Читать книгу: «Verraten»
AUSGEWÄHLTE STIMMEN ZU DEN BÜCHERN VON MORGAN RICE
„Hat mich von Anfang an gefesselt und es hörte nicht auf … Diese Geschichte ist ein erstaunliches Abenteuer, von Anfang an voller Tempo und Action. Nicht ein Moment Langeweile.“
–-Paranormal Romance Guild {über Turned}
„Ein großartiger Plot und genau diese Art Buch, die man nachts nicht weglegen kann. Das Ende ist ein so spektakulärer Cliffhanger, dass man sofort das nächste Buch kaufen will, um herauszufinden, was als nächstes passiert.“
–-The Dallas Examiner{über Loved}
„Ein Buch, das Locker mit Bis(s) zum Morgengrauen und den Vampire Readings mithalten kann. Man will einfach bis zur letzten Seite weiterlesen! Wenn Sie Abenteuer, Liebe und Vampire lieben, ist dieses Buch das Richtige für Sie!“
–-vampirebooksite.com {regarding Turned}
„Eine ideale Story für jüngere Leser. Morgan Rice ist gut darin, einem Buch, was ein typisches Vampirmärchen hätte werden können, einen originellen Twist zu verleihen. Der erfrischende und einzigartige Roman hat die klassischen Elemente übernatürlicher Storys für junge Erwachsene.“
–-The Romance Reviews {regarding Turned}
„Rice ist einfach fantastisch darin, Dich von Anfang an in die Geschichte hineinzuziehen. Seine Beschreibungen gehen weit über das bloße Ausmalen von Szenen hinaus … Nett geschrieben und liest sich extrem schnell. Ein guter Anfang für eine neue Vampirserie, die sicher ein Hit bei allen Lesern wird, die leichte und zugleich unterhaltsame Kost mögen.“
–-Black Lagoon Reviews {über Turned}
„Voller Action, Romantik, Abenteuer und Spannung. Das Buch ist eine wundervolle Ergänzung für die Serie. Man will sofort mehr von Morgan Rice lesen.“
–-vampirebooksite.com {über Loved}
„Morgan Rice beweist sich wieder einmal als extrem talentierte Geschichtenerzählerin … Das Buch gefällt sicher vielen Lesern, auch jüngeren Fans des Vampir-/Fantasygenres. Der unerwartete Cliffhanger lässt einen schockiert zurück.“
–-THE ROMANCE REVIEWS{über Loved}
Über Morgan Rice
Morgan Rice schrieb die Nr. 1 Bestseller Serie DER WEG DER VAMPIRE, eine elfteilige Serie für junge Leser. Ihrer Feder entstammt auch die Nr. 1 Bestseller Serie TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, eine post-apokalyptischer Thriller-Serie aus derzeit zwei Büchern (man darf auf das Dritte gespannt sein) und die epische Fantasy-Serie DER RING DER ZAUBEREI, das derzeit aus dreizehn Büchern besteht und die Bestsellerlisten anführt.
Morgans Bücher gibt es als Audio oder Print-Editionen die in vielen Sprachen erschienen sind: Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Japanisch, Chinesisch, Schwedisch, Holländisch, Türkisch, Ungarisch, Tschechisch und Slowakisch – mehr Sprachen werden folgen.
Morgan freut sich, von ihren Lesern zu hören, darum besuchen Sie bitte www.morganricebooks.com um sich für Email-Updates zu registrieren. Erhalten sie ein kostenloses Buch, Geschenke, laden sie die kostenlose App herunter und erhalten sie exklusiv die neusten Nachrichten. Oder folgen Sie Morgan auf Facebook und Twitter. Morgan freut sich auf Ihren Besuch!
Bücher von Morgan Rice
DER RING DER ZAUBEREI
QUESTE DER HELDEN (Band #1)
MARSCH DER KÖNIGE (Band #2)
LOS DER DRACHEN (Band #3)
RUF NACH EHRE (Band #4)
SCHWUR DES RUHMS (Band #5)
ANGRIFF DER TAPFERKEIT(Band #6)
A RITE OF SWORDS – RITUS DER SCHWERTER (Band #7)
demnächst auf Deutsch erhältlich
A GRANT OF ARMS – GEWÄHR DER WAFFEN (Band #8)
A SKY OF SPELLS – HIMMEL DER ZAUBER (Band #9)
A SEA OF SHIELDS – MEER DER SCHILDE (Band #10)
A REIGN OF STEEL – REGENTSCHAFT DES STAHLS (Band #11)
A LAND OF FIRE – LAND DES FEUERS (BAND #12)
A RULE OF QUEENS – DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13)
DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS
ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1)
demnächst auf Deutsch erhältlich
ARENA TWO – ARENA ZWEI (Band #2)
DER WEG DER VAMPIRE
GEWANDELT (Band #1 Der Weg Der Vampire)
VERGÖTTERT (Band #2 Der Weg Der Vampire)
VERRATEN (Band #3 Der Weg Der Vampire)
BESTIMMT (Band #4 Der Weg Der Vampire)
BEGEHRT (Band #5 Der Weg Der Vampire)
demnächst auf Deutsch erhältlich
BETROTHED – VERMÄHLT (Band #6)
VOWED – GELOBT (Band #7)
FOUND – GEFUNDEN (Band #8)
RESURRECTED – ERWECKT (Band #9)
CRAVED – ERSEHNT (Band #10)
FATED – BERUFEN (Band #11)


Hören im Audiobuch-Format an!
Copyright © 2014 von Morgan Rice
Alle Rechte vorbehalten. Außer entsprechend den Ausnahmen des U.S. Copyright Act von 1976 darf kein Teil dieser Veröffentlichung kopiert, vertrieben oder in irgendeiner Form oder durch irgendwelche Mittel übertragen werden, auch nicht in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden, ohne, das seine vorherige Erlaubnis durch den Autor vorliegt.
Dieses Ebook ist nur für Ihren persönlichen Gebrauch lizensiert. Dieses Ebook darf nicht weiterverkauft oder an Dritte weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Ebook mit jemand anderem teilen möchten, kaufen Sie bitte ein zusätzliches Exemplar für jeden weiteren Leser. Wenn Sie dieses Buch lesen, obwohl Sie es nicht gekauft haben, oder es nicht ausschließlich für Ihren Gebrauch gekauft wurde, geben Sie es bitte zurück und erwerben ein eigenes Exemplar. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren.
Dieses Werk ist fiktional. Namen, Figuren, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Vorfälle entstammen entweder der Imagination des Autors oder werden fiktional verwendet. Jede eventuelle Ähnlichkeit zu realen Personen, lebendig oder tot, ist rein zufällig.
BAUMHAUS TASCHENBUCH Band 1015 Vollständige Taschenbuchausgabe Baumhaus Taschenbuch in der Bastei Lübbe GmbH & Co. KG Deutsche Erstausgabe Für die Originalausgabe: Copyright © 2011 by Morgan Rice Titel der amerikanischen Originalausgabe: „Betrayed – Book #3 in The Vampire Journals“ Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen Für die deutschsprachige Ausgabe: Copyright © [Jahr] by Bastei Lübbe GmbH & Co. KG, Köln Lektorat: Beate Christmann, Pulheim
FAKT:
Etwa neunzig Meilen nördlich von Manhattan liegt im Hudson River eine kleine unbedeutende Insel, auf der die Ruine eines schottischen Schlosses steht. Die Insel heißt Pollepel und wurde nach einem jungen Mädchen namens Polly benannt, das vor Hunderten von Jahren auf einer Eisscholle auf dem Hudson River trieb und am Ufer der Insel strandete. Der Legende nach wurde sie ganz romantisch von ihrem Liebsten gerettet, der sie dann auf der Insel heiratete.
Auf siebzig Jahr kann ich mich gut erinnern;
In diesem Zeitraum sah ich Schreckenstage
Und wunderbare Ding, doch diese böse Nacht
Macht alles Vorge klein.
William Shakespeare, Macbeth
(Zweiter Akt, Vierte Szene; Aus der Übersetzung von Dorothea Tiek)
1. Kapitel
Pollepel Island, Hudson River, New York
(In der Gegenwart)
»Caitlin?«, fragte jemand leise. »Caitlin?«
Als Caitlin Paine die Stimme hörte, versuchte sie mühsam, die Augen aufzuschlagen. Doch ihre Lider waren so schwer, dass es ihr kaum gelingen wollte, so sehr sie sich auch abmühte. Als sie es endlich schaffte – nur für einen kleinen Moment –, erkannte sie sofort, zu wem die Stimme gehörte.
Es war Caleb.
Er kniete neben ihr, hielt ihre Hände und musterte sie besorgt.
»Caitlin?«, wiederholte er.
Sie versuchte, sich zurechtzufinden und einen klaren Kopf zu bekommen. Wo war sie? Der Raum, in dem sie sich befanden, hatte kahle Wände aus Stein. Es war Nacht, und durch ein großes Fenster fiel das Licht des Vollmondes herein. Steinböden, gemauerte Wände, eine gewölbte Steindecke. Der Stein sah glatt und sehr alt aus. Waren sie in einem mittelalterlichen Kloster?
Abgesehen von dem Mondlicht wurde der Raum nur von einer kleinen Fackel erhellt, die an einer Wand befestigt war und nicht besonders viel Licht abgab. Um mehr zu erkennen, war es einfach zu düster.
Caitlin versuchte sich auf Calebs Gesicht zu konzentrieren, das ganz nah war. Hoffnungsvoll beobachtete er sie. Auf einmal leuchteten seine Augen auf, er drückte ihre Hand. Seine Hände fühlten sich warm an, während ihre ganz kalt und irgendwie leblos waren.
Trotz ihrer Bemühungen fielen Caitlin die Augen wieder zu – sie waren einfach zu schwer. Irgendwie fühlte sie sich … nein, krank war nicht das richtige Wort. Sie fühlte sich … schwer. Es war, als würde sie irgendwo zwischen den Welten schweben. Sie fühlte sich nicht mit ihrem Körper verbunden und schien auch nicht mehr Teil der Erde zu sein. Trotzdem war sie nicht tot, sondern hatte das Gefühl, aus einem sehr, sehr tiefen Schlaf zu erwachen.
Angestrengt versuchte sie, sich zu erinnern. Boston … die King’s Chapel … das Schwert. Dann fiel ihr ein, dass man sie niedergestochen hatte. Sie hatte im Sterben gelegen. Caleb war bei ihr gewesen. Und dann … seine Eckzähne – sie waren immer näher gekommen.
Seitlich am Hals spürte Caitlin einen pochenden Schmerz. Das musste die Stelle sein, an der sie gebissen worden war. Sie hatte ihn darum gebeten – ihn sogar regelrecht angefleht.
Doch jetzt war sie sich nicht mehr sicher, ob das wirklich eine gute Idee gewesen war, denn sie fühlte sich schrecklich. Eiskaltes Blut schien durch ihre Adern zu strömen. Es fühlte sich an, als wäre sie gestorben, hätte aber den nächsten Schritt nicht gemacht. So, als wäre sie irgendwo stecken geblieben.
Außerdem hatte sie Schmerzen. Dumpf pochten sie in ihrer linken Seite und in ihrem Bauch. Das musste die Stelle sein, an der das Schwert in ihren Körper gedrungen war.
»Was du gerade durchmachst, ist ganz normal«, erklärte Caleb ihr sanft. »Hab keine Angst. Alle machen das direkt nach ihrer Verwandlung durch. Aber es wird besser werden, das verspreche ich dir. Die Schmerzen werden bald ganz verschwinden.«
Sie hätte gerne gelächelt und ihm das Gesicht gestreichelt. Allein der Klang seiner Stimme machte alles wieder gut. Dafür lohnte sich alles. Endlich konnte sie für immer mit ihm zusammen sein, und das gab ihr Hoffnung.
Aber sie war zu müde. Ihr Körper reagierte nicht auf die Wünsche ihres Gehirns – sie schaffte es nicht, zu lächeln oder die Hand zu heben. Ganz allmählich driftete sie wieder in den Schlaf zurück …
Doch plötzlich schreckte ein Gedanke sie auf. Das Schwert … es hatte dort gelegen, und dann … war es gestohlen worden. Wer hatte es jetzt?
Auf einmal fiel Caitlin ihr Bruder Sam ein: Er war bewusstlos gewesen und von dieser Vampirfrau mitgenommen worden. Was war mit ihm, befand er sich in Sicherheit?
Und Caleb, warum war er hier? Er müsste doch eigentlich das Schwert zurückholen und die anderen aufhalten. War er nur ihretwegen hiergeblieben? Opferte er gerade alles, nur um an ihrer Seite zu bleiben?
Eine Frage nach der anderen schoss ihr durch den Kopf.
Sie nahm all ihre Kraft zusammen und schaffte es tatsächlich, die Lippen zu bewegen.
»Das Schwert«, brachte sie mühsam hervor. Ihre Kehle war so trocken, dass das Sprechen ihr Schmerzen bereitete. »Du musst gehen …«, fügte sie hinzu. »Du musst das Schwert …«
»Pst, ganz ruhig«, erwiderte Caleb. »Ruh dich einfach aus.«
Doch sie wollte mehr sagen, so viel mehr. Sie wollte ihm sagen, wie sehr sie ihn liebte, wie dankbar sie ihm war. Und wie sehr sie hoffte, dass er immer an ihrer Seite bleiben würde.
Aber das würde warten müssen, denn sie fühlte sich wieder so benommen, dass sie nicht mehr in der Lage war, weiterzusprechen. Sie kämpfte dagegen an, aber sie versank in der Dunkelheit und fiel erneut in einen tiefen Schlaf.
2. Kapitel
Kyle flog über den Norden Manhattans. Noch nie zuvor hatte er ein derartiges Hochgefühl erlebt. Hinter ihm flog Sergei, sein gehorsamer Diener, gefolgt von Hunderten von Vampiren, die sich ihnen unterwegs angeschlossen hatten. In Kyles Gürtel steckte nun das sagenumwobene Schwert, und das sagte alles. Überall entlang der Ostküste hatten böse Vampire die Neuigkeit bereits gehört, und immer mehr Clans stießen dazu und folgten Kyle. Allen war klar, dass es Krieg geben würde, denn Kyles Ruf eilte ihm weit voraus. Diese Vampire wussten, dass er garantiert nichts Gutes im Schilde führte. Und sie wollten daran teilhaben.
Prickelnde Vorfreude erfüllte Kyle, während die Armee hinter ihm anwuchs. Sergei hatte seine Sache gut gemacht, als er das Schwert genommen und diese Caitlin niedergestochen hatte. Damit hatte er Kyle überrascht, denn das hätte er Sergei gar nicht zugetraut. Offensichtlich hatte er ihn unterschätzt, und als Belohnung hatte er ihn am Leben gelassen. Bestimmt würde Sergei sich noch als guter Handlanger erweisen. Vor allem war Kyle beeindruckt gewesen, dass Sergei ihm sofort brav das Schwert überreicht hatte, nachdem sie die King’s Chapel verlassen hatten. Ja, Sergei kannte seine Stellung. Wenn er sich weiterhin dementsprechend verhielt, würde Kyle ihn vielleicht sogar befördern und ihm die Verantwortung über eine kleine Legion übertragen. Zwar hasste Kyle die meisten Dinge an den meisten Leuten, aber wenn er eine Eigenschaft schätzte, dann war es Loyalität.
Vor allem nach dem, was sein eigenes Volk, der Blacktide Clan, ihm angetan hatte. Nachdem Kyle Tausende von Jahren uneingeschränkt loyal gewesen war, hatte Rexus, der Oberste Meister, ihn verstoßen, als wäre er ein Niemand und als hätten all die Jahre treuer Gefolgschaft nichts bedeutet. Und alles nur wegen eines einzigen kleinen Fehlers. Das war unvorstellbar.
Doch jetzt war Kyles Plan perfekt aufgegangen. Nun, da das Schwert sich endlich in seinem Besitz befand, konnte ihm nichts mehr – absolut gar nichts mehr – in die Quere kommen. Sehr bald würde er Krieg gegen die Menschen und gegen die guten Vampirclans führen, und selbstverständlich würde er gewinnen.
Als Kyle sich dem Stadtzentrum näherte und Harlem überflog, ließ er sich etwas tiefer sinken und nutzte sein ausgezeichnetes Vampirsehvermögen, um die Einzelheiten dort unten heranzuzoomen. Dabei wurde sein Grinsen noch breiter.
Die Verbreitung der Pest, die Kyle selbst in die Wege geleitet hatte, zeigte offenbar bereits Wirkung, denn es herrschte schreckliches Chaos. Diese jämmerlichen kleinen Menschen drängten sich in alle Richtungen, rasten mit ihren Autos gegen Einbahnstraßen, stritten miteinander und plünderten Geschäfte. Er konnte erkennen, dass die meisten von ihnen mit den charakteristischen Beulen übersät waren, die symptomatisch für die Beulenpest waren. Außerdem sah er die Leichen, die sich bereits an jeder Straßenecke stapelten. Dort unten herrschte regelrecht Weltuntergangsstimmung. Nichts hätte Kyle glücklicher machen können.
Jetzt war es nur noch eine Frage von Tagen, bis sich alle Menschen in der ganzen Stadt angesteckt haben würden. Das war der Augenblick, in dem Kyle und seine Männer zuschlagen und die Übriggebliebenen vernichten würden. Es würde das größte Festmahl werden, das es je gegeben hatte. Und danach würden sie die wenigen überlebenden Menschen als Sklaven halten.
Das einzige kleine Hindernis, das noch im Weg stand, war der Whitetide Clan. Er bestand aus diesen jämmerlichen Vampiren, die sich nur von Tierblut ernährten und sich für etwas Besseres hielten. Ja, sie würden versuchen, sich ihm in den Weg zu stellen. Da Kyle jedoch das Schwert besaß, hatten sie keine Chance. Wenn er mit den Menschen fertig war, würde er sich als Nächstes um die Vampire des Whitetide Clans kümmern.
Aber zuerst – das war ihm am allerwichtigsten – würde er sich seinen Platz in seinem eigenen Clan zurückerobern. Und dabei würde er gnadenlose Härte walten lassen. Rexus hat einen schweren Fehler begangen, indem er mich bestraft hat, dachte Kyle. Unwillkürlich hob er die Hand und berührte die verkrusteten Wunden an seiner einen Gesichtshälfte. Man hatte ihn grausam bestraft, weil Caitlin ihm entwischt war. Rexus würde für jede einzelne Narbe, die Kyle davongetragen hatte, büßen müssen. Zwar besaß Rexus große Macht, doch mit dem Schwert war Kyle sogar noch mächtiger als er. Und Kyle würde nicht eher ruhen, bis er Rexus eigenhändig getötet hatte und er selbst der neue Oberste Meister war.
Bei dem Gedanken grinste Kyle wieder breit. Oberster Meister. Nach all den Jahrtausenden. Er hatte es verdient – es war seine Bestimmung.
Kyle und seine Männer flogen immer weiter, über den Central Park, über das Stadtzentrum, über den Union Square, über Greenwich Village … bis sie schließlich den City Hall Park erreichten.
Elegant landete Kyle, und die Schar der Vampire, die inzwischen auf Hunderte angewachsen war, folgte seinem Beispiel. Es war unglaublich, wie groß seine Armee nun geworden war. Was für eine eindrucksvolle Rückkehr!
Als Kyle gerade auf die City Hall zusteuerte, um die Türen aufzubrechen und seinen Krieg zu beginnen, entdeckte er aus dem Augenwinkel etwas, was seine Aufmerksamkeit erregte. Etwas, das ihn beunruhigte.
Er zoomte die Brooklyn Bridge heran, die mehrere Häuserblocks entfernt war, um das dort herrschende wilde Durcheinander genauer zu inspizieren. Unmengen von Autos steckten im Stau vor der Brücke fest, weil jeder versuchte, aus der Stadt herauszukommen.
Doch die Brücke war abgeriegelt. Mehrere Panzer und Militärfahrzeuge blockierten den Weg, und Soldaten richteten ihre Maschinengewehre auf die Menge. Offensichtlich durfte niemand Manhattan Island verlassen. Das Militär hatte den Auftrag, eine weitere Verbreitung der Seuche zu verhindern. Wahrscheinlich hatte man inzwischen sämtliche Brücken und Tunnel abgeriegelt.
Eigentlich war das genau das, was Kyle gewollt hatte: Wenn alle Menschen in Manhattan in der Falle saßen, würde es einfacher sein, sie zu töten.
Trotzdem drehte sich ihm jetzt der Magen um, als er das Spektakel mit eigenen Augen sah. Denn er hasste sämtliche Obrigkeiten – und dazu gehörte eben auch das Militär. Beinahe empfand er Mitgefühl mit den Menschenmassen, die schreiend verlangten, die Insel verlassen zu können. Sie wurden von Autoritätspersonen aufgehalten, und bei dem Gedanken kochte heiße Wut in Kyle hoch.
Gleichzeitig schoss ihm eine neue Idee durch den Kopf. Warum sollte man nicht einige Menschen von der Insel lassen? Denn dann würden sie die Pest weiterverbreiten, was ganz in seinem Sinne wäre. Zum Beispiel nach Brooklyn. Ja, das wäre doch sehr praktisch.
Plötzlich erhob Kyle sich wieder in die Lüfte und flog auf die Brooklyn Bridge zu. Sofort folgten ihm Hunderte Vampire.
Gut, dachte er. Sie sind loyal und gehorsam, und sie stellen keine Fragen. Eine sehr brauchbare Armee.
Geschmeidig landete Kyle vor der Brooklyn Bridge auf der Motorhaube eines Autos. Die Stiefel der anderen Vampire machten klackende Geräusche, als sie auf den Autos hinter Kyle aufsetzten.
Ein plötzliches Hupkonzert setzte ein – offensichtlich gefiel es den Menschen nicht, wenn man über ihre Autos spazierte.
Wut flammte in Kyle auf, weil diese erbärmlichen Menschen so undankbar waren und hupten, obwohl er gekommen war, um ihnen zu helfen.
Er stand auf der Motorhaube eines Saab Geländewagens und wollte gerade herunterspringen, um sich um das Militär zu kümmern. Weil der Fahrer jedoch wie wild hupte, drehte er sich langsam um und blickte durch die Windschutzscheibe auf die Familie hinunter, die wiederum zu ihm hinaufstarrte.
Sie waren eine typische adrette Vorzeigefamilie. Auf den Vordersitzen saßen Ehemann und Ehefrau, beide in den Vierzigern, hinter ihnen ihre beiden Kinder. Der Mann öffnete das Fenster und drohte Kyle mit der Faust.
»Runter von meinem Auto, verdammt noch mal!«, schrie er erbost.
Langsam kniete Kyle sich hin, holte aus und zertrümmerte mit der Faust die Windschutzscheibe. Dann packte er den Mann an seinem Polokragen und riss ihn durch die Scheibe aus dem Wagen. Glassplitter flogen in alle Richtungen, während die Ehefrau und die Kinder vor Entsetzen aufschrien.
Breit grinsend hob Kyle den Mann hoch über seinen Kopf.
Der arme Kerl jammerte und schrie. Die Glasscherben hatten ihm viele Verletzungen zugefügt, und er war blutüberströmt.
Mit Schwung warf Kyle den Mann durch die Luft, als wäre er ein Papierflugzeug. Er flog viele Meter weit und stürzte schließlich irgendwo mitten im Stau auf ein Auto. Kyle hoffte, dass er tot war.
Nun machte Kyle sich an die Arbeit, sprang von dem Auto und lief auf die riesigen Panzer zu, die den Zugang zur Brücke versperrten. Die übrigen Vampire folgten ihm auf den Fersen.
Als Kyle und seine Männer näher kamen, wurden die Soldaten sichtlich nervös. Mehrere brachten ihre Maschinengewehre in Anschlag.
Zwischen den Panzern und den Autos befand sich ein gut dreißig Meter breiter Streifen, den offensichtlich niemand überqueren wollte.
Doch Kyle überschritt diese unsichtbare Grenze völlig unbekümmert und marschierte geradewegs auf die Panzer zu.
»Stehen bleiben!«, rief einer der Soldaten durch ein Megafon. »Kommen Sie NICHT näher, sonst eröffnen wir das Feuer!«
Kyle lachte über das ganze Gesicht und marschierte weiter.
»Ich habe gesagt, STEHEN BLEIBEN!«, wiederholte der Soldat. »Das ist die LETZTE Warnung! Es besteht Ausgangssperre. Wir haben den Auftrag, nach Einbruch der Nacht auf jeden zu schießen!«
Kyles Grinsen wurde noch breiter.
»Die Nacht gehört mir«, antwortete er.
Als Kyle seinen Weg fortsetzte, eröffneten sie plötzlich das Feuer. Dutzende Soldaten richteten ihre Maschinenpistolen auf Kyle und seine Männer und schossen.
Die Kugeln prallten von Kyle ab, von seiner Brust, seinen Armen, seinem Kopf und seinen Beinen. Sie fühlten sich an wie Regentropfen, nur etwas heftiger. Amüsiert lächelte er über diese jämmerlichen Waffen der Menschen.
Dann sah er die entsetzten Gesichter der Männer, als sie begriffen, dass er nicht einmal verletzt war. Ganz offensichtlich konnten sie nicht begreifen, warum er immer noch auf den Beinen war. Auch seine Begleiter waren gesund und munter.
Den Soldaten blieb keine Zeit, auf ihre Erkenntnis zu reagieren, denn Kyle ging bereits auf einen der Panzer zu, kroch darunter und stemmte ihn mit übermenschlichen Kräften in die Höhe. Dann trug er das Fahrzeug mehrere Schritte Richtung Brückengeländer. Einige Soldaten verloren das Gleichgewicht und purzelten von dem Panzer herunter, während Dutzende weiterer Männer sich mit aller Kraft an dem Metall festklammerten, um nicht abzustürzen.
Doch das erwies sich als großer Fehler.
Kyle machte noch drei schnelle Schritte und warf den Panzer mit aller Kraft von der Brücke.
Das Fahrzeug flog im hohen Bogen über das Geländer und stürzte viele Meter in die Tiefe auf den Fluss zu. Dabei drehte es sich immer wieder um sich selbst. Die Soldaten schrien, als sie sich nicht mehr halten konnten und abstürzten. Schließlich schlug der Panzer mit einem gewaltigen Platschen auf der Wasseroberfläche auf.
Plötzlich erwachte der Verkehr zum Leben. Die vollkommen verängstigten New Yorker traten ohne zu zögern das Gaspedal durch, und die Autos schossen auf der jetzt frei gewordenen Fahrspur auf die Brücke zu. Innerhalb weniger Sekunden brausten Hunderte von Autos aus Manhattan heraus. Als Kyle ihre Gesichter musterte, erkannte er, dass viele bereits mit der Pest infiziert waren.
Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf seinem entstellten Gesicht aus. Diese Nacht versprach wunderbar zu werden.
3. Kapitel
Samantha sah, wie die riesigen Doppeltüren sich knarrend öffneten, und spürte ein unangenehmes Ziehen im Bauch. Dann trat sie in Begleitung von mehreren Vampirwachen in das Gemach ihres Meisters. Zwar hielten sie sie nicht fest – das würden sie nie wagen – doch sie umringten sie so dicht, dass die Botschaft auch so eindeutig war. Demnach war sie immer noch eine von ihnen, obwohl sie unter Hausarrest stand – zumindest, bis das Treffen mit Rexus vorüber war. Er bestellte sie als Soldatin zu sich, doch gleichzeitig war sie auch eine Gefangene.
Nachdem die Tür mit einem Krachen hinter ihr ins Schloss gefallen war, sah sie, dass der Raum voller Vampire war. Seit Jahren hatte sie nicht mehr so viele von ihnen versammelt gesehen. Aberhunderte füllten den Raum. Offensichtlich wollten alle zusehen und die Neuigkeiten über das Schwert hören. Sie wollten hören, wie sie es sich hatte entwischen lassen.
Aber wahrscheinlich wollten sie vor allem miterleben, wie sie bestraft wurde. Jeder wusste, dass Rexus ein unerbittlicher Meister war, der sogar den kleinsten Fehler mit einer Strafe ahndete. Und eine Verfehlung von dieser Tragweite würde sicherlich eine besonders schwere Bestrafung nach sich ziehen.
Samantha wusste das, und sie versuchte auch gar nicht, ihrem Schicksal zu entkommen. Schließlich hatte sie den Auftrag, den sie übernommen hatte, nicht erfolgreich ausgeführt. Zwar hatte sie das Schwert gefunden, aber sie hatte es auch verloren – sie hatte zugelassen, dass Kyle und Sergei es ihr vor der Nase weggeschnappt hatten.
Alles wäre perfekt gewesen. Das Schwert hatte nur wenige Schritte von ihr entfernt auf dem Boden in der King’s Chapel gelegen. Nur wenige Sekunden hatten sie von dem Ergreifen des Schwertes getrennt, von der Erfüllung ihres Auftrages, um ein Haar wäre sie zur Heldin ihres Clans geworden.
Und dann war Kyle mit seinem schrecklichen Handlanger hereinmarschiert, hatte sie niedergeschlagen und das Schwert gestohlen, unmittelbar bevor sie danach hatte greifen können. Das war so unfair. Wie hätte sie damit rechnen können?
Und was war sie jetzt? Der Bösewicht, die Versagerin. Die, die sich das Schwert vor der Nase hatte wegschnappen lassen. Oh ja, das dicke Ende würde noch kommen, davon war sie überzeugt.
Jetzt war es für sie nur noch von Bedeutung, dass Sam in Sicherheit war. Er war ebenfalls niedergeschlagen worden und hatte das Bewusstsein verloren. Daraufhin hatte sie ihn weggetragen und die ganze Strecke hierhergebracht, weil sie ihn in ihrer Nähe haben wollte. Sie war nicht bereit, ihn gehen zu lassen, und sie hatte nicht gewusst, wohin sie ihn sonst hätte bringen sollen. Also hatte sie ihn hereingeschmuggelt und ihn in einem leeren Raum tief unter der Erde untergebracht. Niemand hatte sie dabei beobachtet, jedenfalls nicht, soweit sie wusste. Dort würde er vor den neugierigen Augen dieser Vampire sicher sein. Jetzt würde sie Rexus Bericht erstatten, ihre Bestrafung erdulden und danach bis Tagesanbruch warten, wenn alle anderen schliefen, um mit Sam zu fliehen.
Natürlich konnte sie nicht einfach sofort fliehen. Wenn sie nicht zuerst ihren Bericht ablieferte und ihre Strafe verbüßte, würde ihr Clan Jagd auf sie machen, und sie wäre für den Rest ihres Lebens auf der Flucht. Hatte sie erst einmal ihre Strafe erduldet, würde niemand sie verfolgen. Dann konnte sie mit Sam zusammen fliehen und sich irgendwo niederlassen. Nur sie beide.
Niemals hätte sie damit gerechnet, dass dieser Junge solche Gefühle in ihr wachrufen könnte. Inzwischen besaß er für sie erste Priorität. Sie wollte mit ihm zusammen sein: Sie brauchte ihn. So verrückt es auch klingen mochte, selbst für ihre eigenen Ohren – sie konnte sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Das machte sie wütend, denn sie wusste nicht, wie es so weit hatte kommen können. Wie hatte sie sich nur in einen Jungen im Teenageralter verlieben können? Ganz zu schweigen davon, dass er ein Mensch war. Dafür hasste sie sich. Aber es war, wie es war. Es würde nichts bringen, ihre Gefühle ändern zu wollen.
Dieser Gedanke gab ihr Kraft, als sie langsam auf Rexus’ Thron zuging und sich auf seinen Urteilsspruch vorbereitete. Sie wusste, dass sie unbeschreibliche Schmerzen erleiden würde, doch der Gedanke an Sam würde ihr helfen, das durchzustehen. Es gab jemanden, zu dem sie zurückkehren konnte. Außerdem würde Sam all das erspart bleiben, weil sie ihn in Sicherheit gebracht hatte. Deshalb würde sie ertragen können, was jetzt auf sie zukam.
Doch würde er sie nach der Verbüßung der Strafe überhaupt noch lieben? So wie sie Rexus kannte, würde er als Strafe für sie eine Behandlung mit Weihwasser für angemessen halten und ihr Gesicht so gut es ging verunstalten. Vielleicht würde sie danach nicht mehr hübsch sein. Würde Sam sie dann immer noch lieben? Sie konnte es nur hoffen.
Stille senkte sich über den Raum, während die unzähligen Vampire näher rückten, um nichts zu verpassen. Samantha ging auf Rexus zu, ließ sich auf ein Knie sinken und neigte den Kopf.
Rexus starrte von seinem Thron auf sie hinunter, wobei seine harten, eisblauen Augen sie förmlich zu durchbohren schienen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, obwohl Samantha wusste, dass wahrscheinlich nur wenige Sekunden vergingen. Wohlweislich hielt sie den Kopf gesenkt und hütete sich, seinem Blick zu begegnen.
»Also«, begann Rexus mit rauer Stimme zu sprechen, »jetzt rächt es sich, dass ich dich ausgewählt habe.«
Ein längeres Schweigen folgte, während er Samantha musterte. Sie unternahm keinen Versuch, sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen, sondern blickte nicht einmal auf.
»Ich habe dich losgeschickt, um einen sehr einfachen Auftrag zu erledigen«, fuhr er fort. »Nachdem Kyle versagt hatte, brauchte ich jemandem, dem ich vertrauen konnte. Meine wertvollste Kriegerin. Noch nie zuvor hattest du mich enttäuscht, nicht ein einziges Mal in Jahrtausenden«, sagte er hart. »Aber irgendwie ist es dir gelungen, an diesem einfachen Auftrag zu scheitern – absolut kläglich zu scheitern.«
Samantha schwieg weiterhin.
»Nun erzähl mir ganz genau, was mit dem Schwert geschehen ist. Wo ist es?«
»Mein Meister«, antwortete sie bedächtig. »Ich habe dieses Mädchen aufgespürt, diese Caitlin. Und Caleb. Ich habe sie beide gefunden. Auch das Schwert habe ich gefunden. Ich habe Caitlin sogar dazu gebracht, es aus der Hand zu geben. Dann lag es auf dem Boden, nur ganz knapp außerhalb meiner Reichweite. Ich war ganz dicht davor, es war eine Frage von Sekunden, bis ich es in den Händen hätte halten können, um es Euch zu bringen.«
Samantha schluckte.
»Ich konnte nicht ahnen, was als Nächstes passieren würde. Als Kyle mich angriff, war ich völlig überrumpelt …« Lautes Gemurmel breitete sich unter den versammelten Vampiren aus.
»Bevor ich das Schwert ergreifen konnte«, fuhr sie fort, »hatte Kyle es schon an sich genommen. Sofort flüchtete er aus der Kirche, ich konnte nichts tun, um ihn daran zu hindern. Als ich versuchte, ihn zu verfolgen, war er bereits verschwunden. Das Schwert befindet sich jetzt in seinem Besitz.«
Das Gemurmel wurde lauter. Die Aufregung und Besorgnis im Raum war beinahe greifbar.
»RUHE!«, rief jemand mit lauter Stimme.
Langsam erstarb das Murmeln.
»Also hast du zugelassen, dass Kyle das Schwert genommen hat. Du hast es ihm praktisch überreicht.«
Obwohl Samantha es besser wusste, konnte sie sich nicht zurückhalten. Sie musste einfach etwas zu ihrer Verteidigung sagen. »Mein Meister, ich konnte nichts tun …«
Rexus unterbrach sie mit einem simplen Kopfschütteln, eine Geste, die Samantha fürchtete. Denn sie bedeutete, dass Schlimmes folgen würde.
»Wegen dir muss ich jetzt zwei Kriege vorbereiten. Diesen erbärmlichen Krieg gegen die Menschen und jetzt auch noch einen Krieg gegen Kyle.«
Als sich drückendes Schweigen über den Raum legte, spürte Samantha, dass ihre Bestrafung unmittelbar bevorstand. Sie war bereit. In Gedanken klammerte sie sich an das Bild von Sam und an die Tatsache, dass sie sie nicht wirklich umbringen konnten. Das würden sie nie tun. Es würde ein Leben nach all dem geben, irgendein Leben, und Sam würde ein Teil davon sein.
»Ich habe mir eine ganze besondere Strafe für dich ausgedacht«, erklärte Rexus, während er das Gesicht zu einem bösen Grinsen verzog.
Als Samantha hörte, wie die große Doppeltür hinter ihr geöffnet wurde, drehte sie sich unwillkürlich um.
Das Herz wurde ihr schwer, und ihr Mut sank.
An Händen und Füßen mit Ketten gefesselt wurde Sam von zwei Vampiren in den Raum gezerrt.
Sie hatten ihn gefunden.
Da sie ihn auch geknebelt hatten, konnte er sich winden, wie er wollte, doch es war ihm trotzdem nicht möglich, sich zu artikulieren. Seine Augen waren vor Schock und Furcht weit aufgerissen. Die Ketten rasselten, als sie ihn vorwärtszerrten.
»Offensichtlich hast du nicht nur das Schwert verloren, sondern auch noch Zuneigung zu einem Menschen gefasst – ungeachtet aller Vampirregeln«, sagte Rexus. »Deine Bestrafung, Samantha, wird darin bestehen, dem Leiden der Person zuzusehen, die dir am wichtigsten ist. Ich spüre, dass du dir selbst nicht am wichtigsten bist. Es ist dieser Junge. Dieser jämmerliche kleine Menschenjunge. Also gut«, fügte er hinzu und beugte sich grinsend vor. »Dann wird das deine Strafe sein: Wir werden diesem Jungen schreckliche Schmerzen zufügen.«
Samanthas Herz schlug heftig. Das hatte sie nicht vorhergesehen, sie konnte es nicht zulassen. Um keinen Preis.
Umgehend wurde sie aktiv und sprang auf Sams Bewacher zu. Es gelang ihr sogar, einen von ihnen heftig gegen die Brust zu treten, sodass er mehrere Meter rückwärts flog.
Aber bevor sie den andern angreifen konnte, hatten sich schon mehrere Vampire auf sie gestürzt und sie zu Boden geworfen. Mit aller Kraft versuchte sie sich zu wehren, aber da sie in der Überzahl waren, hatte sie keine Chance.
Hilflos musste sie zusehen, wie Sam in die Mitte des Raumes gezerrt wurde. Sie brachten ihn an die Stelle, an der in der Regel die Bestrafungen mit Weihwasser durchgeführt wurden. Für Vampire war diese Strafe unbeschreiblich schmerzhaft, und danach blieben sie lebenslang entstellt.
Da Sam ein Mensch war, war für ihn eine Bestrafung mit konzentrierter Säure vorgesehen. Die Schmerzen waren nicht abzuschätzen, die Folge der Säureattacke wäre auf jeden Fall ein entsetzlicher Tod. Also führten sie Sam zu seiner Hinrichtung. Und Samantha wurde gezwungen, dabei zuzusehen.
Rexus’ Grinsen wurde noch breiter, als Sam am Boden angekettet wurde. Auf ein Nicken des Meisters hin riss einer der Bewacher Sam das Klebeband vom Mund.
Sams Blick suchte sofort Samantha, seine Augen waren vor Furcht geweitet.
»Samantha!«, schrie er. »Bitte, rette mich!«
Gegen ihren Willen brach sie in Tränen aus. Es gab nichts, was sie hätte tun können, absolut nichts.
Sechs Vampire rollten einen riesigen Eisenkessel herbei, der ganz oben auf einer Leiter befestigt war. Dann rückten sie ihn direkt über Sams Kopf in Position.
Sam blickte auf.
Das Letzte, was er sah, war eine brodelnde und zischende Flüssigkeit, die über den Rand des Kessels schwappte und ihm jeden Augenblick ins Gesicht spritzen würde.
4. Kapitel
Caitlin rannte durch ein Blumenfeld. Die Blumen reichten ihr bis zur Taille, und sie pflügte regelrecht einen Pfad hindurch. Die blutrote Sonne stand wie eine riesige Kugel am Horizont.
Mit dem Rücken zur Sonne wartete in der Ferne ihr Vater. Zwar konnte sie sein Gesicht nicht sehen, aber sie erkannte seine Silhouette – daher wusste sie, dass er es war.
Während Caitlin immer weiterlief, weil sie sich so sehnlichst wünschte, ihn endlich zu treffen und in die Arme zu schließen, versank die Sonne schnell hinter dem Horizont und war innerhalb weniger Sekunden vollkommen verschwunden.
Plötzlich herrschte absolute Dunkelheit. Caitlins Vater wartete immer noch auf sie. Sie spürte, dass er sie dazu bewegen wollte, noch schneller zu laufen, um sie endlich umarmen zu können. Aber ihre Beine konnten nicht noch schneller rennen. Obwohl sie sich größte Mühe gab, schien sie ihm nicht näher zu kommen.
Auf einmal ging der Mond auf – ein riesiger, blutroter Mond, der fast den ganzen Himmel ausfüllte. Caitlin konnte alle Einzelheiten an seiner Oberfläche erkennen, sämtliche Erhebungen, Täler und Krater. Jetzt zeichnete sich ihr Vater als Silhouette gegen den Mond ab, und sie hatte das Gefühl, direkt auf den Mond zuzulaufen.
Doch plötzlich kam sie nicht mehr weiter, ihre Beine bewegten sich nicht mehr. Als sie hinuntersah, entdeckte sie, dass die Blumen sich um ihre Fußknöchel und Beine gewunden hatten. Jetzt sahen sie aus wie Schlingpflanzen, und sie waren so dick und stark, dass Caitlin sich nicht mehr rühren konnte.
Und dann glitt eine gigantische Schlange durch das Feld auf sie zu. Panisch versuchte Caitlin, sich loszureißen und zu fliehen, aber sie hatte keine Chance. Die Schlange kam näher, löste sich vom Boden und stürzte sich auf Caitlins Hals. Als sich die langen Fangzähne in ihren Hals bohrten, schrie sie laut auf. Der Schmerz war entsetzlich.
Mit einem Ruck wachte Caitlin auf, saß senkrecht im Bett und atmete heftig. Als sie sich an den Hals griff, spürte sie zwei verkrustete Wunden. Einen Augenblick lang brachte sie ihren Traum und die Gegenwart durcheinander und sah sich nach einer Schlange um. Es war keine zu sehen.
Verwirrt rieb sie sich den Hals. Die Wunden schmerzten noch, aber nicht so stark wie in ihrem Traum. Caitlin atmete tief durch.
Ihre Haut war mit kaltem Schweiß überzogen, ihr Herz schlug immer noch heftig. Als sie sich das Gesicht und die Schläfen abwischte, spürte sie, dass ihr die nassen Haare am Kopf klebten. Wie lange war es her, seit sie zuletzt gebadet hatte? Ihre Haare gewaschen hatte? Sie konnte sich nicht daran erinnern. Wie lange hatte sie hier gelegen? Und wo war sie überhaupt?
Sie sah sich in dem Raum um. Irgendwie kam ihr der Ort bekannt vor – hatte sie davon geträumt, oder war sie vorher schon einmal wach gewesen? Die Wände waren komplett aus Stein, und es gab ein großes Rundbogenfenster, durch das sie in den Nachthimmel hinausblicken konnte. Das Licht des riesengroßen Vollmonds fiel in den Raum.
Vorsichtig schwang sie die Beine über den Bettrand und rieb sich die Stirn, während sie sich zu erinnern versuchte. Dabei durchschoss ein schrecklicher Schmerz ihre Seite. Als sie an die Stelle fasste, spürte sie eine verschorfte Wunde. Woher stammte die Wunde? War sie angegriffen worden?
Als Caitlin scharf nachdachte, fielen ihr langsam, aber sicher die Einzelheiten wieder ein. Boston. Der Freedom Trail. Die King’s Chapel. Das Schwert. Dann … der Angriff von hinten. Dann …
Caleb. Er war dort gewesen und hatte auf sie hinuntergeblickt. Die Welt war ihr allmählich entglitten, und sie hatte ihn um etwas gebeten. Verwandle mich, hatte sie ihn angefleht …
Als Caitlin erneut die Hände hob und die beiden Wundmale an der Seite ihres Halses fühlte, wusste sie, dass er ihre Bitte erfüllt hatte.
Das erklärte alles. Schlagartig begriff sie, was geschehen war: Sie war verwandelt worden. Dann hatte man sie irgendwohin gebracht, damit sie sich erholen konnte. Wahrscheinlich hatte Caleb aufmerksam über sie gewacht. Vorsichtig bewegte sie Arme und Beine, drehte den Kopf, untersuchte ihren Körper …
Sie fühlte sich anders, so viel war sicher. Irgendwie war sie nicht mehr sie selbst. Eine grenzenlose Kraft durchströmte sie. Sie hatte das Bedürfnis, zu rennen, Wände zu durchbrechen, in die Luft zu springen. Außerdem spürte sie noch etwas anderes: Auf ihrem Rücken unterhalb ihrer Schulterblätter waren zwei leichte Wölbungen. Flügel. Und sie wusste, dass sie sich öffnen würden, wenn sie fliegen wollte.
Caitlin war wie berauscht von ihrer neu entdeckten Kraft und wollte sie unbedingt ausprobieren. Die Decke fiel ihr auf den Kopf – sie hatte keine Ahnung, wie lange sie schon hier war – und sie wollte unbedingt wissen, wie sich dieses neue Leben anfühlte. Außerdem empfand sie noch etwas, was neu für sie war: Sie fühlte sich draufgängerisch. So, als könnte sie nicht sterben, als könnte sie folgenlos dumme Fehler begehen und mit ihrem Leben spielen. Sie hatte Lust, am Rande des Abgrunds zu balancieren.
Neugierig drehte sie sich um und sah aus dem Fenster in den Nachthimmel hinaus. Das Rundbogenfenster besaß kein Glas und würde in ein mittelalterliches Kloster passen.
Das alte Menschenmädchen Caitlin aus der Vergangenheit hätte gezögert, nachgedacht und gezweifelt, ob sie wirklich tun sollte, was ihr in den Sinn gekommen war. Doch die wiedergeborene Caitlin handelte ohne jedes Zögern. Praktisch in dem Moment, in dem ihr der Gedanke durch den Kopf schoss, sprintete sie schon los und setzte ihn in die Tat um.
Mit wenigen schnellen Schritten hatte sie das Fenster erreicht, sprang auf die Brüstung und stürzte sich hinaus.
Ihr Instinkt sagte ihr, dass ihre Flügel sich entfalten würden, sobald sie sich in der Luft befand. Falls sie falsch lag, würde sie abstürzen und viele, viele Meter weiter unten auf dem Boden aufschlagen. Doch die wiedergeborene Caitlin hatte nicht das Gefühl, je wieder etwas falsch machen zu können.
Und ihr Gefühl trog sie nicht. Als sie in die Nacht hinaussprang, entfalteten sich automatisch die Flügel hinter ihren Schulterblättern. Das Gefühl zu fliegen und durch die Luft zu gleiten war überwältigend. Die Spannweite ihrer Flügel entzückte sie, und sie war begeistert, die frische Nachtluft im Gesicht, in den Haaren und am ganzen Körper zu spüren. Zwar war Nacht, doch der Mond war so groß, dass es beinahe taghell war.
Als Caitlin nach unten blickte, konnte sie die Welt aus der Vogelperspektive bewundern. Sie hatte Wasser gespürt, und damit lag sie richtig, denn sie befand sich auf einer Insel. In alle Richtungen breitete sich ein großer, wunderschöner Fluss aus, dessen Wasser ganz ruhig war und im Mondlicht glänzte. Noch nie hatte sie so einen breiten Fluss gesehen. In der Mitte lag die winzige Insel, auf der sie geschlafen hatte. Sie war kaum größer als ein paar Morgen, und an einer Seite wurde sie von einem zerfallenden, schottischen Schloss beherrscht – eigentlich war es eine halbe Ruine. Der Rest der Insel war mit dichtem Wald bedeckt.
Caitlin ließ sich von den Luftströmungen tragen, flog mal höher, mal tiefer, drehte sich, stürzte sich in die Tiefe und stieg wieder auf. Dabei umrundete sie die Insel. Das Schloss war groß und prächtig. Teile davon waren zerfallen, aber andere Bereiche, die man von außen nicht sehen konnte, waren absolut intakt. Es gab Innen- und Außenhöfe, Befestigungsmauern, Türme, Wendeltreppen und sehr weitläufige Gartenanlagen. Das Schloss bot genug Platz für eine kleine Armee.
Als sie sich tiefer sinken ließ, entdeckte sie, dass das Schlossinnere von Fackeln erleuchtet war. Außerdem liefen Leute herum. Waren sie Vampire? Ihre Wahrnehmung sagte ihr, dass es so war. Ihresgleichen. Manche von ihnen trainierten, kämpften mit Schwertern und spielten Spiele. Auf der Insel herrschte emsige Geschäftigkeit. Wer waren diese Leute? Warum war Caitlin hier? Hatten sie sie aufgenommen?
Nachdem Caitlin ihre Runde beendet hatte, sah sie den Raum, aus dem sie herausgesprungen war. Sie hatte ganz oben in dem höchsten Turm geschlafen, auf dem sich eine weite, offene Terrasse mit einer Brustwehr befand. Dort stand ein einsamer Vampir. Caitlin musste nicht näher heranfliegen, um herauszufinden, wer dieser Vampir war, denn sie wusste es bereits. Sein Blut floss jetzt in ihren Adern, und sie liebte ihn von ganzem Herzen. Nachdem er sie verwandelt hatte, liebte sie ihn mit einer Inbrunst, die noch stärker war als Liebe. Selbst aus dieser großen Entfernung spürte sie, dass die einsame Gestalt, die vor dem Turmzimmer auf- und abging, Caleb war.
Bei seinem Anblick schlug ihr Herz sofort schneller. Er war da. Er war wirklich da und wartete vor ihrem Zimmer. Die ganze Zeit hatte er gewartet, während sie sich erholt hatte.
Wie viel Zeit wohl inzwischen vergangen war? Nie war er ihr von der Seite gewichen. Trotz allem, was passiert war. Sie liebte ihn mehr, als sie sagen konnte, und nun konnten sie endlich für immer zusammenbleiben.
Er lehnte an der Mauerbrüstung und blickte auf den Fluss hinunter. Dabei wirkte er sowohl besorgt als auch traurig.
Im Sturzflug näherte Caitlin sich dem Schloss – sie wollte Caleb überraschen und mit ihren neuen Fertigkeiten beeindrucken.
Verblüfft sah Caleb auf, dann leuchtete sein Gesicht vor Freude auf.
Doch als Caitlin landen wollte, lief auf einmal etwas schief. Plötzlich verlor sie das Gleichgewicht, und ihre Koordination stimmte nicht mehr. Sie hatte das Gefühl, zu schnell zu sein, konnte ihren Fehler jedoch nicht mehr rechtzeitig korrigieren. Bei der Landung schürfte sie sich das Knie an der Mauerbrüstung auf und kam so hart auf, dass sie über den Steinboden kullerte.
»Caitlin!«, rief Caleb besorgt und lief zu ihr hinüber.
Keuchend lag sie auf dem harten Stein, während ein neuer Schmerz durch ihr Bein schoss. Aber es ging ihr gut. Wäre sie noch die alte Caitlin gewesen, hätte sie sich bestimmt sämtliche Knochen gebrochen. Doch diese neue Caitlin würde sich im Handumdrehen erholen, wahrscheinlich schon nach wenigen Minuten.
Trotzdem war ihr der Vorfall sehr peinlich, denn eigentlich hatte sie Caleb überraschen und beeindrucken wollen. Jetzt stand sie da wie eine Idiotin.
»Caitlin?«, wiederholte er. Inzwischen kniete er neben ihr und hatte ihr eine Hand auf die Schulter gelegt. »Alles in Ordnung?«
Mit einem verlegenen Grinsen erwiderte sie seinen Blick.
»Ich wollte dich beeindrucken«, antwortete sie und kam sich ziemlich blöd vor.
Er strich mit der Hand über ihr Bein und untersuchte ihre Verletzung.
»Ich bin kein Mensch mehr!«, schnauzte sie ihn an. »Du musst dir keine Sorgen mehr um mich machen.«
Sofort bereute sie ihre Worte und ihren Ton. Es hatte wie ein Vorwurf geklungen, fast so, als würde sie es bereuen, dass er sie verwandelt hatte. Und ihr Ton hatte sich gegen ihren Willen ziemlich harsch angehört. Dabei liebte sie doch seine Berührung, liebte die Tatsache, dass er sie immer noch beschützen wollte. Eigentlich hatte sie sich bei ihm bedanken wollen, aber jetzt hatte sie es – wie so oft – vermasselt und genau das Falsche zum falschen Zeitpunkt gesagt.
Was für ein furchtbarer erster Eindruck als neue Caitlin! Offensichtlich konnte sie ihren Mund immer noch nicht halten. Manche Dinge änderten sich eben nie, nicht einmal, wenn man unsterblich war.
Als sie sich aufsetzte, um ihm die Hand auf die Schulter zu legen und sich zu entschuldigen, hörte sie plötzlich ein Jaulen und spürte etwas Pelziges im Gesicht. Sie lehnte sich zurück und erkannte schnell, was das war.
Rose, ihr Wolfswelpe. Begeistert stürzte das Tier sich in Caitlins Arme und jaulte aufregt. Dabei leckte es ihr das ganze Gesicht ab. Caitlin musste lachen und umarmte den kleinen Wolf, bevor sie ihn genauer betrachtete.
Zwar war Rose immer noch ein Welpe, aber sie war gewachsen und schon größer, als Caitlin sie in Erinnerung hatte. Plötzlich erinnerte sie sich, dass sie Rose zuletzt in der King’s Chapel gesehen hatte, wo sie blutend am Boden lag, nachdem Samantha auf sie geschossen hatte. Sie war sich so sicher gewesen, dass der Welpe tot war.
»Sie ist durchgekommen«, erklärte Caleb, der wie immer ihre Gedanken gelesen hatte. »Sie ist zäh, genau wie ihr Frauchen«, fügte er lächelnd hinzu.
Caleb musste die ganze Zeit auf sie beide aufgepasst haben.
»Wie lange habe ich geschlafen?«, wollte Caitlin wissen.
»Eine Woche lang«, antwortete Caleb.
Eine Woche lang, dachte Caitlin. Unglaublich.
Sie fühlte sich, als hätte sie jahrelang geschlafen, als wäre sie gestorben und wieder zum Leben erwacht, aber in einer neuen Form. Irgendwie war sie wie reingewaschen, so, als würde sie ein Leben als unbeschriebenes Blatt beginnen.
Doch als ihr die ganzen Ereignisse wieder einfielen, begriff sie, dass eine Woche tatsächlich eine Ewigkeit sein konnte. Das Schwert war gestohlen worden. Und ihr Bruder Sam war entführt worden. Eine ganze Woche war bereits verstrichen. Warum hatte Caleb die Täter nicht verfolgt, wo doch jede Minute zählte?
Als Caleb sich erhob, stand Caitlin ebenfalls auf. Sie standen sich gegenüber und sahen sich in die Augen. Ihr Herz schlug heftig, aber sie wusste nicht, was sie tun sollte. Was verlangten die Regeln, nachdem sie nun beide echte Vampire waren? Er war derjenige, der sie verwandelt hatte. Waren sie jetzt ein Paar? Liebte er sie noch genauso sehr wie vorher? Würden sie jetzt für immer zusammen sein?
In gewisser Weise war sie nervöser als je zuvor, zumal auch mehr als je zuvor auf dem Spiel stand.
Langsam streckte sie die Hand aus und berührte seine Wange.
Er erwiderte ihren Blick, und seine Augen strahlten im Mondlicht.
»Danke«, sagte sie leise.
Eigentlich hatte sie sagen wollen: Ich liebe dich, aber es war anders gekommen. Sie hatte ihn fragen wollen: Wirst du für immer bei mir sein? Liebst du mich noch? Doch trotz ihrer neuen Fähigkeiten hatte sie nicht den Mut, es auszusprechen. Sie hätte wenigstens sagen können: Danke, dass du mich gerettet hast, oder: Danke, dass du auf mich aufgepasst hast, oder: Danke, dass du hier bist. Schließlich wusste sie, wie viel er aufgegeben hatte, um hier zu sein, wie viel er geopfert hatte. Aber alles, was sie zustande brachte, war ein einfaches Danke.
Jetzt lächelte er, hob eine Hand, schob ihr die Haare zurück und strich sie ihr hinters Ohr. Dann streichelte er mit dem Handrücken ganz zart ihr Gesicht und musterte sie aufmerksam.
Sie fragte sich, was er wohl denken mochte. Würde er ihr gleich ewige Liebe versprechen? Würde er sie küssen?
Sie ahnte, dass er genau das tun wollte, und bekam auf einmal Angst. Sie fürchtete sich vor ihrem neuen Leben und fragte sich, was passieren würde, wenn die Sache mit ihnen beiden nicht funktionierte. Statt einfach den Augenblick zu genießen, musste sie hingehen und den Zauber zerstören, indem sie ihren großen Mund wieder aufriss.
»Was ist mit dem Schwert passiert?«, fragte sie.
Sein Gesichtsausdruck verwandelte sich von einer Sekunde auf die andere. Aus dem liebevollen Blick voller Leidenschaft wurde ein Ausdruck tiefer Sorge. Es war, als wäre eine dunkle Wolke über einen Sommerhimmel gezogen.
Er drehte sich um und ging einige Schritte auf die Steinbrüstung zu, blieb mit dem Rücken zu ihr stehen und sah auf den Fluss hinaus.
Was bist du nur für eine Idiotin, schalt sie sich. Warum musstest du überhaupt etwas sagen? Warum konntest du nicht einfach zulassen, dass er dich küsst?
Das Schwert war ihr wichtig, das stimmte, aber lange nicht so wichtig wie Caleb. Und doch hatte sie den Moment zerstört.
»Ich fürchte, wir haben das Schwert verloren«, erwiderte Caleb leise, ohne sich umzudrehen. »Es wurde uns gestohlen, zuerst von Samantha, dann von Kyle. Sie haben uns einfach überrumpelt. Ich hätte es vorhersehen müssen, aber ich habe nicht mit ihnen gerechnet.«
Caitlin ging zu ihm und legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter, in der Hoffnung, dass sie die Stimmung vielleicht wieder drehen konnte.
»Sind deine Leute in Ordnung?«, fragte sie.
Als er sich umdrehte, sah er noch besorgter aus als zuvor.
»Nein«, erwiderte er. »Mein Clan ist in großer Gefahr. Und mit jeder Minute, die ich nicht da bin, wächst die Gefahr.«
Caitlin dachte nach.
»Warum bist du dann nicht zu ihnen gegangen?«, wollte sie schließlich wissen.
Doch sie kannte die Antwort schon, bevor er sie aussprach.
»Ich konnte dich nicht allein lassen«, sagte er. »Ich musste einfach wissen, ob es dir gut geht.«
Ist das alles?, dachte Caitlin enttäuscht. Wollte er nur sichergehen, dass es ihr gut ging? Und dann würde er einfach gehen?
Caitlin wusste, was er für sie geopfert hatte, und sie liebte ihn dafür. Trotzdem fragte sie sich jetzt, ob er sich nur um ihr körperliches Wohlbefinden sorgte und es ihm gar nicht um sie beide als Paar ging.
»Nun …«, begann sie zögernd, »dann wirst du also nun einfach gehen … da du jetzt ja weißt, dass es mir gut geht?«
Erneut hörte sie sich viel zu schroff an. Was war los mit ihr? Warum konnte sie nicht netter und sanfter sein, so wie er? Dabei meinte sie es doch gar nicht so. Eigentlich wollte sie doch bloß sagen: Bitte, lass mich nicht allein.
»Caitlin«, sagte er sanft, »ich möchte, dass du mich richtig verstehst. Meine Familie, mein Volk, mein Clan – sie sind in großer Gefahr. Das Schwert ist irgendwo da draußen, und es ist in die falschen Hände geraten. Ich muss zurück zu meinen Leuten, ich muss sie retten. Um ehrlich zu sein, ich hätte schon vor einer Woche aufbrechen sollen … und nachdem ich mich jetzt vergewissert habe, dass du dich gut erholt hast … Na ja, ich will dich nicht verlassen. Aber ich muss meiner Familie helfen.«
»Ich könnte mit dir kommen«, schlug Caitlin hoffnungsvoll vor. »Ich könnte dir helfen.«
»Du bist noch nicht vollständig erholt«, erwiderte er. »Diese Bruchlandung eben war kein Unfall. Es dauert eine Weile, bis Vampire ihre Kräfte vollständig erlangt haben. Und in deinem Fall kommt noch hinzu, dass das Schwert dir eine furchtbare Verletzung zugefügt hat. Die Heilung kann viele Tage oder sogar Wochen dauern. Wenn du mitkommen würdest, könntest du dich verletzen. Ein Schlachtfeld ist momentan nicht der richtige Ort für dich. Aber hier kannst du ausgebildet und unterrichtet werden, deshalb habe ich dich hergebracht.«
Caleb drehte sich um und überquerte die Terrasse, um mit ihr zusammen hinunter in den Hof zu blicken.
Tief unten sahen sie Dutzende Vampire, die im Licht der Fackeln trainierten, mit Schwertern kämpften und Ringkämpfe ausfochten.
»Auf dieser kleinen Insel lebt einer der besten Clans«, erklärte er. »Sie haben zugestimmt, dich aufzunehmen. Sie werden dich unterrichten. Sie werden dich ausbilden. Sie werden dich stärker machen. Und dann, wenn deine Kräfte vollständig entwickelt sind, wenn du vollständig geheilt bist, wird es mir eine Ehre sein, mit dir an meiner Seite zu kämpfen. Doch bis dahin kann ich dich leider nicht mitnehmen. Der Krieg, der vor der Tür steht, wird außerordentlich gefährlich sein. Selbst für einen Vampir.«
Caitlin runzelte die Stirn – sie hatte befürchtet, dass er so etwas sagen würde.
»Aber was ist, falls du nicht zurückkommst?«, fragte sie.
»Wenn ich überlebe, kehre ich zu dir zurück, das verspreche ich dir.«
»Aber wenn du nicht überlebst?«, fragte sie voller Furcht. Sie brachte die Worte kaum über die Lippen.
Caleb wandte sich ab und blickte zum Horizont. Er atmete tief ein, starrte in die Wolken und schwieg.
Das war Caitlins Chance, denn sie wollte unbedingt das Thema wechseln. Er war fest entschlossen, zu gehen, das war deutlich zu sehen, nichts konnte ihn aufhalten. Und genauso offensichtlich war, dass er sie nicht mitnehmen konnte. Als eine Welle der Erschöpfung sie überkam, merkte sie, dass er recht hatte: Sie war noch nicht bereit für den Kampf. Zuerst musste sie ganz gesund werden.
Deshalb wollte sie nicht noch mehr Zeit damit verschwenden, ihn umzustimmen. Sie wollte auch nicht mehr über Vampire, Kriege und Schwerter reden. Nein, sie wollte die kostbare verbleibende Zeit nutzen, um über sie beide zu sprechen. Über Caitlin und Caleb. Ihre gemeinsame Zukunft als Paar. Ihre Liebe zueinander. Sie wollte endlich wissen, wie die Dinge standen.
Außerdem hatte sie inzwischen begriffen, dass sie ihn in der Vergangenheit für selbstverständlich hingenommen hatte – seit ihrer ersten Begegnung. Nie hatte sie innegehalten, ihm in die Augen geblickt und ihm gesagt, wie tief ihre Gefühle für ihn waren. Sie war jetzt eine Frau, und es war Zeit, auf ihn zuzugehen und sich wie eine erwachsene Frau zu benehmen. Ihm zu sagen, was sie wirklich für ihn empfand. Er musste es erfahren. Vielleicht hatte er schon gespürt, wie sehr sie ihn liebte, aber sie hatte es noch nie ausgesprochen. Caleb, ich liebe dich. Ich habe dich vom ersten Moment an geliebt. Und ich werde dich immer lieben.
Caitlins Herz hämmerte, und sie fürchtete sich mehr vor diesem Moment als vor allem anderen. Zitternd hob sie die Hand und berührte seine Wange.
Langsam drehte er sich zu ihr um.
Endlich war sie bereit, ihm zu sagen, was in ihr vorging.
Doch als sie es versuchte, brachte sie kein Wort hervor.
Gleichzeitig blitzte Besorgnis in seinen Augen auf. Dann öffnete er den Mund, um ihr etwas zu sagen.
»Caitlin, es gibt etwas, was ich dir sagen muss …«, setzte er an.
Doch er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden.
Plötzlich hörten sie, dass eine Tür aufging, und Caitlin spürte sofort, dass sie nicht mehr allein waren.
Sie drehten sich um, um herauszufinden, wer da gekommen war.
Es war eine Vampirfrau. Eine unglaublich schöne Frau. Sie war größer und schlanker als Caitlin und hatte eine bessere Figur, außerdem lange rote Haare und leuchtend grüne Augen.
Als Caitlin erkannte, wer sie war, sank ihr das Herz.
Nein, das konnte nicht sein.
Doch sie war es tatsächlich: Sera, Calebs Exfrau.
Caitlin war ihr nur einmal kurz in The Cloisters begegnet, doch sie hatte sie nicht vergessen.
Mit der Eleganz eines Geschöpfes, das schon seit Jahrtausenden auf diesem Planeten weilte, kam Sera auf sie zu. Voller Selbstvertrauen. Ohne Caitlin aus den Augen zu lassen, stellte sie sich neben Caleb.
Dann hob sie eine blasse, wunderschöne Hand und legte sie Caleb langsam auf die Schulter. Voller Verachtung blickte sie auf Caitlin hinunter.
»Caleb?«, sagte sie sanft mit einem unheilvollen Lächeln auf dem Gesicht. »Hast du ihr nicht von uns erzählt?«
Diese wenigen Worte bohrten sich wie ein Dolch in Caitlins Herz.
5. Kapitel
Entsetzt beobachtete Samantha, wie sich der Kessel auf Sams Gesicht zuneigte. Mit ganzer Kraft versuchte sie, sich von ihren Wärtern loszureißen, doch sie hatte keine Chance. Ihr blieb nichts anderes übrig, als zuzusehen, wie die Person, die sie liebte, vernichtet wurde.
Als die Flüssigkeit sich über Sam ergoss, wappnete Samantha sich gegen die furchtbaren Schreie, die eine Dusche mit Säure begleiten mussten.
Doch seltsamerweise gab Sam keinen einzigen Laut von sich, als er hinter dem Wasserfall verschwand.
Hatte die Säure ihn so schnell getötet, dass er nicht einmal hatte schreien können? Als die gesamte Flüssigkeit ausgeleert war, war Sam wieder zu sehen.
Und Samantha konnte es überhaupt nicht fassen. Auch alle anderen anwesenden Vampire waren absolut fassungslos.
Sam ging es gut. Er blinzelte und sah sich um – es war offensichtlich, dass er keine Schmerzen hatte. Stattdessen wirkte er genervt.
Es war unglaublich. So etwas hatte Samantha noch nie erlebt – noch nie war ein Mensch immun gegenüber dieser Flüssigkeit gewesen. Das heißt, eine Parallele dazu fiel ihr ein: Caitlin, Sams Schwester. Sie war immun gegen Weihwasser gewesen, obwohl Vampirblut in ihren Adern floss. Was konnte das bloß bedeuten? Lag es daran, dass die beiden die gleichen Gene hatten? Plötzlich dachte sie an die Gravur auf seiner Uhr. Die Rose und der Dorn. War die Dynastie zwischen den beiden aufgeteilt? Konnte es sein, dass nicht Caitlin die Auserwählte war?
Sondern er?
Caitlin war einige Jahre älter als Sam, vielleicht hatte sie deshalb die Anzeichen des Erwachsenwerdens früher gezeigt als er. In ein paar Jahren hätte Sam sich möglicherweise ebenfalls in ein Halbblut verwandelt.
Was auch immer der Grund sein mochte, er war jedenfalls immun. Und das verlieh ihm große Macht und machte ihn zu einer großen Gefahr für den Clan.
Als Samantha sich umblickte, sah sie einen Raum voller Vampire, die alle nur mit aufgerissenen Augen Sam anstarrten. Kein Laut war zu hören.
Sam war zornig. Er hob die Hand, zerrte an den Ketten und wischte sich die Flüssigkeit aus dem Gesicht. Erfolglos versuchte er, sich zu befreien.
»Kann mir mal jemand diese verdammten Ketten abnehmen?!«, schrie er.
Und dann passierte es.
Plötzlich war vor der Tür ein lautes Krachen zu hören.
Als Samantha sich schnell umdrehte, sah sie, wie die riesigen Doppeltüren aufflogen.
Sie konnte kaum fassen, was nun geschah. Dort stand Kyle mit seinem zur Hälfte entstellten Gesicht, neben ihm Sergei, und dahinter eine Söldnertruppe, die aus Hunderten von Vampiren bestand.
Aber das war noch nicht alles. Kyle hatte es. Er reckte es hoch in die Luft. Das Schwert.
Mit einem fürchterlichen Schrei stürmte Kyle in den Raum. Seine Anhänger folgten ihm dicht auf den Fersen. Im Raum brach Tumult aus.
Es war ein Kampf Vampir gegen Vampir, als Kyle und seine Männer brutal auf ihre Widersacher losgingen. Doch der Blacktide Clan war seit Jahrtausenden kampferprobt und würde nicht ohne Weiteres klein beigeben. Rexus’ Vampire wehrten sich voller Entschlossenheit.
Der Ausgang des Kampfes war offen, keiner wollte nachgeben.
Doch Kyle verzeichnete ungeheure Erfolge. Er schwang das Schwert mit beiden Händen über dem Kopf und verteilte Hiebe in alle Richtungen. Überall gingen Vampire zu Boden. Arme, Beine und Köpfe wurden abgeschlagen … Kyle allein war eine Ein-Mann-Armee. Er bahnte sich einen Weg durch die Menge und tötete jeden Vampir, der ihm in die Quere kam.
Samantha war entsetzt. Noch nie in ihrem sehr langen Leben hatte sie gesehen, dass ein Vampir getötet wurde, tatsächlich endgültig getötet wurde. Nie hätte sie sich vorstellen können, dass ein Vampir so schwach und vergänglich sein könnte. Dieses Schwert war Furcht einflößend – und eine absolut todbringende Waffe.
Samantha zögerte nicht länger. Als ein Vampir sich mit blutigen, scharfen Zähnen auf sie stürzen wollte, duckte sie sich flink, sodass er über sie hinwegflog, und ergriff blitzschnell die Flucht.
Sie stürmte quer durch den Raum auf Sam zu und erreichte ihn gerade noch rechtzeitig, denn ein anderer Vampir hatte dieselbe Idee gehabt. Sam war wie gelähmt vor Schreck und stand angekettet da wie ein Lamm unter Löwen.
Der fremde Vampir wollte sich gerade mit gebleckten Zähnen auf Sams Kehle stürzen, als Samantha auf ihn zusprang. Die beiden stießen in der Luft zusammen und stürzten zu Boden. Bevor ihr Widersacher sich aufrappeln konnte, hatte Samantha ihn schon niedergeschlagen und außer Gefecht gesetzt.
Dann sprang sie selbst auf die Füße und zerrte an Sams Ketten. Als sie ihn befreit hatte, sah er sich völlig fassungslos um, als wäre gerade ein vollkommen absurder Albtraum Wirklichkeit geworden.
»Samantha«, sagte er, »was zum Teufel ist hier …«
»Nicht jetzt«, unterbrach sie ihn, riss die letzte Kette los, ergriff Sams Arm, zerrte ihn durch das Chaos und steuerte auf den Ausgang zu.
Auf dem Weg dorthin wurden sie von einem weiteren Vampir angegriffen.
Instinktiv versetzte Samantha Sam einen kräftigen Stoß, sodass er stürzte, dann duckte sie sich. Der Vampir flog über ihre Köpfe hinweg.
Schnell sprangen die beiden wieder auf und setzten ihren Weg fort. Geschickt wichen sie allen Gefahren aus. Samantha wusste, dass es jenseits der Tür noch eine Hintertür gab, die zu einer Treppe führte, über die sie auf die Straße gelangen konnten. Wenn es ihnen erst einmal gelungen war, aus dem Gebäude zu fliehen, konnte sie Sam ganz weit wegbringen.
In dem Durcheinander achtete niemandem darauf, dass sie flüchten wollten. Als sie die Tür fast erreicht hatten, spürte Samantha plötzlich, wie sie von hinten angesprungen wurde, dann verlor sie das Gleichgewicht und stürzte.
Als sie herumwirbelte, sah sie sich Sergei gegenüber, diesem widerlichen kleinen Russen, der Kyles Handlanger geworden war. Der, der ihr das Schwert vor der Nase weggestohlen hatte.
Als er mit einem bösen, grausamen Grinsen auf sie hinunterblickte, hasste sie ihn noch mehr.
Man musste Sam zugutehalten, dass er keine Furcht zeigte. Obwohl die Reste der Ketten ihn nach wie vor behinderten, sprang er auf Sergeis Rücken und wickelte ihm die Ketten um den Hals. Der Junge drückte so stark zu, dass Sergei seinen Griff unwillkürlich lockerte und Samantha sich unter ihm hervorrollen konnte.
Doch trotzdem war Sam einem Vampir nicht gewachsen. Sergei sprang knurrend auf und schüttelte Sam wie eine Stoffpuppe ab, sodass er mehrere Meter weiter gegen die Wand krachte.
Als Samantha sich aufrappeln wollte, fielen ein Dutzend Vampire über sie her. Sie sah, dass Sam ebenfalls umringt wurde. Sie saßen in der Falle.
Das Letzte, was sie wahrnahm, war Sergeis grausames Lächeln, bevor er ihr einen Faustschlag mitten ins Gesicht versetzte.
* * *
Während Kyle durch den großen Versammlungssaal des Blacktide Clans wirbelte, voller Aggression das Schwert schwang und einen Vampir nach dem anderen erledigte, fühlte er sich lebendiger als je zuvor. Blut spritzte in alle Richtungen, bedeckte auch ihn selbst von oben bis unten und machte seine Hände glitschig, als er das Schwert noch kraftvoller einsetzte. Das war seine Rache. Rache dafür, dass sie ihn so schlecht behandelt hatten, nachdem er dem Clan über Jahrtausende loyal gedient hatte. Wie konnten sie es wagen? Dafür lernten sie jetzt die wahre Bedeutung des Wortes Vergeltung kennen. Sie alle würden sich bei ihm entschuldigen, jeder Einzelne von ihnen: Sie würden sich vor ihm bis zum Boden verneigen und zugeben, dass sie sich gründlich geirrt hatten.
Alles lief perfekt. Nach seinem kleinen Schlenker über die Brooklyn Bridge hatte er seine loyalen Anhänger in die City Hall geführt und zuerst die Vampire getötet, die es gewagt hatten, sich ihm in den Weg zu stellen. Dann waren sie durch den Geheimgang immer tiefer in das Innere der City Hall vorgedrungen, bis sie schließlich das Allerheiligste des Clans erreicht hatten. Niemand hatte einen Versuch gemacht, ihn aufzuhalten, als er mit seinen Männern in den Saal stürmte. Viele Vampire schlossen sich der Armee an, als sie Kyle und vor allem das Schwert sahen. Erfreut stellte Kyle fest, wie viele Vampire seines alten Clans ihm immer noch die Treue hielten. Er wusste, dass der Tag gekommen war, an dem er rechtmäßig die Führung über den Clan übernehmen würde.
Rexus war ein schwacher Meister. Wäre er stärker gewesen, hätte er selbst das Schwert gefunden, und zwar schon vor vielen Jahren. Niemals hätte er andere mit der Suche beauftragt. Es gefiel ihm, andere für seine eigenen Fehler zu bestrafen, obwohl er eigentlich selbst die Strafen verdient gehabt hätte. Die Macht hatte ihn berauscht. Die Verbannung Kyles war ein letzter, verzweifelter Versuch gewesen, alle zu eliminieren, die ihm in der Rangordnung nahegestanden hatten. Doch der Schuss war eindeutig nach hinten losgegangen.
Als Kyle durch den Saal auf den Thron des Obersten Meisters zupreschte, weiteten sich Rexus’ Augen voller Panik.
Er sprang von seinem Thron und versuchte, sich heimlich davonzuschleichen. Der sogenannte Meister zeigte jetzt im Krieg sein wahres Gesicht.
Doch Kyle hatte andere Pläne.
Schnell lief er hinüber, um Rexus direkt zu konfrontieren. Am einfachsten wäre es gewesen, Rexus das Schwert in den Rücken zu stoßen, doch so leicht wollte er ihn nicht davonkommen lassen. Er sollte ganz aus der Nähe sehen, wer ihn tötete.
Abrupt blieb Rexus stehen, als Kyles breite Schultern ihm den Weg versperrten. Sein Kinn bebte, als er das schimmernde Schwert betrachtete. Mit zitterndem Finger zeigte er auf Kyles Gesicht. In dem Moment sah er einfach nur wie ein alter Mann aus. Ein schwacher, alter Mann, der große Angst hatte. Wie armselig.
»Du bist verstoßen worden!«, rief er. »Ich habe beschlossen, dass du verstoßen wirst!«
Kyle grinste bösartig.
»Du kannst nicht gewinnen!«, fügte Rexus hinzu. »Du wirst nicht gewinnen!«
Lässig trat Kyle vor, holte aus und stieß Rexus das Schwert mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung mitten ins Herz.
»Ich habe bereits gewonnen«, rief er dann.
Rexus schrie so furchtbar, dass alle im Raum sich umdrehten, obwohl sie selbst in Kämpfe verwickelt waren. Der ganze Saal vibrierte von dem schrecklichen Schrei, der eine Ewigkeit anzudauern schien. Während alle Rexus anstarrten, zerfiel sein Körper vor ihren Augen und löste sich in einer Rauchwolke auf. Schließlich blieb nur noch ein dünner Rauchfaden übrig, der langsam Richtung Decke aufstieg.
Alle Anwesenden blickten jetzt Kyle an.
Kyle reckte das Schwert in die Höhe und stieß einen lauten Schrei aus. Es war der Schrei des Siegers.
Alle Vampire, die die Schlacht überlebt hatten, drehten sich zu Kyle um. Dann ließen sie sich auf die Knie sinken und neigten die Köpfe, bis sie den Boden berührten. Der Kampf war vorüber.
Kyle atmete tief ein und nahm die Situation in sich auf. Jetzt war er ihr Meister.
6. Kapitel
Caitlin war nicht in der Lage zu sprechen und stürmte einfach davon.
All das war zu viel für, sie konnte es nicht verkraften. Hatte sie gerade wirklich gesehen, was sie zu sehen glaubte? Wie war das möglich?
Dabei hatte sie doch gedacht, dass sie Caleb so gut kennen würde und sie sich nun näher wären als je zuvor. Sie war sich sicher gewesen, dass sie zusammen waren, als Paar, und zwar für immer. Ganz deutlich hatte sie ihr neues gemeinsames Leben vor sich gesehen und war überzeugt gewesen, dass nichts sie trennen konnte.
Und dann das. Sie wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass es in Calebs Leben eine andere Frau geben könnte. Warum hatte er ihr bloß nichts davon erzählt?
Natürlich erinnerte sich Caitlin daran, dass sie Sera bei ihrem kurzen Besuch in The Cloisters gesehen hatte – doch Caleb hatte damals beharrlich behauptet, dass er keine Gefühle mehr für sie hatte. Das, was zwischen ihnen gewesen war, sei Jahre her – nein, sogar Jahrhunderte.
Was machte sie dann also hier? Vor allem ausgerechnet jetzt? In diesem ganz privaten Moment, nachdem Caitlin von ihm in einen echten Vampir verwandelt worden und gerade eben aufgewacht war? Woher wusste sie überhaupt, wo sie waren? Hatte Caleb sie eingeladen? So musste es sein. Doch warum?
Der Schmerz überrollte Caitlin in Wellen. Dafür konnte es einfach keine plausible Erklärung geben. Aus genau diesem Grund hatte sie immer Angst davor gehabt, sich angreifbar zu machen, vor allem gegenüber Jungs. Nur bei Caleb hatte sie das zugelassen, weil sie ihm absolut vertraut hatte. Noch nie hatte sie sich einem anderen Mann gegenüber so geöffnet und so verwundbar gemacht. Und jetzt hatte er sie tiefer verletzt, als sie es sich je hätte vorstellen können.
Sie konnte immer noch nicht begreifen, warum sie ihn so grundlegend falsch eingeschätzt hatte. Wie konnte sie nur so dämlich sein? Wie würde die Unsterblichkeit nun wohl sein – ohne ihn? Sie würde eine Strafe sein, eine ewig andauernde Strafe. Am liebsten wäre sie gestorben. Außerdem kam sie sich wie eine komplette Idiotin vor.
»Caitlin!«, rief Caleb hinter ihr. Sie hörte seine eiligen Schritte. »Bitte, lass mich dir alles erklären.«
Was blieb da noch zu erklären? Offensichtlich hatte er Sera hierhergebeten. Offensichtlich liebte er sie noch. Und offensichtlich waren seine Gefühle für Caitlin nicht so stark wie ihre Gefühle für ihn.
Caleb fasste sie am Arm und flehte sie an, sich umzudrehen und ihn anzusehen.
Doch sie riss sich los, weil sie seine Berührung nicht ertragen konnte. Nie wieder wollte sie etwas mit ihm zu tun haben. Nie wieder.
»Caitlin!«, schrie er auf. »Willst du mir nicht einmal zuhören?«
Aber Caitlin lief einfach weiter. Sie war jetzt eine andere Person, und sie spürte den Unterschied auf mehr als eine Weise. Zu ihrer neu gewonnen Vampirkraft kam ein ganzes Spektrum neuer Vampiremotionen hinzu. Sie konnte bereits spüren, dass ihre Gefühle wesentlich stärker waren als zuvor als Mensch – viel, viel stärker. Im Moment war sie nicht einfach bloß deprimiert, sondern ihr war sterbenselend. Sie fühlte sich nicht nur verraten und betrogen – sie fühlte sich, als hätte man ihr einen Dolch mitten ins Herz gestoßen. Am liebsten hätte sie sich das Herz aus dem Leib gerissen, damit der Schmerz endlich aufhörte.
In dieser Verfassung marschierte sie über die Terrasse in ihr Zimmer und knallte die Eichentür hinter sich zu.
»Caitlin, Caitlin, bitte!«, hörte sie seine gedämpfte Stimme vor der Tür.
Caitlin drehte sich um und schlug mit der Faust gegen die Tür.
»Geh weg!«, schrie sie. »Geh zurück zu deiner Frau!«
Nach einigen Sekunden spürte sie, dass er tatsächlich ging.
Jetzt war sie ganz allein in der drückenden Stille. Erschöpft setzte sie sich auf die Bettkante, stützte den Kopf in die Hände und weinte. Sie schluchzte herzzerreißend. Alles, wofür es sich zu leben lohnte, war ihr genommen worden.
Plötzlich hörte sie ein leises Winseln und spürte etwas Weiches an ihrem Gesicht. Als sie die Augen aufmachte, sah sie Rose, die ihr Köpfchen an ihr rieb. Dann versuchte sie, ihr die Tränen aus dem Gesicht zu lecken.
Das half Caitlin, sich wieder zusammenzureißen. Zärtlich streckte sie die Hand aus und streichelte Roses weiches Fell. Der kleine Wolf sprang auf ihren Schoß – er war immer noch klein genug dafür – und Caitlin umarmte ihn vorsichtig.
»Ich habe immer noch dich, Rose«, sagte sie. »Du wirst mich bestimmt nicht verlassen, nicht wahr?«
Erneut leckte Rose ihr das Gesicht.
Doch Caitlins Schmerz war zu groß. Sie konnte es keinen Augenblick länger in diesem Raum aushalten, sonst würde sie platzen.
Ihr Blick fiel auf das große Fenster und den einladenden Nachthimmel. Ohne zu zögern, setzte sie Rose auf dem Boden ab, sprang auf, erreichte mit zwei schnellen Schritten das Fenster und sprang hinaus.
Ihre Flügel würden sich von selbst entfalten, wie sie wusste, und sie davontragen. Doch ein Teil von ihr wünschte sich, dass es nicht so wäre und sie auf die Erde stürzen würde.
7. Kapitel
Man hatte Samantha in Ketten gelegt. Mehrere Vampire hielten sie grob an den Armen fest, während sie sie durch den Saal zerrten. Es sah aus wie in einem Schlachthaus. Wo man auch hinsah, überall lagen Vampirleichen, und das Blut von Samanthas früheren Clangefährten sammelte sich in Pfützen überall auf dem Boden. Kyle hatte sie alle mit seinem verfluchten Schwert in Stücke gehackt. Dieses Schwert besaß eine Macht, die jede Vorstellungskraft überstieg.
Trotzdem hatte mehrere Hundert Vampire das Blutbad überlebt. Sie waren jetzt Kyles Volk. Und von Minute zu Minute strömten mehr Vampire durch die offenen Türen in den Saal. Der Strom der Anhänger, die Kyle eifrig ihre Loyalität beweisen wollten, schien nicht abreißen zu wollen. Und Kyle hatte es sich verdient, denn es war ihm gelungen, jeden Vampir auszulöschen, der ihn je hintergangen hatte.
Viele der Vampire hatten ihn im Kampf gegen Rexus unterstützt. Einige waren Kyle wirklich ergeben, während andere bloß Opportunisten waren. Wieder andere hatten Rexus nie gemocht und immer schon auf ihre Chance gelauert. Weitere Vampire aus Clans überall in der Stadt stießen hinzu. In der Welt der Vampire verbreiteten sich Neuigkeiten schnell – sie alle wollten Teil des bevorstehenden Krieges sein. Doch egal, welche Gründe sie hatten – sie gehörten jetzt alle zu Kyles Armee.
Nachdem er nun der Meister war und das Schwert besaß, war jedem klar, dass es bald einen großen Krieg geben würde, einen Krieg, wie er noch nie von Vampiren geführt worden war. Denn Kyle war absolut rücksichtslos und gierte nach Blut. Selbst das Blutbad, das gerade stattgefunden hatte, konnte ihn nicht vollständig zufriedenstellen. Immer noch hatte er einen Komplex, den er nicht abschütteln konnte. Sämtliche Vampire dort draußen, die noch nicht herbeigeeilt waren, um ihm Treue zu schwören, würden dafür bezahlen müssen. Genau wie all die unschuldigen Menschen. Sein Blutdurst war grenzenlos, wie Samantha wusste, und New York City würde bald sein Spielzeug sein.
Grob wurde Samantha durch das Chaos in die Mitte des Saales gezerrt.
Inzwischen saß Kyle auf Rexus’ Thron und kostete seine Macht aus. Ein böses Grinsen lag auf seinem Gesicht, während alle Vampire sich tief vor ihm verneigten.
Neben Kyle stand Sergei und stieß seinen Metallstab dreimal kräftig auf den Boden.
Im ganzen Saal stellten sich Tausende von Vampiren in perfekten Reihen auf. Alle hoben die Faust und riefen: »Hoch lebe Kyle!«
Samantha war verblüfft. Das Ganze war eine Demonstration von Macht und Loyalität. In ihrem ganzen Leben hatte sie solchen Gehorsam noch nicht erlebt. Kyle riss sie alle mit. Schon jetzt war er ein Tyrann.
Doch Kyle schien sich gar nicht für seine Anhänger zu interessieren. Stattdessen war sein Blick auf Samantha gerichtet. Als nach und nach allen Anwesenden sein Interesse an ihr auffiel, erstarb das Gemurmel, weil alle das Gespräch mitverfolgen wollten.
»Nun«, sagte Kyle zu Samantha. »Du bist mir zuvorgekommen und hast das Schwert gefunden. Aber wie du siehst, bin ich es jetzt, der es in der Hand hält.«
»Einstweilen ja«, fauchte Samantha.
Soll er ruhig darüber nachdenken, dachte sie. Denn sie war sich sicher, dass ihm das Schwert eines Tages nicht mehr gehören würde. Wer immer dazu bestimmt war, es zu schwingen, würde das Schwert bekommen – und tief in ihrem Inneren wusste sie, dass diese Person nicht Kyle war.
Er zog die Augenbrauen hoch.
»Weißt du eigentlich, warum du überhaupt noch lebst?«, fuhr er sie an.
Herausfordernd erwiderte Samantha seinen Blick. Sie hatte kein Interesse an einem Dialog mit Kyle, und sie wollte auch nicht diesem neuen Clan angehören. Alles, was sie wollte, war, diesen Ort so weit wie möglich hinter sich zu lassen. Zusammen mit Sam. Falls Kyle sie lassen würde.
Doch Sam war nirgendwo zu sehen. Kyles Soldaten hatten Samantha und Sam gefangen genommen, seitdem hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Bis sie herausgefunden hatte, wo er war, musste sie einen kühlen Kopf bewahren. Sie musste Zeit gewinnen, möglicherweise auch Kyle die Treue schwören, falls nötig, bis sie mit Sam fliehen konnte.
»Mir ist immer noch schleierhaft, warum Rexus dich an meiner Stelle auf die Suche nach dem Schwert geschickt hat. Jeder weiß, dass ich ein besserer Krieger bin. Aber ich muss zugeben, dass du nicht ganz ungeschickt bist«, sagte er. »Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich dich vorerst noch am Leben gelassen habe. Rexus hatte geplant, dich zu bestrafen. Daher gehe ich davon aus, dass es für dich keinen Grund mehr gibt, ihm gegenüber noch loyal zu sein. Bald wird es Krieg geben, und da kann ich starke Krieger wie dich brauchen. Wenn du bereit bist, mir die Treue zu schwören, ziehe ich in Erwägung, dich nicht zu töten.«
Samantha dachte nach. Im Grunde genommen hatte sie kein Problem damit, ihm die Treue zu schwören, weil sie sich ohnehin sehr bald aus dem Staub machen wollte. Doch zuerst musste sie in Erfahrung bringen, wo Sam war.
»Was ist mit dem Jungen?«, wollte sie wissen. »Wo ist er?«
Kyle lächelte.
»Oh ja, der Junge. Damit hast du gleich auf den Punkt gebracht, worüber ich reden will. Ich bin mir nicht sicher, warum du so eine Zuneigung zu diesem Menschen gefasst hast, doch in jedem Fall hast du damit bereits unsere Regeln gebrochen. Schon dafür hätte ich dich umbringen können, das weißt du. Aber ich finde all das sehr interessant, und auch das ist einer der Gründe, warum du überhaupt noch lebst.
Verstehst du, Samantha, du musst bestraft werden. Jeder Vampir, der irgendwann Rexus und nicht mir ergeben war, muss bestraft werden. Das ist Teil des Aufnahmeprozesses in meine neue Armee. Dabei wirst du lernen, mir zu gehorchen, mir ganz allein.
Für deinen Fall habe ich die perfekte Lösung gefunden: etwas, womit du mir deine Loyalität beweisen kannst, was aber gleichzeitig deine Strafe sein wird. Meine Männer bringen dich zu dem Jungen, du bringst ihn hierher, und dann wirst du ihn vor aller Augen umbringen.«
Samantha war entsetzt – das war etwas, was sie nie und nimmer tun könnte. Eher würde sie sich selbst das Leben nehmen, bevor sie Sam tötete. Kyle musste verrückt sein. Und er war grausam. Doch, er war ein würdiger Nachfolger für Rexus.
»Ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie du ihn höchstpersönlich töten wirst.« Kyle lächelte bei dem Gedanken. »Dieser Junge ist gefährlich. Er und seine Schwester sind mir suspekt, und ihre Immunität könnte uns allen Schaden zufügen. Daher traue ich ihnen nicht – ganz abgesehen davon, dass er ein Mensch ist.«
Aufmerksam musterte Kyle Samantha.
»Wenn du das tust, werde ich dich mit einem hohen Rang, Ehre und Ansehen belohnen. Du wirst einen besonderen Platz in meinem neuen Clan einnehmen. Der Krieg wird großartig, großartiger als alle Kriege, die wir Vampire je miterlebt haben. Und du kannst einer der Hauptdrahtzieher werden.
Doch wenn du ablehnst … dann wirst du gefoltert, ganz langsam, und zu ewigem Schmerz verdammt. Dein Name wird für immer aus der Geschichte unseres Clans ausgelöscht werden.«
Im Saal herrschte Totenstille, während Samantha nachdachte. Ihr Gehirn arbeitete fieberhaft und suchte verzweifelt nach einem Ausweg.
»Warum bringt Ihr ihn nicht einfach selbst um?«, fragte sie schließlich.
Kyle lehnte sich zurück und grinste niederträchtig.
»Das würde nur halb so viel Spaß machen«, erwiderte er. »Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen besteht darin, zuzusehen, wie andere Leute das töten, was ihnen lieb und teuer ist.«
Бесплатный фрагмент закончился.
