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Das Buch

Bezaubernde Nymphen, schlechtgelaunte Feen, charmante Elfen, eigensinnige Riesen – Naturwesen sind uns Menschen in vielem gar nicht unähnlich. Sie haben Vorlieben und Abneigungen, verlieben sich, gründen Familie ... Mitunter erzählen sie auch gerne, sind weise (oder weniger weise), es gibt „Rebellen“ unter ihnen und auch einige, die zu sich selbst gefunden haben.

Von ihrem Leben und ihren Erlebnissen lässt die Autorin die Naturwesen in diesem Buch erzählen, von ihrem wundersamen Kosmos der Bilder und Farben – und davon, wie wir mit ihnen in Kontakt treten können ...

Die Autorin

Sonja Spitteler, Jahrgang 1989, begleiten die Naturwesen seit ihrer Kindheit, sie sind ihr Lehrer, Freunde und Wegbegleiter. Sie absolvierte eine Buchhändlerlehre (die ihrer Leidenschaft für das Schreiben geschuldet war) und ließ sich dann zur Physiotherapeutin ausbilden. Seit 2013 arbeitet sie in eigener Praxis.

Sonja Spitteler lebt in Füllinsdorf in der Schweiz. „Als der Efeu sich verliebte“ ist ihr Erstlingswerk.

Sonja Spitteler

Als der Efeu sich verliebte

Vom Zauber der Naturwesen


Inhaltsverzeichnis

Umschlag

Das Buch / Die Autorin

Titel

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Einleitung

Die Geschichte von Eia

Wer sind die Naturwesen?

Die Heimat der Naturwesen

Die Aufgaben der Naturwesen – Gespräch mit einem Tannengeist

Zeitgefüge

ERZÄHLUNGEN UND BERICHTE VON NATURWESEN

ERDE

Unter und über Tage bei Zwergen, Riesen und beim Efeu

Der Steinriese, der seine Aufgabe nicht mochte

Hunkapunka erzählt eine Geschichte

Als der Efeu sich verliebte

LUFT

Von sanften Feen und wilden Sturmgeistern

Wenn der Da`ada schlafen geht

Wenn zwei Winde sich treffen

Das Geschenk der Schmetterlinge

Wie man einen Windgeist fängt

WASSER

Auf Tauchgang mit Nymphen und Wasserleuten

Die Nymphe, die das Wasser fürchtete

Die weinende Wasserelfe

Vom Leben eines Meermannes

Ein Regentropfen auf Reisen

FEUER

Von wilden Feuergeistern und mächtigen Drachen

Das Feuer im Menschen

Wenn Feuer und Holz sich verlieben

Osrik, der Drache und die Kraftlinien

Das wertvollste Geschenk auf Erden

ÄTHER

Vom Anfang, vom Ende und wenn der Kreis sich schließt

Vom Leben im Leben – flüchtige Gedanken

ZWEI AUSSERGEWÖHNLICHE FREUNDE

DuDuon, der Wanderriese erzählt

Himmel im Kopf

Reise zu Mutter Erde

Leben in der Einheit

Ein Ausflug in Pans Reich

Das Geschenk des Pans

Die kleine Waldgöttin

Ein Gespräch mit Pan

DIE ZAHLREICHEN GESICHTER DER NATURWESEN

Die Anwesenheit von Naturwesen erkennen

In Kontakt sein

Aussprache einiger Namen

Impressum




Dieses Buch ist MUTTER ERDE gewidmet.


In Dankbarkeit und Liebe.

Einleitung

Naturwesen sind fasziniert von schönen Erlebnissen und Geschichten. Eine Leidenschaft, die ich mit ihnen teile. Beides war der Anstoß, ihre Erzählungen aufzuschreiben. Über ihre Gruppierungen und Aufgaben gibt es schon einiges zu lesen. Hier hingegen geht es um ihre Kultur, ihre Lebensphilosophie. So wurde aus diesem Werk auch ein sehr persönliches Buch, um die Individualität der einzelnen Wesen.

Wenn Naturwesen erzählen, tun sie dies mit mehr als mit „bloßen“ Worten. Eine Vielzahl von Bildern, Farben, Gerüchen und Gefühlen bestimmen dabei den Handlungsablauf. Die Worte dienen dann höchstens der Untermalung von wichtigen Dingen. In diesem Fall fiel es mir zu, ihre Informationen in passende Sätze zu kleiden.

Während des Schreibens haben mir die Naturwesen selbstverständlich über die Schulter geblickt und die Arbeit fleißig kommentiert. Waren sie mit einer Passage nicht einverstanden, musste diese abgeändert werden.

Schnell merkt man, dass die Naturgeister gerne Abläufe und bereits Gesagtes wiederholen. Damit wollen sie die Wichtigkeit gewisser Dinge hervorheben. Es liegt aber auch in ihrer Natur, ein wenig so, wie ein Baum immer nach oben wachsen möchte.

Wer also ihre Erlebnisse liest oder zu hört, fühlt sich an unsere Geschichten aus Kindertagen erinnert. Bei den Naturwesen sind fast alles, was sie sagen, Weisheiten des Lebens. Dennoch gibt es einen bedeutenden Unterschied zwischen ihren und unseren Ansichten. Die Berichte der Naturwesen sind durchzogen von einer Verbundenheit mit der Natur, welche in unserer Kultur leider verlorenen gegangen ist. Ihre Ansichten mögen bisweilen etwas naiv und sprunghaft wirken, aber gerade um diese Einstellung, beneide ich sie. In ihrer Welt gibt es kein Beurteilen anderer Wesen. Und niemals stellen sie in Frage, dass sie ein Teil des Ganzen sind. Wie eine Blume des Lebens oder eine Spirale sehen sie ihren Platz im großen Gefüge. Die Aussage „die Welt mit Kinderaugen betrachten“ wird einem bei ihnen wieder deutlich bewusst. Das Innere Kind zum Leben zu erwecken muss nicht heißen, wieder anzufangen mit Puppen zu spielen oder mit Legosteinen. Vielmehr wird die Neugierde und Bereitschaft in jedem Mensch angesprochen, Dinge sehen und erfahren zu wollen, die jenseits der Vorstellungskraft liegen.

Bevor wir also unser Abenteuer in ihr „märchenhaftes Nachbarland“ antreten, bitte ich Sie, liebe Leser darum, das das Buch in der vorhandenen Reihenfolge zu lesen (jedenfalls das erste Mal). Es hat seinen Grund, weshalb die Elemente in eben dieser Abfolge aufgeführt sind und auch, warum erst anschließend zwei Wesenheiten ausführlicher zu Wort kommen. Jedes Element hat gewisse Eigenschaften und einige Aussagen beruhen auf der Tatsache, dass vorherige Kapitel schon gelesen wurden. Vielleicht fallen Ihnen so auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Wesenheiten deutlicher auf.

Behalten Sie bitte im Hinterkopf, dass sämtliche Beschreibungen und Aussagen auf meinen persönlichen Erlebnissen beruhen und nicht für jeden Zutreffend sein müssen!

Begleiten Sie mich nun durch die erfrischende und bunte Welt der Naturwesen. Und lassen Sie ihre Erzählungen einmal als das stehen, was sie sind – eine Reise in eine „fremde“ Welt...

Die Geschichte von Eia

Es wird gesagt, dass Eia die erste Tochter der Elemente ist. Es wird auch gesagt, dass Eia aus Feuer, Wasser, Erde und Luft geboren wurde und nun im Äther lebt. Auch wird gesagt, dass Eia das schönste Wesen weit und breit gewesen sei. Ihre Güte und Liebe zu Allem was wächst, war bis tief in den Äther hinein bekannt. Die Elemente gaben ihrer liebreizenden Tochter den Namen Eia, zu Ehren ihrer Mutter Erde, Gaia.

Die hübsche Eia war zudem eine gute Freundin von Mutter Erde und in jenen fernen Tagen war es oft üblich, dass sie zusammen spazieren gingen. Damals hatte es noch nicht dieselbe Vielfalt an Leben auf der Erde gegeben. Abgesehen von den Elementen, Eia und einigen ersten Pflanzen und Steinen war der Rest eher kahl. Dennoch soll es eine schöne Zeit gewesen sein – so berichten es jedenfalls die vier Elemente.

Mutter Erde liebte ihre Freundin und Tochter über alles. Sie liebte aber auch die Elemente und die kleinen Pflanzen und bunten Steine. Und eines Tages konnte sie nicht mehr untätig zusehen. Die Tochter der Elemente war zu schön. Zu bezaubernd, um in der materiellen Welt leben zu können, denn sobald sie irgendwo vorbei ging, hielt alles seinen Atem an. Hingerissen von Eias Makellosigkeit vergaßen die Pflanzen zu wachsen, die Steine rollten wild umher, das Wasser staute sich und alles kam zum Stillstand.

Lange zauderte Mutter Erde Eia davon zu erzählen. Die schöne Eia war zutiefst erschüttert, und auch wenn es sie sehr traurig machte, so erkannte sie doch die Wahrheit dahinter.

Es wird erzählt, dass Eia danach die grobstoffliche Welt verließ und in den Äther zog, aus dem alles stammt. So wie einst ihre Eltern, die vier Elemente, aus dem Äther geboren waren, so ging sie dahin zurück. Vom Äther wurde sie mit offenen Armen empfangen, denn lange schon hatte dieser sie beobachtet und sich in die reizende Eia verliebt. Anfangs ignorierte Eia sein Werben. Ihr Herz schlug noch immer unten, auf Mutter Erde, und sie wäre lieber dorthin zurückgekehrt. So aber wechselten sich Sonne und Mond unzählige Male ab und Eia lernte den Äther näher kennen, bis sie eines Tages feststellte, dass auch sie sich in den Äther verliebt hatte. Kurz darauf heirateten beide und es wurde ein wundervolles, rauschendes Fest.

Selbst Mutter Erde verließ ihre Wohnstatt für diese Zeit und freute sich, ihre liebste Freundin und Tochter so glücklich vorzufinden. Dennoch war ihr Wiedersehen mit Trauer verbunden. Sobald ihre Mutter den Äther wieder verlassen hatte, wurde Eia bewusst, wie sehr sie das Leben auf der Erde noch immer vermisste. In ihrer jetzigen Form aber konnte sie nicht mehr zurück. Sie hatte sich entschieden, zum Wohl der Erdbewohner fortzugehen und hatte dafür ihren physischen Körper aufgeben müssen. Aber auch Mutter Erde war betrübt, denn mit Eia hatte sie eine wahre Freundin verloren.

Fortan lebte die schöne Eia hin- und hergerissen zwischen ihrer Freude am neuen Leben und der Trauer um den Verlust der einstigen Tage. Ihr Gemahl tat sein Möglichstes, um sie von ihren Sorgen abzulenken und doch weinte Eia viel.

Eines Tages aber geschah etwas, was Eias, Mutter Erdes und das Leben des Äthers stark veränderte. Eia wurde schwanger und die Kinder, welche sie gebar, waren die ersten Naturwesen. Es waren dies ganz besondere Wesen, zart und flüchtig wie der Äther, aber auch stark und fest wie die Elemente. In ihnen vermischten sich alle Dinge und ermöglichten es den Naturwesen, innerhalb der Welten wechseln zu können. Denn anders als ihre Mutter waren die Kinder nicht mehr an den Äther gebunden und konnten in den Zwischenbereich (die Astralwelt) steigen.

Als die Naturwesen dies taten, verliebten sie sich augenblicklich in die Wunder von Mutter Erde - ein edles und blühendes Geschöpf mit diesem Reichtum an Leben und Farben. So beschlossen die Naturwesen fortan, hier zu bleiben und Mutter Erde zu helfen, ihren Garten zu pflegen. Nicht nur Gaia war darüber sehr glücklich und froh, emsige Helfer zu haben, sondern auch Eia. Denn nun konnte sie durch die Augen ihrer Kinder die Erde fast wieder so sehen, wie in alten Tagen, als sie auf ihr gewandelt war.

Es wird gesagt, dass die Naturwesen die Kinder von Eia und dem Äther sind. Auch wird gesagt, dass die Naturwesen die Kinder von Mutter Erde sind. Beides ist richtig, denn Eia wurde aus den vier Kindern von Mutter Erde geboren. Also sind die Naturwesen wirklich die Kinder von Mutter Erde, dem Äther und den Elementen, welche sie noch heute bewohnen. So gab sich am Ende alles die Hand und die Spirale konnte weiter wachsen...“

Wer sind die Naturwesen?

Das Wissen um die Naturwesen ist tief in der menschlichen Kultur verankert. Rund um den Globus tauchen sie in Märchen, Sagen und Legenden auf; all die Feen und Elfen, Zwerge und Kobolde, Riesen und Dämonen, „einfache“ Geister, Meerjungfrauen und Flaschengeister... Wohl tragen sie unterschiedliche Namen und werden den Regionen entsprechend beschrieben, aber ihr Wesen und ihre Charakteren ähneln sich stark. Sie können freundliche Wegbegleiter, hilfreiche Lehrer, listige Gefährten, irreführende Witzbolde und manchmal auch etwas finstere Gesellen sein.

Ob diese Wesen nun einer blühenden Fantasie oder der Wirklichkeit entspringen, sei für jeden selbst zu entscheiden. Die Auffälligkeiten aber, mit denen diese sogenannten Sagengestalten sich gleichen, lassen sich nicht leugnen. Irgendwoher müssen alle diese Vorstellungen stammen und wenn nicht von den Naturwesen direkt, woher dann?

Wollen wir nun aber erklären, wer die Naturwesen eigentlich sind, stehen wir vor einem Hindernis. Diese Frage ist in Worten fast nicht zu beantworten, denn wie alte Überlieferungen besagen, sind diese Wesen (oftmals) nicht sichtbar, geschweige denn greifbar. So wollen wir erst einmal zu verstehen versuchen, „wie“ ihre Welt aufgebaut ist.

Die nachfolgenden Erklärungen beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und Mitteilungen der Naturwesen. Es ist wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass jeder Mensch diese Dinge anders wahrnehmen kann und meine Beschreibung nur eine von vielen ist. Zum besseren Verständnis kann man sich die verschiedenen Welten auch pyramidenförmig vorstellen – stoffliche Welt, feinstoffliche Welt, Ätherwelt.

Unsere Welt, wie wir sie kennen, besteht nicht nur aus der grobstofflichen Materie, in der wir Menschen leben. Als Mensch brauchen wir Dinge, die wir aufnehmen und anfassen können, wenn wir überleben wollen. Dabei handelt es sich um Stoffe wie Nahrung, Flüssigkeit oder auch der Boden unter unseren Füßen. Wir bewohnen also die grobstoffliche Materie oder die sichtbare Welt. Hier möchte ich nun nicht weiter verweilen, denn es ist nicht die Ebene, in welcher die Naturgeister tätig sind. Die Auswirkungen der Naturwesen sind zwar auf unserer stofflichen Ebene deutlich sichtbar, dennoch bewohnen sie selbst eine andere Sphäre.

Neben unserer grobstofflichen Ebene gibt es aber noch eine feinstoffliche oder unsichtbare Sphäre. Und wie bei fast allem gibt es auch in der feinstofflichen Welt endlose Abstufungen oder Ebenen, mit denen wir uns hier nicht länger aufhalten wollen. Wichtig für uns und die Naturwesen sind zwei Welten; nämlich die Ätherwelt und die Astralwelt. Es sind Ebenen der Sinne und Gefühle, man könnte sie auch als Seelenebenen betrachten.

Die Naturwesen selbst bewohnen primär die Astralwelt. Dennoch möchte ich erst kurz auf die Ätherwelt zu sprechen kommen.

Die Ätherwelt (siehe auch Kapitel: „Äther“) ist der Ursprung allen Lebens, also auch der Naturwesen wie auch der Menschen, Tiere und Pflanzen. Von dieser Ebene aus werden sämtliche Abläufe koordiniert, gesteuert und entworfen. Für die Naturwesen ist diese Ebene, welche alles Leben durchdringt, so real wie für uns ein Baum oder ein Stein. Für uns Menschen allerdings ist die Ätherwelt „weiter“ entfernt als die Astralwelt. Um also in der Ätherwelt „wandern“ zu können, bedarf es für einen Menschen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Höheren Selbst, also der eigenen Seele.

Die Astralwelt „liegt“ so gesehen näher an der grobstofflichen Materie und demnach auch „unter“ der Ätherwelt. So ist es für uns Menschen in der Regel einfacher, die Astralwelt zu erkennen, als die Ätherwelt.

Aus menschlicher Sicht befindet sich die Astralwelt direkt „nebenan“. Am einfachsten stellt man sich vor, sie würde sich hinter einer Glasscheibe befinden. Diese Scheibe ist je nach Mensch anders beschaffen: sie kann schmutzig und schalldicht sein, verschwommen oder zerkratzt, oder aber auch mehr eine Art Vorhang, der willentlich zur Seite geschoben werden kann. Es kommt also auf den Zustand dieser Trennscheibe an, ob ein Mensch mit den Naturwesen in Kontakt treten kann und will (siehe im späteren Kapitel: „Die zahlreichen Gesichter der Naturwesen“ ausführlicher erklärt).

Nun möchte ich noch erklären, wieso ich das Wort „Naturwesen“ benutze. Vielerorts werden diese Wesens als Naturgeister oder Elementarwesen beschrieben. Ich habe der Einfachheit halber den Oberbegriff Naturwesen gewählt. Dies umfasst somit sämtliche Naturgeister, Elementarwesen und sonstige Wesen, welche Mutter Erde bevölkern. Schließlich kann man den Pan oder einen Drachen wohl schwer als „Geist“ bezeichnen. Dennoch werden sich einige der Wesen wie Feen und Elfen als Naturgeister vorstellen, weil sie eben genau dies sind.

Die Heimat der Naturwesen

Somit hätten wir geklärt, dass die Naturwesen in der Astralwelt zu Hause sind. Aber auch andere Wesen tummeln sich hier. Sehr oft sind hier auch die Schutzengel anzutreffen, denn von dieser Sphäre aus ist es leichter für sie, mit Menschen in Kontakt zu treten, als von der Ätherwelt aus.

Auch Verstorbene, die teilweise noch hier „verweilen“, können sich über die Astralwelt melden. So können Jenseitskontakte entstehen. Natürlich gibt es hierzu viele Theorien und wie bei fast allen Dingen kann es von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Abgesehen davon gibt es auch einige „Gastbewohner“, die für die Dauer ihrer Aufgaben in der Astralwelt verweilen können; wie z. B. Drachen, Einhörner, Phönixe, aufgestiegene Meister, Naturwesen anderer Kasten oder auch Bewohner der Ätherwelt.

In der Astralwelt selbst gibt es nochmals unzählige Unterteilungen und Richtungen, über die wir uns aber keine Gedanken machen müssen. Manchmal verursachen sogar die Naturwesen ein Durcheinander und „springen“ durch eine falsche Tür. Dies führt dann dazu, dass sie gelegentlich in der grobstofflichen Welt landen und von den Menschen sogar mit bloßem Auge gesehen werden können. Für die Naturwesen ist das nicht sonderlich angenehm, da ihre feinen Körper zu leicht für unsere schwere Welt sind.


Wir wissen jetzt, dass die Naturwesen nicht aus demselben Material wie wir Menschen bestehen. Ihre Struktur ist ähnlich die der Luft, die wir zwar einatmen, aber nicht greifen oder sehen können. Deshalb sind die Naturwesen aber keinesfalls zu unterschätzen, denn auch die Luft kann gewaltige Stürme hervorrufen. Wenn die Naturwesen es wollen, können sie sich grobstofflich bewusst bemerkbar machen. Sei dies Mithilfe von Berührungen, Geräuschen, Bildern oder Gerüchen (siehe auch Kapitel: „Die zahlreichen Gesichter der Naturwesen“).

Bevor wir uns nun den Aufgaben der Naturwesen zuwenden, muss noch gesagt werden, dass diese Welten nicht in Worten beschrieben werden können. Niemand kann sagen, wie sie genau aussehen oder woraus sie wirklich bestehen. Wie unsere Welt sind auch diese Sphären einem beständigen Wandel unterworfen, nur dass es in der Astralwelt und Ätherwelt um einiges schneller geht. In der grobstofflichen Welt geschehen die Veränderungen schleichend, so wie Pflanzen wachsen. Hierbei können wir Menschen eine Menge von den Naturwesen lernen, denn sie wollen und können gar nicht immer alles wissen. Es ist für sie ein leichtes zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die keine Seele, kein Geist jemals wirklich erfassen kann. Und gerade dank dieser Einstellung kennen sie Details, die unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Die Aufgaben der Naturwesen – Gespräch mit einem Tannengeist

Unter den Aufgaben der Naturwesen verstehen wir hier ihr Wirken, ihre Arbeit, ihre Denkweise und ihr Leben im Allgemeinen. Ihr ganzes Sein richtet sich nach ihrer persönlichen Lebensaufgabe. Die Naturwesen sind ihre Lebensaufgaben! So verwundert es nicht, wenn ihre Erzählungen und Berichte von dieser Einstellung stark geprägt sind.

Während wir Menschen nur während einer gewissen Zeitspanne arbeiten und nebenbei noch ein Privatleben führen, kennen die Naturwesen diese Unterteilung nicht. Für sie ist ihre Aufgabe Leben, Freude, Liebe und Seinszustand zugleich. Wir Menschen müssen verstehen, dass für die Naturwesen ihre Aufgabe „über allem“ steht. Sie ist der Grund ihrer Existenz, ihr Ansporn, ihr Lebensinhalt. Es durchdringt ihr ganzes Denken, Fühlen und Handeln. Es ist für sie selbstverständlich, dass jedes Wesen in ein ganz bestimmtes Handwerk „hineingeboren“ wird. Durch diesen Unterschied zum menschlichen Leben erscheinen einem gewisse Abläufe in den Geschichten der Naturwesen als fragwürdig oder sehr einfach und fast so, als hätten die Wesen gar keine andere Wahl. Zum Glück ist dies nicht der Fall. Die Naturwesen haben sehr wohl eine Wahl, was auch schön in der ersten Geschichte („Der Steinriese, der seine Aufgabe nicht mochte“) erklärt wird.

Meiner Meinung nach ist dies einer der größten Unterschiede, zwischen den Naturwesen und uns Menschen, abgesehen davon, dass sie keine festen Körper besitzen. Die Naturwesen kennen ihren Platz auf dieser Welt. Sie wissen um ihre Aufgaben und folglich auch um ihre Stärken und Schwächen. Auch sind ihnen die Regeln von Mutter Erde bekannt. Es sind dies weniger Gesetze, wie wir Menschen sie haben, sondern viel mehr Richtlinien, die einen großen Spielraum für individuelle Anpassungen lassen. So wächst ein Baum immer nach oben, aber niemand schreibt ihm dabei vor, dass er dies geradlinig tun muss. Es steht ihm frei krumm, verknotet, gegabelt oder wie auch immer er es möchte, gegen den Himmel zu gedeihen.

Und hier kommen auch die Naturwesen ins Spiel. Sie sind unter anderem auf der Erde, um den Pflanzen und Bäumen beim Wachsen zu helfen, sie gesund zu halten und den einzelnen Wurzeln den Weg zum Wasser zu erleichtern. Dazu braucht es natürlich auch all die Zwerge und Kobolde, welche emsig ihre Tunnel graben und so den Erdboden auflockern. Dank dieser Auflockerung fällt es auch den Wassergeistern leichter, zu den einzelnen Wurzeln der Bäume und der Pflanzen zu gelangen. Und so geht es endlos weiter. Ein Wesen reicht dem Anderen seine Hand und sie erschaffen so einen eigenen Zyklus, wie eine Spirale, welche unaufhörlich wächst und sich ausdehnt. Die Perfektion ist ihr Ansporn. Deshalb sind die Übergänge der einzelnen Aufgaben durch die verschiedenen Naturwesen fließend, sodass sie oft nicht mehr wahrgenommen werden.

Es wäre verheerend, wenn die Naturwesen plötzlich ihre Aufgaben niederlegen würden. Wer kümmert sich dann um die frische Luft, um das Wachsen der Pflanzen, darum, dass das Wasser sauber fließen kann und die scheinbar stummen Dinge beseelt werden? Wer würde dann den Tieren helfen, für sie sorgen und über ihre Sicherheit wachen?

Würde man sämtliche Aufgaben der Naturwesen aufzählen wollen, stieße man schnell an seine Grenzen, denn es gibt deren mehr an ihrer Zahl als wir Zahlen selbst kennen. Und jedes einzelne Wesen von ihnen ist wichtig. Jedes Einzelne von ihnen ist einzigartig.

Der Geist einer alten Tanne hat sich bereit erklärt und berichtet uns nun in seinen eigenen Worten ein wenig aus seinem Alltagsleben. Tannengeister sind stark auf ihr eignes Ökosystem konzentriert und so ist es auch schwieriger, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Über ihre spirituellen Aufgaben erzählen sie meist sehr wenig bis gar nichts. Dennoch haben sie eine kräftige Präsenz und ihre Gegenwart hat heilende Auswirkungen auf unsere Lungen.


Tannengeist:

„Geboren wurde ich aus Liebe und Dunkelheit. Meine Mutter hat mich in ein winzig kleines Etwas gesteckt. So harrte ich, vergraben in ihrem dunklen Leib, wusste nicht wer und was ich war. Ich schlief viel, sammelte Kräfte und versuchte mich zu orientieren. Zu Beginn sind auch wir Naturwesen etwas hilflos, so, wie ihr Menschen es als Babys seid. Allerdings kann unser Zustand nicht so ganz mit dem eurigen verglichen werden. Ich erinnere mich gerne an diese Dunkelheit zurück, denn in ihr lernte ich zuzuhören. Die Erde ist voller Leben und überall wispern und lachen seine Bewohner. Gelegentlich kamen einige Zwerge vorbei und lockerten die Erde um mich herum etwas auf und erklärten mir, dass ich nach oben wachsen müsse. Als dies aber nicht ging, tauchten zarte Dryaden auf. Sie trugen frische Wassertropfen in ihren Händen und besprühten mich damit, denn sie sind dafür zuständig, dass wir Bäume genügend Wasser haben. Was für eine Wohltat das gewesen ist. Nun konnte ich wachsen. Ich begann mich zu recken und zu strecken, wurde neugierig auf die Welt über mir.

Beim Durchbrechen der Oberfläche halfen mir wiederum die Zwerge. Mit ihren Hacken ließen sie die ersten Sonnenstrahlen durch und dann hörte ich das Singen. Viele, viele Feen und Elfen sangen Lieder, begrüßten mich hier oben. Die Lieder erzählten von meinem neuen Zuhause, vom Wald und meinen Nachbarn. Dann kamen die anderen Baumgeister, die gerade um mich herum wuchsen. Sie zogen mich hoch und hießen mich in ihrer Mitte willkommen. Was das für ein Fest gewesen ist...

Ihr müsst wissen, dass ich die Tanne bin. So wie ihr von einem Geist beseelt seid, sind auch die Bäume beseelt, nämlich von uns. Wir Tannen sind Nadelbäume und als solche unterscheiden wir uns von anderen Baumarten. Wir leben, denken und wachsen in der Gemeinschaft. Wir mögen die Nähe und Gedrängtheit zueinander, dass Geflecht unserer Wurzeln und die steilen Berghänge. Unser Zusammenhalt gibt uns Kraft.

Die ersten Jahre kümmerte ich mich um nicht Vieles mehr als zu wachsen. Ich lehrte von den älteren Tannengeistern, was die Aufgaben einer Tanne sind. Bald konnte ich mit meinen Ästen die ihren berühren – nun war ich wahrlich ein Teil der Gesellschaft. Und jeden Frühling kamen die Rehe und aßen meine frischen Triebe weg. Nun ja, ich ließ sie gewähren. Es sind schöne Tiere und nicht undankbar. Sie lassen einem immer die Hälfte übrig und außerdem kommen sie bei uns alten Bäumen oft nicht einmal mehr an die untersten Äste.

Je größer ich werde, umso mehr Gäste habe ich. Ameisen und andere Insekten klettern bis an meine Spitze. Ich mag ihr Gekrabbel, denn sie putzen mir gleichzeitig noch meine Rinde. Und irgendwie mögen sie meine Rinde auch.

Ich wachse, wir wachsen, immer weiter und höher hinauf. Unsere Wurzeln greifen gut in die kargen Böden, haften sich an Felsen fest, halten den Hang zusammen. Mit jedem Jahr werde ich schöner und stattlicher. Und je höher ich komme, desto mehr habe ich den Überblick und umso nützlicher bin ich für unsere Gemeinschaft.

Viele Luftgeister kommen, um sich auf mir auszuruhen und streichen dabei ihren Schmutz an mir ab. Das erste Mal war ich darüber sehr empört, bis mir erklärt wurde, dass ich die Kraft hätte, alles wieder zu reinigen. Dadurch, dass ich mit der Erde verbunden bin, kann ich ihre Nährstoffe immer erreichen. Es ist ein aufwändiges Unterfangen und soweit mir bekannt ist, haben eure sogenannten Wissenschaftler eine gute Erklärung dafür gefunden.

Natürlich mögen wir die Sonne. In ihrem Licht zu stehen ist wunderschön; es ist voller Kraft und Energie. Ihr seht, wir sind also ein kurzer Zwischenstopp für die Luftgeister, und sobald wir ihren Schmutz wieder in reinen Stoff gewandelt haben, ziehen sie weiter. Ich persönlich mag die Sylphen. Sie sind so leicht und lustig, wenn auch manchmal etwas nervös. Aber sie haben es nicht einfach, die armen Kleinen. Immer mehr von ihnen gehen an all dem Schmutz zugrunde, verlieren sich darin, und wir sind zu Wenige, um allen helfen zu können...

Was mache ich, was machen wir, sonst noch... Vögel und Eichhörnchen leben mit uns und sorgen dafür, dass die Insekten nicht unsere ganze Rinde essen. Dafür essen die Eichhörnchen unsere schönen Zapfen. Aber auch die lassen wir gewähren. Sie sind viel zu frech und zu hübsch, als dass wir es ihnen übel nehmen könnten. Und lustig mit ihren buschigen Schwänzen sind sie dazu.

Wenn es regnet, halte ich mit meinen Baumfreunden den Erdboden zusammen und helfe den Dryaden beim verteilen des Wassers an alle Pflanzen. Selbstverständlich behalte ich einen großen Teil immer für mich selbst, schließlich habe ich genügend Mäuler zu stopfen. Bei Sturm biete ich vielen Tieren Schutz. Die Sturmgeister sind mir manchmal etwas zu hektisch und sie können nie still stehen für ein kurzes Schwätzchen. Dafür helfen sie den Luftgeistern sich zu erholen, und sie bringen immer neue Geschichten aus fernen Ländern mit.

Wir Tannen mögen die Stille und die Routine, wir mögen die Ruhe der Berge und den weiten Himmel über uns.

Im Winter sorgen wir dafür, dass der Boden nicht ganz zufriert, denn sonst haben es die armen Erdbewohner gar zu kalt. Außerdem bieten wir vielen Tieren Schutz vor Schnee und Eis. Vom Winter habe ich nicht allzu viele Erinnerungen. Diesen verbringe ich ein einer Art Dämmerzustand, sammle Kraft für den Frühling. Andere Bäume wie die Buchen und Eichen, die ihr ganzes Laub abwerfen, schlafen sogar noch tiefer als wir Tannen. Wir aber mögen den Schnee und die Kälte, dann ist es so friedlich. Dann kann man wunderbar träumen...

Das ist ungefähr das, was ich tue. Nebenbei bin ich, wie alle meine Baumfreunde, ein Wissenshüter. Ihr könnt mich mit einer Bibliothek vergleichen und wer höflich fragt, der bekommt vielleicht eine Antwort. Es gibt so vieles, was wir wissen und gerne mit der Welt teilen, aber dafür muss man die richtigen Fragen stellen...“

Zeitgefüge

Gestern, Heute, Morgen – für mich sind dies alles Begriffe. Unwichtig und begrenzt. Das mag ich nicht. Jetzt, Hier, Alles, Überall – so ist mein Leben“ sagte die schöne Buche mit ihrer tiefen Bassstimme. Sie war schon alt, die silbern schimmernde Dame und ich noch ein kleines Mädchen, damals. Ich verstand, was sie mir damit sagen wollte und habe es bis heute nicht vergessen. Es begleitet mich durch mein Leben, macht es leicht und fröhlich.

Die Bäume haben ihre eigene Art zu kommunizieren. Sie teilen sich mit noch viel weniger Worten mit, als die anderen Naturwesen. Tiefgründig und weise sind die Baumgeister. Ihre Beschreibungen sind kurz und zutreffend, jedes Wort hat sein Gewicht und ist mächtig. Folglich wird zuerst nachgedacht, ehe ein Baumgeist spricht und dann tut er oder sie es in einigen wenigen Sätzen und alles ist gesagt. Man muss es mögen, ihre Eigenheit, und sich darauf einlassen. Baumwesen sprechen gerne und auch viel, nur in einem anderen Tempo als wir uns das gewohnt sind. Ein Baum kann viele hundert Jahre alt werden, er kennt keine Eile. Sorgfältig und gewissenhaft wächst er jedes Jahr ein kleines bisschen mehr. Für ihn ist jeder Augenblick unersetzbar, einzigartig.

Wenn du an einen Baum mit einer Frage herantrittst, so hört er sich diese an. Dann denkt er darüber nach, wie dir am besten geholfen werden könnte. Aus der Sicht eines Menschen kann dies schon einmal Stunden dauern. Man kann in der Zwischenzeit also beruhigt einen Spaziergang machen oder gleich am nächsten Tag nochmals vorbeikommen. Die Ratschläge eines Baumes sind aber auch nicht immer gleich verständlich. Denn am Ende sind sie nicht da, um einem das Denken abzunehmen, sondern um es zu erweitern.

Bevor wir uns also den Geschichten der Naturwesen zuwenden, gibt es noch etwas Wichtiges zu beachten: die Zeit.

Naturwesen kennen keine Stunden oder Daten, wie wir. Sie kennen die Sonnen- und Mondphasen, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wenn es regnet, dann regnet es und hört erst wieder auf, wenn es vorbei ist. Wenn die Sonne scheint, dann scheint sie wunderschön, bis sie nicht mehr scheint. So einfach ist das Leben in ihren Augen. Der Moment wird gelebt und geschätzt.

Nicht nur hat dies eine herrliche Auswirkung auf ihr Sein, sondern auch auf ihre Geschichten und Ansichten. Überanstrengung ist ein Wort, das die Naturwesen gar nicht verstehen. Ein solcher Zustand existiert in ihrem Leben nicht. Natürlich kennen sie geschäftiges oder nervöses Herumeilen, aber meistens nur im Frühling. Sie lieben ihre Arbeit, wieso sollte dieser Umstand ihnen also Mühe bereiten?


Zwetschgengeistchen

Beim Niederschreiben ihrer Erzählungen haben sich manch lustige und knifflige Situationen ergeben. Schließlich konnte ich nicht einfach schreiben: Er stieg auf den riesigen Berg, sprach mit dem Windgeist und wurde ein anderer Mensch. Dazwischen „fehlten“ mir sämtliche Zeitangaben und Gespräche. Für die Naturwesen spielt es keine wirkliche Rolle, ob jemand ein, zwei oder zehn Jahre braucht, um etwas zu erreichen. Das Erreichen an sich zählt.

So habe auch ich bewusst auf solche Zeiteinteilungen verzichtet. Wenn immer möglich, benutzte ich Begriffe wie „nach einer Weile“, „Tage oder Zyklen später“ und nur ganz selten gebe ich eine Zahl an. Es ist wirklich fast ein wenig wie in unseren Märchen und diese beginnen traditionell mit Es war einmal...

ERZÄHLUNGEN UND BERICHTE VON NATURWESEN

„In den Märchen sehe ich eines eurer größten Vermächtnisse, denn sie setzten dort an, wo euer Verstand und eure Vernunft enden und wo Träume geboren werden.“

– Pan

ERDE
Unter und über Tage bei Zwergen, Riesen
und beim Efeu

Braun, schwer, dicht, dunkel, warm, kalt, feucht, beständig. Von allen Elementen ist die Erde das am Greifbarste für uns Menschen. Die Erde schenkt uns Halt und Sicherheit, ein zuhause, den Boden unter unseren Füßen und Nahrung. Aus dem dunklen Leib von Mutter Erde wird das Leben geboren und genau wie Samen, wachsen auch wir heran, eingehüllt im geborgenen Mutterleib.

In ihrer Beständigkeit liegt die größte Kraft der Erde, ganz ähnlich den Elementarwesen dieses Elementes. Augenscheinlich mögen all die Riesen, Zwerge oder Kobolde eher grobschlächtig, laut und bisweilen etwas plump wirken. Aber hier sollte man unter die dicke Schale blicken und die gütigen Herzen entdecken. Den Erdgeistern ist Stabilität und ein Rückzugsort, ein Zuhause, sehr wichtig. Sie sind eher gemütliche Naturen und das Familienleben ist für sie zentral. Stets reichlich Essen und Trinken zu haben gehört für sie ebenfalls zum guten Ton.

Laut, mürrisch und sehr nachtragend können diese Wesen sein. Auf der anderen Seite aber findet man unter ihnen die geduldigsten, sanftesten und fröhlichsten Gefährten. Stur wie ein Felsbrocken, aber ebenso treu können sie sein.

Das Akzeptieren wer man ist, seine Aufgaben gewissenhaft erfüllen und den eigenen Tempel ehren – dies sind Dinge, welche die Erdgeister einen lehren. So gut wie diese Wesen für Mutter Erde sorgen, so gerne kümmern sie sich auch um sich selbst. Fördern und dankbar sein, für das, was man hat ist ihre Leidenschaft. Durch sie kann der Mensch seinen Körper als das erkennen, was er ist: unser Tempel auf Erden, unsere eigenen vier Wände. Und dass wir das Recht haben, selbst entscheiden zu dürfen.

Tief unter der Erde, fern aller alltäglichen Geräusche, umgeben von Dunkelheit und dem sanften Herzschlag von Mutter Erde in den Ohren, findet man Ruhe und Zufriedenheit. Oder wie die Erdgeister sagen würden: „Fern aller Hektik von oben findest du hier das wahre Leben. Gute Gespräche und feine Gesellschaft. Der Geruch von brennenden Kräutern steigt aus den Pfeifen hoch während du hier das Leben miterleben kannst.“

Der Steinriese, der seine Aufgabe nicht mochte

In jedem Buch gibt es einen Abschnitt, der durch eine Besonderheit hervorsticht: Es war der Anfang. So auch hier. Es ist weniger eine Geschichte, dafür mehr ein persönliches Erlebnis und zugleich eine Art Prüfung. Als ich mit dem Gedanken spielte, ein Buch mit den Naturwesen zu schreiben, schickten diese mich erst einmal zu Hacok. „Hör ihm aufmerksam zu, und wenn dich glücklich macht, was du hörst, dann werden wir sehr gerne mit dir arbeiten.“

Gesagt, getan. Ich ließ meinen Geist wandern und machte mich auf die Suche, nach Hacok, dem Steinriesen. Ich fand ein wundervolles Wesen, voller Liebe und Freude und tief berührt wollte ich diese Empfindungen mit Anderen teilen.


„Zum höchsten Berg musst du gehen und die letzten Bäumen hinter dir lassen. Von dort weiter bis zur höchst gelegenen Quelle und dann bis zur Grenze, wo Weiß über Grün herrscht und das Reich von Hacok, dem Steinriesen, beginnt.

Neblig und kalt, windig und eisig ist die Heimat von Hacok. Der glitzernde Schnee ist dort Dauergast, und wenn er manchmal an einigen Stellen zurückweicht, dringt dort blanker Fels hervor. Die Welt dort oben ist in grau, weiß und schwarz gehalten. Nur der blaue Himmel bringt gelegentlich eine Ahnung von Farbe an jenen einsamen Ort.

Wenn du also den Mut aufgebracht hast, bis dort ganz hoch zu steigen, so erwartet dich ein finsterer Schlund und eine grobe Treppe in Fels gehauen, welche dich noch ein kleines Stück aufwärts bringt. Weit in die pechschwarze Höhle musst du gehen, ehe schwacher Feuerschein dir deinen Weg etwas erhellt. Es gibt keine Türe ins Haus von Hacok, dem Steinriesen, denn außer vereinzelten Windstößen verirrt sich fast nie jemand hier her.

Betrittst du nun den letzten Abschnitt der Höhle, bleibt für einen Augenblick dein Energiestrom stehen. Zu deinen Füßen breitet sich dir ein richtig kuscheliges Nest aus. Viele Felle sind an Boden und an den Wänden platziert, Kerzen brennen in schmucken Halterungen, Kräuter baumeln von der Decke und neben einem geräumigen Kochherd steht ein grober Holztisch mit einigen Stühlen. Sogar einige bunte Bilder hängen etwas verloren an den grauen Steinwänden. Munter brennt ein Feuer in der Mitte und in einer versteckten Ecke kann man eine gemütliche Schlafnische entdecken.

Bist du bis hierher gekommen so wirst du von einem großen Riesen mit Haut wie trockener Stein begrüßt. Monströs wirken seine Hände, wie Pranken, und doch wollen sie dich nur herzlich Willkommen heißen. Ein kurzes, aber kräftiges Drücken und schon wirst du zu einem Stuhl geleitet. Das Gesicht von Hacok, dem Steinriesen, sieht alt und runzelig aus und aus dieser etwas unförmigen Masse strahlen dich ein paar braune, freundliche Augen an. Eine dicke, schiefe Nase dominiert sein zerfurchtes Gesicht.

Ob du Hunger hast und durstig bist, wirst du sogleich von Hacok gefragt. Natürlich bist du das, schließlich hast du gerade den gewaltigsten Berg der Welt erklommen. Das Essen ist schnell auf dem Tisch, dazu folgen ein fein duftender Tee und zum Schluss noch etwas stärkeres – zur Feier deines Besuches.

Wenn du dich hier so umblickst kommt es dir schwer vorstellbar vor, dass du gerade dort bist, wo du eben bist. Und noch seltsamer mutet dir an, dass Hacok als junger Spund doch tatsächlich von hier fort wollte. Sich diesen Ort ohne den Steinriesen vorzustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie es Brauch ist, fragst du Hacok, den Steinriesen, nach seinem größten Abenteuer. Der Riese erzählt gerne davon, immer und immer wieder, denn genau wie die Steine kaum sichtbar wachsen, so lange dauert es, bis Hacok genug von seiner Geschichte haben wird. Demnach haben wir noch eine kleine Ewigkeit Zeit.

Hacok zündet sich eine riesige Pfeife an und bietet auch dir eine kleinere an. Es wäre äußerst unhöflich, diese abzulehnen, hat der Steinriese doch so gut wie nie Gesellschaft beim Rauchen.

„Ich war damals noch keine fünfhundert Zyklen alt“ beginnt er mit seiner Bassstimme. Er hat extra für uns nach einer plausiblen Zahl gegriffen. Die Naturgeister untereinander tun dies nie. „Zu jener Zeit“ fährt Hacok leidenschaftlich fort, „hatte ich genug von meinem einsamen Leben hier oben. Natürlich lag es nicht an der Langeweile, denn zu tun hatte ich wahrlich genügend. Wenn du so hoch oben auf einem Berg lebst musst du ständig auf das Gestein aufpassen, dass es sich nicht plötzlich löst und ins Tal hinunter donnert. Manchmal kommst du aber zu spät und manchmal kannst du auch die Steine nicht mehr beschwichtigen – dann wollen diese nur noch frei hinunter purzeln. Das scheint ihnen großen Spaß zu machen. Nicht das Zerstören auf dem Weg hinab natürlich, sondern einfach nur das Rollen an sich. Zugleich muss auch auf mögliche Schneelawinen acht gegeben werden. Hin und wieder lasse ich eine frei, aber ständig muss man aufpassen, dass nicht zu viel Schnee hinunter rutscht. Und dann die Bergspitze. Der Berggeist mag es sehr, wenn ich seine Spitze poliere und sie schön halte. Dort, ganz ganz oben, bin ich gerne. Es ist, als könntest du das Dach der Welt berühren...

Nun denn. Es war vor langer, langer Zeit, als ich an einem Morgen aufwachte und mehr vom Leben außerhalb meines Berges sehen wollte. So packte ich meine sieben Sachen und stieg hinab. Natürlich war der Berggeist alles andere als einverstanden. Er tobte und zeterte und versuchte mich am Gehen zu hindern, aber wir Steinriesen können wirklich sture Brocken sein. So verließ ich den Berg und betrat eine mir völlig unbekannte Welt.

Viele Zyklen zogen ins Land, und ich hatte eine Menge gesehen und erlebt. Dennoch wurde ich nie richtig glücklich. Eine seltsame Unruhe und das Gefühl fehl am Platz zu sein bedrückten mich ständig. Nirgends fühlte ich mich zugehörig, bis ich eines Tages einen anderen Steinriesen traf.

In einem weit entfernten Reich hatten die Bewohner mich gebeten, mit dem Berggeist zu sprechen, da die vielen Lawinen und Steine Leben zerstörten. Es kam immer wieder vor, dass der Berg seine Lasten abwarf, aber noch nie zuvor hatte er so beständig gewütet. Also stieg ich hoch, höher und höher, bis ich bei der Spitze ankam. Dort oben war ich alleine, es war ruhig und still, die Luft frisch. Nackter Fels und strahlender Schnee hießen mich willkommen. Ich fühlte mich wohl hier. Irgendjemand musste doch für all dies sorgen, dachte ich mir und machte mich auf die Suche nach dem Hüter.

Bald darauf fand ich ihn, einen Steinriesen, tief schlafend unter einem Felsvorsprung. Ich brauchte ganze drei Tage und Nächte, um ihn endlich wach zu bekommen. Er stellte sich als Nakamu vor, Steinriese und Hüter von diesem Berg, auf welchem wir uns gerade befanden.

„Warum hast du mich geweckt, Bruder?“ fragte er mich gähnend.

Ich berichtete was die Wesen weiter unten mir aufgetragen hatten. Nakamu erschrak darüber aufs heftigste.

„Oh weh, oh weh“ jammerte er und schlug die Hände vor sein furchiges Gesicht. „Ich bin eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Oh weh, die Armen. Oh weh, der arme Berggeist. Und all die Leutchen, oh weh. Was mussten sie durchstehen, oh weh...“

Nakamu wollte mit dem Klagen gar nicht mehr aufhören und rappelte sich auf. Geschwind eilte er auf der Bergspitze herum, begann Ordnung in das Chaos zu bringen und die Spitze zu putzen. Mittendrin blieb er stehen und starrte mich verdutzt an.

„Sag mir, Bruder Hacok, was machst du eigentlich hier? Musst du nicht für deinen Berg sorgen?“

Du kannst dir vorstellen, dass mir diese Fragen sehr unangenehm waren und ob du es glaubst oder nicht, ich wurde rot – rot wie ein Blutjaspis. Dann stammelte ich Nakamu meine Beweggründe vor.

„Oh weh, oh weh“ sagte der nur und fasste mich an den Schultern. „Bruder, du solltest zurückgehen. Ich verstehe ja, dass du die Welt sehen wolltest, aber sag mir, bist du so wirklich glücklich?“

Ich verneinte leise.

„Geh nach Hause, Hacok“ meinte er freundlich.

Und so nahm ich den beschwerlichen Weg zurück nach Hause auf mich. Lange bin ich fort gewesen und vieles hat sich verändert, während dieser Zeit. Tiere und Menschen sind vom Berg fortgezogen, die Hänge voll von Geröll und Schutt, die Spitze geknickt und der Berggeist hatte sich in die tiefsten Tiefen zurückgezogen. Ich wusste, dass dies alles meinem Weggehen zuzuschreiben war, und so machte ich mich daran aufzuräumen. Es war eine schwere Arbeit aber ich war nicht bereit aufzugeben. Als schließlich sämtliche Hänge frei von Geröll waren, die Quellen wieder ungehindert ins Tal fließen konnten und die Spitze aufgeräumt in den blauen Himmel strahlte, ging ich den Berggeist suchen. Nach und nach fand das Leben seinen Weg wieder zurück zu mir, und ich fühlte mich wieder zu Hause.

Hier bin ich glücklich und zufrieden. Hier werde ich gebraucht, hier gehöre ich hin, das weiß ich jetzt. Es gibt einen Grund, weshalb wir so sind, wie wir sind. Ich verurteile das Ausbrechen keineswegs, manchmal ist es nötig zu erkennen, was man die ganze Zeit vor Augen hat. So war es bei mir“ endet Hacok mit einem Augenzwinkern.


Mittlerweile ist es draußen dunkel geworden und die Strapazen des Aufstieges machen sich bei dir bemerkbar. Da der Steinriese ein guter Gastgeber ist, richtet er dir geschwind einen gemütlichen Schlafplatz ein. Die Felle sind warm und duften nach Stein. Du schläfst selig ein, an einem wundervollen Ort, denn hier lebt ein Wesen, welches sich selbst erkannt hat.

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück versteht sich, machst du dich wieder auf den Weg ins Tal hinunter. Hacok liebt zwar Besuch, aber er ist ein Einzelgänger, und so freut er sich jedes Mal, wenn sein Gast auch wieder geht. Während deinem Abstieg fällt dir auf, wie friedlich das Leben hier ist. Es ist wahrlich ein schöner Ort und du könntest dir gut vorstellen, länger hier zu verweilen.

Unten blickst du ein letztes Mal hoch. Ganz weit oben, kaum sichtbar, glaubst du eine große Gestalt zu sehen. Hacok, der Steinriese, hat aufgepasst, dass du sicher am Fuße ankommst, bevor er sich wieder um seinen Berg kümmert...“

Hunkapunka erzählt eine Geschichte

Ich wäre wohl keine sonderlich gute und dankbare Freundin, würde ich Hunkapunka nicht wenigstens ein Mal zu Wort kommen lassen. Nun werden es sogar ganze zwei Mal sein.

Dem Zwerg Hunkapunka bin ich erstmals in Kindertagen begegnet. Wenn ich mich nun zurückerinnere, kommt mir das Bild von einem kleinen, witzigen Zwerg, der allerlei Dinge zu erzählen hatte, in den Sinn. Er war schon immer hier gewesen, und ich habe seine Anwesenheit nie angezweifelt.

Ein dichter, weißer Bart wächst bis zu Hunkapunkas Nabel hinab und auf seinem Haupthaar ruht eine flache, bunte Mütze. Mal ist sie rot, dann blau oder grün und manchmal sogar gelb. Er zeigt sich mir immer noch gerne in diesem typischen Zwergenbild; klein, stämmig, lustig, rotwangig, mit Vollbart, großen Ohren und ordentlichem Schuhwerk oder barfuß.

Hunkapunka gehört zu den Zwergen, die tiefer im Erdinnern leben. Sie sind unter anderem dafür zuständig, dass die Erdenergien frei fließen können, dass Wasser seinen Weg an die Oberfläche findet und natürlich für die Steine. Das Gestein ist ihre Domäne, dort fühlen sie sich wohl, dort sind sie Meister ihres Fachs.

Sie sind also Steinzwerge und mitunter auch zuständig für die Edelsteine. Diese Kostbarkeiten werden oftmals tief unter Tage „ausgebrütet“ und von ihnen umsorgt. Manchmal legen sie ganze Gärten mit Edelsteinen an. Dann kann man beobachten, wie die Zwerge mit ihren Hämmerchen und Hacken über die Steinfelder wuseln und nach und nach die Edelsteine aus dem Boden locken. Natürlich dauert es eine lange, lange Zeit, bis so ein Edelstein „geerntet“ werden kann, und selbst dann gibt es viele von den Steinen, die überhaupt kein Interesse daran haben, an einen anderen Ort zu gehen. Von den Steingärten werden einige in die Hallen der Zwerge getragen, wo sie zu wundervollen Gegenständen verarbeitet werden. Der Rest wird auf der ganzen Welt verteilt, nahe der Oberfläche, wo die Steine auch immer wieder von Menschen gefunden werden.

Dies ist, wie ich mich erinnere...

...es war in einem der unterirdischen Steingärten. Unzählige Fackeln hingen in schmucken Halterungen entlang der Wände. Ihr Schein wurde von den Edelsteinen zurückgeworfen und schuf so ein eigenes Licht. Dies war auch von Nöten, wollten die Zwerge beim Arbeiten etwas sehen. Die Luft war erfüllt vom beständigen Murmeln der Zwerge, wenn sie die Steine für ihre Schönheit lobten. Hin und wieder stimmte einer der Zwerge ein Lied an und bald darauf fielen alle mit ein. Manchmal waren es lustige und leichte, dann wieder schwere und tiefsinnige und dazwischen gaben sie sogar einige Trinklieder zum Besten. Die Stimmung war froh und von einer leichten Heiterkeit getragen. Steine sangen, klangen und brachen unter dem rhythmischen Klopfen der Hämmer.

Es war das erste Mal, dass Hunkapunka mich hierher mitgenommen hatte, und ich verliebte mich augenblicklich in diesen Ort. Der kalte, feuchte Duft der Edelsteine und wurde von der weichen Erde eingeschlossen. Man fühlte sich geborgen und sicher und vergaß dabei die Tatsache, dass über dem Kopf tonnenschwere Schichten aus Erde ruhten.

Ich war damals noch jung, ein Menschenkind, das mit großen Augen an Hunkapunkas Hand ging. Mein Herz klopfte wie wild, und noch heute kann ich das aufgeregte Kribbeln auf meiner Haut fühlen, wenn ich mich daran zurückerinnere. Die Zwerge mögen Menschenkinder. Deren Herzen sind noch offen für die Rhythmen der Natur. Ihre Ohren können den Herzschlag der gütigen Mutter noch hören und sie wissen instinktiv, um was es sich da handelt. Das Wissen der Zwerge ist groß. Es umfasst die Geschichte der Steine, der Erde, der Menschen als auch ihre eigene. Für sie ist die Weitergabe dieses Wissens eine Ehre und sie teilen es gerne mit jenen, die offenen Herzens sind.

Hunkapunka und ich machten es uns am Rand des Steinfeldes gemütlich. Bevor der Zwerg aber zu sprechen begann, musste er seine Pfeife stopfen. Hunkapunka pflegte zu rauchen, wenn er etwas erzählen wollte und da er mir jedes Mal etwas Neues zu berichten hatte, qualmte er fleißig. Für Naturwesen ist das Rauchen unschädlich, und sie haben auch eine ganz andere Beziehung dazu. Mit jedem Atemzug werden die Kräuter, der Rauch und Mutter Erde geehrt und ihnen gedankt. Die Zwerge vergleichen das Pfeifenrauchen sogar mit einer Meditation. Und ich, als Zuhörerin, lernte geduldig zu sein.

Ich fand Hunkapunkas Pfeife lustig. Der Pfeifenhals war so lang, dass Hunkapunka den Pfeifenkopf gemütlich auf dem Boden abstellen konnte. Es hatte schon etwas Mystisches an sich, wenn sein bärtiges Gesicht hinter einer grauen Rauchwand verschwand. Und dann schien es, als würde seine Stimme durch den Nebel zu mir sprechen.

„Kleine Freundin“ sagte er mit seiner lebendigen Stimme. „ Heute erzähle ich dir die Geschichte vom ersten Zwerg Mamouki. Er war der Erste von uns, der seine Heimat tief unter der Erde gefunden hatte. Und er war auch der Grund, weshalb wir Zwerge die Steine so sehr lieben.

Nun, es war in den alten Tagen. Jenen alten Tagen, die schon so lange zurück liegen, dass niemand mehr weiß wie lange denn genau. In eben jenen alten Tagen da lebte ein Zwerg namens Mamouki.

Mamouki wohnte sehr nahe an der Oberfläche, und er war dort glücklich. Seine Stube lag direkt unter den Wurzeln einer gewaltigen Eiche. Er und der Eichengeist waren gute Freunde, und ein jeder kümmerte sich um den anderen. Mit seinem kleinen Hämmerchen sorgte Mamouki dafür, dass die Wurzeln unbeschwert gedeihen und genügend Nahrung für den Baum aufnehmen konnten. Als Gegenleistung gewährte ihm der Eichengeist Schutz und ein Zuhause.

Mamouki unternahm gerne ausgedehnte Spaziergänge und war manchmal einige Tage fort. Eines Tages aber ging er weiter als je zuvor und gelangte an einen besonders hohen Berg. Schon in diesen alten Tagen war der Zwerg von Gestein fasziniert gewesen, und so beschloss er, dessen Gipfel zu erklimmen. Vielleicht gab es dort oben Interessantes zu entdecken.

Einige Male drehte die Sonne ihre Runden und Mamouki war noch immer auf dem Weg zum Gipfel. Aufgeben lag nicht in seiner Natur, und so stieg er stetig weiter. Eines Mittags galt es eine besonders tückische Stelle zu überwinden, und als Mamouki zu straucheln begann, fiel sein geliebtes Hämmerchen in eine Spalte. Dunkel und tief führte die Furche nach unten in unbekanntes Terrain und wäre das Hämmerchen nicht ein Geschenk von Pan gewesen, er hätte es liegen lassen. So aber konnte er es nicht vergessen, denn das Hämmerchen hatte eine große symbolische Bedeutung für Mamouki. Es stand für die Freundschaft und den Respekt des Pans gegenüber dem Zwerg. Es stand für die Dankbarkeit und Wertschätzung, welche Mamouki der Eiche hatte zukommen lassen und es stand für die innere Stärke eines jeden Lebewesens. Unsere Hämmerchen stehen auch heute noch für diese Werte.

Also stieg Mamouki in die Tiefe. Tapfer setzte er einen Fuß vor den anderen, während das Tageslicht immer schwächer wurde. Irgendwann musste er doch den Grund erreichen und sein Hämmerchen wieder finden. Bald hatte der liebe Mamouki die Orientierung verloren und wusste nicht mehr, wo oben und wo unten war. Es gab keine Gestirne, nach denen er sich hätte richten können. Kein Rascheln von Blättern im Wind, welche ihm den Weg weisen konnten. So blieb Mamouki nichts anderes übrig, als weiterzugehen. Es ging bergab, nicht mehr so steil wie zuvor aber doch beständig. Mamoukis Brust schnürte sich zusammen und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er so etwas wie Angst. Die Verzweiflung ließ ihn schneller gehen, bis er über etwas stolperte und zu Boden stürzte.

Eine Weile blieb Mamouki liegen, zu erschöpft um wieder aufzustehen. Stille umfing ihn, und er dachte, dass es sicherlich schlimmere Orte geben musste, an denen man stranden konnte. Da glaubte er auf einmal das Flüstern von Stimmen zu hören. Mamouki schüttelte den Kopf. Jetzt wurde er schon ver-rückt. Er hatte von einigen Geistern gehört, denen dies passiert war. Aber es waren alles unleidige Gesellen gewesen. Nein, so wollte er nicht enden. Hatte Pan ihm nicht einmal gesagt, dass alles lebendig sei? Überall existierte Leben, wieso also nicht auch hier?

Erst einmal die Schuhe ordentlich abklopfen. Von seiner unfreiwilligen Wanderung unter Tage klebten nämlich große Erdklumpen an seinen Sohlen.

Dann stand er entschieden auf, stemmte die Hände in die Hüften und rief in die Dunkelheit: „Hallo, ist hier jemand? Ich bin der Zwerg Mamouki von der Oberfläche, und ich habe mich verirrt.“

Kaum hatte er gesprochen, da verstummten die feinen Stimmchen und nichts war mehr zu hören.

„Gut gemacht, Mamouki“ sagte er zu sich selbst. „Nun bist du wahrlich ver-rückt.“

Mutlos ließ er seine Schultern hängen und wusste nicht weiter. Aber da hörte er auf einmal ein neues Geräusch. Es war weder besonders laut, noch sehr auffällig, weshalb es ihm zuvor nie aufgefallen war. Bumm Bumm schien es zu machen. Mehr wie ein fernes Trommelschlagen. Mamouki hatte schon mit manch seltsamen Wesen gesprochen, auch mit einigen, die im Erdinnern lebten. Sie hatten ihm erzählt, dass Mutter Erdes Herzschlag das erste und letzte war, dass sie jeweils hörten. Könnte dieses Trommeln vielleicht...?

Kurz entschlossen machte Mamouki sich auf die Suche nach dem Ursprung. Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, aber noch heute sind wir ihm für seinen Mut dankbar.

Irgendwann entdeckte Mamouki einen feinen Lichtstrahl. Neugierig ging er darauf zu und je näher er kam, desto heller wurde es. Ein sanfter Windhauch schien durch den Gang zu wehen, und er konnte allerlei Geräusche hören. Der Gang bog um eine Ecke und dann landete Mamouki am außergewöhnlichsten Ort, den er je gesehen hatte.

Über seinem Kopf wölbte sich eine gigantische, unterirdische Höhle. Wasser tropfte von der Decke, Windgeister trieben ihren Schabernack zwischen Stalaktiten und grüne Moosflechten wuchsen entlang der Wände. Zu seinen Füßen aber erstreckte sich ein schier endloses Feld aus Kristallen. Große und kleine, spitze und runde, glasklare und milchige, schimmernde und matte lagen wirr nebeneinander. Aus ihrer Mitte schien ein sanftes Licht zu entströmen und wurde von den Nachbarsteinen zurückgeworfen. So also war der Lichtschimmer entstanden, der Mamouki hierher geführt hatte. Es war nicht mit Tageslicht zu vergleichen, aber wenn man hier einige Fackeln aufstellen würde...

Es ist bekannt, dass der erste Zwerg Mamouki kein allzu sentimentaler Geselle war, aber bei diesem Anblick konnte auch er seine Rührung nicht verbergen. So unbeschreiblich schön und friedlich war es an diesem Ort, dass er nie mehr von hier fort wollte. Geborgenheit und Zufriedenheit erfüllten sein Herz und ließen ihn erkennen, wohin er all die Zeit schon immer gehört hatte. Lange, lange war er so stehen geblieben, den Blick im Funkeln der Kristalle verloren...

Auf einmal bemerkte Mamouki eine neue Energie in der Höhle. Es war eine alte und weise Energie voller Liebe und Kraft und Mamouki wusste augenblicklich, wer da zu ihm gekommen war. Es war Gaia selbst, die gütige Mutter Erde. Mit freudigem Herzen und geröteten Wangen begrüßte er sie.

„Lieber Mamouki“ sagte sie ihm da freundlich, „siehst du all diese wundervollen Geschöpfe. Sie sind eingeschlossen, hier tief unter der Erde und viele von ihnen würden doch so gerne einmal das Tageslicht sehen. Sie brauchen jemanden, der für sie sorgt, ihnen hilft nach oben zu kommen. Jemand, der sie pflegt und schöne Dinge aus ihnen herstellt. Jemand, der sie achtet und liebt. Aber vor allem brauchen sie jemanden, mit dem sie ihre Liebe und Weisheit teilen können. Möchtest du derjenige sein, Mamouki?“

Du kannst dir Mamoukis Antwort natürlich denken, sonst wären wir ja nicht hier, wo wir jetzt sind. Die gütige Mutter überreichte Mamouki sein altes Hämmerchen, aber es war nicht mehr so, wie als er es verloren hatte. Sein Material war nun unverwüstlich, ein funkelnder Diamant. Damit konnte Mamouki die Kristalle aus dem Boden befreien und einige von ihnen in noch atemberaubendere Formen bringen.

Also übernahm Mamouki die Aufgabe über die Edelsteine, insbesondere die Kristalle, zu wachen. Er war der erste Zwerg hier so tief unter der Erde, der erste Kristallzwerg. Wie du weißt, sind wir nun einige Kristallzwerge mehr, denn viele von Mamoukis Freunde zogen zu ihm hinab. Und so kamen auch die anderen Edelsteine zu ihren „Gärtnern“. Aus Respekt, Dankbarkeit aber auch um Verwechslungen zu vermeiden, haben wir die Farbe unserer Bärte an die Edelsteine angepasst. So haben die Kristallzwerge weiße, die Amethystenzwerge violette, die Türkiszwerge türkisfarbene Bärte... und so weiter.

Nun kennst du sie, die Geschichte vom ersten Zwerg Mamouki und wie es dazu kam, dass wir so tief unter der Erde wohnen. Nun weißt du auch, woher unsere Vorliebe für Kristalle und Edelsteine aller Art kommt. In unserer Brust schlägt dasselbe Herz wie jenes von Mamouki. Seine Liebe zum Gestein hat er uns weitervermacht, und es ist das schönste Geschenk, dass man sich wünschen kann. Etwas so sehr lieben zu können wie sich selbst, gibt einem eine Bestimmung, ein zuhause, ein Halt, eine Einheit und Zufriedenheit. Wir sind ein wenig wie die Steine geworden; manchmal etwas grimmig, hart und rau (das gebe ich zu), aber dennoch voller strahlender Liebe.

So, genug der Erzählerei“ meinte Hunkapunka jäh. Die Geschichte war beendet und seine Pfeife ausgeraucht – für den Moment jedenfalls. „Komm, kleine Freundin“ er reichte mir ein Hämmerchen. „Hilf mir einige der Kristalle zu befreien. Hier ist dein Hämmerchen.“

Es war ein prächtiges Hämmerchen, kunstvoll verziert und für mich passend in der Hand liegend. Ein wundervolles Geschenk. Dann zeigte mir Hunkapunka wie man einen Kristall erkannte, der an die Oberfläche wollte. Wie man ihn mit viel Geduld und Liebe aus dem weichen Boden hämmerte und grub. Welche Lieder die Besten waren, um einen schüchternen Kristall zum Loslassen zu bewegen. Welche Worte einen übermütigen Kristall beruhigten und zugleich mich selbst. Hunkapunka lehrte mich, dass jeder Kristall, jeder Edelstein, jeder Fels, ein beseeltes Wesen war und folglich auch als solches zu behandeln war. Er lehrte mich, dass wenn man Respekt vor ihnen hatte, dann würden die Steine mit einem Flüstern antworten...

...Seither sind einige Jahre vergangen, und auch wenn ich kein kleines Mädchen mehr bin wie damals, so blieben die Geschenke der Zwerge in meinem Herzen erhalten.

Hin und wieder wandere ich in den Kristallgarten hinunter, um meinen lieben Freund Hunkapunka zu treffen. Dann zündet er sich seine Pfeife an, und wir erzählen einander, was unter und über Tage vor sich gegangen ist. Später nehmen wir unsere Hämmerchen zur Hand und spazieren über das Kristallfeld, um einige Kristalle an die Oberfläche zu tragen.

Die Liebe der Zwerge zu den Steinen hat sie geprägt. Sie sind genauso wie die Steine, und man sollte sich selbst auch so akzeptieren, wie man ist. Zwerge können ihre Ziele verfolgen, bis sie diese erreichen, deshalb wird ihnen auch ihre berühmte Starrköpfigkeit nachgesagt. Und Zwerge können eine Ewigkeit warten, so wie Steine, sie harren und harren. Es sind dies gute Eigenschaften, denn die Zwerge leben sie ehrlich und offen. Sie sind stolz darauf, so zu sein, wie sie sind. Und das ist, was ich an diesem Volk bewundere.

Hunkapunka erzählt gleich weiter:

Das Element Erde; es ist elementar, lebenswichtig, lebensspendend und wird dabei oft als etwas Selbstverständliches angesehen. Vielleicht liegt es daran, dass es einfach da ist; ruhig und Halt gebend. Nur selten bemerkt man Veränderungen, wenn es nicht Erdrutsche, Erdbeben oder ähnliche Dinge gibt. Sämtliche Pflanzen und Bäume (dazu zählen auch die Wasserpflanzen) „gehören“ zu diesem Element, werden daraus geboren. Alle Lebewesen hier auf unserem Planeten sind auf seine Stütze angewiesen.

Um die Welt aus Sicht der Naturwesen verstehen zu können, muss man nach innen schauen – in den Leib der Erde, den sie auch die gütige Mutter nennen.

Hunkapunka hat sich bereit erklärt uns die „dunkle und leblose“ Erde unter unseren Füssen vorzustellen...

Hunkapunka:

„Wir werden tiefer steigen, als die Kristallgärten und weiter gehen, als ein Vogel fliegen kann. Durch finstere Tunnel, wo das Tageslicht nie hin dringt, vorbei an Kraft- und Wasseradern bis ins Herz – wo alles Leben entspringt und endet.

Vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass wir alle gelegentlich einen kleinen Hang zur Dramatik haben. Ohne diesen Hang wäre es uns unmöglich, schöne Dinge herzustellen und ihnen zum Wachstum zu verhelfen.

Meine kleine Freundin – die nun größer ist als ich – gehört auch zu jenen Wesen, die große Träume haben. Wer bereit ist, hinter das Dahinter zu blicken, der wird mit der Endlosigkeit konfrontiert. Andere von euch mögen es lieber sachlich. Jenen begegnen wir auch und informieren sie über Dinge, wie unsere Gestalt und unsere Aufgaben. Was wir hier jedoch vermitteln sind unsere Träume. Träume sind auch Einblicke in die Herzen und Wünsche der einzelnen Wesen. Sie mögen flüchtig sein, machen ein Wesen aber zu dem, was es ist!

Also, Hammer, Pfeife und Tabak liegen bereit. Es kann losgehen. Merkt euch eins; Wasser und Nahrung sind überall zu finden, wenn man weiß wie. Nur guter Tabak, darüber stolpert man nicht einfach so...

Stellt euch jetzt vor, ihr findet irgendwo in der Natur ein Erdloch; sei es unter einem Baum oder Stein, einem Fuchsbau oder einfach ein ganz gewöhnliches Loch. Dort steigt ihr hinein, folgt dem Gang und bereits nach einigen Schritten entschwindet die Welt über euren Köpfen. Das Vogelgezwitscher dringt in den Hintergrund, das Windrauschen verliert an Kraft und nur noch ein gelegentlicher Hauch kitzelt eure Nase. Ein neues Reich breitet sich zu euren Füßen aus. Der feuchte, eher schwere Duft der Erde umgibt euch fortan. Es ist kühl und dunkel. Aus den Gängen kann man das Raunen von allerlei Leben hören; Insekten und Säugetiere, Geister, Wesen und Seelen und natürlich das Herz der gütigen Mutter. Wie eine Trommel schlägt es unablässig; mal leiser, dann wieder lauter, naher und ferner, aber es ist immer da. Bumm. Bumm. Bumm...

Der Weg führt bergab oder besser gesagt erdab. Zieht eure Schuhe jetzt aus, der Boden ist manchmal glitschig und dann wieder trocken, er kann steil abfallen und dann wieder auf große Steine stoßen. Eure Zehen können diese Unebenheiten viel besser wahrnehmen. Solch wundervolle Instrumente, sie gehören nicht in Schuhe eingepfercht. Fühlt ihr, wie sich die Erde unter euren nackten Füssen bewegt? Wie ihr eure Zehen in sie hineingraben könnt?

Weiter geht’s.

Wenn es euch etwas zu dunkel ist, können wir gerne eine Laterne zum Leuchten bringen. In diesem „Zwischenbereich“ bis zu den Steingärten ist es eher finster. Dies hat seine Gründe. Die Pflanzen und Samen wachsen aus der Dunkelheit ans Licht, genau wie ihr Menschen im dunklen Leib eurer Mutter heranwachst. Ihr seht die Nacht und die damit verbundene Dunkelheit oft als euren Feind und als durchtrieben an. Dabei seid auch ihr dem Schwarz entsprungen – dies hat nichts mit eurer Einteilung in Gut und Böse zu tun. Nicht alles, was dunkel ist, bringt Schlechtes und nicht alles, was hell ist, bringt Gutes. Manchmal kann das Licht auch zu grell sein und blendet einen, sodass man blind davon wird...

Der dunkle Zwischenbereich dient zur Speicherung von Nährstoffen und Wasser, aber auch als Erholungsort für uns Naturwesen. Wenn wir Abstand und Ruhe suchen, kommen wir hierher und hören zu, wie das Leben wächst, wie es entsteht und seinen Weg an die Oberfläche findet. Hier sind besonders viele Wasser- und Erdgeister aktiv, einige leben auch in diesem Bereich.

Unzählige Kraftlinien oder Erdlinien durchziehen diesen Ort, kreuzen und ergänzen einander. Bunte Linien, mal flackernd, dann wieder klar und hell, glitzernd, durchsichtig oder trüb. Sie sind wichtig, denn sie verbinden die Erde zu einer Kugel, formen sie so, dass wir auf und in ihr leben können. Aber sie übermitteln auch Informationen rund um den Globus. Sie zeigen an, wo etwas im Ungleichgewicht ist. Es ist das Gehirn von Gaia.

Man kann auch auf den Linien wandern, so wie wir Naturwesen es tun. Ihr müsst dabei nicht besorgt sein sie zu beschädigen, sofern ihr sie mit Achtung betretet. Sie können nur zerstört werden durch Undankbarkeit und rohe Gewalt oder aber durch Schadstoffe.

Es steht euch jederzeit frei, auf einer Linie zu wandern und von ihr zu lernen, denn sie alle haben eine Menge zu berichten.

Wenn wir nun weiter hinab steigen, werdet ihr schnell merken, dass die Luft entgegen allen Vorstellungen nochmals etwas kühler wird. Die Kühle wird von den vielen Steinen ausgestrahlt, denn hier kommen wir zu den Steingärten. Seht sie euch an; all die funkelnden Edelsteine, wie sie strahlen und lachen. Ihre Gegenwart belebt die Luft, vertreibt die Schwere aus ihr und mischt ihren feucht-steinigen Geschmack darunter.

Hier wollen wir uns nicht zu lange aufhalten, denn ich habe euch von diesem Platz bereits etwas erzählt. Wir verlassen die Steingärten und steigen tiefer hinab. Bleibt aber trotzdem einmal stehen und atmet tief. Riecht ihr es? Der Geruch ist herber geworden. Ihr seid den süßlichen Duft auf der Oberfläche gewohnt, der von den Blumen und Bäumen stammt. Hier unten begegnen wir auch fast keinen Tieren mehr. Einzelne Insekten hausen hier, aber ansonsten ist dies das Reich der Steinzwerge. Wir haben unsere Häuser gleich unter den Steingärten angelegt, manchmal leben auch einige darüber. So aber können wir die Löcher in den Steinhallen über uns als Lichtquellen nutzen.

Wie unsere Häuser aussehen? Nun, das ist schwer zu erklären. Jeder Zwerg baut sich sein eigenes, kleines Heim. Manche graben sich ein geräumiges Loch in die Erde, andere errichten Steinhäuser, ähnlich wie ihr sie habt. Einige aber wollen nur ein buntes Zelt, so dass sie das Licht der Edelsteine sehen können. Ihr seht, wir sind alle verschieden und doch leben wir in Harmonie.

Mein Haus ist aus Steinen gebaut. Ich mag die Bauten eurer Schlösser im Mittelalter. Die meisten von uns bevorzugen solche Heime - jedenfalls mein Volk der Kristallzwerge. Dies mag auch an der Form der Kristalle liegen, wer weiß...

Aber genug davon, schließlich haben wir noch ein kleines Stück Weg vor uns, ehe wir in der Mitte ankommen.

Wir durchqueren nun „Kristallstadt“, denn der weitere Abstieg befindet sich am anderen Ende unserer Stadt. Unsere Straßen bestehen meist aus flachgestampfter Erde. Nur selten verspüren wir das Bedürfnis, Wege zu pflastern, denn so bringt man die Erde darunter zum Ersticken. Überall glitzern Kristalle, sogar der Boden ist teilweise mit ihnen geschmückt. Und doch ist unsere Heimat weniger pompös, als ihr vielleicht gedacht habt. Wir lieben die einfachen Dinge von Mutter Erde.

Beim Verlassen von Kristallstadt fällt euch sogleich auf, dass die Luft wärmer geworden ist. Es erinnert einen schon beinahe ein wenig an die Tropen – bloß ohne Sonnenlicht. Keine Angst, wir sind noch nicht bei der Lava angelangt. In diesem Bereich werden viele Feuergeister geboren, um dann eines Tages an die Erdoberfläche zu stoßen. Wir wollen sie nicht stören, sie sind Wanderern gegenüber zwar freundlich, aber es gilt zu bedenken, dass wir ohne ausdrückliche Einladung kommen! Wir wollen das Feuer schließlich nicht wecken, sonst könnten wir womöglich noch einen Vulkanausbruch auslösen – also psst...

Gleich unter den Behausungen der Feuergeister beginnt die sogenannt hohle Erde, oder Agharta. Langsam kommt es in das Bewusstsein der Menschen, dass es eine Welt in der Welt gibt. In Agharta fanden viele Menschen aus alten Kulturen Zuflucht und konnten somit ihre Weisheiten bewahren. Hier unten gibt es sogar eine Zentralsonne. Es wird erzählt, dass die Sonne aus Liebe zu einem uralten und leider längst ausgestorbenen Volk ein Stück von sich selbst geopfert habe, so dass die Nachfahren jenes Volkes hier unten überleben konnten. Von jenen Wesen lebt niemand mehr, aber die Erinnerungen sind geblieben.

Zwischen Himmel und Erde existieren noch eine Menge Dinge und Geschichten aus der Vergangenheit, die noch in den Schatten verborgen liegen. Es wird der Tag kommen, da sich alle erinnern. Dies ist unser großer Traum...

Agharta ist eine kleine Perle und ähnelt der Erdoberfläche in fast allem. Nur seine Bewohner unterscheiden sich optisch ein wenig und handeln bisweilen etwas anders. Auch sind die Temperaturen hier fast immer sommerlich.

Wenn wir Agharta, die Innenwelt, verlassen, stoßen wir nach einer Weile auf den wahren Kern von Mutter Erde. Es ist dies eine Art Hohlraum. Ich kann es euch nicht genau erklären, denn dieser Hohlraum ist „aufgefüllt“ mit dem Wesen, der Seele von Gaia und einem ständigen Wandel unterworfen. Die Energien in der Mitte sind so stark, dass sich der Erdkern ungeheuer erhitzt und so auch die Lava erschafft (Über die genauen Vorgänge hierzu möchte ich mich nicht weiter auslassen, denn das würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen). Hier drinnen kommen alle fünf Elemente zusammen; die Erde als Ummantelung, das Wasser, das verbindet, das Feuer, welches wärmt, die Luft, welche durch die beiden Pollöcher hinabsteigt und somit den Äther in sich trägt. Dies ist es, dass Herz unserer Welt, das Zentrum. Wenn solch mächtige Energien aufeinandertreffen, erscheint einem oftmals das Bild einer Feuerwand. Es entsteht aber auch ein unablässiger Sog, ein Austausch, als Pulsieren hörbar – der Herzschlag.

Es ist dies die Kraft, welche unsere Erde bewohnbar macht und dafür sorgt, dass sie sich dreht und ihren Platz im Universum einnimmt. Es ist hier, wo die Magnete sich drehen, ihre Polarität erhalten und somit auch Ebbe und Flut auslösen und die Schwerkraft herstellen.

Wir können nun nicht näher herangehen, denn die Hitze würde uns schaden. Manchmal, wenn die Erde zu viel Wärme hat, kommt es zu einem Vulkanausbruch. Aber selbst wir Naturwesen können uns dieser Energie nicht zu lange aussetzten, sonst würde sie uns in sich aufnehmen, und wir würden aufhören, als Individuen zu existieren. Wir wären nicht tot, nur könnten wir den Kern nicht mehr verlassen. Es gibt manchmal einige von uns, die diesen Weg wählen. Leider kann ich euch nicht sagen, wie es ihnen dabei erging, denn wie gesagt, sie sind dann ein Teil des Ganzen.

Die Feuerwesen halten sich hier besonders gerne auf. Die Wagemutigen unter ihnen leben sogar hier. Aber selbst wenn die Feuergeister den Energien hier am nächsten kommen, so sind auch für sie zu stark. Und nebenbei bemerkt könnte es katastrophale Auswirkungen haben, würden alle Feuerwesen so nahe am Kern lebten.

Kommt nun, meine Lieben, Zeit zu gehen. Wir werden wieder hochsteigen, erdauf. Aber dieses Mal werden wir auf einer Erdlinie reisen. Wie ihr sehen könnt, gibt es diese überall. Sie durchdringen die ganze Erde, wie ein Gitternetz und umschließen ebenfalls den ganzen Planeten; als Schutz, als Ausgleich und als Formgebung.

Seht nur, hier ist eine gute Linie. Sie wird uns an die Oberfläche führen. Wie schön sie funkelt, grün-gelb-weiß.

Bevor ihr nun eure Füße drauf setzt, bittet die Linie um sicheres Geleit nach oben und dankt ihr, für ihr Tun. Es wird ein kurzes Aufflammen der Farben geben. Die Linie hat euch gehört und ist bereit, euch hochzutragen. Jetzt dürft ihr aufsteigen. Wenn ihr das erste Mal auf einer Kraftlinie reist, solltet ihr euch vielleicht hinsetzen. Und nun, lasst euch tragen...

...zurück durch Agharta und vorbei an all seinen Wundern. Weiter durch das tropische Reich der Feuergeister. Ihr dürft ihnen ruhig zuwinken, sie sind keineswegs böswillig, sondern haben nur ein flammendes Temperament. Dann geht es vorbei an meiner Heimat, der Kristallstadt. Wir kommen der Oberfläche näher. Der letzte Abschnitt ist jener Zwischenbereich, wo man das Pulsieren der Kraftlinien am stärksten fühlen kann. Und dann kommt euer Ausgang... Steigt nun von der Linie herab. Ich bleibe noch eine Weile sitzen und sehe nach, wohin sie mich führt. Rauche eine Pfeife und genieße die Schönheiten. Es hat mich gefreut. Geht nun mit der Erde im Herzen...“

Als der Efeu sich verliebte

Vielerorts wird der Efeu als „Schmarotzerpflanze“ angesehen. Eine Pflanze, die nicht ohne einen Wirt überleben kann. Einerseits mag dies sicherlich zutreffen, denn der Efeu haftet sich oft an Bäumen fest und seine Wurzeln wachsen sowohl ober- wie auch unterirdisch. Was dabei aber in Vergessenheit geraten ist, sind die wahren Qualitäten des Efeus. Er schützt den Wald nämlich auf besondere Weise: vor den Auswirkungen bestimmter Frequenzen, wie sie auch von technischen Geräten ausgestrahlt werden.

In vielen der alten Kulturen zählte der Efeu zu den heilbringenden Gewächsen. Vor allem im Keltentum war er hoch angesehen.

Symbolisch steht der Efeu unter anderem für ewiges Leben (er ist immergrün), Beständigkeit, Bescheidenheit, Selbsterkenntnis und Liebe. Auch eine große, weibliche Kraft wird ihm nachgesagt und so verwundert es nicht, dass viele Feen zwischen seinen starken Blättern hausen.

Mich hat der Efeu schon immer fasziniert, und ich werde jedes Mal traurig, wenn die Menschen ihn als Parasiten betrachten. Ähnlich ergeht es wohl den Naturwesen, denn es war ein kühler Tag, als ich auf einem Spaziergang einer Sidhe begegnete.

Als Sidhe werden die Feen in Irland bezeichnet. Sie unterscheiden sich von den Feen, die in unseren Gebieten leben. Es mag unter anderem an ihrer helleren Haut und den oftmals roten Haaren liegen, aber auch an ihrer Körperhaltung. Unsere Feen hier halten sich um einiges gerader und schweben mehr, als dass sie gehen. Die Sidhe wirken etwas unruhiger und hüpfen gerne von Blatt zu Blatt oder von Stein zu Stein. Sie sind um einiges ungestümer und können bisweilen zu drastischen Maßnahmen greifen, wenn sie mit jemandem unzufrieden sind.

So also hat mich diese lustige Sidhe aufgesucht, um mir eine Geschichte aus Irland zu erzählen. Es ist die Geschichte der Sidhe Ailansja, der ersten Fee, welche in einem Efeu wohnte.

„In einer Zeit, die noch keinen Namen hatte und auch nie einen tragen wird, als Naturwesen und Tiere Mutter Erde bewohnten und die Pflanzenfeen noch keine Flügel besaßen, lebte Ailansja. Sie war eine wunderschöne Fee von solch zartem und lieblichem Wuchs, dass viele sich fürchteten, sie beim Anfassen gar zerbrechen zu können. Doch ihr feines Äußeres täuschte, denn Ailansja besaß eine innere Kraft, die stärker als bei vielen ihrer Verwandten war.

Niemand weiß, ob Ailansja die Erste der Sidhe war, aber sie war sicherlich die Erste, die in einem Efeu wohnte. Die schöne Fee hatte Mitleid mit dem unscheinbaren Gewächs, denn niemand wollte sich seiner annehmen. So wurde Ailansja die erste Efeufee.

Es mangelte der Sidhe an nichts, den der Efeu war eine dankbare und widerstandsfähige Pflanze. Nach und nach teilte der Efeu seine Geheimnisse mit der Fee. Die zarte Ailansja kam aus dem Staunen nicht mehr hinaus, denn der Efeu ist von Mutter Erde aus einem ganz bestimmten Grund geboren worden; die Pflanze steht für den ewigen Kreislauf des Lebens. Immergrün und blühend während der Herbstzeit, soll der Efeu die Erdbewohner daran erinnern, dass alles miteinander verbunden ist, in einer endlosen Spirale des Seins. Und so schlängelte sich der Efeu tapfer über den Boden und gleichwohl, dass ihn alle niedertraten, richtete er sich stets munter auf und kroch weiter. Er war und ist noch immer eine stolze und andächtige Pflanze.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter wechselten sich beständig ab und Ailansja wurde mit jedem neuen Tag selbstsicherer. Trotz ihres jungen Alters war sie bald für ihre Weisheit anerkannt, und die Geister kamen von nah und fern, um sich bei ihr Rat zu holen. Zu Beginn war die schöne Ailansja verwundert über das Vertrauen, welches die Fragenden ihr entgegenbrachten. Sie teilte ihr Verblüffen mit dem Efeu, konnte sie sich ihr Wissen doch nicht erklären. Da aber musste der Efeu lächeln und antwortete ihr vertrauensvoll: „Die gütige Mutter hat es mir geschenkt, und ich gebe es an dich weiter.“

Ailansja war verwirrt. „Was hat sie dir geschenkt, lieber Freund?“

Die Sidhe hörte, wie der Efeu sich räusperte. Es klang als ob der Wind durch seine Blätter fahren würde. Ein Geräusch, welches Ailansja zu lieben gelernt hatte.

„Nun“ begann der Efeu geheimnisvoll, „hör gut zu, denn dies ist, was die gütige Mutter mir sagte, als sie mich gebar:

„Ohne Größe und Wert und

ohne sichtbare Eigenschaft, wirst Du sein.

Um zu bedecken, was Schutz braucht und

um zu stützen, was stirbt.

Ein Leben ohne Stolz, in Demut und Stille geführt,

Selbsterkenntnis soll Dein Lohn sein.

Aus der Tiefe meines Herzens

entspringen die Geheimnisse und

als heilige Krone zierst Du mein Haupt,

umschmeichelt von der Ewigkeit des Seins.“

Es lief der zierlichen Ailansja ein Schaudern durch den Körper, als der Efeu wieder schwieg. Sie musste sich setzen und konnte dabei nur ungläubig den Kopf schütteln. Der Efeu wartete geduldig bis seine liebe Freundin sich wieder gesammelt hatte.

„Die große Mutter“ sagte Ailansja schließlich leise, „hat auch zu mir gesprochen. Ich erinnere mich noch gut an ihre sanfte Stimme und die Freude, welche ich damals empfand:

„Unscheinbar wird Dein Schaffen sein

und hoch Dein Streben,

nach den Sternen greifend.

Ein Leben ohne Stolz, in Demut und Stille geführt,

Selbsterkenntnis soll Dein Lohn sein.

Aus der Tiefe meines Herzens

entspringen die Geheimnisse und

als Tochter zierst Du meine Krone,

gesandt von der Ewigkeit des Seins.“

Da lächelte der Efeu liebevoll und seine kräftigen Blätter strichen der Sidhe über die Wange.

„Du siehst, liebe Ailansja, ich habe schon lange auf dich gewartet. Die groß e Mutter hat mir gesagt, dass du eines Tages kommen würdest. Nun bist du hier.“

Die Sidhe war verwirrt. „Aber, wieso hast du es mir nicht früher erzählt?“

Der Efeu ließ seine Blätter rascheln, als würde er mit den Schultern zucken. „Weil es noch nicht an der Zeit war. Du warst noch nicht soweit...“

Ailansja seufzte tief und stützte ihr feines Kinn auf den Händen ab. „Ich muss gerade erkennen, dass du damit richtig liegst.“

Leise lachte der Efeu. „Wir liegen beide richtig, denn wir sind nun Eins.“

Tiefe Zufriedenheit machte sich in der Sidhe breit, und sie nickte leicht. Der Efeu sprach wahr, sie konnte es in ihrem Herzen fühlen – sie hatte ihren Platz gefunden und war glücklich.

Es vergingen Zyklen, Tage und Nächte, warme und kalte Zeiten und stets waren die beiden Wesen füreinander da. Ailansja führte ein fröhliches Leben, und es mangelte ihr an nichts. Sie wurde mit jeder neuen Blüte klüger, und die Geister ersuchten ihren Rat in noch tiefgründigeren Fragen.

Eigentlich konnte es nicht besser sein und doch war Ailansja unglücklich. Selbst wenn sie den Efeu liebte und sich keinen anderen Gefährten mehr vorstellen konnte, blieben sie doch stets am Erdboden haften. Immer aufs Neue kämpften sie sich über den Waldboden. Gelegentlich über kleinere Felsen, und ihre Blätter wurden wie zuvor niedergetreten. Das Problem lag in der Natur der Sidhe. Wie alle ihre Verwandten liebte Ailansja den Himmel, das Funkeln der Sterne und die Freiheit, hoch über dem Boden schweben zu können. Damals aber trugen die Sidhe noch keine Flügel und waren ganz an das Gewächs gebunden, welches sie als ihr zu Hause auserkoren hatten. So blieb der schönen Ailansja nichts anderes übrig, als die Sterne vom dunklen Boden aus zu bestaunen. Aber auch dies war nur im Winter möglich, wenn die Bäume ihr Laub abgeworfen hatten. Das Herz der zarten Fee wurde schwer, ihre Augen entrückten in die Ferne, folgten ihren Träumen hoch in den endlosen Himmel.

Dem Efeu war die Trauer seiner lieben Freundin nicht entgangen. Und nicht nur das, der Efeu hatte sich auch in die schöne Ailansja verliebt, und es schmerzte ihn nun sehr, als er sie leiden sah. Vieles unternahm der Efeu, um die einst lustige Sidhe zurückzuholen, nichts half. Am Ende sah die ewige Pflanze nur noch einen Weg, seine Liebste wieder glücklich zu machen.

Es wird gesagt, dass niemals wieder eine Pflanze eine Sidhe so sehr geliebt hatte, wie der Efeu seine schöne Ailansja. Er widersetzte sich den Regeln von Mutter Erde und begann in die Höhe zu wachsen. Schnell begann er sich auszubreiten, schlängelte sich an Bäumen und Felsen empor, nahm abgestorbene Dinge als Stütze um immer höher hinauf zu gelangen.

Während Ailansjas Blick weiter in der Ferne verloren war, hatte die große Mutter sehr wohl mitbekommen, was ihr Schützling tat. Aber anders, als der Efeu und alle anderen Wesen erwartet hatten, war Mutter Erde glücklich darüber. Sie hatte immer gehofft, dass der Efeu der Schwerkraft eines Tages trotzen möge. Eine Krone sollte man schließlich auch als Krone erkennen.

Als der Efeu nach mühevoller Arbeit seine Ailansja holte, musste die Sidhe weinen. Eine Sidhe weint fast nie. Einige von ihnen leben sogar viele tausende Zyklen, ohne jemals Tränen vergossen zu haben. Ailansja weinte aus Freude und Liebe. Der Efeu führte sie hoch, bis ans äußerste seiner grünen Blätter und zeigte ihr die Sterne.

„Liebste Ailansja“ sagte er da leise und zeigte in die Nacht hinaus, „ich kann dir nicht die Sterne vom Himmel holen. Das kann nicht einmal die große Mutter, aber ich kann dich ihnen näher bringen als je zuvor.“

Und seit jenem Tag wächst der Efeu noch immer in die Höhe. Seine Geliebte Ailansja weilt schon lange nicht mehr unter uns, wurde sie doch von der Ewigkeit gesandt, um ihn zu lieben. Und wie alle Dinge war auch ihr Sein hier auf Erden vergänglich. Es wird aber erzählt, dass Ailansjas Seele aus der Ewigkeit immer noch über ihren Liebsten wacht. Also streckt der Efeu seine Blätter weiterhin dem Himmel entgegen und des Nachts, unter dem Licht der Sterne, reicht ihm Ailansja ihre Hand aus der Unendlichkeit. So bleiben die beiden Liebenden auf ewig miteinander verbunden. Sie tanzen, umgarnen und umschmeicheln einander bis zum Ende der Welt und darüber hinaus...“

Bei den Sidhe und den Feen weltweit, ist dies eine beliebte Geschichte. Muss es fast auch, denn es geht um die Liebe. Naturwesen können manchmal hoffnungslose Romantiker sein, vor allem die Feen und Elfen, sowie Nymphen und Sylphen. Das Bild der ewigen Liebe ist bei ihnen ein höchst erstrebenswertes Ziel, welchem sie mit ganzem Herzen folgen. Vielleicht lässt gerade dies ihre Erscheinungen so zart und durchscheinend wirken? Vielleicht fühlen wir Menschen uns gerade deshalb so stark zu diesen schönen Wesen hingezogen? Das Gute daran ist, wir wissen es nicht und werden es wohl nie erfahren, denn dies ist ihr Geheimnis.

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22 декабря 2023
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204 стр. 7 иллюстраций
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9783945574430
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