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Samuel de Champlain
Samuel de Champlain
DIE ERFORSCHUNG DER OSTKÜSTE NORDAMERIKAS
Übersetzt und eingeleitet von Udo Sautter

»Die Entdeckung Nordamerikas wird nirgends großartiger anschaulich als in der epischen Schilderung der Abenteuer Samuel de Champlains.«
Joe C. W. Armstrong, Champlain.
INHALT
Einleitung
BEMERKUNG ZU DEN LÄNGENMASSEN IM TEXT
BEMERKUNG ZU DEN ABBILDUNGEN
Erste Reise
ERSTES BUCH
ZWEITES BUCH
Zweite Reise des Sieur de Champlain
Dritte Reise des Sieur de Champlain
Vierte Reise des Sieur de Champlain
EINLEITUNG
I. GEDANKEN ZU BEGINN
Von den Entdeckungen Christoph Kolumbus’ Ende des 15. Jahrhunderts an kontrollierten Spanier und Portugiesen jahrzehntelang die amerikanische Atlantikküste. Gelegentliche Versuche anderer europäischer Mächte, sich einen Stützpunkt zu sichern, erfolgten nur halbherzig und ohne dauerhaften Erfolg. Der Franzose Jacques Cartier segelte zwischen 1534 und 1542 dreimal zum Sankt-Lorenz-Golf und den Strom hinauf bis zum Ort des späteren Montreal, doch zu guter Siedlung kam es nicht. Die hugenottischen Versuche Nicolas Durand de Villegaignons in Brasilien in den 1550er Jahren blieben ebenso ergebnislos wie etwa die zaghaften englischen Bemühungen auf Roanoke Island vor der Küste Virginias in den 1580er Jahren. Erst der britische Sieg über die Spanier 1588 und das Ende der französischen Religionskriege gegen die Jahrhundertwende hin machten den Weg frei für ernsthaftere Bestrebungen. Die erste französische, die dauerhaften Erfolg hatte, war diejenige Samuel de Champlains. Auf eigene Initiative hin und bald auch mit staatlicher Unterstützung legte er den Grundstein für die Entwicklung der neufranzösischen Kolonie.
Wir wüssten heute nicht viel über die Einzelheiten dieses Beginns ohne Champlains Berichte. Obwohl selbst eher ein Mann des Astrolabs und der Hakenbüchse, hat er uns jedoch offensichtlich aufgrund eigener oft minutiöser Aufzeichnungen recht ausführliche Erzählungen über vielerlei Einzelheiten dieser Anfangsjahre hinterlassen. Dafür gebührt ihm der uneingeschränkte Dank des Historikers. Natürlich ist die Darstellung durchgehend subjektiv gefärbt und verlangt, wie neuere Untersuchungen ergeben haben, in nicht wenigen Fällen hinsichtlich mancherlei Fakten nach Korrektur. Aber gleichwohl ist sie in vielem unersetzlich in ihrer Frische. Nirgends sonst finden wir eine solche Fülle von Beschreibungen der Fauna und Flora, der Sitten der Ureinwohner und der Mühsal der Erkundungsbemühung zu Beginn des 17. Jahrhunderts wie bei ihm. In den hier vorgelegten Schilderungen seiner Reisen zwischen 1604 und 1613, die das Kernstück seines schriftstellerischen Schreibens bilden, besitzen wir eine zeitgenössische Quelle erster Güte. Sie wird hier erstmals auch deutschsprachigen Lesern vorgelegt.
Bei der Übersetzung des im Französisch des frühen 17. Jahrhunderts verfassten Textes mussten natürlich hin und wieder im deutschen Sprachgebrauch nicht zu findende Wendungen adaptiert werden. Grundsätzlich wurde jedoch Wert gelegt auf möglichst große Textnähe, um dem Leser wenigstens so weit wie angängig das Flair des Originals zu vermitteln. Auf die Verwendung heute bei Manchen beliebter, ideologisch inspirierter Modernismen (»Erste-Nation-Leute« für Ureinwohner) wurde verzichtet. So schreibt Champlain zwar durchgehend von »Wilden«; diese werden in der vorliegenden Übersetzung aber, wohl sachgerechter, »Indianer« genannt. Absätze wurden grundsätzlich beibehalten. Für Ortsnamen wurde, falls heute üblich, die englische Form gewählt, sonst die französische.
II. SAMUEL DE CHAMPLAIN
Wenig ist bekannt über Champlains Abstammung. Seinem Ehevertrag zufolge wurde er als Sohn von Anthoine de Champlain, einem »Kapitän der Marine« und dessen Ehefrau Marguerite Le Roy geboren. Unbezweifelt ist, dass er seine Jugend in Brouage in der Saintonge (heutiges Département Charente-Maritime) an der französischen Atlantikküste verbrachte. Aber viele Fragen sind ungeklärt. Wurde er in Brouage geboren? Dies war damals ein vorwiegend katholischer Platz in einer hugenottischen, also protestantisch-calvinistischen Umgebung. Wurde er katholisch getauft? Sein für Katholiken unüblicher, alttestamentarischer Vorname Samuel deutet eher auf eine protestantische Familienabstammung hin. Andererseits verhielt er sich in späteren Jahren unzweideutig katholisch, doch dies in der Nähe des selbst vom Calvinismus zum römischen Glauben konvertierten Königs Heinrich IV. Ist Champlain diesem auch in Glaubenssachen gefolgt?
Sehr unsicher ist gleichfalls das genaue Jahr der Geburt. Das Taufregister jener Jahre in der Kirche von Brouage ist nicht erhalten. Lange Zeit schwankten diesbezügliche Annahmen zwischen etwa 1567 und 1580. Kürzlich fand man einen möglicherweise passenden Taufeintrag in einer Kirche der nahegelegenen Stadt La Rochelle aus dem Jahr 1574; doch sofort vorgebrachte Zweifel konnten bislang nicht überzeugend widerlegt werden.
Eine andere Frage ist diejenige nach der Zugehörigkeit zum Adel. Den Namen des Vaters ziert, wie oben erwähnt, in Champlains Eheurkunde die adlige Partikel »de«. Doch Champlain hat diese bis 1610 nicht verwendet. Auch war es damals nicht unüblich, dass sich arrivierte Leute auf diese Weise schmückten, ohne formell in den Adelsstand erhoben worden zu sein. Von solcher Erhebung wissen wir jedoch nichts. Der Umstand, dass Champlain trotz aller Verdienste um Neufrankreich nie mit dem dortigen Gouverneursposten ausgezeichnet wurde – was eine adlige Stellung vorausgesetzt hätte – deutet eher darauf hin, daß er in bürgerlichem Stand verblieb.
Nicht von Adel zu sein, bedeutete für Champlain freilich vor allem, dass er sich offen zeigen musste für die Möglichkeiten, die sich für sein Fortkommen boten. Gute Voraussetzungen für Letzteres waren durchaus vorhanden. Er besuchte wohl einige Jahre lang eine der in Brouage tätigen privaten Elementarschulen, wo ihm eine solide Grundausbildung in Grammatik und Rechnen vermittelt wurde. Seine späteren Schriften sind durchweg frei von den damals zum höheren Bildungsgut zählenden Bezügen zu antiker Mythologie und Philosophie, was gewiss darauf hinweist, dass er mit solchem Wissen nicht konfrontiert wurde. Vielmehr erhielt er seine weitere Ausbildung in der Praxis des Lebens, und dieses war für ein Kind der Seefestung Brouage fast notwendig mit dem Meer verbunden.
III. JUGENDJAHRE
Sowohl Champlains Vater als auch ein Onkel waren Seeleute. Bevor er sich allerdings auf See begab, lernte er das Metier eines Landsoldaten. Er diente wohl zwischen 1595 und 1598, also in den späten Jahren der französischen Religionskriege, in der Armee König Heinrichs IV. in der Bretagne. Erst Hilfsquartiermeister, beendete er sein Engagement schließlich als »maréchal de logis«, das heißt Verantwortlicher für die Versorgung der Pferde.
Nach der Beendigung der Kämpfe in der Bretagne erfuhr Champlain, dass ein Onkel mütterlicherseits sein Schiff zum Transport spanischer Truppen nach Cádiz vermietet hatte. Champlain wurde zum Sicherheits-Chef auf der Saint-Julien bestellt. Anschließend erhielt er einen Schiffsplatz auf einer zweijährigen Reise zu den spanischen Besitzungen in der Karibik. Champlain machte unterwegs, wie es seine Gewohnheit wurde, viele Notizen. Einen bebilderten Bericht über das während dieser Jahre Erfahrene übergab er dann nach seiner Rückkehr an Heinrich IV., der ihm daraufhin eine lebenslängliche Pension gewährte. Dieser Bericht, bekannt als Brief Discours …, wurde erst 1870 veröffentlicht. Gelegentlich ist wegen einiger Ungenauigkeiten und textlicher Diskrepanzen Champlains Autorenschaft infrage gestellt worden, doch wird diese neuerdings nicht eigentlich mehr bezweifelt.
Beim Tod des Onkels 1600 erbte Champlain dessen erheblichen Besitz einschließlich eines Gutes bei La Rochelle, Grundstücken in Spanien und eines Handelsschiffes von 150 Tonnen. Diese Erbschaft gewährte ihm, zusammen mit der königlichen Pension, eine finanzielle Unabhängigkeit, die ihn für vielerlei Unternehmungen frei machte. Sie gestattete ihm insbesondere auch, den Handelskreisen in Saint-Malo, Rouen und La Rochelle gegenüber forscher aufzutreten, als es sonst denkbar gewesen wäre.
Die nächsten zweieinhalb Jahre lang arbeitete Champlain am Hof Heinrichs IV. als Geograf, wobei es zu seinen Aufgaben gehörte, die Anlagen französischer Häfen zu besichtigen. Er erfuhr viel über Nordamerika von den Fischern, die jährlich über den Atlantik fuhren und die reichen Fischgründe vor der Küste von Massachusetts bis Neufundland ausbeuteten. Hierbei informierte er sich auch über die kürzlich erfolgten französischen Kolonisierungsversuche, etwa des 1600 in Tadoussac am Sankt-Lorenz-Strom unternommenen, und die Gründe für deren Scheitern.
IV. AKADIEN
1602 erhielt der Gouverneur von Dieppe, Aymar de Chaste, das Pelzhandelsmonopol für Nordamerika zugesprochen. Champlain sah die Möglichkeit einer weiteren Transatlantikreise und bat de Chaste erfolgreich um einen Platz auf dessen erstem nach Westen segelndem Schiff. Im März 1603 fuhr er von Honfleur in der Normandie auf der unter dem Kommando von François du Pont-Gravé stehenden Bonne-Renommée ab. Champlain hatte als eine Art Gentleman-Fahrgast keine eigentlichen Mannschaftsaufgaben auf dem Schiff. Er verstand sich aber offensichtlich gut mit dem älteren und erfahrenen Pont-Gravé, der ihm mancherlei Navigationswissen vermittelte und mit dem ihn danach eine feste, lebenslange Freundschaft verband. Das Schiff erreichte gegen Ende Mai Tadoussac am Unterlauf des Sankt-Lorenz-Stromes, das schon seit Jahrzehnten als jahreszeitlich aktive Pelzhandelsstation für die aus Europa kommenden Schiffe die erste Anlaufstation auf dem Festland war. Drei Tage später überquerten Champlain und Pont-Gravé in einem Boot die Mündung des von Norden kommenden Flusses Saguenay und trafen sich mit Häuptlingen der hier ansässigen Indianer, der Montagnais, der Maliseet und der Algonkin, die mit vielen Stammesgenossen zu einem Fest versammelt waren. Die Franzosen sprachen vom Wunsch ihres Königs nach guter Zusammenarbeit, und man schloss eine Art Allianz. Diese frühe Festlegung beeinflusste die Beziehungen zwischen Franzosen und Ureinwohnern dann auf Jahrzehnte hinaus.
Ab dem 18. Juni fuhren Champlain und Pont-Gravé, die Spuren des zwei Generationen zuvor hier gewesenen Jacques Cartier suchend, den Strom weiter hinauf bis zum heute Richelieu genannten Fluss und erkundeten dessen Unterlauf bis Saint-Ours; anschließend folgten sie dem Sankt-Lorenz weiter, bis die Stromschnellen bei Lachine in der Nähe des heutigen Montreal ihnen die Weiterfahrt verwehrten. Zurück in Frankreich, veröffentlichte Champlain den Reisebericht Des Sauvages, der eine detaillierte Beschreibung des Sankt-Lorenz mit schönen Skizzen und Karten enthielt.
In Paris erfuhr Champlain, dass das Pelzhandelsmonopol inzwischen nach dem Tod von de Chaste auf Pierre Dugua de Monts übergegangen war. Als dieser 1604 eine Expedition nach Kanada schickte, schloss sich Champlain wiederum an. Diesmal war nicht der Sankt-Lorenz-Strom das Ziel, sondern vielmehr die Akadien (Acadie) genannte Gegend am Atlantik. Das Tal des Sankt-Lorenz-Stromes war den Expeditionsteilnehmern 1603 als ziemlich unwirtlich und rau erschienen, und so hatte man sich entschlossen, vorerst näher am Atlantik zu bleiben. Der Auftrag 1604 war ohnehin weniger, eine kräftige Siedlung zu errichten, als vielmehr mineralischen Reichtum zu entdecken und nach Möglichkeit die schon lange ersehnte Durchfahrt zum Westmeer zu finden, auf dem man zu den Schätzen und Attraktionen Ostasiens kommen würde. Vorerst würden Fische und Pelze genügend Gewinn bringen.
Nach der Ankunft vor der Küste Neuschottlands im Mai 1604 erhielt Champlain von de Monts den Auftrag, nach einem passenden Ort für ein Winterquartier zu suchen. Nach eingehender Erkundung der Bay of Fundy wählte er schließlich Saint Croix Island (heute Dochet Island), eine kleine Insel in der Mündung des Saint-Croix-Flusses. Das umgebende Wasser verhieß gute Verteidigungsmöglichkeiten und konnte wohl auch durch seinen Fischreichtum zur Ernährung der Belegschaft beitragen. Doch letztere erwies sich als recht ungenügend auf den strengen Winter vorbereitet. Bis Anbruch des Frühjahrs starb fast die Hälfte der Überwinterer an Skorbut. Das in den 1530er Jahren von Cartier benutzte Heilmittel gegen diese Mangelkrankheit war offenbar völlig in Vergessenheit geraten. Im Jahre 1605 erkundete Champlain die Atlantikküste nach Süden bis zum heutigen Cape Cod. (Die britischen Pilgrim Fathers kamen dort erst 1620 an.) Nach seiner Rückkunft zum Saint Croix Island entschloss man sich, die Wohnstätte aufs südliche Festland zu verlegen, da sich der vorige Winter mitten im Wasser als zu streng erwiesen hatte.
Die nächsten zwei Winter waren in der neuen Siedlung Port Royal (heute Annapolis Royal) etwas erträglicher. Um die Langeweile zu unterbrechen und die Ernährung sicherer zu stellen, gründete Champlain hier den noch heute in allen kanadischen Schulbüchern vorgestellten Jagdorden Ordre du Bon Temps. Die mildere Jahreszeit nutzte er für weitere Erkundungen, die ihn im Süden über Cape Cod hinaus bis Martha’s Vineyard führten. Auseinandersetzungen mit Indianerstämmen ließen jedoch eine permanente Siedlung in dieser klimatisch begünstigteren Region als unratsam erscheinen.
V. GRÜNDUNG NEUFRANKREICHS
Freilich war man nun auch von den akadischen Möglichkeiten einigermaßen enttäuscht, und somit richtete sich künftig das von Champlain personifizierte französische Pelzhandelsinteresse wieder auf die Region des Sankt-Lorenz-Stromes. Im Mai 1607 kam die Nachricht, dass de Monts’ Handelsprivileg widerrufen worden war. Zurück in Frankreich, gelang es Champlain, diesen zu einer erneuten Anstrengung, diesmal am Sankt-Lorenz, zu ermuntern. De Monts erhielt ein neues Privileg und ernannte Champlain zu seinem offiziellen Statthalter (»lieutenant«) in Kanada. Drei Schiffe wurden ausgerüstet, die Anfang Juni 1608 in Tadoussac ankerten. Die Besatzung fuhr in Booten weiter stromaufwärts, und am 3. Juli gründete Champlain am Cap Diamant, unweit der Mündung des Saint-Charles-Flusses, den festen Platz Quebec. Ein Holzgebäude (die sogenannte Habitation), umgeben von einem Verteidigungsgraben und einer Palisade, diente von da an als Wohnstätte, Handelsposten und Festung; weitere Bauten schlossen sich an. Es war die erste permanente französische Siedlung in Nordamerika. Bald wurde der Name Neufrankreich gängig, und jahrzehntelang dehnte sich die Kolonie vor allem nach Westen hin aus. Auch nach der britischen Eroberung im 18. Jahrhundert bewahrte sie ihren französischen Charakter.
Die Siedlungsanfänge, ohnehin schwierig und kraftaufwendig, wurden noch lästigerweise gestört durch eine Art Meuterei. Champlain gelang es, die Rädelsführer dingfest zu machen. Der Winter war wieder sehr streng, und von den 25 in Quebec Anwesenden überlebten nur acht Skorbut und Ruhr. Doch unter ihnen war Champlain, und nach Eintreffen einer Unterstützungsflottille unter Pont-Gravé fühlte er sich 1609 zu tatkräftigem Handeln bereit. Vor allem galt es, gute Beziehungen zu den lokalen Indianern zu etablieren und zu halten, vor allem den Huronen, den Algonkin und den Montagnais. Diese Stämme verlangten unter anderem, dass Champlain sie unterstütze in ihren Auseinandersetzungen mit den weiter im Süden lebenden Irokesen. Im Sommer begab er sich demgemäß auf den Kriegspfad den heute Richelieu genannten Fluss hinauf. Ende Juli stieß Champlain mit zwei Franzosen und 60 Ureinwohnern in der Gegend von Ticonderoga im heutigen Staat New York auf die Gegner. Seinem Bericht nach feuerte er mit seiner Hakenbüchse auf sie und tötete zwei der Häuptlinge mit einem einzigen Schuss; einer seiner Leute tötete einen dritten. Die Irokesen flohen. Freilich bestimmte diese unmittelbar erfolgreiche Aktion auch den Ton für die schlechten Beziehungen zwischen Franzosen und Irokesen während der folgenden Jahrzehnte. Konsolidiert wurde dieser Gegensatz noch im Juni nächsten Jahres durch ein Gefecht an der Mündung des Richelieu. Champlain, wiederum unterstützt durch französisches Militär sowie Krieger der Wyandot, Algonkin und Innu, kämpfte gegen die irokesischen Mohawk. Die französischen Hakenbüchsen töteten fast alle der feindlichen Krieger.
Im gleichen Jahr 1610 wurde König Heinrich IV. ermordet. Um die Interessen seines Unternehmens zu wahren, kehrte Champlain nach Frankreich zurück. Dort nutzte er die Gelegenheit unter anderem zur Eheschließung im Dezember mit einer jungen Hugenottin aus vermögender Familie. Hélène Boullé war freilich erst zwölf Jahre alt, und der körperliche Vollzug der Ehe hatte zu warten. Aber die beträchtliche Mitgift war für Champlains Unternehmungen finanzieller Balsam. Im Frühjahr 1611 zurück in Kanada, fuhr er den Sankt-Lorenz hinauf auf der Suche nach einem günstigeren Siedlungsplatz als dem engen Quebec. Er fasste die Insel im Sankt-Lorenz-Strom ins Auge, auf der Jacques Cartier 1535 das nun freilich nicht mehr vorhandene Dorf Hochelaga besucht hatte und wo später die Stadt Montreal entstand.
VI. ERKUNDUNG AM SANKT-LORENZ
Champlain wusste, dass die regierende Königinmutter Marie de Medici wenig Sympathie für Neufrankreich empfand; und nicht ohne Zusammenhang damit war das Pelzhandelsmonopol, das Quebecs Existenz sicherte, sehr umstritten. Er verbrachte deshalb das ganze folgende Jahr 1612 in Frankreich. Seine Bemühungen um Bestandssicherung wurden schließlich von Erfolg gekrönt. Als er im März 1613 erneut in Quebec landete, war er wiederum »Leutnant«, also Statthalter, aber diesmal eines der vornehmsten Adligen des Königreichs, nämlich des neuen Monopolisten Henri de Bourbon, Prince de Condé.
Solchermaßen gestärkt, machte sich Champlain daran, das Hinterland Neufrankreichs ernsthaft zu erkunden und nunmehr vor allem den von ihm schon lange ersehnten Zugang, wo nicht zum Westmeer, so doch zumindest zu einem Meer im Norden zu finden, von dem er immer wieder hatte munkeln hören. Von diesem Nordmeer konnte sich durchaus ja auch ein Weg in den Pazifik ergeben. Gegen Ende Mai 1613 brach er auf und reiste den Ottawa-Fluss hinauf; später verfasste er eine erste Beschreibung dieses Gebiets. Im Juni traf er Tessoüat, den Häuptling der Algonkin auf der Allumettes-Insel, den er schon in Tadoussac kennengelernt hatte. Champlain wollte, angespornt durch die Behauptung eines französischen Dolmetschers, dass das Nordmeer in nur wenigen Tagesreisen zu erreichen sei, von Tessoüat Boote und Führer erhalten. Doch dieser fürchtete um seine Stellung als Zwischenhändler im Verkehr mit den nördlichen Stämmen und half, den Dolmetscher als Lügner zu entlarven. Champlain blieb nichts übrig als umzukehren. Zurück in Frankreich, veröffentlichte er die hier im Folgenden übersetzten Voyages.
Der Stoff dieser Reiseberichte sind die Aktivitäten Champlains in Nordamerika zwischen 1604 und 1613. Er hatte zwar, wie oben erwähnt, Amerika gelegentlich schon vor 1604 besucht, und er war auch nach 1613 noch als Forschungsreisender und Verwalter tätig. Aber die mittleren Jahre waren besonders ertragreich. Die ersten hier vorgestellten Berichte sind Beschreibungen seiner Reisen entlang der Küste Neuenglands und seines Vordringens nach Süden bis zum Cape Cod und zu Martha’s Vineyard im späteren Massachusetts. Hierauf folgt die Darstellung der Reisen ab 1608 den Sankt-Lorenz-Strom hinauf mit der Gründung von Quebec, dem dort verbrachten grausamen Winter und der Entdeckung des Lake Champlain. Kurz zurück in Frankreich gewesen, beschreibt Champlain dann die Rückkehr nach Neufrankreich im Jahre 1610 und die Begegnung mit den feindlichen Irokesen. Die »Dritte Reise« berichtet über die Fahrt 1611 den Sankt-Lorenz-Strom hinauf und durch die Stromschnellen bei Lachine. Champlain fügte dann noch eine Beschreibung seiner »Vierten Reise« zum Auffinden des Nordmeers an.
Zweifellos beabsichtigte Champlain mit der ausführlichen Darstellung des bisher Unternommenen, die neufranzösische Unternehmung in Frankreich besser bekannt zu machen und weitere Mittel zu ihrer Fortsetzung zu erschließen. Und diese Bemühung trug durchaus gute Frucht. Zu Beginn 1614 weilte er in Fontainebleau am Hofe und konnte die zuvor recht gegnerischen, konkurrierenden Pelzhändler in einer Compagnie des Marchands de Rouen et de Saint-Malo zusammenschließen. Bei seiner nächsten Überfahrt nach Quebec im Mai 1615 nahm er dann auch vier Missionare mit, nämlich franziskanische Rekollekten.
Möglicherweise in Begleitung des Einzelerkunders Étienne Brûlé folgte er im Juli 1615 der Route seiner vorhergehenden Expedition bis zur Allumettes-Insel und zog anschließend weiter über den Lake Nipissing und den French River. Am 1. August erreichte er den Huronsee. Einen Monat später schloss er sich am Lake Simcoe einem Kriegszug der Huronen gegen die Irokesen an. Im Oktober erreichten die Krieger eine befestigte Siedlung am Onondaga Lake nahe des heutigen Syracuse. Der geplante Überraschungsangriff scheiterte jedoch, und Champlain wurde durch zwei Pfeile am Bein verletzt. Er überwinterte bei den Huronen. Ende Mai 1616 kehrte er nach Quebec zurück, und im September kam er nach ereignisarmer Überfahrt in Honfleur an.
VII. SICHERUNG NEUFRANKREICHS
Das Jahr 1617 war eines politischer Wirren in Frankreich. Bei seiner Ankunft hatte Champlain erfahren, dass der Prince de Condé verhaftet worden war. In den ausbrechenden Machtkämpfen gelang es ihm gleichwohl, seinen neufranzösischen Statthalterposten zu bewahren. Ob er kurzfristig während dieses Jahres wiederum über den Ozean fuhr, ist nicht zuverlässig festzustellen. Die allmähliche Stabilisierung der politischen Verhältnisse gab Champlain jedenfalls nunmehr den Mut, Anregungen für die Planung der zukünftigen Entwicklung seiner Provinz an die höheren Stellen zu geben. Im Februar 1618 sandte er je einen Bericht an den König und an die Handelskammer. Darin schrieb er, dass man über Neufrankreich leicht nach Ostindien gelangen könnte; Zölle könnten auf asiatische Handelswaren erhoben, der christliche Glaube könnte unzähligen Seelen vermittelt und die Handelssiedlung Quebec zu einer stark befestigten Hafenstadt ausgebaut werden.
Die Handelskammer zeigte sich sofort überzeugt. Im Februar 1618 verlangte sie von der Krone, dass Champlain finanzielle Mittel gewährt würden, um jährlich 300 Familien in Neufrankreich anzusiedeln, woraufhin König Ludwig XIII. Champlains Gesellschaft jegliche Unterstützung bei etwaigen Kolonisierungsbemühungen zusagte. Noch im gleichen Jahr reiste Champlain kurz nach Quebec, um die Möglichkeiten der kommenden Entwicklung zu sondieren. Ende August war er schon wieder in Frankreich. Hier erhoben sich freilich erneut Schwierigkeiten, welchen als Ursache der alte Widerstand der freien Handel fordernden Kaufleute gegen Champlains Monopolbestrebungen zugrunde lag. Die Dinge klärten sich etwas, als der neufranzösische Vizekönigstitel im Oktober 1619 an den Herzog von Montmorency überging. Am 7. Mai 1620 schrieb der König an Champlain, dass er ihm für seine Arbeit in Neufrankreich volles Vertrauen schenke. Von da an ging dieser nicht mehr auf Erkundungstouren, sondern widmete sich ausschließlich dem Aufbau und der Verwaltung Neufrankreichs.
Als Champlain im Frühjahr 1620 wieder über den Atlantik segelte, brachte er seine nunmehr 22-jährige Ehefrau Hélène Boullé mit. In der mittlerweile heruntergekommenen Siedlung ließ er dauerhaftere Gebäude errichten. Außerdem ordnete er den Bau der ersten Festung an, nämlich das Fort Saint-Louis oberhalb der Felswand des Cap Diamant. Im Herbst 1624 kehrte er wieder nach Frankreich zurück. Seine Ehefrau, die sich nie richtig an das Leben in Nordamerika hatte gewöhnen können, verließ Quebec für immer. Jahre später trat sie in ein Kloster ein. Kinder waren der Ehe nicht beschieden gewesen.
VIII. DIE LETZTEN JAHRE
Nach einem Aufenthalt von eineinhalb Jahren kam Champlain im Juli 1626 wieder in Quebec an. Nun zeigte die Krone Interesse. Der neue Machthaber in Frankreich, Kardinal Richelieu, betrachtete Kolonien als Mittel zur Stärkung Frankreichs und zur Festigung der königlichen Macht. Er stellte daher 1627 die Verwaltung auf eine völlig neue Grundlage und gründete zu diesem Zweck die staatlich kontrollierte Handelsgesellschaft Compagnie des Cent-Associés. Diese verpflichtete sich, in den folgenden 15 Jahren 4000 Siedler nach Neufrankreich zu bringen. Auch Champlain gehörte zu den Teilhabern. Wichtiger war, dass Richelieu ihn 1629 zu seinem persönlichen Vertreter ernannte. Nie offiziell Gouverneur geworden, hatte Champlain damit den Gipfel seiner administrativen Karriere erreicht.
Die Rangerhöhung mochte Champlain schmeicheln, aber seine Tätigkeit in Neufrankreich konnte nicht eigentlich von ihr profitieren. Die europäischen Streitigkeiten zeigten bald auch spürbare Auswirkungen auf die amerikanische Kolonie. Dort wurde die Versorgungslage immer prekärer. Britische Freibeuter begannen, französische Schiffe und Kolonien in Nordamerika zu attackieren. Anfang Juli 1628 plünderten englische Händler einen Bauernhof, den Champlain zwei Jahre zuvor zur Versorgung Quebecs hatte errichten lassen. Am 10. Juli überbrachten baskische Fischer im Auftrag des Abenteurers David Kirke eine Kapitulationsforderung. Champlain zeigte sich nicht beeindruckt, doch Kirke kaperte die für Quebec bestimmte Versorgungsflotte. Im Frühjahr 1629 gingen dort die Vorräte langsam zur Neige. Im Juli erschien Kirkes Flotte direkt vor Quebec, und Champlain musste kapitulieren. Er wurde nach London transportiert, von wo er schon im Dezember nach Frankreich übersetzen konnte.
Doch erst im Frieden von Saint-Germain-en-Laye 1632 erhielt Frankreich seine Kolonie Neufrankreich zurück. Champlain, der inzwischen seine Voyages de la Nouvelle France, im Grunde eine Zusammenfassung seiner Reisebeschreibungen, veröffentlicht hatte, kehrte 1633 endlich wieder nach Quebec zurück. Er leitete den Wiederaufbau der von den Engländern verwüsteten Siedlung, bis sich im Jahre 1635 sein Gesundheitszustand sehr verschlechterte. Er starb am 25. Dezember, dem ersten Weihnachtstag. Wir kennen heute sein Grab nicht mehr.

BEMERKUNG ZU DEN LÄNGENMASSEN IM TEXT
Im vorrevolutionären Frankreich variierten die Längenmaße je nach Zeit und Region. Für Champlains Text können wohl folgende Maßeinheiten angenommen werden:
Faden (brasse) = 1,62 m
Fuß (pied) = 0,32 m
Klafter (toise) = 1,95 m
Meile (lieue) = 4452 m
BEMERKUNG ZU DEN ABBILDUNGEN
Alle Skizzen im Text erschienen auch im Original Champlains und stammen wohl von seiner Hand.
ERSTE REISE
ERSTES BUCH
Worin die Entdeckungen der Küste Akadiens und Floridas beschrieben sind.
KAPITEL I
Der Nutzen des Handels hat mehrere Fürsten dazu bestimmt, einen leichteren Weg zu finden, um mit den Orientalen Handel zu treiben. Mehrere erfolglose Reisen. Entschluss der Franzosen diesbezüglich. Die Unternehmung des Sieur de Monts: Sein Auftrag, und der Widerruf desselben. Neuer Auftrag an ebendenselben Sieur de Monts, diese Unternehmung fortzuführen.
Entsprechend der Verschiedenheit ihrer Veranlagungen unterscheiden sich die Neigungen der Menschen, und jeder hat in seinem Beruf ein bestimmtes Ziel. Die einen wollen Gewinn machen, andere streben Ruhm an, und wieder andere das Gemeinwohl. Die größte Anzahl betätigt sich im Handel, besonders dem auf dem Meer, welcher für das Volk die wichtigste Quelle von Wohlstand ist und ebenso des Reichtums und Ruhms der Staaten. Er ist es, der dem antiken Rom zur Herrschaft und Macht über die ganze Welt verholfen hat und den Venezianern zu einer Stellung, deren Stärke vergleichbar war mit derjenigen mächtiger Könige. Zu allen Zeiten hat er die Seestädte – Alexandria und Tyros sind berühmt dafür – zu Reichtum geführt und auch eine Unzahl anderer im Landesinneren, nachdem ihnen fremde Nationen zugesandt haben, was sie an Schönem und Einzigartigem besitzen. Deshalb haben mehrere Fürsten sich bemüht, im Norden einen Weg nach China zu finden in der Hoffnung auf eine kürzere und weniger gefährliche Route für den Handel mit den Orientalen.
Im Jahre 1496 beauftragte der König von England John Cabot mit dieser Suche. Einige Jahre später sandte Dom Manuel von Portugal Gaspar Corte-Real dorthin, doch kehrte dieser zurück, ohne das Gesuchte gefunden zu haben. Und im folgenden Jahr, als er die Suche wiederholte, starb er während der Unternehmung, ebenso wie sein Bruder Michael, der sie beharrlich weiterführte. In den Jahren 1534 und 1535 erhielt Jacques Cartier von König Franz I. den gleichen Auftrag, konnte ihn aber nicht zu Ende bringen. Sechs Jahre später sandte der Sieur de Roberval, bei einem erneuten Versuch, Jean Alfonse de Saintonge weiter nach Norden entlang der Labradorküste, doch dieser kehrte ebenso unwissend zurück wie die anderen. In den Jahren 1576, 1577 und 1578 machte Sir Martin Frobisher, ein Engländer, drei Reisen entlang der Nordküsten. Sieben Jahre danach segelte Humphrey Gilbert, ebenfalls ein Engländer, mit fünf Schiffen, doch wurde er auf Sable Island geworfen, wo drei seiner Fahrzeuge untergingen. Im gleichen Jahr und in den zwei folgenden unternahm John Davis, ein Engländer, drei Reisen zum gleichen Zweck und drang bis zum 72. Grad vor, überquerte aber nicht die Meerenge, die heute seinen Namen trägt. Und nach ihm machte auch Kapitän Georges1 schon eine solche im Jahre 1590, doch zwang ihn Eis umzukehren, ohne etwas entdeckt zu haben. Und die Holländer besaßen ebenfalls keine genauere Kenntnis von Nova Zembla2.
Die vielen vergeblichen Reisen und Erkundungsexpeditionen, mit viel Anstrengung und Kosten unternommen, haben unsere Franzosen in den letzten Jahren veranlasst, eine dauerhafte Siedlung zu versuchen in jenen Ländern, die wir Neufrankreich nennen. Denn sie hofften, dieses Unternehmen leichter zu einem guten Ende zu bringen, wenn die Reise von jenem Land auf der anderen Seite des Ozeans ihren Ausgang nimmt, von dessen Küste aus die Suche nach der begehrten Durchfahrt beginnen muss. Diese Überlegung veranlasste den Marquis de la Roche im Jahre 1598, einen Auftrag des Königs zur Besiedlung des Landes zu erbitten. Zu diesem Zweck brachte er Menschen und Vorräte nach Sable Island; aber da die Bedingungen, die ihm sein König gewährt hatte, widerrufen wurden, sah er sich gezwungen, sein Unternehmen aufzugeben und seine Leute dort zu lassen. Ein Jahr später erhielt der Kapitän Chauvin3 einen anderen Auftrag, wiederum um Menschen dorthin zu bringen, aber dieser wurde kurz darauf ebenfalls widerrufen, und er verfolgte die Sache nicht weiter.
Hiernach wollte der Sieur de Monts, trotz aller Wechselfälle und Unsicherheiten, etwas sehr Extremes unternehmen und erbat von Seiner Majestät einen entsprechenden Auftrag. Denn er begriff, dass der Misserfolg der früheren Unternehmen verursacht worden war durch Mangel an Unterstützung für die Unternehmer, die weder in einem Jahr noch auch nach zweien in der Lage gewesen waren, mit dem Land und seinen Bewohnern richtig bekannt zu werden oder für eine Ansiedlung geeignete Häfen zu finden. Er schlug Seiner Majestät eine Methode zur Kostenbewältigung vor, welche die königliche Kasse nicht belasten würde, nämlich, dass er ein Monopol erhalten sollte für den dortigen Pelzhandel. Als ihm dies gewährt wurde, gab er eine große Menge Geld aus und nahm eine beträchtliche Anzahl von Menschen unterschiedlicher Eignung mit und ließ dort für seine Leute die nötigen Behausungen bauen. Diese Ausgaben machte er während dreier aufeinanderfolgender Jahre, bis infolge der Missgunst und Bosheit der Basken und Bretonen die ihm gewährten Bedingungen zu seinem großen Schaden durch den königlichen Rat widerrufen wurden; der Sieur de Monts wurde infolgedessen gezwungen, alles aufzugeben, unter Verlust all des von ihm Erarbeiteten und aller Geräte, die er seiner Siedlung zur Verfügung gestellt hatte.
Aber als er dem König Bericht erstattet hatte über die Fruchtbarkeit des Landes und ich über die Möglichkeit, die Durchfahrt nach China zu finden ohne die Belästigung durch das Eis im Norden oder die Hitze der heißen Zone, welche unsere Seeleute, unter unglaublichen Mühen und Gefahren, zweimal auf dem Hinweg und zweimal auf dem Rückweg durchqueren müssen, trug Seine Majestät dem Sieur de Monts auf, eine neue Expedition vorzubereiten und wiederum Leute zu entsenden, um das Begonnene zu vollenden. De Monts unternahm dies. Wegen der Unbestimmtheit des Auftrags änderte er den Ort, um seinen Rivalen das Misstrauen zu nehmen, das er bei ihnen erweckt hatte. Außerdem beeinflusste ihn die Hoffnung auf größeren Gewinn im Landesinneren, wo die Völker zivilisiert sind und wo es leichter ist, den christlichen Glauben zu begründen und die Art Ordnung zu etablieren, die nötig ist, um die Existenz eines Landes zu garantieren, nämlich mehr als an der Küste, wo die Indianer für gewöhnlich leben. Er hoffte, dass dies dem König zu unermesslichem Gewinn gereichen würde; denn es fällt leicht zu glauben, dass die Völker Europas eher diese Möglichkeit wahrnehmen werden, als die ärgerlichen und rabiaten Launen der Menschen an den Küsten und die barbarischen Stämme dort zu ertragen.
1Nicht bestimmbar.
2Die russische Doppelinsel Nowaja Semlja.
3Pierre Chauvin de la Pierre, hugenottischer Kaufmann in Honfleur; Lebensdaten unbekannt.
KAPITEL II
Beschreibung von Sable Island; von Cape Breton; von La Have; von Port Mouton; vom Hafen von Cape Negro; vom Cape Sable und Sable Bay; von der Isle of Cormorants; von Cape Fourchu; von Long Island; von St. Mary’s Bay; von Port St. Margaret; und von allen bemerkenswerten Dingen entlang dieser Küste.
Der Sieur de Monts machte aufgrund seines Auftrags in allen Häfen unseres Königreichs das Pelzhandelsmonopol bekannt, das ihm durch Seine Majestät verliehen worden war, und versammelte ungefähr 120 Handwerker, die er an Bord zweier Schiffe brachte; eines war 120 Tonnen groß und wurde vom Sieur de Pont-Gravé befehligt; das andere, 150 Tonnen groß, bestieg er selbst mit mehreren Edelleuten.
Wir fuhren vom Havre de Grace am 7. April 1604 ab; Pont-Gravé segelte am 10., und wir sollten uns dann bei Canso treffen, 20 Meilen von Cape Breton. Aber als wir auf hoher See waren, änderte der Sieur de Monts seine Meinung und steuerte Port Mouton an, weil dieses weiter südlich liegt und auch bessere Landemöglichkeiten bietet als Canso.
Am 1. Mai sichteten wir Sable Island, wo wir fast untergegangen wären wegen eines Fehlers unserer Steuerleute, die sich in ihrer Berechnung irrten und glaubten, dass wir 40 Meilen weiter wären als wir wirklich waren.
Diese Insel liegt nach Norden und Süden 30 Meilen von der Cape-Breton-Insel entfernt und hat etwa 15 Meilen Umfang. Es gibt dort einen kleinen See. Die Insel ist sehr sandig und hat keine hochgewachsenen Bäume, sondern nur Dickicht und Grünzeug, auf dem Ochsen und Kühe weiden, welche die Portugiesen vor mehr als 60 Jahren dorthin gebracht haben. Diese Rinder waren den Leuten des Marquis de la Roche nützlich, die während mehrerer Jahre, die sie dort verbrachten, auch eine große Menge sehr schöner schwarzer Füchse fingen, deren Pelze sie sehr sorgfältig konservierten. Es gibt viele Seehunde, und in deren Felle kleideten sich die Männer, nachdem ihre eigenen Kleider aufgebraucht waren. Auf Anordnung des Parlement von Rouen wurde ein Schiff dorthin gesandt, um sie zurückzubringen. Dessen Mannschaft fischte Kabeljau an einem Ort nahe dieser von Untiefen völlig umgebenen Insel.
Am 8. desselben Monats sichteten wir Cape La Have4, in dessen Osten sich eine Bucht5 mit mehreren, von Tannen bedeckten Inseln befindet; und auf dem Festland stehen Eichen, Ulmen und Birken. Dieses Kap liegt neben der Küste Akadiens auf 44° 5' Breite und 16° 15' magnetischer Deklination, auf einer Ost-Nord-Ost-Linie 85 Meilen von Cape Breton entfernt, worüber wir gleich anschließend sprechen werden.
Am 12. Mai fuhren wir in einen anderen Hafen ein, fünf Meilen vom Cape La Have entfernt, wo wir ein Schiff aufbrachten, das Pelzhandel trieb unter Verletzung des königlichen Verbots. Der Name des Kapitäns war Rossignol, welches immer noch der Name des Hafens6 ist, der auf 44° 15' Breite liegt.
Am 13. Mai kamen wir zu einem sehr schönen Hafen, sieben Meilen vom Hafen Rossignol entfernt, der Port Mouton heißt und wo es zwei kleine Flüsse gibt. Die Erde daselbst ist sehr steinig und voller Dickicht und Heidekraut. Es gibt eine große Anzahl Hasen und viel Wild wegen der dort befindlichen Teiche.
Sobald wir gelandet waren, begannen alle, auf einer Landspitze nahe zweier Süßwasserteiche am Hafeneingang nach Gutdünken Hütten zu bauen. Gleichzeitig sandte der Sieur de Monts eine Schaluppe mit einem unserer Leute und einigen Indianern als Führer die Küste Akadiens entlang, um Pont-Gravé zu suchen und ihm Briefe zu bringen; denn dieser hatte einen Teil unserer für den Winter notwendigen Vorräte. Er fand ihn in der Bay of All Isles7 in großer Sorge unseretwegen (denn er wusste nichts von der Änderung unserer Pläne) und übergab ihm die Briefe. Sobald Pont-Gravé diese gelesen hatte, kehrte er zu seinem Schiff bei Canso zurück, wo er einige baskische Schiffe aufbrachte, die Pelzhandel trieben trotz des Verbots Seiner Majestät; er sandte die Kapitäne zum Sieur de Monts; dieser hatte mich in der Zwischenzeit beauftragt mit der Erkundung der Küste und von Häfen, die unsere Schiffe sicher aufnehmen könnten.
Um seinem Wunsch zu entsprechen, fuhr ich am 19. Mai in einem Acht-Tonnen-Boot vom Port Mouton aus los, begleitet von seinem Sekretär, dem Sieur Ralleau, und zehn Mann. Die Küste entlang fahrend gelangten wir zu einem sehr guten Hafen für die Schiffe, in den ein kleiner Fluss mündet, der ein gutes Stück ins Land hinein führt. Ich gab ihm den Namen Cape Negro, wegen eines Felsens, der einem solchen von Ferne gleicht. Dieser steigt aus dem Wasser empor nahe einem Kap, an dem wir gleichen Tags vorüber kamen und das davon vier Meilen entfernt ist und zehn von Port Mouton. Dieses Kap ist sehr gefährlich wegen einiger Felsen, die dort bis ins Meer verstreut sind. Die Küsten, die ich bis dahin sah, sind sehr niedrig und tragen die gleichen Bäume wie Cape La Have, und die Inseln sind voller Wild. Als wir weiter fuhren, verbrachten wir die Nacht in der Sable Bay8, wo die Schiffe vor Anker gehen können, ohne Gefahr fürchten zu müssen.
Am nächsten Tag fuhren wir zum Cape Sable, das ebenfalls sehr gefährlich ist wegen einiger Felsen und Untiefen, die fast eine Meile ins Meer hineinreichen. Es befindet sich zwei Meilen von der Sable Bay entfernt, wo wir die vorige Nacht verbracht hatten. Von dort fuhren wir zur Isle of Cormorants9, die eine Meile entfernt liegt und so genannt wird wegen der Unzahl von Vögeln, die es dort gibt. Wir füllten ein Fass mit ihren Eiern. Von dieser Insel aus wandten wir uns nach Westen, etwa sechs Meilen weit, und überquerten eine Bucht, die sich zwei oder drei Meilen nach Norden zieht. Dann trafen wir auf einige Inseln, die zwei oder drei Meilen weit ins Meer hinein liegen und von denen die einen zwei, die anderen drei Meilen Umfang haben mögen; andere haben wohl weniger, soweit ich schätzen konnte.10 Bei den meisten ist die Anfahrt für große Schiffe sehr gefährlich wegen der starken Gezeiten und auch wegen Felsen, die knapp an der Wasseroberfläche liegen. Diese Inseln sind mit Tannen, Fichten, Birken und Espen bewachsen. Ein Stück weiter gibt es noch vier andere. Auf einer von ihnen sahen wir eine solch große Menge Basstölpel genannter Vögel, dass wir sie leicht mit einem Stock töten konnten. Auf einer anderen fanden wir das Ufer vollkommen bedeckt mit Seehunden, von denen wir so viele nahmen wie uns geraten schien. Auf den beiden anderen gibt es einen solchen Überfluss an Vögeln unterschiedlicher Arten, dass man es sich nicht vorstellen kann, wenn man es nicht gesehen hat, wie Kormorane, drei Arten Enten, Gänse, Trottellummen, Trappen, Meerespapageien, Schnepfen, Geier und andere Raubvögel; Möwen, zwei oder drei Arten von Regenpfeifern, Fischreiher, Silbermöwen, Brachvögel, Steinwälzer, Eistaucher, Seetaucher, Eiderenten, Raben, Kraniche sowie andere Arten, die ich nicht kenne und die dort ihre Nester machen. Wir nannten diese Inseln Seal Islands. Sie liegen auf 43° 30' Breite und sind vom Festland oder Cape Sable etwa vier oder fünf Meilen entfernt. Nachdem wir dort einige Zeit mit Jagdamüsement verbracht hatten (und nicht ohne eine Menge Wild mitzunehmen), erreichten wir ein Kap, das wir Port Fourchu11 nannten, denn es hat eine Spalt-Gestalt; es ist von den Seal Islands fünf bis sechs Meilen entfernt. Dieser Hafen ist an seiner Einfahrt sehr gut für die Schiffe; aber innen trocknet er bei Ebbe fast ganz aus, und es bleibt nur der Lauf eines kleinen, von Wiesen umsäumten Flusses, die diesen Platz freilich ganz gefällig machen. Der Kabeljaufang ist in der Nähe dieses Hafens gut. Als wir von dort wegsegelten, fuhren wir zehn oder zwölf Meilen weit nach Norden, ohne einen Hafen für die Schiffe zu finden außer einer Anzahl kleiner Buchten oder sehr schöner Plätze, wo die Erde sich zur Bearbeitung anbot. Die Wälder sind dort sehr schön, aber es gibt nur wenige Fichten oder Tannen. Diese Küste ist sehr sauber, ohne Inseln, Felsen, oder Sandbänke, sodass unserer Meinung nach Schiffe dort ohne Bedenken fahren können. Eine Viertelmeile von der Küste entfernt besuchten wir eine Insel, die Long Island heißt und nach Nord-Nord-West und Süd-Süd-West liegt und eine Durchfahrt lässt in die große French Bay12, wie diese vom Sieur de Monts genannt wurde.
Diese Insel ist sechs Meilen lang und an manchen Stellen fast eine Meile breit, hier und da aber auch nur eine Viertelmeile. Auf ihr stehen eine Menge Bäume, etwa Fichten und Birken. Die ganze Küste ist gesäumt von überaus gefährlichen Felsen; für die Schiffe gibt es keinen passenden Platz außer einigen kleinen Zufluchtsorten für Schaluppen und drei oder vier kleinen Felseninseln, wo die Indianer eine große Zahl Robben fangen. Hier herrschen große Gezeitenwechsel, vor allem an der engen Durchfahrtsstelle der Insel; sie sind sehr gefährlich für die Schiffe, falls sie es wagen, hindurchzufahren.
Ab der Durchfahrt bei Long Island segelten wir zwei Meilen weit nach Nordosten und fanden dann eine kleine Bucht13 mit einem Umfang von ungefähr einer Viertelmeile, wo die Schiffe sicher vor Anker gehen können. Der Seeboden ist dort nur Sumpf, und das Ufer rundherum ist gesäumt von ziemlich hohen Felsen. Dort gibt es eine dem Urteil des mich begleitenden Bergmannes Simon nach sehr gute Silbermine. Einige Meilen weiter befindet sich auch ein kleiner Fluss, Du Boulay genannt, wo die Flut eine halbe Meile ins Land strömt; in seine Mündung14 können bis zu 100 Tonnen große Schiffe einfahren. Eine Viertelmeile von dieser Stelle entfernt gibt es einen guten Hafen15 für die Schiffe. Dort fanden wir eine Eisenerzmine, die nach Ansicht unseres Bergmannes 50 Prozent liefern würde. Drei Meilen weiter nach Nordosten sahen wir eine andere ziemlich gute Eisenerzmine, nahe welcher ein mit schönen und gefälligen Wiesen umsäumter Fluss strömt. Die Erde in der dortigen Gegend ist rot wie Blut. Einige Meilen weiter gibt es einen weiteren Fluss, der aber bei Ebbe bis auf einen kleinen Kanal trocken ist; dieser Fluss strömt nahe an Port Royal vorbei. Am inneren Ende der Bucht gibt es einen Kanal, der bei Ebbe ebenfalls austrocknet; um ihn herum befinden sich eine Anzahl Wiesen und gutes Land, das bearbeitet werden kann; auf dem letzteren steht eine gute Zahl von schönen Bäumen aller Arten, die ich weiter oben schon genannt habe. Diese Bucht mag von Long Island bis zu ihrem hinteren Ufer etwa sechs Meilen tief sein. Die ganze Minenküste besteht aus hochliegendem Land, das von Kaps unterbrochen wird, die rund aussehen und etwas ins Meer hinein stehen. Auf der anderen Seite der Bucht, nach Südosten hin, ist das Land niedrig und fruchtbar; es gibt dort einen sehr guten Hafen mit einer Bank an der Einfahrt, über die man fahren muss; sie ist bei Ebbe nur eineinhalb Faden hoch mit Wasser bedeckt, doch findet man hinter ihr drei Faden Tiefe und guten Ankergrund. Zwischen den zwei Einfahrtpunkten liegt eine Kiesinsel, die bei Flut unter Wasser steht. Dieser Hafen reicht eine halbe Meile ins Land hinein. Bei Ebbe fällt das Wasser hier drei Faden, und es gibt eine Menge Krustentiere wie Pfahlmuscheln, Sandmuscheln und Seeschnecken. Die Erde dort gehört zur besten, die ich je gesehen habe. Ich habe den Hafen Port St. Margaret16 genannt. Diese ganze Süd-Ost-Küste ist viel tiefer, als diejenige mit den Minen, die sich nur eineinhalb Meilen vom Hafen St. Margaret auf der anderen Seite der Bucht befinden. Diese ist an ihrer Einfahrt drei Meilen breit. Ich maß die Koordinaten an diesem Ort und fand ihn an etwas über 45° 30' Breite liegend, mit 17° 16' magnetischer Deklination.
Nachdem ich möglichst sorgfältig diese Küsten, Häfen und Buchten erkundet hatte, kehrte ich zu der Durchfahrt bei Long Island zurück, ohne noch weiter zu fahren. Von dort kam ich außerhalb aller Inseln zurück, um festzustellen, ob es Gefahren auf der zur See liegenden Seite gebe. Aber wir fanden keine, außer einigen Felsen, die sich etwa eine halbe Meile von den Seal Islands entfernt befinden und denen man leicht ausweichen kann, zumal die Wellen sich über ihnen brechen. Als wir unsere Fahrt fortsetzten, wurden wir von einem starken Windstoß getroffen, der uns zwang, unsere Schaluppe an der Küste auf Land zu setzen; hierbei zerschellte sie beinahe, was uns in extreme Not gebracht hätte. Als der Sturm vorüber war, stachen wir wieder in See; und am nächsten Tag kamen wir bei Port Mouton an, wo der Sieur de Monts uns seit Tagen erwartete. Er wusste nicht, was er von unserem Ausbleiben halten sollte, außer eben, dass uns ein Missgeschick passiert sein mochte. Ich berichtete ihm über unsere Reise und wo unsere Schiffe sicher ankern könnten. Inzwischen untersuchte ich jenen Ort besonders gut, der auf 44° Breite liegt.
Am nächsten Tag ließ der Sieur de Monts die Anker lichten, um zur St. Mary’s Bay zu fahren, die wir für unser Schiff geeignet erachtet hatten, während wir darauf warteten, einen passenderen Wohnplatz zu finden. Wir fuhren die Küste entlang und kamen nahe am Cape Sable und den Seal Islands vorbei. Dort beschloss der Sieur de Monts, in einer Schaluppe einige Inseln zu besichtigen, von denen und von der Unzahl der dort zu findenden Vögel wir ihm berichtet hatten. So machte er sich auf, begleitet vom Sieur de Poutrincourt und verschiedenen anderen Adligen, um nach Gannet Island zu fahren, wo wir zuvor eine große Zahl jener Vögel mit Stockschlägen getötet hatten. Doch als wir ein Stück weit von unserem Schiff entfernt waren, vermochten wir die Insel nicht zu erreichen und ebenso wenig unser Schiff; denn die Flut war so stark, dass wir uns gezwungen sahen, uns auf eine kleine Insel zu flüchten, um dort die Nacht zu verbringen. Dort gab es eine große Menge Wild. Ich erlegte einige Flussvögel, die uns sehr zugute kamen, denn wir hatten nur einigen Zwieback mitgenommen, da wir ja gleichen Tags zurückkehren wollten. Am nächsten Tag fuhren wir zum eine halbe Meile entfernten Cape Fourchu. Die Küste entlang segelnd, fanden wir unser Schiff, das sich noch in der St. Mary’s Bay befand. Unsere Leute hatten sich unseretwegen zwei Tage lang sehr geängstigt, da sie fürchteten, dass uns ein Missgeschick ereilt haben könnte; als sie uns in gutem Zustand sahen, freuten sie sich daher sehr.
Zwei oder drei Tage nach unserer Ankunft verirrte sich einer unserer Geistlichen namens Hochwürden Aubry, der in Paris zuhause war, in einem Wald; er suchte seinen Degen, den er dort vergessen hatte, und fand nicht mehr zum Schiff zurück; er war 17 Tage lang ohne irgendetwas zum Leben außer einigen sauren und bitteren Kräutern wie Sauerampfer und kleinen Früchten von geringer Substanz, so groß wie Johannisbeeren, die dort auf der Erde wuchern. Am Ende seiner Kräfte und ohne Hoffnung, uns jemals wiederzusehen, schwach und erschöpft, befand er sich am Ufer der French Bay, wie der Sieur de Monts sie genannt hatte, nahe Long Island, und konnte nicht mehr weiter. Da erblickte ihn eine unserer Schaluppen, die sich auf Fischfang befand. Unfähig zu rufen, gab er ihnen mittels einer Stange, auf die er seinen Hut gesteckt hatte, ein Zeichen, dass man ihn holen kommen solle. Dies machten sie und nahmen ihn mit. Der Sieur de Monts hatte ihn suchen lassen, sowohl durch seine Leute, als auch durch die dort wohnenden Indianer, die durch den ganzen Wald liefen, aber keine Nachricht über ihn brachten. Man glaubte, er sei tot, als man ihn zur großen Freude aller in der Schaluppe zurückkommen sah. Aber es brauchte lange, bevor er in seinen ursprünglichen Zustand zurückfand.
4Heute noch Cape La Have.
5Die Mündung des La Have River.
6Heute Liverpool Bay.
7Zwischen Beaver Harbour und Mary-Joseph Harbour? S. auch Fußnote 123.
8Heute Barrington Bay.
9Wahrscheinlich Green Island.
10Seal Islands.
11Heute Yarmouth.
12Heute Bay of Fundy.
13Mink Cove.
14Little River.
15Sandy Cove.
16Heute Weymouth.
KAPITEL III
Beschreibung von Port Royal, mit dortigen Einzelheiten; von der Isle Haute; vom Port of Mines; von der großen French Bay; vom Fluss St. John, und was wir beobachtet haben vom Port of Mines bis dorthin; von der Insel, welche die Indianer Manthane heißen; vom Fluss der Etechemins, und von vielen schönen Inseln in jener Gegend; von der Insel Sainte-Croix; und von anderen bemerkenswerten Dingen an jener Küste.
Einige Tage später entschied der Sieur de Monts, die Küsten der French Bay17 zu erkunden, zu welchem Zweck er am 16. Mai18 vom Schiff abfuhr. Wir fuhren durch die Meerenge bei Long Island. Da wir in der St. Mary’s Bay keinen Ort erblickten, wo wir ohne viel Zeitaufwand einen festen Platz hätten bauen können, beschlossen wir zu untersuchen, ob sich nicht ein geeigneterer Platz in der anderen Bucht fände. Sechs Meilen nach Nordosten fahrend kamen wir zu einer kleinen Bucht, wo Schiffe in vier, fünf, sechs und sieben Faden Tiefe ankern können. Der Seeboden dort ist Sand, und der Ort ist nur eine Art Reede. Wir fuhren daher in der gleichen Richtung zwei Meilen weiter und kamen in einen der schönsten Häfen, die ich an all diesen Küsten gesehen habe; 2000 Schiffe könnten dort sicher liegen. Die Einfahrt ist 100 Schritte breit; dann kommt man in einen Hafen, der zwei Meilen lang und eine Meile breit ist, und dem ich den Namen Port Royal19 gab. In ihn münden drei Flüsse, von denen einer, der nach Osten fließt, ziemlich breit ist und Equille River20 heißt; Equille ist ein kleiner Fisch, so groß wie ein Stint, den man dort in großer Menge fangen kann sowie auch Heringe und mehrere andere Fischarten, die dort zu ihrer Jahreszeit in großer Fülle vorkommen. Der Fluss ist etwa eine Viertelmeile breit an seiner Mündung, wo sich eine Insel21 mit etwa einer halben Meile Umfang befindet und die, wie das andere Land auch, mit Wald bedeckt ist, darunter Fichten, Tannen, Rottannen, Birken, Espen und unter anderem auch eine geringe Anzahl Eichen. Es gibt zwei Einfahrten in den Fluss, eine im Norden und die andere an der Südseite der Insel. Die an der Nordseite ist die bessere, und Schiffe können dort im Schutz der Insel in fünf, sechs, sieben, acht und neun Faden Tiefe ankern. Aber man muss auf der Hut sein wegen einiger Untiefen nahe der Insel und dem Festland, da sie sehr gefährlich sind, wenn man den Kanal nicht erkundet hat.
Wir fuhren etwa 14 oder 15 Meilen mit der Flut hinauf, soweit sie reichte; viel weiter können Boote nicht ins Land hinein fahren. Dort ist der Fluss 60 Schritte breit und etwa eineinhalb Faden tief. An den Ufern des Flusses stehen Eichen, Eschen und andere Bäume. Ab der Mündung des Flusses bis zu der Stelle, wo wir uns befanden, gibt es viele Wiesen; aber sie werden bei Flut überschwemmt, denn es gibt eine Anzahl von kleinen Bächen, die hierhin und dorthin fließen und auf denen Schaluppen und Boote vom Meer aus fahren können. Dieser Ort war für eine Siedlung der geeignetste und angenehmste, den wir gesehen haben. Im Hafen befindet sich eine andere Insel, von der ersten beinahe zwei Meilen entfernt, wo es einen anderen kleinen Fluss gibt, der ein gutes Stück ins Land hinein reicht; diesen nannten wir den River St. Anthony22. Seine Mündung ist vom Abschluss der St. Mary’s Bay etwa vier durch Wald führende Meilen entfernt. Was den anderen Fluss angeht, so ist er nur ein Bach voller Felsbrocken, den man wegen Wassermangels gar nicht hinauf fahren kann. Man gab ihm den Namen Rocky Brook23. Dieser Ort liegt auf 45° Breite und 17° 8' magnetischer Deklination.
Nachdem wir diesen Hafen erkundet hatten, segelten wir weiter, um tiefer in die French Bay einzudringen und zu schauen, ob wir nicht die Kupfermine finden könnten, die im vorigen Jahr entdeckt worden war. Acht oder zehn Meilen entlang der Küste von Port Royal nach Nordosten steuernd, überquerten wir einen Teil der Bucht etwa fünf oder sechs Meilen weit bis zu einem Ort, den wir das Kap der Zwei Buchten24 hießen. Wir kamen an einer eine Meile entfernten Insel vorbei, deren Umfang ebenso groß ist und deren Höhe zwischen 40 bis 45 Klafter beträgt. Sie ist ganz umringt von großen Felsen; nur an einer Stelle gibt es einen Abhang, an dessen Fuß sich ein Teich mit Salzwasser befindet, das aus einem kiesigen Untergrund in der Form eines Sporns kommt. Die Oberfläche der Insel ist flach, mit Bäumen bedeckt und hat eine sehr schöne Wasserquelle. An diesem Ort gibt es eine Kupfermine. Von dort fuhren wir zu einem eine und eine halbe Meile entfernten Hafen25, wo sich unserer Meinung nach die Kupfermine befand, die ein gewisser Prévert aus Saint-Malo mit Hilfe der dort wohnenden Indianer entdeckt hatte. Dieser Hafen liegt auf 45° 40' Breite und ist bei Ebbe trocken. Um dort hinein zu fahren, muss man Bojen legen und eine Sandbank bei der Einfahrt markieren. Diese zieht sich entlang eines Kanals, der parallel zur gegenüberliegenden Küste verläuft; dann kommt man in eine Bucht von etwa einer Meile Länge und einer halben Meile Breite. An einigen Stellen ist der Grund sumpfig und sandig, und die Schiffe können dort auflaufen. Die Gezeiten fallen und steigen an diesem Platz zwischen vier und fünf Faden. Wir gingen dort an Land um zu sehen, ob wir die Minen entdecken könnten, von denen Prévert uns erzählt hatte. Doch nachdem wir etwa eine Viertelmeile entlang einiger Berge gegangen waren, fanden wir keine der Minen, noch konnten wir eine Ähnlichkeit mit dem Hafen entdecken, wie er uns von ihm beschrieben worden war. Daher war er wohl nie dort gewesen, sondern zwei oder drei seiner Leute hatten unter Führung von einigen Indianern teils zu Land und teils auf kleinen Wasserläufen danach gesucht, während er sie in seiner Schaluppe in der Sankt-Lorenz-Bucht an der Mündung eines kleinen Flusses erwartete. Diese Leute brachten ihm, als sie zurückkehrten, einige kleine Kupferstücke, die er uns bei der Rückkunft von seiner Reise zeigte. Gleichwohl fanden wir in diesem Hafen zwei Kupferminen; sie waren nicht mehr in ihrem Ursprungszustand, sahen aber noch so aus, wie unser Bergmann meinte, der sie als sehr gut beurteilte.
Die hintere Küste der French Bay, die wir durchquerten, reicht 15 Meilen ins Land26. Das gesamte Land, das wir ab der kleinen Durchfahrt bei Long Island entlang der Küste sahen, besteht aus nichts als Felsen; es gibt keinen Ort, wo die Schiffe sicher liegen könnten, außer bei Port Royal. Das Land ist bewachsen mit einer Menge Fichten und Birken. Der Boden ist meiner Meinung nach nicht sehr gut.
Um keine Zeit zu verlieren, brachen wir am 20. Mai27 vom Port of Mines auf, um einen für eine permanente Siedlung geeigneten Platz zu finden. Denn wir wollten später zurückkommen, um zu schauen, ob wir die Mine mit reinem Kupfer entdecken könnten, welche die Leute Préverts mithilfe der Indianer gefunden hatten. Wir segelten zwei Meilen nach Westen bis zum Kap der Zwei Buchten28 und dann fünf oder sechs Meilen nach Norden; dann überquerten wir die andere Bucht29, in der unserer Ansicht nach die Kupfermine liegen würde, von der wir schon gesprochen haben. Denn es gibt dort zwei Flüsse, von denen der eine aus der Richtung von Cape Breton kommt und der andere von der Gaspé-Küste oder Tracadie nahe dem großen Sankt-Lorenz-Strom her. Einige sechs Meilen nach Westen segelnd kamen wir zu einem kleinen Fluss, an dessen Mündung sich ein ziemlich niedriges Kap befindet, das ins Meer vorspringt. Und weiter ins Land hinein gibt es einen Berg in der Form eines Kardinalshutes.30 Dort fanden wir eine Eisenerzmine. An dieser Stelle können lediglich Schaluppen ankern. Vier Meilen nach West-Süd-West liegt eine Felsspitze, die etwas ins Wasser vorspringt, wo starke, sehr gefährliche Gezeiten herrschen. Nahe dieser Spitze sahen wir eine kleine Bucht von etwa einer halben Meile Umfang, in der wir eine andere, ebenfalls sehr gute Eisenerzmine fanden. Vier Meilen weiter findet sich eine schöne Bucht, die sich ins Land erstreckt und in der es drei Inseln und einen Felsen gibt. Zwei dieser Inseln befinden sich eine Meile entfernt von dem Kap im Westen, und die andere liegt in der Mündung eines der größten und tiefsten Flüsse, die wir je gesehen haben und den wir St.-John-Fluss nannten nach dem Heiligen unseres Ankunftstages31. Von den Indianern wird er Ouygoudy genannt. Dieser Fluss ist gefährlich, sofern man gewisse Stellen und Felsen auf beiden Seiten nicht sorgfältig beachtet. An seiner Mündung ist er schmal, wird aber danach schnell breiter. Nachdem er eine Uferspitze umflossen hat, wird er wieder enger und bildet einen Wasserfall zwischen zwei großen Felsen, wo das Wasser mit solcher Geschwindigkeit strömt, dass ein Stück Holz, das man hineinwirft, versinkt und nicht wieder gesehen wird. Aber wenn man auf die Flut wartet, dann kann man diese Stelle sehr leicht passieren; und der Fluss verbreitert sich dann mancherorts bis auf eine Meile und hat drei Inseln. Wir haben ihn nicht weiter erkundet. Jedoch begab sich Ralleau, der Sekretär des Sieur de Monts, einige Zeit später dorthin und fand einen Indianer namens Secondon, der Häuptling ist an jenem Fluss; er berichtete uns, dass der Fluss schön, groß und breit sei und dass es dort eine Menge Wiesen und schöne Bäume gebe, zum Beispiel Eichen, Buchen, Nussbäume und wilde Weinreben. Die Bewohner dieses Landes fahren diesen Fluss hinauf bis Tadoussac, das am großen Strom Sankt-Lorenz liegt; und sie gehen dabei nur wenig über Land, um dorthin zu kommen. Vom Fluss St. John bis Tadoussac sind es 65 Meilen. An seiner Mündung, die auf 45° 40' liegt, gibt es eine Eisenerzmine.
Vom Fluss St. John fuhren wir weiter zu vier Inseln32 und landeten auf einer von ihnen; dort fanden wir eine große Menge Vögel, die Basstölpel heißen; wir fingen viele der jungen, die ebenso gut sind wie junge Tauben. Der Sieur de Poutrincourt verirrte sich beinahe hier, kehrte aber schließlich zu unserem Beiboot zurück, als wir die vom Festland drei Meilen entfernte Insel absuchten. Weiter im Westen gibt es andere Inseln, unter ihnen eine mit einer Länge von sechs Meilen, die bei den Indianern Manthane33 heißt und vor deren Südseite sich an den verschiedenen Inseln einige gute Häfen für die Schiffe befinden. Von den Inseln mit den Basstölpeln fuhren wir zu einem Fluss auf dem Festland, der Fluss der Etechemins34 genannt wird, welches der Name der Indianer in diesem Land ist. Und wir kamen an einer so großen Zahl von recht angenehm anzusehenden Inseln vorüber, dass wir sie nicht zählen konnten; einige hatten einen Umfang von zwei Meilen, andere von drei, wieder andere einen größeren oder kleineren. Alle diese Inseln liegen in einer Bucht35, die meiner Meinung nach mehr als 15 Meilen Umfang hat; dort gibt es mehrere Stellen, wohin man so viele Schiffe bringen könnte wie man möchte; an diesen Stellen findet man während der entsprechenden Jahreszeit Fische in üppiger Zahl, etwa Kabeljaue, Lachse, Wolfsbarsche, Heringe, Heilbutte und jede Menge andere. Drei Meilen durch die Inseln nach West-Nord-West segelnd, kamen wir in einen Fluss, der an der Mündung fast eine halbe Meile breit ist und in dem wir nach einer Meile oder zweien zwei Inseln fanden, die eine recht klein und nahe dem westlichen Ufer und die andere in der Flussmitte.36 Die letztere mag acht- oder neunhundert Schritte Umfang haben, und der felsige Rand erhebt sich auf allen Seiten drei bis vier Klafter über das Wasser, mit Ausnahme einer kleinen Stelle, wo es Sand und Lehm gibt, welch letzterer benutzt werden könnte, um Ziegelsteine und andere notwendige Artikel zu fertigen. Es gibt einen anderen geschützten Ort, wo Schiffe mit 80 oder 100 Tonnen liegen können; aber er trocknet bei Ebbe aus. Die Insel ist bewachsen mit Tannen, Birken, Ahornbäumen und Eichen. Sie ist natürlicherweise in einer sehr guten Lage, und nur an einer etwa 40 Schritte langen Uferstelle ist sie niedrig und kann dort leicht befestigt werden. Die Küsten des Festlandes sind auf beiden Seiten einige 900 bis 1000 Schritte entfernt. Schiffe könnten auf dem Fluss nur vorbeifahren, wenn es die Kanone auf der Insel erlaubt. Diesen Ort betrachteten wir als den besten, sowohl seiner Lage und des guten Landes wegen, als auch wegen der Handelstreffen, die wir mit den Indianern an diesen Küsten und im Inland haben würden, da wir uns in ihrer Mitte befinden würden. Wir hofften sie im Laufe der Zeit zu befrieden und ihren Kriegen, die sie gegeneinander führen, ein Ende zu bereiten, sodass wir in Zukunft hiervon profitieren könnten; auch wollten wir sie zum christlichen Glauben bekehren. Dieser Ort erhielt vom Sieur de Monts den Namen Insel Sainte-Croix. Fährt man weiter, sieht man eine große Bucht37 mit zwei Inseln, die eine mit hohem Land, die andere flach. Auch gibt es drei Flüsse, zwei davon mittlerer Größe, der eine nach Osten gehend und der andere nach Norden; der dritte38 ist groß und fließt nach Westen. Letzterer ist der Fluss der Etechemins, von dem wir weiter oben sprachen. Fährt man diesen Fluss zwei Meilen weit hinauf, kommt man zu einem Wasserfall39, wo die Indianer ihre Kanus einige 500 Schritte über Land tragen; dann gehen sie wieder aufs Wasser, von wo man, nach Überwindung einer kurzen Tragstrecke, auf die Flüsse Norumbega und St. John kommt. Schiffe können diesen Wasserfall nicht passieren, denn dort gibt es nichts als Felsen, mit nur vier bis fünf Fuß Wasser. Im Mai und Juni fängt man dort so viele Heringe und Wolfsbarsche, dass man ganze Schiffe damit beladen könnte. Die Gegend gehört zu den schönsten, und auf 15 oder 20 Morgen gerodetem Land hat der Sieur de Monts Weizen säen lassen, der bestens gedieh. Die Indianer kommen manchmal für fünf oder sechs Wochen während der Fischfangsaison hierher. Das ganze übrige Land ist voller sehr dichter Wälder. Wenn das Land gerodet würde, würde das Korn dort sehr gut wachsen. Dieser Ort liegt auf der Breite von 45° 20' und auf 17° 32' magnetischer Deklination.

Die Insel Sainte-Croix in der Bay of Fundy mit der Wohnstätte (1604–1605)
17S. Fußnote 12.
18Richtig: Juni.
19Heute Annapolis Basin.
20Heute Annapolis River.
21Goat Island.
22Heute Bear River.
23Heute Deep Brook.
24Heute Cape Chignecto.
25Advocate Harbour.
26Basin of Minas.
27Richtig: Juni.
28S. Fußnote 24.
29Chignecto Bay.
30Quaco Head.
3124. Juni 1604.
32Die Inselgruppe The Wolves.
33Grand Manan Island.
34Heute Sainte-Croix River.
35Passamaquoddy Bay.
36Sainte-Croix Island und Little Dochet Island.
37Oak Bay.
38S. Fußnote 34.
39Die Fälle bei Milltown.
KAPITEL IV
Keinen geeigneteren Platz für eine dauerhafte Siedlung findend als die Insel Sainte-Croix, befestigt der Sieur de Monts sie und errichtet darauf Wohnstätten. Rückkehr der Schiffe nach Frankreich, mit Ralleau, dem Sekretär des Sieur de Monts, der sich um einige Geschäftsdinge kümmern muss.
Da wir keinen passenderen Platz als diese Insel40 gefunden hatten, begannen wir, auf einer von der Insel etwas abgetrennten, kleinen Insel eine Barrikade zu errichten als Standfläche für unsere Kanone. Jeder arbeitete so zielstrebig, dass sie in kurzer Zeit verteidigungsklar war, obwohl die Moskitos (das sind kleine Fliegen) uns bei der Arbeit viel Ungemach bereiteten; denn einigen unserer Leute schwoll das Gesicht wegen der Stiche derart an, dass sie kaum mehr sehen konnten. Als die Barrikade fertig war, sandte der Sieur de Monts sein Beiboot, um unseren übrigen Leuten, die sich auf unserem Schiff in der St. Mary’s Bay befanden, zu sagen, dass sie nach Sainte-Croix kommen sollten. Dies geschah auch sofort. Und während wir auf sie warteten, verbrachten wir die Zeit recht angenehm.
Einige Tage später, nachdem unsere Schiffe nach ihrer Ankunft geankert hatten, ging jedermann an Land. Dann begann der Sieur de Monts, ohne Zeit zu verlieren, die Arbeiter mit dem Bau unserer Wohnstätte zu beschäftigen und gestattete mir, den Plan für unsere Siedlung zu entwerfen. Nachdem der Sieur de Monts den Platz für das Vorratsmagazin bestimmt hatte, das 54 Fuß lang, 18 breit und 12 hoch war, befasste er sich mit dem Plan seines Wohnhauses, das er rasch von guten Arbeitern bauen ließ. Dann wies er jedem seinen Platz zu, und sofort begannen sie sich in Gruppen von fünf und sechs einzuteilen, so wie es ihnen beliebte. Danach machten sich alle daran, die Insel zu roden, Holz zu holen, Zimmerholz zu sägen sowie Erde und andere für den Hausbau nötigen Dinge herbei zu bringen.
Während wir unsere Gebäude errichteten, entsandte der Sieur de Monts den Kapitän Fouques in Rossignols Schiff, um Pont-Gravé in Canso zu finden und die noch verbliebenen Vorräte für unsere Siedlung herbei zu schaffen.
Einige Zeit nach seiner Abfahrt erschien ein kleines, acht Tonnen großes Boot mit Du Glas aus Honfleur an Bord, dem Steuermann des Schiffs von Pont-Gravé, der die Kapitäne der baskischen Schiffe brachte, die von Pont-Gravé, wie oben berichtet, beim Handel mit Pelzen aufgebracht worden waren. Der Sieur de Monts empfing sie freundlich und sandte sie mit dem erwähnten Du Glas zurück, der beauftragt wurde, Pont-Gravé zu sagen, dass er die aufgebrachten Schiffe nach La Rochelle bringen solle, damit man dort Recht walten lasse. Unterdessen arbeitete man stetig und fleißig an den Wohnhäusern, die Zimmerleute am Vorratshaus und der Wohnung des Sieur de Monts, und alle anderen an den ihren. Ich arbeitete an meiner Wohnung mithilfe einiger Bediensteter des Sieur d’Orville und meiner selbst. Die Wohnung war bald fertig, und der Sieur de Monts wohnte dann darin, bis seine eigene bereit war. Man baute auch einen Ofen und ebenso eine Handmühle, um unseren Weizen zu mahlen, was den meisten von uns viel Mühe und Arbeit bereitete, da es eine anstrengende Angelegenheit war. Danach richtete man einige Gärten ein, sowohl auf dem Festland als auch auf der Insel selbst; man säte dort einige Getreidesorten aus, die sehr gut aufgingen, außer auf der Insel, wo der Boden nur Sand war und wo alles verbrannte, wenn die Sonne schien, obwohl wir uns mit dem Gießen große Mühe gaben.
Einige Tage später beschloss der Sieur de Monts zu erkunden, wo die Mine mit reinem Kupfer läge, nach der wir so angestrengt gesucht hatten. Und zu diesem Zweck entsandte er mich mit einem Indianer namens Messsamouet, der sagte, dass er die Stelle gut kenne. Ich brach in einer kleinen, fünf oder sechs Tonnen großen Pinasse mit neun Seeleuten auf. Einige Meilen von der Insel entfernt, gegen den Fluss St. John hin, fanden wir eine Mine, deren Kupfer nicht rein war; gleichwohl war es nach Aussage unseres Bergmannes gut; er dachte, dass die Ergiebigkeit 18 Prozent betrage. Weiter weg davon fanden wir anderes Erz von geringerem Gehalt. Als wir zu dem Ort kamen, von dem wir dachten, dass er der gesuchte sei, konnte der Indianer die Mine nicht finden. So mussten wir umkehren und die Suche auf ein anderes Mal verschieben.

Wohnstätte auf der Insel Sainte-Croix in der Bay of Fundy (1604–1605)
Bei meiner Rückkehr von dieser Reise entschied der Sieur de Monts, seine Schiffe nach Frankreich zurück zu schicken und ebenso den Sieur de Poutrincourt, der nur zu seinem Vergnügen gekommen war und um das Land zu erkunden sowie um Plätze für eine Siedlung zu finden, die er unternehmen wollte. Deshalb verlangte er vom Sieur de Monts Port Royal, das ihm dieser gab gemäß der Vollmacht und dem Auftrag des Königs. Er sandte auch seinen Sekretär Ralleau zurück, der einige Dinge bezüglich der Reise in Ordnung bringen sollte. Am letzten Augusttag des Jahres 1604 brachen sie von der Insel Sainte-Croix auf.
40Sainte-Croix Island.
KAPITEL V
Von der Küste, den Bewohnern und dem Fluss Norumbega, und von allem, was während deren Erkundung geschah.
Nach der Abfahrt der Schiffe beschloss der Sieur de Monts, um keine Zeit zu verlieren, entlang der Küste von Norumbega Erkundungen anzustellen; und er beauftragte mich damit, was ich sehr erfreulich fand.
Zu diesem Zweck brach ich von Sainte-Croix am 2. September in einem kleinen Schiff von 17 oder 18 Tonnen und mit zwölf Seeleuten und zwei Indianern auf; letztere sollten uns als Führer dienen an den Orten, die sie kannten. An diesem Tag trafen wir auf die Schiffe, an deren Bord sich der Sieur de Poutrincourt befand, die wegen des schlechten Wetters an der Mündung des Flusses Sainte-Croix vor Anker lagen. Von dort konnten wir erst am 5. des Monats absegeln; und als wir zwei oder drei Meilen weit auf See waren, stieg so starker Nebel auf, dass wir ihre Schiffe alsbald aus den Augen verloren. Die Küste entlang fahrend, legten wir an diesem Tag einige 25 Meilen zurück und kamen an einer großen Zahl von Inseln, Sandbänken, Untiefen und Felsen vorbei, die an manchen Stellen mehr als vier Meilen in das Meer hinein ragen. Wir nannten diese Inseln die Ordered Islands41. Auf der Mehrzahl von ihnen wachsen Fichten, Tannen und andere minderwertige Hölzer. An den Inseln finden sich eine Menge schöner und guter Häfen, die sich aber nicht zur Siedlung eignen. Am gleichen Tag fuhren wir an einer vier oder fünf Meilen langen Insel vorbei, nahe der wir beinahe an einem kleinen Felsen unter der Wasseroberfläche zerschellten; er schlug in unser Boot in der Nähe des Kiels ein Loch. Die Entfernung dieser Insel vom Festland im Norden beträgt keine 100 Schritte. Die Insel ist sehr hoch und an manchen Stellen zerklüftet, was vom Meer aus wie sieben oder acht aneinandergereihte Berge aussieht. Die Gipfel der meisten von ihnen tragen keine Bäume, denn es sind lediglich Felsen. Die Wälder bestehen nur aus Fichten, Tannen und Birken. Ich nannte sie Mount Desert Island42. Ihre geografische Breite ist 44° 30'.
Am nächsten Tag, dem 6. des Monats, segelten wir zwei Meilen weit, als wir Rauch in einer kleinen Bucht erblickten, die sich am Fuße der oben erwähnten Berge befand; und wir sahen zwei von Indianern gepaddelte Kanus, die bis auf Büchsenschussweite herankamen, um uns zu beobachten. Ich schickte unsere zwei Indianer in einem Kanu zu ihnen, um sie unserer Freundschaft zu versichern. Doch sie fürchteten sich vor uns und kehrten um. Am nächsten Morgen kamen sie zurück an unsere Pinasse und verhandelten mit unseren Indianern. Ich ließ ihnen einige Biskuits, Tabak und andere Kleinigkeiten geben. Diese Indianer waren gekommen, um Biber zu jagen und Fische zu fangen, und sie gaben uns einige davon. Nachdem wir somit Freundschaft mit ihnen geschlossen hatten, führten sie uns in ihren Fluss Peimteguet43, wie sie ihn nennen, wo, wie sie uns sagten, ihr Häuptling und Chef des Flusses namens Bessabez wohnte. Ich glaube, dass dieser Fluss derjenige ist, den mehrere Kapitäne und Historiker Norumbega44 nennen, und den die meisten von ihnen als groß und weit und voller Inseln beschrieben haben, mit einer Mündung auf 43° oder 43° 30' Breite, und andere mehr oder weniger auf 44°. Hinsichtlich der magnetischen Deklination habe ich nie etwas gelesen oder gehört. Man schreibt auch, dass es dort eine große, von vielen Indianern bewohnte Stadt gibt, wo man geschickt und gewandt mit Baumwollfäden umgeht. Allerdings bin ich überzeugt, dass die meisten derjenigen, die dies erwähnen, es nie gesehen haben und von etwas sprechen, das sie von Leuten gehört haben, die davon ebenfalls nichts wissen. Ich glaube vielmehr, dass es Leute gibt, welche die Mündung gesehen haben, denn dort gibt es wirklich eine Menge Inseln, und sie liegt auf einer Breite von 44°, wie sie angeben. Aber es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass irgendjemand jemals hineingefahren ist; denn sie hätten es anders beschrieben, um vielen Leuten ihre Zweifel zu nehmen.
So werde ich wahrheitsgemäß erzählen, was ich entdeckt und gesehen habe von der Mündung an flussaufwärts, bis wohin ich kam.
Erstens gibt es an seiner Mündung mehrere Inseln, die vom Festland zehn oder zwölf Meilen entfernt sind und auf 44° Breite mit 18° 40' magnetischer Deklination liegen. Die Insel Mount Desert ist einer der Punkte in seiner Mündung und liegt nach Osten hin, während die andere, im Westen, niedriges Land ist und von den Indianern Bedabedec45 genannt wird; die Entfernung zwischen beiden beträgt neun oder zehn Meilen. Und fast in der Mitte zwischen ihnen, gegen das Meer hin, gibt es eine andere, sehr hohe und auffallende Insel, die ich deshalb Isle Haute46 genannt habe. Überall darum herum befinden sich unzählige Inseln verschiedener Länge und Breite, aber die größte von ihnen ist Mount Desert. Der Fang verschiedener Arten von Fischen ist dort sehr ertragreich, wie auch die Jagd auf Wild. Wenn man etwa zwei oder drei Meilen von dem Bedabedec-Punkt die Festlandküste entlang nach Norden zu diesem Fluss fährt, sieht man bei schönem Wetter sehr hohe, zwölf bis 15 Meilen entfernte Hügel47. Kommt man zum Süden der Isle Haute und fährt an ihr etwa eine Viertelmeile entlang, erreicht man einige Bänke, die sich über dem Wasser befinden; und dann, wenn man nach Westen fährt und sich allen Bergen im Norden der Insel zuwendet, kann man sicher sein, sobald man die acht oder neun Gipfel des Mount Desert und das Land Bedabedec erblickt, dass man am Norumbega-Flusses ist. Um in ihn einzufahren, muss man sich nach Norden wenden, nämlich den höchsten Bergen des erwähnten Bedabedec zu. Dort wird man keine Inseln vor sich sehen. Man fährt dort sicher mit viel Wasser, obwohl man im Osten wie im Westen viele Riffe, Inseln und Felsklippen sieht. Zur größeren Sicherheit muss man ihnen mit der Sonde in der Hand ausweichen. Und ich glaube aufgrund dessen, was ich gesehen habe, dass man in diesen Fluss nirgends sonst einfahren kann außer mit kleinen Schiffen oder Schaluppen. Denn, wie ich weiter oben schrieb, die zahlreichen Inseln, Felsen, Bänke, Sandbänke und Riffe sind hier so verstreut, dass sie einem schon sehr merkwürdig vorkommen.
Um jetzt zur Fortsetzung unserer Erkundungstour zurückzukehren: Wenn man in den Fluss einfährt, sieht man schöne und gefällige Inseln mit schönen Wiesen. Wir fuhren bis zu einer Stelle, zu der uns die Indianer führten, wo der Fluss nicht über eine Achtelmeile breit ist. Und hier, einige 100 Schritte vom westlichen Ufer entfernt und kaum aus der Wasseroberfläche schauend, befindet sich ein sehr gefährlicher Felsen. Von da bis zur Isle Haute sind es 15 Meilen. Und ab dieser engen Stelle (welche die geringste Breite hat, die wir fanden), trafen wir, nach einigen sieben oder acht Meilen, auf einen kleinen Fluss48, in dessen Nähe wir ankern mussten, weil wir vor uns eine große Menge Felsen sahen, die bei Ebbe aus dem Wasser ragen; und obendrein hätten wir, selbst wenn wir gewollt hätten, nicht viel mehr als eine halbe Meile weiter fahren können wegen eines Wasserfalls, der einen sieben oder acht Fuß langen Hang hinunterschießt. Dies sah ich, als ich dorthin fuhr in einem Kanu mit den bei uns weilenden Indianern. Wir fanden lediglich genügend Wasser für ein einziges Kanu. Aber unterhalb des Wasserfalls, der einige 200 Schritte breit ist, ist der Fluss schön und fließt ohne Hindernis bis zu der Stelle, wo wir geankert hatten. Ich ging an Land, um die Gegend zu betrachten; auf der Jagd sah ich, dass sie dort, wo ich umherzog, sehr einladend und angenehm ist. Man konnte denken, dass die Eichen dort absichtlich gepflanzt wurden. Ich sah wenige Tannen, aber sehr wohl einige Fichten auf einer Seite des Flusses, während auf der anderen lauter Eichen waren, zusammen mit Unterholz, das sich weit ins Land hinein erstreckt. Und ich füge hinzu, dass wir von der Mündung des Flusses bis zu dem Platz, wo wir waren, auf eine Distanz von einigen 25 Meilen weder Stadt noch Dorf sahen, noch irgendwelche Anzeichen, dass es je welche gegeben hat; wir sahen nur eine oder zwei leere Hütten der Indianer, die in der gleichen Weise wie die der Souriquois errichtet waren, das heißt, gedeckt mit Baumrinde. Und soweit wir beurteilen konnten, gibt es nur wenige Indianer an diesem Fluss, und man nennt sie auch Etechemins. Sie kommen dorthin und zu den Inseln nur für einige Monate im Sommer während der Fischfang- und Jagdsaison, wenn die Beute ergiebig ist. Das sind Menschen ohne festen Wohnsitz, wie ich entdeckt habe und was ich auch von ihnen erfuhr. Denn sie verbringen den Winter manchmal an einem Ort und manchmal an einem anderen, wo immer sie die Tierjagd am besten finden. Denn sie leben von der Jagd, wenn sie es nötig haben, und sie legen nichts zur Seite für Zeiten der Not, die manchmal groß ist.
Dieser Fluss muss notwendig der Norumbega-Fluss sein. Denn nach ihm kommt auf den oben erwähnten Breitengraden nichts mehr als der Kennebec bis zum 41. Grad, zu dem wir vordrangen; dieser befindet sich fast auf derselben Breite, ist aber nicht so breit. Außerdem können hier keine Flüsse sein, die weit ins Land hinein reichen, denn der große Strom Sankt-Lorenz fließt parallel zur Küste Akadiens und Norumbegas, und die Landentfernung zwischen ihnen beträgt nicht mehr als 45 Meilen, oder an der breitesten Stelle 60, wie man meiner geografischen Karte entnehmen kann.
Ich werde nun dieses Thema verlassen, um zu den Indianern zurückzukehren, die mich zu den Wasserfällen des Norumbega-Flusses geführt hatten und die losgezogen waren, um ihren Häuptling Bessabez und andere Indianer zu informieren. Diese ihrerseits gingen zu einem anderen kleinen Fluss, um ihren Häuptling namens Cabahis ebenfalls von unserer Ankunft zu benachrichtigen.
Am 16. des Monats kamen einige 30 Indianer zu uns, nachdem diejenigen, die uns als Führer gedient hatten, sie bezüglich ihrer Sicherheit beruhigt hatten. Auch der erwähnte Bessabez besuchte uns mit sechs Kanus. Sobald ihn die Indianer am Ufer ankommen sahen, begannen sie zu singen, zu tanzen und in die Höhe zu springen, bis er an Land ging. Danach setzten sie sich alle in einem Kreis auf den Boden, wie es ihre Weise ist, wenn sie eine Rede halten oder ein Fest feiern wollen. Cabahis, der andere Häuptling, kam ein wenig später ebenfalls mit 20 oder 30 seiner Gefährten, die aber bei sich blieben. Sie waren sehr erfreut, uns zu sehen, zumal es das erste Mal war, dass sie Christen sahen. Einige Zeit später landete ich mit meinen Gefährten und zwei unserer Indianer, die uns als Dolmetscher dienten. Ich wies unsere Bootsmannschaft an, sich den Indianern zu nähern und ihre Waffen bereit zu halten, um ihre Pflicht tun zu können, falls sie eine gegen uns gerichtete Bewegung dieser Leute bemerkten. Als Bessabez sah, dass wir an Land waren, bat er uns niederzusitzen und begann mit seinen Gefährten zu rauchen, wie sie es für gewöhnlich tun, bevor sie ihre Reden halten. Sie schenkten uns Wildbret und Geflügel.
Ich bat unseren Dolmetscher, unseren Indianern zu sagen, dass sie Bessabez, Cabahis und ihren Gefährten erklären sollten, dass der Sieur de Monts mich zu ihnen gesandt habe, um sie zu besuchen und ihr Land zu besichtigen; und dass er mit ihnen Freundschaft halten und sie mit ihren Feinden, den Souriquois und den Kanadiern, versöhnen wolle; und außerdem, dass er sich auf ihrem Land niederlassen und ihnen zeigen wolle, wie man es kultivieren könne, sodass sie nicht mehr ein solch elendes Leben führen müssten wie gegenwärtig; und einiges Andere diesbezüglich. Das brachten unsere Indianer ihnen zur Kenntnis. Letztere gaben uns zu verstehen, dass sie damit sehr zufrieden seien und sagten, dass ihnen nichts Besseres begegnen könne, als mit uns Freundschaft zu pflegen; und dass sie wünschten, dass wir ihr Land besiedelten und sie mit ihren Feinden in Frieden leben könnten, sodass sie in Zukunft mehr auf Biberjagd gehen könnten als sie je vermochten, und diese Biber dann bei uns tauschen könnten gegen für sie notwendige Artikel. Als er seine Rede beendet hatte, schenkte ich ihnen Beile, Perlenketten, Mützen, Messer und andere Kleinigkeiten; daraufhin trennten wir uns. Den Rest des Tages und die Nacht verbrachten sie mit nichts anderem als Tanzen, Singen, Lustbarkeit und Warten auf die Morgendämmerung, während der wir dann eine Anzahl Biberfelle erhandelten. Danach kehrte jeder zu sich zurück, Bessabez seinerseits mit seinen Gefährten in seine Richtung und wir in die unsere, alle sehr zufrieden damit, einander kennengelernt zu haben.49
Am 17. des Monats vermaß ich unseren Standort und stellte 45° 25' Minuten Breite fest. Danach brachen wir zu einem anderen Fluss namens Kennebec auf, der von dort 35 Meilen entfernt ist und von Bedabedec etwa 20. Dieses Volk von Indianern am Kennebec nennt sich Etechemins, wie diejenigen am Norumbega.
Am 18. des Monats kamen wir an einem kleinen Fluss50 vorüber, wo Cabahis wohnte, der uns in unserer Pinasse einige zwölf Meilen begleitete. Als ich ihn fragte, woher der Fluss Norumbega komme, sagte er mir, dass man hinter dem Wasserfall, den ich weiter oben erwähnt habe, nach einer Strecke flussaufwärts zu einem See käme, durch den man zum Fluss Sainte-Croix käme; von wo man nach einer kurzen Distanz auf den Fluss der Etechemins träfe. Außerdem flösse in diesen See ein anderer Fluss, und wenn man den einige Tage weit hinauf ginge, man in einen anderen See51 käme. Führe man durch dessen Mitte bis zu dessen Ende und ginge dann noch ein Stück weit über Land, so käme man zu einem anderen kleinen Fluss, der eine Meile von Quebec entfernt mündet, das an dem großen Sankt-Lorenz-Strom liegt. Alle diese Norumbega-Völker sind sehr dunkelhäutig und kleiden sich in Biberpelze und andere Felle, wie die Indianer Kanadas und die Souriquois. Und ihre Lebensweise ist ebenfalls die gleiche.
Am 20. des Monats fuhren wir die Westküste entlang und kamen an den Bedabedec-Bergen vorüber, wo wir ankerten;52 am gleichen Tag erkundeten wir die Mündung des Flusses, in den große Schiffe einfahren können; aber in derselben gibt es einige Bänke, die mithilfe der Sonde vermieden werden müssen. Unsere Indianer verließen uns hier, denn sie wollten nicht mit nach Kennebec kommen, da die dortigen Indianer große Feinde von ihnen sind. Wir fuhren einige acht Meilen entlang der Küste nach Westen bis zu einer zehn Meilen von Kennebec entfernten Insel53, wo wir Segel streichen mussten wegen des schlechten Wetters und der Gegenwinde. Auf einem Teil unserer Wegstrecke kamen wir an einer Anzahl gefährlicher Inseln und Riffe vorüber, die mehrere Meilen ins Meer hinaus vorspringen. Und als wir sahen, dass das schlechte Wetter uns sehr behinderte, fuhren wir nicht mehr als drei oder vier Meilen weiter. Alle diese Inseln und Küsten sind mit einer Menge der gleichen Bäume bedeckt, die ich weiter oben für die anderen Küsten schon beschrieben habe. In Anbetracht der Knappheit unserer Vorräte beschlossen wir, zu unserem Wohnplatz zurückzukehren und auf das nächste Jahr zu warten, in dem wir zurückkommen wollten, um ausführlichere Erkundungen einzuziehen. So kehrten wir am 23. September um und kamen an unserem Wohnplatz am folgenden 2. Oktober an.
Dies ist wahrhaft alles, was ich beobachtet habe bezüglich der Küsten und Völker wie auch des Flusses Norumbega; sie sind nicht die Wunder, als welche einige sie beschrieben haben. Ich glaube, dass diese Region im Winter ebenso unerfreulich ist wie die unserer Wohnstätte, von der wir sehr enttäuscht waren.
41Die Inseln tragen heute keinen speziellen Namen mehr.
42Mount Desert Island, Maine.
43Späterer Name: Pentagouet.
44Nicht näher zu bestimmen.
45Nicht näher zu bestimmen.
46Heute Isle au Haut, Maine.
47Die Camden Hills.
48Der Kenduskeag, der bei Bangor in den Penobscot fließt.
49Der Ort der Konferenz war vermutlich die Landzunge bei der Einmündung des Kenduskeag in den Penobscot.
50Entweder der Orland River oder der Belfast River.
51Der Chesuncook Lake.
52Wahrscheinlich im Hafen des heutigen Rockland.
53Eine der Georges Islands.
KAPITEL VI
Vom Skorbut, einer sehr schweren Krankheit. Wie die Männer und Frauen der Indianer während des Winters ihre Zeit verbringen. Und alles, was sich in der Wohnstätte ereignete während des Winters.
Als wir auf der Sainte-Croix-Insel ankamen, waren alle Wohnplätze fertig. Der Winter überraschte uns früher, als wir erwarteten, und wir konnten viele Dinge nicht erledigen, die wir uns vorgenommen hatten. Gleichwohl ließ der Sieur de Monts nicht davon ab, auf der Insel Gärten anlegen zu lassen. Viele begannen, ihren Grund zu roden. Ich tat dies ebenfalls; meiner war recht groß, und ich säte eine Menge Getreide wie die anderen auch, die welches hatten. Es keimte sehr gut. Aber da die Insel nur aus Sand bestand, verbrannte beinahe alles, wenn die Sonne schien; denn wir hatten kein Wasser zum Gießen, und der Regen kam nicht oft.
Der Sieur de Monts ließ auch auf dem Festland roden, um dort Gärten anzulegen; und an den Wasserfällen, drei Meilen von unserer Siedlung entfernt, ließ er graben und Weizen säen; dieser ging sehr gut auf und kam zur Reife. Um unsere Wohnstätte herum gibt es bei Ebbe eine Menge Krustentiere wie Pfahlmuscheln, Sandmuscheln, Seeigel und Seeschnecken, die jedem von uns sehr zugute kamen.
Der erste Schnee fiel am 6. des Monats Oktober. Am 3. Dezember sahen wir Eisschollen vorüberziehen, die aus einem gefrorenen Fluss kamen. Der Frost war strenger und schärfer als in Frankreich und dauerte viel länger; und es regnete kaum während des Winters. Ich glaube, die Ursache hierfür sind die Nord- und Nordwest-Winde, die über hohe, stets mit Schnee bedeckte Berge wehen. Der Schnee war bei uns drei oder vier Fuß hoch bis zum Ende des Monats April; und ich glaube auch, dass er länger liegen bleibt, als es der Fall wäre, wenn der Boden bearbeitet würde.
Während des Winters brach unter mehreren unserer Leute eine Krankheit aus. Sie wird Krankheit des Landes genannt, oder auch Skorbut, wie ich von gelehrten Leuten gehört habe. In den Mündern derer, die davon befallen wurden, wuchsen dicke, nutzlose und schleimige Fleischstücke (was viel Eiterbildung verursachte), die so sehr überhandnahmen, dass die Leute fast nichts zu sich nehmen konnten außer Flüssiges. Ihre Zähne hielten kaum im Kiefer und konnten mit den Fingern schmerzlos herausgezogen werden. Man schnitt ihnen das überflüssige Fleisch oft weg, wodurch sie viel Blut aus dem Mund verloren. Danach hatten sie große Schmerzen in den Armen und Beinen, die dick und hart wurden und Flecken wie von Flohstichen trugen; und sie konnten nicht gehen, weil sich die Nerven zusammenzogen. Deshalb hatten sie fast keine Kraft und litten unerträgliche Schmerzen. Sie hatten auch Schmerzen in den Nieren, im Magen und im Bauch, zusammen mit starkem Husten und kurzem Atem. Kurz, sie waren in einem solchen Zustand, dass die Mehrzahl der Kranken weder aufstehen noch sich bewegen konnte; und man konnte sie auch nicht aufrichten, ohne dass sie ohnmächtig wurden. So starben hieran von den 79, die wir waren, 35, und mehr als 20 waren dem Tod sehr nahe. Die Mehrzahl derer, die gesund blieben, klagte über einige kleinere Schmerzen und kurzen Atem. Wir konnten keine Heilmittel finden für diese Krankheiten. Einige von ihnen wurden aufgeschnitten, um die Ursache ihrer Krankheit festzustellen.
Man fand bei vielen, dass die inneren Organe verfault waren, etwa die Lunge, die so verändert war, dass sich keine natürliche Feuchtigkeit mehr erkennen ließ; die Milz war wässrig und angeschwollen; die Leber war sehr faserig und gefleckt und hatte nicht ihre natürliche Farbe; sowohl die obere als auch die untere Hohlvene waren voller dickem, verklumptem und schwarzem Blut; die Galle war verfault. Gleichwohl fanden sich auch eine Menge Adern, sowohl im mittleren als auch im unteren Bauch, die in ziemlich gutem Zustand waren. Einigen machte man Einschnitte mit dem Rasiermesser oberhalb der Schenkel, wo die roten Flecken waren, wo dann ein schwarzes, klumpiges Blut heraus floß. Das ist, was man bei den mit dieser Krankheit angesteckten Körpern erfahren konnte.
Unsere Chirurgen konnten sich nicht selbst behandeln, um nicht das gleiche Schicksal wie die anderen zu erleiden. Diejenigen, die krank blieben, genasen im Frühjahr, das in jenen Ländern im Mai beginnt. Das veranlasste uns zu glauben, dass es eher der Jahreszeitenwechsel war, der sie heilte, als die Medikamente, die man ihnen verordnet hatte.
Während jenes Winters gefroren alle unsere Getränke außer dem spanischen Wein. Apfelmost wurde pfundweise ausgegeben. Dieser Verlust wurde verursacht durch den Umstand, dass das Vorratshaus keinen Keller hatte, und dass die Luft, die durch die Spalten herein kam, rauer war als diejenige außen. Wir waren genötigt, sehr schlechtes Wasser zu benutzen und geschmolzenen Schnee zu trinken, da wir weder Quellen noch Bäche hatten. Denn es war unmöglich, ans Festland zu gehen wegen der großen Eisschollen, die von Ebbe und Flut, deren Unterschied drei Faden beträgt, umhergeschoben wurden. Die Arbeit mit der Handmühle war sehr mühsam, besonders da die meisten von uns fast keine Kraft hatten; denn wir waren schlecht gebettet und hatten keine gute Heizung, weil das Eis uns am Holzbeschaffen hinderte; auch aß man nur gesalzenes Fleisch und Gemüse, was schlechtes Blut herbeiführt. Daher kamen meiner Meinung nach diese leidigen Krankheiten auf. All dieses machte den Sieur de Monts und andere in der Habitation recht unzufrieden.
Es war nicht leicht, dieses Land zu beurteilen, ohne hier den Winter verbracht zu haben; denn wenn man im Sommer ankommt, ist alles sehr gefällig wegen der Wälder, der schönen Landschaften und des guten Fangs mehrerer Fischarten, die wir hier fanden. Der Winter in diesem Land dauert sechs Monate.
Die Indianer, die hier wohnen, sind nicht sehr zahlreich. Während des Winters, wenn es den meisten Schnee gibt, jagen sie Elche und anderes Wild; hiervon leben sie die meiste Zeit. Und wenn der Schnee nicht tief ist, haben sie kaum genügend Jagdertrag; denn dann können sie kaum etwas erbeuten ohne große Mühe, wobei sie viel erleiden und erdulden müssen. Wenn sie nicht auf die Jagd gehen, leben sie von Schalentieren, nämlich Herzmuscheln. Im Winter tragen sie schöne Biber- und Elchpelze. Die Frauen fertigen alle Kleidung an, sind darin aber nicht so gut, dass man nicht die Haut unter den Achselhöhlen sehen würde; denn es fehlt ihnen das Geschick zu besserer Fertigung. Wenn sie auf die Jagd gehen, benutzen sie eine Art Schneeschuhe, die doppelt so groß sind wie die bei uns und die unter den Füßen befestigt werden; so gehen sie über den Schnee, ohne einzusinken, Frauen und Kinder wie auch die Männer, die den Spuren der Wildtiere folgen. Wenn sie letztere gefunden haben, folgen sie diesen, bis sie das Tier erblicken. Dann schießen sie darauf mit ihren Bogen, oder sie töten es durch Stöße mit einer an eine halbgroße Pike festgemachten Klinge. Dies ist nicht schwer, denn die Tiere können auf dem Schnee nicht laufen, ohne einzusinken. Dann kommen die Frauen und Kinder herzu, kampieren und feiern. Danach kehren sie zur Suche nach weiteren Tieren zurück, und so verbringen sie den Winter. Im folgenden Monat März kamen einige Indianer, die mit uns ihre Jagdbeute teilten, wofür wir ihnen im Tausch Brot und andere Dinge gaben. Dies ist die Weise dieser Leute, den Winter zu verbringen; ich fand dieselbe recht miserabel.
Wir erwarteten die Ankunft unserer Schiffe zu Ende April; als sie nicht kamen, begannen alle, schlechte Vorahnungen zu haben und fürchteten, dass ihnen ein Unglück begegnet sein könnte. Deshalb beschloss der Sieur de Monts am 15. Mai, eine 15-Tonnen-Pinasse und eine andere mit sieben Tonnen auszurüsten, mit denen wir Ende Juni nach Gaspé fahren sollten und nach Schiffen suchen für die Rückkehr nach Frankreich, falls die unseren bis dahin nicht kämen. Aber Gott half uns besser, als wir erhofften. Denn am 15. Juni, während ich um etwa elf Uhr abends auf Wache war, kam in einer Schaluppe Pont-Gravé, der Kapitän eines unserer Schiffe, und informierte uns, dass sein Schiff sechs Meilen von unserer Siedlung entfernt vor Anker liege. Alle hießen ihn mit großer Freude willkommen.
Am nächsten Tag kam das Schiff an und ankerte nahe bei unserer Wohnstätte. Pont-Gravé teilte uns mit, dass nach ihm ein anderes Schiff aus Saint-Malo käme namens Saint-Étienne, um uns Lebensmittel und Vorräte zu bringen.
Am 17. des Monats beschloss der Sieur de Monts, einen geeigneteren Ort für eine Siedlung zu suchen, einen mit einem milderen Klima als dem unsrigen. Zu diesem Zweck ließ er die Pinasse ausrüsten, mit der er hatte nach Gaspé segeln wollen.
KAPITEL VII
Erkundungen an der Almouchiquois-Küste bis zum 42. Breitengrad. Und die Einzelheiten dieser Reise.
Am 18. des Monats Juni 1605 fuhr der Sieur de Monts mit einigen Adligen, 20 Matrosen und einem Indianer namens Panounias sowie dessen Frau, die er nicht zurücklassen wollte, von der Insel Sainte-Croix ab. Wir nahmen diese Indianer mit, damit sie uns zum Land der Almouchiquois führten; denn wir hofften, mit ihrer Hilfe herauszufinden, was es mit diesem Land auf sich hat, zumal die Indianerfrau dort geboren war.
Die Küste nahe Menane entlang fahrend, einer Insel in drei Meilen Entfernung vom Festland, kamen wir zu den Ordered Islands von der Seeseite her und ankerten bei einer von ihnen. Dort gab es eine große Anzahl von Krähen, von denen unsere Leute eine Menge fingen; und wir nannten die Insel Isle of Crows54. Von dort segelten wir zur Insel Mount Desert, die in der Mündung des Norumbega-Flusses liegt, wie ich oben erwähnte. Wir fuhren fünf oder sechs Meilen zwischen mehreren Inseln umher; dort kamen von dem Bedabedec-Platz, wo ihr Häuptling war, drei Indianer in einem Kanu auf uns zu. Nachdem wir ihnen einige Reden gehalten hatten, kehrten sie am selben Tag wieder zurück.
Am Freitag, dem 1. Juli, brachen wir von einer der Inseln auf; sie liegt in der Mündung des Flusses, wo es auch einen recht guten Hafen für Schiffe von 100 und 150 Tonnen gibt. An diesem Tag segelten wir einige 25 Meilen zwischen dem Bedabedec-Platz und einer Menge Inseln und Felsen, die wir bis zum Kennebec-Fluss erkundeten. In der Mündung desselben befindet sich eine ziemlich hohe Insel, die wir Schildkröte55 nannten. Zwischen ihr und dem Festland befinden sich einige verstreute Felsen, die bei Flut von Wasser bedeckt sind; gleichwohl kann man nicht aufhören zuzusehen, wie sich die See über ihnen bricht. Die Schildkröteninsel und der Fluss liegen Süd-Süd-Ost und Nord-Nord-West zueinander. Wenn man in den Fluss einfährt, gibt es zwei mittelgroße Inseln, welche den Zugang darstellen, die eine auf der einen Seite und die andere auf der anderen; und einige 300 Schritte weiter innen liegen zwei Felsen, die keine Bäume tragen, sondern nur einiges Grünzeug.56 Wir ankerten 300 Schritte entfernt von der Zufahrt in fünf bis sechs Faden Wasser. Während wir dort lagen, überraschte uns Nebel, was uns dazu brachte, weiter nach innen zu fahren, um den Oberlauf des Flusses und die dortigen Indianer kennenzulernen. Hierzu brachen wir am 5. des Monats auf. Nach einigen Meilen wäre unsere Pinasse beinahe an einem Felsen zerschellt, den wir im Vorüberfahren streiften. Weiter flussaufwärts trafen wir auf zwei Kanus; sie befanden sich dort zur Jagd auf Vögel, die sich in der Mehrzahl zu dieser Zeit mausern und nicht fliegen können. Mittels unseres Indianers, der mit seiner Frau zu ihnen fuhr, sprachen wir diese Indianer an. Sie legte ihnen den Zweck unseres Kommens dar. Daraufhin schlossen wir Freundschaft mit ihnen und den Indianern dieses Flusses, die uns dann als Führer dienten. Wir fuhren weiter, um ihren Häuptling namens Manthoumermer zu besuchen, und als wir sieben oder acht Meilen zurückgelegt hatten, kamen wir an einigen Inseln, Flussengen und Bächen vorbei, die sich entlang des Flusslaufs befinden, wo wir schöne Wiesen sahen. Als wir an einer etwa vier Meilen langen Insel57 entlangfuhren, führten sie uns dorthin, wo sich ihr Häuptling mit 25 oder 30 Indianern befand. Sobald wir den Anker geworfen hatten, kam er zu uns in einem Kanu, ein wenig von zehn anderen abgesetzt, die ihn begleiteten. Als er nahe unserer Pinasse war, hielt er eine Rede, in der er seine Freude darüber, uns zu sehen, zum Ausdruck brachte und sagte, dass er mit uns ein Bündnis eingehen und mit seinen Feinden durch unsere Vermittlung Frieden schließen wolle. Er fügte hinzu, dass er dementsprechend nächsten Tags zwei andere Häuptlinge im Land weiter oberhalb benachrichtigen wolle, einen namens Marchin und einen anderen namens Sasinou, der über den Kennebec-Fluss herrschte. Der Sieur de Monts hatte ihnen Biskuits und Erbsen geben lassen, was sie sehr erfreute. Am nächsten Tag führten sie uns den Fluss auf einer anderen Route hinunter als der, auf der wir gekommen waren, und wir kamen zu einem See. Zwischen den Inseln hindurchfahrend legte jeder einen Pfeil bei einem Kap58 nieder, an dem alle Indianer vorüberkommen. Sie glauben, dass ihnen Missgeschick zustoße, wenn sie dies nicht tun, denn so sagt es ihnen der Teufel. Sie leben mit diesem Aberglauben und auch mit vielen anderen. Jenseits dieses Kaps kamen wir über einen sehr engen Wasserfall, aber nicht ohne große Mühe. Denn obwohl wir einen frischen und guten Wind hatten, den wir unsere Segel füllen ließen so gut wir konnten, waren wir nicht in der Lage, den Wasserfall zu überfahren. Wir sahen uns vielmehr gezwungen, an Bäumen ein starkes Tau zu befestigen und alle daran ziehen zu lassen. Wir zogen so stark mit den Armen, dass wir mithilfe des Windes, der uns beistand, über den Wasserfall hinwegkamen. Die Indianer, die bei uns waren, trugen ihre Kanus über Land, da sie nicht über den Wasserfall hinweg rudern konnten. Nachdem wir ihn überwunden hatten, sahen wir schöne Wiesen. Ich staunte über diesen Wasserfall sehr, denn während wir den Fluss mit der Ebbe hinunterfuhren, fanden wir denselben sehr gut befahrbar, bis wir zum Fall kamen; dann stellten wir das Gegenteil fest; aber als wir über den Fall hinweg waren, lief das Wasser wie zuvor in Richtung des Meeres, was uns dann sehr erfreute. Weiterfahrend kamen wir zu dem drei oder vier Meilen langen See59. In ihm sind mehrere Inseln, und in ihn münden zwei Flüsse, der Kennebec, der aus Nord-Nord-Ost kommt sowie ein anderer, der aus Nordwest kommt und auf dem Marchin und Sasinou kommen sollten. Nachdem wir auf sie den ganzen Tag gewartet hatten und sahen, dass sie nicht kommen würden, beschlossen wir, unsere Zeit anders zu nützen. Wir lichteten deshalb unseren Anker, und mit zwei Indianern dieses Sees als Führer fuhren wir zum Ankern an die Mündung des Flusses, wo wir eine Menge guter Fische verschiedener Arten fingen. Währenddessen gingen unsere Indianer auf die Jagd, kamen aber nicht zurück. Der Weg, auf dem wir diesen Fluss heruntergefahren sind, ist viel sicherer und besser als der, auf dem wir bergauf gefahren waren. Die Schildkröteninsel, die an der Mündung dieses Flusses liegt, befindet sich auf 44° Breite und 19° 12' magnetischer Deklination. Man kann auf diesem Fluss einige 50 Meilen weit das Land durchqueren bis Quebec, ohne das Boot mehr als zwei Meilen tragen zu müssen. Dann kommt man zu einem anderen kleinen Fluss, der in den großen Sankt-Lorenz-Strom mündet. Dieser Kennebec-Fluss ist eine halbe Meile weit landeinwärts sehr gefährlich für Schiffe, wegen des seichten Wassers, großer Gezeitenunterschiede, Felsen und Sandbänken, die es dort sowohl außerhalb als auch landeinwärts gibt. Doch es existiert dort auch eine Fahrtrinne, die sehr brauchbar ist, wenn sie gut erkundet wird. Das wenige Land, das ich besichtigt habe entlang den Gewässern, ist sehr schlecht, denn dort gibt es nichts als allenthalben Felsen. Es gibt eine Anzahl kleiner Eichen, aber sehr wenig kultivierbares Land. Allerdings gibt es Fische in üppiger Zahl, wie auch in den anderen weiter oben erwähnten Flüssen. Die Menschen dort leben wie diejenigen bei unserer Siedlung; und sie sagten uns, dass diejenigen Indianer, die Mais anbauten, weit landeinwärts wohnten; an den Küsten bauten sie keinen mehr an wegen des Krieges, den sie mit anderen führten, die kamen, um ihn wegzunehmen. Das ist, was ich über diesen Platz erfahren konnte und von dem ich nicht glaube, dass er besser ist als die anderen.
Am 8. des Monats brachen wir von der Mündung dieses Flusses auf, da wir wegen Nebel nicht früher weg konnten. An diesem Tag fuhren wir einige vier Meilen und kamen an einer Bucht60 vorbei, wo es eine Menge Inseln gibt; und von dort aus sieht man nach Westen hin große Berge61, wo ein Häuptling der Indianer namens Aneda in der Nähe des Kennebec-Flusses wohnt. Wegen seines Namens bin ich überzeugt, dass es ein Mitglied seines Stammes war, das die Pflanze namens Aneda gefunden hat. Von ihr hat Jacques Cartier gesagt, dass sie große Heilkraft gegen die Krankheit Skorbut besitzt, von der wir bereits gesprochen haben. Sie hat seine Leute ebenso geplagt, als sie in Kanada überwinterten, wie die unseren. Die Indianer kennen diese Pflanze nicht, und sie wissen auch nichts über sie, obwohl der erwähnte Indianer deren Namen trägt. Am nächsten Tag fuhren wir acht Meilen. An der Küste entlang segelnd, erblickten wir zwei Rauchsäulen, die Indianer für uns machten; auf sie zufahrend ankerten wir schließlich hinter einer kleinen Insel62 nahe dem Festland. Hier sahen wir mehr als 80 Indianer, die an der Küste entlangliefen, um uns zu sehen, und dabei tanzten und Zeichen gaben, um ihre Freude auszudrücken. Der Sieur de Monts schickte zwei Mann mit unserem Indianer, um sie anzusprechen; und nachdem diese eine Zeit lang mit ihnen gesprochen und sie unserer Freundschaft versichert hatten, ließen wir einen unserer Leute bei ihnen, und sie übergaben einen ihrer Gefährten als Geisel. Indessen besuchte der Sieur de Monts eine Insel, die sehr schön ist wegen ihrer Pflanzenwelt, denn es gibt dort schöne Eichen und Nussbäume und gerodetes Land mit einer Unmenge von Reben, die zu ihrer Jahreszeit schöne Trauben tragen. Dies waren die ersten auf all diesen Küsten, die wir seit dem Cape La Have sahen. Wir nannten die Insel Island of Bacchus63. Da gerade Flut herrschte, lichteten wir den Anker und fuhren in einen kleinen Fluss64 ein, was wir zuvor nicht vermochten, denn der Hafen hat eine Sandbank, auf der bei Ebbe nicht mehr als ein halber Faden Wasser steht; doch bei Flut ist das Wasser dort eineinhalb Faden hoch, und im Frühjahr sogar zwei Faden. Weiter im Land sind es drei, vier, fünf und sechs Faden. Nachdem wir geankert hatten, kam eine Menge Indianer auf dem Ufer auf uns zu, und sie begannen zu tanzen. Ihr Häuptling, den sie Honemechin nannten, war nicht dabei. Er kam ungefähr zwei oder drei Stunden später mit zwei Kanus und fuhr dann immerzu um unsere Pinasse herum. Unser Indianer verstand nur einige Worte, so sehr unterscheidet sich die Sprache der Almouchiquois, wie dieses Volk heißt, von derjenigen der Souriquois und Etechemins. Diese Leute zeigten große Freude. Ihr Häuptling sah gut aus, war jung und gut gelaunt. Wir schickten einige Waren an Land, um mit ihnen zu handeln, aber sie besaßen nur ihre Kleidung, welche sie aber eintauschten; denn sie fertigen keine anderen Pelzwaren an als nur für ihre eigene Kleidung. Der Sieur de Monts ließ ihrem Häuptling einige Artikel geben, über die dieser sich sehr freute, und er kam mehrmals an Bord unseres Schiffes zu Besuch. Diese Indianer rasieren ihr Haar ziemlich hoch am Kopf empor und tragen den Rest sehr lang, wobei sie diesen kämmen und hinten auf mehrere schicke Weisen zwirbeln und dazu Federn auf ihrem Kopf befestigen. Ihr Gesicht bemalen sie schwarz und rot wie die anderen Indianer, die wir gesehen haben. Dies sind Menschen mit wohlgeformten Körpern. Ihre Waffen sind Piken, Keulen sowie Bogen und Pfeile, an deren Ende sie den Schwanz eines Fisches namens Signoc65 binden; andere benutzen dafür Knochen, und wieder andere machen sie ganz aus Holz. Sie pflügen und kultivieren den Boden, was wir zuvor noch nicht gesehen hatten. Anstelle eines Pfluges haben sie ein sehr hartes Werkzeug aus Holz in der Form eines Spatens. Dieser Fluss wird von den Landesbewohnern Chouacoet66 genannt.
Am folgenden Tag ging der Sieur de Monts an Land, um ihre Bodenbearbeitung am Flussufer zu besichtigen, und ich ging mit ihm. Wir sahen ihr Getreide, nämlich Mais. Sie bauen ihn in Gärten an, wobei sie drei oder vier Saatkörner auf einen Fleck säen, auf den sie dann mit den Schalen des erwähnten Signoc vermischte Erde häufeln; in drei Fuß Entfernung davon säen sie wieder so viel, und so weiter. Zwischen diesen Mais pflanzen sie bei jedem Häufchen drei oder vier brasilianische Bohnen, die in verschiedenen Farben keimen. Wenn sie groß sind, winden diese sich um die Maispflanzen, die fünf oder sechs Fuß hoch werden, und halten den Boden frei von Unkraut. Wir sahen dort auch viele Kürbisse, viel Squash und auch Tabak, den sie ebenfalls anpflanzen. Der Mais, den wir damals sahen, war zwei Fuß hoch, und manche Pflanzen auch drei. Die Bohnen ihrerseits begannen zu blühen, wie auch die Squashpflanzen und die Kürbisse. Sie säen ihren Mais im Mai und ernten ihn im September. Wir sahen dort große Mengen Nüsse; diese sind klein und haben mehrere Fächer. Auf den Bäumen waren keine mehr, aber unter ihnen fanden wir noch viele aus dem Vorjahr. Wir sahen auch eine Menge Weinreben, an denen sehr schöne Beeren hingen, aus welchen wir sehr guten Saft machten; solche hatten wir noch nicht gesehen außer auf dem Island of Bacchus, das von diesem Fluss fast zwei Meilen entfernt ist. Ihre feste Wohnstätte, die kultivierten Felder und die schönen Bäume veranlassten uns zu dem Urteil, dass das Klima dort gemäßigter ist und besser als an dem Ort, wo wir den Winter verbrachten oder als an den anderen Plätzen an dieser Küste. Aber ich glaube nicht, dass es dort nicht kalt wird, obwohl der Platz auf einer Breite von 43° 45' liegt. Die Wälder im Inneren sind sehr licht, aber trotzdem voller Eichen, Buchen, Eschen und Ulmen. Und an den feuchten Orten gibt es viele Weiden. Die Indianer bleiben immer an diesem Ort und haben eine große, von Palisaden umgebene Wohnhütte; die Palisaden bestehen aus ziemlich großen, aneinandergeschobenen Bäumen, hinter die sie sich zurückziehen, wenn ihre Feinde kommen, um Krieg gegen sie zu führen. Sie bedecken ihre Wohnhütte mit Eichenrinde. Dieser Platz ist sehr angenehm und ein so attraktiver Ort, wie man nur je einen antreffen könnte. Der von Wiesen gesäumte Fluss hat Fische im Überfluss. An seiner Mündung liegt eine kleine Insel, auf der man eine gute Festung bauen könnte, wodurch man in Sicherheit wäre.
Am Sonntag, dem 12. des Monats fuhren wir von dem Chouacoet [Saco] genannten Fluss ab. Die Küste entlang segelnd fuhren wir einige sechs oder sieben Meilen, als aufkommender Gegenwind uns veranlasste, vor Anker zu gehen. Wir gingen an Land, wo wir zwei Wiesen sahen, jede davon ungefähr eine Meile lang und eine halbe breit. Dort erblickten wir zwei Indianer, die wir zuerst für jene großen Vögel hielten, die in diesem Land »Outardes« [Trappen]67 genannt werden. Sobald sie uns gesehen hatten, entflohen sie in die Wälder und tauchten nicht wieder auf. Zwischen dem Chouacoet [Saco] und diesem Ort sahen wir kleine Vögel, die wie Amseln singen und schwarz sind außer an den Flügelspitzen, wo sie orangefarben sind. Es gibt dort auch eine Menge Weinreben und Nussbäume. Meistenorts ist diese Küste von Kennebec an sandig. An diesem Tag kehrten wir zwei oder drei Meilen in Richtung auf den Chouacoet [Saco] zurück bis zu einem Kap, welches wir Island Harbour68 nannten; dieser Hafen liegt zwischen drei Inseln und kann Schiffe von 100 Tonnen aufnehmen. Nach Nordost-Viertel-Nord fahrend, kommt man nahe diesem Ort in einen anderen Hafen69, der keine andere Einfahrt hat (obwohl er zwischen Inseln liegt), als die, durch die wir hineinfuhren. Dort befinden sich einige gefährliche Riffe. Auf diesen Inseln gibt es so viele rote Johannisbeeren, dass man meistens nichts anderes sieht, und eine Unzahl von Tauben, von denen wir eine gute Menge fingen. Dieser Island Harbour liegt auf einer Breite von 43° 25'.
Am 15. dieses Monats segelten wir zwölf Meilen. An der Küste entlangfahrend, bemerkten wir Rauch auf dem Ufer. Wir fuhren so nahe wir konnten heran, doch sahen wir keinen Indianer, was uns glauben ließ, dass sie geflohen waren. Die Sonne ging unter, und wir fanden keine Stelle, wo wir die Nacht verbringen konnten, denn die Küste war flach und sandig. Nach Süden steuernd, um von da wegzukommen und ankern zu können, bemerkten wir nach ungefähr zwei Meilen ein Kap auf dem Festland nach Süd-Viertel-Südost hin, in einer Entfernung von vielleicht sechs Meilen. Zwei Meilen nach Osten sahen wir drei oder vier ziemlich hohe Inseln, und nach Westen eine breite Bucht. Die Küste dieser Bucht, die bis zu dem Kap reicht, erstreckt sich von der Stelle an, wo wir waren, etwa vier Meilen ins Inland. Sie ist zwei Meilen breit von Norden nach Süden und drei dort, wo man in sie hineinfährt. Und da wir keine Stelle fanden zum Ankern, beschlossen wir, einen Teil der Nacht unter kleinem Segel zu dem oben erwähnten Kap fahrend zu verbringen; und dann ankerten wir in 16 Faden Wasser und erwarteten den Tag.
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