn besser überwachen und sofort einschreiten können, falls etwas sein sollte.<<
>> Sind Sie denn heute Nacht hier?<< fragte sie uns, woraufhin Dr. Sterling für uns antwortete.
>> Nein, aber andere sehr gute und fähige Ärzte. Er ist wirklich in guten Händen.<<
>> Ich könnte heute Nacht hier bleiben und ihn überwachen.<< schlug ich vor, da es auch bedeutete, dass ich Blake weiterhin sehen würde.
>> Sie haben seit sechs Stunden Feierabend Dr. Chamberlain.<< gab mir Dr. Sterling zu bedenken und sah mich kurz irritiert an.
>> Ich weiß, aber ich habe morgen früh meine nächste Schicht, also werde ich eh hier bleiben und mir ein Bereitschaftszimmer suchen.<<
>> Sind Sie sich sicher?<<
>> Ja, das ist kein Problem.<<
>> Gut, dann sage ich der Schwester Bescheid, dass sie Sie anpiepen soll, wenn etwas mit ihm sein sollte. Ihr Mann ist also in den besten Händen Mrs Humphrey.<<
>> Danke.<< sagte sie zu mir und nickte mir dankbar zu, bevor Dr. Sterling, Mrs Humphrey und Blakes Bruder zu ihm brachte, während Blake bei mir stehen blieb.
>> Möchten Sie nicht zu ihm?<<
>> Ich brauche noch einen Moment.<<
Erschöpft setzte er sich auf eine Bank neben sich und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Er sah vollkommen erschöpft und ausgelaugt aus. Normalerweise war er ein Bild von einem Mann, stark und muskulös, dem, so wie es schien, nichts etwas anhaben könnte, doch nun saß er hier und war nur eine Hülle seiner selbst. Ein wenig ratlos blieb ich neben ihm stehen, bis ich mich ebenfalls neben ihn setzte.
>> Mr Humphrey...<<
>> Nenn mich endlich Blake.<< herrschte er mich an, woraufhin ich ein wenig zusammenfuhr und nickte.
>> Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich mag nur keine Krankenhäuser und die Situation grade...<<
>> Schon in Ordnung. Kann ich denn irgendetwas für Sie tun?<<
Er schüttelte den Kopf, als er sich mit den Händen durch die Haare fuhr, die er nun geöffnet hatte und ihm bis zu den Schultern reichten.
>> Wie hoch sind seine Chancen?<<
>> Das können wir nicht sagen. Wir müssen die Nacht abwarten.<<
>> Er darf nicht sterben!<< sagte er mit einem Blick, der keine Einwände zuließ.
>> Ich kann nichts versprechen, aber ich gebe mein Bestes, dass er es schafft.<<
>> Er darf nicht sterben!<< wiederholte er noch einmal, während ich bemerkte, wie stark er zitterte.
>> Ist wirklich alles ok?<<
>> Ich... Ich hab ihn zu sehr aufgeregt, sein...<<
Er brach seinen Satz ab, ließ seinen Kopf hängen und schlug die Hände darüber zusammen, während ich so langsam verstand, was das eigentliche Problem war. Er gab sich die Schuld für den Herzinfarkt.
>> Jemanden nur aufzuregen reicht nicht, um einen Herzinfarkt auszulösen. Der ganze Lebenswandel spielt da eine Rolle.<<
>> Rette ihn bitte einfach.<<
Als ob das so einfach wäre, dachte ich bei mir, da ich wusste, wie sehr sein Leben auf der Kippe stand. Es war reines Glück gewesen, dass wir ihn stabilisieren konnten, nachdem er so viele Blutungen gehabt hatte. Sein Herz war vollkommen kaputt, weswegen ich jede Sekunde mit einem neuen Infarkt, oder einer neuen Blutung rechnete. Seine Chancen standen wirklich schlecht, doch das konnte ich Blake nicht sagen, wenn er grade in solch einem schlechten Zustand war, weswegen ich ihm nur zunickte.
>> Brauchen Sie etwas zur Beruhigung?<< fragte ich ihn, da ich mir wirklich Sorgen um ihn machte. Er war kreidebleich und zitterte immer noch am ganzen Körper, was mir schon aufgefallen war, als Dr. Sterling ihn und seine Familie über den Zustand aufgeklärt hatte. War es nur, weil er Angst um das Leben seines Vaters hatte und sich eventuell die Schuld gab?
>> Nein, da muss ich jetzt durch.<< seufzte er, stand auf und ging in die Richtung der Intensivstation, wobei er sich noch einmal umdrehte und mich müde anlächelte.
>> Du siehst übrigens wunderschön aus, wenn du so gut wie gar nicht geschminkt bist und der Kittel steht dir auch viel besser. Dein Plan A gefällt mir.<<
Ich musste lächeln, bevor ich mich umdrehte und zu meinem Spind ging. Als ich auf die Uhr sah, war es schon fast Mitternacht, weswegen es sich wirklich nicht mehr gelohnt hätte nach Hause zu fahren und ich Maya und Toby eine Nachricht schickte, damit sie morgen früh noch unsere Mutter versorgten. In der Nachricht entschuldigte ich mich sogleich dafür und erklärte es ihnen kurz.
Als ich mein Telefon wieder weglegte, sah ich wieder den Umschlag von Blake und zählte kurz das Geld, was wieder 5000 Dollar waren. Der Kerl war wirklich nicht mehr zu retten. Kurzerhand nahm ich den Umschlag mit, um ihn wieder zurückzugeben. Immerhin war er im Krankenhaus, also konnte ich diese Situation ausnutzen. Nach einigen Minuten ging ich wieder nach draußen und traf auf Dr. Sterling, die gerade mit Blake um die Ecke kam.
>> Ich erwarte Sie dann morgen aber erst um acht Uhr, wenn Sie sich die Nacht über um Mr Humphrey kümmern.<<
>> In Ordnung. Ich werde alle zwei Stunden nach ihm sehen.<<
Wir verabschiedeten uns, während Blake vor mir stehen blieb, der nun wesentlich gesünder aussah und mich unbeirrt ansah. Er war noch größer, als neulich im Club, da ich keine hohen Schuhe anhatte, weswegen ich noch stärker nach oben sehen musste.
>> Ich wollte mich noch mal bei dir bedanken. Dr. Sterling meinte, dass mein Vater bereits gestorben wäre, wenn du eben nicht so schnell und professionell gehandelt hättest.<<
>> Ich tue, was ich kann. Hoffentlich hält er die Nacht durch.<<
Er nickte nur, während ich die Tür zum Bereitschaftszimmer öffnete und meine Sachen dort schon mal ablegte.
>> Ich weiß, es ist grade ein schlechtes Timing, aber den würde ich dir gerne wiedergeben.<< sagte ich leise und ziemlich vorsichtig, da ich nicht wusste, wie er auf die Rückgabe des Umschlags reagieren würde.
>> Nein. Das ist für dich.<<
>> Das kann ich nicht annehmen. Wirklich nicht.<<
Er seufzte und trat einen Schritt näher an mich heran, was alles in mir zum Kribbeln brachte, bevor er mit sanfter Stimme anfing zu reden, die so einen riesigen Kontrast zu seinem bulligen Aussehen darstellte.
>> Anscheinend brauchst du dringend Geld. Ich meine du hast diesen tollen Job hier. Du bist Ärztin, rettest Leben und trotzdem machst du noch diesen anderen Job, der dir keinen Spaß macht, also muss es etwas geben, wofür du das Geld dringend brauchst. Was auch immer es ist, nimm es dafür.<<
>> Wer sagt, dass ich keinen Spaß am Tanzen habe?<< fragte ich ihn, woraufhin er mir bedrohlich nah kam und mir tief in die Augen sah.
>> Jeder würde es sehen, wenn er dir beim Strippen mal in die Augen sehen würde, anstatt deinen wunderschönen und heißen Körper anzugaffen. Deine Augen zeigen, wie sehr du es hasst, wie sehr du das aufgeben möchtest und wie sehr es dich kaputt macht, weil es einfach zu viel ist.<<
>> Und du hast das gesehen?<< flüsterte ich und spürte bereits, wie meine Knie weich wurden. Es war einfach zu viel. Sein Aussehen, seine tiefblauen Augen, sein Duft und seine Anziehungskraft brachten mich aus meinem Konzept.
>> Die ganze Zeit über und seitdem gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf.<<
>> Blake...<< hauchte ich, da er mich regelrecht in seinen Bann gezogen hatte und ich willenlos wurde. Wir standen so dicht aneinander und fixierten uns dabei so stark, dass ich mehr wollte, doch das sollte sicherlich nicht auf dem Gang vor allen Kollegen geschehen.
>> Sag mir endlich deinen richtigen Namen.<< bat er mich und sah mich dabei so flehentlich an, dass sich in mir alles zusammenzog.
>> Evelyn.<< hauchte ich und wurde immer schwächer vor Verlangen nach ihm, da sein Blick, sein Duft und seine Nähe mich verrückt machten, weswegen ich meine Prinzipien kurzerhand über Bord warf.
Eilig zog ich ihn in das Bereitschaftszimmer, als hinter uns auch schon die Tür zuflog und er mich gegen die Wand drückte. Sofort pressten sich seine Lippen auf meine, die sich so sanft anfühlten, bis sich unsere Zungen fanden und sich neckten. Anders als ich es erwartet hatte, kratzte mich sein Bart überhaupt nicht, sondern fühlte sich weich an, was mich überraschte. Seine großen, männlichen Hände gruben sich in meinen Hintern und packten ihn, während ich mich ihm entgegenbog und nach mehr bettelte.
Seit ich ihn das erste Mal gesehen hatte, wollte ich ihn küssen, ihn spüren und mich ihm hingeben und nun war es endlich so weit. Mein Bauch explodierte fast vor Glücksgefühlen, was mich vollkommen aus der Bahn warf, da ich so etwas noch nie bei einem Mann empfunden hatte.
Doch auch er schien die Situation zu genießen, da ich seine Erektion spüren konnte, die verheißungsvoll und hart gegen mich drückte. Ich rieb mich an seinem Schritt, während wir uns weiter wild küssten und ich mit meiner Hand durch seine Haare fuhr und sie packte. Unsere laute, schnelle und tiefe Atmung ging ineinander über und stachelte uns dazu an noch wilder und zügelloser zu werden.
>> Scheiße Kelly.<< fluchte er auf einmal, weswegen ich mich abrupt von ihm losriss und ihn irritiert ansah.
>> Was? Wie bitte? Kelly?<< fragte ich irritert und gekränkt, woraufhin er seufzte und sich das Gesicht rieb.
>> Fuck...<<
>> Raus.<< wies ich ihn wütend an und deutete auf die Tür, da der Zauber verflogen und einer ungeheuren Enttäuschung gewichen war.
>> Es... es tut mir Leid.<<
>> Raus!<<
>> Evelyn...<< sagte er und versuchte mich zu besänftigen, woraufhin ich zur Tür ging und sie ihm öffnete.
>> Schön, dass du meinen Namen wieder weißt, aber ich denke, du solltest jetzt nach deinem Vater sehen.<<
>> Evelyn bitte.<<
Ich schüttelte den Kopf und schob ihn nach draußen, woraufhin ich auch noch seinen Umschlag mit den 5000 Dollar hinterherwarf und die Tür zuknallte. Wütend und enttäuscht warf ich mich aufs Bett und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Das konnte einfach nicht wahr sein.
Da lernte ich endlich mal wieder, oder besser gesagt überhaupt mal einen Mann kennen, der mich interessierte und den ich attraktiv fand, sprang über meinen Schatten und gestand mir meine Gefühle zu ihm ein und dann wurde ich so enttäuscht und vorgeführt? Womit hatte ich das verdient?
Hatte er so viele Frauen, dass er mit den Namen durcheinander kam, oder war er vergeben und eigentlich in einer Beziehung mit dieser Kelly? Wie konnte er so dumm sein und mich beim falschen Namen nennen, wo er doch eben erst nach meinem richtigen Namen gefragt hatte?
Und wie konnte ich so dumm sein und denken, dass er etwas für mich empfand, sich etwas aus mir machte und auch noch sein Ego pushen, indem ich ihn geküsst hatte und er damit sicher sein konnte, dass wieder eine dumme Gans auf seinen Charme hereingefallen war und ihm zu Füßen lag?
Und jetzt musste ich wahrscheinlich auch noch die ganze Nacht in seiner Nähe verbringen, weil er seinem Vater bestimmt nicht von der Seite weichen würde und ich somit alle zwei Stunden auf ihn treffen würde und ihn ertragen müsste. Es war einfach ungerecht und ganz und gar nicht die Situation, die ich mir nach diesem Kuss gewünscht und vorgestellt hatte, doch da musste ich nun durch. Dass es nicht wie im Märchen werden würde, hatte ich mir eh schon gedacht, aber so schlimm?
Ich atmete noch einmal tief durch, schluckte meine Enttäuschung herunter und stellte mir den Wecker auf zwei Uhr nachts. Normalerweise konnte ich schnell einschlafen, doch dieses Mal gingen mir zu viele Gedanken durch den Kopf. Immer wieder fragte ich mich wer diese Kelly wohl war. Hatte er eine Freundin? Oder hatte er jede Nacht eine neue und hatte mich verwechselt? Warum nur war ich so dumm gewesen und hatte mich ihm hingegeben?
Ich spürte immer noch seine weichen Lippen, spürte die kribbelnden Stellen, an denen seine Zunge mich verführt hatte und roch noch immer den Duft seines Parfums in meiner Nase. Es schmerzte, so sehr, dass ich am liebsten wieder zu ihm gelaufen wäre, doch so verzweifelt und dumm durfte ich einfach nicht sein.
Doch dann verdrängte ich die Gedanken an ihn, da ich unbedingt schlafen musste und dachte an das Vorgehen beim Einbau einer neuen Herzklappe, was ich im Geiste herunterbetete, woraufhin ich relativ schnell einschlief.
Um zwei Uhr nachts quälte ich mich wieder aus dem Bett und ging zu Mr Humphrey. Natürlich war seine Familie noch da, die draußen auf dem Gang warteten. Blakes Mutter und sein Bruder schliefen, während Blake auf dem Gang auf und ab lief, wobei er sofort inne hielt, als er mich sah.
Sofort ging ich zu seinem Vater ins Zimmer und überprüfte alle Monitore und Zugänge. Bisher war er stabil und das würde hoffentlich auch so bleiben, damit Blake am Ende nicht sagen konnte, dass ich seinen Vater aus Absicht nicht gerettet hätte, falls noch etwas passieren würde, da ich vielleicht gekränkt wäre durch die Situation eben. Da der Kateterbeutel fast voll war, ging ich noch zur Schwester und wies sie darauf hin, während Blake sich neben mich stellte.
>> Ihr Vater ist weiterhin stabil Mr Humphrey, mehr kann ich Ihnen zur Zeit nicht sagen.<< klärte ich ihn in einem professionellen, ruhigen Ton auf, wobei ich den Blickkontakt vermied und nebenbei in die Akte von seinem Vater schrieb.
>> Evelyn...<< zischte er und sah mich wütend an, woraufhin ich nur mit dem Kopf schüttelte.
>> Piepen Sie mich an, wenn etwas sein sollte, ansonsten schaue ich in zwei Stunden wieder nach ihm, weil er stabil ist.<< sagte ich zur Schwester, als ich ihr die Akte gab und zurück zu meinem Zimmer ging. Doch nach einigen Schritten holte Blake mich ein und stellte mich zur Rede.
>> Hör auf so zickig zu sein und rede mit mir.<<
>> Da gibt es aber nichts. Ich war für einen Moment schwach und habe mich dir hingegeben, mehr nicht. Anscheinend kommst du mit den ganzen Namen deiner Frauen schon durcheinander, also vergiss mich doch einfach und nimm dir die Nächste. Ich habe eh keine Zeit für so etwas.<<
>> So ist es aber nicht.<<
>> Das ist mir egal.<<
>> Aber...<<
>> Nein, lass mich einfach in Ruhe. Ich bin seit fast 48 Stunden hier und habe gleich noch eine 24 Stunden Schicht vor mir, also gönn mir wenigstens noch die vier Stunden Schlaf.<<
Mit diesen Worten rauschte ich an ihm vorbei und verschwand wieder in meinem Zimmer, wo ich mich direkt wieder ins Bett warf und die Augen schloss. Doch schon nach einer Stunde wurde ich durch meinen Melder wieder aus dem Schlaf gerissen. Sofort sprang ich hoch und rannte zu Mr Humphrey.
>> Was ist?<< fragte ich die Schwester, die bereits die Decke zurückschlug und seine Brust freilegte.
>> Kammerflimmern.<<
>> Geben Sie mir die Paddels.<<
Die Schwester reichte mir die Paddels, woraufhin sie sofort ein wenig Abstand nahm.
>> Aufladen auf 200 und wegtreten.<<
Ich setzte die Paddels an und schockte ihn, doch es zeigte keine Wirkung.
>> Noch mal aufladen auf 250.<<
Wieder setzte ich sie an und blickte erwartungsvoll auf den Monitor, doch sein Herz wollte einfach nicht schlagen.
>> Geben sie ihm 1mg Adrenalin.<<
Die Schwester spritzte es ihm in den Zugang, während ich auf seinen Herzschlag sah.
>> Aufladen auf 300.<<
Wieder traten die Schwestern beiseite, als sein Herz nach einem kurzen Moment wieder anfing zu schlagen und ich innerlich aufatmete. Vorsichtig legte ich die Paddels zurück und kontrollierte noch einmal alle Werte, bevor ich mich umdrehte und in die Gesichter seiner Familie sah.
>> Was ist passiert?<< fragte Mrs Humphrey mich, während sie sich wieder hinsetzte und mit ihren Gefühlen kämpfte.
>> Ihr Mann hatte Kammerflimmern, aber jetzt ist er wieder stabil.<<
>> Ist das ein schlechtes Zeichen?<< fragte mich Blakes Bruder, dessen Namen ich noch nicht kannte.
>> Durch den Herzinfarkt wurde das Herz stark geschwächt, sodass es sogar gerissen war. Das ist sehr gravierend, weswegen solche Komplikationen wie Kammerflimmern nicht ungewöhnlich sind. Wir können keine Prognosen abgeben, ob er es schafft, oder ob er eventuell Schäden davon trägt. Das werden uns die nächsten Stunden zeigen.<<
Er nickte, als ich mich noch einmal umdrehte und auf Mr Humphrey sah.
>> Ich werde in zwei Stunden wieder nach ihm sehen, sollte es keine Komplikationen geben. Mehr kann ich grade nicht für ihn machen.<<
>> Vielen Dank.<<
Ich nickte und ging wieder in meinen Raum, wohin Blake mir nicht folgte. Anscheinend hatte er verstanden, dass er mich in Ruhe lassen sollte. Doch irgendwie ärgerte es mich auch, da ich wollte, dass er um mich kämpfte. Ein Wunsch, der mir bisher noch vollkommen fremd war. Noch nie wollte ich bei einem Mann an erster Stelle stehen und das Gefühl haben, dass ich etwas Besonderes für ihn war, wieso also bei ihm, vor allem da er mich eben so sehr enttäuscht hatte?
Natürlich sah er gut aus, er sah sogar verdammt gut und heiß aus, aber da gab es etliche Kerle von der Sorte. Warum also er? War es die Tatsache, dass er gesehen hatte, dass mir das Strippen keinen Spaß machte? Dass er mich sah? Mein Innerstes und nicht die Hülle? Dass er hinter meine Fassade sehen konnte? Dass er sich überhaupt die Mühe gemacht hatte, herauszufinden, wer ich war?
Ich seufzte und ging wieder in Gedanken eine Operation durch, um auf andere Gedanken zu kommen und einzuschlafen, bis ich um fünf wieder geweckt wurde und zu Mr. Humphrey ging.
Blake und sein Bruder schliefen, während Mrs Humphrey bei ihrem Mann war und ihn liebevoll streichelte. Ich beobachtete sie eine Weile, da es mich rührte, wie liebevoll sie mit ihm umging, obwohl sie anscheinend schon etliche Jahre verheiratet waren. Mit einem Räuspern ging ich schließlich hinein und trat an die andere Seite des Bettes.
>> Ist es in Ordnung, dass ich hier bin?<< fragte sie mich erschrocken, weswegen ich sie beruhigend anlächelte und nickte.
>> Kein Problem Mrs Humphrey. Ich glaube ihrem Mann tut es gut, wenn Sie bei ihm sind. Er braucht nur Ruhe.<<
>> Danke.<<
>> Geht es Ihnen denn gut?<< fragte ich sie, während ich einzelne Werte in seine Akte schrieb.
>> So lange er kämpft und bei mir bleibt, ja. Noch einen Verlust verkraften wir nicht. Vor allem Blake nicht, mein Sohn.<< sagte sie und blickte besorgt durch die Glaswand nach draußen zu ihm.
Wen hatten sie verloren und warum war es besonders für Blake so schlimm gewesen? War ich eben zu hart zu ihm gewesen? Hatte ich ihn zu Unrecht eben rausgeschmissen? Sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen, da jetzt auch sein Verhalten von eben, wo er ziemlich neben sich gestanden hatte, einen Sinn machte und betrachtete ihn eine Weile lang, was Mrs Humphrey auffiel.
>> Er muss es einfach schaffen.<<
>> Ich gebe mein Bestes, dass er es schafft und im Moment sieht alles gut aus.<<
Sie nickte, während ich einen Becher mit Wasser füllte und ihn ihr hinhielt, da sie dringend etwas Trinken musste.
>> Danke.<<
>> Haben Sie Hunger?<<
>> Nein, aber sonst habe ich schon einen Automaten da hinten gesehen.<<
Ich nickte und stellte die Flasche wieder zurück, bevor ich näher zu ihrem Mann trat.
>> Ach Gott, ich habe Ihnen noch gar nicht gedankt, dass Sie ihm das Leben gerettet haben. Hätten Sie nicht so schnell reagiert und ihn aufgeschnitten...<<
>> Ist schon gut Mrs Humphrey, das ist mein Job. Dafür müssen Sie sich nicht bedanken.<<
>> Trotzdem vielen Dank.<<
Ich nickte und kontrollierte noch einmal die Wunde, als Blakes Bruder ebenfalls in den Raum kam und eine Hand auf die Schulter seiner Mutter legte.
>> Wie geht es ihm?<<
>> Er ist so weit stabil.<<
>> Und wann wacht er auf?<<
>> Wenn sein Körper dazu bereit ist. Das kann gleich sein, es kann aber auch sein, dass das noch dauert.<<
Plötzlich spürte ich wie mein Telefon vibrierte und blickte auf das Display.
>> Entschuldigen Sie mich bitte.<< sagte ich und trat hinaus auf den Flur.
>> Was ist Maya?<< fragte ich ein wenig besorgt, da sie nur anrief, wenn etwas nicht stimmte.
>> Hi Eve, ich habe grade deine Nachricht gelesen und bin grade bei Mum im Zimmer, aber irgendetwas stimmt nicht mit ihr.<<
>> Inwiefern?<<
>> Ich glaube die Sonde ist verstopft, also habe ich versucht sie zu reinigen, aber das hat auch nichts gebracht und sie hat eine erhöhte Temperatur.<<
>> Scheiße... Wie hoch ist das Fieber?<< fragte ich besorgt und stützte meinen Kopf auf meinen Arm am Tresen ab, um besser nachzudenken.
>> 38,7 Grad.<<
>> Hat sie sonst irgendetwas? Schnupfen, oder Ausschlag?<<
>> Nichts.<<
Ich schloss für einen Moment die Augen, um zu überlegen, was ich tun sollte, denn Maya und Toby waren keine Ärzte. Sie wussten, wie sie sie pflegen mussten, aber mehr auch nicht.
>> Ist gut. Ich kann hier leider nicht weg. Ich versuche Laura zu erreichen und sie zu euch zu schicken, bevor ihre Schicht anfängt und du zur Schule musst.<<
>> In Ordnung.<<
Ich legte auf und rief sofort Laura an, die wahrscheinlich um diese Uhrzeit noch schlief. Immerhin war es erst halb sechs.
>> Was soll das Eve?<< fragte sie müde und verschlafen.
>> Es tut mir Leid Laura, ich würde dich nicht anrufen, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.<< sagte ich und beobachtete Blake, der neben mir erwachte und sich streckte.
>> Was gibt es denn?<<
>> Hör zu, ich habe gestern Abend noch einen Notfall operiert und die Nacht über überwacht, deswegen bin ich immer noch im Krankenhaus und Maya braucht Hilfe. Könntest du also noch vor deiner Schicht zu ihr fahren und nach dem Rechten sehen?<<
>> Was, du bist immer noch im Krankenhaus?<<
>> Ja, also könntest du ihr helfen?<<
>> Ich ziehe mich schon an, was ist denn los? Was ist mit deiner Mutter?<<
Ich drehte mich ein wenig von Blake weg und unterschrieb nebenbei einige Formulare in Mr Humphreys Akte.
>> Du müsstest die Sonde überprüfen, anscheinend ist sie verstopft und sie hat 38,7 Grad. Schau bitte einfach nach ihr und komm dann her.<<
>> In Ordnung. Dann bis gleich Süße.<<
>> Danke, du hast was gut bei mir.<<
Ich legte auf und sprach noch kurz mit der Schwester die neue Dosierung der Medikamente ab, als neben mir ein Kollege aus der Neurochirurgie auftauchte.
>> Wenn das nicht meine süße Eve ist.<<
>> Hi Paul.<< seufzte ich, als ich mich zu ihm umdrehte und ein Lächeln aufsetzte.
>> Ich wusste gar nicht, dass du heute Nachtschicht hast.<<
>> Hatte ich auch eigentlich nicht, aber gestern kam noch ein Notfall rein.<<
>> Hat es sich gelohnt?<<
>> Es lohnt sich immer, wenn man helfen kann.<<
Er nickte lediglich, da er anscheinend eine andere Ansicht vertrat, allerdings behielt er diese für sich, wofür ich ihm einfach nur dankbar war, da ich mich jetzt nicht mit ihm darüber unterhalten wollte.
>> Sollen wir einen Kaffee trinken?<<
Ich wog die Argumente ab, da ich eigentlich noch schlafen gehen wollte, doch das könnte ich jetzt sowieso nicht mehr, da ich nicht wusste, was mit meiner Mutter war. Allerdings hatte ich auch keine Lust auf seine billigen Anmachsprüche, weshalb ich ihn abwies.
>> Ein andern Mal. Ich lege mich lieber noch ein wenig hin.<<
>> Da würde ich auch mitkommen.<< grinste er, woraufhin ich mich genervt abwandte.
>> Wann gibst du endlich auf?<<
>> Erst wenn ich dich geknackt habe.<<
Ich schüttelte amüsiert den Kopf, als ich Blake sah, der uns anscheinend beobachtet hatte und grimmig wirkte. Nachdem die beiden sich einige Sekunden angestarrt hatten, wandte Paul sich schließlich ab und ging endlich.
>> Es tut mir Leid, falls du Schwierigkeiten hast, weil du gestern nicht das Krankenhaus verlassen konntest.<< sagte Blake und sah mich schuldbewusst an.
>> Nein, ist schon ok. Alles in Ordnung.<<
>> Und das Telefonat eben?<<
>> Das wird schon wieder. So ist das hier eben. Wäre dein Vater nicht reingekommen, hätte ich eventuell einen anderen Notfall bekommen, also mach dich nicht verrückt. Es ist alles in Ordnung.<<
Er nickte, bevor er sich umdrehte und zum Bett seines Vaters ging. Ich atmete noch einmal tief durch und wollte gerade gehen, als im Bett neben Mr Humphrey ein Alarm losging.
Sofort rannte ich mit den Schwestern zu der Patientin, die sich den Tubus herausgezogen hatte und nun verzweifelt nach Luft schnappte. Schnell sah ich auf die Akte, um ihren Namen zu erfahren, bevor ich neben sie trat.
>> Mrs Rodriguez, Sie müssen sich beruhigen und versuchen ganz ruhig zu atmen.<<
Ich zeigte es ihr und versuchte mit ihr zusammen zu atmen, doch sie verkrampfte sich zu sehr und verfiel in Panik.
>> Mrs Rodriguez sehen Sie mich an. Ihnen wird nichts passieren, Sie müssen sich nur beruhigen. Es schmerzt am Anfang, weil Sie einen Tubus in ihrem Rachen hatten, aber das wird besser. Versuchen Sie bitte zu atmen. Ganz ruhig und gleichmäßig. So ist es gut. Ganz ruhig.<<
Sie beruhigte sich immer mehr, sodass ich ihr eine Sauerstoffmaske überzog und sie einen Moment beobachtete.
>> Haben Sie Schmerzen Mrs Rodriguez? Nichts sagen, einfach nur nicken, falls es so ist.<<
Sie schüttelte leicht den Kopf, weswegen ich die Akte zurücklegte und noch einmal zu ihr trat. Ich untersuchte sie kurz, doch es war alles in Ordnung. Da auch ihre Atmung nun wieder ruhig und gleichmäßig war, wandte ich mich schließlich wieder ab.
>> Versuchen Sie noch ein wenig zu schlafen. Wenn etwas ist, drücken Sie den Knopf dort. In Ordnung?<<
Sie nickte und schloss die Augen, weshalb ich den Raum verließ und mich bei den Schwestern hinter dem Tresen kurz in einen Sessel sinken ließ und die Augen schloss.
>> Willst du dich nicht noch mal hinlegen?<< fragte Ivy, die schon ihre Tasche packte, da ihre Schicht gleich endete.
>> Ich warte noch auf einen Anruf und irgendwie bin ich nicht mehr müde. Ich entspanne hier nur kurz und geh dann gleich frühstücken.<<
>> Du lebst hier schon fast. Hast du überhaupt noch eine Wohnung?<<
Ich lächelte und kuschelte mich noch mehr in den Sessel.
>> Weckt mich, falls ich einschlafe.<< murmelte ich noch, als auch schon die Müdigkeit gewann und mich in einen verlockenden Schlaf brachte.
Kapitel VI
Blake
>> Wie geht es ihm?<< fragte ich in den Raum, als ich ihn betrat und zu meinem Vater starrte.
>> Unverändert, aber stabil.<<
Ich nickte und sah ihn weiterhin an. Immerhin hatte sich sein Zustand nicht verschlechtert, dachte ich und atmete ein wenig auf. So wie er dalag, kannte ich ihn überhaupt nicht. Er sah so ruhig und friedlich aus, mit sich und der Welt im Reinen, was befremdlich für mich war.
Ängstlich sah ich auf den Monitor, wo sein Herzschlag zu sehen war und dachte direkt wieder an letzte Nacht in der Notaufnahme. Wie wild und laut die Monitore gepiept und uns gezeigt hatten, wie knapp es gewesen war. Dass auch wir gegen die Natur und gegen solche Herzattacken nichts ausrichten konnten, egal wie viel Geld wir besaßen. Doch so etwas wollte mein Vater nie hören, da für ihn nur das Geld zählte und er damit seiner Meinung nach alles erreichen konnte.
Als ich daran dachte, wie Evelyn ihn aufgeschnitten und mit ihrer bloßen Hand nach seinem Herzen gegriffen hatte, drehte sich mir erneut der Magen um. Nie hätte ich gedacht, dass eine Stripperin meinem Vater einmal das Leben retten würde und heute Nacht hatte sie ihn erneut gerettet, wofür ich ihr nicht dankbar genug sein konnte.
Nach einem tiefen Seufzer wandte ich mich wieder zu meinem Vater, der immer noch vollkommen ruhig da lag und zu schlafen schien.
>> Es war nicht deine Schuld Blake!<< versuchte meine Mutter mich aufzubauen, doch das prallte an mir ab. So beschissen war der gestrige Tag und die heutige Nacht gelaufen, weswegen ich mir für einfach alles die Schuld gab.
>> Und er scheint in guten Händen zu sein.<< pflichtete ihr Eliott bei, was mich auch nicht wirklich aufbaute. Ich wusste, dass Evelyn alles tun würde, um ihn zu retten, doch rief es mir in Erinnerung, was ich bei ihr verbockt hatte.
Sofort ging mein Blick wieder nach draußen durch die Glasscheibe zu ihr, wo sie sich grade in einen Stuhl setzte und müde die Augen schloss. Sie hatte grade einmal vier Stunden geschlafen und musste gleich eine neue Schicht antreten und das nur, weil sie sich um meinen Vater gekümmert hatte.
Wäre er gestern nicht mehr reingekommen, hätte sie ganz normal nach Hause fahren und sich dort ausschlafen können, aber sie war freiwillig hier geblieben und hatte ihre Freizeit geopfert. Sie war einfach ein Engel, ein Engel, der meinem Vater das Leben gerettet hatte.
Meine Brust zog sich wieder schmerzhaft zusammen, da ich mich so stark nach ihr sehnte. Wie gern wäre ich jetzt zu ihr gegangen, hätte sie in den Arm genommen und ins Bett getragen. Hätte sie beschützt, da sie so zerbrechlich und schwach aussah, wenn erst einmal die ganze Fassade durch die Entspannung und die Ruhe abbröckelte und man ihr wahres Ich sehen konnte. Wie gern hätte ich mich dann an sie gekuschelt, ihren unvergleichlichen Duft eingeatmet, ihre zarte Haut gestreichelt und dafür gesorgt, dass sie genügend Schlaf bekäme.
>> Blake?<< fragte mich mein Bruder und sah abwechselnd zu mir und Evelyn nach draußen, weswegen ich mich schnell von ihrem Anblick losriss und wieder zu meinem Vater sah.
>> Ich werde gleich in den Verlag fahren und alles für die Expansion vorbereiten.<< beschloss ich und atmete tief durch, um neue Kraft für den heutigen Tag zu sammeln.
>> Aber du wolltest das doch nicht.<<
Ich zuckte mit den Schultern, da es mir inzwischen egal war. Hauptsache war, dass mein Vater es wollte und er deswegen sogar einen Herzinfarkt gehabt hatte, weswegen ich einlenkte. Würde er nun aufwachen, würde er weiter auf die Expansion aus sein, weswegen ich diesen Streit unbedingt vermeiden wollte, damit er sich schonte. Sollte es scheitern, verloren wir zwar einige Millionen Dollar, doch das würde uns nicht ruinieren, weswegen ich das Risiko eingehen konnte.
>> Er wollte es aber.<<
Meine Familie sagte nichts mehr, weswegen es beschlossene Sache war und ich mein Telefon herausholte, um die ersten Schritte einzuleiten. Plötzlich sah ich etliche Anrufe und Nachrichten von Dan und Lewis, weswegen ich wieder an das Training von gestern Abend dachte und daran, dass ich ihnen nicht abgesagt hatte, weswegen ich den Raum verließ und zurückrief.
>> Blake, verdammt, endlich!<< begrüßte mich Dan, während ich im Hintergrund Lewis nach mir fragen hörte. Anscheinend arbeiteten die beiden schon. Sie fingen oft schon um sechs Uhr an, damit sie früher Schluss machen konnten, wobei auch sie in letzter Zeit viele Überstunden schoben.
>> Hi, sorry, dass ich mich gestern nicht gemeldet habe, aber...<< sagte ich und stockte kurz, da ich sah wie Evelyn einschlief und sich stärker in den Stuhl kuschelte, was einfach nicht bequem und erholsam sein konnte. Warum hatte sie sich nicht wieder ins Bett gelegt?
>> Lass mich raten, du warst wieder im Stripclub?<< fragte Dan mich belustigt, als ich gerade etwas antworten wollte, doch dazu kam ich erst mal nicht.
>> Du hättest uns ruhig mitnehmen können. Wir sehen uns auch gerne schöne Frauen an, die sich ausziehen und dabei lasziv tanzen. Meinetwegen auch andere als deine Lexy, falls du ein Anrecht auf sie beanspruchen möchtest.<<
>> Ich war nicht im Club.<< seufzte ich und sah wieder zu Evelyn. Eigentlich hatte ich gestern noch dort hingewollt, wenn nicht alles anders gelaufen wäre, doch so hatte ich sie als Menschen kennengelernt und nicht als eine Art Kunstfigur. Hier verstellte sie sich wirklich überhaupt nicht und war natürlicher als je zuvor.
>> Und wo warst du dann? Immerhin wollten wir gestern trainieren.<<
>> Mein Vater hatte gestern während des Meetings einen starken Herzinfarkt und ab dann waren wir die ganze Zeit im Krankenhaus, weil er operiert werden musste.<<
Es entstand eine kurze Pause, da sie mit solch einer Antwort anscheinend nicht gerechnet hatten und ich mir vorstellen konnte, wie sehr Dan sich jetzt grade für seine Bemerkung von eben in den Hintern trat.
>> Scheiße! Das tut mir Leid Blake. Wie geht es ihm?<<
>> Er ist stabil, aber noch nicht außer Lebensgefahr. Es war ein starker Herzinfarkt und somit war es ziemlich knapp gestern.<<
>> Fuck. Können wir irgendwas für dich tun?<<
>> Danke, aber ich wüsste nicht was, außer dass ihr euch heute allein um die Firma kümmert, da ich einiges in den Verlagen regeln muss. Aber den ersten Termin heute übernehme ich, da sie explizit nach mir verlangt hatten, also braucht ihr den nicht übernehmen.<<
>> Das ist überhaupt kein Problem.<< sagte Lewis im Hintergrund, was mich schon mal beruhigte. Ich wusste, dass ich mich auf sie verlassen konnte und mich heute somit voll und ganz der Expansion widmen konnte.
>> Und wie geht es dir mit der ganzen Situation? Ich meine, wie kommst du damit klar wieder in einem Krankenhaus zu sein?<< hakte Dan nach und klang dabei sehr besorgt, was ich gut nachvollziehen konnte.
>> Ich... Ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mich abzulenken, aber das ist nicht so einfach, deswegen werde ich auch gleich erst mal arbeiten gehen.<<
>> Bleib doch bei ihm. Die Geschäfte können bei so etwas auch mal warten.<<
>> Nein, ich muss mich darum kümmern, sonst dreht er mir den Hals um, wenn er wieder aufwacht, außerdem muss ich hier unbedingt raus.<<
Ich hasste Krankenhäuser, hasste Ärzte und ihre arrogante und selbstgefällige Art, hasste alleine schon den Geruch und den Gedanken, dass hier täglich Menschen litten und starben, was mich alles an eine Situation von vor zwei Jahren erinnerte und diese Erinnerung wollte ich partout nicht aufleben lassen.
Ich konnte nicht verstehen, wie Evelyn hier freiwillig arbeiten konnte. Erst, als ich sie gestern nach der OP gesehen hatte, war es mir besser gegangen, da ich mich in ihrer Gegenwart auf sie konzentrierte und den Ort um uns herum ausblenden konnte, doch nun ignorierte sie mich, weswegen diese Methode nicht mehr funktionierte.
>> Er wird es schaffen Blake. Er ist ein Kämpfer und die Ärzte kümmern sich bestimmt gut um ihn.<<
>> Ich weiß, aber die sind genau das Problem.<<
>> Was?<<
>> Die Ärztin ist das Problem, weswegen ich hier gleich mal weg muss, sonst drehe ich noch durch.<<
>> Ist das etwa so eine alte, arrogante Kuh, die dich nicht leiden kann, weil ihr Geld habt und ihr das Krankenhaus unterstützt? Weil ihr eine bessere Behandlung bekommt?<< fragte er amüsiert nach, was auch mich ein wenig aufmunterte.
>> Nein, aber mit nicht leiden können, hast du recht, wobei ich selbst Schuld bin. Ich habe einfach scheiße gebaut.<<
>> Du und scheiße bauen? Seit wann das denn?<< fragte er belustigt nach, da ich seit zwei Jahren der Vorzeigemann schlechthin war.
>> Die Ärztin ist...<< begann ich den Satz, brach ihn dann jedoch ab, um mir eine ruhigere Ecke zu suchen, da neben mir grade ein Kind anfing zu schreien.
>> Was ist mit ihr?<<
>> Das werdet ihr mir eh nicht glauben...<<
>> Nun erzähl schon und spann uns nicht so auf die Folter.<<
>> Es ist Lexy, also eigentlich Evelyn und...<<
>> Du verarscht mich grade.<<
>> Nein. Sie war gestern in der Notaufnahme und hat meinen Vater behandelt, als er eingeliefert worden war. Sie hat meinem Vater sogar das Leben gerettet, ihn aufgeschnitten und den Riss an seinem Herzen operiert und ihn die ganze Nacht über beobachtet.<<
>> Sie ist in Wirklichkeit eine Ärztin?<<
>> Ja. Ich musste auch mehrmals hinsehen, da sie hier natürlich ganz anders aussieht, mit der blauen Kleidung und einem weißen Kittel, mit viel weniger Schminke und sie ist viel kleiner, da sie keine hohen High-Heels trägt.<<
>> Wow... Das hätte ich jetzt wirklich niemals gedacht.<<
>> Denkst du ich?<<
>> Und wieso hast du jetzt scheiße gebaut?<<
>> Weil... Na ja, ich bin gestern Nacht, nach der Operation, noch mal zu ihr, um mich zu bedanken und irgendwie führte eins zum anderen, weswegen wir uns irgendwann geküsst haben und...<<
>> So richtig geküsst? Also wild und ungezügelt, oder nur keusch auf den Mund?<< unterbrach er mich neugierig.
>> Da war nichts keusches. Wild und ungezügelt trifft es besser. Es wäre schnell mehr geworden, aber dann habe ich irgendwie kurz an Kelly gedacht, weswegen mir ihr Name während des Kusses herausgerutscht ist.<<
>> Nein!<< hörte ich von beiden, während ich mir selbst wieder für diese dumme Situation in den Hintern trat.
>> Ehrlich jetzt? Du bist so verrückt nach ihr, erzählst nur noch von ihr, denkst permanent an sie und dann sagst du Kelly während ihr euch küsst?<<
>> Ja.<< brummte ich, da es mir einfach nur unangenehm war.
>> Und wie hat sie reagiert?<<
>> Was meinst du wohl? Sie hat sich natürlich gefreut und ist mir um den Hals gesprungen dabei. Hat sich die Kleider vom Leib gerissen und es mit mir getrieben, wobei ich sie weiterhin Kelly nennen sollte, da ihr dieses Rollenspiel total gefallen hat.<< fuhr ich ihn ironisch an, da ich diese Frage wirklich mehr als dämlich fand.
>> Sehr witzig... Und im Ernst?<<
>> Sie hat mich aus dem Zimmer geworfen und redet seitdem nicht mehr mit mir, jedenfalls über nichts, was nicht mit dem Gesundheitszustand meines Vaters zu tun hat.<<
>> Hast du denn schon versucht mit ihr zu reden und es ihr erklärt?<<
>> Ich habe mich entschuldigt, aber was soll ich ihr denn sagen?<<
>> Die Wahrheit vielleicht?<< schlug Lewis im Hintergrund vor, als Dan sich einmischte.
>> Wäre vielleicht keine schlechte Idee, erzähl ihr, was es mit Kelly auf sich hat.<<
>> Nein, das kann ich nicht. Vielleicht sollte ich es einfach auf sich beruhen lassen und mich damit abfinden.<<
>> Blake...<< wollte Dan einwenden, doch ich ließ es nicht zu, weswegen ich schnell weitersprach.
>> Lass es Dan. Es bringt grade nichts mir da gut zuzureden. Ich brauche erst mal ein wenig Abstand von allem hier, weil ich hier einfach nicht klar denken kann. Zum einen Evelyn, die mich um den Verstand bringt, dann mein Vater der noch auf der Kippe steht, weswegen ich mir Sorgen mache und dann dieser Ort, weswegen ich mich in der Zeit zurückversetzt fühle...<<
>> Ist gut, aber melde dich, wenn es etwas Neues gibt, oder wir etwas für dich tun können.<<
>> Mache ich, danke.<<
Wir legten auf, während ich noch einmal zu Evelyn sah und mich an letzte Nacht erinnerte. Wir hatten uns geküsst, was einfach unbeschreiblich gewesen war. Es war noch viel besser und erregender gewesen, als ich es mir jemals vorgestellt hatte und ich hatte es mir wirklich oft und ziemlich heiß vorgestellt.
Sie hatte so weiche und sinnliche Lippen, schmeckte so verdammt gut, hatte eine so sanfte und warme Haut, die mich regelrecht um den Verstand brachte. Ihr knackiger Hintern hatte sich so gut in meinen Händen angefühlt, während ich immer noch ihr leises Stöhnen hörte, was mir einfach nicht mehr aus dem Kopf ging.
Nun wusste ich, dass sie auch etwas für mich empfand, was sie sonst immer so gut zu verstecken versuchte. Auch wenn ich Mist gebaut hatte und ich mich vielleicht lieber damit abfinden sollte, dass es nichts zwischen uns werden würde, würde ich sie nicht aufgeben. Das konnte ich einfach nicht. Zu sehr sehnte ich mich wieder nach ihr, nach ihrem Körper und ihren Lauten, wenn sie erregt war und ihre Lust nicht mehr verstecken konnte.
Zu gern würde ich ihr die Sache von gestern erklären, doch das konnte ich einfach nicht. Kelly war ein Teil meines Lebens, den ich lieber hinter Schloss und Riegel hielt, doch die Situation und der Ort gestern, hatten Erinnerungen in mir wach gerüttelt, weswegen mein Gehirn kurz ausgesetzt hatte. Es ihr zu erklären, wäre die letzte Chance, die ich ergreifen würde, vorher würde ich es weiter mit Entschuldigungen versuchen.
Nach einem weiteren Telefonat mit dem Verlag, wo ich eine neues Meeting einberufen ließ, damit die Expansion abgezeichnet werden konnte, ging ich wieder zu meiner Familie, die weiterhin schweigend im Raum saß und auf meinen Vater sah, der immer noch nicht aufgewacht war.
>> Heute Nachmittag um drei ist das Meeting.<< verkündete ich, woraufhin beide nur stumm nickten.
>> Fahrt ihr gleich in den Verlag, damit die aktuellen Zeitungen in den Druck gehen können?<< fragte uns unsere Mutter, weswegen wir nickten.
>> Ich muss aber gleich noch mal kurz in meine Firma. Heute kommen zwei neue Kunden zu mir, die einen Personenschützer suchen.<< informierte ich die beiden, da ich diesen Termin nicht absagen konnte.
>> Und wie lange dauert das?<< fragte mich mein Bruder müde, da wir alle wenig Schlaf bekommen hatten.
>> Bis zum Mittag schätze ich, danach komme ich direkt zu dir.<<
>> Kann das nicht einer deiner Mitarbeiter übernehmen?<<
>> Es sind wichtige, lukrative Kunden, die den Chef persönlich erwarten. Tut mir Leid.<<
Elliott nickte nur, wobei mir nicht entging, wie wenig er davon hielt. Es passte ihm wahrscheinlich nicht, dass ich mit meiner Firma erfolgreich war, während er mit seiner Geschäftsidee baden gegangen war.
Als wir beide Erwachsen geworden waren, hatte unser Vater darauf bestanden, dass wir unsere eigenen Wege gingen. Er wollte nicht verwöhnte Kinder haben, die auf seine Kosten lebten und von nichts eine Ahnung hatten, weswegen wir uns selbst etwas aufbauen mussten.
Wir sollten uns bei ihm beweisen, was mir auch gut gelungen war. Ich führte meine eigene Firma für Personenschutz, bei der ich Dan und Lewis mit ins Boot geholt und zu meinen Partnern gemacht hatte. Während Dan sich um das Geschäftliche kümmerte, übernahm Lewis eigentlich das Werben und Vermitteln neuer Kunden, die Personenschützer suchten.
Mein Gebiet war die Aus- und Weiterbildung der Personenschützer, wobei ich auch die Vermittlung und den Kundenkontakt übernahm, da es viel Arbeit war. Ab und an sprang ich auch gern selbst ein und übernahm Jobs. Deshalb war es so wichtig, dass ich mich in Form hielt, aber auch um meinen Mitarbeitern ein gewisses Vorbild zu sein.
Elliot hingegen hatte versucht sich mit speziellen Bio-Supermärkten selbstständig zu machen, was am Anfang auch gut angelaufen war, doch je mehr er sich vergrößert hatte, um so mehr hatte er Schwierigkeiten bekommen.
Als die Menschen weniger Geld im Portemonnaie hatten, sparten sie zuerst bei unnötigen Dingen und dazu zählten leider auch die teuren Bio-Produkte aus seinem Markt, da es inzwischen andere, billigere Bio-Produkte in normalen Supermärkten zu kaufen gab, wo die meisten Menschen sowieso einkauften. So brauchten sie nicht noch ein anderes Geschäft anfahren.
Es dauerte insgesamt vier Jahre bis er Insolvenz anmelden musste und schließlich wieder bei unserem Vater anfing, wo er nun Vollzeit arbeitete. Wahrscheinlich hatte sich unsere Mutter damals eingemischt, da sie es nicht ertrug, wenn einer von uns Kindern litt.
Da mein Vater irgendwann auch kürzer treten wollte, arbeitete ich nun auch wieder mit bei ihm, um irgendwann die Verlage mit meinem Bruder zu übernehmen, wobei ich da nicht wirklich Lust drauf hatte. Ich war mit meiner eigenen Firma gut ausgelastet, aber wahrscheinlich hatte mein Vater Angst, dass Elliott den Verlag herunterwirtschaften würde, so wie damals seine Supermärkte.
>> Sei einfach so früh wie möglich da.<< riss Elliott mich schließlich aus meinen Gedanken und sah mich immer noch mürrisch an.
>> Nichts anderes hatte ich vor Elliott, oder denkst du ich gönne mir heute noch eine angenehme Mittagspause, lege die Füße hoch und fahre dann nach zwei Stunden gemütlich zu dir?<< fragte ich gereizt, da er mich mit seiner Bemerkung und seinem Blick auf die Palme brachte.
>> Hört auf zu streiten!<< ermahnte uns unsere Mutter, weswegen ich mich schnell wieder zusammenriss. Sie sollte heute nicht noch mehr durchmachen müssen.
>> Entschuldige Mutter.<<
Sie nickte nur knapp und sah so zerbrechlich aus, weshalb ich sie kurz in den Arm nahm und meine Wut herunterschluckte. Es brachte nichts mit Elliott zu streiten, da wir immer wieder miteinander auskommen mussten. Familie konnte man sich halt nicht aussuchen, ganz anders als Freunde.
Mit Dan und Lewis kam ich perfekt aus, wir harmonierten auf ganzer Linie und ich konnte mich immer auf die beiden verlassen, was ich von meinem Bruder nicht behaupten konnte. Es war schon zu einigen Situationen gekommen, in denen wir ordentlich aneinander geraten waren und unsere Mutter immer wieder schlichten musste, damit die Familie nicht auseinander brach.
Jetzt wo mein Vater im Krankenhaus lag und nicht im Verlag tätig sein konnte, mussten wir alleine im Verlag arbeiten, weshalb mir Elliotts Verhalten sicherlich noch bewusster werden würde und darauf war ich schon jetzt gespannt. Ich hoffte einfach nur, dass er sich zusammenreißen würde, damit die nächsten Wochen so angenehm wie möglich werden würden, doch das lag nicht nur in meiner Hand.
Doch bevor ich noch länger darüber nachdenken und schlechte Laune kriegen konnte, sah ich wie Evelyn von einer anderen Ärztin geweckt wurde und langsam wieder aus ihrem Schlaf erwachte. Warum ließ sie sie nicht einfach schlafen?
Sofort legten sich wieder Sorgenfalten auf Evelyns Gesicht, die sie nicht haben sollte. Was belastete sie nur so stark? Hing es damit zusammen, dass sie so viel arbeitete und so wenig Schlaf bekam? Dass ihr Körper schlapp machte?
Wieder hatte Evelyn nur wenige Minuten geschlafen, was nicht gesund sein konnte, doch so konnte ich sie immerhin wieder beobachten und sie würde sicherlich gleich wieder nach meinem Vater sehen, weshalb mich schnell wieder Vorfreude durchströmte.
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