Читать книгу: «Die großen Reden der Indianer»

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Über die Autoren

Renate Kiefer, Jahrgang 1947, studierte in Heidelberg Diplom-Psychologie. Sie ist Diplom-Übersetzerin für Englisch und Russisch, Fachübersetzerin im Bereich Psychologie und Übersetzerin für Dax-Unternehmen.

Dr. Lenelotte Möller studierte Geschichte,Latein und evangelische Theologie in Saarbrücken, Basel und Mainz; die Promotion in Geschichte folgte im Jahr 2000; sie ist Studiendirektorin am Gymnasium Schifferstadt im Rhein-Pfalz-Kreis. Im marixverlag sind von ihr folgende Übersetzungen erschienen:

Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla, die Cicero-Briefe, Titus Livius‘ Römische Geschichte, Senecas Vom glücklichen Leben, Plutarchs Von Liebe, Freundschaft und Feindschaft, Polybios‘ Der Aufstieg Roms, Boëthius‘ Trost der Philosophie und Lukians Vom beinahe vollkommenen Menschen. Sie ist Mitherausgeberin der 2-bändigen Plinius-Ausgabe.

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Die in diesem Band präsentierten Reden von Indianerhäuptlingen wurden in der Regel unter Beteiligung von Vertretern der darin kritisierten europäischen bzw. US-amerikanischen Eroberer überliefert. Dabei wurden sie, obgleich man die rhetorischen Fähigkeiten der amerikanischen Ureinwohner keineswegs unterschätzen darf, gewiss auch sprachlich überarbeitet und verändert.

Versammelt sind hier eindrucksvolle Zeugnisse des Widerstandes gegen die oft erschütternde Missachtung gerade der Grundrechte, die die Auswanderer in der Neuen Welt für sich gewinnen wollten und die die amerikanische Unabhängigkeitserklärung selbst festschreibt. Die vorgetragenen Argumente sind häufig überraschend und erfrischend, zeugen aber gleichzeitig von gründlicher Reflexion und einer gewissenhaften Abwägung der einzelnen Aussagen.

Vorwort

Sammlungen von Reden und Briefen amerikanischer Ureinwohner gibt es in englischer Sprache in großer Zahl. Einige Reden wurden auch schon in deutschen Ausgaben vorgelegt. Eine besonders gelungene Zusammenstellung bietet Bob Blaisdell, Great Speeches by Native Americans, Mineola (New York) 2000. Dieses Buch war Ausgangspunkt der Überlegungen, aus denen »Die großen Reden der Indianer« hervorgingen. Bei der Sichtung des infrage kommenden Materials fiel die Wahl oft auf Texte, die auch in Blaisdells Sammlung enthalten sind. Diese wurden jedoch wie auch die anderen jeweils aus den ältesten erreichbaren Quellen übersetzt.

Ganz besonderer Dank ergeht an Miriam, Victor und Erin Eslinger in El Paso (Texas) für die Beschaffung von Quellenwerken, desgleichen an die Library of Congress in Washington, Crystal Pound von der North Dakota Studies Website und die Minnesota Historical Society für die Übermittlung von Texten sowie an Frau Ursula Lederer für ihre Unterstützung beim Textvergleich.

Speyer, im Januar 2012

Renate Kiefer und Lenelotte Möller

Haupttitel

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte vorbehalten
Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012 Lektorat: Dietmar Urmes, Bottrop Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH nach der Gestaltung von Thomas Jarzina, Köln Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin eBook-Bearbeitung: Sina Ramezan Pour Gesetzt in der Palatino Ind Uni – untersteht der GPL v2 ISBN: 978-3-8438-0259-8 www.marixverlag.de

Inhalt

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Über den Autor

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Vorwort

Impressum

Inhalt

Einleitung

1  1. Acuera (Timucua), um 1540

2  2. Wahunsonacock (Powhatan), um 1609

3  3. Chikataubut (Massachusett), um 1620

4  4. Miantinomo (Narragansett), 1642/43

5  5. Metacom/King Philip (Wampanoag), 1676

6  6. Swerise (Oneida), 24. Mai 1679

7  7. Unbekannter Häuptling (Onondaga und Cayuga)

8  8. Garangula (Onondaga), 1684

9  9. Unbekannter Häuptling (Susquehannock),nach 1706

10  10. Unbekannter Häuptling (Irokesen), 1744

11  11. Thanayeison (Irokesen), 1748

12  12. Minavavana (Anishinabe), 1761

13  13. Pontiac I (Ottawa), 27. April 1763

14  14. Pontiac II (Ottawa), 23. Mai 1763

15  15. Red Hawk (Shawnee), 12. November 1764

16  16. Unbekannter Häuptling (Dakota), um 1767

17  17. Unbekannte Frau (Dakota), um 1767

18  18. Tahgahjute/James Logan (Cayuga),um 1774

19  19. Hopocan/Captain Pipe (Delaware), 1781

20  20. Buckongahelas (Delaware), 1781

21  21. Cornplanter, Half Town, Big Tree (Seneca), 1790

22  22. Unbekannte Frauen und Sagoyewatha/Red Jacket (Seneca), 1791

23  23. Unbekannte Häuptlinge (Delaware und zwölf andere Stämme), 1793

24  24. Sagoyewatha/Red Jacket II (Seneca), 1805 95

25  25. Sagoyewatha/Red Jacket III (Seneca), Mai 1811

26  26. Sagoyewatha/Red Jacket IV (Seneca), Mai 1811

27  27. Sagoyewatha/Red Jacket V (Seneca), um 1829

28  28. Ongpatonga/Big Elk (Omaha), Juli 1811

29  29. Tecumseh I (Shawnee), September 1811

30  30. Tecumseh II (Shawnee), Oktober 1811

31  31. Tecumseh III (Shawnee), Winter 1811/12

32  32. Tecumseh IV (Shawnee), 18. September 1813

33  33. Tenkswatawa (Shawnee), Juli 1808

34  34. Pushmataha I (Choctaw), September 1811

35  35. Pushmataha (Choctaw), um 1812

36  36. Between the Logs (Wyandot), um 1812

37  37. Red Eagle/William Weatherford (Creek), April 1814

38  38. Wabashaw (Sioux), 1815

39  39. Metea (Potawatomi), August, 1821

40  40. Cornplanter II (Seneca), 2. Februar 1822

41  41. Petalesharo (Pawnee), 4. Februar 1822

42  42. Speckled Snake (Cherokee), um 1830

43  43. Keokuk (Sauk), 1832

44  44. Makataimeshekiakiak/Black Hawk I (Sauk), um 1832

45  45. Makataimeshekiakiak/Black Hawk II (Sauk), 27. August 1832

46  46. Makataimeshekiakiak/Black Hawk III (Sauk), 4. Juni 1833

47  47. Arapooish (Crow), 1833

48  48. Osceola (Seminole), 24. Oktober 1834

49  49. UnbekannteFrau (Blackfoot), 1835

50  50. The Four Bears/Mato Tope (Mandan), 30. Juli 1837

51  51. Si’ahl (Duwamish), 1854

52  52. Goyathlay/Geronimo I (Chiricahua Apache), um 1859

53  53. Sarah Winnemucca (Paiute), 4. April 1870

54  54. Old Crow (Cheyenne), 1890

55  55. Goyathlay/Geronimo II (Chiricahua Apache), 1905

Literaturverzeichnis

Fußnoten

Kontakt zum Verlag

Einleitung

Das Titelbild zeigt einen der in dieser Sammlung vertretenen Redner, den Häuptling der Chiricahua-Apachen Goyathlay im Alter von 76 Jahren, bei den Weißen bekannt unter dem Namen Geronimo, welcher ihm wahrscheinlich von Mexikanern gegeben wurde. Diese bekämpfte er, seit sie im Sommer 1858 bei einem Überfall seine Adoptivmutter, seine Frau und drei seiner Kinder ermordet hatten. Bei dem letztendlich vergeblichen Versuch, das Siedlungsgebiet seiner Vorfahren gegen Übergriffe der Weißen und ihrer Regierungen zu verteidigen, überfiel er zahlreiche Siedlungen und schreckte seinerseits nicht davor zurück, Menschen zu töten. Überhaupt waren die amerikanischen Ureinwohner sowohl untereinander als auch gegen die Ankömmlinge aus Europa zu großer Grausamkeit fähig. Dennoch ist die Gleichsetzung Geronimos mit Osama bin Laden, wie sie die Benennung des Tötungskommandos von 2011 unterstellt, unerträglich.

Die vorliegende Sammlung enthält Reden von etwa 40 weiteren amerikanischen Indianern, mehrheitlich zu ihrem Konflikt mit den weißen Einwanderern, aber auch zu anderen Themen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Fast alle diese Reden wurden von Weißen überliefert, von ihnen übersetzt, rhetorisch ausgestaltet, manipuliert – tradiert von den Siegern in der Sprache der Sieger. Einige stehen sogar im Verdacht, ganz von Weißen erfunden worden zu sein. Das gilt insbesondere für die berühmteste aller Indianerreden, die des Häuptlings Si’ahl (Seattle) aber auch für die diktierte Biografie Goyathlays (am Ende dieser Sammlung).

Genauso verhält es sich allerdings mit Reden und Briefen, die etwa von römischen oder griechischen Autoren Persönlichkeiten anderer Völker in den Mund bzw. in die Feder gelegt wurden. Die Rede des Avernerhäuptlings Critognatus in Caesars Gallischem Krieg, die Rede des Britanniers Calgacus in Tacitus’ Agricola, der Brief des Königs Mithridates von Pontos in Sallusts Historien sowie viele Reden fremder Herrscher und Botschafter im Senat von Rom, aber auch Thukydides’ berühmter Melierdialog in der Geschichte des Peloponnesischen Krieges sind Erzeugnisse der Verfasser, die sich nach damaliger literarischer Gepflogenheit als Überlieferer präsentieren. Das schmälert den literarischen Wert der Texte keineswegs, und bei kritischer Lektüre auch nicht ihren Quellenwert.

Die etwas mehr als 50 Reden indianischer Männer und Frauen, die in diesem Buch enthalten sind, stellen eine Auswahl aus einem Zeitraum von 350 Jahren und über 30 Stämmen dar, wie sie so in deutscher Sprache noch selten vorgelegt wurde. Diese Auswahl gestattet einen differenzierten Blick auf Offenheit, Mut und Friedensliebe, auf vertane Chancen und Beharrung amerikanischer Ureinwohner im Angesicht eines übermächtigen, oft skrupellosen Konkurrenten um das Land und seine oberirdischen und unterirdischen Schätze. Sie zeigt auch das Ringen der Indianer um Anpassung oder Widerstand, bei dem ein sinnvoller, erfolgreicher Mittelweg kaum zu finden ist.

Gerade dieser Aspekt besitzt höchste Aktualität: Von ihrer Wiege in Afrika wanderte die Menschheit im ersten Akt der Globalisierung nach Europa und Asien und von Asien und Europa – mit einigen Jahrtausenden Unterschied – nach Amerika. Dort entstand ein höchst ungleicher Kampf um Land und Ertrag. Die Reden und Briefe der amerikanischen Ureinwohner besitzen, besonders wenn sie sich auf die weißen Eroberer beziehen, manche Parallele zu den Reden unterworfener Herrscher vor dem römischen Senat in den Jahrhunderten um Christi Geburt. 1500 Jahren später haben viele europäische Völker die Rolle gewechselt – von den Unterworfenen des Imperium Romanum zu den weißen Landnehmern in Amerika und Afrika. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung auf der Erde wird deutlich, dass dieser Rollenwechsel der Europäer im Zuge der stets fortschreitenden Globalisierung nicht unumkehrbar ist, sodass Europa in absehbarer Zeit vielleicht nicht nur seinen materiellen Bedarf, sondern auch seine demokratischen Werte gegen wirtschaftlich erfolgreichere, dafür aber weniger demokratisch und rechtsstaatlich organisierte Gesellschaften verteidigen muss. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Beschäftigung mit der Geschichte der amerikanischen Ureinwohner für Europäer einen neuen Aspekt.

1. Acuera (Timucua), um 1540

Textvorlage: Henry M. Schoolcraft: Historical and Statistical Information respecting History, Condition and Prospects of the Indian Tribes of the United States. Vol. III, Philadelphia 1854, S. 37f. und Francis S. Drake: The Indian Tribes of the United States. Volume II. Philadelphia 1884, S. 34; ebenfalls zu finden ist der Text in: Theodore Irving: The Conquest of Florida by Hernando de Soto. Vol. I, Phila­delphia 1835, S. 104

Hintergrund: Die Timucua waren ein Stamm amerikanischer Ureinwohner im Norden Floridas, der aus Teilstämmen und insgesamt 35 Siedlungsgruppen mit in der Regel zwei bis zehn Siedlungen bestand, in denen jeweils etwa 300 Menschen lebten. Die östlichen Timucua siedelten entlang des St. Johns River und an der Atlantikküste, die westlichen im Landesinneren der Halbinsel bis zum Aucilla River. Sie besaßen eine eigene Sprache mit zehn Dialekten, die sie zumindest mehrheitlich gebrauchten und aufgrund derer sie als eine kulturelle Einheit betrachtet werden, während sie keinen engeren politischen Zusammenschluss bildeten. Die ältesten ihnen zugewiesenen archäologischen Funde reichen in die Zeit um 1100 bis 1300 zurück. Bei ihnen konnten Männer und Frauen als Leiter des Gemeinwesens fungieren.

Die Acuera, die zur östlichen Gruppe gehörten, lebten entlang des Ocklawaha River und am Lake Apopka und besaßen einen eigenen Dialekt.

1513 wurde die Halbinsel Florida durch Juan Ponce de León entdeckt, als er in der Nähe des späteren St. Augustin landete. 1539 kam Hernando de Soto, der zuvor an der Eroberung des Inkareiches in Peru mitgewirkt hatte, mit einer Armee von etwa 500 Spaniern nach Florida. Er trieb seinen Vormarsch eilig bis zu den Orten Ocale, Potano, Nord-Utina und Yustaga voran, denn sein eigentliches Zielgebiet war das Land der Apalachen, ebenfalls eines Stammes von Ureinwohnern, die nördlich der Timucua siedelten. De Sotos Männer nahmen viele einheimische Bewohner gefangen: Frauen als persönliche Sklavinnen, junge Männer als Träger und ortskundige Führer. Zwei heftige Gefechte mit den Timucua kosteten die Indianer viele Opfer. Durch Stammesmitglieder, die er hatte festnehmen lassen, nahm De Soto Kontakt mit Acuera, dem Häuptling des gleichnamigen Teilstammes auf. Er forderte ihn auf, sich mit den Spaniern zu arrangieren, andernfalls würde es den Ureinwohnern übel ergehen. Acueras Antworten aus dem sich entwickelnden Wortgefecht sind in der folgenden Rede zusammengefasst. Man einigte sich nicht.

Die Timucua führten von da an einen Guerillakrieg gegen die Besatzer, bei dem sie zwar selbst relativ wenige Opfer zu beklagen, aber auch keinen langfristigen Erfolg zu verbuchen hatten. Schon am Ende des 16. Jahrhunderts war die Urbevölkerung um etwa drei Viertel geschrumpft, unter anderem durch Epidemien. Bis 1800 war der Stamm durch Auseinandersetzungen mit weißen Einwanderern – darunter die Timucua-Rebellion von 1656 – und Nachbarstämmen, aber auch als Leidtragender der Auseinandersetzungen zwischen den spanischen, englischen und französischen Kolonialherren ausgelöscht. Die wenigen Überlebenden gingen in anderen Stämmen, wie z.B. den Creek, auf.

Die Rede: In den vergangenen Jahren waren bereits andere eures verfluchten Volkes hier und haben unsere friedlichen Gestade vergiftet. Sie haben mich gelehrt, wer ihr seid. Was ist euer Beruf? Wie Vagabunden von Land zu Land zu ziehen, die Armen zu berauben, diejenigen zu betrügen, die euch vertrauen, und die Schutzlosen kaltblütig zu ermorden! Nein! Mit solchen Menschen will ich keinen Frieden, keine Freundschaft. Krieg, Krieg ohne Ende, Krieg bis zum Letzten, das ist das einzige Entgegenkommen, das ich will.1

Ihr rühmt euch, gute Kämpfer zu sein, und das mögt ihr sein. Meine treuen Krieger jedoch sind nicht weniger tapfer – und ihr werdet eure Kampfkraft eines Tages unter Beweis stellen müssen, denn ich habe geschworen nicht zu ruhen, solange sich noch ein weißer Mann auf meinem Land befindet, und zu kämpfen, nicht im offenen Kampf – obzwar wir auch das nicht fürchten – sondern mit Kriegslist, aus dem Hinterhalt und durch Überfälle mitten in der Nacht.

Ich bin König meines eigenen Landes, und ich werde nie der Vasall eines Mannes werden, der sterblich ist wie ich selbst. Schimpf und Schande über den, der sich unter das Joch eines anderen beugt, wenn er frei sein kann. Was mich und mein Volk betrifft, so wählen wir eher den Tod, ja hundert Tode, als die Freiheit zu verlieren und unser Land unterjochen zu lassen.

Nur weiter so, ihr Räuber und Betrüger: Wir Acuera und Apalachee2 werden euch behandeln, wie ihr es verdient. Jeden Gefangenen werden wir vierteilen und am höchsten Baum am Straßenrand aufhängen.

2. Wahunsonacock (Powhatan), um 1609

Textvorlage: Samuel G. Drake: Biography and History of the Indians of North America, from its first Discovery. Boston 111851, S. 353

Hintergrund: Die Powhatan waren ein Algonkin-Stamm, der in der Gegend der späteren US-Bundesstaaten Virginia und Maryland siedelte. Ihr berühmtester Häuptling war Wahunsonacock oder Wa-hun-sen-a-cawh, bekannt unter dem Namen seines Stammes Powhatan. Wahunsonacock wurde um 1547 in der Nähe von Richmond/Virginia geboren. Sein Vater soll von den Spaniern aus der Gegend von Florida nach Norden vertrieben worden sein und hatte einen Verband mehrerer Algonkin-Stämme gegründet, den Wahunsonacock erheblich erweiterte und schließlich auf über 100 Dörfer mit etwa 9000 Einwohnern ausdehnte. (Die Zahlenangaben schwanken.) Zentraler Ort der Powhatan war Werowocomoco am York River.

Wahunsonacock soll elf Frauen und 20 Kinder gehabt haben, darunter einen Sohn Namontack und eine später berühmt gewordene Tochter: Pocahontas.

Es war Powhatan, der englischen Neuankömmlingen gestattete, ihre erste ständige Kolonie Jamestown im Gebiet seines Stammes zu gründen. Obwohl er wahrscheinlich von der ersten Begegnung an bis zu seinem Tod misstrauisch gegen die Weißen war, bemühte er sich um ein friedliches Zusammenleben und hielt die radikalen Kräfte in seinem Stamm zurück. Wahunsonacocks Sohn Namontack (1585–1610) verschaffte den Neusiedlern Nahrungsmittel und lernte seinerseits die britische Lebensweise kennen, reiste sogar nach England und wurde auf der Rückkehr in einem Streit an Bord getötet. 1608 wurde Wahunsonacock von den englischen Siedlern zum König von Virginia ernannt, bald darauf wich er aber weiter ins Landesinnere zurück, vermutlich wegen zunehmender Entfremdung von den Weißen. Im selben Jahr nahmen die Powhatan einige Engländer gefangen, darunter den Abenteurer und Mitbegründer von Jamestown, John Smith. Diesen rettete nach der Überlieferung Pocahontas durch ihre Fürsprache vor der Hinrichtung. Anlässlich eines Streites mit Smith, der den Häuptling heftig beschimpft hatte, hielt Wahunsonacock die unten stehende Rede.

Pocahontas heiratete 1610 den sonst nicht bekannten Häuptling Kocoun. Bei einem Austausch von Nahrungsmitteln gegen Gefangene, den die Häuptlingstochter 1613 begleitete, wurde sie selbst von den Weißen gefangen genommen. Sie wurde mit dem Christentum bekannt und ließ sich auf den Namen Rebecca taufen. Mit der Genehmigung ihres Vaters heiratete sie 1614 den Engländer John Rolfe, 1615 wurde der gemeinsame Sohn Thomas geboren. Die Verbindung beruhigte für einige Zeit die Spannungen zwischen Einheimischen und Weißen. 1616 reisten Pocahontas/Rebecca und John Rolfe nach England, wo sie am Königshof empfangen wurden. Kurz vor der Heimreise starb sie 1617 und wurde in einer Kirche in England bestattet.

Wahunsonacock starb 1618. Er hatte mehrere Brüder, darunter Opitchapan, den er offenbar kurz vor seinem Tod zu seinem Nachfolger machte, und Opekankanough (gest. 1644 in hohem Alter), der hinter dem nominellen Häuptling Opitchapan der eigentliche Anführer der Powhatan wurde und die Engländer aus dem Gebiet des Stammes vertreiben wollte. Am 22. März 1622 unternahm er daher einen Angriff auf die Bewohner der englischen Kolonie Jamestown, wobei unter vielen anderen Weißen John Rolfe ums Leben kam. In den vierzehn folgenden Jahren herrschte Krieg zwischen den Powhatan und den Neusiedlern, bis es 1636 zu einem Friedensvertrag kam.

Im April 1644 allerdings überfiel Opekankanough mit seinen Kriegern englische Siedler und soll über 500 Weiße getötet haben. Er selbst wurde dabei gefangen genommen und von einem Wächter erschossen. Ein englischer Vergeltungsschlag folgte, und in den nächsten Jahrzehnten wurden die Powhatan durch Epidemien sowie Kämpfe mit Weißen und mit feindlichen Indianerstämmen dezimiert. Viele gingen in anderen Stämmen auf.

Pocahontas’ Sohn Thomas war als Unternehmer erfolgreich; noch heute führen Familien ihre Abstammung auf ihn zurück.

Die Rede: Ich bin nun alt geworden und muss bald sterben, und mein Amt wird dann nacheinander auf meine Brüder Opitchapan, Opekankanough und Catataugh3 und danach auf meine Schwestern und ihre zwei Töchter übergehen. Ich wünschte, ihre Erfahrung käme meiner gleich; und ich wünschte, eure Liebe zu uns wäre nicht kleiner als unsere Liebe zu euch. Warum solltet ihr euch mit Gewalt das nehmen, was ihr in Liebe bekommen könnt? Warum solltet ihr uns töten wollen, uns, die wir euch zu essen gegeben haben? Was könntet ihr durch Krieg gewinnen? Wir können unsere Vorräte verstecken und in die Wälder fliehen, dann müsst ihr verhungern, weil ihr euren Freunden Unrecht zugefügt habt. Was ist der Grund eurer Missgunst? Ihr seht uns unbewaffnet und bereit, euch zu geben, was ihr braucht, wenn ihr uns freundlich entgegenkommt und nicht mit Schwertern und Gewehren wie zu einer Invasion in Feindesland. Ich bin nicht so naiv, nicht zu wissen, dass es besser ist, gutes Fleisch zu essen und zusammen mit meinen Frauen und Kindern nachts in Ruhe zu schlafen, mit den Engländern zu lachen und fröhlich zu sein, und, als euer Freund, Münzen und Beile zu haben und was ich sonst möchte, als all das aufzugeben und zu fliehen, frierend im Wald liegen, mich von Eicheln, Wurzeln und anderem armseligen Zeug ernähren und mich dauernd so gejagt fühlen zu müssen, dass ich weder ruhen noch essen noch schlafen kann. Meine Männer müssten dann dauernd Wache stehen und beim Knacken jedes Zweiges würden sie rufen: »Captain Smith kommt!«, und auf diese elende Art würde ich so mein elendes Leben beenden müssen; aber, Hauptmann Smith, das könnte bald auch euer Schicksal sein wegen eurer Unbesonnenheit und eures Mangels an Klugheit. Deshalb bitte ich euch eindringlich, verhandelt friedlich mit uns! Und vor allem bestehe ich darauf, dass die Gewehre und Schwerter, die der Grund all unserer Missstimmung und Unruhe sind, entfernt und fortgeschafft werden.

3. Chikataubut (Massachusett), um 1620

Textvorlage: Samuel G. Drake: Biography and History of the Indians of North America, from Its First Discovery. Boston 111851, S. 107

Hintergrund: Die Massachusett waren ein Algonkin-Stamm, der im Gebiet des heute nach ihnen benannten US-Bundesstaats lebten. Als sie kurz nach 1600 mit den Europäern in Kontakt gerieten, siedelten sie an der Mündung des Neponset; ihre südlichen Nachbarn waren die Wampanoag. Die ersten Weißen, die ihr Gebiet aufsuchten, waren Franzosen, dann folgten Niederländer. 1616–1619 starben aufgrund einer Epidemie viele Dörfer aus, was den Stamm massiv schwächte.

Als Siedler von Plymouth das Grab von Chikataubuts Mutter in Weymouth (südlich von Boston am Atlantik) geschändet hatten, indem sie die Bärenfelle stahlen, welche als Bedeckung über dem Leichnam hingen, hielt der Häuptling die unten stehende Rede an seine Stammesgenossen. Die Täter wurden danach von den Massachusett vergeblich verfolgt.

1621 unterzeichnete Chikataubut mit anderen Häuptlingen eine Urkunde, mit der sie sich König James von England unterstellten.

1622 sollen nach weiteren Auseinandersetzungen die überlebenden Massachusett den Plan gefasst haben, die Europäer aus ihrem Gebiet zu vertreiben. Einem angeblich beabsichtigten Überfall kamen die Weißen zuvor, indem sie ihrerseits Anführer des Aufstands töteten. Die Engländer jedenfalls, die 1629 ankamen, trafen nur noch etwa 500 Massachusett an.

Viele von diesen starben an einer Pocken-Epidemie 1633, darunter Häuptling Chikataubut. Sein Amtsnachfolger Cutchamakin schlug sich auf die Seite der Neusiedler und stand ihnen als Dolmetscher zur Verfügung. In der Sprache der Massachusett erschien 1663 die erste in Amerika gedruckte Bibel. Gleichwohl wurde der Stamm in Auseinandersetzungen zwischen Weißen und King Philip (vgl. Einleitung zur Rede von Metacom) hineingezogen und verfolgt. Vor allem die Witwen der Männer, die im Unabhängigkeitskrieg gefallen waren, heirateten außerhalb des Stammes. Die letzten Angehörigen passten sich im 18. und 19. Jahrhundert der Kultur der Weißen an, sodass die eigene Sprache verloren ging. Heute leben nur noch einige wenige Familien, die sich als Nachfahren des Stammes ansehen.

Die Rede:Als am gestrigen Tage das herrliche Himmelslicht unter unsere Erdkugel hinabgesunken war und die Vögel langsam ihren Gesang einstellten, begann ich mich wie gewohnt zur Ruhe zu begeben. Bevor meine Augen sich ganz schlossen, dünkte mich, ich hätte eine Vision, die meinen Sinn überaus betrübte: Ein Geist, zitternd ob des traurigen Anblicks, der sich ihm bot, rief mir laut zu: »Sieh her, mein Sohn, den ich gehegt und gepflegt habe, schau hier die Brüste, die dich gesäugt, die Hände, die dich warm und fest gehalten und dich so oft und unermüdlich gefüttert haben; wie kannst du vergessen, Rache zu nehmen an den Wilden, die mein Grabmal auf so frevelhafte Weise beschädigt und unseren uralten Besitztümern und unseren ehrwürdigen Sitten Missachtung entgegengebracht haben. Sieh nur, wie das Häuptlingsgrab nun daliegt: wie die Gräber gewöhnlicher Menschen und noch dazu durch Ehrlose geschändet. Deine Mutter klagt, sie ruft dich zu Hilfe gegen die diebischen Menschen, die als Fremdlinge hierhergekommen sind. Wenn dies tatenlos hingenommen werden muss, dann werde ich in meiner ewigen Wohnstätte keine Ruhe finden können.«

4. Miantinomo (Narragansett), 1642/43

Textvorlage: Samuel G. Drake: Biography and History of the Indians of North America, from Its First Discovery. Boston 111851, S. 127–128

Hintergrund: Die Narragansett waren ein großer, mächtiger Algonkin-Stamm im Gebiet des heutigen Rhode Island und im Osten des Bundesstaates Massachusetts. Ihre Siedlungen lagen vor allem auf den Inseln der Narragansett-Bay. Die erste, überaus positive Beschreibung des Stammes für europäische Leser lieferte 1524 Giovanni da Verrazano.4

Anfang des 17. Jahrhunderts erlangten die Narragansett nach dem Zuzug von Menschen aus bedrängten anderen Stämmen sogar eine gewisse Hegemonie über kleinere Stämme ihrer Umgebung. Sie betrieben intensiven Handel mit niederländischen und englischen Siedlern.

1620 entstand in Neuengland die englische Kolonie Plymouth. Die Narragansett führten 1622 Krieg mit ihren westlichen Nachbarn, den Pequot, um Jagdrechte im Südwesten von Rhode Island; im folgenden Jahr kämpften sie gegen die Mohawk, während die Zahl der englischen Siedler allmählich zunahm. 1632 lösten sich die Wampanoag mit englischer Unterstützung aus der Vorherrschaft der Narragansett, und im folgenden Jahr mussten sie den Tod von etwa 700 Stammesmitgliedern durch eine Pocken-Epidemie hinnehmen.

1636 kam in ihr Stammesgebiet Roger Williams (1603–1683), der wegen seiner Äußerungen über Religionsfreiheit und Indianerrechte von seinen englischen Landsleuten aus Massachusetts ausgewiesen worden war. Er erwarb rechtmäßig Land, gründete die Kolonie New Plantations, später Rhode Island und schloss persönliche Freundschaft mit Häuptling Canonicus (1560/65–1647). Durch Williams’ anständiges Verhalten verbesserte sich das Verhältnis zu den Engländern, und die Narragansett schlossen 1636 ein Bündnis mit diesen gegen die Pequot, obwohl jene die Narragansett ihrerseits um Hilfe gegen die Engländer gebeten hatten: Pequot hatten bei einem Überfall 30 Kolonisten getötet, deren Landsleute jetzt zum Gegenschlag rüsteten, unterstützt von 200 Narragansett. Diese wurden angeführt von Miantinomo, dem Neffen des Häuptlings Canonicus, und erhielten Durchzugserlaubnis durch das Gebiet der Narragansett. Miantinomo (1600–1643) gehörte seit etwa 1532 zu den wichtigsten Anführern des Stammes. Etwa 500 Pequot wurden in ihrem Fort verbrannt, die Überlebenden verfolgt und zum großen Teil hingerichtet. Nach einem Friedensvertrag in Hartford 1638 erhielten die Narragansett 80 gefangene Pequot als Sklaven, ebenso viele aber auch die ihnen benachbarten und gleichfalls mit den Engländern verbündeten Mohegan, die durch den Zuzug anderer Ureinwohner allmählich zu Rivalen der Narragansett wurden.

Miantinomo versuchte daher ein Bündnis gegen die Mohegan und die Engländer zu schmieden, weshalb er mit einer Delegation von 100 Stammesgenossen 1642 zu den Montauk/Montaukett reiste, einem anderen Algonkin-Stamm auf Long Island. Bei ihnen hielt er die unten stehende Rede. Außer den Montauk wollte er die Mattabesic im westlichen Connecticut und die Mahican und Wappinger im Tal des Hudson River gewinnen, doch war die Mission wenig erfolgreich.

Stattdessen kam es zu einer Isolierung der Narragansett durch den Ausschluss von Rhode Island aus der Neu-England-Konföderation zwischen Massachusetts Bay, Plymouth, Hartford und New Haven 1643. Miantinomo wurde von den Mohegan gefangen genommen und den Engländern übergeben, die ihn in einem Prozess zum Tode verurteilten. Er wurde von einem Mitglied der Mohegan ermordet. An der Stelle des Anschlags auf ihn wurde 1841 ein Denkmal errichtet.

Mit Miantinomos Tod war der Einfluss der Narragansett gebrochen. Sein Onkel Canonicus starb 1647, Nachfolger wurde dessen Enkel Canonchet (1625/30–1675), der wie sein Großvater mit Roger Williams befreundet blieb.

Canonchet schloss sich 1675 dem Aufstand des Wampanoag-Häuptlings Metacom (genannt King Philip) an, der jedoch scheiterte; die Narragansett nahmen die Familie Metacoms auf, worauf die englischen Siedler mit einem Vernichtungskrieg antworteten; manche Narragansett wurde als Sklaven nach Westindien verkauft.

1682 unterwarfen sich 500 Überlebende des Stammes (von ursprünglich etwa 5000) den Engländern und erhielten zunächst ein Reservat bei Charlestown, im 19. Jahrhundert zogen viele weiter in das nördliche Wisconsin. Die Sprache der Narragansett starb aus, doch konnte sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund der Darstellung von Roger Williams von 1643, A Key into the Language of America, wiederbelebt werden.

Die Rede: Brüder, wir müssen eins sein, wie es die Engländer sind, sonst werden wir alle bald nicht mehr sein. Ihr wisst, unsere Väter hatten Wildbret und Tierhäute im Überfluss, unsere Prärie war voller Rotwild und Truthähne, und unsere Buchten und Flüsse waren voller Fische. Aber, Brüder, seit diese Engländer sich unseres Landes bemächtigt haben, mähen sie mit ihren Sensen das Gras und fällen mit ihren Äxten die Bäume. Ihre Kühe und Pferde fressen die Weide auf, und ihre Schweine zerstören unsere Muschelbänke, bis wir am Ende hungers sterben! Deshalb flehe ich euch an, steht euch nicht selbst im Weg, sondern entschließt euch mit uns gemeinsam zu handeln wie Männer. Alle Sachems5 im Osten und Westen haben sich mit uns zusammengetan, und wir sind alle entschlossen, sie an einem bestimmten Tag zu überfallen, und deshalb bin ich heimlich zu euch gekommen, weil ihr die Indianer überreden könnt, dass sie tun, was ihr wollt. Brüder, ich werde fünfzig Indianer nach Manisses6 schicken und dreißig von dort zu euch, und ihr sendet hundert Southampton-Indianer und dazu hundert von euch hierher. Und wenn ihr die drei Feuer seht, die angezündet werden in einer klaren Nacht in vierzig Tagen von jetzt an, dann handelt, wie wir handeln, und am nächsten Tag überfallt sie und tötet die Männer, Frauen und Kinder, aber keine Kühe; sie sollen nicht getötet werden, da wir sie als Vorräte solange brauchen, bis das Wild zurückkehrt.

5. Metacom/King Philip
(Wampanoag), 1676

Textvorlage: Norman B. Wood: Lives of Famous Indian Chiefs. Aurora (Illinois) 1906, S. 94–95

Hintergrund: Die Wampanoag waren neben den Narragansett der mächtigste Algonkin-Stamm und umfasste um 1620 etwa 30 Dörfer in der Narragansett-Bucht, im südöstlichen Massachusetts, genau zwischen den Narragansett in Rhode Island und den gerade in Plymouth angekommenen Pilgervätern. Ihr damaliger Häuptling Massasoit (um 1580–1661) behandelte die Neuankömmlinge überaus wohlwollend, half ihnen zunächst dabei, überhaupt zu überleben, soll sogar bei der Gründung ihrer Siedlungen geholfen haben und schloss mit ihnen 1621 ein Abkommen, das das Zusammenleben zwischen Ureinwohnern und Weißen regelte, obwohl er seinem Stamm damit den Argwohn der Narragansett zuzog. Er war ein Freund von Roger Williams und galt als Friedensstifter auch unter den Indianern. Sein unmittelbarer Nachfolger wurde 1661 sein älterer Sohn Wamsutta, der allerdings bereits ein Jahr nach seinem Vater starb. Wamsutta folgte sein jüngerer Bruder Metacom, genannt King Philip (um 1637 bis 1676), der sich zunächst mit den Engländern arrangierte und ihnen sogar Land verkaufte. 1671 schloss er, um den Verdacht eines geplanten Aufstandes zu zerstreuen, einen Friedensvertrag mit ihnen. Allmählich aber wurde Metacom die Unausweichlichkeit eines Konflikts mit den Neusiedlern, die die Existenz der Ureinwohner infrage stellten, bewusst, und er begann, langfristigen Widerstand zu organisieren. Als ihn John Borden, ein Bewohner Rhode Islands, davon abbringen wollte, antwortete er mit der unten stehenden Rede. Anlass zu dem ungeplant frühen Ausbruch des Aufstandes gegen die Weißen waren zwei Ereignisse: 1674 die Auffindung des Leichnams des christianisierten Wampanoag John Sassamon in einem zugefrorenen Teich und die folgende Verurteilung und Hinrichtung von drei Stammesmitgliedern durch die Engländer, denen die Wampanoag die Regelung ihrer inneren Angelegenheiten nicht zugestehen wollten; außerdem die Erschießung eines Wampanoag durch einen Engländer im Streit um eine Kuh und der darauf antwortende Überfall der Wampanoag auf ein Dorf der Engländer mit der Tötung mehrerer Einwohner. Narragansett und Wampanoag verbündeten sich und zerstörten im folgenden Krieg 1675, der als King Philip’s War bekannt wurde, zwölf Dörfer der Kolonisten völlig und töteten mehr als 1000 Weiße, nicht ohne selbst noch mehr Opfer beklagen zu müssen. Den zurückweichenden Aufständischen schlossen sich andere Stämme nicht an, und da Planmäßigkeit, Koordination und Logistik dem indianischen Aufstand fehlte, brach dieser bereits im Juli nach der Schlacht im Pocasset Swamp (Rhode Island) in sich zusammen.

Metacoms Frau Wootonekanuske und seine Kinder gerieten in englische Gefangenschaft, er selbst wurde von Weißen am Bridgewater Swamp von Engländern erschossen. Sein wichtigster Heerführer Annawan kapitulierte zwei Wochen später. Metacoms Familie wurde mit Hunderten anderen Stammesangehörigen in die Sklaverei nach Westindien verkauft, sein Kopf 24 Jahre in Plymouth öffentlich ausgestellt. Die überlebenden Wampanoag begaben sich zu den Narragansett. Der Stamm ist heute ausgestorben.

Die Rede: Die ersten Engländer, die in dieses Land kamen, waren nur eine Handvoll Leute, hilflos, arm und in Not. Mein Vater tat alles, was in seiner Macht stand, um ihnen beizustehen. Dann kamen weitere. Es wurden immer mehr. Die Berater meines Vaters waren beunruhigt. Sie drängten ihn, die Engländer zu töten, bevor sie stark genug würden, die Indianer ihren Gesetzen zu unterwerfen und ihnen ihr Land wegzunehmen. Mein Vater war auch zu den Engländern wie ein Vater. Er blieb weiterhin ihr Freund. Die Erfahrung zeigt, dass seine Berater recht hatten. Die Engländer entwaffneten mein Volk. Sie saßen zu Gericht über uns nach ihren eigenen Gesetzen und bewerteten Schäden mit Summen, die meine Leute nicht zahlen konnten. Manchmal rannten die Rinder der Engländer in die Maisfelder meiner Leute, die ja keine Zäune um ihre Felder machen, wie es die Engländer tun. Ich wurde dann ergriffen und eingesperrt, bis ich wieder ein Stück meines Landes verkaufte, um für den Schaden und die Kosten aufzukommen. So schwand Stück für Stück des Landes dahin. Nur noch ein kleiner Teil des Stammesgebietes meiner Ahnen ist mir geblieben. Ich bin fest entschlossen, den Tag nicht zu erleben, an dem ich ohne Land bin.

6. Swerise (Oneida), 24. Mai 1679

Textvorlage: Cadwallader Colden: The History of the Five Indian Nations Depending on the Province of New York in America. 1727, S. 28–30

Hintergrund: Die Irokesen lebten im Gebiet des heutigen Bundesstaates New York und bestanden aus fünf Stammen, den Cayuga, Mohawk, Oneida, Onondaga und Seneca, die sich am Ende des 16. Jahrhunderts im Bund der sogenannten Five Nations zusammengeschlossen hatten. Das Band, das die Einheit der immerhin 7000 Menschen garantierte, waren drei einflussreiche Sippen, die »Taube«, »Wild« und »Wolf« genannt wurden. Die höchste Institution des Bundes war der sogenannte Große Rat mit einer Kammer aus Mohawk und Seneca, einer Kammer aus Oneida und Cayuga und dem Vorsitz der Onondaga, die die ausschlaggebende Stimme besaßen. Die Oneida, zu denen der hier zitierte Redner gehörte, waren, als die Kolonisten ankamen, einer der reichsten Stämme im amerikanischen Osten. Er wurde im Lauf der Zeit auf etwa 5% seines ursprünglichen Gebietes zurückgedrängt.

Die Irokesen betrieben aber auch selbst eine gezielte Expansionspolitik. Im Laufe der sogenannten Irokesenkriege ab 1630 griffen sie, nachdem sie von den Kolonisten Feuerwaffen erhalten hatten, die Huronen an. Zuerst unterbrachen sie deren Pelzhandel durch Überfälle an den wichtigen Straßen, dann zerstörten sie deren Dörfer und vernichteten 1650 die Erie, die den überlebenden Huronen Aufnahme gewährt hatten. Ihre nächsten Feinde waren 1657–1667 die französischen Kolonisten, die allerdings für einen Krieg in keiner Weise gerüstet waren und erst durch Unterstützung aus dem Mutterland und Angriffe anderer Stämme gegen die Irokesen ihre Feinde abwehren konnten.

1664 wurde Manhattan (bisher Neu Amsterdam, jetzt New York) an die Engländer verkauft, mit denen sich der Irokesenbund arrangierte und die er gegen die Franzosen unterstützte. Ein Vertrag, den die Five Nations mit den Engländern schlossen, beinhaltete den Austausch der Gefangenen, die sie untereinander gemacht hatten, sowie die Gestellung von Ersatzleuten für ihre Kriegstoten. Die unten stehende Rede richtete Häuptling Swerise an den Kommandanten und Beauftragten für Indianische Angelegenheiten in Albany im späteren US-Bundesstaat New York.

Als sechste Nation wurden – ohne Stimmrecht im Großen Rat – 1710 die Tuscarora Bundesmitglieder der Irokesen-Liga (Five Nations). Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften die Oneida auf der Seite der Amerikaner und unterstützten sie bei einigen entscheidenden Schlachten. Als Stamm mit unternehmerischem und kaufmännischem Geschick gelang ihnen der Rückkauf ehemaliger Ländereien; und heute betreiben sie mehrere Casinos7 und Firmen, aus dem sie soziale und kulturelle Einrichtungen finanzieren.

Die Rede: Brüder, wir sind, so wie letzten Winter schon, auch diesmal mit großer Sorge hierhergekommen, und wir wollen noch einmal den Wunsch bekräftigen, den wir damals vorgebracht haben, nämlich dass uns sechs Indianer überstellt werden im Austausch gegen diese sechs Christen, falls unsere Leute, die ihr gefangen genommen habt, nicht mehr leben. Niemand von uns ist gegen die Christen gezogen, seit wir das letzte Mal hier zusammengekommen sind; aber wir haben euch schon damals mitgeteilt, dass einige unserer Leute zu jener Zeit bereits unterwegs waren, ohne von den Anordnungen des Gouverneurs gewusst zu haben, und wir haben damals schon ausdrücklich darum gebeten, dass es uns nicht als Verstoß gegen den Vertrag angerechnet werden sollte, wenn es dabei zu irgendwelchen Vorfällen kommt. Nun trafen dreizehn der Unsrigen, als sie auf dem Kriegspfad gegen unsere indianischen Feinde waren, in einem Gebiet, das so weit weg von jeder englischen Siedlung entfernt ist wie Cahnuaga von Albany8, auf 18 Reiter von euch. Diese eröffneten das Feuer auf unsere Leute, und unsere Männer, die ja Soldaten sind, schossen zurück und töteten zwei Reiter samt ihren beiden Pferden und nahmen die Skalpe mit.

Es erscheint uns ratsam, dass der Gouverneur die Siedler in Virginia anweist, ihre Männer nicht so weit von zuhause wegzuschicken, denn wenn sie auf Trupps der Unsrigen treffen, die gerade unterwegs sind gegen unsere Feinde, die Cahnowas9, die die Engländer Arogisti nennen, dann können wir keine Verantwortung für die Folgen tragen.

Wir sind nun den Anordnungen des Gouverneurs nachgekommen und haben die drei anderen Christen gebracht, und was unsere Gefangenen betrifft, setzen wir nun unser ganzes Vertrauen in den Gouverneur.

Wir haben hiermit unsere Versprechungen eingelöst. Doch wo sind unsere Gefangenen oder, falls sie tot sind, die anderen an ihrer statt jetzt, wo es schon so spät im Frühjahr ist? Aber wir wollen in dieser Sache weiterhin auf den Gouverneur vertrauen.

[Dann übergab Swerise die Gefangenen und sprach:] Wir können nun sagen, dass wir unsere Versprechen eingelöst haben, und wir stehen ehrenhaft da. Wir hoffen, Corlaer10, der das ganze Land regiert, wird nun ebenfalls so handeln, dass er ehrenhaft dasteht.

Corlaer regiert das ganze Land von New York bis Albany und von da bis zum Land der Seneca; wir, die wir seine Untertanen sind, werden jedes Glied der Kette unserer gegenseitigen Abmachungen gewissenhaft einhalten: Nun möge er sein Versprechen einlösen, so wie wir unseres eingelöst haben, sodass diese Kette auch nicht durchbrochen wird durch den, der das ganze Land regiert.

[Die Weißen gaben den Indianern Geschenke für die Versorgung der Gefangenen, und Swerise sprach weiter:] Corlaer möge dafür sorgen, dass uns die indianische Frau, die noch fehlt, übergeben wird und dass uns anstatt der Getöteten andere als Ersatzleute übergeben werden. Wenn Corlaer in dieser Angelegenheit nicht auf uns hört, dann werden wir hinfort auch auf ihn nicht mehr hören.

[Als Swerise später gehört hatte, dass ihm diese letzten Worte übel genommen worden waren, entschuldigte er sich in Begleitung zweier weiterer Ober-Sachems der Oneida mit folgenden Worten:] Als wir gesagt haben, dass wir gar nicht mehr auf Corlaer hören wollen, war das nicht aus unserem Herzen gesprochen, sondern wurde als Mittel in der Auseinandersetzung eingesetzt, um Corlaer dazu zu bewegen, die Sache der Freilassung unserer Gefangenen ernster zu nehmen; und ihr könnt selbst sehen, dass es sich so verhält, wenn ihr bedenkt, dass diese Worte nach eurer Entgegnung gesprochen wurden und auch ohne dass wir einen Biberpelz, einen Gürtel oder einen Wampum niedergelegt haben, wie wir es immer dann tun, wenn wir Erklärungen11 abgeben; deshalb möchten wir, dass dies, falls es aufgeschrieben worden ist, wieder gestrichen wird und dass Corlaer davon nicht Kenntnis erhält; denn, wie wir es bereits vorher feierlich bekräftigt haben, halten wir unseren Bündnisvertrag gewissenhaft ein.

7. Unbekannter Häuptling
(Onondaga und Cayuga), 2. August 1684

Textvorlage: Cadwallader Colden: The History of the Five Indian Nations Depending on the Province of New York in America. 1727, S. 46–49

Hintergrund: Beim Abschluss des Bündnisses der Irokesen und Engländer gegen die Franzosen betonen die Irokesen in der unten stehenden Rede gegenüber den Gouverneuren von Virginia, Francis Howard (1643–1694), und New York, Thomas Dongan (1634–1715), ihre Unabhängigkeit. Die Onondaga lebten im Gebiet des heutigen Onondaga County im US-Bundesstaat New York und hatten die Führung der Five Nations übernommen, da der von ihnen hoch verehrte Häuptling Atotarho an der Gründung des Bundes wesentlichen Anteil hatte und dessen erstes Oberhaupt war. Sein Name wurde in späteren Generationen zu einem Titel des Leiters der Irokesen-Liga, wie der Caesars bei den Römern. Der andere hier vertretene Irokesenstamm, die Cayuga, hatte seine Dörfer am Cayugasee im heutigen US-Bundesstaat New York.

Die unten stehende Rede richtete sich an den Gouverneur von New York, Thomas Dongan (1634–1715), und Colonel Stephanus Van Cortland (1643–1700), den Beauftragten Rat für die hier anwesenden Stämme, der sie vor einem Bündnis mit den Franzosen gewarnt und ihnen den Schutz der Engländer empfohlen hatten.

1779 verwüsteten 6200 US-Soldaten in der sogenannten Sullivan-Expedition über 40 Orte der Cayuga, darunter Cayuga Castle und Chonodote, sowie deren Felder. Die Überlebenden flohen zu anderen Irokesenstämmen. In einem Vertrag von Canandaigua 1794 verzichteten die Cayuga auf große Teile ihres Landes.

Die Rede: Corlaer, euer Sachem ist ein großer Sachem, und wir sind nur ein kleines Volk: Aber als die Engländer anfangs nach Manhattan, nach Aragiske12 und Yakokranagary13 kamen, waren sie nur ein kleines Volk, und wir waren groß. Weil wir euch als gute Leute empfanden, behandelten wir euch auch gut und gaben euch Land; wir hoffen deshalb, dass ihr uns jetzt, wo ihr groß seid und wir klein sind, vor den Franzosen beschützt. Wenn ihr das nicht macht, werden wir all unsere Jagdgründe und Biberfelle verlieren. Die Franzosen werden alle Biberfelle bekommen. Der Grund, warum sie jetzt zornig auf uns sind, ist, weil wir unsere Biberfelle unseren Brüdern bringen.

Wir haben unser Land und uns selbst unter den Schutz des großen Herzogs von York gestellt, des Bruders eures großen Sachems, der auch selbst ein großer Sachem ist.

Wir haben den Susquehanna River14 mit unserem Schwert erkämpft und der Herrschaft eurer Regierung unterstellt; und wir wünschen, dass er ein Zweig des großen Baumes sein möge, der hier an diesem Ort wächst. Seine Spitze reicht bis zur Sonne, und seine Zweige mögen uns vor den Franzosen und allen anderen Nationen bewahren. Unser Feuer brennt in euren Häusern und euer Feuer brennt bei uns; wir wünschen, dass das immer so bleiben möge. Aber wir möchten nicht, dass irgendjemand von den Leuten des großen Penn am Susquehanna Fluss siedelt, denn wir haben kein anderes Land, das wir unseren Kindern hinterlassen könnten.

Unsere jungen Männer sind Soldaten, und wenn sie provoziert werden, sind sie wie Wölfe in den Wäldern, wie ihr, Sachem von Virginia, sehr wohl wisst.

Wir haben uns dem großen Sachem Charles unterstellt, der auf der anderen Seite des großen Sees wohnt. Wir geben euch diese beiden gegerbten weißen Hirschlederstücke, damit ihr sie dem großen Sachem sendet, damit er darauf schreibt und ein großes rotes Siegel darauf anbringt, um das zu bekräftigen, was wir jetzt tun, nämlich den Susquehanna-Fluss oberhalb der Wasserfälle und unser ganzes übriges Land dem großen Herzog von York zu unterstellen und niemand anderem. Unsere Brüder, seine Leute, waren unseren Frauen und Kindern gegenüber wie Väter und haben uns Brot gegeben, wenn wir es brauchten. Wir wollen deshalb weder uns selbst noch unser Land irgendeiner anderen Regierung unterstellen als dieser. Wir wünschen, dass Corlear, unser Gouverneur, diese unsere Erklärung dem großen Sachem Charles auf der anderen Seite des großen Sees übersendet, und dazu diesen Wampum-Gürtel, dieser andere kleinere Gürtel ist für den Herzog von York, seinen Bruder. Und euch, Corlear, geben wir dieses Biberfell dafür, dass ihr diese Erklärung weiterbefördert.

Großer Mann aus Virginia, wir teilen euch mit, dass der große Penn hier in Corlears Haus über seine Vertreter mit uns gesprochen hat und uns den Susquehanna-Fluss abkaufen wollte, aber wir haben nicht auf ihn gehört, da wir das Gebiet eurer Regierung unterstellt haben.

Wir wünschen daher, dass ihr Zeugen dessen seid, was wir jetzt tun, und wir wollen jetzt noch einmal bekräftigen, was wir bereits getan haben. Lasst unseren Freund auf der anderen Seite des großen Sees wissen, dass wir als freies, wenn auch mit den Engländern verbundenes Volk unsere Ländereien und uns selbst mit den Sachems verbinden können, die wir bevorzugen. Wir geben euch dieses Biberfell als Erinnerung an unsere Worte.

8. Garangula (Onondaga), 1684

Textvorlage: Cadwallader Colden: The History of the Five Indian Nations Depending on the Province of New York in America. 1727, S. 67–71

Hintergrund: Dass die Irokesen in der Auseinandersetzung zwischen Engländern und Franzosen zu den zuerst Genannten hielten, war offensichtlich, auch wenn sie von sich aus keine Konfrontation mit den Franzosen suchten. In dem Jahr, in dem der irokesisch-englische Pakt geschlossen wurde, beschwerte sich General Joseph-Antoine de la Barre (1622–1688), der Gouverneur von Kanada, bei einem Zusammentreffen mit dem Onondaga-Häuptling Garangula über Unrecht der Irokesen gegen französische Händler und warf den Ureinwohnern vor, es mit England zu halten. Auf die Rede des Gouverneurs hin stand Garangula, damals schon in hohem Alter, auf, lief fünfmal im Kreis herum und hielt, an seinen Platz zurückgekehrt, die unten stehende Rede, nach deren Übersetzung sich De la Barre empört in sein Zelt begab.

Die Rede: Yonnondio15, ich ehre euch, und alle Krieger, die mit mir hier sind, ehren euch ebenfalls. Euer Dolmetscher hat eure Rede fertig übersetzt, ich fange nun mit meiner an. Meine Worte eilen, um eure Ohren zu erreichen, hört sie wohl.

Yonnondio, als ihr Quebec verließet, müsst ihr geglaubt haben, die Sonne habe alle Wälder verbrannt, die unser Land für Franzosen unzugänglich machen, oder die Seen seien so weit über ihre Ufer gestiegen, dass unsere Wehrdörfer vom Wasser umschlossen seien und wir nicht mehr aus ihnen herauskommen. Ja, Yonnondio, das müsst ihr tatsächlich geträumt haben, und die Neugierde, ein solch großes Wunder zu sehen, hat euch bis hierher geführt. Nun sind euch die Augen aufgegangen, denn ich und die hier anwesenden Krieger sind gekommen, um euch zu versichern, dass die Seneca, Cayuga, Onondaga, Oneida und Mohawk immer noch am Leben sind. Ich danke euch in ihrem Namen, dass ihr das Kalumet, das eure Vorgänger aus ihren Händen erhalten haben, in ihr Land zurückgebracht habt. Zum Glück habt ihr das todbringende Beil unter der Erde gelassen, das so oft vom Blut der Franzosen gefärbt worden ist. Hört, Yonnondio, ich schlafe nicht und meine Augen sind weit geöffnet, und die Sonne, die mir leuchtet, lässt mich einen großen Hauptmann an der Spitze einer Kompanie Soldaten sehen, der spricht, als ob er träume. Er sagt, er sei nur hierher an den See gekommen, um mit den Onondaga das große Kalumet zu rauchen. Aber Garangula sagt, dass er genau das Gegenteil davon sieht, nämlich dass es Yonnondios Absicht war, den Onondaga zu schaden und dass er das auch tatsächlich getan hätte, wenn die Arme der Franzosen nicht durch Krankheit geschwächt worden wären.

Ich sehe Yonnondio wirres Zeug reden in einem Heerlager kranker Männer, deren Leben der große Geist gerettet hat, indem er sie mit Krankheit schlug. Höre, Yonnondio, unsere Frauen hätten ihre Keulen, unsere Kinder und unsere alten Männer ihre Bogen und Pfeile mitten in euer Lager hineingetragen, wenn unsere Krieger sie nicht entwaffnet und sie zurückgehalten hätten, als euer Bote Ohguesse16 zu unseren Dörfern kam. So ist es geschehen, und so habe ich es gesagt. Hört, Yonnondio, wir haben keine Franzosen ausgeplündert, nur diejenigen, die den Iwiktie17 und den Chictaghick Gewehre, Pulver und Kugeln gebracht haben, weil uns diese Waffen möglicherweise unser Leben gekostet hätten. Hierbei folgen wir dem Beispiel der Jesuiten, die Löcher in alle Rumfässer schlagen, die in unsere Siedlungen gebracht werden, damit betrunkene Indianer ihnen nicht eins auf den Kopf geben. Unsere Krieger haben nicht genug Biberfelle, um alle Waffen zu bezahlen, die sie an sich genommen haben und unsere Alten haben keine Angst vor Krieg. Dieser Gürtel bewahrt meine Worte18.

Wir brachten die Engländer an unsere Seen, damit sie mit den Utawawa19 und den Quatoghie20 Handel treiben können, so wie die Adirondack21 die Franzosen zu unseren Siedlungen brachten, damit sie ebenfalls Handel treiben, auch wenn die Engländer behaupten, dies sei allein ihr Recht. Wir sind frei geboren, wir sind weder von Yonnondio noch von Corlear abhängig.

Wir können gehen, wohin wir wollen, und mitnehmen, wen wir wollen, und kaufen und verkaufen, was uns gefällt: Wenn eure Verbündeten eure Sklaven sind, behandelt sie auch so und befehlt ihnen, keine anderen Leute zu empfangen als eure. Dieser Gürtel bewahrt meine Worte.

Wir gaben den Twihtwie22 und Chictaghick einen Denkzettel, weil sie die Friedensbäume gefällt hatten, die die Grenzen unseres Landes waren. Sie haben auf unserem Land Biber gejagt: Sie haben dabei den Sitten aller Indianer zuwidergehandelt; denn sie haben keine Biber am Leben gelassen und sowohl männliche als auch weibliche Tiere getötet. Sie holten die Satanas23 in ihr Land, um sich mit ihnen zu verbünden, nachdem sie üble Pläne gegen uns ausgeheckt hatten. Wir haben uns weniger zuschulden kommen lassen als Engländer und Franzosen, die die Gebiete so vieler indianischer Völker an sich gerissen und die Menschen aus ihrem eigenen Lande verjagt haben. Dieser Gürtel bewahrt meine Worte.

Hört, Yonnondio, aus mir spricht die Stimme aller Five Nations; hört, was sie antworten, öffnet eure Ohren für das, was sie sagen: Die Seneca, Cayuga, Onondaga, Oneida und Mohawk sagen, als sie das Kriegsbeil in Anwesenheit eures Vorgängers in Cadarackui24 in der Mitte des Forts begraben haben, dass sie an der gleichen Stelle den Baum des Friedens gepflanzt haben, der sorgsam bewahrt werden solle, damit das Fort aus einem geschützten Lager für Soldaten zu einem Ort des Austausches für Händler werde; damit statt Waffen und Kriegsmunition dann nur Biberfelle und Handelswaren dorthin gebracht werden.

Hört, Yonnondio, sorgt in Zukunft dafür, dass der Friedensbaum, der in so einem kleinen Fort gepflanzt worden ist, von einer so großen Menge an Soldaten, wie sie hier versammelt sind, nicht erstickt wird. Es wäre ein großer Verlust, solltet ihr, nachdem er so leicht Wurzeln geschlagen hat, sein Wachstum beenden und verhindern, dass er euer und unser Land einmal mit seinen Zweigen beschirme. Ich versichere euch im Namen der Five Nations, dass unsere Krieger unter seinem Laubdach zu dem Kalumet des Friedens tanzen, ruhig auf ihren Matten bleiben und niemals das Kriegsbeil ausgraben werden, solange ihre Brüder Yonnondio und Corlear nicht entweder zusammen oder jeder für sich alleine einen Angriff gegen das Land unternehmen, das der große Geist ihren Vorfahren gegeben hat. Dieser Gürtel bewahrt meine Worte, und dieser andere bezeugt die Vollmacht, die die Five Nations mir erteilt haben.

[Dann wandte sich Garangula an Monsieur Le Maine und sagte:]

Nur Mut, Ohguesse, ihr habt Geist, sprecht, erläutert meine Worte, vergesst nichts, sagt Yonnondio, eurem Gouverneur, alles, was eure Brüder und Freunde sagen durch den Mund Garangulas, der euch liebt und der wünscht, dass ihr dieses Biberfell als Geschenk annehmt und zu Gast seid bei dem Festmahl, zu dem ich euch einlade. Dieses Biberfell übersende ich an Yonnondio als Geschenk der Five Nations.

9. Unbekannter Häuptling
(Susquehannock), nach 1706

Textvorlage: Helen Hunt Jackson: A Century of Dishonour. A Sketch of the United States Government’s Dealings with Some of the Indian Tribes. New York 1881, S. 300–301

Hintergrund: Die Susquehannock, nach ihrem Hauptort westlich von Philadelphia auch Conestoga genannt, wohnten am Susquehanna, der mit einer Länge von 700 km durch New York, Pennsylvania und Maryland fließt, und gehörten zur Irokesen-Sprachfamilie, mit den Five Nations jedoch waren sie verfeindet. Von diesen nach Süden gedrängt, befanden sie sich in ständigen Auseinandersetzungen mit den Powhatan, über die sie mit der Zeit die Oberherrschaft erlangten. 1615 bekamen sie Kontakt mit französischen, dann auch mit niederländischen und englischen, schließlich mit schwedischen Siedlern und nahmen einen regen Pelzhandel auf. Ein Schwede war wohl auch der erste Missionar, der den Stamm aufsuchte. Die Antwort auf seine Ausführungen war die unten stehende Rede, die den Missionar so beeindruckt haben soll, dass er sie in lateinischer Sprache niederschrieb, weshalb mit erheblichen Veränderungen zu rechnen ist. Da sie unter den Indianerstämmen zu den besonders geschickten Fallenstellern gehörten, überjagten sie ihr eigenes Gebiet und rotteten, wie allerdings auch andere Stämme, die Biber aus. In den darauf ausbrechenden Biberkriegen ab 1630 wurden ihre Verbündeten, die Huronen/Wyandot, dann die Erie vernichtet, und sie selbst wurden nach Süden gedrängt, später an den Potomac River. Zwei Pockenepidemien 1661 und 1667 hatten den Stamm inzwischen erheblich verkleinert. Nach blutigen Auseinandersetzungen mit Siedlern zogen sie wiederum nach Norden und wurden von den Irokesen als ihren neuen Oberherren in ein Siedlungsgebiet zwischen den Mohawk und Oneida gewiesen.

Erst um 1706 durften sie wieder in ihr früheres Dorf Conestoga in Pennsylvania zurückkehren. Dort besuchte 1704 der Quäker-Prediger Thomas Challey den Stamm und predigte von der Erbsünde.

Die Mission der Quäker spaltete am Ende den Ort, und wer sich nicht anschloss, zog weg. 1763, während des Pontiac-Krieges, wurde das Dorf Conestoga von aufgebrachten Weißen zerstört, und die Reste des Stammes der Susquehannock wurden gänzlich vernichtet.

Die Rede: Unsere Vorväter waren (so wie wir) der festen Überzeugung, dass, wer in diesem Leben Gutes tut, im nächsten Leben dem Grad seiner Tugendhaf­tigkeit entsprechend belohnt wird, und andererseits, wer Böses tut, im Jenseits Strafen erleidet, die dem Ausmaß der Übeltaten entsprechen, derer er sich schuldig gemacht hat. Dies wurde Generationen lang von all unseren Vorfahren stets und ständig als feststehende Wahrheit erfahren und betrachtet. Somit kann es nicht nur ausgedacht worden sein; denn was Menschen sich ausdenken, und sei es noch so klug und fein ersonnen, vermag bei Menschen, denen es gestattet ist, alles frei zu erkunden und zu prüfen – und dies war unseren Vorfahren nie verwehrt gewesen – niemals über längere Zeit hinweg seine Glaubwürdigkeit bewahren.

Nun möchten wir einige Fragen stellen. Glaubt er, dass unsere Vorväter – Männer von beispielhafter Frömmigkeit, gütig und beständig in ihrem Streben nach Tugend und in der Hoffnung lebend, hierdurch in die ewige Seligkeit einzugehen – allesamt für die Hölle bestimmt waren? Glaubt er, dass wir, die wir eifrige Nachahmer ihrer guten Taten sind und von denselben Überzeugungen getragen werden, wir, die wir uns ernsthaft und mit der größten Sorgfalt bemühen, den Weg der Rechtschaffenheit zu beschreiten, ebenfalls der Verdammnis anheimgegeben sind? Wenn das seine Meinung ist, so ist diese wahrlich so pietätlos wie anmaßend und verwegen.

Nur einmal angenommen, einige unserer Vorväter hätten abscheuliche Freveltaten begangen, Untaten, wie sie – so ist es uns zu Ohren gekommen – von einem gewissen Volk einer anderen Rasse begangen worden sind. In einem derartigen Fall würde Gott den Verbrecher mit Sicherheit bestrafen, aber uns, die wir unschuldig sind, würde er doch keinesfalls in diese Bestrafung mit einbeziehen. Wer anders denkt, macht aus dem Allmächtigen dadurch zwangsläufig ein sehr launisches Wesen mit einem schlechten Charakter.

Noch einmal: Sind die Christen tugendhafter oder sind sie nicht vielmehr lasterhafter, als wir das sind? Und wenn es zuträfe, dass sie lasterhafter sind, wie kommt es, dass Gottes Güte auf sie nur so herabströmt, während wir vergessen werden? Gewährt er denn seine Gnade Tag um Tag so ganz ohne jede Voraussetzung und so voreingenommen? Kurz und gut, wir halten die Christen für moralisch sehr viel niedriger stehend als uns, und wir ziehen Verbindungen zwischen ihrer Lehre und der Verderbtheit ihres Lebenswandels.

10. Unbekannter Häuptling
(Irokesen), 1744

Textvorlage: Samuel G. Drake: Biography and History of the Indians of North America, from its first Discovery. Boston 111851, S. 41

Hintergrund: Die unten stehende Rede, die von einem namentlich nicht genannten Irokesen anlässlich eines Treffens zwischen Vertretern der Five Nations mit denen der Regierung von Virginia gehalten wurde, hat Benjamin Franklin überliefert. Die Regierung von Virginia hatte angeboten, einige junge irokesische Männer auf ein englisches College zu schicken.

Die Rede: Unsere Vorväter waren (so wie wir) der festen Überzeugung, dass, wer in diesem Leben Gutes tut, im nächsten Leben dem Grad seiner Tugendhaf­tigkeit entsprechend belohnt wird, und andererseits, wer Böses tut, im Jenseits Strafen erleidet, die dem Ausmaß der Übeltaten entsprechen, derer er sich schuldig gemacht hat. Dies wurde Generationen lang von all unseren Vorfahren stets und ständig als feststehende Wahrheit erfahren und betrachtet. Somit kann es nicht nur ausgedacht worden sein; denn was Menschen sich ausdenken, und sei es noch so klug und fein ersonnen, vermag bei Menschen, denen es gestattet ist, alles frei zu erkunden und zu prüfen – und dies war unseren Vorfahren nie verwehrt gewesen – niemals über längere Zeit hinweg seine Glaubwürdigkeit bewahren.

Wir wissen, dass ihr die Art Wissen, die an diesen Hochschulen vermittelt wird, für sehr wertvoll haltet und dass der Unterhalt unserer jungen Männer während ihres Aufenthalts bei euch sehr kostspielig für euch wäre. Wir zweifeln deshalb nicht daran, dass ihr uns mit diesem Vorschlag etwas Gutes tun wollt, und wir danken euch von Herzen dafür. Aber weise, wie ihr seid, müsst ihr wissen, dass unterschiedliche Völker auch unterschiedliche Auffassungen der Wirklichkeit haben; und ihr werdet es daher nicht falsch verstehen, wenn unsere Vorstellungen von dieser Art Erziehung nicht dieselben sind wie eure. Wir haben bereits einige Erfahrungen damit gesammelt: Es ist schon ein paar Mal vorgekommen, dass junge Leute von uns Hochschulen in den nördlichen Provinzen besucht haben; sie wurden in all euren Wissenschaften unterrichtet, aber als sie zu uns zurückkamen, waren sie schlechte Läufer, sie wussten gar nicht, was man für das Leben in den Wäldern braucht, sie waren unfähig, Kälte oder Hunger zu ertragen, wussten nicht, wie man eine Hütte baut, Wild erlegt oder einen Feind tötet, sprachen unsere Sprache nur noch unvollkommen und waren deshalb weder als Jäger noch als Krieger noch als Berater geeignet, sie waren schlichtweg zu gar nichts mehr zu gebrauchen. Auch wenn wir euer freundliches Angebot ablehnen, so sind wir euch deshalb doch nicht weniger zu Dank dafür verpflichtet: und, um unsere Dankbarkeit zu zeigen, so werden wir, wenn die Herren aus Virginia uns ein Dutzend ihrer Söhne schicken wollen, diesen eine sehr sorgfältige Erziehung angedeihen lassen, wir werden sie in allem unterrichten, was wir wissen und Männer aus ihnen machen.

11. Thanayeison (Irokese), 1748

Textvorlage: Henry M. Schoolcraft: Historical and Statistical Information respecting History, Condition and Prospects of the Indian Tribes of the United States. Vol. IV, Philadelphia 1857, S. 256

Hintergrund: Die unten stehende Rede hielt ein Irokese aus einem der westlichen Stämme an den Forschungsreisenden Konrad Weiser (1696–1760) in Kaskaskia, einem Ort am Mississippi (später die erste Hauptstadt von Illinois). Weiser stammte aus Württemberg, war bereits sehr jung nach Amerika gekommen und heiratete 1724 eine Häuptlingstochter aus dem Stamm der Mohawk. Er lernte ihre und weitere Indianersprachen und lebte in Pennsylvania. Weiser war mit vielen Irokesen befreundet. Er vermittelte wichtige Verträge und Freundschaftsschlüsse. 1748 hielt Weiser eine Versammlung von Häuptlingen aus zehn Stämmen in Logstown ab, darunter neben den Irokesen auch Delaware und Shawnee. Die Irokesen und besonders die Mohawk vertrauten ihm, daher richtete ein Häuptling nach einem Zwischenfall an ihn die unten stehende Rede

Die Rede: Brüder, als ihr in Albany angekommen seid und wir uns zum ersten Mal sahen, reichten wir uns die Hände und wurden Brüder. Wir banden euer Schiff an das Strauchwerk. Als wir öfter mit euch zu tun hatten und immer öfter, da sahen wir, dass die Sträucher euer Schiff nicht halten konnten, da banden wir es an einen großen Baum, und seit dieser Zeit sind wir gute Freunde.

Dann sagtet ihr uns, ein Baum könne möglicherweise umstürzen und das Seil zum Anbinden könne vermodern.

Ihr schlugt dann vor, eine silberne Kette zu schmieden und euer Schiff an den großen Berg im Land der Five Nations zu ketten; und diese Kette wurde »Die Kette der Freundschaft« genannt.

Wir alle sind über unsere Arme mit dieser silbernen Kette verbunden, wir sind nun eins, und seitdem haben wir ein gutes Miteinander gepflegt. Aber bei eurem Besuch hier bei uns müssen wir euch leider von einem Unglück berichten, das sich vor Kurzem in Carolina ereignet hat. Ein paar Krieger von uns haben, aufgestachelt durch den bösen Geist, einen Beilhieb gegen unseren eigenen Körper geführt – denn unsere Brüder, die Engländer, und wir sind ein Körper – und was da geschehen ist, das verabscheuen wir zutiefst als eine Tat des bösen Geistes selbst.

Wir hätten niemals geglaubt, dass jemand aus unserem Volk imstande sein könnte, einem Engländer so etwas zuzufügen. Wir nehmen deshalb die Waffe, die auf Betreiben des bösen Geistes gegen euren Körper geführt wurde, aus der Wunde heraus und wir wünschen uns, dass unsere Brüder, der Gouverneur von New York25 und Onas26, wirklich alles tun, was ihnen zu Gebote steht, dass dieses unglückselige Ding in der untersten Hölle begraben wird, damit wir es nie wieder zu Gesicht bekommen, damit die silberne Kette, die schon so lange gehalten hat, wieder glänzt und unbeschädigt bleibt.

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