Читать книгу: «Futur 3 - Morgen nennt man Zukunft»

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Klasse 6/3 der Werner-Heisenberg-Schule Leipzig

Futur III

Morgen nennt man Zukunft

Herausgeber:

Förderverein der Werner-Heisenberg-Schule Leipzig

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2014

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Erstlektorat: Anna Kow, Cathrin Dietzel, Katherin Bryla, Maria Jansen, Sebastian Weirauch

Zweitlektorat: Christine Spaarmann, Franziska Reuter

Betreuende Kunstlehrerin: Bettina Heil

Projektbegleitung: Christian Oppermann

Copyright (2014) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte bei den Autoren

Bilder © der genannten Zeichner

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

»FUTUR III« – EIN BUCHPROJEKT DER KLASSE 6/3

Wie sieht das Leben auf der Erde in einigen Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden aus?

Werden Roboter für uns jeden Handgriff erledigen?

Werden wir ein Leben wie im Schlaraffenland führen?

Oder steht uns die Apokalypse bevor?

Werden Naturkatastrophen, Zombies oder Monster ferner Galaxien die Welt zerstören und die Menschheit bedrohen?

»FUTUR III« KENNT DIE ANTWORT… EN!

Vorwort

Die Schüler der Klasse 6/3 der Werner-Heisenberg-Schule Leipzig haben sich zum »Leben in der Zukunft« Gedanken gemacht und hierzu im Juni/ Juli 2014 ihr eigenes Buch geschrieben. Der Titel des Buches »Futur III« bezeugt nicht nur, dass die Klasse 6/3 das Buch geschrieben hat, sondern wurde gewählt, da die Zahl Drei in allen Geschichten eine wichtige Rolle spielt. Nachdem die Klasse bereits im letzten Schuljahr ein eigenes Märchenbuch geschrieben und ihr schriftstellerisches Talent unter Beweis gestellt hat, wollten wir in diesem Jahr ein »richtiges« Buch schreiben! Möglich wurde dies auf Initiative unseres Schulbibliothekars Herrn Oppermann, der auf ein ähnliches Projekt an einer anderen Schule aufmerksam geworden war und das Projekt an unserer Schule begleitete sowie um Unterstützung beim Förderverein der Werner-Heisenberg-Schule, dem Engelsdorfer Verlag und dem Deutschen Literaturinstitut warb. Nach der Themen- und Titelfindung für das Buch schrieb jeder Schüler ein eigenes Kapitel zum Thema. Studenten des Deutschen Literaturinstituts Leipzig übernahmen das Erstlektorat der Texte und gaben Hinweise zur inhaltlich-stilistischen Gestaltung. Nach der Überarbeitung erfolgte das Zweitlektorat durch die Deutschlehrerinnen Frau Spaarmann und Frau Reuter. Passende Illustrationen zu den Geschichten entstanden im Kunstunterricht bei Frau Heil. Im kommenden Schuljahr werden die jungen Autoren den Engelsdorfer Verlag besuchen, um zu erfahren, wie aus einem Manuskript ein Buch wird.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und wünschen nun viel Spaß beim Lesen!

Christine Spaarmann & Franziska Reuter im Namen der Klasse 6/3

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Adana Lychatz

Immer weiter in die Zukunft

Amy Haepe

Ein gewöhnlicher Schultag

Annika Kämmerer

Liebe gegen Wasser

Constanze Weiß

Der perfekte Tag der Zukunft

Daniel Kaldenhoff

Die drei Brüder

David Hornbach

Leipzig, den 01.04.2014

Dorothea Rotzsch

Jays Weltmission

Felix Bauer

Das Herz in der Schatulle

Felix Schimanski

Leben im Jahre 2795 in ROBO-CITY

Franziska Freier

Ein ganz normaler Einkauf?

Jan Zimmermann

Die Herr Meisner Story

Jannik Schmidt

Communication Error

Judith Eckhardt

Das pink schimmernde Walross

Lea Klose

Mein schönstes Geschenk

Leonie Mühle

Unser Roboter

Luzie Patze

Wie sich alles veränderte

Marlen Kurz

Der Zukunftsblitz

Maximilian Rosenbach

Das 30. Jahrhundert: Ein Film in der Zukunft

Nicolo Weigert

Überleben ist das Wichtigste

Nina Thalheim

Im Reich der Sirenen

Sandra Huth

Ein kleiner Schatz von großer Bedeutung

Simon Weidel

Super-Simon

Tim Hirdes

R.O.B. 3-109 – Die Hoffnung stirbt zuletzt

Tom Marcus Pretzsch

Dienstag, der 30.05.3048

Yali Dang

Bis zur letzten Träne

Yuliya Prykhodko

Bäum – der Retter der Zukunft

Adana Lychatz

Immer weiter in die Zukunft

Wie jeden Morgen ging ich die betonierte Straße, die mit leuchtenden Pöllersternen verziert war, entlang. Es war dunkel und die künstlichen Pöllersterne leuchteten. Ich dachte über meine Zukunft nach. Wie würde ich aussehen? So wie jetzt? Braune, gelockte Haare? Graugrüne Augen? Während ich so nachdachte, rissen mich drei vorbeifahrende Elektroautos aus meinen Gedanken. Im letzten Auto, einer Limousine, saßen ein Mädchen und ein Junge. Das Auto fuhr ganz langsam. Der Junge hatte wahnsinnig schöne graublaue Augen, die mir im Bruchteil einer Sekunde aufgefallen waren. Das Mädchen schlürfte an einem Drink und hatte quietschrosa Lippen. Das blonde Haar war zu einem hohen Dutt gebunden, sodass es aussah wie ein Model. Ich sah es wie hypnotisiert an. Als das Mädchen meinen Blick bemerkte, beugte es sich zu seinem Bodyguard vor und beredete irgendetwas mit ihm. Dabei schaute es die ganze Zeit zu mir. Ich wollte gerade den Blick von ihm lösen, als der Wagen plötzlich vor mir anhielt und die automatische Limousinentür aufging. Der kräftig gebaute Bodyguard kam auf mich zugelaufen, ich schluckte. Er trug ein langes, schwarzes Hemd, darüber hing ein roter Mantel. Seine schwarzen Lederschuhe waren auf Hochglanz poliert.

Mit seinen braunen Augen sah er zwar nett aus, aber er sagte mit einer rauen Stimme, die mir etwas Angst einjagte: »Mrs. Potell möchte, dass du sie nicht mehr anstarrst wie ein hypnotisierter Esel!«

Ich war geschockt. Wie konnte dieser Bodyguard so etwas sagen? Oder hat es ihm dieses hochnäsige Mädchen befohlen? Um ehrlich zu sein, war es mir gleich, ich war einfach nur stinkwütend!

»Ich warte auf eine Antwort, kleines Fräulein!«, sagte der Bodyguard mit seiner angsteinflößenden Stimme. »Heute noch, wenn ich bitten darf!«

»Ähmm, ich – ich … also …« Vor lauter Verzweiflung wusste ich nicht, was ich sagen sollte, stattdessen rannte ich davon. Ich hatte Tränen in den Augen und durch den künstlichen Wind, der in der Stadt wehte und von Klaskermühlen erzeugt wurde, waren meine Haare zerzaust. Ein kurzer Blick über die Schulter sagte mir, dass ich die Limousine weit hinter mir gelassen hatte.

Trotzdem rannte ich weiter, vorbei an drei weiteren Klaskermühlen. Sie waren aus einem Stoff gebaut, der sich SSSHPGLAS328 (SuperSuperSuperHaltbaresPanzerGlas328) nannte, und hatten eine Art Fächer an den durchsichtigen Flügeln. Obwohl ich rannte, war mir kalt. Es war der 1. September und der erste Schultag des neuen Schuljahres der achten Klasse. Warum war mir kalt? Warum im Sommer? Auf einmal begann sich alles zu drehen. Ich spürte meine Beine nicht mehr. Sternchen funkelten in meinem Kopf, ich fiel. Nach einem heftigen Schlag auf den Kopf nahm ich nichts mehr wahr. Nichts.

»Levina? Levina? Levina, wach auf! Du bist in einem Krankenhaus, in Sicherheit! Los, wach auf!«


Adana Lychatz

Batsch. Nach einer leichten Ohrfeige schnellte ich kerzengerade in die Höhe und riss die Augen auf. Ich schaute mich um. Nach einer Minute hatte ich realisiert, wo ich war. Ich saß in einem Bett des Peter-Werner-Krankenhauses. Mein Bett stand in einem runden Raum, in dem Plakate von dem Inneren des Menschen an der orangefarbenen Wand hingen. Dann sah ich einen Jungen auf meinem Bett sitzen, ich blickte in seine graublauen Augen. Ich erschrak. Wenn das der Junge war, der … der … Ja! Eindeutig! Es war der Junge, der zusammen mit dem Mädchen und dem eingebildeten Bodyguard in der Limousine gesessen hatte. Aber warum hatte er mich gerettet? Plötzlich hatte ich einen Kloß im Hals. Wussten meine Eltern davon? War das Mädchen auch hier? Gleichzeitig quälte mich aber auch eine andere Frage: Wie hieß dieser gut aussehende Junge mit seinem braunen, gegelten Haar?

»Wie heißt du?«, fragte ich. Der Kloß in meinem Hals ließ meine Stimme gedämpft klingen.

»Daron.«

»Und, und … warum hast du mich gerettet? Ich meine, du … du warst doch in dieser Limousine mit die… dieser Mrs. Potell und dem Bodyguard, der so eingebildet ist, und …«

»Jerome ist nicht eingebildet! Chelsea hat es ihm befohlen und er muss ihr gehorchen!«

»Und was hast du mit ihr zu tun?« Ich wusste, dass diese Frage sehr merkwürdig klang.

Doch zu meiner Überraschung lächelte er und antwortete: »Sie ist meine Cousine. Ich wohne für längere Zeit bei den Potells, weil meine Eltern auf Reisen sind. In Amerika. Sie haben sowieso nie Zeit für mich.«

Das erste Mal in dem Gespräch zwischen Daron und mir blickte ich auf meine Decke, die mit einer nicht sichtbaren Heizung ausgestattet war. Hauptsache weg von diesen graublauen Augen, dachte ich mir. Fühlte ich etwa Eifersucht? Hatte ich etwa Angst gehabt, dass Daron und dieses hochnäsige Mädchen zusammen sein könnten? Ich wusste es nicht. Ich konnte meine Gefühle plötzlich nicht mehr eindeutig auseinanderhalten.

»Ähmm … Danke, dass du mich gerettet hast«, sagte ich und blickte wieder in seine Augen.

»Gern. Die Krankenschwester wollte übrigens gleich noch mal vorbeikommen. Und wenn was ist: Hier ist meine Lisslerh-Nummer.«

Ich schaute ihn mit offenem Mund an.

»Ähh … ja!«, nuschelte er und lief rot an. Ich wusste sofort, dass er nicht der Angebertyp war.

»Du hast einen Lisslerh? Sind das nicht diese kleinen Dinger in Tierform, mit denen man telefonieren kann? Und die die jeweiligen Geräusche des Tieres machen? Die keiner abhören kann? Das ist ja cool!«, sagte ich und kleinlaut fügte ich hinzu: »Ich habe gerade mal ein CarlowMagnusC5. Und selbst das ist schon zwölf Jahre alt.«

»Echt? Ich interessiere mich für die Vergangenheit. Darf ich mal sehen?«

»Ja klar!« Ich kramte in meiner Tasche, die neben mir auf dem Nachttisch lag.

»Aber … wo ist denn mein Handy? Es ist weg!«

»Vielleicht hast du es irgendwo …«

In dem Moment klopfte es an der Plastiktür, die wie die Wand aus roten Backsteinen aussah, und eine junge Frau mit lila gefärbtem Haar kam herein. In der rechten Hand trug sie eine Zeitung.

»Guten Tag, Levina. Geht es dir besser?«

»Ja, so ziemlich.«

»Das ist gut, denn ich habe eine nicht so schöne Nachricht für dich. Der Chefarzt hat gesagt, ich solle sie dir erst überbringen, wenn es dir besser geht. Es wird ein ziemlicher Schock für dich sein, deshalb frage ich dich jetzt, ob du bereit bist, die Nachricht zu hören.«

»Ich glaube, ich bin bereit«, sagte ich mit zittriger Stimme.

»Keiner meiner Kollegen und keine der Kolleginnen wollte dir diese Nachricht überbringen.«

Ich überlegte, was das für eine Nachricht sein könnte. Sie ist so schlimm, dass sie mir keiner sagen will, also kann ich schon mal ausschließen, dass sie mein Handy kaputt gefunden haben.

»Also … Morgen kommen drei Leute von der KuJSO«, begann sie, doch ich unterbrach sie.

»Der KuJSO? Ist das nicht die KinderundJugendSchutzOrganisation? Warum kommen sie?«

»Weil … weil es … weil … Hier! Lies den Zeitungsartikel!« Sie streckte mir die Hand mit dem Artikel entgegen. Mit zittrigen Händen nahm ich ihn und las.

Zwei Personen bei Autounfall gestorben

Pürlehausen. Bei einem schweren Autounfall auf der Bröllstraße bei Pürlehausen ist ein Auto gegen die Leitplanke geprallt. Der Fahrer und die Beifahrerin sind noch an der Unfallstelle verstorben. Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Polizei am Donnerstag, den 31. August um 21:15 Uhr. Uwe P. (Fahrer) und seine Frau Andrea P. (Beifahrerin) waren auf der Bröllstraße in Richtung Zuckleer unterwegs. Das Auto mit deutschem Kennzeichen kam auf gerader Strecke durch Schwanken auf die Gegenfahrbahn, berichteten Augenzeugen. Danach fuhr es mit hoher Geschwindigkeit gegen die Leitplanke. Bei dem Fahrer wurden nach dem Unfall 2,6 Promille Alkohol im Blut festgestellt. (Text: Angelina Flosters)

Ich musste mir den Bericht mehrmals durchlesen, um zu begreifen, was los war. Beim dritten Mal wurde mir bewusst, dass ich seit heute keine Eltern mehr hatte. Ich brach in Tränen aus, zerknüllte die Zeitung und wollte gerade aufstehen und hinausrennen, da packte mich die Krankenschwester am Arm und zog mich zurück auf das Bett.

»Ich weiß, es ist schwer für dich, aber …«

»Sie wissen gar nichts!«, fauchte ich und befreite mich aus ihrem harten Griff. Dann rannte ich los, so schnell und weit, wie mich meine Beine trugen. Ich rannte durch den schwach beleuchteten Gang, kassierte verwunderte Blicke der Krankenschwestern, doch das war mir egal, ich wollte einfach nur raus hier. Ich wollte raus aus dem nach Medizin riechenden Krankenhaus. Nie mehr würde ich auch nur einen verfluchten Schritt in diesen Kasten setzen. Nicht in das Krankenhaus, in dem ich erfahren hatte, dass meine Eltern einen Unfall gehabt hatten! Ich lief immer weiter den Flur entlang, bis ich irgendwann ganz allein war. Auf einmal sah ich Licht am Ende des einsamen Korridors. Ich rannte weiter und mit jedem Schritt wurde meine Geschwindigkeit größer. Endlich konnte ich die Tür aufstoßen. Ich rannte noch ein paar Meter über den Kies zu einer herrlichen grünen Wiese, dann blieb ich abrupt stehen, schloss meine Augen und atmete einmal tief ein und tief aus. Plötzlich war alle Last wie weggeblasen, ich fühlte mich wieder frei und glücklich. Klar war ich traurig, dass ich jetzt ohne Eltern leben musste, aber es war ein erlösendes Gefühl, wieder an der frischen Luft zu sein.

Aber sofort kam mir ein schrecklicher Gedanke: Die Krankenschwester hatte erwähnt, dass am nächsten Tag drei Leute von der KuJSO kamen. Erst jetzt wusste ich warum: Wenn ich keine Eltern mehr hatte, würden sie mich in ein Kinderheim stecken. NEIN! Das können die nicht machen! Sie konnten mich nicht in irgend so ein komisches Kinderheim stecken, wo wildfremde Kinder und Erwachsene waren, wo man nicht in den Urlaub fahren konnte und wo man ohne Eltern aufwachsen musste!

Da sagte eine vertraute Stimme hinter mir: »He, ähmm, ich bin’s, Daron. Es tut mir leid wegen deiner Eltern, aber ich … ich hätte da eine Lösung!«

Schlagartig drehte ich mich um und erblickte seine wundervollen, blaugrauen Augen. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir Kraft und Energie gaben. »Was für eine Lösung?«, fragte ich mit einem kleinen bisschen Hoffnung in der Stimme.

»Also, ich hätte da an Flucht gedacht. Ich meine, ich glaube nicht, dass du in ein Kinderheim willst, und eigentlich will ich auch nicht mehr bei den Potells bleiben. Dort wird man sowieso nur wie ein Prinz behandelt. Also, wie findest du meine Idee?«

»Super! Aber das Problem ist, wohin? Früher oder später wird man nach uns suchen.«

»Mach dir mal darüber keine Gedanken. Ist es okay für dich, wenn Jerome mitkommt? Weißt du noch, wer das ist?«

»Ja! Euer Bodyguard, aber wieso?«

»Weil er auch keinen Bock mehr auf die Potells hat. Außerdem hatte er die Idee und er hat dich zusammen mit mir gerettet.«

»Wirklich? Na ja, ich habe nichts dagegen … Wir drei werden sicher ein gutes Team sein!«

»Oh, Mist, da kommt die Krankenschwester mit ihren Kollegen. Schnell! Renn mir einfach hinterher. Wir holen nur noch Jerome und meine Sachen. Willst du mitkommen oder hier warten?«

»Was für eine Frage! Ich komme mit!« Ich war so glücklich, wäre da nicht der Tod meiner Eltern gewesen … Aber die Flucht würde eine gute Ablenkung für mich sein.

Zuerst rannten wir eine Weile, um sicherzugehen, dass wir sie abgehängt hatten. Der Wald war relativ hell und die Sonne bahnte sich einen Weg durch die hohen Bäume. Als wir dann wieder normales Schritttempo liefen, redeten wir über Freunde.

»Wirst du deine Freunde nicht vermissen?«

»Nein. Um ehrlich zu sein, habe ich keine. Meine beste Freundin ist in der siebten Klasse nach Blobem gezogen. Und die anderen aus meiner Klasse wollen sowieso nichts mit mir zu tun haben.«

»Oh!«, sagte er.

Den Rest des Weges schwiegen wir. Daron schaute die ganze Zeit auf den Boden. Ich stattdessen genoss die Ruhe und sah sogar zwei Rehe hinter einem Baum hervorflitzen.

Nach einer Weile sagte er: »Okay. Wir sind da. Am besten wartest du hier, damit dich keiner sieht. Ich hole nur noch Jerome und meine Sachen und dann können wir los, ja?«

»In Ordnung. Aber wann hast du …«

Er legte mir seinen rechten Zeigefinger auf die Lippen und sagte: »Ich muss los! In fünf Minuten können wir gehen.«

Er ging leise den steinernen Gartenweg entlang und verschwand hinter dem Haus. In der Zwischenzeit hatte ich mich hinter einem kleinen Busch versteckt und hockte mich nun auf den weichen, moosigen Boden.

Auf einmal fiel mir ein, dass ich gar keine Sachen mithatte. Na ja, fast keine, denn als ich aus dem Krankenhaus gerannt war, hatte Daron mir meine Tasche hinterhertragen müssen.

Einige Zeit später kamen Daron und Jerome die steinerne Treppe hinunter und auf mich zu. Ich sprang hinter dem Busch hervor und ging den beiden entgegen.

»Wir sind bereit!«, sagte Daron und reichte mir eine Tasche. »Ich habe noch ein paar Sachen für dich besorgt, weil du ja keine mithast. Das ist Jerome«, sagte er und zeigte auf ihn. »Und das, Jerome, ist Levina.«

Nachdem wir uns begrüßt hatten, gingen wir eine verlassene, lange Straße mit leuchtenden Pöllersternen entlang. Sie war aus Beton und die leuchtenden Sterne waren in die Straße eingebaut. Ab und zu fuhren ein paar Elektroautos an uns vorbei. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir an einen Nadelwald. Wir gingen einen kleinen Trampelpfad entlang. Hier und da waren Geräusche zu hören. Ein Specht hämmerte auf einen Baumstamm ein, Vögel flogen um unsere Köpfe herum. Manchmal hörte man aber auch ein leises Rascheln.

»Wo gehen wir eigentlich hin?«, fragte ich.

»In diesem Wald ist ein Zeitportal, da gehen wir hin. Kein anderer weiß das und kein anderer wird uns sehen.«

»Aber warum ist hier ein Zeitportal und warum hat es zuvor noch niemand entdeckt?«

»Weil … Hör zu. Du darfst das, was du jetzt hören und sehen wirst, niemandem verraten, okay?«

»Ja, okay, aber …«

Doch weiter kam ich nicht, denn im selben Augenblick trat Jerome nach vorn an eine Art Loch in einem Felsen, das mir zuvor noch nicht aufgefallen war, und drückte eine Reihe von Steinen. Das ging so schnell, dass man nicht mal anfangen konnte zu zählen. Denn wenn man es tun wollte, war es auch schon wieder vorbei. Anschließend sagte er leise eine Formel, die lateinisch klang. Plötzlich kam Licht aus dem Felsen und ich erkannte einen Türumriss. Jerome erklärte mir, dass er bei den Potells wie ein Sklave behandelt worden sei und deswegen habe flüchten wollen …

Der Felsen, auf dem Jerome zuvor ein paar Steine gedrückt hatte, schob sich zur Seite. Er war mit Moos bewachsen, sodass man nicht auf die Idee kommen konnte, dass dahinter etwas verborgen war. Zu meiner Überraschung kam nun ein langer, schmaler Gang zum Vorschein. Viele würden denken, es sei wie in den Filmen und Büchern, dass das ein Geheimgang war. Das war er auch, aber er hatte eine Besonderheit: Überall an den Wänden stand die Zahl Drei. Was diese Zahl wohl zu bedeuten hatte?

Keiner sagte etwas, alle waren in Staunen versetzt. Wir gingen hinein. Irgendwann kamen wir drei an das Ende des Ganges. Ob die Zahl an der Wand für unser Team stand? Jerome schob eine weitere Tür beiseite und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus! Überall waren saftgrüne Bäume, die Wege waren mit dem schönsten Rindenmulch belegt und am schönsten war die Sonne. Sie strahlte durch die Bäume, Vögel zwitscherten und es waren weit und breit nur Tiere, keine Menschen, zu sehen.

»Willkommen in der Zukunft, Ladys and Gentlemen …«, sagte Jerome und zeigte auf die wunderschöne Welt, die vor uns lag. Sie war bestimmt mindestens so groß wie unsere Erde. Aber die anderen Menschen sollten später kommen, sehr viel später. Erst, wenn sie die Zukunft erreicht haben würden.

»Komm, Levina, wir erkunden die Welt hier«, sagte Daron.

»Ich bereite schon mal das Abendbrot vor!«, rief Jerome uns hinterher.

Daron und ich rannten an dem klaren Fluss vorbei und setzten uns an das Flussufer.

»Kennst du die Welt hier schon?«, fragte ich.

»Ja, Jerome hat mich oft mitgenommen.«

»Aha. Ist das nicht schön hier? Keine Autos, kein Krieg? Einfach fantastisch!«

»Ja, Jerome ist schon öfter hier gewesen. Er ist ein begabter Erfinder. Er hat schon Jacken mit einer 1-Gramm-Heizung, Häuser, die sich fortbewegen, ohne dass sie die Natur zerstören, und noch vieles mehr erfunden.«

Wir schauten uns an und standen auf. Die Sonne ging gerade unter. Zusammen spazierten wir bei Sonnenuntergang am Seeufer entlang. Und wer weiß, vielleicht wird ja doch noch aus Freundschaft Liebe …

Amy Haepe

Ein gewöhnlicher Schultag

Hallo, ich bin Amy! Wir befinden uns im Jahr 2169 und es ist gerade erst 7:30 Uhr. Ich bin so müde, aber die Schule beginnt ja schon um 8:30 Uhr und ich muss mich jetzt noch anziehen und essen. Gerade führt unsere Schule ein Projekt durch, bei dem wir im gesamten Unterricht den Computer nutzen. Auch in Kunst lernen wir den Umgang mit Zeichenprogrammen und Bilder bearbeiten wir oft mit dem Programm »FIFICA«. Das Projekt läuft jetzt schon drei Tage. Yali, Nina, Vincent und ich, wir haben unseren eigenen Computer, also von zu Hause. Die anderen bekommen ihn von der Schule. Aber die Computer aus der Schule sind nicht die besten, denn sie sind richtig langsam. Beispielsweise brauchen sie zum Hochfahren richtig lange und sie haben auch ältere und andere Programme. So müssen wir immer auf die anderen warten, um weiterzumachen. Gut, jetzt habe ich dir erst mal genug erzählt, den Rest erkläre ich dir später. Jetzt muss ich erst einmal essen.

Und nun fahre ich auch schon mit meinem Luftroller in die Schule. Ein Luftroller ist ein Roller für maximal zwei Personen, der sich selbst steuert. Also los! In der Schule angekommen, sind Vincent und Yali schon da. Sie sind alle Klassenkameraden. Wir haben genau drei Lehrer, die immer für uns da sind. Zusammen unterrichten sie alle Fächer. Die Lehrer sind immer da. Wenn ein Lehrer unterrichtet, dann sitzen die anderen beiden trotzdem mit im Unterricht, um Kindern, die nicht mitkommen, zu helfen. Der Lehrer, der gerade kommt, heißt Herr Rackmann.

Das ist übrigens unser Stundenplan: Wir haben zuerst Mathe mit Herrn Rackmann. Danach haben wir Kunst mit Frau Feder, sie ist richtig, richtig nett. Und dann haben wir, mit Herrn Jacobsen, Latein. Er ist auch richtig cool. Herr Rackmann lässt uns in den Raum 3, das ist unser Klassenraum, hier haben wir alle Fächer außer Kunst und Sport.

Da kommt schon der Rest meiner Klasse: Felix, Simon, Nina und Marlen. Mit Yali, Aaron und mir sind wir nur sieben Schüler. Eine ziemlich kleine Klasse, denkt ihr? Ich finde es schön, dass wir nur sieben Kinder in der Klasse sind. Aber jetzt ist es schon 8:30 Uhr und der Matheunterricht beginnt. Ich sitze ganz vorn neben Nina. Wir sitzen nach demselben Sitzplan in allen Fächern, außer in Kunst.


Amy Haepe

»Auch wenn wir zurzeit den Computer nutzen«, sagt Herr Rackmann, »dürfen wir nicht vergessen, unseren Kopf zu trainieren. Also machen wir jetzt Kopfrechnen.«

Er fragt so was wie 1,5 mal 3. Aber ich habe im Hintergrund den Taschenrechner offen, weil ich keine Lust auf Kopfrechnen habe. Herr Rackmann wundert sich immer, warum ich so viel schneller bin als die anderen. Ich meine darauf immer nur, ich hätte eben einen guten Tag. Denn eigentlich ist Marlen die Klassenbeste und ich bin die Zweitbeste. Aber sehr gut ist, dass es nicht aufgeflogen ist und Nina es noch nie mitbekommen hat. Aber auch wenn sie es mitbekommen hätte, denke ich, hätte sie dem Lehrer nichts gesagt.

Danach fängt Herr Rackmann mit der Bruchrechnung an und erzählt wie immer ziemlich viel! Das ist so langweilig, da mache ich einfach ein Spiel im Internet.

Da wir das Internet in vielen Fächern brauchen, hat die Schule jetzt W-Lan und wir können jederzeit ins Internet. Aber dann müssen wir bei ihm meist sehr viel schreiben und dann auch rechnen. Habe ich dir schon gesagt, dass wir Blockunterricht haben? Das heißt, wir haben neunzig Minuten durchweg Unterricht und eine halbe Stunde Pause.

Dann ist Mathe vorbei und wir haben Kunst, das ist mein Lieblingsfach. Malen kann ich gut, denke ich. In Kunst malen und schreiben wir zuerst etwas in unser Künstlerisches Tagebuch. Wir malen Frühlingsbilder mit Blumen und Blüten. Ich habe die Idee, ein Mädchen zu malen, das Ostereier sucht. Unsere Kunstlehrerin benotet die Bilder und ich bekomme eine 1 und noch eine Zusatz-1 für die tolle Idee. Herr Rackmann hätte mir auf eine tolle Idee niemals eine 1 oder überhaupt eine Note gegeben. Aber dann ist der Kunstblock auch schon vorbei. Das ist der einzige Block, der schnell vergeht.

Danach haben wir im dritten und letzten Block noch Latein.

»Heute«, sagt Herr Jacobsens, »machen wir ausnahmsweise nur Altertumskunde.« Das kommt nicht oft vor. Er meint, er brauche den Block, da wir gerade das Kolosseum und die Gladiatoren behandeln. Das Thema ist ganz okay. Es gibt zwar spannendere Themen, aber es ist trotzdem ganz lustig, da Herr Jacobsen immer gern Witze macht, die auch wirklich lustig sind. Manchmal versucht auch Herr Rackmann einen Witz zu reißen und diese sind dann fast nie wirklich lustig.

Nach dem Zeichnen schauen wir uns Bilder und Videos auf dem Computer an. Wir nutzen das Programm »Bild und mehr für alle«. Manche Bilder sehen ganz lustig aus. Nachdem wir uns die Bilder angeschaut haben, dürfen wir noch Bankrutschen spielen. Das kennst du doch sicher aus Mathe, oder? Aber wir haben ja Latein und da geht Bankrutschen so: Einer von uns liest die Vokabeln vor (das bin heute ich), dann ist die erste Bank dran und steht auf. Ich sage eine Vokabel und wer zuerst die Übersetzung sagt, darf eine Bank weiter ziehen. Also lese ich die Vokabeln vor und nehme eigentlich nur leichte Vokabeln. Heute gewinnt mal nicht Marlen oder ich, sondern Nina. Sie ist zweimal durch alle Bänke gezogen.

Aber dann ist Latein auch schon vorbei und damit die Schule auch. Nach der Schule mache ich noch schnell Hausaufgaben und fahre dann aus reiner Freude noch schnell mal zum Shoppen nach Paris, zusammen mit Nina. Als wir wieder zu Hause sind, ist es schon 20:00 Uhr und ich bin so müde, dass ich mich ins Bett lege und sofort einschlafe.

Als ich wieder aufwache, weil mein dummer Wecker klingelt, ist es schon Dienstag. An diesem Tag haben wir im ersten Block Biologie mit Frau Feder. Aber ich habe heute überhaupt keine Lust auf Schule. Aber los muss ich trotzdem! Doch wir haben echt Glück, dass Frau Feder so nett ist, denn wir haben heute eigentlich einen Test geplant, aber stattdessen schauen wir uns auf dem Hof verschiedene Insekten an. Das ist lustig. Wir sollen Fotos von ihnen machen und sie dann in einer Tabelle ordentlich auflisten.

Dann ist Biologie auch endlich vorbei. Aber es wird nicht besser, da wir als Nächstes Deutsch haben. Deutsch haben wir wieder mit Herrn Jacobsen, also kann es nur lustig werden. Da haben wir gerade das Thema Vorträge. Wir müssen alle einen Vortrag halten, aber ich habe meinen schon gehalten. Darum finde ich es todlangweilig und spiele nebenbei mal wieder irgendein dummes Spiel. Leider erwischt mich plötzlich Herr Jacobsen, aber er hat Verständnis. Frau Feder hat dann noch eine Weiterbildung, sodass Englisch zum Glück ausfällt.

Morgen ist Mittwoch, das heißt, es ist leider schon eine Woche rum und somit auch unser Projekt. Die Auswertung mit den Lehrern ist morgen im dritten Block, das heißt, wir haben morgen keinen Geschichtsunterricht. Ich muss natürlich wieder Hausaufgaben machen, die bekommen wir immer per E-Mail zugesendet. Dieses Mal ist nur ein Arbeitsblatt in Mathe auszufüllen. Wir sollen wieder mal kopfrechnen, da Herr Rackmann nicht viel von der neuen Technik hält. Ich bin wieder so müde, dass ich sofort einschlafe.

Am nächsten Tag muss ich wieder früh aufstehen, zum Kotzen. Aber wir haben zuerst Geographie und dieses Fach finde ich nicht ganz schlecht, weil wir da immer viel auf der Weltkarte unterwegs sind. Mit einem Programm bewegen wir uns in den unterschiedlichsten Ländern und beobachten, wie es dort aussieht. Die Zeit vergeht da wie im Flug.

Danach haben wir wieder Latein. Herr Jacobsen hat den Block für eine Umfrage genutzt. Aber dann machen wir im dritten Block wieder ganz normal Latein und dann kommt die Auswertung und alle Klassen versammeln sich in der Aula.

Der Direktor sagt: »Wie ihr wisst, haben wir jetzt eine Woche unser Projekt durchgeführt und dabei kam raus …«

Jetzt sagt er es gleich, denke ich, jetzt sagt er es, ob wir den Computer weiter nutzen oder nicht! Ich bin so aufgeregt.

»Also, wir werden …«

Du willst wissen, ob man den Computer weiter nutzt oder nicht? Dann warte es ab, die Zukunft liegt näher, als du denkst …

Annika Kämmerer

Liebe gegen Wasser

Es war der Morgen des 13. Mai 2495, ein Freitag, ein verdammter Freitag, der 13.! Noch war dieser Tag so wie jeder andere, aber das würde sich schon bald ändern. So wie jeden Morgen ließ Prof. Dr. Theodor Waldmann, von allen nur Theo genannt, sich um halb sechs einen Kaffee von Squatch bringen. Squatch war der neueste und beste Roboter weltweit. Theo hatte ihn selbst entwickelt und war sehr stolz auf sein Werk. Diese neueste Generation der Roboterreihe »Sputnik 3000« nimmt dem Menschen jegliche Hausarbeit ab. Kaffee kochen, sauber machen, bügeln, ja, sogar Zimmer aufräumen. Durch Theos Arbeit bleiben hier und da auch mal ein paar schmutzige Sachen liegen. Erfinder sind eben zum Erfinden da und nicht zum Aufräumen.

Auf einmal klingelte das Ascot, ein telefonartiges Gerät, durch das man sich gegenseitig sehen kann. Theo ging ran und ein kleiner rundlicher Mann namens Prof. Brown war an der anderen Seite der Leitung. Er war ganz aufgeregt und lief hektisch hin und her. Prof. Brown erzählte etwas von einer großen Überschwemmung, bei welcher wir alle sterben würden und dass wir uns retten müssten. Theo verstand kein Wort und wollte seinen Kollegen erst einmal beruhigen. Dieser aber war immer noch total fertig. Er dachte über die Worte, die ihm Prof. Brown gesagt hatte, nach. Doch einen Zusammenhang fand er immer noch nicht. Nach mehrmaligen Versuchen, seinen Kollegen zu beruhigen, schaffte Theo es endlich.

Prof. Brown erzählte alles noch einmal ganz genau: »In drei Wochen soll eine große Flutwelle kommen, die uns alle sterben lässt.«

Theo glaubte, er höre nicht richtig. »Eine Flutwelle, sagst du?«, versuchte er nachzuhaken. Schließlich waren all seine Kollegen ziemliche Spaßvögel und er wollte wissen, ob dies nur ein dummer Streich sei. Deshalb rief er gleich, nachdem er aufgelegt hatte, das Wetterzentrum »Nachtgesang« an.

»Hallo, Wetterzentrum ›Nachtgesang‹, was kann ich für Sie tun?«, meldete sich eine dumpfe Stimme.

»Ich hätte gern die Wetteraussichten der nächsten vier Wochen«, sagte Theo.

Der Mann fragte Theo, ob er sie per Fax oder per E-Mail haben wolle. Theo dachte kurz nach, entschied sich aber für die E-Mail. Eine halbe Stunde später kam Squatch mit den Ergebnissen: Es war wahr, was Prof. Brown gesagt hatte. In drei Wochen würde eine große Flutwelle kommen. Theo musste sich setzen. Er konnte und wollte einfach nicht glauben, dass er schon in drei Wochen nicht mehr da sein würde. Dabei hatte er sich doch gerade in die schöne Linda Weißenfels verliebt mit ihren goldbraunen Locken und den roten weichen Lippen. Zudem war Linda auch noch wahnsinnig intelligent, aber nicht intelligenter als Theo.

»Apropos Linda«, meldete sich Squatch zu Wort. »Wollten Sie sich nicht mit ihr in der Eisdiele ›Bots‹ heute um 15:00 Uhr treffen?«

»Ohhhh, Mist, das habe ich total vergessen«, fluchte Theo.

In Windeseile zog er seinen Kittel aus und schlüpfte in eine Jeans, zog sich ein ordentliches Hemd an, schnappte sich den Schlüssel seines Kaspersky und fuhr sofort zur Eisdiele. Eine Viertelstunde nach der vereinbarten Zeit kam Theo in der Eisdiele an. Linda war nicht so böse und sie redeten und redeten. Dabei erzählte Theo Linda von der Flutwelle.

Linda hatte eine Idee: »Ein Schiff, wir brauchen ein großes Schiff.«

»Aber wo sollen wir so ein großes Schiff herbekommen?«, fragte Theo.

»Och Mann, Theo«, sagte Linda etwas genervt, »wir müssen es natürlich selber bauen!«

Noch am Abend schrieb Theo eine E-Mail an alle Leute aus Metro City und bat sie, ihnen bei dem Schiffbau zu helfen. Am Morgen versammelten sich alle auf dem großen Platz. Na ja, fast alle. Theos Erzfeind der Wissensbranche war nicht da.

Um 9:00 Uhr begann der Bau des Schiffes. Alle hatten etwas dazu beigetragen: Frau Mausewitz, die Frau des Bürgermeisters, hatte ein paar alte Bleche und zigtausend Nägel. Frau und Herr Lampke, die Bäcker der Stadt, brachten ein altes Autolenkrad mit und versprachen, wenn die Reise losgehe, seien sie für die ganze Versorgung zuständig. Der Mann aus dem Computerfachladen brachte sehr viele Kabel mit und wollte die, wenn das Schiff fertig war, mit ein paar Freunden anschließen. So brachten alle Leute etwas mit und der Schiffbau konnte beginnen.

An den ersten beiden Tagen schafften sie nur das Grundgerüst, was die Leute aus dem Baumarkt »Office Line« erledigten. Sobald sie damit fertig waren, nahmen die Helfer alle Bleche, die sie hatten, und befestigten sie mit den Nägeln der Frau des Bürgermeisters, sodass sie hielten und kein Wasser durchkam. Das dauerte drei Tage. Ab jetzt war Arbeitsteilung angesagt. Die einen strichen mit bunter Farbe die Außenwand des Schiffes, die anderen machten sich an die Inneneinrichtung. So gingen die Arbeiten voran.

Am Abend legte sich Theo erschöpft in sein Bett und dachte darüber nach, ob Linda ihn mochte oder nicht. Schließlich schlief er vor lauter Nachdenken ein. Morgens weckte ihn eine zarte Stimme. Diese konnte nur von einer Person stammen, Linda. Sie sagte zu ihm, dass die große Flutwelle jeden Moment eintreffen würde, und auf einmal kam etwas großes Dunkles hinter Linda hervor. »PENG!« Ein lauter Knall.

Theo wachte auf, als eine Tür wegen des Windes in ihr Schloss fiel. Er hatte alles nur geträumt. Für einen Moment dachte er, dass es wahr sei. Da kam auch schon Squatch und brachte Theo sein Frühstück.

»Dich nehme ich auf jeden Fall auch mit auf das Schiff«, sagte Theo zu Squatch.

»Ohhhhhhh … Danke, Theo!«, erwiderte Squatch dankbar.

Nachdem Theo sein Frühstück gegessen hatte, ging er zum Schiff. Doch was war das? Das Schiff war vollkommen zerstört. Es lagen nur noch verbeulte Bleche und Holz herum. Und schon in fünf Tagen sollte die große Flutwelle kommen! Was sollten sie jetzt nur machen?

Da kam Linda. »Was ist denn hier passiert?«, fragte sie verwundert und auch ein bisschen ängstlich.

»Jemand hat alles zerstört! Nichts ist mehr so, wie es war«, sagte Theo.

Als dann alle Leute eintrudelten, waren sie total empört. »Jemand hat unser wunderbares Schiff kaputt gemacht!«, schrien die einen. Andere weinten, wieder andere schlugen um sich. Die ganze Arbeit der letzten Wochen und Tage war zerstört.

»Bewohner von Metro City«, sagte Theo in einem etwas lauteren Ton, »unser Schiff ist zwar zerstört, doch das hindert uns alle nicht daran, diese Stadt in fünf Tagen mit einem Schiff zu verlassen.«

»Das stimmt«, schritt Prof. Dr. Erich, Theos schlimmster Erzfeind der Wissensbranche, ein, »denn ich habe ein Schiff! Da passen wir alle drauf!«

Alle Leute jubelten Prof. Erich zu und gingen fröhlich nach Hause.

»Tja, Waldmann, das hättest du nicht gedacht, was?«, sagte Prof. Erich mit einem spitzen Unterton.

»Du warst das, du hast unser Schiff zerstört. Nur weil du den ganzen Ruhm und die Ehre haben willst!«, meinte Theo wütend.

Da kam Linda um die Ecke und sagte ebenfalls: »Du hast unser Schiff zerstört? Du warst das!«

Damit drehte sich Prof. Erich um und schrie sie an: »Ja, ich habe euer Schiff zerstört, und ratet mal, wen ich nicht mit auf mein Schiff nehme. Ja genau, euch zwei!«

»Jetzt müssen wir uns aber beeilen«, sagte Linda. »Wir müssen unser Schiff reparieren!«

»Ja, klar«, sagte Theo etwas abwesend.

Sie bauten Tag und Nacht, bis sie eines Mittags endlich fertig waren.

»Das Schiff ist perfekt«, meinte Linda. Dann gingen sie beide in ihre Häuser, legten sich in ihre Betten und schliefen sofort ein.


Annika Kämmerer

Am Morgen wachte Theo von lautem Gebrüll auf. Er stand auf und da fing es an, das Gewitter. Schnell packte Theo alle seine sieben Sachen und machte sich auf den Weg zum Schiff. Es war extrem viel Wasser auf den Straßen, sodass man schon fast schwimmen konnte. Theo musste Squatch sogar tragen, da Roboter natürlich kein Wasser vertragen. Gerade als Theo ablegen wollte, fiel ihm etwas auf. Wo war Linda? Theo schrie immer wieder nach ihr, doch es kam keine Antwort.

»LINDA! LINDA! LINDA!«, schrie er immer wieder, doch er bekam keine Antwort. »Squatch«, sagte Theo verzweifelt, »pass bitte auf das Schiff auf, und ich geh Linda suchen!«

Sputnik 3000 Roboter können denken und handeln wie Menschen, Gefühle wie Schmerz oder Ironie sind ihnen fremd.

Wie ein wild gewordener Stier suchte Theo, so schnell er konnte, alles ab, doch die Häuser waren bereits mit Wasser vollgelaufen. In Lindas Haus suchte Theo zuletzt. Er holte tief Luft und tauchte ab. Er fand sie in einem Luftloch der ersten Etage und packte sie am Arm. Sie küssten und umarmten sich kurz, dann verließen sie das Haus. Draußen schlugen ihnen die Wellen entgegen und der Wind peitschte erbarmungslos. Mit letzter Kraft erreichten sie das Schiff. Die Stadt war bereits kaum noch zu sehen.

Theos Widersacher, Dr. Erich, hatte sein Schiff fatalerweise zu weit von der Hafenausfahrt festgemacht. Durch den Druck der Wellen an dieser Seite des Hafens war es ihm unmöglich, den Hafen zu verlassen. Theo, Linda und die Mannschaft schafften es gerade noch aus dem Hafen, ohne an die Kaimauer gedrückt zu werden. Geschickt steuerte das Hightechschiff durch die Wogen, gesteuert per Autopilot.

Nach weiteren drei Stunden hatten sie die offene See erreicht, als plötzlich der Wind nachließ. Trotz aller Erwartungen schwächte sich der Sturm im Laufe des Tages ab und alle waren erleichtert. Theo und Linda hatten sich in die Kajüte zurückgezogen, lagen erschöpft, aber glücklich in der Koje und schliefen sehr schnell ein.

Am nächsten Tag erreichten sie wieder die Stadt, wo sich ihnen ein Bild der Zerstörung bot. Alle Menschen, die nicht auf die umliegenden Schiffe gelangt waren, hatten sich in die Berge gerettet. Die Arbeitsroboter fingen unverzüglich an, die Stadt wieder aufzubauen. Mit der Entwicklung des Sputnik 3000 würde dies jedoch viel schneller vorwärtsgehen. Theo wollte weiterforschen.

Constanze Weiß

Der perfekte Tag der Zukunft

14. Juli 2112

Liebes Tagebuch,

als ich heute aufwachte, ist mir etwas Unglaubliches passiert! Ich wurde von dem Piepen meines Roboters geweckt – dachte ich zumindest. Doch als ich dann genau hinschaute, sah ich, dass es mein Hase war. Seit wann piepen Hasen? Das konnte ich mir selbst nicht so richtig erklären.

Ach ja, seit heute beginne ich ja dieses neue Tagebuch. Also neu, na ja, alt eigentlich. Irgendwo auf deiner ersten Seite steht, dass du im Jahr 2014 gebunden wurdest. Genau genommen bist du also schon ziemlich alt, nur für mich halt neu … Du kennst mich auf jeden Fall noch gar nicht und ich habe mich und mein Leben noch nicht vorgestellt. Im Vergleich zum Jahr 2014 hat sich sicher einiges geändert. Also los: Ich heiße Cate, bin so eine kleine Sportliche und immer gut drauf … Außer wenn meine Freundin in der Schule eine bessere Note bekommen hat als ich. =)

Wo waren wir? Ach, genau! Bei dem Hasen. Wie schon gesagt, konnte ich mir das nicht erklären. Ich vergaß die ganze Sache einfach und bestellte mein Frühstück. Nicht, dass du jetzt denkst, ich sei im Restaurant. Nein, nein, nein! Ich lag gemütlich in meinem Bett und sah fern. Das Bestellen geschieht bei uns über einen Roboter. Wie das geht? Ganz einfach! Als Erstes sage ich, was ich gern möchte, zum Beispiel Toast mit Nutella und einen Vanillepudding dazu. Dann drücke ich noch auf einen kleinen roten Knopf am Roboter und schon geht eine kleine rostige Klappe am Bauch auf und darin ist ein Tablett mit meinem Frühstück.

Habe ich meinen Roboter eigentlich schon beschrieben? Also, er heißt Leon, ist türkisfarben und mit vielen kleinen, leuchtenden, gelben Sternen betupft. Er ist immer freundlich und nett. Ich glaube, er weiß gar nicht, wie Böse-Sein geht. Ich esse immer im Bett, da das An- und Ausziehen so schneller geht. Ich muss nur einmal sagen, was ich gern anhätte, und schon ist es passiert.

Ach, damit du es weißt: Die Schule ist in der Zukunft leider nicht abgeschafft worden! Aber dafür sitzt man auf schwebenden Stühlen. Die Schule beginnt erst um 8:30 Uhr und wir bekommen die Aufgaben auf unseren Laptop geladen und haben viele neue Fächer, wie zum Beispiel Roboterkunde. Dort lernt man, die Roboter zu kontrollieren. Das ist doch auch nicht schlecht, oder?

Wusstest du, dass die Drei eine magische Zahl bei uns ist? Nein? Dann erzähle ich dir mal eine kleine Geschichte. Es war an einem schönen Herbsttag. Lisa, das ist übrigens die Tochter von einem früheren Präsidenten, sollte auf ihren kleinen Bruder aufpassen. Doch als sie friedlich zusammen Karten spielten, zog ein schrecklicher Sturm auf. Es begann auch zu regnen und zu gewittern. Plötzlich wurde ihr Bruder von dem Sturm erfasst und hoch in die Luft gewirbelt. Lisa war so erschrocken, doch sie musste etwas tun. Nur was? Sie überlegte, was sie sagen könnte. Sie dachte nach und erkannte, dass es drei Aufkommen der Natur waren, die zeitgleich auftraten. Also musste sie vielleicht nur dreimal sagen: »Hört auf, ihr drei Mächte!«

Plötzlich hörte es tatsächlich auf zu regnen und zu gewittern, schließlich legte sich auch der Sturm langsam wieder. Ihr Bruder war aber immer noch ziemlich weit oben und Lisa hatte Angst, dass er gleich wie ein Stein auf die Erde fallen würde. Doch was passierte? Er schaukelte wie ein Blatt hin und her und erreichte den Boden schließlich ganz leicht.

Wie Lisa auf die Idee gekommen war, die drei Naturgewalten direkt anzusprechen, wusste sie selbst nicht. Aber es hatte funktioniert! Als der Präsident davon erfuhr, ernannte er die Drei zu einer besonderen Zahl. Seitdem ist die Zahl eine magische Zahl bei uns. Bei Unwettern rufen wir immer die Drei. Und es wird gesagt, dass, wenn jemand im Abitur eine Drei schreibt, das Abitur nicht schlechter als 1,5 im Durchschnitt werden kann. Seit dieser Zeit klatscht man sich im Übrigen zur Verabschiedung immer dreimal ab, in der Hoffnung, dass es dem anderen Glück bringt. Und in der Schule gibt es in jeder Klasse immer drei coole Jungs.

Wo waren wir? Ach, genau! Ich sagte, was ich anziehen wollte, nämlich mein Lieblingsglitzershirt mit meiner türkisfarbenen Lieblingshose. Das ging ganz schnell, wie du ja schon weißt. Es ist jetzt erst 7:30 Uhr, also habe ich noch Zeit, dir ein paar Dinge zu erklären. Fangen wir an mit meinem Bett. Mein Bett ist türkisfarben, denn du musst wissen, Türkis ist meine Lieblingsfarbe. Das Bett hat die Form eines Roboters. Dann gibt es noch einige Besonderheiten, wie zum Beispiel den Masseur. Das sind Hände, die fest an dem Bett dran sind und mich massieren, wenn ich das will. Das Beste an meinem Bett ist aber, dass sich je nach Wetter das Laken erwärmt oder abkühlt. Einschlafprobleme gibt es damit nicht mehr.

Jetzt zu den Hausaufgaben: Die werden nicht mehr mit der Hand gemacht und erst recht nicht von den Menschen. Die Hausaufgaben werden nach der Schule schnell in einen kleinen Schlitz am Roboter geworfen und von ihm gelöst. Er braucht dafür nicht mehr als fünf Minuten. Angst davor, dass er sie falsch macht, braucht man auch nicht zu haben, da er sie immer richtig löst. Cool, oder? Aber er kann natürlich nicht alle Aufgaben lösen. Hausaufgaben in Roboterkunde muss ich leider selbst lösen, da man sie am Roboter ausprobieren und lernen muss. Ich habe zu heute eine Hausaufgabe in Roboterkunde auf. Ich soll zeigen, wie ich eine ungelöste Hausaufgabe in meinen Roboter werfe und er sie dann zwei Minuten später vollständig gelöst ausspuckt. Ich kann das schon richtig gut. Leon und ich sind ein prima Team! Ich bin schon aufgeregt, es nachher der Klasse vorzuzeigen. Wir dürfen natürlich unseren Roboter mit in die Schule nehmen.

Aber bevor ich zur Schule gehe, muss ich noch Zähne putzen. Die Zahnbürsten können bei uns fliegen und die Zähne ganz ohne Hilfe putzen. Ich putze mir also gleich die Zähne und hole dazu Leon. Danach schreibe ich weiter.

Jetzt fragst du dich bestimmt, wie ich zur Schule komme. Ganz einfach! Wir haben fliegende Autos und es gibt Luftstraßen, auch Ampeln gibt es noch. Rate mal, ab wie vielen Jahren man bei uns den Führerschein macht! Ab zwölf! Bei uns bekommt jeder ein fliegendes Auto schon zum ersten Geburtstag! Ich bin zwölf Jahre alt und habe gerade meinen Führerschein gemacht. Das Fahren, also Fliegen macht total Spaß! Aber ich muss jetzt los.

Unsere Schule ist in der Luftstraße 36. Das ist nur zwanzig Straßen entfernt. Ich kann dir, während ich zur Schule fliege, einige Informationen über meine Klasse mitteilen. Denn zum Fliegen habe ich die Hände frei und kann somit weiterschreiben. Warte kurz, gleich schreibe ich weiter.

So. Weiter geht’s! Also, ich habe eine beste Freundin, die heißt Danella. Aber ich habe auch eine Erzfeindin, Ebony. Sie versucht, mich in jeder freien Minute zu blamieren und hält sich für etwas Besseres, weil ihr Name Ebenholz bedeutet. Meine Klassenlehrerin ist Frau Sharel. Sie ist supernett und das hat zur Folge, dass es bei uns sehr, sehr laut in der Klasse ist. Wir haben auch einen Klassenclown. Er heißt Peter und muss zu jeder Sache seine witzigen Kommentare geben.


Constanze Weiß

Unsere Klasse ist nicht die schlauste, aber wir haben trotzdem einen Klassenbesten. Er heißt Tarell und hat einen Notendurchschnitt von 1,1! Ach ja, wir sind an einer Mittelschule. Tarell will vielleicht ans Gymnasium wechseln, aber die meisten aus der Klasse finden, dass er dableiben soll. Ich mag ihn auch. Er ist nicht so wie alle Streber! Tarell ist nett und freundlich und gibt nie mit seinen Noten an. Oh! Gleich sind wir da. Am Schultor wartet bestimmt schon meine Freundin Danella. Ich schreibe später weiter.

Puh, endlich geschafft, die Schule. Als Erstes hatten wir heute Deutsch. Wir nehmen gerade die Zeitformen oder besser gesagt die Zeitform durch. Bei uns wurden alle sechs Zeitformen zu einer einzigen zusammengezogen, damit es uns leichter fällt und mehr Leute unsere Sprache lernen. Du musst dich also nicht wundern, wenn sich bei mir die Zeitformen immer mal abwechseln, da ich den Unterschied nie so richtig gelernt, sondern nur mal bei meinen Eltern mitbekommen habe.

Mein Lieblingsfach ist Deutsch. Das wundert dich vielleicht. Die Sprache wurde in den letzten Jahren sehr vereinfacht. Wir haben alle nur Einsen in dem Fach! Deutsch ging mal wieder ziemlich schnell vorbei, da alle immer so gut mitarbeiten. Danach war Pause. Die ist immer vierzig Minuten lang. Ich habe mein Frühstück gegessen. Wir bekommen nämlich immer eine Brotbüchse mit in die Schule. Rate mal, was da so drin ist! Also, ich und viele andere haben fast jeden Tag Luftfußballschokolade mit. Was das ist? Du kennst doch bestimmt Fußball, oder? Das war früher mal total in, aber jetzt ist Fußball out. Es wird nur noch Luftfußball gespielt. Beim Luftfußball schwebt man oben in der Luft und die Luftfußballschokolade macht einen leichter, damit man schweben kann. Trotzdem macht sie sehr satt. Was Luftfußball ist, erkläre ich dir später noch … Okay?

Sonst haben wir noch ganz normales Brot mit Wurst und Käse. Ganz besonders mag ich aber unser Weltraumobst. Kennst du Weltraumobst? Nein? Okay, wir haben Obst im Weltall gefunden und das gibt es jetzt zu kaufen. Du kannst dir das Obst etwa so vorstellen: Es hat eine blaue Schale und innen drin ist es rosa mit Kernen. Klingt erst einmal komisch, oder? Schmeckt aber richtig süß und gut.

Als die Pause vorbei war, hatten wir Theaterstunde. Nur noch eine Stunde und dann hatten wir Roboterkunde! Wir sollten heute ein Stück auf Note vorführen. Ich war die Verkäuferin und Ebony ein Mädchen, das bei mir einkaufte. Als ich Ebony zeigen sollte, wo man die Luftfußballschokolade findet, hat sie mir doch tatsächlich heimlich ein Bein gestellt. Ich fiel hin und mein Bein blutete ein wenig. Aber viel schlimmer war, dass mich alle auslachten! Es war mir so peinlich! Zu allem Überfluss hatte keiner bemerkt, dass mir Ebony das Bein gestellt hatte, noch nicht einmal Frau Sharel. Ich versuchte, es ihr zu erklären, doch es nützte nichts. Ich bekam noch nicht mal eine zweite Chance und dafür eine Vier! Das alles nur wegen Ebony! Ratet mal, was diese Zicke bekam: eine Eins! Ich konnte es nicht fassen!

Aber jetzt musste ich mich erst mal auf Roboterkunde vorbereiten, du weißt schon, wegen der Hausaufgabe. Leon hatte ich auch schon geholt. Ich ging also in den Aufenthaltsraum und übte noch mal. Dabei ging vieles schief. Aber wie man so schön sagt, wenn es in der Generalprobe schiefgeht, dann klappt es bei der Aufführung umso besser. Hoffentlich stimmte das auch bei mir … Gleich war es so weit, nur noch ein paar Minuten. In der restlichen Zeit aß ich noch mein Pausenbrot.

Dann klingelte es. Mein Herz klopft wie verrückt. Frau Sharel erklärte uns am Anfang noch einige Dinge und dann ging es los. Sie fragte, wer anfangen wolle, doch niemand meldete sich. Das bedeutete, dass sie sich jemanden aussuchen würde. Hoffentlich nicht mich! Aber wie der Zufall es wollte, kam ich dran. Na toll.

Der erste Teil klappte schon mal ganz gut. Ich warf die ungelösten Hausaufgaben genau in den Schlitz und Leon verarbeitete sie. Jetzt konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Plötzlich hörte man den Piepton, der zeigte, dass er fertig war. Doch dann blieb ich wie angewurzelt stehen. Was los war? Das willst du eigentlich nicht wissen! Na gut, also, statt der gelösten Hausaufgabe kam eine Pizza heraus! Oh mein Gott, wie peinlich. Ebony musste natürlich noch einen fiesen Kommentar dazu geben, der so ähnlich klang wie: »Was gibt es denn bei euch zu essen?« Ich fragte, ob ich eine zweite Chance bekäme. Frau Sharel sagte zum Glück »Ja«! Beim zweiten Mal lief alles perfekt und ich bekam eine Eins. Sogar Tarell klatschte und Peter machte keine einzige witzige Bemerkung. Ich war überglücklich. Wegen des Theaterstücks bekam ich auch noch eine zweite Chance. Ich spielte es der Klasse vor und als Ebony mir wieder ein Bein stellen wollte, sprang ich einfach darüber. Doch jetzt sah es sogar Frau Sharel. Sie gab mir eine Eins und entschuldigte sich, weil sie so ungerecht gewesen war. Ebony gab sie eine Sechs wegen fehlender Fairness und eine schriftliche Verwarnung.

Die Schule war endlich vorbei und ich konnte mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Sogar Ebony habe ich eins ausgewischt! Auf dem Rückweg aß ich die Pizza, die aus der Klappe gekommen war. Ich teilte sie mit Leon. Er isst sonst nie Pizza, weil ich es ihm nicht erlaube, aber heute bekam er sie als Leckerli. Er hatte seine Aufgabe heute so gut gemacht, da hatte er sich ein Stück Pizza verdient.

Am Nachmittag war richtig viel Verkehr auf den Luftstraßen. Zu Hause angekommen, scrailte ich meiner Mutter erst mal die guten Nachrichten. Du weißt nicht, was scrailen ist?! Ach so, du bist ja aus der Vergangenheit. Als Erstes sage ich das Wort »scrailen«. Danach spreche ich meinen Text und den Empfänger in die Luft. Dann tippe ich in die Luft und sofort sieht der Empfänger die Nachricht vor sich in der Luft. Meine Mutter antwortete erst mal nicht. Auch egal. Ich musste mich jetzt fertig machen für die Autostunde.

Autostunde ist ein Hobby, das viele Kinder haben. Man lernt, mit fliegenden Autos zu fahren. Ich habe ja schon einen Führerschein, aber mir macht es trotzdem Spaß. Es gibt natürlich auch andere Hobbys. Da fällt mir ein, ich wollte dir ja noch Luftfußball erklären. Also, man spielt es in der Luft und braucht zwei Mannschaften mit je gleicher Spieleranzahl. Die Regeln sind wie beim normalen Fußball, nur dass es keine Tore gibt. Man muss in eine Wolke schießen, die beim Gegner ist. Die Wolke kann manchmal drei Meter entfernt sein, aber manchmal auch dreißig. Häufig gibt es gar keine Wolken am Himmel, dann kann man es nicht spielen.

Die Einzelheiten über die heutige Autostunde erzähle ich dir ein anderes Mal, da sie nicht so spannend war. Ich bin auf jeden Fall noch nicht so lange zu Hause und schaue gerade nebenbei fern. Meine Eltern sind zum Glück noch nicht da. Sie haben beide Nachtschichten. Ins Bett gehe ich aber trotzdem gleich, ich wäre gerade beim Schreiben schon fast eingeschlafen. Eben bekam ich eine Nachricht von meiner Mutter: »Na, hast du einen schönen Tag gehabt?«

Nach kurzem Überlegen kann ich nur sagen: Jaaaa!

Dann tschüss, liebes Tagebuch!

Deine überglückliche Cate.

PS: Ach, übrigens, es war tatsächlich mein Hase, der heute Morgen so gepiept hat! Er hat das komische Ding meiner Ur-Ur-Uroma, das sich, glaube ich, »Handy« nennt, aufgefuttert … =)

Daniel Kaldenhoff

Die drei Brüder

Ein ganz normaler Tag in Stayhamtion beginnt. Die drei Brüder Lordwig, Will und Jack stehen aus ihren schwebenden Betten auf. Jack geht in den Whirlpool, um sich zu entspannen. In der Zeit stellt Lordwig gerade sein Tablet X105 auf Schulmodus ein und lernt noch etwas für den Zock-Unterricht. Er versucht, sich die Taktik des Fünffachsprungs einzuprägen. Durch fünfmaliges Tippen auf das Tablet in bestimmten, eingeübten Zeitabständen soll eine Figur auf dem Tablet eine Mindestsprunghöhe erreichen. Lordwigs Bruder Will beendet noch kurz eine Hausaufgabe, bei der er noch die letzte Taste in sein neues Robottaste-Handy einbauen muss.

Nach kurzer Zeit sind alle mit ihren Aktivitäten fertig. Sie gehen auf die Rolltreppe und fahren nach unten in die Küche. In der Küche angekommen, gibt es Rinderherz mit Kuhzunge und als Beilage Basilikum zum Frühstück. Als sehr schmackhaftes Getränk wird Brennnessel-Zwiebel-Tee dazu serviert. Anschließend putzen sie sich ihre Zähne mit einer Bürste aus Katzenfell. Kurz darauf schweben sie mit ihren Flyboards in die Schule. Nachdem sie dort angekommen sind, stellen sie die Flyboards auf ihren gemieteten Parkplätzen ab und laufen zur Rolltreppe. Will muss in den ersten Stock, Jack in den zweiten Stock und Lordwig in den vierten.

Will, der seine Hausaufgabe heute Früh noch beendet hat, präsentiert sie ganz stolz vor seinen Klassenkameraden. Jack hat wieder mit einem Roboter Unterricht, weil der Lehrer noch immer an einem Schlangenbiss leidet, und der dritte Bruder, Lordwig, präsentiert derweil im Zock-Unterricht seinen schon lange erprobten Fünffachsprung.

Im Anschluss an den Unterricht besuchen die drei Brüder gemeinsam einen Selbstverteidigungskurs. Sie wurden dazu von ihrer Mutter verdonnert, weil sich seit Kurzem ein Kinder-Kidnapper in Stayhamtion herumtreibt. Es werden schon drei Kinder vermisst.

Als die Jungen in den Kurs kommen, steht ein anderer Trainer als gewöhnlich vor ihnen. Er sagt: »Hallo, ich bin die Vertretung für euren Trainer.«

»Wir haben aber keine Rückmeldung von Herrn Schwinter bekommen, dass er heute nicht da ist«, entgegnet Will.

Die Vertretung sagt: »Oh, das ist aber komisch. Ich werde trotzdem heute euren Unterricht führen!«

Die drei Brüder ziehen sich noch schnell um, damit der Unterricht beginnen kann. Aber als sie aus der Umkleidekabine kommen, ist der Trainer nicht mehr zu sehen. An seiner Stelle steht ein schwarz gekleideter Mann in der Tür nach draußen. Die drei Brüder fragen den unheimlich wirkenden Mann, wo der Trainer sei.

Dieser antwortet: »Er steht gerade vor euch!«

Plötzlich geht das Licht aus und die Kinder kriegen einen riesigen Schreck. Dann spüren sie einen Stich in den Nacken und gehen kurz darauf zu Boden.

Als sie nach längerer Zeit wieder erwachen, nehmen sie wahr, dass sie sich im Kofferraum eines Autos der Marke Liverton befinden. Die Brüder erkennen dies gleich an dem besonderen Motorengeräusch. Dieser fährt maximal 400 Kilometer pro Stunde, es besteht also kein Grund, sich wegen der Geschwindigkeit Sorgen zu machen. Schließlich hält der Wagen an und der schwarz gekleidete Mann steigt aus und öffnet die Kofferraumtür. Wie unschwer zu erraten, ist der Mann der Vertretungstrainer. Er zieht die noch nicht ganz bei Bewusstsein befindlichen Brüder aus dem Wagen. Sie können sich wegen ihres Zustands weder wehren noch weglaufen, aber ihr Seh- und Hörvermögen ist bereits wieder intakt. So kriegen sie mit, was mit ihnen und um sie herum passiert.

Als Jack sich umsieht, bemerkt er, dass sie sich in einer abgelegenen, ländlichen Gegend befinden. Andere Menschen sind weit und breit nicht zu sehen. Jack sieht zu seinen beiden Brüdern Will und Lordwig hinüber und fragt: »Wisst ihr, wo wir hier sind? Ich sehe nichts und niemanden außer ein paar Gräsern und Bäumen.«

Lordwig ruft aufgeregt: »Guckt mal, da ist eine Scheune. Ob er uns wohl dahin bringt?«

Darauf antwortet der Mann mit einer fiesen Stimme: »Exakt! Ich hoffe, ihr werdet euch mit den anderen drei Kindern gut verstehen!«

An der Scheune angekommen, wirft der Kidnapper die Brüder unsanft auf den Boden. In der abgelegenen Scheune sind tatsächlich noch drei weitere Kinder. Will fragt sie: »Was ist denn mit euch passiert?«

Ein kräftiger Junge steht auf und sagt: »Ich wollte zum Boxen gehen, als ein fremder Mann vor mir stand und behauptete, dass er die Vertretung für meinen eigentlichen Trainer übernommen hätte. Ich nahm es so hin und ging in die Umkleide. Als ich wiederkam, stand er ganz in Schwarz gekleidet vor mir, das Licht ging aus, ich spürte einen Stich im Nacken und kurz darauf war ich hier.«


Daniel Kaldenhoff

Lordwig fragt: »Und was ist mir dir?« Er meint damit ein kleines Mädchen.

Es antwortet: »Ich ging wie gewöhnlich zum Ballettunterricht und da gab sich ein unbekannter Mann als mein Vertretungslehrer aus. Als ich von der Umkleide wiederkam, erwartete mich ein schwarz gekleideter Mann und rammte mir etwas in den Nacken. Schon nach kurzer Zeit war ich hier! Und dann stieß ich auf dieses Mädchen im Reiteranzug.«

Das Mädchen im Reiteranzug steht auf und schreit weinend: »Mir ist das Gleiche passiert, bloß dass ich zum Reiten wollte!«

Will geht zu ihr und tröstet sie.

Währenddessen gucken Jack und Lordwig nach möglichen Fluchtwegen aus der Scheune. Aber so sehr sie sich auch bemühen, es gibt keinen Ausgang. Auf einmal bemerkt Jack, dass er sein Handy dabei hat. Er probiert sofort, ob es noch funktioniert, aber in der Scheune gibt es keinen Empfang.

Will sagt verzweifelt: »Wie sollen wir hier nur rauskommen?«

Da hören sie Schritte vor der Scheune und die Tür öffnet sich. Der Mann, der sie entführt hat, bringt ihnen etwas zu essen und zu trinken.

Die Kinder schreien panisch: »Wir haben Angst! Lassen Sie uns hier raus!«

Lordwig, der nicht so große Angst hat, schreit: »Leise!«, und fragt den Mann:

»Warum machen Sie so etwas?«

Der Mann sagt verzweifelt: »Was geht euch das an?«

Doch Lordwig gibt nicht auf: »Ich möchte wissen, welchen Grund es für Sie gibt, so etwas zu tun.«

Der Mann antwortet: »Okay, aber das ist die einzige Frage, die ich beantworte. Früher hatte ich eine tolle Familie, eine Frau und drei Kinder. Wir haben schöne Urlaube gemacht und hatten immer viel Spaß, bis meine Frau wegen eines anderen Typen abgehauen ist und alle drei Kinder mitnahm. Ich war der unglücklichste Mensch der Welt. Mein ganzes Leben war versaut und ich wurde zu einem schlechten Menschen. Dann habe ich mir gedacht, dass ich nun auch die anderen Familien kaputt machen will, und euch daraufhin hier eingesperrt. Das ist der Grund, weshalb ihr jetzt hier seid und nicht bei eurer Familie zu Hause.«

Die Ballettschülerin fragt: »Wann kommen wir denn hier wieder raus und zu unseren Familien?«

Der Mann antwortet grimmig: »Ich sagte doch, dass ich nur eine Frage beantworten werde!« Er geht sehr stinkig aus der Scheune hinaus, schlägt die Tür hinter sich zu und schließt ab.

Die sechs Kinder stürzen sich auf das mitgebrachte Essen – Jakobsmuscheln mit Trüffelpilzen – ein für das Jahr 2305 sehr ärmliches Essen. Noch immer ist die Stimmung der sechs Kinder sehr trüb und traurig, denn sie sind sich sicher, aus der Scheune nie wieder herauszukommen. Die Eltern der Kinder suchen bestimmt schon nach ihren Schützlingen, aber in so einem abgelegenen Gebiet wird es schwer werden, sie zu finden. Deswegen müssen die Kinder selbst einen Plan schmieden.

Lordwig hat eine Idee: »Wenn der Mann uns das nächste Mal unser Essen bringt, versuchen wir, ihn zu überwältigen.«

Jack fragt: »Aber wie wollen wir das anstellen?«

Das Mädchen vom Reitunterricht hat eine Idee. Sie erzählt den anderen Kindern von den Hürden, die es beim Reiten gibt und über die die Pferde springen müssen: »Die meisten Hürden bestehen aus Holzstangen, manche aber auch aus übereinandergestapelten Strohballen. Wir können aus den vielen Strohballen hier in der Scheune ein Hindernis vor dem Eingang aufbauen, indem wir drei von ihnen aufeinanderstapeln. Morgen Früh verstecken wir uns hinter den Ballen und wenn der Mann kommt, um uns das Essen zu bringen, stoßen wir sie auf den Mann, sodass er hinfällt und wir ihn überwältigen können. Dann ruft Jack die Polizei und seine Eltern an.«

Mit dieser Idee sind alle einverstanden und sie beginnen sofort mit der Arbeit.

Am nächsten Morgen ist es dann so weit. Als der Mann die Scheunentür aufschließt, um den Kindern das Frühstück zu bringen, stutzt er einen Moment lang. Genau diesen Augenblick nutzen die Kinder aus, um die Strohballen umzustoßen. Der Mann ist so überrascht, dass er den hinabfallenden Ballen nicht mehr ausweichen kann und von ihnen zu Boden gedrückt wird. Die Kinder fassen den Mann und halten ihn fest. In dieser Zeit rennt Jack nach draußen, wo sein Handy wieder Empfang hat, ruft die Polizei und seine Eltern an und bittet sie, zur Scheune zu kommen.

Die Eltern und die Polizei wissen sofort, wo die Scheune liegt, da es auf der ganzen Welt nur noch eine natürliche Landschaft mit Gräsern und Bäumen gibt. Das kommt daher, dass alle anderen Gegenden mit Hochhäusern und anderen Gebäuden zugebaut wurden.

Nach einer halben Stunde trifft die Polizei mit den Eltern an der Scheune ein. Die Eltern haben auch einen Krankenwagen mitgebracht, für den Fall, dass es Verletzte geben sollte. Durch den Stich in den Nacken müssen alle Kinder mit ins Krankenhaus genommen werden. Es stellt sich heraus, dass die Spritze K.-o.-Tropfen enthielt, die die Kinder bewusstlos gemacht haben.

Als die Kinder aus dem Krankenhaus entlassen werden, freuen sie sich alle auf ihre Tablets, Handys, ihren Whirlpool, das Essen, das Schwebebett und – last but not least – auf ihre Rolltreppe.

Der Mann wird wegen Kindesentführung zu drei Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis hat er die Möglichkeit, die schlimme Erfahrung, von seiner Familie verlassen worden zu sein, zu verarbeiten und sich anderen Menschen wieder zu öffnen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis beginnt er ein neues Leben.

Die Entführung verändert auch das Leben der drei Brüder. Sie werden später berühmt und machen alle ihre eigene Firma auf. Will eröffnet eine Firma für Handys und Rolltreppen, Jack für Whirlpools und Schwebebetten und Lordwig für Essen und Tablets. Dank ihrer Firmen werden sie reich. Sie haben alle eine eigene Familie und leben jeder in einem großen Haus mit den neuesten und modernsten Sachen, die man besitzen kann.

David Hornbach

Leipzig, den 01.04.2014

Ich saß an diesem Aprilmorgen am Kamin und suchte die Fernsehseite, da es heute so dunkel und grau war. Aber so ungeschickt, wie ich war, fiel mir der Fernsehteil der Zeitung aus der Hand. Zum Vorschein kam nun der Teil der Zeitung, in dem Anzeigen wie »Putzfrau gesucht«, »Haus zu verkaufen« oder »Bin ausgebildeter Straßenkehrer und suche Arbeit« standen. Er war größer als sonst. Zumindest eine Anzeige war auffälliger als üblich, denn in dieser stand in wuchtigen Druckbuchstaben:

»GESUCHT! Suche Versuchsobjekt mittleren Alters für eine Zeitreise. Rhododendrongasse 3.«

Bevor ich darüber nachdenken konnte, welche Person diese Anzeige wohl in die Zeitung hatte schreiben lassen, überwältigte mich auch schon die Neugier, und weil ich ja sowieso nichts zu tun hatte, ging ich sofort los. Als ich dann – ich meine, es waren ungefähr sechzig Minuten – vor einem alten baufälligen Haus stand, das die Rhododendrongasse 3 sein musste, was man an der alten Ziffer an der Hauswand erkennen konnte, ging ich hinein, ohne auch noch einmal lange zu zögern. Die Hausnummer drei schillerte merkwürdig und ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl. Ich ging bis in den obersten Stock. Dort standen mehr Menschen als erwartet, aber da die meisten schon fertig zu sein schienen, war ich schnell an der Reihe.

Ich betrat einen dunklen Raum, der nur von einer kleinen Lampe erhellt wurde, und sah, wer vor mir stand. Erst da fiel mir auf, dass in dem Zeitungsausschnitt gar kein Name gestanden hatte. Ich sah einen Mann, ich schätzte ihn auf Anfang dreißig, mit dunklen Haaren und eine Frau, etwa im selben Alter, ebenfalls mit dunklen Haaren.

Der Mann begann zu sprechen: »Nun, wie ich sehe, könnten Sie unser richtiges Objekt sein.«

Ich verstand nicht, wieso er mich als Objekt bezeichnete, aber dachte wieder nicht lange nach, sondern lächelte einfach nur. Er nickte in Richtung der Liege, die fast genau unter der schwachen Lampe stand. Ich legte mich mit einem leichten Bauchgrummeln hin. Dann, ich schätze, nach circa zehn Minuten, bat er mich, wieder aufzustehen. Der Mann war mir nicht sehr sympathisch.

Die Frau, welche seine Assistentin zu sein schien, gab ihm mehrere Informationen, dann sagte der Mann, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte: »Gut! Sie sind das richtige Objekt«, und bat mich, ihm zu folgen.

Als wir ein paar Räume weiter zu einer menschengroßen Kapsel kamen, wurde mir übel. Man befestigte noch ein paar Geräte an mir. Von meiner Übelkeit ließ ich mir nichts anmerken.

Schließlich sagte der Mann nur: »Einsteigen!«, und dann ging alles ganz schnell. Von draußen drangen Stimmen in die Kapsel: »Der Flug in das Jahr 3014 beginnt in 3 … 2 … 1 …«

BUMM!

Ich fragte mich, wie ich nur so dumm hatte sein können, mich von einem Mann, von dem ich nicht einmal den Namen und sein Vorhaben kannte, in eine Kapsel stecken und in das Jahr 3014 schießen zu lassen. Aber jetzt war es sowieso zu spät.

Plötzlich hörte ich noch andere Stimmen, Stimmen von Leuten, wahrscheinlich Politikern, sowie Menschengeschrei in Arenen. Ich sah sie vor mir. Dann setzte ich auf einmal irgendwo auf. Die Tür öffnete sich und Sonnenlicht fiel mir in die Augen. Ich schaute mich in der Kapsel um. Außer einer kleinen Anzeige, auf der 3014 stand, war dort nichts.

Doch ich sah mir diese Anzeige noch einmal an und dann bemerkte ich, dass dort ein Zettel aufgeklebt war, auf dem stand: »Kehren Sie innerhalb von 120 Minuten zurück zu Ihrer Kapsel und drücken Sie auf den roten Knopf hinter der Anzeige!«

Ich tastete hinter der Anzeige nach dem roten Knopf und fühlte ihn. Ich überlegte, ob ich nicht gleich draufdrücken sollte, wer wusste schon, was mich da draußen erwartete … Schon nach kurzer Zeit entschied ich mich und drückte auf den Knopf. Nachdem ich das getan hatte, hörte ich eine Stimme: »Sie haben noch 118 Minuten Zeit, bevor Sie in die Vergangenheit zurückkönnen.«

Ich musste warten. Aber knappe zwei Stunden in diesem Ei hier konnte ich auch nicht sitzen. So schob ich die Tür vor mir einen Spalt weit auf …

Zur selben Zeit 1000 Jahre in der Vergangenheit: Herr und Frau Maier freuten sich, als sie hautnah mitverfolgten, was ihr Versuchsobjekt in der Zukunft gerade erlitt. Durch die Helmkamera, die sie mir mitgegeben hatten, konnten sie alles von ihrem Sofa aus miterleben und aufnehmen und dann würden bald alle wissen, wie es hier auf der Erde in 1000 Jahren aussehen würde. Damit würden sie Millionen oder gar Milliarden Euro verdienen.


David Hornbach

Es war unvorstellbar, was sich vor meinen Augen abspielte, als ich mich aus der Kapsel lehnte. Keiner beachtete mich, ich schien unsichtbar zu sein. Vor meinen Augen liefen Frauen, Kinder und Männer aufgewühlt durch die Straßen. Ein Mann, der mit seinem Kind hinter einer Mauer kauerte, fiel mir gleich auf. Das lag vielleicht daran, dass er eine gewisse Ähnlichkeit mit mir hatte, aber ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber, da ich in 1000 Jahren ja sowieso nicht mehr existieren würde. Ich begann zu überlegen, was hier los sein könnte. Im nächsten Moment rollte jedoch ein Panzer mit der Aufschrift »USA« an meiner Kapsel vorbei. Er kam mir gefährlich nah und mir wurde klar, dass ich tatsächlich unsichtbar sein musste. Lauter kleine Flieger flogen in der Luft herum. Da ratterte es langsam in mir: Krieg.

Mir war ja eigentlich gleich klar, dass diese Menschen Angst hatten, vielleicht sogar Todesangst, aber weil ich wieder einmal so neugierig war, ging ich ganz aus meiner Kapsel heraus. Ich wollte den Mann fragen, was hier los war, doch der schaute nur wild um sich und legte schützend seinen Arm um den Kopf des Kindes, das neben ihm saß. Komisch war, dass ich alles hören und sehen konnte, mich jedoch niemand hörte oder sah.

Ich ging zu zwei Frauen, die sich panisch unterhielten, mit der Hoffnung, ein paar Sätze zu diesem Geschehen aufzuschnappen. Und ich hatte Glück. Da sie so laut redeten, konnte ich alles verstehen, aber was ich da verstand, versetzte mich in Trance. Ich wollte nur noch zurück vor meinen Kamin und alles vergessen.

Zur selben Zeit 1000 Jahre in der Vergangenheit: Herr Maier, noch immer auf seinem Sofa liegend, lachte gerade auf und sagte dann mit einem breiten Grinsen: »Wie gut, dass ich unter dem Helm meine zweite Erfindung installiert habe, mit deren Hilfe ich meine Gedanken auf das Versuchsobjekt übertragen kann, ohne dass es etwas davon mitbekommt und ganz so, wie ich es möchte. Das scheint ja bestens zu klappen! Ich sehe schon unsere neue Villa, eine Limousine und die Badewannen voller Geld, die niemals leer gehen werden, solange es dieses Video gibt.«

Das, was diese Frauen hier sagten, hätte wohl jedem das Blut in den Adern gefrieren lassen, denn es war unvorstellbar. Sie hatten nur diesen einen Satz gesagt und trotzdem hatte ich große Angst, obwohl ich ja unsichtbar war und nur knappe zwei Stunden hier verbringe musste. Aber ich musste wohl auch einsehen, dass sich Deutschland im dritten Weltkrieg befand. Ich wollte irgendwie herausfinden, wie das gekommen war, um es, wenn ich wieder zu Hause war, allen zu erzählen und vielleicht viele Menschen vor dem Schlimmsten zu bewahren. Würde man mir denn glauben?

Aber erst einmal musste ich aufpassen, dass ich nicht selbst in irgendein Messer lief, denn verwundbar war ich dennoch, so dachte ich jedenfalls, weil ich ja mit allen meinen fünf Sinnen in dieser künftigen Zeit präsent war. Auf einmal schrien Menschenmassen auf und ich sah, wie mehrere Bomben aus dem Himmel flogen und wie Menschen vor Schmerz schrien, und dann zögerte ich noch einmal, ob ich mich nicht doch zurückziehen und warten sollte, bis meine Zeit abgelaufen war. Aber dann hätte es mir ja auch nichts gebracht, hierherzukommen, und so überlegte ich nicht länger, sondern ging in die Richtung, wo die Schreie herkamen. Dabei kam mir der Gedanke, dass, wenn ich getroffen würde, ich damit mein Todesurteil unterschrieben hätte, weil ich ja unsichtbar war und mir deswegen keiner helfen konnte. Aber darüber machte ich mir jetzt keine weiteren Sorgen, eher wollte ich schauen, was dort passiert war.

Als ich an der Stelle ankam, an der die vielen Menschen schrien, brach es mir das Herz: Die verletzten Menschen und Tiere, die dort litten, wurden jetzt alle mithilfe eines Schussrohres, welches man sonst nur für das Töten größerer Tiere verwendete, vernichtet, denn alle Plätze in den Krankenhäusern waren schon voll und die Ärzte taten auch schon mehr als sie konnten. Ich wollte mich nicht länger damit aufhalten, nur Zuschauer zu sein, sondern meine Zeit sinnvoll nutzen. Deswegen begab ich mich zum Rathaus von Leipzig, um dort vielleicht brauchbare Informationen zu erhalten. Sogleich sollte mich schon die nächste Überraschung erwarten …

Als ich gerade auf dem Weg zum Rathaus war, tauchte auf einmal Herr Maier vor mir auf, empfing mich mit einem breiten Lächeln und meinte: »Hallo, wie Sie sehen, geht es hier etwas komisch zu, aber ich werde Sie aufklären: Alle Menschen hier werden ferngesteuert, genauso wie die Stimmen nachgemacht werden und die Geräusche der Panzer … Nichts ist real. Sie sind auch der Einzige, der den Artikel in der Zeitung bekommen hat, denn eine Bürgerumfrage hatte ergeben, dass Sie in solchen Dingen der pessimistischste Mann dieser Stadt sind, wie sich hier ja gezeigt hat. Somit sind Sie das Opfer dieses Aprilscherzes geworden. Wie die Zukunft wohl wirklich wird?«

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0+
Дата выхода на Литрес:
22 декабря 2023
Объем:
207 стр. 29 иллюстраций
ISBN:
9783957448002
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