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Glücksfall Golf: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, wusste schon Friedrich Schiller.
Michael F. Basche
101 Dinge die man über Golf wissen muss

Inhalt
Vorwort
1Das Märchen vom gelangweilten Schäfer | Die Golf-Frühzei
2Gowf und die „wilde 13“ | Die Wiege des Spiels
3Gents und grobe Gesellen | Die Gründerväter
4Der Allvater | Old Tom Morris
5It’s All About the Money | Golf und Geld
6Der Kronprinz im Kurpark | Die Geburt von Golf in Deutschland
7Tee to Green | Die Komposition einer Golfbahn
8Loch an Loch mal 18 | Die Partitur des Platzes
9Große Oper | Architektur und Design
10Mehr als nur Rasenmähen | Das Greenkeeping
11Schwingel und der Kuckuck | Braunes Gras ist besseres Grün
12Refugien für Fauna und Flora | Golf und Ökologie
13Golfer haben gern ’nen Vogel | Begriffe von Tee bis Fahne
14Das Runde muss ins … Runde | Der Ball und das rechte Maß
15Knüppel, Kellen, Klingen | Das Golfbesteck im Lauf der Zeit
16Länge, Loft und Lie | Der moderne Golfschläger
17Soweit die Bälle fliegen | Das Problem der Längen-Inflation
18Luxus im Bag | Die teuersten Schläger der Welt
19The Outer Space | Bälle auf dem Mond und schwarze Löcher im Bag
20Play the Ball as It Lies | Golf als Spiegelbild des Lebens
21Das Spielfeld zwischen den Ohren | Golf ist zuerst Kopfsache
22Rotation auf schiefer Ebene | Der Golfschwung
23Die Lehrmeister | Die Gilde der Golfcoaches
24Vom Doktor verschrieben | Golf und Gesundheit
25Schönes Spiel, Kurzzeitfreund | Das Tages-Du und andere Sitten
26Die Gralshüter | R&A, USGA und andere
27Schwere Kost | Das Regelwerk
28Rickie Fowlers Hemd | Die Etikette
29Gleichmacherei als Rechenspiel | Das Handicap
30Das Spiel der Gentlemen | Amateurgolf
31Die neun Leben der Großkatze | Tiger Woods
32Mr. Consistency | Bernhard Langer
33Der Tiger seiner Zeit | Tom Morris Jr.
34Der goldene Bär | Jack Nicklaus
35„Der König unseres Spiels“ | Arnold Palmer
36Wolf mit dem Engelsgesicht | Robert Tyre „Bob“ Jones Jr.
37The Black Knight | Gary Player
38The Hawk | Ben Hogan
39Die Erben | McIlroy, Koepka und Co.
40Der verrückte Wissenschaftler | Bryson DeChambeau
41Mädchen für alles | Die Caddies
42Jeder Sport hat seine Exzentriker | John Daly und Walter Hagen
43Der G.O.L.F.-Unsinn | Die Frauen und das Spiel
44Die No. 10 | Annika Sörenstam
45Das Fräuleinwunder | Thompson, Henseleit und Asiens Übermacht
46Der moderne Grand Slam | Die Majors bei Herren und Damen
47Das Über-Turnier | The Masters
48Macht, Moneten, Mauschelei | Der Augusta National Golf Club
49Kuhweiden-Billard mit 200 Ians | Die Open Championship
50Der härteste Test im Golf | Die US Open
51Das Major-Leichtgewicht | Die PGA Championship
52Eine Frage der Ehre | Ryder Cup und Solheim Cup
53Abschlag im Zeichen der Ringe | Golf und Olympia
54Kannen, Kübel, Kuriositäten | Die Siegestrophäen im Golf
55Prädikat königlich | Die royalen Golfclubs
56Arnie und das Aschenbrödel | Golf begründet Sportmarketing
57Das Millionenspiel | Der Profizirkus
58Reben, Rosse, Rasenbau | Die Nebengeschäfte der Profis
59Die Komponisten | Große Golfplatzarchitekten
60Da Vinci auf dem Dozer | Die Kunst des Golfplatzbaus
61Golf für den guten Zweck | Charity-Programme und Stiftungen
62Kuratierte Passion | Golf in der Kunst
63Taschenratten und Goldfinger | Golf im Film
64Virtuose Erzählkunst | Golf in der Literatur
65Rauer Stein, kreatives Design | Ikonische Clubhäuser
66Das Bewahren der Flamme | Golf im Museum
67Das Wasser des Lebens | Golf und Whisky
68Golfimbul und sein Kopf | Golf in Mythen und Märchen
69Ich golfe, also bin ich | Prominenz am Ball
70Fairways für Feinschmecker | Golf und Kulinarik
71US-Präsidenten und andere | Golf und Politik
72„Lasst mich einfach spielen“ | Rassismus im Golfsport
73Hast du noch Sex …? | Golf und Klischees
74Das Partyloch von Phoenix | Einmal sind die Golffans Hauptdarsteller
75Spaß im zweiten Stock | Das Phänomen Topgolf und andere Ranges
76Wenn zwei sich streiten | Die großen Duelle im Golf
77Golfwelt auf Knopfdruck | Das Spiel am Simulator
78„Ich kann’s“ | Witze über Golf
79Spieltrieb | Trickgolfer, Fußball- und Disc-Golf
80Auf Sand gebaut | Linkskurse und andere
81Die Alma Mater | Der Old Course in St. Andrews
82Georgia on My Mind | Der Kurs von Augusta National
83Die Wiege des Spiels | Schottland
84Smaragd-Insel | Die beiden Irland
85Die Meisterschüler | England und Wales
86Grand mit Dreien | Kontinental-Europa
87Die Mischung macht’s | Deutschland
88Kontinent der Vielfalt | Afrika
89Anfang unterm Apfelbaum | Nordamerika Ost
90Juwelen am Pazifik | Nordamerika West
91Qual der Wahl im tiefen Süden | Süd- und Mittelamerika, Florida und Co.
92Sandkastenspiele | USA, Mittlerer Westen
93Extraklasse in Down Under | Australien und Ozeanien
94Boom-Markt der Golfwelt | Asien, indischer Subkontinent
95Drama, more Drama, Baby! | Drei Beispiele für spektakuläres Golf
96Abschlag unter Lebensgefahr | Die gefährlichsten Plätze
97Neue Spieler braucht das Land | Golf im Wandel von Gesellschaft und Freizeit
98Kleine Fläche, großes Golf | Kurzplätze und Reversible Courses
99Sie wollen bloß spielen | Der Golfclub als Auslaufmodell?
100Das Rundum-Wohlfühl-Programm | Golfresorts
101Die Resilienz des Spiels | Golf in der Zukunft
Bildnachweis | Quellen
Impressum
Vorwort
„Golf ist trügerisch einfach und unendlich kompliziert; es befriedigt die Seele und frustriert den Intellekt. Es belohnt und macht gleichzeitig verrückt – und es ist ohne Zweifel das großartigste Spiel, das die Menschheit je erfunden hat.“
Arnold Palmer
Wohl keine seiner Leidenschaften ist dem Homo ludens, dem spielenden Menschen, zu einem solchen Facettenreichtum gediehen wie Golf: Athletik und Ästhetik, Konzentration und Koordination, Architektur und Literatur, Kunst und Kultur, Begegnung und Business, Lebensart und Lebensfreude … Der vorliegende „101 Dinge“-Band ist diesem Kaleidoskop gewidmet. Er soll Geschichte und Geschichten erzählen und ein Spiel vermitteln, das man vornehmlich gegen sich, seine Befindlichkeiten und Attitüden, allenfalls noch gegen den Platz und die Natur spielt. Bei dem der Weg das Ziel ist, die beinahe suchthafte Suche nach der einen Runde. Das uns unterwegs schonungslos mit dem eigenen Charakter konfrontiert, wenn man Reflexion zulässt. Dessen Wesen die Imperfektion ist – ohne Aussicht auf Erlösung.
So wie mein Spiel von meist erheiternder Unvollkommenheit ist, erhebt auch dieses Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Golf-Gesamtheit auf nicht mal 200 Seiten zu entfalten, wird umgehend zur Qual der (subjektiven) Wahl. Vieles greift ineinander, manches überschneidet sich, etliches ist zu verallgemeinern, Auslassungen sind unvermeidlich. Etablierte „Tiger“-Golfer sollen Interessantes finden, „Rabbit“-Neulinge Essenzielles. Idealerweise ist für alle was dabei. Und womöglich animiert das eine und andere Thema ja zu tiefer gehender Neugier. Oder gar zum Griff nach dem Schläger. Dann hätten meine Zeilen ihren Anspruch übererfüllt; mehr kann sich ein Autor nicht wünschen.
Zu guter Letzt: Vorworte sind für persönliche Anmerkungen da, und so gilt von Herzen ein inniger Dank den Menschen, die mich aus nächster Nähe (nicht nur) durch mein Golfjournalisten-Leben begleiten. Die Betreffenden wissen, wer gemeint ist. Ein großes Dankeschön geht zudem an jene Freunde und Partner, die mich bei der Bereitstellung von Fotos unterstützt haben – sie sind im Bildnachweis aufgeführt und verdienen freundliche Berücksichtigung.
Und nun: Vergnügliche Lektüre und schönes Spiel!
Köln, im Sommer 2020Michael F. Basche
1 Das Märchen vom Schäfer
Die Golf-Frühzeit
Es war einmal … So fangen gemeinhin Märchen an, auch dieses: Es war einmal ein schottischer Schäfer, der auf den Küstenwiesen vor der Stadt seine flauschigen Schützlinge hütete und zum Zeitvertreib mit dem krummen Ende des Hirtenstabs Kiesel in Kaninchenlöcher drosch – voilà, Golf war erfunden! Eine andere Fama besagt, dass schottische Soldaten einen Vorläufer namens Chole kennenlernten, während sie in der Schlacht von Baugé 1421 die Franzosen beim Hundertjährigen Krieg gegen England unterstützten.
Oder Golf wurde einfach durch den Wollhandel mit den Niederlanden „eingeschleppt“. Denn dort kannte man das „Spel metten Kolven“ schon, da schlugen sich die Tartan-Clans noch lieber den Schädel ein als spielend durch die Dünen zu toben. Das ist amtlich: Am 26. Februar 1297 fand in Loenen aan de Vecht ein Wettspiel statt, bei dem ein Lederball in ein entferntes Ziel zu bugsieren war.
Wollige Wurzeln: Entweder hat’s ein gelangweilter schottischer Schäfer erfunden, oder Golf wurde durch den Handel mit den Niederlanden „eingeschleppt“.
Spel metten Kolven: Schon im 13. Jahrhundert trieben die Holländer Kugeln über Wiesen und übers Eis. Schlagballspiele sind so alt wie die Menschheit.
Was die Holländer auf ihren Wiesen und winters auf gefrorenen Kanälen veranstalteten, sah eher nach Hockey und Eishockey aus, aber die Menschheit amüsiert sich sowieso von jeher mit Ball und Stock: Hurley, Shinty, Cambuca auf den britischen Inseln, Pele Mele in Italien, woraus die Franzosen Jeu de Mal und die Engländer Pall Mall machten. Krocket und Baseball, Exoten wie Lacrosse und das baskische Pelota sind so entstanden. Vor über tausend Jahren betrieben die Chinesen ein golfähnliches Spiel namens Chuiwan mit mehreren Schlägern. In Archiven findet sich der Hinweis auf einen Fürsten, der seine Tochter angewiesen haben soll, als Ziel ein Loch zu graben.
Jedenfalls trieb alsbald ganz Schottland mit Feuereifer den Ball vor sich her, Adel und betuchtes Bürgertum auf abgegrenzten Arealen, das gemeine Volk durch die Gassen und im Gelände. 1457 sah sich König James II. gezwungen, Golf und Fußball zu verbieten und das Training mit Pfeil und Bogen anzumahnen, weil er im ewigen Zwist mit England um die Wehrhaftigkeit seiner Untertanen fürchtete. „Ye futbawe and ye gowf be uterly cryt done and not usyt“, heißt es im Parlamentsbeschluss; „Fußball und Golf sind absolut zu verurteilen und werden nicht praktiziert“: Der Satz gilt den Schotten als Beginn ihrer Golf-Zeitrechnung.
2 Gowf und die „wilde 13“
Die Wiege des Spiels
Schottland im Jahr 1502: Das Parlament unter König James IV. hat Golf freigegeben, es herrscht ein wackeliger Friede mit den englischen Nachbarn. Für die High Society galt das Verbot sowieso nie. Der Monarch selbst liebte das Spiel in den Grünanlagen vor seinen Gemäuern und trug sich als erster Golf-Nerd in die Geschichtsbücher ein. Was durch Aufzeichnungen von Schatzmeister David Beaton belegt ist, beispielsweise über 14 Schilling als Bezahlung eines Bogenmachers in Perth für „clubbes“ aus Buchenholz.
Maria Stuart, die Enkelin von James, soll gar kurz nach der Ermordung des zweiten Ehemanns Lord Darnley im Februar 1567 schon wieder gegolft haben – mit ihrem Vertrauten und mutmaßlichen Gattenmörder Earl of Bothwell. Die „Queen of Scots“ prägte angeblich den Begriff Caddie, entlehnt von den Schläger schleppenden Militärkadetten (Cadets) beim Jeu de Mal am Hof zu Fontainebleau während ihres Erziehungs-Exils in Frankreich. Es gab indes in Schottland bereits Tagelöhner, die sich Caddies nannten, und als Ausrüstungsträger angeheuert wurden.
Golf grassierte. Vor allem Menschen mit Tagesfreizeit und gesichertem Einkommen strömten auf die Links, die kommunalen Brachen der Küstenstädte, buddelten Ziellöcher, markierten sie durch Stöcke und schlugen mit Stecken aus Dornbaum oder Esche drauflos. Es ging drunter und drüber, schiere Anarchie. „Long Gowf“ nannte sich das, die frühen Bälle aus Holz flogen indes eher flach, wenn überhaupt. Ein gewisser Sir Robert Maule ist als der erste nicht-royale Golfer belegt, er spielte um 1527 auf den Barry Links vor Carnoustie. Längst war Golf auch nach England geschwappt. 1513 bereits erwähnte Katharina von Aragon, die erste Frau des Wüstlings Heinrich VIII., in einem Schreiben an Kardinal Wolsey die zerstreuende Wirkung: „I thank God, to be busy at the Golf.“
Golf in Kurz: Der Adel spielte anfangs das dem Krocket ähnliche, eingegrenzte Jeu de Mal und überließ das originär wüste „Long Gowf“ dem Gutbürgertum.
Über Stock und Stein: 1744 vereinheitlichten die 13 ersten Golfregeln ein anarchisches Geländespiel.
1552 dann gab Erzbischof John Hamilton jene Wiesen vor der schottischen Universitätsstadt St. Andrews offiziell für allerlei Sportbetrieb frei, die als Old Course zur Legende werden sollten. Golf-Gesellschaften gründeten sich: Herrenzirkel, vereint in Spieltrieb und Trinkspaß. Das weibliche Gutbürgertum schwang ebenso die Schläger; zumindest wurden Frauen erwähnt, wenn die Kirche den heiligen, spielfreien Sonntag anmahnte. Derweil verfasste der Medizinstudent Thomas Kincaid 1687/88 in Edinburgh mit seinen Tagebucheinträgen die erste schriftliche Spielanleitung.
Am 7. März 1744 schließlich veröffentlichten die Gentlemen Golfers of Leith als verbindliche Grundlage für ein Wettspiel die 13 Ur-Golfregeln, brachten Ordnung ins Cross-Country-Chaos und legten damit das strukturelle Fundament für einen Welterfolg.
3 Gents und grobe Gesellen
Die Gründerväter
Weber, Zimmerleute, Landarbeiter: Wenngleich Golf seit jeher als Gentlemen’s Game gilt, waren es die sogenannten kleinen Leute, die das Spiel in seinen Anfängen prägten – sofern sie denn unmittelbar damit zu tun hatten. Menschen wie Allan Robertson, der in St. Andrews bei seinem Vater das Handwerk des Schlägerund Ballmachers sowie die Aufgaben eines Caddies erlernt hatte und als bester, ja unbesiegbarer Golfer seiner Epoche galt.
Gehen wir zurück ins Schottland der 1850er-Jahre, in die Gesellschaft der durch den Wollhandel mit Festlandeuropa prosperierenden Küstenstädte. Den Müßiggang eines zeitintensiven Geländespiels konnten sich nur Herren von Stand leisten, überdies war die Ausrüstung teuer. Allein der „Featherie“, eine in mühsamer Handarbeit mit nassen Federn gestopfte empfindsame Lederkugel von minimaler Haltbarkeit, kostete nach heutigem Kurs zehn bis 20 Dollar. Für den Otto Normalbürger in St. Andrews oder Prestwick war das unerschwinglich. Ohnehin gab’s nur sonntags Freizeit, und die sollte dem Kirchgang und der Familie vorbehalten sein. Auch war Golfspielen am Tag des Herrn unschicklich und deshalb zumeist verboten, die Links als kommunale Fläche wurden dann der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
So begründeten notwendiger Schlendrian und nötiges Kleingeld schon damals das Bild vom Vergnügen für Privilegierte. Robertson und Co. wiederum, die Insider, fertigten das Spiel-Zeug, trugen den Gentlemen auf der Runde die Schläger hinterher und waren nicht selten fürs Herrichten des Geländes zuständig.
Der Gigant aus St. Andrews: Golf-Handwerker Allan Robertson galt zu seiner Zeit als unbesiegbar.
Gentlemen in geselliger Runde: Den Müßiggang eines zeitintensiven Geländespiels konnten sich nur Standesherren leisten, zudem war die Ausrüstung teuer.
Wer so nah dran ist am Wesen eines Spiels, der entwickelt beinahe naturgemäß enormes Verständnis und ausgeprägte Fertigkeit. Bald spielten die Arbeitsbienen besser als ihre Drohnen und wurden für das spielwütige und wettsüchtige Establishment zu begehrten Partnern im Golfduell mit anderen Gentlemen. Oder man ließ sie wie bei Hahnenkämpfen gleich direkt aufeinander los, befeuert von der Aussicht auf Anteile an den horrenden Wetten.

Berufsgolfer setzten die Standards
Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang der 14. Earl von Eglinton, ein großer Sponsor und leidenschaftlicher Zocker, sowie Oberst James Ogilvie Fairlie – von beiden wird noch die Rede sein. Auf der anderen Seite brachten es die ersten Berufsgolfer – Mungo, Willie Park Sr. und Willie Park Jr. aus Inveresk oder Willie Dunn Sr. aus Musselburgh, nicht zuletzt St. Andrews’ Golfgigant Allan Robertson selbst – auf diese Weise zu Wohlstand und setzten die sportlichen Standards. Als Robertsons Lehrling in St. Andrews übte sich seit 1835 zudem einer im Golfhandwerk, der im Lauf seiner gewaltigen Karriere zum „Allvater“ und Schutzheiligen des Golfspiels werden sollte und bis heute als Patron der Golfplatz-Architektur und als Wegbereiter des Turniergolf um Siegprämien und Preisgelder verehrt wird: Old Tom Morris.
4 Der Allvater
Old Tom Morris
Die Karriere des Golf-Patriarchen begann mit einem Rausschmiss. Weil Tom Morris den gerade erfundenen Kautschukball spielte, deutlich günstiger und haltbarer als die Featherie-Produkte seines Lehrherren. Und von diesem dabei erwischt wurde. Worauf der berühmte Allan Robertson den Azubi umgehend feuerte. 1851 soll das gewesen sein. Als „Custodian of the Links“ in St. Andrews und bester Golfer seiner Zeit verdiente Robertson mit Wettspielen, Schlägerbau, Greenkeeping und vor allem mit der Featherie-Herstellung gutes Geld. Mitarbeiter Morris war somit ein Nestbeschmutzer.
In Prestwick an der Westküste freute man sich. Die angehende Golf-Koryphäe, durch Teammatches mit Robertson schon einigermaßen berühmt, war frei. Der bereits erwähnte Oberst Fairlie vermittelte Morris an den Heimatclub. Im selben Jahr noch trat der damals 30-Jährige seinen Dienst an und machte in der Folge aus Prestwicks Golfwiese einen ordentlichen Platz. Auf dem Zwölf-Loch-Kurs fand 1860 die erste Open Championship statt, um den sportlichen Nachfolger von Allan Robertson zu ermitteln, der inzwischen verstorben war. Morris wurde bei der Premiere Zweiter und gewann dreimal, bevor er Ende 1864 nach St. Andrews zurückkehrte, wo man ihm den verwaisten Job des „Links-Hüters“ angedient hatte. 50 Pfund jährlich plus 20 Pfund Budget für Fremdleistungen gab es dafür. Ein beachtliches Salär. Die Einnahmen aus dem Pro-Shop flossen sowieso in Morris’ Tasche.
1867 holte sich der notorisch schlechte Putter trotzdem in Prestwick die vierte Open und zog fortan mit Schubkarre und Schaufel über seinen geliebten Old Course. Oder reiste per Eselskarren und später per Eisenbahn bzw. Dampfschiff als Golfplatz-Architekt durch die Gegend. Für das Tageshonorar von einem Pfund plus Spesen nahm er allerorten das Gelände in Augenschein und bestimmte die Positionen von Tees, Greens und Bunkern. Morris soll bei fast der Hälfte der 109 Linksplätze, die um 1900 auf den britischen Inseln existierten, die Hand im Spiel gehabt haben.
Siegertyp: Old Tom Morris bereitete der Open Championship in Prestwick die Bühne und gewann viermal.
Der Patriarch des Golfsports: Thomas Mitchell Morris war bis zum seinem Tod 1908 spielerisch und als Platzarchitekt auf den britischen Inseln aktiv.

Tod durch Treppensturz
Den von Mutter Natur schon nahezu perfekt hingelegten Old Course polierte Old Tom im Lauf seiner 39-jährigen Tätigkeit durch Umbauten und revolutionäre Pflegemaßnahmen zum Platz der Plätze auf. Er machte das strategische Design zum Standard, führte das Besanden von Fairways und Grüns ein, erfand die Grassoden-Bauweise der Pottbunker und den Locheinsatz fürs Grün. Clever war Morris auch. Er bezog eine Rente zu vollen Bezügen. Und jeder Club, dem er seine Unterstützung angedeihen ließ, war verpflichtet, Schläger und Bälle nur aus seinem Shop zu beziehen. Thomas Mitchell Morris starb am 24. Mai 1908, hochbetagt mit 87 Jahren, als er im New Golf Club von St. Andrews auf der Treppe stürzte. Seine Legende jedoch ist unsterblich.
5 It’s All About the Money
Golf und Geld
Über Geld soll man ja bekanntlich nicht reden, aber es muss sein. „Nach Golde drängt, Am Golde hängt doch alles …“, ließ Goethe 1808 bei der Uraufführung des „Faust“ sein Gretchen sinnieren, das passt auch zeitlich ganz gut: Ohne den schnöden Mammon wäre Golf immer noch eine Nischennummer wie viele Vorgänger. Der Wettwut zuvorderst verdankt das Spiel seine frühe Beliebtheit – nebst dem Umstand, dass es keine aufwendigen Arenen brauchte, bloß genug Gelände. Das britische Establishment zockte, was die Portemonnaies hergaben. Boxen, Pferderennen, Hunde- und Hahnenkämpfe oder Bogenschießen indes waren olle Kamellen; dieses so schön als Schlagum-Schlag- und Loch-um-Loch-Duell (Matchplay) orchestrierbare neue Spiel kam gerade recht. Die groben, wenig gesellschaftsfähigen Gesellen störten etwas, man wusste sich allerdings zu helfen. Als Colonel Fairlie 1860 die erste Open Championship in Prestwick inszenierte, staffierte er die acht Kombattanten von teils zweifelhaftem Ruf, wenig Bildung, aber hoher Schlagfertigkeit mit grobwollenen Arbeiterjacken aus, um sie einigermaßen manierlich wirken zu lassen.

Pfand für die Wandertrophäe
Bezeichnenderweise bekam der jeweilige Gewinner anfangs keine Siegprämie: Er musste vielmehr gar ein Pfand für den kostbaren Gürtel des Champions hinterlassen, den der Earl of Eglinton als erster Großsponsor der Sportgeschichte gestiftet hatte, um die Rückgabe der 25 Pfund teuren Wandertrophäe (in heutiger Währung 1.600 Euro) zur nächsten Open-Auflage sicherzustellen.
Sowieso machten die Cracks ihren Profit als Gladiatoren und als gefragte Partner der Herren von Stand und Finanzstatus. Bei privat arrangierten Wettspielen ging es durchaus um damals horrende Börsen von mehreren hundert Pfund. Bereits aus dem Jahr 1681 ist ein sportlicher Zwist des Duke of York mit zwei englischen Gentlemen auf den Links von Leith um das Prestige der besseren Golf-Nation überliefert. Der spätere Stuart-König holte sich eine lokale Größe zur Unterstützung, den Schuhmacher James Paterson. Prompt gewann das Duo; und Patersons Preisgeld fiel derart hoch aus, dass er sich den Kauf eines Adresslage-Hauses in Edinburgh leisten konnte. Mit dem Zaster wurde Golf zum Profisport, die heutigen Promoter des Spiels folgen letztlich nur diesem historischen roten Faden. Der flamboyante amerikanische Berufsspieler Walter Hagen (1892–1969) gilt als erster Preis- und Antrittsgeld-Millionär. Er protegierte seine Zunft mit allerlei exzentrischen Aktionen wie einem gemieteten und als Garderobe genutzten Luxusauto, das er bei der Open Championship 1920 per Chauffeur demonstrativ vor dem für die Profi-Parias nicht zugänglichen Clubhaus im englischen Kent parken ließ.
Cracks von hoher Schlagfertigkeit: Das Foto aus dem Jahr 1905 zeigt die meisten damals noch lebenden Open Champions, darunter Old Tom Morris (mit Stock).

Golf fördert das Geschäft
Die Zugehörigkeit zu den Golf-Gesellschaften blieb dem „gemeinen“ Volk lange versagt, selbst wenn es noch so gut spielte. Also gründete die britische Arbeiterklasse beispielsweise ihre eigenen Handwerkerbünde, die sogenannten Artisan Clubs, um an der gemeinschaftlichen Nutzung der meist kommunalen Golfplätze teilhaben zu können. Über ein Jahrhundert lang galt zudem die Weisheit, dass sich beim Golf bestens Geschäftskontakte knüpfen lassen. Schon Belgiens König Leopold II. förderte die Handelsbeziehungen mit England, indem er die per Schiff anreisenden Kaufleute mit dem 1888 angelegten Koninklijken Golf Club Oostende empfing, einem feinen Linksplatz. Auch in der Moderne gönnten sich Firmenlenker und Top-Manager eigene Kurse oder Business-Turniere zu Kontaktpflege und mehr, bis verschärfte Compliance-Richtlinien den Spaß verleideten.
6 Der Kronprinz im Kurpark
Die Geburt von Golf in Deutschland
In Bad Homburg hat’s begonnen, irgendwann Ende 1880: „An einem Frühlingsabend fuhr an einem der neuen Luxushotels eine Equipage vor“, notierte einst der legendäre Journalist und Platzarchitekt Bernhard von Limburger. „Es entstieg ihr ein gut aussehender Engländer. Zu seinen unzähligen Gepäckstücken gehörte auch ein Segeltuchköcher mit sechs merkwürdig aussehenden Instrumenten.“ In den folgenden Tagen amüsierte sich der Gentleman mit seinen Schlägern im Kurpark, und so flogen erstmals Grasfetzen, die „Divots“, aus einer deutschen Wiese. In Kur zu fahren war damals „en vogue“, aber Kurorte gab’s in England kaum, jenseits des Kanals hingegen etliche. Doch nur in Bad Homburg und im belgischen Spa konnte man nebst Nutzung der Heilquellen und Amüsement im Casino auch Golf spielen. Was Wunder, dass die „Sommerfrischler“ aus England in Hessen quasi eine Kur-Kolonie gründeten. Allein Albert Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, später König Edward VII., weilte als Prince of Wales und hingebungsvoller Golfer 32-mal zur Erholung in Bad Homburg. Unter Berties „Aufsicht“ entstand auch Deutschlands erster Golfplatz. Major-General Robert William Duff und Colonel Gordon legten 1889 im Kurpark den „Old Course“ an, der bis 1981 in Betrieb war.
Als Golfclub freilich trugen sich die Bad Homburger erst 1899 ins Vereinsregister ein. So gebührt dem benachbarten Wiesbadener Golf Club 1893 die Ehre des ältesten deutschen Golfclubs. Es folgten Berlin-Wannsee und Bremen-Vahr, wo ab 1895 offiziell gegolft wurde.
Am 26. Mai 1907 schließlich riefen in Hamburg acht deutsche Golfclubs den Deutschen Golf Verband (DGV) ins Leben. Erster Präsident war der Hamburger Johann Vincent Wentzel. „Mit eisernem Fleiß spann Wentzel die Fäden zwischen den deutschen Clubs und knüpfte Beziehungen zum Ausland an“, schrieb Vereinsmitglied Alfred Vorwerk. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der DGV wie alle anderen deutschen Sportorganisationen von den Alliierten aufgelöst. In Bad Ems erfolgte dann 1949 die Wiedergründung des neuen (West-)Verbands. 1975 schließlich zog Golf ins deutsche Fernsehen ein: ZDF-Mann Harry Valérien zeigte den Erfolg des Engländers Maurice Bembridge bei der German Open. Das seit 1911 ausgetragene Turnier war 70 Jahre lang eine Angelegenheit der ausländischen Gäste, vom grandiosen Harry Vardon (England) als Premierensieger über Berühmtheiten wie Henry Cotton (England), Bobby Locke (Südafrika) oder Peter Thomson (Australien) bis zum großen Spanier Severiano Ballesteros 1980.
Vorkämpfer für Golf im TV: ZDF-Mann Harry Valérien initiierte 1975 die erste Turnier-Übertragung.
Organisierter Sport: Am 26. Mai 1907 gründeten in Hamburg acht deutsche Clubs den Deutschen Golf Verband, erster Präsident war Johann Vincent Wentzel.

Bernhard Langer und die German Open
Als Professional in Berlin-Wannsee vertrat der fünffache englische Sieger Percy Alliss wenigstens ein bisschen auch die deutschen Farben. 1981 dann schlug die Stunde von Bernhard Langer. Er wurde im Hamburger Golf-Club Falkenstein erstmals Internationaler Deutscher Meister und ließ bis 1993 vier weitere German-Open-Titel folgen.
7 Tee to Green
Die Komposition einer Golfbahn
Man nehme: eine Wiese, grabe ein Loch und markiere es mit einer Fahne … Nein, so einfach ist eine Golfbahn nicht erklärt. Nicht mehr jedenfalls. Früher war das so. Aber damals mussten die Altvorderen vom Schlag eines Tom Morris Sr. in den Dünenlandschaften der britischen Küste auch bloß das beste Routing wählen und ausstecken, die grandiose Gestaltung war eh naturgegeben.
Heutzutage verbietet der Naturschutz zumeist dergleichen, stattdessen hat es der Platzarchitekt vornehmlich mit Agrar- und Industriebrachen zu tun – mit leerer Leinwand, deren golferische Gestaltung im Idealfall zu einer gelungenen Renaturierung führt. Drei Grundbausteine braucht es, damit ein Gelände zum Golfloch wird: Abschlagsbereiche für unterschiedliche Spielstärken; mehr oder weniger viel Fairway (früher „fair green“), das sich tatsächlich vom fairen, weil kurzgemähten Weg Richtung Ziel ableitet; schließlich die Putt-Flächen von durchschnittlich 450 bis 550 Quadratmetern, die sich mit der ausgeklügelten Gestaltung des Umfelds und schützenden Bunkern als ganze Grünkomplexe gegen die sportliche Eroberung stemmen.
Planspiel: Die Komposition von Golflöchern aus der Computer-„Feder“ des Architekten. Nummer 3 zeigt ein auf unterschiedlichen Wegen anspielbares Grün.
Praxis: Bahn 9 und 18 des Südplatzes im Golf- und Country Club Seddiner See nahe Potsdam münden in ein von Bunkern geschickt verteidigtes Doppel-Grün.

Kaum Grenzen für Kreativität
Dazwischen und drumherum sind der Kreativität des Designers kaum Grenzen gesetzt, spielbar sollte es bleiben, nie unfair werden. Länge, Verlauf, Platzierung und Form von Hindernissen (Bunker, Grasmulden, Gewässer), Konturen und Reliefs von Fairways und Grüns, unterschiedliche Gras-Schnitthöhen und, und, und: Der Notenfundus für die Komposition eines Lochs gibt genug her, um den Spieler auf einer Achterbahn des Anspruchs über die Runde zu bringen.
Schon höhere Wissenschaft ist etwa die subtile Modellierung der Grüns durch Neigungen (Slopes) und Höhenwechsel (Breaks) – was im Verbund mit Wuchshöhe (2,5 bis 4 Millimeter) sowie Bewässerung des Rasens enormen Einfluss auf den rollenden Ball hat und vom Spieler vor dem Putten richtig „gelesen“ werden sollte. Oder der Einsatz von optischen Täuschungen durch trickreiche Gestaltung von Bunker- und Grünkanten. Oder die sinnvolle Verwendung von „Templates“, dem angepassten Nachbau von Design-Elementen berühmter und zeitlos reizvoller Golfplätze.
8 Loch an Loch mal 18
Die Partitur des Platzes
Mark Twain hat mal geschrieben: „Golf verdirbt einen guten Spaziergang.“ Das muss aber nicht sein, wenn die Partitur des Platzes stimmt. Kursdesign ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Schon das Notenheft für die reinen Spielbereiche eines 18-Loch-Arrangements umfasst 30 Hektar, dazu kommen Puffer zwischen den Bahnen in mindestens gleichem, besser doppeltem Maß – viel Fläche für gestalterischen Freiraum, für einen „emotionalen Wirbel von sich dauernd ändernden Spannungen bezüglich des Geländes, der Länge der Löcher und der Schwierigkeit der einzelnen Golfelemente“, wie es der US-Architekt und Lehrbuch-Autor Dr. Michael Hurdzan ausdrückt.
Gewiss, alles hängt von Schnitt und Beschaffenheit des Geländes ab. Vom Budget sowieso – ein richtig guter Platz kostet 100.000 Euro pro Loch. Gar nicht zu reden von einer kapitelfüllenden Planungs- und Genehmigungsbürokratie, von Voruntersuchungen, Gutachten, behördlichen Auflagen. Und auch Kreativität hat Kriterien:
•Sicherheit zuvorderst, weil die Seiten- und Längenstreuung von Bällen und somit entsprechende „Flugzonen“ eingeplant werden müssen.
•Flexibilität in Form unterschiedlicher Abschläge, die eine variable Platzlänge ermöglichen und alle golferischen Spielstärken berücksichtigen.
•„Shot Value“, womit die vom Platz geforderten Golfschläge gemeint sind. Denn Längenvielfalt der Bahnen und variantenreiche Gestaltung von Zielbereichen sollen dazu führen, dass alle Schläger gebraucht und zudem in verschiedenen Schlagvarianten eingesetzt werden müssen.

Orchestrierung mit Finale furioso
Schließlich Bahnenfolge und Spielfluss: Die harmonische Verteilung der unterschiedlichen Pars, die wechselnde Ausrichtung der einzelnen Bahnen zur vorherrschenden Windrichtung, die gekonnte Orchestrierung von Zwischenhöhepunkten und ein abschließendes Finale furioso. Ein virtuoser Architekt konzipiert innerhalb dieser kunstvoll komponierten Abfolge genug Elemente, mit denen über die gesamte Runde das komplette Spiel und vor allem das Hirn des Golfers gefordert werden. Dazu gehören geschickt konstruierte und platzierte Sandhindernisse statt lieblos in den Boden gekratze Kuhlen sowie die kluge Einbindung von Vegetation und Gewässern, Optionen für die Spiellinie, überhaupt ein attraktives asymmetrisches Design. Nicht zuletzt die hohe Schule der Grün-Anlagen mit ihrer mannigfaltigen Klaviatur von Formen und Konturen, Plateaus und Breaks, falschen Fronten oder verdecktem Gefälle. Design-Doyen Donald Ross schrieb seiner Gilde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ins Stammbuch: „Mach’ jedes Loch zu einer unterschiedlichen Aufgabe!“
Kunstvolles Gefüge: Der Plan des Hofguts Georgenthal im Taunus verdeutlicht, wie ein Platzkonzept auf die Vorgaben des Geländes abgestimmt werden muss.
18 hat ein klassischer Golfplatz übrigens, weil die teils mit der Entwicklung des Spiels zu kurz gewordenen, teils sich überlappenden ursprünglichen 22 Bahnen des Old Course 1764 neu sortiert wurden – und zufällig 18 übrig blieben, die 1842 im Regelbuch manifestiert wurden. Am Ende wartet dann das ominöse 19. Loch, wo die Runde entweder begossen oder ertränkt wird: die Bar im Clubhaus.
9 Große Oper
Architektur und Design
Was macht einen großartigen Golfplatz aus? Ganz einfach: Jedes Loch wird zum Erlebnis, ohne den Spieler mit Eindrücken zu überfrachten oder mit unüberschaubaren Problemen zu malträtieren; eine brillante Bahn bietet unterhaltsame Herausforderungen für Golfer aller Klassen, bei denen das Auge mitspielt und die Seele gestreichelt wird. „Eine Golfrunde sollte 18 Inspirationen bieten“, hat vor einem Jahrhundert der angesehene Architekt Albert W. Tillinghast philosophiert. Und das „Bühnenbild“ sich stets „an den gestalterischen Vorgaben der Natur orientieren“. Das gilt bis heute.
Ein kolossaler Kurs vor kongenialer Kulisse ist schlichtweg große Oper. Es gibt die Ouvertüre: ein, zwei Auftaktlöcher, die den Spieler auf das Kommende einstimmen, ihm schmeicheln, ihn mit dem Kurs warm werden lassen. Pure Psychologie. Niemand will schon auf der ersten Bahn Frust schieben und bereuen, die Anlage überhaupt betreten zu haben.
Architektur-Arie: Die Überarbeitung nahezu aller Bahnen macht aus dem Golf Club Föhr ein Paradebeispiel für modernes, weil puristisches Platzdesign.
Wie das musikalische Vorbild hat auch der perfekte Platz seine Arien im Programm, die besonderen Höhepunkte in Form imposanter Löcher. Gefolgt von weniger aufwühlenden Intermezzi zum mentalen Verschnaufen, bevor die Runde idealerweise in einem fabelhaften Finale endet, das noch einmal alle Sinne und Fertigkeiten fordert, den Wunsch nach Wiederholung weckt. Sei’s bloß, weil man mit dem Platz nun eine Rechnung offen hat. „Kurse zu gestalten, die selbst Vergnügen bereiten, wenn du schlecht spielst, das ist die Kunst der Golfarchitektur!“, sagt Tom Doak, einer der brillanten Designer unserer Zeit.
Das Wesen eines Golfplatzes ist seine größtmögliche Individualität bei nur wenigen räumlichen Vorgaben – wohl einzigartig im Sport. Trotzdem haben sich Gestaltungsgrundsätze etabliert, seitdem das einst wilde Geländespiel zum Ausgang des 19. Jahrhunderts in geregelte Bahnen gelenkt worden ist. Mit der Ausbreitung „auf dem platten Land“ musste künstlich kreiert werden, was Mutter Natur in den Dünen so verschwenderisch vorgegeben hatte: Landschaft, Routen, Hindernisse. Mangels schwerem Gerät und Faible für Formensprache waren die ersten artifiziell angelegten Plätze tatsächlich reine Spielfelder, schematisch, symmetrisch, linear, mit standardisierten Distanzen und brutalen Barrieren. Golf verkam zum Hindernisparcours.
Autodidakten wie dem schottischen Arzt und „Golden Ager“ Dr. Alister MacKenzie und seinem Faible für die Kunst der militärischen Tarnung im Gelände ist zu verdanken, dass diese Langeweile zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Lust an einer Golf-Landschaft verdrängt wurde; gestützt auf das intensive Studium des Old Course und seiner unvergleichlichen Ästhetik. Seither kategorisiert sich das Design von Golflöchern in vier Erscheinungsformen:
Beim „Free Way“, der „Autobahn“, existiert eine konkrete Spiellinie, die schnurstracks zum Grün führt. Alle Hindernisse liegen davon entfernt und haben bei halbwegs zielgenauem Ballflug lediglich optische Wirkung. Das bestrafende („penal“) Design ist ein Relikt aus den eben beschriebenen Anfängen des Platzbaus. Sekt oder Selters heißt die Devise, ohne Alternativen: Scheitert man am Hindernis, droht Schlagoder gar Ballverlust.
Kreative Konzeption: „Eine Golfrunde sollte 18 Inspirationen bieten“, wissen exzellente Designer.
Hilfe aus Hollywood: Für den Bau des Steinbruchs auf dem Palmer South Course im irischen K Club wurden eigens Experten für Spezialeffekte angeheuert.

Königsdisziplin strategisches Design
Das heroische Design, gleichsam bekannt als „Risk and Reward“ hat bestrafende Spurenelemente. Der Architekt legt dem Golfer ein Hindernis in den direkten Weg zum Grün, das es zu über- oder umspielen gilt – Bunker, Wasser, Richtungswechsel. Wer was wagt, der gewinnt und wird mit einem kürzeren oder bunkerfreien Schlag Richtung Fahne belohnt. Oder mit beidem.
Der strategische Loch-Typ schließlich ist die Königsdisziplin des Golfdesigns. Auf jeder Bahn werden mehrere Wege zum Grün angeboten. Sie unterscheiden sich durch Art und Schwierigkeit der Hindernisse bzw. der Schläge, die zur Bewältigung notwendig sind. Schon am Tee ist der Golfer gefordert, eine Route zu wählen, die unter den herrschenden Bedingungen für seine Spielstärke erfolgversprechend erscheint. Der im Jahr 2000 verstorbene Star-Architekt Robert Trent Jones Sr. sagte einmal: „Das strategische Design soll den denkenden Spieler belohnen.“
10 Mehr als nur Rasenmähen
Das Greenkeeping
Es gilt, eine Lanze zu brechen für die Gilde der Greenkeeper, die weit mehr sind als nur Rasenmäher. Im Maximalfall sind sie ausgebildete oder gar studierte Agronome, die das Gras wachsen hören, Verantwortung für die Umwelt tragen und zu eher unkomfortablen Zeiten den Golfern die Bühne bereiten. Statt aufzulisten, was die Hüter der Halme leisten, um einen Platz in Schuss zu halten, hier ein paar Hinweise, was Golfer fürs Greenkeeping tun können:
Geduld haben, beispielsweise, wenn Mäher oder Manpower vermeintlich das Spiel behindern: Wir Golfer haben (Frei-)Zeit, es ist zu unserem Besten. Oder mal fragen, was es mit der Arbeit auf sich hat. Wissen über das Wesen der Wiese schadet nicht. Anerkennende Worte kommen auch immer gut an. Nie den heimischen Garten oder gar ferne Golfplätze als Vergleich heranziehen. Das sollte mit Vorträgen über Mikroklimata nicht unter drei Stunden geahndet werden.
Überhaupt: Respekt zeigen. Greenkeeper räumen nicht hinter uns auf, nur weil wir Beitrag oder Greenfee bezahlen. Das Zurücklegen von Divots und das Ausbessern von Pitchmarken (siehe Kapitel 28) versteht sich von selbst.
Kollege Mäher: Autonom agierende Maschinen (per GPS und App) entlasten das Greenkeeping-Personal für Aufgaben, die wirklich der Handarbeit bedürfen.
11 Schwingel und der Kuckuck
Braunes Gras ist besseres Grün
Noch ein Missverständnis ist auszuräumen: Wenn ein Golfplatz braun und ausgetrocknet wirkt, ist die Wiese weder tot, noch hat der Betreiber vergessen, die Wasserrechnung zu zahlen. Gräser fallen bei unwirtlichen Bedingungen – Hitze, Trockenheit, Kälte – bloß in einen Ruhezustand, salopp formuliert in den „Stand-by“-Modus: Der Halm pfeift aufs Grünsein und spart sich die Kraft fürs Überleben. Kommt beizeiten belebendes Nass, blüht der Teppich wieder auf. Im Idealfall golden oder lavendelblau.
Sowieso: Braun ist vielfach das bessere Grün. Denn braunes Gras steht vor allem für genügsame und widerstandsfähige Gräser, die nicht Tonnen von Dünger und Pestiziden sowie opulente Wassergaben brauchen, um allen Widrigkeiten zu trotzen. Festuca ist so ein „gutes“ Gras. Der ausdauernde Schwingel, originärer Belag von Linkskursen, gedeiht prächtig auf mageren, sandigen Böden.
Rasenkunde: „Gute“ Gräser wie Festuca brauchen keine Unmengen Dünger oder Pestizide sowie opulente Wassergaben, um der Witterung zu trotzen.
Umstellung: Angesichts von Hitzesommern und Wetterextremen ist Wassermanagement elementar, es werden künftig nur noch Abschläge und Puttflächen beregnet.
Sein Antipode ist Poa Annua, das einjährige Rispengras: fett, dicht, fast blaugrün, so recht nach der Grün-Hybris vieler Golfer. Per Windbestäubung nistet sich der Schmarotzer in Graspopulationen ein, als Kuckuckskind im fremden Nest quasi, das alles andere aushungert. Poa Annua wird man schwierig wieder los, kommt meist wieder.
Um der Sisyphusarbeit zu entgehen, wurden Plätze vielfach direkt mit der krautigen Pflanze eingesät. Dabei braucht Poa gegenüber Festuca doppelt so viel Wasser, Düngung, Pflege. Wenn es trotzdem eingeht, bleiben kahle Flächen. Also wird der eigentlich kurzlebige Kuckuck über jeden Winter gepäppelt, weil er irgendwann nicht mehr sterben darf.

Wassermanagement in Hitzesommern
Dabei kommt dem Wassermanagement angesichts der jüngsten Hitzesommer und Extremwetterlagen elementare Bedeutung zu. Die Golfer werden sich darauf einstellen müssen, dass es künftig keine weichen Fairways mehr gibt, nur noch Abschläge und Grüns beregnet werden – das ist gegenüber der Öffentlichkeit gerade noch zu rechtfertigen. Fein raus sind alle Anlagen, die dieser Entwicklung mit der Aussaat entsprechender Rasenmischungen bereits vorgegriffen haben.
12 Refugien für Fauna und Flora
Golf und Ökologie
Es muht, mäht, meckert und gackert, flötet, zirpt und schwirrt, sprießt und blüht: Auf den Golfplätzen hat der ökologische Geist Einzug gehalten. Vorbei sind die Zeiten, als auf Teufel komm raus gewässert, gespritzt und gedüngt wurde, Hauptsache, die Spielwiese ist dickflorig und sattgrün. Vorbei ist auch, dass kostbares Nass verplempert und der Untergrund mit chemischen Düngemittel- und Pestizid-Keulen kontaminiert wird. Was früher sämtliche Gründenker auf die Palme brachte, naturgemäß flächenintensive Golfplatz-Projekte nämlich, sind heutzutage vielfach Refugien für Fauna und Flora, Rückzugsräume der Artenvielfalt. Sowieso werden nur rund 40 Prozent der Fläche für den Spielbetrieb selbst benötigt. „Unter Wahrung ökologischer Aspekte kann die Golfanlage absolut eine Aufwertung der Natur darstellen“, sagt der Landschaftsarchitekt und Platzdesigner Christian Althaus, Düsseldorf.
Es würde zu weit führen, auf die verschärften Restriktionen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die vielerorts praktizierte Abkehr von Kunstdünger einzugehen. Kurz: Der Trend geht zu natürlichen Substanzen, zur bioaktiven Golfplatzpflege, bei der die Experten etwa fermentierte Algen oder kompostierten Waldbodenbelag einsetzen. Ohnehin beträgt der Nährstoffverbrauch eines Golfplatzes im Vergleich zu einer landwirtschaftlichen Nutzung maximal 30 Prozent. Das sorgt für gute Böden, besseres Grundwasser und Gewässerbiotope von hoher Güte.
Gewässerbiotope von hoher Güte: Auf vielen Golfanlagen ist der ökologische Geist eingezogen und hat die Düngemittel- und Pestizid-Keulen vertrieben.
Rückzugsräume der Artenvielfalt: Golfplätze, hier das Ostsee Golf Resort Wittenbeck, sind vielfach zu wichtigen Refugien für Fauna und Flora geworden.

„Golfer sind Naturschützer“
„Wir spielen in der Natur und diese gilt es standortgerecht zu bewahren und zu fördern“, betont Umweltberater und Rasenexperte Dr. Gunther Hardt aus Stuttgart. Als Auditor begleitet er das Programm „Golf&Natur“, das der Deutsche Golf Verband (DGV) seit 2005 als selbstverpflichtendes System zum Umwelt- und Qualitätsmanagement anbietet. „Golfanlagen sind nicht Teil des Problems, sondern der Lösung. Und Golfer sind Naturschützer.“ Übrigens: 20 bis 30 Millionen Tonnen kostbare Erde gehen weltweit jährlich mit der ackerbaulichen Nutzung verloren, weil die Böden den Einflüssen von Wind- und Wassererosion schutzlos ausgesetzt sind. Eine Grasnarbe reduziert diesen Abtrag auf weniger als ein Prozent. Es muss nicht unbedingt Golfrasen sein, aber auch dort ist die Natur längst nicht mehr ausgesperrt, ganz im Gegenteil.
13 Golfer haben gern ’nen Vogel
Begriffe von Tee bis Fahne
Was hat Golf mit der Börse zu tun, und warum haben Golfer gern einen Vogel? Auf einer imaginären Runde lässt sich am besten erklären, woher die wichtigsten Begriffe stammen. Also, auf zum Abschlag! Kaltstart. Da kann sich der erste Schlag aus dem Haus schon mal verirren. Ja, Tee leitet sich vom gälischen „tigh“ (Haus) ab und meint den Bereich, in dem vor Erfindung des gleichnamigen hilfreichen Stiftchens der Ball von Sandkegeln abgeschlagen wurde.
In Privatrunden tun manche so, als wäre nichts gewesen und legen einfach einen neuen Ball nach. Einen Mulligan, zurückgeführt auf den kanadischen Hotelier David Mulligan. Der hat sich in den 1920er-Jahren beim Golf im St. Lambert Country Club von Montreal gern „Korrekturschläge“ zugestanden. Unserer landet jetzt ordentlich auf dem Fairway, das früher Fairgreen hieß und eben den fair zu spielenden, weil kurz geschnittenen Bereich der Spielbahn benennt.

„I’m the bogeyman“
Es ist ein Par 5, das Grün lockt in der Ferne, Attacke ist angesagt. Par kommt aus der Börsensprache und bezeichnet den Nominalwert einer Aktie – und den eines Platzes, seit Golfreporter A. H. Doleman sich 1870 im schottischen Prestwick bei Professionals nach der durchschnittlichen Schlagzahl für den 12-Loch-Kurs erkundigte. 49 Schläge wurde ihm genannt, die er als „Nominalwert“, als Par veröffentlichte.
Lange Zeit allerdings galt Bogey als Begriff für den „ground score“, weil die britischen Golfer mit einem Gassenhauer auf den Lippen die Vorgabe jagten: „I’m the bogeyman [der schwarze Mann], catch me if you can.“ Bogey, im Sport auch als Angstgegner umschrieben, war daher anfangs sogar erstrebenswert. Erst später rückte der Begriff als Maßstab für Freizeitgolfer um einen Schlag nach hinten, während die Profis längst mit dem Par hantierten. 1911 deutete der US-Verband es zum „professional average result“ um und etablierte damit die Definition für ein „perfektes Ergebnis ohne Fehler und bei normalen Wetterbedingungen unter Berücksichtigung von zwei Putts je Grün“.
Unser imaginärer Ball indes geht mächtig nach rechts, ein Slice, für 90 Prozent aller Golfer das natürliche Handicap. Statt zu fluchen, brüllen wir „Fore“. Einige glauben an die Verballhornung von „watch out ahead!“ („Pass auf da vorne!“) zum einsilbigen „fore“ („vorne“). Andere meinen, es sei der Weckruf für den „Forecaddie“, der früher stets vorausgeschickt wurde und den Ballflug verfolgen musste, damit nicht zu viele der teuren Featheries verloren gingen – die damals gebräuchlichen, mit Gänsefedern ausgestopften Lederkugeln.
Keine Angst vor dem Bunker: Das sind bloß Gruben, in denen die alten Schotten überflüssigen, aus den Spielbereichen gekratzten Sand „gebunkert“ haben.
Alles gut, Ball gefunden: im Rough, dem rauhen Bereich, wo das Gras viel höher steht. Ein Pitch („to pitch“/werfen) muss her. Mit dem dritten Schlag geht’s aufs Grün, nah an die Fahne. Erst die mögliche Pitchmarke ausbessern, die so heißt, weil früher auf den windigen, brettharten Linksplätzen viel flacher gespielt wurde und nur die „geworfenen“ Bälle Druckstellen hinterlassen haben.

„What a bird of shot!“
Dann zum Birdie verwandeln – das wäre cool: Im US-Slang war ein „bird“ ehedem, was wir heute als „cool“ bezeichnen. Abner Smith hat’s erfunden, 1898 im Atlanta City Country Club: „What a bird of shot [Was für ein cooler Schlag]!“, kommentierte er die Annäherung seines Mitspielers, der anschließend zu Eins unter Par einlochte. Zum Birdie. Die Steigerungen Eagle und Albatros sind nur folgerichtig: Je besser Ihr Lochergebnis, desto größer Ihr Vogel.
14 Das Runde muss ins … Runde
Der Ball und das rechte Maß
Ums liebe Geld ging es schon, und es gibt zwei weitere Dinge, ohne die Golf kein weltumspannender Sport geworden wäre: der Ball und die Eisenbahn. 1848 tüftelte Robert A. Paterson in St. Andrews die Guttapercha-Kugel aus, weil sich der Student den seit 1618 gebräuchlichen, teuren Featherie zu vier Schilling nicht leisten konnte. Selbst Könner wie Old Tom Morris schafften täglich maximal vier der komplizierten und kurzlebigen Klopse aus drei zu vernähenden Lederstreifen und einem Haufen Federn, die heiß gebrüht und in die Hülle gestopft wurden, sich beim Trocknen ausdehnten und den Featherie einigermaßen elastisch machten – solange er nicht nass oder allzu arg malträtiert wurde.
Da war der Gutty buchstäblich von anderem Kaliber. Das gummiähnliche Material aus dem eingetrockneten Milchsaft des (sub-)tropischen Guttapercha-Baums ermöglichte eine günstige Massenherstellung und damit breiten Kreisen den Zugang zum Golf. Kautschukbrocken wurden zwischen den Handballen weich gewalkt, per Muldenpresse in Form gebracht und mussten dann nur noch aushärten. Sechs Dutzend zum Einzelpreis von einem Schilling ließen sich pro Tag fertigen. Überdies stellten die Professionals fest, dass Schlag-Schrammen die Ballistik des Balls sogar beflügelten, während Featheries dadurch regelmäßig kollabierten. Also hämmerten sie dem jungfräulichen Produkt direkt Scharten und Beulen ins Rund – Vorläufer der 300 bis 450 Dimples heutiger Bälle.
Runde Sache: Moderne Golfbälle, wie der im Cup, haben eine Hartkunststoffschale und mehrschichtige Kerne.
Den Unterschied haben Tour-Pros mal mit einer Sonderauflage glatter Kugeln von Hersteller Titleist demonstriert. Statt gen 300-Meter-Marke zu fliegen, eierten die grübchenlosen Murmeln trotz Hightech-Schlägermaterials kaum 140 Meter ihrem Ziel entgegen. Nebenbei: Der Lochdurchmesser im Grün von 10,795 Zentimetern (4,25 Inch) wurde vom 1754 gegründeten und rasch zur Regelinstanz avancierten Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews 1891 bloß so festgelegt, weil die Kollegen in Musselburgh 1829 zufällig einen Lochschneider mit diesem Maß erfunden hatten.
Runde Sachen: Die Entwicklung des Golfballs mit Holzkugel, Featherie, Gutty, maschinellem Gutty und dem aus Gummifäden gewickelten Haskell (v. l.).

Per Eisenbahn zum Golfplatz
Und die Sache mit der Eisenbahn? In den 1850er-Jahren erwarben Königin Victoria von England und Prinzgemahl Albert ihr „Hideaway“ Schloss Balmoral westlich von Aberdeen und reisten gern im Zug an, was die Erschließung der Highlands für den Schienenverkehr zur Folge hatte. Bald gab es Schienenverbindungen zwischen London und Edinburgh bzw. Glasgow sowie von dort an die Küsten.
Mit den Royals kamen die Touristen, angelockt von der Seeluft, romantisiert von den Balladen und Romanen des schottischen Poeten Sir Walter Scott und vielfach mit Golfschlägern im Gepäck. Nicht von ungefähr entstanden „neue“ Plätze wie Prestwick (ab 1851) an der Westküste deshalb unmittelbar neben den Gleisen und hatten oft eigene Bahnhöfe. „Scotland’s Golf Train“ durch Ayrshire genießt heute Kultstatus.
15 Knüppel, Kellen, Klingen
Das Golfbesteck im Lauf der Zeit
Mit einem Knüppel hat alles begonnen. Aus Esche, Haselnuss oder Dornbaum. Möglichst ein Schössling sollte es sein, der am Hang wuchs, so dass ganz unten die notwendige Krümmung schon eingebaut war. Derart „bewaffnet“ bugsierten die ersten Golfer runde Kiesel und hölzerne Kugeln durch die schottischen Dünen. Als älteste Artefakte gelten die Troon-Schläger, sechs Hölzer und zwei Eisen aus den 1600er- oder gar späten 1500er-Jahren. Der Royal Troon Golf Club lehnte 1999 ein Verkaufsangebot über vier Millionen Dollar ab, das Ensemble liegt mittlerweile im Golf-Museum von St. Andrews. Ein damals reguläres Schlägerset bestand komplett aus Holz: vom Longnose, dem heutigen Driver, mit dickem Kopf für weite Schläge bist zum Spoon für kürzere Entfernungen, dem Niblick zum Lupfen und dem Cleek als früher Putter fürs Einlochen auf dem Grün. Gefertigt wurden sie von Feinwerkern, die Erfahrung mit dem Biegen von Holz hatten. Später von spezialisierten Manufakturen wie McEwan, Hugh Philp oder Robert Forgan, der 1856 als Erster in großem Stil Hickoryholz für optimale Schäfte aus Amerika importierte.
Artefakte der Golfgeschichte: die über 400 Jahre alten Troon-Schläger.
Weltraummaterial: Moderne Driver für weite Schläge haben hohle Metallköpfe mit ausgetüftelten Wandstärken und Einsätzen, heißen aber weiterhin Hölzer.
Die Eisen hingegen waren klotzige Kellen, vom Schmied in eine kantige Form gehämmert. Sie taugten vornehmlich, um den Ball aus unwirtlichen Lagen zu hacken. Als der empfindliche Featherie von den robusteren Kautschukkugeln abgelöst wurde, beschäftigten sich Old Tom Morris und Co. intensiv mit den Eisen und ließen sich aus den Schmieden, wo bereits mit vorgefertigten Formen hantiert wurde, sorgsam gearbeitete Klingen mit abgerundeten Kanten liefern. Die Entwicklung der Golfschläger ist untrennbar mit der Historie des Balls verbunden. Während schon um 1900 die ersten Köpfe aus Persimmon, dem Holz des Kakibaums, an die Hickory-Schäfte montiert wurden, erschienen 1908 die ersten Eisen mit Riefen in der Schlagfläche. Die Tüftler hatten den Einfluss auf den Spin des Balls erkannt.
In den 1920er-Jahren dann wichen die klangvollen Schlägernamen den Nummern, der Niblick zum Beispiel hieß fortan Eisen 9. Nächster Entwicklungssprung war der Stahlschaft, den die Golfhoheit in St. Andrews allerdings nur sanktionierte, weil Edward von Wales (später für elf Monate König Edward VIII.) 1929 damit auf dem Old Course spielte. Nach der Blütezeit der wunderschönen Persimmon-Hölzer in den 1950er- bis 70er-Jahren kamen 1973 die ersten Kohlefaserschäfte und Anfang 1980 die ersten Schläger mit Metall-Hohlköpfen auf den Markt, die trotzdem immer noch Hölzer heißen.
1991 sorgte Callaway mit der Big Bertha und ihrem gewaltigen Edelstahl-„Dickschädel“ für Furore. Die Kalifornier waren es auch, die 1996 mit Taylor-Made massentauglich Titan in den Schlägerköpfen verarbeiteten. Weltraumwerkstoffe in Materialmix sind seither Standard, die Hersteller üben sich in Formgebung und Gimmicks wie variabler Gewichtsverteilung am Schlägerkopf oder justierbarer Schlagflächenneigung – am geometrischen Gefüge freilich hat sich in 600 Jahren nichts geändert.
16 Länge, Loft und Lie
Der moderne Golfschläger
Maximal 14 Schläger darf der moderne Golfer bei offiziellen Runden mit sich führen: mehrere Hölzer für unterschiedliche Distanzschläge, diverse Eisen für variantenreiche Präzisionsschläge und den Putter fürs „Bälle schubsen“. Das Thema Spiel-Sachen füllt Enzyklopädien, es lässt sich indes auf die drei „L“ als wesentliche Parameter der Bauweise reduzieren: Länge, Loft und Lie. Die Länge eines Schafts – ob schwerer Stahl oder leichtes Karbon, Hauptsache Materialgüte – entscheidet über den Peitscheneffekt, der durch die Schwungbewegung erzeugt wird. Je länger der Schaft, desto weiter der mögliche Ballflug. Dazu passt der Loft, die Neigung der Schlagfläche zum Ball. Je steiler der Winkel, umso flacher fliegt die Kugel.
Also sind geringer Loft plus langer Schaft gleich langgezogene Flugbahn und Weite; mit starkem Loft und kurzem Schaft wiederum lassen sich auf kurzem Wege stattliche Flughöhen erzeugen, etwa mit den „Wedge“ (Keil) genannten Spezialeisen. Das industriell hergestellte Material ist nach standardisierten Länge-Loft-Kombis sortiert. Der Lie schließlich beschreibt den Winkel, mit dem die Schlägersohle bei Spielhaltung idealerweise auf dem Boden steht. Womit das Tor zum Fitting-Kosmos geöffnet ist, der individuellen Anpassung des Schlag-Zeugs an Statur und Schwungtempo: Steifigkeit bzw. Flex des Schafts, Feintuning der für die diversen Lofts existierenden Standard-Schaftlängen, Griffstärke, Lie.
Der Loft: Die Neigung des Schlägerblatts zum Ball entscheidet über die Flughöhe der Kugel.

Der Lie: Idealerweise steht der Schläger bei Spielhaltung mit seiner Sohle flach auf dem Boden.
17 Soweit die Bälle fliegen
Das Problem der Längen-Inflation
Im Golfsport entflammt ein Glaubenskrieg. Mit dem Ball im Zentrum. Er fliegt zu weit, begünstigt von innovativer Ballistik, Raketenmaterial im Schlägerbau und der Spielerathletik. Zwar gibt’s großes Hallo in der Galerie, wenn die Longhitter des Profilagers ihre Kugel in Dimensionen jenseits von 300 Metern feuern, aber Leidtragende sind Hunderte von Plätzen weltweit, besonders die alten, deren Design-Kompositionen aus den Angeln gehoben werden, weil die Bälle zumeist einfach drüber weg fliegen. Also wird gestreckt, wo es nur geht – das Ergebnis sind höhere Flächenkosten, mehr Pflegeaufwand, längere Wege und sowieso ökologischer Irrsinn. Auch wenn es den Freizeitgolfer kaum betrifft, muss eine – notfalls für Profis und Top-Amateure separate – Lösung her. Altmeister Gary Player aus Südafrika brachte es als erster auf den Punkt: „Statt weltweit Hunderte von Millionen Dollar für Golfplatz-Umbauten auszugeben, bräuchte man bloß den Ball zu modifizieren und damit die erreichbaren Längen einzuschränken. Das eingesparte Geld könnte man prima in die Jugendarbeit investieren.“ Und wenn alle zehn Prozent kürzer schlagen, sind die Longhitter immer noch Helden.
Kanonier am Abschlag: Longhitter wie US-Jungprofi Cameron Camp befördern ihre Bälle mit dem Driver mühelos bis an oder sogar über die 300-Meter-Marke.
18 Luxus im Bag
Die teuersten Schläger der Welt
Monozukuri sagt der Japaner und meint „Sachen machen“. Golfschläger zum Beispiel. Die besten der Welt, heißt es. Die teuersten allemal. Von Honma. Die Marke aus Sakata ist der Goldstandard beim Schlägerbau; ihre Meisterwerke entstehen in reiner Handarbeit, vom Edelholz-Fertigungsmuster bis zum glänzend polierten Endprodukt. In der Spitze für 4.999 Euro – pro Stück. Wer sich mit der Modellreihe BERES in Fünf-Sterneversion das Bag füllt, zahlt den Preis eines Oberklasse-Pkw.
Honmas Top-Serie ist für Golfer in der zweiten Lebenshälfte konzipiert, die einen leichten Schläger bevorzugen und im Schwung kein hohes Tempo (mehr) entwickeln können. „Auch unsauber getroffene Bälle haben kaum Längen- und Richtungsverluste“, wird versprochen; fehlerverzeihend lautet das Zauberwort. Das Geheimnis liegt im Schaft, der schon gemeinhin als Seele eines Schlägers gilt. Die Carbon-Exemplare von Honma namens ARMRQ sind darauf ausgerichtet, langsame Schwünge in Weite zu wandeln, weil das leichte und flexible Rohr einen ausgeprägten Peitscheneffekt hat; gleichzeitig unsaubere Treffmomente wettzumachen, da der weiche Stab trotzdem nicht flattert oder sich verwindet.
Schaftbau mit Bügeleisen: Rund 400 Menschen arbeiten in Sakata, viele in dritter Generation. Ihre Expertise und ihr Stolz sind das Rückgrat von Honma.
Meisterliche Handwerkskunst: Acht Wochen dauert die Herstellung eines BERES-Schlägers, das Ergebnis ist Maßkonfektion von unübertroffener Qualität.
Mit jeder Sterne-Kategorie erhöht sich die Komplexität des Kohlefaser-Geflechts, das in schmalen Streifen am Kernstück des Schafts aufgelegt wird. Naht für Naht stets in der 6-Uhr-Position. Als Wirbelsäule. Jede Lage wird wie eine exquisite kubanische Zigarre gerollt und schließlich zur Verdichtung gebügelt. Dieses Prozedere zuvorderst, das die Lufteinschlüsse industriell gefertigter Carbonstecken ausschließt, ist die Erfolgsformel.
„Schlägerbau als Kunstform“ lautete das Credo, als die Brüder Hiro und Mutsumi Honma, Sprösslinge eines alten Kaufmannsgeschlechts, 1959 ihre Manufaktur gründeten. Obwohl die Edelschmiede seit 2009 einem chinesischen Unternehmer gehört, hält der für Japaner typische Drang zur Perfektion und Makellosigkeit an: Alle Komponenten werden auf Basis intensiver Forschung selbst konzipiert, unter Verwendung hochwertigster Materialien angefertigt und mit Fertigungstoleranzen unter der Hundertstel-Millimeter-Grenze verbaut.
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