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| Sabine Joss | Im Gebirge |

Sabine Joss
Im Gebirge
Natur erleben - beobachten - verstehen
www.naturerleben.net

Sabine Joss ist selbstständige Biologin und Journalistin BR. Sie arbeitet bei verschiedenen Forschungsprojekten über Artenvielfalt und publiziert Beiträge zu Naturthemen in Büchern sowie in Wander- und Reisemagazinen.
1. Auflage: 2012
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-258-47674-2
Alle Rechte Vorbehalten
Copyright © 2012 by Haupt Berne
Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig.
Gestaltung und Satz: pooldesign.ch
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
www.naturerleben.net in Partnerschaft mit www.naturgucker.net www.haupt.ch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Vorbereitung für den Ausflug ins Gebirge
Gebirge - eine Einleitung
Lebensraum Gebirge
Die Alpen - ein Kurzporträt
Eigenschaften des Gebirges
Höhenstufen
Wald- und Baumgrenze im Gebirge
Herkunft der Alpenpflanzen
Frühling
Einleitung Frühling
Vögel im Gebirge
Zwergwuchs - eine Erfolgsstrategie
Murmeltiere
Alpine Fließgewässer - Leben in der Strömung
Kalk und Silikat
Pflanzen auf Felsen und in Spalten
Essbare Alpenpflanzen
Kurzinformation Frühling
Sommer
Einleitung Sommer
Faszinierende Flechten
Wolkenfahnen, Mischungsnebel und Brockengespenst
Mit Haaren, Wachs und Pigmenten
Bergseen in allen Farben
Schokolade-, Pferdeschweiß- und Pfirsichdüfte
Geröll und Schutt
Alpine Rasen
Kurzinformationen Sommer
Herbst
Einleitung Herbst
Kältefeste Winzlinge
Gämsen
Bergwald und Naturgefahren
Gletscher - Landschaftsgestalter mit Vorlieben für runde Formen
Gletschervorfelder und alpine Schwemmebenen
Kurzinformationen Herbst
Winter
Einleitung Winter
Überwintern im Gebirge
Eisbirnen, Untersonnen und Eiskristalle
Brunst im Hochwinter
Wie Pflanzen überwintern
Wenn das Herz vor Schreck fast stehen bleibt
Kurzinformation Winter
Anhang
Fragen und Antworten
Dank
Bildnachweis
Vorwort
Die Berge haben für viele Menschen eine große Anziehungskraft: Da ist zum einen die beeindruckende Szenerie der Gipfel, Täler, Gletscher und reißenden Bäche, zum anderen aber auch die spektakuläre Flora und Fauna. Blaue Enziane, violette Alpen-Astern und Alpenrosenheiden sind allgegenwärtig; mit Glück lässt sich gar ein Edelweiß aufspüren. Fast immer sind die Flugkünste der Alpendohlen zu beobachten oder das majestätische Kreisen eines Raubvogels. Und über der Waldgrenze kann man mit den schrillen Warnpfiffen der Murmeltiere rechnen und darauf hoffen, in der Felswand den Gämsen beim Klettern zu zuschauen.
Runter vom Sessel, hinein in die Natur! Erleben Sie die unbekannte Natur der Gebirge, spüren Sie den Zusammenhängen nach und entdecken Sie, wie raffiniert sich die Natur auch auf kleinem Raum eingerichtet hat. Dafür werden keine besonderen biologischen Kenntnisse vorausgesetzt - was Sie für Ihre Erkundungen benötigen, wird durch das vorliegende Buch (und die anderen Bände der «Natur erleben»-Reihe) vermittelt. Besonders hilfreich sind dabei die Beobachtungstipps, die Sie stets am Ende der einzelnen Kapitel finden.
Und weil die Natur nichts Statisches ist, sondern das Resultat von Vernetzungen und gegenseitigen Abhängigkeiten und weil das Erkunden ja auch Spaß machen soll, finden Sie überall Verweise auf andere, verwandte Themen im Buch sowie auf Geräusche, Filme und zusätzliche Bilder auf der Website www.naturerleben.net. Das gut getarnte Steinhuhn ist im Gelände nur selten zu sehen, aber oft zu hören - lernen Sie seinen Gesang mit der entsprechenden Tonspur identifizieren. Oder schauen Sie sich den Film über die Murmeltierkolonie oder die Hirschböcke im Brunftkampf an. Wenn Sie eigene Beobachtungen oder Fotos mit anderen teilen möchten, können Sie dies dank unserer Partnerschaft mit www.naturgucker.net auch ganz einfach über unsere Website tun.
Filme
Tonspur
Ab all dem Kreuz und Quer und Hin und Her zwischen Buchkapiteln und Website soll auch etwas hängen bleiben – mit den Quizfragen können Sie locker prüfen, wie viele Geheimnisse Sie schon gelüftet haben.
Fotos
Und es gibt noch eine weitere Dimension zu entdecken: Mit der App zur Buchreihe können zum Beispiel die häufigsten Tier- und Pflanzenarten in den mitteleuropäischen Gebirgen bestimmt und das Auge und die Ohren durch die Beantwortung von Quizfragen für die Natur geschärft werden.
Viel Spaß beim Beobachten, Entdecken und Erleben der Natur wünschen die Autorin und Ihr Haupt Verlag!
Vorbereitung für den Ausflug ins Gebirge
Zum Umgang mit den Bewohnern der Gebirge
Behandeln Sie Wildtiere mit Respekt. Wildtiere schätzen es nicht, wenn Sie ihnen zu nahe kommen. Beobachten Sie sie daher aus genügend Entfernung, sodass die Tiere nicht unnötig flüchten müssen.
Um Pflanzen zu beobachten, muss man sie nicht ausreißen. Verzichten Sie auch darauf, sie auszugraben oder für schöne Blumensträuße abzuschneiden. Viele Gebirgspflanzen sind selten und geschützt.
Abfälle
Abfall in der Landschaft ärgert nicht nur Sie, sondern auch alle, die nach Ihnen die Berge genießen wollen. Hinterlassen Sie daher bitte keine Abfälle. – Und warum nicht auch einmal störenden Abfall von anderen mitnehmen? In einen zusätzlichen Plastiksack verpackt, lässt er sich leicht ins Tal tragen und entsorgen.
Herumliegender Abfall ist überall ein Ärgernis. Im Gebirge dauert es viel länger bis er, wenn überhaupt, verrottet ist.
Hunde
Wenn Wildtiere in der Nähe sind, sollten Sie Ihren Hund immer an der Leine führen. Fast jeder Hund hat einen ausgeprägten Jagdinstinkt und rennt Wildtieren gerne nach. Meist sorgt er damit nicht nur für unnötigen Stress, sondern kann Wildtiere auch ernsthaft verletzen oder sogar töten.
Wanderwege
Bitte bleiben Sie bei Wanderungen auf der Hauptspur. Schneiden Sie bitte auch keine Kurven bei Zick-zack-Wegen, weil jeder neue Pfad im Gelände die Erosion begünstigt. Erosion ist aber gerade im Gebirge ein großes Problem: Im Alpenraum sind insgesamt schon mehrere Hundert Quadratmeter links und rechts von Wanderwegen unnötig erodiert und weggeschwemmt worden.
Abfälle und ihre Verrottungsdauer 

| Bananen- und Orangenschalen 3–12 Monate | Organische Abfälle wie Orangen- und Bananenschalen werden von Bakterien und Bodenlebewesen abgebaut. Wegen der tieferen Temperaturen im Gebirge sind ihre Aktivitäten verlangsamt. |
| WC-Papier 3–12 Monate | Verschmutzt die Landschaft und ist für zahlreiche Tierarten giftig. |
| Zigarettenstummel 1–5 Jahre | Verschmutzen Boden und Wasser. Ein Stummel kann bis zu 1000 Liter Wasser verunreinigen. |
| Plastik und andere Kunststoffe 100–1000 Jahre | Verschmutzen die Landschaft und können Tiere verletzen. Werden Plastikteile gefressen, so sind sie für die Tiere giftig. |
| Aluminium und Weißblech Verrottet kaum je | Verschmutzen die Landschaft und können Tiere verletzen. |

Das «Kurvenschneiden» beim Wandern führt zu unnötiger Erosion.
Feuer
Viele Bergwälder haben wichtige Schutzfunktionen; zum Beispiel Schutz vor Lawinen und Erdrutschen. Ein Waldbrand kann daher verheerende Folgen haben. Beachten Sie daher stets die Hinweise zur Waldbrandgefahr in den Medien. Entfachen Sie bei trockenem, windigem Wetter kein Feuer.
Beim Grillen sollten Sie nur die bereits vorhandenen Feuerstellen benutzen, weil neue Feuerstellen stets den Unterboden und die Wurzeln der umliegenden Pflanzen und Bäume zerstören.
Sicherheit
Kinder sollten in alpinem Gelände besonders gut beaufsichtigt werden. Das gilt besonders an exponierten Stellen und in der Nähe von Gebirgsbächen. Aber auch Erwachsene sollten das Gefahrenpotenzial der Berge niemals unterschätzen: Auch auf viel begangenen Wanderwegen können plötzliche Wetterumbrüche und Nebel verheerende Folgen haben! Befragen Sie im Zweifelsfalle die lokale Bevölkerung nach ihrer Einschätzung der Situation.
Ausrüstungsliste 

Natürlich sind Beobachtungen auch ohne Spezialausrüstung möglich, doch mit ein paar Hilfsmitteln machen Naturbeobachtungen noch mehr Spaß:
| › | Notizbuch und Schreibzeug |
| › | Lupe |
| › | Fernglas |
| › | Kamera |
| › | Pflanzen- und Tierbestimmungsbücher |
| › | Taschenmesser |
| › | Apotheke mit Desinfektions- und Insektenschutzmittel |
| › | Zwischenverpflegung |
| › | Sonnenschutz (Crème, Sonnenbrille, Kopfbedeckung) |
| › | Der Witterung angepasste Kleidung (Regenschutz, warme Kleider) |
| › | Warmer Reservepullover |
| › | Gutes Schuhwerk |


Lebensraum Gebirge
Wenn Sie am Morgen unten im Tal starten, zuerst durch Rebgebiete und später über Wiesen und Weiden immer höher wandern, sind Sie am Nachmittag bereits oberhalb der Waldgrenze. Wenig später erreichen Sie den Fuß der Berge, deren Gipfel auch im Sommer immer schneebedeckt bleiben. Je nach Wandergeschwindigkeit durchqueren Sie dabei innerhalb von vier bis sechs Stunden verschiedenste Klimazonen und erleben, wie sich mit zunehmender Höhe die Vegetation und Tierarten verändern. Direkt am Bergwanderweg oder hinter dem nächsten Felsblock gibt es unterwegs viele Dinge zu entdecken und zu bestaunen! Um die gleichen Veränderungen in der Ebene zu erleben, müssten Sie 3000 km vom Mittelmeer bis nach Nordskandinavien wandern. Dafür würden Sie mehrere Wochen brauchen, während dies in den Alpen in einem Tag möglich ist!

Für Hochgebirgsarten wie den Himmelsherold (Eritrichium nanum) wird wegen der Klimaerwärmung der Lebensraum immer kleiner.
Die Alpen - ein Kurzporträt
Das wichtigste Gebirge Mitteleuropas sind die Alpen. Sie erstrecken sich bogenförmig über eine Länge von 1200 km und eine maximale Breite von 300 km. Diese Fläche von über 200000 Quadratkilometer teilen sich acht Staaten: Frankreich, Monaco, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. Mit 4810 m ü. M. ist der Mont Blanc an der Grenze zwischen Frankreich und Italien der höchste Gipfel. Weitere 127 Gipfel erreichen eine Höhe von mehr als viertausend Meter.
Alpenlandschaft

Eine schematische Darstellung des Alpenbogens, des wichtigsten Gebirges Mitteleuropas.
Das Wasserschloss Mitteleuropas
Die Alpen sind ein wichtiges Wasserschloss, weil sie in Form von Gletschereis, Schnee und Seen die Wasserreserven Mitteleuropas und das Trinkwasser für viele Millionen Menschen speichern. Auch entspringen zahlreiche große Flüsse den Alpen und werden auf ihrem Weg zum Meer zur Stromgewinnung genutzt; so zum Beispiel Po und Rhone, welche ins Mittelmeer fließen, der Rhein, welcher in die Nordsee fließt, sowie die großen Donaunebenflüsse Inn, Drau und Save, die Mitteleuropa ins Schwarze Meer entwässern.
Gletscherbach
«Alpine Fließgewässer»
«Bergseen»
«Gletscher»
Große Artenvielfalt
In den Alpen findet man auf kleinstem Raum große Unterschiede bezüglich der klimatischen Bedingungen und der Gesteins- und Bodentypen. Entsprechend vielfältig sind die Lebensräume und die darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten: Die Alpen gehören mit etwa 30000 Tier- und 13000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Viele von ihnen sind in den Alpen endemisch; d. h., sie kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor.
«Geröll und Schutt»
«Kältefeste Winzlinge»

Die Rhone entspringt wie die meisten großen Flüsse Mitteleuropas in den Alpen.

Dank der starken topografischen Strukturierung weisen Gebirge auf wenig Raum verhältnismäßig viele Lebensräume auf. Entsprechend groß ist ihre Artenvielfalt.

Noch immer heben sich die Alpen jährlich um bis zu einem Millimeter. Die Erosion trägt diesen Höhezuwachs aber zum allergrößten Teil gleich wieder ab.
Junges Gebirge
Die Alpen gehören zu den vergleichsweise jungen Gebirgen: Noch vor 100 Millionen Jahren brandete im Bereich der heutigen Alpen das Urmeer Tethys. Als durch die Kontinentaldrift die afrikanische und die europäische Kontinentalplatte zusammenstießen, hob sich langsam der Meeresboden und die Alpenfaltung begann. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen: Noch heute wachsen die Alpen jährlich um bis zu einem Millimeter. Dass die Berggipfel trotzdem nicht ständig höher werden, liegt daran, dass Frost-, Wind- und Wassererosion den Zuwachs an Höhe gleich wieder abtragen.
«Geröll und Schutt»
Menschen in den Alpen
Die Alpen wurden erst vor etwa 6500 Jahren zur Zeit der Höhlenbewohner besiedelt. Sie waren damals noch fast vollständig bewaldet; Weiden und andere waldfreie Flächen unterhalb der Waldgrenze entstanden erst durch die Rodungstätigkeit der früheren Bergbewohner. Durch ihre Gegenwart entwickelte sich auch die typische Kulturlandschaft, die durch Ackerbau und Viehwirtschaft im Alpbetrieb geprägt ist. Weil die Berglandwirtschaft heute vielerorts nicht mehr konkurrenzfähig ist, verliert sie zunehmend an Bedeutung. Dies hat zahlreiche Auswirkungen auf den Alpenraum. Zum einen erobert sich der Wald die einst verloren gegangenen Flächen wieder zurück, zum anderen verändert sich aber auch die Bevölkerung und deren Einnahmequellen: Landwirtschaftliche Tätigkeiten werden immer mehr durch solche aus der Tourismusbranche ersetzt. Heute werden im Alpenraum jährlich rund 500 Millionen Touristen-Übernachtungen gezählt. Der Alpenraum gehört damit zu den größten Tourismusdestinationen der Welt. Im gesamten Alpenraum leben 13,6 Millionen Menschen. 40 % der Fläche ist nur im Sommer oder gar nie bewohnt.
Alpaufzug
«Vorbereitung für den Ausflug ins Gebirge»
Große Veränderungen
Die Klimaerwärmung ist besonders in den Alpen spürbar: Die steigenden Temperaturen lassen die Gletscher schmelzen und tauen die Permafrostböden auf. Die Folge davon sind instabile Böden, die nicht selten zu Felsstürzen und Erdrutschen führen. Auch die zunehmenden meteorologischen Extremereignisse hinterlassen ihre Spuren: Trockenheit im Sommer führt zu mehr Bränden in Schutzwäldern und Dauerregen zu verheerenden Murgängen. Nicht alle Veränderungen sind aber so offensichtlich. So fällt es beispielsweise nicht so leicht auf, dass die milderen Temperaturen die Waldgrenze nach oben verschieben und dadurch Pflanzen, die bisher nur in tieferen Lagen überlebten, immer höher hinauf steigen. Problematisch ist das für Hochgebirgsarten wie das Alpenschneehuhn oder den Himmelsherold, da deren Lebensraum durch diese Entwicklung immer kleiner wird. Von der Klimaerwärmung sind aber nicht nur Pflanzen und Tiere betroffen, sondern auch die Menschen: Das wird spätestens dann klar, wenn ausgedünnte Schutzwälder Lawinen nur noch unzureichend zurückhalten oder der Wintertourismus wegen Schneemangel an Schwung verliert.
Murgang
«Bergwald und Naturgefahren»
«Schokolade-, Pferdeschweiß- und Pfirsichdüfte»
Alpenschneehuhn

Weideland am Simplonpass (Schweiz), einem der großen Nord-Süd-Pässe im westlichen Alpenraum.

500 Millionen Touristenübernachtungen werden im Alpenraum jährlich gezählt.

Im Gebirge kann sich das Wetter schnell ändern.
Eigenschaften des Gebirges
Wer ins Gebirge fährt, spürt am eigenen Leib, dass die Bedingungen in den Bergen anders sind als in tieferen Lagen.
Klima
Die klimatischen Verhältnisse in den Bergen wechseln häufiger, abrupter und sind extremer als im Flachland. Die Temperaturen sind generell tiefer, die Lufttrockenheit höher, die Winde stärker, die Vegetationszeit kürzer und die Bodenverhältnisse ungünstiger. Das setzt nicht nur Spezialisierungen bei Pflanzen und Tieren voraus, sondern erfordert auch angemessene Vorbereitung beim Wandern: Auf Bergwanderungen können Sie oft in überraschend kurzer Zeit eingenebelt werden. Auch an heißen Sommertagen sind Sie froh um warme Kleider, wenn unerwartet Wind aufkommt oder die Bewölkung zunimmt.
«Mit Haaren, Wachs und Pigmenten»
Polster
Rosettenpflanzen

Bei einer Inversionslage ist es unter der Nebeldecke kälter als in höheren Regionen.

Nach einem sommerlichen Kälteeinbruch sind die Berggipfel verschneit.

Dank dem Schnee ist es im Winter sehr hell im Gebirge.
Temperatur
Die Luft wird mit zunehmender Höhe kühler. Im Herbst und Winter nimmt die Temperatur etwa 0,4 °C pro hundert Höhemeterab, im Frühling und Sommer etwa 0,7 °C. Eine Ausnahme bildet die sogenannte «Inversionslage». Sie tritt ein, wenn das Flachland während Tagen unter einer Nebeldecke liegt, während darüber strahlender Sonnenschein herrscht. In diesem Falle ist es über der Nebeldecke wärmer als darunter.
Nebelmeer
Dauer und Stärke des Frostes nehmen mit der Höhe zu, oberhalb von 3000 m ü.M. ist auch im Sommer jederzeit Frost und Schneefall möglich.
Strahlung
Die UV-Einstrahlung am Tag und die Ausstrahlung (Abkühlung, Wärmeverlust) bei Nacht sind stärker als in Tallagen. Bevor die Sonnenstrahlen den Erdboden erreichen, werden sie von Wassertröpfchen und Staubteilchen gestreut oder von der Luft aufgenommen und in Wärme verwandelt. In der dünnen Luft im Gebirge ist die Sonneneinstrahlung größer als im Unterland und die UV-Strahlung ist entsprechend stärker. Auf 1800 m ist sie doppelt so stark wie auf Meereshöhe. Auf 1600 m ist es im Sommer zwei Mal, im Winter sogar sechs Mal so hell wie auf Meereshöhe. Sie müssen sich öfters eincremen oder eine Sonnencreme mit einem stärkeren Schutzfaktor benutzen. Ungeschützt holen Sie sich im Gebirge viel schneller einen Sonnenbrand als im Unterland.

Um die Gipfel schweben oft Wolken, während im Tal die Sonne scheint.
Niederschlag
Die jährliche Niederschlagsmenge und der Schneeanteil nehmen mit der Höhe zu, ebenso die Bewölkung im Gipfelbereich. Während die schneefreie Zeit auf der Sonnenseite auf 1000 m etwa neun Monate dauert, ist sie auf 2500 m nur noch etwa 3 Monate lang. Im Gipfelbereich sind Sie oft in den Wolken, während unten im Tal die Sonne ungehindert scheint.
«Wolkenfahnen, Mischungsnebel und Brockengespenst»
Luftdruck
Der Luftdruck nimmt mit der Höhe ab. Auf Meereshöhe beträgt er ungefähr 760 mm Hg, auf 4300m nur noch 450mm Hg. Je kleiner der Luftdruck oder je größer die Meereshöhe, desto weniger Feuchtigkeit und CO2 enthält die Luft, sie wird, mit anderen Worten, «dünner». Wenn Sie auf niedriger Meereshöhe leben, fühlen Sie am ersten Tag in den Bergen oft die ungewohnte Höhe. Vielleicht schlafen Sie daher schlecht oder leiden unter Kopfschmerzen. Treppensteigen oder Bergaufwandern scheint anstrengender als zu Hause. Sie fühlen sich in der trockenen Luft durstiger und brauchen mehr zu trinken.

Wind und Exposition beeinflussen die Ausaperung.
Wind und Exposition
Die Häufigkeit und Stärke des Windes nehmen mit der Höhe zu. Wind beeinflusst die Schneeverteilung, die Ausaperungszeit und damit die Zusammensetzung der Vegetation. Unterschiede zwischen Nord- und Südseite werden mit zunehmender Höhe immer größer. Kleinräumig kann die Exposition und damit die Vegetation alle paar Meter wechseln. Der Einfluss des Mikroklimas wird dabei immer wichtiger und kann Großklima und Meereshöhe überspielen. Sie können daher in großer Höhe oft an einer sonnigen Kuppe rasten, während es wenige Meter davon entfernt im Schatten und Wind bereits sehr ungemütlich ist.
«Zu kurze Vegetationszeit»
Fragen
| › | Die Vegetationszeit nimmt mit zunehmender Höhenlage ab. Wie viel länger dauert sie auf 1000 m ü.M. im Vergleich zu 2500 m ü.M.? |
| › | Welches Wetter herrscht über der Waldgrenze bei einer Inversionslage? |
Antworten
Höhenstufen
Höhenstufen werden vor allem durch die Dauer der Vegetationszeit bestimmt. Diese werden von den jeweiligen Durchschnittstemperaturen beeinflusst. Bei einer Reise vom Flachland in die Berge sind die Veränderungen in der Vegetation mit zunehmender Höhe deutlich zu erkennen: Die Buchenwälder der tiefen Lagen werden von Nadelwäldern abgelöst und die Äcker und Felder von Wiesen und Weiden. Die verschiedenen Höhenstufen bilden dabei keine starren Grenzen, sondern gehen oft fließend ineinander über. Die deutlichste Grenze bildet die Waldgrenze, welche den Übergang von waldfähigen Standorten zu den niedrigen alpinen Rasen anzeigt und fürjedermann leicht zu erkennen ist.
«Pionierpflanzen im Hochgebirge»
«Wald - und Baumgrenze im Gebirge»
«Alpine Rasen»
Je nach Breitengrad, regionalem Klima und Exposition sind die Höhenstufen sehr variabel. Wegen der größeren Sonneneinstrahlung in den Zentral- und Südalpen liegen die Höhenstufen in diesen Regionen deutlich höher als in den Nordalpen oder im Jura. Auch zwischen Sonnen- und Schattenseite eines Tals gibt es Unterschiede. Mit zunehmender Höhe werden die Umweltbedingungen extremer, und die Wirkung des Schattens nimmt zu. In der alpinen Stufe sind die Unterschiede noch größer, weil der Wald als ausgleichender Faktor fehlt.

Die Höhenstufen im Gebirge.
Kolline Stufe (Hügelstufe)
| Bis zur oberen Verbreitungsgrenze der Eiche (ca. 800 m ü.M.) | |
| Vegetation | Sommergrüne, wärmeliebende Laubwälder mit Eiche, Linde, Nussbaum und Hagebuche |
| Nutzung | Vor allem durch Wein- und Ackerbau |
Montane Stufe (Mischwaldstufe)
| Bis zur oberen Verbreitungsgrenze der Buche (bis ca. 1000 m ü. M.) | |
| Vegetation | Laubmischwälder mit Buchen, Weißtannen, Bergahorn |
| Nutzung | Ackerbau, Wiesen und Weiden |
Subalpine Stufe (Bergwaldstufe)
| Bis zur Waldgrenze (ca. 1900 m ü.M. auf der Alpennordseite; ca. 2400 m ü. M. in den Zentralalpen) | |
| Vegetation | Nadelwälder mit Fichte, Föhre, Lärche, Arve. Die Vegetationszeit dauert länger als 100 Tage. |
| Nutzung | Weidenutzung. Oft nur im Sommer Alpbetrieb und nicht mehr ganzjährig bewohnt. |
Alpine Stufe (Rasenstufe)
| Bis ca. 2900 m ü. M. | |
| Vegetation | Rasen, Schuttvegetation und in Gunstlagen Zwergsträucher. Die Vegetationszeit dauert 60-80 Tage. |
| Nutzung | Im Sommer Alpbetrieb |
Nivale Stufe (Schneestufe)
| Ab ca. 2900 m ü. M. | |
| Vegetation | Blütenpflanzen kommen nur noch an mikroklimatischen Gunstlagen (südexponierten oder rasch ausapernden Stellen) vor. Reich der Moose, Algen und Flechten, die bis auf die höchsten Gipfelsteigen können. |
| Nutzung | keine |
Beobachtungstipps 
| › | Versuchen Sie, die verschiedenen Höhenstufen aus der Landschaft herauszulesen. Lassen Sie sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen: Die Abstufungen sind in der Natur niemals so eindeutig, wie die Tabelle suggeriert! |
| › | Nicht nur die Natur, auch die menschlichen Aktivitäten haben ihre Höhenstufen. Versuchen Sie, die unterschiedlichen Bewirtschaftungen auf den Sonnen- und Schattenseiten der Täler zu erkennen. |
Fragen
| › | Auf welcher Seite des Tales steigt die Waldgrenze im Allgemeinen höher; auf der Sonnen- oder auf der Schattenseite? |
| › | Ab welcher Höhenstufe gibt es keinen kommerziellen Weinbau mehr? |
| › | Welche Höhenstufe folgt oberhalb der Waldgrenze? |
| › | Weshalb gibt es überhaupt verschiedene Höhenstufen? |
| › | Warum sind die Höhenstufen variabel? |
Antworten

Die unterschiedlichen Vegetationsstufen; hiervon unten nach oben die subalpine, alpine und nivale Stufe.
Wald- und Baumgrenze im Gebirge
Die Höhenstufen gehen meist fließend ineinander über, doch die Waldgrenze ist eine klare, auffällige Grenze. Von einer bestimmten Höhe an sind die Sommer zu kurz, als dass Wald und Bäume wachsen könnten. Es sind nicht Extremtemperaturen im Winter, sondern zu tiefe Temperaturen im Sommer, die das Wachstum der Bäume von einer bestimmten Meereshöhe an verunmöglichen. Die Waldgrenze ist klimatisch beeinflusst. Allerdings verläuft sie in vielen Gebieten im Alpenraum tiefer als es von Natur aus möglich wäre, weil sie durch forst- und landwirtschaftliche Nutzung nach unten gedrückt wurde.
Alpaufzug
Die Waldgrenze ist die Linie am oberen Rand eines geschlossenen Waldes. Oberhalb dieser Linie wachsen nur noch einzelne Baumgruppen und Einzelbäume. Bei den höchstgelegenen Bäumen verläuft die Baumgrenze. Die Waldgrenze wird in den Nordalpen auf etwa 1900 m ü. M. von Fichtenwald gebildet. Weil in den Süd- und Zentralalpen die Sommer wärmer und strahlungsreicher sind, verläuft die Waldgrenze des Lärchen-Arvenwalds auf etwa 2400 m ü.M.
Fichte
Zu kurze Vegetationszeit
Mit zunehmender Meereshöhe sinken die Temperaturen. Die Sommer sind kühler und kürzer und die Winter länger und kälter. Die Vegetationszeit, in der Pflanzen wachsen können, wird deshalb immer kürzer. Von einer bestimmten Höhe über Meer an ist die Vegetationszeit zu kurz für Laubbäume, die jedes Jahr neue Blätter produzieren müssen. Doch für die Lärche, die zu den am höchsten steigenden Baumarten gehört, reicht auch eine kurze Vegetationszeit aus, um jährlich ihre Nadeln zu erneuern. Lärchennadeln sind im Vergleich zu denen von anderen Nadelbäumen richtige Billigprodukte. Das macht aber nichts, da sie nur für eine Saison gebraucht werden.
«Typische Bäume des Bergwaldes»
Von einer bestimmten Höhe an sind die Sommer dann auch für Nadelbäume zu kurz. Wenn Nadelbäume nicht mehr genug Energie produzieren können, werden die Außenschichten ihrer Nadeln nicht mehr richtig ausgebildet und schützen die Bäume nicht mehr ausreichend vor Verdunstung. Damit steigt das Risiko für Frosttrocknisschäden. Diese entstehen, wenn die Nadeln erwärmt werden und dabei Wasser verdunsten, der Boden aber noch gefroren ist und es daher zu keinem Wassernachschub kommen kann. Die Triebe der Bäume trocknen dadurch immer mehr aus. Im schlimmsten Falle können die Bäume auf diese Weise verdursten.
Von einer bestimmten Höhe an schränkt die kurze, kühle Vegetationszeit auch die Aktivität der Bodenlebewesen und der für die Bäume überlebenswichtigen Mykorrhizapilze ein. Dies beeinträchtigt die Wasser- und Nährstoffaufnahme durch die Wurzeln.
Im Bereich der Baumgrenze sind die Bäume von Wind und Wetter gezeichnet. Sie wachsen niedriger und sehen jünger aus, als sie sind: Wenige Meter hohe Fichten können bereits über zweihundertjährig sein. Im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung beobachten Wissenschafter ein Ansteigen der Waldgrenze. Wenn der Wald höher steigt, verkleinert sich unter anderem der Lebensraum für Murmeltiere und für lichtliebende Alpenpflanzen.
Beobachtungstipps 
| › | Suchen Sie im Bergwald nach abgesägten Stämmen und zählen Sie die Jahrringe. Vermutlich werden Sie feststellen, dass viele Bäume viel älter sind, als sie aussehen! |
| › | Versuchen Sie im Gelände Wald- und Baumgrenzen zu unterscheiden. |
Fragen
| › | Was ist der Unterschied zwischen der Wald- und der Baumgrenze? |
| › | Welche Temperaturen beeinflussen die Wald- und Baumgrenze stärker; die Sommer- oder die Wintertemperaturen? |
| › | Wie entstehen Frosttrocknisschäden? |
Antworten

Rechte Seite: Mit dem Begriff «Waldgrenze» wird die Linie am oberen Rand des geschlossenen Waldes bezeichnet. «Baumgrenze» meint hingegen die Linie zwischen den höchstgelegenen Bäumen.
Herkunft der Alpenpflanzen
Wer erwartet auf einer Bergwanderung, Steppenpflanzen aus Asien anzutreffen? - Tatsächlich stammen viele Alpenpflanzen ursprünglich aus osteuropäischen oder zentralasiatischen Steppengebieten. Edelweiß (Leontopodium alpinum), Alpen-Aster (Aster alpinus), Enzian- und Alpenrosen-Arten wurden erst nach den Eiszeiten in Mitteleuropa heimisch. Als Pflanzen, die an ein kontinentales Steppenklima angepasst sind, erfüllen sie gleichzeitig auch die Bedingungen, um im Hochgebirge überleben zu können. Sie sind angepasst an gelegentliches Austrocknen und unempfindlich gegenüber starker Sonneneinstrahlung, großen Temperaturunterschieden und starkem Wind.
Kasten «Wo findet man das Edelweiß?»
Edelweiß
Tertiärflora
Vor 50 Mio. Jahren, im Erdzeitalter Tertiär, als die Gebirgsbildung der Alpen in vollem Gange ware, bestanden zwischen fast allen Kontinenten Landbrücken, sodass sich Pflanzen über große Teile der Erde ausbreiten konnten. Die Alpen befanden sich damals im Bereich eines subtropischen Klimas mit einer Temperatur von 22 °C im Jahresmittel. Im Flachland wuchsen wärmeliebende Pflanzen wie Palmen und Amberbaum, während sich in den kühleren Höhenlagen eine krautige Vegetation entwickelte. Kleinwüchsige Verwandte davon wachsen noch heute in den Alpen, zum Beispiel Frauenmantel- oder Hauswurz-Arten.
«Zwergwuchs - eine Erfolgsstrategie»
Flora der Eiszeiten
Am Ende des Tertiärs wuchs in den Alpen eine sehr artenreiche Flora, welche die Grundlage der heutigen Flora bildet. Klimaabkühlungen führten zum Verschwinden von wärmebedürftigen Arten. Pflanzen aus Skandinavien konnten unter den kühleren Bedingungen die Tiefebenen überwinden und sich Richtung Alpen ausbreiten. Umgekehrt wanderten Alpenpflanzen mit den Gletschern in die Tiefebenen und gelangten bis nach Skandinavien (z. B. Schwarzes Kohlröschen (Nigritella nigra) und Bärtige Glockenblume (Campanula barbata)).
Bärtiges Kohlröschen
Aktuelle Flora
Einige Gebiete in den Alpen sind artenreicher als andere. Dieser Artenreichtum wurde gefördert durch besondere klimatische Verhältnisse mit trockenen, strahlungsreichen Sommern, Böden aus vielfältigen Gesteinen sowie günstigen Bedingungen für Pflanzen während den Eiszeiten. Viele Gipfel waren eisfrei (sogenannte Nunatakker), sodass auf ihnen einige Pflanzenarten die Eiszeiten überdauern konnten. Zusätzlich zu solchen Glazialrelikten wurde die Flora mit Pflanzen aus allen Himmelsrichtungen bereichert. Viele Arten konnten nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10000 Jahren rechtzeitig einwandern und die ausgedehnten Gletschervorfelder besiedeln, bevor dies wegen der Bewaldung nicht mehr für alle Arten möglich war. 4000 Jahre später breiteten sich in tieferen Lagen Wälder aus, welche für viele lichtliebende Arten unüberwindbare Hindernisse bildeten.
«Gletschervorfelder»

Die Immergrüne Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) ist aus Nordamerika eingewandert.
Herkunftsgebiete heutiger Alpenpflanzen 
| Steppengebiete Osteuropas und Zentral- und Ostasiens | Enzian- und Rhododendron-Arten, Edelweiß (Leontopodium alpinum) |
| Aus Nordamerika (via Asien, über die Landbrücke an der Stelle der heutigen Bering-Straße) | Arnika (Arnica montana), Immergrüne Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) |
| Mittelmeerraum | Narzissen und Krokus-Arten, Federgräser |
| Skandinavien | Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis), Frauenmantel-Arten (Alchemilla Agg.) |

Arnika (Arnica montana)

Die Gattung der Enziane ist in den Alpen mit mehreren Arten vertreten.

Krokusse können dank Reserven in den Zwiebeln gleich nach der Schneeschmelze blühen.
15 % aller Alpenpflanzen sind endemisch; d. h. sie wachsen nur in den Alpen.
Beobachtungstipp 
Schauen Sie sich in der «Natur-erleben»-App oder einem Bestimmungsbuch die im Text erwähnten Pflanzen an und versuchen Sie diese auf Ihrer nächsten Bergwanderungen zu finden.
Fragen
| › | Welche Eigenschaften haben Steppen- und Alpenpflanzen gemeinsam? |
| › | Wann wuchsen Palmen im Alpenraum? |
| › | Was sind Nunatakker? |
| › | Wann ist eine Pflanze ein Glazialrelikt? |
| › | Welche Alpenpflanze mit gelben Blüten stammt aus Nordamerika? |
| › | Woher stammt das Edelweiß? |
Antworten



1 Vögel im Gebirge
2 Zwergwuchs - eine Erfolgsstrategie
3 Murmeltiere
4 Alpine Fließgewässer - Leben in der Strömung
5 Kalk und Silikat
6 Pflanzen auf Felsen und in Spalten
7 Essbare Alpenpflanzen
8 Kurzinformation Frühling
Einleitung Frühling
Auf den Berggipfeln liegt noch Schnee, doch in den rauschenden Bergbächen sprudelt bereits viel Schmelzwasser talwärts. Von unten nach oben breitet sich unaufhaltsam der Frühling aus. Auf den tiefer gelegenen Alpweiden blühen zwischen den Schneeflecken Krokusse und Soldanellen, und es riecht nach Erde und frischem Gras. In den aufgetauten Bergseen laichen Grasfrösche, und an sonnigen Plätzchen wärmen sich Vipern an der Frühlingssonne. Erste Bergwanderer hören Vögel zwitschern und die Rufe der Murmeltiere von den Felsen widerhallen. Die Murmeltiere sind aus dem Winterschlaf erwacht und tollen noch etwas mager auf den grünenden Alpweiden herum. Früh am Morgen zur Birkhahnbalz kullern die Birkhähne. Trotz diesen Frühlingszeichen kann es immer noch bis in tiefe Lagen schneien.
Vögel im Gebirge
Im Frühling fallen die zahlreichen Vogelarten im Gebirge besonders auf: Bis weit über die Waldgrenze hört man sie singen, kann sie beim Segeln in günstiger Thermik oder bei spektakulären Balzritualen beobachten. Trotz der Artenvielfalt gibt es aber nur wenige Arten, die ausschließlich im Hochgebirge leben. Viele typische Alpenvögel sind auch im Tiefland, an der Meeresküste und selbst in den Städten heimisch. Das gilt zum Beispiel für die Bergdohlen und Alpensegler, welche auch in den felsigen Steilküsten am östlichen Mittelmeer zu beobachten sind, oder die Alpenkrähen, welche die britische und irische Atlantikküste besiedeln. Adler segeln auch über nord- und osteuropäischen Ebenen und brüten dort auch auf Bäumen, wenn geeignete Felsen fehlen. Trotzdem gibt es auch einige wirklich typische Gebirgsvögel. Dazu zählen der Schneesperling, der Bergpieper, die Alpenbraunelle sowie das Schnee- und das Steinhuhn.
Bergdohlen
«Wenn das Herz vor Schreck fast stehenbleibt»
Schneesperling (Montifringilla nivalis)

Schneesperling
| Lebensraum | Steinige Rasen, Moränen, Schutthalden in der Nähe steiler Felsen. Lebt in Höhen ab 1900 m ü. M. |
| Merkmale | Hat einen braunen Rücken und schwarz-weiße Flügel, die besonders im Flug auffallen. Sucht zwischen Steinen und Gräsern nach Spinnen, Insekten, Beeren, Knospen und Samen. Trillernder Gesang, der auch im Flug vorgetragen wird. |
| Besonderes | Der Schneesperling nistet in Felsspalten, im Geröll oder in Nischen von Gebäuden und Lawinenverbauungen. Er ist oft in Gruppen auf der Futtersuche. Der Schneesperling ist nur bei starkem Schneefall unterhalb der Waldgrenze zu finden. |
Alpenbraunelle (Prunella collaris)

Alpenbraunelle
| Lebensraum | Sonnige, steile und felsige Hänge ab etwa 2000m ü.M. Ist bis auf über 3000 m ü. M. zu beobachten. |
| Merkmale | Sieht dem Haussperling ähnlich, ist grau-schwarz gesprenkelt mit rötlichen Seitenfedern. Die Beine sind bräunlich gelb. Sucht oft hüpfend am Boden nach Insekten und Samen. Zwitschernder, für einen Vogel dieser Größe erstaunlich lauter Gesang. |
| Besonderes | Die Alpenbraunelle nistet in Felsnischen und Bodenmulden. Kann sehr zutraulich sein, z. B. in der Umgebung von Bergstationen und Berghütten. Fliegt in sehr kalten Wintern in die Täler hinunter. |
Bergpieper (Anthus spinoletta)

Bergpiper
| Lebensraum | Zwergstrauchheiden, Bergwiesen mit Bächen und Felsen auf 1800-2800 mü.M. |
| Merkmale | Unauffällig graubraun mit weißem Überaugenstreif. Sein Schnabel und seine Beine sind schwarz. Sucht am Boden und auf Steinen nach Spinnen, Insekten und Samen. Sein Gesang erinnert an Bewässerungsanlagen mit Sprinkler. |
| Besonderes | Der Bergpieper nistet am Boden zwischen Steinen und Grasbüscheln. Er überwintert in schneearmen Regionen im Gebirge und in Riedgebieten in tieferen Lagen. |
Steinhuhn (Alectoris graeca)

| Lebensraum | Sonnige, sehr steile Grashänge zwischen 500 und 2700 m ü.M., die mit Felsen und Geröll durchsetzt sind. |
| Merkmale | Hühnergroßer, grauer Vogel mit schwarz-weiß gesprenkelten Seiten, rotem Schnabel und roten Füßen, weißen Wangen und schwarzem Band, das sich in einem Bogen um die Augen und um die Kehle zieht. Frisst Pflanzen und Samen, hat einen auffallend schnarrenden Ruf. |
| Besonderes | Das Steinhuhn hält sich vor allem am Boden auf. Es versteckt sich bei Gefahr oder flieht durch einen plötzlichen Flug hangabwärts. Das Steinhuhn nistet geschützt unter Steinen oder Büschen am Boden und schließt sich im Winter zu größeren Gruppen zusammen. Bei starkem Schneefall zieht es sich entweder in niedrigere Lagen zurück oder steigt in höhere Lagen, wo der Schnee an Steilhängen rasch abgleitet und das Gras wieder erreichbar ist. |
Geeignet für ein Leben im Gebirge
Vögel brauchen keine besonderen körperlichen Anpassungsfähigkeiten, um im Hochgebirge leben zu können. Im Gegensatz zu den Säugetieren, die in großen Höhen mit dem geringeren Sauerstoffgehalt der Luft und der Kälte zu kämpfen haben, sind diese Faktoren für Vögel kein Problem. Ihre Federn bieten besseren Schutz gegen die Kälte als jedes Fell, egal, ob sie im Flachland leben oder im Hochgebirge. Auch ist die Vogellunge leistungsfähiger gebaut als diejenigen der Säugetiere. Das Blut der Vögel kann dadurch viel mehr Sauerstoff aufnehmen, was Sauerstoffmangel in großer Höhe verhindert. Deshalb gibt es auch so viele Vogelarten, die nicht nur in tiefen Lagen, sondern zumindest im Sommer auch in den Bergen leben können. Nur Meeresvögel oder Arten weiter, offener Ebenen kommen im Gebirge nicht vor, weil sie dort keine geeigneten Lebensräume finden konnten.
«Eigenschaften des Gebirges»
Bedrohte Rückzugsgebiete 

Braunkehlchen (Saxicola rubetra)
Viele Vogelarten, die früher auch in tieferen Lagen verbreitet waren, kommen heute fast nur noch in den Bergregionen vor; so zum Beispiel das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und das Haselhuhn (Etrastes bonasia). Sie haben sich in die Berge zurückgezogen, weil in tieferen Lagen geeignete Lebensräume und Rückzugsmöglichkeiten nicht mehr vorhanden sind. Doch auch im Gebirge nimmt der Druck auf diese Vögel zu: Mit der Klimaerwärmung verändern sich nicht nur die Durchschnittstemperaturen, auch Extremereignisse wie Stürme und heftige Niederschläge nehmen zu. Aber auch die Aufgabe traditioneller Formen der Berglandwirtschaft wirkt sich negativ auf viele Arten aus, da zahlreiche Flächen unterhalb der Waldgrenze heute nicht mehr bewirtschaftet werden und dadurch verbuschen und mit der Zeit wieder völlig von Wald bewachsen werden. Damit verschwinden die artenreichen Wiesen, in denen Haselhuhn, Braunkehlchen und viele andere Arten ihr Futter haben finden können.
Braunkehlchen
Beobachtungstipps 
| › | Achten Sie auf Bergwanderungen auf Vogelstimmen, die Ihnen aus der Stadt bekannt sind (z. B. Hausrotschwanz). |
| › | Viele Vögel im Gebirge haben sich an die Menschen gewöhnt. Sie lassen sich besonders gut bei Bergstationen, Bergrestaurants oder populären Ausflugsgipfeln beobachten. |
| › | Beobachten Sie, wie Alpendohlen die Thermik für ihre stundenlangen Gleitflüge nutzen. |
Fragen
| › | Alpendohle und Alpenkrähe kommen sowohl in den Alpen als auch an Meeresküsten vor. Was ist der Grund dafür? |
| › | Welche Vorteile haben Vögel im Hochgebirge gegenüber Säugetieren in Bezug auf ihren Körperbau? |
| › | Welcher Alpenvogel ernährt sich fast nur vegetarisch? |
Antworten
Zwergwuchs - eine Erfolgsstrategie
Unter den oft extremen Klimabedingungen im Gebirge lohnt es sich für Pflanzen, klein zu bleiben: Mit ihrem niedrigen Wuchs können sie die Bodenwärme stärker ausnützen und sind besser vor Wind geschützt; sie verdunsten weniger Wasser, erhalten rascher Wassernachschub aus dem Boden und sind im Winter unter einer Schneedecke vor der Kälte gut geschützt. Zwergwüchsige Pflanzen sind nicht einfach nur kleiner, sondern bilden auch spezielle Zwergwuchsformen:
«Wie Pflanzen überwintern»
«Fünf Strategien, den Schutt zu besiedeln»
Polster
Der Haupttrieb der Polsterpflanzen verzweigt sich dicht am Boden. Die Seitentriebe verzweigen sich regelmäßig, sodass ein in sich geschlossenes, halbkugeliges Gebilde entsteht. Im Innern eines solchen Polsters ist es windstill, was ein wärmeres Mikroklima und eine geringe Verdunstung von Feuchtigkeit mit sich bringt. Polsterbildende Bergpflanzen sind zum Beispiel die zahlreiche Mannsschild- und Steinbrech-Arten sowie die Polstersegge.
Polsterpflanzen
«Pflanzen auf Felsen und in Spalten»

Schematischer Querschnitt durch ein Polster.

Polstersegge (Carex firma)
Rosette
Die untersten Blätter bilden dicht am Boden einen Blattkranz, den nur die Blüter überragen. Rosetten kann man zum Beispiel beim Hungerblümchen (Erophila verna) sowie bei Primel- und Hauswurz-Arten beobachten.
Rosetten-bildende Pflanzen

Schematischer Querschnitt durch eine Rosette.

Die dicht behaarte Spinnweb-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum) ist gut gegen Verdunstung und starke Sonnenstrahlung geschützt.
Horste
Einzelne Pflanzen bilden aus vielen, dicht aneinanderliegenden Trieben kleine Rasenbüschel, die zusammen einen Horst ergeben. Horste sieht man bei vielen Gräser-, Seggen-, Edelrauten- und Nelken-Arten.
Horst-bildende Pflanzen

Schematischer Querschnitt durch einen Horst.

Die Sumpfblättrige Weide (Salix retusa) profitiert von der Bodenwärme.
Spalier
Spalier-bildende Gebirgspflanzen erwecken den Anschein, als ob ihre Blätter und Stängel dem Boden entlangkriechen würden. Typische Spalierarten sind die Weiße Silberwurz (Dryas octopetala), die Alpenazalee (Loiseleuria procumbens) und die Stumpfblättrige Weide (Salix retusa).
Spalier-bildende Pflanzen

Schematischer Querschnitt durch einen Spalier.

Von Erde unbedeckter Horst der Immergrünen Segge (Carex sempervirens).
Beobachtungstipp 
Versuchen Sie, den verschiedenen Typen von Zwergwuchsformen entsprechende Pflanzen zu zuordnen und diese mithilfe der «Natur-erleben»-App oder eines Pflanzenführers zu bestimmen.
Fragen
| › | Welche Vorteile bringt der Zwergwuchs den Pflanzen im Gebirge? |
| › | Warum können nicht alle Pflanzenarten Zwergwuchsformen bilden? |
Antworten
Murmeltiere
Je nach Region erwachen Murmeltiere (Marmota marmota) im April oder erst im Mai aus ihrem Winterschlaf. Eine neue, kurze und intensive Saison liegt vor ihnen. Bevor sie sich im Oktober wieder für den Winterschlaf zurückziehen, müssen sie Nachwuchs gebären und Fettreserven für den nächsten Winterschlaf anfressen. Doch mit den zunehmenden Temperaturen im Sommer wird dies immer schwieriger: Murmeltiere sind zwar gut an Kälte angepasst, doch sie ertragen Hitze nur schlecht. Da ihr Pelz auch im Sommer sehr dicht ist und sie weder schwitzen noch hecheln können, kommen sie bereits bei Temperaturen von 20 °C in Hitzestress. Man kann sie aber auch noch auf 3000 m ü.M. beobachten, falls ein ausreichendes Futterangebot vorhanden ist. Murmeltiere sind damit echte Hochgebirgsbewohner.
«Höhenstufen»
Wenn die Siesta stressig wird
Murmeltiere sind von Tagesanbruch bis zum späten Vormittag aktiv und futtern dabei zarte Alpenkräuter und Gräser. Damit sie genügend Fettreserven für den Winter anfressen können, sollten sie pro Tag etwa 500 g Kräuter und Gräser zu sich nehmen. Das entspricht ungefähr 10 Prozent ihres Körpergewichts im Herbst! Während der heißen Mittagsstunden ziehen sie sich dann in ihren schattigen Bau zurück und kommen erst wieder am späteren Nachmittag ans Tageslicht. Sie vermeiden mit diesem Verhalten, allzu sehr den warmen Mittagstemperaturen ausgesetzt zu sein.
Wenn im Zusammenhang mit dem Klimawandel die sommerlichen Temperaturen steigen und es während des Tages für Murmeltiere zu heiß wird, bleiben sie länger in ihrem Bau. Ihre Siestazeit wird dadurch unfreiwillig verlängert, weshalb ihnen weniger Zeit zum Fressen bleibt. Sobald es dunkel wird, ziehen sie sich in ihre Bauten zurück. Murmeltiere sind tagaktiv und können die fehlende Zeit zum Fressen nicht einfach in den kühlen Abendstunden oder in der Nacht kompensieren.
Murmeltiere
Kurzfristig betrachtet, scheinen einige der weltweit 14 Murmeltierarten zunächst vom Klimawandel zu profitieren. Sie können mehr Junge aufziehen und sich vermehren. Doch längerfristig könnte sich der Lebensraum aller Murmeltierarten durch die Erhöhung der Durchschnittstemperaturen und dem damit verbundenen Aufsteigen der Baumgrenze verkleinern.
«Die Alpen - ein Kurzporträt»

Murmeltiere in den Alpen.
Abnehmen im Winterschlaf
Ein kompliziertes Wechselspiel zwischen abnehmender Tageslänge, hormonellen Veränderungen und dem Jahresrhythmus ihrer inneren Uhr leitet im Herbst ihren Winterschlaf ein. Dabei sinkt die Körpertemperatur der Tiere von 39 °C auf ungefähr 7 °C. Gleichzeitig verlangsamt sich ihr Herzschlag von ca. 100 Schlägen pro Minute auf nur noch zwei bis drei. Ihre Atmung setzt minutenlang aus. Trotz diesen dramatischen Einschränkungen der Lebensfunktionen wird die Körpertemperatur nach wie vor strikte reguliert: Sinkt sie nämlich unter einen bestimmten Wert, so reagiert eine Art körpereigener «Thermostat», welcher durch das Verbrennen von Fettreserven die Tiere wieder auf die erforderlichen 7 °C erwärmt.
«Überwintern im Gebirge»
Ein Murmeltier muss sich im Verlauf des Sommers so viele Fettreserven anfressen, dass es während des Winterschlafs den Verlust von bis zu 50 Prozent seines Körpergewichts überleben kann. Im Herbst wiegen ausgewachsene Tiere daher bis zu 5 Kilogramm. Murmeltiere überwintern in Gruppen von bis zu 20 Tieren. Ihre Überwinterungsbauten liegen bis zu sieben Meter tief unter dem Boden und sind daher von der Außenwelt gut geschützt. Die Tiere liegen dort eingerollt und dicht aneinandergeschmiegt beieinander. Sie vermindern so gegenseitig den Verlust von Wärme, was vor allem für die Jungtiere überlebenswichtig ist, da sie in ihrem ersten Sommer noch nicht ausreichend Zeit haben, um große Fettreserven anzufressen. Außerdem ist ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen größer als bei den ausgewachsenen Tieren, sodass sie mehr Wärme abstrahlen. Jungtiere sind deshalb am meisten gefährdet, im Frühling nicht mehr aufzuwachen.
Abgemagertes, junges Murmeltier nach seinem Winterschlaf

Murmeltier im Spätsommer; die Fettreserven am Körper sind bereits gut sichtbar.
Pfiff oder Schrei? 
Zwar erinnern die Murmeltierlaute ganz klar an Pfiffe, physiologisch gesehen sind es aber Schreie. Grund: Sie werden durch den Kehlkopf und nicht durch die Lippen- und Zungenstellung erzeugt.
Mit mehreren Pfiffen hintereinander wird vor Bodenfeinden wie dem Fuchs, aber auch vor Menschen gewarnt. Ein einziger Pfiff warnt vor dem Adler oder anderen Feinden aus der Luft. Die Murmeltiere bringen sich dabei in ihren weit verzweigten Bauten unter der Erde in Sicherheit. Ihre Gänge können eine Länge von 70 m und mehr erreichen.
Murmeltierpfiff
Alpen-Klee und Alpen-Mutterwurz
Murmeltiere fressen Gräser, Kräuter, Samen und selten auch Insekten. Besonders gerne fressen sie Alpen-Klee (Trifolium alpinum) und Alpen-Mutterwurz (Ligusticum mutellina), auch «Mutternkraut» genannt. Beide Arten haben einen hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren. (Diese wirken sich übrigens im Alpkäse auch günstig auf den Menschen aus.) Murmeltiere bilden aus diesen Pflanzen ein für den Winterschlaf besonders geeignetes Speicherfett. Mit diesem «Hochleistungsfett» verlieren sie während des Winterschlafs weniger Gewicht und können fehlendes Körperfett kompensieren.

Alpen-Mutterwurz (Ligusticum mutellina) – die Lieblingsnahrung der Murmeltiere.
Bär, Katze, Äffchen und Kätzchen
Murmeltiere leben in Familienverbänden, die von einem dominanten Paar, dem sogenannten Bär und der Katze, geführt werden. Nur sie paaren sich. Nach etwa 34 Tagen kommen ein bis sechs Junge, Kätzchen oder Äffchen genannt, zur Welt. Sie sind in den ersten Tagen ihres Lebens noch blind und öffnen die Augen erst nach einigen Tagen. Bereits im Hochsommer werden sie entwöhnt und können dann mit Glück beim Spielen vor dem Bau beobachtet werden. Murmeltiere sind nach zwei Jahren ausgewachsen und verlassen die Kolonie. Bär und Katze markieren mit einem Sekret aus den Wangendrüsen das Familienterritorium. Murmeltiere können bis 15-jährig werden. Wenn man im Frühling auf vereinzelten Schneeflecken Murmeltierspuren entdeckt, sieht man, dass sie an den Hinterfüßen fünf, aber an den Vorderfüßen nur vier Zehen haben.
Junge Murmeltiere
Jagd
Während das Murmeltier in Deutschland geschützt ist, wird es in Österreich und der Schweiz gejagt. Dabei werden jährlich einige Tausend Tiere erlegt. Nur die wenigsten von ihnen landen aber in der Küche: Die Zubereitung ihres Fleisches mit seinem speziellen erdig-aromatischen Eigengeschmack ist aufwändig und kennt nur eine beschränkte Zahl Liebhaber. Noch heute werden aus Murmeltierfett Salben hergestellt, die bei rheumatischen Beschwerden oder Zerrungen helfen sollen.
Beobachtungstipps 
| › | Murmeltiere sind meist nicht besonders schwer zu entdecken – sie verraten sich durch ihre Warnpfiffe. Wenn Sie einen solchen hören und dann ein bisschen Geduld haben, so können Sie beobachten, wie die Tiere nach einer Weile wieder vorsichtig ihren Bau verlassen. |
| › | Sollten Sie das Glück haben, einen einzigen, isolierten Murmeltierpfiff zu hören, dann suchen Sie unbedingt den Himmel ab: Mit großer Sicherheit können Sie irgendwo einen Adler oder sonst einen Raubvogel entdecken. |
Fragen
| › | In welchen Höhen leben die Murmeltiere? |
| › | Wie lange dauert ihre Sommersaison ungefähr? |
| › | Warum ertragen Murmeltiere die Hitze schlecht? |
| › | Warum sind hohe Sommertemperaturen für die Überwinterung ein Nachteil? |
| › | Warum sind vor allem Jungtiere gefährdet, den Winterschlaf nicht zu überleben? |
| › | Was fressen Murmeltiere am liebsten? |
| › | Was haben junge Murmeltiere und junge Katzen gemeinsam? |
| › | Wozu dient dem Murmeltier die Wangendrüse? |
| › | Warum ist der Ruf der Murmeltiere ein Schrei und kein Pfiff? |
| › | Wie oft ruft ein Murmeltier, um vor einem Adler zu warnen? |
| › | Wie unterscheiden sich die Vorder- und Hinterfüße des Murmeltiers? |
Antworten
Alpine Fließgewässer – Leben in der Strömung
Rauschende Gletscherflüsse oder milchig schäumende Bergbäche, deren Rauschen oft kilometerweit zu hören ist, gehören zum Bild der Berge und beeindrucken wahrscheinlich alle Menschen. Manchmal scheint es fast unmöglich, dass es in diesen tosenden Wassermassen Lebewesen gibt. Als alpine Gewässer werden Bäche und Flüsse zwischen der Waldgrenze und dem Bereich des ewigen Schnees auf etwa 3500 m ü. M. bezeichnet. Je nach Exposition, Steilheit, Herkunft und Fließgeschwindigkeit des Wassers und vielen weiteren Faktoren, bieten sie sehr unterschiedliche Lebensräume. Alle haben jedoch folgende Gemeinsamkeiten: Sie sind extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt, wie etwa starker Sonneneinstrahlung und tiefen Wassertemperaturen. Dabei ist die Wassertemperatur im Sommer oft viel kälter und im Winter wärmer als die Luft.
Wasserfall
«Eigenschaften des Gebirges»
Wegen der langen und harten Winter ist die Wachstumssaison für Wasserlebewesen sehr kurz und auf wenige Sommermonate beschränkt. Bei Gletscherbächen sind hingegen die Bedingungen im Herbst und im Frühling am besten, also vor dem Schneefall und vor der Schneeschmelze.
Oft sind die Ufer nur spärlich bewachsen, sodass nur wenig organisches Material (Humus, Pflanzenteile usw.) ins Wasser gelangt und für die Wasserlebewesen nur wenig Nahrung vorhanden ist. Meist sind die Nährstoffkonzentrationen im Wassertief.
Gletscherbäche (kryale Gewässer) werden vom Schmelzwasser des Gletschers gespeist. Die Gletscherschmelze findet nur während einer kurzen Zeitspanne im Sommer statt. In dieser Zeit schwillt jedoch das Volumen der Gletscherbäche um ein Vielfaches an. Dabei wälzen die Wassermassen das Bachbett um, was für die Wasserbewohner eine große Herausforderung ist. Typisch für Gletscherbäche ist auch die milchig trübe Farbe ihres Wassers. Diese sogenannte «Gletschermilch» entsteht durch die Beimischung von feinem Gesteinsmehl, welches entsteht, wenn das Gletschereis über den steinigen Untergrund fließt und diesen dabei beständig abschmirgelt.
Gletscherbach
«Gletscher»
Im Gletscherbächen überleben nur wenige Arten; dazu gehören Kiesel-, Gold- und Blaualgen sowie die Larven von Zuckmücken, Steinfliegen und Eintagsfliegen.
Bergbäche (rhitrale Gewässer) führen Regen- und Schneeschmelzwasser. Sie sind weniger starken jahreszeitlichen Schwankungen ausgesetzt als die Gletscherbäche und bieten entsprechend ausgeglichenere Lebensbedingungen.
Typische Arten der Bergbäche sind verschiedene Algenarten, Insektenlarven sowie Strudelwürmer und Borstenwürmer.

Milchiger Gletscherbach, der je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Wassermengen führt.
Quellbäche (krenale Gewässer) bieten aufgrund der regelmäßigen Zufuhr von Grundwasser relativ stabile Bedingungen. Entsprechend ist auch die Artenvielfalt etwas größer als bei den Gletscher- und Bergbächen. Neben verschiedenen Algenarten, Insektenlarven und Würmern kommen Ruderfuß- und Muschelkrebse dazu.
Leben in der Strömung
Lebewesen in alpinen Fließgewässern müssen sich vor allem auch an die hohe Fließgeschwindigkeit anpassen. Damit sie nicht einfach weggespült werden, leben die meisten von ihnen am Grund der Gewässer, wo Hindernisse Verstecke bieten und die Fließgeschwindigkeit etwas vermindert ist. Zahlreiche Arten haben auch ihre Körperform dem Lebensraum angepasst oder verfügen über spezielle Fähigkeiten für das Leben in starken Strömungen. Bei den Eintagsfliegenlarven fallen beispielsweise die abgeplatteten Körper auf, die der Strömung wenig Angriffsfläche bieten. Steinfliegenlarven wiederum haben kräftige Krallen und Lidmückenlarven Saugnäpfe am Bauch. Beide sind nützliche Hilfsmittel, um ein Wegschwemmen zu verhindern. Bei den Larven von Eintags- und Köcherfliegen befinden sich die Beine nicht auf der Unterseite des Bauchs, sondern seitlich am Körper. Beim Bewegen heben sie deshalb den Körper nicht bei jedem Schritt ab und bieten der Strömung daher weniger Angriffsfläche. Besonders raffiniert sind auch die Strategien der Köcherfliegenlarven, die ihr Leben mehrheitlich in selbstgebauten Köchern aus Steinchen verbringen, welche an strömungsarmen Stellen am Bachgrund angebracht sind. Viele Algenarten bilden gelatineartige Krusten, die dem Wasser nur wenig Wiederstand bieten.
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