Читать книгу: «Handbuch Messer: 101 Dinge, die Sie schon immer über Messer wissen wollten.»

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Oliver Lang

101
Dinge,
die man über
Messer
wissen muss


Inhalt

Vorwort

1Mit Werkzeug zum Grips | Das erste Messer

2Sicher im (Hosen-)Sack | Das erste Klappmesser

3Auf die harte Tour | Vom Stein zum Stahl

4»Me fecit Solingen« | Das deutsche Messerzentrum

5Kulturübergreifend | Messerzentren der Welt

6Wenn’s einfach klappt | Aufbau eines Klappmessers

7Sicher im Handling | Halte- und Arretierungsmechanismen

8Fest verankert | Aufbau feststehender Messer

9Gut behütet | Messerscheiden im Einsatz

10Angriffspunkt | Die beliebtesten Griffmaterialien

11Das Schweizer Offiziersmesser | Aus der Schweiz um die Welt

12Das Laguiole | Sinnbild für elegante Schärfe

13Das Opinel | Eine Sach’ unter jedem Dach

14Das Douk-Douk | Magisch genial

15Das Mercator-Messer | Unverwüstlich und minimalistisch

16Benchmade 710 | Von Schmetterlingen und Sperrbolzen

17Das Sebenza | Nicht mehr wegzudenken

18Das Spyderco Endura | Von der tragbaren Hand zum »State of the Art«-Messer

19Das Bowie | Die wahre Wild-West-Legende

20Das Barlow-Messer | Im nationalen Bewusstsein

21Cowboy-Messer | Auf Trails und Ranches

22Buck Knives | Ich war mal eine Feile …

23Stilprägend | Scagel und Randall

24Higonokami | Prägnante Optik

25Klassiker aus Deutschland | Vom Dummenschart zum Hippekniep

26Italienische Klapp-Klassiker | Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

27Spanische Klingen | Fecht- und Messerkultur

28Französische Klappmesser | Schier unendliche Vielfalt

29Klappmesser aus aller Welt | Urige Exotik

30Skandinavische Messerkultur | Stilvolle Nordlichter

31Scharfe Hauptdarsteller | Messer der Survival-Superstars

32Überlebensmesser | Wenn es hart auf hart kommt

33Taktische Klappmesser | Immer einsatzbereit

34Gentleman-Messer | Scharfes für den Menschen von Welt

35Brotzeitmesser | Stilvoll speisen

36Eine Frage der Physik | Darum schneidet ein Messer

37Profilneurose | Die wichtigsten Klingenquerschnitte

38Nur eine reine Formsache? | Die Bedeutung der Klingenform

39Die perfekte Welle | Wellenschliff – ja oder nein?

40Messerstahl | Ein ganz besonderer Stoff

41Stahl, die Einzelteile | Eine Auswahl

42Schön gezeichnet, gut gepulvert | Damast & pulvermetallurgische Stähle

43Wärmebehandlung | Abhärtung für stählerne Körper

44Ganz harter Tobak | Klingenmaterialien

45Das rentiert sich | Die richtige Pflege eines Messers

46Auf Nummer sicher | Vom richtigen Umgang mit dem Messer

47Formkünstler | Holz zum Schnitzen

48Das richtige Schnitzmesser | Von Haken und glatten Schnittflächen

49Grundlegende Schnitztechniken | Kraftvoll und kontrolliert

50Leben und überleben | Bushcraft-Schnitztechniken

51Mit Locken zum Feuer | Feather Sticks

52Ein Funke genügt | Feuer machen mit dem Messer

53Für alles gewappnet | Die besten Victorinox-Hacks

54Aufschneider und kleine Helfer | Europäische Kochmesser

55Küchen-Samurai | Die wichtigsten Messer der japanischen Küche

56Chinesische Kochmesser | Dominanz eines Messertyps

57Schnippeln wie ein Chefkoch | Die Grundlagen

58Gut gesättigt | Kartoffeln schneiden

59Gut gewürfelt | Eine Zwiebel schneiden

60Scharf, auch im Mund | Meerrettich als Ziehharmonika

61Kindermesser | 101 Messer

62Jagdmesser | Vor und nach dem Schuss

63Rettungsmesser | Sicherer Schnitt

64Handwerkermesser | Auf Montage

65Präzision gefragt | Messer zur Pflanzenveredelung

66Heimische Erntemesser | Grundlage unserer Existenz

67Erntemesser und exotische Waffe | Das Karambit

68Bester Freund auf hoher See | Maritime Messer

69Sattlermesser und andere Spezialisten | Scharfe Klingen

70Macheten | So selbstverständlich wie ein Hammer

71Machete to go | Eine behelfsmäßige Scheide herstellen

72Rasiermesser | Klingen der Barbiere

73Messer mit dem gewissen Extra | Multitools

74Scharfes Bild | Bleistifte spitzen wie ein Profi

75Wurfmesser | Von Clowns und Helden

76Grundlagen des Schärfens | Nichts ist für die Ewigkeit

77Aufs Korn genommen | Schleifsteinkörnungen

78Die bekanntesten Schleifgeräte | Mit Abrieb zum Erfolg

79Messer auf Bankstein schärfen | Die Königsdisziplin

80Rasiermesser schärfen und ledern | Alte Schule

81Smoother Übergang | Ballige Schneiden schärfen

82Niemals stumpf | Improvisiertes Schärfen unterwegs

83Von Schlangen und Diamanten | Lanyard knüpfen

84Griffwicklung, feststehend | Wickelbund für Messergriffe

85Messermythen | Mit gutem Gewissen schenken

86Berittene Silberklingen | Waffen und Werkzeuge der Gauchos

87Indianermesser | Von Skalps und Schnitzern

88Seppuku inklusive | Das japanische Tanto

89Südostasiens exotische Inselklingen | Geheimnisvoll und gefährlich

90Kukris | Die mächtigen Klingen der Gurkha-Krieger

91Unterwasser-Buddy | Tauchermesser

92Ka-Bar | Das Messer der Marines

93Auf Undercover-Mission | Agentenmesser

94Klingen der Bombenentschärfer | Sondieren und entschärfen

95Die bekanntesten Militärmesser der Welt | Waffe und Werkzeug

96Messer in Filmen | Die schärfsten Nebendarsteller

97Das teuerste Messer der Welt | Oder wie teuer ist zu teuer?

98Messerrekorde | Auf die Spitze getrieben

99Messer im Weltraum | Auf unbekannter Mission

100Kompliziertes Messer | Kopfzerbrechen garantiert

101Messer als Lebensretter | Der ultimative Einsatz

Bildnachweis und Impressum

Vorwort

Messer begleiten die Menschheit seit ihren Anfängen. Von den ersten, nur rudimentär behauenen Steinbrocken bis zum High-End- Folder mit pulvermetallurgischer Klinge und Titanschalen sind inzwischen rund drei Millionen Jahre vergangen. Es war ein langer Weg mit vielen Umbrüchen und kleinen Revolutionen.

Diese lange gemeinsame Geschichte dürfte dafür verantwortlich sein, dass ein so archaisches Werkzeug auch heute noch tiefe Faszination auslöst. Geben wir also einfach unseren Genen die Verantwortung dafür, wenn wir uns das nächste Mal ein besonders schönes Kochmesser aussuchen oder auf dem Flohmarkt einfach nicht nein sagen können zu dem verschrammelten Arbeitsmesser mit Carbonstahlklinge und geschmiedetem Pfriem.


Vielseitige Messerwelt: Messer sind auch heute für viele Arbeiten unverzichtbar und kommen in den verschiedensten Formen und Materialen vor. Hier Messer vom Damastschmied Tobias Haselmayr, Olfa und Nilte.

Das Messer teilt nicht nur Molekülverbindungen (mehr dazu in Kapitel 35, in dem wir klären, warum ein Messer überhaupt schneidet und wann es besonders gut schneidet), sondern auch die Menschen. Die einen erkennen im Messer ein wesentliches Werkzeug für das Leben in der Natur, für die Küche oder die Arbeit, die anderen strafen es mit Unverständnis. Sie ahnen sicher, welcher Fraktion ich als Autor dieses Buchs angehöre. Und vielleicht schaffe ich es ja, Ihnen meine Faszination für dieses scharfe Werkzeug nahezubringen. Ja, ich bin sogar sicher, dass ich es schaffe. Denn das Thema Messer bietet so viele unterschiedliche Aspekte – es vereint Menschheitsgeschichte und Menschen-Geschichten, Physik und Chemie, Handwerk und Kultur – dass diese Aufgabe ein Leichtes ist.

Neben vielen praktischen Anwendungstipps zum Umgang mit dem Messer und zur Instandhaltung finden Sie in diesem Buch auch immer wieder Ausflüge in die absurderen Gefilde der Messergeschichte und Funfacts, für die sich bestimmt einmal eine passende Gelegenheit findet – und sei es beim nächsten Lagerfeuer, das Sie alleine mit Ihrem Messer vorbereitet haben und mit dem Feuerstahl zünden (s. Kapitel 51/52).


Viel Freude mit diesem Buch, Oliver Lang

1 Mit Werkzeug zum Grips
Das erste Messer

»Ist das Kultur, oder kann das weg?« Diese Frage dürften sich die Archäologen um die Französin Sonia Harmand gestellt haben, als sie in Kenia, westlich des Turkana-Sees, in der Grabungsstätte Lomekwi zahlreiche Steinobjekte freilegten. Wie sich herausstellte, war es Kultur. Die unscheinbaren Steinbrocken wurden als Steinwerkzeuge identifiziert, die nur durch vormenschliche Hand entstanden sein konnten. Die Steine waren so gegeneinander geschlagen worden, dass scharfe Bruchkanten entstanden.

Diese neue Technologie hatte weitreichende Folgen. Mit den Steinwerkzeugen zerlegten die Vormenschen das Fleisch von gefundenen Tierkadavern und schabten die Knochen ab – darauf deuten Schnittspuren an den Knochen der gefundenen Tierkadaver hin. Die Steinwerkzeuge waren nötig, da das Gebiss der Vormenschen vor allem auf Pflanzenkost und weniger zum Zerreißen von Fleisch ausgelegt war. Mit der neu entwickelten Fähigkeit zum Gebrauch scharfer Werkzeuge änderten sich die Essgewohnheiten – und damit praktisch alles im Leben der Vormenschen. Denn die Verfügbarkeit von proteinreichem Fleisch dürfte ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Gehirns gewesen sein.

Ursprüngliche Überlebenskunst: der Ex-Marine, Buchautor und Survival-Experte Donny Dust (@donnydust) beim Ausarbeiten von Steinklingen

Das Alter der Steinartefakte bestimmten die Forscher anhand der Lagen aus vulkanischer Asche, in der sie die Steine gefunden hatten, auf 3,3 Millionen Jahre. Dieser Fund von 2015 ist deshalb so bemerkenswert, weil es unter Forschern bis dahin als Gewissheit galt, dass nur Lebewesen der Gattung homo, also Menschen, zu solchen Handlungen fähig sind. Doch anscheinend waren schon die Vormenschen in der Lage, Werkzeuge herzustellen und zu benutzen. Dieser Werkzeuggebrauch gab womöglich den Anstoß, neue Dinge auszuprobieren, was dann mit einer gewissen Zeitverzögerung ebenfalls die Gehirnentwicklung angeregt haben könnte.

Erstaunlich scharf: eine sichelförmig gearbeitete Steinklinge des US-Survival-Experten Donny Dust

Aus den ersten rudimentären Steinwerkzeugen entwickelten sich Chopper, Faustkeile sowie immer präziser gefertigte und schneidende Handwerkzeuge, welche die Möglichkeiten der Nahrungsbeschaffung, die Essgewohnheiten, die Kontrolle der Umwelt und damit auch das Zusammenleben der Menschen und ihre Kommunikation prägten. Mit dem Messer und seinen scharfen »Nachkommen«, dem Beil und deutlich später auch der Säge, erschufen die Menschen weitere Werkzeuge und formten Lebensumwelten, die ihnen Sicherheit gaben und sie in ihrer Entwicklung voranbrachten.

The Flintstone-Way

Mit bloßem »Steine zerdeppern« hat das Herstellen von Steinwerkzeugen übrigens nichts gemein. Beim sogenannten Flintknapping arbeitet man mit Schlagsteinen, Holz-, Knochen- oder Geweihstücken scharfe Bruchkanten aus einer geeigneten, großen Steinknolle heraus, die man dann scharfkantig formt. Dabei können Bruchkanten entstehen, deren Schärfe an chirurgische Skalpelle heranreicht. Besonders geeignet ist das vulkanische, glasartige Gestein Obsidian. Wer diese Methode beherrscht, steht praktisch nie ohne scharfes Werkzeug da. Machen Sie es doch wie Familie Feuerstein und lernen Sie, ein Messer aus Stein herzustellen. Mittlerweile gibt es immer mehr Gelegenheiten, das Flintknapping zu erlernen.

2 Sicher im (Hosen-)Sack
Das erste Klappmesser

Wann hat der erste Mensch wohl beschlossen, das bekannte feststehende Messer um den Griffbereich, die sogenannte Angel, zu kürzen, die Klingenwurzel mit einer Bohrung für einen Niet zu versehen und daran einen Griff zu montieren, in den die Klinge geklappt werden kann, um das Messer sicher in der Tasche zu tragen?

Das älteste bisher entdeckte Klappmesser entstammt der Hallstatt-Kultur, die vom 8. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. reichte. Hallstatt ist ein Dorf im heutigen Oberösterreich. Die gleichnamige Kultur war hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt, verfügte jedoch im Vergleich zu anderen europäischen Kulturen über besonders fortschrittliche Metallbearbeitungstechniken. Auch deshalb besaß das Klappmesser keine der damals noch weit verbreiteten Bronzeklingen, sondern bereits eine Eisenklinge. Als Griffmaterial diente Knochen. Einen Haltemechanismus für die Klinge, wie er heute in Form von Federn und Arretierungen weit verbreitet ist, gab es damals nicht. Nur die Reibung der Klinge an den Griffschalen verhinderte ein allzu leichtes Einklappen.

So einfach, so beliebt

Wer glaubt, dass Klappmesser à la Hallstatt der Vergangenheit angehören, irrt. Auch heute sind Klappmesser, die nur aus der Klinge, dem Griffstück und einem Niet bestehen, weit verbreitet. In Österreich sind das zum Beispiel die Trattenbacher Taschenfeitel. In Frankreich wird dieser Messertyp Piemontaise genannt. Und auch in Spanien oder südosteuropäischen Ländern sind solche Messer weit verbreitet und werden von der Landbevölkerung sogar für anspruchsvolle Schneidarbeiten eingesetzt.


Einfach gut: ein Friction-Klappmesser von Citadel aus Kambodscha

3 Auf die harte Tour
Vom Stein zum Stahl


Treffend: von der Steinknolle zum multifunktionalen EDC – die Evolution des Messers aus Sicht des Schweizer Taschenmesser-Herstellers Victorinox

Von den ersten Steinwerkzeugen bis zu den heutigen Messern sind weit über drei Millionen Jahre vergangen. Den größten Teil davon waren diese tatsächlich aus Stein. Erst mit der Metallgewinnung vor rund 7000 Jahren änderte sich das – wenn auch langsam. Die Entdeckung und Nutzbarmachung von Kupfer, später Bronze und noch einmal 1500 Jahre später auch von Eisen war entscheidend für die Entwicklung der modernen Welt, in der wir heute leben.

Als im 7. vorchristlichen Jahrtausend in Mitteleuropa die Neolithische Revolution begann und aus Jägern und Sammlern Bauern und Hirten wurden, änderten sich die Lebensumstände drastisch. Die Menschen der Jungsteinzeit wohnten nun in bis zu 50 Meter langen Langhäusern zusammen. Doch auch das dafür notwendige Bauholz fällten und bearbeiteten die Menschen von damals überwiegend mit fein ausgearbeiteten Beilklingen aus mikrokristallinen Feuersteinarten. Diese wurden noch bis weit in die Bronzezeit (in Mitteleuropa etwa 2200–800 v. Chr.) hinein benutzt, auch wenn Bronze als Material zur Herstellung von schneidenden und hackenden Werkzeugen deutlich besser geeignet war. Denn Bronze ist sehr bruchfest, lässt sich einfach überarbeiten und schleifen und kann immer wieder eingeschmolzen werden. Sie wurde zu Waffen, Werkzeugen und Schmuck geformt und über Tausende Kilometer gehandelt. Skandinavien etwa wurde bereits vor 4000 Jahren mit Metall von den Britischen Inseln und aus Mitteleuropa versorgt. Von den östlichen Alpen und dem slowakischen Erzgebirge aus wurde das Metall an die Küste des heutigen Mecklenburg transportiert und von dort über die Ostsee verschifft. Die Skandinavier bezahlten das Metall vermutlich mit Bernstein und fertigten daraus Axtköpfe und andere Gebrauchsgegenstände. Erst die Verbindung von Kupfer und Zinn, etwa im Verhältnis 9:1, lässt Bronze entstehen. Es ist also eine menschengemachte Verbindung. Doch was brachte die Menschen dazu, unscheinbares Gestein so hoch zu erhitzen, dass Kupfer und Zinn ausgeschmolzen wurden? Warum brachten sie die beiden Metalle in einem bestimmten Mischungsverhältnis zusammen und entwickelten so die ungleich härtere Bronze? Das Ganze grenzt an ein Wunder.


Wundermaterial Eisen

Noch faszinierender ist die Nutzbarmachung des Eisens. Auch wenn unser Erdkern zum größten Teil daraus besteht, und sich in oberflächennahen Bereichen vielerorts Eisenerze (eisenhaltiges Gestein) finden lassen, ist die Gewinnung anspruchsvoll. In Mitteleuropa gelang dies erst ab dem 8. Jahrhundert vor Christus. In hocheffizienten Öfen erhitzten sie die Eisenerze mithilfe von Holzkohle so stark, dass eine sogenannte Eisenluppe entstand. Aus diesen schwammartigen, kohlenstoffhaltigen Eisenklumpen konnten fachkundige Schmiede hochwertigen Stahl gewinnen.

Eisen und dann Stahl machten Werkzeuge von bis dahin unbekannter Festigkeit und Schärfe möglich. Auch unsere moderne Welt wäre ohne Stahl undenkbar. Er ist die Grundlage fast all unserer Maschinen, Werkzeuge und Fortbewegungsmittel und stützt unsere höchsten Gebäude. Bei der Herstellung von Messerklingen führt sowieso kein Weg an Stahl vorbei. Um scharfe Klingen herzustellen, die selbst bei feinstem Ausschliff von Millimeterbruchteilen so stabil bleiben, dass man mit ihnen nicht nur Obst, Gemüse und Fleisch schneiden kann, sondern auch Harthölzer, Kunststoffe oder fasrige Materialien wie Karton oder Sisalseile, gibt es kein geeigneteres Material.

Steinzeit oder Holzzeit?

Der bislang längste Teil der Menschheitsgeschichte wird Steinzeit genannt. Und natürlich bearbeiteten die frühen Menschen Steine zu Klingen, zu Pfeilspitzen, Schabern, Bohrern oder Axtköpfen. Diese Steinwerkzeuge waren essenziell und man brauchte sie zur Bearbeitung von Holz, für die Jagd, zum Roden von Wäldern oder um sie unfreundlich gesonnenen Zeitgenossen über den Kopf zu hauen. Die Mehrzahl der Gerätschaften jedoch bestand damals aus Holz, Knochen und Geweihen, Leder, Pflanzenfasern und Keramik. Doch diese Materialien wurden nicht so beständig konserviert, weshalb sie lange Zeit vernachlässigt wurden. Würde es nach dem realen Bild gehen, müsste die Steinzeit eigentlich Holzzeit heißen.

Rauch über schwindenden Wäldern

Ab dem Mittelalter wurde der Bedarf an Eisen – es wurde für Werkzeuge, Rüstungen und Waffen benötigt – so hoch, dass zur Gewinnung der fürs Schmelzen notwendigen Holzkohle ganze Landstriche gerodet wurden. Denn aus 100 Kilogramm Hartholz können nur circa 30 Kilogramm Holzkohle gewonnen werden. Und so rauchten überall im Land die Kohlenmeiler.

Bis ins 13. Jahrhundert hinein waren die Rennöfen (neben der Eisenluppe entstand auch rinnende, abfließende Schlacke; daher der Name) der einzige Weg zur Stahlgewinnung. In den letzten Jahren entdecken viele Schmiede das alte Verfahren neu – es ist zwar extrem aufwendig, doch es hat seinen ganz eigenen Reiz, ein Stahlwerkzeug zu besitzen, dessen Entstehung so ursprünglich ist.

Heute stammt das Eisenerz meist aus Brasilien oder China. Mit der Eisenbahn und mit Frachtschiffen wird das Eisenerz zu den Stahlwerken gebracht, die überall auf der Welt verteilt sind. Nicht nur in Deutschland dürfte Thyssenkrupp den meisten ein Begriff sein. Besonders für die Produktion von Messer- und Werkzeugstählen sind auch Böhler-Uddeholm (Österreich und Schweden), Crucible (USA) oder Sandvik (Schweden) bekannt. In den Hochöfen wird das Eisenerz zunächst in Roheisen umgewandelt und durch die Beimengung von Legierungsbestandteilen bei Temperaturen von über 2000 Grad Celsius in Stahlschmelze umgewandelt. Doch Stahl ist nicht gleich Stahl. Um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es Hunderte unterschiedlicher Stahlsorten. Die wichtigsten Messerstähle stellen wir in Kapitel 41 vor.


Komponiert: Allein für Messerklingen gibt es Hunderte geeigneter Stahllegierungen, deren jeweilige Zusammensetzung exakt gesteuert wird.

4 »Me fecit Solingen«
Das deutsche Messerzentrum

Solingen in Nordrhein-Westfalen war und ist das Zentrum der deutschen Schneidwarenherstellung. Die bergische Großstadt ist weltweit so sehr für Messer und Scheren bekannt, dass Solingen häufig sogar für eine Messermarke gehalten wird. Seit 2012 trägt Solingen sogar ganz offiziell den Zusatz Klingenstadt. Seitdem Solingen 1371 Stadtrechte erhielt, zierte der Ausspruch »Me fecit Solingen« unzählige Klingen – zunächst vor allem Schwertklingen. Diese martialische Vergangenheit ist noch an vielen Straßennamen zu erkennen: Schwertstraße, Degenstraße, Florettweg …

Warum gerade Solingen zur Kingenstadt wurde? Ganz einfach: Hier gab es sämtliche Ressourcen, die man zum Schmieden und Schleifen von Klingen benötigte: natürliche Eisenerzvorkommen, Eichenwälder zum Befeuern der Schmiedefeuer, viele Bäche und natürlich den Fluss Wupper, deren Wasserkraft Schmiedehämmer und Schleifsteine antrieb und deren Kühle Klingenstahl abschreckte und damit hart machte. Zu den wichtigsten Grundlagen Solingens gehörte das ansässige Fachwissen. Schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts gab es die Zünfte der Schleifer und Härter, Schwertfeger, Reider und Schwertschmiede. Die Handwerker waren streng in Bruderschaften organisiert. Schwertschmiede formten die Stahlbarren mit wuchtigen, aber gezielten Schlägen in Schwert-, Degen- oder Säbelform. Härter machten aus diesen Rohlingen durch gesteuertes Erhitzen und gezieltes Abschrecken harte und einsatzfähige Klingen, die dann zu den Schleifern gingen. Diese arbeiteten entweder im eigenen Kotten (was so viel wie kleines Haus bedeutet) oder hatten sich in große Kotten eingemietet. Typisch für die Kotten ist der Wasserzulauf von Bächen und Flüssen, der die scheibenförmigen Schleifsteine antrieb, mit denen die Klingen ihre endgültige Form und Schärfe erhielten.

Zum Schluss glätteten und polierten die Schwertfeger die Klingen, um die vorangegangenen Arbeitsschritte zu verfeinern. Sie waren es auch, die die Einzelteile montierten und Griff (»Gefäß«) und Klinge zu einem Ganzen verbanden. Die Schwertfeger brachten die Blankwaffen auch in den Handel.

Mich schuf Solingen

Mich schuf Solingen – »me fecit Solingen«: So mancher Hingerichteter dürfte diesen Schriftzug als Letztes in seinem Leben gelesen haben, zierte er doch viele Richtschwerter der damaligen Zeit.

Die handwerklichen Fähigkeiten der Bruderschaften – mit Ausnahme der Schwertfeger – wurden als so bedeutsam angesehen, dass ihnen Reise- und Tätigkeitsverbote auferlegt wurden. So wollte man verhindern, dass Fachwissen verschleppt wird. Aus dem Schwertmacherhandwerk entwickelten sich die anderen Handwerkskünste. 1571 wird die Zunft der Messermacher erstmals erwähnt, gut 200 Jahre später (1794) schlossen sich die Scherenmacher zu einer eigenen Zunft zusammen.


1,6 Kilogramm Wissen: An der historischen Darstellung der deutschen Messerindustrie im Buch »German Knife and Sword Makers« wurde 30 Jahre lang gearbeitet.

Mitte des 17. Jahrhunderts jedoch verließen immer mehr Solinger Fachkräfte die Stadt, gingen in andere deutsche Städte oder wanderten aus nach Frankreich, Schweden, England, Russland und Amerika.

Doch Solingen ist mit Herstellern wie Wüsthof, Zwilling, Böker, Windmühle, Felix, Güde, Hartkopf, Hubertus, Loewen, Otter oder Robert Klaas immer noch eines der wichtigsten europäischen Messerzentren.


Lebendig: Diese historische Gesenkschmiede in Solingen dient als ganz besonderes Museum – hier wird noch produziert.

5 Kulturübergreifend
Messerzentren der Welt

Deutsche Scharfsinnigkeit Neben Solingen verblassen die anderen Messerorte Deutschlands – zumindest fast alle. Denn die weltweit wohl legendärsten Messer zur Obstbaumveredelung stammen aus Reutlingen von der Tina Messerfabrik, deren Ursprünge sich bis 1845 zurückverfolgen lassen – ja, die Baden-Württemberger können es halt auch.

Französische Lebensart Frankreich hat eine immense regionale Messervielfalt, und natürlich gibt es auch in Nontron, in Nogent, auf Korsika und in anderen Städten exzellente Schmieden. Doch die meisten Messer Frankreichs stammen aus der im Zentralmassiv gelegenen Stadt Thiers. Die Stadt klebt förmlich an einem steilen Berghang. Das starke Gefälle, mit dem das Flüsschen Durolle hier herunterrauscht und in die Dore mündet, wurde zum Antreiben der Schleifsteine, Fallhämmer und später auch der Generatoren genutzt. Vom Dore-Hafen aus konnten die Schneidwaren in die übrigen Landesteile verschifft werden.

Die Messerausstellung Coutellia (www.coutellia.fr) zieht jedes Jahr hunderte Messerschmiede aus Frankreich und der Welt an. Ein ganzes Wochenende lang spiegeln die kunstvollen Messer die Kultur ihrer Herkunftsländer wider und werden in der Ausstellung auch zum Kauf angeboten. Die Atmosphäre hier ist ganz besonders lebhaft.

Englische Ingenieurskunst Das zentral in England gelegene Sheffield war lange Zeit die größte Konkurrenz für Solingen. Bereits 1297 wurden hier Messer geschmiedet. Im »Zeitalter der Wasserkraft« war Sheffield mit seinen zahlreichen Flüssen und dem Vorkommen von Kohle und Sandstein, der zur Herstellung hochwertiger Schleifsteine geeignet war, geradezu privilegiert. Auch Feilenschmiede, Nägel-, Knopf- und Scherenmacher siedelten sich hier an. Die ganze Stadt war damals einer riesigen Fabrik ähnlich, deren einzelne Abteilungen die Stadtbezirke waren. Als es den Engländern um 1740 gelang, den für damalige Zeiten unübertroffenen Gussstahl zu produzieren, wurde Sheffield zur Welthauptstadt des Stahls.

Amerika war der wichtigste Markt für die Sheffielder Messerhersteller. Sogar für den Handel mit den amerikanischen Ureinwohnern wurden spezielle Messer gefertigt. In Aufzeichnungen aus den 1830ern werden »Skalpier-Messer« aus Sheffield genannt. Auch das uramerikanische Barlow-Taschenmesser, das durch Mark Twains Roman »Huckleberry Finn« zu Ruhm gelangte, ist ursprünglich ein Sheffielder Messertyp.


Italienische Eleganz: Das von Fantoni gefertigte Dweller ist ein Slipjoint, das mit Understatement und Funktionalität punktet.

Heute ist von dieser Pracht und Macht kaum mehr etwas erkennbar. Dank des Know-hows eingewanderter Messerprofis aus Solingen und Sheffield fertigten die Amerikaner bald ihre eigenen Messer. Und in den Weltkriegen wurde Sheffield als Zentrum der britischen Waffenindustrie fast völlig zerstört und hat sich davon nicht mehr erholt. Heute gibt es nur noch wenige Hersteller.

Italienischer Stil In der Kleinstadt Maniago im Nordosten Italiens wurden schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts Messer in größerem Maßstab gefertigt. Heute ist Maniago einer der Produktionsstandorte mit der weltweit höchsten Fertigungsqualität. Scarperia befindet sich 300 Kilometer weiter südlich bei Florenz. Das Messerhandwerk lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Von den teilweise stark handwerklich ausgerichteten Unternehmen wie Coltellerie Berti (seit 1895), der Coltellerie Consigli und der Coltelleria Saladini werden zahlreiche historische Taschenmessertypen Italiens gefertigt sowie eine kleine Auswahl an schönen Kochmessern.

Spanischer Esprit Im »Handbook for Travellers in Spain« des englischen Autors Richard Ford aus dem Jahr 1855 wird eindrucksvoll geschildert, wie die spanischen Klappmesser zur Lebenskultur Albacetes und ganz Spaniens gehören. Sie seien dazu da, das »Brot zu teilen und Männer zu töten«. Sie sind »wie die Zunge einer Frau geformt – lang, scharf und spitz«, so Ford. Die Messerherstellung im zentral gelegenen Albacete ist seit dem 16. Jahrhundert gut dokumentiert und kann heute in ihrer ganzen Vielfalt im Museo de la Cuchillería de Albacete bestaunt werden. In Santa Cruz de Mudela werden Messer seit Jahrhunderten – und auch heute noch – mit besonders hohem Handarbeitsanteil hergestellt. Die Kanaren haben mit dem feststehenden Naife einen ganz eigenen Messertyp und in Asturien wird mit dem Taramundi ein ebenso charakteristisches Klappmesser gefertigt. Beim Familienbetrieb Pallarès Solsona in Katalonien werden ebenfalls einfache, aber tolle Arbeits- und Kochmesser gefertigt. Das mittelalterliche Toledo in Zentralspanien ist Unesco-Weltkulturerbe und seit dem Mittelalter berühmt für seine Schwertschmiede. Der Toledo-Stahl ist bekannt dafür, extreme Federkraft zu besitzen.


Moderner Klassiker: Das in den USA gefertigte Benchmade Griptilian, hier ganz »State of the Art« mit »CPM 20CV«-Klinge, ist eine Empfehlung.

The Easy Way Die Ostküste war für Immigranten aus Europa – darunter auch Messerspezialisten aus Sheffield und Solingen – die erste Anlaufstation bei der Besiedelung der USA. Die Tidioute Cutlery Company aus der später unter anderem Ka-Bar hervorging, wurde 1898 in New England gegründet. George Schrade, der Gründer des legendären Messerherstellers Imperial Schrade, war ein Ingenieur aus Sheffield und fertigte in New York seine ersten Messer. Auch die Geschichte von W. R. Case & Sons Cutlery Co. begann im Bundesstaat New York. Erst später siedelte man in den benachbarten Bundesstaat Pennsylvania um. Dieser Bundesstaat im Nordosten der USA ist auch heute noch Sitz traditioneller Messerhersteller wie der Great Eastern Cutlery. In Oregon, auf der anderen Seite des Kontinents am Pazifik, sitzen mit Leatherman, Columbia River Knives and Tools, Gerber, Benchmade und Kershaw gleich fünf aktuelle Größen der US-amerikanischen Messerherstellung. Direkt nebenan im Bundesstaat Idaho wird das legendäre Buck Knives 110 gefertigt, zwei Ecken weiter in Golden, Colorado, sitzt mit Spyderco einer der innovativsten Messerhersteller des Kontinents.


Archaisch: eine japanische Kiridashi-Klinge im gefalzten Messinggriff mit nachträglich angebrachter Paracord-Wicklung

Asiatische Vielfalt Zu den wichtigsten Messerlandschaften Japans gehören Sakai, Takefu, Kyoto und Seki. Sakai liegt in der Nähe von Osaka, dem traditionellen Handelszentrum Japans. In Sakai wurden schon ab dem 14. Jahrhundert Schwerter hergestellt.

Die Fertigung von Messern – zunächst vor allem für die Tabakverarbeitung, denn die Portugiesen hatten den Tabak nach Japan eingeführt – begann im 16. Jahrhundert. Heute ist Sakai wichtigster Standort für die klassischen Kochmesser Japans, die Wabocho. Das ist auch auf die Nähe zu Osaka und Kyoto zurückzuführen. Beides sind traditionelle Zentren der japanischen Esskultur. Takefu gilt wie Sakai als überwiegend handwerklich orientierter Standort und hat ebenfalls eine lange Tradition der Messerfertigung.

Von China nach Japan

Nicht nur die Schwerter der japanischen Clans kamen ursprünglich aus China oder waren nach chinesischem Vorbild gefertigt, auch die ersten Kochmesser zeugen vom chinesischen Einfluss. Aus diesen »abgekupferten« Anfängen hat sich allerdings etwas Besonderes entwickelt: Die japanischen Klingenwaffen der Samurai-Krieger sind längst legendär – wie die Kochmesser auch.


Moderner Fertigungsstandort: Die technischen Möglichkeiten Chinas werden inzwischen auch von anspruchsvollen internationalen Messerherstellern genutzt. Hier der technisch perfekte Slipjoint »Paragon« von Amare Knives aus Deutschland.

Kyoto, die alte Kaiserstadt Japans, spielt heute keine große Rolle mehr, war historisch jedoch ein wichtiger Schmiedestandort für die Kohlenstoffstahlmesser Japans. Seki ist weltweit vielleicht der bekannteste Name, wenn es um Klingen aus Japan geht. Im Land selbst gilt Seki als hochmechanisierter Industriemesser-Standort, wo Haushaltsmesser, aber auch hochwertige Messer für den Export gefertigt werden.

China ist inzwischen einer der maßgeblichen Player in der Produktion von Messern. Einer der bekanntesten Messerhersteller Japans ist kai. Zum 1908 in Seki gegründeten Unternehmen gehören auch die renommierten Messerhersteller Kershaw und Zero Tolerance. Noch ein Jahr länger besteht der Messerhersteller Moki, der für seine eleganten und perfekt verarbeiteten Serienmesser bekannt ist. Auch renommierte internationale Messerhersteller aus Europa oder den USA lassen eigene Designs in China fertigen oder ordern bestehende Designs wie Böker, PumaTec, Spyderco oder Ka-Bar. Die Fertigung ist dort auf zahlreiche Standorte verteilt und findet überwiegend industriell statt. Seit einigen Jahren produzieren immer mehr chinesische Messerhersteller, die zuvor ausschließlich im Auftrag ausländischer Messerhersteller fertigten, unter eigenem Namen. Die Botschaft lautet: »Wir können nicht nur billig, sondern auch extrem hochwertig. Wir fertigen nicht nur im Auftrag bekannter Marken, sondern kommen ganz selbstverständlich auch mit unseren eigenen Produkten auf den Markt.« Dazu gehören Firmen wie Realsteel Knives, Kizer, Bestech, Tuya oder WE Knife, die auf höchstem technischen Niveau produzieren. Wer auf technisch anspruchsvolle Messer steht, darf China mittlerweile nicht mehr außer acht lassen.

6 Wenn’s einfach klappt
Aufbau eines Klappmessers

Die Musterbücher der großen Messerhersteller aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen Hunderte unterschiedliche Taschenmessermodelle: vom feinen Herrenmesser bis hin zu hoch spezialisierten Klappmessern für die Arbeit und die Jagd. Noch heute ist die Vielfalt an Modellen überwältigend. Klappmesser sind immer dann eine gute Wahl, wenn es auf ein kleines und unauffälliges Packmaß ankommt: Eine acht Zentimeter lange Klinge kann trotz vollwertigem Griff mit unter 11 Zentimetern »Hosensack-Länge« punkten. Unschlagbar. Bei entsprechender Konstruktion sind die Messer dabei auch besonders sicher zu transportieren, da die Klingenspitze und die scharfe Schneide in eingeklapptem Zustand vom Griff komplett »abgeschottet« werden. Im Vergleich zu feststehenden Messern sind Klappmesser aufgrund der zum Teil hohen Zahl an Bauteilen allerdings meistens etwas pflegeintensiver und auch nicht ganz so belastbar. Klappmesser unterscheiden sich grundlegend bei den Möglichkeiten zum Ein- und Ausklappen der Klinge. Das kann auf die traditionelle Art mit zwei Händen erfolgen oder, wie es seit den 1980ern immer populärer wurde, einhändig. Die typische Klingenausklapphilfe bei Zweihandmessern ist – neben einem weit aus dem Griff hervorstehenden Griffrücken – der sogenannte Nagelhau. Dabei handelt es sich um eine Kerbe in der Klingenflanke, die dem Daumennagel der zweiten Hand, welche die Klinge herausklappt, Halt gibt. Die meisten Schweizer Messer gehören diesem Zweihandtypus an, aber auch die klassischen Cowboy-Messer und Stillegenden wie das Buck 110.


Formvollendet: Der US-Hersteller Spyderco sorgte für einige der tiefgreifendsten Innovationen im Klappmesserbereich. Im Bild das Modell SwayBack mit Spyderco-typischem Daumenloch und Titangriff, der rückseitig einen Clip trägt (durch die Griffbohrungen ist der Taschenclip umsetzbar). Design: Marcin Slysz

Die Klingen von Einhandmessern wiederum können mit der Hand in Arbeitsposition gebracht werden, die das Messer hält. Das ist enorm praktisch. Von Beginn des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1970er waren Automatikmesser das Mittel der Wahl, wenn es um die einhändige – und daher komfortable und schnelle – Einsatzbereitschaft von Klappmessern ging.


Vorbild Kino

Die wilden US-Kinohelden der 1950er-Jahre verhalfen den Automatikmessern schließlich zu größter Bekanntheit – und führten doch auch in gewisser Weise zu ihrem Untergang: Denn die rebellischen Darstellungen in den Filmen lösten Ängste und in der Folge strenge gesetzliche Regelungen zum Besitz von Automatikmessern aus. Automatisch oder durch Federunterstützung öffnende Messer gibt es heute natürlich immer noch. Häufiger sieht man jedoch mechanisch einfachere Messer mit Daumenloch, Pin oder Flipper. Sie kamen ab Mitte der 1970er auf.

Als Spyderco 1981 mit dem Worker ein Klappmesser entwickelte, das bis auf die bekannte Rückenfeder-Arretierung nichts gemein hatte mit den Klappmessern der damaligen Zeit, glich das einer Revolution. Denn das Worker glänzte gleich mit zwei Neuheiten: Die Klinge des Messers konnte mittels eines kreisrunden Ausschnitts in der Klinge (bis heute Spydercos Markenzeichen) einhändig herausgeklappt werden. Und zugleich konnte das Messer per Clip zugriffsbereit in der Tasche oder am Hosenbund befestigt und transportiert werden. Das Daumenloch wurde so typisch für die Messer Spydercos, dass es in stilisierter Form auch Teil der feststehenden Messer des Herstellers ist. In letzter Zeit immer häufiger sieht man auch nicht arretierende Klappmesser mit Einhand-Öffnungshilfe und Clip.

Messer für Frauen

Nicht nur behandschuhte Arbeiter, Farmer und Jäger gehörten zur Zielgruppe der Automatikmesser-Hersteller, sondern auch Frauen, speziell Näherinnen, die Messer für ihre Arbeit nutzten. Schließlich war es deren gepflegten und feinen Fingernägeln nun wahrlich nicht zuzumuten, sich mit Nagelhau und starker Rückenfeder abzugeben.

7 Sicher im Handling
Halte- und Arretierungsmechanismen

Wer seine Finger schätzt – und wer tut das nicht? –, sollte beim Hantieren mit dem Messer vorsichtig sein. Immer schön kontrolliert arbeiten, vom Körper wegschnitzen … Der Arbeitssicherheit besonders zuträglich sind Mechanismen, um die Klinge an einem versehentlichen Einklappen zu hindern. Und da gibt es zahlreiche. Die wichtigsten erklären wir hier.

Aufreibend einfach – Friction Folder Die Klingen der ersten Klappmesser wurden vor allem durch ihre Reibung an den Griffschalen am Einklappen gehemmt. Sie werden deshalb international als Friction Folder, also Reibungs-Klappmesser bezeichnet. Für das einfachste aller Klappmesser braucht es nur drei Bauteile: Klinge, Achsniet und Griff. Mit dem Griff ist die Klinge per Niet verbunden. Eingeklappt liegen Klinge und Spitze in einem Griffausschnitt. Herausgeklappt stößt das Klingenende am Griff an oder schlägt, sofern der Klingenrücken zu einem Hebel verlängert wurde, auf dem Griff auf. Bei manchen Konstruktionen liegt das Klingenrückenende auch auf einem separaten Anschlag. Bis heute ist dieser einfache Messertyp in vielen Ländern populär, etwa in Frankreich (Piemontais), Spanien oder Japan (Higonokami). Wer mit einem solchen Messer nur schneidet, ist also auf der ziemlich sicheren Seite. Ziemlich deshalb, weil sich eine Klinge auch mal im Schneidgut verklemmen kann oder man beim Hantieren mit dem Klingenrücken gegen etwas stößt.

Unter Druck gesetzt – Slipjoints Als Mitte des 17. Jahrhunderts konstant reproduzier- und belastbarer Federstahl entwickelt wurde, konnten Klappmesser mit einem Rückenfeder-Haltemechanismus ausgestattet werden. Dabei drückt eine entlang des Griffrückens liegende Feder auf einen stufenförmigen Ausschnitt in der Klingenwurzel. Diese Federkraft hält die ausgeklappte Klinge – ohne sie zu arretieren – in Arbeitsposition und verhindert bei eingeklappter Klinge ein versehentliches Aufgehen. Ein typisches Beispiel dafür ist das Schweizer Offiziersmesser.

Bei französischen Slipjoints wie dem Laguiole sieht man häufig auch eine stärker haltende Abwandlung dieser einfachen Konstruktion. Dabei ist das Ende der Feder nicht glatt, sondern zu einem »Hammerköpfchen« verfügt, das in eine speziell geformte Kerbe in der Klingenwurzel greift. Das erhöht zunächst den Widerstand beim Einklappen der Klinge – und damit die Arbeitssicherheit. Ist die Klingenwurzel zudem mit Stufen oder kantig geformt, rastet die Klinge während des Klappvorgangs ein. Rastet die Klinge bei 90 Grad ein, spricht man von einem Half-Stop.


Beim Slip-Joint hält eine zähelastische Rückenfeder die Klinge in Arbeitsposition, arretiert diese aber nicht.

Den Dreh raus – Drehmanschetten-Sicherung Bei dieser Klingensicherung kommt auf den runden Griffabschluss zunächst eine Blechmanschette. Der Achsniet, meist ein einfacher Stahlstift, reicht durch diese Manschette hindurch. Seine beiden Enden laufen in der rundum reichenden Schiene einer weiteren Manschette, die drehbar ist. Dreht man diese äußere Manschette, schiebt sich deren Oberkante vor den Schlitz des Griffes und verhindert so ein versehentliches Einklappen der Klinge. Opinel nennt diese Sicherung Virobloc. Auch Nontron, einer der ältesten Messerhersteller Frankreichs, setzt bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts auf einen ähnlichen Drehringmechanismus. Das macht diese Methode zu einem der ältesten Verriegelungsmechanismen für Klappmesser überhaupt.

Hammerhart – Back-Lock Wann genau der Back-Lock (auch als Lock-back bekannt) erfunden wurde, ist unklar, vermutlich jedoch bereits im 19. Jahrhundert. Populär wurde er mit einer Stilikone: dem 110 Folding Hunter des US-amerikanischen Herstellers Buck Knives. Das kam 1964 auf den Markt (s. auch Kapitel 22). Entlang des Griffrückens liegt ein um einen Achsniet schwenkbarer Arretierhebel. Das Ende dieses Verschlussstücks ist zu einem Hammerkopf geformt. Eine entsprechend geformte Nut befindet sich in der Wurzel der Klinge. Von der Griffinnenseite her drückt eine Feder das Ende des Arretierhebels nach oben – und damit den Hammer in die Nut. Zum Lösen der Arretierung muss man den Hammerkopf »hochwippen«, indem man das Ende des Arretierhebels gegen die Federkraft in den Griff drückt. Bei eingeklappter Klinge drückt der Hammer (wiederum durch die Kraft der Feder) auf eine Kante an der Unterseite der Klingenwurzel. Dadurch klappt die Klinge nicht versehentlich von alleine aus dem Griff. Bei der belastbaren Lock-Variante »Tri-Ad Lock« von Andrew Demko schlägt die ausgeklappte Klinge nicht direkt auf den Arretierhebel auf, sondern auf einen separaten Anschlagniet.


Bei den Back-Lock-Varianten wird der Hammerkopf des Arretierhebels über eine Feder in die Aussparung der Klingenstufe gedrückt.


Back-Lock: Der japanische Hersteller Moki ist bekannt für die präzise Anpassung seiner Back-Lock-Arretierungen, bei denen der Übergang zwischen Arretierhebel und Klingenrücken nahezu unsichtbar ist.

Durchgang gesperrt – Liner-Lock Hinter dem Liner-Lock steckt ein bewährter Mechanismus, der so funktioniert: Im Inneren des Griffes – entlang des Griffschlitzes – befindet sich eine Stahlplatine, die so geformt ist, dass sie in Richtung der anderen Griffinnenseite federt. Ist die Klinge ganz ausgeklappt, tut diese Sperrfeder das auch und legt sich dabei hinter die Klingenwurzel. Das Einklappen der Klinge ist erst möglich, wenn man die Sperrfeder wieder zur Seite schiebt. Als Klingenanschlag und um die eingeklappte Klinge im Griff zu halten, wird eine herkömmliche Rückenfeder eingesetzt. Dieser immer noch benutzte Mechanismus (etwa bei den 111er-Modellen von Victorinox) ist zwar zuverlässig, aber nicht so präzise und spielfrei ausgeführt wie der Liner-Lock, den Michael Walker 1981 entwickelte. Dabei schlägt die Sperrfeder (der Locking Liner) direkt an der schräg geformten Klingenwurzel an und drückt die Klinge gegen den Anschlag-Bolzen (auch Stopp-Pin). Eine Rückenfeder ist nicht mehr nötig, was offene Griffgestaltungen ermöglicht und Gewicht spart. Damit das Ganze zuverlässig funktioniert und die Sperrfeder nicht alleine durch Druck oder Schlagbelastungen zur Seite rutscht, muss der Mechanismus sauber gearbeitet sein.


Vorläufer des Liner-Locks: Bei diesem Elektrikermesser von Klein Tools blockiert eine Metallplatine die Klinge.

Um ein versehentliches Ausklappen der eingeklappten Klinge zu verhindern, nutzt man üblicherweise einen Detentball. Das ist eine kleine Stahlkugel, die fix mit dem Ende der Sperrfeder verankert ist und durch die Federkraft in eine entsprechend geformte Mulde in der Klingenwurzel gedrückt wird. Mittlerweile gibt es auch Slipjoints (siehe Beginn des Kapitels), die anstelle einer Rückenfeder auf Detentballs setzen, um die Klinge am allzu leichten Einklappen zu hindern.

Harte Tür – Frame-Lock Der Frame-Lock wurde 1987 erstmals vom südafrikanischen Messermacher Chris Reeve eingeführt und wird auch Integral Lock oder Mono-Lock genannt. Im Gegensatz zur Sperrplatine des Liner-Locks federt hier der nach innen federnde Ausschnitt einer der Griffhälften hinter die Klingenwurzel. Das Ende schlägt an der Schräge der Klingenachse an und drückt die Klinge gegen den Stopp-Pin. Zum Einklappen der Klinge drückt man die Arretierfeder gegen ihre Federkraft nach außen. Besteht der arretierende Griffausschnitt aus einem weicheren Metall als die Klinge, wie etwa Aluminium oder Titan, ist die Feder im Bereich des Anschlags oft mit einem Metalleinsatz aufgerüstet, was Verschleiß entgegenwirkt.

8 Fest verankert
Aufbau feststehender Messer

Vom bronzenen Prestige-Dolch über das Kurz-Sax, das quer am Rücken eines Wikingers sitzt, bis zum führigen Jagdmesser neben der Kurzwaffe am Gürtel eines Jägers – Messer mit fest im Griff stehender Klinge waren Jahrtausende lang das am weitesten verbreitete Schneidwerkzeug. Das liegt einerseits daran, dass das älteste Klappmesser »erst« 2500 Jahre alt ist. Andererseits liegt es auch an seiner Funktionalität. Ein Klappmesser mag sicherer, komfortabler und unauffälliger mitführbar sein, doch ein feststehendes Messer ist konstruktiv in der Regel belastbarer als ein Klappmesser mit seiner Vielzahl an Bauteilen. Bei einem feststehenden Messer gibt es keine Klinge, die man erst mehr oder weniger umständlich auf- und später wieder einklappen muss oder die versehentlich einklappt, weil die Arretierung versagt.

Bei der Griffgestaltung hat man besonders viele Möglichkeiten, da man keine Rücksicht nehmen muss auf die Klingenform, die ja sonst im Griff Platz finden muss, oder auf die Bauform der Arretierung. Auch sind feststehende Messer leichter zu reinigen. Deshalb findet man überall dort, wo es nicht auf ein möglichst unauffälliges Mit-sich-Führen ankommt – also bei Jagd- und Outdoor-Messern, militärischen Einsatzmessern, Tauchermessern, Schnitz- und Arbeitsmessern – auch heute noch bevorzugt feststehende Messer. Das maßgebliche Unterscheidungskriterium bei feststehenden Messern ist die Angel- und Griffkonstruktion.


Flachangelmesser von Buck Knives: das 104 Compadre Camp Knife mit 5160-Federstahl-Klinge

Flachangelmesser Bei einem Flachangelmesser geht die Klinge in gleicher oder geringfügig veränderter Breite und Stärke in die Angel (auch Erl genannt) über, die bis zum Griffende oder darüber hinaus reicht. Behält die Angel dabei ihre Ausgangsstärke, spricht man von einer vollen Flachangel. Flachangelmesser gibt es als Ganzstahlvariante, mit Griffwicklung oder mit Griffschalen. Letztere sind meist über Nieten oder Schrauben mit der Angel verbunden. Auch das Einpassen der Angeln in einen geschlitzten Griff ist möglich. Die Flachangel-Konstruktionsweise gilt als sehr stabil.

Halbintegralmesser und Vollintegralmesser Auch ein Halbintegralmesser besteht von der Spitze bis zum Ende der ans Griffende reichenden Angel aus einem Stück Stahl, hat aber im Gegensatz zum Flachangelmesser Griffbacken, die integraler Bestandteil der Konstruktion sind. Ein Vollintegralmesser besitzt zusätzlich am Griffende Backen. Solche Messer können aus dem Vollen gefräst sein. Häufiger jedoch sind sie geschmiedet, etwa in einer Gesenkschmiede.

Steckangelmesser Bei allen Steckangelkonstruktionen (auch beim Steckoder Spitzerl) geht die Klinge in eine sich oft stark verjüngende Angel über, die später rundum vom Griff umschlossen wird. Die Angel selbst kann rund oder flach geformt sein. Typische Vertreter dieser Gattung sind traditionelle japanische Kochmesser und die nordischen Outdoor-Messer, wie sie seit Jahrhunderten in Schweden, Norwegen und Finnland gefertigt und benutzt werden. Reicht die Steckangel bis zum Griffende, kann man sie dort mit gezielten Hammerschlägen stauchen. Oft reicht die Steckangel nur ein paar Zentimeter in den vorgebohrten Griff hinein, und wird darin verklebt. Früher geschah das mit Birkenpech, heute nutzt man Epoxidharz. Bei anderen Steckangelkonstruktionen schneidet man ein Gewinde in die Angel, sodass man darauf zum Schluss eine Griffabschlusskappe schrauben kann. Ein von der Spitze bis zum Griffende reichendes Stück Stahl ist in Extremsituationen belastbarer als ein im Griff verklebter Erl, doch bei letzterer Griffkonstruktion ist man bei der Griffgestaltung völlig frei. Bei Kälte kommt die Hand zudem nicht in Kontakt mit Stahl, weshalb nordische Messer oft einen komplett geschlossenen Griff besitzen.


Einfaches, aber gutes Steckangelmesser von Isakki Järvenpää

9 Gut behütet
Messerscheiden im Einsatz


Verlustsicher: Typisch für nordische Messer sind verzierte Köcherscheiden, in denen das Messer bis kurz vor dem Griffende sitzt.

Ein feststehendes Messer benötigt eine gute Scheide. Sie schützt den Träger vor der spitzen und scharfen Klinge, schirmt dabei auch das Messer vor Beschädigungen ab und ermöglicht im besten Fall einen einfachen und komfortablen Zugriff.

Scheiden bestehen traditionell aus Leder, Kunststoffen wie Nylon oder thermoplastischem Kydex, manchmal aber auch aus Holz oder Metall. Sie können ein- oder mehrteilig gearbeitet sein und werden je nach Werkstoff genäht, geklebt, verschraubt, vernietet oder im Spritzgussverfahren hergestellt. Benutzt man weiche Materialien wie Leder oder Nylon, sollte die Scheide mit einer Stichschutzeinlage aus Kunststoff oder – bei Lederscheiden – mit einer festen Lederzwischenlage (Keder) ausgestattet sein, die ein Durchstoßen und -schneiden entlang der Naht verhindert.

Steckscheide mit Griffriemen In Scheiden, die nur die Klinge bedecken, werden die Messer meistens über einen Griffriemen gesichert, der per Klettverschluss oder Druckknopf schließt. Bei Messern mit ausgeprägtem Handschutz läuft der Riemen meist von der Rückseite der Scheide aus diagonal über den Handschutz nach vorne.

Köcherscheiden In der traditionellen Scheide der nordischen Messer sitzt das Messer so tief, dass nur wenige Zentimeter des Griffes hervorschauen. Eine passgenaue Formgebung und die weitreichende Überlappung sorgen für Reibung zwischen Scheide und Messer – und damit für eine hohe Haltekraft. Eine zusätzliche Sicherung, etwa durch einen Griffriemen, ist normalerweise nicht mehr nötig. Köcherscheiden bestehen meist aus Leder, können aber auch aus Kunststoff gefertigt sein.


Modern: Das exzellente Wanger Pronto nach einem Design des deutschen Messermachers Heidi Blacksmith ist wahlweise mit Lederoder Kydexscheide erhältlich.

Pancake-Scheide Die »Pfannkuchenscheide« besteht aus zwei Teilen, die miteinander verbunden werden. Dazwischen liegt das Messer. Typisch für die Pancake-Scheide ist die plastische Ausformung des Materials in Form des Messers zur Vorderseite hin und die Positionierung der eingeschnittenen Gürtelschlaufen seitlich des Messers.

Kydex für Heimwerker

Kydex bezeichnet eine Produktlinie für thermoplastische Kunststoffe und hat als Material für Messerscheiden und Pistolenholster seit Langem eine große Fangemeinde. Denn Kydex gilt als enorm robust, pflegeleicht, sehr gut formbar und – bei korrekter Behandlung – dauerhaft formstabil. Erhitzt man Kydex auf rund 150 Grad Celsius, wird das Material weich wie Scheibenkäse und lässt sich perfekt an die Konturen fast jedes Gegenstands anpassen. Die Form behält das Material nach dem Abkühlen dauerhaft. Zusätzlich lässt sich Kydex dann auch schleifen und polieren. Und sollte man sich bei der Formgebung vertan haben, ist auch das kein Beinbruch. Sobald man das Material wieder auf die Umformungstemperatur gebracht hat, kann man es neu anpassen, ohne im Nachgang Leistungseinbußen befürchten zu müssen. All das macht Kydex auch zu einem beliebten Material für Heimwerker.

10 Angriffspunkt
Die beliebtesten Griffmaterialien

Von der Paracordwicklung bis zum Harz-Kaktusfaser-Gemisch – geeignete Griffmaterialien für Messer gibt es zuhauf. Um der das Messer greifenden Hand eine gute Auflage zu bieten, werden die Griffbereiche mit flachen Schalen oder aus dem Vollen gearbeiteten Materialien versehen. Grundsätzlich ist dafür jedes Material geeignet, das sich angenehm in der Hand anfühlt, möglichst griffig und ausreichend stabil ist. Die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Materialien ist dabei enorm. Wir haben die gebräuchlichsten Materialien für Sie zusammengefasst.

Aluminium ist ein leichtes Metall, das zugleich sehr fest ist. Deshalb wird es gern für die Herstellung von Messergriffen, insbesondere bei Klappmessern, verwendet. Durch Eloxieren wird die oberste Aluminiumschicht durch anodische Oxidation in eine Schutzschicht umgewandelt, die vor Korrosion schützt und färbbar ist.

G-10 ist ein Verbundwerkstoff, der aus Glasfasern und Kunstharz aufgebaut ist. Besonders bei Messern, die starken Strapazen und wechselnden Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, ist das Material aufgrund seiner hohen Stabilität sehr beliebt. Zur Herstellung von G-10 werden Glasfasergewebe (die einzelnen Fasern werden aus geschmolzenem Glas gewonnen) in eine Epoxid-Kunstharzmasse gegeben, mit dieser geformt und anschließend gehärtet. Der daraus resultierende Faser-Kunststoff-Verbund verdankt seine Festigkeit und Widerstandsfähigkeit den Glasfasern, während das geringe Gewicht auf das Epoxidharz zurückzuführen ist. Die Oberfläche des G-10-Materials kann aufgeraut oder gefräst werden.

Holz Nahezu jede Holzart ist als Messergriffmaterial geeignet: An Messern findet man Schalen aus relativ weichen heimischen Hölzern wie Birne oder Pflaume genauso wie das versteinert wirkende und enorm harte Holz des Wüsteneisenbaums aus der Wüste Arizonas oder das kaum weniger harte, bei Drechslern sehr beliebte Holz des Buchsbaums. Je nach Art des Gewächses verwendet man das Holz von Ästen, Stämmen und Wurzeln, ja sogar das Holz aus Stammwucherungen. Gerade Letzteres ist meist besonders aufregend gezeichnet. Bei nordischen Messern wird gern das Holz der Maserbirke verwendet, das durch eine spezielle Öl- und Wärmebehandlung besonders stabil wird. Dauerhaft haltbar und unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen wird Holz, wenn man es stabilisiert. Dazu wird die im Holz eingeschlossene Luft mittels eines Vakuums herausgesaugt. Die verbleibenden Hohlräume werden anschließend mit einem dünnflüssigen Kunstharz gefüllt, das aushärtet. Auf diese Weise lässt sich auch von Pilzbefall geschwächtes Holz (was sehr gut aussehen kann) dauerhaft festigen und nutzen.


Bewährt: Holzschalen wie hier am Ledermesser 39 von Tina sind gut formbar und vermitteln ein natürliches Greifgefühl.

Horn Griffschalen aus Widderhorn, Rinder- und Büffelhorn und vor allem aus Hirschhorn gehören zu den Klassikern bei Messergriffen. Bei Widderhorn sorgt die krustige Oberflächenstruktur für eine tolle Optik und ein angenehmes Griffgefühl. Bei Rinder- und Büffelhorn hat man es vor allem auf die massiven Hornspitzen abgesehen, aus denen man Schalen schneiden kann. Diese werden meistens poliert angeboten. Hirschhorn ist das klassische Material für die Beschalung von Jagdmessern: Man nutzt entweder die äußere Schicht des Geweihs oder das – vom Mark geschwächte und daher nicht ganz so hochwertige – Innenmaterial. Das Horn des südasiatischen Sambarhirsches ist besonders dicht und daher sehr beliebt, aber kaum noch erhältlich.

Knochen wurden von jeher von den Menschen im Werkzeugeinsatz und auch zur kunstvollen Bearbeitung (Scrimshaw-Gravuren der Walfänger) genutzt. Vor allem die Schienbeinknochen von Rindern (heutzutage meistens aus Südamerika) und Giraffenknochen werden zur Beschalung von Messern benutzt. Die Knochen werden ausgekocht, häufig eingefärbt und mit Fräsmustern (etwa zum Imitieren von Hirschhorn) verziert. Besonders wertvolle Messer werden mit stabilisierten Mammutknochen beschalt.

Micarta Faser-Kunststoff-Verbundmaterialien wurden erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Markenbezeichnung Micarta geschützt und vertrieben. Das vielseitig verwendbare Material zeichnet sich unter anderem durch eine geringe elektrische Leitfähigkeit und hohe Festigkeit aus und wird in zahlreichen Industriebereichen und sogar als Bestandteil von Raumfähren genutzt. Micarta wird aus saugfähigen Materialien hergestellt, die mittels Kunstharz und Druck zu einer festen Platte verbunden werden. Bei Micarta sind Canvas, Leinen, Jeans und Papier besonders gefragt. Micarta ist warm und weich im Griff und fühlt sich geradezu natürlich an. Das macht es zu einem der beliebtesten Griffmaterialien für Messer.

Titan kombiniert Korrosionsbeständigkeit mit hoher Festigkeit und leichtem Gewicht. Aufgrund seiner geringen Wärmeleitfähigkeit fühlt es sich in der Hand nicht so kalt an wie Stahl oder Aluminium. Vor allem bei Klappmessern ist Titan ein beliebtes Griffmaterial. Auch Messerklingen werden zum Teil aus Titan hergestellt: dann, wenn antimagnetische Eigenschaften und Rostfreiheit im Vordergrund stehen, wie das etwa bei Tauchermessern des Kampfmittelräumdienstes der Fall ist.

Zytel ist der Handelsname für ein von DuPont entwickeltes glasfaserverstärktes Nylonmaterial, das im Spritzgussverfahren verarbeitet wird. Zytel gilt als hitze- und kältefest, stoßbelastbar, schlagzäh und abriebfest. Zur Erhöhung der Griffigkeit wird die Oberfläche von Zytel-Schalen häufig texturiert. FRN (Fiberglass Reinforced Nylon) bezeichnet das gleich aufgebaute Material anderer Hersteller.


Hipster: Zwei Hippen aus der Kollektion von PassionFrance mit Schalen aus hartem Buchsbaum und griffigem Widderhorn

11 Das Schweizer Offiziersmesser
Aus der Schweiz um die Welt

Es ist ein Messer der Masse, bis ins letzte Detail funktional und so clean designt, dass es regelmäßig in Ausstellungen der bekanntesten Museen auftaucht: Die Rede ist vom Original Victorinox Offiziersmesser, das in über 400 Varianten existiert.

Am 12. Juni 1897 wurde das Offiziersmesser gesetzlich geschützt. Sein Entwickler war Karl Elsener, der drei Jahre zuvor seine Messerschmiede gegründet hatte und für die Schweizer Armee auch das Soldatenmesser fertigte. Neben der Klinge, der Bohrahle, dem Dosenöffner und dem Schraubenzieher des Soldatenmessers war das Offiziersmesser zusätzlich mit einer zweiten, kleineren Klinge, auch Radierer genannt, und einem Korkenzieher ausgestattet. Zwei Rückenfedern hielten die sechs Klingen in Arbeitsposition.

Schon bald wurden dem Modell noch weitere Werkzeuge eingefügt wie Holzsäge und Schere, Kapselheber, Metallsäge mit Metallfeile, Fischerklinge mit Angellöser … Sogar die Griffschalen werden zum Unterbringen von nützlichen Funktionen wie Kugelschreibermine, Pinzette, Zahnstocher oder Stecknadel genutzt. Die Serie gipfelt im Modell »SwissChamp«, das aus 64 Einzelteilen besteht und über 30 verschiedene Funktionen erfüllt: ein kleiner Werkzeugkoffer, der sich bequem in der Hand halten lässt und nur 185 Gramm wiegt.

Stahlhart: Qualität im Fokus

• Nach dem Härten bei 1040 Grad und Anlassen bei 160 Grad haben die Klingen eine Härte von 56 HRC (Härte nach Rockwell). Die Holzsägen, Scheren und Nagelfeilen haben eine Härte von 53 HRC, die Schraubenzieher, Dosenöffner und Ahlen 52 HRC und die Korkenzieher und Federn 49 HRC.

• Die Metallsäge und -feile ist einsatzgehärtet und hartverchromt, sodass damit auch Eisen und Stahl gesägt und gefeilt werden können.

• Die Feder drückt mit etwa 12 Kilogramm auf die große Klinge und auf der Gegenseite mit circa 8 Kilogramm auf die kleine Klinge. Zum kräftigen Zuklappen der Klinge ist so viel Druck notwendig, weil das Übersetzungsverhältnis zwischen Achse und Druckpunkt und zwischen Achse und Nagelgriff ungefähr 1:20 beträgt.

12 Das Laguiole
Sinnbild für elegante Schärfe

Mythenumrankt und »everybody’s darling« – das französische Laguiole übt seit rund 170 Jahren einen ganz besonderen Reiz aus. Um seine Entstehung und Formgebung entstanden im Lauf der Zeit zahlreiche Legenden, denen der französische Autor und Historiker Christian Lemasson in akribischer Forschungsarbeit auf die Spur gegangen ist. Seine Erkenntnisse zeichnen ein neues, aber nicht weniger faszinierendes Bild.


Für die tägliche Arbeit

Wie praktisch alle Messer der damaligen Zeit war auch das ursprüngliche Laguiole ein Schneidwerkzeug für die tägliche Arbeit auf dem Land. Seine Käufer waren Viehzüchter, Bauern, Winzer und fahrende Händler, die mit Wein und Kohle aus der Aubrac- und der Auvergne-Region bis nach Spanien Handel trieben.


Authentischer Ansatz: drei ausgezeichnete Laguiole-Modelle von PassionFrance in historischer Ausführung und ein Laguiole en Aubrac mit Damastklinge (unten)


Rückenansichten: fein gearbeitete Rückenfedern, zweimal mit figürlicher Mouche und einmal linsenförmig; Messer von PassionFrance

Mythencheck

• Oft wird behauptet, dass sich das Laguiole aus dem Capuchadou, dem in der Region einst verbreiteten feststehenden Dolch, und dem spanischen Navaja entwickelt habe. Doch das ist aufgrund der konstruktiven Unterschiede mehr als unwahrscheinlich. Vielmehr hat sich das Laguiole aus bereits bestehenden französischen Messern wie dem Yssingeaux entwickelt.

• »Mouche« bedeutet Fliege. Doch mit einer rein schmückenden Fliege, zu der sie später tatsächlich überwiegend geformt wurde, hatte die ursprünglich linsenförmige Verbreiterung der Rückenfeder zunächst nichts zu tun. Sie war konstruktiv notwendig als Bestandteil eines alten Verriegelungsmechanismus, bei dem man das Ressort (die Rückenfeder) mit den Fingern an der Mouche anheben muss, um die Arretierung der Klinge zu lösen. Vielleicht hielten die Schmiede aus dekorativen Gründen daran fest. Zunächst wurde die Mouche, vor allem für zahlungskräftigere Kunden, figürlich geformt, etwa zu Blumen oder Kreuzen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

• Bereits auf alten Messern finden sich verschiedene Formen der »pointillage«, einer Verzierung mit Metallstiftchen rund um den mittleren Niet. Die Muster waren rautenförmig, rund oder oval und könnten einen Rosenkranz symbolisiert haben. Das Hirtenkreuz, zu dem die Hirten angeblich schon im 19. Jahrhundert nachts auf der Weide gebetet haben sollen, taucht erst seit dem Zweiten Weltkrieg auf.

Das erste, um 1850 im gleichnamigen Dorf entstandene Laguiole hatte noch einen geraden Griff. Deshalb werden sie heutzutage auch als Laguiole-Droit (dt.: gerade) bezeichnet. Die Klinge hatte eine Bourbonnaise-Form mit gestreckter und salbeiblattförmiger Kontur und nach vorne gerichteter Spitze. Die typische geschwungene Yatagan-Klingenform, die das Laguiole heute auszeichnet, entwickelte sich erst um 1860. Ein entscheidendes Merkmal zeigten jedoch bereits diese ersten Laguiole-Droit-Modelle: die mouche, eine linsenförmige Verbreiterung am Ende der Rückenfeder.


Elegantes Detail: der angefaste Rücken einer Laguiole-Klinge

Dieses Laguiole ist das erste Messer, das eigenständig in Laguiole entstand und dementsprechend benannt wurde. Es ist das erste und ursprüngliche Laguiole, aus dem sich im Lauf der folgenden Generationen die heute bekannten Varianten entwickelten, deren Eleganz sich kaum jemand entziehen kann.

Trifft man sich in Frankreich zum casse-croûte, der typisch französischen Brotzeit, wird erst mal in den Taschen gekramt und gefachsimpelt. Worüber? Über das Laguiole natürlich. Mit oder ohne Korkenzieher, der Griff aus Horn oder Buchsbaum, die Klinge aus rostbeständigem Stahl oder doch aus nicht-rostfreiem Kohlenstoffstahl, deren Patina bald vom alltäglichen Gebrauch des Messers zeugen wird? C’est votre décision. Nur eines ist klar: Ohne Laguiole geht es nicht.

Einfach und effektiv

Der Dorn und der deutlich später auftauchende Korkenzieher sind die klassischen Zusatzwerkzeuge an einem Laguiole. Der Dorn war und ist ein essenzielles Werkzeug zur Reparatur von ledernem Zaumzeug. Den Weinhändlern diente er zum Öffnen der Lederschläuche, in denen der Wein der Auvergne zunächst transportiert wurde. Und der Korkenzieher? Wo man sich Brot, Wein und Käse teilte, benötigte man mit dem Aufkommen der Glasflaschen eben auch einen Korkenzieher. C’est si simple.

13 Das Opinel
Eine Sach’ unter jedem Dach

In vielen Küchenschubladen Frankreichs liegen scharf geschliffene Opinel-Messer – gerne in nicht-rostfreier und besonders großer Ausführung, die bis zur Größe No°13 mit 22 Zentimeter langer Klinge reicht. Vermutlich ist das Opinel weltweit das meistgenutzte Messer Frankreichs. Selbst Menschen, die sonst nichts mit Messern anfangen können, greifen auf Reisen gern zum Opinel. Das hat gute Gründe. Denn die dünnen und fein ausgeschliffenen Klingen, wie sie typisch fürs Opinel sind, schneiden exzellent – egal ob man die Varianten aus rostbeständigem Schwedenstahl 12C27 nimmt oder diejenigen aus besonders feinkörnigem, nicht-rostfreiem Carbonstahl XC90. Die Messer sind durch den Virobloc bediensicher, leicht zu schärfen, wiegen praktisch nichts, liegen gut in der Hand, sehen freundlich aus und kosten wenig. Eine der beliebtesten Größe ist das N°8 mit einer 8,1 Zentimeter langen Klinge – 40 Gramm reine Funktion.

Die Geschichte des Opinel-Messers begann im Dorf Albiez-le-Vieux bei Saint-Jean-de-Maurienne. Daniel Opinel betrieb dort eine kleine Schmiede. Sein Sohn Joseph entwickelte 1890 ein Klappmesser, das maschinell in Serie gefertigt werden konnte. Dessen Kern war und ist ein aus einem Stück Holz gedrechselter Griff, in den mit der Säge ein Schlitz für die Klinge angebracht wurde. Der nach innen abgesetzte Achsenbereich wurde mit einem Metallring als Griffzwinge verstärkt, über den die standardisierte Klinge vernietet wurde. Eine Arretierung gab es damals noch nicht – den inzwischen weltbekannten Virobloc-Drehring entwickelte man erst im Jahr 1955.


Verlässlich: ein Opinel aus der Édition Amour und ein limitiertes Jubiläumsmodell ohne Arretierung

14 Das Douk-Douk
Magisch genial


Mehr Magie: Neben dem traditionellen Modell Sorcier (Zauberer) fertigt M.C. Cognet – zum Teil noch immer auf den alten, teilweise deutschen Maschinen seines Großvaters – auch andere Varianten.

Gaston Cognet entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts ein preiswertes, aber vielseitig nutzbares Messer mit genial einfacher Konstruktion, das aus lediglich sechs Teilen besteht: einer vernieteten Klinge aus feinkörnigem Kohlenstoffstahl, deren Form an einen türkischen Krummsäbel erinnert, einem Griff aus gefalztem Blech, der starken Rückenfeder, die sich entlang des geschlossenen Griffrückens zieht und die ausgeklappte Klinge in Arbeitsposition hält sowie einem ebenfalls vernieteten Bügel am Ende des Griffes, um einen Fangriemen zu befestigen.


Preiswert und stabil

Dieses Messer war kostengünstig in der Herstellung, dabei aber von belastbarer Natur und geeignet für die Arbeit auf dem Feld und im Garten. Trotzdem hatte Gaston Cognet, im Gegensatz zu Joseph Opinel und dessen preiswerten Holzgriff-Messern, nur wenig Erfolg in Frankreich. Stattdessen verkaufte sich Cognets Messer umso besser in Mikronesien.

Ein neugierig gewordener Cognet reiste daraufhin in den Südpazifik, wo er auf den Geheimbund Duk-Duk aufmerksam wurde, zu dessen Symbolen eine mysteriöse, in Laubblätter gekleidete Figur gehört, die einen kegelförmigen Helm trägt. Gognet war fasziniert, benannte seine Messer Douk-Douk und ließ die Sagenfigur als Glücksbringer auf die Messergriffe drucken.

Nach dem Erfolg in Mikronesien wurden seine robusten Messer zum Importschlager in den französischen Kolonien Nordafrikas und schließlich auch in Frankreich ein Erfolg. Heute ist das Douk-Douk eine Stil-Ikone und neben Laguiole und Opinel der dritte französische Messerklassiker.

15 Das Mercator-Messer
Unverwüstlich und minimalistisch

Einfachheit setzt sich durch – beim Mercator-Messer trifft das zumindest zu. Das Taschenmesser wird seit 1867 in nahezu unveränderter Ausführung produziert – zunächst von Heinrich Kaufmann & Söhne, Indiawerk, seit 1995 von Otter aus Solingen. Im Alltag, aber gerade auch an den Kriegsfronten war ein verlässliches Messer eines der wichtigsten Werkzeuge. Denn obwohl das Mercator-Messer nie offizieller Ausrüstungsgegenstand einer Armee war, lernte schon das Heer Kaiser Wilhelms die Qualitäten des Mercators zu schätzen. Und auch im Ersten Weltkrieg fanden die Soldaten im Mercator einen funktionellen Begleiter, der Konservendosen öffnete, Brot teilte und mit dessen Hilfe die Ausrüstung repariert und angepasst wurde.

Sein minimalistischer Aufbau macht das Mercator geradezu unverwüstlich. Der Rahmen und zugleich Griff des Messers besteht aus einem gefalzten, lackierten Stahlblech, in dem eine vernietete Klinge und eine Rückenfeder-Arretierung sitzen. Sollte die Klinge im Gebrauch leichtes Spiel bekommen, staucht man die überstehenden Nietköpfe einfach ein wenig, und schon passt wieder alles. Die einfachen, aber ordentlichen Stähle, mit denen die Klinge gefertigt wird, sind belastbar und leicht zu schärfen. Was will man also mehr?


Seit über 100 Jahren praktisch unverändert: das Mercator

Auf dem Sprung

Viele GIs, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, kennen das Mercator aufgrund seiner Bildmarke – eine Katze mit den Kürzeln K55K – unter dem Namen Black Cat Knife. Das K steht für Kaufmann, 55 für Hochstraße 55 (die ursprüngliche Firmenadresse) und das zweite K für das Symbol Katze. Die Soldaten brachten das Messer nach Amerika, wo es weite Verbreitung und Kultstatus erlangte. In den 1960er- und 1970er-Jahren soll das Mercator in der Bronx eine der am häufigsten eingesetzten Waffen gewesen sein.

16 Benchmade 710
Von Schmetterlingen und Sperrbolzen

Die Anfänge des Messerherstellers Benchmade reichen bis ins Kalifornien der 1980er-Jahre zurück, als Les Asis zunächst das Unternehmen Bali-Song gründete und gemeinsam mit Jody Samson Butterflymesser fertigte. Eine Reminiszenz an diesen Messertyp, im Englischen als Bali-Song bezeichnet, findet sich bis heute in Benchmades Logo, einem Schmetterling. Noch immer fertigt man bei Benchmade Bali-Songs. Doch als die US-Messermacher Bill McHenry and Jaon Williams (übrigens Vater und Stiefsohn) Anfang der 1990er das Unternehmen kontaktierten, um dort eine neu entwickelte Arretierung vorzustellen, brachte das revolutionäre Umwälzungen bei Benchmade mit sich. Benchmade sicherte sich die exklusiven Rechte an der zunächst namenlosen Arretierung und verwendet sie seit 1999 bei einem überwiegenden Teil der Klappmesser unter der Bezeichnung AXIS-Lock.

Das Modell 710 machte dabei den Anfang und wurde zur Technologie- und auch Design-Ikone: Die schlanke und gestreckte Form, die das 710er zu einer Mischung aus Gentlemans Messer, Sportmesser und Tactical Folder macht, übt auch heute noch einen besonderen Reiz aus.


Das 710 nach einem Design von McHenry und Williams.

Unter Spannung

Beim AXIS-Lock ist ein – zwischen den Griffhälften sitzender – Stahlbolzen quer zur Längsrichtung eingesetzt. Er läuft in einer stählernen Grundplatte und schaut mit seinen Enden auf beiden Seiten der Griffschalen hervor. Durch die Kraft U-förmiger Omegafedern wird der Bolzen in Richtung Klinge gedrückt. Bei ausgeklappter Klinge federt der Bolzen dabei in eine Aussparung an der Klingenwurzel oberhalb der Klingenachse. Die Klinge kann erst wieder eingeklappt werden, wenn man den Bolzen manuell gegen die Federkraft zurückschiebt. Das Tolle an dieser Arretierung ist, dass durch die Federbelastung etwaige Abnutzungserscheinungen ausgeglichen werden und die Arretierung damit auch nach Jahren spielfrei arbeitet. Zudem kann sie mit der rechten oder der linken Hand entriegelt werden. Wenn es einen Schwachpunkt gibt, ist das die dauerhafte Belastbarkeit der Federn.

17 Das Sebenza
Nicht mehr wegzudenken

Der südafrikanische, aber seit Jahrzehnten in Idaho, USA, lebende Messermacher Chris Reeve hat mit seinem Integral Lock die Messerlandschaft verändert. Wem »Integral Lock« nichts sagt, wird die Arretierung unter dem Begriff Frame-Lock (s. auch Kapitel 7) kennen.

Reeve ist aber auch insofern ein Phänomen, dass er es beständig schafft, sich mit nur einer Handvoll – mehr oder weniger – unterschiedlicher Modelle an der Weltspitze der renommiertesten Hersteller zu halten. Dieser Erfolg ist vor allem auf ein Messer zurückzuführen: das Sebenza¡, das Chris Reeve seit 1987 baut.

Der Modellname Sebenza¡ stammt aus der Sprache der Zulu. Er bedeutet »Arbeit« und ist damit einerseits eine Reminiszenz an die südafrikanische Heimat von Chris Reeve, und umschreibt andererseits auch den intendierten Einsatzzweck des Messers. Doch schon damals sollte es nicht irgendein Arbeitsmesser werden, sondern das Beste. An dieser Prämisse hat sich nichts geändert. Und auch das Messer selbst hat sich in den letzten drei Jahrzehnten kaum verändert. Es besitzt in der Grundversion noch immer einen stabilen Griff aus selbsttragenden Titanschalen ordentlicher Stärke. Der Frame-Lock trägt inzwischen zwar einen formschönen Keramikeinsatz, der Abnutzungsspuren am arretierenden Titan-Arm verhindert, arretiert die Klinge aber genauso verlässlich wie immer. Und die breite Clip-Klinge mit starkem Rücken und hoch ansetzendem, aber moderatem Hohlschliff schneidet sich immer noch ganz hervorragend durch alles, was man ihr vor die Schneide setzt – inzwischen nicht mehr mit ATS-34-Stahl, sondern mit CPM-S35VN.

Hoher Anspruch: Das Modell Sebenzai von Chris Reeve setzte funktional neue Maßstäbe.

18 Das Spyderco Endura
Von der tragbaren Hand zum »State of the Art«-Messer

Die Geschichte des US-amerikanischen Messerherstellers Spyderco steckt voller Neuentwicklungen. Eine davon war die tragbare Hand, die Firmengründer Sal Glesser für Juweliere und Bastler fertigte. Das Gerät fixierte Kleinteile so, dass man mit beiden Händen daran arbeiten konnte. Die spinnenartige Optik der portable hand und Sals Vorliebe für Spyder-Sportwagen dürften auch Einfluss auf die Namensgebung und das Logo des Unternehmens, eine Spinne, gehabt haben. Kurz darauf wurden die ersten Messerschärfer entwickelt, noch heute ein wichtiger und empfehlenswerter Bestandteil des Produktsortiments.

Als Spyderco 1981 das Worker auf den Markt brachte, veränderte das die Messerwelt grundlegend. Klappmesser mit Clip und Einhand-Öffnungshilfe, wie sie das Worker erstmals zeigte, wurden seitdem zum Standard.

Das Worker wird nicht mehr hergestellt, doch das nur wenig später entwickelte Endura ist seit fast 30 Jahren ein Bestseller und wird jedes Jahr neu aufgelegt. Die erste Version hatte Griffschalen aus Edelstahl und eine nahezu dreieckige Hohlschliffklinge. Die aktuellen Versionen besitzen fast alle FRN-Schalen und eine Flachschliffklinge. Doch mit seiner unverändert-charakteristischen Kontur wirkt das Endura auch heute noch wie ein prähistorisches Raubtier. Dank des hochgezogenen Schliffes ist es ein exzellentes Schneidwerkzeug, das mit seiner nahezu 10 Zentimeter langen Klinge auch bei größeren Schneidaufgaben zupackt, dabei aber – dank Clip und leichtgewichtigem Aufbau – nicht aufträgt.


Drei Generationen: Die Hände gehören – aufsteigend – Sal Glesser, dem Spyderco-Firmengründer, seinem Sohn Eric und seinem Enkel Kobe: Sie halten ein Endura (unten), ein Delica (Mitte) und ein Dragonfly.

19 Das Bowie
Die wahre Wild-West-Legende

Das Bowie ist nicht einfach nur ein Messer. Es ist ein Mythos. Denn der Mann, der dem berüchtigten Bowie zu seinem Namen verhalf, ist eine texanische Legende. James Bowie wurde 1796 in Kentucky geboren und wuchs in Louisiana auf. Er führte ein Leben, das von Abenteuerlust und Draufgängertum, Trunksucht, Sklavenhandel und Landspekulationen geprägt war. Im texanischen Unabhängigkeitskrieg nahm er eine führende Rolle ein. Den Kampf um »Fort Alamo« im Jahr 1836, eine ehemalige spanische Missionsstation in der heutigen Stadt San Antonio, konnten er und seine Männer gegen die zahlenmäßig überlegenen mexikanischen Soldaten zwar nicht gewinnen. Doch nach dem Fall von Alamo erhielt die texanische Armee so starken Zulauf, dass der Unabhängigkeitskrieg schlussendlich gewonnen wurde. Das Bowie-Messer eroberte seinen Platz in der US-Geschichte bereits rund zehn Jahre zuvor. Die Geschichte dazu geht so: Als James Bowie um die 30 Jahre alt war, wurde er bei einer privaten Fehde mit dem Sheriff Norris Wright, bei der es um politische Unterstützung und abgelehnte Kredite ging, durch einen Schuss von diesem verletzt. Seitdem trug er immer ein großes Messer bei sich. Es soll eine fast 24 Zentimeter lange und 3,5 Zentimeter breite Klinge gehabt haben.


Pointiert: Die schnabelförmige Klinge gilt heute als typisch für ein Bowie. Hier drei Modelle von Muela, Hubertus und SOG (von oben nach unten).

1827, fast genau ein Jahr nach diesem Zwischenfall, standen sich Bowie und Wright als Sekundanten zweier Duellisten erneut gegenüber. Das Duell fand auf einer Sandbank nahe Natchez, Mississippi, statt und geriet nach dem eigentlich friedlichen Ende – keiner der Duellisten wurde verletzt – völlig außer Kontrolle. Schüsse fielen, Klingen wurden gezogen, und in einem Kampf zwischen Bowie und Wright erstach Bowie, vom Stockdegen Wrights bereits schwer verletzt, seinen Gegner. Dieser Vorfall und weitere Auseinandersetzungen, in denen Bowie mit seinem Messer kämpfte, gingen so lange durch die Presse, bis jeder »echte Mann« ein Messer wie das von Bowie, also ein »echtes Bowie« haben wollte.


Handelsgut mit den Indianern

In damaligen Berichten wird Bowies Messer gelegentlich auch als »Butcher Knife«, also Fleischermesser beschrieben. Daran könnte etwas sein, lieferten die Sheffielder Messerhersteller doch bereits im 18. Jahrhundert Butcher Knives und auch Scalpers, einfachere Varianten des Fleischermessers, nach Amerika. Dort wurden die Messer vor allem als Handelsgut mit den Indianern gebraucht und für die alltäglichen Arbeiten, denen sich die Mountain Men und Pioniere ausgesetzt sahen, eingesetzt. »Butcher Knife« war jedoch auch ein Begriff, der von den Zeitungen in reißerischer Manier für Messer verwendet wurde, die für Bluttaten eingesetzt wurden. Wie Bowies Messer genau aussah, ist nicht klar. In den Jahren nach seinem »Sandbar Fight« schärfte sich das Profil der Bowie-Messer jedoch. Man versteht darunter vor allem ein großes, mächtiges und auch stabiles Messer, das typischerweise eine Clip-Klinge (also mit geradlinig oder konkav abgesenkter Spitze) und einen beidseitigen Handschutz besitzt.

Spottdrossel

In dem US-Outdoor-Klassiker »Woodcraft« macht sich George W. »Nessmuk« Sears geradezu lustig über seine Landsleute, die riesige Bowies durch die Wälder schleppen, und empfiehlt stattdessen folgende Kombination, die kaum mehr als die typischen Bowies der damaligen Zeit wiegt: ein zweiklingiges Klappmesser, ein feststehendes Jagdmesser mit schneideffizienter Klingengeometrie und ein doppelschneidiges Beil.

20 Das Barlow-Messer
Im nationalen Bewusstsein

Das Barlow-Messer ist ein einfaches Klappmesser und doch (oder gerade deswegen?) ein echter US-amerikanischer Klassiker. Das Barlow wurde von armen Fabrikarbeitern genauso wie von US-amerikanischen Präsidenten wie George Washington verwendet und ist durch seine Auftritte in Klassikern der US-Literatur wie »Huckleberry Finn« und Folksongs eingebrannt ins nationale Bewusstsein.

Das Barlow stammt ursprünglich aus Sheffield, wurde ab den 1870ern aber vor allem in den USA gefertigt. Die John Russell Company war vielleicht der erste US-Hersteller, der Barlow-Messer in Massenproduktion herstellte. Anstelle des Wortes Barlow auf den Backen wurden sie mit Russells Zeichen, einem von einem Pfeil durchdrungenen R, gestempelt. Heute sind diese Russell Barlows wertvolle Antiquitäten.

Das Barlow war nie ein Messer der Upper-Class. Es wurde entwickelt, um robust und erschwinglich zu sein. Um den Preis niedrig zu halten, bestanden die Klinge aus Kohlenstoffstahl und der tropfenförmige Griff aus Knochen. Für aufwendiges Polieren wurde keine Zeit aufgewendet. Um dem Messer eine erhöhte Stabilität zu geben, sind die Eisen- oder Neusilberbacken dick und besonders lang ausgeführt. Neben einklingigen Ausführungen gibt es auch zweiklingige; dann findet sich neben der Clip-Klinge oft noch eine kurze Pen-Klinge am Messer.


US-Klassiker: ein Master Barlow, wie es auch in einer Szene des Südstaaten-Dramas »Grüne Tomaten« zu sehen ist

Volksheld

Hier eine kurze Zusammenfassung typischer Folksong-Zeilen: »I worked in the cotton mill all my life / Nothin’ to show but a barlow knife / (alternativ: I’ve been a poor boy all my life oder I’ve been a whittler all my life) / and all I got was a barlow knife / Barlow handle and a Barlow blade.«

21 Cowboy-Messer
Auf Trails und Ranches

Breitkrempiger Hut, hochhackige Stiefel, ein sechsschüssiger Colt am Gürtel und der Gewehrkolben mit Kerben für jeden Erschossenen verziert – so wird der Cowboy des Wilden Westens oft dargestellt. Doch – neben Chaps, Handschuhen, Hut, Bandana und der essenziellen Bettrolle mit anderen Habseligkeiten – war es das Messer und nicht der Revolver, auf das die Cowboys wirklich angewiesen waren.

Messer wurden benutzt, um Seile und Rohleder für Peitschen und Lassos zuzuschneiden, um Steine aus den Hufen des Pferds zu hebeln, um am Morgen Speck fürs Cowboy-Frühstück zu schneiden oder kleinere Jagdbeute auszunehmen, um die Bohnen umzurühren oder um Holz für ein Kochfeuer vorzubereiten.


Messer bei der Arbeit

In den empfehlenswerten Büchern »Cowboy Culture« von David Dray und »Old-Time Cowhand« von Ramon Adams werden bei Beschreibungen der Arbeit auf der Ranch auch Messer genannt. Bei Dray heißt es: »… ein anderer Cowboy holt sein Taschenmesser heraus – das er kurz zuvor extra geschärft hat – und beginnt, das Ohr des Kalbes einzuschneiden«. An anderer Stelle ist zu lesen: »Sie hockten tief auf den Fersen, drehten Zigaretten und schärften ihre Messer auf kleinen Schleifsteinen, während die Eisen heiß wurden.« Die Messer wurden dabei nicht nur zum Markieren der Kälber benutzt, sondern auch, um Jungbullen zu kastrieren, um die Schnürungen von Heuballen zu kappen oder einen Apfel in mundgerechte Stücke zu teilen.


Typische Cowboy-Messer: Handliche Arbeitsmesser wie das Klappmesser (unbekannt) und das Case Medium Stockman (unten; beide mit Pfriem) waren unverzichtbar im harten Alltag der Cowboys.

Gefährlicher Zeitvertreib – Mumblety-Peg

Zu den Messerspielen der damaligen Zeit gehörte Mumblety-Peg. Bei einer Variante wirft der eine Mitspieler das Messer so tief er kann mit der Klinge voraus in die Erde. Sein Gegner muss es dann mit den Zähnen ziehen. In einer anderen Variante wirft man das Messer so nah es geht neben den eigenen Fuß in die Erde. Wer näher dran ist, gewinnt. Treffer gelten übrigens per se als Gewinn.

Doch welche Messer nutzten die Cowboys? Sicherlich hatten viele Cowboys feststehende Messer, die jedoch vermutlich mit anderen Habseligkeiten in der Bedroll verstaut waren. Immer dabei war jedoch ein Taschenmesser – günstig, denn das hart verdiente Geld wurde lieber für Tabak, Whiskey und Frauen ausgegeben, aber von kräftiger Natur. Ein Messer, das leicht scharf zu halten ist und dessen Klinge man auch mit Handschuhen ausklappen konnte.

In den 1870er-Jahren begannen immer mehr Hersteller, Klappmesser herzustellen, die speziell für die Arbeit auf der Ranch und den Viehtrails vermarktet wurden. Die Stockman-Messer haben meist einen leicht S-förmig geschwungenen Griff mit Backen an beiden Enden und drei Klingen: eine lange Clip-Klinge und kürzere Klingen wie Sheepsfoot (Schaffuß, zum Trimmen der Hufe), eine Spey-Klinge (auch Kastrierklinge) oder eine Pen-Klinge zum Anspitzen von Federkielen oder Bleistiften. Eine der kurzen Klingen wurde häufig auch durch eine Ahle oder einen Pfriem ersetzt, der gerade bei der Arbeit mit Leder sehr hilfreich sein kann.


Weggepackt: Neben ein -oder mehrklingigen Taschenmessern gehörten sicher auch feststehende Messer zur Grundausstattung der Cowboys und Ranch-Arbeiter.

22 Buck Knives
Ich war mal eine Feile …


Wegweisend: Das Buck 110, hier in einer Sonderversion mit 5160-Klinge und Eichenholzgriffschalen, ist eines der meistkopierten Messer der Welt.

Hoyt Buck fertigte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als Schmiedegeselle seine ersten Werkzeuge und Messer. 1945 gründete er mit seinem ältesten Sohn Al »H. H. Buck and Son« – seitdem wird Buck Knives von einem Mitglied der Buck-Familie geleitet. Zu Beginn wurden die Buck-Messer aus gebrauchten Metallfeilen hergestellt, die sie von Consolidated Vultee, einem riesigen Flugzeughersteller, kauften. Die Feilen waren zwar abgenutzt, aber mit ihrem feinen Gefüge und hohem Kohlenstoffgehalt perfekt geeignet für belastbare und schnitthaltige Klingen.

1963 wurde die Fertigung eines neuen Jagdklappmessers beschlossen, das ab 1964 produziert wurde. Das Buck Model 110 ging in die Geschichte ein – als Stilikone und Maßstab für funktionelles Messerdesign. Kennzeichnend ist die 9,5 Zentimeter lange Clip-Point-Klinge mit Hohlschliff, die sich zum Ausnehmen und Häuten von Wild eignet. Sie ist in einem Rahmen aus massivem Messing – die Backen des Klassikers sind integraler Teil der Platinen – vernietet. Mit dem Buck 110 trat auch die robuste Back-Lock-Verriegelung ihren Siegeszug an. Noch heute ist die Rückenfeder-Arretierung eine der beliebtesten und sichersten Klingenverriegelungen. Damit galt das Buck 110 als eines der ersten Klappmesser, das es in Sachen Belastbarkeit mit einem feststehenden Messer aufnehmen kann. Seit dieser Zeit findet man das Buck 110 – meist in ledernen Etuis, denn mit gut 200 Gramm trägt es in der Hosentasche doch etwas auf – an den Gürteln von Jägern, Soldaten, Outdoor-Männern, Truckern, Bikern, Arbeitern – eben bei allen, die sich auf die Schneidkraft und Stärke ihres Messers verlassen.

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Дата выхода на Литрес:
12 ноября 2024
Объем:
319 стр. 183 иллюстрации
ISBN:
9783964530202
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Bookwire
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