Читать книгу: «Seelen Detox»
Nadja Zimmermann · Petra Schweizer
Seelen Detox
Mit Illustrationen von
Corinne Brunner

Infos über den Verlag und zu weiteren Büchern
unter www.gigerverlag.ch
1. Auflage 2022
© Giger Verlag GmbH, CH-8852 Altendorf
Telefon 0041 55 442 68 48
www.gigerverlag.ch
Lektorat: Lektorat: Josef K. Pöllath M.A.
Korrektorat: Susanne Langer-Joffroy MA
Umschlaggestaltung:
Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Layout und Satz: Roland Poferl Print-Design, Köln
Druck und Bindung: GGP Media
ISBN 9783039330478
eISBN 9783039330645
Inhaltsverzeichnis
Vorwort Petra Schweizer
Vorwort Nadja Zimmermann
Einleitung
So funktioniert dieses Buch
Schritt 1: Die Bestandsaufnahme
Erst einmal entspannen: Die Atmung
Wo stehst du gerade?
Überprüfung des Ist-Zustandes
Unsere Wahrnehmung
Wenn wir vergleichen
Übung: Selbstakzeptanz
Das Wichtigste auf einen Blick
Schritt 2: Definition eines Ziels
Was sind Ziele?
Das intrinsische Ziel
Die Suche nach dem intrinsischen Ziel
Der Widerstand
Der innere Dialog
Vom Problem über das Ziel zur Lösung
Strategie zur Lösungsfindung
Das Wichtigste auf einen Blick
Schritt 3: Glaubenssätze entrümpeln
Was sind Glaubenssätze?
Liste negativer Glaubenssätze
Finde deine Glaubenssätze
Wie du negative Glaubenssätze umwandeln kannst
Deine Bedürfnisse wahrnehmen
Das Wichtigste auf einen Blick
Schritt 4: Ängste entrümpeln
Was ist Angst?
Welche Ängste beherrschen dein Leben?
Wie du deine Ängste verminderst
Übung: Selbstreflexion – du und deine Angst
Das Wichtigste auf einen Blick
Schritt 5: Drama-Struktur entrümpeln
Die alltäglichen Dramen in unserem Leben
Liste positiver und negativer Gefühle
Was tun mit unseren negativen Emotionen?
Der Reflexionsprozess
Drama-Dreieck: das Grundmuster
Vom Drama-Dreieck in die Rolle des Beobachters
Die verschiedenen Rollen im Leben
Die Rollen in deinem Leben: dein privates Umfeld
Die Rollen in deinem Leben: dein berufliches Umfeld
Wie wir kommunizieren
Die eigene Kommunikation verbessern
Das Wichtigste auf einen Blick
Schritt 6: Aufräumen – der Bewusstseinsprozess
Was ist Bewusstsein?
Erkennen
Akzeptieren
Integrieren
Transformieren
Das Wichtigste auf einen Blick
Schritt 7: Entfaltung des Potenzials
Was ist Potenzial?
Ressourcen als Kraftquellen
Wie du dein Potenzial entfaltest
Intuition Walk
Selbstliebe
Der Schlüssel zum Glück liegt in deinen Händen
Notfallkit
Meditation
Überblick
Übung: Emotionen Loslassen
Meditation: Abgrenzung
Meditation: Loslassen
Meditation: Selbstliebe
Die Autorinnen
Vorwort
Petra Schweizer
Ich habe schon früh in meinem Leben begonnen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. »Wer bin ich« und »Was will ich« sind zentrale Fragen in meinem Leben gewesen – bis heute. Unterstützung habe ich im Jahr 2003 in der Psychosynthese gefunden. Durch diese außergewöhnliche transpersonale Psychotherapie-Ausbildung habe ich angefangen, differenzierter über mich nachzudenken. Die Psychosynthese diente mir auch als Grundlage für dieses Buch.
Ich habe in den letzten zwei Jahrzehnten weitere Aus- und Weiterbildungen absolviert, verschiedene Therapieformen ausprobiert, viele Menschen als Coach unterstützt und dadurch viel über mich und andere gelernt. Ich glaube, dass grundsätzlich alle Menschen eine innere Zufriedenheit anstreben. Ich habe durch die Jahre verstanden, dass dies nur über das Bewusstsein stattfinden kann. Also verstehen, wer wir sind und wieso wir tun, was wir tun. Sonst drehen wir uns im Kreis.
Es gibt unglaublich vielfältige Methoden. Es gibt nicht »diesen einen Weg«, um an seine Essenz zu kommen. Manche suchen den Weg über den körperlichen Ausdruck, z. B. im Tanzen oder im Yoga, über das Singen, in mentalen/psychischen Therapieformen oder in der Meditation. Wir können z. B. zwei Stunden pro Tag meditieren. Wenn wir nicht wissen, wieso wir das tun und nicht über unsere Handlungen nachdenken, dann bringt uns das vielleicht eine gewisse Ruhe, aber wir finden nicht unbedingt Antworten auf unsere wichtigsten Fragen. Manchmal ist es wie ein Puzzle; erst alles zusammen ergibt einen Sinn.
Daher ist es wichtig, dass man irgendwann anfängt, über sich nachzudenken, um seine Gedanken mit den Gefühlen in Einklang zu bringen und dadurch sein eigenes Bewusstsein erweitert. Schritt für Schritt.
Fakt ist: Der Weg des Bewusstseins ist nicht einfach und nicht schnell. Aber sich selbst besser kennen zu dürfen, bringt vor allem Erleichterung und Frieden. Und daher sollte dieser Weg immer das Ziel sein. Das Gute daran ist: Man kann nicht weniger bewusst sein, als man es bereits ist. Der Weg führt nur nach oben. Und je mehr man davon probiert, umso mehr möchte man davon kosten. Es ist eine Art positive Droge.
Unser Anliegen war es, ein praxisbezogenes Buch zu schreiben. Uns war vor allem wichtig aufzuzeigen, dass man sich mit relativ einfachen Schritten verändern kann. Es ist keine Hexerei. Du wirst im Kapitel Glaubenssätze auf den Satz »Ich bin dumm« stoßen. Dieser Satz hat mich jahrelang begleitet. Ich habe ihn transformieren können. Doch es war jahrelange Arbeit. Arbeit, die wir versuchen, mit diesem Buch für dich abzukürzen, da du eine Anleitung an die Hand bekommst. Wir haben dieses Buch nur deshalb schreiben können, weil wir selbst auch durch diese Emotionen und Gefühle hindurchgegangen sind. Dieses Buch ist sowohl aus meinem sowie auch aus dem inneren Wissen von Nadja entstanden. Gelebtes, selbst erfahrenes Wissen.
Vielleicht wird es nicht ganz und total dein Weg sein, und du brauchst zusätzliche Unterstützung. Aber ich bin mir sicher, dass du das eine oder andere Kapitel für dich nutzen kannst.
Vorwort
Nadja Zimmermann
Ich habe Petra während einer Intensiv-Woche im Rahmen meiner Ausbildung zum psychologischen Mentalcoach kennengelernt. Sie war die Dozentin, ich die Lernende. Ich mochte sie auf Anhieb. Sie hatte eine erfrischende Leichtigkeit an sich. Und ich war begeistert, wie klar, strukturiert, durchdacht, sachlich und aus einer beeindruckenden inneren Stärke und Ruhe heraus sie uns die Dinge vermittelte, die mir im Laufe der nächsten Monate und Jahre halfen, meine Art zu denken und zu fühlen sorgfältig auseinanderzupflücken und besser zu verstehen.
Wir verwickelten uns in zahlreiche Gespräche. Aus diesen entwickelte sich eine Freundschaft. Die Gespräche wurden intensiver und lebhafter, und daraus entstand schließlich irgendwann die Idee zu diesem Buch.
Ich schrieb meine Diplomarbeit, die den Zusammenhang zwischen umfassender Selbsterkenntnis, einer damit verbundenen nachhaltigen Lebenszufriedenheit und der daraus resultierenden seelischen Gesundheit untersuchte. Diese Themenwahl erzeugte zwischen uns erneut viel Gesprächsstoff und leidenschaftliche Diskussionen.
Petra befasst sich mit diesen Themen seit über 25 Jahren. Ich bin noch neu im Geschäft. Wir fanden, dass dies die ideale Konstellation sei, um ein solches Thema allgemein verständlich und doch mit einer gewissen Leichtigkeit zu vermitteln. Eine Expertin, die viel Wissen vermitteln kann, und ein wissbegieriger Frischling, der viele Fragen stellt, reflektiert, jeden Fitzel hinterfragt und gerade mittendrin ist auf diesem Weg, den Petra schon vor Jahren in Angriff genommen hat.
Unser aller Leben könnte mit dem richtigen Mindset so einfach sein. Manchmal passieren Dinge, die unser Leben erschweren, uns unglücklich machen. Und manchmal passiert überhaupt nichts, und wir fühlen uns trotzdem irgendwie verloren. Es ist letztlich alles – ganz banal ausgedrückt – Einstellungssache. Ein Satz, den ich als Kind immer hörte, ihn aber noch nicht in seiner ganzen Tiefe erfasst hatte. Allerdings wissen wir auch: Die Einstellung lässt sich nicht einfach so ändern. Als Gewohnheitstiere sind wir in unserem Denken und Verhalten oft festgefahren. Studien beweisen jedoch, dass wir durchaus Einfluss auf unsere neuronalen Verbindungen haben, indem wir unsere Gewohnheiten, guten Gedanken und neuen, erwünschten Verhaltensweisen ganz bewusst wie einen Muskel trainieren. Das ist das Wunder der Neuroplastizität. Unser Gehirn besitzt die Eigenschaft, sich durch kontinuierliches Training durchaus zu verändern. »Ich bin halt so«, zieht mit diesem Wissen somit nicht mehr.
Gemeinsam erarbeiteten wir ein Konzept, um Schritt für Schritt unser Innenleben systematisch zu entrümpeln und Gedanken, Muster und Glaubenssätze, die wir nicht mehr brauchen und die uns ausbremsen, zu entsorgen. Diese Wegleitung haben wir nun zwischen diese zwei Buchdeckel gepresst und hoffen, dir damit ein paar Werkzeuge mitzugeben, die dir dabei helfen, bei dir genauer hinzusehen und damit vielleicht eine gewünschte Veränderung einläuten.
Einleitung
Stell dir vor, du hast bald einen wichtigen Termin und stehst im Stau. Oder du hast den Zug verpasst. Du bist in diesem Moment machtlos. Du wirst zu spät kommen. Und du bist vermutlich etwas aufgebracht, um es ganz harmlos auszudrücken.
Nun hast du in einer solchen Situation zwei Möglichkeiten:
1Du kannst dich ärgern und dabei fluchend und schwitzend wertvolle Energie verschleudern und an deinem Blutdruck schrauben. Oder aber
2du kannst schulterzuckend den Stau (oder in welcher Situation du gerade bist) akzeptieren, bei der Person, die dich erwartet, anrufen, dich entschuldigen und dann entspannt zurücklehnen, nette Musik hören und warten, bis es wieder vorwärts geht. Selbst dann, wenn deine Verspätung unangenehme Konsequenzen für dich hat: Du kannst jetzt gerade nichts dagegen tun. Der Ärger bringt dich auch nicht weiter. Egal, für welche Möglichkeit du dich in diesem Moment entscheidest, ob 1 oder 2, wegzaubern kannst du den Stau nicht, den Zug kannst du auch nicht mehr zurückpfeifen. Es ist, wie es ist. Du kannst die Situation nicht verändern.
Deine Stimmung aber schon.
So ist das Leben. Unschöne Dinge passieren. Manchmal läuft es nicht so, wie es soll. Und manchmal geht auch gar nichts. Manchmal können wir die Situation effektiv verändern. Manchmal nicht. Wir können nicht immer beeinflussen, was im Leben geschieht, aber unseren Blickwinkel darauf schon. Der gesamten Tragik der Welt und all den unnötigen kleinen Schwierigkeiten in unserem Alltag können wir uns nicht entziehen. Wir können aber versuchen, in dieser unberechenbaren, alltäglichen »Wildwasserbahn des Alltags« nicht unterzugehen.
Im Grunde ist es einfach. Es ist nur unsere Denkweise, die uns im Weg steht. Unsere Tendenz, Dinge manchmal hoffnungsloser zu sehen als sie sind. Doch negative Gedanken und Gefühle verdrängen ein gesundes Urvertrauen. Sie geben der so dringlichen Leichtigkeit wenig Raum und rauben uns unnötigerweise Energie. Dabei sind Gedanken nur ein Produkt unseres Gehirns, entstanden aus einer Vielzahl an Prozessen. Und mit diesen nähren wir manchmal unsere Sorgen und Ängste, wir mästen sie sozusagen. Gedanken sind nicht real und müssen nicht zwingend der Wahrheit entsprechen. Sie entspringen unseren Wertvorstellungen und Gefühlen. Sie sind hausgemacht. Sie sind nicht selten Gift. Und sie vermiesen uns immer wieder zuverlässig den Alltag.
Also weg damit! Genauso wie wir Frühjahrsputz machen, unsere Schränke und den Keller ausmisten und es uns beflügelt, uns jener Dinge zu entledigen, die wir nicht mehr brauchen, die wir nicht mehr mögen, die uns nicht guttun oder keinen Zweck mehr erfüllen. Genauso wie wir unseren Körper entgiften, um ihn zu reinigen und zu kräftigen, um uns wieder leichter und frischer und gesünder zu fühlen. Genauso wüten wir nun in unserem Innenleben. Wir schauen genau hin, was wir noch brauchen und was weg kann. Wir machen Platz für die guten Gedanken.
Die Erkenntnis, dass Aufräumbedarf besteht, ist bereits der erste Schritt.
Eine gute Lebensqualität erfordert Arbeit. Selbsterkenntnis. Mut. Wille. Liebe. Hoffnung. Und Vertrauen. Idealerweise in uns selbst. Das negative Gedankenkonstrukt abzulegen, erfordert Zeit und Willen.
Willst du nun etwas verändern? – Ja? – Wunderbar. Dann legen wir los. Entledige dich von bremsenden Verhaltens- und Denkmustern. Entrümple dein Innenleben. Entgifte deine Seele. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass jeder gesunde Mensch imstande ist, dies zu tun. »Ich kann mich ohnehin nicht mehr verändern«, ist ein Trugschluss. Es ist lediglich eine Frage des Willens und der Willenskraft.
Also räumen wir auf!
So funktioniert dieses Buch
Du kannst das Buch in erster Linie einfach einmal in Ruhe lesen, durchblättern. Im Zug, im Bett, auf der Hängematte. Alles einmal auf dich wirken lassen.
Wenn du tatsächlich eine Veränderung anstrebst, empfehlen wir dir, aktiv damit zu arbeiten. Unterstreiche Passagen, die dir wertvoll erscheinen, schreib Notizen hinein, mach dein eigenes Buch daraus.
Manche Grundsätze werden logisch und simpel erscheinen, doch auch wenn dem so ist, so tendieren wir dazu, diese zwischen Arbeit und Familie und Beziehungen und Verpflichtungen und Freunden und Terminen und Druck und Wunschvorstellungen und Frustmomenten zu vergessen. Der Alltag und unser Autopilot sind da gnadenlos.
Da wir nicht wissen, wie du genau funktionierst und was dich zurzeit beschäftigt, möchten wir dich miteinbeziehen. Dieses Buch stellt dir Fragen. Diese mögen auf den ersten Blick manchmal simpel erscheinen. Aber frag dich dabei stets, ob du mit deiner ersten Antwort zufrieden bist. Vielleicht liegt noch mehr drin. Vielleicht kannst du hier und dort noch tiefer gehen.
Nun lesen die meisten die Fragen wohl einfach durch, machen sich kurz Gedanken und lesen dann weiter. Wir empfehlen dir jedoch, solltest du wirklich nachhaltig etwas verändern wollen, dir die Antworten wirklich aufzuschreiben. Du hast sicherlich auch schon die Erfahrung gemacht, dass du dir Dinge, die du von Hand aufschreibst, besser merken kannst. Und da du dir beim Aufschreiben etwas mehr Zeit nimmst, gehst du auch automatisch tiefer. Beim Schreiben passiert etwas mit uns. Außerdem ist es im Nachhinein auch schön, im fertigen Buch zu blättern und sich den eigenen Weg noch einmal vor Augen zu führen.
Indem du schließlich über das Geschriebene wirklich nachdenkst, dich in ein Thema vertiefst, reflektierst und auch einmal etwas hinterfragst und dich nicht immer mit der erstbesten spontanen Antwort zufriedengibst, kommst du Schritt für Schritt immer weiter.
Theoretisches Wissen ist gut. Aber was nützt es uns, wenn wir die neuen Erkenntnisse nicht umsetzen? Oder nicht umsetzen können? Du kannst dir nach der Lektüre natürlich energisch einreden, dass doch nun alles gut ist oder alles gut wird, dich zwingen, anders zu denken. Doch wenn du nicht fühlst, was du denkst, wird dies keine nachhaltige Veränderung hervorrufen. Einfach gesagt: Du musst glauben und fühlen, was du denkst. Dies wird dir gelingen, wenn du deine Erkenntnisse und Absichten auch wirklich bewusst in den Alltag integrierst.
Willst du dein Denken, deine Einstellung zu den Dingen verändern, dann geht das natürlich xnicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess. Dieses Buch führt dich durch diesen hindurch. Schritt für Schritt. In deinem Tempo.

Erst einmal entspannen: Die Atmung
Bevor wir starten, halten wir zuerst einmal inne und atmen bewusst ein und aus.
Schließ die Augen.
Geh mit deiner Aufmerksamkeit zu deinem Atem.
Beobachte etwa ein bis zwei Minuten, wie du atmest.
Atme nun dreimal gleichmäßig und langsam ein und aus. Zähle beim Einatmen langsam bis vier. Beim Ausatmen langsam bis fünf oder sechs. Die Ausatmung solllte länger sein als die Einatmung.
Spür nach, wie du dich langsam entspannst.
Unsere Atmung ist überlebenswichtig!
Wir fangen mit dem ersten Atemzug unabhängig zu leben an, und wir sterben mit dem letzten Atemzug. Und doch fokussieren wir uns viel zu oft nicht auf diese doch so wichtige körperliche Funktion, weil wir nicht aktiv über das Atmen nachdenken. Warum auch? Es geschieht ja von selbst. Und doch gibt es viele unterschiedliche Atemtechniken (vor allem im Yoga) und sogar mehrjährige Atemausbildungen. Da steckt somit mehr dahinter, als wir im ersten Moment vielleicht glauben. Es ist erstaunlich, wie die Atmung unsere Gesundheit (körperlich und seelisch) beeinflussen kann.
Die Bauchatmung ist generell gesünder als die Brustatmung, denn sie entspannt uns rundherum. Durch die bewusste Bauchatmung tritt relativ rasch Ruhe in den Körper ein. Sie fördert zudem die Verdauung, da mit der Bauchatmung auch gleich noch die inneren Organe massiert werden. Achte darauf, wenn du bewusst atmest, dass du nicht durch den Mund, sondern durch die Nase atmest. Sobald du merkst, dass du genervt, gestresst oder irgendwie aus dem Gleichgewicht geraten bist, aktiviere bewusst deine Atmung und bring damit etwas Ruhe in dein Durcheinander. Atme langsam und bewusst zwei- bis dreimal ein und aus, und zwar so: Leg deine Hände auf den Bauchraum und atme so tief ein, sodass sich die Bauchdecke wölbt. Spür den Atem durch die Hände und spür den Atem in deinem Bauch. Atme langsam wieder aus.
Atme immer ganz ruhig und gleichmäßig. Die Ausatmung sollte idealerweise länger sein als die Einatmung. Sie lässt uns spüren, wie die Anspannung langsam abfällt und sich der Körper entspannt, als würden wir die Anspannung langsam ausatmen.
Zähle als Richtwert beim Einatmen bis drei oder vier und beim Ausatmen bis fünf oder sechs. Der Vorteil beim Zählen ist, dass du dich dabei aufs Zählen konzentrierst und du also ganz bei der Atmung bist und in diesem Moment nicht an all die anderen Dinge denkst, die dich zuvor noch aus dem Konzept gebracht haben. Du lenkst dich dabei ganz einfach kurz selbst ab und gönnst dir etwas Ruhe im Kopf und im Körper. Und wenn du möchtest, steigerst du die Länge der Ein- und Ausatmung. So wie es für dich angenehm ist.
Diese bewusste Atmung wird dir in deinem Alltag viele Vorteile bringen. Denn sie beruhigt das Nervenkostüm. Unsere Atmung ist essenziell, und der Fokus darauf wird dich ruhiger werden lassen. Außerdem ist sie eine große Unterstützung bei den Übungen in diesem Buch.
Wo stehst du gerade?
Bevor wir uns nun schwungvoll in die Aufräumarbeit stürzen und unser Gehirn durchspülen, inspizieren wir als Erstes die Räumlichkeiten.
Wir schauen, was da ist.
Wie fühle ich mich gerade?
Warum fühle ich mich so?
Wo stehe ich?
Was triggert mich?
Welche meiner Verhaltensweisen sind hinderlich?
Was ist mir wichtig?
Wie soll mein Leben aussehen?
Solche Fragen wirst du nun nicht sofort in ihrer ganzen Tiefe beantworten können. Doch du kannst dich langsam an sie herantasten.
Um innere Stabilität zu erreichen, müssen wir wissen, wer wir sind, und verstehen, wie wir fühlen. Wir müssen uns bewusst machen, wie wir funktionieren, und begreifen, warum wir ticken, wie wir ticken. Je besser wir uns und unsere Muster kennen, desto besser gelingt es uns, uns weiterzuentwickeln.
Wenn wir unsere Denkmuster hinterfragen und verändern möchten, müssen wir wissen, wie diese aussehen und uns selbst auch von außen betrachten können, uns auf die vielbeschworene Metaebene begeben können.
Im täglichen Wirrwarr ist es nicht immer einfach zu erkennen, wie eine unserer Reaktionen gerade gefärbt war und was diese mit unseren eigenen Gedanken zu tun hatte.
Wir wollen unseren Verstand, unsere Gefühle und unsere Empfindungen in ein Gleichgewicht bringen, wie es eine Waage tut. Legen wir schweres Material auf die eine Seite, balanciert sie kraftvoll aus.
Es geht darum, den Dreck, den der Alltag auf unser Federkleid spült, bewusst betrachten zu können, antrocknen zu lassen und dann nonchalant abzuschütteln. Das heißt aber nicht, dass du von nun an fünfzig Zentimeter vom Boden schwebend stets in deiner Mitte sein wirst, dass du nie mehr verärgert sein oder dir nie mehr Sorgen machen wirst. Doch mit mehr Achtsamkeit und einem klaren Bewusstsein bleibst du nicht mehr so lang im Matsch liegen.
Beantworte bitte folgende Fragen, idealerweise schriftlich, denn du wirst nicht dieselbe Tiefe erreichen, wenn du diese Fragen nur gedanklich beantwortest.
Überprüfung des Ist-Zustandes
Wie fühlst du dich gerade?

Auf einer Skala von null bis zehn: Wo wäre das?

Auf einer Skala von null bis zehn: Was denkst du, welche Punktzahl könntest du realistischerweise erreichen?

Hast du die Zehn angekreuzt?
Wunderbar! – Und falls nicht, warum nicht?

Was belastet dich zurzeit?

Warum belastet dich das?

Welche deiner Gefühle sind dabei vorherrschend?

Falls du Schwierigkeiten hast, Gefühle zu formulieren, findest du Beispiele von Gefühlen auf Seite
109)
Wenn du für deine Antworten mehr Platz benötigst, arbeite mit einem separaten Notizbuch.
Kannst du an einer Stelle noch tiefer gehen, oder lässt sich bei einer Antwort noch mehr herausholen? Behalte im Hinterkopf, dass dieser Prozess, je tiefer du gehst, desto hilfreicher für dich sein wird. An der Oberfläche lässt sich nicht viel herausholen. Und in der Tiefe zu wühlen ist vielen Menschen unangenehm. Doch nur so kommen wir weiter. Diesen Aufwand wirst du aber auch nur dann betreiben, wenn es für dich sinnvoll ist.
Lies die Fragen und Antworten noch einmal in Ruhe durch. Wo möchtest du was ergänzen?
Unsere Wahrnehmung
Wenn du dich nun damit auseinandersetzt, wo du gerade stehst und was dich gerade belastet, mach dir gleichzeitig bewusst, dass deine Wahrnehmung subjektiv ist. Es gibt keine allgemeingültige Realität. Wir alle leben unsere eigene. Zwei Menschen im selben Raum nehmen unterschiedliche Dinge wahr, da sie nicht denselben Fokus auf etwas, nicht dasselbe Wertesystem und nicht dieselben Erfahrungen haben. Wir sehen nur das, was uns selbst wichtig erscheint.
Unsere Wahrnehmung ist geprägt durch unser bisheriges Leben. Sie wird gefiltert durch unsere Denkweise, die wir seit vielen Jahren verinnerlicht haben. Wir tragen unsere selbst gefärbte Brille. Daher ist jede Wahrnehmung individuell.
Es gibt kein Richtig oder Falsch. Und trotzdem empfinden wir unsere Wahrnehmung als die einzig richtige. So wie das auch andere für sich tun.
Auch uns selbst nehmen wir anders wahr. In der Regel sehen uns die anderen Menschen positiver als wir uns selbst sehen. Genauso verhält es sich auch umgekehrt. Wir sehen das Gegenüber meistens gelassener, zufriedener und glücklicher als wir uns selbst. The grass is always greener on the other side.
Die Diskrepanz zwischen dem, was wir zu sehen glauben, und dem, was tatsächlich ist, ist nicht sonderlich hilfreich. Sie fördert je nach Situation die Unzufriedenheit. Doch auch wenn es ein schwacher Trost sein mag: Es geht den meisten Menschen so. Du bist nicht allein.
Wenn wir vergleichen
Unsere subjektive Wahrnehmung muss nicht zwingend schlecht oder negativ oder für uns ungünstig sein, doch sie kann uns aus dem Gleichgewicht bringen. Wir laufen dabei Gefahr, uns zu vergleichen. Dabei schneiden wir meist ein wenig schlechter ab. Wir schauen, was andere haben, und erkennen dabei, was wir nicht haben.
Da kannst du nur verlieren. Es gibt immer jemand, der lustiger, schlanker, glücklicher, erfolgreicher, reicher oder schöner ist, der mehr Energie hat, eine besser funktionierende Beziehung, einen liebevolleren Partner, begabtere Kinder, ein schöneres Haus und nettere Eltern. Wenn wir uns vergleichen, macht das etwas in und mit uns. Wir fühlen uns automatisch schlecht und sabotieren damit unseren Selbstwert. In der Folge fühlen wir uns dadurch weniger geliebt. In erster Linie von uns selbst. Wir genügen unseren eigenen Standards nicht. Standards, die wir uns wiederum selbst setzen und die wir jederzeit anpassen können.
Wenn wir schon vergleichen, dann sollten wir uns besser darauf fokussieren, was wir haben und was andere nicht haben. Das wäre die gesündere Variante. Doch einigen wir uns fürs Erste einmal darauf, dass wir ganz einfach nicht mehr vergleichen. Bleiben wir bei uns.
Warum gehen wir so hart mit uns um? Warum würdigen wir uns bei Vergleichen direkt oder indirekt herab? Warum winken wir bei Komplimenten oft ab? »Oh … dieser alte Fetzen … den habe ich nur mal schnell übergeworfen.«
Wir werden später noch genauer darauf eingehen, aber es sei hier schon einmal eingeworfen: Wenn wir uns nicht selbst mögen, dann ist das Glas immer halbleer. Die Welt ist ein klein wenig grauer und freudloser. Wir haben uns schließlich ständig um uns. Und wenn wir uns selbst nicht gut genug sind, wie sollen wir dann mit uns glücklich werden?
Übung: Selbstakzeptanz
Magst du dich?
Ja
Nein
Manchmal
Wärst du gerne mit dir befreundet?
Ja
Nein
Warum?

Wenn du mit dir befreundet wärst, welche Eigenschaften an dir würdest du besonders schätzen?

Je mehr wir uns selbst mögen, desto höher ist unser Selbstwert. Das ist der Wert, den wir uns selbst geben. Ist dieser Wert hoch, achten wir mehr auf uns, tragen Sorge für uns. Wir betreiben Selbstfürsorge, schauen, dass es uns gut geht. Wir hegen und pflegen uns. Ist unser Selbstwertgefühl niedrig, tun wir das Gegenteil.
Nun sind wir nicht immer glücklich über uns. Manchmal sind wir von uns selbst enttäuscht, manchmal waren wir in einem wichtigen Moment nicht schlagfertig genug oder haben zu wenig aus unserem Leben gemacht oder empfinden uns als gar nicht oder nur einseitig begabt. Schleichen sich negative Gedanken ein, die deinen Selbstwert torpedieren, versuch, diese auseinanderzupflücken, seziere sie. Frag dich, warum du das tust:
Warum denkst du so über dich?
Was steckt wirklich dahinter?
Einer Person, die du gern magst, würdest du nun wahrscheinlich gut zureden und ihre Vorzüge hervorheben, ihr Mut machen, Zuversicht zeigen. Versuch das auch bei dir selbst.
Letztlich hat jeder Mensch seine ganz individuellen Probleme und Sorgen mit der Partnerschaft, den Kindern, dem Berufsleben, seiner Gesundheit, seinem Geld, der Kommunikation oder der Herkunftsfamilie. Das berühmte Rucksäckchen tragen wir alle mit uns. Kümmere dich nicht darum, wie schwer oder leicht andere Rucksäcke sind. Beachte nur deinen eigenen Rucksack, ordne ihn, räum ihn um, wirf weg, was du nicht mehr brauchst, füll den Rucksack neu, mal ihn an. Es ist dein Rucksack. Damit kannst du tun, was du möchtest. Andere Rucksäcke müssen dich nicht kümmern. Nur dein eigener.
Das Wichtigste auf einen Blick
Halte in schwierigen Situationen erst einmal inne.
Was genau belastet dich in diesem Moment?
Was fühlst du dabei?
Denk daran, dass du jede Situation, jeden Moment immer subjektiv wahrnimmst. Es ist deine ganz eigene Sicht, deine Empfindung. Diese resultiert auf deinen Wertvorstellungen.
Frag dich unter diesem Gesichtspunkt: Worum geht es mir in der Situation genau? Womit kämpfe ich? Und warum?
Du nimmst dich selbst oft anders wahr, als es andere tun. Sei dir dessen bewusst.
Vergleiche dich nicht mit anderen. Du kannst dabei nur verlieren.
Bleib bei dir.
Fokussiere dich auf dich selbst.
Blende andere aus.

Was sind Ziele?
Ein Ziel ist etwas, das du dir für die Zukunft vornimmst. Es ist das, worauf du hinarbeitest. Mal braucht es mehr, mal weniger Einsatz von dir. Mal ist das Ziel sofort umsetzbar, manchmal erst Jahre später. Ein Ziel muss nicht immer das große sinnstiftende Ziel sein. Es darf auch ein ganz simples sein. Zum Beispiel jeden Morgen einen Tee statt Kaffee zu trinken. Oder jeden Morgen 20 Minuten zu meditieren. Oder dreimal in der Woche zum Joggen zu gehen. Oder sich einen Hamster kaufen.
Wenn du für dich ein Ziel definierst, wird es konkret, weil du es dann in Worte fassen kannst (»Ich will …«). Das kann auch ein Ziel in der Zukunft sein. Das Haus am Meer oder in den Bergen nach deiner Pensionierung. Die Gründung einer Firma. Oder innere Freiheit leben zu können.
Somit kann ein Ziel auch einen übergeordneten Sinn haben. Ein übergeordnetes Ziel ist eines, dem viele Zwischenziele untergeordnet sind, damit man letztlich das große Ziel erreicht, bei dem du auf deinem Weg Zwischenetappen einlegst. Und manchmal sieht man das Endziel noch gar nicht, sondern nur einen ersten, zaghaften Schritt. Wie Martin Luther King jun. schon sagte: »You don’t need to see the whole staircase, just take the first step.« (Du musst nicht die ganze Treppe sehen, mach einfach den ersten Schritt). Ein Ziel kann aber auch sein, ohne ein Ziel zu leben, im Flow zu sein. Jeden Tag einfach so zu nehmen, wie er ist. Das Vertrauen zu haben, dass man genau da ist, wo man sein soll.
Ein Ziel kann von materieller Art (Haus in den Bergen) oder immaterieller Art (innere Freiheit leben) sein. Es gibt viele Arten und Formen von Zielen. Da wir alle unsere eigenen Realitäten leben, die Welt so sehen, wie wir sie sehen, und wir so empfinden, wie wir eben empfinden, so sind auch unsere Ziele eine ganz persönliche Angelegenheit.
Grundsätzlich ist die Erreichung eines Ziels in der Regel mit Arbeit verbunden. Je größer sich das Ziel anfühlt, desto größer ist vermutlich auch der Aufwand, der dich letztlich dorthin bringt. Aber da du Zwischenetappen einbauen kannst, erscheint dieses große Ziel nicht mehr ganz so überwältigend. Es wird realistisch. Zwischenetappen helfen dir dabei, den Mut zu fassen, dieses weit entfernte Ziel ganz in Ruhe und Schritt für Schritt anzugehen. Jede einzelne erreichte Etappe bringt dich deinem Ziel ein Stück näher und motiviert dich, das nächste Teilstück anzupeilen.
Du hast dir im Leben bestimmt schon viele Ziele gesetzt. Vielleicht wolltest du Mutter oder Vater werden, einen guten Schulabschluss schaffen, ein spannendes Studium absolvieren oder einen erfolgreichen Beruf ausüben. All dies sind Ziele, die du mit etwas Äußerem verbunden hast. Die Kinder, das Studium, der Beruf sind äußere Faktoren. Du hofftest damit auf ein erfülltes Leben, so wie man es sich eben vorstellt. Du hofftest vielleicht auch auf Geld oder Status, und du bist davon ausgegangen, dass sich damit automatisch Zufriedenheit einstellt. Und vielleicht war sie da, die Zufriedenheit. Immer wieder einmal. Aber sie wurde nie ein beständiger Partner. Die Zufriedenheit hat dich immer wieder verlassen. Mal mehr, mal weniger.
Zufriedenheit, die lediglich auf äußeren Zielen beruht, ist nicht nachhaltig. Dies kommt daher, dass diese Ziele nicht nach innen gerichtet sind. Was bedeutet das?
Ein inneres Ziel löst, wenn es erreicht ist, stets ein positives Gefühl aus. Und gewiss, das tun die Kinder, der Job oder das Ferienhaus auch. Der Fokus ist hier aber auf etwas anderes gesetzt. Der Fokus ist bei einem inneren Ziel nicht von äußeren Umständen abhängig, auf die wir keinen Einfluss haben, und er liegt auch nicht auf all den Dingen, an die man sich irgendwann gewöhnt, die irgendwann abgehakt und einfach da sind. Richten wir unsere Ziele lediglich nach außen, haben wir es verpasst, unseren Verstand mit unseren Gefühlen abzugleichen.
Natürlich haben auch äußere Ziele absolut ihre Berechtigung. Sie sind wichtig und geben uns eine Perspektive im Leben. Doch was wir oft nicht in unsere Betrachtungen miteinbeziehen, das ist unsere Seele. Hier sitzen die inneren Ziele.
Wenn wir äußere Ziele definieren, sollten wir dabei dem Gefühl auf den Grund gehen, das wir damit verbinden. Das Gefühl suchen, das wir uns durch unser Ziel erhoffen. Wir sollten uns fragen, was dahinter steckt, warum wir uns etwas wünschen, was uns diese Sache oder diese Umstände geben sollen. Worum geht es uns dabei? Wenn du dir zum Beispiel Kinder wünschst, dann frag dich, warum du das tust. Was erhoffst du dir? Was steckt hinter diesem Wunsch, diesem äußeren Ziel? Ist es die bedingungslose Liebe, die du spüren möchtest? Suchst du das Zusammengehörigkeitsgefühl, das dir eine Familie geben kann? Was kann dir ein Eigenheim geben? Oder das Ferienhaus? Geht es um Sicherheit? Freiheit?
Auf diese Weise kannst du dein wahres inneres Ziel aufdecken, das sich nachhaltig gut für dich anfühlt. Und du verstehst schließlich, was du brauchst, um dieses Ziel zu erreichen.
Das innere Ziel verrät, wo deine Prioritäten liegen. Das, was du selbst als deinen Sinn empfindest. Wenn du danach strebst, können sich die Umstände um dich herum zwar dennoch immer wieder verändern, aber du kannst dir das Leben dabei immer wieder neu ausrichten, damit du dein inneres Ziel erreichst und dein innerer Wunsch erfüllt wird.
Wie findest du nun also dein inneres Ziel?
Dieser Frage gehst du auf den Grund, indem du dich fragst, was du brauchst, um zufrieden zu sein. Sind das zunächst einmal äußere Faktoren, die dir die gewünschte nachhaltige Zufriedenheit geben sollen? Gut. Was versprichst du dir davon? Welche Gefühle stecken dahinter? Worum geht es dabei genau? Wenn du dich hier auf deine Gefühlsebene begibst, rückst du zum Kern der Sache vor.
Beispiele
Denken wir an ein verlockendes, vielversprechendes Jobangebot. Es ist mit äußeren Zielen verbunden, die du anstrebst. Unbewusst hast du aber vielleicht geahnt, dass dies neben viel Geld auch viel Stress bringen würde und dass dich dies vielleicht unglücklich macht. Dieses ungute Gefühl hast du jedoch verdrängt. Du hast den Job angenommen, da ein erfolgreicher Job Status und Geld und damit Sicherheit bringt. Doch irgendwann wurde dieses in sich schlummernde Gefühl größer. Die innere Zufriedenheit konnte damit nicht nachhaltig befriedigt werden. Etwas fehlte. Du fühltest dich unglücklich. Und dies, obwohl du doch alles hast. Du bist doch privilegiert. Die Leere, die du fühlst – so findest du – ist nicht gerechtfertigt.
Manchmal äußert sich dieses Gefühl dadurch, dass du immer wieder nach Neuem strebst, nach Höherem, dass du immer mehr möchtest. Und dann eben … doch nie zufrieden bist. Denn das nächste Ziel wartet schon. Es hört nie auf.
Du gingst davon aus, dass dich die Erreichung deiner Ziele zufrieden machen würde. Doch dann erkanntest du, dass du deine Ziele vielleicht erreicht hast, sich aber nach der ersten Euphorie langsam eine gewisse Gleichgültigkeit in dir breitmachte.
Unser ganzes Sein strebt im Prinzip nach einer Balance, einer inneren Stabilität. Geld, Macht, Status, Kinder oder Ferienhaus können dich nicht in Balance halten, wenn das Gefühl tief in dir nicht stimmt. Ein äußeres Ziel zu erreichen ist prima, für einen gewissen Moment. Doch erst die Erreichung innerer Ziele ist nachhaltig. Erst diese bringen uns in Balance, sodass wir auch schwierige Umstände ausbalancieren können.
Von all den inneren Zielen, die es so gibt, solltest du nun, damit es tatsächlich nachhaltig erfüllend ist, herausfinden, welches dein Ziel ist. Dies braucht manchmal Zeit und lässt sich nicht immer auf die Schnelle aufdecken. Auch können und werden sich innere Ziele im Laufe der Zeit verändern. Daher ergibt es auch Sinn, ab und an einmal in sich hineinzuhorchen und zu überprüfen, ob alles noch so ist, wie gehabt. Ob die Ziele noch die gleichen sind.
Das intrinsische Ziel
Das innere, intrinsische Ziel ist sehr individuell. Was du dir tief im Innern wünschst, muss nicht dasselbe sein, was in deinem Umfeld gang und gäbe ist, oder von dem du meinst, es dir wünschen zu müssen. Vergiss alle gesellschaftlichen Ideen und auch, was du denkst, wie das Leben aussehen müsste. Dein intrinsisches Ziel ist eine reine Gefühlssache, etwas, was sich für dich tief im Inneren gut anfühlt.
Um ein Klischee zu bedienen: Vielleicht stehst du total erfolgreich im Berufsleben, doch stets getrieben, gestresst und unter Druck. Du würdest dir mehr Ruhe wünschen, fernab von allem. Vielleicht in einem eigenen netten Bed & Breakfast in Südfrankreich. Oder du malst sehr gern und würdest am liebsten den ganzen Tag nichts anderes tun. Aber das geht natürlich nicht, denn du musst ja Geld verdienen und hast Verpflichtungen. Doch du denkst manchmal an dieses befreiende Gefühl, wenn du vor der Leinwand stehst und in allen Farben und Formen aufblühst. Wenn du im Flow bist.
Dieses Gefühl ist es, was wir hier suchen. Dieses Gefühl ist dein Ziel. Und wenn du das gefunden hast, wirst du dir dein Leben idealerweise so einrichten und anpassen, dass dieses Gefühl vorherrscht, egal wie die äußeren Umstände sind.
In diesem Kapitel werden wir versuchen, dich Schritt für Schritt zu einem Ziel zu führen, dessen Erreichung dich tief und nachhaltig befriedigt. Zu einem von innen heraus motivierten Ziel. Ist das Ziel intrinsisch, löst allein der Gedanke daran rundherum ein gutes Gefühl aus.
Die Suche nach dem intrinsischen Ziel
Im vorherigen Kapitel hast du dir Gedanken gemacht, was in deinem Leben zurzeit nicht stimmt. Gehen wir nun also konkret diese eine Sache an, damit das Ganze etwas greifbarer wird. So fragen wir dich:
Wie willst du dein Problem gelöst haben?
Was ist das Ziel der Problemlösung?
Was ist dann in deinem Leben anders?
Wie willst du dich fühlen, wenn du das Problem gelöst hast?
Anders gesagt: Wie hättest du es gern?

So, nun hast du es artikuliert.
Du weißt, dass du dein Problem selbst lösen musst. Vielleicht kannst du etwas aktiv an der Situation verändern, vielleicht ist es auch einfach deine Sichtweise, die du überprüfen solltest. Du kannst leider nicht davon ausgehen, dass sich vielleicht die Menschen in deinem Umfeld so verändern, dass es für dich passt. Die sind alle, wie sie sind, und bleiben es voraussichtlich auch. Es ist dein Prozess, nicht ihr Prozess. So verhält es sich vermutlich auch mit der Lage in deinem Beruf. Oder der Beziehung zu deiner Herkunftsfamilie. Oder der Qualität deiner Partnerschaft. Für gewöhnlich verändert das Leben die Situation nicht von selbst zu deinen Gunsten. Es ist daher auch nicht sinnvoll, auf Fügungen zu warten, die dich zum Aufraffen bewegen. Hierbei verbringst du dein Leben mit Warten. Und da unsere Lebenszeit begrenzt ist, wäre das ganz einfach schade. Wenn du eine Veränderung wünschst, musst du die Sache selbst in die Hand nehmen.
Albert Einstein soll gesagt haben: »Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, das sich etwas verändert.«
Wenn du nicht glücklich bist, dann musst du handeln. Nur du kannst etwas verändern.
Du siehst hier vielleicht gewisse Limitationen. Vielleicht wirst du nun einwenden, dass du ja nicht gleich alles hinschmeißen kannst. Nein, das musst du nicht. Fang einfach mal irgendwo an. Aber fang an.
Lassen sich die Umstände nicht verändern – dies wäre die erste Priorität –, dann leg den Fokus auf dich selbst. Verändere deine Haltung zu deinem Problem. Natürlich kannst du nicht einfach mit den Fingern schnippen und – zack! – umdenken. Aber das Umdenken ist in kleinen Schritten möglich. Du musst aber herausfinden, was du dafür brauchst. Die Haltung zu den Dingen zu verändern, ist nicht einfach, aber es ist machbar. Behalte dies im Hinterkopf. Wir gehen später noch näher darauf ein.
Vielleicht wird eine Veränderung zunächst einmal Widerstand auslösen, weil die Angelegenheit zu vertrackt ist oder dich dein ganzes Vorhaben noch überwältigt. Vielleicht sind die Umstände tatsächlich sehr kompliziert, vielleicht stehst du dir auch selbst im Weg. Vielleicht denkst du, dass es unmöglich ist, etwas zu verändern, weder im Außen noch im Innen. Doch gib dir eine Chance. Denn wenn du es nicht versuchst, dann bleibt ganz einfach alles so, wie es jetzt ist.
Der Widerstand
Widerstand ist ein innerer Schutz. Er entsteht, wenn wir nicht einverstanden sind, wenn wir eine Sache nicht verstehen oder wenn wir uns eine Gegebenheit nicht vorstellen können.
Wir werten dann etwas, was wir hören, sehen oder lesen intuitiv ab. Wir denken uns »So ein Mist«, können in diesem Moment aber vielleicht nicht erklären, warum wir diese Sache konkret blöd finden, und geben dann gern auch ein »Einfach so« als Erklärung ab. Mit einer solchen Erklärung geben wir zu verstehen, dass wir nicht darüber nachgedacht haben, sonst könnten wir den Grund der Ablehnung in Worte fassen. Doch »Einfach so« ist nichts in unserem Leben. Alles, was wir tun, hat einen Grund. Wir sind uns dessen nur nicht immer bewusst.
Wenn du Kinder hast, wirst du diesem »Einfach so« immer wieder einmal begegnen, zum Beispiel dann, wenn das Kind traurig ist und du es nach dem Grund fragst. Oft fragen Erwachsene da leider nicht weiter nach. Und dem Kind fällt es schwer zu lernen, seine Gefühle zu artikulieren. Damit ist die Sache dann oft gegessen und »alles wird wieder gut«. So nehmen wir dieses Schema in unser Erwachsenenverhalten mit, denken über die Ursache und die Art der Gefühle zu wenig nach, gehen nicht in die Tiefe, verstehen nicht, worum es wirklich geht, und meinen auch noch im hohen Alter: »Ich weiß nicht, wieso ich traurig, beleidigt, wütend, ärgerlich … bin. Es ist einfach so.« Etwas ist da, wühlt dich in irgendeiner Form auf, und du begibst dich in den Widerstand.
Man kann sich diesen Widerstand wie einen inneren Schutz in Form einer Pforte in der Herzgegend vorstellen. Die Pforte geht zu, wenn wir über den Empfang eines unserer fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken) nicht einverstanden sind. Indem wir Widerstand erzeugen, die Sache von uns weisen, schützen wir unbewusst unser Herz und somit unsere Gefühlswelt.
Stell dir ein Kind vor, das trotzig mit verschränkten Armen vor dir steht und dir ein kräftiges Nein um die Ohren haut. Egal, was und wie du dem Kind die Sachlage erklärst, das Kind ist gefangen in seinen Gefühlen, es will gar nicht verstehen oder sich näher damit auseinandersetzen und schützt körperlich (verschränkte Arme) sein Herz. Wir schützen uns als Erwachsene zwar meistens nicht mehr mit verschränkten Armen, doch der Widerstand ist derselbe. Die Pforte vor dem Herzen schließt sich. Der Schutzmechanismus wird aktiviert.
Widerstand ist eine Trotzreaktion. Und Trotz ist eine Form von Unsicherheit und Angst (siehe auch Schritt 4: Ängste entrümpeln
Seite 84).
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er die Dinge grundsätzlich verstehen will. Doch jedes Mal, wenn wir unbewusst eine Sache nicht verstehen, kommt dieser Widerstand als natürliche Reaktion in uns hoch. Dies passiert unbewusst. In einem solchen Moment sind wir uns nicht darüber im Klaren, dass wir – ganz klassisch – im Widerstand sind.
Natürlich müssen wir nun vor lauter Widerstandsangst nicht alles gutheißen. Wenn wir eine Sache verstehen und unsere Abneigung klar erklären können, dann hatten wir Gelegenheit, darüber nachzudenken und auch unsere Gefühle zu erörtern. Dann ist dies kein unbewusster Widerstand und auch keine Trotzreaktion. Es ist eine klar artikulierte Abneigung, die auf durchdachten Argumenten basiert. Und dies ist der Unterschied zum unbewussten Widerstand.
Die Sache mit dem Widerstand ist die: Ist dieser unbewusste Widerstand weg und hast du Vertrauen in dich selbst, konntest du eine Sache durchdenken und für dich eine Entscheidung treffen, dann bist du dir über deine Gefühle im Klaren, und das gibt dir die Kraft, Dinge im Allgemeinen besser anzugehen und voranzutreiben – sei es, dich vom Partner zu trennen, einen neuen Job zu suchen, eine Weiterbildung zu starten, eine längere Reise zu planen oder dich einfach dem Fluss des Lebens anzuvertrauen oder in ein Schweigekloster zu gehen.
Vertrauen in sich selbst bedeutet, den Mut zu haben, Dinge verändern zu wollen, im Wissen, dass es richtig und gut ist. Unser Selbstvertrauen lässt uns ruhig werden. Es ist das Wissen, dass alles gut ist, so, wie es ist oder werden wird. Ist dieses Selbstvertrauen da, dann können wir auch unbewussten und spontan auftretenden Widerstand annehmen, ihn als solchen erkennen und akzeptieren, vielleicht sogar verstehen, warum er da ist, darüber nachdenken und ihn dann loslassen. Ohne Trotz.
Du wirst während der Lektüre dieses Buches vielleicht hier und da auf inneren Widerstand stoßen. Geh dabei achtsam mit dir um. Widerstand ist nicht nur schlecht, er lässt uns aufhorchen. Wenn sich Widerstand regt, frag dich, warum dich etwas stört. Worum geht es?
Wenn du dir dabei eine Antwort geben kannst, die für dich Sinn ergibt, dann hat der Widerstand nicht dich im Griff, sondern du ihn. Zerpflücke das Gefühl dieses Widerstands.
Worum geht es wirklich?
Was stört dich?
Was will dir dieses Gefühl sagen?
Was steckt dahinter?
Wie wahr sind diese Gedanken noch?
Rührt dieser Widerstand daher, weil er an einer eigenen gedanklichen Kreation rüttelt, die du bisher als die große Wahrheit gesehen hast und die es vielleicht gar nicht ist?
Geh der Sache auf den Grund.
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