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Tägliche Erneuerung

Ole Hallesby


Übersetzt aus dem Norwegischen

Anmerkung: Zum Thema Taufe vertritt der Verlag nicht die Sicht des Autors.

Ole Hallesby

Tägliche Erneuerung

1. Auflage 2015

© Lichtzeichen Verlag GmbH, Lage

Übersetzung: Bruno Spießwinkel

E-Book Erstellung:

LICHTZEICHEN Medien - www.lichtzeichen-medien.com

ISBN: 978-3-86954-829-6

Bestell-Nr. 548829

InhaltVorwort1. Januar2. Januar3. Januar4. Januar5. Januar6. Januar7. Januar8. Januar9. Januar10. Januar11. Januar12. Januar13. Januar14. Januar15. Januar16. Januar17. Januar18. Januar19. Januar20. Januar21. Januar22. Januar23. Januar24. Januar25. Januar26. Januar27. Januar28. Januar29. Januar30. Januar31. Januar1. Februar2. Februar3. Februar4. Februar5. Februar6. Februar7. Februar8. Februar9. Februar10. Februar11. Februar12. Februar13. Februar14. Februar15. Februar16. Februar17. Februar18. Februar19. Februar20. Februar21. Februar22. Februar23. Februar24. Februar25. Februar26. Februar27. Februar28. Februar29. Februar1. März2. März3. März4. März5. März6. März7. März8. März9. März10. März11. März12. März13. März14. März15. März16. März17. März18. März19. März20. März21. März22. März23. März24. März25. März26. März27. März28. März29. März30. März31. März1. April2. April3. April4. April5. April6. April7. April8. April9. April10. April11. April12. April13. April14. April15. April16. April17. April18. April19. April20. April21. April22. April23. April24. April25. April26. April27. April28. April29. April30. April1. Mai2. Mai3. Mai4. Mai5. Mai6. Mai7. Mai8. Mai9. Mai10. Mai11. Mai12. Mai13. Mai14. Mai15. Mai16. Mai17. Mai18. Mai19. Mai20. Mai21. Mai22. Mai23. Mai24. Mai25. Mai26. Mai27. Mai28. Mai29. Mai30. Mai31. Mai1. Juni2. Juni3. Juni4. Juni5. Juni6. Juni7. Juni8. Juni9. Juni10. Juni11. Juni12. Juni13. Juni14. Juni15. Juni16. Juni17. Juni18. Juni19. Juni20. Juni21. Juni22. Juni23. Juni24. Juni25. Juni26. Juni27. Juni28. Juni29. Juni30. Juni1. Juli2. Juli3. Juli4. Juli5. Juli6. Juli7. Juli8. Juli9. Juli10. Juli11. Juli12. Juli13. Juli14. Juli15. Juli16. Juli17. Juli18. Juli19. Juli20. Juli21. Juli22. Juli23. Juli24. Juli25. Juli26. Juli27. Juli28. Juli29. Juli30. Juli31. Juli1. August2. August3. August4. August5. August6. August7. August8. August9. August10. August11. August12. August13. August14. August15. August16. August17. August18. August19. August20. August21. August22. August23. August24. August25. August26. August27. August28. August29. August30. August31. August1. September2. September3. September4. September5. September6. September7. September8. September9. September10. September11. September12. September13. September14. September15. September16. September17. September18. September19. September20. September21. September22. September23. September24. September25. September26. September27. September28. September29. September30. September1. Oktober2. Oktober3. Oktober4. Oktober5. Oktober6. Oktober7. Oktober8. Oktober9. Oktober10. Oktober11. Oktober12. Oktober13. Oktober14. Oktober15. Oktober16. Oktober17. Oktober18. Oktober19. Oktober20. Oktober21. Oktober22. Oktober23. Oktober24. Oktober25. Oktober26. Oktober27. Oktober28. Oktober29. Oktober30. Oktober31. Oktober1. November2. November3. November4. November5. November6. November7. November8. November9. November10. November11. November12. November13. November14. November15. November16. November17. November18. November19. November20. November21. November22. November23. November24. November25. November26. November27. November28. November29. November30. November1. Dezember2. Dezember3. Dezember4. Dezember5. Dezember6. Dezember7. Dezember8. Dezember9. Dezember10. Dezember11. Dezember12. Dezember13. Dezember14. Dezember15. Dezember16. Dezember17. Dezember18. Dezember19. Dezember20. Dezember21. Dezember22. Dezember23. Dezember24. Dezember25. Dezember26. Dezember27. Dezember28. Dezember29. Dezember30. Dezember31. Dezember

Vorwort

Der aus einer Bauernfamilie stammende Ole Kristian Hallesby (*1879, †1961) zählt zu den bekanntesten Erweckungspredigern Norwegens und ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Als junger Mann überrascht er seine Eltern mit der Nachricht, Theologie studieren zu wollen. Während seines Studiums zerbricht sein kindlicher Glaube. Als er eines Tages von einem gläubigen Theologieprofessor gefragt wird: „Na Ole, wann willst du Christ werden?“, trifft ihn diese Frage tief und lässt ihm keine Ruhe, bis er sich nach schweren inneren Kämpfen zur klaren und entschiedenen Nachfolge Jesu durchringt. Er bekennt vor Gott seine Schuld und fängt ein neues Leben an.

Als bekennender Christ evangelisiert Hallesby und folgt später dem Ruf an die kirchenunabhängige Gemeindefakultät in Oslo. Er wird Professor für Systematische Theologie. Nach wenigen Jahren wird ihm die Leitung dieser Einrichtung übertragen, die bibeltreue Pfarrer ausbildet. Zugleich ist er zuständig für die innere Mission Norwegens. Hallesby lässt keinen Zweifel daran, dass die Bibel in ihrer Gesamtheit das wahre Wort Gottes ist. Gerade weil Hallesby konsequent und nachhaltig am christlichen Bekenntnis festhält und sich einer wachsenden Liberalisierung der Heiligen Schrift entgegenstellt, nennt man ihn in der gleichnamigen Biografie „Der Fels aus Norwegen“. Zu Beginn der deutschen Besatzung Norwegens wird er als erklärter Gegner des Naziregimes inhaftiert und muss von 1943 bis 1945 in das Konzentrationslager Grini.

Viele seiner Bücher und Schriften begleiten bis heute viele Christen. Alle Andachten in „Tägliche Erneuerung“ stammen aus der Feder von Hallesby und wurden von Bruno Spießwinkel ins Deutsche übersetzt. Bei der redaktionellen Überarbeitung wurden Begrifflichkeiten dem heutigen Sprachgebrauch angenähert, ohne dabei den Sprachstil des Autors zu verändern. Jede einzelne Andacht soll dem Leser vor Augen führen, dass ihm beim Lesen der Bibel das heilige Wort Gottes begegnet.

Warum ich diese Andachten übersetzte:

Ole Hallesby (1879-1961) wurde als Theologiestudent eines Tages von seinem Professor gefragt: „Na Ole, und wann willst du Christ werden?“ Das traf ihn tief und lies ihm keine Ruhe, bis er sich nach schweren inneren Kämpfen zur klaren und entschiedenen Nachfolge Jesu durchgerungen hatte. Er wurde Direktor der Gemeindefakultät in Oslo und einer der bedeutendsten Christen seines Landes. Als erklärter Gegner der Nazis musste er 1943 ins KZ. In Deutschland wurde er besonders durch sein Buch „Vom Beten“ (orig. aus dem norweg. „Von der Welt des Gebets“) bekannt.

Seine Andachten, die hauptsächlich für die eigene Hausgemeinde geschrieben wurden, zeichnen sich darin aus, dass sie den Hörer oder Leser fast immer ganz persönlich ansprechen. Innerhalb eines halben Jahres habe ich für zwei verschiedene Gottesdienste je eine solche Andacht übersetzt und dann zur Unterstützung meiner Predigt vorgelesen. In beiden Fällen wurde ich nach dem Gottesdienst um eine Abschrift der Andacht gebeten. Das brachte mich auf den Gedanken alle 365 Andachten in unsere Sprache zu übertragen. Ich bin sicher, dass sie auch noch heute in unserem Land für so manchen Leser zum Segen werden.

1. Januar

Von seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.

Johannes 1,16

Diese Worte legen ein göttliches Licht über das Jahr, das nun zu Ende ging. Da steht, wir alle empfingen. Die meisten von uns sehen wohl mehr auf das, was wir verloren. Einige haben vielleicht viel verloren. Manche verloren Geld, andere ihre Gesundheit und andere jemand von ihren Lieben.

Und nun, beim Jahreswechsel hast du womöglich oft empfunden, wie arm du nun bist und wie reich du warst, als das Jahr begann. Welche Veränderung kann doch im Laufe eines Jahres in einem Haus geschehen?! Dennoch sagt unser Vers: Wir haben alle empfangen. Ja, wir empfingen alle, auch die, die verloren und viel verloren haben. Das war es, woran uns Gott erinnern wollte, als wir das alte Jahr verließen. Wir alle empfingen, denn Gott tut nichts anderes als zu geben. Und er gibt allen, den Bösen und den Guten. Und er gibt nur gute Gaben. Aber er kann nicht allen gleich viel schenken, denn es gibt doch viele, die nichts anderes haben möchten als „zeitliche“ Gaben. Denn weiter steht da, dass wir alle „Gnade“ empfingen. Ja, die bekommen wir alle. Alle Gottesgaben, die zeitlichen ebenso wie die geistlichen, sind Gnade. Niemand von uns hat auch nur eine einzige der Gaben, die er empfing, verdient. Da ist es gut, das alte Jahr so zu beschließen, dass wir sehen, es war Gnade, was es uns von Gott brachte. Und es ist gut, das neue Jahr so zu beginnen, dass wir sehen: es ist Gnade, was wir bekommen werden. Wir werden empfangen nicht nach unserem Verdienst. Aber jeder neue Tag soll uns neue Gnade bringen und neue Wohltaten Gottes.

2. Januar

Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

1.Korinther 13,6-7

Der Liebe gutwilliger Sinn hat eine eigene Art, andere zu verstehen. Das hängt damit zusammen, dass das neue Leben der Liebe in uns nie hervortreten kann, solange wir nicht uns selbst und unseren eigenen inneren Seelenschaden erkennen. Und der, der seine eigene Sünde spürt, ist immer schnell bereit, andere zu verurteilen. Da ist etwas in ihm, das möchte gerne wissen, ob der andere alles auch so schlimm meinte, wie es nun den Anschein hat. Bei jedem weltlichen Gerichtsverfahren ist es der Verteidiger, der die Aufgabe hat, auf die „mildernden“ Umstände hinzuweisen.

Ist da auch in uns ein ähnlicher Verteidiger, der uns auf die mildernden Umstände bei unserem Bruder hinweisen darf? Leider gibt es viele, die diesen Verteidiger abgesetzt haben! Darum floriert auch unter Christen die üble Nachrede so sehr.

Die gleiche Liebe entschuldigt nicht nur den fehlsamen Bruder, sie züchtigt auch. Das ist gewiss die schwerste Pflicht der Liebe. Aber sie kann nicht anders, denn sie freut sich an der Wahrheit. Diese Seite der Liebe brauchen wir Christen der Gegenwart. Wir Christen heute haben es dringend nötig, auf diese Seite der Liebe zu achten. Denn unter uns gibt es nur wenig ehrliche und liebevolle Bruderzucht. Die Richtungen stehen sich oft gespannt gegenüber. Die Brüder der eigenen Richtung wagt man doch nicht zu tadeln, weil man sonst fürchtet, Truppen zu verlieren. Und den Brüdern in der anderen Partei sollte man sich aus guten Gründen nicht nähern. Also wird hinter dem Rücken geredet. Und hier droht eine Gefahr, die größer ist als die meisten anderen.

3. Januar

Von seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.

Johannes 1,16

Vorgestern sahen wir, dass wir im vergangenen Jahr Gnade empfangen haben. Heute hören wir, dass wir sogar noch einiges mehr bekamen, nämlich „Gnade über Gnade“. Das ist ein merkwürdiger Ausdruck. Aber noch merkwürdiger sind die Erlebnisse, die wir machen, wenn wir Gnade über Gnade erhalten. Wir alle erleben ab und zu Dinge, die wir nicht verstehen. Hattest du nicht ähnliche im vergangenen Jahr? Ich glaube, dass diese dir das Wort „Gnade über Gnade“ erhellen können.

Was erlebtest du? Waren es Anfechtungen? Kamst du in eine so furchtbare geistliche Dunkelheit, dass dir schien, du müsstest darin versinken? Eine Zeit lang dachtest du, du wärst von Gott abgefallen. Aber das war „Gnade über Gnade“! Das war Gnade gegen ein Selbstvertrauen, das angefangen hatte, sich in dein Glaubensleben einzuschleichen. Das war Gnade, um Gnade empfangen zu können. Gnade, um unter das Kreuz zu gelangen. Oder gerietest du in eine große Unannehmlichkeit, ein böses Gerücht oder ein gestörtes Verhältnis zu einem deiner Freunde? Es tat dir sehr weh und du fragtest dich selber, warum du in all das hineingeraten musstest. Aber frage dich nun, ob das nicht alles Gnade um Gnade war, was du erlebtest. Gott gab dir Gnade gegen deine Eigensinnigkeit, Gnade dazu, dass du ein demütiges und sanftmütiges kleines Gotteskind werden kannst. Und gleichzeitig bekamst du Gnade, beten zu können. Wir alle bekamen, steht da in unserem Text. Auch du, der du nichts angenommen hast. Gott reichte dir dennoch Gaben. Von seiner Gnade haben wir alle genommen. Auch du! Denke nur, welch eine Gnade, dass du heute lebst und nicht in der Qual der Hölle liegst. Und welche Gnade, dass Gott dich noch heute ruft.

4. Januar

„Herr, lass ihn noch dieses Jahr stehen, dass ich ihn umgrabe und dünge, vielleicht trägt er dann nächstes Jahr Frucht, wenn nicht, dann haue ihn ab.#x201C;

Lukas 13,8-9

Hier erzählt Jesus etwas von dem, was beim Jahreswechsel hinter dem Vorhang geschieht. Im Himmel wird über die unfruchtbaren Bäume geredet. Davon stehen viele im Garten Gottes. Eine Zeit lang ging alles gut. Sie wuchsen und trugen Frucht: Das eines jungen Menschen vertrauliche Leben mit Gott. Aber dann stockte das Wachstum, es gab keine Frucht. Der Kleine war groß genug geworden, um sich von Gott losreißen zu können.

Die da oben haben ständig, jedes Jahr, nach dem Baum gesehen und ihn versorgt. Jedes Jahr warteten sie darauf, er möge Früchte tragen. Ebenso können die unbekehrten Menschen Jahr für Jahr in ihren Sünden leben unter Gottes Schutz und unter seinem Ruf. Aber dann kommt eine Krise. Das ist die, von der Jesu Wort uns heute erzählt. Es wird davon gesprochen, den unfruchtbaren Baum abzuhauen, weil er im Wege steht. Der unbekehrte Mann hindert seine Frau, die unbekehrten Eltern ihre Kinder, der unbekehrte Bruder seine Geschwister und seine Kameraden daran, sich zu bekehren. Aber da geht Jesus hinein in die Fürbitte für diesen unbekehrten Menschen. Er hat noch ein Mittel zur Erlösung dieses Menschen. Ich zittere bei dem Gedanken, dass unter denen, die heute diese Worte hören, einer sitzt, der nun beim Jahreswechsel eigentlich schon abgehauen sein sollte. Aber Jesus bat darum, dass er es mit dir noch einmal versuchen dürfte. Wird dieser Versuch für Jesus glücken? Siehe, das entscheidest du in diesem Jahr ausschließlich deshalb, weil Jesus für dein Leben bat. Aber er fügte diese traurigen und ernsten Worte hinzu: „Wenn er da keine Frucht trägt, dann haue ihn ab!“

5. Januar

„Gottesfurcht und Genügsamkeit ist ein großer Gewinn.#x201C;

1.Timotheus 6,6

Der ökonomische Druck verdunkelt viele Wohnungen. Da denke ich nicht daran, dass es bei vielen arm und niedrig zugeht. Das muss ein Leben daheim nicht dunkel machen. Ich denke daran, dass viele Eltern nicht den Mut haben, ihren Kindern zu sagen, wie arm sie sind. Darum haben die Kinder keine Ahnung von der Geldknappheit. Und wenn sie der Freunde schöne Kleider und kostbare Vergnügungen wahrnehmen, möchten sie diese auch haben. Darum machen viele Eltern eines von beiden: Entweder sie verweigern es den Kindern, wagen aber nicht den eigentlichen Grund zu nennen, so dass die Kinder verwirrt sind und die Eltern für ungerecht halten. Oder sie geben es den Kindern, obwohl sie wissen, dass sie dafür nicht die Mittel haben. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder unter ihren Freunden stehen. Also steigen die Schulden und bei den Eltern und aus den Heimen verschwindet dadurch die Freude.

Ohne Zweifel ist das so in mehr Familien, als wir denken. Wie ganz anders wird es dort, wo die Eltern die Kinder in ihre ökonomischen Verhältnisse eingeweiht haben! Lasst es die Kinder wissen, wie viel für einen Monat oder ein Jahr ihr zum Leben habt. Rechnet für sie aus, was für Kleidung oder Vergnügungen bleibt. Einige meinen, das sei zu früh, das Leben der Kinder in ihrem Alter mit ökonomischen Sorgen zu belasten. Prüfe es. Du wirst sehen, du nimmst ihnen Freude. Aber du gibst ihnen etwas sehr Wertvolles: Verantwortungsgefühl. Du gibst ihnen neue Freude, die Freude, Vater und Mutter dabei zu helfen, dass das Geld reicht. Und so gibst du ihnen etwas Wertvolleres als alle Vergnügungen und schönen Kleider. Du hilfst ihnen dabei, genügsam zu werden. Und der, der aus seiner Familie dieses Erbe mitnehmen kann, beginnt sein eigenes Leben mit einem gewaltigen Reichtum.

6. Januar

Da sagte er zu seinen Jüngern: „Die Ernte ist groß aber der Arbeiter sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“

Matthäus 9,37-38

Jetzt, wie damals steht Jesus und sieht die große Ernte. Niemals in der langen Geschichte der Mission waren die Türen so offen wie heute. Jetzt, wie damals treibt Jesus seine Freunde an. Und seine Freunde hören, was er sagt. Nie in der Geschichte der Mission gab es eine so große, allseitig und gut geplante Missionsarbeit wie heute.

Jetzt wie damals sagt Jesus: Betet, betet zuerst und betet zuletzt. Und Jesu Freunde hören, was er sagt. Da steigt ein einziger Gebetsruf hinauf zum Herrn der Mission. Auch du betest. Und der Herr hört dein Gebet. Er antwortet dir: „Auf dein Gebet will ich einen Missionar senden. Dich will ich senden.“ Was antwortest du? Dass du willig wärst? Oder wolltest du andere draußen auf dem Missionsfeld haben? Du bist nicht der einzige, der so betet. Und das ist der Grund dafür, dass es immer zu wenige Missionare gibt. Oder bekamst du diese Antwort von dem Herrn: Ich will auf dein Gebet hin einen Missionar senden. Aber weil du selbst dazu zu alt bist, will ich dein erwachsenes Kind senden. Und was hast du geantwortet? Dass du dein Kind geben willst, oder dass du in deinem Gebet an ein Kind anderer Leute dachtest. Denk dir, dass es tatsächlich gläubige Eltern gibt, die ihre Kinder daran hindern, zu den Heiden hinaus zu gehen. Oder antwortet der Herr dir so: Ich habe dein Gebet um die Aussendung von Arbeitern gehört. Doch du selbst bist zu alt und du hast auch kein Kind, das an deiner Statt gesendet werden könnte. Leihe mir darum etwas von deinem Geld. Die meisten von uns sollen nicht aufs Missionsfeld. Aber Jesus wartet darauf, dass alle seine Freunde für die Mission leben. Und an dem Tag, da Jesu Freunde das verstehen, wird es der Mission weder an Menschen noch an Geld fehlen.

7. Januar

Tut Buße und bekehrt Euch, damit eure Sünden getilgt werden, dass Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen.

Apostelgeschichte 3,19

Ach ja, wie ist das doch belebend, wenn von des Herrn Angesicht Zeiten der Erquickung kommen. Was ist doch eine Erweckung für eine wunderbare Gottesgabe. Je mehr ich darin leben kann, umso mehr wird mein Herz dadurch erfreut. Sie kommt wie ein sanftes Sausen und geht von Seele zu Seele, von Haus zu Haus und von Ortschaft zu Ortschaft.

Die friedlosen Sünder, die immer am Rande des Gottesvolkes gingen, die kamen nun durch die enge Pforte und erwählen für sich, mit dem Volke Gottes zu leiden. Die leichtsinnigen und gedankenlosen Sünder, denen nie daran lag, Gottes Wort zu hören, können nicht länger zu Hause sitzen, sie kommen nun zu hören. Herzen, Häuser, Ortschaften änderten sich. Gottes Kinder wurden wie die Träumenden. Sie trauten ihren eigenen Augen nicht. Sie wurden kindlich, einfältig, vertrauensvoll und opferwillig. Eine heilige Gemeinde, in der die Liebe eingeladen wurde, rein und stark zu wachsen. Die erquickende Zeit der Erweckung kommt von dem Herrn. Das sollten wir uns merken: Menschen können sie nicht herbeizwingen und noch weniger herbeikünsteln. Aber wir können sie verhindern auf vielerlei Weise. Am meisten dadurch, dass wir versäumen, um Erweckung zu beten. In Städten und Dörfern finden sich aber einige, die nehmen diesen Gottesdienst auf sich.

Brüder und Schwestern, der Herr selber wird dich erfreuen und es dir lohnen! Liebe Freunde Gottes, lasst uns anhalten am Gebet, bis die Erweckung kommt!

8. Januar

Sie brachten Kinder zu Jesus, dass er sie anrührte.

Markus 10,13

Von all den vielen Gaben, mit denen Gott uns überschüttet hat, ist keine größer und kostbarer als unsere Kinder. Er vertraut uns kleine, unsterbliche Seelen an, rundet damit unser eigenes Leben ab und verknüpft das ihre mit uns mit dem schönsten und zärtlichsten Band. Sie füllen uns mit einer Freude, die höher ist und reiner als alles, was wir sonst als Freude kennen. Die edelsten Instinkte setzen sie bei uns in Bewegung. Wir lieben und hoffen, mühen uns für sie und opfern und leiden für sie. Aber das größte, was wir können, ist, dass wir sie zu Jesus tragen, dass er sie anrühre. Und Gott sei Dank, dass wir das können, sobald sie geboren sind! Er nimmt sie entgegen, legt sie an sein Herz und schreibt sie in das Buch des Lebens. Die Kleinen wachsen und fangen an zu verstehen, was wir sagen. Und neue Freuden erfüllen unseren Alltag. Nun können wir den Kleinen von Jesus erzählen und sehen, wie sich das kleine Kinderherz öffnet wie eine Blume der Sonne. Hast du ein reicheres Glück gespürt als das, wo das Kleine seine Händchen faltete und sein Abendgebet sprach, so als ob Jesus direkt an seiner Bettkannte stand? Aber das Leben ist nicht so einfach. Auch nicht das Leben mit den Kleinen. Nachdem, wie sie heranwachsen, wird es schwieriger mit ihnen über Jesus zu reden. Nun beginnen Streitigkeiten und Ungehorsam, wo sie bewusst ihren Willen haben wollen. Du willst ihnen helfen mit Zucht und Ermahnung, aber du siehst, wie Erziehung eine schwierige Kunst ist, mit der du schlecht fertig wirst. Da kannst du ebenso ermüden wie bange werden. Mein Freund, das schadet uns nicht, wenn wir beide unsere Ohnmacht erkennen. Aber hab keine Angst! Trage deine Kleinen zu Jesus wieder und wieder. Er segnet dich und auch sie. Und der, dem Weisheit mangelt, der bete. (Jak. 1,5)

9. Januar

Will jemand Gottes Willen tun, der wird erkennen, ob diese Lehre von Gott ist, oder ob ich aus mir selber rede.

Johannes 7,17

Es hat gewiss noch nie so viel Glaubende gegeben wie jetzt, aber ebenso noch nie so viel Zweifler.

Ein paar Menschenalter früher waren es nur wenige, die an der Bibel als Gottes Wort zweifelten. Nun finden wir diese Zweifel gewöhnlich sowohl bei denen, die viel wissen, wie auch bei denen, die wenig wissen. Aufgrund dieser Zweifel erscheint einigen der Blick auf unsere Zeit sehr trübe. Aber wir sollen uns erinnern, dass viel von dem Vertrauen in die Bibel von früher nur sehr geringen Wert hatte. Das war von der Umgebung übernommen ohne ein persönliches Erlebnis des Wortes von Christus. Das hatte durchaus seine Bedeutung, denn es legte einen Dämpfer auf die Ungöttlichkeit bei den Einzelnen und beim Volk. Jedoch gegenüber deren Zweifel hatte es keine Widerstandskraft. Das sehen wir jetzt.

Es gibt zwei Arten von Zweiflern.

Die, die ihre Zweifel lieben und verteidigen, weil sie sie schützen, wenn das Gewissen sie verklagt und ihr Leben verurteilt. Und die, die über Zweifel traurig sind, die müde sind der peinigenden Ungewissheit und sich sehnen nach der geborgenen Ruhe unangreiflicher Gewissheit. Aber jedes Mal, wenn sie versuchen zu glauben, legt der Zweifel seine kalte Hand auf die Seele. Viele fragten in ihrer Not: Muss ich wirklich mein Denken töten, muss ich meine Überzeugung aufgeben, um ein Christ zu werden? Dazu sagt Jesus in unserem Wort heute: „Nein!“ Wird jemand Gottes Willen tun, dann wird er erfahren, ob diese Lehre von Gott ist, oder ob ich aus mir selber rede. Persönliche Gewissheit auf Grund von Erfahrung verspricht dir Jesus heute, wenn du Gottes Willen tun willst. Willst du das?

10. Januar

Vergesst nicht die Gastfreundschaft, durch die haben manche, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.

Hebräer 13,2

Gastfreundschaft ist des Hauses offener Schoß, nach außen hin zu größerer Gemeinschaft. Durch Gastfreundschaft wird des Heimes Kreis ausgeweitet; allumfassend die, die auf verschiedene Weise der Familie durch körperliche oder geistliche Verwandtschaft zugehören. Je größer die Liebe in einem Hause ist, umso größer der Kreis, der sich da treffen möchte. So gesehen ist das christliche Haus ein Glied in der Arbeit für den Herrn, ja, ein sehr wichtiges Glied. Es gibt Seiten in der Gemeinschaft der Heiligen, die sich nur in einem christlichen Haus entfalten können. Darum steht die Gastfreundschaft in Gottes Gemeinde so hoch in Ehren. Das Haus sehnt sich danach, die Gemeinschaft der Heiligen aufnehmen zu können, und die Gemeinschaft der Heiligen sehnt sich danach, in den intimen Kreis des Hauses hineinzukommen. Und wir haben viele gastfreundliche Familien unter Gottes Volk in seinem Land. Sie nehmen Prediger auf und haben sie oft wochenlang in ihrem Haus. Gelobt sei Gott für ihre Gastfreundschaft!

Regelmäßig öffnen sie ihr Heim für Freunde zu größeren oder kleineren Zusammenkünften, wo die Gemeinschaft erneuert, erwärmt und bereichert wird. Solche Häuser sind heilige Kraftstationen, von denen heilige Kraft hinaus strömt in Dörfer und Städte, ja durch einfältige Gebete bis hinaus auf die Missionsfelder. In vielen christlichen Heimen aber wird die Gastfreundschaft behindert, weil man sich der Welt angeglichen hat und christliche Geselligkeit so umständlich machte, dass man es nur äußerst selten schaffte, seine Freunde einzuladen. Hier gilt es, seine Eitelkeit zu überwinden und seine Freunde einzuladen, selbst wenn das Essen und der übrige Aufwand nur einfach sein können. Das Heim wird dadurch gewinnen und auch die Gemeinschaft der Heiligen.

11. Januar

Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.

Hebräer 11,6

Hier hören wir, wie entscheidend der Glaube des Christen in seinem Verhältnis zu Gott ist. Darum scheint mir, dass für die Christen der Name „Glaubende“ vortrefflich passt. Nicht nur, weil er den Gegensatz bildet zu „Zweiflern“ oder „Leugnern“, sondern weil das „Glauben“ die höchste Kunst des Lebens ist. Und die kann niemand anderes als die Christen leben. Zu leben, will in der Meinung der Bibel sagen, da zu sein für Gott und dieses Leben vor Gottes Angesicht zu leben. Aber gerade das ist die Schwierigkeit damit, dass ich mich vor Gott nicht so zeigen kann, wie ich bin. Das weiß jeder Heide, wie tief er auch in religiöser und moralischer Hinsicht stehen mag. Darum nähert er sich dem Göttlichen nie ohne Opfer. Aber nun hat Jesus Christus uns gesagt, wie wir Gott begegnen können. Im Glauben an ihn, an meinen Stellvertreter, kann ich mich getrost nach vorne stellen. Meine Rechnung mit Gott hat er ein für allemal beglichen. Und auf dem Haupteckstein richtete er eine Freistadt auf für zum Tode verurteilte Sünder. Darauf verlasse ich mich, dahin fliehe ich.

Im Glauben leben bedeutet, in einer ganz neuen Weise zu existieren. Zum ersten bin ich darin einig mit Gott, dass ich verloren bin und kein Recht habe, ihm zu begegnen, verdient hätte ich nur, von ihm zu ewiger Pein verworfen zu sein. Aber ich würde auch mit ihm erleben, was seine Gnade betrifft. Ich habe seine Begnadigung angenommen. Wenn derselbe Gott mein Stellvertreter ist, dann habe ich genug, ewig genug.

Und nun erwarte ich nichts anderes vor Gott zu sein, als was ich in meinem Stellvertreter bin.

12. Januar

Will jemand Gottes Willen tun, der wird erkennen, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich aus mir selber lebe.

Johannes 7,17

Die meisten Zweifler meinen, sie dächten zu scharf, um glauben zu können. Aber das ist ein Missverständnis. Der Glaube beruht nicht auf dem Denken, sondern auf Erfahrungen. Dein Zweifel rührt also daher, dass dir einige Erfahrungen fehlen. Jesus sammelt diese Erfahrungen unter dem merkwürdigen Ausdruck: Gottes Willen tun.

Er sagt ja, dass der, der Gottes Willen tut, Gewissheit bekommt. Nimm nun und lies das Neue Testament! Du sagst: „Ja, aber ich zweifle doch an der Bibel!“ Ich weiß! Das, woran du zweifelst, kannst du ruhig überspringen, du findest trotzdem genug solcher Worte, ewig unveränderlicher Wahrheiten, durch die du Gottes Willen erkennen kannst. Lass mich nebenbei nur eines nennen: „Alles was ihr wollt, das euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“ „Tu das!“, sagt Jesus. Nicht nur debattieren und darüber reden, wünschen, hoffen oder erwarten. „Tu es!“, sagt Jesus. Dann wirst du eine völlig neue Erfahrung machen. Zuerst, dass du nicht so gegen andere handelst und dann, dass du es nicht tun kannst und schließlich, dass du es gar nicht tun willst. Das ist zu anstrengend und zu unvorteilhaft, und damit wirst du überzeugt, dass Jesus recht hat, wenn er sagt, dass du schlecht bist. Du weißt, was da richtig und wahr ist, aber du hast keine Lust, es zu tun. Fang also an und bete zu Gott! Du sagst: „Ja, aber ich zweifle doch am Gebet.“ Ich weiß, aber das macht nichts. Zu beten heißt doch redlich und vertraulich mit Gott zu reden. Fang damit an, dass du ihm sagst, dass du zweifelst! Und erzähle ihm dann von deinen täglichen Erfahrungen. Wenn du nun danach suchst, Gottes Willen zu tun, wirst du schon nach kurzer Zeit merkwürdig gut bekannt sein mit dem, an dem du zweifelst. Und hast du dann erfahren, dass Jesu Lehre über deine Sünde von Gott ist, da wird es nicht lange dauern, dass dir der Weg zum Kreuze Christi bekannt und lieb wird.

13. Januar

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen.

Psalm 119,105

Es gibt viele Gotteskinder, denen scheint, dass dieses Wort nicht auf sie passt. Sie bitten um Licht und möchten gerne Gottes Willen wissen, aber sie haben nicht den Eindruck, dass sie deutliche Antwort bekommen. Der Grund dafür liegt in vielen Zufälligkeiten, durch die Gottes Licht missverstanden wird und vergessen wird, dass dieses Licht eine Leuchte für unseren Fuß ist. Da stehen wir an einem dunklen Herbstabend mit einem kleinen Licht in der Hand und wollen durch einen kilometerlangen Wald gehen. Und der, der keine Erfahrung hat, würde fragen: „Du glaubst doch wohl nicht, dass dieses kleine Licht genügt?“ Aber es geht gut. Das Licht leuchtet nicht weiter als für den nächsten Schritt, bis ich am Ziel bin. So leuchtet für uns Gottes Wort, Schritt für Schritt. Nicht immer scheint uns diese Beleuchtung ausreichend. Wir wünschten, Gott möge besser einen himmlischen Scheinwerfer benutzen, so dass wir geradewegs bis ans Ende des Lebens hindurchblicken könnten. Am liebsten hätten wir es, wenn er uns Licht gäbe quer durch des Todes dunklen Vorhang hinein in das unsichtbare Land. Aber das ist Gnade, dass Gott das Buch der Zukunft für uns nicht aufgeschlagen hat, sondern nur Schritt für Schritt leuchtet.

Oft ist das tatsächlich eine ernste Prüfung für unseren Glauben. Wir fühlen uns unruhig, wenn uns scheint, Gott wartet zu lange damit, uns Licht in die Lebensverhältnisse hineinzugeben, die uns gerade belasten. Aber blicken wir auf unser Leben mit Gott zurück, so denke ich, wir alle haben viel Grund, Gott zu danken und zu preisen, dass er uns den rechten Weg so gnädig führte, trotz aller unserer Ungeduld. Bis hierher half der Herr so gut von Tag zu Tag.

14. Januar

Ich halte dafür, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit für nichts zu achten sind gegenüber der Herrlichkeit, die sich an uns offenbaren wird.

Römer 8,18

Auch über dem Leid leuchtet Hoffnung. Du ehrst Gott durch das Leiden. Immer hat er einige seiner Freunde im Ofen des Leides, um der Welt zu zeigen, was Christi Kraft vermag. Nimmt er dich einen Tag raus aus der drängenden Arbeit und legt er dich abseits in ein Bett, so blicke auf. Auf dich herab leuchtet Hoffnung. Lass den Rest deiner Kräfte aufgebraucht werden, um still und geduldig zu leiden, wenn du nach Hause kommst, wirst du sehen, dass dein himmlischer Freund nicht vergessen hat, was du alles erlitten hast. Auch im dunklen Tal des Todes leuchten die Sterne der Hoffnung. Wenn unser irdisches Haus abgebrochen wird, dann deshalb, weil unser himmlisches zum Einzug fertig steht. Selbst der junge Christ, der stirbt, noch bevor er seine Kräfte zur Ehre des Herrn gebrauchen konnte, hat über seinem Sterbebett leuchtende Hoffnung. Er wird dem Herrn dort dienen. Er zieht nur hinüber zu dem Teil des Gartens, in dem es zu arbeiten am leichtesten und am schönsten ist, da wo wir dem Herrn Tag und Nacht dienen. Dort werden wir ihm auch dienen, ohne Nutzloses zu tun.

Solange wir hier auf Erden leben, richten wir im Weinberg des Herrn oft genug Schaden an. Mit unseren harten, plumpen Füßen treten wir manche kleine Pflanze nieder.

Würden wir all das sehen, was wir vor dem Herrn durch unseren Geist, unser Wesen, unsere Gedanken, Worten und Taten und unsere Versäumnisse zerstört haben, wir würden sehr traurig aussehen. Da würden wir uns umso mehr freuen auf jenen Tag, an dem wir dem Herrn dienen können, ohne in seinem heiligen Garten etwas zu beschädigen.

15. Januar

Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht dürsten.

Johannes 4,14

Jesus kannte das Menschenherz. Er sah seinen Durst. Es ist die Sünde, die diesen brennenden Durst hinterließ. Der verschloss unser Herz für Gott. Und es ist dieser leere Raum in der Seele, der immer nach etwas schreit und es selbst nicht weiß, was es ist. Der greift so nach dem einen und nimmt dann etwas anderes in der Hoffnung, es könnte den Durst lindern. Man beginnt mit Zerstreuungen, versucht es dann mit Vergnügungen, geht weiter zu Belustigungen, ja viele greifen dann auch noch nach dem Schmutzwasser des Lasters oder der Drogen, weil die Seele so dürstet.

Aber das hilft nicht. Es lindert nur eine kleine Weile wie eine Betäubung. Und wenn man aus der Betäubung aufwacht, ist man nicht nur durstig, sondern man fühlt sich auch noch ekelhaft dazu.

Viele wenden sich hin zu anderen Quellen. Sie werfen sich in die Arbeit, werden nützlich, tüchtig und hervorragend in ihrem Betrieb. Und die Seele empfindet für kurze Zeit Linderung. Es ist doch etwas anderes, für etwas zu leben. Und so wird die Seele gefüllt mit Ehrgeiz, Gewinnlust oder Machtrausch. Und je mehr jemand davon trinkt, umso durstiger wird er. Aber während die Menschen den tüchtigen Mann verehren, sitzt da drinnen seine gequälte Seele und ruft in äußerster Not um Hilfe.

Mein Freund, es ist Gott, nachdem du dürstest. Das hast auch du selber verstanden, jedenfalls ab und zu.

Das war auch das Schlimmste für dich, weil du nicht zu Gott gehen wolltest. Da hätte ja dein Leben ein anderes werden müssen. So lange du selber nicht trinken möchtest, kann Jesus dir nicht helfen. Aber willst du heute, so wird Jesus den Durst deiner Seele löschen.

16. Januar

Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und Jesu Mutter war dort. Aber auch Jesus und seine Jünger waren zu dieser Hochzeit geladen.

Johannes 2,1-2

Das waren gewiss keine reichen Leute, die beiden, die an diesem Tag in Kana Hochzeit feierten. Wir erfahren, dass die Familie es nicht geschafft hatte, ausreichende Bewirtung für die Gäste aufzubringen. Und bedenke, welch glückliches Brautpaar und welch unvergessliche Hochzeit es wurde. Was machte es, dass sie arm waren, wenn sie Jesus auf ihrer Feier mit dabei hatten? Und so tat er für sie ein mächtiges Wunder. Ich denke mir, dass es nicht nur bei dem Wunder blieb. Ich denke mir, dass die beiden an diesem Tag so mit Jesus verbunden wurden, dass er in ihrem Haus ein- und ausgehen konnte solange sie lebten. Und Jesus verkehrte in keinem Haus, ohne dass er täglich Wasser in Wein auf die eine oder andere Art verwandelte. Welch ein Glück, dass wir beide, (O.H. und seine Frau), die wir dieses Heim gründeten, in dem wir nun versammelt sind, bei unserer Hochzeit Jesus auch dabei hatten.

Welch ein Glück, dass er in all diesen Jahren bei uns aus- und einging. Und wie viele Wunder hat er getan! Am häufigsten machte er auch für uns Wasser zu Wein. Auch wir waren nicht reich, „Kleine-Leute-Volk“, wie die beiden in Kana. Oft war es schwierig mit der Ökonomie. Manchmal sah es aus, als könnte es nicht mehr für alle reichen, bei dem wenigen, was wir hatten. Aber dann legte er heimlich sein göttliches Plus dazu und wir hatten genug. Es kam auch Krankheit und andere Beschwernis, die häufig einer Krankheit folgt. Es sah aus, als sollte unser Heim und Glück ruiniert werden. Dann tat er Wunder und das bittere Wasser der Not wurde zu süßem Wein. Die Not hat er nicht entfernt, aber verwandelt, so dass wir seine Absicht und seine Gnade erkannten.

Heute wollen wir ihm danken, dem, der uns dieses Heim gab und es für uns alle hier so gut gemacht hat.

17. Januar

Wenn du die Gabe Gottes kanntest und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Johannes 4,10

Die Frau vom Jakobsbrunnen hatte am wenigsten von allem gedacht, sie würde an diesem Tag Jesus treffen. Sie ging lediglich ihren gewöhnlichen Gang zum Brunnen nach Wasser. Noch weniger dachte sie daran, sich von ihrem leichtsinnigen Leben abzuwenden. Es war Jesus, der zu ihrem Brunnen kam und akkurat zu der Zeit, als sie Wasser holte. Es war Jesus, der das Gespräch begann. Und das tat er ganz einfach und schön.

Er begann damit, dass er sie um Trinken bat. Und bevor sie es wusste, war sie mitten drin in einem Gespräch um die tiefsten Dinge. Dann wechselt er das Thema und fängt an, mit ihr über ihre Sünden zu reden. Sie wunderte sich nicht nur über Jesu merkwürdige Kenntnis ihres intimen Sündenlebens, sie wird auch in ihrem Gewissen getroffen, bekennt ihre Sünden und wird da am Brunnen von Jesus erlöst.

Ähnlich erlöst Jesus uns alle. Er beginnt, nicht wir. Er richtet uns auf und beginnt mit uns zu reden. Wir hatten bei ihm kein Gespräch bestellt, sicher versuchen wir uns da heraus zu winden, genau wie die Frau. Aber er hält uns fest. Er redet mit uns in stillen Nachtstunden, in der Kirche oder in einer Versammlung, obwohl wir vielleicht gar nicht dorthin gegangen waren, um Jesus zu begegnen. Aber das ist unsere Rettung, dass Jesus mit uns redet, ohne uns vorher um Erlaubnis zu fragen. Aber es gibt einige, die nicht auf ihn hören wollen, die winden sich raus wie es die Frau am Anfang tat.

Ist da unter den Lesern einer, der es so gemacht hat? Da hat Jesus ein kleines Wort für dich, noch bevor wir heute diese Andacht schließen: „Kenntest du Gottes Gabe und den, der mit dir redet, du würdest ihn bitten und er gäbe dir lebendiges Wasser.“

18. Januar

Siehe da war eine Frau, die seit 18 Jahren einen Geist hatte, der sie krank machte. Sie war verkrümmt und konnte sich nicht aufrichten.

Lukas 13,11

Vielen Freunden Jesu geht es so wie dieser Frau. Die war einmal aufrecht, befreit zu einem glücklichen, preisenden, zeugniskräftigen Christentum. Aber dann kam der Geist der Ohnmacht, der sie krank machte. Und nun ist sie zur Erde gebeugt, innerlich gerichtet, ohne bleibende Freude, ohne Lobgesang im Herzen, ohne Willen und Mut, den Erlöser zu bezeugen. Lieber Freund, erzähle gleich Jesus deinen Zustand! Sage ihm die ganze Wahrheit! Zeige ihm den Punkt, wo du deine erste Liebe verloren hast! Weißt du das nicht? Sei ehrlich! Dein Gewissen hat mit dir bestimmt über diese Sache gesprochen. Und denk daran: Du wirst wie befreit und wieder aufgerichtet, sobald die innere Ursache der Krankheit vor Jesus aufgedeckt wird.

Es ist die Wurzel deines inneren Falls, die er berühren will, wenn er dir helfen soll. Aber wenn du ihm deine heimlichen Wünsche auslieferst, wirst du seine Kraft aufs Neue erfahren. Du sollst den aufrechten Gang, das dem Himmel zugewandte Gesicht, das singende Herz und die innere Freude und Kraft zum Zeugnis für deinen Erlöser wieder bekommen, und im täglichen Leben dienst du ihm wieder. Jeden Tag gibt es genug von dem Ohnmachtsgeist, der uns zur Erde beugen und unsere Freude, unsere Kraft und unseren Freimut aus unserem Herzen reißen will. Aber Jesus ist stärker. Kann er seine Hand auf uns legen, so sagt er zu uns, wie zu jener Frau: Du bist von deiner Schwäche erlöst. Dann bekommen wir die Gnade, wie befreite, lobende, singende Christen zu leben, ihm zum Preis, dessen Namen wir tragen.

19. Januar

Und Jesus ging mit ihnen, kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam.

Lukas 2,51

Das wenige, das wir über Jesu Kindheit zu hören bekommen, ist für uns sehr wertvoll. Es erzählt uns, dass er in unser ganzes menschliches Leben einging, es heiligte und uns zeigte, welche ewigen Werte unser Leben hat. In unserem kleinen Kreis heute sitzen auch einige Kinder und unser heutiges Bibelwort gilt ihnen besonders. Es erzählt, dass auch Jesus ein Kind war. Er spielte wie sie. Es hat Vater und Mutter geehrt. Er ging zur Schule. Wir wissen, dass er schreiben und lesen gelernt hat, obwohl die Schule damals nicht so gut war, wie unsere heute. Aber das Wichtigste, was das Wort des Tages uns heute sagt, ist das, dass Jesus seinen Eltern gehorsam war. Bei einer anderen Gelegenheit hören wir, dass Jesus Gehorsam gelernt hat. Liebe Kinder, das sagt uns doch, dass es nicht leicht ist, gehorsam zu sein. Ihr wisst davon wahrscheinlich genug von euch selber. Das ist oft schwierig. Und ihr habt wohl viele schmerzhafte Erinnerungen an Ungehorsamkeit. Ja, ihr erinnert euch, da wart ihr manchmal so ungehorsam, dass ihr euch schämt, wenn ihr daran denkt. Besonders wenn euch einfällt, wie ihr da Vater und Mutter traurig gemacht habt. Wie gut, dass Jesus für unsere Sünden starb, für alle unsere Sünden. Wenn wir sie vor ihm bekennen, so streicht er sie in den Büchern da oben aus. Er wirft sie hinter sich hinein in das Meer des Vergangenheit. Das ist ein wunderbares Meer. Jesus will dir helfen, gehorsam zu sein gegen Vater und Mutter wie den Lehrern und freundlich zu den Geschwistern und Freunden zu sein. Er hat selbst so gelebt, darum weiß er, dass das für dich schwer ist. Darum will er dir jeden Tag helfen. Du darfst jeden Tag um Jesu Hilfe bitten. Und du weißt gut, wie das ist: Jedes Mal, wenn wir an Jesus denken, fällt es uns leicht, freundlich zu sein.

20. Januar

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.

Matthäus 11,28

Es sind nicht alle Sünder, die ermüdet sind. Es gibt viele, die nicht einmal einen Arzt brauchen. Sie sündigen frei oder jedenfalls unbehelligt. Du tust mir leid, mein Freund! Du befindest dich in großer Gefahr. Zu sündigen ist schrecklich, aber ruhig zu sündigen ist noch viel schrecklicher. Jesus spricht zu denen, die es schwer haben. Sie sündigen nicht mehr mit Freuden oder unbesorgt. Sie sind aus einem unruhigen Schlaf erwacht. Sie streiten gegen ihre Sünden, gegen alle ihre Sünden in Taten, Worten und Gedanken, in ihrer Fantasie und Lust. Sie mühen sich ab im Gebet. Und wie sie sich anstrengen und streben in ihrem Gebetskämmerlein. Sie mühen sich, Gottes Wort zu lesen. Und das ist für sie fast noch schwerer als zu beten. Ja, sie haben es wahrhaftig schwer, schwerer als sie es zu anderen sagen, oft schwerer, als sie es sich selbst eingestehen. Jesus sagt hier, dass er sie erquicken will.

Aber für dich wurde alles schwer und unruhig, als du anfingst, dich zu Jesus zu halten. Nie vorher war alles so verworren wie da. Ja, gewiss, alles ist gut gegangen. So muss alles gehen. Das Ruhige musste Jesus erst unruhig machen. Er musste dir zeigen, wer du bist. Das hast du vorher nicht gewusst. Erinnere dich, dass Jesus zuerst die ganze Bergpredigt hält, bevor er diese Worte aus Matth. 11 sprach. Aber nun sollst du erquickt werden. Um erlöst zu werden, brauchst du nichts mehr als ein Sünder zu sein, der keine Sünde mehr verstecken will, der sich niederwirft mit allen seinen Sünden am Fuß des Kreuzes und alle seine Sachen in Jesu Hand legt.

21. Januar

So lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, dass Sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Matthäus 5,16

In diese Ermahnung hat Jesus eine wunderbare Verheißung gelegt: Wird unser Leben mit Gott echtes Alltagschristentum, so werden gerade durch unser Alltagschristentum unsere Mitmenschen für Gott gewonnen. Es gibt hier im Land viele Menschen und es werden ständig mehr, die, praktisch gesprochen, niemals Gottes Wort hören und darum ein ganz anderes Gefühl für das Christentum haben, als die gläubigen Männer und Frauen, die in ihrem Haus arbeiten, in ihrer Fabrik, ihrem Geschäft oder ihrem Büro. Und ihr könnt glauben, sie brauchen ihre Augen. Und dazu haben sie das Recht. Junge gläubige Freunde, die ihr auf der einen oder anderen Weise im Dienste bei unbekehrten Menschen steht, Gott gibt euch Augen, die Werke zu sehen, die ihr jeden Tag für Gott zu tun habt.

Es ist euer tägliches Leben und Arbeit, welche diese gottfernen Menschen für Gott gewinnen sollen. Es ist gut, dass wir Pastoren haben. Aber wenn die Pastoren jene Menschen nie unter ihre Kanzel bekommen? Es ist gut, dass wir Evangelisten haben. Aber wenn jene Menschen nie dahin gehen, wo ein Evangelist spricht? Hier habt ihr, junge Freunde, eine Arbeit, die kein Pastor und kein Evangelist tun kann. Und ihr könnt das gewiss nicht mit euren Worten tun. Das werdet ihr bald merken. Da ist es gut, Gottes Verheißung zu haben, dass ihr sie gewinnen könnt ohne Worte; durch ein sauberes Betragen in Respekt, durch einen sanftmütigen und stillen Geist, der für Gott köstlich ist. Tut eure Arbeit sorgfältig und mit Liebe, weil der Herr das braucht, als handgreiflichen Beweis dafür, dass Christus Menschen verändert, nicht nur am Sonntag, sondern in ihrem täglichen Leben und in ihrer Arbeit!

22. Januar

Hebt eure Augen auf und seht, die Felder sind weiß zur Ernte.

Johannes 4,35

„Ich habe eine Speise, von der ihr nichts wisst.“, sagte Jesus: „Gottes Willen zu tun, zu finden und zu helfen allen verlorenen Schafen.“ Er hatte wieder eines gefunden. Und als die samaritanische Frau von ihrem Wasserkrug weg in die Stadt lief, um dort von ihrer größten Stunde zu erzählen, da konnte Jesus die weißen Felder sehen, die auf die Ernte warteten. Er sah die große Volksschar reif in Sünde und Schande wie diese Frau, aber auch bereit wie sie, dem zu folgen, der sich vor ihnen als wirklicher Erlöser bezeugen konnte. Das war gewiss die schönste Aussicht, die Jesus hier auf Erden sah. Und sofort musste er das seinen Jüngern sagen. Er hatte ihnen die Sämannsarbeit gezeigt, die von dem treuen Gott seit Jahrtausenden ausgeführt worden war, und er zeigte ihnen die Arbeit, nach welcher die weißen Felder nun riefen: Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Wie es Jahreszeiten im Reich der Natur gibt, so auch in Gottes Reich, das Springen der Knospen und der Fall der Blätter, Sommerhitze und Winterkälte. In unseren Tagen erleben wir eine mächtige Erntezeit. Nie vorher waren die Felder so weiß, die Türen so offen, die Herzen so erhoben. Wir ernten, was andere säten. Vierzehn Jahre säten norwegische Missionare unter den Zulus, bevor der erste Heide für Christus gewonnen wurde. Es wurde gesät mit Seufzen und Weinen. Und nun ernten wir, was dort gesät wurde. In stiller geduldiger Arbeit haben unsere geistlichen Väter die Reifung in den Völkerscharen hervorgebracht, die wir nun vor unseren Augen sehen. Hörtest du, was Jesus zu dir von diesen weißen Feldern sagte? Bitte ihn, dass es auch für dich wie Speise werden möchte, Gottes Willen zu tun! Dann wird der Herr der Ernte bekommen, was er in dieser drängenden Erntezeit braucht: Fürbitte, Arbeiter und Geld.

23. Januar

Die Liebe lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu. Sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

1.Korinther 13,5+7

Die Liebe wird nicht bitter. Selbst wenn ihr Undank, Missverständnis, Spott und Widerstand begegnet. Sie sieht nicht ihr eigenes, nur das Wohl der anderen. Hier sündigen wir viel. Wie viele gibt es doch im Kreis der Freunde, die gestoßen und beleidigt werden, und daran zu tragen haben. Lasst uns Gott um die Liebe bitten, die nicht bitter wird, die nicht taktlos wird, das Böse nicht nachträgt und sich über die Fehler der anderen nicht freut! Während Seelen unerlöst sterben, sollten die Freunde Jesu wohl etwas anderes zu tun haben, als beleidigt zu sein und gegeneinander zu schmollen. Die Hölle lacht und der Himmel weint darüber. Die Liebe glaubt alles. Das ist gewiss die schönste Seite der Liebe. Sie liebt und hofft, wird enttäuscht und hofft wieder. Sie betet und weint und macht sich abermals auf den Weg, Verlorene zu suchen. 0, du heilige Liebe! Es ist doch klar, dass die von Gott kommt. So ist Gott. Darum hat er uns gefunden und gewonnen. Sören Kierkegaard sagt: „Die Liebe glaubt alles und wird nie betrogen.“ An dem Morgen der großen Überraschungen werden wir sehen, dass auch das wahr ist. Höre das, du, der du liebst und hoffst und für deine fortgegangenen Kinder betest! Du weinst so oft, wenn du siehst, wie ihre Herzen hart und kalt geworden sind. Wir werden alle in den Himmel hinein lieben. Einige müssen auch dahinein geweint werden. Um diesen Dienst der Liebe bittet dich der Herr.

24. Januar

Und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.

Markus 1,21

Das war am Morgen eines Feiertages. Jesus ging mit seinen Jüngern in die Synagoge. Er hatte gerade gesprochen, plötzlich wurde die Stille unterbrochen. Ein Geisteskranker schrie. Willenlos und widerstandslos gab er dem bösen Geist Ausdruck. Aber Jesus stand ruhig da und gebot dem bösen Geist auszufahren. Auf der Stelle wurde der Mann gesund. Als der Gottesdienst zu Ende war, gingen sie zu Petrus nach Hause, und Jakobus und Johannes wurden mit eingeladen. Hier lag die Schwiegermutter des Petrus krank. Als Jesus das hörte, ging er zu ihrem Bett und nahm ihre Hand. Im gleichen Augenblick war sie fieberfrei, sie stand auf und bediente sie. Das ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt, und beim Sonnenuntergang war schon die ganze Stadt vor der Tür versammelt. Und sie brachten alle, die Schmerzen hatten, zu ihm. Er ging still von einem zum anderen und half allen an Leib und Seele. An diesem Abend dauerte es lange, bis alle zur Ruhe gekommen waren. Das war ein anstrengender Tag gewesen. Aber am anderen Morgen, bevor noch die anderen erwachten, war Jesus schon auf. Er suchte sich eine einsame Stelle, wo er beten konnte. Dieses war nur ein einziger Tag mit Jesus. Denk nur, die, die ihm folgten, erlebten so etwas täglich. Tag für Tag, zwei Jahre lang.

Was glaubst du, was sie geantwortet hätten, hätten wir sie fragen können: „Was war das herrlichste, das ihr in eurem Zusammenleben mit Jesus erlebtet?“ Das ist ja nicht gut zu wissen, was sie geantwortet hätten. Aber wenn ich ihre Berichte in den Evangelien lese, so bekomme ich doch eine Ahnung, was sie uns vielleicht geantwortet hätten: Das herrlichste im Zusammenleben mit Jesus war das, dass wir so geborgen waren. Er schaffte alles für uns und die anderen, die ihn suchten. Liebe Freunde Gottes, ist das nicht so, wie wir es auch erleben?

25. Januar

Betet ohne Unterlass, seid dankbar für alles; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

1.Thessalohnicher 5,17-18

In alten Zeiten wurde das Beten als das Atmen der Seele bezeichnet. Das erzählt uns etwas über das Gebet, das viele von uns leicht vergessen. Das Atmen bedeutet für unseren Körper eine ständige Erneuerung. Wir essen drei- bis viermal am Tag. Aber den ganzen Tag und die Nacht dazu atmen wir. Und hier berühren wir eine wichtige Seite des Gebets. Wir können nicht am Morgen Luft holen, so dass es bis zum Mittag reicht. Ebenso können wir nicht morgens so beten, dass es bis zum Mittag genügen würde. Darum sagt der Apostel: „Betet ohne Unterlass!“ Da haben wir das Geheimnis des Christenlebens. Das friedvolle, singende, frohe Christenleben glückt nur dem, der gelernt hat: Das tiefe Geheimnis täglicher Erneuerung besteht darin, sich unablässig zu Gott zu wenden, um neue frische Kraft aus der ewigen Welt zu bekommen.

Abgestumpfte Christen werden einwenden, dass es unmöglich ist für den, vor dem anstrengende Arbeit liegt, für solches Beten Zeit zu finden. Aber das ist, wie jede Ausflucht, ein dummer Einwand. Zu atmen hält uns doch nicht von der Arbeit ab. Und ob wir mit dem Geist oder mit den Händen arbeiten, so kostet es keine Arbeitszeit, unser Herz für einen Augenblick zu Gott zu wenden, hinauf zu einer kurzen Begegnung mit ihm. Darunter leidet die Arbeit nicht. Niemand macht bessere Arbeit als der, der ohne Unterlass Gottes Segen über sich herabbetet.

Nichts ist für die Seele so wohltuend, wie dieser stille und unablässige Umgang mit dem Herrn. Das Gefühl der Nähe des Herrn, die dabei die Seele erfüllt, übersteigt alles, was wir sonst an Friede und Freude, an innerer Zufriedenheit und Geborgenheit verspüren. Und Unglück und Kummer verlieren ihren Stachel, wenn wir sie auf diese Art mit dem Herrn teilen.

26. Januar

Werdet voll Geistes!

Epheser 5,18

Viele Gläubige bitten um die Fülle des Geistes. Aber sie haben nicht den Eindruck, dass ihr Gebet erfüllt wird. Sie erleben nämlich etwas, woran sie nie gedacht hatten. Sie erbitten des Geistes Fülle und bekommen stattdessen eine Fülle der Sünde. Und sie sehen nicht, dass gerade dies die Erfüllung ihres Gebetes ist, entsprechend des Wortes Jesu, dass der Geist uns der Sünde überführen wird. Bedenke, dass Jesus das als erstes nennt, was geschieht, wenn der Geist kommt. (Joh. 16,8)

Das erste und sicherste Zeichen für die Fülle des Geistes ist daher ein empfindliches Gewissen, das selbst die kleinste Sünde als einen bitteren Schmerz empfindet. Es wünscht sich jeden Unglauben und jeden Ungehorsam gegen Gottes Wort gleich zu erkennen. Und diese schmerzhafte Empfindung von Unreinheit und Scheinheiligkeit ist es, die sie von allen weltlichen und lauen Christen trennt. Sie bekommen gnadenhungrige Seelen, die unter dem Kreuz die ständige neue Reinigung in dem Blute Christi suchen.

Die alten Sündengewohnheiten haben ihre Macht über den, der vom Geist erfüllt ist, in keiner Weise verloren. Im Gegenteil, mit seinem zarten Gewissen verspürt er nun auch die leiseste Versuchung zur Sünde. Aber er weiß nun ein geheimes Mittel, um Versuchungen abzuwehren. Er wirft sich gleich in Jesu Arme und bittet um seine Kraft. Und die gibt Jesus auf viel verschiedene Weise. Am häufigsten so, dass der Geist uns ein wenig von dem leidenden Erlöser sehen lässt. Und so wird die Sünde abscheulich und ekelig. Das ist nicht so zu verstehen, als würde der Geisterfüllte nun nicht mehr fehlen oder fallen. Ja, leider! Aber nun weiß er mit einem Mal den Grund: Er kämpft in eigener Kraft und bittet nun abermals, dass er Jesus sehen möchte.

27. Januar

Die Apostel sprachen zum Herrn: Mehre unseren Glauben!

Lukas 17,5

Kann es für uns überhaupt ein Gebet geben, das merkwürdiger wäre? Jedenfalls sehen wir in den Evangelien, dass Jesus seinen Jüngern nichts so oft vorwirft, wie ihren Mangel an Glauben. Und es gibt sicher nichts, womit wir Jesus öfter betrüben, als mit unserem Mangel an Glauben. Das muss ihn gewiss schmerzen, wenn seine eigenen Kinder mit ihren täglichen Sünden an seinem Kreuz stehen, ohne Ruhe und Frieden zu finden. Er hängt da blutend in seiner tiefsten Erniedrigung und ruft mit aller Kraft, die das Kreuz besitzt: „Meine Gnade genügt für dich. Du brauchst nicht mehr, wenn Gott selber an deiner Stelle steht.“ Und wir tun nicht mehr, als unseren Kopf etwas demütiger zu beugen und sagen: „Herr, mehre unseren Glauben!“ Oder wir kämpfen gegen unsere täglichen Sündengewohnheiten und verlieren und zweifeln und liegen mitten drin im Sumpf der Verzagtheit. Das muss ihm weh tun, wo er doch sprach: „Wer zu mir kommt, den werde ich in keiner Weise wegstoßen. Ich vergebe dir, ohne zu zählen, wie oft ich dir bereits vergeben habe.“ Ihr lieben Gotteskinder, könnt ihr begreifen, warum wir nicht gleich zu ihm gehen, so dass er uns wieder aufhelfen kann und uns neuen Mut geben kann, aufs Neue den rechten Weg zu finden? O ja, wir verstehen es gut, es ist der Glaube, mit dem wir nicht klar kommen. Wir stehen in unserer täglichen Arbeit und da fällt es uns oft schwer zu glauben; zum Teil, weil es auch schwer ist, in unserer sündigen Welt zu leben und zu arbeiten, zum Teil aber, weil wir es nicht fertig bringen, unsere Arbeit so zu tun, wie wir es gerne wollen und auch sollen. Was hindert uns? Wir vergaßen, den Glauben zu gebrauchen. Tag für Tag mühen wir uns mit unserer menschlichen Kraft. Dabei steht uns die unbegrenzte himmlische Kraft zur Verfügung, aber wir nutzen sie nicht! Der, der im kindlichem Glauben die Kräfte des Himmels über sein tägliches Leben und seine Arbeit herabruft, wird durch alle Schwierigkeiten und Plagen des Alltags mit einem stillen und fröhlichen Sinn hindurchgehen und wird sich immer wieder darüber freuen, was Christi Kraft vermag.

28. Januar

Glaubt an das Licht, solange ihr es habt, dass ihr des Lichtes Kinder werdet.

Johannes 12,36

„Im Licht“, das ist das Christenleben in zwei Worten. Nicht nur zu versuchen im Licht zu sein, sondern es zu wollen. Es als sein Glück zu empfinden, unter dem allgegenwärtigen Auge Gottes zu leben.

Es ist eine große Verwandlung, den der Glaube in einem Menschen zustande bringt. Befindest du dich wohl jetzt in diesem Licht? Es gab eine Zeit, da warst du drin. Aber jetzt? Suchst du das Licht? Wünschst du, das dein Inneres erleuchtet wird von dem Licht, das hindurchdringt, bis dass es scheidet Seele und Geist und verurteilt des Herzens Gedanken und Gesinnung. (Hebr. 4,12) Oder hast du Angst davor bekommen, zu wissen, was Gott von deinen verschiedenen Plänen, Gedanken, Worten und Taten hält? Suche Hilfe, und das schnell! Bitte ihn, dass er in dir seinen ganzen Willen wirken möge, dass du wieder ins Licht kommst und anfängst, das Licht zu lieben! Wenn das Kreuz für mich dunkel wurde, dann liegt das zumeist daran, dass ich mir mein eigenes Herz nicht erleuchtet wünschte. Aber sobald ich es zulasse, das Gottes Licht mir die Sünde zeigt, die ich zu verstecken suchte, da fällt wieder Licht auf das Kreuz und meine Seele kann ausruhen in der Gnade. Das Licht ist das sicherste Gegengift gegen unsere Sünden.

Je öfter wir unsere Sündengewohnheiten in das volle Licht vor des Herrn Angesicht legen, desto sicherer und schneller werden wir über sie siegen. Und das Licht ist auch das beste Mittel, unsere Heiligung voranzubringen. Im Licht reifen die Früchte des Geistes. Bei dem Christen, der täglich vor Gott steht, wächst ein freimütiges, glückliches, starkes und charakterfestes Christenleben. Er bekommt auch den Mut, anderen Menschen gegenüber nach seiner Überzeugung zu handeln. Herr, gib uns Gnade dazu, in der Dunkelheit dieser Welt des Lichtes Kinder zu sein!

29. Januar

Aber selbst, wenn ihr zu diesem Berg sagt: Hebe dich hinweg und stürze dich ins Meer, so wird es geschehen. Und alles, um das ihr im Glauben im Gebet bittet, das werdet ihr empfangen.

Matthäus 21,21-22

Hier zieht Jesus den Vorhang etwas zur Seite, der die sichtbare Welt von der unsichtbaren trennt. Er möchte uns einen flüchtigen Blick in die ewige Welt, die uns von allen Seiten umgibt, vermitteln. In dieser ewigen Welt kann niemand leben ohne Glauben. Aber sobald der Glaube da ist, da öffnet sich für uns diese ewige Welt. Durch die enge Pforte, die da heißt „Sündenvergebung“, gelangen wir hinein in eine neue Umgebung. Und hier erleben wir merkwürdige Dinge: Neue Sorgen und neue Freuden, neue Kämpfe und neue Nöte, neue Siege und neue Niederlagen, neue Freunde und neue Feinde. Ständig machen wir neue Erfahrungen in dieser unsichtbaren Welt. Nicht immer große, aber viele, demütigende und erhebende. Ab und zu machen wir Erfahrungen, die uns fast den Atem rauben, nämlich wenn wir feststellen, welche Kräfte in der unsichtbaren Welt wirken, zumeist aber, wenn sie verglichen werden mit unseren Möglichkeiten. Wenn Gott ein mächtiges Wunder wirkt, nur weil wir ihn darum baten. Und so enthüllt er uns des Glaubens Geheimnis mit diesen Worten: „Alles, um das ihr im Glauben bittet, das sollt ihr bekommen.“ Wer unter uns kann diese Worte hören, ohne sich über unseren Mangel an Glauben zu schämen. Aber so können wir als Jünger wirklich über unsere Armut seufzen, hinauf zu ihm, der der Anfänger und Vollender des Glaubens ist: Herr, mehre unseren Glauben!

30. Januar

Gottes Wort ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert.

Hebräer 4,12

Dieses Bibelwort enthält für viele Gotteskinder eine sehr große Schwierigkeit. Sie hören zwar nicht auf zu lesen, aber es wird schwer und anstrengend und sie fürchten, dass all ihr Lesen nutzlos ist. Es scheint ihnen, dass sie nichts davon haben.

Mein Freund, lass dich nicht verwirren! Hauptsache ist, dass du jeden Tag deine Bibel einfältig und im Gebet gebrauchst.

Natürlich kann es geschehen, dass du bei deiner Lesung etwas nicht verstehst. Leicht denkst du, du müsstest dich beim Lesen auf die eine oder andere Art bemühen, geistliche Nahrung daraus zu ziehen. Nein, der Heilige Geist will das gelesene Wort für deine Seele zur Speise machen. Erinnere dich, dass er jedes Mal, wenn du in der Bibel liest, ein Wunder geschehen lassen muss, damit das gelesene Wort zum Brot für deine Seele wird. Und er freut sich, dieses Wunder zu tun. Wenn du darum deine Bibel nimmst, so falte kindlich deine Hände und bitte, er möge dieses Wunder für dich tun; egal, ob du nun viel oder wenig liest.

Und wenn du das getan hast, dann sollst du freimütig lesen und gewiss sein, dass das, was du liest, als geistliche Nahrung in deine Seele geht. Die Leute, die beim Essen zu viel an die Nahrung und an die Verdauung denken, die schwächen ihre Verdauung und bekommen einen nervösen Magen. Nein, sammle beim Lesen deine Gedanken um das Wort und danke Gott für die ewigen Wahrheiten, die durch deine Seele fließen. Der Geist wird dafür sorgen, dass das Wort in dir wirkt, selbst wenn du nicht immer sagen kannst, was er da wirkt.

31. Januar

Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht.

Johannes 3,20

Als Adam und Eva gesündigt hatten, versteckten sie sich vor dem Angesicht Gottes zwischen den Bäumen des Gartens. Das erscheint kindisch, dass sie wirklich versuchten, sich vor Gottes Angesicht zu verstecken. Und doch ist es das, was alle Kinder Adams ihren ersten Eltern nachmachen. Gott ruft: „Wo bist du?“ Ruft Gott, so hört der Mensch. Aber er versteckt sich. Und es gibt viele Bäume im Garten. Wir haben viele Ablenkungen und Belustigungen, Lasten, Schande und dann die rastlose Arbeit mit Geist und Hand. Könntest du all den verschiedenen Menschen ins Herz sehen, würdest du sehen, dass es bei vielen so ist wie hier: Sie versuchen sich vor dem ewigen Gott und dem eigenen unruhigen Gewissen zu verstecken. Aber niemand kann Gott entfliehen. Einmal müssen wir alle ins Licht vortreten. Darum, o Mensch, komme raus aus deinem Versteck! Komme freiwillig, bevor du mit Macht ins göttliche Licht gezogen wirst, das deine ewige Pein werden wird! Jesus ruft heute wieder nach dir. Nicht, um dich zu erschrecken. Aber um dir zu sagen, dass er dich liebt und dich vermisst.

Das Sündenleben, das du zu verstecken suchst und das dich jedes Mal zurückhält, wenn du dich in Gottes Herz hineinwerfen möchtest, das hat er in seiner grenzenlosen Liebe für dich gelöscht. All deine Schuld ist bezahlt und wird im selben Augenblick ausgestrichen, wenn du ins Licht vortrittst und alles gestehst. Worauf wartest du noch?

1. Februar

Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging über das Meer.

Matthäus 14,25

Jesus war hinübergefahren zu einem öden Ort. Aber auch ein öder Ort wird lieblich, wenn Jesus dahinkommt. Die Menschen strömen von allen Enden zusammen. Er sprach zu ihnen und heilte ihre Kranken. Am Abend sättigte er 5000 Männer, ohne dass die Frauen und Kinder mitgezählt wurden. Da war die Stimmung großartig. Das war ein Messias nach ihrem Herzen. Die Jünger waren siegesgewiss. Es sah aus, als würde er nun ernsthaft beginnen, seiner Rolle als Messias gerecht zu werden, damit alle sehen konnten, wer er ist. Da zog sich Jesus plötzlich zurück. Er verschwand einfach. Nicht einmal die Jünger durften ihn begleiten. Sie mussten alleine in die Boote gehen. Er ist oben auf dem Berg, wo er in Ruhe beten kann. Und er ließ sich dabei Zeit. Die Jünger in ihren Booten mussten sich sehr abmühen, denn es war ein fürchterliches Wetter. Und dann, als der Morgen schon graute, sahen sie jemanden über das Wasser kommen. Das musste ein Gespenst sein! Es steht da, dass sie schrien vor Angst. Aber dann hörten sie die ihnen bekannte Stimme Jesu: „Fürchtet euch nicht ich bin es!“ Nun war alle Furcht verschwunden. Und Petrus fasste den Mut und stieg aus dem Boot, um auch über das Wasser zu gehen. Es ging auch solange gut, bis er eine große Woge auf sich zukommen sah. Da bekam er es mit der Angst zu tun und schon sank er. Er schrie zu Jesus, der ihn bei den Händen nahm und ihn aus dem Wasser zog. So erhielt Petrus eine Zurechtweisung. Beide stiegen nun in das Boot der anderen und das Unwetter legte sich. Die Jünger fielen nieder zu Jesu Füßen und beteten ihn an. Was bedeutet das nun? Müssen wir zuerst hinaus in Dunkelheit und Sturm, damit Jesus, auf dem Wasser gehend, zu uns kommen kann und uns zuruft: „Ich bin es?“ Wie ist es doch gut, wenn der Welt Plage und unser eigener Unglaube uns endlich so demütigen, dass wir wie die Jünger zu Jesu Füßen niederfallen und ihn anbeten.

2. Februar

Aber Jesus sprach zu ihnen und sagte: Seid getrost, ich bin es, fürchtet euch nicht!

Matthäus 14,27

Gestern sahen wirein wenig von dem, wasdie Jünger in jener denkwürdigen Nacht auf dem galiläischen Meer erlebten. Aber wir sind alle draußen auf einem noch größeren Meer; auf dem großen, stürmischen Meer des Lebens. Oft kann es schön sein, dort zu fahren. Aber es kann auch schrecklich sein, im Dunkeln, bei Gegenwind im aufgewühlten Meer, das unser kleines Boot zu verschlucken droht. Wie leicht kann nicht plötzlich ein großer Sturm losbrechen. Kanntest du nicht den alten stattlichen Seemann, der in Jahrzehnte langer Mühe sich ein kleines Kapital aufgespart hatte, so dass seine Frau und er auf ihre alten Tage sorgenfrei leben könnten? Durch einen Bankcrash verlor er alles, jeden einzelnen Cent. Oder sieh das junge Mädchen da draußen, mit dem schwarzen Schleier vor ihrem verweinten Gesicht! Sie kommt vom Grab eines jungen Mannes, mit dem sie all ihre schönsten Träume begraben hat. Oder sieh den, der da im Rollstuhl sitzt! Ein Opfer der Kinderlähmung, lahm und körperlich behindert für sein ganzes Leben. Eine Mutter bittet für ihr krankes Kind, und sie kann es behalten, aber es ist geisteskrank für sein weiteres Leben.

Oder sieh die Mutter, deren Sohn weder geisteskrank noch lahm ist, aber seine Mutter mit seinem gottlosen Leben peinigt! Einer meiner Freunde musste innerhalb von 23 Monaten seine Frau und drei Kinder beerdigen. Er sagte: „Mir scheint, sie könnten mich gleich mitbegraben.“ Dabei hatte er Haus und Hof, Feld, Wald und Geld genug. Aber das Schlimmste ist, wenn Jesus uns fernbleibt. Wir verstehen seine Handlungsweise nicht und zweifeln und murren. Da ruft Jesus im Dunkeln und im Unwetter: Ich bin es, ich habe das alles gesandt. Ich komme zu dir in Kummer, Not und Bedrängnis.“ Und sobald wir seine Stimme hören und erkennen, sind wir erlöst.

3. Februar

Mich hat herzlich danach verlangt, dieses Passalamm mit euch zu essen.

Lukas 22,15

Es ist mir schwer, an all die Gläubigen zu denken, die aus dem einen oder anderen Grund das Abendmahl versäumen. Wir haben ja hier in unserem Land eine große Gemeinde englischer Herkunft, die aus Prinzip nicht zum Abendmahl geht. Aber sonst gibt es nicht viele Menschen bei uns, die so offenbar das teure Mahl des Herrn verachten. Aber sie versäumen es trotzdem. Sie gehen selten zum Altar, weil sie sich für unwürdig halten. Ja, was hat doch der Gedanke um den „würdigen“ Abendmahlsgast der Gemeinde geschadet!

Wenn wir zum Tisch des Herrn gehen, wird nichts anderes gefragt, als was uns auch sonst gefragt wird, wenn wir uns dem lebendigen Gott nähern: Ob wir uns mit aufrichtigem Herzen in unserer Hilflosigkeit ihm zuwenden. Dieser Tisch ist der Tisch der Gnade. Hier wartet er darauf, allen armen, leeren und verängstigten Seelen den ganzen Reichtum seiner Gnade einfach so, umsonst, zu geben. Er wartet darauf, kalte Herzen zu erwärmen, durstige Seelen zu erfrischen. Hungrige zu sättigen und müde Hände und kraftlose Knie zu stärken. So oft du zu seinem Tisch kommst, geht er still und unbemerkt hinein in deine Seele und in deinen Leib und wirkt sein verborgenes, aber seliges Werk. Darum gehe zum Tisch des Herrn, so oft er gedeckt wird und du dabei bist! Bleibe nicht als Zuschauer sitzen, wenn andere Kinder Gottes zum Altar gehen. Gehe zum Tisch und preise den Herrn, der dir dazu die Gelegenheit gab.

4. Februar

Wandelt im Geist, dass ihr nicht das Begehren des Fleisches vollbringt.

Galater 5,16

Jesus kam, damit wir das Leben und das im Überfluss haben sollen. Er erlöste uns nicht, dass wir den Kampf durch dieses Leben in den Himmel verlieren sollten, sondern das wir siegen, zur Ehre dessen, der uns den Sieg so teuer erkaufte. So haben die Apostel Jesus verstanden. Gewiss sagen sie uns, dass wir in diesem Leben nie mit unserem alten Fleisch fertig werden, dessen Verlangen eine Feindschaft gegen Gott ist. Aber wenn wir im Geiste wandeln, sollen wir damit aufhören, des Fleisches Begehren zu tun. So sagt es uns das heutige Wort.

Es gibt viel schwaches und welkes Christentum unter uns, welches auf der Stelle tritt und nie einen Fortschritt in der Heiligung macht. Die alten Charakterfehler folgen uns von Jahr zu Jahr. Die guten Taten, von denen Jesus spricht, dass wir damit vor Menschen leuchten, glänzen durch deine Abwesenheit. Es wird nicht genug gegen die Sünde gekämpft; höchstens nach der Menschenweise. Mein Freund, weißt du, dass du schläfst und auf dem Wege zum Sterben bist? Hast du nicht von den Dornen gelesen, die die gute Saat langsam ersticken? Was willst du, sollen in deinem Herzen die Dornen oder die gute Saat aufgehen? Du fragst, was du tun sollst? Du sagst: Ich habe keine Kraft, keinen Willen, bin wie ein Lahmer, der es nicht mehr schafft, aufzustehen. Mein Freund, du hast vergessen, dass es etwas gibt, das heißt Gnade. Werfe dich in den Staub vor dem Gott der Gnade, bekenne deine laue Willenlosigkeit, dann vergibt er dir deine fürchterliche Sünde um des teuren Blutes Jesu willen! Und dann gibt er dir die Gnade, durch den Heiligen Geist. Und wenn du dann anfängst, im Geist zu wandeln, dann hörst du auf, die Begierden des Fleisches zu tun.

5. Februar

Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.

Kolosser 3,3

Alles Leben hat eine verborgene Seite. Es ist die, die wir meinen, wenn wir vom Geheimnis des Lebens sprechen. Auch göttliches Leben hat eine verborgene Seite - des neuen Lebens heiliges Mysterium. Dieses Leben ist immer verborgen, niemals liegt es bloß da vor eines anderen Menschen Auge. Was wir bei den anderen Gläubigen sehen, ist nur die Frucht ihres Lebens in ihrem Wesen, ihren Worten, Taten oder Leiden. Es ist eine wunderschöne Wahrheit, dass ein redlicher Christ mit Gott in seinem Herzen ein viel reicheres Leben lebt, als irgendein anderer Mensch ahnt. Vergiss das nicht, wenn du Gottes Kinder siehst! Sie können manchmal trocken und verwelkt aussehen, sie können kühl und verschlossen erscheinen; aber das schadet weder ihnen noch ihrer Umgebung. Aber wenn du das siehst, vergiss nicht, dass diese Gotteskinder innerhalb der wenig ansehlichen Schale oft einen reichen und schönen Kern eines zarten und vertraulichen Lebens mit Gott in sich tragen.

In dieser inneren, verborgenen Welt kämpfen wir, leiden wir, verlieren wir öfter und schlimmer als andere Menschen es ahnen. Hier schmerzen die offenen Wunden unseres Gewissens. Hier werden wir gezüchtigt unseres lauen und weltlichen Herzens wegen. Hier zittern wir in namenloser Angst. Hier sitzen wir oft fest in dem Sumpf der Verzagtheit.

Aber da drinnen erleben wir auch unsägliche Freude, nicht nur die großen „Taborstunden“, nein, auch die kleinen seligen Gnadenfunken im Alltag. Ein kleines Wort zum Trost und die Seele wird durchströmt von verborgener Kraft; oder eine Gebetserhörung, vielleicht einer Kleinigkeit wegen, aber doppelt lieb für uns, weil Gott uns seine Fürsorge in den kleinen Dingen zeigt. Oder kleine Siege über uns selbst, so klein, dass wir sie anderen gegenüber nicht erwähnen. Aber für uns ist es das Liebe und Unentbehrliche, das uns mit Gott in dankbarer Freude verbindet.

6. Februar

Die Saat geht auf und wächst empor, ohne dass sie selbst davon weiß.

Markus 4,27

Wenn der Herr sein Angesicht verbirgt, fühlt sich das Herz von jeder Wirkung der Gnade entleert. Eigenliebe und Weltlichkeit erfüllen jede Faser der Seele. Jedes Bereuen fühlt sich kalt an, und der Glaube scheint verschwunden zu sein. Das Gebet ist träge und das Wort trocken und ohne jeden Geschmack für die Seele. Wir spüren, dass alles verloren ist und Gottes Geist uns verließ. Und dann kommt der Erlöser und erzählt uns, dass das, was wir gerade erleben, überhaupt nicht gefährlich sei, sondern eher umgekehrt. Er sagt, dass wir uns eben in einem Wachstumsprozess befinden. Die Geheimnisse des Reiches Gottes sind zahlreich und groß. Und zu den Geheimnissen des Wachstums gehört, dass die Saat wächst, ohne dass sie es selber weiß. Was wir erleben, ist das Fallen des Laubes. Aber in der Zeit, in der das Laub fällt, reift die Frucht. Du sagst, wie könnte denn der Herr Frucht bei mir finden? Er sieht besser als du! Er sieht sowohl das Wachstum als auch die Frucht, wo du nichts sehen kannst. Da ist zum ersten die Sündenerkenntnis. Als du Christ wurdest, hast du bestimmt deine Sünde gefühlt. Aber so wie jetzt noch nie. Es ging dir wie Petrus, als er vor Jesus auf sein Angesicht fiel. Sah Petrus da sein Wachstum? Nein! Aber Jesus sah es und sprach: „Fürchte dich nicht, von nun an sollst du Menschen fangen!“ So geht es auch dir. Durch deine Demütigung wurdest du nicht nur liebevoller, sondern auch brauchbarer für den Herrn. Geh voran im Misstrauen gegen dich selbst, aber im Vertrauen auf den Herrn! Du wirst sehen, dem Demütigen schenkt Gott Gnade, Menschen für ihn zu gewinnen. Es gibt nichts Unwiderstehlicheres als einen demütigen Menschen. Wird jemand wie ein zum Tode verurteilter Verbrecher am Kreuze Christi begnadigt, so wird der nie mehr zwischen Anderen einen großen Platz einnehmen wollen. Er wird sich klein und beschämt vorkommen von dem Vertrauen und der Liebe, die andere ihm entgegenbringen.

7. Februar

Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind.

Jesaja 57,15

Kein Mensch kann Christ werden, ohne dass sein hartes Herz zerbrochen wird. Und es ist Gott, der das Herz zerbricht. Aber das ist eine schwere Arbeit, selbst für Gott. Ja, es ist ein mächtiges Wunder, wenn Gott das harte Herz zerbricht. Wie er das macht, kann ich nicht sagen, das ist das Wunder der Erweckung, der Erweckung Geheimnis. Aber wenn wir dieses Wunder auch nicht erklären können, so können wir es doch erleben. Und wir erleben es alle auf die gleiche Weise. Wir erleben es so, wie der Prophet es sagt, der Herr ist nahe, der Herr bringt den Sünder vor sein heiliges Angesicht. So ist Gott, dass der Sünder Gott nur zu erleben braucht, in Gottes Nähe zu sein braucht, und sein hartes Herz bricht. In seiner Nähe sind wir allein. Selbst wenn wir in einer großen Versammlung sitzen, wir können uns nicht länger in der Herde verstecken. Ich bin es, zu dem Gott redet. Und in seiner Nähe werden wir klein. Wir spüren unseren Abstand zu Gott. Endlich redet hier einer mit mir, mit dem ich nicht debattieren kann. Hier habe ich nur zu hören und zu gehorchen. In Gottes Nähe sehen wir uns sündig. Wir kommen hinein in ein himmlisches Oberlicht, das von Anfang an als völlig unerträglich empfunden wurde. Wir sehen unsere früheren Sünden, die kleinen und die großen in einem schmerzhaft klaren Licht. Und wir sehen unsere inneren Sünden wie ein bodenloses, grenzenloses Meer von Unreinheit und Unflätigkeit. Siehst du, nun ist das Herz zerbrochen. Nun haben wir keine Entschuldigungen mehr vorzubringen, keine Einwände mehr gegen das, was Gott uns sagt. Und nun geschieht die Übergabe des Sünders an Gott ohne Bedingungen und ohne Forderungen.

8. Februar

Alles, was ihr tut in Worten oder in Werken, dass tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Kolosser 3,17

Sieh, hier haben wir ein Wort an uns, das gerne in unserem Alltagschristentum leben möchte! Die meisten von uns machen es sich leicht, das Leben in zwei Teile zu teilen, in einen weltlichen und einen religiösen Teil. Aber noch schlimmer ist es, dass diese beiden Teile niemals richtig zusammenhängen wollen, sondern sich untereinander streiten. Die, die uns am Sonntag in der Versammlung sehen, haben es nicht leicht, uns am Montagmorgen wiederzuerkennen, wenn sie uns bei der Arbeit oder in einem Geschäft treffen. So, wie wir in dem Gebetskämmerlein aussehen, sehen wir in den anderen Räumen, in denen wir tagsüber zu tun haben, nicht aus. Alltagschristentum entsteht erst, wenn wir alles im Namen Jesu tun, wenn wir nichts machen, was das Licht des Herrn nicht verträgt. Wenn wir uns nichts zu tun vornehmen, bei dem der Herr nicht bei uns sein kann. Und doch, welch ein Glück, dass er mit uns sein will in allem, was wir tun, auch im Kleinsten und Alltäglichsten. Machen wir das, weil er will, dass wir auch die kleine alltägliche Arbeit in seinem Lichte tun, so wird unser ganzes Alltagsleben zu einem Gottesdienst. Da wird unser Alltag zu einem Feiertag und zur Festzeit über unserer täglichen Arbeit.

„Indem ihr Gott, dem Vater, dankt durch ihn.“, sagt der Apostel. Hier haben wir eine neue Seite im Alltagschristentum. In allem, was wir tun, sollen wir Gott danken. Das will sagen, dass unser ganzes Leben ein zusammenhängender Dank zu Gott sein soll. Im Herzen sollen wir ihm danken: Lobsingt Gott voll Dank in eurem Herzen, sagt der Apostel im vorangehenden Vers. Wir sollen ihm danken mit dem Wort, dass Gott und die Menschen es hören, und wir sollen ihm danken mit der Tat. Alles, was wir tun, soll wie ein stiller Händedruck ihm gegenüber sein. Nimm bitte an, was ich jetzt tue, es ist ein kleiner Dank für Christus, der mich erlöste, hinein in all dieses unverdiente Glück!

9. Februar

Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubtest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen?

Johannes 11,40

Diesmal war es für Maria und Martha unsäglich schwer. Zuerst, dass Lazarus krank wurde. Aber sie wussten doch, dass Jesus viele Kranke geheilt hatte. So getröstet schickten sie einen kurzen Gruß: Der, den du liebst, ist krank. Doch merkwürdigerweise kam Jesus nicht. Lazarus ging es immer schlechter. Sie mochten es nicht glauben, dass Lazarus sterben würde, denn Jesus war doch gar nicht so weit entfernt, und er hätte ihn doch mit nur einem einzigen Wort heilen können. Aber Jesus kam nicht und Lazarus starb. Die Schwestern fühlten sich von Jesus allein gelassen. Warum handelte Jesus so an ihnen, wo sie doch in Not gekommen waren? Er hatte doch sonst immer allen geholfen, so sie ihn darum baten, sogar den Heiden. Es war für sie unbegreiflich. Und als er dann endlich kam, begegneten sie ihm mit den vorwurfsvollen Worten: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre unser Bruder nicht tot.“ Aber Jesus hatte seine Gründe. Erstens wollte er Martha helfen, denn sie hatte es ja so schwer gehabt, Zeit zu finden, ihm zuzuhören, als er predigte. Nun hatte die viel beschäftigte Martha Zeit. Nun brauchte er sie nicht zu bitten, still zu sitzen und zu hören. Von sich selber aus war sie so schnell, wie sie nur konnte, gekommen, als sie hörte, er wäre nahe.

Seitdem gibt es so manche sich abmühende Martha, die vor dem Herrn nicht still werden kann, bevor nicht Krankheit und Not mit dem Gruß zu ihr kommen. Der Meister ist hier und ruft dich. Aber er hatte auch noch einen anderen Grund. Die Schwestern hatten ihn gebeten, Lazarus zu heilen. Aber er wollte ihnen mehr geben, als worum sie gebeten hatten. Er wollte Lazarus auferwecken. Du kannst deine Not und dein Leid so manches Mal nicht verstehen. Ständig hast du den Herrn gebeten, dir das wegzunehmen. Doch er hat etwas Größeres vor. Er will dir seine Herrlichkeit offenbaren. Wenn du doch nur glauben könntest!

10. Februar

Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte.

Matthäus 13,30

Es liegt ein eigenartig wehmütiger Ton über diesem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. Mit ein paar kräftigen Pinselstrichen malt Jesus für uns die Enttäuschungen, denen seine große Rettungsarbeit in der Welt bis an ihr Ende ausgesetzt ist. Der Acker ist die Welt. Der, der die gute Saat sät, ist der Menschensohn. Diese gute Saat sind die Kinder des Reiches. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. Der Feind, der sie säte, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Ein mächtiges Drama! Als die Jünger das verheerende Ausmaß sahen, wollten sie sofort anfangen, das Unkraut auszureißen. Aber der Hausherr sagte: „Nein, damit würdet ihr auch dem Weizen schaden. Lasst beides bis zur Ernte stehen!“ Ja, Jesu Jünger verspürten oft den Drang, die schlimmsten Feinde des Reiches zu vernichten. Als die Samariter die Stadt und ihre Häuser vor Jesus verschlossen, baten Jakobus und Johannes um die Macht, Feuer vom Himmel fallen zu lassen, um die Sünder zu verzehren. Aber Jesus sagte, wisst ihr nicht, wes Geistes Kinder ihr seid? Der Menschensohn kam nicht zu zerstören, sondern um zu erlösen. Auch wir können stehen und sehen, wie einige Feinde Gottes Gott verspotten und massenhaft Menschen verführen. Wir können stehen und das mit ansehen, bis wir uns wünschten, Gott möchte sie niederschlagen. Aber er weist uns milde ab mit diesen Worten: „Ich bin nicht gekommen, Menschenseelen zu vernichten. Lasse sie bis zur Ernte stehen und bete für sie, dass sie doch auch erlöst würden! Denn auch sie haben eine unsterbliche Seele, für die ich gestorben bin.“ Aber er sieht auch unsere innere Not und tröstet uns: Es kommt eine Zeit, da lege ich alle meine Feinde unter meine Füße, da wird sich jedes Knie vor mir beugen, da wird niemand mehr einen Mitmenschen verführen. Herr, wir warten auf diesen Tag!

11. Februar

Aber wenn die Frucht reif ist, sendet er gleich die Sichel aus, denn die Ernte ist da.

Markus 4,29

Eines der Geheimnisse unseres Textes ist dieses, dass er sich darauf bezieht, dass die Frucht reift. Ja, von Beginn des Lebens an, zielt alles hin auf diese Reife. Das löst viele der Rätsel unseres Lebens. Wir alle miteinander erleben Schicksale, die uns unbegreiflich sind. Und keine Erlebnisse sind so schwer wie die, von denen wir keine Ahnung haben, was ihr Sinn sein könnte. Sehen wir sie aber im Licht der Ernte und des Reifens, da bekommen sie einen Sinn. Er, der alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat, er, der auch unser kleines Leben steuert, er legt alles so zurecht, dass die Saat reifen kann. Er, der der Herr der Ernte genannt wird, er wartet auf die Ernte, dass er die Frucht einbringen kann. Darum sendet er alles, was die Reifung vorantreibt. Sei nun nicht bange um den Wetterwechsel zwischen Regen und Sonne, Wind und Wärme, Donner und Blitz! Das fördert die Reifung. Du kennst doch das, was wir das „Wetterleuchten“ nennen: Da ist die Luft mit Elektrizität geladen, es ist schwül und Tag und Nacht fällt das Atmen schwer. Aber dem Korn tut solche Luft gut. Anschub und Widerstand, Sorge und Freude, Krankheit und Gesundheit, Ehre und Unehre, gute Gerüchte und schlechte Gerüchte, Versuchungen und Anfechtungen, alles dient dazu, dass unser innerer Mensch reift. Denke daran: Wir leben nicht dazu, um es gut zu haben, sondern um zu reifen. Und dabei lernen wir, uns auf die Ernte zu freuen. Der Herr wartet, und wenn die Frucht reif ist, schickt er gleich die Sichel.

12. Februar

Und er gab ihm fünf Talente, einem anderen zwei und wieder einem anderen eins, jedem nach seiner Fähigkeit.

Matthäus 25,15

Es war der mit dem einen Pfund, der es vergrub. Kleine Gaben verführen am leichtesten zur Untreue. Darum will dieses Wort heute besonders zu uns reden, die wir nur ein Pfund bekamen. Die zwei und fünf Pfund bekamen, sind in Gottes Reich nur Ausnahmen. Wir, die wir ein Pfund empfingen, machen die überwiegende Masse unter Jesu Dienern aus. Ja, ich neige dazu, zu glauben, dass wir an dem großen Tag auch die Überraschung erleben, dass die wichtigste Arbeit in des Herrn Weinberg von denen ausgeführt wurde, die nur das eine Pfund bekamen. Kein Jünger Jesu hat weniger als das eine erhalten. Und dieser Tag, an dem alle, die mit dem einen Pfund in Demut und Treue ihre geringen Gaben eingesetzt haben, wird ein merkwürdiger Tag in der Gemeinde des Reiches Gottes werden. Wenn Jesu große Reichsarbeit hier auf dieser Erde so klein ausfiel, so deshalb, weil die meisten von denen mit dem einen Pfund dazu neigten, zu viel auf die mit den großen Gaben zu sehen. Und so vergruben sie ihr Pfund in tüchtiger Landwirtschaft, in ein gut gehendes Geschäft oder in solides Handwerk.

Du sagst, du könntest nicht predigen, nicht einmal ordentliches Zeugnis ablegen, hast es schwer, in einer Gemeinschaft laut zu beten oder zu deiner Liebsten von Gott zu sprechen. Aber hör doch, Gottes Reich besteht nicht in Worten, sondern in Kraft! Kannst du nicht mit Worten oder Ermahnungen reden, so rede mit deinem Schweigen und deiner Liebe! Nimm Abstand von Sünde und weltlichem Wesen, selbst wenn du kein Wort sagen kannst! Lass dein Licht scheinen, so dass das Dunkel hell wird! Du wirst sehen, viele Worte oder Ermahnungen sind gar nicht nötig. Sei treu im Kleinen!

13. Februar

Recht so, du guter und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines Herrn Freude!

Matthäus 25,21

Da steht, du warst treu über Wenigem. Gerade das ist für uns die Schwierigkeit. Und du, der du meinst, du hättest nur wenig bekommen, so dass es dir schwer fällt, etwas für Gottes Reich zu sagen oder zu tun, hast du nicht bemerkt, wie viel von Jesu kostbarer Zeit damit ausgefüllt war, dem Volke zu dienen und ihm seine Liebe zu zeigen? Du bekamst Jesu Liebe. Sie gehört zu dem einen Pfund dazu. Gebrauche sie, und du leistest einen Dienst in Gottes Reich, von dem du kaum eine Ahnung hast! Welchen Dienst tust du doch Gott und den Menschen, wenn du zu Hause freundlich bist, freundlich in deiner Arbeit, freundlich in guten und in schlechten Tagen. Sei treu im Kleinen! Du bekamst Freude im Heiligen Geist, auch das ist ein Teil des Pfundes. Erfreust du andere damit? Gehört es zu deinem Tagewerk, andere froh zu machen, vielleicht sogar mehr als nur einen Menschen? Du bekamst Frieden, auch das ist ein Teil des einen Pfundes. Schaffst du Frieden um dich herum? Vergib denen, die dich beleidigten, verbirg ihre Sünden vor anderen, anstatt sie weiterzutratschen! Sei treu im Kleinen! Du bekamst Jesu demütigen und sanftmütigen Sinn, wieder ein Teil des einen Pfundes. Du weißt, dass nichts so anziehend auf andere wirkt wie Demut. Sei du ein Wohlgeruch Christi, wo du auch hinreisen magst. Und wenn du auch meinst, große Sprachengaben besitzen zu müssen oder viel Geld, um im Reich Gottes Großes wirken zu können - weißt du nicht, dass die größte Wohltat, die du einem Menschen tun kannst, darin besteht, dass du für ihn in deinem Bettkämmerlein auf deine Knie gehst? An dem Tag, an dem alle, die das eine Pfund bekamen, die heilige Arbeit der Fürbitte nach Gottes Verheißung beginnen, da wird die Hölle vor Schreck erzittern und der Himmel widerhallen von Jubel.

14. Februar

Als er das gesagt hatte, ging sie fort und rief ihre Schwester heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich.

Johannes 11,28

Maria saß da und weinte über ihren toten Bruder. Vielleicht weinte sie eben so viel darüber, dass Jesus nicht gekommen war, obwohl sie doch Nachricht geschickt hatten darüber, dass Lazarus krank geworden war. Da kam Martha und flüsterte ihr zu: „ Der Meister ist da und will mit dir reden.“ Da steht, als sie das hörte, stand sie eilig auf und ging ihm entgegen. Ja, das verstehen wir. Denk doch nur, wenn du in deiner Not die Nachricht bekämst, dass Jesus gekommen wäre und wollte mit dir reden! Ich sollte heute mit dieser Botschaft zu dir kommen: „Der Meister ist hier und ruft dich!“

Er ist hier, bei dir, jetzt in diesem Augenblick. Er hörte die Nachricht, die du ihm sandtest. Wie nichts anderes, so rief ihn deine Not hierher zu dir. Und nun ist er hier mit all seiner mitfühlenden, vergebenden und erbarmenden Liebe. Darüber hinaus hat er alle Macht, so dass er dir helfen kann in allem, was bei dir ansteht.

Ob diese Worte bei dir dasselbe bewirken könnten wie bei Maria? Steh auf, gleich, und gehe zu Jesus! Sage ihm deine schwerste Sorge, so wie Maria es tat, die, die dich am meisten plagt! Jesus wartet auf dich. Vielleicht hat er schon lange gewartet. Warum hast du dich nicht ihm anvertraut? Warum bleibst du mit deinen Schwierigkeiten alleine? Sprich dich aus mit ihm über deine Weltlichkeit, die dein verborgenes Leben mit Gott immer noch ersticken will! Über die Kälte, die dein Herz bis auf den Grund erfrieren lässt, über die Sündengewohnheiten, gegen die dein Kampf so kraftlos wurde. Der Meister ist hier und ruft dich!

15. Februar

Siehe, welch große Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir Gottes Kinder sollen heißen.

1.Johannes 3,1

Tu das, was das Wort heute sagt! Sieh auf das große, dass Gott dich sein Kind nennt! Dein Auge wird so oft feucht, wenn du dein tägliches Leben siehst. Dein Herz krampft sich zusammen, wenn es die Sünden in den Gliedern fühlt und seine Ohnmacht spürt, sowohl Gott zu lieben als auch sich selbst abzusagen. Aber nun sieh auf Gottes Liebe, um Jesu Willen bist du Gottes Kind! Gott nimmt dich an als sein Kind, nicht weil du heilig und rein und geistlich wärst, sondern weil dein Herz dich verdammt und du keinen anderen Rat mehr weißt, als dich in Jesu Wunden zu verbergen. Gottes gutes Vaterlächeln leuchtet über dir in deinem Alltag, so oft er dich sieht, dich, der du zu deiner Erlösung nichts anderes weißt als Christus, für dich gekreuzigt. Danke ihm für die Liebe und für das Lächeln! Ehre und erfreue ihn mit einem freimütigen Herzen und einem heiteren Lächeln, wenn du deiner täglichen Arbeit nachgehst!

Um Jesu willen sollst du ein Kind sein, das Gott in Zeit und Ewigkeit verherrlicht. Seine gnädige Vaterliebe erweist sich darin, dass er deine Sünden vergibt, dich losliebt von der Welt, dich hört, wenn du betest. Dass er dir beides sendet, äußere und innere Schwierigkeiten, so dass du in deiner Welt verstehen kannst, was Christi Kraft vermag. Und schließlich sollst du ihn auch damit ehren, dass du durch die Hände deiner letzten Feinde unbeschadet hindurchgehst, hinein in die ewige Verherrlichung durch Gott. Erst dort werden wir völlig erkennen können, was das ist, Gottes Kind zu sein.

16. Februar

Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

1.Korinther 3,9

Ja, das weißt du, liebes Gotteskind, aber denkst du auch daran und dankst du dafür? Gottes Mitarbeiter! Mitarbeiter zu sein erfordert größeres Vertrauen als Kind zu sein. Es braucht lange, bis unsere Kinder unsere Mitarbeiter werden. Wir schulden es Gott, für das Vertrauen und die Ehre, die er uns damit erweist, zu danken, dass er uns zu seinen Mitarbeitern macht. Die Mitarbeit, die er uns auferlegt hat, ist von unterschiedlicher Art. Die erste und wichtigste Mitarbeit, zu der Gott uns ruft, gilt unserer eigenen Seele. „Arbeitet an eurer Erlösung!“, lautet seine Dienstanweisung. Denn Gott ist es, der beides wirkt, das Wollen und das Vollbringen, so heißt es im gleichen Atemzug. Hier gibt es Zusammenarbeit. Als nächsten Arbeitsplatz, nach dem an unserer eigenen Seele, weist er uns unser Zuhause an. Wir alle sollen mit Jerusalem beginnen und von dort aus über Samaria und Galiläa bis an das Ende der Welt wirken. Gott arbeitet in deinem Heim und hat dich als Mitarbeiter angestellt. Sei da zuerst vorsichtig, dass du nicht durch deine Gedankenlosigkeit oder deinen Egoismus etwas zerstörst, was Gott in deinem Zuhause bereits getan hat! Und dann lebe in deinem Alltag so, dass es für deine Lieben leichter wird, gute Christen zu sein! Und die, die noch keine Christen sind, durch dich zu Gott hingezogen werden und nicht eine Abneigung gegen das Christentum bekommen. Von deinem Heim gehst du dann hinüber zu deinem Nachbarn, Freunden, Bekannten und Arbeitskameraden. Gott arbeitet an allen und hat dich als Mitarbeiter auch für sie angestellt. Sei zuerst freundlich, dienstbereit und aufopfernd! So tust du Gottes Arbeit. Dann bitte darum, dass Gott dir die Augen öffnet, dass du die Not siehst, wo du lebst - die seelische wie auch die leibliche Not bei deinen Mitmenschen. Nutze die Zeit, es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann!

17. Februar

Nun aber bleiben diese drei, Glauben, Hoffnung, Liebe. Aber die größte unter ihnen ist die Liebe.

1.Korinther 13,13

Ist der Glaube die Kraft, das Leben richtig zu leben, so ist die Liebe die richtige Art und Weise, das Leben richtig zu leben. Die Liebe selbst ist das Leben. Gott ist ja Liebe und Gott ist Leben. Von uns wird gesagt, dass wir tot sind, bis dieses Leben der Liebe in uns eingepflanzt ist. Wie das Leben selbst, so ist auch die Liebe ein Geheimnis und kein Mensch ist imstande zu sagen, was Liebe ist. Aber sie kann erlebt werden. Gepriesen sei der Herr! Das ist des Lebens Glück. Ja, die ewige Seligkeit besteht darin, dass wir im Himmel vollkommen lieben werden, was bedeutet: Wir leben nur, ausschließlich in Liebe. Die Liebe äußert sich zuerst und wesentlich in unserem Willen. Zu lieben ist eine bestimmte Art, etwas zu wollen. Und sobald der Wille auf diese Weise zu wirken beginnt, weckt er bei uns glückliche Gefühle. Die Liebe will für andere da sein. Und die vollkommene Liebe kennt kein anderes Glück, als andere glücklich zu machen. Es gab nur einen Menschen, der so lebte, und das war Jesus. Wir anderen glauben rein instinktiv, dass der Sinn des Lebens darin besteht, für uns selber da zu sein, für unser eigenes Glück, unseren eigenen Nutzen, unseren Vorteil und Bequemlichkeit. Und erst durch ein Wunder, durch das Wunder der Wiedergeburt, geht es uns auf, dass der Sinn unseres Lebens darin besteht, für andere da zu sein. Und selbst ein ganz langes Leben nach diesem Wunder wird nicht mit den Resten der alten Eigenliebe fertig. Erst im Himmel ist unser altes Leben ganz verschwunden. Dort werden auch wir sagen, meine Speise ist es, Gottes Willen zu tun.

18. Februar

Und er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen.

Offenbarung 21,4

0, welch ein Tag, wenn das alles fort ist, was diese Welt verdarb. Die Sünde ist weg. Denk nur, dass wir nie mehr unseren Erlöser betrüben werden! Des Gläubigen eine und einzige Sorge gilt ja der Sorge über die Sünde. Die wird er nie los. Er kann an die vollständige Sündenvergebung um Jesu willen glauben. Alles, was er dachte, sagte oder tat, ist ausgelöscht und in das Meer des Vergessens geworfen. Und doch wollen die Sorgen über die Sünden niemalsverstummen. Im Gegenteil, sie werden tiefer und schmerzlicher. Je näher wir dem Kreuze Christi leben, umso schwerer wird es für uns, dass wir trotz allem etwas gegen unseren teuren Erlöser tun können. „Dank, dass ich einmal ohne Sünde leben werde, wenn jeder Gedanke rein und jede Tat ganz ohne Fehl, wenn ich nicht mehr zu zittern brauche vor der gegebenen Möglichkeit sündiger Lust.“ Da ist die Sünde fort, auch in den anderen. Kein einziger böser Mensch wird gefunden. Es ist schwer, sich das vorzustellen. Denk dir, dass alle um uns herum so wären wie Jesus! Du sagst, wenn alle so wären wie Jesus, dann hätten wir schon den Himmel. Das glaube ich auch. Alle, die wir dort treffen, Menschen und Engel, sind gut. Darum gibt es dort keine Versuchung, keine Gefahr. Für ewig innerhalb der Türen, die uns ein-, aber niemals ausschließen.

Die Folgen aller Sünden sind auf ewig verschwunden. Keine Tränen, keine Müdigkeit, keine Krankheit, keine Sorgen, kein Mangel mehr. Kurz gesagt: Keinerlei Disharmonie. Unser ganzes Menschsein, Seele und Leib, sind endlich in ihrem Element, in Gott.

19. Februar

Ein Sämann ging aus zu säen seinen Samen, und indem er säte, fiel etliches auf den Weg, es wurde zertreten, und die Vögel kamen und fraßen es auf

Lukas 8,5

Ein schmerzhaftes, aktuelles Wort an uns, die jetzt hier zusammensitzen. Das Gleichnis erzählt uns nämlich, was drinnen im Herzen geschieht, während das Wort gehört wird. Und Jesus sagt, es gibt vier verschiedene Arten von Zuhörern. Zuerst nennt er die, die ohne jeglichen Nutzen hören. Die werden bestohlen. Die hören wohl das Wort, aber ehe es Zeit findet, bei ihnen im Herzen zu wirken, wird es bereits wieder weggenommen. Da sitzen einige, die denken an ganz andere Dinge, während sie hören und erinnern sich später nicht an ein einziges Wort, von dem, was sie hörten. Du weißt wohl, dass Gott kein anderes Mittel hat, um dich zu erlösen als sein Wort. Darum ist es auch nicht verwunderlich, wenn Jesus das mahnende Wort hinzufügt: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Und dann gibt es einige, die hören und auch gut hören, aber sie sitzen und kritisieren den Prediger. Sie ärgern sich über seine Fehler und Mängel. Andere kritisieren nicht nur den Prediger, sondern auch das biblische Wort, das er verkündigt.

Lieber Freund, das Gefährliche für dich ist, dass du tatsächlich Grund zur Kritik haben könntest! Wir, die wir Gottes Wort verkündigen, sind sehr fehlerhaft. Und nicht nur das, das Wort des Herrn hat etwas an sich, das deine Kritik geradezu herausfordert. Das Wort vom Kreuz ist für die Juden ein Ärgernis und für die Griechen eine Dummheit. Vielleicht kennst du die tödliche Blutkrankheit, in der die weißen Blutkörper die roten auffressen. Und so wird gestorben. Da hilft das, was der Kranke isst, gar nichts. Solange du unter dem Hören des Wortes mit Kritik sitzt, geht ein ähnlicher Prozess in deiner Seele vor. Wie viel du auch hörst, es hilft dir gar nichts. Bitte Gott um die Erlösung von deiner tödlichen Krankheit der Seele!

20. Februar

Und etliches fiel auf felsigen Grunde, es wuchs schnell auf denn es hatte keine tiefe Erde. Und als die Sonne aufging, wurde es versengt, und weil es keine Wurzeln hatte, verdorrte es.

Markus 4,5-6

Hier erfahren wir von Zuhörern, die das Wort nützen, ohne dass es für sie zur Erlösung wird. Sie werden vom Wort leicht berührt. Es sind oft sehr sensible und empfindliche Naturen. Sie werden schnell vom Wort oder vom Gesang, den sie hören, am meisten jedoch von Erzählungen, ergriffen. Und es dauert nicht lange, bis die Augen feucht werden und die Tränen tropfen. Sie haben es gerne, so berührt zu werden. Sie geben sich der Bewegung hin, die ihre Seele erfüllt. Sie werden ergriffen, beten, singen und bezeugen wie die anderen. Aber nie reift bei ihnen die Frucht der Umkehr. Das Ganze stoppt bei den Blumen der Bekehrung, die Wurzeln fingen nie an zu wirken. Da helfen auch nicht die großen Versammlungen, die ihnen große Stimmungen verschaffen. Da kommt es zu keiner Entscheidung für Gott, zu keinem Bruch mit den Sünden. Jedes Mal, wenn das Wort sie im Gewissen traf, glitten sie vorsichtig darunter hinweg und beruhigten sich selbst mit den inneren Gefühlen, die sie gerade erlebten. Und es gibt auch ältere Christen, denen es ebenso geht. Sie haben es gut mit Gott gehabt und so verloren sie das Leben. Und sie gingen nicht wie so viele Abgefallene in ein weltliches und ungöttliches Leben über. Nein, sie wollen weiter Gottes Kinder sein. Um jeden Preis wollen sie glauben, dass alles gut sei. Doch ihr Glaube stößt sich gerade daran, dass sie das Wort „genießen“, wenn sie es hören. Und wenn ihr Gefühlsleben ebenso entzündet wird, so brennen sie und beten und reden. Aber bevor sie noch von der Versammlung wieder nach Hause kommen, sind sie schon ausgebrannt. Prüfe mich, o Gott, und sieh, ob ich auf dem Weg des Verderbens bin und leite mich auf den Weg der Ewigkeit!

21. Februar

Die, die unter die Dornen fallen sind die, die hören und in ihrem Wandel von den Sorgen, vom Reichtum und den Genüssen des Lebens erstickt werden und die Frucht nicht zur Reife bringen.

Markus 4,18-19

Da ist nichts verkehrt mit dem Erdboden. Es sind tiefe, nach innen gewandte Naturen. Ihre Erweckung ist oft hart und voller Kämpfe und tiefem Leid über die Sünde. Und wir freuen uns zu sehen, wie tief sie graben, um ihr Haus auf einem Felsen bauen zu können. Und so geht es eine lange Zeit voran. Aber dann sehen wir, wie es bei ihnen stehen bleibt. Sie werden scheu und verlieren ihr freimütiges Wesen. Die Dornen haben Macht über sie bekommen. Jesus nennt das die Verführungen des Reichtums. Natürlich nennt er sie zuerst. Die Knechtschaft unter dem Mammon ist für uns alle gleich gefährlich. Das Verführende an ihm liegt daran, dass er so oft der Sparsamkeit ähnlich sieht und dadurch sich mit diesem Namen schmückt. Willst du wissen, ob du geizig oder sparsam bist? Ich glaube, dass du am einfachsten darüber Klarheit bekommst, wenn du dein Geld abgeben sollst.

Wagst du es, dich mit dem Herrn über deine Gaben zu beraten oder entscheidest du die Sache auf eigene Faust?

Und dann nennt Jesus des Lebens Lust. Ja, diese Dornen haben so manches göttliche Leben in den Gläubigen ersticken können. Was haben doch Weltlichkeit, Eitelkeit und Sinnlichkeit an verheißungsvoller Frucht zerstört! Und so wächst es heran, ein verhätscheltes, verpfuschtes und opferloses Christentum, das der Seele weder Freude noch Leid gibt, aber Lauheit, die der Herr aus seinem Munde ausspucken wird.

22. Februar

Aber die auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen und guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Lukas 8,15

Hier erfahren wir von denen, die das Wort so hören, dass sie dadurch erlöst werden. Und das erste, was wir hören ist das, dass sie das Wort annehmen. Das ist der Anfang. Gottes Wort kommt zu einem Menschen. Er spricht, das ist der Anfang. Das nennen wir Erweckung. Aufgewacht ist der, zu dem gesprochen wurde, angerufen von Gott. Und wer Gottes Wort annimmt, der kehrt um. Umkehr besteht eigentlich darin, dass ein Herz anfängt zu beten so wie der junge Samuel: Rede Herr, dein Diener hört. Umgekehrt zu sein, Gottes Kind zu sein, besteht darin, Gottes Wort an zu nehmen, und jeden Tag aufs Neue zu beten: Rede Herr, dein Diener hört, sage mir alles, was ich über meine Sünden hören muss und sprich so, dass ich es verstehe! Der, der so Gottes Wort annimmt, bei dem beginnt auch gleich das Wort Frucht zu bringen.

Zuerst beginnt er unter seinen Sünden zu leiden und er ist traurig über sie. Dann beginnt er seine Sünden zu bekennen, alte und neue, große und kleine, verborgene und offenbare. Dann erlebt er, dass er sich vor sich selber fürchtet. Er erlebt, dass alles für ihn in Stücke geht. Er kann nicht bereuen, kann die Sünde nicht hassen, kann Gott nicht lieben, nicht glauben. Aber ohne Christus kann er nicht leben. Nun ist er so weit, dass er begnadigt werden kann. Nun ist das Kreuz seine einzige Zuflucht. Und Jesus sagt, dass er all diese Frucht in Geduld trägt. Ach ja, oft ist es nicht leicht, denn er selber sieht die Frucht nicht immer. Die Saat wächst, ohne dass er selber es weiß.

23. Februar

Seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.

Lukas 2,48

Hier sehen wir in ein betrübtes Mutterherz. Und es gibt viele ähnliche. Ein altes Wort sagt: Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen. Die kleinen, süßen und unschuldigen Kinder werden größer, kritisch, selbstständig und schwierig. Wenn du ihnen nun von Jesus erzählst, sitzen sie da mit kaltem Herzen. Die Freunde beschäftigen sie spät und früh. Der Sport verschluckt sie, und die Vereine haben sich gewissermaßen verschworen, sie von der Familie fern zu halten. Du spürst deine Ohnmacht und verstehst, dass du es nicht schaffst, dein Heim so zu gestalten, dass es sie halten kann. Und was noch schlimmer ist, du selbst bist daran Schuld, wenn sie dir entgleiten, weg vom kindlichem Glauben, weg vom Gott ihrer Kindheit. Dein tägliches Leben schwächt deine Worte. Du schaffst es nicht, Christsein so zu leben, dass es über deine Kinder Kraft gewinnt. Ab und zu spürst du dann die Angst, keinen Rat mehr zu wissen. Denk, deine Kinder gingen deinetwegen ewig verloren. Mein Freund, es ist gut, dass du darunter leidest, und es ist gut, dass du weinst. In dieser Welt ist dies das Los der Liebe. Menschen werden nicht ohne Leid und Tränen erlöst, auch nicht deine Kinder.

Aber sei nicht bekümmert, trage deine großen Kinder zu Jesus, so wie du sie zu ihm trugst, als sie klein waren. In Stockholm kam eine 88-jährige Dame zu mir. Sie hatte sich gerade bekehrt. Sie kam, mich zu bitten, auszurufen und für alle Eltern bekannt zu geben, dass der Herr Gebete erhört. Als kleines Kind hatte sie Vater und Mutter gehört, wie sie Gott um die Erlösung ihrer Kinder baten. Und nun waren diese Gebete endlich erhört worden. All ihre sieben Geschwister hatten sich bekehrt und nun war auch sie als letzte dazu gekommen. Gelobt sei Gott in Zeit und Ewigkeit!

24. Februar

Und als er das Volk sah, wurde er von Mitleid mit ihnen ergriffen.

Matthäus 9,36

So ist Jesus, als er das Volk sah, sah er dessen Not. Auch jetzt ist er so. Und heute ist er hier. Wir können ihn nicht sehen, aber er sieht uns. Er sieht auch jetzt die Not, auch deine Not, der du dir oft keinen anderen Rat weißt, als zu weinen. Du, alt, erschöpft und einsam. Noch vor ein paar Jahren war das Nest voll, und du warst der Mittelpunkt in einem reichen Heim. Alle riefen nach dir. Aber nun ist das Nest leer. Du fühlst dich einsam. Du bist nun alt und vergesslich. Aber vergiss nicht, du hast im Himmel jemanden, der dich sieht und dir folgt! „Siehst du das lächelnde Äug, still, was wünschst du noch mehr?“ Du Kranker und Hilfloser, Jesus ist bei dir und leidet mit dir! Er wurde versucht in allen Dingen, damit er uns zur Hilfe kommen kann. Du, der du so schmerzlich leidest, weil du deine Lieben verloren hast, erinnere dich, dass Jesus mit am Grab stand und mit den trauernden Schwestern weinte! Jesus sieht uns heute alle hier. Wie fühlst du dich, unter Jesu Augen? Manche haben Angst, wenn Jesus sie ansieht. Sie flüchten vor ihm und verstecken sich. Es gibt einige, die Jesus besonders leid tun. Ihre Not ist so groß. Zwar nicht größer, als dass er leicht helfen könnte, aber als er mit der Hilfe kam, wandten sie sich von ihm ab. Am meisten aber bedauert er die, die in Not sind, sich Hilfe wünschen und es doch nicht wagen, ihn zu bitten, aus Furcht vor den Menschen. Oh ,fliege wie ein Vogel zu dem Fels, du, der du all deiner Sünden müde bist!

25. Februar

Als er das Volk sah, wurde er von Mitleid mit ihnen ergriffen. Er sagte zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sindwenige, darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.

Matthäus 9,36-38

Als Jesus das Volk und ihre Not sah, begann er sofort mit seinen Jüngern darüber zu sprechen, was er da sah. Es liegt etwas Anrührendes darin, dass Jesus seinen so kleinen und unvollkommenen Freunden seine Gedanken und Gefühle mitteilt. Sieht er etwas, was sein zartfühlendes Herz anspricht, so wendet er sich gleich an den einen oder anderen seiner Freunde in seiner Nähe und spricht mit ihm über das, was er sieht. Aber es sind nicht alles Freunde Jesu, die ähnliche Gespräche mit ihm wünschen. Die möchten gerne erbaut werden, gerne etwas Gutes über Gott hören, wie sie das nennen sowohl unter vier Augen als auch in Gemeinschaft. Aber wenn er kommt und fragt: Hast du gehört, dass er krank ist? Hast du gehört, dass es ihr so schlecht geht? Hast du gehört, dass ich für jene Arbeit dort noch keine Freunde fand? Hast du gehört, dass denen das Geld für ihre Arbeit fehlt, die ich sie bat anzufangen? Aber wenn Jesus so zu reden beginnt, dann sagen viele, sie hätten keine Zeit. Andere aber freuen sich, wenn Jesus mit ihnen über die Not spricht und über das, wozu er sie braucht. Ja, sie freuen sich über diese stillen Stunden, denn sie spüren, wie leicht es geht, sich mit seiner eigenen Not zu beschäftigen und darüber die Not der anderen zu vergessen. Aber wenn Jesus mit ihnen reden kann und sie wiederum die Not mit Jesu Augen sehen können, da treten sie mit Freuden in Jesu Arbeit ein. Und während sie in Jesu Arbeit stehen, da summen sie leise für sich diesen schönen Vers:

„Wer bin ich selber, dass ich mit Leib und Seele kann dienen einem so gnädigen Herrn!“

26. Februar

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens.

1.Timotheus 6,12

Zu glauben, das ist eine Übung, denn Glauben ist eine Kunst, die höchste Kunst im Leben. Die Übung besteht unter anderem darin, zu unterscheiden zwischen dem, was ich in Christus bin und dem, was ich in mir selber bin.

Ich sehe mein abgestumpftes Leben, mein rebellisches Herz, meine lauen Gebete, meine Liebe zur Welt, meine Furcht zu verzagen, meine Unlust zu Gott und seinem Wort. Ich werde ungeduldig, verwirrt und ängstlich, bis ich wieder darin mit Gott einig geworden bin, dass ich in mir selber hilflos bin; dass ich aber im Glauben, also im Vertrauen auf meinen Stellvertreter, vor Gott, stehen kann wie früher.

Was Christus mir gegeben hat, das macht mich vor Gott lieb. Und nun stehe ich da, etwas dankbarer als vorher, etwas sicherer meines Stellvertreters wegen, und etwas gewisser in dem, was ich in ihm besitze. Und ich bekam etwas mehr Übung im Glauben. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens! Hier ist die entscheidende Front in diesem Kampf. Am Ende seines Lebens sagt Paulus triumphierend: Ich habe den Glauben bewahrt!

Es ist eine Kunst im Kampfe des Glaubens, dass ich ihn bewahre, dass ich nach meinen Versäumnissen und Versündigungen nicht stehen bleibe, sondern im Vertrauen auf meinen Stellvertreter freimütig wieder vor Gott trete. Das ist des Gläubigen beste Verteidigung. Das ist der Schild des Glaubens, der alle glühenden Pfeile des Bösen auslöschen kann.

Halleluja, ich habe Jesus nun gefunden, sein Gnadenglanz hat sich an mich gebunden. Ich seh‘ den Weg zum Vaterhaus, wohin ich will, und schreite freudig aus.

27. Februar

Herr, wir möchten gerne Jesus sehen.

Johannes 12,21

Die Zeit von jetzt bis Ostern nennen wir Fastenzeit. Gottes Gemeinde hat seit Alters her in diesen sieben Wochen vor Ostern gefastet. Fasten besteht zum Teil im Verzicht auf Essen und Trinken und auch im Verzicht auf alle Feste und Vergnügungen. Der Sinn dieses Fastens lag darin, sich so weit als möglich von allen irdischen Dingen zu lösen, um mit gesammelten Sinnen Jesus in seinem Leiden zu folgen.

Im Laufe der Zeit hat sich mit diesem Fasten viel ungeistliches und unbiblisches Wesen verbunden. Dennoch liegt ihm ein tiefer und evangelischer Gedanke zugrunde. Könnte es nicht sein, dass viele von uns evangelischen Christen eine solche Fastenzeit brauchten? Unsere Arbeit, sei sie weltlich oder geistlich, macht es uns leicht, uns nach außen zu wenden. Viele von uns brauchten es dringend, eine Zeit des Jahres der Vertiefung im Leiden unseres Erlösers zu widmen. Das würde bestimmt Auswirkungen haben, nicht nur auf unser eigenes Glaubensleben, sondern auch für unsere Familie, für die Gemeinschaft der Heiligen und auch für die Unbekehrten.

Viele von uns leben ein schlechtes Christenleben. Dabei denke ich nicht nur an die, die Gottes Namen durch Mogelei und Schurkenstreiche in Unehre bringen. Das sind ja nicht so viele. Nein, ich denke an die vielen unter uns, die ein sehr verdünntes und schwaches Glaubensleben führen. Hier ist keine Unredlichkeit im Wege. Hier ist keine Wirkung des Heiligen Geistes zu sehen. Bei einigen ist ihr inneres Leben nur fadenscheinig und abgenutzt.

Wir, denen es so geht, lasst uns darin einig werden, dass wir in diesen Wochen für andere beten! Und besonders wollen wir um das eine beten, dass wir Jesus sehen mögen.

28. Februar

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn.

Psalm 84,3

Der alte Dichter ist auf die eine oder andere Art davon ausgeschlossen, in den Tempel zu gelangen, dahin, wo Gott im alten Bund seinem Volk begegnete. Und nun singt er in diesem schönen und ergreifenden Gedicht von seiner Sehnsucht nach dem Heiligtum.

Vor seinem inneren Auge sieht er die kleinen Spatzen, die unter den Dachziegeln bauen und die Schwalben, die unter dem Dach ihre Nester haben. Fast beneidet er diese glücklichen Geschöpfe, die so jeden Tag in den Vorhöfen sein können. Es gibt viele Seelen, denen es ganz ähnlich geht. Hier sitzt ein Gotteskind, alt und grau, zitternd und schwach. Das ist lange her, dass du das letzte Mal mit anderen zusammen auf geebneten Wegen zum Gotteshaus gingst. Du hast Sehnsucht nach der Versammlung der Heiligen, nach Lesung und Gebet; nach der Verkündigung des Wortes und des Abendmahls heiliger Zeit, nach dem Unaussprechlichen, das so oft deine Seele inmitten der Heiligen erfüllte. Da liegt ein Gotteskind krank, Jahr für Jahr. Du kämpfst nicht nur mit den Schmerzen, sondern auch mit der Einsamkeit. Seitdem du krank wurdest, hast du dein Gebetskämmerlein viel besser kennengelernt als früher. Jetzt hast du aber auch die Versammlung der Heiligen viel mehr schätzen gelernt als damals, als du noch mit dabei warst. Oft genug bist du versucht, die zu beneiden, die die Versammlung besuchen können. Ja, du verspürst ab und zu bittere Gedanken gegen den, der dich besuchte, als du noch gesund warst, aber jetzt nicht einmal 10 Minuten findet, nach dir zu sehen. Du bist kein Dichter und kannst deiner Sehnsucht keine so poetische Form geben wie der alte Sänger, aber all deine unaussprechlichen Seufzer steigen auf zu dem, der im Grunde der Seele jedes Verlangen sieht.

29. Februar

Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi.

Philipper 1,6

Das ist ein gutes Wort für alle Suchenden. Sie suchen, aber sie finden nicht. Sie klopfen an, aber Gott will für sie nicht öffnen. Sie beten, aber erhalten nie das eine, um das sie Tag und Nacht flehen und beten, nämlich Gewissheit. Sie lesen im Wort Gottes, finden aber keine bleibende Hilfe, selbst wenn ab und zu eine kleine Erleuchtung durch ihre Seele zieht. Sie hören Gottes Wort. Und wie sie hören! Es ist, als wenn sie jedes Wort, das sie hören, geradezu aufsaugen. Und dennoch bleibt es dunkel für sie. Sie sprechen mit Predigern und anderen Gläubigen, und eine kleine Weile können sie eine Erleichterung und eine Freude in der Seele spüren. Aber danach ist es wieder dunkel, oft sogar noch schlimmer als vorher. Sie kämpfen gegen ihre Sünden und verlieren fast immer. Sie leiden des Missmuts vernichtende Qualen. Was mag der Grund dafür sein, dass sie keinen Frieden und keine Gewissheit erlangen, von dem andere ständig bezeugen, dass sie es erhalten hätten? Hin und wieder versuchen sie in ihrer Verzweiflung mit Gewalt sich diese Gewissheit zu erzwingen. Gewissermaßen stellen sie Gott den Stuhl vor die Tür und sagen: Nun muss er die Gewissheit geben. Sie ermuntern auch andere, diesen Weg zu gehen. Aber Gott antwortet nicht und sie sind um eine Enttäuschung reicher. Mein suchender Freund, hör dieses Wort heute: Er, der das gute Werk in dir begann, der wird es auch fortsetzen. Er bleibt bei seinem guten Werk in dir, jeden Tag. Du sagst, aber in mir geschieht doch nichts. Es geschieht mehr als du siehst und verstehst. Stehe ihm nur nicht im Weg! Das heißt, dass du zuerst einmal nichts vor ihm zu verbergen suchst und dass du dann die Gnadenmittel nützt: Wort, Abendmahl, Gebet und die Gemeinschaft der Heiligen. Er wird das Werk vollenden und du wirst Gewissheit bekommen zu seiner Zeit.

1. März

O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?

Markus 9,19

Was ist es doch, was diese schmerzvollen Worte aus Jesu milden Mund pressen? Das war nicht die Weltlichkeit der Sadduzäer, nicht die Feindschaft der Pharisäer, nicht des Volkes Gleichgültigkeit oder der Zöllner Ungöttlichkeit. Nein, es war der Unglaube der Jünger.

Als Jesus vom Berg der Verklärung herabkam, wollten die Jünger gerade einen besessenen Jungen heilen, aber sie konnten es nicht. Und das, obwohl ihnen Jesus die Vollmacht gegeben hatte, böse Geister auszutreiben. Da kamen diese leidvollen Worte aus Jesu Herzen: Du ungläubiges Geschlecht! „Der Unglaube der Jünger betrübte Jesus mehr als aller Hass der Feinde.“, sagte jemand. Nun sind wir Jesu Jünger. Auch wir bekamen seine Vollmacht, die da heißt: Betet, so werdet ihr bekommen! Jesus legt all seine Allmacht in unsere Hand und sagt: Gebrauche das Gebet und du wirst Himmel und Erde bewegen! Darum gibt es gewiss nicht viele Worte, die Jesus schwerer fielen, als diese seinen Jüngern zu sagen: „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.“ Unbegrenzte Kräfte stehen uns zur Verfügung, um die eigene Hilflosigkeit und Sündenschuld zu fühlen, um in Christi vollbrachtem Werk, mit Freude in Gott und Abscheu vor allem Ungehorsam gegen ihn zu bleiben. Unbegrenzte Kräfte, um Nein zu sich selber zu sagen und anderen zu dienen; für Gebet und Fürbitte, zur Arbeit und zur Ruhe, zur Freude und zum Leid, zum Leben und zum Sterben. Das haben wir alles in Christus. Und er sagt: Betet, so werdet ihr bekommen! Dadurch wird mein Vater verherrlicht und eure Freude vollkommen werden.

2. März

Jesus stand still und ließ ihn zu sich führen. Da sie ihn nahe zu ihm brachten, fragte er ihn und sprach: „ Was willst du, dass ich dir tun soll?“

Lukas 18,40-41

Über diese Erzählung von dem blinden Mann freue ich mich besonders. Sie gibt mir ein Bild meines Erlösers, das mir so richtig gut tut. Ich sehe ihn hier so königlich groß und so königlich gut. Dank, dass er so groß ist, dass er auf allen Wegen der Welt gehen kann und zu dem, der ihm begegnet, sagt: „Was willst du, das ich für dich tun soll?“ Und wenn wir armen Bettler ihm unsere Bitte vorgetragen haben, so kann er sie erfüllen, um was immer wir baten. Und er ist so königlich gut, dass er sich von niemandem wegdreht, der sich in seiner Not an ihn wendet. Den verborgensten Heuchler, den größten Schurken, den leichtsinnigsten Hurenkerl, das beschmutzteste Straßenmädchen, den größten Meineidigen, den frechsten Mörder; sobald er ein ehrliches Gebet von ihnen hört, beugt er sich zu ihnen nieder und fragt: „Was willst du, dass ich für dich tue?“ Jesus wandte sich zuerst dorthin, wo Not war. Seine Augen suchten nach den Leidenden. Zuerst wendete er sich den Bettlern zu. Es kann sein, dass du auch selbst ein Bettler wurdest. Das Leben wurde für dich so schwer, dass du dir keinen Rat mehr wusstest, wie du länger des Lebens Last tragen könntest. Ich habe dir eine große Freude zu erzählen. Jesus steht vor dir und fragt dich: „Was wünscht du, dass ich für dich tue?“ Solange du nicht mit deiner Not zu Jesus gegangen bist, sollst du nicht sagen, dass du ratlos seist. Warum gehst du denn nicht zu diesem mächtigen Freund? Du hast doch wohl nicht vor seiner Hilfe Angst? Hast du vielleicht Angst, er könnte dich sehend machen?

3. März

Die 70 kamen zurück mit Freuden und sprachen: Herr, sogar die bösen Geister sind uns in deinem Namen Untertan.

Lukas 10,17

Hier begegnen uns einige frohe Menschen. Die Siebzig waren gerade von ihrer ersten Missionsreise zurückgekommen. Sie sitzen nun um Jesus herum und erzählen. Sie freuen sich wie Kinder und alle sind besonders stolz auf das, was den größten Eindruck auf sie machte: Die Krafttaten, die sie vorher mit Bewunderung und Zittern bei Jesus erlebt hatten, die konnten sie nun selber ausführen. Und Jesus freute sich mit ihnen. Als sie ihre Erlebnisse erzählt hatten, sagte er ihnen von einem Gesicht, das er bekam, während sie fort waren. Er sah Satan fallen. Jetzt, nachdem Jesus seine ersten Anhänger gefunden hatte, die er in der übernatürlichen Rüstung Gottes gegen Satans Reich aussenden konnte, da war der Anfang vom Ende Satans gekommen. Und wir hören die Freude in Jesu Worten, wenn er seinen einfältigen und schwachen Freunden erzählt, dass er ihnen eine unsichtbare Rüstung angezogen hat, der des Feindes Waffen nichts anhaben könne. Wie froh Jesus in diesem Augenblick war, das sehen wir am besten an den Worten, die unmittelbar nach unserem Text folgen. Da steht: „Ich preise dich, Vater, des Himmels und der Erde!“ Ja, Christentum und Freude gehören unlöslich zusammen, so sagt es unser Wort heute. Du fragst: Wie sieht es aber dann mit meinem Christsein aus? Wie kann ich mich freuen, wenn ich meinen Ungehorsam, meine Ungläubigkeit und meine Unbrauchbarkeit sehe? Das wusste Jesus auch. Darum sprach er: Freuet euch nicht über eure Erfolge, freut euch aber, das eure Namen im Himmel angeschrieben sind! Du sagst: Ja, wenn ich das nur wüsste! Das bekommst du aus Gottes Wort zu wissen: Die, die ihre Kleider gewaschen haben, welche im Blut des Lammes hell gemacht wurden, deren Namen sind im Himmel angeschrieben.

4. März

Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden.

Matthäus 4,1

Als wir von Jesu Taufe hörten, begegneten wir dem offenen Himmel. Wenn wir nun heute von Jesu Versuchung hören, begegnet uns die offene Hölle. Damals hörten wir die Stimme vom Himmel und heute die aus der Hölle. Auch die Versuchung ist eine Ausrüstung, die Jesus bekommen musste, bevor er sein Werk beginnen konnte. Er ging in den Zweikampf mit dem Starken, um ihn zu binden und ihm seine Beute abzunehmen. Jesu Versuchung ist vielleicht das Rätselhafteste in seinem ganzen Leben. Auf jeden Fall ist das der tiefste Punkt seiner Erniedrigung, dass er überhaupt versucht werden konnte. Dass er, der beides, Gott und Mensch war, dass auch er Gehorsam lernen musste, durch die Versuchung, die er durchlitt. Die Versuchung Jesu ist ein liebliches Evangelium für alle redlichen Seelen, die auch versucht werden. Er versteht uns. „Dadurch, dass er selber litt, als er versucht wurde, kann er denen zur Hilfe kommen, die versucht werden.“ Er versteht uns, wenn wir innerlich von den ungeheuren Kräften der Versuchung zerrissen werden. Und er versteht uns, wenn wir in der Versuchung fallen. Wie eine Mutter versteht und fühlt er mit seinen gefallenen Kindern. So beugt er sich über uns, wenn wir schamvoll darniederliegen und nicht mehr wagen, zu ihm aufzublicken. Und sieht er unsere Trauer und Scham, dann streicht seine weiche Hand mild über unsere wunde Seele. Und er sagt liebevoll: „Hab keine Angst, mein Kind, für all dein Fallen habe ich bezahlt.“

Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren.

Es streit‘ für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren, fragst du, wer der ist, er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth und ist kein anderer Gott, das Feld muss er behalten.

5. März

Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen; aber ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.

Lukas 22,31-32

Die Versuchung ist die Gefahr des Lebens, des Daseins zeitliches, ja ewiges Risiko. Die Versuchung gehört mit zu einem persönlichen Leben. Es gibt kein Menschenleben ohne Versuchung. Beide, der erste und auch der zweite Adam, waren sündlos. Versucht aber mussten sie beide werden. Kein Charakter kann sich entwickeln, ohne dass er in dem läuternden Feuer der Versuchung geprüft wird. Die Zeit der Versuchung ist unseres Lebens Schicksalsstunde. Da werden die Weichen unseres Lebens gelegt. Zwischen diesen Stunden fließt unser Leben verhältnismäßig still und ungefährlich dahin. Aber in der Zeit der Versuchung geschieht etwas in uns, etwas Entscheidendes für unser Leben. Die Stunden der Versuchung sind kurz, aber schicksalsschwer und ewigkeitsvoll. Unser ganzes Leben, nicht nur das zeitliche, auch unser ewiges, entscheidet sich in diesen kurzen Augenblicken.

Darum ist die unsichtbare Welt mit dabei und so aktiv in der Stunde der Versuchung. Sie weiß, was dieser kleine Augenblick für uns bedeutet. Darum folgt sie der Versuchung mit ihrer unsichtbaren Aktivität. Das ist es, was Jesus uns heute in seinem Wort sagen will. Lasst uns auf die starken Worte achten, die er gebraucht: Satan verlangt euch zu sichten wie den Weizen. Es ist das teuflisch Aktive, Draufgehende, Zielbewusste, was Jesus hier unterstreichen will. Das gibt dem Ganzen einen Ernst, der weit über den Augenblick aller Zeiten geht und auch über alle Grenzen der Zeit.

6. März

Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, aber freut euch, dass eure Namen im Himmel angeschrieben sind.

Lukas 10,20

Hier hören wir von der Arbeitsfreude der Christen. Alle christliche Arbeit ist eine Frucht der Freude erlöster Menschen, Freude an Gott. Jesus freut sich mit den Siebzig, als sie voll von jubelnder Arbeitsfreude wieder zurückkommen. Er wünscht sich frohe Mitarbeiter. Nun sind wir seine Mitarbeiter. Und wir haben Grund, uns zu freuen. Wir freuen uns über die Männer und Frauen, die der Herr der Ernte in die Missionsfelder sandte, der ihnen Vollmacht gab, Gottes Botschaft zu denen zu bringen, die in Finsternis und im Schatten des Todes sitzen. Wir freuen uns über die daheim, die arbeiten, opfern, beten und die große Sache der Mission in unserem Volk leiten. Und wir freuen uns über die Arbeit, die zu unseres eigenen Volkes Erlösung geschieht: Die vielfällige, opferwillige und zielbewusste Arbeit, die täglich getan wird. Wir wagen uns auch zu glauben, dass Jesus sich mit uns freut. Aber er wünscht, er könnte uns, seinen Jüngern, diesmal eine milde, aber doch ernste Warnung erteilen: Lass nicht die Arbeit und ihre Resultate, das Leben, das Leben in Gott, überschatten! Es besteht dafür die Gefahr. Das gilt uns allen. Die Gefahr ist groß in aller christlichen Arbeit. Das Wort des Tages stellt uns zwei wichtige Fragen: Sind wir frohe Arbeiter? Sind wir froh, weil die Arbeit gelingt oder arbeiten wir, weil wir froh sind? Dann arbeiten wir mit Freuden, ob die Arbeit gelingt oder zu misslingen scheint. Wir können hier lernen, was Jesus meinte als er sagte: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch.“ (Matth. 10,8)

7. März

Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf dass es dir wohl gehe und du lange lebst auf Erden.

Epheser 6,2-3

Hier haben wir das Grundgesetz für das Menschenleben. Gott, der es uns gab, gab uns auch die Freiheit, es zu brechen. Aber, ob wir es halten oder brechen, das Leben selber wird uns davon überzeugen, dass dieses Gebot heilig ist. In jungen Jahren meinten viele, dass sie ungestraft Vater und Mutter Kummer machen könnten. Aber nachdem die Jahre vergingen, erfuhren sie, dass das Leben schwer wurde für die, die mit Willen und Verstand Vaters und Mutters Herz verletzten und in ein zu frühes Grab brachten. Ihr lieben Kinder, die ihr heute diese Worte hört, seid freundlich und gehorsam gegen Vater und Mutter, solange ihr sie habt, damit ihr nicht später Tränen der Reue zu weinen braucht, wenn sie fort sind! Lasst Vater und Mutter merken, dass ihr deren Fürsorge, Mühe und Opfer für euch versteht! Sie tun ja nichts anderes, als an euch zu denken. Mach den Eltern Freude, während sie leben! Wenn sie tot sind, ist es zu spät.

Ihr lieben Jungen, die Ihr aufgehört habt, die Gebete zu beten, die Eure Eltern Euch lehrten; Ihr, die Ihr den Gott verachtet, der ihnen Trost im Leben und im Sterben war. Die Ihr auf Wegen geht, über die Vater und Mutter weinen, denkt doch darüber nach, was Ihr ihren empfindlichen Herzen antut! Du weißt, wie sie dich lieben, du weißt, wie sie für dich beten, du weißt, wie sie über dich weinen. Jeder Schritt, den du auf dem breiten Wege gehst, ist wie ein Stich in ihrem Herzen. Wie hältst du das aus? Wie kannst du mit der Sünde spielen, die leise und sacht deiner Eltern Leben peinigt? Und ihr lieben Jungen, die ihr durch Vaters und Mutters Gebete zu Gott gebracht worden seid, ich will euch sagen, was sie sehen, wenn der Tag vergeht. Sie sehen, wie sich euer Christsein gegen Eltern und Geschwister zeigt. Sie brennen darauf, bei ihren Kindern Christsein im Alltag zu sehen.

8. März

Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

Lukas 22,53

Dieses tiefe und dunkle Wort sprach Jesus in Gethsemane in dem Augenblick, als die Feinde kamen, um ihn zu verhaften. Auch schon früher war der Teufel hinter ihm her gewesen. Zuerst in der Wüste, aber später noch oft. Aber immer hielt der Vater seine Hand dazwischen. In der Wüste musste Satan weichen und Engel kamen und dienten Jesus, ebenso in Gethsemane. Die Versuchung war fürchterlich, aber die Vaterhand war dabei: Ein Engel vom Himmel stärkte ihn. Nun aber spürte Jesus, dass die Vaterhand sich zurückgezogen hatte. Nun ist Jesus ungeschützt in der Menschen und des Teufels Macht. Ohne Zweifel ist es das, was Jesus mit unsäglicher Angst und Grauen erfüllte. Nun bekommen der Teufel und seine menschlichen Handlanger die Möglichkeit, mit dem Heiligen zu tun, wozu sie Lust und Laune haben. Sie verspotteten ihn, schlugen ihn, spuckten ihm ins Gesicht, peitschten ihn aus, drückten ihm eine Krone aus Dornen auf sein edles Haupt und sie nahmen ihm sein Leben auf die schändlichste Art, die sie kannten. All dies war grauenvoll, aber Jesu eigentliches Leiden war doch ein anderes. Es war von innerer, seelischer Art. Zuerst und zuletzt das, dass der Vater sich zurückgezogen hatte. Und dann das, dass Jesus sehen musste, dass die Menschen nun endlich ihr ganzes böses Wesen, ihren Hass und ihre Feindschaft gegen Gott nach außen kehrten. Das war das Letzte, was Jesus vor seinem Tod von ihnen sah. Aus den Evangelien geht hervor, dass Jesus unter seinem letzten Leiden auffallend still war. Er hatte nicht mehr so viel zu sagen, dafür sah er um so mehr. Er sah Menschen in ihrer erbärmlichsten Erniedrigung, nun, wo der Vater ihnen die Freiheit gegeben hatte, zu tun, was sie wollten. Er sah das rasende Volk, das sich heiser schrie, um ihn gekreuzigt zu bekommen. Er sah sie zuletzt unter dem Kreuz. Nun fühlten sie sich sicher, nachdem er gekreuzigt war. Das gibt uns reichlich Stoff für viele Gedanken in der Fastenzeit.

9. März

Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi.

Philipper 1,6

Er fing an. Er fing an bei uns allen. Leider ging es bei den meisten von uns so, dass wir sein gutes Werk abbrachen. Wir verließen das Vaterhaus und zogen hinaus in ein fremdes Land. Aber wenn auch wir ihn verließen, er gab uns nicht auf. Er folgte uns auf allen Wegen. Er rief nach uns, wo wir auch gingen. Selbst in den hässlichsten Stunden unserer Sünden konnten wir seine milde und ernste Stimme hören. Schon in den Jahren unserer Kindheit und in der Jugendzeit überschüttete er uns mit seiner Gnade. Endlich blieben wir stehen. Er überzeugte uns, so dass in unserer Seele kein Zweifel blieb, dass wir uns bekehren müssten. Er sprach mit uns über unser sündiges Leben und über unser sündiges Herz, bis alle Risse geschlossen waren. Da glaubten wir, es wäre unmöglich, dass wir noch erlöst werden könnten. Aber er griff ein. Die Gnade, von der wir uns durch unsere gewollten Sünden ausgeschlossen hatten, strömte wieder hinein in unsere Seele. Und wir, was machten wir bei dem allen? Wir machten Schwierigkeiten. Vor der Bekehrung flüchteten wir jedes Mal, wenn seine milde Stimme uns nahte. Wir mogelten und machten uns selbst und Gott etwas vor, um in den Sünden Frieden zu finden. Und er war es, der den Trotz unseres Willens schmolz. Er wirkte beides in uns, das Wollen und das Vollbringen. Er schenkte uns Bekehrung. Und nach der Bekehrung? Da ist es ganz etwas anderes als Schwierigkeiten, die wir ihm bereiteten. Wie haben wir ihn doch jeden Tag betrübt und enttäuscht durch unseren Eigenwillen, unsere Eigenliebe, unsere Streitsucht, Gleichgültigkeit oder Misstrauen. Aber er setzte das gute Werk, das er begonnen hatte, auch fort. Immer wieder lenkte er uns in die Spur zurück - durch seine unaussprechliche Treue.

10. März

Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da sie vernahm, dass er zu Tische saß in des Pharisäers Haus, kam sie ... trat sie hinzu zu seinen Füßen und weinte.

Lukas 7,37-38

Simon war einer der wenigen Pharisäer, die sich zu Jesus hingezogen fühlten. Er war persönlich mit ihm bekannt geworden. Und nun hatte er Jesus und seine Apostel zu sich eingeladen, auch seine eigenen Freunde. Simon war noch im Zweifel über Jesus. Und nun hatte er sicherlich gehofft, dass er und seine zweifelnden Freunde in dieser Sache Klarheit finden könnten. Da wurde mit einem Mal Simons ganze Gesellschaft gestört. Ein Straßenmädchen der Stadt trat ein. Dass zu seiner Gesellschaft auch Zuschauer kamen, war in den östlichen Ländern damals nichts Besonderes. Darum unternahm Simon auch nichts, um sie hinauszuweisen. Aber sie berührte Jesus und machte ihn dadurch unrein. Das war Simon peinlich. Und er sagte zu sich selber: Wenn der ein Prophet wäre, so hätte er sie gleich durchschaut. Aber dennoch war das noch nicht das Schlimmste. Jesus verteidigte das Straßenmädchen auch noch. Und dann wurde es noch schlimmer, diese Verteidigung wurde ein Angriff auf Simon. Er sagte: Du gabst mir kein Wasser zum Füßewaschen, keinen Kuss, kein Öl. Du gabst mir Höflichkeit, doch keine Liebe. Die Frau dagegen hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und mit ihrem Haar getrocknet. Sie küsste nicht meine Wangen, sondern meine Füße, sie salbte nicht mein Haupt, sondern meine Füße. Wie gut ist das für alle Sünder zu hören, die über ihre Sünden weinen und dann durch alle Hindernisse hindurch brechen, hin zu Jesu Füßen. Was macht es, liebe Freunde, wenn Menschen spotten und kritisieren, so lange Jesus uns verteidigt?

11. März

Du gabst mir kein Wasser für meine Füße, diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit ihren Haaren getrocknet.

Lukas 7,44

Es war das Herz, nach dem Jesus sah, bei beiden, bei der Frau und bei Simon. Auch bei dir sieht er nach dem Herzen. Was sieht er da? Willst du wissen, was Jesus von deinem innersten Herzenszustand hält? Wir haben alle Freunde und Bekannte. Wir treffen sie auf der Straße, grüßen, bleiben stehen und reden miteinander. Das scheint uns freundlich, und dann sagen wir Tschüss. Und dann denken wir nicht mehr aneinander, bis wir später einmal wieder an einer Straßenecke aufeinanderstoßen. Das sind unsere Bekannten. Bei unseren Freunden ist es nicht so gewiss, dass wir sie öfter treffen, aber wir telefonieren miteinander oder schreiben uns. An sie denken wir täglich. Gott hat viele Bekannte. Sie legen Wert darauf, ihm einen kleinen Besuch am Sonntagvormittag abzustatten, auch sonst einmal, wenn sie gerade Zeit haben. Aber sobald der Besuch vorüber ist, denken sie nicht mehr an Gott, bevor sie am nächsten Sonntag wieder zur Kirche gehen. Mit Gottes Freunden ist das anders. Allerdings stehen sie niemals gut da. In der Regel sind sie arm und gering. Oft wissen sie für sich keinen anderen Rat als die Frau im Haus des Simon, sie weinen. Sie weinen wie jene über ihre Sünden. Aber dass sie Jesu Freunde sind, zeigt sich deutlich vor Gott und den Menschen. Sie können ohne Jesus nicht leben. Mit all ihren Sünden, mit all ihrer Not, machen sie sich auf, hin zu Jesu Füßen. Schließlich half Jesus auch dem Simon, er half ihm, sich selber zu sehen - und Jesus zu sehen. Damit war er vor die Wahl gestellt: Wollte er nur Jesu Bekannter sein oder sein Freund?

12. März

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Hebräer 10,35

Es gibt viele Gotteskinder, die haben ihr Vertrauen weggeworfen. Vielleicht bist du eines von ihnen. Du hast nur noch wenige Erinnerungen an jene Tage, an denen ein heiliges Vertrauen deine Seele stärkte, so dass du des Lebens kleine und große Prüfungen nicht nur mit Ruhe und Selbstbeherrschung, sondern auch mit einem tiefen Frieden in der Seele tragen konntest. Wie verlorst du dein Vertrauen? Von Josaphat steht geschrieben: „Sein Herz blieb vertrauensvoll auf des Herrn Wege.“ Ja, nur auf Gottes Wegen wird unser Vertrauen bewahrt. Aber wir verlassen des Herrn Wege mehr oder weniger jeden Tag. Wie kann da auch nur ein einziger unter uns das Vertrauen bewahren? Doch es ist nicht die Sünde, die uns das Vertrauen nimmt. Es ist das, was wir tun, nachdem wir gesündigt haben. Wenn wir unsere Sünden entschuldigen und noch schmücken, dann verlieren wir das Vertrauen. Da sind wir mit ihnen in ein geheimes Bündnis geschlittert und wir wagen uns nicht mehr, Gott offen in die Augen zu sehen. Viele Gläubige gibt es heute, die gehen mit niedergeschlagenen Augen, weil sie mit ihrer Fleischeslust Frieden geschlossen haben. Sie kämpfen nicht mehr redlich. Andere haben ihrer Eitelkeit, ihrer Bequemlichkeit oder Menschenfurcht nachgegeben und angefangen, sich der Welt gleichzustellen. Andere verloren ihr Vertrauen des Geldes wegen. Und verschwindet das Vertrauen, kommen die Kümmernisse herein. Zum Kreuz wagst du nicht mehr zu sehen, denn da begegnet dir Jesu trauriger und prüfender Blick. So versuchst du dich selbst zu trösten und das Beste zu hoffen. Besonders hoffst du darauf, dass es später besser wird. Du weißt wohl, dass du nur durch eine klare Entscheidung gerettet werden kannst.

13. März

Wer Ärgernis gibt einem dieser Kleinen, die an mich glauben, dem wäre besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in des Meeres Tiefe ersäuft würde.

Matthäus 18,6

Ich glaube kaum, dass Jesus jemals sonst solch scharfe Worte gebraucht hat wie die, die wir gerade lesen. Es ist die Verantwortung für Kinder, die er uns einschärfen will. Er sagt, dass es für einen Menschen besser wäre, ums Leben zu kommen, als die Gelegenheit zu finden, ein Kind zu verführen. Das Wort gilt uns allen, nicht nur Vater und Mutter, auch Geschwistern, Freunden, Verwandten. Möchte es uns doch allen durch Mark und Bein gehen, dass wir alle unsere Verantwortung für die Kleinen erkennen. Hüte dich, die Kleinen zur Sünde zu verlocken! Aber das Wort heute spricht besonders zu Vater und Mutter. Niemand kann dem Kind so viel helfen, wie die Eltern, aber ebenso kann niemand sie so verführen. Wir können dabei an die vielen Eltern denken, die ihren Kindern nie von Jesus erzählen, sie nie die Hände falten und beten lehren und die sie nie zum Kindergottesdienst bringen, ja ihnen den sogar verbieten, selbst wenn sie gerne dabei wären. Manche hören von klein auf, dass die Eltern fluchen oder Gottes Namen missbrauchen, dass sie lügen oder unanständige Worte gebrauchen. Und werden Kinder durch Gottes Gnade herausgeholt aus dem Sündenleben, in das ihre Eltern sie einführten, begegnet ihnen oft Widerstand und Verfolgung im eigenen Heim. Du, Vater und Mutter, die ihr ohne Gott lebt, hört heute Jesu ernste Worte an euch! Ihr verderbt nicht nur die eigene Seele, sondern auch die eurer Kinder, die ihr doch liebt. Erinnert euch an das Wort vom Mühlstein und lasst euch erlösen!

14. März

Diese Art kann durch nichts ausgetrieben werden als durch Beten und Fasten.

Markus 9,29

Die Jünger hatten versucht, den bösen Geist auszutreiben, vermochten es aber nicht, obwohl ihnen Jesus die Vollmacht dazu gegeben hatte. Aber wir? Die meisten von uns hätten den bösen Geist auch nicht hinausbekommen, obwohl Jesus auch uns die Macht dazu gab. Sieh die Eigenliebe, wie sie verdirbt - nicht nur unser tägliches Leben, sondern uns auch in die christliche Arbeit hinein verfolgt! Siehe die Ehrsucht, die Prunksucht und die Effekthascherei, die der Verkündigung die Kraft raubt und die christliche Gemeinschaft entleert, ja, oft sie sogar schädlich macht. Sieh das nach außen gewandte Wesen, das oft mit den Mühen der Zeit oder den vielen christlichen Aufgaben entschuldigt wird. Um die Wirksamkeit generell, zumal um die mehr oder minder mangelhafte Wirksamkeit der anderen, kann in Gesprächen interessant und stundenlang diskutiert werden. Von dem inneren verborgenen Leben in Gott wird auch gesprochen, aber oft nur, um überhaupt etwas zu diskutieren. Es wird vom Zeitgeist geredet, vom Unglauben, Zweifel und dem Geist der Freidenkerei. Und doch kann keiner dieser bösen Geister dem Evangelium mehr Widerstand bieten und dem Herzen Jesu so schmerzen, wie der Geist der Ohnmacht unter den Jüngern. Diese Art fährt nicht aus ohne Beten und Fasten. Warum fasten? Fasten dient dazu, das Gebet zu einem wirklichen Gebet zu machen. Es soll uns helfen, im Gebet Anteil an Jesu Vollmacht zu bekommen. Mehr als nur irgendwie braucht der Herr jetzt Jünger, die sich regelmäßig aus dem Lärm in die Stille vor des Herrn Angesicht zurückziehen, um sich für die Arbeit durch Gebet und Fasten zu stärken.

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Возрастное ограничение:
18+
Дата выхода на Литрес:
25 мая 2021
Объем:
412 стр. 5 иллюстраций
ISBN:
9783869548296
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