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Svea Dunnabey

Sea and Fall

Einsicht

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Kapitel XII

Kapitel XIII

Kapitel XIV

Kapitel XV

Kapitel XVI

Kapitel XVII

Kapitel XVIII

Kapitel XIX

Kapitel XX

Impressum neobooks

Kapitel I

Die letzten Tage waren wie im Flug vergangen. Ethan und ich verbrachten jede freie Minute zusammen und genossen unser neues Glück, was mir immer leichter fiel. Ethan war der erste Mann, bei dem ich wirklich fühlte, dass ich ihn liebte und ohne den ich nicht mehr sein wollte. Zwar gab es viele Probleme, die uns den Weg steiniger machten, trotzdem wollten wir es versuchen und zusammenhalten.

Vor ein paar Tagen hatte er sich mir geöffnet und gebeichtet, dass er seit vier Jahren keinen Sex und keine Frau mehr gehabt hatte, weil er sich selbst dafür bestrafte, dass eine Frau beim Sex mit ihm gestorben war, weil sie einen Herzfehler hatte. Er gab sich die Schuld dafür und hatte Angst, dass das gleiche bei mir passieren könnte, was ich absolut absurd fand. Für mich war das mit Anna ein Unfall gewesen, woran nur ihr kaputtes Herz Schuld war und ich war in Topform und gesund, weswegen er sich keine Sorgen machen musste.

Auch ich hatte mich ihm anvertraut und ihm alles aus meiner Kindheit berichtet. Mein Vater starb an meinem siebten Geburtstag an Krebs, wofür meine Mutter mir die Schuld gab, da sie durch mich keine Zeit gehabt hatte nach ihm zu sehen und ihm zu helfen. Zudem hatte sie mich immer schlecht behandelt, weswegen mich heute noch Selbstzweifel und Selbsthass plagten. Das waren Dinge, die ich wahrscheinlich nie ablegen konnte und durch die Trennung von meinem Mann, weil er fremdgegangen war, kam auch noch das Problem des Misstrauens hinzu. Ethan hatte es also wahrlich nicht leicht mit mir, doch er gab sich größte Mühe mit meinen Launen und Zweifeln umzugehen.

>> Kann ich dir noch irgendwie helfen?<<

Paul schaute durch einen Spalt in meiner Schlafzimmertür herein und grinste mich an. Er war schon vor einer halben Stunde gekommen und hatte sich in einen schicken Anzug geworfen, in dem er einfach fabelhaft aussah. Jacob und er kamen ebenfalls zur Ballettaufführung von Emma, die in etwa zwei Stunden begann. Ich hoffte nur, dass Ethan es noch rechtzeitig schaffte und auch Jacob war noch nicht da, weshalb wir nun zusammen auf unsere Männer warteten.

>> Könntest du mir beim Reißverschluss helfen?<<

>> Aber natürlich.<<

Ich trug ein langes roséfarbenes Kleid aus Chiffon, wobei die Korsage durchgehend gerafft war und um die Taille ein breites Band mit Perlen und Pailletten gebunden war. Unter dem Band verliefen sich die Raffungen, sodass es leicht und locker herunterfiel. Als Paul den Reißverschluss schloss, saß es perfekt und betonte meine Kurven. Meine Haare hatte ich nach hinten gedreht, wo sie lockig meinen Rücken hinunterfielen. Zusammen mit meinem Make-Up und dem Schmuck, den mir Ethan gestern geschenkt hatte, fühlte ich mich wie eine Göttin.

>> Danke.<<

>> Du siehst wunderschön aus Sarah.<<

Ich errötete und schob die Bemerkung beiseite, was er schon gewohnt war von mir. Ich freute mich, dass ich Paul endlich mal ohne Jacob sprechen konnte und nutzte die Gunst der Stunde, um ihn einmal darüber auszufragen, wieso er Jacobs Seitensprung so schnell verziehen hatte.

>> Hättest du noch eine Minute für mich?<<

>> Natürlich, was gibt es denn?<<

Einen Moment lang überlegte ich einen Rückzieher zu machen, doch es interessierte mich einfach zu sehr. Ich setzte mich aufs Bett und sah ihn unsicher an.

>> Kann ich dich etwas fragen?<<

>> Aber sicher.<<

>> Wieso hast du Jacob verziehen und vor allem so schnell?<<

Er seufzte und setzte sich zu mir, bevor er tief durchatmete und sanft antwortete.

>> Weil ich ihn liebe und nicht ohne ihn leben kann.<<

>> Aber er hat dir doch wehgetan.<<

>> Ich weiß.<< seufzte er und seine Miene wurde dunkler, schmerzverzerrter und nachdenklicher. Ich wusste, dass er an die Tage der Trennung dachte und wie sehr Jacob ihn verletzt hatte.

>> Aber er hat sich so ins Zeug gelegt, um mich wiederzubekommen. Er hat nicht aufgegeben, als ich bei meiner Schwester war. Hat draußen auf der Veranda geschlafen und mir immer wieder erzählt, wie Leid es ihm tat. Grade Jay, der so eitel und penibel ist, wenn es um Sauberkeit geht, duscht tagelang nicht und schläft im dreckigen Garten...<<

Er lächelte bei dem Gedanken und den Bildern, die sich ihm während dieser Zeit geboten haben.

>> Ich habe gesehen, wie er gelitten hat und seine Gründe, dass er mit Leon abschließen musste, hörten sich plausibel an...<<

>> Aber so schnell?<<

>> Ich liebe ihn und er liebt mich, warum sollen wir es künstlich in die Länge ziehen, wenn wir wissen, dass wir wieder zusammenkommen? Warum länger leiden, wenn es auch Freude geben kann. Das heißt aber nicht, dass ich ihn nicht trotzdem noch ein wenig auf Abstand halte. Er weiß, dass er mein Vertrauen erst zurückgewinnen muss und dass bei dem kleinsten Ausrutscher Schluss ist.<<

>> Ich hoffe nur, dass er verstanden hat, was für ein Glück er hatte, dass du ihm verziehen hast.<<

>> Das hat er.<<

Ich nahm ihn in den Arm, schloss die Augen und drückte ihn fest, als sich jemand hinter uns räusperte.

>> Ethan, schön, dass du da bist. Ähm, das ist Paul, Paul, das ist Ethan.<<

Ich kam mir unendlich dumm vor, dass er mich in einer innigen Umarmung mit einem anderen Mann in meinem Schlafzimmer, auf meinem Bett erwischt hatte, ganz egal, ob Paul schwul war, denn das wusste Ethan noch nicht und seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, fand er es alles andere als passend.

>> Paul ist der Freund von Jacob.<<

>> Wir kennen uns bereits Sarah. Dürfte ich kurz mit ihr alleine reden?<<

>> Aber natürlich.<<

Paul verließ das Schlafzimmer und zog die Tür hinter sich zu, wobei er mir einen aufmunternden und mitleidigen Blick zuwarf, der um Welten angenehmer war, als der den Ethan mir nun zuwarf.

>> Ich mag es nicht, wenn dir andere Männer so nahe sind.<<

>> Er ist doch schwul und wir sind gute Freunde.<<

>> Das ist mir scheißegal.<< herrschte er mich an, was mich kurz zusammenzucken ließ.

>> Aber....<<

>> Kein aber Sarah! Ich glaube wir haben schon geklärt, dass du auch nicht möchtest, dass ich einer anderen Frau so nahe wäre, beispielsweise Jody.<<

>> Das ist was anderes.<<

>> Wieso?<<

>> Sie ist nicht lesbisch. Sie will was von dir!<<

>> Kann ich sicher sein, dass nicht einer von Ihnen bisexuell ist?<< fragte er und drehte sich dabei ein wenig zur Tür um, auf die er mit einem Finger zeigte.

>> Ethan.... Du verstehst das nicht. Die beiden... Sie sind wie Brüder für mich. Sie kümmern sich um mich, sorgen dafür, dass es mir gut geht.<<

>> Das tue ich jetzt.<<

>> Aber du bist nicht immer da und manchmal brauche ich jemand anderen, dem ich alles erzählen kann. Vor allem wenn wir uns irgendwann wieder streiten sollten, dann sind die beiden für mich da.<<

>> So wie sie für dich da waren, als du dachtest wir hätten uns getrennt?

Ich nickte und dachte an den Abend zurück, wie schlecht es mir gegangen war und welche schlimmen Vorwürfe ich mir selbst gemacht hatte. Wie sehr ich mich gehasst hatte.

>> Sie sind sofort hierher gefahren und haben mich getröstet, mich wieder aufgebaut und mir Mut gegeben.<<

Ethan stand stumm vor mir und ließ die Worte ein paar Mal durch seinen Kopf gehen, bevor er sich resigniert mit den Händen durch sein volles Haar fuhr.

>> Trotzdem möchte ich, dass du in Zukunft erst zu mir kommst und es macht mich eifersüchtig, wie innig du mit ihnen umgehst, wirklich Sarah, es stört mich gewaltig. Nicht nur du bist sehr eifersüchtig!<<

Ich antwortete nicht, sondern trat ein paar Schritte auf ihn zu, um ihm endlich meine Arme um den Hals zu schlingen und ihn zu küssen. Etwas, wonach ich mich schon den ganzen Tag gesehnt hatte. Sein männlicher frischer Duft, gepaart mit seinem minzigen Geschmack, brachten mich um den Verstand.

>> Ich liebe nur dich Ethan und du reichst mir vollkommen.<<

>> Na, dass hoffe ich doch.<<

Er küsste mich leidenschaftlicher, strich mit den Fingerkuppen über meinen Rücken, was mir Gänsehaut verschaffte und mich wohlig stöhnen ließ. Dieser Mann brachte mich wie immer um meinen sonst so verlässlichen Verstand.

Plötzlich klingelte es an der Tür, weshalb wir zurück ins Wohnzimmer gingen, doch Jacob betätigte schon den Summer. Jacob musste mit Ethan zusammen angekommen sein, weswegen Ethan auch nicht klingeln brauchte und plötzlich in die Umarmung von Paul und mir hereingeplatzt war.

>> Julian kommt. Machst du ihm auf Süße, dann kann ich mich noch schnell umziehen.<<

Ich nickte und drehte mich zu Ethan um, der gerade meinen Hintern knetete, während Paul und Jacob in ihrem Zimmer verschwanden.

>> Hör auf damit! Was sollen die anderen denken.<< zischte ich ihn an, worauf er nur mit einem schiefen Lächeln reagierte.

>> Dass ich die Finger nicht von dir lassen kann, weil du so scharf aussiehst?<<

>> Ethan!<<

>> Sei froh, dass ich mit deinem entzückenden Arsch vorlieb nehme. Immerhin ist das nicht so auffällig, als wenn ich deine Titten kneten würde, die durch das Kleid so herrlich zusammengequetscht werden.<<

>> Gefällt es dir also?<< fragte ich amüsiert und bekam meinen Blick nicht mehr von seinen Augen los, die jedoch inzwischen lieber auf meine Oberweite fixiert waren. Plötzlich löste er eine Hand von meinem Hintern, packte meine und legte sie an seine beachtliche Beule in der Hose, was mich noch mehr grinsen ließ. Ich genoss es, wenn er mir zeigte, wie sehr ihn allein mein Anblick anmachte.

>> Es gefällt mir viel zu gut. Was mir nicht gefällt, ist die Tatsache, dass ich dich nicht aus diesem Kleid befreien und dich verführen darf.<<

>> Ethan...<< warnte ich ihn wenig überzeugend, als er mit der Hand über mein Dekolleté strich und mit der anderen in meine Mitte fuhr.

Ich schlug auf seine Hand und ging zur Tür, an der es grade geklopft hatte, um Julian zu öffnen. Nach einem tiefen Atemzug, um die Gänsehaut abzuschütteln, die Ethan mir grade verpasst hatte, öffnete ich die Tür schließlich.

>> Hi Julian, komm rein.<<

>> Danke.<<

>> Wie geht’s Christie und der Kleinen?<<

>> Gut. Sehr gut eigentlich, aber ich bin ehrlich gesagt froh dem Babygeschrei einen Abend zu entfliehen.<<

>> So schlimm?<<

>> Ich bin es einfach nicht mehr gewohnt.<<

>> Ist ja auch schon ein paar Jahre her.<<

>> Stimmt.<<

>> Könntet ihr euch vielleicht auf Englisch unterhalten?<< fiel uns Ethan ins Wort, der ein wenig grimmig dreinblickte. Ich hatte vollkommen vergessen, dass er kein Deutsch sprach und schwang sofort wieder ins Englische um.

>> Sorry, ich habe nicht dran gedacht. Ethan, das ist Julian mein Ex-Mann, Julian, das ist Ethan, mein Freund.<<

Die beiden begrüßten sich, wobei ich bei Julian eine gewisse Angst spürte. Er hatte schon zugegeben, dass er Respekt vor ihm hatte, da er so angsteinflößend wirkte und alles über unsere Trennung wusste, doch seine Sorgen waren unbegründet. Ethan war erwachsen genug, dass ganze ohne Konfrontation oder irgendwelche unpassenden Kommentare zu regeln.

>> Ich habe gehört, ihre Firma hat den Zuschlag für mein neues Projekt bekommen?<<

>> Richtig. Ein sehr schönes und extravagantes Gebäude, das Sie da planen.<<

>> Danke.<<

>> Nächste Woche geht es schon los.<<

>> Stimmt.<<

>> So wir können.<< mischte sich Jacob ein, der nun wie aus dem Ei gepellt aussah. Ich blickte mich im Raum um, als es mir fast die Sprache verschlug.

>> Fahre ich jetzt wirklich mit vier Männern zu dieser Aufführung? Wie schlimm sieht das denn aus?<<

>> Du bist halt begehrt und rattenscharf Süße.<<

Es war Jacob, der als erster geantwortet hatte und den ich nun mit bösen Blicken strafte, da er mir einen Klaps auf den Hintern gegeben hatte. Schließlich nahm ich Ethans Hand und ging mit ihm hinunter zur Limousine. Als wir eingestiegen waren, setzten wir uns nebeneinander und ich kuschelte mich mit meinem Kopf an seine Schulter.

Die Fahrt dauerte eine Stunde, bei der uns jedoch nicht der Gesprächsstoff ausging. Wir unterhielten uns über den bevorstehenden Urlaub von Jacob und Paul, die sich zwei Wochen in der Karibik gönnten, über das neue Familienglück von Julian und über die Beziehung zwischen Ethan und mir. Ab und an fragten sie auch Ethan persönlich aus, worauf er jedes Mal höflich antwortete, egal wie privat sie auch sein mochte.

Als wir endlich da waren, stiegen die anderen zuerst aus, bevor Ethan mir aus dem Auto half und mich an seine Seite zog. Es waren einige Fotografen vor Ort, die ihn sofort erkannten und Bilder schießen wollten. Als ich gerade einen Schritt zur Seite machen wollte, damit sie ein Foto von ihm machen konnten, drückte er mich noch fester an sich.

>> Wehe!<< säuselte er mir zuckersüß ins Ohr, damit die anderen nicht dachten, dass wir gerade einen kleinen Disput hatten.

>> Mr Thatcher, Ms Huber. Was führt Sie heute Abend hier her?<<

Inzwischen kannte die Presse meinen Namen, eine Tatsache die ich gern vermieden hätte, doch neben Ethan konnte ich mich auf Dauer nicht verstecken.

>> Ms della Rossa heißt sie jetzt.<< ging Ethan bestimmt dazwischen, bevor ich antwortete.

>> Meine Tochter spielt in dem Stück mit.<<

>> Sind Sie ein Ballettliebhaber Mr Thatcher?<<

>> Das werde ich heute Abend sicherlich herausfinden. Entschuldigen Sie uns!<<

Wir grinsten noch kurz für die Kameras, bevor wir uns hinein retteten und ich mir einen großen Schluck Champagner gönnte. Julian, Jacob und Paul waren wahrscheinlich schon zu ihren Sitzplätzen gegangen, da ich sie nirgends mehr entdecken konnte, sodass ich mit Ethan endlich mal alleine war.

>> Was ist Sarah?<<

>> Ich hasse die Fotografen. Ich bin so etwas einfach nicht gewohnt.<<

>> Es tut mir Leid, aber das wird nun ein Teil deines Lebens sein. Solange sie uns nicht verfolgen, können wir nichts dagegen tun.<<

>> Ich weiß.<<

Er nickte und nahm mich schließlich zärtlich in den Arm, wo er mir beruhigend über den Rücken strich.

>> Wenn es dir zu viel wird, sag es mir. Ich vergesse die Presse schnell, da ich sie seit klein auf gewohnt bin.<<

>> Mhm.<<

Wir gingen zu unseren Plätzen, wo auch schon Ben saß, den ich Ethan sofort vorstellte. Die beiden begrüßten sich freundlich und setzten sich wieder. Sie saßen zu weit auseinander, um weiter miteinander reden zu können, doch dafür hatten sie noch das ganze Wochenende Zeit.

Ich hatte ein wenig Angst davor, da Ben nicht einfach war. Er war mein elfjähriger Sohn, der einen IQ von 152 hatte und deshalb ein wenig schwierig war. Er interessierte sich nur für Technik, wobei er sich wirklich bemühte auch mit Menschen zurecht zu kommen, die damit nichts anfangen und nicht mit ihm mithalten konnten. Ethan hatte ihn heute das erste Mal getroffen und auch Emma würde ich ihm heute noch vorstellen, allerdings erst nach der Aufführung.

Es waren nur noch zehn Minuten bis es anfing, als ich plötzlich jemanden auf uns zukommen sah, der mich breit angrinste.

>> Alex, was machst du denn hier?<<

Es konnte nicht noch schlimmer kommen. Ethan musste heute wirklich viel ertragen. Erst lernte er Paul, dann meinen Ex-Mann, dann Ben und nun auch noch Alex und später noch Emma kennen. Dass schlimmste daran waren Julian und Alex an einem Abend, beides Männer mit denen ich etwas gehabt hatte.

>> Emma hat mir eine Karte besorgt, da ich ihren Auftritt nicht verpassen wollte.<<

>> Na dann, viel Spaß.<<

Ich hoffte, dass er sich einfach wieder hinsetzte und es nicht noch schlimmer machte, doch er zog mir einen Strich durch meine Rechnung.

>> Können wir kurz reden?<<

>> Ich wüsste nicht worüber, außerdem sitze ich sehr gut hier.<<

Ich sah, dass ihm meine Antwort nicht passte, da er sein Gesicht grimmig verzog, doch er ließ nicht locker und redete einfach weiter.

>> Du hast mich nicht angerufen.<<

>> Das hatte ich dir auch nicht versprochen. Ich sagte nur, dass ich nachdenken müsse.<<

>> Trotzdem habe ich gewartet und gehofft.<<

>> Du hast mein Vertrauen missbraucht Alex, was für ein Wunder erwartest du?<<

>> Dass du mir noch eine Chance gibst, wir weiterhin Freunde sind und eventuell wieder ein Paar werden.<<

Zum Glück saß Ben weit genug entfernt, damit er das nicht mitbekam, doch Ethan saß direkt neben mir und kochte innerlich vor Wut. Ich spürte, wie er seinen Ärger in Zaum hielt und hoffte, dass er das auch weiterhin schaffen würde.

>> Es tut mir Leid Alex, aber das mit uns wird nie wieder etwas werden und das solltest du langsam begreifen. Du hast Lydia und ich bin jetzt mit Ethan zusammen.<<

Demonstrativ legte ich meine Hand auf seinen Oberschenkel und lächelte ihn entschuldigend an.

>> Du bist wieder vergeben?<<

>> Ja.<<

>> Seit wann?<<

>> Seit ein paar Wochen.<<

>> Mit so einem?<<

Er sah abschätzend zu Ethan runter, der sich nur noch mit Mühe zurückhielt. Meine Hand lag immer noch auf seinem Oberschenkel, die ich kurz drückte, um ihm zu zeigen, dass ich alles im Griff hätte und er ruhig bleiben solle.

>> Alex! Halt dich zurück.<<

>> Wusste nicht, dass du nun wieder auf solche Spießer stehst.<<

>> Es reicht Alex!<<

>> Liebst du ihn?<<

Ich wusste worauf er hinauswollte. Ich konnte ihm in all den Monaten nicht die drei Worte sagen, die ich bei Ethan schon nach so kurzer Zeit gespürt hatte.

>> Ja, dass tue ich.<<

Wieder blickte ich Ethan an, der nun beschützend seinen Arm um mich legte und mich beruhigend anlächelte.

>> Bei ihm kannst du es sagen? Ich habe vergeblich sechs Monate auf diese Worte gewartet, aber ich habe dich nicht gedrängt, immerhin musste Julian fünf Jahre darauf warten.<<

Das Licht erlosch im Saal, sodass sich alle schnell auf ihre Plätze setzten, da die Vorstellung nun begann.

>> Alex geh und setz dich auf deinen Platz und reiß dich verdammt noch mal zusammen, es geht heute Abend nicht um uns, sondern um Emma!<< herrschte ich ihn an, da ich inzwischen vor Wut bebte. Warum konnte er nicht verstehen, dass das zwischen uns nichts mehr werden würde. Ich wollte ihn nicht zurück und ich wollte auch nicht mehr mit ihm befreundet sein, wenn er so weitermachte.

>> Alles ok bei dir?<< fragte Ethan vorsichtig, als Alex sich entfernte und sich auf seinem Platz weiter links hinsetzte.

>> Danke, dass du so ruhig geblieben bist.<<

>> Es fiel mir schwer, aber ich wollte hier keine Szene machen.<<

Ich nickte, als auch schon die ersten Klänge des Stücks vom Schwanensee erklangen. Meine Wut verrauchte mit jedem Klang der Musik ein wenig mehr und war vollkommen verklungen, als die Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne kamen.

>> Welche ist Emma?<<

>> Zeige ich dir nachher, wenn weniger Tänzerinnen auf der Bühne sind.<<

Ethan saß die nächsten drei Akte ruhig in seinem Sitz und verfolgte mit Konzentration die Handlung. Erst im vierten Akt, wo Emma zusammen mit drei weiteren Schwänen den Tanz der vier kleinen Schwäne tanzte, zeigte ich sie ihm.

>> Die zweite von links.<<

Er nickte nur und verfolgte sie mit seinem Blick, während Emma zusammen mit den anderen Tänzerinnen die Zuschauer in den Bann zog.

>> Sie ist wunderschön und so anmutig und grazil.<<

>> Das Ballett ist ihr Leben seit sie vier ist. Endlich kann sie jeden Tag tanzen und irgendwann tanzt sie die Odette.<<

>> Das wird sie.<<

Wir lauschten wieder der Musik und beobachteten weiter wie Emma über die Bühne schwebte, bis Odette und Prinz Siegfried dahinschieden und der Vorhang sich zuzog. Das Publikum stand auf und applaudierte mit Standing Ovations. Immer wieder verbeugten sich die Tänzerinnen und Tänzer, bis das Licht im Saal wieder anging und wir darauf warteten, dass Emma zu uns kam.

Ich redete kurz mit Julian darüber, wie stolz wir auf Emma waren und dass es die richtige Entscheidung gewesen war, ihrem Wunsch, auf ein Internat wie dieses zu gehen, zuzustimmen.

Paul und Jacob verabschiedeten sich schon bevor Emma bei uns war, da sie zu Jacobs Mutter fahren mussten, der es immer noch nicht viel besser ging.

Ben langweilte der ganze Abend ungemein, was man ihm mehr als deutlich ansehen konnte, allerdings riss er sich zusammen.

>> Emma, du warst großartig.<< rief ich als ich sie sah und sie in meine Arme riss. Kurz darauf folgte Julian, der genauso stolz auf sie war und es ihr zeigte.

>> Gut gemacht Schwester.<< zwängte sich Ben gelangweilt über die Lippen, woraufhin sie ihn in die Mangel nahm.

>> Ey, dass ist gemein.<<

>> Ja, aber du hast es verdient Bruderherz.<<

>> Emma, ich möchte dir gern Ethan vorstellen, wir hatten ja schon über ihn gesprochen.<<

>> Hi, ich hoffe, es war nicht zu einschläfernd für Sie.<<

>> Ganz und gar nicht. Ich bin beeindruckt, wie leicht das alles aussah.<<

>> Dann haben wir es richtig gemacht. Es soll leicht aussehen, auch wenn es extrem schwierig und mitunter auch schmerzhaft ist.<<

>> Es war wirklich klasse.<<

>> Danke.<<

>> Ich soll dir von Jacob und Paul auch noch ausrichten, dass du sie beeindruckt hast und es ihnen Leid tut, dass sie schon fahren mussten, aber Pauls Mutter geht es nicht gut.<<

>> Kein Problem. Gott, ich schwebe gerade auf Wolke Sieben. So viel Adrenalin.<<

>> Solange es nur das Adrenalin ist.<< amüsierte sich Julian.

>> Keine Angst Dad. Wen soll ich schon auf einem Sportinternat für Mädchen kennenlernen.<<

>> Das haben wir doch super ausgesucht, oder Sarah?<<

>> Auf jeden Fall.<<

Sie grinste und wollte gerade etwas sagen, als Alex an ihre Seite trat und sie anlächelte.

>> Emma.<< rief er und riss sie in seine Arme, bevor er sie kurz hochhob und strahlend wieder absetzte.

>> Du hast es also geschafft.<< sagte sie und lächelte ihn an. Die beiden hatten sich schon immer gut verstanden und standen sich ziemlich nah, weswegen es klar war, dass Alex heute hier sein würde.

>> Natürlich. Ich verpasse doch keinen Auftritt von dir.<<

>> Und wie fandst du es?<<

>> Du warst fabelhaft, so schön und hast so perfekt getanzt, jetzt musst du einfach „ja“ sagen.<<

>> Wozu „ja“ sagen?<< fragte ich in einem scharfen Ton nach, woraufhin Emma mich ängstlich ansah.

>> Naja, also Alex fragte mich, ob ich...<<

>> Ob du was?<< hakte Julian nach, der genauso argwöhnisch war, wie ich.

>> Ob ich in seinem neuen Video tanzen würde. Es geht dabei um eine Ballettchoreographie, aber ich brauche euer Einverständnis.<<

>> Nein!<< brach es aus Julian heraus, der sichtlich empört war.

>> Aber Dad.<<

>> Nein Emma, ich möchte nicht, dass du in einem solchen Video zu sehen bist, als Balletttänzerin auf einer Bühne, wie dieser, ja, aber nicht in solch einem schäbigen Video.<<

>> Das ist kein schäbiges Video.<< verteidigte sich Alex und sah Julian grimmig an.

>> Mum!<<

>> Da seine nächste Single „naked“ heißt, bin ich auf der Seite deines Vaters. Tut mir Leid.<<

Emma war wütend auf uns und verabschiedete sich schnell wieder, da sie angeblich etwas hinter den Kulissen aufräumen musste. Auch wenn ich wusste, dass es eine Lüge war, ließ ich sie gehen, da es jetzt eh nichts bringen würde, mit ihr zu reden.

>> Julian könntest du mit Ben schon mal nach draußen gehen, wir kommen gleich.<<

Ohne ein weiteres Wort schnappte Julian sich Ben und ging in Richtung des Ausgangs. Als ich wusste, dass sie außer Hörweite waren, wandte ich mich an Alex.

>> Es wäre einfacher gewesen, erst einmal mit mir darüber zu sprechen, bevor du in ihr Hoffnungen weckst.<<

>> Hätte ich bestimmt, wenn du dich gemeldet hättest.<<

>> Soll ich riechen, was du vorhast?<<

>> Nein, aber unsere Freundschaft aufrecht erhalten, dann hättest du davon erfahren.<<

>> Wann begreifst du endlich, dass ich Zeit brauche? Dass wichtigste in einer Freundschaft ist für mich Vertrauen und das hast du missbraucht, indem du Lydia die Sachen aus meiner Kindheit, meiner Ehe und zwischen uns erzählt hast. Einer Person, der du nicht vertrauen kannst, jedenfalls nicht nach so kurzer Zeit.<<

>> Ich musste mit jemandem reden. Ich war vollkommen fertig, als du mich abserviert hast. Ich dachte wir würden für immer zusammen sein, dass wir heiraten würden. Ich musste mit jemandem über all diesen Mist reden.<<

>> Dann erzähl es deiner Familie, beispielsweise Dan, Joe, oder deinen engsten Freunden, aber nicht irgendeiner neuen Schnalle. Und außerdem, wer hatte denn nach einer Woche schon die nächste in der Badewanne?<<

>> Das ist unfair und das weißt du.<<

>> Wieso?<<

>> Weil es mir nahe gegangen ist. Nur weil da eine im Hotelzimmer war, heißt das nicht, dass ich nicht gelitten habe.<<

Ich lachte verächtlich, als ich ungläubig den Kopf schüttelte und ihn wieder ansah.

>> So sehr gelitten, dass du erst mal Sex brauchtest?<<

>> Sagt die, die mit meinem besten Freund in die Kiste gestiegen ist.<<

>> Alex!<<

>> Ist doch so. Immerhin habe ich mir eine Unbekannte genommen. Hätte gerne mal gesehen, wie es dir gefallen hätte, wenn ich mit einer deiner Freundinnen Sex gehabt hätte. Aber warte mal. Das geht ja gar nicht. Denn die einzigen Freunde, die du hast, sind Männer. Wahrscheinlich vögelst du die ständig und wir sind einfach zu dumm, um es zu erkennen, weil du immer das liebe brave und verletzliche Püppchen spielst und uns an der Nase herumführst.<<

Ohne weiter darüber nachzudenken verpasste ich ihm eine Ohrfeige, bevor Ethan mich zurückzog und versuchte zu beruhigen.

>> Ich denke, Sie sollten jetzt lieber gehen.<< schlug Ethan ruhig vor, doch Alex achtete überhaupt nicht auf ihn.

>> Das ist also die wahre Sarah. Ich erkenne dich überhaupt nicht mehr wieder. Wo ist die Sarah hin, die ich kennen und lieben gelernt habe?<<

>> Sie ist immer noch da, aber nicht mehr für dich und daran bist du selbst Schuld. Also tu mir den Gefallen und vergiss mich einfach.<<

>> Wie du willst.<<

Er drehte sich ohne weitere Worte um und ging zum Ausgang, als ich mich in den Sitz fallen ließ und die Hände über dem Gesicht zusammenschlug.

>> Wow...<< entfuhr es Ethan, als er kräftig durchgeatmet hatte und sich neben mich setzte.

>> Tut mir Leid, dass du das alles anhören musstest.<<

>> Mhm. Schon ok.<<

>> Was du jetzt von mir denken musst...<< entfuhr es mir, als ich an die Sache mit Chase dachte.

>> Ich denke gar nichts cherié. Es waren meiner Meinung nach einfach nur zwei Personen, die sich getrennt haben und wo noch ganz viel verborgene Wut herrscht.<<

>> Ich habe auch weibliche Freunde.<< stellte ich klar, da ich trotzdem das Gefühl hatte mich erklären zu müssen.

>> Ich weiß.<<

>> Und ich habe ihn nie betrogen.<<

>> Das weiß ich doch.<< flüsterte er beruhigend und streichelte mir über die Schulter.

>> Willst du gar nicht wissen, ob ich wirklich Sex mit seinem besten Freund hatte?<<

>> Nein. Wenn, dann war es nach eurer Beziehung, also warst du Single und konntest tun und lassen, was du wolltest.<<

Ich traute mich immer noch nicht Ethan anzusehen, während sich meine Gedanken überschlugen. Die Worte, die Alex zu mir gesagt hatte, knüpften an die Hasstiraden meiner Mutter von damals an, was Ethan anscheinend nicht verborgen geblieben war.

>> Sarah!<< sagte er streng und kniete sich vor mich, als er mein Kinn hob und mich dazu zwang ihn anzusehen.

>> Hör auf damit!<<

>> Womit?<<

>> Zu akzeptieren, was er zu dir gesagt hat. Du bist kein hinterhältiges Miststück. Weder er noch deine Mutter hatten Recht. Sie kannten dich überhaupt nicht, denn du bist eine wunderbare, tolle, rücksichtsvolle, besorgte und aufmerksame Frau. Ich schätze Alex ist einfach nur verletzt. Hat sich noch Hoffnungen gemacht und nun saß ich an deiner Seite. Er wollte dich einfach nur verletzen und ich lasse nicht zu, dass er das schafft.<<

>> Ich liebe dich Ethan.<< flüstere ich erstickt und zwang mich zu einem Grinsen.

>> Ich dich auch und nun zeig mir mal deine Hand. Tut es weh?<<

>> Nein, dass geht schon.<<

>> Gut.<<

Er zog mich in seine Arme und küsste mich immer wieder liebevoll auf den Kopf, während ich mich durch seine Nähe, seinen Duft und seine starken Arme immer mehr beruhigte.

>> Ich bin ziemlich fertig, können wir einfach nach Hause fahren?<<

>> Natürlich, komm.<<

Er stand auf, legte seinen Arm um mich und ging zusammen mit mir zum Ausgang, wo wir auf Julian und Ben trafen.

Wenige Minuten später fuhren auch wir wieder nach Hause und setzten Julian bei sich ab, bevor wir selbst in meine Wohnung fuhren. Es war schon spät und Ben war auf der Fahrt eingeschlafen, weshalb Ethan mich noch mal zu sich zog und ich mich an ihn kuschelte.

>> Alles gut bei dir?<< fragte er leise und musterte mich streng.

>> Dank dir, ja.<<

>> Kommst du heute Nacht allein zurecht?<<

Wir hatten vereinbart, dass Ethan bei sich schlafen würde, damit Ben sich nicht überrumpelt fühlte, was ihn nun, in Anbetracht der Ereignisse des heutigen Abends, jedoch Sorgen bereitete.

>> Es geht mir wirklich gut Ethan.<<

>> Wenn etwas ist, rufst du mich aber an.<<

Ich nickte und weckte Ben, da wir an meiner Wohnung waren. Ich verabschiedete mich noch von Ethan mit einem zärtlichen Kuss, als Ben schon ausgestiegen war und folgte ihm schließlich.

Da Ben heut allein bei mir übernachtete, brauchte ich das Sofa nicht ausziehen, weshalb er kurze Zeit später schon in einen tiefen Schlaf gefallen war. Ich zog mich in mein Zimmer zurück und holte mein Telefon heraus, um Ethan eine Nachricht zu schreiben.

„ Danke für alles mon taureau. Ich weiß nicht, was ich ohne dich machen würde. Ich brauche dich einfach viel zu sehr.<<

Ich wusste, dass Ethan sehnsüchtig auf eine Nachricht von mir warten würde, weshalb ich mit einer schnellen Antwort rechnete und das Telefon nicht weglegte. Er hasste es von mir getrennt zu sein, vor allem nach solch einem Abend, weswegen er sein Telefon wahrscheinlich die ganze Zeit über anstarrte, während er arbeitete. Ich behielt Recht und las sofort seine Nachricht.

„ Ich werde gerne gebraucht, vor allem wenn es um dich geht ma cherié und ich werde immer für dich da sein. Sehen wir uns morgen zum Frühstück?“

„Klingt gut. Ben liebt Schokoladencroissants, falls du ihn bestechen möchtest. Versuche dann mal ohne dich zu schlafen.“

„ Ist gut. Dann bis morgen! Bonne nuit ma cherié.“

Kapitel II

Am nächsten Morgen wurde ich schon gegen sieben Uhr wach und ging ins Bad, da Ben eh noch nicht aufgestanden war. Ich duschte mich ausgiebig und trug Make-Up auf, da Ethan gleich kommen würde. Draußen sollte es heute so warm und sonnig sein, dass ich mich für kurze weiße Shorts und ein enges türkisfarbenes Tanktop entschied, da ich heute nicht so vornehm gekleidet sein musste. Als ich ins Wohnzimmer kam, war Ben schon wach und angezogen und bastelte an irgendetwas Technischem herum.

>> Guten Morgen Ben.<<

>> Hi Mum.<<

>> Ethan kommt gleich vorbei und bringt Frühstück mit. Machst du noch kurz das Sofa ordentlich?<<

Er stand auf und erledigte es sofort, bevor er sich wieder seiner Bastelei widmete.

Ich ging in die Küche, kochte Kaffee und deckte den Tisch, als Ethan auch schon klingelte und ich ihn hinauf ließ. Um ihn noch kurz allein begrüßen zu können, öffnete ich die Tür und trat auf den Flur, wo Ben uns nicht sehen konnte. Mein Bauch kribbelte immer mehr, da ich es nicht mehr erwarten konnte Ethan endlich wiederzusehen, nachdem gestern so viel los gewesen war. Schließlich ertönten die Aufzugtüren und Ethan trat hinaus, als er mich freudestrahlend anlächelte und zu mir kam.

>> Guten Morgen meine Schöne.<<

Er gab mir einen Strauß weißer Lilien, als er mich auch schon gegen die Wand drückte, mich mit seinem Unterarm am Rücken an sich presste und mich leidenschaftlich küsste.

>> Ethan...<< hauchte ich, da der Kuss schnell wilder wurde und mein Verlangen nach ihm wuchs.

>> Wenn wir so weitermachen, halte ich es nicht mehr aus und drinnen ist Ben.<<

Er küsste mich noch einmal zaghaft, als er mich mit einem breiten Grinsen losließ.

>> Sorry, aber ich brauchte das nach dem gestrigen Abend.<<

>> Ich auch, aber jetzt lass uns rein.<<

Ich gab ihm noch einen kleinen Kuss, bevor wir hinein ins Wohnzimmer gingen und er Ben begrüßte.

>> Hi Ben.<<

>> Hi.<<

>> Gut geschlafen?<<

>> Mhm.<<

Ich verdrehte die Augen, da mein Sohn mal wieder vollkommen desinteressiert war und nicht einmal aufsah, während Ethan sich mit ihm unterhielt.

>> Was machst du da?<<

>> Bauen.<<

Ethan hockte sich neben Ben hin und betrachtete ihn freundlich, während ich die beiden beobachtete.

>> Wird das ein Roboter?<<

>> Mhm.<<

>> Darf ich mir den mal ansehen?<<

Ben musterte ihn skeptisch, nahm seine Hände dann jedoch vom Roboter, sodass Ethan alles sehen konnte.

>> Hast du den selbst gebaut, oder war es ein Bausatz?<<

>> Bausatz? Nein, niemals. Den habe ich selbst gebaut oder besser gesagt baue ich immer noch.<<

>> Nicht schlecht und wie lange bist du schon dabei?<<

>> Zwei Monate, weil ich immer wieder etwas verändere.<<

>> Und wieso nimmst du Raupenketten?<<

>> Warum nicht?<<

>> Naja, du könntest ja auch Räder nehmen oder einen in menschlicher Gestalt mit Beinen konstruieren. Warum gerade den?<<

>> Weil er durch einen Parcours muss und es sich da eher anbietet.<<

Ich sah, wie sich Bens Miene änderte. Von der anfänglichen Gleichgültigkeit schwang er zu einem flüchtigen Interesse um, was mich freute.

>> Das stimmt. Programmierst du ihn selbst?<<

>> Mit einem Freund zusammen.<<

>> Welche Energiequelle benutzt du?<<

>> Akku.<<

>> Solarzellen wären doch besser. Nachhaltiger.<<

>> Aber ich habe einen Wettbewerb mit dem Roboter, der in einer dunklen Halle stattfindet.<<

>> Trotzdem kannst du doch Solarenergie nehmen, wenn du sie speicherst.<<

Sie vertieften sich in ein Gespräch, bei dem es darum ging, welche Energiequelle besser wäre, wie man die umsetzen könnte und was sie dafür bräuchten. Auch was der Roboter alles können solle und und und. Nach etwa fünf Minuten ging ich ein wenig überfordert, aber glücklich in die Küche, da sich Ben gut mit Ethan unterhielt.

Die Blumen stellte ich in eine große lange Vase und platzierte sie auf dem Esstisch. Anschließend packte ich die Brötchen von Ethan aus und stellte sie auf dem Esstisch ab, bevor ich wieder zu den beiden zurückkehrte und sie zum Frühstücken zwang. Den ganzen Vormittag über bauten sie am Roboter herum, verwendeten Fachbegriffe, die ich nicht verstand, während ich ein paar Ausarbeitungen meiner Studenten überprüfte. Zwischendurch stellte ich Ethan immer mal wieder einen neuen Kaffee hin und versorgte beide mit Wasser und Obst, da sie so in ihrer Fachsimpelei steckten. Gegen zwei hatte ich jedoch alle Ausarbeitungen durchgesehen und hatte das Bedürfnis mich ein bisschen zu bewegen, weswegen ich die beiden schließlich unterbrach, um mit ihnen an die frische Luft zu gehen.

>> Es ist so schönes Wetter draußen, lasst uns rausgehen.<<

>> Wohin denn?<< fragte Ben, der dabei ein mürrisches Gesicht zog. Wenn es nach ihm ginge, konnten wir den ganzen Tag drinnen bleiben.

>> Zu den South Bank Parklands, da waren wir schon länger nicht mehr. Eine Kleinigkeit essen, spazieren gehen, am Strand abkühlen... Also komm!<<

>> Aber nicht in so ein blödes, nobles Restaurant!<<

>> Wieso?<<

>> Weil ich die ganze Zeit schon nur so gesundes Essen bekomme, ich brauche Fast-Food!<<

Ich grinste und dachte an das Essen im Internat, als ich schließlich einwilligte und er in den Flur ging, um sich die Schuhe anzuziehen.

>> Kommt mein perfekter Freund und Liebhaber mit, oder muss er noch arbeiten?<<

>> Wenn ich mit darf...<<

>> Natürlich.<<

Belustigt schüttelte ich den Kopf, als wir uns auch schon zu dritt auf den Weg machten. Es waren etwa 15 Minuten bis dort hin, die Ethan und ich Arm in Arm gingen, was Ben nicht weiter störte. Als wir ankamen, bekam Ben seinen versprochenen Burger, ebenso wie wir, da sie wirklich lecker aussahen und auch schmeckten.

Während Ethan und ich noch am Tisch saßen und unseren Wein tranken, ging Ben zum Strand und kühlte seine Füße ab. Ich beobachtete ihn vom Platz aus, als mir auffiel, wie ruhig Ethan geworden war.

>> Alles ok?<<

>> Ja, wieso?<<

>> Weil du wieder mal so ruhig bist.<<

Er lächelte, als er meine Hand ergriff und sie zärtlich streichelte.

>> Mir wird nur gerade bewusst, dass ich ziemlich viel Zeit verschwendet habe. In den letzten vier Jahren habe ich immer nur gearbeitet, auch davor eigentlich und nie an mich gedacht. So einen Tag wie diesen hatte ich glaube ich noch nie, außer als Kind mit Liam.<<

>> Gefällt es dir denn?<<

>> Ich würde am liebsten jeden Tag so verbringen. Ich kann endlich mal abschalten, zur Ruhe kommen und dabei deine Anwesenheit und auch die von Ben genießen. Mein Kopf ist sehr leer gerade, was mich fasziniert.<<

Ich grinste ihn an, wobei es mich störte, dass ich seine Augen nicht sehen konnte, da er eine Sonnenbrille trug. Er sah zwar höllisch sexy mit seiner Anzughose, dem hellblauen Hemd, das er sich wieder hochgekrempelt hatte, weshalb die männlichen Unterarme betont wurden und dazu der Sonnenbrille aus, dennoch liebte ich es in seine Augen zu sehen und darin zu lesen, was er gerade dachte, weshalb ich sie ihm abnahm.

>> Wir sind im Schatten, da brauchst du keine. Ich sehe lieber deine Augen.<<

>> Meinst du denn du könntest vielleicht mal näher zu mir rücken? Ben ist immerhin nicht da und ich vermisse deine Nähe.<<

Sofort setzte ich mich vor ihn auf die Bank, als ich mich auch schon gegen seine Brust lehnte und mich von seinen Armen einschließen lies.

>> Ich habe dich heute Nacht vermisst.<< gab ich zu und küsste seinen rechten Unterarm, bevor ich meinen Kopf wieder gegen ihn sinken ließ.

>> Mhm, ging mir genauso.<<

>> Hast du statt zu schlafen, dann wieder gearbeitet?<<

Ich wusste, dass er sich immer mit Arbeit ablenkte, wenn ich nicht da war, um die Zeit optimal zu nutzen und dann wieder Zeit für mich zu haben. Es machte mir nur Sorgen, dass er dann meistens nur wenige Stunden Schlaf bekam.

>> Erst ja, aber gegen zwei Uhr bin ich ins Bett und als ich nicht einschlafen konnte, bin ich das erste Mal seit langem wieder mit dem Fernseher eingeschlafen.<<

>> Du hast doch gar keinen Fernseher im Schlafzimmer.<< wunderte ich mich und stutzte.

>> Doch, man sieht ihn nur nicht direkt. Man kann ihn mit der Fernbedienung aus der Decke fahren lassen.<<

>> Wehe du machst den mal an, wenn ich bei dir übernachte.<< drohte ich ihm und drehte mich zu ihm um.

>> Keine Angst. Wenn du da bist, habe ich völlig andere Sachen im Kopf.<< grinste er schälmisch und küsste mich liebevoll, nachdem er kurz nachgesehen hatte, wo Ben war. Er war wirklich sehr aufmerksam, was ihn betraf.

>> Na dann bin ich mal auf morgen Abend gespannt.<<

Auch heute Abend würde Ethan wieder bei sich schlafen, während ich mit Ben bei mir blieb.

>> Ich schätze da schaffen wir es gar nicht bis ins Schlafzimmer.<<

Dieser Satz reichte aus, dass ich unruhig wurde und mich noch mehr nach seiner Nähe sehnte. In meinem Bauch kribbelte es und ich wollte augenblicklich mehr.

>> Kann es da jemand jetzt schon nicht mehr erwarten?<< fragte Ethan amüsiert, während er an meinem Ohrläppchen knabberte und ich seinen heißen Atem an der empfindlichen Stelle unter meinem Ohr spürte. Sofort stellten sich meine Nackenhaare auf und ich krallte meine Hand in Ethans Unterarm.

>> Ethan...<< hauchte ich, doch zu mehr war ich nicht mehr fähig.

>> Was ist denn cherié?<< fragte er belustigt und fuhr mit seiner süßen Folter fort, während Ben immer noch weit weg war und wir ungestört waren.

>> Gott Sarah du machst mich so verdammt an. Du reagierst sofort auf mich und meine Berührungen. Ich spüre, wie sich dein Puls beschleunigt. Deine Halsschlagader pocht wie wild und deine Haut ist ganz heiß.<<

>> Und trotzdem hast du dich so gut unter Kontrolle.<< beschwerte ich mich, als er sich stärker an mich drückte und ich seine harte Mitte spürte.

>> Alles Training cherié, aber komplett kann ich es nicht verbergen.<<

>> Das ist auch gut so.<<

Ich sah, wie Ben langsam wiederkam und löste mich ein wenig von Ethan.

>> Genug abgekühlt?<< fragte ich, als er bei uns war und sich auf die andere Seite setzte.

>> Mhm. Darf ich noch ein Eis?<<

>> Klar.<<

Ich gab ihm Geld, als er sich noch einmal an uns wandte.

>> Möchtet ihr auch eins?<<

>> Für mich nicht, danke.<< sagte ich und verstaute mein Portemonnaie wieder.

>> Ich komm mit.<< entschied Ethan und ging mit Ben zum Verkaufsstand. Ich blickte den beiden hinterher und war so glücklich, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Wie oft hatte ich mir während der Beziehung zu Alex gewünscht, dass Ben und er sich so gut verstehen würden, wie nun Ethan und Ben. Aber das war nie möglich gewesen. Oft hatte ich dann etwas allein mit Ben unternommen, da es so wesentlich einfacher gewesen war, doch nun war das kein Thema mehr. Ethan und er verstanden sich super und dadurch war ich vollkommen ausgeglichen und entspannt.

Ich beobachtete die beiden, wie sie ihr Eis aßen, während Ethan mir noch eine Flasche Wasser mitgebracht hatte, da es so heiß war und er sichergehen wollte, dass ich genug trank. Nach einer Weile gingen wir schließlich wieder nach Hause, wobei Ethan sofort wieder meine Hand ergriff.

Auf dem Weg gingen wir noch in zwei Läden hinein, da Ben wieder gewachsen war und neue Hosen brauchte. Da er jedoch ziemlich einfach gestrickt war, was seinen Kleidungsstil anging, fand er schnell welche, sodass es kein Kampf wurde.

Als wir wieder zu Hause waren, fachsimpelten Ethan und Ben noch eine gute Stunde, bevor ich Ben ins Badezimmer schickte, um sich Bettfertig zu machen.

>> Ben ist toll.<<

>> Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue, dass ihr euch versteht.<<

>> Ich war in seinem Alter nicht viel anders als er, wenn auch nicht so schlau vielleicht.<<

>> Trotzdem ist etwas aus dir geworden.<<

Er grinste und nickte nach einigen Überlegungen, als er mich plötzlich näher zu sich zog.

>> Ich dachte ich könnte vielleicht morgen mal mit Ben zu meiner Firma fahren, in der wir die Solarzellen herstellen und austesten. Wir versuchen gerade sie noch weiterzuentwickeln und vielleicht findet er es ja interessant.<<

>> Was finde ich interessant?<<

Ben war fertig mit Zähneputzen und stand nun in der Tür zum Wohnzimmer.

>> Naja ich dachte, vielleicht hast du Lust morgen mal mit zu meiner Firma zu kommen und zu sehen, wie wir die Solarzellen herstellen und wie wir versuchen sie zu verbessern.<<

>> Das wär cool, darf ich Mum?<<

>> Wenn ich auch mitkommen darf.<<

>> Ich glaube, das lässt sich einrichten, oder Ben?<<

>> Na gut.<<

>> Na, wie gütig von euch beiden. Dann mach dein Bett schon mal fertig Ben, ich bringe Ethan noch kurz runter.<<

>> Warum schläfst du nicht einfach hier, dann können wir morgen früher los?<< fragte Ben und sah Ethan mit großen Augen an, während ich ein wenig ungläubig zu ihm sah. Ben musste ihn wirklich mögen, wenn er diese Frage stellte.

>> Ich... ähm... Ich muss noch ein wenig arbeiten, aber keine Angst ich komme morgen früh genug her.<<

>> Na gut. Nacht Ethan.<<

>> Gute Nacht Ben.<<

Ich ging voran aus der Tür hinaus, in den Flur und holte den Fahrstuhl, der schon auf unserer Etage war.

>> Er mag dich wirklich, wenn er schon vorschlägt, dass du hier übernachten sollst.<<

>> Was ich auch zu gern machen würde, aber ich denke, dass du es trotzdem langsam angehen möchtest, richtig?<<

Ich nickte, als sich die Fahrstuhltüren öffneten und wir einstiegen. Als sich die Türen schlossen und wir herunterfuhren, packte mich Ethan und drückte mich grob gegen die Aufzugwand. Er küsste mich feurig und ohne Scham, nahm sich, was ihm die letzten beiden Tage verwehrt wurde. Seine harte Beule, drückte sich gegen meinen Schritt, während mein ganzer Körper zu brennen schien.

>> Diese knappen Shorts und das Top. Sarah! Morgen Abend werde ich dich so hart nehmen, dass du um Gnade betteln wirst.<<

>> Ich kann es kaum erwarten!<< antwortete ich völlig außer Atem, während meine Spalte vor Vorfreude nass wurde. Wir küssten uns noch einmal gierig und voller Leidenschaft, bevor er aus dem Aufzug trat und in sein Auto einstieg.

Der Sonntag verging wie im Flug, als wir in Ethans Firma waren. Ben war vollkommen fasziniert und fachsimpelte mit Ethan um die Wette, während ich ein paar Sonnenstrahlen vor dem Gebäude tankte, da ich eh nichts verstand.

Ich wurde wieder nachdenklich, als ich darüber nachgrübelte, warum Ethan keine eigenen Kinder wollte. Er war so lieb und verständnisvoll mit Ben umgegangen, er wäre ein perfekter Vater, dennoch wollte er keine. Mir ging einfach nicht aus dem Kopf, dass er es nur tat, weil ich keine mehr wollte und er mich nicht verlieren durfte.

Mein Telefon riss mich schließlich aus meinem Gedanken, da es laut klingelte und ich ranging.

>> Ja?<<

>> Hi Mum.<< begrüßte mich Emma ein wenig bedrückt, weswegen sich mir direkt das Herz zusammenzog. Ich wusste, weshalb sie anrief. Es bedrückte sie, wie wir am Freitag auseinandergegangen waren und ich wusste, wie schwer es ihr fiel darüber zu reden, weswegen ich erst einmal über allgemeine Sachen mit ihr sprach. Sie sollte wissen, dass ich nicht sauer auf sie war. Wenn dann war ich höchstens auf Alex sauer.

>> Hi Süße. Wie geht’s dir?<<

>> Gut.<<

>> Und die Aufführung gestern?<<

>> Die war auch klasse, aber abends bin ich sofort ins Bett gefallen. Ich war vollkommen K.O.<<

>> Kann ich mir gut vorstellen. Hast du dich denn heute ausgeruht?<<

>> Ich habe mal ausnahmsweise bis um neun schlafen dürfen, aber danach bin ich wieder in die Halle gegangen. Immerhin habe ich die letzten zwei Wochen fast ausschließlich für das Ballettstück geprobt und die Turnübungen ein wenig vernachlässigt. Das muss ich jetzt wieder aufholen.<<

>> Möchtest du dich nicht langsam für eines von beiden entscheiden?<<

Die meisten Mädchen auf diesem Internat konzentrierten sich auf eine Sportart, doch Emma konnte sich einfach nicht entscheiden.

>> Habe ich schon.<<

>> Und für was?<<

>> Für das Kunstturnen. Deswegen trainiere ich im Moment etwa 40 Stunden pro Woche dafür und nur zwei Stunden für das Ballett. Ich möchte das Ballett nur nicht vollkommen aufgeben. Es macht mir Spaß.<<

>> Dass musst du ja auch nicht. Du hast wirklich toll getanzt Süße. Julian und ich waren stolz auf dich.<<

>> Danke.<<

Es entstand eine kleine Pause, da sie wahrscheinlich grade mit sich rang und überlegte, wie sie nun auf die Sache mit Alex kommen sollte. Ich ließ ihr die Zeit und schoss mit dem Fuß einen Stein vom Boden weg, der daraufhin gegen die Wand knallte.

>> Mum?<< fragte sie zögerlich und ziemlich vorsichtig.

>> Ja?<<

>> Wegen Alex...<<

Wieder eine Pause und ich musste schmunzeln.

>> Was ist mit ihm Süße?<<

>> Es tut mir Leid, dass ich so bockig und zickig reagiert habe, aber ich wollte unbedingt in diesem Video mitspielen, dachte, dass es mich irgendwie nach vorne bringen würde...<<

>> Und jetzt nicht mehr?<< hakte ich nach und setzte mich auf einen großen Stein.

>> Nein.<<

>> Wieso jetzt nicht mehr? Am Freitag warst du doch noch so besessen davon.<<

>> Ich habe gestern mit meiner Ballettlehrerin gesprochen, die mir dringend davon abgeraten hat, da man mich dann zu schnell in eine Schublade stecken würde, außerdem habe ich Alex darum gebeten, mir die Single zu schicken. Du hattest Recht Mum. Der Text und das ganze, das ist nichts für mich.<<

>> Du solltest wissen, dass Julian und ich nie etwas Böses für dich wollen. Wir wollen dich beschützen Emma, weil wir dich lieben. Natürlich unterstützen wir dich in deinen Talenten. Wir ermöglichen dir das Internat, schicken dich zu den Wettbewerben und auch wenn du auf einmal einen komplett anderen Weg einschlagen solltest, werden wir dich dahingehend fördern.<<

>> Ich weiß. Es tut mir Leid.<<

>> Ist gut.<<

>> Gott dein Freund muss denken, dass ich ein vollkommen hochnäsiger und bockiger Teenager bin.<<

>> Quatsch. Er fand dich nett und freut sich schon, wenn er dich bald richtig kennenlernen darf.<<

>> Er passt zu dir und tut dir gut.<< sagte sie plötzlich und verblüffte mich damit kurz.

>> Wie bitte?<<

>> Er sieht verdammt gut aus und er kriegt die Augen nicht von dir los. Als ob du seine Odette wärst.<<

Ich musste schmunzeln bei dem Gedanken und dachte wieder an das Ballettstück, das wir uns vorgestern angesehen hatten.

>> Außerdem...<< begann sie, brach dann jedoch wieder ab.

>> Außerdem?<< hakte ich nach und wartete auf eine Antwort.

>> Naja. Ich habe wirklich noch hinter der Bühne aufgeräumt und habe gehört wie Alex und du... Naja, wie ihr euch gestritten habt.<<

Mist, dachte ich und wollte mich grade entschuldigen, als sie schnell weiterredete.

>> Ich konnte nicht hören, worum es in eurem Streit ging, aber das geht mich auch nichts an. Als ich dann allerdings nach dir sehen wollte, sah ich, wie Ethan sich um dich gekümmert hat. Er scheint toll zu sein Mum und du strahlst so, seitdem du ihn kennst. So habe ich dich noch nie gesehen.<<

Eine Träne rann mir die Wange herab, da ich nicht fassen konnte, was ich gerade gehört hatte.

>> Danke Süße und dass du das mit Alex mitbekommen hast, dass tut mir Leid. Ich wollte nicht, dass du das hörst.<<

>> Schon ok. Ich bin keine drei mehr Mum.<<

>> Ich weiß. Trotzdem auch mit vierzehn sollte man das nicht mitkriegen und vor allem solltest du dir über solche Dinge nicht den Kopf zerbrechen.<<

>> Soll ich mich von Alex fernhalten?<<

Ich überlegte. Sollte sie das? Alex war gestern wirklich widerlich gewesen, aber das war eine Sache zwischen ihm und mir. Trotzdem hatte er ihr hinter meinem Rücken angeboten in einem seiner Videos mitzuspielen, was mir gar nicht gefallen hatte.

>> Nein, das brauchst du nicht. Das ist was zwischen uns. Du kannst ruhig weiterhin mit ihm reden, wenn du mir versprichst, dass du in keinem Video oder sonst irgendwas mitspielst, singst, tanzt, was auch immer, bevor du deinen Vater und mich nicht gefragt hast.<<

>> Versprochen.<<

>> Und auch wenn ihr euch trefft, wüsste ich das gerne.<<

>> Kein Problem.<<

>> Natürlich muss dein Vater noch zustimmen. Hast du schon mit ihm gesprochen?<<

>> Den rufe ich nach dir an.<<

>> In Ordnung und sonst ist alles in Ordnung bei dir?<<

>> Alles super Mum.<<

>> Kommst du in zwei Wochen zu mir?<<

>> Da ist an dem Sonntag doch der Wettkampf.<<

>> Stimmt, sorry. Dann sehen wir uns an dem Sonntag.<<

>> Bringst du Ethan mit?<<

>> Wenn er Zeit hat, ja. Wieso?<<

>> Damit ich mich dann von meiner besten Seite zeigen kann.<<

>> Das machst du immer und das am Freitag vergessen wir einfach.<<

>> Ist gut. Ich hab dich lieb Mum.<<

>> Ich dich auch und grüß Julian von mir.<<

>> Mach ich.<<

Wir legten auf und ich musste erst einmal ordentlich durchatmen, da mich das Telefonat doch ziemlich aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Ich liebte meine Tochter für ihre liebevolle und besorgte Art, dennoch war ich sauer auf Alex und mich selbst, dass sie unseren Streit mitbekommen hatte. Was würde sie über mich denken, wenn sie wüsste, dass ich ihn geschlagen hatte? Ich hasste mich für meine Reaktion, doch an dem Abend war einfach alles zu viel gewesen.

>> Sollen wir?<< fragte Ethan, als er mit Ben wieder aus der Halle kam und mein Sohn über das ganze Gesicht strahlte. Ich atmete noch einmal tief durch und ging schließlich zu ihnen.

>> Alles in Ordnung?<< fragte Ethan, als er mich musterte und wusste, dass mich irgendwas bedrückte. Er kannte mich einfach zu gut.

>> Ja, alles gut. Seid ihr fertig?<<

>> Ich denke schon.<<

>> Guck mal Mum.<<

Ich sah zu Ben, der mir einen Stein hinhielt und wie ein Honigkuchenpferd grinste.

>> Ein Stein?<< fragte ich irritiert und sah Ethan ein wenig hilflos an, der daraufhin losprustete und Ben eine High-Five gab.

>> Ich hab’s dir gesagt, sie hat keinen Schimmer, was das ist.<< bemerkte Ethan lachend, woraufhin Ben nickte und sich langsam wieder beruhigte.

>> Macht euch nur lustig über mich.<< sagte ich gespielt gekränkt und sah sie mit zusammengekniffenen Augen an, bevor ich selbst grinsen musste.

>> Das ist Silizium Mum.<< stellte Ben klar, als ob jetzt alles klar wäre.

>> Aha.<<

>> Das verflüssigt man, um einen großen Block daraus herzustellen und dann einzelne Scheiben daraus zu schneiden.<< erklärte mir Ethan, nachdem auch er nun wieder ernst geworden war.

>> Und damit stellt man dann die Solarzellen her?<<

>> Richtig.<<

Ich nickte und gab Ben den Stein zurück, der ihn sich daraufhin von allen Seiten im Sonnenlicht ansah.

>> Ihr hattet also ordentlich Spaß?<< fragte ich Ethan und beobachtete, wie Ben sich von uns entfernte und auf dem Gelände herumlief.

>> Mhm. Er war auf jeden Fall sehr wissbegierig und interessiert.<<

>> Danke.<<

>> Wofür?<<

>> Für den Tag mit Ben, dass er sich das alles ansehen durfte.<<

Er grinste nur und nickte, als er mich an sich zog und mir einen liebevollen Kuss auf den Kopf gab.

>> Sag mir, was dich bedrückt cherié. Ich sehe es dir doch an.<<

>> Es ist nichts weiter.<< wiegelte ich die Sache ab und löste mich ein wenig von ihm, um nach Ben zu sehen, der jedoch immer noch über das Gelände lief.

>> Dann kannst du es mir doch sagen.<<

Ich seufzte und setzte mich wieder auf den Stein, als ich zu Ethan aufsah und antwortete.

>> Emma hat den Streit von Alex und mir mitbekommen, weil sie wirklich noch hinter der Bühne aufgeräumt hat.<<

>> Nur gehört, oder auch gesehen?<<

>> Nur gehört, allerdings auch nicht den Wortlaut, sondern nur, dass wir uns gestritten haben. Die Ohrfeige hat sie auch nicht gesehen, trotzdem hätte sie es nicht mitbekommen sollen.<<

>> Und was hat sie dazu gesagt?<<

>> Nicht viel. Nur, dass sie uns verstehen könne, dass wir ihr das mit dem Video verboten haben, dass sie der Streit nichts anginge und dass du zu mir passen würdest.<<

>> Wieso?<<

>> Sie hat gesehen, wie du dich um mich gekümmert hast und wie sehr ich anscheinend strahle, seit ich dich kenne.<<

Er lächelte bei der letzten Bemerkung und strich mir mit der Hand sanft über die Wange.

>> Aber das hört sich doch alles ganz positiv an.<<

>> Mich stört es, dass sie den Streit mitbekommen hat. Dass wir uns dort gestritten haben, anstatt es irgendwo auszufechten, wo uns niemand zuhören konnte.<<

>> Sarah du bist auch nur ein Mensch und wenn er dich so angreift, dann kannst du nicht anders, als dich wehren.<<

Ich schüttelte den Kopf und stand auf, da wir langsam wieder zurück mussten. Immerhin musste Ben pünktlich im Internat sein, doch Ethan zog mich wieder in seine Arme.

>> Bringst du Ben jetzt zum Internat zurück?<<

>> Mhm. Nachdem wir noch was gegessen haben.<<

>> Kommst du danach zu mir?<<

>> Soll ich dich vorher zu Hause absetzen?<<

>> Das wäre nett. Ich habe grade einen Anruf bekommen und müsste noch kurz arbeiten.<<

Ich seufzte und nickte, bevor ich mich von ihm löste und Ben zu uns rief.

>> Ich kann es kaum erwarten, dich gleich stöhnen zu hören.<< hauchte er mir ins Ohr, was wieder dieses Prickeln in meinem Inneren entfachte und mich schmunzeln ließ.

Wir aßen noch kurz eine Kleinigkeit, bevor ich Ethan nach Hause brachte und er sich von Ben verabschiedete. Die restliche Fahrt erklärte Ben mir, was ich alles bei Ethans Firma verpasst hatte. Ich schmunzelte die ganze Zeit über in mich hinein, da er wie ein Wasserfall redete, was ich normalerweise nicht von ihm kannte.

Am Internat angekommen, begleitete ich ihn noch auf sein Zimmer, da er ziemlich viel zu tragen hatte und sah nach, ob er noch irgendwas brauchte. Es war nur ein kleines Zimmer, das er sich mit seinem besten Freund teilte, der jedoch noch nicht da war. Während andere Poster in ihren Zimmern aufhingen und es wohnlicher gestalteten, war dieses Zimmer ziemlich trist. Es waren nur die beiden Betten vorhanden, zwei Nachtschränke, zwei Kleiderschränke, ein Tisch mit zwei Stühlen und ein Schreibtisch. Keine Blumen, keine Bilder, oder Poster, keine Dekoration, nichts.

>> Ben fühlst du dich hier wirklich wohl?<<

>> Ja Mum.<< sagte er genervt, da er das schon von mir kannte.

>> Ich meine ja nur...<<

>> Mum, wirklich.<< schnitt er mir das Wort ab und sah mich endlich an.

>> Ich habe hier alles, was ich brauche und der Rest interessiert mich nicht. Tim und ich brauchen Platz, damit wir hier arbeiten können und sonst schlafen wir hier nur.<<

Ich nickte und stand schließlich auf.

>> Brauchst du sonst noch was?<<

>> Ne.<<

>> Gut. Dann werde ich mal wieder losfahren.<<

Ich umarmte Ben, nahm meine Handtasche und ging zur Tür.

>> Mum?<< fragte Ben kurz bevor ich an der Tür war, weswegen ich mich noch mal umdrehte.

>> Ja?<<

>> Wird Ethan nächstes Wochenende auch wieder da sein, also wenn ich wieder zu dir komme?<<

Ich sah ihn kurz an und überlegte, worauf er hinauswollte. Wollte er, dass er da war oder lieber nicht?

>> Ich weiß es nicht. Es kommt drauf an, ob er Zeit hat. Wieso?<<

>> Naja, dieser Wettbewerb ist ja bald und Ethan hatte angeboten mir beim Programmieren zu helfen, weil Tim das nicht kann und ich mich da erst noch mehr einlesen müsste, aber irgendwie fehlt die Zeit, weil wir erst so spät angefangen haben.<<

Ich grinste und lehnte mich gegen die Wand hinter mir, da mir grade ein Stein vom Herzen fiel. Innerlich hatte ich mich schon darauf eingestellt, dass Ben ihn nicht mochte und nur so getan hatte, als ob, weswegen ich nun vollkommen erleichtert war.

>> Ich kann ihn fragen, wenn du möchtest.<<

>> Bitte.<<

>> Ist gut. Magst du ihn denn?<<

>> Ich find ihn super. Total locker und witzig.<<

Das war etwas, was er bei Alex nie gesagt hatte, weil sie nicht die gleichen Interessen teilten. Umso mehr freute es mich nun, da ich Ethan liebte und wenn meine Kinder ihn mochten, war es noch einfacher bei ihm zu bleiben.

>> Das freut mich. Also wir telefonieren dann, ja?<<

>> Ist gut.<<

Ich stieg bei Ethan mit dem Gedanken aus, dass mein Leben zur Zeit perfekt lief und ich es genießen wollte. Zum allerersten Mal in meinem Leben hatte ich keine Angst und keine großen Probleme, um die ich mich kümmern musste.

Ich steckte meinen eigenen Schlüssel in das Bedienfeld des Aufzugs und fuhr zu ihm nach oben. Wir hatten seit Freitag früh keinen Sex mehr gehabt, was für uns eine lange Zeit war, da wir uns trotzdem das ganze Wochenende gesehen hatten. Es gab eine kaum auszuhaltende Spannung zwischen uns, die wir nun lindern mussten und das würde explosiv werden. Als sich die Türen des Aufzugs im obersten Stockwerk öffneten, schritt ich leise durch die Eingangshalle in den Flur hinein.

>> Ethan?.... Ethan bist du da?<<

Weder im Wohnzimmer noch in der Küche konnte ich ihn finden, weshalb ich in die Richtung des Schlafzimmers ging, als mich plötzlich jemand zur Seite riss und gegen die Wand stieß. Er war in seinem Arbeitszimmer gewesen und nur noch mit einer langen dunklen Hose bekleidet. Seine sonnengebräunte Haut und seine Muskeln fielen mir ins Auge und machten mich scharf wie eine Peperoni. Er hielt meine Hände über meinem Kopf fest und vergrub sein Gesicht in meiner Halsbeuge, leckte, küsste und knabberte an mir.

Ich hatte für heute ein leichtes Sommerkleid in Blumenoptik gewählt, welches er mir in der nächsten Sekunde vom Körper riss. Nun stand ich nur noch im Tanga vor ihm.

>> Ich kann es kaum erwarten wieder in dir zu sein und deine Enge zu spüren.<<

>> Dann spann mich nicht weiter auf die Folter, sondern tu es, versenke deinen geilen Schwanz in mir!<<

Er zerriss meinen Tanga, zog seine Hose nach unten und hob mich ein Stück an, sodass ich meine Beine und Arme um ihn klammerte.

>> Bist du soweit?<<

>> Ja.<< stöhnte ich.

>> Wirklich?<<

Er folterte mich tatsächlich. Ich wollte nur noch, dass er ihn in mich hineinstieß, doch er ließ mich warten und betteln.

>> Ethan bitte!<<

>> Was denn?<<

>> Bitte ramm deinen geilen Schwanz in mich hinein, damit ich....<<

In dem Moment stieß er ihn in mich hinein und ich stöhnte laut auf. Wie er mich weitete, ausfüllte und penetrierte ließ mich größte Lust empfinden. Immer wieder ließ er ihn hinein- und hinausgleiten, bis er mich von der Wand weghob. Er packte meinen Hintern und hob mich mit der Kraft seiner Arme hoch und wieder hinab auf seinen Schwanz.

>> Du bist so stark.<<

>> Dich an deinem geilen Arsch zu packen und auf meinem Schwanz reiten zu lassen macht mich verdammt geil.<<

Ich küsste ihn wild und kam, stöhnte seinen Namen, während er mich weiterhin auf seinem Schwanz auf und ab bewegte. Als mein Orgasmus abflaute setzte er mich auf seinem Schreibtisch ab und stieß mich zurück, sodass ich nun vor ihm lag und ihn anschaute. Er zog sich aus mir zurück und setzte sich auf seinen Schreibtischstuhl, was mich irritierte. Ich setzte mich auf, doch er stieß mich sofort wieder zurück.

>> Ich brauche eine Pause, sonst komme ich. Ich werde jetzt deine köstliche, gierige Fotze lecken und danach wieder in dich stoßen.<<

Er strich sanft mit zwei Fingern an meiner Spalte entlang, neckte sie immer und immer wieder. Nebenbei drehte er meine Nippel und küsste sanft meinen Venushügel, als er ohne Vorwarnung seine beiden Finger in mich stieß. Ich bog meinen Rücken vor Lust durch und stöhnte leise, als er mit seiner Zunge über meine Klit flatterte.

>> Mehr Ethan.<<

>> Mehr was, cherié?<< fragte er belustigt und ich wusste, dass ich nun wieder betteln müsste.

>> Bitte nimm mich härter.<<

>> Und warum?<<

>> Weil ich so verdammt geil bin, weil ich es nicht mehr aushalte, weil ich dich will, weil du mich in den Wahnsinn treibst, weil ich so kurz vor meinem nächsten Orgasmus bin.<< keuchte ich und bog meinen Rücken immer wieder durch, da es einfach zu heftig war. Immer wieder dachte ich, dass er mich nun über die Klippe in meinen Orgasmus springen ließ, doch stattdessen ließ er mich immer nur kurz über den Rand sehen, um mich dann wieder zurück auf sicheren Boden zu ziehen.

>> Ethan!<< schrie ich, als ich es nicht mehr aushielt und endlich Erlösung brauchte, doch er fuhr unbeirrt mit seiner süßen Folter fort.

>> Versprich mir, dass du dich gleich gehen lässt. Schrei so laut du willst bei deinem Orgasmus, lass alles raus.<<

>> Ich verspreche es.<<

Wieder knabberte er an meiner Klit und ließ seine Finger in mich gleiten, während er mit seiner anderen Hand meine erogenen Zonen streichelte.

>> Du zitterst so verdammt heftig cherié, dass macht mich so verflucht geil, dass ich am liebsten ewig so weitermachen würde.<<

>> Bitte Ethan...<< flehte ich ihn an, wobei mir einzelne Tränen die Wangen herabrannen, da es einfach zu heftig für mich war.

Plötzlich stand er auf, fickte mich weiterhin mit seinem Zeige- und Mittelfinger, während sein Daumen sanft über meine Klit gleitete und drückte mir mit der anderen Hand die Kehle zu.

>> Sieh mich an Sarah!<<

Sofort riss ich meinen Blick von seiner beachtlichen Erektion los und sah ihm in die Augen, als er plötzlich seine Finger heftig in mich rammte, meine Klit grob massierte und mir die Kehle noch ein wenig stärker zudrückte. Sofort zog sich alles in mir zusammen und ich sprang endlich über die Klippe in meinen lang ersehnten Orgasmus. Die Lust überflutete mich und riss mich mit den Wellen der sexuellen Erfüllung davon. Ich krümmte mich vor Verlangen auf seinem Schreibtisch, ließ mich gehen und schrie meine ganze Lust heraus, weil er mich weiterhin so hart und gierig penetrierte. Es war so heftig, sodass ich das Gefühl hatte zu zerreißen, wenn er mir nicht kurz eine Pause gönnte, doch er gab mir keine Zeit, um wieder zu mir zu kommen. Im nächsten Moment rammte er seinen großen, dicken Schwanz mit voller Wucht in mich hinein.

>> Oh Gott! Ethan ich brauch ne Pause!<<

>> Die kannst du gleich haben.<<

>> Aber...<< wollte ich einwenden, doch dazu gab er mir keine Gelegenheit, da er mich mit einem langen Kuss zum Schweigen brachte. Als er sich wieder aufrichtete, hob er meinen Hintern ein Stück an und reizte meine sensible Stelle im Innern. Sofort baute sich wieder Lust in mir auf, was ich einfach nicht für möglich gehalten hätte. Dieser Mann konnte einfach nicht menschlich sein. Vier Jahre hatte er keinen Sex gehabt, wieso war er dann so verdammt gut dabei?

>> Cherié, ich merke schon, wie du wieder zu zittern beginnst, wie heiß du bist und wie feucht. Es ist so geil dir zuzusehen, welche Lust ich dir mit meinem Schwanz bereite und wie du dich deiner Lust hingibst. Lass es mich noch einmal sehen.<<

>> Ich weiß nicht, ob ich noch genug Kraft habe.<<

>> Die wirst du haben müssen.<< sagte er mit einem hinterhältigen Grinsen, was mich anfeuerte. Ich hob meinen Kopf und fixierte seinen Penis, wie er immer wieder in mich glitt und mich verführte. Sah, wie sich Ethans Muskeln anspannten und wie seine Haut glänzte.

>> Ich komme gleich.<< stöhnte ich nach einigen Stößen und gab ihm somit das Zeichen härter zu werden. Er rammte ihn wieder grober in mich hinein, bohrte seine Finger in meinen Hintern, woraufhin ich meine Muskeln im Unterleib anspannte und seinen Penis zusammendrückte.

>> Sarah!<< stöhnte er und spritzte gewaltig in mir ab. Sein Gesichtsausdruck und sein Stöhnen rissen mich ebenfalls in einen erneuten Orgasmus, der alles um mich herum ausblendete. Ich bekam noch nicht einmal mit wie Ethan mich aufhob und uns zusammen auf den Schreibtischstuhl setzte.

Erst als ich nach etlichen Minuten wieder zu mir kam, bemerkte ich, wie er mich auf dem Stuhl eng umschlungen festhielt.

>> Du bist einfach zu geil.<< flüsterte ich kraftlos.

>> Bei dir kann ich einfach nicht anders.<<

>> Sollst du auch nicht.<<

Er grinste und nahm mich mit in sein Badezimmer, wo eine volle Badewanne auf uns wartete. Sie hatte eine integrierte Heizung, sodass das Wasser auf angenehmen 39°C gehalten wurde. Ich stieg hinein und ließ mich sofort von der Wärme einhüllen, während ich auf Brisbane hinunterschaute.

Ethan zog mich in seine Arme, in denen ich mich so geborgen fühlte und kraulte sanft meinen Rücken.

>> Erschöpft?<< fragte er liebevoll und verteilte einzelne Küsse auf meinem Hals.

>> Bis ich hierher kam nicht, nein.<<

>> Beschwerst du dich etwa?<<

>> Niemals. Ich frage mich nur, wie du dich immer so lange zurückhalten kannst. Das ist mir wirklich ein Rätsel.<<

>> Die Hauptsache ist doch, dass ich es kann. Nicht immer, aber meistens.<<

Ich nickte und genoss seine Zärtlichkeiten, während ich über das Wochenende nachdachte.

>> Möchtest du immer noch mit mir zusammen sein?<< fragte ich, weshalb Ethan sofort in seiner Massage innehielt und mich nachdenklich ansah. Ich musste unbedingt herausfinden, ob das Wochenende für ihn angenehm gewesen war, ob er es akzeptieren konnte, mich alle zwei Wochen mit meinen Kindern zu teilen und ob er sie mochte.

>> Wie meinst du das?<<

>> Naja, wegen des Wochenendes. Nun kennst du Julian, Emma und Ben und vielleicht ist es ja zu viel für dich oder zu kompliziert.<<

>> Quatsch. Julian ist eigentlich ein netter Kerl, ein wenig zurückhaltend und schüchtern, aber sonst ganz in Ordnung, mal abgesehen davon, was er mit dir abgezogen hat. Emma habe ich ja nur kurz gesehen, aber sie scheint auch ganz nett zu sein, wenn ihr nicht gerade ihre Träume zerplatzen lasst, was ich allerdings gut nachvollziehen konnte. Und Ben ist einfach nur super. Ich habe die Zeit mit ihm genossen, auch wenn ich jetzt wieder froh bin, dich für mich allein zu haben, sodass ich tun und lassen kann, was ich will.<<

Ich grinste und küsste ihn, weil ich ihn so sehr liebte, weil er mich im Gesamtpaket akzeptierte. Mit all meinen Problemen, meinem Ballast, meiner Familie und meinen Freunden.

>> Wen ich allerdings nicht so prickelnd fand war Alex.<<

>> Ich weiß, ich hoffe er lässt mich jetzt in Ruhe.<<

>> Was war denn zwischen euch genau?<<

>> Dass wir kurz nach Julian zusammenkamen weißt du ja schon und dann waren wir sechs Monate ein Paar bis ich mich von ihm trennte. Aber rückblickend habe ich erkannt, dass er eigentlich nie mehr als ein Freund war. Jedenfalls hatte ich ihm ein bisschen über mich erzählt. Er wusste, dass Julian mich hintergangen hatte und ich erzählte ihm, dass mein Vater starb als ich sieben war und meine Mutter dann nur noch trauerte, weshalb sie keine Zeit für mich hatte und meine Brüder mir deshalb sehr wichtig waren. Ich hab ihm also so gut wie nichts erzählt, doch er hat es direkt seiner neuen Flamme berichtet, die mich an dem Abend, an dem wir den Unfall hatten, damit aufgezogen hatte. Dass er ihr alles über mich, Julian, meine Mutter und meine Brüder gesagt hätte. Dass es kein Wunder sei, dass Julian mich betrogen hätte und dass mir das gleiche mit Alex passiert wäre, wenn ich noch ein bisschen gewartet hätte und dass ich ein alte Schabracke sei. <<

>> Ein alte Schabracke?<<

>> Ja, dass Alex Angst haben musste, ob ich den Anforderungen im Bett noch gewachsen wäre, weil ich ja so alt wäre.<<

>> Also ich finde, dass du sehr gut mithalten kannst und einen knackigen Körper hast du auch. Vielleicht ein bisschen dünn, aber knackig.<<

>> Wie auch immer, jedenfalls hätte er es ihr nicht erzählen sollen, das hatte er mir versprochen und deshalb ist das Vertrauen weg.<<

Er nickte und nahm mich wieder fester in den Arm, während er mich weiter zärtlich streichelte. Ich schaute auf Brisbane hinab, auf all die Menschen die dort unten waren und hatte das Gefühl, dass sie uns hier oben, in unserer Festung, nichts anhaben konnten.

>> Danke, dass du der Mann bist, den ich brauche.<<

>> Du hast mich erst zu ihm gemacht und ich arbeite immer noch dran, damit ich dich irgendwann voll zufrieden stellen kann.<<

>> Das tust du jetzt schon.<<

Liebevoll küsste er mich auf den Kopf, während wir beide für einige Zeit in Gedanken zu sein schienen, weswegen sich eine wohltuende Ruhe im Raum verbreitete, bis Ethan diese schließlich durchbrach.

>> Sarah, kann ich dir eine Frage stellen?<<

>>Mhm.<<

>> Stimmt es, was Alex erzählt hat, dass du ihm nie die drei Worte gesagt hast und Julian auch erst nach fünf Jahren?<<

Irgendwie war es mir unangenehm darüber zu sprechen und mein ganzes Herz vor ihm auszubreiten.

>> Muss ich?<<

>> Bitte.<<

Nachdem was er mir am Dienstag über sich und diese Anna erzählt hatte, konnte ich nicht wirklich kneifen. Er war so offen und ehrlich zu mir gewesen, dass ich mir einen Ruck gab.

>> Ich habe seitdem ich dich kenne, irgendwie einen anderen Blickwinkel auf all die Dinge bekommen. Ich glaube, ich kam nur mit Julian zusammen, weil er mich so sehr liebte und ich jemanden brauchte, bei dem ich unterkommen konnte. Ich wollte Sascha nicht länger auf der Tasche liegen, weil ich wusste, wie sehr seine Beziehung zu Denise auf der Kippe stand, wegen mir. Als Julian mir dann sagte, dass er mich liebte und mit mir zusammen sein wollte, sah ich darin eine Chance all meine Probleme zu lösen. Unsere Kinder kamen auf die Welt und irgendwann hatte ich einfach das Gefühl es müsse Liebe sein, wenn wir so gut zusammen harmonierten. Aber dann wurde ich immer selbstbewusster durch meine Arbeit und unabhängiger, weshalb wir uns Stück für Stück entfremdeten. Deswegen glaube ich auch nicht, dass nur er Schuld am Fremdgehen hatte, sondern irgendwie wir beide, wobei ich immer noch der Meinung bin, dass er es mir vorher hätte sagen können. Julian war daher all die Jahre eher ein guter Freund für mich, statt eine Liebe.<<

>> Klingt aber traurig, wenn man bedenkt, dass du fast 14 Jahre mit ihm verschwendet hast.<<

>> Es war ja keine Verschwendung. Emma und Ben sind daraus hervorgegangen, das Beste was mir je passieren konnte.<<

>> Und Alex?<<

>> Mit dem war es irgendwie genauso. Ich heulte mich nach der Trennung bei ihm aus. Er sah gut aus, wir waren befreundet und...<<

>> Und was?<<

>> Ich dachte, die Gefühle würden irgendwann kommen. Aber sie kamen nicht, weshalb ich es ihm auch nie gesagt hatte. Ich dachte, dass die Leute, die von Schmetterlingen im Bauch und dergleichen berichteten, nur Schwachsinn erzählten.<<

>> Heißt das, du hast mir die Worte nur mir zu Liebe gesagt?<<

Ich drückte mich abrupt von ihm ab und schaute ihn entsetzt an. Wie konnte er so etwas denken? Hatte ich es ihm nicht klar und deutlich gesagt?

>> Nein! Ethan ich liebe dich. Du bist halt nur der erste, dem ich es sagen kann und bei dem ich es auch so meine. Ich vermisse dich, wenn du nicht da bist und ich freue mich mit jeder Sekunde, die dem Zeitpunkt näher rückt, wenn wir uns wiedersehen. In deinen Armen fühle ich mich geborgen und du gibst mir das Gefühl, dass ich etwas Besonderes bin, auch wenn ich das nicht glauben kann. Nur bei dir fühle ich mich wohl und kann alles Andere vergessen, was mich bedrückt. Das musst du mir glauben, deswegen fiel es mir ja so schwer von dir fern zu bleiben, obwohl ich eigentlich erst einmal keinen Mann an meiner Seite haben wollte und nur deshalb konnte ich dir nach der Sache mit Jody verzeihen.<<

Er riss mich stürmisch in seine Arme und küsste mich voller Leidenschaft, bis wir wieder miteinander schliefen.

Kapitel III

>> Bonjour ma cherié<<

>> Mon taureau!<<

Verschlafen öffnete ich die Augen und sah, wie Ethan schon wieder perfekt gestylt und angezogen neben mir saß, während ich ein Morgenmuffel war, der sich weigerte aufzustehen.

>> Du solltest dich langsam fertig machen. Es ist halb sieben.<<

>> Fünf Minuten.<<

>> Auf keinen Fall, du musst noch frühstücken, also los.<<

Ich drehte mich wieder um, doch Ethan packte mich, trug mich ins Bad und stellte mich vor dem Waschbecken wieder ab. Immerhin hatte er mich nicht unter die Dusche gestellt und sie kalt aufgedreht, trotzdem war ich noch schlechter gelaunt als vorher. Ich funkelte ihn böse an, doch er ignorierte es und verschwand wieder im Schlafzimmer.

Als ich mich endlich fertig angezogen hatte und mürrisch in die Küche kam, stand schon ein Teller mit Obst und eine herrlich duftende Tasse Kaffee auf dem Tresen.

>> Da ist ja mein Sonnenschein.<<

Ich boxte ihm für diese gehässige Bemerkung in die Seite und setzte mich ohne einen Kommentar vor meinen Obstteller. Als ich die halbe Tasse Kaffee geleert und die ersten Bissen Honigmelone gegessen hatte, wagte Ethan vorsichtig einen zweiten Versuch.

>> Sag mir, wie ich dich sonst rechtzeitig aus dem Bett kriegen soll.<<

>> Mit Sex.<<

>> Hätte ich heute zu gerne gemacht, aber ich hatte schon eine Telefonkonferenz.<<

>> In zwei Wochen habe ich eh erst einmal frei.<<

>> Klingt gut. Irgendwelche Pläne?<<

>> Nicht wirklich. Da fällt mir ein. Jacob, Paul und ich wollten heute Abend wieder bei Dean Essen gehen. Hast du Lust mitzukommen?<<

>> Wenn ich es rechtzeitig schaffe, gern.<<

>> Wir treffen uns um sieben, sag mir einfach Bescheid.<<

>> Mache ich und morgen Abend hast du schon etwas vor.<<

>> Was denn?<<

>> Eine Überraschung.<<

>> Na, da wird der Morgen doch direkt viel angenehmer.<<

>> Na wenn das so leicht geht.<<

Ethan stand auf und stellte sich zwischen meine Beine, als er meinen Hinterkopf in die Hand nahm und ihn zu sich zog. Wir küssten uns leidenschaftlich und verloren uns darin. Ich spürte seine beachtliche Erektion an meinem Schritt und freute mich innerlich tierisch darüber, dass ich solch eine Wirkung auf ihn hatte. Doch auch ich blieb nicht unverschont, sondern schmolz dahin und war erregt und nass, sodass ich ihn mir am liebsten gepackt und gevögelt hätte.

>> Ethan, ich muss los.<< jappste ich zwischen zwei Küssen.

>> Ich auch, aber so kann ich nicht gehen.<<

Es war bereits viertel nach sieben, aber für einen kleinen Quickie würde es reichen, Also schob ich meinen Rock nach oben und den Tanga beiseite, während Ethan zügig seine Hose und Boxershorts hinunterzog.

>> Wir haben aber nur fünf Minuten. Also bitte keine multiplen Orgasmen.<<

Er nickte und stieß ihn in mich. Ich hielt mich mit der linken beschienten Hand am Tresen fest, während meine Rechte sich am Barhocker festklammerte. Ethan zog mich noch ein Stück nach vorne, sodass er noch tiefer in mich hineingleiten konnte und legte seinen Daumen auf meine Klit.

>> Ich stell mir gerade vor, wie du heute im Büro sitzt und merkst, wie mein Saft aus dir heraustropft und du somit wieder an unseren kleinen Quickie erinnert wirst, daran, wie ich dich gefickt habe.<<

>> Dann werde ich aber sofort wieder geil werden.<<

>> Dann kommst du einfach in mein Büro und wir treiben es noch einmal und dann ausgiebiger.<<

Er stieß ihn immer wieder heftig in mich hinein, bewegte sich in mir und umkreiste meine Klit mit seinem Daumen, während ich mich am Stuhl festkrallte.

>> Ethan, ja weiter, ich komme gleich.<<

>> Spann deinen Muskel an und quetsch mich ein, melke meinen Schwanz Sarah.<<

Ich spannte meinen Muskel so fest an, wie es nur ging und kam, wobei ich den Kopf zurückwarf und mich treiben ließ. Nach drei weiteren harten Stößen kam auch Ethan gewaltig und pumpte seine gesamte Ladung in mich hinein.

Kaum hatten wir unsere Orgasmen genossen, zog er sich aus mir zurück und zog sich wieder an, während ich meine Kleidung richtete. Scott fuhr Ethan zur Arbeit, wobei sie mich mitnahmen und bei der Uni absetzten.

In der Uni besprach ich nur noch die letzten Fragen vor der großen Prüfung mit den Studenten, wofür ich mir immer zwei Termine frei hielt. Auch in den Übungen waren nur noch Kleinigkeiten zu besprechen, sodass in den letzten zwei Wochen vor den Prüfungen nicht mehr viel geschah. Wir waren gut vorangekommen und konnten den Zeitplan bis auf eine Woche einhalten, die wir aber schon wieder herausgeholt hatten.

Nach der Sprechstunde ging ich ins Krankenhaus, wo ich nach dem Unfall mit Ethan eingeliefert worden war und ließ mich noch einmal röntgen. Zu meiner großen Freude, durfte die Schiene endlich ab, sodass ich nun wieder frei war und ohne Einschränkung Klavier spielen konnte. Worauf ich mich jedoch am meisten freute, war, dass ich Ethan nun endlich ganz spüren und verführen konnte.

Nachmittags besuchte ich noch die Kinderkrebsstation, wobei ich wieder an Lilly denken musste. Ihre Beerdigung war letzten Mittwoch gewesen und hatte uns alle zu Tränen gerührt. Ihre Eltern hatten mir noch einen Brief von ihr überreicht, in dem sie mir für alles dankte und beschrieb, wie viel Kraft ich ihr gegeben und wie viel Spaß sie mit mir gehabt hätte und das ich, egal wie schlimm es auch manchmal sei, nicht aufgeben solle. Und genau das, würde ich auch niemals tun.

Also trat ich aus dem Fahrstuhl und ging ins Aufenthaltszimmer, in dem die Kinder schon auf mich warteten. Es war ein schöner Nachmittag gewesen, an dem wir spielten, lachten, sangen und tanzten. Sie hatten den Tod von Lilly weitestgehend verkraftet und sahen nun wieder nach vorn. Ein kleines Mädchen namens Rose, durfte heute nach Hause gehen, da die Chemo angeschlagen hatte, was wir ausgiebig feierten.

Als ich um viertel vor sieben das Krankenhaus verließ und zum Restaurant von Dean fuhr, rief ich Ethan an, um zu fragen, ob er es schaffen würde, doch er ging nicht ran.

Ich versuchte mir nicht einzugestehen, dass ich enttäuscht war und versuchte mich auf Jacob und Paul zu freuen, was mir auch relativ gut gelang, da ich wusste, dass sie bald in den Urlaub flogen und ich sie zwei Wochen nicht sehen würde.

Zu meiner Verwunderung waren wir nicht allein, da sie auch noch Bryan, Lisa und einen weiteren Freund namens Sean eingeladen hatten, der wohl zu Paul gehörte. Da er jedoch weiter von mir entfernt saß, hatte ich nicht allzu viel mit ihm zu tun, sodass ich mich hauptsächlich mit Lisa und Jacob unterhielt. Während wir aßen, spielte ein talentierter Gast, den ich noch nicht kannte, am Flügel ein paar Lieder von Beethoven. Er spielte wirklich gut, sodass ich ordentlich applaudierte, als er von der Bühne ging. Während des restlichen Essens spielte niemand mehr, sodass Dean zu uns kam und mich darum bat, gleich noch mal in die Tasten zu hauen, damit der Flügel auch ordentlich genutzt wurde.

Als ich schließlich zum Flügel gehen wollte, hielt Paul mich zurück und verwickelte mich in ein Gespräch über Mathematik, was ihm überhaupt nicht ähnlich sah. Jacob langweilte unser Thema anscheinend, sodass er lieber zur Toilette ging, woraufhin Paul das Wort ergriff und mich alle erwartungsvoll ansahen.

>> Ich brauche deine Hilfe Sarah.<<

>> Was ist denn?<<

>> Es ist alles organisiert hier, aber dich habe ich gestern nicht mehr getroffen. Ich werde Jacob gleich den Antrag machen.<<

>> Das ist doch klasse.<<

>> Ja, aber kannst du bitte gleich, wenn er wieder da ist und ich dich auffordere, von Yiruma „River flows in you“ spielen?<<

>> Natürlich.<<

>> Danke.<<

>> Wussten alle Bescheid nur ich nicht?<<

>> Süße, du hättest es auch erfahren, wenn du gestern zu Hause gewesen wärst.<<

Ich sah in die Runde und fühlte mich plötzlich wie eine Ausgeschlossene. Eigentlich standen wir uns sehr nahe und trotzdem war ich die Letzte die eingeweiht wurde, was ein wenig wehtat.

Erst jetzt begriff ich, wieso er sich mit mir über Mathematik unterhalten hatte. Er wollte nicht, dass ich zu früh auf die Bühne ging und wollte mich unbedingt noch einweihen, denn immerhin war ich ein Teil seines Plans.

Ich vergaß meinen Frust, grinste ihn ermutigend an und drückte seine Hand. Wenn Jacob seinen Antrag nicht annehmen würde, würde ich ihn höchstpersönlich umlegen. Zwar konnten sie noch nicht in Australien heiraten, da es verboten war, doch sobald es möglich war, würden sie es tun und wenn sie zehn Jahre verlobt wären, war es Paul egal. Es war mehr ein symbolischer Akt, damit Paul sicher gehen konnte, dass Jacob es nun ernst mit ihm meinte. Ich fragte mich, ob Paul extra so lange mit dem Antrag gewartet hatte, damit es nicht mehr so voll im Restaurant war. Hatte er Angst, dass es negative Resonanz von anderen Gästen geben könnte? Doch ich konnte ihn nicht mehr fragen, da Jacob bereits von der Toilette zurückkam. Wir aßen noch in Ruhe unser Dessert, wobei Paul sich extrem viel Zeit ließ. Mit unserer Runde waren nur noch zwei Paare im Raum, da es unter der Woche immer ruhiger war und es inzwischen schon zehn Uhr abends war.

>> Sarah, wolltest du nicht noch spielen?<<

>> Sollten wir nicht lieber nach Hause gehen? Es ist schon ziemlich spät.<< antwortete Jacob auf Pauls Frage, ohne mich zu beachten.

>> Ich spiele auch nur ein Lied, dann können wir gehen, ok?<< besänftigte ich ihn und ging zur Bühne.

Oben angekommen lächelte ich die beiden noch einmal an und begann das gewünschte Lied zu spielen. Ich spielte es so romantisch und gefühlvoll, wie ich konnte, wobei ich die Augen schloss, um mich besser konzentrieren zu können. Als der letzte Ton verklang öffnete ich wieder die Augen und sah, wie Paul vor Jacob kniete.

>> Ich weiß, dass es hier noch nicht möglich ist zu heiraten, aber sobald dies erlaubt wird, möchte ich mit dir zusammen der Erste sein, der dieses Recht wahrnimmt. Wir haben viel durchgemacht und es war nicht immer einfach und ich weiß auch, dass noch viele Hürden kommen werden, doch ich zweifle keine Sekunde daran, dass wir sie nicht meistern werden. Jacob wir sind jetzt fast ein Jahr ein Paar und ich möchte keinen einzigen Tag davon missen. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben, deshalb frage ich dich heute, willst du den Rest deines Lebens mit mir verbringen?<<

Es war als hielten alle im Raum die Luft an, um ja nicht die Antwort zu verpassen, bis Jacob endlich den Mund öffnete.

>> Ja, das möchte ich du verrückter Hund.<<

Ich schrie laut auf und hüpfte wie ein kleiner Teenager auf dem Fleck herum. Auch Lisa, Bryan und Sean freuten sich und strahlten die beiden an, als Dean plötzlich mit einer riesigen Torte und funkelnden Wunderkerzen hereinkam und den beiden gratulierte.

Bevor ich zu ihnen ging, um ihnen ebenfalls zu gratulieren, setzte ich mich wieder an den Flügel und spielte und sang von Elton John „Can you feel the love tonight“ und gönnte ihnen somit noch ein wenig Ruhe und Zweisamkeit. Als ich kurz zu ihnen hinüberschaute, sah ich, wie Paul seinen Arm um Jacob gelegt hatte und sie verliebte Blicke austauschten. Es war als würden sie unsere Freunde am Tisch überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Als ich fertig war und den Deckel des Flügels zuklappte, stieg ich das Podest hinab, wo mich Paul auch schon in die Arme nahm.

>> Danke Sarah, für alles.<<

>> Das habe ich doch gern gemacht. Glückwunsch Paul.<<

Ich hatte ihm beim Aussuchen des Rings geholfen, was keine leichte Suche gewesen war. Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange und ging anschließend zu Jacob hinüber.

>> Glückwunsch mein Lieber.<<

>> Danke Süße. Ich weiß grade gar nicht, was ich sagen soll.<<

>> Freu dich einfach und mach Paul glücklich!<<

>> Das werde ich.<<

Wir aßen jeder noch ein Stück von der Torte und unterhielten uns über Hochzeiten, als es schließlich halb elf war und ich das Gefühl hatte, dass wir nur noch störten.

>> Dann lasse ich euch Turteltauben mal allein. Ihr habt die Wohnung heute für euch, wenn ihr wollt.<<

>> Ich glaube da schließen wir uns alle an.<< pflichtete mir Sean bei, sodass wir alle unsere Sachen nahmen und uns von ihnen verabschiedeten.

Bryan und Lisa gingen vor uns, während Sean hinter mir lief.

>> Wo wohnst du?<< fragte Sean, als wir schon fast draußen waren.

>> Bei Jacob.<<

>> Du wolltest ihnen doch heute die Wohnung überlassen, also wo fährst du hin? Vielleicht kann ich dich mitnehmen.<<

Ich wollte gerade antworten, als Scott mich rief und mir die Tür der Limousine aufhielt.

>> Ich glaube, ich habe schon eine Mitfahrgelegenheit.<<

>> Er ist also wirklich reich.<< bemerkte Bryan, der sich nun zu mir umdrehte und mich kritisch musterte.

>> Ja.<<

>> Lass sie doch endlich in Ruhe! Wenn sie glücklich ist, ist es doch in Ordnung.<< sprang Lisa für mich ein und lächelte mich entschuldigend an.

>> So glücklich sahst du heute Abend aber nicht aus.<<

>> Weil ich gehofft hatte, dass er heute Abend auch käme, aber er musste arbeiten.<<

>> Das ist alles?<<

>> Ja Bryan. Bei Gelegenheit stelle ich ihn euch vor.<<

>> Ich möchte nur, dass du jemanden hast, der dich auch wertschätzt, der weiß, wen er da kostbares hat und dich nicht als selbstverständlich ansieht. Nur weil er Geld hat, muss er noch lange nicht alles kriegen.<<

>> So ist er nicht.<<

Er nickte und drückte mich an sich, als er mir etwas ins Ohr flüsterte.

>> Ich bin nur besorgt um dich und wir haben dich alle viel zu gern, als dass wir einen reichen Sack akzeptieren würden, der nicht deinen wahren Wert erkennt.<<

>> Es geht mir mit ihm so gut wie noch nie, also schalte endlich einen Gang runter und beruhige dich.<< flüsterte ich zurück, als ich mich schließlich auch noch von Lisa und Sean verabschiedete.

Ich stieg ein und wartete bis Scott Platz genommen hatte, als ich ihn mit Fragen bombardierte.

>> Wo ist Mr Thatcher?<<

>> Der musste länger arbeiten Ms della Rossa.<<

>> Ist er denn jetzt zu Hause?<<

>> Ja, seit wenigen Minuten. Er hat mich hierher geschickt, um zu sehen, ob Sie noch da sind und Sie gegebenenfalls zu ihm zu fahren.<<

>> Wirkte er verärgert durch die Arbeit?<<

>> Das weiß ich nicht.<<

Ich hoffte, dass er keine Probleme auf der Arbeit hatte und wieder auf eine Geschäftsreise musste, da ich es hasste, wenn wir getrennt waren. Ich war einfach viel zu sehr von ihm abhängig, aber ich konnte nichts dagegen tun.

>> Wie geht’s ihrer Frau und den Kindern?<<

Inzwischen hatte ich herausgefunden, dass Scott seit 18 Jahren verheiratet war und zwei Jungs hatte, die 15 und 12 Jahre alt waren.

>> Es geht ihnen sehr gut, danke der Nachfrage.<<

>> Ich frage mich nur manchmal, wann Sie sie sehen, da Sie irgendwie von morgens bis nachts dieses Auto für uns fahren.<<

>> So lange nun auch wieder nicht. Meistens habe ich gegen sechs Uhr Feierabend. Und freie Tage habe ich ja auch noch.<<

Ich lächelte ihn an und kramte in meiner Tasche nach meinem Telefon. Ethan hatte vor dreißig Minuten drei Mal versucht mich zu erreichen. Das war genau der Zeitpunkt gewesen, wo der Antrag stattgefunden haben musste. Ich löschte die Anrufe und steckte es zurück in meine Tasche. Wir mussten nur noch um eine Ecke biegen, dann wäre ich da.

>> Sie können mich direkt vor der Tür absetzen, dann müssen Sie nicht noch einmal in die Tiefgarage fahren.<<

>> Es wäre aber kein Problem das zu tun.<<

>> Ich möchte es aber.<<

>> Gut, dann wünsche ich Ihnen einen angenehmen Abend Ms della Rossa.<<

>> Danke Scott, den wünsche ich Ihnen auch.<<

Ich stieg aus und ging durch die Drehtür am Portier vorbei, der mich freundlich anlächelte, da er mich inzwischen gut kannte. Ich verbrachte mittlerweile fast jede Nacht hier, da seine Wohnung noch näher an der Uni lag und sowieso schöner war. Außerdem hatte er keinen Mitbewohner der eventuell gestört werden könnte, weil wir beim Sex zu laut waren.

Ich steckte meinen Schlüssel ins Bedienfeld und drückte auf die oberste Etage. Als die Aufzugtüren sich öffneten, hörte ich zwei Stimmen, die sich zu streiten schienen. Leise schlich ich durch den Flur, damit ich sie verstehen konnte.

>> Was willst du von mir?<<

Das war Ethans Stimme.

>> Dass du endlich deine rosarote Brille ablegst.<<

Wenn mich nicht alles täuschte, war das Jodys Stimme, allerdings war ich mir nicht sicher, da ich sie nicht sehen konnte.

>> Wie oft soll ich es dir noch sagen, ich liebe Sarah und daran wird sich nichts ändern. Ich habe nie etwas für dich empfunden und dir auch nie Hoffnungen gemacht.<<

>> Und jetzt willst du mich einfach so fallenlassen? Wo ich die letzten vier Jahre immer an deiner Seite war? Für so eine wie sie?<<

>> Hüte deine Zunge! Wir können Freunde bleiben, so wie es immer war, aber ich glaube, das schaffst du nicht, wenn ich dich so reden höre.<<

>> Ich scheiß auf deine Freundschaft. Du kannst mir nicht weiß machen, dass du nichts für mich empfindest. Ich sehe haargenau aus wie sie.<<

>> Ich habe aber auch für sie nichts empfunden und das wusste sie.<<

>> Dann würdest du nicht so leiden. Du fandst sie scharf, genauso wie du mich scharf findest, gib es endlich zu.<<

Ich hörte Schritte, die aber nicht auf mich zukamen.

>> Jody, hör auf damit.<<

Ich ging ins Wohnzimmer, wo ich sah, wie Jody die Arme um Ethan gelegt hatte und ihn versuchte zu küssen, während er versuchte sie von sich wegzuschieben.

>> Hi.<< begrüßte ich die beiden und sah, wie sofort sämtliche Farbe aus Ethans Gesicht wich, als er mich sah und ahnte, was ich dachte. Bestimmt dachte er an meine Worte, dass ich ihn verlassen würde, wenn ich ihn noch einmal in einer unpassenden Situation mit einer Frau sehen würde. Jody hingegen lächelte hinterhältig zu mir hinüber.

>> Sarah, ich...<<

>> Ist schon in Ordnung Ethan. Jody würdest du jetzt bitte deine Hände von meinem Mann nehmen und dir endlich einen eigenen suchen, der deine Gefühle erwidert?<<

>> Habe ich doch schon.<<

Sie gab wirklich nicht auf und versuchte weiterhin Salz in die Wunde zu streuen.

>> Wirklich? Wenn er wirklich scharf auf dich wäre, wärt ihr inzwischen schon da hinten auf dem Sofa und würdet einander die Seele aus dem Leib vögeln. Also sieh es endlich ein, er will dich nicht. Hast du seine Körperhaltung gerade nicht gespürt?<<

Sie funkelte mich böse an, als würde sie mir in Gedanken gerade die Augen auskratzen, was ich allerdings an mir abprallen ließ, sodass ich sie weiterhin freundlich anlächelte.

>> Du kleine Schlampe denkst auch du wärst etwas Besonderes.<<

>> Jody, rede nicht in diesem Ton mit ihr.<< mischte sich Ethan nun wieder ein, nachdem er seinen ersten Schock überwunden hatte.

>> Wieso? Was willst du dann machen?.... Das, was du heute hier abgezogen hast, wird dir noch Leid tun.<< Sie deutete auf mich, nahm ihre Tasche und kam auf mich zu, bis sie schließlich neben mir stand.

>> Er wird nicht immer da sein, um dich zu beschützen und dann kralle ich mir dich. Du wirst den Tag bereuen, dass sage ich dir jetzt schon, also räume lieber das Feld. Entscheide selbst! Verlass ihn, oder ich mache dich fertig!<< flüsterte sie mir ins Ohr und verschwand.

Ethan lief ihr hinterher und versuchte sie noch einmal zu beschwichtigen, was allerdings auch nur noch in wilden Beschimpfungen endete.

Ich ging derweil ins Schlafzimmer, zog mich aus und legte mich ins Bett. Es ärgerte mich, dass er ihr nachgelaufen war, anstatt bei mir zu bleiben. Stand sie also doch an erster Stelle? Wenige Minuten später kam Ethan mit einem Drink in der Hand zu mir und setzte sich auf seine Seite.

>> Was hat sie dir eben noch ins Ohr geflüstert?<<

>> Nichts Wichtiges.<<

>> Dann sag es mir doch einfach.<<

>> Dass du nicht immer da sein wirst, um mich zu beschützen. Entweder sie rächt sich an mir, oder ich mache selbst Schluss. Diese zwei Optionen hat sie mir gelassen.<<

>> Sie war einfach nur sauer. Das ist alles nur heiße Luft.<<

>> Wir werden es sehen.<<

Ich drehte mich wieder um, sodass ich auf die Stadt blickte, während Ethan immer noch neben mir saß und seinen Drink trank.

>> Ich wollte das da eben nicht, sie hat sich mir an den Hals geworfen.<<

>> Ich weiß Ethan. Ich hatte eure Unterhaltung schon vom Flur aus mitverfolgen können.<<

>> Sie... Sie ist Annas Zwillingsschwester.<<

So müde ich auch gerade noch gewesen war, nun war ich hellwach und setzte mich abrupt auf. Sie hatte zwar gesagt, dass sie aussähe wie sie, aber ich hatte nicht daran gedacht, dass sie ihre Zwillingsschwester sein könnte. Mir fiel wieder ein, was ich alles gesagt hatte, dass sie sich schon die Seele aus dem Leib vögeln würden, wenn er auf sie stehen würde. Was hatte ich nur getan? Ihre Schwester war beim Sex mit Ethan gestorben und nun trampelte ich auch noch in ihren Wunden herum.

>> Scheiße.<<

>> Mhm. Trotzdem muss sie endlich verstehen, dass ich nichts für sie empfinde. Sie hat sich da in etwas verrannt.<<

>> War ich gerade zu hart zu ihr?<<

>> Ist schon in Ordnung. Ich hab es ihr erklärt.<<

Ich fühlte mich elend und wollte mich am liebsten selbst ohrfeigen. So sehr ich sie auch hasste und ihr nicht traute, was sich immer noch nicht geändert hatte, hatte sie dennoch einen anderen Ton verdient.

>> Ich war so dumm. Ich hab nur gesehen, wie sie sich an dich herangemacht hat und wollte klarstellen, dass du mir gehörst. Meine dumme Eifersucht.<<

>> Hey, jetzt sei nicht so hart zu dir. Wenn dann muss ich mir Vorwürfe machen, dass ich die Freundschaft nicht schon vor längerem beendet habe, aber ich konnte es einfach nicht.<<

>> Wieso?<<

>> Weil ich immer Schuldgefühle haben werde. Ich kann sie nicht fallen lassen, weil sie die Schwester von Anna ist. Wenn ich Anna schon nicht retten konnte, kann ich mich wenigstens um Jody kümmern und dafür sorgen, dass es ihr gut geht.<<

>> Das ist doch Wahnsinn Ethan. Sie braucht niemanden, der sich um sie kümmert. Es geht ihr gut, außer dass sie in dich verliebt ist, aber du gibst ihr doch nur noch mehr Hoffnung, dass aus euch etwas werden könnte, wenn du sie weiterhin so umsorgst.<<

>> Ich muss sehen, was ich mache.<<

>> Muss ich mir Sorgen machen, dass du mich am Ende wegen ihr verlässt?<<

>> Nein! Das wird nie geschehen. Wie kommst du auf so etwas? Ich liebe sie nicht.<<

>> Du musst sie ja auch nicht lieben, aber wenn du sie so verwöhnst und sie dich unter Tränen bittet, die Sache mit mir zu beenden, weil es sie zu schmerzhaft an Anna erinnern würde....<<

>> Hör auf Sarah.<<

Es war etwas, was ich ihr zutraute. Sie wollte unbedingt, dass Ethan sich von mir trennte und bemerkte, dass sie die einzig Wahre für ihn sei und das machte mir Angst. Sie hatte anscheinend einen großen Einfluss auf ihn und auch wenn er sich bisher durchgesetzt hatte, musste das nicht so bleiben. Irgendwann fraßen ihn die Schuldgefühle und Zweifel eventuell auf und er knickte ein. Es stimmte mich traurig und machte mich nervös, was ich allerdings nicht ansprach, da er gerade eine so abwehrende Haltung zu allem hatte.

>> Wie war dein Abendessen?<<

>> Gut.<<

Ich stand auf und ging ins Bad, als ich fortfuhr.

>> Es waren noch drei Freunde dabei, die ich dir gern mal vorstellen würde, jedenfalls zwei davon. Den anderen kenne ich nicht so gut, weil es irgendwie ein Freund von Paul ist. Und Paul hat Jacob um seine Hand angehalten.<<

>> Und?<<

>> Er hat angenommen.<<

Ich putzte mir schnell meine Zähne und kämmte noch einmal meine Haare, bevor ich zurück ins Bett zu Ethan ging.

>> Aber Schwule können hier doch gar nicht heiraten.<<

>> Es war mehr symbolisch, um zu wissen, ob Jacob sein Leben mit Paul verbringen möchte, um zu erfahren, wie tief seine Gefühle reichen und sobald es hier erlaubt ist, werden sie es dann auch amtlich machen.<<

>> Freut mich für sie.<<

>> Mhm.<<

>> Tut mir Leid, dass ich nicht kommen konnte, aber ich musste noch ein paar Dinge regeln.<<

>> Ich weiß.<<

>> Ich muss morgen für den Rest der Woche wieder nach Shanghai. Dass läuft alles nicht, wie es soll und so langsam werde ich ungeduldig.<<

Mit diesem Satz wurde ich hellhörig und sofort hatte er meine gesamte Aufmerksamkeit.

>> Wann fliegst du?<<

Da war wieder mein ungutes Gefühl. Die Leere die ich spürte, wenn er nicht da war und die mir den Boden unter den Füßen wegnahm.

>> Ich wollte vor neun Uhr los, damit ich nicht all zu spät da bin.<<

>> Hast du schon ein Ticket gebucht?<<

>> Ich nehme meinen eigenen Jet.<<

>> Sorry, ich vergaß, dass du ein protziger Milliardär bist.<<

>> Das heißt auch, dass aus deiner Überraschung morgen nichts wird. Ich werde sie verschieben müssen.<<

>> Ist nicht schlimm. Hauptsache du bist schnell wieder da.<<

>> Ich versuche es so schnell wie möglich zu regeln. Bis Samstag sollte es klappen.<<

Ich nickte und versuchte gegen die Traurigkeit in meinem Innern anzukämpfen solange er noch hier war. Langsam zog ich ihm sein Shirt aus und drückte ihn nach hinten, sodass er sich hinlegte.

>> Ich werde dich vermissen.<< hauchte ich ihm ins Ohr, bevor ich ihn dort küsste und langsam zu seinem Mund wanderte.

>> Ich dich auch. Ich hasse es von dir getrennt zu sein, aber es muss sein.<<

Ich biss ihm leicht in die Lippe, um direkt wieder den Schmerz zu stillen und dran zu saugen. Fordernd tastete sich meine Zunge in seinen Mund und liebkoste seine auf lockende Weise. Währenddessen rieb ich mich immer wieder an seiner Beule, die schon mächtig zu spüren war und mir gleich noch so viel Lust bereiten würde.

>> Du hattest übrigens Recht.<<

>> Wobei?<<

>> Ich musste heute wieder an den Quickie denken, als dein geiles Sperma wieder aus mir herauslief, aber leider konnte ich nicht zu dir kommen.<<

>> Wo warst du denn?<<

>> Beim Röntgen. Falls du es noch nicht bemerkt hast? Ich habe keinen Gips mehr und auch keine Schiene.<<

Demonstrativ hob ich meine Hände, als ich sie im nächsten Augenblick auch schon dazu benutzte, um seine Hose auszuziehen.

>> Das sind doch mal gute Neuigkeiten.<<

Ich nahm seinen harten Penis in meine Hände und massierte ihn, streichelte ihn und leckte schließlich die ersten Lusttropfen von ihm ab.

>> Gibt es eigentlich irgendwas, was ich noch nicht mit dir gemacht habe, was du dir aber wünschst?<<

Er überlegte kurz und sah mich prüfend an, als müsse er sehen, ob er mir das zutrauen könne.

>> Analverkehr. Aber wir müssen das nicht machen, es ist nur so eine Idee.<<

Ich grinste ihn breit an und begann meinen Saft nach hinten zu verteilen, da ich nicht glaubte, dass er Gleitmittel im Haus hatte. Doch zuerst sollte er mich ficken und zum Orgasmus bringen, bevor ich ihm seinen Wunsch erfüllte.

Ich setzte mich auf seinen Schwanz und begann ihn zu reiten, wobei er mit jedem Mal tiefer in mich hineinglitt, bis er schließlich ganz in mir war. Ich bewegte mich genau so, dass ich die Stelle in mir traf und das angenehme Gefühl auskostete. Ethans Hände kneteten meine geschwollenen Brüste und kniffen hin und wieder in meine Nippel, sodass ein Ziehen durch meinen Unterleib schoss und mich weiter anheizte.

Ich ritt ihn langsam, weil ich wusste, dass es gleich noch wild werden würde und ich meine Kraft lieber gut einteilen sollte.

>> Dieses Bild, wie du auf mir sitzt und meinen Schwanz reitest, wird mich die nächsten Tage begleiten.<<

>> Es wird dich daran erinnern, schnell wieder herzukommen, damit du mich wieder vögeln kannst.<<

Ich lehnte mich weiter nach hinten und bewegte mich ein wenig schneller, während Ethan meine Beckenknochen entlangfuhr, an denen ich besonders empfindlich reagierte.

>> Ethan!<<

>> Komm für mich ma cherié<<

Mit diesen Worten hob er seine Hüften ruckartig an und stieß seinen Penis heftig in mich hinein, sodass ich explosiv kam und mich von meinem Orgasmus treiben ließ. Ich ritt ihn, bis meine letzte Woge der Erlösung erloschen war, bevor ich mich aufrichtete und mich neben ihm auf allen vieren hinkniete.

>> Dann zeig mir mal, ob dein großer Schwanz auch hinten hineinpasst.<<

>> Bist du sicher?<<

>> Ja Ethan!<< lachte ich >> jetzt mach dich nicht verrückt!<<

Er kniete sich sofort hinter mich und begann noch mehr Saft um meine hintere Öffnung zu verteilen. Langsam und sanft weitete er meine Öffnung, bevor er schließlich mit der Spitze seines Schwanzes in mich eindrang. Er ließ mir Zeit mich daran zu gewöhnen, indem er nur seine Spitze in mir bewegte.

>> Mehr Ethan!<<

Er schob ihn noch ein paar weitere Zentimeter in mich hinein, woran ich mich wieder gewöhnen musste. Er war einfach so verdammt groß, dennoch war es mehr als geil.

>> Ist es gut so?<<

>> Mehr als gut, es ist geil, also schieb ihn weiter rein.<<

Als er schließlich ganz in mir war und mich anfing zu ficken, konnte ich mich nicht länger zurückhalten und legte meinen Zeigefinger auf meine Klit. Er machte mich so geil, dass ich es nicht mehr ertrug und Erlösung brauchte.

>> Macht es dich etwa so geil, dass du nachhelfen musst?<<

>> Ja.<< stöhnte ich, während er härter wurde, wobei er mir immer noch nicht hart genug war.

>> Wickel meine Haare wieder um dein Handgelenk und nimm mich härter.<<

>> Sei vorsichtig mit deinen Wünschen Sarah!<<

>> Bitte Ethan.<<

Er zögerte noch kurz, doch dann nahm er meine Haare und riss meinen Kopf zurück, während er mit der anderen Hand meine Hüften heftig zu sich heranzog und in mich hineinstieß.

>> Ja, genau so.<<

Er war unermüdlich, während ich immer weiter versuchte, meinen Orgasmus zurückzuhalten, damit er noch explosiver wurde. Doch lange konnte es auch nicht mehr bei Ethan dauern, so schnell und laut wie er atmete und zwischendurch stöhnte.

>> Soll ich in dir kommen oder auf deinem entzückenden Arsch abspritzen.<<

>> In mir und mach schnell ich komme gleich.<<

Wie ein Versprechen nahm er mich noch einmal härter ran. Nach ein paar weiteren Stößen kam ich so gewaltig, dass ich in die Kissen biss und meine Hände ins Laken krallte. Auch Ethan kam mit einem lauten gequälten Schrei und stöhnte bei jedem neuen Spritzer, den er in mir hinterließ.

Bevor er selbst aus mir hinausgleiten konnte, sackte ich zusammen und blieb reglos liegen. Meine Atmung war immer noch viel zu schnell, meine Ohren waren halb taub, summten und meine Beine zitterten unkontrolliert. Auch Ethan brauchte anscheinend einen kurzen Moment, um wieder zu sich zu kommen. Jedenfalls lag er stumm auf dem Rücken und starrte an die Decke, während sich seine Atmung wieder langsam beruhigte.

>> Geht es dir gut, Sarah?<<

>> Viel zu gut.<< nuschelte ich, da ich fast am einschlafen war.

>> Komm wir gehen uns noch schnell sauber machen.<<

Widerwillig folgte ich ihm ins Bad, wo wir zusammen duschten und nicht die Hände voneinander lassen konnten. Ich seifte ihn ein, wobei ich jeden Muskel umspielte und mich besonders gründlich seinem besten Stück widmete. Er tat das gleiche bei mir, was sofort dazu führte, dass sein Penis wieder hart wurde. Er liebte mich noch einmal ganz zärtlich unter dem warmen Sommerregen seiner Dusche, bevor wir ins Bett gingen und sofort ineinander gekuschelt einschliefen.

Kapitel IV

Als ich gegen halb sechs aufwachte war die andere Hälfte des Bettes schon wieder leer. Ich bemerkte, dass mein Telefon klingelte, was wohl auch der Grund dafür war, weshalb ich schon aufgewacht war und ging ran.

>> Ja?<<

>> Sarah?<<

>> Ja, wer spricht denn da?<<

>> Hier ist Sebastian... Dein Bruder.<<

Sofort war ich hellwach, da er mich sonst nie anrief, es sei denn es war ein Feiertag, aber das war heute nicht der Fall. Zudem verursachten seine Stimmlage und sein Tonfall augenblicklich Magenkrämpfe bei mir und ließen mich erahnen, dass etwas Schlimmes passiert war. Schnell sprang ich aus dem Bett und zog mir meinen Morgenmantel über.

>> Was ist los, du klingst bedrückt.<<

>> Setz dich bitte erst hin.<<

>> Ich sitze Sebastian, also was ist los, ist es was wegen Mutter? Hat sie sich endlich zu Tode gesoffen?<<

>> Nein, nicht Mutter. Es geht um Sascha.<<

Sofort gefror das Blut in mir und ich konnte im Spiegel sehen, wie ich auf einmal kreidebleich wurde. Mein Herz schlug plötzlich rasend schnell und ich hatte das Gefühl mich übergeben zu müssen.

>> Nein!<<

>> Es tut mir so Leid Sarah!<<

>> Was... Was ist passiert?<< stammelte ich, wobei ich froh war, noch einen ganzen Satz herausbekommen zu haben.

>> Er ist bei der Arbeit von einem Gerüst gefallen. Etwa sechs Meter in die Tiefe und wurde dabei von ein paar Eisenstangen aufgespießt. Sie operieren ihn gerade, aber es sieht nicht gut aus.<<

>> Wie konnte das passieren?<<

>> Keine Ahnung.<<

>> Ich komme mit dem nächsten Flieger.<<

>> Sarah, dass musst du nicht, ich wollte dir nur Bescheid sagen.<<

>> Doch ich muss! Sebastian es ist Sascha der da verletzt ist und nicht irgendein alter Bekannter. Schick mir die Adresse des Krankenhauses in einer Nachricht.<<

>> Mache ich. Melde dich, wenn du unterwegs bist.<<

Ich legte auf und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Mein geliebter Bruder, der immer für mich da gewesen war, der mir das Leben gerettet hatte, war im Krankenhaus und würde es vielleicht nicht schaffen und ich war etliche Stunden und tausende Kilometer von ihm entfernt.

So schnell ich konnte, rannte ich ins Arbeitszimmer von Ethan, um mir online ein Ticket für den nächsten Flug nach Deutschland zu sichern. Als ich hereinkam, saß er jedoch gerade vor seinem Laptop und sah mich erschrocken an.

>> Sarah, oh Gott, was ist los?<<

>> Ich brauche dringend deinen Laptop.<< schniefte ich, setzte mich auf seinen Schoß und öffnete im nächsten Moment auch schon die passende Seite auf der ich nach einem geeigneten Flug suchte.

>> Was wird das? Wo willst du hin?<<

>> Ich muss nach Hamburg.<<

>> Jetzt?<<

>> Am besten gestern.<<

>> Sag mir was los ist!<<

>> Mein Bruder rief grad an. Sascha ist bei der Arbeit aus sechs Metern heruntergefallen und wurde dabei von ein paar Eisenstangen durchbohrt und jetzt wird er gerade operiert. Sie wissen nicht, ob er es überlebt.<<

Der nächste Flug, den ich sah, würde erst am Abend gehen und 32 Stunden dauern. Das bedeutete, dass ich viel zu viel Zeit verschwendete. Ich wollte gerade die nächste Seite öffnen, als Ethan meine Hände von seinem Laptop wegnahm.

>> Lass mich, ich muss dringend einen Flug buchen, ich muss für ihn da sein.<<

>> Sarah, beruhige dich erst mal.<<

>> Nein!<<

Ich schrie ihn an und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien, doch er war zu stark. Nach etlichen Versuchen, sackte ich auf ihm zusammen und heulte hemmungslos. Ich musste erbärmlich aussehen, so wie ich heulte und schluchzte, doch immerhin ging es um meinen Bruder, der in Lebensgefahr war.

>> Du kannst mein Flugzeug nehmen. Ich habe zwei. Ich rufe am Flughafen an, dann fliegen sie mit dir nach Hamburg. Pack deine Sachen.<<

Ich schaute ihn entgeistert an, als er mich auch schon in Richtung der Tür bewegte und erneut zum Packen aufforderte.

Ich zog mich schnell an, wobei mir einfiel, dass es in Hamburg um diese Jahreszeit eiskalt war. Ich brauchte dringend noch einen Mantel, weshalb ich Ethans Schränke durchwühlte, wo jedoch auch nichts zu finden war, da es in Australien nie so kalt wurde. Nebenbei packte ich noch ein Shirt von ihm ein, damit ich etwas hatte, das nach ihm roch und mich an ihn erinnerte. Als ich schließlich alles eingepackt und mich wieder ein wenig beruhigt hatte, ging ich in die Küche, wo Ethan gerade einen Anruf beendete.

>> Das Flugzeug steht bereit. Scott bringt dich hin. Er steht schon unten und wartet auf dich.<<

>> Danke Ethan. Du hast wirklich was gut bei mir.<<

Ich küsste ihn noch mal voller Liebe, weil ich nicht wusste, wann wir uns wiedersahen. Es konnten fünf Tage sein, es konnten jedoch auch zwei Wochen werden.

>> Pass bitte auf dich auf, Sarah. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass du alleine dahin reist.<<

>> Ich passe auf mich auf und du kümmerst dich um Shanghai. Ich melde mich bei dir.<<

>> Ich liebe dich cherié.<<

>> Ich dich auch.<<

Mit diesen Worten flitzte ich zum Aufzug und fuhr in die Tiefgarage, wo ich sofort ins Auto einstieg und mit Scott zum Flughafen fuhr. Während der Fahrt rief ich auf der Arbeit an und cancelte alle Termine für diese Woche. Anschließend meldete ich mich bei Julian, damit er wusste, dass ich erst einmal nicht in Australien war und er sich allein um die Kinder kümmern musste, falls irgendwas passieren sollte. Jacob hinterließ ich eine Nachricht auf der Mailbox, da er wahrscheinlich noch schlief. Wenig später waren wir auch schon da, sodass ich schnell zum Flugzeug rannte. Ich wollte keine Zeit verlieren und stand so unter Strom, dass ich keine Zeit zum Nachdenken hatte.

>> Guten Morgen Ms della Rossa. Ich bin Jeanine, ihre heutige Flugbegleitung.<<

Ich begrüßte sie freundlich, ebenso wie den Piloten Daniel und seinen Copiloten Cliff. Als ich mich umdrehte und den Jet betrachtete, hatte ich das Gefühl in einem Film zu sein. Das Innere des Jets war in warmen Tönen gehalten und sehr luxuriös eingerichtet. Der Teppich war in einem hellen beige gehalten und hatte keinen einzigen Fleck, was mich ziemlich beeindruckte, wenn man manche Unwetter beachtete und wie oft dabei Getränke verschüttet wurden. Die Wände waren im gleichen Ton, wenn auch ein wenig heller, ebenso wie die großen Sessel, die fast schon wie Massagesessel wirkten.

Zwischen den zwei gegenüberliegenden Sesseln stand ein großer lackierter Tisch aus Nussbaum, der durch einen Blumenstrauß aufgepeppt wurde. Neben den Sesseln stand eine lange integrierte Kommode, worüber ein großer Flat Screen eingearbeitet war. Ich setzte mich zunächst auf einen Sessel und schnallte mich an, damit wir losfliegen konnten. Wenige Minuten später hob die Maschine auch schon ab und wir flogen in Richtung Norden.

>> Sie können sich jetzt abschnallen Ms della Rossa. Kann ich Ihnen etwas zu Trinken bringen, oder ein Frühstück?<<

>> Danke, aber ich habe keinen Hunger und auch keinen Durst.<<

>> Wie Sie wünschen. Hier vorne haben Sie ein Telefon und hier ist ein Laptop, falls Sie einen benötigen. Weiter hinten auf der linken Seite finden Sie ein Badezimmer und gerade hindurch ist ein Schlafzimmer, falls Sie sich hinlegen möchten. Dort ist auch ein Telefon vorhanden. Und wenn Sie irgendetwas brauchen, drücken Sie einfach auf diesen Knopf, dann komme ich zu Ihnen.<<

>> Vielen Dank Jeanine.<<

Sie lächelte freundlich und ging wieder zurück ins Cockpit, während ich zum Schlafzimmer schlenderte. Ich wollte einfach nur allein sein und die Zeit so schnell wie möglich herumbekommen, weshalb Schlaf mir als die beste Lösung erschien. Als ich die Tür öffnete, blickte ich auf ein weißes, großes Bett, das mit mehreren weißen und schwarzen Kissen verziert war und extrem gemütlich aussah. Der Raum war relativ schlicht gehalten, weswegen ich mich hier drin wohler fühlte, als draußen. Es waren lediglich noch zwei Nachtschränke und eine Kommode vorhanden. Ich legte mich vorsichtig aufs Bett und rollte mich direkt zusammen, machte mich so klein ich konnte, da es mir ein Gefühl von Sicherheit gab.

Ethan hatte nicht umsonst Zweifel und Angst gehabt, mich alleine nach Hamburg zu schicken. Ich würde wieder mit meiner Vergangenheit konfrontiert werden und das konnte nach hinten losgehen. Ich hoffte nur, dass meine Mutter nicht in der Lage dazu wäre, Sascha im Krankenhaus zu besuchen, damit ich sie nicht sehen musste. Dann würde es nicht so schlimm werden und ehrlich gesagt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie ihr Haus noch groß verließ. Außerdem traf ich sie wenn auf neutralem Boden mit anderen Personen, sodass sie nicht die Gelegenheit haben würde mir körperlich wehzutun. Psychisch sah es dabei schon anders aus, doch das würde ich aushalten. Ich musste einfach unbedingt für Sascha da sein.

Ich fiel in einen unruhigen Schlaf, aus dem ich immer wieder hochschrak, weil mich mehrere Kindheitserinnerungen heimsuchten.

Das Klingeln eines Telefons ließ mich schließlich vollends aufwachen. Es war das integrierte Telefon des Flugzeugs, also ging ich ran.

>> Ja?<<

>> Cherié! Wie geht es dir?<<

Es war Ethan, der besorgt und niedergeschlagen klang. Ich schaute auf die Uhr und musste zu meiner Freude feststellen, dass wir schon 13 Stunden unterwegs waren. Trotzdem würden noch mindestens sieben Stunden hinzukommen.

>> Es geht und bei dir?<<

>> Ich bin grade angekommen, aber ich kann mich irgendwie nicht konzentrieren. Ich wäre viel lieber bei dir, um dir beizustehen.<<

>> Das ist lieb Ethan, aber da kannst du mir nicht helfen. Auf die Intensivstation dürfen nur Angehörige und da werde ich die ganze Zeit über sein, also würdest du mich eh nicht sehen. Mach deinen Job und wir sehen uns dann in ein paar Tagen.<<

>> Melde dich aber bitte zwischendurch, sonst mache ich mir zu viele Sorgen um dich.<<

>> Natürlich. Und danke noch mal für den Flieger. Was kostet der Spaß eigentlich?<<

>> Wieso willst du das wissen?<<

>> Weil ich es dir zurückzahlen möchte.<<

>> Du sollst mir nichts zahlen. Sieh es als einen Gefallen an.<<

>> Das will ich aber nicht. Für ein Ticket hätte ich auch bezahlt.<<

>> Lass es gut sein Sarah. Konzentrier dich auf deinen Bruder!<<

>> Aber dann fühle ich mich, als hätte ich dich ausgenutzt.<<

>> Du bist die letzte, die sich darüber Gedanken machen müsste. Ich weiß, dass dir Geld vollkommen egal ist.<<

>> Nicht, wenn ich es jemandem schulde.<<

>> Und mir schuldest du nichts. Genieß den Rest deines Fluges und melde dich, wenn du da bist. Ich liebe dich cherié.<<

>> Ich dich auch.<<

Da schon so viele Stunden vergangen waren und ich gerade eh das Telefon in der Hand hielt, wählte ich Sebastians Nummer, obwohl ich schreckliche Angst hatte, dass er schlechte Neuigkeiten hatte. Es dauerte lange bis er endlich ranging, sodass ich schon fast wieder auflegen wollte.

>> Della Rossa?<<

>> Hey, Sebastian hier ist Sarah.<<

>> Hi, wo bist du?<<

>> Noch in der Luft. Wie geht es ihm?<<

>> Er wird grade wieder operiert, weil es noch mal Komplikationen gab, aber mehr wissen wir nicht. Wann bist du denn da?<<

>> In etwa sieben bis acht Stunden.<<

>> So schnell? Wow. Soll ich dich abholen?<<

>> Warte kurz, ich frage mal nach wo wir landen.<<

Ich ging schnell zum Cockpit und klopfte an, als Jeanine mir auch schon die Tür öffnete.

>> Ms della Rossa, was kann ich für Sie tun?<<

>> Können Sie mir kurz sagen, wann und wo wir genau ankommen?<<

>> In etwa acht Stunden am Hamburger Flughafen, dort wartet dann schon ein Chauffeur auf Sie, der Sie zum Krankenhaus bringen wird.<<

>> Ein Chauffeur?<<

>> Mr Thatcher hat das so eingerichtet, ja.<<

>> Danke Jeanine.<<

Ich drehte mich wieder um und ging in Richtung des Schlafzimmers, als ich wieder zu Sebastian sprach.

>> Du brauchst mich nicht abholen, ich komme direkt zum Krankenhaus.<<

>> Hab ich gehört. Sag mal, wie bist du eigentlich so schnell an einen Flug gekommen, der auch noch so schnell hier ist? Und dann noch ein Chauffeur?<<

>> Sebastian bitte! Die Hauptsache ist doch, dass ich gleich da bin. Also bis gleich.<<

Als ich aufgelegt hatte und in das angrenzende Bad ging, merkte ich, dass ich meine Tage bekommen hatte. Zum Glück hatte ich alles dabei, trotzdem war ich genervt. Ich wusch mir die Hände und ging zurück ins Schlafzimmer, wo ich mich wieder aufs Bett warf und an Sascha dachte. Er durfte nicht sterben und er durfte nicht ernsthaft verletzt sein, dass würde ich nicht verkraften.

Ich hasste mich dafür, dass wir unsere Beziehung so vernachlässigt hatten, aber jeder von uns hatte sein eigenes Leben und er wollte, dass ich die Vergangenheit hinter mir ließ. Er hatte dafür gesorgt, dass mich meine Mutter nicht mehr verletzen und ich in Ruhe mein Abitur machen konnte, damit etwas Ordentliches aus mir werden konnte. Ich stand dabei immer an erster Stelle bei ihm, weswegen er so viel Ärger mit Denise hatte, doch das kümmerte ihn nicht, so lange es mir gut ging.

Als ich auszog und zu Julian zog, trennten uns gute 400 Kilometer, da wir zusammen nach Düsseldorf zogen, wo er einen Job bekommen hatte. Von da an telefonierten wir nur noch wöchentlich, bis es über die Jahre irgendwann nur noch die Geburtstage und Feste waren. Der einzige Geburtstag an dem wir nicht telefonierten war meiner, da ich nicht an jenen Tag in meiner Kindheit erinnert werden wollte, was sie akzeptierten. Aber immerhin trafen wir uns an Weihnachten und einmal im Sommer, da die Drei alle im Juni und Juli Geburtstag hatten, sodass die Verbindung noch aufrecht erhalten blieb.

Als ich ihm erzählte, dass wir nach Australien gingen, war uns klar, dass sich das ändern würde. Inzwischen hatten wir uns seit zwei Jahren nicht mehr gesehen und nur zu den üblichen Anlässen telefoniert. Auch mit Sebastian und Simon war es da nicht anders. Sie hatten alle Familien, Jobs und ein Haus in Deutschland, was ziemlich viel Zeit fraß und weswegen wir nie die Zeit fanden uns wiederzusehen.

Und nun musste erst so etwas Schlimmes passieren, damit ich mich endlich wieder in den Flieger setzte und zu ihnen kam. Ich fühlte mich schlecht, wie eine Verräterin die zurückkehrte, nachdem sie alles hinter sich gelassen hatte, ohne Rücksicht auf Verluste. All meine Nichten und Neffen würde ich wahrscheinlich wiedersehen, wobei ich bei manchen nicht wusste, ob sie mich noch kannten.

Immer wieder kreisten meine Gedanken um meine Brüder, während ich die um meine Mutter verdrängte.

Eine Stunde bevor wir landen sollten, setzte ich mich wieder auf einen Sessel und blickte aus dem Fenster, als Jeanine aus dem Cockpit kam.

>> Ms della Rossa, darf ich Ihnen jetzt etwas zu Essen bringen?<<

>> Danke, nein. Aber eine Apfelschorle wäre nett.<<

Ich konnte einfach nichts essen, wenn ich nicht wusste, was mit Sascha war. Allein der Gedanke etwas zu Essen, war unerträglich für mich. Immer wenn ich Stress hatte oder mich etwas bedrückte, reagierte mein Körper auf diese Weise, während andere, wie Jacob, Berge von Eis in sich hineinschaufelten.

>> Kommt sofort.<<

Es dauerte keine Minute als sie auch schon wieder da war und mir die Apfelschorle auf den Tisch stellte.

>> Danke Jeanine.<<

>> Bitteschön. Sie sollten sich jetzt anschnallen, da wir gleich mit dem Landeanflug beginnen.<<

>> Jeanine?<<

>> Ja?

>> Wie kalt ist es zur Zeit in Hamburg?<<

>> Etwa drei Grad.<<

>> Gibt es hier an Bord irgendwo einen Mantel? Ich konnte in der Hektik keinen mehr einpacken.<<

>> Ich werde sofort einen organisieren.<<

>> Vielen Dank.<<

Ich legte den Gurt an und trank meine Apfelschorle aus, da ich wirklich Durst hatte. Als wir durch die Wolkendecke flogen, sah ich plötzlich Hamburg unter mir, all die gewohnten Umrisse und die Elbe die sich quer durch die Stadt schlängelte. Ein bedrückendes Gefühl erfasste mich und ließ mir die Tränen in die Augen schießen. So lange war ich nicht mehr hier gewesen, so lange hatte ich es verdrängt. Selbst bei unseren Treffen an Weihnachten und im Sommer, waren meine Brüder immer nach Düsseldorf gekommen, damit ich nicht doch eventuell wieder auf meine Mutter traf. Das bedeutete, dass ich seit 14 Jahren nicht mehr hier gewesen war und dennoch so gut wie alles wiedererkannte.

>> Wir landen jetzt Ms della Rossa.<< verkündete eine Stimme aus dem Lautsprecher, die zu Daniel gehören musste.

Es war eine sehr sanfte und angenehme Landung, woraufhin wir sofort zu unserem Gate fuhren. Allerdings brauchte ich nicht mehr durch den Flughafen laufen, da zwei Zollbeamte auf uns warteten und kurz meinen Pass kontrollierten. Als ich gerade meinen dünnen Blazer überziehen wollte, kam ein junger Mann ins Flugzeug, der einen hellbeigen Mantel aus Cashmere in den Händen hielt und mir reichte.

>> Ms della Rossa, ich bin ihr Chauffeur Dennis. Sie brauchten noch einen Mantel, also habe ich den gerade besorgt. Ich hoffe er gefällt Ihnen.<<

>> Danke Dennis, dass ist sehr nett von Ihnen.<<

Ich zog ihn an und schloss die Knopfleiste. Er ging mir bis zu den Knien und saß wie angegossen. Um die Taille war ein breiter dunkelroter Gürtel, den ich zuschnallte, bevor ich meine Tasche nahm und mit Dennis zum Auto ging.

Während der Fahrt tippte ich noch schnell eine Nachricht an Ethan, da ich nicht wusste, wann ich das nächste Mal dazu käme.

„ Danke für alles Ethan. Deine Angestellten waren sehr nett und ich bin gut angekommen. Fahre grade ins Krankenhaus, wo ich nicht mehr erreichbar sein werde. Ich melde mich, wenn ich wieder Zeit habe. Ich liebe und vermisse dich. Kuss“

Als es nur noch wenige Minuten waren, die uns vom Krankenhaus trennten rief ich Sebastian erneut an, damit er mich vor der Tür abholen konnte und ich nicht das halbe Krankenhaus absuchen musste. In Deutschland war es inzwischen knapp vier Uhr Nachmittags, sodass auch noch eine Besuchszeit herrschte. Als Dennis anhielt, sah ich Sebastian bereits.

>> Danke Dennis.<<

>> Alles Gute Ms della Rossa.<<

Ich nickte, nahm meine Tasche und stieg aus, als mein Bruder mich auch schon entdeckte.

>> Sarah!<<

Er lief auf mich zu und umarmte mich überschwänglich, sodass sofort wieder die Tränen in mir hochkamen.

>> Hey Bruderherz.<<

>> Komm, hier draußen ist es viel zu kalt.<<

Er nahm mir meine Tasche mit den wenigen Teilen ab, die ich mitgenommen hatte und dirigierte mich zum Eingang des Krankenhauses.

>> Sie haben sehr lange operiert und er sieht schlimm aus, also bitte erschrecke dich nicht.<<

>> Ist er denn wach?<<

>> Nein, er liegt im Koma und sie wissen nicht, ob er wieder aufwachen wird. Wir müssen wohl Geduld haben.<<

Wir fuhren mit dem Aufzug in den fünften Stock und bogen um mehrere Ecken, als wir endlich bei der Intensivstation ankamen. Ich legte all meine überflüssigen Sachen ab und zog einen Kittel, Handschuhe und Mundschutz an.

Als ich endlich zu ihm durfte, wurde mir ein wenig flau im Magen. Zwar hatte ich schon viele schlimme Anblicke gesehen, aber das war mein Bruder, der nun vor mir lag. Ich atmete noch einmal tief durch und betrat schließlich das Zimmer.

Überall waren Monitore, die ihn bewachten und piepten, über verschiedene Zugänge wurden ihm Medikamente und Flüssigkeiten zugeführt, während sein Kopf mit einem Verband verdeckt war. Nur das Gesicht konnte ich erkennen, wobei es sehr stark angeschwollen und verfärbt war. Sein linkes Bein war eingegipst und hochgelagert, ebenso wie sein linker Arm. Ich wusste nicht was noch alles unter der Decke verbunden und gebrochen war, was wahrscheinlich besser so war, da es mich so schon genügend schockierte.

>> Hallo, ich bin Dr. Arndt.<<

Ich drehte mich um und sah dem Arzt in die Augen, wo er sicherlich direkt mein Entsetzen feststellen konnte.

>> Ich bin Sarah, seine Schwester.<<

>> Ich hab schon von Ihnen gehört. Sie kommen gerade aus Brisbane?<<

>> Richtig.<<

>> Ziemlich weite Anreise.<<

>> Mhm. Können Sie mir sagen, was er jetzt genau hat?<<

>> Natürlich... Dass er aus sechs Metern auf ein paar Eisenstangen gefallen ist, wissen Sie ja wahrscheinlich schon.<<

Ich nickte, während mir erneut ein Schauer über den Rücken lief, wie immer, wenn ich mir vorstellte, wie das passiert war.

>> Wir haben ihn sehr lange operiert. Sein linkes Bein, sein linker Oberschenkel und sein linker Arm sind gebrochen, ebenso wie drei Rippen auf der linken Seite. Eine Rippe hat sich in seine Lunge gebohrt, sodass der linke Lungenflügel zusammengefallen ist. Diese Verletzungen stammen wohl alle vom ersten Aufprall, als er nach etwa vier Metern auf das Vordach aufgeprallt ist.<<

Erster Aufprall? Ich setzte mich auf einen freien Stuhl, da mir bei der Vorstellung die Beine vor Entsetzen zitterten.

>> Jedenfalls ist er nur auf die Kante des Vordachs gefallen, sodass er danach noch auf dem Boden aufkam, wo die Eisenstangen lagen.<<

>> Und was ist da noch verletzt worden?<<

Meine Stimme war nur noch ein leises Flüstern.

>> Eine Stange hat sich in seinen Bauch gebohrt und dabei die Milz verletzt. Eine weitere in sein rechtes Bein. Er hat ein mittelschweres Schädelhirntrauma mit einem leichten Schädelbruch erlitten, was jedoch wesentlich schlimmer ausgefallen wäre, wenn er nicht zuerst auf das Dach gefallen wäre. Eigentlich hatte er Glück im Unglück und jetzt können wir nur noch hoffen.<<

Ich blickte zu Sascha und ließ meinen Tränen freien Lauf. Er war immer der starke und tapfere gewesen und nun lag er da, mit all diesen Verletzungen, die sich anhörten, als wäre nichts mehr in seinem Körper gesund.

>> Inwiefern hätte es noch schlimmer ausfallen können?<<

>> Er hat keine Hirnblutungen gehabt, sein Hirndruck ist in Ordnung und auch das EEG sieht gut aus. Wir messen mit den Monitoren seine Blutdruck, die Körpertemperatur und die Sauerstoffsättigung des Blutes, damit wir alles im Blick haben und ihn optimal versorgen können.<<

Ich nickte und blickte auf die blinkenden Anzeigen der Geräte.

>> Haben Sie noch Fragen?<<

>> Wie lange darf ich hier bleiben?<<

>> Die Besuchszeit ist bis um sieben Uhr, aber bitte bleiben Sie nicht länger als 10 Minuten bei ihm, er braucht Ruhe.<<

>> Kann ich die Nacht über dann draußen vor der Tür im Gang warten?<<

>> Sie sollten nach Hause gehen und sich ausruhen, wenn etwas ist, rufen wir Sie an.<<

>> Ich werde ihn nicht allein lassen.<<

>> Sie können nichts für ihn tun. Seien Sie vernünftig und ruhen Sie sich aus, damit Sie Kraft haben, wenn er aufwacht.<<

Mit diesen Worten verließ der Arzt den Raum und ließ mich mit Sascha allein. Sebastian war nicht mit hereingekommen, da er lieber draußen wartete. Ich ging auf die andere Seite des Bettes, wo seine rechte Hand lag, die, wie ich mitbekommen hatte, nicht verletzt wurde. Ich nahm sie in meine Hand und streichelte ihn sanft mit meinem Daumen,

>> Hey Großer. Hier ist Sarah. Tut mir Leid, dass ich so lange nicht mehr hier war, aber du hättest wirklich nicht von einem Gebäude stürzen müssen, damit ich herkomme. Ein Anruf und eine Bitte hätte es auch getan.<<

Ich schluchzte und grinste gleichzeitig, was mir vor Augen führte, wie verzweifelt ich eigentlich war.

>> Nein, ernsthaft. Was machst du für Sachen? Du kannst mir doch nicht so einen Schrecken einjagen, mir solch eine Angst machen. Du musst wieder gesund werden, hörst du? Wir brauchen dich! Was soll ich ohne dich machen? Das ist undenkbar. Deine Kinder brauchen dich. Ich möchte, dass du mich in Australien besuchen kommst, damit wir zusammen surfen gehen können, so wie du es vor zwei Jahren geplant hattest. Ich mache alles mit, was du willst, nur bitte werde wieder gesund. Ich brauche dich und würde es nicht überleben, wenn dir etwas passiert.<<

Zitternd wischte ich mir einige Tränen weg und holte noch einmal tief Luft.

>> Ich werde jetzt wieder gehen, weil ich immer nur kurz zu dir kommen darf, aber ich warte draußen im Flur, also wach auf und kämpfe.<<

Ich küsste behutsam seine Hand, bevor ich ihn losließ und aufstand.

Als ich die Schutzkleidung wieder abgelegt hatte und in den Wartebereich im Flur vor der Intensivstation trat, war es wie ein Familientreffen.

Pia die Frau von Sebastian war gekommen, ebenso wie seine beiden Kinder Vincent, der jetzt acht sein musste und Lea, die zwei Jahre jünger war. Daneben standen Simon und seine Frau Theresa mit ihren inzwischen drei Kindern. Ich erkannte die älteste, Hannah sofort. Sie war bildschön und musste etwa fünf Jahre alt sein. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Sophie hatte sich vollkommen verändert und den kleinsten kannte ich nur vom Telefon. Ich wusste, dass sie vor etwa zwei Monaten noch einmal Eltern geworden waren und ich nun noch einen Neffen namens Erik hatte. Es war einfach überwältigend alle auf einmal wiederzusehen, allerdings fand ich Saschas Frau Denise und ihre Kinder nicht.

>> Wow.<<

Mehr als dieses „Wow“ brachte ich einfach nicht heraus. Es war zu viel. Erst der lange Flug, dann die ganze Liste an Verletzungen, die Sascha erlitten hatte, dann Saschas Anblick und nun meine Brüder mit ihren Familien.

Ich umarmte jeden einzelnen und begrüßte auch die Kinder überschwänglich, da ich sie so lange nicht gesehen hatte und sie nichts für den Anlass dieses Treffens konnten. Sie sollten nicht spüren, wie tragisch die Situation eigentlich war. Auch den kleinen Erik hielt ich auf dem Arm und gab ihm ein Fläschchen, während wir uns über Neuigkeiten austauschten. Er war noch so winzig und so lieb und brav, dass mir für kurze Zeit warm ums Herz wurde. Gegen sechs Uhr fuhren Pia und Theresa mit den Kindern schon einmal nach Hause, während Simon und Sebastian noch mit mir im Aufenthaltsraum blieben.

Wir gingen noch einmal gemeinsam zu Sascha, doch es gab keine Neuigkeiten, keine Verbesserungen, aber auch keine Verschlechterungen.

Als wir die Schutzkleidung wieder auszogen und auf den Flur gingen, übermannte mich die Müdigkeit, sodass ich gähnen musste.

>> Sarah, ich nehme dich mit, du kannst heute Nacht bei uns schlafen. Pia hat schon das Gästezimmer fertiggemacht.<<

>> Danke, aber ich bleibe lieber hier, falls irgendwas ist. Ich war einfach schon zu lange weg.<<

>> Aber wo willst du denn schlafen?<<

>> Macht euch keine Sorgen. Wir sehen uns morgen.<<

>> Sarah!<<

Ich ignorierte die beiden und ging wieder in den Aufenthaltsraum und legte mich auf die Bänke. Mein neuer Mantel gab eine gute Decke ab, sodass mir nicht kalt war. Ich holte kurz mein Telefon aus der Manteltasche und schaute mir kurz die Nachrichten von Ethan an.

„Das freut mich, dass alles in Ordnung war. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit und deinem Bruder eine schnelle Genesung. In Gedanken bin ich die ganze Zeit über bei dir.“

„Ich kann die ganze Zeit über nur an dich denken und wäre schon fast drei Mal zu dir geflogen. Melde dich Sarah. Ich mache mir große Sorgen um dich.“

Da ich zu müde und erschöpft zum Tippen war, rief ich bei ihm an, wobei ich nicht wusste, wie spät es nun bei ihm war, doch nach dem zweiten Klingeln ging er schon ran.

>> Sarah!<<

Er klang verschlafen, aber dennoch erleichtert. Hatte ich ihn geweckt?

>> Hi, ich wollte mich nur kurz bei dir melden, aber ich weiß gar nicht, wie die Zeitverschiebung ist. Habe ich dich geweckt?<<

>> Kein Problem. Hier ist es vier Uhr morgens. Also etwa sieben Stunden vor dir.<<

>> Tut mir Leid.<<

>> Dass muss es nicht. Ich habe doch auf deinen Anruf gewartet. Also, wie geht es deinem Bruder?<<

>> Er ist auf der Intensivstation. Die Operation hat er hinter sich, aber nun können wir nur abwarten und hoffen. Es sieht ziemlich übel aus.<<

>> Und wie geht es dir dabei?<<

>> Ich schaffe das schon. Außerdem habe ich ja noch meine anderen Brüder hier. Mach dir keine Sorgen und konzentriere dich auf deine Arbeit.<<

>> Das sagt sich so leicht. War deine Mutter auch da?<<

>> Nein. Die wird glaube ich auch nicht kommen. Würde mich jedenfalls schwer wundern.<<

>> Das hoffe ich für sie. Wo bist du denn jetzt?<<

>> Im Krankenhaus. Ich werde heute Nacht hier schlafen, falls es etwas Neues gibt.<<

>> Gibt es da kein Hotel in der Nähe?<<

>> Ich werde mich keinen Zentimeter von diesem Krankenhaus fortbewegen, bis er nicht über den Berg ist.<<

>> Pass aber bitte auf dich auf!<<

>> Mach ich, aber erst einmal muss ich ein wenig Schlaf bekommen und du solltest dich auch wieder hinlegen.<<

>> Mein Wecker hätte eh gleich geklingelt. Also gute Nacht cherié. Wenn etwas ist, meldest du dich bei mir. Ruf mich immer an, egal wie spät es ist.<<

>> Mache ich. Dir einen schönen Arbeitstag.<<

Ich legte auf und verstaute das Telefon in meiner Handtasche, als ich nach einigen Ängsten um Saschas Genesung schließlich auf Ethans Shirt mit seinem vertrauten Duft einschlief.

Kapitel V

Die nächsten Tage liefen ähnlich ab. Ich ging über den Tag verteilt, so oft es mir erlaubt wurde, zu Sascha, redete mit ihm und flehte ihn an aufzuwachen und zu kämpfen, doch es tat sich nichts. Die Nächte verbrachte ich im Krankenhaus. Nur zum Duschen fuhr ich kurz zu Simon, da er nicht weit vom Krankenhaus entfernt wohnte. Ich schaffte es morgens einen Kaffee zu trinken und ein Brötchen zu essen und nachmittags einen Joghurt, oder Obst, sodass mein Kreislauf stabil blieb.

Ich hatte erfahren, dass Denise sich vor einem Jahr von Sascha getrennt hatte, weil sie sich in einen anderen Mann verliebt hatte. Genau wie bei Julian und mir dachte ich und musste innerlich den Kopf schütteln. Sie hatte die Kinder mitgenommen, sodass er sie mit Glück noch jedes zweite Wochenende sah, was aber eher die Seltenheit war. Seit zwei Monaten hatte er sie nämlich überhaupt nicht mehr sehen dürfen.

Es waren alles Sachen, die ich nicht gewusst hatte, die er mir nie erzählt hatte und für deren Unwissenheit ich mich nun innerlich ohrfeigte. Warum konnten wir nicht offen miteinander sprechen und warum waren wir nicht ehrlich zueinander? Er brauchte nicht mehr den starken Bruder zu spielen, ich brauchte keinen Beschützer mehr, warum ließ er es nicht zu, dass wir uns auch mal um ihn kümmerten? Es stimmte mich so traurig, dass ich fast die gesamte Nacht heulte, als ich es erfahren hatte.

Auch über unsere Mutter hatte ich einiges erfahren. Sie war inzwischen wieder verheiratet mit einem Mann, den sie in einer Entzugsklinik kennengelernt hatte, in die Simon sie eingewiesen hatte. Inzwischen war sie wohl ein gutes Jahr trocken und hatte ihr Leben wieder im Griff. Sie trafen sich seitdem ab und an mit ihr, damit sie ihre Enkel kennenlernen konnte und waren davon überzeugt, dass sie nun ein besserer Mensch geworden wäre. Ich hörte mir das alles ganz ruhig an, wobei ich dem Frieden insgeheim nicht traute.

Es mochte sein, dass sie meinen Brüdern gegenüber ein netter Mensch war, das musste aber noch lange nicht so bei mir sein. Ich wollte sie einfach nicht treffen, nicht das Risiko eingehen, wieder verletzt zu werden, ob nun seelisch, oder körperlich. Ich freute mich, dass sie meinen Nichten und Neffen gegenüber eine gute Großmutter abgab und schloss dieses Kapitel wieder für mich ab.

Ethan schrieb ich jeden Abend eine Nachricht, da die Zeitumstellung zu schwierig war und ich ihn nicht stören wollte. Er hatte die Sache in Shanghai fast im Griff, sodass er morgen wirklich wieder nach Brisbane fliegen konnte, worum ich ihn ein wenig beneidete. Wie sehr wünschte ich mir, dass auch hier wieder alles im Griff wäre, Sascha aufstehen und alles gut werden würde.

Ich schaute auf die Uhr, die hier irgendwie langsamer zu gehen schien, da sich die Stunden beim Warten so hinzogen. Es war erst halb vier, aber immerhin war heute Freitag, sodass Simon und Sebastian früher kommen würden. Sie arbeiteten zusammen in einer Baustofffirma und hatten erzählt, sie wären gegen vier Uhr hier.

Ich schaute hinaus auf die Straße vor dem Krankenhaus, beobachtete all die Kranken die mit ihrem Besuch einen Spaziergang an der frischen Luft machten und sich über ein wenig Abwechslung freuten. Kinder die herumtobten, da es drinnen zu langweilig war und sie leise sein mussten, ließen draußen all ihre überschüssige Energie heraus. Menschen die weinten, weil sie ihre Gefühle und Ängste drinnen nicht zeigen wollten. Es war spannend und so ergreifend den einzelnen Schicksalen zuzusehen.

Plötzlich klingelte mein Telefon und ich kramte es aus meiner Tasche heraus.

>> Na du?<<

>> Es tut so gut mal wieder deine Stimme zu hören. Ich vermisse dich so sehr Sarah!<<

>> Ich dich auch. Wie geht es mit Shanghai voran? Kannst du morgen nach Hause?<<

>> Ich denke schon. Bisher sieht alles gut aus. Wie geht es deinem Bruder?<<

>> Unverändert. Er ist stabil, aber immer noch kritisch, weil er auch noch nicht aufgewacht ist.<<

>> Er wird es schaffen.<<

>> Nur wann...<< seufzte ich und schloss kurz die Augen.

>> Sein Körper muss sich erst erhol....<<

>> Na, wen haben wir denn da?<<

Die Stimme, die hinter meinem Rücken erklang, ließ mich zusammenfahren und sorgte dafür, dass mein Puls sich stark beschleunigte. Langsam ließ ich das Telefon sinken und hörte Ethan nicht weiter zu. Krampfhaft schloss ich die Augen, in der Hoffnung, dass es nicht wahr wäre, wenn ich nichts sah. Bevor ich mich langsam umdrehte, weil ich es einfach nicht wahrhaben wollte.

>> Wenn das nicht meine verlorene Tochter ist.<<

Sie grinste mich so widerlich und herablassend an, dass mir kalt und schlecht wurde. Sie hatte sich kaum verändert, außer, dass sie älter und noch dicker geworden war. Sie war auch jetzt noch einen ganzen Kopf größer als ich und wog bestimmt an die 140 bis 150 Kilogramm. Ihre grauen Haare waren ausgefranst, kaputt und fettig, etwas, dass ich überhaupt nicht mochte. Die Haut in ihrem Gesicht war stark gerötet, unrein und von kleinen Äderchen durchzogen, da sie jahrelang getrunken hatte und auch ihre Kleidung war abgetragen und verschmutzt. Zudem fehlten ihr einige Zähne, wobei die übriggebliebenen stark verfärbt, verfault und vollkommen kaputt waren.

>> Carolin.<< nickte ich in ihre Richtung. Ich versuchte so stark und ungerührt wie möglich zu erscheinen, allerdings wusste ich nicht, ob es funktionierte, da sie mich immer noch enorm einschüchterte. Meine Hand krampfte sich um das Telefon in meiner Hand, wo Ethan hoffentlich aufgelegt hatte.

>> Oh, du nennst mich also nicht mehr Mama?<<

>> Du warst nie meine Mutter und wirst es nie sein.<<

>> Das glaube ich kaum, immerhin habe ich dich widerliches Ding ja auf die Welt gebracht.<<

Und da war es wieder. Die Demütigungen begannen. Ich wusste, dass sie zu mir nicht freundlich sein konnte.

>> Das war auch das Einzige, was du gutes für mich getan hast.<<

>> Du bist immer noch so undankbar wie früher.<<

Ich schluckte meine Gefühle herunter, wobei das nicht einfach war, wenn einen die Vergangenheit auf so heftige Weise einholte.

>> Wenn du Sascha sehen willst, dann geh doch einfach rein und lass mich in Ruhe.<<

>> Da war ich schon. Ich wünschte du lägst dort an seiner Stelle. Genau wie ich damals gehofft hatte, du wärst an Marcos Stelle gestorben.<<

Es tat weh, auch wenn ich es nicht wollte. Aber, dass die eigene Mutter einem den Tod wünschte, war zu viel des Guten.

>> Da hast du nichts dazu zu sagen, oder? Wie lebt es sich denn mit der Schuld den eigenen Vater umgebracht zu haben?<<

>> Ich trage keine Schuld, er war krank.<<

>> Redest du dir das immer noch ein?<<

Sie kam nun mehrere Schritte auf mich zu, bis sie etwa einen halben Meter vor mir stehen blieb, wobei ich ihr nicht ausweichen konnte, da hinter mir die Fensterfront war.

>> Du hast ihn umgebracht Sarah und das obwohl er dich so sehr geliebt hat, du bist so ein undankbares Pack. Er hat nie verstanden, wie du wirklich warst. So aufmüpfig, unordentlich, hinterhältig, gemein, schäbig und widerlich. Auch dieser Julian hat es nicht verstanden, zunächst jedenfalls nicht, aber am Ende hat er die Kurve bekommen, nicht wahr? Hat gemerkt, dass du nicht gut genug bist.<<

>> Ich höre mir diesen Quatsch nicht mehr länger an.<<

Ich wollte gerade seitlich an ihr vorbeigehen, als sie mich zurückhielt und wieder in meine Ecke drängte. Ich kam mir so schwach und dumm vor. Ich war inzwischen 31 und keine 10 mehr, aber dennoch schaffte ich es nicht, mich gegen sie zu wehren.

>> Du bleibst hier, ich bin noch nicht fertig mit dir. Du hast mein Leben zerstört. Bist einfach abgehauen, obwohl ich dich gebraucht hätte. Es ging mir schlecht, weil du meinen geliebten Mann umgebracht hast und dann lässt du mich einfach so im Stich? Deine eigene Mutter, der du alles zu verdanken hast? Ich hätte dich wirklich die Treppe hinunterwerfen sollen oder besser noch verkaufen sollen, dann wärst du wenigstens zu etwas gut gewesen.<<

>> Damit du noch mehr Alkohol hättest kaufen und versaufen können?<<

Mit dieser Bemerkung riss ich mich von ihr los und versuchte an ihr vorbeizugehen, als mich auch schon ihre Faust an meiner linken Wange mit aller Härte traf. Ich stolperte über ihren Fuß und knallte mit meinem rechten Augenbraue auf die Ecke vom Tisch im Aufenthaltsraum auf. Das Telefon flog mir aus der Hand, während ich schmerzerfüllte Laute von mir gab.

>> Den brauchte ich nur, um dich zu ertragen, weil du nüchtern so hässlich und ekelerregend bist.<< schrie sie mich an, während ich mir das Auge zuhielt.

>> Na dann sollte ich mich vielleicht auch mal bei dir betrinken.<<

Es war das erste Mal seit 31 Jahren, dass ich den Mut hatte ihr Contra zu geben und auch wenn ich das mit weiteren, heftigen Fußtritten auf meinen Körper einbüßte, war es mir das Wert, da ihr Blick bei meinen Worten Gold wert war.

>> Du widerliches kleines Drecksstück, du Hure.<<

>> Wie die Mutter so die Tochter.<< presste ich schmerzerfüllt hervor, während ich mich vor Schmerzen krümmte.

>> Hey!<<

Zwei Männer rissen sie von mir herunter, wobei ich nicht mehr viel sehen konnte, da mir das Blut aus der Wunde am Tisch ins Auge lief und ich langsam das Bewusstsein verlor.

>> Sarah?<<

>> Mhm.<<

>> Öffne die Augen.<<

Ich versuchte es, wobei ein Schmerz durch mein Gesicht fuhr, der mehr als unangenehm war. Ich erinnerte mich an die Schläge meiner Mutter und daran, wie ich gestern schon kurz aufgewacht war und in ein Zimmer zur Beobachtung für die Nacht gebracht worden war.

Ich schaute zur Seite und sah Sebastian neben mir, der besorgt auf mein Gesicht starrte.

>> Wie geht’s dir?<<

>> Tut ein bisschen weh, aber das geht schon.<<

>> Die Polizei ist da und möchte gerne mit dir reden.<<

>> Wieso?<<

>> Naja, weil unsere Mutter dich gestern angegriffen hat und wir sie nur schwer von dir wegbekommen haben?<<

>> Hast du ihnen das erzählt?<<

>> Natürlich.<<

Verdammt, ich wollte sie nicht anzeigen, wollte nicht noch einmal etwas mit ihr zu tun haben. Ich wollte einfach nur meine Ruhe vor ihr haben, wem nützte es, wenn ich sie anzeigte? Dann bekam sie eine Geldstrafe und das war es. Das brachte rein gar nichts.

>> Wie geht es Sascha?<<

>> Unverändert. Also, dann hole ich die Polizisten mal herein.<<

Ich setzte mich im Bett weiter auf, wobei ich meine Rippen nur leicht spürte. Ich musste bei dem Gedanken lächeln, dass sie schon mal härter zuschlagen und zutreten konnte und dass sie sicher nicht zufrieden mit ihrer Leistung war und schon gar nicht, wie ich ihr Contra gegeben hatte, was sie bisher noch nie von mir gekannt hatte.

>> Frau della Rossa?<<

>> Ja.<<

>> Wie geht es Ihnen?<<

>> Mit ein paar Schmerztabletten sicherlich ganz gut.<<

Er lächelte aufmunternd, bevor er seinen Notizzettel hob.

>> Ich würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen, wenn Sie schon so weit sind.<<

>> Ich möchte sie nicht anzeigen.<<

>> Wie bitte?<<

>> Ich möchte und ich werde sie nicht anzeigen.<<

>> Überlegen Sie sich das bitte noch mal ganz genau, immerhin war das eine erhebliche Körperverletzung.<<

>> Mein Entschluss steht fest.<<

>> Sie wissen aber, dass...<<

>> Bitte lassen Sie es. Ich werde sie definitiv nicht anzeigen. Sie ist meine Mutter und das bringt eh nichts. In ein paar Tagen bin ich wieder in Australien und dann kann sie mir eh nichts mehr anhaben. Also wozu der Stress?<<

>> Sind Sie sich ganz sicher?<<

>> Das bin ich.<<

Er nickte ungläubig, als ob er gerade ein neues Weltwunder entdeck hätte, während sein Kollege schon zur Tür ging.

>> Falls Sie es sich doch noch anders überlegen Frau della Rossa. Hier ist meine Nummer.<<

>> Danke.<<

Als die Männer verschwunden waren, stand ich auf und zog meine Sachen wieder an, die auf dem Stuhl neben meinem Bett lagen.

Als ich in den Spiegel sah, erschrak ich kurz bei meinem Anblick. Meine rechte Augenbraue war genäht worden und nun mit Pflasterstrips gehalten, während mein linkes Auge blau unterlaufen war, was sich bis zur Augenbraue hochzog. Immerhin war nichts stark geschwollen. Als ich mein Shirt hob, sah ich auch die blauen Flecken an meinem Brustkorb. Die ganze linke Seite, die zu ihr gezeigt hatte, war bedeckt davon. Schnell zog ich das Top wieder herunter und machte mich frisch.

Als ich endlich aus dem Bad kam, standen schon Simon und Sebastian wütend vor mir.

>> Das ist nicht dein Ernst, oder?<<

>> Das ich aufgestanden bin? Ich dachte das dürfte ich.<<

>> Nein, dass du sie nicht anzeigst.<<

>> Ihr wisst doch, wie das läuft. Es macht jede Menge Arbeit und am Ende kommt da nichts bei heraus. Ich will das einfach vergessen. Was bringt es mir, wenn sie eine Geldstrafe bekommt, ich aber dafür wieder an all die Dinge aus meiner Kindheit erinnert werde? Ich möchte es einfach nicht. Wenn Sascha wieder aufgewacht ist und es ihm besser geht, werde ich zurück nach Brisbane gehen und sehe sie nie wieder.<<

>> Aber...<<

>> Simon bitte.<<

Die Tür ging auf und ein Pfleger schaute kurz herein.

>> Sind Sie die della Rossas?<<

>> Ja.<<

>> Ihr Bruder ist aufgewacht.<<

Sofort stürmten wir zur Intensivstation und zogen uns in Rekordgeschwindigkeit um. Durch den Mundschutz und die Haube für die Haare, konnte ich meine Blessuren relativ gut verstecken, was mich ungemein erleichterte.

Eine Schwester führte uns zu seinem Zimmer und ermahnte uns nur ganz leise zu sprechen, ihn nicht unter Stress zu setzen und nicht länger als fünf Minuten zu bleiben, da er immer noch viel Ruhe brauchte.

Wir verteilten uns um sein Bett, wobei ich am weitesten von ihm entfernt stehen blieb, falls man doch etwas von den blauen Flecken sehen konnte.

>> Hi Sascha.<< begrüßte ihn Simon vorsichtig.

>> Hey.<<

>> Endlich bist du wieder da, du hast uns einen riesigen Schrecken eingejagt.<<

>> Sorry.<<

>> Wie geht’s dir denn?<<

>> Bescheiden.<<

Wir lachten leise, weil er sich trotz dieses gewaltigen Unfalls immer noch so um seine korrekte Sprache bemühte. Er schaute sich ein wenig im Raum um und erblickte zuerst Sebastian an und dann mich.

>> Hi Seb.<<

>> Hi Großer.<<

>> Und wer ist diese schöne Frau da hinten, die sich so versteckt?<< krächzte er ein wenig undeutlich, da ihn das Sprechen noch ein wenig anstrengte.

>> Hi Großer. Hier ist die Flüchtige aus Australien.<<

Er versuchte ein wenig zu Lächeln. Ich trat ein wenig näher, um seine Hand zu drücken und ihm näher zu sein.

>> Sarah Liebes.<<

>> Schön, dass du wieder da bist.<<

>> Einer muss ja auf dich aufpassen.<<

Kurz stockte mir der Atem, bis mir bewusst wurde, dass er nichts wissen konnte. Auch den anderen beiden war nicht entgangen, wie Recht er eigentlich hatte.

>> Bist du nur wegen mir hergekommen?<<

>> Für dich fliege ich überall hin, das solltest du wissen.<<

>> Und deine Arbeit?<<

>> Die muss warten. Du bist mir wichtiger.<<

>> Sie hat die letzten Tage hier im Krankenhaus auf einer Besucherbank geschlafen, weil wir sie nicht von dir wegbekommen haben.<< mischte sich Sebastian ein, während Sascha vorsichtig lächelte.

>> Du bist verrückt.<<

>> Mhm. Ich liebe dich viel zu sehr, als dass ich irgendwo Däumchen drehen könnte.<<

>> Sie müssen jetzt leider wieder gehen, er muss sich ausruhen.<< unterbrach uns eine Schwester, die hereinkam und einige Monitore überprüfte.

>> Dann schlaf gut, wir kommen heute Abend noch einmal wieder.<<

>> Ist gut.<<

Als wir über den Flur der Intensiv gingen, öffneten sich kurz die Türen nach draußen, wo ich Ethan erblickte. Abrupt blieb ich stehen und starrte ihn gefühlte fünf Minuten an, bevor sich die Türen wieder schlossen.

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9783738018608
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