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Peter Hochweiler

Silberne Zeit

Saga

Silberne ZeitCopyright © 1990, 2019 Peter HochweilerAll rights reservedISBN: 9788711717592

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit dem Verlag gestattet.

All meine Sehnsucht

Mündet nun in diese Nacht.

Aber der Morgen spült schon heran,

Zu umsäumen das Wunder der Liebe

Mit silberner Zeit

You are always in my mind

Die Luft in der Kneipe ist geschwängert von Tabakqualm und Biergeruch zum Zerschneiden. Dazu dringt ohrenbetäubender Krach aus der Lautsprecherbox. Über dem Tresen, an dem ich sitze, kämpfen ein paar gelbe und rote Lampen gegen den Dunst an und versuchen vergebens, so etwas wie Atmosphäre zu schaffen. Um mich stehen und sitzen junge Leute, so um die zwanzig. Sie gestikulieren laut, lachen, reißen Witze, mich aber würdigen sie keines Blickes, sie nehmen mich überhaupt nicht wahr, obwohl ich fast jeden Abend um die gleiche Zeit hier erscheine, zwei, drei Biere austrinke und verschwinde. Der Schlummertrunk in der Kneipe ist für mich schon fast zum Ritual geworden. Midlife-crisis heißt das wohl, wenn man älter geworden ist, erkennt, daß die Sonne des Lebens bereits in den Rücken zu scheinen beginnt, die Jugend der anderen einem das eigene Alter bewußt macht. Doch fühle ich mich keineswegs in einer Krise begriffen. Im Gegenteil, eigentlich liebe ich diese Stimmung, die Einsamkeit in der Menge, ich bin nicht allein, und doch für mich.

„You are always in my mind“, schreit diese schrille, junge Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Mindestens ein dutzendmal wiederholt sie den Satz, unermüdlich, wie eine Schallplatte, die einen Sprung hat. Doch er wird dadurch nicht geistreicher. Sprachlosigkeit kompensiert durch Lautstärke. „You are always in my mind.“

Wen habe ich eigentlich im Sinn? Nicht eine, viele! Wie auf einem Laufsteg ziehen sie in meinen Gedanken einzeln vor mir auf, halten einen Augenblick inne, eine Momentaufnahme, grell wie von einem Blitzlicht angestrahlt, das den Schatten, in dem sie gleich wieder verschwinden, nur um so dunkler wirken läßt. Mädchen und Frauen, die ich geliebt habe, von denen ich geliebt wurde, die ich enttäuscht habe, von denen ich enttäuscht wurde. Inge, die mich die Liebe gelehrt hat, und Noriko, die mich in Japan sitzenließ, Marion, die meine Eifersucht anstachelte, und Yuri, deren Eifersucht mich verfolgte, Elke, die mir die kalte Schulter zeigte, und Mari, deren Zuneigung ich nur halb erwiderte, Bärbel, die mich mit Haut und Haaren besitzen wollte, und Sabine, die keine Gegenforderung stellte. Erinnerungen werden wach, versinken wieder, Ereignisse werden lebendig und purzeln durcheinander.

„Bring Ordnung in deine Frauengeschichten“, hatte einmal Sabine gelacht, als ich sie versehentlich mit dem verkehrten Vornamen ansprach. Ich will es im folgenden versuchen.

Der kleine Unterschied

Acht Jahre war ich, als mir „der kleine Unterschied“ allmählich bewußt wurde. Den Gassenhauer der Spielkameraden „Angelina ist modern, sie hat ’ne Pflaume ohne Kern“, hatte ich bis dahin kräftig mitgegröhlt, ohne den Hintersinn zu verstehen. Durch Zufall war mir aufgegangen, daß Mädchen zum Pinkeln eine Spalte besaßen, wogegen Jungens – viel praktischer – durch ein Röhrchen „zielen“ konnten. Was eine „Pflaume ohne Kern“ bedeutet, ist mir erst viel später klar geworden.

Das Wort Penis erfuhr ich erst mit vierzehn Jahren. Es ging mir ähnlich, wie wohl den meisten Kindern. Den kleinen Unterschied hatte ich schon bemerkt, ihn aber hingenommen, ohne mir Gedanken darüber zu machen. Auch daß Frauen Brüste hatten, Männer nicht, ist mir erst später aufgefallen. Besitzen kleine Mädchen auch Brüste? Wieso hatte ich das noch nicht bemerkt? Fragen, die mich eines Tages beschäftigten.

Es war Sommer, viele Kinder, Jungen wie Mädchen, liefen mit bloßem Oberkörper herum, schon weil Kleidung in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg knapp war. Ich wollte es genau wissen, und eines Tages beobachtete ich aus den Augenwinkeln heraus Doris, eine Klassenkameradin, die im Konsum neben mir vor dem Ladentisch stand. Ich sah, daß ihre Brust genauso eben war wie die meine. Also, zog ich messerscharf den Schluß, Brüste wachsen den Mädchen erst später.

Kein sichtbarer Unterschied also, wenigstens was die Brust bei gleichaltrigen Mädchen betraf. Trotzdem spürte ich, daß sie irgendwie anders waren. Puppenwagen statt Flitzbogen genügten mir nicht als Erklärung.

Ich hatte mit sechs Jahren den Torso einer Puppe gefunden, dem auf mein inständiges Bitten hin neue Arme und Beine angenäht worden waren. Ich liebte diese Puppe und konnte nicht verstehen, daß man mich auslachte, als ich damit spielen wollte. Die Erklärung Katharinas, meiner älteren Schwester, ein Junge tue sowas nicht, befriedigte mich nicht. Nur um dem Spott der anderen Kinder – und auch der Erwachsenen – zu entgehen, verzichtete ich schließlich aufs Puppenspielen.

Unterdessen war es Herbst geworden, Apfelernte. Seit drei Jahren bewohnten wir die notdürftige Kellerwohnung unter der Bühne eines Tanzsaales. Wer wollte schon eine alleinstehende Frau mit fünf Kindern aufnehmen, die aus Schlesien hatte fliehen müssen? Der Vater war im Krieg geblieben. Ich begann, mich für Eva, die Tochter unseres Hauswirts, zu interessieren, die damals gerade sechs gewesen sein muß. Wir spielten häufig miteinander. Eines Nachmittags geschah es. Wir hatten uns hinter der Musikantentribüne versteckt, die den geräumigen Hof der Gastwirtschaft abschloß. Unvermittelt stellte Eva sich vor mich, zog ihren Schlüpfer bis zu den Knöcheln herab und hob ihr Kleidchen bis unters Kinn. Noch heute, nach fast vierzig Jahren, sehe ich die zierliche, nackte Gestalt deutlich vor Augen, erinnere mich an den unreifen Schoß des kleinen Mädchens mit seinen vollen Wülsten. Ich machte es ihr nach, ließ meine Hose fallen und zog die Unterhose ebenfalls bis zum Boden herab. Ich nahm mein Glied in die Hand, dessen Vorhaut nicht nur die Eichel gänzlich bedeckte, sondern sogar darüber hinaus ragte. Wir sprachen kein Wort und wußten auch wohl beide nicht, warum wir das taten. Eva streckte mir den Bauch entgegen, und kreisend fuhr ich mit meinem kleinen Glied darüber, drückte es an ihren Nabel und stupste damit ihre Spalte. Dabei lächelte Eva glücklich und sah mich mit großen, leuchtenden Augen an.

Dieses Spiel haben wir öfters wiederholt. Eines Tages, während wir uns wieder mal gegenüberstanden und ich mit meinem Glied über ihren Bauch strich, fühlte Eva plötzlich, wie es in ihr zu rumoren begann. Sie hatte sich durch Obst den Magen verdorben. Kurzerhand hockte sie sich hin und verrichtete vor meinen Augen ein großes Geschäft. Fasziniert schaute ich zu, wie aus ihrer Spalte anschließend ein heller Strahl hervorsprudelte und glitzernde Tropfen an den Grashalmen hängenblieben.

Lange erfreuten wir uns der geheimen Zusammenkünfte nicht. Meine Mutter war stutzig geworden, weil wir so häufig hinter der Tribüne verschwanden, um nach einiger Zeit einträchtig händchenhaltend wieder hervorzukommen. Eva und ich standen uns eines Tages wieder gegenüber, und mein Glied berührte ihren Bauch, als plötzlich, wütend mit der Rute fuchtelnd, meine Mutter herbeigerannt kam. Es ging sehr schnell, sie packte mich am Arm, zerrte mich von dem Mädchen weg und versetzte mir ein paar Streiche auf den bloßen Hintern.

Die Hiebe spürte ich kaum, weit schmerzhafter war die Scham, ertappt worden zu sein. Ich lief weg, verkroch mich, und es kostete große Überwindung, abends bei Tisch zu erscheinen. Um so mehr war ich erstaunt, daß während des Abendessens und auch später kein Wort über das Ereignis vom Nachmittag fiel. Eva und ich aber wagten kein Stelldichein mehr hinter der Musikantentribüne.

Zwei Jahre später zogen wir um, und ich verlor Eva aus den Augen. Ich besuchte in Westdeutschland eine katholische Missionsschule. Damit waren Mädchen für sechs lange Jahre absolutes Tabu. Alles, was irgendwie an Sexualität erinnerte, wurde von Seiten der geistlichen Lehrer rigoros unterdrückt. Wer beispielsweise im Besitz einer Illustrierten mit Bildern nackter Mädchen ertappt wurde, riskierte entlassen zu werden.

In den Ferien fand ich in einer Illustrierten beim Friseur eine alberne Geschichte, die monatelang meine Phantasie beschäftigte: „Wer zieht zuerst die Braut aus?“ Beim Spiel in einem Nachtlokal ging es darum, als erster eine junge Frau aus den Brautkleidern zu schälen, bis sie in Slip und Büstenhalter dastand. Ich sehe noch die Pose vor mir, wie das Mädchen auf dem Foto lächelnd geschehen ließ, daß ein Mann vor ihr kniete und sie aus den Kleidern pellte. Nach den Ferien ins Internat zurückgekehrt, überkam mich jedesmal ein eigentümlich sehnsuchtsvolles Gefühl, wenn dieses Bild mir im Bett vor dem Einschlafen unwillkürlich vor Augen stand.

Drei Jahre lang machten die politischen Verhältnisse es mir unmöglich, auch nur einmal nach Hause zurückzukehren. Die Schulferien verbrachte ich zuerst bei einer Tante, die in der Nähe wohnte und später in einem Heim der Missionsschule. Der Eiserne Vorhang schottete Ostdeutschland von der Bundesrepublik ab. Interzonenpässe waren praktisch nicht zu bekommen. Doch nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 wurde die Grenze durchlässig. Von da ab konnte ich zweimal jährlich in den Ferien nach Hause fahren, bis meine Mutter nach Westdeutschland ziehen durfte.

Mit vierzehn erlebte ich in den großen Ferien daheim zum ersten Mal den bittersüßen Schmerz heimlicher Liebe. Karin, so hieß das Mädchen, wurde für zwei Jahre mein Idol. Ich träumte, wir seien verheiratet, hätten Kinder und führten ein glückliches Leben. Dabei hat sie nie gemerkt, was ich für sie empfand, ich war zu schüchtern, es ihr zu sagen.

Zur gleichen Zeit entdeckte ich die Selbstbefriedigung. Eines Nachmittags lag ich in der Badewanne und ließ mir warmes Wasser auf den Bauch plätschern. Unwillkürlich versteifte sich mein Glied, der Strahl traf die Eichel. Ich zog die Vorhaut zurück und hielt sie in den prickelnden Wasserstrahl. Sofort durchströmten nie erlebte Wonnen meinen Körper, nahmen zu an Intensität, bis plötzlich ein milchigweißer Strahl hervorschoß, am Penisschaft herablief und im Wasser ausflockte.

Seitdem onanierte ich fast jeden Abend im Schlafsaal, wenn die Mitschüler bereits schliefen. Dabei gaukelte die Phantasie mir Karin vor, wie sie vor mir stand und mich umfangen hielt.

Welche Liebesstellungen es gibt, wußte ich damals noch nicht. Ich hatte nur ganz verschwommene Vorstellungen davon, etwa daß die Liebenden sich gegenüberstehen und das Glied im Stehen in die Scheide einführen, bis ich – mittlerweile achtzehn – erotische Bilder mit Koitusdarstellungen zu Gesicht bekam. Nach dem Erguß suchten mich regelmäßig die gleichen Schuldgefühle heim. Ich hatte mich in einem Netz verfangen, aus dem ich mich nicht zu befreien vermochte, es sei denn, ich zerriß es.

Nach der Untersekunda verließ ich die Schule. Ich konnte es vor mir selber nicht mehr rechtfertigen, tagsüber den braven, keuschen Missionsschüler zu spielen, während ich mich spätabends vor dem Einschlafen regelmäßig meinen einsamen Phantasien hingab, voller Sehnsucht nach Ergänzung durch ein Mädchen.

Die Oberstufe absolvierte ich in einem weltlichen Gymnasium.

Liebe aus der Ferne

Die Jahre, die ich in der Missionsschule verbrachte, hatten mein Verhalten tief geprägt. In die Freiheit entlassen, wußte ich zunächst nichts damit anzufangen. Wie beneidete ich Mitschüler, die Freundinnen hatten!

In der Unterprima meinte ich, ein Mädchen gefunden zu haben, das meine Freundin werden könnte. Fast zwei Jahre lang liebte und verehrte ich sie, allerdings zunehmend aus der Ferne. Sie war meine Tanzstundendame gewesen und hieß Elke. Wie ich, wohnte auch sie nicht am Schulort, und so wartete ich häufig vor dem Lyzeum, um sie zum Bahnhof zu begleiten. Anfangs schien ihr das zu gefallen, jedenfalls ließ sie mich nicht spüren, daß mein Werben ihr unangenehm war. Aber nach und nach zeigte sie mir immer deutlicher die kalte Schulter. Ich traute mich nicht mehr, sie an der Schule abzuholen, ich wartete lieber an dem langen Bahnsteiggitter, ob sie vielleicht die Stufen der Eingangshalle heraufkäme. Ich wußte ja, wann ihr Zug abfuhr. Doch selten gelang es mir, sie zu treffen und wenigstens auf den Bahnsteig zu begleiten, denn genauso wie ich, sparte sie häufig das Fahrgeld und fuhr per Autostop nach Hause. Zum letzten Mal begegneten wir uns im Juni, drei Vierteljahre nach dem Abschlußball der Tanzstunde. Darüber hat sich ein Tagebucheintrag erhalten, den ich kurz danach aus der frischen Erinnerung niederschrieb.

„Als ich heute abend die Confessiones des Augustinus aufschlug, fand ich als Lesezeichen das Bild von unserem letzten Klassenabend. Auch Elke ist auf dem Foto zu sehen. Seltsam, daß ich noch immer an sie denken muß. Erst heute mittag sah ich sie aus der Ferne am Zug. Beide taten wir, als bemerkten wir uns nicht.

An das letzte Treffen mit ihr im Juni erinnere ich mich noch genau. Ich ging zu ihr auf den Bahnsteig. Am Gleis zwei wartete sie mit ihrer Freundin auf den gleichen Eilzug wie heute. Ich grüßte, sie nickte kaum. So stand ich da und wußte nicht, worüber ich sprechen sollte. Es war nur allgemeines Zeug, wie es in der Schule gehe und dergleichen. Elke schien mir gar nicht zuzuhören. Starr und uninteressiert blickte sie nur aufs Nachbargleis, wo der Eilzug für die Gegenrichtung wartete. Fast fühlte ich mich erleichtert, als endlich ihr Zug einfuhr. Ich kann mich noch erinnern, sie sagte nicht einmal auf Wiedersehen. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihr gesprochen.

Nach dem Abschlußball im November des vergangenen Jahres, als ich die ganze Nacht in der Stadt herumlief, weil ich Elke draußen am Auto verabschieden wollte und dabei den Freund verfehlte, bei dem ich übernachten sollte, meinte ihre Mutter noch, Elke und ich träfen sich ja noch oft. Nein, häufig ist es nicht gewesen. Als der Zug abfuhr, wußte ich bestimmt, daß ich mit Elke nie mehr sprechen würde. Es wäre unmöglich gewesen, aber ich muß immerzu an sie denken.“

Elke war die Tochter eines Dozenten. Für welches Fach, habe ich nie herausbekommen, sie spielte Geige und liebte die Kunst. Ich sah in ihr die Verkörperung des Kallos, des Schönheitsideals der Antike. Daß ich Elke verfallen war, mag zumeist an ihrer äußeren Erscheinung gelegen haben. Sie schien mir von jener grazilen Zerbrechlichkeit, die mein Schönheitsideal, Botticellis Venus, ebenfalls besaß. In Elke glaubte ich das Modell der Göttin, eine zweite Simonetta, zu erkennen. Boticellis Bild haftete als Frontispiz in meinem Tagebuch, lange bevor ich Elke kennenlernte.

Noch bis zum Abitur wartete ich weiter geduldig am Gitter des Kopfbahnhofes, um vielleicht zwanzig Meter weiter im Gewimmel heimlich und verstohlen Elkes Anblick zu erhaschen. Ich gab mir den Anschein, hier zufällig auf meinen Zug zu warten. Bei rechtem Licht betrachtet, hatte ich sogar Angst, sie zu sehen. Ihr Bild hatte ich ständig vor Augen, gleichgültig wo ich mich befand. Auf Elke war ich so fixiert, daß für mich kein anderes Mädchen existierte. Ich sehnte mich nach einer fruendlichen Geste von ihr, nach einem Wort, nach ihrer Zärtlichkeit. Wenn ich mich abends vor dem Einschlafen einsam mit der Hand befriedigte, gaukelte mir die Phantasie ihr Bild vor. Dabei hatte ich gar nicht den Wunsch, sie möge sich mir öffnen. Ich wollte nicht in sie eindringen. Wenn ich mir sie manchmal nackt vorstellte, dann in der Pose Simonettas, die glatte Scham und ihre Äpfelchen züchtig mit der Hand bedeckend.

In aller Regel hatte ich nur ihr Gesicht vor Augen, ein unendlich zartes, liebliches, beseeltes Gesicht das mich vor purpurnem Hintergrund mit freundlichen, mitleidsvollen Augen ansah. Wenn ich mich nach dem Erguß voller Schuldkomplexe müde zur Seite drehte, stellte ich mir vor, Elke läge nackt neben mir und hielte mich eng umschlungen. Mein Arm umfing dann ihren Nacken, und eine Hand umspannte eine ihrer Brüste. Im Grunde hatte ich Angst vor der Umwelt, die mich zu bedrohen schien, Angst vor der Schule, Angst auch vor meiner Mutter, die recht herb und streng war. Was ich ersehnte, waren Sicherheit, Geborgenheit und Liebe. Wie herrlich wäre es gewesen, wenn Elke mir etwas davon geschenkt hätte. Sie hat mich enttäuscht.

Angst vor der Frau

„... und hiermit entlasse ich euch ins Leben. Geht glücklich euren Weg und vergeßt euer altes Gymnasium nicht.“

Seine Stimme zitterte vor Rührung, während der Direktor die letzten Sätze der Abiturrede sprach. Ins Leben entlassen, was bedeutete das? Als Hilfsarbeiter in einer Fabrik arbeiten? Geld verdienen fürs erste Semester? Schönes Leben!

Zwei Tage später stand ich in einem zerschlissenen, grauen Arbeitsmantel hinter einer Sägemaschine. Meine Aufgabe bestand darin, Holzklötzchen, welche die Maschine unablässig in einen flachen Kasten spie, gleichmäßig zu verteilen. „Praxen“ nannte man das. Welcher etymologischen Wurzel das Wort entstammt, habe ich nie ergründen können. Aber was es bedeutete, blieb mir nicht lange verborgen. Schon bald hatten die ständig herabfallenden Holzstücke den Handrücken aufgerissen, die Haut rauh wie ein Reibeisen werden lassen. Wenn der Kasten bis zum Rand gefüllt war, hatte ich ihn in die Trockenkammer zu bringen. Dazu kam das ohrenbetäubende Kreischen von vierzig Kreissägen, auf denen die Bretter roh zugeschnitten wurden, sowie der feine Staub des Sägemehls, der die Luft erfüllte, auf der schwitzenden Haut festklebte und juckte.

Einen Lichtblick brachten die Betriebsferien. In diesen zwei Wochen ruhte die Produktion, und ich wurde zu Putz- und Aufräumarbeiten eingeteilt. Während ich auf einer Leiter stehend versuchte, ein blindes Fabrikfenster mit Wasser, Seife und Schwamm wieder durchsichtig zu machen, kam ein Mädchen aus der Verwaltung quer über den Hof. Unter meiner Leiter blieb sie stehen.

„Sie sollen zur Geschäftsleitung kommen.“

„Was ich? Was soll ich da?“

„Weiß ich nicht, aber die Griechen sind gekommen.“

In dem getäfelten Zimmer residierte hinter einem respekteinflößenden, wuchtigen Schreibtisch Herr Preuss. Ein Mann Mitte fünfzig, tadellos gekleidet mit graumeliertem Haar. Er brauchte nicht körperlich zu arbeiten. Wie beneidete ich ihn in meinem abgerissenen Zustand!

„Sie können doch Griechisch?“

Woher hatte er erfahren, daß ich ein humanistisches Gymnasium besucht hatte?

„Heute sind die ersten griechischen Arbeiter eingetroffen, und Sie sollen in Zukunft übersetzen.“

Wußte der Mann, wovon er sprach? Genauso gut hätte ich Italiener auf Latein begrüßen können.

Aber ich lernte Neugriechisch. Bereits nach kurzer Zeit konnte ich mich mit den neuen Arbeitskollegen aus Saloniki, Athen und Korinth leidlich verständigen. Besonders mit einem schloß ich Freundschaft: Argyrios. Er stand neben mir an der zweiten Maschine, war etwa so alt wie ich, hatte braunes Haar und sah so gar nicht wie ein Grieche aus.

„Avrion den epergaziti“, morgen wird nicht gearbeitet, dozierte ich bereits zum x-ten Male, es war der Vortag von Mariahimmelfahrt, Argyrios nickte.

„Ich habe schon eine Freundin gefunden, eine Friseuse. Gestern abend habe ich mit ihr geschlafen.“

Wie um die Aussage zu bekräftigen, steckte Argyrios den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger.

Ich sah ihn neidisch an.

„Hast du keine Freundin?“

„Nein.“

„Willst du auch einmal mit einer Frau schlafen?“

Ich nickte.

„Dann komm morgen mittag zu uns. Marita ist bereit.“ Argyrios zeichnete die Konturen des riesigen Busens und der breiten Hüften die mich erwarteten, in der Luft nach.

So einfach war das also. Der Gedanke, so schnell und unerwartet das erste Mal mit einer Frau zu schlafen, ließ mich den ganzen Tag nicht los. Während ich mechanisch die Holzklötzchen verteilte, den gefüllten Kasten wegtrug und einen neuen hinstellte, ließ ich die erotischen Bilder aus der antiken Literatur vor meinen Augen passieren, Longos, Apuleius und Ovid. Wie die lüsterne Lykainion sich geschickt unter den unschuldigen Daphnis geschoben hatte, so daß er von selber den lange gesuchten Pfad der Liebe fand; wie Photis als Venus pendulans mit Lucius gerungen hatte, indem sie rittlings auf ihm sitzend, ihren Rükken spielen ließ; wie Corinna endlich während der Mittagsschwüle Ovid im Dämmerlicht seines Gemachs erschienen war und er voller Lust die nackte Gestalt an sich preßte.

Trotzdem, je konkreter ich mir das morgige Erlebnis ausmalte, desto größere Angst ergriff mich. Angst vor der Frau, Angst vor ihrem Geschlecht, Angst vor der Vereinigung.

Am Abend nach der Arbeit lief ich unruhig und ziellos durch die Wiesen vor der Stadt. Zufällig begegnete ich Dagmar, der Freundin eines meiner Brüder. Sie war weit älter als ich, um die fünfundzwanzig. Instiktiv bemerkte sie meine Qualen und forschte nach der Ursache.

„Irgendwas stimmt nicht mit dir, hast du Probleme?“ Ich gab eine ausweichende Antwort. Daß eine Frau im Spiel war, schien sie zu ahnen, schließlich wurde ich in wenigen Monaten zwanzig. Um was es sich konkret handelte, wußte sie nicht, und ich konnte es ihr nicht sagen. Beiläufig brachte sie das Gespräch auf uneheliche Kinder.

„Abtreibung käme für mich nie in Frage“, sagte sie.

„Dann würde ich lieber den Krach mit den Eltern durchstehen, später findet sich immer ein Weg.“

Meinte Dagmar etwa, dies sei mein Problem?

Am nächsten Morgen, es versprach ein strahlend sonniger Tag zu werden, Kirchgang. „... et, virginitatis gloria permanente, lumen aeternum mundo effudit, Jesum Christum, Dominum nostrum ...“ sang der Pfarrer in der Präfation. „Und sie hat im ungeschwächten Glanz der Jungfräulichkeit das ewige Licht der Welt geboren, Jesus Christus, unseren Herrn ...“

Maria, die reine, die vollkommene, die unbefleckte, die makellose Jungfrau. Diese Gestalt hatte ich seit meiner Kindheit verehrt, und nie war mir bewußt geworden, wie fatal mich dieses Ideal geprägt hatte. Wenn sie rein gewesen ist, mußte Sexualität schmutzig sein; wenn sie vollkommen war, mußte die geschlechtliche Liebe etwas Unvollkommenes sein; wenn sie unbefleckt war, mußte die Vereinigung die Frau besudeln; wenn sie makellos war, mußte der sexuellen Handlung ein Makel anhaften. Entsagung war Tugend, Verlangen war Sünde. Ich fühlte mich als Sünder.

Trotz aller Skrupel ging ich nach dem Mittagessen zu den Griechen. Bei ihrer Unterkunft handelte es sich um eine stillgelegte Ziegelei in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabrik. Hier waren im Erdgeschoß einige Räume provisorisch für sie eingerichtet worden. Auf Gartenstühlen und Kisten sitzend, aßen, lachten und gestikulierten die Männer. Schüchtern nahm ich auf einem klapprigen Stuhl Platz. Argyrios begrüßte mich und zeigte auf eine Gruppe von Frauen vor ihm, unter denen eine stämmige, kräftige Gestalt auffiel. Argyrios zeigte mit dem Finger auf sie: „Marita.“

Ein rundes, gutmütiges Gesicht strahlte mich an, ein Gesicht, das ihren Körperformen entsprach. Argyrios hatte nicht übertrieben, als er ihre Formen mit den Händen beschrieben hatte. Diese Frau schien gewohnt zuzupacken, gleichgültig, ob sie tagsüber die Abfälle aus der Fabrik oder nachts den sexuellen Notstand unter den Griechen zu beseitigen hatte. Nachdenken schien nicht ihre Stärke zu sein, eher schon Vorsicht.

Die Griechen steckten ihre Köpfe zusammen, tuschelten und lachten. Ich verstand kein einziges Wort. Dann eröffnete mir Argyrios, daß „Kapota“, Kondome fehlten und auch nicht zu beschaffen seien, da ja Feiertag war. Aus der Sache mit Marita würde es heute nichts, es wurde nie etwas daraus.

Ich muß zugeben, daß mir ein Stein vom Herzen fiel, als ich das hörte. Nicht allein wegen der Skrupel, die mich gepeinigt hatten, sondern auch wegen der äußeren Erscheinung dieser Arbeiterin.

Ein solches „erstes Mal“ hatte ich nicht gewollt.

Seit dem Erlebnis mit der Griechin wurde mir immer deutlicher bewußt, daß Elke für mich keine Person mehr war. Sie war zum Synonym für das liebende Mädchen schlechthin geworden. Ich meinte die weibliche Ergänzung, wenn ich mich allein und unbeobachtet fühlte, halblaut den Namen „Elke“ aussprach. Diese Gewohnheit steigerte sich fast zum Zwang, und ich erntete manch befremdeten Blick, wenn ich in Anwesenheit anderer die erste Silbe des Namens vor mich hinmurmelte, die zweite aber unterdrückte.

Elke war in weite Ferne gerückt, unnahbar, unerreichbar! Ich versuchte, mich mit Poesie zu trösten, lernte Gedichte auswendig. Besonders die Ballade vom Brennesselbusch des Börries von Münchhausen hatte es mir angetan, spiegelte sie doch meine innere Not. Vermittelt hatte mir dieses Gedicht Inge.

Das erste Mal

Wie alt mag Inge damals gewesen sein? Schwierig zu schätzen, aber anfangs dreißig war sie gewiß. Seit geraumer Zeit besuchte ich sie fast täglich in ihrer kleinen, gemütlichen Dachwohnung, wo sie allein lebte, um ein Glas Wein mit ihr zu trinken und mich mit ihr zu unterhalten. Bei Inge konnte ich mein Herz ausschütten, über meinen Ärger in der Fabrik sprechen, wo ich seit dem Abitur „Zeit arbeitete“. Sie hatte ein offenes Ohr für die Probleme des anstehenden Studiums und was einen neunzehnjährigen Jungen sonst noch bewegte. Ich hatte ihr auch von Elke und meiner unglücklichen, unerwiderten Liebe erzählt.

Eines Abends im Herbst war ich wieder bei Inge zu Gast. Die Kerze auf dem Tisch verbreitete ein warmes, anheimelndes Licht und ließ den Wein im Glas rubinrot funkeln. Aus dem Radio erklang dezente Musik. Inge saß mir gegenüber auf dem Sofa und zog nachdenklich an einer Zigarette.

„Was du brauchst, ist eine Freundin. – Ich wüßte eine für dich.“

Inge sprach es unvermittelt aus. Ich schaute sie fragend an und begriff nicht so recht, was sie meinte. Im gleichen Augenblick drückte sie ihre Zigarette aus, kniete sich vor mich, nahm meine Hände und neigte ihr Gesicht über meinen Schoß. Im Kerzenschein leuchtete das Kupferrot ihrer Haare besonders intensiv. Ihr betörendes Parfüm nahm mich gefangen. Regungslos saß ich da und wußte noch immer nicht, wie mir geschah.

Jetzt richtete Inge sich wieder auf, lächelte mich an und zog mich mit sanfter Gewalt vom Sessel. Dann ließ sie sich rücklings aufs Sofa fallen. Nun kniete ich vor ihr und gab ihr den ersten zaghaften Kuß auf den Mund. Auf dieses Signal schien sie gewartet zu haben. Sie umschlang meinen Nacken und bohrte ihre Zunge, die sich samtartig rauh anfühlte, in meinen Mund, züngelte hin und her und untersuchte die Mundhöhle, was mich anfeuerte, ein gleiches zu tun. Dazwischen stieß sie tiefe Seufzer aus, ihr Busen, auf dem meine Hand ruhte, hob und senkte sich. Durch Bluse und Büstenhalter hindurch spürte ich ihre prall aufgerichteten Knospen. Ich war selig. Hier war eine Frau, eine richtige, leibhaftige Frau, kein Schemen, von dem ich so oft während einsamer Stunden phantasiert hatte.

Unter diesen Küssen und Liebkosungen legte ich mich neben Inge aufs Sofa. Ihre Hand nestelte an meinen Hosenknöpfen, streichelte den Slip, unter dessen Stoff es anschwoll und spannte. Mit einem raschen Griff schob sie die Hose samt Slip bis zu den Knien hinab, nahm mein Glied in die Hand und spielte daran. Mutig geworden, faßte ich nun unter ihren Rock und fand zwischen den Schenkeln ein weiches Dreieck, das sich durch das Nylon hindurch feucht anfühlte. Durch das Textil zeichnete sich die Spalte ab. Meine Hand wanderte aufwärts, über die Grenze des Höschens, gelangte über einen weichen Bauch bis zum Nabel, kehrte zum Höschenansatz zurück, rutschte hinunter und forschte weiter, bis sie das Venusdelta fand. So also ist die Frau beschaffen, das unterscheidet sie von mir, dachte ich, als die Finger ihre Schamlippen erreichten und der Spalte folgten, die sich mir feucht und warm öffnete.

Ich hatte antike Statuen studiert, alle möglichen Venusfiguren. Dabei faszinierte mich vor allem der gewölbte, glatte Schamhügel, Aphrodites Dreieck, die sanft schwellenden Formen der griechisch-römischen Plastik waren mir als Inbegriff der Weiblichkeit erschienen. Um so größer war jetzt mein geheimes Erstaunen, daß dieser betonte Venushügel bei Inge vollständig zu fehlen schien. Ohne Übergang, meinte ich, folgte dem ebenen Bauch die Schampartie zwischen den Schenkeln, akzentuiert lediglich durch das gekräuselte Schamhaar.

Unter diesen Gedanken, eher Assoziationen, blieben Inge und ich nicht untätig. Meine Finger suchten und fanden ihren Weg. Das Genitale der Frau hatte mich bis dahin mit einer schon mystisch zu nennenden Scheu erfüllt, und auch später, nachdem ich bereits auf eine Fülle von Erfahrungen zurückblicken konnte, ist es für mich stets der geheimnisvollste Ort der Fruchtbarkeit geblieben, aus dem das Leben entspringt. Heute durfte ich es zum ersten Mal berühren, die Tiefe mit seiner Wärme und Geborgenheit erkunden.

Inges leises Stöhnen verriet mir, daß es die richtige Stelle war, die ich mechanisch rieb. Dabei umfaßte ich mit der anderen Hand ihren Po, der sich weich und konturlos darbot. Ihr Höschen begann mich zu stören. Inge bemerkte es, hob den Po leicht an, und über ihre angezogenen, leicht gespreizten Beine zog ich ihr das Dessous ab. Wie eine Trophäe erschien mir das winzige, weiße Etwas, wie es zwischen den Knöcheln ausgespannt war, bis es endgültig über die Füße gestreift und zerknüllt zu Boden fiel.

Jetzt hatte Inge die Vorhaut herabgestreift. Ihre Finger umfaßten die pralle Eichel, glitten den Schaft hinunter, kneteten zart und behutsam die Hoden und kehrten zur Spitze zurück. Geschickt schob sie die Vorhaut vor und zurück.

„Ein Kind, ich möchte ein Kind von dir.“

Inge drückte mich noch enger an sich. Konvulsivisch hob und senkte sich ihr Po, während meine Finger unter ihrem Rock immer schneller die Spalte rieben, in die enge Scheide stießen und ihre Hand das Glied massierte. Immer lauter geriet ihr Stöhnen, immer tiefer ging mein Atem, wir schwebten in Ekstase und nahten uns dem Höhepunkt. Die Augen geschlossen, die Lippen zusammengepreßt, nahm Inges Gesicht fast schmerzhafte Züge an.

Ein Gefühl unendlicher Süße überwältigte mich. Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten, ein weißer Strahl benetzte Inges Oberschenkel. Es folgte ein weiterer, und noch einer. Ihr Griff, der wenige Augenblicke vorher das Glied fast schmerzhaft umspannt hatte, lockerte sich, meine Finger, die eben noch Inges Geschlecht gekost hatten, hielten inne und ruhten zwischen den feuchten Schamlippen.

Langsam öffnete Inge die Augen. Sie lächelte. „Beinahe wäre ich mit dir ins Bett gestiegen. Ist es auch für dich schön gewesen?“

Ich nickte, lächelte zurück und lag sprachlos da.

Inge ordnete Rock und Bluse, ihr Höschen lag noch immer achtlos auf dem Teppich vor dem Sofa. Dann verschwand sie in der kleinen Küche, durch die offene Tür sah ich sie hantieren. Sie suchte nach einem Tuch, um sich von den Spermaresten zu säubern. Die Vorstellung, daß sie nichts unter ihrem Rock anhatte, nahm mich gefangen. Ihre Weiblichkeit hatte ich gefühlt, jedoch nicht vor Augen gehabt. Das nächste Mal wollte ich Inge in ihrer Nacktheit sehen.

Enttäuschte Marion

Inge habe ich nie nackt gesehen, auch habe ich niemals mit ihr geschlafen. Vielmehr hatte mich schon nach wenigen Wochen – es war Mitte Oktober – eine Panik erfaßt, als mir immer stärker bewußt wurde, wie sehr Inge sich in mich verliebt hatte. Der Altersunterschied war zu beträchtlich in meinen Augen, als daß ich mich an sie hätte binden können. Sie stand im Berufsleben, und ich war angehender Student. So behutsam wie irgend möglich, versuchte ich, ihr die Aussichtslosigkeit einer Verbindung mit ihr klarzumachen. Zunächst fühlte sie sich wie vor den Kopf gestoßen, schließlich aber fügte sie sich in das Unabänderliche. Wir blieben gute Freunde, wie wir es vorher auch gewesen waren und sind es auch heute noch. Bald darauf heiratete Inge einen gleichaltrigen Mann, den sie bereits vorher kannte und mit dem sie in losem Kontakt gestanden hatte.

Drei Jahre waren nach der Episode mit Inge vergangen, ich bereitete mich schon auf meine Doktorarbeit vor, als ich Marion kennenlernte, die meine große, wenn auch unglückliche Liebe werden sollte. Sie war drei Jahre jünger als ich, von außergewöhnlicher Schönheit, die sie durch sorgfältiges Make-up und modische Kleidung noch unterstrich. Von Beruf war sie Kindergärtnerin. Sie besaß eine kleine, sturmfreie Wohnung an ihrer Arbeitsstätte.

Wie schon häufig vorher, war ich wieder mal für eine Woche bei der Familie meines älteren Bruders zu Gast, und eines Tages hatte man Marion eingeladen, deren Kindergarten seine Kinder besuchten. Spät abends begleitete ich sie heim zu ihrer Wohnung. Auf den Stufen zur Haustür gab sie mir die Hand. „Vielen Dank für die Begleitung, und auf Wiedersehen!“

„Auf Wiedersehen!“

Ich hatte mich schon zum Gehen gewandt, als ich auf dem Absatz kehrtmachte.

„Und zum Abschied noch einen Kuß!“

Entweder gab sie mir für diese Frechheit eine Ohrfeige, oder sie gewährte mir den Kuß. Nur diese beiden Möglichkeiten gab es. Sie tat das letztere und erwiderte meinen hastigen Kuß. Unsere Lippen berührten sich kaum. Dann kam das Unerwartete.

„Willst du einen Augenblick mit hereinkommen?“

Und ob ich wollte! Mir pochte das Herz bis zum Hals, als ich in dem schmalen Flur stand und Marion mich in ihr Zimmer führte. Es war Wohn- und Schlafraum zugleich.

Lange standen wir eng umschlungen, und unsere Zungen vermählten sich zu einem endlos dauernden Kuß, bis wir beide auf ihr Bett sanken. Unter den Küssen schob ich die linke Hand unter ihren Rock und fühlte durch das Höschen die weichen Konturen ihres Geschlechts. Währenddessen machte sie sich an meinen Hosenknöpfen zu schaffen.

Es war klar, was sie suchte. Dadurch ermuntert, wagte meine Hand weitere Erkundungen. Ich schob ihren Slip herab bis unter die Knie, und meine Hand kehrte zu ihrer sich nunmehr nackt darbietenden Spalte zurück.

„Fällt dir nichts auf?“ fragte Marion lächelnd.

„Nein“, stellte ich mich unwissend.

„Ich bin unten rasiert. Das mache ich immer, damit ich mich möglichst lange wie ein kleines Mädchen fühlen kann.“

In der Tat, Marions Schamspalte war glatt rasiert, sie fühlte sich weich und feucht und nachgiebig an.

Unterdessen war auch ihre Hand unter meinen Slip geschlüpft. Wie elektrisiert zuckte ich zusammen, als sie die Hoden berührte. Marion entging es nicht.

„Was ist mit dir?“

„Ach nichts, es ist nur dieses ungewohnte Gefühl, daß ein Mädchen mich berührt, das ist so schön.“

Mit drei Fingern nahm sie mein Glied und massierte es behutsam. Dann meinte sie nach kurzer Zeit:

„Mir ist heiß, komm, wir ziehen uns aus.“

Ich knöpfte ihre Bluse auf, während sie das Höschen endgültig von den Füßen streifte, Strümpfe und Rock auszog. Nur den Büstenhalter behielt sie an.

Im Nu hatte auch ich mich entpellt, und nackt kuschelten wir uns aneinander.

„Wie zart die Haut deiner Eichel ist. So feine Haut befindet sich an keiner Stelle meines Körpers“, stellte sie fest, während sie mein Glied von allen Seiten betrachtete und mit dem Zeigefinger vorsichtig über den glänzenden Kopf strich.

„Ich habe große Lust auf dich. Kennst du dich so gut aus, daß du rechtzeitig zurückziehst?“

„Ich glaube nicht. Du bist das erste Mädchen, das mich so etwas fragt.“

„Dann ist es besser, wir machen es nicht. Auch so ist es schön.“

Ihre Hand umspannte den Schaft und rieb ihn immer stärker, während meine Finger immer schneller an ihrer Klitoris auf und nieder flitzten. Das prickelnde Gefühl verstärkte sich immer mehr, ich konnte mich nicht mehr zurückhalten. „Jetzt!“

Ein kräftiger, milchiger Strahl schoß hervor und traf Marions Bauch. Noch lange lagen wir mit geschlossenen Augen da, dem wogenden Nachempfinden hingegeben, das uns überschwemmte und mit wonnevoller Trägheit erfüllte.

„Sehen wir uns morgen wieder?“ fragte ich.

„Ja, ich freue mich schon darauf.“

Am nächsten Tag dachte ich immerzu nur an Marion. Ich versuchte, ein Buch zu lesen, um mich abzulenken. Es gelang nicht. Immer wieder wanderten die Gedanken zu Marion zurück. Ich konnte kaum erwarten, bis es dunkel wurde. Klopfenden Herzens klingelte ich an ihrer Tür. Sie erwartete mich schon. Wieder ließen wir uns auf ihr Bett fallen, umarmten und liebkosten uns.

„Du, ich habe etwas mitgebracht.“

„Was?“

Ich zog eine Packung Kondome aus der Tasche, die ich aus einem Automaten besorgt hatte.

„Wollen wir jetzt?“

Lächelnd nickte Marion. Es war jenes beseelte Lächeln, das ihre Züge so zauberhaft verklärte und das ich in der Folgezeit so sehr an ihr lieben lernte. Noch heute ist es mir gegenwärtig, obwohl ich Marion lange Jahre nicht mehr gesehen habe.

Wie am Abend zuvor zogen wir uns aus und warfen die Kleider achtlos über die Sessellehne. Den Büstenhalter behielt Marion auch dieses Mal an.

„Damit ich dir auch in Zukunft noch etwas Neues bieten kann“, meinte sie.

Dann legte sie sich rücklings aufs Bett. Einen Arm über die Augen gelegt, die Beine zusammengepreßt, harrte sie der Dinge. Ebenmäßig, wie aus Alabaster geformt, erschien mir ihr Körper. Was mich aber besonders faszinierte, war ihr schwellender, glattrasierter Schamhügel und die Spalte, die im Ansatz zwischen den geschlossenen Schenkeln zu erkennen war. Ich legte mich zu ihr, und Marion drehte sich mir zu. Pedantisch streifte sie den Gummi über Eichel und Schaft und zog ihn fest bis zur Peniswurzel. Dann schob sie sich unter mich, öffnete die Schenkel und führte meinen prall erigierten Penis in ihre Spalte ein. Damit ich möglichst tief eindringen konnte, umklammerte sie meine Hüften mit den Beinen.

Den ganzen Tag hatte ich auf diesen Augenblick gewartet, ihm entgegen gefiebert, nun war es soweit. Ich war mit Marion eins geworden. Abgesehen vom Petting mit Inge, hatte ich noch keine Erfahrungen mit Mädchen. Marion war die erste. Entsprechend unbeholfen waren meine Bewegungen. Ich konnte den Ablauf nur schlecht kontrollieren. Die Übererregung, in die ich mich durch unablässige Gedanken an Marion den ganzen Tag hineingesteigert hatte, tat ein übriges. Jedenfalls dauerte es nur wenige Stöße, und ich fühlte es kommen. Um den Erguß hinauszuzögern, hielt ich inne und verharrte eine Weile bewegungslos in ihr. Doch jetzt wurde Marion aktiv. Sie spannte und lockerte abwechselnd die Umklammerung. Rhythmisch verengte sich ihre Scheide, zog sich zusammen, um sich bald wieder zu entspannen. Dabei stieß sie leise Seufzer aus. Diesen Reizen konnte ich nicht widerstehen. Ohne mein Zutun fühlte ich, wie der Orgasmus sich anbahnte. Ich spritzte ab.

Gerne wäre ich noch eine Zeitlang in Marions Schoß verblieben, doch wir hatten beide Angst, das Kondom könne sich von dem erschlaffenden Penis lösen und Sperma ausfließen lassen. Also lag ich wieder neben ihr und streifte den Gummi von dem klein und artig gewordenen Glied ab. Ich schämte mich, daß ich mich so schlecht in der Gewalt hatte. Auch Marion war Enttäuschung über den entgangenen Höhepunkt anzumerken. Plötzlich barg sie ihr Gesicht in den Händen und ein herzzerreißendes Schluchzen erschütterte ihren Leib.

„Bis heute war ich Jungfrau. Du bist der erste für mich gewesen“, stammelte sie unter Tränen.

Ungläubig schaute ich sie an, ich konnte es nicht fassen. Kein Widerstand, als ich in sie eindrang, kein Schmerzenslaut von ihr. Wie war das nur möglich? Außerdem die Kontraktionen ihrer Scheidenmuskeln, die mich so gereizt hatten. Konnte ein Mädchen bereits beim ersten Mal so geschickt sein? Gehörten nicht etliche Erfahrungen dazu? Fragen, die ich mir auch später noch häufig gestellt habe.

Bald aber beruhigte sich Marion wieder, sie lächelte mich an.

„Wohin mit dem Gummi?“ fragte ich.

„Laß nur, das besorge ich schon.“

Beim nächsten Mal, als ich Marion traf, schilderte sie genüßlich, wie sie das Kondom am nächsten Morgen in die Zentralheizung geworfen und zugesehen habe, wie das Sperma in der Glut gebrodelt und gezischt habe, bis es nach einigen Sekunden mit dem Gummi verbrannt sei.

Liebeskummer

Die Zeit mit Marion dauerte nur kurz. Nach einigen Monaten war ihre Leidenschaft erloschen, wenn sie je wirklich bestanden hatte. Unsere Beziehung war von Anbeginn belastet, denn da war noch ein junger Mann, Hermann hieß er, von dem Marion sich den Hof machen ließ. Im Vergleich zu mir wies er einige Vorzüge auf. Unter anderem besaß er einen Sportwagen, einen knallroten Austin-Froschauge, in dem er Marion allsonntäglich ausfuhr. Sie liebte solche Statussymbole, und außerdem hatte er den Platzvorteil, in ihrer Nachbarschaft zu wohnen, während ich sie nur während der Ferien besuchen konnte. In der übrigen Zeit, die ich an der Universität verbrachte, konnte ich nur Briefe schreiben.

Zum Krach und zur Trennung kam es schließlich, als Marion mir Fotos von sich im Babydoll zeigte. Die Bilder waren von bester Qualität, gestochen scharf, doch wiesen sie für meine Augen einen entscheidenden Makel auf: Sie waren nicht mit Selbstauslöser gemacht, sondern eben von jenem Hermann. Warum sie mir diese Bilder zeigte, ist mir noch heute unklar. War es Eitelkeit, gepaart mit einem Schuß Naivität? Auf den Bildern sah sie in der Tat berückend aus. Aber glaubte sie, der Fotograf interessiere mich nicht? Oder wollte sie mich verletzen? Warum? Welches Motiv sie hatte, mir diese Bilder zu zeigen, weiß ich bis heute nicht. Ich kann mich auch nicht in ihre Psyche versetzen, um es zu ergründen. Wenn sie mich nur eifersüchtig machen wollte, ist es ihr vollauf gelungen. Es war übrigens das einzige Mal in meinem Leben, daß ich meine Eifersucht auch zeigte. Ich machte ihr eine Szene. Das Ende vom Lied war, daß sie mir den Laufpaß gab, dieses Mal weinte ich.

Nach einiger Zeit fand eine halbherzige Versöhnung statt, aber außer gelegentlichem Petting gewährte sie mir nichts. Ich hatte Marion verloren.

Ein Jahr dauerte es, bis ich wieder mit einer Frau schlief, mit einer Dirne in Paris.

Es war im März des nächsten Jahres, als ich mich wegen meiner Doktorarbeit in Paris aufhielt. Ein Freund hatte mich in seinem Auto mitgenommen, und wir logierten zusammen in einem billigen Hotel in der Nähe der Opéra. Tagsüber arbeiteten wir, er in der Bibliothèque de l’Arsenal, ich in der Bibliothèque Nationale. Abends versackten wir regelmäßig in den Pariser Kneipen bei Rotwein oder Pernod, bis auf einen Abend, an dem mein Freund seinen Onkel in einer Vorstadt von Paris besuchte. Ich war allein.

Es war ein trüber, regnerischer Vorfrühlingsabend, als ich durch die Straßen und Gassen von Paris schlenderte und mich bei den Hallen wiederfand. Ein düster wirkendes Stadtviertel, enge schmutzige Straßen und verwahrloste Häuserfronten, von Gaslaternen in schummeriges Licht getaucht. Im Schatten der Hauseingänge standen herausgeputzte Dirnen, mit kurzen Röckchen und Blusen bekleidet, die tiefe Einblicke gewährten und als Standes- und Berufszeichen das Täschchen in der Hand. Es war das Milieu, in dem der Film „Irma la Douce“ angesiedelt war, den ich ein Jahr zuvor gesehen hatte, nur stammten die Farben, die sich mir an diesem Abend darboten, nicht von Technicolor. Vor einem Mädchen blieb ich stehen und trat auf sie zu. Das Gesicht konnte ich im Halbdunkel kaum erkennen, doch normal mit Rock und Bluse bekleidet, machte sie den am wenigsten dirnenhaften Eindruck.

„Combien cela?“ (Wieviel?)

„Trois mille Francs.“ (Dreitausend Francs)

An meiner überraschten, ungläubigen Miene erkannte sie ihren Fehler. Sie hatte den Betrag genannt, der vor der kürzlich verfügten Abwertung des Franken gefordert wurde. Sie war wohl schon länger in ihrem Gewerber tätig. „Trente Francs“, verbesserte sie sich. (Dreißig Francs)

„Bien.“ Wir waren handelseinig.

Das Mädchen führte mich in einen schlecht erleuchteten Flur, an dessen Ende die mißmutig dreinblikkende Concierge an einer Art Schalter saß. Sie händigte ihr den Zimmerschlüssel aus. Das Mädchen bedeutete mir, daß die Frau ein Trinkgeld erwarte. Ich gab ihr fünf Francs.

Wir stiegen das schmale Treppenhaus empor, an dessen Wand die Farbe abblätterte. Alles machte einen heruntergekommenen, ungepflegten Eindruck, auch das Zimmer, in das die Kleine mich führte. Ausgeblichene, geblümte Tapeten, ein niedriges Bett an der Wand, mit einer grünen Decke überzogen, ein Waschbecken und zwei Stühle, waren das ganze Inventar.

Erst bezahlen! Die typische Handbewegung des Mädchens war unmißverständlich. Ich zog drei Zehnfrancsscheine hervor und reichte sie ihr. Sie nahm das Geld und steckte es in den Büstenhalter. Dann zog sie sich aus. Erst fiel der Rock, dann streifte sie das Höschen über Po und Füße ab. Ihre grüne Bluse – sie harmonisierte mit dem Farbton der Bettdecke – sowie Büstenhalter und Strümpfe behielt sie an. Mit Gesten gab sie mir zu verstehen, ich solle mich auch entkleiden. Gehorsam legte ich Hose und Slip ab. Dann setzte ich mich auf die Bettkante und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Das Mädchen setzte sich neben mich und drückte mich mit dem Rücken sanft aufs Bett. Dann nahm sie mein noch schlaffes Glied in die Hand, beugte sich darüber, umschloß es mit den Lippen und saugte daran.

Ich hatte schon früher von der „französischen Art“ gehört, mir aber nur vage vorstellen können, was es damit wirklich auf sich hat. Hier wurde sie mir von einer Dirne demonstriert.

Inzwischen war unter ihrem Saugen und Lecken mein Penis, wenn schon nicht zu voller Größe, doch immerhin soweit gewachsen, daß er einigermaßen einsatzfähig war. Ihr Mund ließ von mir ab, und ich stand auf, damit sie sich aufs Bett legen konnte. Zwischen den einladend gespreizten Schenkeln erkannte ich inmitten eines wuchernden, blonden Haarwaldes ihre Spalte, aus der sich, zwei kleinen Zungen vergleichbar, ihre Nymphen hervorzwängten. Was die Obszönität des Anblicks erhöhte, war der Kontrast zwischen ihren dunklen Nylonstrümpfen und dem durch Strapse abgegrenzten Weiß der Oberschenkel und des Schamhügels.

Trotz der Erektion, welche das Mädchen mit seinen Lippen erzeugt hatte, war ich nicht erregt, aber es funktionierte leidlich. Nach der Gebrauchsanleitung, die ich in Prof. Dr. Th. H. van de Velde’s Buch „Die vollkommene Ehe“ gelesen hatte, legte ich mich zwischen ihre weit geöffneten Schenkel und umarmte sie, während sie mein Glied mit den Händen in ihre Spalte einführte. Dann umschlang auch sie meinen Rücken, und lehrbuchmäßig bewegte ich das Bekken, bis ich mich in sie ergoß, erstmals ohne Präservativ. Währenddessen hatte das Mädchen unter mir gelegen, regungslos und ohne auch nur das geringste Zeichen von Anteilnahme erkennen zu lassen.

Vom sexuellen Stau, der mich in ihre Arme geführt hatte, war ich erlöst, aber einen echten Orgasmus hatte ich nicht erlebt. Es war kein aufwühlendes Erlebnis gewesen, eher eine nüchterne Turnübung mit abschließender Ejakulation. Das Mädchen hatte seine Leistung erbracht, und ich hatte dafür bezahlt. Von prickelnder, knisternder Erotik keine Spur!

Im gleichen Augenblick – Zeit ist ja Geld – erhob das Mädchen sich und ging zum Waschbecken. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie sie, das rechte Bein auf eine Stuhlfläche gestützt, mit einem Waschlappen die Schampartie von den Resten des Spermas säuberte. Dann winkte sie mich ans Waschbecken, nahm meinen wieder erschlafften Penis, zog die Vorhaut zurück und wusch ihn unter dem fließenden Wasser ab. Es dauerte nur wenige Augenblicke, und wir waren wieder angezogen. Ein flüchtiger Kuß auf meine Wange, „adieu“, und ich stand wieder einsam auf der dunklen Straße.

Ein Gefühl von Leere, fast von Traurigkeit, breitete sich in mir aus, als ich in mein Hotel zurückging. Ich dachte an Marion und summte die Melodie von „Chagrin d’amour“ vor mich hin. Um wieviel schöner wäre es gewesen, an Marions nackten Körper geschmiegt zu ruhen – den Büstenhalter hätte sie ja meinetwegen anbehalten können – als für dreißig Francs die Umarmung einer Frau gekauft zu haben, der ich gleichgültig gewesen war? Liebe ist nun einmal nicht für Geld zu haben, nicht für dreißig, nicht für dreitausend Francs. Liebe ist ein Geschenk, das sich auch nicht durch noch so große Anstrengung erringen läßt. Diese leidvolle Erfahrung machte ich bei Noriko.

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9788711717592
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