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Sonja Müller
Die Syntax-Pragmatik-Schnittstelle
Ein Studienbuch
A. Francke Verlag Tübingen
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© 2019 • Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 • D-72070 Tübingen
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E-Book-Produktion: pagina GmbH, Tübingen
ePub-ISBN 978-3-8233-0095-3
Inhalt
Vorwort
1. Hintergründe1.1 Syntaktische Aspekte1.1.1 Lineare Aspekte der Wortstellung1.1.2 Hierarchische Aspekte der Wortstellung1.1.3 Grundannahmen des Grammatikmodells1.2 Informationsstruktur1.2.1 Fokus-Hintergrund-Gliederung1.2.2 Topik-Kommentar-Gliederung1.2.3 Diskursrelationen
2. Vorfeldbesetzung2.1 Drei Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung2.1.1 Formale Bewegung2.1.2 Basisgenerierung2.1.3 Echte A'-Bewegung2.1.4 Beispielanalyse2.1.5 Die Syntax des Vorfelds2.2 Präferenzen der Vorfeldbesetzung2.2.1 Geschriebene (monologische) Sprache2.2.2 Gesprochene (dialogische) Sprache
3. Das linke Mittelfeld 3.1 Die Position von Topiks im Mittelfeld 3.2 Evidenz für die Topikposition 3.3 Konsequenzen der Analyse 3.4 Beispielanalyse
4. Herausstellungen nach links4.1 Typen der Herausstellung nach links4.2 Linksversetzung und Hängendes Topik4.2.1 Grammatische Unterschiede und Gemeinsamkeiten4.2.2 Diskursfunktionale Unterschiede4.2.3 Syntaktische Analysen
5. Herausstellungen nach rechts5.1 Typen der Herausstellung nach rechts5.2 Rechtsversetzung und Reparatur-Nachtrag5.3 Die Rechtsversetzung im Diskurs5.3.1 Markierung des Diskurstopiks5.3.2 Spontanitätsgrade/Äußerungsregister5.3.3 Spontansprache5.3.4 Nicht-spontane Sprache5.4 Die Syntax der Rechtsversetzung5.4.1 Eine Doppelsatzstruktur-Analyse5.4.2 Die Rechtsversetzung als PF-Phänomen
6. Verbdritt-Strukturen6.1 Gibt es Verbdritt-Sätze im Deutschen?6.1.1 Verbdritt-Sätze in der Zeitungssprache und im Kiezdeutsch6.1.2 Mehrfache Vorfeldbesetzung?6.1.3 Die Funktion der Verbdritt-Sätze6.1.4 Weitere Verbdritt-Kandidaten6.2 Verbdrittsätze in der Zeitungssprache – ein Wettbewerbsmodell6.2.1 Konkurrenz der Strukturen6.2.2 Kategorien der Elemente im Vorfeld6.2.3 Abfolgeprinzipien6.2.4 Anwendung des Modells6.2.5 Vor- und Nachteile der Wettbewerbsanalyse6.3 Verbdrittsätze in der gesprochenen Umgangssprache – Kiezdeutsch6.3.1 Kiezdeutsch als Varietät des Deutschen6.3.2 Beschränkungen6.3.3 Eine syntaktische Analyse
7. Wurzelphänomene7.1 Strukturelle und lexikalische Wurzelphänomene7.2 Erklärungsansätze7.2.1 Funktional – Assertivität7.2.2 Funktional und syntaktisch – Illokution und die Syntax von Adverbialsätzen7.2.3 Syntaktisch – Interventionseffekte7.3 Die Verbzweit-Stellung als Wurzelphänomen im Deutschen7.3.1 Die Datenlage7.3.2 Erklärungsansätze
Literatur
Sachregister
Vorwort
Gegenstand dieses Buches sind Phänomene an der Syntax-Pragmatik-Schnittstelle. Meine Absicht ist es, anhand der betrachteten Strukturen aufzuzeigen, inwiefern bestimmte (syntaktisch auffällige) Strukturen mit bestimmten Diskursfunktionen bzw. informationsstrukturellen Status einhergehen.
Ich verstehe das Buch nicht als reine Einführung in die Pragmatik/Informationsstruktur oder in die Syntax. Vielmehr möchte ich aufzeigen, an welchen Stellen die ansonsten meist in Isolation behandelten Konzepte miteinander interagieren.
Ich beabsichtige mit diesem Band auch, neue Forschungsliteratur für ein Lehrbuch zugänglich zu machen. Bücher zur Syntax und Pragmatik beschränken sich oftmals auf alte Arbeiten und (kanonische) Erkenntnisse. Zu Schnittstellenphänomenen, wie ich sie hier behandeln möchte, hat es in den letzten 15 Jahren sehr viel Forschungsarbeit gegeben, die deshalb auch in der universitären Lehre Beachtung finden sollte. Ich hoffe, mit diesem Band Lehrmaterialien zu einem Thema bereitzustellen, die über das Niveau einer Einführung hinausgehen und deshalb die Lücke zwischen genuinen Fachtexten und Grundlagenliteratur schließen können.
Bei einem Thema, bei dem zwei Teilbereiche linguistischer Beschreibung aufeinander treffen, ist es natürlich nicht zu vermeiden, dass auf unabhängige Erkenntnisse beider Teilgebiete Bezug genommen wird. Ich habe deshalb Kapitel 1 eingefügt, das Hintergründe zu beiden Beschreibungsebenen vorstellt. Das Kapitel verfolgt nicht das Ziel, eine genuine Einführung in diese Themenbereiche zu geben (auf entsprechende Arbeiten verweise ich), sondern einige der Aspekte einzuführen, auf die die Ansätze, die in den Kapiteln 2 bis 7 vorgestellt werden, Bezug nehmen, und für die es sich m.E. deshalb lohnt, sie vorweg in Isolation zu betrachten. Die Auswahl der eingeführten Konzepte orientiert sich an den in den Folgekapiteln behandelten Ansätzen.
Jedes Kapitel dieses Studienbuches schließt mit Übungsaufgaben zum jeweiligen Thema. Die Lösungen zu den Aufgaben stehen auf der Homepage zum Buch unter http://www.narr-studienbuecher.de/ zum Download zur Verfügung.
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Tillmann Bub, der mein Vorhaben befürwortet und die Entstehung des Buches anschließend begleitet hat, sowie bei Julia Schumacher für die Durchsicht des Buches, ihre Korrekturen und weiteren Verbesserungsvorschläge.
Ich würde mich freuen, wenn aus diesem Band zur Interaktion von Syntax und Pragmatik weitere Beiträge zu anderen Schnittstellen hervorgingen.
Köln, im Dezember 2018 Sonja Müller
1. Hintergründe
In diesem Kapitel werden einige Aspekte aus den Bereichen der Syntax (Abschnitt 1.1) und der Informations-/Diskursstruktur (Abschnitt 1.2) eingeführt, die in die Beschäftigung mit den Phänomenen, die in den Kapiteln 2 bis 7 untersucht werden, eingegangen sind.
1.1 Syntaktische Aspekte
Im Bereich der Syntax orientieren sich die in diesem Buch vorgestellten Arbeiten weitestgehend an den Vorstellungen der Generativen SyntaxGenerative Syntax, wie sie seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als Folge auf die ersten Arbeiten Chomskys (weiter)entwickelt wurde.
1.1.1 Lineare Aspekte der Wortstellung
Absicht der Syntaxforschung ist es, Modelle zu entwickeln, die Regularitäten im deutschen Satzbau abzubilden vermögen. Eine erste Erkenntnis in diesem Bereich ist die Beobachtung, dass die Konstituenten eines Satzes auf der horizontalen Ebene nicht beliebig angeordnet werden können.
Eine frühe Generalisierung über derartige lineare Regularitäten stellt das Topologische FeldermodellTopologisches Feldermodell (TFM) dar, das in seinen Grundzügen schon auf Drach (1937) zurückgeht. Das Modell besteht aus fünf Feldern: VorfeldVorfeld (VF), linke SatzklammerLinke Satzklammer (LSK), MittelfeldMittelfeld (MF), rechte SatzklammerRechte Satzklammer (RSK), NachfeldNachfeld (NF).
Für die Besetzung der Felder gelten bestimmte Bedingungen: So kann im Vorfeld eine Konstituente stehen. Die Beispiele in (1a) bis (1d) zeigen, dass diese Konstituente im Prinzip beliebig groß sein kann, solange es sich um eine Konstituente handelt. Da Konstituenten z.B. durch Pronominalisierung ermittelt werden können, können wir die Forderung aufgrund von (1a) als erfüllt ansehen (zu KonstituententestsKonstituententest vgl. z.B. Wöllstein-Leisten et al. 1997: 12ff.).
| (1) | VF | LSK | MF | RSK | NF | |
| a. | Er | hat | die arme Frau geheiratet. | |||
| b. | [Der Mann] | hat | die arme Frau geheiratet. | |||
| c. | [Der reiche Mann] | hat | die arme Frau geheiratet. | |||
| d. | [Der reiche Mann aus Kampen] | hat | die arme Frau geheiratet. |
In der LSK stehen entweder die KonjunktionKonjunktion oder das finite VerbFinites Verb. Die Konjunktion besetzt diese Position in der Regel im Falle konjunktional eingeleiteter Nebensätze, wie sie in (2a) bis (c) auftreten.
| (2) | VF | LSK | MF | RSK | NF | |
| a. | dass | der arme Mann die reiche Frau heiraten | wird | |||
| b. | weil | die Hobbydetektivin den Fall | löste | |||
| c. | als | eine Chance auf den Klassenerhalt bestanden | hat |
Das finite Verb steht in selbständigen Sätzen wie in (1a) bis (1d) in der LSK. Wenn die LSK durch eine Konjunktion besetzt ist, steht das finite Verb in der RSK, wie in (2a) bis (c). Manche Autoren vertreten auch, dass in der RSK auch infinite Bestandteile des Prädikats (wie Partizipien und Infinitive) positioniert werden. Wir werden in Abschnitt 1.1.2 sehen, dass die Generalisierung, dass diese Position nur durch das finite Verb gefüllt wird, eine einfache Zuordnung erlaubt, die andernfalls nicht möglich wäre. Im MF stehen alle Konstituenten, die zwischen den Elementen in den Satzklammern vorkommen. Das NF wird meist durch Nebensätze besetzt oder durch ,schwere‘ nicht-satzwertige Konstituenten. (3) zeigt einige Beispiele für mögliche NF-Besetzungen (zu weiteren Details des TFMs vgl. auch Wöllstein-Leisten et al. 1997: 53–64, Wöllstein 2010).
| (3) | VF | LSK | MF | RSK | NF | |
| a. | [Der Pfarrer] | sagt | [dass der reiche Mann die arme Frau geheiratet hat]. | |||
| b. | Sie | hat | den Mann gesehen, | [der das Shampoo gestohlen hat]. | ||
| c. | Ich | bin | meinem Nachbarn nie begegnet | [all die Jahre, die ich in Bielefeld gelebt habe]. |
Durch die Aufteilung der Konstituenten auf die Felder bildet das TFM eine wichtige Generalisierung des Deutschen ab: Für das finite Verb gibt es im Satz drei mögliche Positionen: Es kann in der letzten Position stehen. Dann resultiert ein Verbend (VE)-SatzVerbend-Satz. Geht eine Konstituente voraus, steht das finite Verb in der zweiten Position (Verbzweit (V2)-SatzVerbzweit-Satz). Ist das Vorfeld unbesetzt, liegt ein Verberst (V1)-SatzVerberst-Satz vor.
Vergleicht man eine Reihe von Strukturen im Feldermodell, stellt man fest, dass bestimmte Konstituenten an verschiedenen Stellen im Satz stehen können. Diese Variabilität in der Wortstellung hat man durch die Annahme zu erfassen versucht, dass Konstituenten sich – unter gewissen Gesetzmäßigkeiten – umstellen lassen. Diese Metapher der BewegungBewegung ist in einem ganz bestimmten Paradigma verankert, der Generativen SyntaxGenerative Syntax, und innerhalb dieses Paradigmas in einem bestimmten Modell, der TransformationsgrammatikTransformationsgrammatik (vgl. Chomsky 1957, 1965), aus der sich die Rektions- und BindungstheorieRektions- und Bindungstheorie (Chomsky 1981) sowie im Laufe der Zeit weitere Modellvarianten (vgl. u.a. das Minimalistische ProgrammMinimalistisches Programm seit Chomsky 1995) entwickelt haben. Es gibt andere Grammatikmodelle, die mit dem, was wir im Folgenden als Umstellung behandeln, auf andere Art umgehen. Die Betrachtung dieser bestimmten syntaktischen Sichtweise motiviert sich für uns allein daraus, dass die Ansätze, die in den Kapiteln 2 bis 7 vorgestellt werden, im Rahmen dieser Vorstellungen entwickelt worden sind.
Die generative Syntaxforschung geht davon aus, dass es eine zugrundeliegende SatzstrukturZugrundeliegende Satzstruktur gibt, aus der andere Strukturen abgeleitet werden. Diese zugrundeliegende Struktur ist im Deutschen die Abfolge SOVSOV (Subjekt-Objekt-Verb), d.h. die Abfolge des Nebensatzes.
Ausgehend von dieser Grundabfolge lassen sich jegliche Sätze leicht ableiten. In (5) sind die Sätze aus (4) im TFM abgebildet.
| (4) | a. | weil Maria den Hund füttert |
| b. | Füttert Maria den Hund? | |
| c. | Maria füttert den Hund. | |
| d. | Den Hund füttert Maria. | |
| e. | Wen füttert Maria? | |
| f. | Peter sagt, dass Maria den Hund füttert. |

In der Grundabfolge, der sogenannten TiefenstrukturTiefenstruktur, ist die Wortstellung SOV. Diese tritt im Nebensatz ohnehin auf. Um die anderen Sätze abzuleiten, sind die drei Operationen in (6) vonnöten.
| (6) | Bewegungsoperationen | |
| a. | Finitumvoranstellung | |
| b. | Topikalisierung | |
| c. | Extraposition | |
Durch die FinitumvoranstellungFinitumvoranstellung wird das finite Verb von der RSK in die LSK bewegt. Durch die Anwendung dieser Umstellung erhält man in der Regel einen selbständigen SatzSelbständiger Satz. Sie erfolgt in (4)/(5) deshalb in (b) bis (f). Wird eine Konstituente umgestellt, hinterlässt sie in ihrer UrsprungspositionUrsprungsposition eine Spur (t für Englisch trace). Die Indizes zeigen uns, welche Spur zu welcher Konstituente gehört. Bei der TopikalisierungTopikalisierung wird eine Konstituente aus dem MF ins VF umgestellt. Dies ist der Fall in (c) bis (f). In (e) wird die vorangestellte Phrase zuvor noch w-pronominalisiert, d.h. durch ein w-Pronomenw-Pronomen ersetzt. Man spricht deshalb auch von w-Bewegungw-Bewegung. Bei der ExtrapositionExtraposition wird eine satzwertige oder nicht-satzwertige ,schwere‘ Konstituente ins NF versetzt, wie z.B. in (f). Die abgeleitete Struktur, d.h. die Struktur, die nach den Umstellungen vorliegt, ist die sogenannte OberflächenstrukturOberflächenstruktur.
1.1.2 Hierarchische Aspekte der Wortstellung
Nach derartigen linearen Generalisierungen betrachten wir im Folgenden ein komplexeres Modell, das auch für Hierarchien aufkommt (vgl. z.B. Grewendorf & Hamm & Sternefeld 1987: 213–227). Im TFM ist allein entscheidend, dass bestimmte Wörter überhaupt Konstituenten bilden, weil es z.B. die Beschränkung gibt, dass im VF nur eine Konstituente stehen kann. Konstituenten sind allerdings intern strukturiert. Der Pfarrer ist intuitiv sicherlich von geheiratet zu unterscheiden, wenngleich beide Konstituenten gleichermaßen im VF stehen können.
Man hat sich zahlreiche Strukturen von Phrasen angeschaut und herausgefunden, dass sie unter einem bestimmten Abstraktionsniveau gleich aufgebaut sind. Das Ergebnis dieser Analyse ist die sogenannte X'-TheorieX'-Theorie (lies: X-bar), die für alle Phrasen in allen Sprachen die Struktur in (7) voraussagt.

Jede Phrase besteht aus einem KopfKopf X0. Dies ist das zentrale Element der Phrase, das ihr ihren Namen gibt. Der Kopf nimmt eine andere Phrase obligatorisch zu sich, das KomplementKomplement (YP). Dieser komplexere Teil der Phrase (die X'-Ebene, die der Theorie den Namen gibt) kann zudem durch einen SpezifikatorSpezifikator (Spec) ggf. modifiziert werden. Dann ist die Phrase abgeschlossen.
Nicht in allen Phrasen hat man einen Spezifikator. Tritt er nicht auf, kann die Zwischenebene der Repräsentation (X') ausgelassen werden. Die Phrase besteht dann aus XP und X0. (Zur X'-Theorie vgl. z.B. Fanselow & Felix 1993: 40–61, Philippi & Tewes 2010: 82–100).
Mit diesem Strukturerzeugungsmechanismus lassen sich verschiedenste Arten von Phrasen generieren bzw. analysieren. In (8) liegen jeweils VerbalphrasenVerbalphrase (VPn) vor. Das Verb ist der Kopf der Phrase, es bestimmt über die Gestalt seines Komplements. Das Dreieck verwendet man in der Darstellung, wenn die interne Struktur der Phrase übergangen wird (vgl. z.B. (9) und (10)). Der Spezifikator der VP ist z.B. besetzt, wenn zwei Objekte beteiligt sind, wie in (10).
| (8) | a. | [ein Buch] kaufen |
| b. | [dass Hans ein Eis isst] sagen | |
| c. | [in den Urlaub] fahren |

(11) zeigt Beispiele für NominalphrasenNominalphrase (NPn).
| (11) | a. Tochter [des Arztes] |
| b. Entdeckung [Amerikas] |
Bei NPn ist die Spec-Position z.B. besetzt, wenn ein Artikel auftritt (vgl. (13)).

In (14) liegen PräpositionalphrasenPräpositionalphrase (PPn) vor.
| (14) | a. | auf [dem Baum] |
| b. | unter [dem Tisch] |

In (16) treten AdjektivphrasenAdjektivphrase (APn) auf.
| (16) | a. | [auf das Fahrrad] stolz |
| b. | [dem König] treu |

In allen Beispielen projiziertProjektion ein Kopf eine Phrase. Weitere Elemente, die vom Kopf gefordert werden, treten hinzu. Dabei muss ein Kopf keine derartigen Forderungen an Komplemente stellen. Er kann auch alleine eine Phrase aufspannen. (18) und (19) zeigen zwei Beispiele.

Die Kategorien N, A, V und P, die in (8) bis (19) vorkommen, sind lexikalische KategorienLexikalische Kategorie. Innerhalb einer Phrase stehen nur Einheiten, die zur ValenzstrukturValenzstruktur der lexikalischen Einheit gehören, d.h. die als syntaktische Mitspieler vom Kopf vorgegeben werden. Die Mitspieler sind die ArgumenteArgument einer lexikalischen Kategorie.
In (8a) hat kaufen z.B. eine Leerstelle für eine NP im Akkusativ (AKK), in (12) Tochter für eine NP im Genitiv (GEN), in (15) auf für eine NP im Dativ (DAT) und in (17) stolz eine für eine PP. Jegliche fakultative Angaben, die nicht vom Kopf gefordert sein können, sind nicht Teil der Phrase. Um auch adverbiale BestimmungenAdverbial wie schnell in schnell zur Schule gehen in der Struktur abzubilden, gibt es die Operation der AdjunktionAdjunktion. Dabei wird der Knoten einer XP verdoppelt, wodurch eine Position geschaffen wird: Da sich schnell in (20) auf die VP bezieht, wird in diesem Fall der VP-Knoten verdoppelt.

Während die lexikalischen Kategorien es erlauben, einzelne Phrasen abzubilden, muss das Inventar von N(omen), A(djektiv), V(erb) und P(räposition) um funktionale KategorienFunktionale Kategorie erweitert werden, um die gesamte Satzstruktur erfassen zu können.
Betrachtet man eine VP wie in (21), etabliert der verbale Kopf eine Situation. Das heißt, bekannt sind die Verbsemantik sowie die Mitspieler (NPs, PPs).

Das Verb kann in einem Satz nur finit oder infinit sein. Das finite VerbFinites Verb flektiert nach Person, Numerus, Tempus und Verbmodus. Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen diesen Finitheitsmerkmalen und dem Subjekt. Tritt ein finites Verb auf, benötigt man auch ein sichtbares Subjekt. Das Subjekt kongruiertKongruenz mit dem finiten Verb in Person und Numerus (in (22) 3. Person, Singular).
| (22) | a. | [Der Mann] läuft. |
| b. | [Der Mann] kauft [ein Buch]. | |
| c. | [Der Mann] gedenkt [des Freundes]. | |
| d. | [Der Mann] dankt [dem Freund]. |
Das Subjekt steht immer im Nominativ. Der Kasus der Objekte ändert sich je nach vorkommendem Verb ((22b) Akkusativ, (22c) Genitiv, (22d) Dativ).
Man nimmt deshalb an, dass der Kasus eines Objekts vom Verb bestimmt wird, während das Subjekt seinen Kasus von den Finitheitsmerkmalen des finiten Verbs erhält. Für die Repräsentation eines Satzes nimmt man deshalb an, dass es oberhalb der VP eine IP (= Inflection PhraseInflection Phrase) gibt (vgl. (23)). Der Kopf dieser Phrase ist I0 und nimmt die VP als sein Komplement.

I0 beinhaltet kein lexikalisches Material, sondern die Merkmale für Person, Numerus, Tempus und Modus. Das Verb gelangt dieser Vorstellung nach als Verbstamm in die Struktur und erhält dort seine Finitheitsmerkmale, die in Form bestimmter Endungen realisiert werden. Das Verb muss sich von V0 zu I0 bewegen (wenn es finit ist), um diese Merkmale in I0 zu erhalten. Darüberhinaus weist I0 SpecIP den Nominativkasus zu, weshalb das Subjekt in genau dieser Position steht (vgl. (24)).

Oberhalb der IP setzt sich der funktionale Überbau fort. Innerhalb der finiten Sätze lässt sich ferner unterscheiden, ob es sich um selbständige oder unselbständige Sätze handelt (vgl. (25)).
| (25) | a. | weil Maria den Hund füttert |
| b. | Maria füttert den Hund. |
Selbständige Sätze unterscheiden sich zudem darin, welcher Satztyp vorliegt. Es kann sich z.B. um einen DeklarativsatzDeklarativsatz (wie in (25b)) oder einen InterrogativsatzInterrogativsatz (vgl. den Entscheidungs(E)-InterrogativsatzEntscheidungs-Interrogativsatz in (26a) und den w-Interrogativsatzw-Interrogativsatz in (26b)) handeln.
| (26) | a. | Füttert Maria den Hund? |
| b. | Wen füttert Maria?/Wer füttert den Hund? |
Die Phrase, die für diese Information zuständig ist, ist die CP (= Complementizer Phrase). Der Kopf dieser Phrase ist C0, ihr Komplement die IP. In einem unselbständigen Satz beinhaltet C0 die Konjunktion (vgl. (27)).

In einem selbständigen Satz (vgl. (28)) beinhaltet C0 das finite Verb, das sich von I0 weiterbewegt. In einem V1-SatzVerberst-Satz ist SpecCP leer, in einem V2-SatzVerbzweit-Satz beinhaltet SpecCP eine Konstituente, die aus ihrer Basisposition in diese Position vorangestellt wird.

Im Gegensatz zu N, A, V und P, den lexikalischen KategorienLexikalische Kategorie, handelt es sich bei I und C um funktionale KategorienFunktionale Kategorie. Sie weisen weniger semantisch fassbaren Inhalt auf, wie man ihn Nomen, Adjektiven, Verben oder Präpositionen (bzw. ihren Phrasen) mehr oder weniger einfach zuschreiben kann, sondern sie erfüllen eine Aufgabe der Grammatik.
Oben haben wir gesehen, dass die Finitheit in I0 verankert wird und in dieser Phrase die Nominativzuweisung an das Subjekt erfolgt bzw. die Kongruenz zwischen dem Subjekt und dem finiten Verb hergestellt wird. Innerhalb der CP wiederum entscheidet sich, ob ein selbständiger oder unselbständiger Satz vorliegt und um welchen Satztyp es sich handelt.
Man kann die Positionen des CP/IP-ModellsCP/IP-Modell auf die Felder des Topologischen FeldermodellsTopologisches Feldermodell beziehen. Das Vorfeld entspricht dabei SpecCP, die linke Satzklammer (LSK) wird C0 zugeordnet und die rechte Satzklammer (RSK) entspricht I0. Unter dieser Sicht werden keine weiteren Operationen benötigt, als die drei, die wir bereits kennengelernt haben. Lediglich die Finitumvoranstellung muss etwas erweitert werden. Die TopikalisierungTopikalisierung hat als Ziel SpecCP, bei der FinitumvoranstellungFinitumvoranstellung wird das Verb nicht nur von I0 nach C0 bewegt, sondern es wird von V0 über I0 zu C0 angehoben. Für unsere Darstellung vom Anfang würde dies bedeuten, dass das Verb zunächst unflektiert im MittelfeldMittelfeld steht und in die RSK bewegt wird, um flektiert zu werden, bevor es in die LSK vorangestellt wird.
Wenn I0 der RSK entspricht, fehlt in der Repräsentation in (28) noch das NachfeldNachfeld. Man hat hier angenommen, dass per AdjunktionAdjunktion an die IP eine Position erzeugt wird, in die extraponierte Konstituenten bewegt werden (vgl. (29)).

Ein weiteres funktionales Element ist der D-Kopf, der eine DP projiziert (vgl. Abney 1987, für eine Zusammenfassung vgl. Philippi & Tewes 2010: 115ff.). Wie I0 beinhaltet dieser Kopf grammatische Merkmale. Die für D relevanten Merkmale sind DefinitheitDefinitheit und SpezifizitätSpezifizität.
Definitheit hat mit Bekanntheit zu tun. Tritt ein indefiniter ArtikelIndefiniter Artikel auf (vgl. (30a)), ist der Referent der NP i.d.R. in der Diskurssituation noch nicht bekannt. Wird ein definiter ArtikelDefiniter Artikel verwendet, ist der NP-Referent bereits in den Diskurs eingeführt worden (vgl. (30b)).
| (30) | a. | Ein Mann lacht. |
| b. | Der Mann lacht. |
Spezifizität bezieht sich auf die Identifizierbarkeit eines Referenten, d.h. ob man sich mit der NP auf einen bestimmten Referenten bezieht. Unter der unspezifischen LesartUnspezifische Interpretation bedeutet der Satz in (31), dass der Dirigent irgendeine weibliche Person sucht, die Geige spielt. Unter der spezifischen LesartSpezifische Interpretation sucht der Dirigent eine bestimmte Geigerin.
| (31) | Der Dirigent sucht eine Geigerin. |
Syntaktisch nimmt man eine DeterminiererphraseDeterminiererphrase (DP) an. Im Englischen bezeichnet man Ausdrücke wie ArtikelArtikel (ein, der), PossessivPossessivpronomen- (sein) und DeterminativpronomenDeterminativpronomen (dieser) als determinerDeterminer. D0 ist der Kopf dieser Phrase, sein Komplement ist eine NP. Die Struktur sieht aus wie in (32).

Wir können eine Phrase wie der Mann nun als NP wie in (33) oder als DP wie in (34) analysieren.

SpecDP ist z.B. besetzt, wenn ein pränominaler Genitiv auftritt, wie in (35).

D0 kann auch leer bleiben. Dies ist beispielsweise bei Eigennamen der Fall (vgl. (36)).

1.1.3 Grundannahmen des Grammatikmodells
Das bis hierher entworfene Bild entspricht dem Modell der Rektions- und BindungstheorieRektions- und Bindungstheorie (Chomsky 1981), das als T-ModellT-Modell bezeichnet wird, weil es wie ein umgedrehtes T aussieht (vgl. (37)).

Dieser Vorstellung nach entstammen die Wörter, die Bestandteil eines Satzes sind, dem mentalen LexikonMentales Lexikon. Wörter weisen einen LexikoneintragLexikoneintrag auf, dem neben phonologischer und semantischer Information auch Informationen zur ValenzValenz, d.h. zur Argumentstruktur,Argumentstruktur zu entnehmen sind. Das heißt, von einem Verb wie kaufen wissen wir z.B., dass es zwei Argumente hat, eine NP im Nominativ und eine NP im Akkusativ. Ebenfalls wissen wir, dass die erste NP interpretatorisch ein Handelnder ist (AgensAgens) (anders als diese NP im Falle von erhalten (EmpfängerEmpfänger) (Peter erhält einen Brief.) oder profitieren (BenefizientBenefizient) (Peter profitiert von Marias Monatskarte für die Straßenbahn.)). Die NP im Akkusativ wird im Fall von kaufen als das, womit etwas gemacht wird, verstanden (ThemaThema) (im Gegensatz zur Akkusativ-NP bei benutzen (InstrumentInstrument) (Hans benutzte ein Messer.) oder erreichen (ZielZiel) (Hans erreichte das Ziel.)). Diese inhaltlichen Füllungen der Argumentstellen werden als thematische RollenThematische Rolle (θ-Rollen) bezeichnet. (38) zeigt einen Lexikoneintrag für den Verbstamm weck-.

Das Verb hat zwei Argumente im Nominativ und Akkusativ, fakultativ kann zusätzlich eine PP auftreten. Das erste Argument erhält die θ-Rolle Agens, d.h. es gibt einen Handelnden, das zweite Argument ,erleidet‘ sozusagen etwas (PatiensPatiens), indem er/sie geweckt wird. Fakultativ kann angegeben werden, aus welcher Domäne er/sie geweckt wird (Traum, Schlaf, Koma).
Die X'-TheorieX'-Theorie erzeugt entlang ihrer Prinzipien die TiefenstrukturTiefenstruktur, die SOV-WortstellungSOV aufweist. Durch BewegungBewegung, beschränkt durch die drei Operationen von TopikalisierungTopikalisierung, FinitumvoranstellungFinitumvoranstellung und ExtrapositionExtraposition, wird die OberflächenstrukturOberflächenstruktur erzeugt. Diese Prozesse haben wir in Abschnitt 1.1.2 im Detail betrachtet.
Man hat nun entlang der Positionen, in denen die bewegten Elemente zu stehen kommen, BewegungstypenBewegungstypen klassifiziert:
Ist die Zielposition eine Kopfposition, handelt es sich um KopfbewegungKopfbewegung. Dies trifft auf die Bewegung von V0 zu I0 (zu C0) zu, d.h. die Flexion und Voranstellung des finiten Verbs.
Ferner unterscheidet man A(rgument)-Argument-Bewegung und Non-A(rgument)(A')-BewegungNon-Argument-Bewegung. Eine A-Position ist eine Position, der eine θ-Rolle zugewiesen werden kann. Eine A'-Position ist entsprechend eine Position, der keine θ-Rolle zugewiesen werden kann. SpecCP ist somit eine A'-Position, weil in dieser Position kein Element basisgeneriert ist. Elemente können nur aus dem Mittelfeld dorthin vorangestellt werden (und haben dann ggf. schon ihre θ-Rolle). SpecIP (durch das Subjekt besetzt) und die Komplementposition von V0 sind A-Positionen.
Die TopikalisierungTopikalisierung bzw. w-Bewegungw-Bewegung sind demnach jeweils Fälle von A'-Bewegung. A-Bewegung, die uns in unserer Darstellung oben nicht begegnet ist, liegt beispielsweise vor, wenn ein Element in die SpecIP-Position bewegt wird (vgl. z.B. Philippi & Tewes 2010: Kapitel 6). Die A'-Bewegung tritt zudem in zwei zu unterscheidenden Varianten auf. Wenn sie innerhalb eines Satzes vorkommt (wie in (39)), spricht man von kurzer A'-BewegungKurze A'-Bewegung.
| (39) | a. | Wen1 hat Maria t1 eingeladen? |
| b. | [Den Dirigenten]1 hat Maria t1 eingeladen. |
Sie kann aber auch über eine Nebensatzgrenze hinweg erfolgen, wie in (40). Man spricht dann von langer A'-BewegungLange A'-Bewegung.
| (40) | a. | Wen1 meint Klara, dass Maria t1 eingeladen hat? |
| b. | [Den Dirigenten]1 meint Klara, dass Maria t1 eingeladen hat. |
Da die erzeugte Struktur auch interpretiert und produziert/wahrgenommen werden muss, muss das Grammatiksystem auch Repräsentationen erzeugen, die hierfür relevante Informationen bereitstellen. Dies sind die Ebenen der Phonetischen FormPhonetische Form (PF) und der Logischen FormLogische Form (LF). Zwischen der Oberflächenstruktur und der LF sowie zwischen der Oberflächenstruktur und der PF gibt es wiederum mögliche Umstellungen. Hierbei handelt es sich einerseits um Bewegung, die man nicht sieht. Man spricht von coverter BewegungCoverte Bewegung oder LF-BewegungLF-Bewegung. Andererseits kann Bewegung auch sichtbar sein, aber keinen interpretatorischen Effekt haben. Dann liegt eine stilistische UmstellungStilistische Bewegung vor. Man spricht auch von PF-BewegungPF-Bewegung.
w-Interrogativsätzew-Interrogativsatz sind ein Beispiel für Strukturen, bei denen sprachliche Ausdrücke an anderen Positionen interpretiert werden, als in denen sie sich auf der Oberflächenstruktur befinden. In (41) weist das erfragte Akkusativobjekt eine tiefere Basisposition auf. Im Falle der Antwort kann die erfragte Konstituente in dieser Position erscheinen.
| (41) | PF: Wen hat Peter getroffen? |
| LF: Für welches x, x ist eine Person, gilt: Peter hat x getroffen. |
Im Deutschen entstehen derartige Fragen dadurch, dass eine w-Phrasew-Phrase an den linken Satzrand versetzt wird. Die Option, dass das w-Pronomen in der Basisposition verbleibt, besteht nicht. Dies ist nur unter deutlicher Akzentuierung des Pronomens in der Lesart einer Echo-FrageEcho-Frage möglich.
| (42) | Peter hat WEN getroffen? |
Es gibt allerdings Sprachen, in denen für eine derartige Frage die w-Phrase nicht an den linken Rand bewegt wird. Im japanischen Beispiel in (43) befindet sich der w-Ausdruck in seiner Basisposition.
| (43) | John-wa | naze | kubi-ni natta | no? | |
| John-TOPIK | warum | wurde | entlassen | FRAGE | |
| ‚Warum wurde John entlassen?‘ | |||||
| (Jungen & Lohnstein 2007: 241) | |||||
Die Paraphrasen der LF sind allerdings entscheidenderweise die gleichen, wie wenn ein w-Element bewegt worden ist (vgl. (44)).
| (44) | LF: Für welches x, x ist ein Grund, gilt: John wurde wegen x entlassen. |
Unabhängig der Oberflächenposition der w-Ausdrücke ist anzunehmen, dass sie sich auf der Ebene von LF an den linken Satzrand bewegt haben. Da sie sich erst nach der Erzeugung der Oberflächenstruktur dorthin bewegen, bleibt die Bewegung covertCoverte Bewegung. (45) und (46) illustrieren die stilistische BewegungStilistische Bewegung, die zwischen der Oberflächenstruktur und PF erfolgen kann.
| (45) | a. | Maria kauft im Kaufhaus ein Kleid. |
| b. | Maria kauft t1 ein Kleid [im Kaufhaus]1. |
| (46) | a. | weil Peter [das Haus zu bauen] versucht |
| b. | weil Peter t1 versucht, [das Haus zu bauen]1 |
Die Bewegungen ins Nachfeld haben hier keinen interpretatorischen Effekt. Man sieht bzw. hört sie, aber sie bringen nicht verschiedene Interpretationen mit sich.
Mit diesen syntaktischen Hintergründen haben wir viele Aspekte bereits eingeführt, die im Rahmen der Diskussion der Phänomene in den Kapiteln 2 bis 7 vorkommen werden: Das Topologische Feldermodell leistet eine Erfassung linearer Abfolgebeschränkungen von Konstituenten. Eine wichtige Rolle spielt hierbei u.a. das Vorfeld, in dem nur eine (beliebig große) Konstituente stehen kann. Ist die Position besetzt und liegt ein selbständiger Satz vor, steht das finite Verb normalerweise in der linken Satzklammer, so dass ein Verbzweit-Satz resultiert. Die X'-Theorie generalisiert über den internen Aufbau von Phrasen. Jede Phrase besteht mindestens aus einem Kopf. Ggf. wird ein weiteres Element vom Kopf gefordert (Komplement) bzw. tritt ein weiterer Modifizierer auf (Spezifikator). Die Annahmen der X'-Theorie erlauben es auch, ganze Sätze im CP/IP-Modell als einen Typ von (komplexer) Phrasen zu analysieren. In der CP entscheidet sich bei dieser Analyse, ob man es mit einem selbständigen oder unselbständigen Satz zu tun hat sowie welcher Satztyp genau vorliegt. Innerhalb der IP erhält das finite Verb zuvor sein Flexionsmaterial und es stellt sich die Kongruenz zwischen dem Subjekt und dem finiten Verb ein. Durch drei Umstellungsoperationen (Bewegung) lassen sich die meisten Sätze des Deutschen aus der zugrundeliegenden Wortstellung Subjekt – Objekt – Verb ableiten: Durch die Finitumvoranstellung wandert das finite Verb aus der rechten in die linke Satzklammer bzw. von V0 über I0 zu C0. Durch die Topikalisierung gelangt eine Mittelfeld-Konstituente ins Vorfeld bzw. nach SpecCP. Wird die Phrase vorher w-pronominalisiert, handelt es sich um einen Fall von w-Bewegung. Wird eine Konstituente bzw. ein Nebensatz ins Nachfeld versetzt, liegt Extraposition vor. Im Normalfall ist eine solche Umstellung sichtbar und hat einen interpretatorischen Effekt. Bewegung kann aber auch covert erfolgen und dennoch interpretiert werden (LF-Bewegung) oder overt erfolgen und keinen Einfluss auf die Bedeutung des Satzes nehmen (PF-Bewegung).
Der nächste Abschnitt unternimmt eine ähnliche Einführung relevanter Konzepte im Bereich der Informationsstruktur.
Aufgaben
1. Stellen Sie die folgenden Sätze (mit Bewegung) im Topologischen Feldermodell dar. Analysieren Sie auch die auftretenden Nebensätze separat.
| (i) | Melanie ist krank, weil sie bereits ihre Sommerjacke trug. |
| (ii) | Den vor dem Fernseher sitzenden Hans ärgert, dass er keine Karte für das Pokalspiel bekommen hat. |
| (iii) | Soll Klaus das Treppenhaus putzen? |
2. Stellen Sie die folgenden Phrasen mit der X'-Theorie dar.
| (iv) | den Fluss entlang |
| (v) | unter der Rheinbrücke wohnen |
| (vi) | traurig des Hundes gedenken |
| (vii) | das Brot mit gesunden Körnern |
| (viii) | des Sieges sicher |
3. Stellen Sie die folgenden Sätze im CP/IP-Schema dar.
| (ix) | Hannah leidet in Spanien an Bauchweh. |
| (x) | Wen trifft Paul im Schwimmbad? |
| (xi) | Klaus behauptet, dass der Chef die Sekretärin entlässt. |
1.2 Informationsstruktur
Analysiert man Sätze wie in Abschnitt 1.1 dargestellt, liegt der Fokus der Betrachtung auf rein strukturellen Eigenschaften. Sätze werden von Sprechern im Gespräch aber natürlich auch zu bestimmten Zwecken verwendet. Da wir uns in diesem Buch für die Zusammenhänge zwischen der grammatischen Form von Sätzen und ihrer Verwendung im Diskurs interessieren, ist es ebenfalls nötig, zunächst einige grundlegende Aspekte auf Seiten der Verwendung von Sätzen zu betrachten. Insbesondere wird bei den Phänomenen in Kapitel 2 bis 7 die InformationsstrukturInformationsstruktur im Mittelpunkt stehen. Musan (2002: 200) charakterisiert die Informationsstruktur folgendermaßen:
Die Informationsstruktur versucht […] unter anderem zu erfassen, dass der Satz nicht nur eine bestimmte INFORMATION AUSDRÜCKT, sondern auch im konkreten Informationsfluss zwischen einem ,Sprecher‘ und einem ,Hörer‘ im weiteren Sinne bestimmte INFORMATIONEN ÜBERMITTELT.
Was man sich unter dem übermittelten Anteil einer Äußerung vorstellen und durch welche sprachlichen Mittel diese Information kodiert werden kann, illustrieren wir im Folgenden anhand zweier Dimensionen der Informationsstruktur, der Fokus-Hintergrund-GliederungFokus-Hintergrund-Gliederung (FHG) und der Topik-Kommentar-GliederungTopik-Kommentar-Gliederung (TKG).
1.2.1 Fokus-Hintergrund-Gliederung
Im Prinzip kann in einem Satz jede Konstituente akzentuiert werden (im Folgenden angezeigt durch Großschreibung). Der Satz in (47) kann realisiert werden wie in (48).
| (47) | Hans wird morgen nach Köln fahren. |
| (48) | a. | HANS wird morgen nach Köln fahren. |
| b. | Hans wird MORgen nach Köln fahren. | |
| c. | Hans wird morgen nach Köln FAHren. | |
| d. | Hans WIRD morgen nach Köln fahren. | |
| e. | Hans wird morgen nach KÖLN fahren. |
AkzenteAkzent sind lokale Modifikatoren der IntonationskonturIntonationskontur, die man als Prominenz wahrnimmt. Phonetisch entspricht dies einer Veränderung der GrundfrequenzGrundfrequenz (Tonhöhe), es geht aber auch eine größere Intensität (Lautstärke) und Dauer (Länge) der akzentuierten Silben einher (vgl. Baumann 1999: 3).
In Abbildung 1 sieht man, dass die zweite Silbe von Berlin einen TonhöhenakzentTonhöhenakzent erhält. Auf der x-Achse ist die Zeit aufgetragen, auf der y-Achse die Frequenz.

Abbildung 1: Tonakzent (Féry 1993: 66)
Strukturell sind die Sätze in (48) identisch. Es treten jeweils die gleichen Wörter und Konstituenten auf, die zudem dieselbe syntaktische Funktion erfüllen. Die Sätze drücken auch alle dieselbe PropositionProposition aus, nämlich dass Hans am folgenden Tag nach Köln fahren wird. Aus diesem Grund sind alle Sätze aus (48) unter genau denselben Umständen wahr. (48a) ist wahr, wenn Hans morgen nach Köln fahren wird. Gleiches gilt für (48b) bis (48e). Dennoch sind die Sätze aber nicht komplett identisch. Sie sind nicht – was die Voraussetzung für SynonymieSynonymie wäre – in jedem Kontext füreinander austauschbar. Die Sätze haben vielmehr unterschiedliche Verwendungsbedingungen. (48e) kann z.B. eine Antwort auf die Frage in (49) sein.
| (49) | A: | Wohin wird Hans morgen fahren? |
| B: | Hans wird morgen nach KÖLN fahren. |
Man kann auf die Frage in (49) aber mit keinem anderen der Sätze aus (48) antworten, wie (50) zeigt.
| (50) | A: | Wohin wird Hans morgen fahren? |
| B: | #HANS wird morgen nach Köln fahren. | |
| B': | #Hans wird MORgen nach Köln fahren. | |
| B'': | #Hans wird morgen nach Köln FAHren. | |
| B''': | #Hans WIRD morgen nach Köln fahren. |
Die Antworten in (50) sind nicht ungrammatisch, doch man hat das Gefühl, dass sie nicht recht passen.
Wenn Sätze nicht ungrammatisch, sondern eher inadäquat sind, zeigt man dies durch die Raute # an. Man sagt auch, die Sätze sind markiertMarkiertheit.
Ändert man die Frage, ist ein anderer Satz aus (48) passend, die anderen eignen sich aber wiederum nicht als Antwort (vgl. z.B. (51)).
| (51) | A: | Wer wird morgen nach Köln fahren? |
| B: | HANS wird morgen nach Köln fahren. | |
| B': | #Hans wird MORgen nach Köln fahren. | |
| B'': | #Hans wird morgen nach Köln FAHren. | |
| B''': | #Hans WIRD morgen nach Köln fahren. | |
| B'''': | #Hans wird morgen nach KÖLN fahren. |
Man stellt fest, dass die Sätze völlig akzeptabel sind, wenn man mit der akzentuierten (man sagt auch fokussiertenFokus) Konstituente die Antwort gibt. Nimmt man an, dass das, was durch eine w-Frage erfragt wird, fehlende, unbekannte, unerwartete Information ist, während der Rest des Satzes bekannt, akzeptiert und erwartbar ist, lässt sich über einen Satz wie den zweiten Satz in (52) sagen, dass er in zwei Teile zerfällt.
| (52) | A: | Wer wird morgen nach Köln fahren? |
| B: | [Fokus HANS] [Hintergrund wird morgen nach Köln fahren]. |
Dies ist zum einen akzeptierte und erwartbare Information (wird morgen nach Köln fahren) und zum anderen neue und unerwartete Information (Hans). Eine derartige Gliederung fällt unter die InformationsstrukturInformationsstruktur eines Satzes.
Information der ersten Art gehört zum HintergrundHintergrund, Information der letzten Art zum FokusFokus. Diese Dichotomie von Fokus und Hintergrund stellt eine informationsstrukturelle DimensionInformationsstrukturelle Dimension dar. Notationell kann man die jeweilige Information klammern und durch Indizes auszeichnen (vgl. (52)).
In den obigen Beispielen haben wir zur Diagnostik des Fokusbereichs eines Satzes w-Fragenw-Frage verwendet. In der Regel erfragt ein w-Pronomenw-Pronomen eine neue Information, während über den Rest des Satzes Einigkeit besteht. Die Korrelation zwischen neuer Information und Fokus wird gerne angenommen, es gibt aber auch Beispiele, die zeigen, dass auch Bekanntes fokussiert sein kann. In (53) ist Charlotte durch die erste Äußerung vorerwähnt und somit bekannte Information, dennoch ist diese Konstituente im zweiten Satz akzentuiert und bildet den Fokus.
| (53) | Charlottes Foto ist schön. | |
| – Nein, [Fokus CharLOTte] [Hintergrund ist schön]. | (Musan 2010: 52) |
Aufgrund derartiger Beobachtungen ist vorgeschlagen worden, Fokus nicht als neue Information zu charakterisieren, sondern als Thematisierung von AlternativenThematisierung von Alternativen (vgl. Krifka 2007: 18). Der Fokus legt dieser Ansicht nach Alternativen zu einer im Satz genannten Einheit nahe, die bei der Interpretation der Äußerung eine Rolle spielen.
Über die Natur der Alternativen macht diese Definition keine Aussage und es lassen sich tatsächlich u.a. verschiedene Funktionen von FokusFokusfunktionen unterscheiden (vgl. Krifka 2007: 21ff., Musan 2010: 42f.).
| (54) | A: | Was tut weh? |
| B: | [Fokus Mein ZAHN] tut weh. |
| (55) | A: | Eva hat [Fokus eine RATte]. | |
| B: | Nein, Eva hat [Fokus eine KATze]. | (Musan 2010: 43) |
| (56) | A: | Eva hat [Fokus eine RATte]. |
| B: | Ja, Eva hat [Fokus eine RATte]. |
| (57) | Mareike hat [Fokus ein KaNINchen]. Eva hat [Fokus eine KATze]. |
| (Musan 2010: 43) |
In (54) liefert die fokussierte Einheit als Antwort auf die Frage tatsächlich neue Information, man spricht von einem InformationsfokusInformationsfokus. Die Fokusalternativen werden durch die Frage eröffnet (Zahn, Arm, Bein etc.). In (55) spricht man von einem KorrekturfokusKorrekturfokus. Eine Aussage der Form Eva hat X. muss unmittelbar vorangegangen sein, der korrigierte Ausdruck wird verneint. Ähnlich muss in (56) eine (in diesem Fall genauer die gleiche) Aussage vorangegangen sein. Der fokussierte Ausdruck wird allerdings nicht verneint, sondern bestätigt (BestätigungsfokusBestätigungsfokus). In (57) werden die beiden Fokuseinheiten gegenübergestellt, weshalb man diesen Fall als KontrastfokusKontrastfokus bezeichnet.
Der FokusakzentFokusakzent wird einer Silbe aus dem FokusbereichFokusbereich zugeordnet. Wenn ein einsilbiges Wort vorliegt und nur dieses Wort alleine der Fokus der Äußerung ist, entspricht die akzentuierte Silbe der Fokuseinheit (vgl. (58)).
| (58) | A: | Wen hat Irma eingeladen? |
| B: | Sie hat [Fokus HANS] eingeladen. |
Wenn ein Wort, das alleine den Fokus bildet, aus mehr als einer Silbe besteht, erhält diejenige Silbe den Fokusakzent, die den Wortakzent trägt:
| (59) | A: | Wen hat Irma eingeladen? |
| B: | Sie hat [Fokus STEfan] eingeladen. |
Besteht eine NP aus mehr als einem Nomen, ist zwar auch die Silbe des Nomens akzentuiert, die NP steht aber als Ganzes im Fokus (vgl. (60)).
| (60) | A: | Wen hat Irma eingeladen? |
| B: | Sie hat [Fokus ihren SCHULfreund] eingeladen. |
Die akzentuierte Silbe bezeichnet man als FokusexponentenFokusexponent. Die Beispiele in (58) bis (60) zeigen, dass der Fokus genauso groß sein kann wie der Fokusexponent, der Fokusbereich aber auch größer sein kann. Dass eine NP im Fokus steht, kann über den Test durch die Bildung einer w-Frage abgeleitet werden. Man kann dies weiterführen und dadurch zeigen, dass auch größere Bereiche eines Satzes ggf. Fokus sein können. In (61) und (62) zeigen die Fragen an, dass die VP bzw. CP den Fokus bildet.
| (61) | A: | Was hat Irma gemacht? |
| B: | Sie hat [Fokus ihren SCHULfreund eingeladen]. |
| (62) | A: | Was war los? |
| B: | [Fokus Irma hat ihren SCHULfreund eingeladen]. |
Wird das Nomen Schulfreund akzentuiert, kann die NP anscheinend alleine den Fokus bilden (enger FokusEnger Fokus), es können aber auch größere Teile des Satzes den Fokus ausmachen (weiter Fokusweiter Fokus). Das Verhältnis zwischen Fokusexponent und Fokusbereich bezeichnet man als FokusprojektionFokusprojektion bzw. FokusvererbungFokusvererbungFokusprojektion. Das heißt, der Fokus wird von dieser Silbe auf größere Teile des Satzes projiziert. Es ist Gegenstand der Forschung, die Bedingungen zu formulieren, unter denen Fokusprojektion möglich ist (vgl. z.B. Selkirk 1995, Büring 2006). Wichtig ist, dass wir sehen, dass Fokus und Akzent nicht stets zusammenfallen.
FokusFokus ist eine informationsstrukturelle KategorieInformationsstrukturelle Dimension, die nicht notwendigerweise mit AkzentAkzentuierung zusammenfällt, die im Deutschen aber durch Akzent markiert wird.
1.2.2 Topik-Kommentar-Gliederung
Eine weitere Dimension der Informationsstruktur ist die Dichotomie von TopikTopik und KommentarKommentar. (63) beispielsweise interpretiert man ganz natürlich als einen Satz über Brigitte, und was über Brigitte ausgesagt wird, ist, dass sie das Radfahren liebt.
| (63) | [Topik Brigitte] [Kommentar liebt das Radfahren]. |
Unter dem Topik eines Satzes versteht man diejenige Einheit, über die eine Aussage gemacht wird. Der Kommentar erfasst die Aussage, die über das Topik gemacht wird.
In (63) steht das Topik im VorfeldVorfeld. Dies muss aber nicht so sein. In (64) steht es im MittelfeldMittelfeld.
| (64) | Was gibt’s Neues über das Stadtschloss? |
| Laut Bürgermeister Jacobs wird man dieses furchtbare Gebäude nächstes Jahr endlich abreißen. (Fanselow 2006: 6) |
In manchen Fällen kann auch allein der Kontext auflösen, welche Einheit das Topik ist. In (65) können prinzipiell Hans (vgl. (66)) oder Maria (vgl. (67)) das Topik sein.
| (65) | Hans hat Maria zum Tanz aufgefordert. |
| (66) | A: | Erzähl mir von Hans. |
| B: | [Topik Hans] [Kommentar hat Maria zum Tanz aufgefordert]. |
| (67) | A: | Erzähl mir von Maria. |
| B: | [Kommentar Hans hat] [Topik Maria] [Kommentar zum Tanz aufgefordert]. | |
| (nach Erteschik-Shir 2007: 15) |
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kontexte zu konstruieren, die ein Topik als solches auszeichnen. Dazu gehört z.B. der FragetestFragetest, den wir bereits eingesetzt haben, um die Fokus-Hintergrund-GliederungFokus-Hintergrund-Gliederung (FHG) zu bestimmen. In (68) fordert die Frage Informationen zu einer Einheit, die dann entsprechend als Topik interpretiert wird. Das, was in der Frage an Information fehlt, ist der Kommentar.
| (68) | A: | Was hat Albert gemacht? |
| B: | [Topik Albert] [Kommentar hat Saxophon gespielt]. |
Das Topik kann auch über EinleitungssequenzenEinleitungssequenz wie in (69) bis (71) nahegelegt werden (vgl. Musan 2010: 28f.).
| (69) | Ich erzähle dir etwas über Albert. |
| [Topik Albert] [Kommentar lernt jetzt Harfe spielen]. |
| (70) | Es gibt etwas Neues über Albert. |
| [Topik Albert] [Kommentar lernt jetzt Harfe spielen]. |
| (71) | Hast du das über Albert schon gehört? |
| [Topik Albert] [Kommentar lernt jetzt Harfe spielen]. |
Auch gibt es einige spezielle Konstruktionen, die dazu verwendet werden können, das Topik eines Satzes zu kodieren. Für die Strukturen in (72) bis (74) hat man z.B. angenommen, dass sie die am linken Satzrand stehende Einheit als Topik auszeichnen.
| (72) | [Topik Meinen Onkel,] [Kommentar den habe ich lange nicht gesehen]. |
| (73) | [Topik Mein Onkel,] [Kommentar ich habe ihn lange nicht gesehen.] |
| (74) | Was [Topik Miriam] betrifft, [Kommentar so weiß ich nicht, warum sie heute zu spät kommt]. (Musan 2010: 33f.) |
(72) ist eine sogenannte LinksversetzungLinksversetzung, die sehr ähnliche Struktur in (73) bezeichnet man als Hängendes TopikHängendes Topik und (74) ist ein Beispiel für ein Freies ThemaFreies Thema.
Aus der Möglichkeit von Frage-Antwort-SequenzenFrage-Antwort-Sequenz wie in (68) und (71) darf nicht gefolgert werden, dass Topik und Bekanntes bzw. Kommentar und Unbekanntes immer gleichzusetzen sind. Dies wird suggeriert, da das Topik bereits in der Frage vorkommt und der Kommentar der Teil der Äußerung ist, den die Frage erfragt. Unter der Sicht, dass der Fokus mit neuer Information assoziiert wird, erfolgt die Auszeichnung von Topik und Kommentar hier parallel zur FHG.
| (75) | A: | Was hat Albert gemacht? |
| B: | [Topik Albert] [Kommentar hat Saxophon gespielt]. | |
| B: | [Hintergrund Albert] [Fokus hat Saxophon gespielt]. |
Die Beispiele in (76) und (77) illustrieren, dass die Auszeichnungen nicht parallel verlaufen müssen.
| (76) | A: | Was haben die Kunden gelesen? |
| B: | Eine Frau hat eine Computerzeitschrift gelesen. |
| (77) | A: | Auf dem Tisch liegen so viele Bücher – die Bibel, „Harry Potter und der Halbblutprinz“, „Die Forsyte-Saga“. Was hat Eva gelesen? |
| B: | Eva hat „Harry Potter und der Halbblutprinz“ gelesen. | |
| (Musan 2010: 29) |
In (76) wird eine Aussage über die gelesenen Dinge durch Kunden gemacht (vgl. (78a)). Bekannt ist aber nur, dass überhaupt etwas gelesen wurde, d.h. sowohl die Frau als auch die Zeitschrift können als unbekannte Information gelten (vgl. (78b)). Im Topikbereich tritt somit unbekannte Information auf.
| (78) | a. | [Topik Eine Frau] [Kommentar hat eine Computerzeitschrift] [Topik gelesen]. |
| b. | [Fokus Eine Frau] [Fokus hat eine Computerzeitschrift] [Hintergrund gelesen]. | |
| (Musan 2010: 29) |
In (77) wird Information über Evas gelesene Bücher verlangt (vgl. (79a)). Sowohl Eva als auch das Buch als auch die Tätigkeit des Lesens sind im Kontext vorerwähnt und in diesem Sinne Teil des Hintergrunds. In diesem Beispiel liegt somit bekannte Information im Kommentar vor.
| (79) | a. | [Topik Eva hat] [Kommentar „Harry Potter und der Halbblutprinz“] [Topik gelesen]. |
| b. | [Hintergrund Eva hat] [Hintergrund „Harry Potter und der Halbblutprinz“] [Hintergrund gelesen]. | |
| (Musan 2010: 29) |
Das heißt, Topikstatus kann, muss aber nicht, mit Bekanntheit und Kommentar mit Unbekanntheit korrelieren.
Diese Erkenntnis ist relevant vor dem Hintergrund, dass in der Literatur zwei verschiedene Topikdefinitionen vorgeschlagen worden sind. Die Auffassung, die wir bisher vertreten haben, nach der das Topik der Satzgegenstand ist, ist bekannt als Aboutness Topik-Definition Aboutness Topik(vgl. z.B. Reinhart 1981, Molnàr 1991). Folgt man dieser Beschreibung, kann es sich bei einem Topik um einen vorerwähnten, bekannten Referenten handeln oder um eine diskursneue Einheit. Eine andere Topikauffassung baut auf der Eigenschaft auf, dass das Topik stets eine gegebene, bereits saliente oder zumindest ableitbare Einheit ist. Man spricht in diesem Fall von einem Familiarity TopikFamiliarity Topik (vgl. z.B. Kuno 1972, Haftka 1995).
Wenn nicht anders bezeichnet, gehen wir im Folgenden weiterhin von der Aboutness-Auffassung aus, da sich herausstellen wird, dass dieses Konzept in den im weiteren Verlauf dieses Buches untersuchten Phänomenen, bei denen der Topikstatus eine Rolle spielt, das relevante sein wird. Der Satzgegenstand sollte aber natürlich identifizierbar sein und das ist er oftmals aus dem Grund, dass der Referent schon bekannt ist. Pronomen eignen sich aus diesem Grund auch gut als Topikkonstituente.
Unter diesem Topikkonzept scheint es nicht sinnvoll, anzunehmen, dass es Sätze ohne Topik gibt. Für die Beispiele in (80) und (81) stellt sich dann aber die Frage, wie das Topik hier jeweils zu benennen ist.
| (80) | a. | Es findet ein Markt statt. |
| b. | Es war einst ein Zauberer. |
| (81) | a. | Es regnet. |
| b. | A: Was ist los? | |
| B: Das TElefon klingelt. (Lambrecht 1994: 140/177/141/143) |
In allen diesen Fällen bietet sich keine Interpretation an, unter der sich die Sätze in Topik und Kommentar gliedern. In (80) wird eher ein Referent eingeführt bzw. dessen Existenz festgestellt. In Folge könnten der dann etablierte Markt bzw. der Zauberer als Topik fungieren. In (81) wird jeweils ein Ereignis eingeführt. In (81a) bietet sich das ExpletivumExpletivum sehr deutlich nicht als Satzgegenstand an und auch in (81b) wird (anders als in (82)) keine Aussage über das Telefon gemacht.
| (82) | A: | Was ist denn schon wieder mit dem Telefon los? |
| B: | Das Telefon KLINgelt. |
Sätze wie in (80) und (81) bezeichnet man als thetische SätzeThetischer Satz. Lambrecht (1994: 144) teilt diese Klasse in präsentationelle StrukturenPräsentationeller Satz wie in (80), die einen Referenten einführen, und ereignisberichtende SätzeEreignisberichtender Satz, die Ereignisse einführen (vgl. (81)).
Eine Möglichkeit ist nun, derartige Sätze als Ausnahmen anzusehen. Unter dieser Sicht handelt es sich um topiklose Strukturen. Erteschik-Shir (2007: 16f.) hingegen vertritt, dass hier Situationen als Topik auftreten. Wollte man Sätze dieser Art auf ihre Wahrheit hin untersuchen, würde man den Ort und/oder die Zeit ausmachen, auf die Bezug genommen wird, und die Aussage auf diese beziehen. Im Falle von (81a) würde man z.B. an einem bestimmten Ort nach draußen schauen, in (81b) fragt man nach der Gegebenheit an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und auch in (80) würde man überprüfen, ob die genannten Entitäten zum gemeinten Zeitpunkt/am gemeinten Ort existieren. Erteschik-Shir bezeichnet derartige Topiks als implicit stage topicimplicit stage topic, das die spatio-temporalen ParameterSpatio-temporaler Parameter des Satzes aufzeigt. Da jede Konversation zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort stattfindet, ist ein derartiges Topik immer verfügbar. Ein Stage-Topik ist folglich ein nicht-overt realisiertes Topik.
Ein weiterer Fall eines nicht sichtbaren Topiks lässt sich beim Phänomen des Topik-DropTopik-Drop, illustriert in (83) und (84), beobachten.
| (83) | A: | Heute hab ich den Hans gesehen. |
| B: | Echt? __ Ist mir ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr begegnet. |
| (84) | A: | Heute ist mir der Hans begegnet. |
| B: | Echt? __ Hab ich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. | |
| (Trutkowski 2016: 3) |
Auch hier ist kein Topik sichtbar, man interpretiert die Aussagen in den Beiträgen von B aber als Information (und damit Kommentar) über Hans. (Für einen Überblick über die Bedingungen des Topik-Drop und theoretische Rekonstruktionen dieses Phänomens vgl. z.B. Helmer 2016, Trutkowski 2016.)
Unter Bezug auf die Aboutness Topik-DefinitionAboutness Topik lässt sich auch erfassen, warum nicht alle sprachlichen Einheiten als Topik geeignet sind. Eine Voraussetzung für den Topikstatus ist plausiblerweise, dass der Ausdruck referieren kann (vgl. Reinhart 1981: 65ff., Frey 2004a: 174), d.h. sich auf eine außersprachliche Entität beziehen kann, über die eine Aussage gemacht wird. Angenommen, die LinksversetzungLinksversetzung (LV) zeichnet die Konstituente am linken Satzrand als Topik aus, kann diese Struktur als Testboden dienen. Einheiten, die sich schlecht als Topik eignen, sollten nicht gut auftreten können. Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein: Während eine definite NPDefinite Nominalphrase (vgl. (85a)) gut in einer LV stehen kann, gilt dies nicht gleichermaßen für die quantifizierten PhrasenQuantifizierte Nominalphrase in (85b) bis (85d), die Aussagen über Mengen machen und hier nicht eindeutig die Einheiten identifizieren, auf die die Aussage zutreffen soll.
| (85) | a. | Der Student aus Bielefeld, der hat die Klausur bestanden. |
| b. | ??Irgendjemand, der hat die Klausur bestanden. | |
| c. | *Keiner, der hat die Klausur bestanden. | |
| d. | *Mehr als drei Studenten, die haben die Klausur bestanden. |
Dies bedeutet allerdings nicht, dass quantifizierte Phrasen generell keine Topiks bilden können. Die Sätze in (86) sind wesentlich akzeptabler als die Beispiele in (85b) bis (d).
| (86) | a. | ?Drei Studenten, die sind durchgefallen. |
| b. | ?Alle Studenten, die möchten den Kurs bestehen. |
Dies ist darauf zurückzuführen, dass in (86) die Mengen klarer identifiziert werden können und somit über diese bzw. ihre Mitglieder etwas ausgesagt werden kann.
Wenngleich Topiks typischerweise über (NP-)Argumente realisiert werden, können auch adverbiale Bestimmungen diese Rolle übernehmen. In (87a) realisiert eine PP, die die Funktion eines lokalen AdverbialsLokales Adverbial hat, das Topik, in (87b) ein temporales AdverbialTemporales Adverbial in Form eines Adverbs.
| (87) | a. | Im Zug, da träume ich vor mich hin. |
| b. | Morgen, da fahren wir nach Pfullingen. |
Die Ausdrücke im Zug und morgen referieren ohne Zweifel auf einen Ort bzw. einen Zeitpunkt. Wenn den Ausdrücken derartige referenzielle Kraft nicht zuzuschreiben ist, eignen sie sich auch nicht als Topik. Dies gilt z.B. für das Adverbial der Art und WeiseAdverbial der Art und Weise in (88a) sowie das unspezifische lokale Adverbial in (88b).
| (88) | a. | *Schön, so hat Stefan Klavier gespielt. |
| b. | ??Irgendwo, da habe ich einen Pfau gesehen. |
Auch SatzadverbialeSatzadverbial wie leider oder wahrscheinlich, die eine Bewertung des ausgedrückten Sachverhalts durch den Sprecher vornehmen – die aber allein aus syntaktischen Gründen nicht in LVen vorkommen können, weil es keine geeigneten Pronomen für ihren Aufgriff gibt – bieten sich nicht als Topiks an. In (89) handelt es sich nicht um Aussagen über leider oder wahrscheinlich.
| (89) | a. | Leider wird der FC absteigen. |
| b. | Wahrscheinlich komme ich am Dienstag zur Probe. |
Das Topik eines Satzes ist unserer Definition nach die Einheit, über die der Satz eine Aussage macht (Aboutness TopikAboutness Topik). Topiks können sich aber auf die folgende Weise weiter voneinander unterscheiden:
| (90) | 1758 hat [Topik Carl von Linné, der ernstzunehmende Systematiker,] [Kommentar die nahe Verwandtschaft von Menschen, Affen und Menschenaffen offiziell anerkannt]. [Topik Er] [Kommentar fasste alle drei zur Ordnung der Primaten (Herrentiere) zusammen und hob damit ihre hohe Stellung im Tierreich hervor]. |
| (Musan 2010: 28) |
In (90) z.B. bleibt das Topik (Carl von Linné) in beiden Sätzen beibehalten. Nur der Kommentar ändert sich. In der Literatur wird ein solches Topik als Continued TopikContinued Topik bezeichnet.
In (91) hingegen sind ganz verschiedene Referenten Topik, die in diesem Abschnitt immer wieder wechseln. Man spricht von Switch TopiksSwitch Topik oder Shifting TopiksShifting Topik.
| (91) | Dann schliefen [Topik1 sie] ein, und am andern Morgen, als die Sonne sie aufweckte, kam ein Wagen herangefahren, mit acht weißen Pferden bespannt, [Topik2 die] hatten weiße Straußfedern auf dem Kopf und gingen in goldenen Ketten, und hinten stand der Diener des jungen Königs, das war der treue Heinrich. [Topik3 Der treue Heinrich] hatte sich so betrübt, als sein Herr war in einen Frosch verwandelt worden, daß er drei eiserne Bande hatte um sein Herz legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit zerspränge. [Topik4 Der Wagen] aber sollte den jungen König in sein Reich abholen; [Topik5=Topik3 der treue Heinrich] hob beide hinein, stellte sich wieder hinten auf und war voller Freude über die Erlösung. |
| (Märchen der Brüder Grimm, Der Froschkönig) | |
| (Breindl 2011: 37) |
In (92) wiederum tritt ein sogenanntes KontrasttopikKontrasttopik auf.

Das Kontrasttopik vereint in gewissem Sinne die Kategorien Topik und Fokus: Das TopikTopik ist beteiligt, da es den Rahmen vorgibt, innerhalb dessen die folgende Information verankert werden soll (die Nachbarn). FokusFokus ist beteiligt, weil aus diesem komplexen Topik jeweils Möglichkeiten ausgewählt werden, die in diesem Beispiel als Alternativen auch schon vorerwähnt sind.
Die IntonationIntonation ist ein entscheidender Faktor bei diesem Typ von Topik. Man sieht in (92), dass der Tonhöhenverlauf steigt, konstant bleibt und wieder fällt. Man spricht aufgrund dieser Form von der HutHutkontur- oder BrückenkonturBrückenkonturHutkontur.
Wir haben in diesem Abschnitt bisher angenommen, dass das Topik die Einheit ist, über die ein Satz eine Aussage macht. Genau genommen haben wir damit bisher das SatztopikSatztopik (ST) charakterisiert. Es ist aber auch möglich, über das zu reden, wovon ein Textabschnitt oder der größere Diskurs handelt. Der Bereich, über den man redet, wird somit vergrößert. In diesem Fall spricht man von einem DiskurstopikDiskurstopik (DT). In (93) z.B. ist das ST in den Sätzen jeweils ein anderes. Im ersten Satz ist es Paula, im zweiten Satz Paulas Gemüsesuppe und im dritten Satz die ganze Familie. Das DT ist hingegen dasselbe, etwa Paulas Kochkünste.
| (93) | Paula ist eine tolle Köchin. Ihre Gemüsesuppe ist eine Delikatesse. Die ganze Familie lässt sich gerne bekochen. |
Die Bestimmung des DTs lässt in der Regel etwas mehr Spielraum als die Festlegung des STs.
Wir haben in diesem Abschnitt mit der Fokus-HintergrundFokus-Hintergrund-Gliederung- und der Topik-Kommentar-GliederungTopik-Kommentar-Gliederung zwei informationsstrukturelle DomänenInformationsstrukturelle Dimension kennengelernt. Die Funktionen des Fokus, die wir in Abschnitt 1.2.1 ausgemacht haben, wie die Antwort auf eine Frage zu geben, eine Aussage zu bestätigen oder zu korrigieren bzw. Dinge zu kontrastieren, kann man als pragmatischePragmatik Funktionen auffassen, denn sie dienen der gelungenen Kommunikation im Diskurs. Die Fokussierung dieser Elemente nimmt keinen Einfluss auf die WahrheitsbedingungenWahrheitsbedingung der Sätze. Fokussiert ein Sprecher eine andere Phrase, gibt er beispielsweise immer noch eine Antwort auf die Frage (die dann ggf. unpassend ist). Letzteres ändert aber nichts an der prinzipiellen Fokusfunktion in diesem Kontext. Wie wir zu Beginn dieses Abschnitts zur Informationsstruktur gesehen haben, liegt das Augenmerk der InformationsstrukturInformationsstruktur nicht auf dem ausgedrückten, sondern auf dem vermittelten Inhalt. Es geht um die Verwendung von Äußerungen im Zuge der Diskursorganisation. Korrigieren, bestätigen, informieren etc. sind hier bestimmte Operationen im Verlauf einer Konversation. Im gleichen Sinne leistet auch die Topik-Kommentar-GliederungTopik-Kommentar-Gliederung einen Beitrag zur Diskursorganisation, indem sie eine Äußerung in den Satzgegenstand und die Aussage über diesen unterteilt. Aus der Perspektive, dass alle angeführten Mittel dem Zweck dienen, die Verwendung von Äußerungen im Diskurs anzuzeigen oder zu beeinflussen, fällt die Informationsstruktur in den Teilbereich der linguistischen PragmatikPragmatik, der sich mit der Verwendung von Äußerungen im Kontext beschäftigt. Diese Zuordnung ergibt sich ebenfalls aus dem Blickwinkel, dass die Informationsstruktur keinen Beitrag zu den Wahrheitsbedingungen eines Satzes leistet (s.o.) und in diesem Sinne nicht an der wörtlichen Bedeutung von Sätzen teilhat. Pragmatische Phänomene vereint gerade, dass die Natur ihrer Bedeutung nicht-wörtlich ist bzw. über die wörtliche Bedeutung hinausgeht.
Aufgaben
1. Wie lässt sich die Markiertheit von (i) im Vergleich zu (ii) erklären?
| (i) | #Ein Zauberer war einst sehr weise, reich und mit einer wunderschönen Hexe verheiratet. |
| (ii) | Es war einst ein Zauberer, der sehr weise und reich war. |
| (nach Lambrecht 1994: 178/180) |
2. Erläutern Sie den Unterschied zwischen (iii) und (iv) hinsichtlich der Topik-Kommentar-Gliederung. Überlegen Sie dazu, in welchen Kontexten die beiden Sätze geäußert werden könnten. Das heißt, welche Art von Frage könnte jeweils vorweg gehen?
| (iii) | Mein BAUCH tut weh. |
| (iv) | Mein Bauch tut WEH. (nach Lambrecht 1994: 137) |
3. Bestimmen Sie die Fokusdomänen der folgenden Sätze. Was fällt auf hinsichtlich möglicher Fokusprojektionen?
| (v) | Der Verband hat die BUNdestrainerin entlassen. |
| (vi) | Der VerBAND hat die Bundestrainerin entlassen. |
| (vii) | Der Verband hat die Bundestrainerin nach dem TurNIER entlassen. |
Wie wir gesehen haben, beschäftigt sich die Informationsstruktur mit der Gliederung von Sätzen, die dem Zweck dient, auf Verhältnisse in der Kommunikationssituation aufmerksam zu machen bzw. zu reagieren. Ein angrenzender Untersuchungsbereich im Rahmen des größeren Themas der Diskursorganisation ist, in welchem Verhältnis Äußerungen im Diskurs zueinander stehen, d.h. letztlich, wie ein Diskurs durch einzelne Äußerungen strukturiert wird. Da dieses Feld bei der Diskussion mancher Phänomene in den Kapiteln 2 bis 7 ebenfalls eine Rolle spielen wird, wollen wir auch zu diesem Themenbereich abschließend einige Aspekte einführen.
1.2.3 Diskursrelationen
Vergleicht man die Texte in (94) bis (96) hat man als Leser vermutlich eine Präferenz für den dritten Text.
| (94) | Der Fischotter ist fast im ganzen Europa vom Polarkreis bis nach Spanien verbreitet. Im Winter taucht der Fischotter unter dem Eis und kann sich so mit Nahrung versorgen. Der Fischotter wird ca. 90 cm lang und bis zu 10 kg schwer. Bevor er unter Naturschutz kam, wurde der Fischotter exzessiv gejagt. Sein extrem dichtes braunes Fell schützt den Fischotter auch im Winter vor Kälte. Der Fischotter gehört zur Familie der Marder. Seine Nahrung besteht zu 90 % aus Fisch, den er schwimmend jagt. |
| (95) | Der Fischotter ist fast im ganzen Europa vom Polarkreis bis nach Spanien verbreitet. Trotzdem steht er unter Naturschutz, weil er früher viel gejagt wurde. Die Jagd war eine wichtige Beschäftigung des Adels und des gemeinen Volkes. Insbesondere die Adeligen legten Wert auf eine prachtvolle Jagdausrüstung. Ebenso prachtvoll mussten auch die Kleidung und die Wohnungen sein. |
| (96) | Der Fischotter ist fast im ganzen Europa vom Polarkreis bis nach Spanien verbreitet. Er gehört zur Familie der Marder. Der Fischotter wird ca. 90 cm lang und bis zu 10 kg schwer. Seine Nahrung besteht zu 90 % aus Fisch, den er schwimmend jagt. Dank seines extrem dichten braunen Fells kann der Fischotter lange im Wasser bleiben, ohne zu frieren. Das Fell schützt ihn auch im Winter vor Kälte, so dass er unter dem Eis tauchen und sich so auch im Winter mit Nahrung versorgen kann. |
| (Averintseva-Klisch 2013: 15f.) |
Bewertet man die Texte dahingehend, ob ein Oberthema, mit anderen Worten ein DiskurstopikDiskurstopik (DT), auszumachen ist und ob ein Zusammenhang zwischen benachbarten Sätzen besteht, so ergibt sich, dass in Text 1 ein DT bestimmt werden kann (etwa „Die Eigenschaften des Fischotters“), die Inhalte der einzelnen Sätze aber nur in loser Verbindung zueinander stehen (wenngleich sie natürlich Informationen zum Fischotter anführen). In Text 2 bestehen deutliche Verbindungen zwischen den Sätzen, die durch KonnektorenKonnektor wie trotzdem und weil kodiert werden. Es fällt aber schwerer, ein übergeordnetes Thema zu bestimmen. Die Thematik wechselt vom Fischotter zur Jagd und zum Adel. Für Text 3 lässt sich schließlich gut ein DT formulieren, wie z.B. „Die Eigenschaften des Fischotters“. Und auch zwischen den Sätzen bestehen Verbindungen, angezeigt z.B. durch dank seines extrem dichten braunen Fells oder so dass (vgl. Averintseva-Klisch 2013: 15f.).
Man stuft den dritten Text insgesamt wahrscheinlich als kohärenterKohärenz ein, wobei die Betrachtung aufzeigt, dass Kohärenz sich anscheinend sowohl globalGlobale Kohärenz (der Text als eine Einheit) als auch lokalLokale Kohärenz (Zusammenhänge zwischen Teilen des Textes) einstellt (vgl. Averintseva-Klisch 2013: 16). In diesem Sinne ist Text 1 global, aber nicht lokal kohärent, Text 2 umgekehrt lokal, aber nicht global kohärent, und Text 3 weist lokale und globale Kohärenz auf.
Für den Eindruck der lokalen Kohärenz sind hier (wie schon angemerkt) u.a. KonnektorenKonnektor verantwortlich, die Textteile inhaltlich miteinander verbinden. Dank seines extrem dichten braunen Fells stellt beispielsweise einen kausalen Zusammenhang her, so dass eine Folge, trotzdem eine konzessive Relation, d.h. einen unerwarteten Zusammenhang. Man spricht bei dieser Art von Kohärenz, d.h. der Verbindung zwischen Textteilen, auch von relationaler KohärenzRelationale Kohärenz. Konnektoren kodieren explizit inhaltliche Relationen zwischen (Teil)sätzen. In (97) stellt weil z.B. explizit einen kausalen ZusammenhangKausalität zwischen den beiden Sachverhalten her (zu weiteren Relationen, die u.a. durch Konnektoren kodiert werden können, vgl. Averintseva-Klisch 2013: 18–26).
| (97) | Weil das Wetter so schön ist, werde ich nachher joggen gehen. |
| (Averintseva-Klisch 2013: 18) |
Doch auch (98) kann im gleichen Sinne verstanden werden.
| (98) | Das Wetter ist so schön. Ich werde nachher joggen gehen. |
| (Averintseva-Klisch 2013: 19) |
In der Literatur sind verschiedene Ansätze vorgeschlagen worden, um derartige KohärenzrelationenKohärenzrelation systematisch zu erfassen. Im Rahmen der Rhetorischen StrukturtheorieRhetorische Strukturtheorie (RST) von Mann & Thompson (1988) wird beispielsweise zwischen 23 Relationen unterschieden. Hierzu zählen u.a. die Relationen EVIDENZEvidenz, ELABORATIONELABORATION und HINTERGRUNDHINTERGRUND.
Die Relation EVIDENZ besteht z.B. in (99) zwischen den beiden Teilsätzen des zweiten Satzes und dem ersten Satz. Der Sprecher/Schreiber beabsichtigt, den Hörer/Leser von der ersten Information zu überzeugen.
| (99) | [Das Programm funktioniert] (1). [Ich habe sehr schnell die Daten eintragen können] (2) und [die gleichen Ergebnisse erhalten, die ich auch per Hand ausgerechnet hatte] (3). (nach Mann & Thompson 1988: 251) |
Stehen Satzteile in der Relation ELABORATION zueinander, liefert ein Satz zusätzliche Information zum im anderen Satz Beschriebenen. In (100) steuern (2) und (3) jeweils weitere Details zum mit (1) ausgedrückten Inhalt bei.
| (100) | Im November 2018 findet in Albany die 4. Jahrestagung der American Pragmatics Association statt (1). Man rechnet mit ca. 300 Linguisten aus der ganzen Welt (2). Die vier Hauptthemen der Konferenz sind a) Pragmatische Theorien, b) Experimentelle Pragmatik, c) Interkulturelle Pragmatik und d) Anwendungen (z.B. Zweitspracherwerb) (3). |
| (in Anlehnung an Mann & Thompson 1988: 273) |
Besteht die Relation HINTERGRUND zwischen (Teil)sätzen, steuert der eine Satz Information bei, die den anderen Satz hinsichtlich eines Aspektes verständlicher machen soll. In (101) leisten (2) und (3) diesen Beitrag in Bezug zu (1).
| (101) | Ab sofort können Sie erfahren, wieviel Ihre Kollegen verdienen (1). Zum 06.01.2018 ist das Lohntransparenz-Gesetz in Kraft getreten (2). Über den Betriebsrat kann ein Antrag gestellt werden, um Informationen über Vergleichsgruppen zu erhalten (3). (in Anlehnung an Mann & Thompson 1988: 273) |
Inzwischen ist der Ansatz von Mann & Thompson (1988) in verschiedenen Arbeiten weiterentwickelt worden. Man hat sich u.a. mit dem Inventar der Relationen, ihrer Systematisierung und ihrer formalen Repräsentation beschäftigt (vgl. u.a. Kehler 2002, Sanders et al. 1992, Asher & Lascarides 2003) (zu einem Überblick zur RST vgl. Taboada & Mann 2006).
2. Vorfeldbesetzung
In Abschnitt 1.1.2 haben wir bereits gesehen, dass das VorfeldVorfeld eine abgeleitete Position ist. Das heißt, dort wird kein Element basisgeneriert, sondern das Vorfeld ist das Ziel von A'-BewegungA'-BewegungNon-Argument-Bewegung.
Das Treppenhaus wird in (1) dorthin versetzt, hier durch kurze A'-BewegungKurze A'-Bewegung.
| (1) | [Das Treppenhaus]1 renoviert der Handwerker t1. |
Eine derartige Besetzung des Vorfelds kann auch auf Distanz erfolgen. In (2) wird das Treppenhaus aus dem dass-Nebensatz ins Vorfeld bewegt.
| (2) | [Das Treppenhaus]2 hat Albert behauptet, [CP dass der Handwerker t2 renoviert]. |
In aktueller generativer Syntaxtheorie wird (anders als noch im Stadium des in Abschnitt 1.1.3 skizzierten Modells) angenommen, dass Bewegung aufgrund bestimmter Anforderungen der Schnittstellen des Grammatiksystems (LF und/oder PF) erforderlich wird (vgl. z.B. Rizzi 2004, Fanselow 2006, 2008). Es gibt folglich interpretatorische oder phonologische Gründe für Bewegung.
Aber welche Konstituenten besetzen das Vorfeld? Gibt es Einheiten, die dort bevorzugt stehen, vielleicht sogar stehen müssen, oder andere, die aus dieser Position ausgeschlossen sind?
2.1 Drei Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung
Da der linke Satzrand mit bestimmten informationsstrukturellen DimensionenInformationsstrukturelle Dimension in Verbindung gebracht wird, sollte man sich nach Frey (2006: 236) fragen, welche DiskursfunktionenDiskursfunktion die Phrasen, die im Vorfeld positioniert sind, aufweisen. Grundsätzlich können die Vorfeld-Phrasen ganz verschiedene pragmatische Eigenschaften haben, wobei ebenfalls auffällt, dass die Sätze je nach Vorfeldfüllung unterschiedlich gut bewertet werden (vgl. (3)).
| (3) | a. | (Ich erzähle dir etwas über Hans.) |
| Den Hans wird eine polnische Gräfin heiraten. | ||
| b. | Dem Hans hat Maria nicht geholfen, aber dem Otto. | |
| c. | Wem hat Maria geholfen? Hans hat sie geholfen. | |
| d. | Fast jeden Kollegen schätzt der Hans. | |
| e. | Fast jeder Kollege schätzt den Hans. | |
| f. | Leider hat keiner dem alten Mann geholfen. | |
| g. | Fast überall spielen Jungen gern Fußball. (Frey 2006: 236) |
In (3a) steht das TopikTopik im Vorfeld, in (3b) wird die Vorfeldkonstituente kontrastivKontrastfokus fokussiert und in (3c) ist die Position in der ersten Äußerung durch eine w-Phrase besetzt und in der zweiten durch den InformationsfokusInformationsfokus der Antwort. In (3d) kann fast jeden Kollegen kein Topik sein, weil die quantifizierte Phrase nicht referiert. Sie macht auch nicht den Fokus der Äußerung aus. Im Vergleich mit (3e) wirkt der Satz in Isolation markiert. Die Sätze unterscheiden sich darin, dass in (3e) ein Subjekt eines transitiven Verbs im Vorfeld steht, in (3d) ein Objekt. Mit einem passenden Kontext (vgl. (4)) verliert der Satz aus (3d) seine Markiertheit.
| (4) | Hans fühlt sich wohl an seinem neuen Arbeitsplatz. | |
| Fast jeden Kollegen schätzt der berühmte Linguist. | (Frey 2006: 237) | |
In (3f) und (g) stehen schließlich AdverbialeAdverbial im Vorfeld. Diese Exemplare eignen sich nicht als Topik, müssen hier aber auch nicht den Fokus ausmachen. Die beiden Sätze sind als unmarkiert einzustufen.
Freys Interesse ist, herauszufinden, wie das Vorfeld besetzt werden kann. Das heißt, was kann die Bewegung in die SpecCP-Position auslösen? Und warum führen manche Besetzungen zu Markiertheit? Wie aus den Daten in (3) ersichtlich wird, eignen sich nicht alle Konstituenten gleich gut für die Voranstellung ins Vorfeld.
2.1.1 Formale Bewegung
Der Vergleich von (3d) und (3e) hat gezeigt, dass ein Satz, in dem das Objekt eines transitiven Verbs im Vorfeld steht, markiert ist, während ein Satz, in dem ein Subjekt im Vorfeld steht, in diesem Fall unmarkiert ist. Es gibt allerdings auch Sätze, in denen ein Objekt im Vorfeld steht, die Sätze aber unmarkiert zu bewerten sind.
| (5) | a. | Dem Karl hat das Spiel gut gefallen. |
| b. | Einem Mitbewohner wurde die Geldbörse entwendet. (Frey 2006: 238) |
In (5) liegt in (a) das Objekt eines Psychverbs (das einen psychologischen Zustand/Prozess bezeichnet) und in (b) eines passivischen Verbs vor. Aus dem Kontrast zwischen (3d) und (5) lässt sich schließen, dass die Art des Objekts Einfluss auf die Akzeptabilität der Struktur hat.
In (3f) und (3g), die völlig unmarkiert einzustufen sind, ist das Vorfeld jeweils durch ein Adverbial besetzt, in (f) durch ein SatzadverbialSatzadverbial (das hier die Einstellung des Bedauerns des Sprechers zur Proposition kodiert), in (g) durch ein rahmensetzendes AdverbialRahmensetzer (das die ganze Proposition lokal verankert). Stehen andere Typen von Adverbialen im Vorfeld (vgl. (6)), sind die Sätze hingegen markiert.
| (6) | a. | Im Görlitzer Park hat Eva den Grill aufgebaut. |
| b. | Mit der Axt hat Otto den Baum gefällt. (Frey 2006: 238) |
Im Görlitzer Park ist ein ereignisbezogenes lokales AdverbialEreignisbezogenes lokales Adverbial, mit der Axt ein instrumentales AdverbialInstrumentales Adverbial. Beide Adverbiale modifizieren die vom Verb ausgedrückte Handlung (zu Typen von Adverbialen vgl. z.B. Pittner 1999).
Die entscheidende Frage ist, was der Unterschied zwischen den Strukturen ist, die je nach im Vorfeld positioniertem Objekt bzw. Adverbial markiert bzw. unmarkiert bewertet werden. (7) und (8) zeigen erneut die unmarkierten Strukturen, (9) und (10) die markierten.
| (7) | a. | Fast jeder Kollege schätzt den Hans. |
| b. | Leider hat keiner dem alten Mann geholfen. | |
| c. | Fast überall spielen Jungen gern Fußball. |
| (8) | a. | Dem Karl hat das Spiel gut gefallen. |
| b. | Einem Mitbewohner wurde die Geldbörse entwendet. |
| (9) | Fast jeden Kollegen schätzt der Hans. |
| (10) | a. | Im Görlitzer Park hat Eva den Grill aufgebaut. |
| b. | Mit der Axt hat Otto den Baum gefällt. |
Freys Antwort auf diese Frage ist, dass in den Fällen, in denen die Positionierung im Vorfeld zu einer unmarkierten Struktur führt, die Basisposition der vorangestellten Elemente die höchste Mittelfeldposition ist. Diese Annahme lässt sich überprüfen, indem man die unmarkierte Wortstellung im Mittelfeld bestimmt. Die Beispiele in (11) bis (13) weisen nach, dass die Objekte von Psychverben und passivischen Verben sowie das Subjekt unter Auftreten eines transitiven Verbs unmarkiert im linken Mittelfeld stehen. Dies sind genau die Konstituenten, die in den obigen Beispielen (vgl. (7) und (8)) problemlos vorangestellt werden können.
| (11) | a. | dass [dem Karl] [das Spiel] gut gefallen hat |
| b. | #dass [das Spiel] [dem Karl] gut gefallen hat |
| (12) | a. | dass [einem Mitbewohner] [die Geldbörse] entwendet wurde |
| b. | #dass [die Geldbörse] [einem Mitbewohner] entwendet wurde |
| (13) | a. | dass [fast jeder Kollege] [den Hans] schätzt |
| b. | #dass [den Hans] [fast jeder Kollege] schätzt |
In der Literatur wird angenommen, dass verschiedene Typen von Adverbialen im Satz an verschiedenen Stellen stehen. Frey & Pittner (1998: 516ff.) argumentieren, dass SatzadverbialeSatzadverbial wie leider und rahmensetzende AusdrückeRahmensetzer wie fast überall, die – wie (7b) und (c) illustrieren – unmarkiert das Vorfeld besetzen können, hohe AdverbialeHohes Adverbial sind, die Instrumentaladverbialen und ereignisbezogenen Adverbialen linear vorangehen, d.h. weiter links im Mittelfeld und damit höher in der Phrasenstruktur stehen.
Auf alle unmarkierten Vorfeldbesetzungen aus (3) trifft folglich zu, dass dort dasjenige Element im Vorfeld platziert wurde, dessen Basisposition im Mittelfeld die höchste Position einnimmt. Im Gegensatz dazu ist die Basisposition der Elemente, die in den markierten Strukturen ins Vorfeld versetzt werden, nicht die höchste Position im Mittelfeld.
Die Markiertheit von (9) folgt daraus, dass die Basisposition des Objekts tiefer als die des Subjekts ist (vgl. (14)).
| (14) | a. | dass [der Hans] [fast jeden Kollegen] schätzt |
| b. | #dass [fast jeden Kollegen] [der Hans] schätzt |
Der markierte Status der Beispiele in (10) erklärt sich, da (15) und (16) nachweisen, dass ereignisbezogene LokaladverbialeEreignisbezogenes lokales Adverbial und instrumentale AdverbialeInstrumentales Adverbial zwischen dem Subjekt und dem Objekt eines transitiven Verbs stehen.
| (15) | a. | dass [Eva] [im Görlitzer Park] [den Grill] aufgebaut hat |
| b. | #dass [im Görlitzer Park] [Eva] [den Grill] aufgebaut hat |
| (16) | a. | dass [Otto] [mit der Axt] [den Baum] gefällt hat |
| b. | #dass [mit der Axt] [Otto] [den Baum] gefällt hat |
Aus diesen Beobachtungen leitet Frey ab, dass es einen Mechanismus gibt, durch den das Vorfeld mit der höchsten Konstituente des Mittelfeldes gefüllt werden kann. Die semantisch-pragmatischen Eigenschaften der vorangestellten Phrasen bleiben erhalten. Eine besondere Akzentuierung der Vorfeld-Konstituenten liegt nicht vor. Der Mechanismus hat folglich nicht den Effekt, eine ganz bestimmte DiskursfunktionDiskursfunktion zu lizenzieren. Es handelt sich um einen rein formalen Mechanismus, der das höchste Mittelfeldelement ins Vorfeld umstellt. Frey vertritt folglich, dass nicht jede Vorfeldbesetzung durch die Lizenzierung einer Diskursfunktion bedingt ist. Weitere Evidenz für diese Annahme stammt aus Sätzen wie in (17).
| (17) | Es regnet. |
Es, dessen lexikalischer Gehalt sehr arm ist, lässt sich keinerlei Diskursfunktion zuschreiben: Es ist weder Topik noch Fokus.
Die Art der Bewegung, die das höchste Mittelfeldelement ins Vorfeld voranstellt, ohne dessen Diskursfunktion zu verändern, bezeichnet Frey (2006: 241) alsFormale Bewegung F(ormal) M(ovement).Formal MovementFormale Bewegung
Diese höchste Mittelfeldposition muss allerdings nicht die Basisposition des versetzten Elements sein. Es kann auch erst durch eine vorangehende Bewegung in diese Position gelangt sein. Zum Beispiel kann der formalen Bewegung auch eine Umstellung im Mittelfeld (sogenanntes ScramblingScrambling) vorangehen. Aus (18a) wird durch Scrambling (18b), indem das instrumentale Adverbial vor das Subjekt gestellt wird. Nach dieser Umstellung weist mit der Axt die höchste Mittelfeldposition auf und kann durch Anwendung des Mechanismus der Formalen BewegungFormale BewegungFormale Bewegung ins Vorfeld gelangen (vgl. (18c)).
| (18) | a. | (dass) Otto [mit der Axt] [den Baum] gefällt hat |
| b. | (dass) [mit der Axt]1 Otto t1 [den Baum] gefällt hat | |
| c. | [Mit der Axt]1 hat t1' Otto t1 [den Baum] gefällt. (Frey 2006: 241) |
Das Adverbial kann nur vorangestellt werden, indem es zunächst an den linken Mittelfeldrand gescrambelt wird. Andernfalls wäre nicht die höchste Mittelfeldposition die Position, aus der die Bewegung erfolgt. Da gescrambelte Strukturen ohnehin als markiert bewertet werden (vgl. (19a) vs. (19b)), ist die Struktur ebenfalls markiert, wenn die gescrambelte Phrase anschließend ins Vorfeld bewegt wird.
| (19) | a. | Hans erzählt, dass Otto mit der Axt den Baum gefällt hat. |
| b. | #Hans erzählt, dass [mit der Axt]1 Otto t1 den Baum gefällt hat. |
Formale Bewegung führt zu keiner semantisch-pragmatischen Veränderung. Der Status der ins Vorfeld angehobenen Konstituente bleibt erhalten, weshalb Formale Bewegung auch keinen Einfluss auf Markiertheitsgrade nimmt.
2.1.2 Basisgenerierung
Obwohl es – wie wir zu Beginn dieses Abschnitts gesehen haben – eine Standardannahme ist, dass das Vorfeld stets die Landeposition für eine vorangestellte Konstituente ist, führen Daten wie in (20) und (21) Frey zu der Annahme, dass das Vorfeld auch durch eine dort basisgenerierte PhraseBasisgenerierung gefüllt werden kann.
| (20) | a. | Am Rande bemerkt bin ich etwas enttäuscht von dir. |
| b. | Kein Wunder spricht Peter so gut Französisch. | |
| c. | Ein Glück habe ich den Regenschirm dabei. |
| (21) | a. | *Ich bin am Rande bemerkt etwas enttäuscht von dir. |
| b. | *Peter spricht kein Wunder so gut Französisch. | |
| c. | *Ich habe ein Glück den Regenschirm dabei. (Frey 2006: 243) |
Der Vergleich von (20) und (21) zeigt, dass es anscheinend Phrasen gibt, die im Vorfeld, nicht aber im MittelfeldMittelfeld stehen können. Die Sätze in (21) sind ungrammatisch, außer man verwendet die betroffenen Konstituenten als ParenthesenParenthese. In diesem Gebrauch werden die Ausdrücke dann intonatorisch abgesetzt. In der Schriftsprache würde man sie mit Gedankenstrichen oder Klammern absetzen.
Wenn die betroffenen Phrasen nicht im Mittelfeld stehen können, können sie folglich auch nicht dadurch ins Vorfeld gelangt sein, dass sie aus dem Mittelfeld ins Vorfeld vorangestellt wurden.
Neben der Formalen BewegungFormale Bewegung gibt es Frey zufolge deshalb eine zweite Möglichkeit, das Vorfeld im Deutschen zu füllen: Für eine Klasse von Elementen gilt, dass sie dort basisgeneriertBasisgenerierung sind.
Und es gibt s.E. auch eine dritte Möglichkeit für eine Konstituente ins Vorfeld zu gelangen. Die beteiligte Operation bezeichnet der Autor als echte A'-BewegungEchte A'-Bewegung.
2.1.3 Echte A'-Bewegung
Dieser Typ von Bewegung ist echt, weil auf diesen Fall zutrifft, was für Bewegung in aktueller Syntaxtheorie allgemeinhin angenommen wird: Die Umstellung ist motiviert. In diesem Fall geht mit dieser Operation ein bestimmter diskursstruktureller Status der Phrase im Vorfeld einher.
Die genaue diskursstrukturelle FunktionDiskursfunktion lässt sich illustrieren, indem man die Interpretation und Akzentuierung eines Satzes, in dem ein Topik das Vorfeld füllt, das aus dem Mittelfeld desselben Satzes stammt, mit der Interpretation eines Satzes vergleicht, in dem das Vorfeldtopik aus einem eingebetteten Satz stammt. Im ersten Fall wurde das Topik also kurzKurze A'-Bewegung, im zweiten langLange A'-Bewegung bewegt.
| (22) | Ich erzähle dir was über Max. | |
| a. | [Den Max]1 sollte der Chef t1 mitnehmen. | |
| b. | [Den Max]1 meint Eva, dass der Chef t1 mitnehmen sollte. (Frey 2006: 244f.) | |
In (22b) erhält den Max anders als in (22a) einen AkzentAkzentuierung, obwohl der Referent in beiden Sätzen gleichermaßen gegeben ist. Dass eine versetzte Konstituente bei langer Bewegung einen Akzent erhalten muss, ist unabhängig angenommen worden. Elemente, die nicht akzentuierbar sind, können nicht lang bewegt werden. In (23) z.B. kann das Pronomen es nicht aus dem dass-Nebensatz ins Vorfeld des Hauptsatzes umgestellt werden. Für dieses Pronomen gilt, dass es nicht akzentuiert werden kann.
| (23) | Ich habe etwas über das Verbrechen in der Wrangelstraße gehört. | ||
| a. | Es1 hat anscheinend keiner t1 bemerkt. | ||
| b. | *Es1 sagt die Polizei, [dass anscheinend keiner t1 bemerkt hat]. | (Frey 2006: 245) | |
Auch interpretatorisch unterscheiden sich (22a) und (22b). (22a) kann einfach eine Aussage über Max sein. (22b) scheint nur angemessen unter der Lesart, dass Max in einer KontrastrelationKontrast zu anderen Personen steht. Der Referent Max wird aus einer Menge von Alternativen ausgewählt. Zusätzlich tritt der Schluss ein, dass Max der einzige Referent ist, für den der Satzinhalt gilt. Es handelt sich hierbei um eine QuantitätsimplikaturQuantitätsimplikatur, die auf die folgende Weise zustandekommt: Der Sprecher teilt so viel Information mit, wie es ihm möglich ist. Führt er nicht mehr Referenten an, tritt der pragmatische Schluss ein, dass die genannten alle sind, auf die die Aussage zutrifft. (Zu ImplikaturenImplikatur vgl. z.B. Meibauer 1994: 24–43). Daten wie in (22) legen folglich die Annahme nahe, dass lang bewegte Topiks im Deutschen eine kontrastive Interpretation erhalten.
Eine Frage, die sich anschließt, ist, ob alle direkt ins Vorfeld bewegten Phrasen kontrastiv interpretiert werden. Sie können schließlich nicht über Formale BewegungFormale Bewegung ins Vorfeld gelangt sein, weil sie niemals aus der höchsten Mittelfeldposition eines Satzes in seine Vorfeldposition bewegt werden. Die Frage lässt sich beantworten, indem man untersucht, welche Interpretation Elemente im Vorfeld erhalten, die nicht im linken Mittelfeld des gleichen Satzes stehen können. Dies gilt z.B. für Elemente wie grün oder unfreundlich wie in (24) und (25).
| (24) | a. | dass Maria die Tür grün streichen wird |
| b. | *dass Maria grün1 die Tür t1 streichen wird |
| (25) | a. | dass Otto sehr oft unfreundlich gewirkt hat |
| b. | *dass Otto unfreundlich1 sehr oft t1 gewirkt hat (Frey 2006: 246) |
Das heißt, für diese Ausdrücke kann man nicht annehmen, dass sie in der höchsten Position des Mittelfeldes zu stehen kommen, um von dort über Formale Bewegung ins Vorfeld zu wandern. Sie können aber im Vorfeld stehen (vgl. (26)), wobei sie dann akzentuiertAkzentuierung und kontrastivKontrast interpretiert werden müssen.
| (26) | a. | Grün1 wird Maria die Tür t1 streichen. |
| b. | Unfreundlich1 hat Otto sehr oft t1 gewirkt. (Frey 2006: 246) |
Weitere Evidenz für die Annahme, dass die direkte Bewegung ins Vorfeld stets zu einer kontrastiven Interpretation führt, liefern die im Folgenden diskutierten Beispiele.
| (27) | Was hat Otto heute auf dem Markt gekauft? | |
| a. | [Zwei Kilo Äpfel]1 hat Otto heute auf dem Markt t1 gekauft. | |
| b. | ??Otto hat [zwei Kilo Äpfel]1 heute auf dem Markt t1 gekauft. (Frey 2006: 247) | |
(27b) zeigt auf, dass eine Phrase, die eine w-Frage beantwortet, nicht im Mittelfeld gescrambeltScrambling werden kann. In (27a) kann diese Phrase folglich nicht über Formale BewegungFormale Bewegung aus der höchsten Mittelfeldposition ins Vorfeld gelangt sein. Vor dem Hintergrund der gängigen Annahme, dass eine w-Fragew-Frage semantisch eine Menge von Möglichkeiten eröffnet, aus der mit der Antwort eine Untermenge ausgewählt wird, lässt sich auch im Falle dieser Vorfeldbesetzung die kontrastiveKontrast Interpretation nachweisen. (28) zeigt, dass die antwortende Konstituente auch in ihrer Basisposition verbleiben kann.
| (28) | Was hat Otto heute auf dem Markt gekauft? |
| Otto hat heute auf dem Markt zwei Kilo Äpfel gekauft. (Frey 2006: 247) |
Zwischen (28) und (27a) scheint kein Unterschied zu bestehen. Die Antwort in (28) wird ebenfalls kontrastiv interpretiert.
Unterschiede zwischen der Positionierung in der Basisposition und im Vorfeld lassen sich allerdings in anderen Strukturen feststellen. In (29) z.B. gibt die Frage eine kontrastive Interpretation vor, indem sie eine Menge von (zwei) Alternativen anbietet. Frey (2006: 247) schreibt, dass Sprecher in diesem Kontext (29b) für präferiert halten.
| (29) | Wen hat Maria getroffen, den Karl oder den Otto? | |
| a. | Maria hat den Karl getroffen. | |
| b. | [Den Karl]1 hat Maria t1 getroffen. (Frey 2006: 247) | |
Teilt man diese Einschätzung Freys, zeigt (29), dass bei einer kontrastiven InterpretationKontrast die Positionierung im Vorfeld bevorzugt wird.
Evidenz für diese Annahme liefern auch Fälle, in denen sprachliches Material wie z.B. jedoch oder aber eine Konstituente explizit als kontrastiv auszeichnet. Wie der Vergleich von (30) und (31) aufzeigt, stehen derartige Konstituenten schlecht im Mittelfeld.
| (30) | a. | [Bügeln jedoch] möchte Maria dem Otto beibringen. |
| b. | [Den Hans aber] sollten wir einladen. |
| (31) | a. | ??Maria möchte dem Otto [Bügeln jedoch] beibringen. |
| b. | ??Wir sollten [den Hans aber] einladen. (Frey 2006: 248) |
Neben der Voranstellung der höchsten Mittelfeldkonstituente (Formale Bewegung) und der Basisgenerierung im Vorfeld stellt die echte A'-Bewegung die dritte Möglichkeit dar, das Vorfeld zu füllen. Diese Art der Bewegung kann lang (d.h. über eine Nebensatzgrenze hinweg) oder kurz (d.h. innerhalb des gleichen Satzes) erfolgen, sie geht aber entscheidenderweise stets mit Akzentuierung und kontrastiver Interpretation einher.
Im folgenden Abschnitt wird sich zeigen, dass dies tatsächlich die einzigen drei Möglichkeiten sind, das Vorfeld zu besetzen.
2.1.4 Beispielanalyse
Die drei Möglichkeiten der Vorfeldfüllung sollen im Folgenden anhand der (in)akzeptablen Beispiele in (32) durchgespielt werden.
| (32) | Hans und Maria haben geheiratet. | |
| a. | Bald wird ein Baby schreien. | |
| b. | #Ein Baby wird bald schreien. (Frey 2006: 250) | |
Wenn Formale Bewegung, Basisgenerierung und Echte A'-Bewegung die einzigen drei Typen der Vorfeldbesetzung im Deutschen darstellen, muss es unter Bezug auf diese drei Operationen möglich sein, sowohl abzuleiten, warum bald in (32a) im Vorfeld stehen kann, als auch, warum ein Baby diese Position nicht gut besetzen kann. Wie die Sätze in (33) zeigen, ist bald in diesen Strukturen das höchste Element im linken Mittelfeld. Formale Bewegung ist folglich möglich.
| (33) | a. | dass [bald] [ein Baby] schreien wird |
| b. | #dass [ein Baby] [bald] schreien wird |
Um die Inakzeptabilität von (32b) abzuleiten, gilt es, nachzuweisen, dass sich keine der drei Optionen dazu eignet, das Vorfeld zu besetzen: Die Möglichkeit der BasisgenerierungBasisgenerierung scheidet aus, da diese Art der Vorfeldbesetzung nur für bestimmte Adverbiale in Frage kommt. Soll ein Baby über Formale BewegungFormale Bewegung vorangestellt werden, müsste es die höchste Mittelfeldposition einnehmen. (33) zeigt bereits, dass es sich hierbei sicherlich nicht um die Basisposition dieser Konstituente handelt. (34) zeigt zudem, dass ein Baby im Mittelfeld auch nicht scrambelnScrambling kann.
| (34) | Hans und Maria haben geheiratet. |
| #Ich denke, dass [ein Baby]1 bald t1 schreien wird. (Frey 2006: 250) |
Es ist folglich auch nicht möglich, mit der Umstellung im Mittelfeld zunächst eine Maßnahme zu ergreifen, die die Konstituente in die höchste Mittelfeldposition versetzt, um sie anschließend über Formale Bewegung anheben zu können. Echte A'-BewegungEchte A'-Bewegung würde ein Baby aus seiner Basisposition direkt ins Vorfeld versetzen. Dann müsste die Konstituente einen AkzentAkzentuierung erhalten und kontrastivKontrast interpretiert werden. Dies scheint in diesem Beispiel aber nicht die intendierte Lesart zu sein.
Unter der Annahme, dass dies die einzigen drei Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung sind, erklärt sich die Unmöglichkeit der Positionierung von ein Baby im Vorfeld: Alle Optionen, wie die Phrase dorthin gelangt sein kann, scheiden aus.
2.1.5 Die Syntax des Vorfelds
Basierend auf diesen Annahmen zu den verschiedenen Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung vertritt Frey die folgenden Ansichten zur Struktur des Vorfelds. Die Modellierung ist vor dem Hintergrund der sogenannten Split-CP-AnalyseSplit-CP-Analyse zu sehen. Der erste Vorschlag einer solchen Analyse geht zurück auf Rizzi (1997) (für eine Zusammenfassung des Ansatzes vgl. Grewendorf 2002: 66ff.).
Dieser Ansicht nach gibt es in der Baumgeometrie für verschiedene Dimensionen der InformationsstrukturInformationsstrukturelle Dimension (vgl. Abschnitt 1.2.1 und 1.2.2) einzelne Phrasen (und somit Positionen im Baum). Rizzi hat (entwickelt am Italienischen) vertreten, dass es u.a. für TopikTopik und FokusFokus Phrasen in der Baumstruktur gibt, d.h. eine TopikphraseTopikphrase bzw. FokusphraseFokusphrase.
Frey folgt somit der Vorstellung, dass in der Baumstruktur nicht eine Position dem Vorfeld entspricht, sondern das Vorfeld sich in verschiedene Phrasen aufteilt. (35) zeigt die Struktur nach Frey (2006: 254).

Abhängig davon, welche Art von Phrase im Vorfeld steht, steht die Konstituente in der Spec-Position der CP, KontrP oder FinP: In SpecCP stehen die basisgenerierten AdverbialeBasisgenerierung. KontrP (KontrastphraseKontrastphrase) ist die Phrase für kontrastiv interpretierte Elemente. Dies sind die Konstituenten, die durch echte A'-BewegungEchte A'-Bewegung vorangestellt werden. Sie sind akzentuiertAkzentuierung und werden kontrastivKontrast interpretiert. SpecFinP (FinitheitsphraseFinitheitsphrase) ist der Landeplatz für diejenigen Phrasen, die durch Formale BewegungFormale Bewegung aus der höchsten Mittelfeldposition angehoben werden.
Entlang der Annahmen aus Abschnitt 1.1.2 steht das finite Verb in selbständigen Sätzen normalerweise in C0. In der gesplitteten Struktur in (35) gilt, dass es stets im Kopf derjenigen Phrase steht, in deren Spec-Position sich das Element im Vorfeld befindet. Nur diese Phrase des Vorfeldes ist sozusagen ,aktiv‘. Hinzu kommt die Annahme, dass nur so viel Struktur wie nötig generiert wird. (36) bis (41) illustrieren jede Möglichkeit der Vorfeldbesetzung.
In (36) ist leider ein hohes SatzadverbialHohes Adverbial, das die höchste Position im Mittelfeld einnimmt. Über Formale Bewegung kann es ins Vorfeld versetzt werden.
| (36) | Leider1 hat t1 keiner dem alten Mann geholfen. |
Wie die zugehörige Struktur in (37) zeigt, steht leider als Ergebnis der Formalen BewegungFormale Bewegung in SpecFinP. Das finite Verb wird deshalb von V0 über I0 nach Fin0 angehoben. Die Basisposition des Adverbials ist die höchste Mittelfeldposition, die Frey als eine an IP adjungierte Position auffasst.

In (38) erfolgt die Vorfeldbesetzung durch echte A'-BewegungEchte A'-Bewegung.
| (38) | [Den HANS aber]1 sollten wir t1 einladen. |
Den Hans aber wird aus seiner Basisposition direkt ins Vorfeld versetzt. Die Phrase wird kontrastivKontrast interpretiert und akzentuiertAkzentuierung. Zusätzlich tritt eine Kontrast anzeigende Partikel auf. Da SpecKontrP besetzt ist, steht das finite Verb in Kontr0.

(40) ist ein Beispiel für die Vorfeldbesetzung durch BasisgenerierungBasisgenerierung. Phrasen wie ein Glück gehören zu den Ausdrücken, von denen Frey annimmt, dass sie im Vorfeld basisgeneriertBasisgenerierung sind. Sie steht in SpecCP. Aufgrund der ,Aktivierung‘ dieser Phrase steht das finite Verb in C0.
| (40) | Ein Glück habe ich einen Regenschirm. |

Aufgaben
1. Um welchen Typ von Vorfeldbesetzung handelt es sich beim zweiten Satz und warum? Fertigen Sie auch den Strukturbaum an.
| (i) | A: | Wen hat Paul gesehen? |
| B: | Das Christkind hat Paul gesehen. |
2. Wie lässt sich der markierte Status des folgenden Satzes erklären?
| (ii) | Schnell hat Maria die Geschenke eingepackt. |
3. Was ist die Begründung für die Annahme, dass es basisgenerierte Phrasen im Vorfeld gibt? Wo stehen diese und wo steht in diesem Fall das finite Verb?
4. Durch welchen Typ von Vorfeldbesetzung gelangt glücklicherweise ins Vorfeld? Fertigen Sie auch einen Strukturbaum an.
| (iii) | Glücklicherweise funktioniert die Heizung. |
5. Wie kann dem Weihnachtsmann nur ins Vorfeld gelangt sein und warum? Schließen Sie die Alternativen aus.
| (iv) | Dem Weihnachtsmann meint Peter, dass er die Tür öffnen sollte. |
2.2 Präferenzen der Vorfeldbesetzung
Frey verfolgt das Interesse, die prinzipiellen Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung zu erfassen. Nach seinem Ansatz wird die Besetzung dieser Position erschöpft durch die drei Fälle: a) BasisgenerierungBasisgenerierung, b) Formale BewegungFormale Bewegung, c) Echte A'-BewegungEchte A'-Bewegung. Angenommen, dies sind die Möglichkeiten, machen die bisherigen Erkenntnisse noch keine Aussage darüber, wie diese Optionen tatsächlich genutzt werden. Das heißt, es stellt sich auch die Frage, ob es Präferenzen bei der Vorfeldbesetzung gibt. Dieser Frage ist Speyer in einer Reihe von Arbeiten nachgegangen (Speyer 2007, 2008a, 2010). Der Autor untersucht die genaue Funktion der Vorfeld-Elemente. Insbesondere Freys Mechanismus der Formalen BewegungFormale Bewegung lässt offen, welche Funktion die Konstituenten im Vorfeld einnehmen: Alle Elemente, die im linken Mittelfeld positioniert werden können, können auf diese Weise angehoben werden. Die Einheiten behalten durch die Voranstellung ihren Status, beteiligt sein können aber ganz verschiedene Elemente (wie Subjekte, Satzadverbiale, Topiks, Non-Topiks).
Speyer beschränkt sich in seinen oben angeführten Studien auf Strukturen, in denen referierende AusdrückeReferierender Ausdruck das Vorfeld besetzen. Das heißt, er berücksichtigt z.B. keine Sätze, in denen quantifizierte PhrasenQuantifizierte Nominalphrase oder bestimmte nicht-referierende Adverbien das Vorfeld besetzen (vgl. Abschnitt 1.2.2). Non-referenzielle Vorfeldbesetzungen machen nur 19 % seiner geschriebenen (vgl. Abschnitt 2.2.1) Daten aus. In 405 der von ihm betrachteten 501 Sätze referieren die Vorfeldausdrücke.
2.2.1 Geschriebene (monologische) Sprache
Das Korpus, aus dem im Folgenden die Beispiele weitestgehend stammen und mit dessen Hilfe Häufigkeitsangaben gemacht werden, umfasst Gebrauchsprosa. Dazu gehören Zeitungsartikel (Kommentare und längere Berichte), Konzertprogramme und Texte, die für Radiobeiträge geschrieben wurden. Einige weitere Beispiele entnimmt der Autor Zeitungen und literarischen Texten. In Speyer (2010: 265) schätzt er das Korpus als schriftliches Material ein, das für kurzlebige Gelegenheiten geschrieben wurde und deshalb zwar literarisch nicht besonders geformt wurde, aber dennoch leicht lesbar sein soll.
2.2.1.1 Ausdruckstypen im Vorfeld
In 90 % der Sätze, in denen eine referierende PhraseReferierender Ausdruck im Vorfeld steht, entspricht diese Phrase einem von drei Typen von Ausdrücken: a) TopikTopik, b) KontrastKontrast, c) RahmensetzerRahmensetzer.
Als Topik wird von Speyer hier die Einheit verstanden, über die ein Satz eine Aussage macht. Mit diesem informationsstrukturellen Status geht oft einher, dass es sich um eine bekannte Entität handelt (wenngleich wir auch gesehen haben, dass dieser Zusammenhang nicht zwingend besteht). Aus diesem Grund machen Pronomen gute Topiks aus (vgl. Abschnitt 1.2.2).
Topiks können gut im Vorfeld stehen, wie (42) illustriert.
| (42) | Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hat gestern sein Sparprogramm bekannt gegeben. Er sieht darin auch einen Schritt zur Reform der Bundeswehr. (StZ1,1–2) (Speyer 2008a: 274) |
Dabei muss das Topik nicht pronominal vorkommen. In (43) wird der zweite Satz als Aussage über die Streitkräfte verstanden. Ein guter TopiktestTopiktest ist aber tatsächlich, ob die Konstituente, die als Topik in Frage kommt, durch ein Pronomen ersetzt werden kann. In (43) ist dies gut möglich, da es statt der NP auch sie heißen könnte.
| (43) | Die Landesverteidigung solle künftig nicht mehr primäre Aufgabe der Bundeswehr sein. Die Streitkräfte sollten vielmehr im UN-Auftrag ,überall auf der Welt‘ einen Beitrag zur internationalen Sicherheit leisten. |
| (StZ1,8–9) (Speyer 2008a: 275) |
KontrastelementeKontrastelement versteht Speyer nicht als Einheiten, die kontrastiv fokussiert sein müssen, sondern es handelt sich um Elemente, die zu einer Menge von Einheiten gehören. Diese Menge kann im Diskurs schon etabliert sein, bevor Mitglieder genannt werden, oder erst angeführt werden, nachdem Elemente dieser Menge genannt wurden. Auch können nur Elemente der Menge angeführt werden, während die Menge selbst unerwähnt bleibt.
(44) ist ein Beispiel für eine explizit vorgegebene Menge (bisherige sozialdemokratische Vorzeigeminister), deren Exemplare anschließend genannt werden (Clement, Struck, Schröder, manche).
| (44) | Bisherige sozialdemokratische Vorzeigeminister wollen nicht mehr über sich verfügen lassen. Clement verabschiedet sich, Struck lehnt den Posten des Außenministers ab (…) Schröder selbst hat eine andere „Lebensplanung“. Manche werden gar nicht mehr genannt. (FAZ1, 3–7) (Speyer 2008a: 277) |
In (45) werden Elemente der Menge eingeführt (Tintenfische, Saurier), die Menge gilt es abzuleiten (Tiere, die auf dem Grund des jurassischen Meeres verendeten).
| (45) | So gehen die Experten davon aus, dass am Grund des Meeres damals eine leichte Strömung vorgeherrscht haben muß. Hunderte versteinerte Tintenfische wurden in einer entsprechenden Anordnung gefunden. Die Kadaver der Saurier waren gegen abgesunkene Baumstämme geschwemmt worden […]. |
| (StZ3, 37–39) (Speyer 2008a: 278) |
RahmensetzerRahmensetzer nehmen eine Beschränkung der Situation vor, in der die Proposition wahr ist, z.B. indem sie den Ort oder die Zeit benennen.
Im zweiten Satz in (46) ist die Proposition, dass die Briefe geschrieben worden waren, nur in der Situation wahr, in der schon im Vorjahr den zeitlichen Rahmen vorgibt.
| (46) | Zwar den weitesten Weg […] doch den sichersten […] nahm Simon Dach, dessen Einladungen diesen Aufwand ausgelöst hatten. Schon im Vorjahr […] waren die vielen einladenden und den Treffpunkt beschreibenden Briefe geschrieben […] worden. (GrT1, 21–22) (Speyer 2008a: 280) |
Der überwiegende Teil der Vorfeldbesetzungen wird Speyer zufolge durch diese drei Typen von Konstituenten abgedeckt. Da die drei Ausdruckstypen aber ganz verschiedenen pragmatischen Dimensionen zugeordnet sind, kommt es auch zu Überlappungen. Das heißt, die Klassifikationen entlang von TopikTopik, KontrastKontrastelement und RahmensetzungRahmensetzer schließen sich nicht aus. Ein markantes Beispiel für diesen Umstand ist der letzte Satz in (47) mit der Phrase in der Asienkrise der neunziger Jahre im Vorfeld.
| (47) | Von der Konvertierbarkeit ihrer Währungen profitierten vor allem westliche Banken und Investoren, während die betroffenen Länder in einer Finanzkrise versanken. 1998 traf sie Russland, 1999 Brasilien, die Türkei 2001 und im gleichen Jahr auch Argentinien. In der Asienkrise der neunziger Jahre verloren manche Regierungen ihr Amt, viele Menschen aber ihren Arbeitsplatz und ihre Ersparnisse. (L2, 32–34) (Speyer 2008a: 283) |
Krise kann plausibel als das Topik verstanden werden. Es wird im ersten Satz eingeführt und im zweiten Satz pronominal aufgegriffen. Asien ist ein Kontrastelement, indem es mit Russland, Brasilien, der Türkei und Argentinien die Menge der Länder bildet, die an der Finanzkrise beteiligt waren. Als Ganzes fungiert die Vorfeldkonstituente als Rahmensetzer: Dass manche Regierungen ihr Amt verloren etc. ist nur hinsichtlich der Angabe in der Asienkrise der neunziger Jahre gültig. Solange nur die Möglichkeiten der Vorfeldbesetzung im Interesse der Untersuchung liegen, ist dieser Aspekt unproblematisch. Er wird allerdings zu einem Problem, wenn man beabsichtigt, eine Aussage darüber zu machen, welcher der drei Ausdruckstypen bevorzugt im Vorfeld steht, da man in diesem Fall keine Handhabe hat, zu entscheiden, welche der gleichzeitig beteiligten Eigenschaften ausschlaggebend für die Positionierung im Vorfeld ist (vgl. Speyer 2008a: 283f.). Speyer hat in seine Analysen, deren Ergebnisse im Folgenden vorgestellt werden, deshalb nur Fälle einbezogen, bei denen ein Ausdruck ausschließlich einen Status vorweist.
2.2.1.2 Häufigkeiten und Rangfolgen
Speyer (2010: 267) kalkuliert, mit welcher Häufigkeit die drei Elemente im Vorfeld auftreten. Er ermittelt die folgenden Verhältnisse:
| Topik | Kontrast | Rahmensetzer | |
| Gesamtsätze | 360 | 102 | 77 |
| Element im Vorfeld | 90 | 73 | 69 |
| Prozente | 25 % | 72 % | 90 % |
Tabelle 1: Häufigkeiten der drei Vorfeldfüller
Wenn in einem Satz ein TopikTopik enthalten ist, steht es in 25 % der Fälle im Vorfeld, bei einem KontrastelementKontrastelement sind es 72 % und bei einem RahmensetzerRahmensetzer 90 %. Abschnitt 1.2.2 hat gezeigt, dass ein Topik nicht stets overt vertreten ist, wenngleich trotzdem anzunehmen ist, dass jeder Satz ein Topik aufweist. Wenn Speyer nur Sätze mit sichtbaren Topiks in die Zählung einbezieht, steigt der Anteil der Topiks im Vorfeld auf 54 % (90 aus 168 Sätzen). Der Wert wird folglich zwar höher, an dem Verhältnis zum Auftreten der anderen beiden Typen von Ausdrücken ändert dies allerdings nichts. Den größten Drang ins Vorfeld haben folglich die Rahmensetzer, gefolgt von Kontrastelementen und Topiks.
Eine mit der Frage nach der präferierten Besetzung des Vorfelds verwandte Frage ist, wie Elemente interagieren, wenn mehr als einer der drei Typen von Ausdrücken vorkommt. Das heißt, die Frage ist, welcher Ausdruck ,gewinnt‘, wenn mehr als ein potenzieller Vorfeldfüller in der Struktur enthalten ist. Die Tabellen 2 bis 5 zeigen, welche Konstituenten sich durchsetzen, wenn Kontrast und Topik (Tabelle 2), Rahmensetzer und Topik (Tabelle 3), Kontrast und Rahmensetzer (Tabelle 4) bzw. Kontrast, Topik und Rahmensetzer (Tabelle 5) im selben Satz vorkommen.
Tabelle 2 ist zu entnehmen, dass in einem Satz, in dem ein KontrastelementKontrastelement und ein TopikTopik auftreten, die Tendenz besteht, eher das Kontrastelement ins Vorfeld voranzustellen. (48) zeigt ein einschlägiges Beispiel für diese Konstellation.
Tabelle 2: Kontrast & Topik (Speyer 2008a: 284)
| Gesamtzahl | Kontrast im Vorfeld | Topik im Vorfeld | Andere Konstituente im Vorfeld | |
| Anzahl | 32 | 20 | 9 | 3 |
| Prozent | 100 % | 63 % | 28 % | 9 % |
| (48) | Die Richtlinienkompetenz des Kanzlers gilt … nicht … gegenüber dem Bundestag […]. Die Parteien bestimmen die Richtlinien der Politik; der Reichskanzler wurde als Vollzieher und Hüter der Koalitionsrichtlinien bezeichnet. |
| (FAZ2, 18; 20–21) (Speyer 2008a: 285) |
Im zweiten Satz ist die Parteien ein Kontrastelement, da der Kanzler und die Parteien Elemente der Menge derjenigen sind, die in der Politik Entscheidungskompetenz haben. Die Richtlinien (bereits vorerwähnt im ersten Satz) ist das Topik.
Tabelle 3 ist zu entnehmen, dass ein RahmensetzerRahmensetzer einem TopikTopik in der Regel vorweggeht, wie in (49) illustriert.
| Gesamtzahl | Rahmensetzer im Vorfeld | Topik im Vorfeld | Andere Konstituente im Vorfeld | |
| Anzahl | 29 | 25 | 4 | 0 |
| Prozente | 100 % | 86 % | 14 % | 0 % |
Tabelle 3: Rahmensetzer & Topik (Speyer 2008a: 285)
| (49) | Am Dienstag Mittag können die deutschen Helfer […] aufbrechen. |
| (FAZ3, 46) (Speyer 2008a: 286) |
Und ein RahmensetzerRahmensetzer geht auch dem KontrastKontrastelement voran (vgl. Tabelle 4 und Beispiel (50)).
| Gesamtzahl | Kontrast im Vorfeld | Rahmensetzer im Vorfeld | Andere Konstituente im Vorfeld | |
| Anzahl | 16 | 3 | 12 | 1 |
| Prozent | 100 % | 19 % | 75 % | 6 % |
Tabelle 4: Kontrast & Rahmensetzer (Speyer 2008a: 285)
| (50) | Zu Bachs Zeiten hatten beide Feiertage eine wichtige Stellung im Kirchenjahr. Zum Reformationstag komponierte Bach … die beiden heute gespielten Kantaten […] Zu Michaelis komponierte Bach außer BWV 19 und 149 noch BWV 50 … |
| (Ri1, 7–8; 10) (Speyer 2008a: 285) |
Die Feiertage bilden die Obermenge, deren Elemente der Reformationstag und Michaelis sind. Der Rahmensetzer ist die temporale Angabe zu Bachs Zeiten.
Kommen TopikTopik, KontrastKontrastelement und RahmensetzerRahmensetzer im selben Satz vor, scheint sich die Rangfolge Rahmensetzer > Kontrast > Topik (vgl. Tabelle 5) durchzusetzen, wobei für diese Konstellation nur sehr wenige Belege im Korpus vorhanden sind.
| Gesamtzahl | Kontrast im Vorfeld | Topik im Vorfeld | Rahmensetzer im Vorfeld | Andere Konstituente im Vorfeld | |
| Anzahl | 7 | 1 | 0 | 6 | 0 |
| Prozent | 100 % | 14 % | 0 % | 86 % | 0 % |
Tabelle 5: Kontrast & Topik & Rahmensetzer (Speyer 2008a: 285)
Ein Beispiel, das diesem Muster folgt, ist (51).
| (51) | Im Umkreis von drei Kilometern töteten sie (= tierärztliche Beamte, die im vorangehenden Satz erwähnt werden) sämtliches Geflügel, mit Gas, per Stromstoß. (SZ1, 43) (Speyer 2008a: 286) |
Im Umkreis von drei Kilometern ist der Rahmensetzer, sie fungiert als Topik und die Arten der Tötung bilden Kontrastelemente.
Generell sieht man, dass Rahmensetzer meist im Vorfeld positioniert werden, unabhängig davon, ob zusätzlich ein Topik oder ein Kontrastelement auftritt. Ist kein Rahmensetzer beteiligt, geht Kontrast dem Topik tendenziell voran.
Schon in Abschnitt 2.1 haben wir gesehen, dass das Topik nur eine denkbare Vorfeldkonstituente ist. Im Rahmen von Speyers Untersuchung sehen wir nun, dass das Vorfeld nur dann präferiert durch das Topik besetzt wird, wenn weder ein Rahmensetzer noch ein Kontrastelement zusätzlich auftreten. Die Daten in (49) und (51) zeigen, dass das Topik dann gerne am linken Mittelfeldrand steht. Wir werden uns mit diesem Phänomen noch ausführlich in Kapitel 3 beschäftigen. Es lässt sich aber der folgende Zusammenhang schon einmal festhalten: Die Positionierung des Topiks im linken Mittelfeld bietet eine Erklärung dafür, warum genau dieses Element ins Vorfeld bewegt wird, wenn kein Element der anderen Typen auftritt: Es ist (aus Perspektive des Vorfeldes) die nächste Phrase im Mittelfeld, die für die Voranstellung in Frage kommt (vgl. Speyer 2008a: 287). Speyer (2008a: 284) geht davon aus, dass die Verhältnisse aus Tabelle 2 noch deutlicher sein müssten, weil es im Korpus einen Text gibt, auf den fünf der neun Fälle von Topiks im Vorfeld zurückgehen. (52) zeigt drei dieser Fälle.
| (52) | Sie (= Nicht-Regierungsorganisationen) verstehen sich als der bessere Repräsentant der abendländischen Kultur […]. Sie kümmern sich um die Benachteiligten, […] Sie helfen bei der Konfliktbearbeitung und bei der Konfliktlösung. (L2, 45–48) (Speyer 2008a: 285) |
Sie ist jeweils das Topik, das hier leicht zu identifizieren ist, da das Pronomen den Referenten aus dem Vorgängerbeitrag aufgreift. Konfliktbearbeitung und Konfliktlösung sind Kontrastelemente, da sie zusammen die Menge der Aktivitäten bilden.
Speyer (2008a: 284) nimmt an, dass in dieser Vorkommensweise andere Prinzipien greifen, in dem Sinne, dass es hier stilistische Gründe gibt, das Topik voranzustellen (damit die Sätze mit dem gleichen Wort beginnen) oder dass Beschränkungen der Verarbeitung greifen (wie z.B. leichte Elemente ins Vorfeld zu stellen).
Der Hinweis auf Fälle dieser Art ist von daher relevant, als sich zeigt, dass man derartige Verteilungen vorsichtig interpretieren sollte, insbesondere, wenn kleine Datenmengen betrachtet wurden und sich die Zahlen deshalb schnell verändern. Zum anderen lässt sich aus solchen Vorkommen auch ableiten, dass die Tendenz Kontrast > Topik leichter zu überschreiben ist (wenn es andere – wie die genannten – Präferenzen gibt) als z.B. die Tendenz, einen Rahmensetzer voranzustellen (vgl. Speyer 2008a: 286).
Für Speyers Beobachtungen bietet sich dem Autor zufolge eine Modellierung im Rahmen der OptimalitätstheorieOptimalitätstheorie an.
Bei dieser Theorie handelt es sich um ein WettbewerbsmodellWettbewerbsmodell, in dem Kandidaten hinsichtlich der Erfüllung bestimmter geordneter BeschränkungenGeordnete Beschränkungen verglichen werden. Basierend auf der Ordnung dieser Beschränkungen wird ein optimaler KandidatOptimaler Kandidat ermittelt (vgl. Müller 2000 für eine Einführung in diese Theorie).
Die drei relevanten Beschränkungen für die Vorfeldbesetzung sind Speyers Untersuchung nach:
| (53) | a. | TOPIK-VF: Das Topik wird ins Vorfeld bewegt. |
| b. | KONTRAST-VF: Das Kontrastelement wird ins Vorfeld bewegt. | |
| c. | RAHMENSETZER-VF: Der Rahmensetzer wird ins Vorfeld bewegt. |
Setzt man die Ordnung in (54) an, erfasst man die Abfolgen, die wir in den Daten beobachtet haben.
| (54) | RAHMENSETZER-VF >> KONTRAST-VF >> TOPIK-VF |
Tritt mehr als eines dieser Elemente im Satz auf, steht beim optimalen Kandidaten das Element im Vorfeld, das in diesem Ranking durch die höhere Beschränkung erfasst wird.
Die Beschränkungen in einer optimalitätstheoretischen Modellierung werden nicht als absolut verstanden, sondern sie sind verletzbarVerletzbarkeit. Die von der Ordnung abweichenden Fälle in den Daten können dann entweder als suboptimale Kandidaten gelten oder als Fälle von Interaktion mit anderen Beschränkungen (die es dann zu formulieren gilt [s.o.]) (vgl. Speyer 2008a: 287).
Die Rangordnung in (54) entwickelt Speyer (2008a) anhand geschriebener (monologischer) Sprache. Lässt sich diese Rangordnung nun auch auf gesprochene Sprache übertragen? Oder spielen hier andere Beschränkungen eine Rolle? Ist Letzteres zutreffend, müsste man annehmen, dass es keine mediumübergreifenden Präferenzen für die Vorfeldbesetzung gibt, sondern dass es für die Erfassung dieses Phänomens notwendig ist, zwischen mündlichem und schriftlichem Sprachgebrauch zu unterscheiden.
2.2.2 Gesprochene (dialogische) Sprache
Das von Speyer (2010) zugrundegelegte Korpus sind Transkripte informeller, hauptsächlich dialektaler Gespräche (Schwäbisch). Der Datentyp ist beschränkt auf natürliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Das heißt, es sind keine Gespräche aus Interviews, Telefongesprächen oder Fernsehshows Teil des Korpus. Außerdem sind nur komplette Verbzweit(V2)-Deklarativsätze unter den 596 Sätzen, die für die Analyse verwendet worden sind. In gesprochener Sprache hat man es oft mit Auslassungen, Abbrüchen oder Reformulierungen zu tun, die eine Untersuchung der präferierten Vorfeldbesetzung allerdings stören.
2.2.2.1 Weitere Elemente im Vorfeld und ihre Rangfolge
Wie sich weiter unten noch genauer zeigen wird, gilt das für die geschriebene Sprache formulierte Ranking prinzipiell auch für die gesprochen sprachlichen Bespiele, die Speyer (2010) untersucht. Es gibt jedoch zwei weitere Elemente, die ebenfalls im Vorfeld auftauchen. Dies sind zum einen das pronominalisierte Subjekt und zum anderen das Wort dann.
Die Ergebnisse einer Frequenzanalyse zum Auftreten der fünf Ausdrücke im Vorfeld in Tabelle 6 bestätigen den Eindruck Speyers, dass diese zwei Elemente in den gesprochenen Daten häufig das Vorfeld besetzen.
| Topik | Kontrast | pronominales Subjekt | dann | Rahmensetzer | |
| Vorkommen im Satz | 596 | 165 | 237 | 68 | 86 |
| Element im Vorfeld | 185 | 89 | 131 | 45 | 56 |
| Prozente | 31 %1 | 54 % | 55 % | 66 % | 63 % |
Tabelle 6: Häufigkeiten der fünf Vorfeldfüller (Speyer 2010: 276)
Pronominale Subjekte stehen nahezu genauso häufig im Vorfeld wie Kontrastelemente. Die Häufigkeit von dann ist mit dem Vorkommen von Rahmensetzern vergleichbar.
Das Auftreten dieser zwei Elemente in den gesprochenen Daten bezieht Speyer auf die Natur mündlicher Dialoge: Personalpronomen in Subjektfunktion dienen dem Zweck, die OrigoOrigo zu kennzeichnen. Unter der Origo versteht man den Bezugspunkt für kontextabhängige Ausdrücke (DeiktikaDeiktika), wie hier/dort, gestern/heute oder ich/du. In diesem Fall geht es um das personaldeiktische ZentrumPersonaldeiktisches Zentrum, d.h. die kontextabhängige Referenz auf Personen. Da in dialogischer gesprochener Sprache in der Regel mehr als eine Origo beteiligt ist (Sprecher vs. Hörer vs. weitere Gesprächspartner), die zudem zwischen den Beiträgen wechselt, ist die Markierung der Origo in dieser Form von Diskurs plausiblerweise relevanter als in geschriebenen monologischen Texten. Dann, das die temporale Abfolge von Ereignissen oder Themen anzeigt, hält er nicht für einen Ausdruck, der für Dialoge oder generell gesprochene Sprache speziell ist, sondern der charakteristisch für Berichte ist. Vor dem Hintergrund der Segmented Discourse Representation TheorySegmented Discourse Representation Theory (SDRT), die wie die in Abschnitt 1.2.3 skizzierte Rhetorische StrukturtheorieRhetorische Strukturtheorie (RST) u.a. relationale KohärenzRelationale Kohärenz zu erfassen beabsichtigt, kodiert dann die Relation der NARRATIONNarration (vgl. Asher & Lascarides 2003: 162f.) zwischen zwei Äußerungen (vgl. z.B. (55)). Die beschriebenen Ereignisse folgen aufeinander.
| (55) | Zunächst gingen sie auf den Weihnachtsmarkt. Dann besuchten sie die Oper. |
Die Frage, warum der Ausdruck in den geschriebenen Daten nicht auffällig häufig auftritt, beantwortet Speyer (2010: 272) derart, dass NARRATION die unmarkierte Relation zwischen den Äußerungen in den von ihm untersuchten schriftlichen Daten sei und deshalb nicht overt markiert werden müsse. Im mündlichen dialogischen Diskurs sei es üblicher, dass Relationen wie ERKLÄRUNGErklärung oder ELABORATIONELABORATION vorliegen und gerade nicht NARRATION. Er geht davon aus, dass, wenn Berichte in der gesprochenen Sprache vorkommen, dann als Anzeiger im Vorfeld auftritt. Dies lässt sich anhand des Dialogs in (56) illustrieren, der in hochdeutscher Übersetzung wie in (57) lauten kann.
| (56) | P: | p1: | i han en jetzt grad ausdrücklich saga wella dass mei Frau gerscht sehr sehr fürsorglich war |
| p2: | und gsagt | ||
| p3: | und des letscht Stückle. Des ischt für dei Dochter | ||
| p4: | weil i han gerscht mindeschtens fünf Stück gessa | ||
| R: | p5: | Ach so jetzt weiß i wo der blieba isch | |
| P: | p6: | manche waren klein von dene | |
| R: | p7: | hm also weniger als äh. äh zehn mal zehn | |
| P: | p8: | Em morgnets, noi vorgescht z’obeds mon’er ganz frisch backa gwä ischt. und i hoimkomma bin da war mei Frau scho im Bett | |
| p9: | grocha hot’s. so wie üblich | ||
| L: | p10: | wie üblich heißt denn des | |
| R: | p11: | ha des ((lachen)) des gibt mir schwer zu denka | |
| P: | p12: | no bin i in d’Kuche ganga .. | |
| p13: | und han mir a Stückle weggschnitta .. | ||
| p14: | und han des gessa am nägschda Morga | ||
| L: | p15: | abends oder was? | |
| P: | p16: | abends natürlich | |
| p17: | solang’s frisch ischt. so schmeckt’s am besten | ||
| p18: | übrigens des war. aus oigenem Anbau. der Rhabarber | ||
| L: | p19: | nee echt ham wir schon welchen? | |
| R: | p20: | ja | |
| P: | p21: | i selber eigenhändig hab en gschnitta nach Befehl meiner Frau | |
| R: | p22: | drum drum weil selber du wärsch nie auf d’Idee komma dass mar den wegmacha muss (Speyer 2010: 273f.) |
| (57) | P: | p1: | Jetzt gerade wollte ich darauf hinweisen, dass meine Frau sehr fürsorglich ist. |
| p2: | und sagte | ||
| p3: | und dieses letzte Stück, das ist für deine Tochter | ||
| p4: | denn ich habe gestern mindestens fünf Stück gegessen | ||
| R: | p5: | Ach so jetzt weiß ich, was mit ihm passiert ist | |
| P: | p6: | manche von ihnen waren klein | |
| R: | p7: | hm also weniger als zehn mal zehn | |
| P: | p8: | Am Morgen, nein, vor zwei Tagen am Abend, als es gerade aus dem Ofen kam und ich nach Hause kam, meine Frau schlief schon | |
| p9: | gerochen hat es wie immer | ||
| L: | p10: | was heißt denn „wie immer“? | |
| R: | p11: | ha das ((lachen)) das gibt mir zu denken | |
| P: | p12: | dann bin ich in die Küche gegangen | |
| p13: | und habe mir ein Stück abgeschnitten | ||
| p14: | und habe es am nächsten Morgen gegessen | ||
| L: | p15: | am Abend oder wie? | |
| P: | p16: | am Abend natürlich | |
| p17: | solange es frisch ist. so schmeckt es am Besten | ||
| p18: | übrigens war der Rhabarber aus eigenem Anbau | ||
| L: | p19: | nee, echt? Haben wir schon welchen? | |
| R: | p20: | Ja | |
| P: | p21: | ich habe ihn selbst geschnitten nach Anweisung meiner Frau | |
| R: | p22: | ja, denn du wärst nie von alleine auf die Idee gekommen, dass man den entfernen muss |
Betrachtet man nur die Beiträge von Sprecher P, bestehen zwischen seinen Äußerungen die folgenden rhetorischen Relationen: p2 fungiert als ERKLÄRUNGErklärung von p1, indem p2 ausführt, warum P seine Frau als fürsorglich einschätzt. p2 und p3 leisten den gleichen Beitrag zum Thema (was gesagt wird) (CONTINUATIONCONTINUATION). Zwischen p4 und p3 liegt erneut die Relation der ERKLÄRUNG vor (warum das Stück für die Tochter ist). p6 erläutert näher p4, indem zum Ausdruck gebracht wird, dass die Stücke z.T. klein waren. p8 bezieht sich wieder auf p1 und leistet eine Erklärung der Fürsorge (ERKLÄRUNG). Von p9 bis p14 liegt eine Erzählung der Ereignisse vor, wie sie sich zugetragen haben, als der Sprecher abends nach Hause kam und das Gebäck vorgefunden hat (NARRATIONNarration). p15 und p16 bilden ein Frage-Antwort-Paar. Zwischen p16 und p17, p17 und p18 sowie p18 und p21 besteht die Relation der ELABORATIONELABORATION. Es werden weitere Informationen zum Gebackenen gegeben.
Dieser Blick auf die rhetorischen RelationenRhetorische Relation, die in diesem Abschnitt vorkommen, zeigt, dass nur zwischen wenigen Äußerungen die Relation der NARRATION besteht. Für Speyers Annahmen zur Verwendung von dann ist entscheidend, dass es dort im Vorfeld steht (no ist das schwäbische Pendant zu dann), wo der Bericht über das Ereignis rund um das Nachhausekommen und das Vorfinden des Gebäcks beginnt (p12).
Ergänzend zu den Beschränkungen aus Speyer (2008a) treten hinzu:
| (58) | a. | DANN-VF: Dann wird ins Vorfeld gestellt. |
| b. | SPP-VF: Subjekt-Personalpronomen werden ins Vorfeld gestellt. |
Genauso wie für die Vorfeldbesetzer Kontrast, Rahmensetzer und Topik fragt Speyer sich auch, welche Interaktionen sich zwischen den (,alten‘) Typen von Ausdrücken und den zwei (,neuen‘) für die gesprochene Sprache charakteristischen Ausdrücken ergeben. Auf der Basis der festgestellten Häufigkeiten, mit denen die Elemente im Vorfeld auftreten (vgl. Tabelle 6), ist die Ordnung in (59) zu erwarten.
| (59) | DANN-VF, RAHMENSETZER-VF >> SPP-VF, KONTRAST-VF >> TOPIK-VF |
Treten zwei der fünf Ausdrücke in einem Satz gemeinsam auf, stellen sich die Verhältnisse in Tabelle 7 ein. Der Übersicht sind die folgenden Informationen zu entnehmen: Die erste Spalte benennt die zwei Elemente, die im Satz beteiligt sind. Die zweite Spalte gibt die Auftretenshäufigkeit für jedes der zwei Elemente an, die dritte Spalte die diesem Wert entsprechende Prozentzahl, die vierte Spalte gibt basierend auf der Frequenz des Auftretens die Abfolgetendenz wieder. (>> steht dabei für eine relativ klare Rangordnung (ab 66,7 %), (>>) für eine Abfolgetendenz, die unter diesem Wert liegt und deshalb als unsicherer einzustufen ist, = steht für gleich häufiges Auftreten. Liegen sehr wenige Daten vor, steht das Ergebnis in Klammern.)
| Elemente im Vorfeld | Anzahl | Prozente | Rangfolge | Ergebnis kompatibel mit bisherigen Tendenzen? |
| Topik | 13 | 50 % | Kontrast = Topik | ✗ |
| Kontrast | 13 | 50 % | ||
| Topik | 8 | 18 % | pronominales Subjekt >> Topik | ✓ |
| pronominales Subjekt | 37 | 82 % | ||
| Topik | 3 | 20 % | Rahmensetzer >> Topik | ✓ |
| Rahmensetzer | 12 | 80 % | ||
| Topik | 0 | 0 % | dann >> Topik | ✓ |
| dann | 12 | 100 % | ||
| Kontrast | 20 | 41 % | pronominales Subjekt (>>) Kontrast | ✗ |
| pronominales Subjekt | 14 | 59 % | ||
| Kontrast | 2 | 40 % | Rahmensetzer (>>) Kontrast | ✓ |
| Rahmensetzer | 3 | 60 % | ||
| Kontrast | 4 | 50 % | dann = Kontrast | ✗ |
| dann | 4 | 50 % | ||
| pronominales Subjekt | 5 | 36 % | Rahmensetzer (>>) pronominales Subjekt | ✓ |
| Rahmensetzer | 9 | 64 % | ||
| pronominales Subjekt | 3 | 15 % | dann >> pronominales Subjekt | ✓ |
| dann | 17 | 85 % | ||
| Rahmensetzer | 1 | 0 % | (Rahmensetzer >> dann) | ✗ |
| dann | 0 | 100 % |
Tabelle 7: Topik & Kontrast & Subjekt-Personalpronomen & Rahmensetzer & dann (vgl. Speyer 2010: 277)
Den Erwartungen (vermerkt in der letzten Spalte) entspricht, dass alle Elemente dem Topik eher vorangehen. Die Positionierung von Kontrastelementen widerspricht dieser Tendenz allerdings, da sie mit gleicher Anzahl dem Topik vorangehen wie folgen. Rahmensetzer sollten dem Kontrast vorangehen – wie es der Fall ist. Ein pronominales Subjekt sollte Kontrastelementen gleichhäufig vorangehen wie folgen. Hier stehen die beiden Elemente hingegen in einer Rangordnung. Dann sollte Kontrast vorangehen und nicht gleichrangig vorkommen. Wie belegt, sollte dann einem pronominalen Subjekt vorangehen. Ein Rahmensetzer sollte dem pronominalen Subjekt vorangehen. Dies trifft zu. Er sollte aber eigentlich auch mit einer ähnlichen Frequenz belegt sein wie dann.
Das heißt, einige Tendenzen, die aus der Untersuchung für geschriebene Sprache stammen, bestätigen sich, genauso wie die Vorhersagen, die man auf der Basis des ersten Teils der Untersuchung zum Vorfeldvorkommen der fünf Elemente bei isoliertem Auftreten machen kann. Andere wiederum lassen sich nicht nachweisen. Allerdings ist in Tabelle 7 auch ersichtlich, dass für manche der zweifachen Auftreten sehr wenige Daten vorliegen. Dies gilt noch deutlicher für die Untersuchung des Auftretens von drei Elementen, die Speyer (2010: 278) ebenfalls vornimmt. Es zeigt sich aber auch, dass kein Grund zu der Annahme besteht, dass in den gesprochenen Daten von grundsätzlich anderen Ordnungen auszugehen ist. Die Beschränkungen scheinen weniger kategorial zu sein als in der geschriebenen Sprache, worauf z.B. das uneinheitliche Verhalten von Kontrast verweist. Die Ausdrücke, die typisch für gesprochene Sprache sind, lassen sich in die Abfolgetendenzen integrieren: Dann nimmt gemeinsam mit Rahmensetzern eine hohe Position in der Rangfolge ein.
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