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Titel

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Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Vengeful King

Sinners High Buch 2

Melody Adams

High School Bully Romance

Vengeful King

Sinners High Buch 2

Melody Adams

Deutsche Erstausgabe 2021


Love & Passion Publishing

www.lpbookspublishing.com

request.lp.publishing@gmail.com

copyright © 2021 by Melody Adams

Melodyadamsnovels@gmail.com

© Cover Art by CMA Cover Designs

cmacoverdesigns@gmail.com

Alle Rechte vorbehalten.

Alle Personen und Gegebenheiten in diesem Buch sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Sie sind reich, privilegiert, bösartig, skrupellos und sie sind die unangefochtenen Herrscher von Sinners High – Sie sind die KINGS

K für Kent

I für Ian

N für Nate

G für Gregory

S für Seth

Samantha hat die ultimative Sünde begangen. Sie hat die KINGS verraten. Dafür wird sie bitter bezahlen. Egal wie oft sie um Vergebung bittet, egal wie viele Tränen sie vergießt, sie wird mich niemals erweichen. Doch dann bekommt die kleine Verräterin plötzlich ein Rückgrat, und ich kann nicht anders als ihr Feuer zu bewundern. Vielleicht werden wir beide brennen.

Nate ist der König der KINGS. Der unangefochtene Herrscher von Sinners High. Und er ist auf Rache aus. Er macht mir das Leben zur Hölle bis ich nur noch zwei Möglichkeiten habe: Brechen oder Zurückschlagen. Ich entscheide mich für Letzteres. Und bald befinden wir uns inmitten eines Spiels indem wir entweder beide untergehen oder dem tief verborgenen Verlangen nachgeben, das uns beide verzehrt.

Triggerwarnung

Dies Buch ist eine Bully Romance und keine romantische Liebesgeschichte

Kapitel 1


Sam

Wieder eine neue Schule. Gott, wie ich es hasste. Dad hatte eine neue Stelle als Schulleiter hier. Sinners High war kleiner als meine letzte Schule, was es umso schwerer machte, unbemerkt zu bleiben. Es war nie Fun, die Neue an einer Schule zu sein, doch wenn dein Dad der Schulleiter war, dann war es umso schlimmer. Ich spürte die Blicke auf mir, als ich zu den Spinden ging. Die Kids hier waren anders als an meiner alten Schule. Zum einen trugen sie keine Uniform. Und sie waren schrecklich vulgär. Dad hatte mir erzählt, dass die Schule hier von den KINGS regiert wurde. Das war etwas, was er ändern wollte. Nicht, dass es mich interessierte, was er mit den sogenannten Herrschern dieser Schule machte, doch leider brachte es mich genau in die Mitte dessen, was hier geschehen würde. Mein Dad war der Feind der KINGS und ich war seine Tochter. Ich musste kein Prophet sein, um vorher zu sehen, wie das für mich ausgehen würde. Ich hatte meinen Spind beinahe erreicht, als mein Weg plötzlich blockiert wurde. Ich hatte meinen Blick auf den Boden gerichtet gehabt. Jetzt schaute ich langsam auf und sah mich drei Mädchen gegenüber. Das Mädchen direkt vor mir schien die Anführerin zu sein, denn die beiden anderen standen leicht zurück. Alle drei waren angezogen wie Straßenhuren, doch die Anführerin am meisten. Ihr Rock war so kurz, dass ich mich fragte, wie sie sich jemals damit hinsetzen konnte, ohne jedem ihre Unterwäsche zu zeigen. Ihr Top war bauchfrei und so tief ausgeschnitten, dass ihre Brüste – die auf keinen Fall echt sein konnten – beinahe heraus fielen.

„Sieh an, sieh an. Was haben wir denn hier?“, fragte sie, ihre Stimme voller Spott. „Hast du dir das Outfit von deiner Großmutter ausgeliehen?“

Natürlich würde sie mich wegen meiner Kleidung hänseln. Doch das war okay. Ich war froh, dass ich nicht so nuttig aussah wie sie und ihre Lakaien. Ich trug einen langen, weit fallenden fliederfarbenen Rock und meine weiße Lieblingsbluse mit zart rosa und fliederfarbenen Blumen. Der Rock und die Bluse passten so wunderbar zusammen, als wären sie als ein Set gedacht. In meiner alten Schule hatte die Schuluniform dafür gesorgt, dass niemand wegen seiner Kleidung gehänselt werden konnte.

„Ja“, erwiderte ich auf die Frage der Blondine vor mir. „Meine Großmutter hatte einen guten Geschmack.“

Ich wusste, es war besser, eine Konfrontation im Keim zu ersticken, also gab ich einfach nach und nahm ihren Worten damit den Wind aus den Segeln.

„Wenn das alles ist...“, sagte ich, einen Schritt zur Seite machend. „Ich muss meine Sachen in meinem Spind verstauen.“

Ich wollte an den Mädchen vorbei gehen, doch die Blondine ergriff mich beim Arm und hielt mich zurück. Ihr Griff war fest, und ihre langen Acrylnägel drückten sich schmerzhaft in mein Fleisch.

„Nicht so schnell, Aschenputtel“, sagte sie, mich aus bösartigen Augen anfunkelnd. „Ich bin noch nicht fertig mit dir.“

„Lass sie los, Kelly“, erklang plötzlich eine Stimme hinter mir.

Kelly schaute über meine Schulter hinweg und für einen kurzen Moment blitzte Panik in ihren Augen auf. Sie ließ mich los und schenkte meiner Retterin hinter mir ein zuckersüßes Lächeln.

„Wir waren nur gerade dabei, die Neue zu begrüßen, Abby.“

„Sah für mich nicht wie eine freundliche Begrüßung aus“, erwiderte meine Retterin, Abby. „Lasst sie in Ruhe. Haben wir uns verstanden?“

„Natürlich“, versicherte Kelly und lächelte. Ein Lächeln, welches ihre Augen nicht erreicht. Doch wer immer diese Abby war, sie schien in der Schulhierarchie über Kelly und ihre Freundinnen zu stehen. Die drei Mädchen wandten sich ab und eilten davon.

Ich wandte mich langsam um. Das Mädchen, welches mir zu Hilfe gekommen war, schenkte mir ein warmes Lächeln. Sie war nicht viel größer als ich, doch zierlich, während ich einige Kilos zu viel mit mir herum schleppte. Sie war schön. Auf eine natürliche Weise, nicht wie Kelly und ihre Freundinnen. Abby trug nur den Hauch von Make-up und sie trug einen knielangen Rock und ein langärmeliges T-Shirt. Ich mochte sie auf Anhieb.

„Hi, ich bin Abby“, grüßte sie.

„Hi. Ich... ich bin Samantha, aber meine Freunde nennen mich Sam.“

„Mach dir keine Sorgen wegen Kelly und ihrem Gefolge. Sie werden dich nicht mehr belästigen. Mein Freund und seine Jungs beherrschen die Schule hier. Wenn ich den Zicken sage, dass sie dich in Ruhe lassen sollen, dann werden sie das auch. Keiner will sich mit den KINGS anlegen, glaub mir.“

„Oh... danke“, erwiderte ich. Abby war mit den KINGS involviert. Dahin war meine Hoffnung, in ihr eine Freundin gefunden zu haben. Dad würde mir nie erlauben, mit ihr abzuhängen, wenn sie mit diesen wilden Jungs rum hing. „Ich... ich muss meine Sachen in den Spind packen, sonst komm ich noch zu spät zur ersten Stunde.“

„Was ist deine Spind Nummer?“

„817.“

„Oh, das ist fast neben meinem. Ich hab 814“, erwiderte Abby. „Komm! Wir können zusammen gehen. Was hast du in der ersten Stunde?“

„Biologie.“

„Hmm, ich hab Mathe. Aber ich zeig dir, wo das Bio-Labor ist. Doch wir sollten uns beeilen. Glaub mir, du willst nicht zu spät zu Mr. Anstorms Unterricht kommen. Der Typ ist strikt wie ein Feldwebel.“

„Okay, danke“, murmelte ich und folgte Abby zu den Spinden.

Irgendwie hatte ich es geschafft, meinen ersten Tag hinter mich zu bringen. Abgesehen von Abby hatte mich niemand freundlich behandelt, doch ich hatte auch keine weiteren Hänseleien erdulden müssen. Doch es war klar, dass ich in dieser Schule herausstach, und das nicht in einer guten Weise. Ich hatte sehr wohl mitbekommen, wie hinter meinem Rücken gelästert und gelacht wurde. Sie hielten mich für einen Freak, weil ich mich anders kleidete. Abby mochte mich davor bewahrt haben, dass man mich offen mobbte, doch es war klar, dass ich hier keine Freunde machen würde. In der Lunchpause hatte ich allein an einem Tisch in der Ecke gesessen. Abby hatte mit den KINGS an einem Tisch in der Mitte gesessen. Die Jungs wurden an dieser Schule tatsächlich wie verdammte Könige behandelt. Sie räumten nicht einmal ihre Tabletts selber weg. Und Abby hatte mit ihnen gelacht und mit ihrem Freund gekuschelt und rumgeknutscht. In aller Öffentlichkeit. Sie mochte sich mir gegenüber nett verhalten haben, doch es war klar, dass sie und ich nichts gemein hatten. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ich hier eine Freundin gefunden hätte.

Ich verließ die Schule durch den Hinterausgang, denn Dad und ich lebten in dem kleinen Haus am Ende des Schuldgrundstückes. Ein scharfer Wind wehte dunkle Wolken über das Gelände. Ich war dabei, den Westflügel des Schulgebäudes zu umrunden, als ich seltsame Laute vernahm. Da war ein Grunzen und Stöhnen. Dumpfe Geräusche, die ich nicht einordnen konnte. Und dann eine Stimme.

„Ich glaube, er hat genug, Nate.“

Nate. Das war der Anführer der KINGS. Mein Herz schlug aufgeregt und mein Magen überschlug sich. Vorsichtig lugte ich um die Ecke herum. Die KINGS standen nicht weit von mir und Nate stand über einem am Boden liegenden Typen. Er sah aus, als wenn jemand ihn durch den Wolf gedreht hätte. Ich erstickte einen Aufschrei mit meiner Hand. Ich war gerade Zeuge einer Schlägerei geworden. Nein, keine Schlägerei, denn es sah nicht so aus, als wenn Nate irgendwelche Schläge abbekommen hätte. Er hatte den anderen Jungen verprügelt. Für was?

„Ein letztes Mal, Skinner“, sagte Nate drohend, sich zu dem am Boden liegenden Jungen hinab beugend. „Wenn ich dich noch mal dabei erwische, wie du auf meinem Schulgelände Drogen dealst, landest du dort, wo du die Radieschen von untern wachsen sehen kannst. Verstanden?“

Der Junge am Boden murmelte etwas Unverständliches.

„Wie war das? Ich hab nicht ganz verstanden, Skinner. Sprich lauter!“

„Jaaa“, krächzte Skinner.

„Gut. Wir sind die Einzigen an dieser Schule, die Zeug verticken, merk dir das. Deal an deiner eigenen Schule.“

Oh mein Gott! Dies wurde immer schlimmer. Die Kings dealten offenbar Drogen an der Schule und sie hatten diesen Skinner verprügelt, weil er ihnen ins Geschäft gekommen war. Verdammt. Ich musste Dad davon erzählen. Ich wollte mich gerade anwenden, als Nate aufsah und unsere Blicke sich trafen. Oh nein! Mein Herz setzte vor Angst einen Moment aus. Mit einem Aufschrei wandte ich mich ab und rannte davon.

Nate

Angewidert sah ich auf das Stück Scheiße hinab, der versucht hatte, an unserer Schule sein Zeug zu verticken. Nicht nur, dass dies unser Territorium war. Nein, er dealte in harten Drogen wie H, Crack und Koks. Wir dealten nur Hasch und ein paar Partypillen. Ich wollte das harte Zeug nicht an meiner Schule.

„Ein letztes Mal, Skinner“, sagte ich drohend, mich zu Skinner hinab beugend. „Wenn ich dich noch mal dabei erwische, wie du auf meinem Schulgelände Drogen dealst, landest du dort, wo du die Radieschen von untern wachsen sehen kannst. Verstanden?“

Skinner murmelte etwas.

„Wie war das? Ich hab nicht ganz verstanden, Skinner. Sprich lauter!“

„Jaaa“, krächzte er.

„Gut. Wir sind die Einzigen an dieser Schule, die Zeug verticken, merk dir das. Deal an deiner eigenen Schule.“

Ich hoffte, der Mistkerl hatte die Mitteilung laut und deutlich erhalten und würde auch seinen Buddys weitersagen, dass unsere Schule für sie tabu war. Ich richtete mich auf und mein Blick fiel auf ein Mädchen, das hinter der Hausecke lauerte. Unsere Blicke trafen sich. Es war die Neue. Die Tochter des neuen Schulleiters. Fuck! Ihre Augen waren vor Entsetzen geweitet und ihr Mund stand offen. Ehe ich etwas sagen oder tun konnte, wandte sie sich mit einem leisen Aufschrei ab und rannte davon.

„Fuck!“, knurrte Kent. „Wer war das?“

„Die Tochter von Wilson“, erwiderte ich.

„Oh, Fuck“, fluchte Ian. „Die wird uns sicher bei Daddy verpetzen.“

„Soll ich mich drum kümmern?“, bot Gregory an. „Ich sorg dafür, dass sie keinen Mucks macht.“

Gregorys Augen leuchteten mit einem sadistischen Funkeln. Er kam aus einer russischen Mafiafamilie. Wenn ich ihn der Kleinen hinterherschickte, dann landete sie wahrscheinlich irgendwo in einem Grab im Wald. Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, lass sie. Ich handle das.“

Ich beugte mich erneut zu Skinner hinab, der sich mittlerweile mühsam zum Sitzen aufgerichtet hatte und sich das Blut von der Nase wischte.

„Du hältst dein verdammtes Maul darüber, was hier geschehen ist“, sagte ich warnend. „Hast du verstanden?“

„Ja.“

„Gut. Dann verpiss dich!“

Er rappelte sich auf und taumelte davon. Ich wandte mich an die Jungs. Ihre Gesichter waren grimmig. Dass wir dabei beobachtet worden waren, wie wir einen Typen verprügelten, war schlimm genug, doch die Kleine konnte mit angehört haben, wie wir uns über Drogen unterhalten hatten. Das war nicht gut.

„Wir sind fünf. Sie nur eine. Unser Wort gegen ihres. Daddy wird seiner kleinen Prinzessin glauben, doch auch er kann ohne reale Beweise nichts gegen uns unternehmen“, sagte ich.

Die Jungs nickten.

„Okay, dann lass uns von hier verschwinden.“

Sam

Ich rannte zurück ins Schulgebäude und direkt in Daddys Büro. Mein Herz raste wie wild. Zum einen wegen dem was ich gesehen hatte. Ich hatte Angst davor, was die KINGS mit mir tun würden. Und zum anderen, weil ich es nicht gewohnt war zu laufen. Ja, ich war unsportlich. Ich bevorzugte es, faul auf der Couch zu liegen und ein gutes Buch zu lesen. Natürlich zeigte sich meine Faulheit in meiner Figur. Ich war mit einem Meter sechsundfünfzig kleiner als Abby, doch während sie schlank war, war ich etwas mehr gerundet. Okay, eine Menge mehr gerundet. Wahrscheinlich würden auch eine Diät und Sport daran nichts ändern. Ich hatte es längst aufgegeben, zu hungern oder zu trainieren. Wie gesagt, ich war faul und Diät war auch nicht mein Ding. Ich war, wie ich war. Basta. Und Paul, mein Freund, mochte mich so, wie ich war. Leider lagen wegen dem verdammten Umzug jetzt über vierhundert Meilen zwischen uns. Paul hatte versprochen, dass wir trotzdem zusammen bleiben würden. Wir würden beide unseren High School Abschluss machen, und danach konnten wir zusammen studieren. Wir hatten uns noch nicht entschieden, an welchem College wir uns bewerben würden, doch der Umzug war auch ziemlich unvorhergesehen gewesen. Ich würde Paul heute Abend anrufen. Nach allem, was ich heute erlebt hatte, konnte ich ein wenig Aufmunterung gebrauchen.

Ich hielt mich nicht damit auf, an Daddys Bürotür zu klopfen. Um diese Zeit würde er ohnehin niemanden in seinem Büro haben. Die Sekretärin war sicher schon nach Hause gegangen, und so waren die meisten Schüler. Abgesehen von denen, die Nachsitzen mussten. Daddy sah von seinem Laptop auf und Besorgnis zeigte sich auf seinen Zügen. Es musste deutlich sein, dass etwas geschehen war. Mein Gesicht war sicher rot wie eine Tomate von der Anstrengung und meine Haare schweißverklebt.

„Babygirl, was ist los? – Komm. Setz dich, ich bring dir ein Glas Wasser.“

Er war von seinem Platz aufgesprungen und eilte zum Waschbecken in der Ecke, um ein Glas Wasser abzufüllen. Ich ließ mich in einen der Sessel vor seinem Schreibtisch fallen und versuchte, mich zu sammeln. Daddy kam mit dem Wasser zu mir und ich nahm dankbar das Glas entgegen. Nachdem ich es in einem Zug geleert hatte, setzte Daddy sich wieder in seinen Sessel.

„Nun, was ist geschehen, dass du so aufgeregt bist? Haben die Kids dich belästigt? Hat jemand Hand an dich gelegt?“

Ich wusste, das war stets Dads erste Sorge. Dass jemand sein kleines Mädchen anfassen könnte. Er schien nicht zu verstehen, dass ich nicht zu der Sorte Mädchen gehörte, die Aufmerksamkeit von Jungs auf sich zog. Ich war zu fett, zu unscheinbar und meine Kleidung war nun wirklich nicht sexy. Ich schüttelte den Kopf, und Daddy atmete sichtlich erleichtert auf.

„Okay, was ist es dann?“

„Die KINGS“, erwiderte ich, noch immer etwas atemlos.

„Was ist mit den KINGS?“, fragte Daddy, sich interessiert zu mir vor beugend.

„Sie haben hinter dem Westflügel einen Jungen zusammen geschlagen. Ein... einen Typ namens Skinner. Er ist nicht von Sinners High. Er hat wohl versucht, Drogen hier zu dealen und die KINGS haben ihn dafür verprügelt. Ich hab mit angehört, wie Nate zu dem Typen gesagt hat, dass die Schule ihr Territorium ist und dass SIE hier die Drogen verkaufen.“

Daddy sprang auf, als wolle er aus dem Büro stürmen.

„Wo willst du hin, Daddy?“, fragte ich.

„Sehen, ob ich die Mistkerle noch schnappen kann. Sie auf frischer Tat ertappen.“

„Sie sind sicher abgehauen. Nate hat mich entdeckt. Sie werden wissen, dass ich direkt hierher gelaufen bin.“

Dad blieb stehen und sah mich besorgt an.

„Sie haben dich gesehen?“

Ich nickte unbehaglich.

„Verdammt!“ Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Ein Grund mehr, dass ich sie mir schnappen muss. Aber erst bringe ich dich nach Hause. Ich will nicht, dass du ihnen über den Weg läufst, ehe ich mit ihnen gesprochen habe. Ich werde ihnen klarmachen, was geschieht, wenn sie auch nur ein Haar auf deinem Kopf krümmen.“

Kapitel 2


Nate

Wir saßen in Kents Haus im Wintergarten, nachdem wir uns vom Schulgelände verpisst hatten. Abby war mit Bonnie shoppen. Es war gut, dass wir Jungs unter uns waren für diese Unterhaltung. Sie war eine von uns, doch Mädchen waren meist ein wenig zimperlich, wenn es darum ging, zu tun, was notwendig war. Sie würde natürlich früher oder später herausfinden, was los war, doch wenn wir besprachen, was wir mit Samantha zu tun hatten, war es besser, wenn sie uns nicht in die Quere kam.

„Wie hoch ist die Chance, dass sie nicht zu ihrem Dad gelaufen ist?“, wollte Seth wissen.

„Gering“, erwiderte ich grimmig. „Ich denke, es ist ziemlich sicher, dass sie uns verpetzt hat.“

„Die Frage ist, wie viel hat sie mitbekommen. Vielleicht hat sie nichts von den Drogen gehört. Eine Schlägerei bringt uns nicht wirklich in Schwierigkeiten. Besonders, wenn da kein Opfer ist. Samantha weiß nicht, wer Skinner ist oder zu welcher Schule er geht. Und ohne Opfer, kein Vergehen“, wandte Gregory ein.

„Nun, wir werden es spätestens morgen herausfinden“, wandte Ian ein. „Ihr Daddy wird uns sicher ins Büro rufen. Dann werden wir sehen, wessen wir beschuldigt werden.“ Er wandte sich mir zu. „Und wie du schon gesagt hast. Es ist ihr Wort gegen unseres.“

„Sag Abby einstweilen nichts, solange wir nicht wissen, mit was wir es zu tun haben“, wandte ich mich an Kent.

Kent runzelte die Stirn.

„Abby und ich sind immer ehrlich miteinander“, sagte er, wenig begeistert von meiner Anordnung.

„Ich sag ja nicht, dass du sie anlügen sollst“, erwiderte ich. „Nur, dass du erst einmal nichts sagst. Es besteht immerhin die kleine Chance, dass die Kleine uns nicht verpetzt hat. Und wenn das der Fall sein sollte, dann braucht niemand etwas von dem Vorfall zu wissen.“

Kent grummelte, doch er nickte.

„Okay. Für den Fall, dass das Schlimmste eintritt, und sie ihrem Daddy alles erzählt hat, inklusive der Drogen, was machen wir dann?“, wollte Seth wissen.“

„Sie bestrafen“, brummte Gregory finster.

„Wenn sie uns verraten hat, dann wird sie natürlich bestraft. Petzen ist eine Todsünde an unserer Schule. Wir können das nicht durchgehen lassen. Doch ICH werde das übernehmen“, erklärte ich.

„Wenn wir sie anfassen, wird ihr Daddy uns am Arsch haben“, gab Ian zu bedenken.

„Du hast recht. Wir müssen sichergehen, dass sie den Mund hält“, sagte Gregory.

„Jemand eine Idee?“, fragte ich in die Runde.

„Wir brauchen ein Druckmittel“, erklärte Gregory mit einem sadistischen Funkeln in den Augen. Er genoss dies ein wenig zu sehr.

„Okay. Was für ein Druckmittel?“, fragte ich.

„Wie wäre es, wenn einer von uns sie verführt und wir filmen es?“, schlug Seth vor. „Dann können wir sie mit dem Video erpressen.“

„Und du volontierst?“, witzelte Kent.

„Nein“, bestimmte ich. „Das würde zu lange dauern. Ein Mädchen wie sie musst du Wochen oder Monate bearbeiten, bevor sie ihre Beine öffnet. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie noch Jungfrau wäre.“

„Da hast du wahrscheinlich recht“, stimmte Seth zu. „Was können wir dann tun?“

„Wir brauchen irgendetwas gegen ihren Daddy“, wandte Gregory ein. Ein Grinsen trat auf seine Lippen. „Wie wäre es, wenn wir eines der Mädchen in sein Büro schicken. Sex mit einer Minderjährigen kann ihn ins Gefängnis bringen. Ich bezweifle, dass die kleine Petze das zulassen würde. Mit so einem Druckmittel tut sie alles, um zu vermeiden, dass wir Daddy ans Bein pissen.“

„Ich mag deine Denkweise, Dawg“, warf ich grinsend ein. „Bonnie könnte das übernehmen. Sie verführt ihn und wir filmen es.“

„Und wie sollen wir es filmen, bitteschön?“, wollte Ian wissen. „Wir können uns nicht im Büro verstecken.“

„Nein, wir installieren die Kameras, bevor wir Bonnie zu ihm schicken“, sagte Gregory. „Überlasst das mir. Ich hab die perfekte Ausrüstung dafür.“

„Gut! Dann haben wir einen Plan. Doch zuerst warten wir ab, was morgen geschieht“, schloss ich die Besprechung ab. „Vielleicht irren wir uns, und die Kleine hält ihr Maul.“

Ich hatte Economics in der ersten Stunde. Mrs Pratt laberte irgendetwas über Inflation. Gähn. Mein Blick wanderte aus dem Fenster. Es war kalt heute, doch der Himmel war so blau, dass es beinahe wehtat, zu lange hinzusehen. Meine Gedanken wanderten zu der Kleinen von Schulleiter Wilson. Bisher wussten wir noch nicht, ob sie uns verpetzt hatte, doch ich war mir ziemlich sicher, dass sie ihr Maul nicht gehalten hatte. Allein ihre spießige Kleidung zeigte, was für ein Typ Mädchen sie war. Selbstgerecht. Sich an alle Regeln halten. Moralapostel. Langweilig. Sie war eine graue Maus. Doch – mit ein wenig Make-up und vorteilhafterer Kleidung könnte sie nicht übel aussehen mit ihren Kurven.

Whoa! Wo kommt das jetzt her? Die Tussi ist alles andere als sexy. Nicht mein Typ. Mann, es wird Zeit, dass ich mal wieder ein wenig Action bekomme, wenn eine graue Maus wie Samantha Wilson solche Gedanken in mir auslöst. Was kommt als Nächstes? Dass ich sie als Wichsvorlage benutze? Ich schüttelte mich. Nein, ganz sicher nicht.

Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Mrs Pratt stoppte in ihrem langweiligen Monolog, dem ohnehin niemand folgte.

„Ja!“, rief sie, und die Tür öffnete sich.

Miss Wayne, die neue Sekretärin, steckte ihren Kopf in den Raum und schaute umher, bis ihr Blick an mir hängen blieb. Na toll! Ich wusste es. Miss Plappermaul hatte Daddy alles verpetzt und nun wurde ich ins Büro der Schulleitung gerufen.

„Mister Porter. Mister Wilson wünscht dich in seinem Büro zu sehen.“

Ich unterdrückte ein frustriertes Stöhnen und setzte eine coole Maske auf, als ich meine Sachen zusammenpackte und mich von meinem Stuhl erhob. Leises Flüstern war von meinen Mitschülern zu hören, als sie darüber spekulierten, warum ich in Wilsons Büro gerufen wurde. Mit unserem alten Schulleiter hatten wir alles unter Kontrolle gehabt. Unter ihm hatten die KINGS Narrenfreiheit an Sinners High. Doch nun hatten wir eine neue Leitung und Wilson schien entschlossen, seine Macht hier zu beweisen, indem er eine harte Linie fuhr. Es könnte wohl eine Weile dauern, bis wir die Ordnung wieder zu unserem Vorteil hergestellt hatten. Doch wenn wir es schlau anstellten, konnte diese kleine graue Maus uns genau dabei behilflich sein. Wenn wir Gregorys Idee in die Tat umsetzten, dann würden wir die kleine Miss Ich-bin-zu-gut-für-euch dazu zwingen, nach unserer Pfeife zu tanzen. Ich grinste, als ich Miss Wayne durch die Schule folgte. Vor der Tür zu Wilsons Büro blieb sie stehen und klopfte.

„JA!“, erklang es scharf von drinnen. Wilson hatte eine Stimme wie ein Drill-Sergeant. Ich würde mich nicht wundern, wenn er beim Militär gewesen war.

Miss Wayne öffnete die Tür und deutete mir, einzutreten. Ich zwinkerte ihr zu und sie errötete. Mein Grinsen wurde breiter. Gelassen betrat ich das Büro. Kent und Ian waren bereits anwesend. Ich stellte mich neben sie vor Wilsons Schreibtisch. Es gab genügend Stühle im Raum, doch es schien, dass Wilson dachte, er könne uns einschüchtern, indem er uns zwang, zu stehen.

„Wir warten noch auf den Rest von eurer – Gang“, sagte er, seinen Blick über uns gleiten lassend.

Ian gähnte laut, und Kent lachte leise.

„War das wirklich notwendig, mich aus Economics zu holen?“, fragte ich. „Mrs Pratt hatte gerade einen so interessanten Vortrag gehalten.“

Ian prustete, und ich stieß ihm warnend in die Seite.

„Sorry“, flüsterte er, leise lachend. „Interessanten Vortrag, huh?“

Die Tür ging auf, und Gregory und Seth kamen in den Raum. Gregory stellte sich an meine Seite, während Seth sich am anderen Ende neben Kent stellte. Die KINGS waren vollzählig. Wilson musterte uns aus harten Augen. Mann, wenn der dachte, dass er uns einschüchtern konnte, dann hatte er sich aber gründlich geirrt.

„Soso. Das sind sie also, die berühmt berüchtigten KINGS dieser Schule“, sagte Wilson, sich von seinem Stuhl erhebend. Er stützte seine Arme auf dem Schreibtisch ab und lehnte sich vor. „Ihr denkt, dass ihr etwas an meiner Schule zu sagen habt? Ist es das? Denkt ihr, ich kann mit einem Haufen von kleinen Mini-Machos wie euch nicht fertig werden?“

Gregory knurrte neben mir und knackte seine Knöchel. Oh oh! Wilson stand kurz davor, Bekanntschaft mit dem Verlies in der Villa der Iwanows zu machen. Ich bezweifelte, der Idiot wusste, wen er vor sich hatte, wenn er Gregory ansah. Mein Freund mochte wie ein normaler Schüler aussehen, doch seine Familie war alles andere als normal. Sich mit der Bratva anzulegen war Selbstmord.

„Warum haben Sie uns gerufen?“, fragte ich betont gelangweilt. „Um uns zu zeigen, was für ein tougher Kerl Sie sind?“

„Ihr wisst ganz genau, weswegen ich euch in mein Büro bestellt habe“, knurrte Wilson.

„Sorry, Mister Wilson, aber wir haben nicht die geringste Ahnung“, warf Kent ein. „Vielleicht wollen Sie uns ja mal aufklären?“

Wilson wurde nun richtig wütend. Er war so rot im Gesicht wie ein verdammter Hummer. Ich würde mich nicht wundern, wenn Dampf aus seinen Ohren kommen würde. Ich unterdrückte ein Lachen bei der Vorstellung.

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass ihr an meiner Schule Drogen dealt! Und ihr habt einen anderen Jungen auf dem Schulgelände verprügelt.“

„Das sind harte Anschuldigungen, Mister Wilson“, sagte ich ruhig. „Haben Sie dafür Beweise?“

„Ich habe eine Zeugin.“

„Eine Zeugin. Wir sind fünf. Und wir sagen, dass wir weder Drogen dealen, noch haben wir irgendjemanden verprügelt. Sie haben nur EINE Zeugin? Das macht fünf gegen eins. Aussage gegen Aussage. Sie haben nichts in der Tasche, um uns ans Bein zu pinkeln.“

Wilson wurde noch wütender. Weiße Flecken erschienen auf seinem breiten Stiernacken. Er sah so aus, als wenn er jeden Augenblick über den Schreibtisch springen und auf uns losgehen würde. Ich wünschte beinahe, er würde. Was wäre besser, als wenn der Schulleiter einen unschuldigen Schüler tätlich angriff? Das würde ihn den Job kosten und unser Problem mit dem Pisser wäre erledigt. Doch leider tat der Hurenbock uns nicht den Gefallen. Er richtete sich wieder auf und schaute uns hasserfüllt an.

„Ihr werdet mir nicht so einfach davon kommen. Früher oder später kriege ich euch. Verlasst euch drauf!“ Ein fieses Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Bis dahin. Nachsitzen für den Rest der Woche.“

Sam

Den ganzen Tag schaute ich ständig über meine Schulter aus Angst, die KINGS würden irgendwo lauern. Ich hätte sie nicht verraten sollen. Sie würden sich an mir rächen, da war ich sicher. Warum nur hatte ich meinen Mund nicht gehalten? Was ging es mich an, dass diese Arschlöcher Drogen an der Schule verkauften? Gab es das nicht an jeder Schule? Wenn jemand Drogen haben wollte, dann bekam er sie. Wenn sie es nicht hier in der Schule bekamen, dann auf der Straße. Ich konnte das nicht verhindern. Warum also hatte ich wieder einmal den Moralapostel spielen, und Daddy davon erzählen müssen? Alles, was ich wollte, war, die Schule hinter mich bringen und dann studieren. Ich hatte mir vorgenommen, mich unauffällig zu verhalten, um meine Ruhe zu haben. Die unangefochtenen Herrscher der Schule zu verraten war wohl alles andere als unauffällig. Verdammt. Ich war erst seit gestern an der Schule und hatte es schon geschafft, die Elite gegen mich aufzubringen.

Großartige Leistung, Sam. Das muss ein neuer Rekord sein.

Das Klingeln zum Ende der Stunde riss mich aus meinen Gedanken. Hastig packte ich meine Sachen zusammen. Dies war meine letzte Stunde für den Tag. Ich würde schnellstens nach Hause eilen und hoffen, dass ich keinem der KINGS über den Weg laufen würde. Ich hatte es irgendwie geschafft, ihnen den ganzen Tag aus dem Weg zu gehen. Zum Glück waren sie Seniors und ich ein Junior. Somit hatten wir nicht dieselben Stunden, und ich musste mir keine Sorgen machen, einen der KINGS in meiner Klasse vorzufinden. Zur Lunchpause war ich nach Hause gegangen anstatt in die Cafeteria.

Ich schaute mich erneut nervös um, als ich den Klassenraum verließ und in den Flur trat. Es wimmelte nur so vor Schülern. Gut. In der Menge würde ich weniger leicht von den KINGS erkannt werden. Hastig eilte ich durch die Gänge zum Hinterausgang. Als ich ins Freie trat und weit und breit keiner der KINGS zu sehen war, holte ich erleichtert Luft. Doch ich machte mir nichts vor. Ich würde sie nicht für immer meiden können. Früher oder später würde ich einem von ihnen über den Weg laufen. Und wenn sie es tatsächlich auf mich abgesehen haben sollten, dann würden sie mich schon finden. Ich machte mir da keine Illusionen. Doch für heute schien ich Schlimmerem entgangen zu sein. Das kleine Haus, indem ich mit Dad wohnte, versprach Sicherheit. Ich rannte die letzten Schritte und fummelte mit zittrigen Fingern meinen Schlüssel aus der Tasche. Ich brauchte drei Anläufe, um den verdammten Schlüssel in das Schlüsselloch zu stecken. Meine Nerven lagen blank. Verdammt! Ich musste mich in den Griff bekommen. Ich würde den Rest des Schuljahres nicht überstehen, wenn ich nicht stark war. Und dann stand mir noch ein Jahr als Senior bevor. Zumindest würden die KINGS dann weg sein.

Als ich mich im Inneren des Hauses befand und die Tür hinter mir schloss, atmete ich erleichtert durch. Mein Herz raste. Zum einen vor Aufregung und zum anderen, weil ich so gelaufen war. Ja, ich war furchtbar unsportlich. Sport hatte mich nie wirklich interessiert. Mom war sehr sportlich gewesen und das hatte ihr auch nicht geholfen, als der Krebs sie langsam aufgefressen hatte. Gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil sollten angeblich dafür sorgen, dass man weniger krank wurde. Von wegen. Wenn jemand wie Mom so krank werden konnte, dann war das wohl eine Lüge. Wenn sie noch hier wäre, würde sie mich wahrscheinlich auf Diät setzen und mich ins Fitnesscenter schleifen. Doch sie war nicht hier. Sie hatte mich verlassen. Dad versuchte sein Bestes, Vater und Mutter für mich zu sein, doch seien wir mal ehrlich, es war nicht möglich. Als wenn ich mit meinem Vater über Dinge wie Periode oder Verhütung geredet hätte. Nein, ich war durch all dies allein gegangen und hatte Mr. Google zu allem befragt, was ich wissen musste. Die Gedanken an Mom machten mich wieder depressiv. Mein Geburtstag kam bald. In acht Wochen würde ich siebzehn werden. Mom war an meinem zwölften Geburtstag gestorben. Seitdem hasste ich meinen Geburtstag. Ich schniefte und wischte mir die Tränen fort, die angefangen hatten, über meine Wangen zu laufen. Ich schleuderte meinen Rucksack in die Ecke, schlüpfte aus meinen Schuhen und hing meine Jacke an den Haken. Dann machte ich mich auf den Weg in die Küche. Ich holte einen Becher Ben & Jerry’s Cookie Dough, meine Lieblingseissorte, aus dem Gefrierschrank. Nachdem ich mir einen Löffel aus der Schublade geholt hatte, ging ich ins Wohnzimmer und warf mich auf die Couch. Ich schaltete den Fernseher ein und fand eine Wiederholung von The Nanny und öffnete meinen Eisbecher. Eis war mein Seelenfutter. Wenn ich traurig war, dann gab es nichts Besseres als ein Becher Ben & Jerry’s.

Später am Abend, nachdem Dad und ich eine Portion Lasagne gegessen hatten, saß ich auf meinem Bett und scrollte durch die Fotos auf meinem Handy. Ich vermisste meine alte Schule. Meine Freundin Rose, und natürlich Paul. Ich verließ die Bildergalerie und rief mein Telefonbuch auf. Ich drückte auf Pauls Nummer in der Liste und hielt das Handy an mein Ohr. Es klingelte und klingelte und klingelte. Enttäuschung breitete sich in meinem Inneren aus, dass er das Gespräch nicht annahm. Ich beendete den Anruf und schaute auf die Zeitanzeige. Es war halb zehn. Vielleicht war er unter der Dusche. Ich beschloss, stattdessen Rose anzurufen. Wir könnten den neuesten Tratsch austauschen und ich konnte ihr von meiner Pleite mit den KINGS erzählen. Vielleicht hatte sie einen Rat für mich, was ich tun konnte. Ich drückte ihre Nummer und sie nahm das Gespräch beim vierten Klingeln an.

„Hey“, sagte sie, ein wenig atemlos.

„Hey“, grüßte ich zurück. „Du warst hoffentlich nicht schon im Bett. Ich weiß, es ist schon recht spät, aber...“

„Nein, Dummie!“, wehrte sie lachend ab. „Ich war doch nicht im Bett. Ich war nur auf der Toilette. Was gibt es? Du hörst dich an, als wenn etwas geschehen ist. Spuck es aus!“

„Es ist furchtbar hier“, begann ich mit einem Seufzen. „Die Kids hier sind schrecklich. Die Mädchen laufen rum wie Nutten und dann sind da die KINGS, die hier die...“

„Komm zurück ins Bett, Baby“, war plötzlich eine Stimme im Hintergrund zu hören, und ich brach mitten im Satz ab. Mein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Das war doch Pauls Stimme. „Komm schon Baby. Beweg deinen geilen Arsch zurück ins Bett für Runde zwei.“

„Ist das... ist das – Paul bei dir?“, fragte ich mit wild klopfendem Herzen. „Warum ist...?“

„Oh Sam, es tut mir so leid“, sagte Rose. „Ich wollte nicht, dass du es auf diese Weise erfährst. Wir wollten es dir irgendwann...“

„Ich bin erst seit einer Woche weg. Wie lange hat es gedauert, bis ihr beiden miteinander ins Bett gehüpft seid?“

Das Schweigen am anderen Ende sagte mir alles.

„Oh mein Gott! Es... es ist nicht erst seit ich weg bin, oder?“

„Sam... bitte hör mich...“

„Paul hat mich betrogen? Wie lange, Rose? WIE LANGE?!“

„Drei Monate“, erwiderte Rose leise.

Drei Monate. Mein Freund hatte es drei Monate lang hinter meinem Rücken mit meiner besten Freundin getrieben. Konnte es einen größeren Verrat geben als das? Mir war auf einmal speiübel.

„Er ist ein Mann, Sam“, sagte Rose, als gäbe es eine gute Entschuldigung für solch einen Verrat. „Was dachtest du, wie lange du ihn mit ein wenig Rumknutschen halten kannst? Er braucht mehr als das.“

„Und du warst nur allzu bereit, ihm zu geben, was er braucht“, erwiderte ich sarkastisch. „Danke, Rose. Ehrlich. Eine tolle Freundin bist du.“

In meinem ganzen Leben war ich nie so enttäuscht gewesen wie in diesem Moment. Mein Freund, der eine Zukunft mit mir geplant hatte, und meine beste Freundin, der ich mehr als irgendjemanden vertraut hatte. Ich konnte es einfach nicht glauben. Warum? Warum ausgerechnet SIE? Wie konnte sie mir das antun?

„Sam, es hat nichts mit unser...“

Weiter kam sie nicht, denn ich hatte den roten Hörer gepresst und das Gespräch beendet. Fassungslos starrte ich vor mich hin, als ich versuchte, die Informationen zu verarbeiten. Rose und Paul. Paul und Rose. Und nicht nur seit ich weg war. Nein, sie hatten es seit Monaten hinter meinem Rücken getrieben. Nur, weil ich nicht sofort meine Beine breit machte. Und die ganze Zeit war Paul so rücksichtsvoll gewesen. Oder zumindest hatte er so getan. Er hatte mir versichert, dass wir so lange warten konnten, bis ich so weit war. Bis ich entschied, dass ich den nächsten Schritt gehen wollte. Natürlich hatte er es nicht eilig gehabt, mich ins Bett zu bekommen, wenn er bereits jemanden hatte, der für seine Bedürfnisse sorgte. Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Ich wusste nicht, ob ich lachen, weinen oder schreien sollte. Oder alles zusammen. Meine Zukunft hatte sich gerade drastisch geändert. Ich hatte davon geträumt, mit Paul zusammen zum College zu gehen und vielleicht zusammen ein kleines Appartement zu mieten. Dann, irgendwann, wenn ich bereit war, würde ich ihm meine Jungfräulichkeit schenken. Und es würde etwas Besonderes sein. Er würde sich viel Zeit nehmen, es ganz romantisch angehen...

NEIN! Das ist NICHT, wie es sein wird, denn es ist aus, du dumme Kuh, warf meine innere Stimme ein. Seifenblase geplatzt. Aus! Vorbei!

Eine Träne quoll aus meinem Auge und rollte über meine Wange. Ich hatte gedacht, die eineinhalb Jahre hier an Sinners High zu überleben, indem ich mich auf meine Collegeerfahrungen mit meinem Freund freute. Doch nun war mir dies grausam entrissen worden und alle meine Pläne waren über den Haufen geworfen.

Kapitel 3


Nate

Zwei Tage waren vergangen, seit wir in Wilsons Büro bestellt worden waren. Nachsitzen war scheiße, doch die Gedanken an unsere Rache machten es erträglich. Nein, nicht unsere Rache. MEINE. Ich war derjenige, der die kleine Verräterin bestrafen würde. Ich konnte es kaum erwarten, Samantha Wilson zu zeigen, was passierte, wenn man sich mit den KINGS anlegte. Seit der Sache mit Beth war es ruhig an Sinner High geworden. Zu ruhig. Und Abby war jetzt ein fester Teil der Gruppe.

Seth, Gregory und Kent kamen über den Schulhof auf mich zu, wo ich gegen meinen Porsche gelehnt stand und auf meine Jungs wartete.

„Wo ist Ian“, fragte ich, als sie bei mir angekommen waren.

„Ian musste noch irgendwo hin“, erklärte Seth.

Ich runzelte die Stirn.

„Wohin?“

„Keine Ahnung, Mann. Er sagte, es sei wichtig.“

„Was kann wichtiger sein als unser Racheplan?“, frage ich verärgert.

Ian benahm sich die letzte Zeit seltsam. Er verbrachte nicht mehr so viel Zeit mit uns wie zuvor, und oft hatte er blaue Flecken und andere Blessuren. Kent ging manchmal zu illegalen Kämpfen. Oder zumindest hatte er das getan, ehe er mit Abby zusammen kam. Ob Ian auch seine Dämonen im Untergrundring austobte? Doch die Kämpfe fanden spät abends statt und nicht mitten am Tag.

Seth zuckte mit den Schultern.

„Er benimmt sich seltsam in letzter Zeit“, sagte ich.

„Ja, du hast recht“, stimmte Kent zu.

„Ich rede mit ihm“, brummte Gregory. „Der Fucker kaut an irgendwas rum. Ich krieg schon aus ihm raus, was los ist.“

„Lass seine Fingernägel dran“, warf Seth lachend ein.

Gregory rollte mit den Augen.

„Ich sagte: Ich REDE mit ihm. Denkst du, ich steck ihn zu Hause ins Verlies und lass Yuri mit ihm spielen, bis er alle Antworten ausspuckt?“

Yuri war der Typ, der für Gregorys Familie Vernehmungen vornahm. Mit anderen Worten: Folter. Ich hatte den Typ nur ein paar Mal gesehen und der Kerl verschaffte mir eine verdammte Gänsehaut. Gruseliger Geselle, dieser Russe. Er war nicht besonders groß oder breit gebaut, doch das brauchte er auch nicht zu sein. Er hatte seine Werkzeuge, um Leuten wehzutun. Er brauchte seine Fäuste nicht.

„Okay, was denkt ihr? Hat Bonnie Erfolg oder wird der Hurensohn nicht auf ihre Reize anspringen?“, fragte ich schließlich in die Runde.

„Gregory grinste.“

„Willst du es herausfinden?“

Er zog sein Tablett aus der Tasche und tippte darauf herum. Wir rückten alle näher und sahen zu, wie er eine App öffnete und plötzlich war das Innere von Wilsons Büro auf dem Bildschirm.

„Heilige Scheiße!“, rief Seth, sich näher heran drückend, um zu sehen, was in Wilsons Büro vor sich ging.

Bonnie war auf ihren Knien vor Wilson, der gegen seinen Schreibtisch gelehnt stand. Seine Hosen waren herunter gelassen und Bonnies Kopf bewegte sich hin und her. Die Kameraeinstellung zeigte sie nur von hinten, doch es war mehr als deutlich, was dort vor sich ging.

„Ahhh, gutes Mädchen“, knurrte Wilson, seine große Hand in Bonnies Mähne vergrabend. „Ja, nimm ihn tief. Ahhh. Das ist es.“

Er umfasste Bonnies Kopf mit beiden Händen und begann, hart ihren Mund zu ficken. Bonnies Würgen war zu hören, als er tief in ihre Kehle stieß. Bonnie würde den Job genießen. Sie war eine Nympho und konnte von Sex nie genug bekommen. Und Wilson, auch wenn er älter und ein Arschloch war, sah nicht übel aus für sein Alter. Als ehemaliger Football Star hatte er noch immer einen gut trainierten Körper. Dies war wirklich kein harter Auftrag für unsere Bonnie. Ich grinste, als Wilson seinen Schwanz aus ihren Mund zog und Bonnie aufhalf. Er drehte sie herum, bis sie mit dem Oberkörper über den Schreibtisch gelehnt stand. Dann schob er ihren Rock aufwärts und ihren Slip hinab. Er legte hastig ein Kondom an, dann rammte er sich in Bonnies Pussy. Bonnie schrie.

„Ohhhh, ja, Mr. Wilson. Härter. Fick mich härter.“

Kent stieß einen Pfiff aus.

„Mann, unser guter Schulleiter ist ja ein richtiger Hengst“, sagte er lachend. „Ich wette, Bonnie ist mehr als happy.“

Ich lachte. Wer hätte das von diesem Moralapostel gedacht. Minderjährige Schülerinnen in seinem Büro vögeln. Ich hatte mir ehrlich gesagt ein wenig Sorgen gemacht, dass der Typ nicht anbeißen würde, doch Kent war sich sicher gewesen. Er kannte Bonnie um einiges besser als ich. Immerhin waren sie Fuck-Buddys gewesen, bevor Abby in Kents Leben auftauchte. Er wusste, was die Kleine in ihrer Trickkiste hatte.

„Mit dieser Aufnahme haben wir die Kleine beim Kragen“, sagte ich grinsend. Ich klopfte Gregory auf die Schulter. „Gute Arbeit, Dawg.“

Sam

Es war Donnerstag. Der größte Teil der Woche war vergangen, ohne dass die KINGS irgendetwas getan hatten. Würden sie etwa keine Rache üben? Hatte ich sie falsch eingeschätzt? Nein! Das glaubte ich nicht. Doch vielleicht hatte Dad sie tatsächlich besser im Griff, als ich gehofft hatte. Ich wusste, dass sie Nachsitzen für diese Woche hatten. Doch er konnte nichts weiter gegen sie unternehmen, ohne Beweise, dass sie Drogen dealten. Meine Aussage allein war nicht genug. Es würde Aussage gegen Aussage stehen. Und sie waren zu fünft. Zudem waren ihre Eltern reich und würden ihnen teure Anwälte zur Seite stellen, die mich wahrscheinlich in der Luft zerfetzen würden. Ich würde ohnehin nicht gegen die fünf Jungs aussagen wollen. Nein. Ich würde den Vorfall einfach vergessen. So wie die KINGS die Sache anscheinend vergessen hatten. Voller Hoffnung, dass sich zumindest eines meiner Probleme gelöst zu haben schien, durchquerte ich das kleine Waldstück auf dem Schulgelände. Ich wollte in die Stadt, um mir ein paar neue Bücher zu kaufen. Die Sonne schien heute warm, und die Vögel in den Bäumen über mir sangen so lieblich, dass ich spüren konnte, wie meine Laune sich hob. Der graue Schleier, der seit Tagen auf mir gehangen hatte, flatterte davon und ich sah alles in anderem Licht. Leise vor mich hin summend marschierte ich den schmalen Weg entlang, als plötzlich ein Schatten aus dem Gebüsch brach und sich vor mir aufbaute. Ich schrie erschrocken auf und mein Blick fiel auf die Gestalt vor mir, die sich als niemand anderer als Nate Porter entpuppte. Der Anführer der KINGS. Sie hatten mich also doch nicht vergessen. Sie hatten nur auf eine passende Gelegenheit gewartet. Und die hatte Nate nun bekommen. Wir waren allein im Wald. Weit und breit war niemand zu sehen oder zu hören.

„Wohin des Weges, Rotkäppchen?“, fragte er mit einem gemeinen Grinsen und einem Funkeln in den dunkelgrünen Augen. „Etwa zu Großmutter, huh?“

„Lass mich vorbei“, sagte ich mit einem kaum verborgenen Zittern in der Stimme.

„Das kann ich leider nicht tun, Mouse. Ich denke, wir müssen uns ein wenig unterhalten, denkst du nicht?“

Ich schüttelte den Kopf, seinem Blick ausweichend.

„Oh, doch, Mouse. Wir beide haben einiges zu bereden. Du weißt, was du getan hast. Du hast uns verraten und du wirst dafür bezahlen.“

„Bitte“, wimmerte ich, mich nervös nach einem Fluchtweg umschauend. „L-lass mich gehen.“

Eine Hand packte mich beim Arm und ich schrie auf. Nate rammte mich mit dem Rücken gegen einen Baum und ich schluchzte auf. Die raue Rinde drückte sich in meinen Rücken, trotz meiner Kleidung. Mein Herz raste so schnell, dass ich befürchtete, einen Herzinfarkt zu bekommen. Ich hatte Angst. Wir waren hier allein. Ich hatte keine Ahnung, zu was dieser Bastard fähig war. Ich weinte leise, als ich im Stillen betete, dass jemand vorbeikommen würde, um mich aus dieser Situation zu retten.

„Bitte“, flehte ich erneut. „T-tu mir nicht weh.“

Lange Finger schlossen sich um meinen Hals, drückten zu. Oh nein! Würde der Typ mich wirklich erwürgen? Ich hatte einiges von ihm erwartet, doch Mord? Ich spürte, wie meine Blase nachgab und der Geruch von Urin füllte die Luft zwischen uns. Mein Blick ging panisch zu Nates. Er runzelte die Stirn und ich fragte mich, was in seinem Kopf vor sich ging.

„Bitte“, flehte ich stimmlos.

Nate lachte höhnisch.

„Oh nein, du kleine Verräterin. Erwarte nicht, dass ich dir Gnade zeige. Du wirst dafür bezahlen, dass du uns verraten hast“, knurrte Nate dunkel. „Und denk ja nicht, dass du uns erneut bei Daddy verpetzen kannst. Oder bei irgendjemand anderen. Wir haben ein Video von deinem lieben Dad, wie er eine Schülerin in seinem Büro fickt.“

„Du... du lügst“, flüsterte ich ungläubig. „Daddy würde nie...“

„Ich lüge nicht. Und wenn du auch nur ein falsches Wort sagst, dann werden wir das Video öffentlich machen. Das Mädchen, welches er gefickt hat, ist minderjährig. Was denkst du, was mit deinem Daddy passiert, wenn das herauskommt, hmmm?“

Nate rückte etwas von mir ab und fummelte sein Handy aus der Tasche. Er öffnete die Galerie und drückte Play auf einem Video. Ungläubig starrte ich auf die Aufnahme. Mein Dad mit einem Mädchen. Nate hatte nicht gelogen.

Oh nein. Daddy! Wie konntest du so etwas tun?

„Du siehst – ich hab nicht gelogen. Und wenn du nicht willst, dass dein Daddy in Schwierigkeiten gerät, dann wirst du deine Strafe annehmen wie eine gute kleine Verräterin.“ Sein Griff um meinen Hals verstärkte sich. „Hast! Du! Verstanden?“

„Ja-jaaa“, wimmerte ich. „Bitte – lass mich los. Du... du tust mir weh!“

„Gut! Und nun, zu deiner ersten Strafe.“

Er ließ mich los und trat einen Schritt zurück. Ich wusste, dass ich nicht vor ihm fliehen konnte, also versuchte ich es gar nicht erst. Sein Blick war so grausam und verächtlich. Besonders als er an dem nassen Fleck in meiner Jeans hängen blieb. Hitze schoss mir ins Gesicht. Gott, das war so demütigend. Nate hob sein Handy und machte ein Foto von mir. Tränen der Scham und Verzweiflung rannen mir über das Gesicht.

„Bis zum nächsten Mal, Mouse“, sagte Nate mit einem Grinsen und wandte sich ab, um mich einfach stehen zu lassen.

Erst als er zwischen den Bäumen verschwunden war, wagte ich es, mich zu bewegen. Ich blickte an mir hinab und mehr Tränen liefen über meine Wangen. In die Stadt zu gehen konnte ich jetzt wohl vergessen. Mir war auch die Lust dazu vergangen. Alles, was ich wollte, war, aus diesen ruinierten Klamotten heraus zu kommen, in die Badewanne zu steigen und die Begegnung mit dem Teufel von mir zu waschen.

Nate

Das war besser gelaufen, als ich erwartet hatte. Die Kleine hatte wirkliche Angst vor mir. Gut! Das war genau, was ich von ihr wollte. Ich musste sagen, dass ich überrascht gewesen war, als sie sich eingepisst hatte. Für eine Sekunde hatte ich mich beinahe mies gefühlt. Doch dann hatte ich mich daran erinnert, was sie getan hatte, und jegliches Mitgefühl für sie oder schlechtes Gewissen für mein Verhalten hatte sich in Luft aufgelöst. Ich sandte das Foto von ihr an mein Wegwerf-Handy. Dann sandte ich es von dort anonym zu allen Schülern von Sinners High. Der nasse Fleck auf ihrer Jeans und die Tränen in ihren Augen waren deutlich zu sehen. Dies war die perfekte Demütigung für meine kleine Verräterin.

Gregory wartete bei meinem Porsche, als ich zurück zum Schulparkplatz kam. Er hob sein Handy an, mir ein Grinsen schenkend. Er hatte also das Foto bereits gesehen. Und hoffentlich auch viele andere Schüler.

„Guter Job, Dawg“, sagte er. „Was hast du denn mit der Kleinen angestellt, dass sie sich so nass gemacht hat?“

„Nur eine kleine harmlose Unterhaltung“, erwiderte ich schulterzuckend. „Nicht mein Problem, dass die so schnell eingeschüchtert ist. Aber es spielt mir in die Hände, und das Foto war ein guter Auftakt zu meinem Rachefeldzug.“

„Was kommt als nächstes?“

„Weiß ich noch nicht“, sagte ich. „Doch mir wird schon was einfallen. Keine Angst. Die Kleine wird den Rest des Schuljahrs durch die Hölle gehen.“

Gregory nickte und holte sein Tablett aus der Tasche. Das Tablett war Gregorys Waffe und Werkzeug. Er konnte mit dem Teil so ziemlich alles machen. Immerhin war er unser Computergenius. Er tippte darauf herum, ehe er mir das Teil reichte.

„Weißt du, wer die Kleine auf dem Bild ist?“, fragte er.

Ich runzelte die Stirn, als ich auf das Bild schaute, welches Gregory geöffnet hatte. Es war eine Nachtaufnahme und die Gesichter der Leute auf dem Bild waren schwer zu erkennen. Doch ich erkannte Ian an seiner Jacke und den Haaren. Ein Mädchen hing an seinem Arm. Alles, was ich sehen konnte, war, dass sie lange blonde Locken hatte und sie schien Lederklamotten zu tragen. Sie war klein und zierlich. Das Gesicht lag jedoch zu sehr im Dunklen.

„Kannst du das Gesicht irgendwie klarer bekommen?“

Gregory nahm das Tablett zurück und tippte erneut darauf herum, ehe er es mir zurückgab. Diesmal waren die Züge des Mädchens besser zu erkennen, wenngleich es noch immer furchtbar undeutlich war. Eines konnte ich jedoch mit Sicherheit sagen: Sie war kein Mädchen von Sinners High. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen.

„Ich hab keine Ahnung“, sagte ich schließlich. „Aber eines ist sicher. Sie ist nicht von unserer Schule.“

Gregory nickte und steckte das Tablett wieder weg.

„Wo hast du das Foto her?“

„Ich hab eine Suchmaschine, die nach Personen sucht, die auf Fotos im öffentlichen Netz auftauchen. Ich hab ein Foto von Ian eingegeben, um zu sehen, wo er seine Zeit verbringt, wenn er nicht mit uns ist. Und dieses Foto war bei meinen Ergebnissen.“

„Trotz der schlechten Qualität der Aufnahme? – Erstaunlich.“

„Der Computer geht nach festen Gesichtsmerkmalen, die auch bei einem undeutlichen Foto unverändert bleiben. Wo wir mit bloßem Auge nur Undeutlichkeiten sehen, kann der Computer noch die Merkmale ausmachen, die für jedes Gesicht einzigartig sind.“

„Okay. Und? Kannst du diese Maschine auch umgekehrt benutzen, um herauszufinden, wer das Mädchen ist? Oder wo sonst ihr Bild auftaucht?“

„Die Maschine kann mir nicht sagen, wer sie ist, doch zu schauen, wo sie sonst noch auftaucht, ist eine exzellente Idee. Ich werde mich gleich dran machen, wenn ich zu Hause bin.“

„Okay. Mach das. Wir sehen uns morgen. Ich hab heute Familien-Dinner.“

Gregory warf mir einen mitleidigen Blick zu.

„Viel Vergnügen dabei.“

„Herzlichen Dank, Arschloch. Wenn ich einen Weg wüsste, um der Scheiße zu entgehen, dann würde ich.“ Ich seufzte. „Viel Erfolg mit deiner Recherche.“

Ich hasste Familien-Dinner. Warum meine Eltern darauf bestanden, wollte mir nicht in den Kopf gehen. Meine Eltern waren geschieden, seit ich zehn Jahre alt war. Sowohl Dad als auch Mom waren mittlerweile erneut verheiratet und ein Mal im Monat aßen unsere beiden Familien zusammen Dinner. Ich lebte mit Mom und Dan, war aber ein Wochenende im Monat bei Dad. Das war bereits mehr Zeit, als ich mit Chantalle, seiner neuen Frau, und meinen beiden Stiefschwestern verbringen wollte. Ich war froh, dass Dad mit seiner neuen Familie dreißig Kilometer entfernt wohnte. Nicht auszudenken, wenn ich meine beiden Stiefschwestern in der Schule ertragen müsste. Ich wäre nicht in der Lage, sie zu ignorieren. Nach spätestens zwei Wochen würde ich sie erwürgt und im Schulwald verscharrt haben.

„Daddy hat mir ein Auto zu meinem sechszehnten Geburtstag versprochen“, verkündete Kira, eine meiner Stiefschwestern.

Warum sie meinen Vater Daddy nennen musste, war mir schleierhaft. Ich warf Dad einen Blick zu. Ich hatte bis zu meinem siebzehnten Geburtstag warten müssen, um ein Auto zu bekommen. Dad hatte gemeint, dass sechzehn zu jung sei, um auf den Straßenverkehr losgelassen zu werden. Offensichtlich bezog sich das nur auf mich und nicht auf seine Stieftochter. Dad wich meinem Blick aus und schenkte Kira ein seltenes Lächeln. Ich konnte mich nicht erinnern, wann mein alter Herr mich das letzte Mal angelächelt hatte. Kiras Blick ging zu mir und ich sah den Triumph in ihren himmelblauen Augen. Die Kleine sah mit ihren blonden Locken und blauen Augen aus wie ein Engel, doch sie war der Teufel in Person. Ein wenig wie Beth, spielte sie die Unschuld und bekam, was immer sie wollte, während sie in Wahrheit eine manipulative und bösartige Zicke war. Ich ignorierte sie. Es half mir nicht, einen Streit mit ihr vom Zaun zu brechen. Ich konzentrierte mich auf mein Essen und brodelte innerlich vor Zorn. In Rekordzeit hatte ich meinen Teller leer gegessen und erhob mich von meinem Platz.

„Entschuldigt mich. Ich hab noch für einen Test zu lernen“, sagte ich und eilte aus dem Raum.

Es war eine glatte Lüge. Ich hatte keinen Test. Doch wenn ich noch eine Minute länger mit meinen Stiefschwestern an einem Tisch sitzen musste, dann würde ich einen Mord begehen. Kira war die schlimmste der beiden, doch ihre jüngere Schwester Anna war auch nicht viel besser. Sie mochte erst dreizehn Jahre sein, doch sie war eine Hexe wie ihre ältere Schwester. Wahrscheinlich hatten die beiden ihren Charakter von ihrer Mutter geerbt. Chantalle war die Definition eines Gold-Diggers. Sie hatte ihre Schönheit dazu genutzt, um sich meinen Vater zu angeln. Und der war natürlich darauf reingefallen. Manche Männer schalteten ihr Gehirn aus, wenn ihr Schwanz das Denken übernahm. Ich würde niemals so weit gehen. Weiber waren dazu da, mich zu befriedigen und das wars. Meine Pseudo-Beziehung mit Beth hatte auf einen Austausch von Vorteilen beruht und war niemals ernst gewesen. Doch das war ein Geheimnis zwischen mir und Beth gewesen. Nicht einmal die Jungs hatten von der Vereinbarung gewusst, die ich mit Beth hatte. Genauso wenig wussten sie, dass ich mir bei anderen Frauen geholt hatte, was ich brauchte. Ich war nicht so blöd gewesen, es mit Mädchen von der Schule zu treiben. Nein, ich hatte einige gelangweilte Hausfrauen bedient. Ging doch nichts über eine MILF. Diese Frauen wussten, was sie wollten, waren experimentierfreudig im Bett und einhundert Prozent diskret. Schließlich wollten sie nicht riskieren, dass jemand herausfand, dass sie ihre langweiligen Ehemänner mit mir betrogen. Der Gedanke an Beth brachte stets ein wenig Schuldgefühle mit sich. Ich hatte sie nicht geliebt, hatte sie nicht einmal begehrt. Doch zu wissen, dass sie ihr Leben so abrupt beendet hatte, weil sie keinen anderen Ausweg sah, war eine schwere Bürde. Nicht viele hatten gewusst, was in ihrem Inneren vor sich ging. Ich hatte. Und das machte es mir manchmal umso unverständlicher, warum ich sie nicht durchschaut hatte, als sie Abby beschuldigt hatte, sie verletzt zu haben. Wenn es jemanden in Beth’ Umkreis gab, der die Lüge hätte erkennen sollen, dann war ich das. Beth hatte eine Menge Dämonen gehabt. Zum einen der Missbrauch durch ihren Onkel. Der Tod ihres Vaters. Das mangelnde Selbstwertgefühl, welches sie hinter ihrer Zicken-Fassade zu verstecken versuchte. All das fraß sie innerlich auf. Unsere Pseudo Beziehung hatte ihr die Gelegenheit gegeben, vor den anderen dafür beneidet zu werden, dass sie sich den Anführer der KINGS geangelt hatte, wenn sie in Wahrheit nicht in der Lage war, mit einem Typen zu schlafen. Der Missbrauch hatte sie ruiniert. Doch sie wollte die Fassade aufrechterhalten, ein normales Mädchen zu sein. Viele Kerle hatten Geschichten erzählt, dass sie Beth angeblich gefickt hatten. Doch ich wusste, dass dies alles Lügen waren, mit denen die Looser sich wichtig machen wollten. Um die Fassade einer Beziehung aufrecht zu erhalten, hatten wir manchmal ein wenig in der Öffentlichkeit rumgemacht, doch sonst war nie etwas zwischen uns geschehen. Und was mich anbelangte, so hatte ich eine offizielle Freundin, was meinen Dad davon abhielt, mich mit Mädchen verkuppeln zu wollen, die in seine Pläne passten. Seit ich sechzehn war, hatten er versucht, mir einzureden, wie wichtig es war, dass ich die Richtige aussuchte. Ein Mädchen aus guter Familie. Mit Geld wie Heu, natürlich. Verbindungen und Geld waren in unseren Kreisen wichtiger als Gefühle. Nun, ich mochte nicht an Gefühle glauben und war mir sicher, dass ich niemals eine Frau finden würde, die mich in einen Idioten verwandelte, wie Abby es mit Kent angestellt hatte. Doch ich hatte auch nicht vor, jemanden zu heiraten, um meinem alten Herrn zu helfen, mehr Einfluss zu gewinnen und mehr Geld zu scheffeln. Falls ich überhaupt jemals heiraten sollte. Die verheirateten Frauen, die ich fickte, waren Beweis genug, wie wenig solch imaginäre Gefühle wie Liebe mit einer Ehe zu tun hatten. Besonders in unseren Kreisen. Wenn diese Frauen so in ihre Ehemänner verliebt gewesen wären, dann hätten sie nicht mit einem Typen wie mir rumgevögelt. Nein, ich war ein Realist. Liebe. Romantik. Alles Humbug. Weswegen ich auch der beste Kandidat war, um die kleine Verräterin zu knacken. Ian war zu sanft und würde nie in der Lage sein, ein Mädchen zu bestrafen. Seth war zu sehr schwanzgesteuert. Kent war vergeben. Und Gregory? Nun, wenn ich den Fall meinem russischen Freund überließ, dass bestand die Gefahr, dass der Kleinen plötzlich ein Finger oder ein Ohr fehlten. Nein. Ich war der Beste für diesen Job. Ich würde mich nicht erweichen lassen. Ich war auch nicht so schwanzgesteuert, dass ich die graue Maus besteigen würde. Und ich war nicht so sadistisch veranlagt wie Gregory.

Kapitel 4


Sam

Als ich am Freitag durch die Schule ging, begrüßten mich spottende Blicke und Getuschel. Ich konnte nur vermuten, dass es mit dem Foto zu tun hatte, welches Nate von mir gemacht hatte. Ich würde es ihm durchaus zutrauen, dass er das Bild an die ganze Schülerschaft gesandt hatte. Doch es gab absolut nichts, was ich dagegen tun konnte, als den Kopf hochzuhalten und den Tag irgendwie zu überleben. Ich konnte nicht zu meinem Dad gehen, denn dann würde Nate das Video von Daddy mit dem Mädchen veröffentlichen. Zu sehen, wie mein eigener Vater Sex hatte, war schlimm genug. Doch zu sehen, wie er Sex mit einer minderjährigen Schülerin hatte? Das war unbeschreiblich. Ich hatte auf einmal allen Respekt vor meinem Dad verloren. Ich war wirklich sauer. Doch auch wenn ich meinen Vater im Moment am liebsten den Hals umdrehen wollte, ich würde niemals riskieren, dass er für sein unmoralisches Verhalten seinen Job verlor oder gar ins Gefängnis gehen musste. Doch dass ich wegen seinem Vergehen nun erdulden musste, was immer die KINGS auftischten, machte mich noch wütender auf ihn. Hätte er sich nicht mit einem minderjährigen Mädchen eingelassen, dann wäre ich wenigstens in der Lage, zurückzuschlagen. Ob die KINGS etwas mit der ganzen Sache zu tun hatten. Wen wollte ich verarschen? Natürlich hatten sie. Die Frage war, wie waren sie an das Video gekommen? Es gab nur eine Erklärung. Sie hatten das Ganze eingefädelt. Hatten sie das Mädchen gezwungen, Sex mit meinem Dad zu haben? So wie ich die Mädchen hier bis jetzt erlebt hatte, war wahrscheinlich nicht viel Zwang notwendig. Fast alle hier benahmen sich wie Huren. Und auch wenn mein Dad nicht mehr der Jüngste war, so war er nicht übel aussehend. Er hielt sich noch immer in Form. Für manche Mädchen spielte das Alter offenbar keine Rolle. Uargh! Ich würde nie verstehen, was in solchen Mädchen vorging. Ich erwartete ja nicht, dass alle mit dem ersten Mal so lange warteten wie ich, doch die Art, wie sie es mit jedem trieben, war schon irgendwie widerlich. Ich könnte mich niemals einem Typen hingeben, den ich nicht liebte. Selbst mit Paul war ich noch nicht bereit gewesen. Verdammt! Paul. Der Gedanke an ihn und an seinen Betrug versetzte mir einen Stich. Ja, Rose hatte recht, dass ich ihn lange hingehalten hatte. Doch das war kein Grund, hinter meinem Rücken mit einer anderen zu schlafen. Wenn er nicht mehr warten wollte, hätte er es mir einfach sagen können. Dann hätte ich entscheiden können, ob ich ihm endlich meine V-Karte geben wollte, oder ob wir die Beziehung im Guten beendeten. Aber stattdessen hatte er den Verständnisvollen gespielt und sich woanders geholt, was ich ihm nicht geben wollte. Bei meiner besten Freundin. Das war ein doppelter Verrat. Ob ich Rose jemals vergeben konnte, war fraglich. Paul war definitiv für mich gestorben, doch Rose und ich kannten uns seit dem Kindergarten. Wir waren unzertrennlich gewesen. Was es umso schlimmer machte, dass sie mich so hintergangen hatte. Es war schmerzhaft. Beinahe noch schmerzhafter als Pauls Betrug. Seufzend bog ich um die Ecke, als ich gegen eine Mauer prallte. Ich schrie erschrocken auf. Ich war so in Gedanken versunken gewesen, dass ich nicht darauf geachtet hatte, wo ich hinging. Ich wollte schon eine Entschuldigung murmeln, als meine Augen die Gestalt erfassten, die ich angerempelt hatte. Die Worte blieben mir im Halse stecken und mein Magen drehte sich schmerzlich um. Ein spöttisches Grinsen umspielt Nates Mund, als er auf mich hinab sah. Er war um einiges größer als ich und ich musste den Kopf in den Nacken legen, um zu ihm aufzusehen.

„Brauchst du eine Brille, Mouse?“

„Ich... ich war nur...“, begann ich, heftig errötend.

Dann schüttelte ich den Kopf. Warum versuchte ich, mich zu verteidigen? Dies war Nate. Der Typ, der für meine Erniedrigung verantwortlich war. Ein Drogendealer und Raufbold. Menschlicher Abschaum. Er war es nicht wert, dass ich mich entschuldigte. Wenn sich hier jemand zu entschuldigen hatte, dann war er es. Ich funkelte ihn finster an und trat einen Schritt zur Seite, um an ihm vorbei zu gehen. Er fasste mich beim Arm und riss mich zurück. Ehe ich mich versah, stand ich mit dem Rücken zur Wand, Nates großer, harter Körper direkt vor mir. Er stützte seine Arme rechts und links von mir an der Wand ab und lehnte sich zu mir hinab. Ich spürte seinen heißen Atem auf meinem Gesicht. Er roch nach Leder und irgendeinem holzigen Aftershave. Wie konnte jemand, der so böse und verderbt war, nur so verdammt gut riechen?

„Lass mich gehen!“, forderte ich mit mehr Mut, als ich wirklich empfand.

„Nein.“

„Du hast kein Recht, mich aufzuhalten.“

„Ich hab alles Recht, Mouse“, raunte er, den Kopf weiter senkend, bis sein Gesicht meinem Hals ganz nah war. Sein Atem kitzelte auf meiner empfindlichen Haut und eine Gänsehaut rann über meinen Leib. „Du warst sehr unartig, kleine Verräterin. Und es ist an mir, dich für dein Vergehen zu bestrafen. Und du wirst nichts dagegen unternehmen, wenn du nicht willst, dass Daddy ins Gefängnis geht.“

„Du... du bist ein mieses Schwein“, schniefte ich. „Lass mich in Ruhe.“

„Aber du willst ja gar nicht, dass ich dich in Ruhe lasse, Mouse“, raunte Nate in mein Ohr, entlockte mir einen Schauer, der weniger mit Angst oder Abscheu zu tun hatte, als ich mir eingestehen wollte. „Ich denke, du willst, dass ich dich ein wenig quäle. Hab ich recht, Mouse?“

Anstatt einer Antwort kam ein Keuchen über meine Lippen, als er sanft in mein Ohrläppchen biss. Hitze schoss in meinen Unterleib und mein Herz raste wie wild. Ich musste hier fort. Ich musste schnellstens Nates verwirrendem Einfluss entfliehen. Ein Wimmern löste sich aus meiner Kehle, als Nates lange Finger sich um meinen Hals schlossen. Beim letzten Mal, als er meine Kehle so umfasst hatte, hatte ich mir vor Angst in die Hosen gepinkelt. Diesmal wurde mein Höschen aus ganz anderen Gründen nass. STOPP! Dies durfte nicht geschehen! Ich musste diesem Irrsinn ein Ende bereiten. Mit aller Willenskraft, die ich mustern konnte, legte ich meine Hände auf Nates Brust und schob ihn von mir. Er hatte dies nicht erwartet, und so war ich tatsächlich in der Lage, ihn ein Stück weit von mir zu schieben. Genug, dass ich unter seinem Arm hinweg ducken und fliehen konnte. Verwirrt von dem, was eben geschehen war, rannte ich durch die Gänge und verlangsamte meine Schritte erst, als ich vor dem Klassenraum stand, in dem meine nächste Stunde stattfand.

Nate

Was war da eben geschehen? Verdammt! Das war nicht geplant gewesen, doch als ich Samantha mit dem Rücken gegen die Wand hatte, und ihr Duft mir in die Nase gestiegen war, hatte ich ein solches Verlangen empfunden wie nie zuvor. Die kleine graue Maus hatte mich so hart gemacht, dass ich für einen Moment beinahe vergessen hatte, was auf dem Spiel stand. Sie war keine Eroberung. Und sie würde ihrer Strafe auch nicht entgehen, nur weil mein Schwanz plötzlich in ihrer jungfräulichen Möse versinken wollte. Fuck! Ich war nicht Seth. Ich war nicht schwanzgesteuert, verdammt noch mal! Es wurde Zeit, dass mein Schwanz mal wieder etwas Action sah. Ich hatte einfach zu lange keine Frau mehr gehabt. Das war der einzige Grund, warum ich auf die kleine graue Maus reagiert hatte. Aufgestaute sexuelle Energie, die ich abbauen musste. Nun, wo ich für mein irrationales Verhalten eine vernünftige Erklärung gefunden hatte, fühlte ich mich gleich viel besser.

„Hey, Dawg! Was geht?“, erklang Seths Stimme neben mir, und eine Hand klopfte mir hart auf den Rücken.

„Hast du die Namen für die Audienz?“, fragte ich, anstelle einer Antwort.

„Klar, Mann“, erwiderte Seth und kramte in seiner Tasche herum, bis er ein Stück Papier hervorgezogen hatte. „Hier!“

Ich warf ihm einen harten Blick zu, als ich das zerknüllte Stück Papier annahm. Seth zuckte nur mit den Schultern und war Sekunden später schon wieder abgelenkt, als er einem Minirock hinterher gaffte. Ich boxte ihm hart in die Seite.

„Kannst du mal für eine Sekunde deine Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge lenken, anstatt Schaufenster-Shoppen zu gehen?“

„Sorry, Boss“, erwiderte Seth mit gespielter Unterwürfigkeit.

Ich unterdrückte den Drang, mit den Augen zu rollen. Seths Verhalten wurde immer schlimmer. Wenn er so weiter machte, würde er nicht einmal seinen Abschluss schaffen. Partys und Weiber war alles, was in seinem Kopf umher ging.

„Wie geht es mit der Kleinen?“, fragte Seth mit einem Grinsen. „Ich hab gesehen, wie du sie gegen die Wand hattest. Wirst du ihre V-Karte fordern?“, fragte er, mit seinen Augenbrauen wackelnd.

„Ich bin nicht DU!“, gab ich scharf zurück. „Manche von uns können ihren Schwanz tatsächlich unter Kontrolle halten.“

„Ist das so? Sah für mich so aus, als wenn dein Wiener mehr als nur interessiert war, ein wenig im Ketchup zu dippen.“

„Glaub mir, die kleine graue Maus zu vögeln ist das Letzte was ich tun würde“, schnappte ich.

„Okay! Dann hast du nichts dagegen, wenn ich meinen Wiener ein wenig nass mache? Jungfrauen sind Fun. So eng. Hmmmm.“

Weißglühende Wut brodelte in meinen Adern. Ehe ich analysieren konnte, was in mir vor sich ging, oder meine Reaktion kontrollieren konnte, hatte ich Seth bei der Kehle gepackt und gegen die nächste Wand gerammt. Seth Augen zeigten Verwunderung, als ich ihm hart in die Augen starrte.

„Finger weg von der Kleinen!“, knurrte ich drohend. „Hab ich mich klar ausgedrückt?“

„Klar, Mann“, erwiderte Seth grinsend. „Die Kleine gehört dir. Hab verstanden.“

„Sie gehört nicht mir“, stritt ich ab. „Ich will nur nicht, dass du mir in die Quere kommst mit dem, was ich für sie geplant habe.“

„Was immer du dir einreden willst“, spottete Seth, der mir offensichtlich nicht abnehmen wollte, dass ich an der Kleinen nicht interessiert war.

„Hüte deine Zunge, Seth. Ich bin noch immer der Boss der KINGS. Zeig mir ein wenig mehr Respekt!“

Seth hob eine Augenbraue.

„Mann, jemand braucht dringend Pussy“, murmelte er kaum hörbar.

„Wie war das?“

„Nichts. Absolut nichts.“

Mit einem Knurren ließ ich ihn los und wandte mich ab. Die Schüler waren stehen geblieben, um das Schauspiel zu verfolgen. Ich warf einen drohenden Blick in die Runde.

„Was gibt es hier zu gaffen!“, fuhr ich die Schüler an. „Verpisst euch!“

Die Menge zerstreute sich eilig und ich marschierte davon, mir vehement einredend, dass Seth unrecht hatte. Dass ich nicht an der kleinen grauen Maus interessiert war. Und dass Eifersucht nichts damit zu tun hatte, warum ich nicht wollte, dass Seth die Kleine fickte.

Lügner! Lügner! Lügner!, sagte eine Stimme in meinem Kopf.

Wir hielten Audienz in der Cafeteria, um uns die Beschwerden der Schüler anzuhören und Streitigkeiten zwischen ihnen zu schlichten. Wir taten dies zwei Mal die Woche. Normalerweise verschaffte es mir ein gutes Gefühl, für Ordnung an der Schule zu sorgen und unsere Macht zu demonstrieren, doch heute war ich irgendwie nicht bei der Sache. Ich wurde von Lust geplagt, die durch meinen Körper strömte wie Dauerstrom. Ich hatte mir bereits vor der Lunchpause auf der Toilette Erleichterung verschafft, doch auch das hatte nicht wirklich geholfen. Ich könnte mir eines der Mädchen schnappen und irgendwo ein stilles Plätzchen finden. Oder ich könnte nach der Schule eine meiner MILFs besuchen. Nein. Bis nach der Schule konnte ich nicht warten. Eines der Mädchen hier würde sich meinem kleinen Problem annehmen müssen. Sie waren alle nur zu willig, dem Anführer der KINGS zu dienen. Es sollte nicht schwer sein, eine Wahl zu treffen. Doch als ich meinen Blick durch die Cafeteria wandern ließ, stach keine der anwesenden Schlampen heraus, die mein Interesse regen könnte. Ich fluchte innerlich. Was zum Teufel war nur los mit mir? Ich wurde unsanft aus meinen Gedanken gerissen, als Kent mich mit dem Ellenbogen in die Seite stieß.

„Was ist dein Urteil?“, raunte er mir zu.

Erst jetzt wurde mir bewusst, dass die beiden Mädchen vor mir ihren Fall geschildert hatten, ohne dass ich auch nur ein Wort davon mitbekommen hatte. Verdammt! Ich beugte mich zu Kent.

„Was war noch mal ihr Problem?“, flüsterte ich ihm ins Ohr.

„Candy behauptet, dass Sue mit ihrem Freund geschlafen hat.“

„Und wer ist ihr Freund?“

„Dave Stillman.“

Ich wandte meine Aufmerksamkeit den beiden Mädchen zu.

„Ist Dave Stillman anwesend?“

Candy schaute sich um und deutete auf einen Typen in schwarzen Jeans und eng anliegendem schwarzen T-Shirt, der es für cool zu halten schien, in der Cafeteria eine Sonnenbrille zu tragen. Idiot.

„Stillmann!“, rief ich, meinen Blick fest auf den Typ richtend.

Erstaunt schaute der Kerl auf und auch wenn ich seine Augen hinter den dunklen Gläsern nicht sehen konnte, so sah ich am auf- und ab hüpfen seines Adamsapfels, dass er nervös war.

„Komm her!“

Dave gehorchte, doch seine Schritte waren zögerlich, und er schaute immer wieder nervös umher, als erwartete er, dass jemand ihm zur Hilfe eilen würde. Candy funkelte ihn wütend an, als er neben den beiden Mädchen stehen blieb, während Sue ebenso nervös wie Dave wirkte.

„Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, Dave?“

„Was gehen euch die Beziehungen der Schüler an?“, fragte er aufgebracht, doch seine Stimme zitterte.

„Wir sind hier, um für Ordnung an der Schule zu sorgen“, erklärte ich kalt. „Deine Freundin und die Schlampe, die du gefickt hast, wollen, dass ich einen Streit schlichte. Und DU bist der Grund für diesen Streit. Also geht es uns sehr wohl etwas an. Und nun beantworte meine Frage!“

„Es hat sich einfach so ergeben, Mann. Ich bin sicher, du verstehst, wie das ist.“

Ich hob eine Augenbraue.

„Wie WAS ist?“

„Candy hatte... hatte ihre Tage und ich hatte Druck, und... und Sue war da, und ich...“

„Und du hast beschlossen, dass du deinen Schwanz lieber in eine andere Frau steckst, weil deine Freundin für ein paar Tage nicht verfügbar ist“, beendete ich sein Gestammel.

Dave nickte.

„Hast du nicht zwei Hände?“

Dave errötete.

„Ja, aber...“

Die Jungs neben mir lachten leise. Auch ein paar andere der Anwesenden lachten. Ich lenkte meinen Blick auf Sue. Sie wich meinem Blick aus.

„Und du?“, sprach ich sie an. „Hast du nicht gewusst, dass Dave eine Freundin hat?“

Sie murmelte etwas Unverständliches.

„Was? Ich kann dich nicht verstehen! Sprich lauter und sieh mich verdammt noch mal an, wenn du mit mir redest!“

Sie hob den Blick. Ihr Gesicht war so rot wie das einer Tomate.

„Ja“, wiederholte sie lauter.

„Candy“, wandte ich mich an die Anklagestellerin. „Willst du diesen Idioten zurück?“

Candy schüttelte den Kopf und schnaubte.

„Nie im Leben. Sie kann ihn geschenkt haben. Aber ich will, dass ihr bewusst ist, dass es nicht okay ist, mit Typen zu schlafen, die eine Freundin haben. Die kleine dreckige Schlampe tut das ständig, von dem was ich so höre.“

„Okay“, sagte ich, nickend. „Ich verstehe.“ Ich warf einen Blick in die Runde. „Bringt Sue und Dave zum Spielfeld.“

Sowohl Sue als auch Dave versuchten, sich zu verpissen, doch die Meute gab ihnen keine Chance. Blutlust lag in der Luft. Sie alle waren schon ganz heiß darauf zu sehen, was für eine Strafe ich austeilen würde. Mehrere Schüler schleiften eine kreischende Sue aus der Cafeteria, während Dave mit eingekniffenem Schwanz brav den beiden Jungen folgte, die ihn am Arm hielten. Der Rest der Schüler folgte der Prozession durch die Schule und nach draußen. Die Jungs und ich gingen am Schluss. Schulleiter Wilson war heute zu einer Fortbildung, was uns erlaubte, zu tun, was wir mussten, ohne eine Unterbrechung zu fürchten. Die Lehrer, die sahen, was vor sich ging, machten sich eiligst aus dem Staub. Sie wussten, dass es nicht wert war, ihren Job zu riskieren, nur um sich einzumischen. Unsere Eltern hatten zu viel Macht. Etwas, was auch Wilson früher oder später lernen musste, wenn er seinen Job hier behalten wollte. Mein Blick fiel auf eine Gestalt in der Menge. Sie hielt sich abseits und verfolgte das Geschehen aus vor Schreck weit geöffneten Augen. Mein Schwanz zuckte bei ihrem Anblick. Fuck! Ich musste mich endlich meinem kleinen Problem annehmen.

Sam

Ich konnte nicht glauben, was hier abging. Als ich zugesehen hatte, wie die KINGS in der Cafeteria Gericht hielten, als wären sie wirklich irgendwelche Herrscher im Mittelalter, war ich perplex gewesen. Doch als ich jetzt langsam der Menge nach draußen folgte, war ich vor Schock wie hypnotisiert. Ich sollte mich lieber zu meiner nächsten Klasse begeben, anstatt der Meute zu folgen. Doch etwas zwang mich, einen Schritt vor den anderen zu tun. Ich musste wissen, was Nate und sein Gefolge geplant hatten. Ja, was die beiden Angeklagten getan hatten, war moralisch nicht okay – nicht, dass es mich verwunderte, an dieser Höllenschule – doch was hier vor sich ging, war schon ein wenig extrem. Was hatte Nate mit ihnen vor? Wie weit würde der Typ gehen, um seinen Gottkomplex zu befriedigen? Ich fühlte mich auf einmal beobachtet und wandte den Kopf. Nate. Er starrte genau in meine Richtung. Es war schwer, den Ausdruck in seinen dunklen Moosaugen zu deuten, doch mir wurde auf einmal heiß und kalt und meine Knie drohten unter mir nachzugeben. Ich drückte mich mit dem Rücken gegen die Wand, erstarrt wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Herz hämmerte so hart gegen meine Rippen, dass es mich nicht wundern würde, wenn ich mit geprellten Rippen ab endete. Ein Teil der Meute strömte bereits nach draußen. Ich wartete, bis alle, einschließlich der KINGS, das Gebäude verlassen hatten. Erst dann war ich in der Lage, meinen zittrigen Körper von der Wand zu pellen und auf wackeligen Beinen zur Tür zu torkeln. Ich wollte nicht sehen, was die KINGS mit den beiden Angeklagten vorhatten. Ich wollte es wirklich nicht. Doch ich musste. Zu sehen, was für eine Strafe sie für ihr unmoralisches Verhalten bekamen, würde mir vielleicht eine Idee geben, was mich für mein Vergehen erwartete. Ich öffnete die Tür und trat aus dem Gebäude. Es war kalt heute. Nass und windig. Fröstelnd schlang ich meine Arme um meinen Oberkörper, als ich über den Rasen in Richtung Spielfeld eilte. Ich redete mir ein, dass ich nur so rannte, weil es kalt war, und nicht, weil ich eine perverse Neugierde verspürte, was dort vor sich ging. Als ich beim Spielfeld ankam, stellte ich mich so, dass ich zwar sehen konnte, was vor sich ging, Nate und seine Lakaien mich jedoch nicht sehen konnten. Ich war zu weit weg, um zu hören, was Nate sagte, doch als ich sah, wie die anderen Schüler anfingen, die unwilligen Opfer auszuziehen, entglitt mir ein entsetzter Schrei. Oh mein Gott! Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Ich hörte die Schreie des Mädchens und das Fluchen und Brüllen des Jungen. Ich sah, wie sie sich gegen ihre Peiniger wehrten. Doch es nutzte ihnen nichts. Und niemand kam ihnen zur Hilfe. Im Gegenteil. Den Gesichtern der anderen Schüler zu urteilen, genossen sie das kranke Schauspiel. Als die beiden Angeklagten vollkommen nackt waren, wurde sie über das Spielfeld gejagt. Die Menge johlte und verspottete die beiden Unglücklichen. Ich hatte genug gesehen. Mein Magen fühlte sich an, als wenn ich eine Horde Hornissen darinnen hätte. Mir war übel. Ich war nicht in der Lage, mir diesen Horror noch eine Sekunde länger anzusehen. Hastig wandte ich mich ab und rannte, was das Zeug hielt.

Kapitel 5


Nate

Als wir am Nachmittag im Diner vor unseren Hamburgern saßen, ging mein Blick von Kent zu Abby und zurück. Etwas war im Busch mit den beiden. Seit wir hier waren, hatten die beiden kein Wort miteinander geredet. Abby hatte mit überhaupt niemandem geredet. Wenn ich an den Moment zurückdachte, wo sie an unserem Stammtisch erschienen waren, so fiel mir auf, dass sie besonders mir einen giftigen Blick zugeworfen hatte. Was war los mit der Braut? Hatte sie ihre Tage oder was? Ich überlegte, ob ich sie darauf ansprechen sollte, doch irgendwie war mir nicht nach Konfrontation. Ich hatte genug damit zu tun, mir zu überlegen, wie ich Samantha bestrafen konnte und gleichzeitig diese unsinnige Anziehung zu bekämpfen, die sie auf mich ausübte. Ja, ich hatte noch immer keine Pussy gehabt. Nach dem Exempel, welches wir an Sue und Dave statuiert hatten, hatte mein Schwanz für den Rest des Schultages Ruhe gegeben. Doch als ich die kleine graue Maus auf dem Weg zum Nachsitzen im Gang gesehen hatte, wie sie zum Hinterausgang eilte, war das Verlangen hundertfach zurückgekehrt. Das Ganze war vollkommen idiotisch. Sie war nicht mein Typ. Ich stand nicht auf prüde graue Mäuse. Oder Jungfrauen. Meine Gedanken wurden unterbrochen, als Abby sich erhob und in Richtung Toilette verschwand. Ich warf Kent einen fragenden Blick zu, doch der starrte auf den Teller vor sich.

„Ärger im Paradies?“, fragte ich.

Kent hob seinen Blick und zuckte mit den Schultern.

„Was ist los mit ihr? Habt ihr euch gefetzt?“, wollte ich wissen.

„Ja, was ist los mit euch?“, mischte sich nun auch Seth ein. „Sonst könnt ihr beiden kaum die Augen und Hände voneinander lassen.“

„Sie ist nicht happy darüber, was wir mit Samantha machen“, antwortete Kent mit einem Seufzen. „Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn du sie ausgelassen hättest, als du das Foto in der Schule rum gesendet hast.“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Ich denke nicht, dass das etwas geändert hätte. Sie hätte es so oder so herausgefunden.“

„Hast du ihr nicht erzählt, was die Kleine getan hat?“, wollte Gregory wissen.

„Ja, und sie versteht, dass wir sie bestrafen müssen. Sie ist nur nicht happy darüber, wie wir es tun.“

„Bis jetzt hab ich nichts getan, als das Foto in den Umlauf zu bringen“, sagte ich, meine Stirn runzelnd. „Und das war noch mild im Vergleich dazu, was ich noch vorhabe. Oder was du mit Abby getan hast, als...“

„Sie ist halt ein Mädchen. Zu empfindlich“, warf Kent seufzend ein. „Und sie weiß, wie es ist, wenn man gemobbt wird. Deswegen ist sie so dagegen. Zum Teil verstehe ich, was sie sagt. Doch auf der anderen Seite können wir Wilsons Tochter nicht damit durchkommen lassen, was sie getan hat.

„Ganz richtig!“, stimmte ich grummelnd zu. „Sie verdient noch eine ganze Menge mehr.“

„Shhh“, warf Ian ein. „Abby kommt zurück.“

Wir ließen das Thema ruhen und sprachen stattdessen über die Party, die Kent am nächsten Wochenende geben würde. Abby setzte sich wieder neben Kent. Beide sahen unglücklich aus. Sie mochten unterschiedlicher Meinung sein und sich gestritten haben, doch es war deutlich zu sehen, dass keiner der beiden sich im Moment wohlfühlte. Ich musste das irgendwie regeln.

„Abby“, sagte ich, ihre Aufmerksamkeit auf mich lenkend.

Abby schaute mich an. Eine Falte saß zwischen ihren Augenbrauen, als sie mich anfunkelte. Mann, ich beneidete Kent wirklich nicht. Feste Beziehungen brachten viel zu viel Bullshit mit sich. Doch ich wollte, dass mein Freund wieder happy war, also würde ich die Wogen zwischen den beiden glätten.

„Was?“

„Die Sache mit dem Foto – war ganz allein meine Idee. Kent hat nichts damit zu tun. Ich versteh, wenn du sauer auf mich bist, aber Kent ist...“

„Kent und ich können unsere Probleme alleine lösen“, fiel Abby mir ins Wort. „Und wenn Kent etwas zu sagen hat, dann hat er einen Mund. Er braucht dich nicht, um seine Probleme zu lösen.“ Sie sprang von ihrem Sitz auf und schaute Kent an. „Komm!“, sagte sie. „Lass uns nach Hause fahren.“

Kent warf mir einen Blick zu, und ich nickte. Mit einem Seufzen richtete er sich auf und folgte Abby aus dem Diner.

„Das ist der Grund, warum ich mich auf nichts Festes mehr einlasse“, sagte Seth. „Bringt einem nichts als Ärger. Und außerdem ist es viel besser, die Auswahl zu genießen. Man isst ja schließlich auch nicht jeden Tag dasselbe.“

Ian brummte. Wir hatten noch immer nicht herausgefunden, was mit ihm los war, oder wer das mysteriöse Mädchen war, die mit ihm auf dem Foto zu sehen war. Ich schüttelte den Kopf. Mann. Kent und Abby hatten Ehekrach. Ian führte ein Doppelleben, von dem wir nicht wussten, was es war. Und ich? Ich musste dringend meinen Schwanz in ein warmes, feuchtes Loch stecken und diese irritierende kleine Verräterin aus meinem Kopf bekommen.

Sam

Ich hatte ein ungutes Gefühl, als ich am Montagmorgen auf meinen Spind zu ging. Es half auch nicht gerade, dass Leute zu flüstern und zu kichern anfingen, als sie mich sahen. Ich hielt den Kopf hoch, auch wenn ich im Gesicht rot wie eine Tomate sein musste. Diese verdammten Kids würden mich nicht brechen. Sie konnten mich mobben, mich terrorisieren, doch sie würden mich nicht brechen. Wenn ich mich stark zeigte, dann würden sie sicher irgendwann den Spaß daran verlieren, mich zu ärgern und sich etwas oder jemand anderem zuwenden. Zumindest hoffte ich das. Meine Zuversicht sank, als ich mich meinem Spind näherte. Jemand hatte ein Werbeplakat für Windeln für Erwachsene an meine Tür geklebt. Die umstehenden Schüler kicherten, als ich vor dem Spind stehen blieb.

„Sehr lustig“, sagte ich, den Mist von meinem Spind reißend und in meinen Händen zerknüllend. „Und so erwachsen. Echt!“

Ich gab die Kombination in das Schloss meiner Tür ein und öffnete sie. Ein erschrockenes Keuchen kam über meine Lippen, als mir ein ganzer Stapel Windeln entgegenkam. Es wäre alles nicht so wild gewesen, wenn es frische Windeln gewesen wären. Doch dem beißenden Uringeruch nach zu urteilen, hatte sich jemand die Mühe gemacht, in alle Windeln hinein zu pissen. Tränen wollten in meine Augen steigen, doch ich hielt sie tapfer zurück. Das Lachen der Schüler dröhnte laut in meinen Ohren. Irgendwie schaffte ich es, mich zusammenzureißen, und entfernte alle Windeln aus meinem Spind, ehe ich ihn wieder verschloss. Dann wandte ich mich ab, um einen Müllsack zu holen, damit ich die Windeln entsorgen konnte. Ich würde mich nicht von diesen Arschlöchern unterkriegen lassen, schwor ich mir. Mit hoch erhobenem Kopf bahnte ich mir einen Weg durch die Menge der Schaulustigen. Eine Gestalt erweckte meine Aufmerksamkeit. Nate. Er stand lässig gegen die Wand gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt, und sah mich an. Ein amüsiertes Grinsen umspielte seine Mundwinkel. Ich erwiderte seinen Blick, um ihm zu zeigen, dass er mich nicht gebrochen hatte. Dann setzte ich meinen Weg fort. Es brauchte nur ein paar Minuten, um einen Müllbeutel zu besorgen. Nachdem ich alle Windeln in dem Beutel verstaut hatte, wandte ich mich Nate zu und drückte ihm den Beutel in die Hand. Meine Reaktion hatte ihn so überrascht, dass er den Beutel automatisch annahm, während seine Augen sich vor Erstaunen weiteten.

„Viel Spaß damit. Das nächste Mal, wenn du deine Windeln entsorgen willst, tu es woanders und nicht in meinem Spind“, sagte ich. Meine Stimme zitterte vor Aufregung, doch ich war stolz auf mich selbst, dass ich überhaupt in der Lage war, dem Arsch Paroli zu bieten. „Und ich empfehle dir einen Besuch beim Urologen. Er kann dir sicher mit deinem kleinen Problem helfen.“

Ein paar der Umstehenden lachten leise. Ich wandte mich mit hoch erhobenem Kopf ab und stürmte davon. Ein kleines Grinsen umspielte meine Mundwinkel. Das hatte gut getan. Nates erstaunter Blick war einfach köstlich gewesen. Ich würde wetten, dass niemand ihm jemals Paroli geboten hatte. Der Typ hielt sich für einen Gott hier an der Schule. Der Gedanke, dass ER jetzt die Windeln entsorgen musste, brachte mich zum Kichern. Ja, ich würde sagen, dass in diesem Fall der Punkt an mich ging.

Nate

Ich stand wie ein Volltrottel da, den Sack mit Windeln in meinen Händen, und mein Kopf eingefroren von dem Schock, dass meine kleine graue Maus mir tatsächlich Paroli geboten hatte. WTF?

„Na, das ist ja gründlich in die Hose gegangen“, erklang Seths amüsierte Stimme.

„Nee, eher in die Windel“, witzelte Kent, leise lachend.

„Hier!“, brummte ich, Kent den Sack mit den Windeln in die Hand drückend. Mein Freund reagierte genauso perplex wie ich, als Samantha mir die Windeln in die Hand gedrückt hatte. Ein Grinsen trat auf meine Lippen. „Entsorg den Mist!“

Kent warf mir einen wütenden Blick zu, doch er wandte sich ab und stapfte mit dem Sack in der Hand durch den Flur davon. Seth und Ian lachten. Sogar Gregory kicherte leise. Ich schüttelte den Kopf. Was zum Teufel ging hier nur vor? Verloren wir die Kontrolle über unsere Schule? Erst will Wilson nicht nach unserer Pfeife tanzen und jetzt muckte seine Tochter auf, anstatt ihre Strafe anzunehmen, wie sie es verdammt noch mal sollte.

Mich auf den verdammten Unterricht zu konzentrieren war unmöglich. Verdammt! Alles an was ich denken konnte, war Samantha. Wie sie vor mir gestanden hatte und mir mit ihren Worten den Wind aus den Segeln genommen, und die ganze Sache gegen mich herum gedreht hatte. Ihre Stimme hatte vor Aufregung gezittert, und sie war hochrot im Gesicht gewesen, und doch hatte sie den Kopf hochgehalten und mir mit gleicher Münze heimgezahlt. Wie es aussah, musste ich noch einen drauflegen, wenn ich die Kleine brechen wollte. Doch was konnte ich tun? Seufzend wandte ich den Blick zum Fenster. Draußen war es wirklich ungemütlich. Schneeregen verwandelte den Boden in eine matschige Schlammwüste. Im Gegensatz zu dem Wetter draußen war es im Klassenraum beinahe unerträglich warm. Vielleicht sollte ich nächstes Mal einen Platz weiter weg von der verdammten Heizung wählen.

„Mister Porter!“, riss mich die Stimme von Mrs Klein aus meinen Gedanken.

„Ja?“

„Nett, dass du mir zur Abwechslung mal deine Aufmerksamkeit schenkst“, sagte Mrs Klein mit einem Hauch von Spott in der Stimme. „Vielleicht kannst du uns etwas über den Blitzkrieg erzählen?“

„Der Blitzkrieg?“, wiederholte ich. Verdammt. Mein Kopf war wie leer gefegt. Ich hörte leises Gelächter in der Klasse. „Die... die Nazis haben...“ Denk nach, verdammt noch mal! „Sie haben Frankreich, Luxemburg... ähm Belgien und... und ähm die Niederlande angegriffen.“

„Und wann war das, Mister Porter?“

„19... uuuh 19... hundert – 1941?“

„Fast. 1940. Genauer gesagt im Mai 1940“, berichtigte Mrs Klein. „Und was war das Ergebnis des Blitzkrieges?“

„Ummmm.“

„Schlaf weiter, Mister Porter“, sagte Mrs Klein, und die Klasse lachte. „Jemand, der nicht während meines Unterrichtes geschlafen hat, und uns sagen kann, was das Ergebnis des Blitzkrieges war? Ja? Miss Valedian?“

Emma Valedian war gerade dabei, die Frage zu beantworten, als es an der Tür klopfte. Hätte das Klopfen nicht ein paar Minuten früher kommen können, als ich über eine Antwort geschwitzt hatte?

„JA!“, rief Mrs Klein, und die Tür öffnete sich. Miss Wayne steckte den Kopf zur Klasse hinein und ihr Blick blieb an mir hängen.

Na toll! Was will die schon wieder?

„Mister Porter. Komm mit mir bitte“, sagte Miss Wayne.

Mit einem Seufzer packte ich wieder einmal meine Sachen. Nicht, dass ich traurig darüber war, den Rest von Geschichte zu verpassen, aber ich hatte es langsam leid, dass dieser Wilson dachte, er könnte mich terrorisieren. Vielleicht sollten wir IHM das verdammte Video zeigen und IHN damit erpressen, anstelle von der kleinen grauen Maus. Doch ich wollte meine Rachepläne an der Kleinen noch nicht aufgeben. Wir konnten zu einem späteren Zeitpunkt immer noch darüber nachdenken, was wir mit diesem lästigen Schulleiter anstellen konnten.

Ich folgte Miss Wayne zum Büro. Diesmal war niemand außer mir mit Wilson im Raum. Er saß hinter seinem Schreibtisch und machte sich nicht einmal die Mühe aufzublicken, als ich hereinmarschierte und die Tür hinter mir schloss. Ich blieb vor seinem Schreibtisch stehen und wartete. Und wartete. Der Fucker dachte, dass er damit irgendeine Wirkung erzielen könnte, wenn er mich schmoren ließ. Anstatt etwas zu sagen, holte ich mein Handy heraus und begann demonstrativ damit, ein Spiel zu spielen, während ich wartete. Wilson blickte auf, doch ich tat so, als wäre ich noch immer in mein Spiel vertieft.

„Her mit dem verdammten Handy“, schnauzte Wilson.

„Wie bitte?“, fragte ich gefährlich ruhig, seinem Blick begegnend.

„Ich sagte: Gib das verdammte Handy her. Du bist nicht hier, um Spiele zu spielen.“

„Und warum bin ich dann hier?“, fragte ich unschuldig, das Handy in meine Tasche steckend.

Wilson wurde rot im Gesicht, als ich seine Aufforderung so unverfroren missachtete und dann noch die Frechheit besaß, den Unschuldigen zu spielen. Natürlich wusste ich, warum ich hier war. Ihm musste zu Ohren gekommen sein, was wir mit seiner Tochter gemacht hatten.

„Das weißt du ganz genau, du kleiner Scheißer“, knurrte Wilson, sich von seinem Sitz erhebend und auf dem Schreibtisch abstützend. „Du wirst ab sofort deine dreckigen Finger von meiner Tochter lassen. Und sag den anderen von deinem lächerlichen Gefolge, dass auch sie Sam in Ruhe lassen!“

„Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen“, erwiderte ich ungerührt. „Ich hab nichts getan. „Was genau werfen Sie mir denn nun wieder vor?“

„Spiel nicht den Unschuldigen, Porter! Du weißt ganz genau, wovon ich spreche. Denkst du, ich weiß nicht, was an meiner Schule vor sich geht?“

„An IHRER Schule?“, fragte ich, eine Augenbraue hebend. „Wissen die Vorsitzenden, dass Sie die Schule als IHRE betrachten?“

„Hör auf, mir die Worte im Mund herum zu drehen“, schnauzte Wilson. „Und hör auf, so zu tun, als wüsstest du nicht, was du und deine Lakaien meiner Tochter angetan haben.“

„Ich muss protestieren, Mister Wilson“, sagte ich gespielt aufgebracht. „Ich fühle mich ungerecht behandelt, dass ich hier beschuldigt werde, etwas getan zu haben, wenn Sie nicht mal den Anstand besitzen, mir genau zu erklären, WAS ich denn getan haben sollte. Ich kenne meine Rechte, Wilson. Wenn Sie mich etwas beschuldigen wollen, dann sagen Sie mir, was es ist. Und dann beweisen Sie ihre Anschuldigung. Denn ohne Beweise können Sie hier gar nichts tun.“

„Du denkst, du kommst mit allem davon, nur weil Mommy und Daddy reich sind und Daddy im Vorsitz sitzt“, knurrte Wilson erregt. „Ich werde dich und die anderen Hampelmänner deiner kleinen Möchte-gern-Gang schon noch dran kriegen. Verlass dich drauf!“

„Heißt das, dass wir hier fertig sind?“, fragte ich kalt.

Ich konnte es Wilson ansehen, dass er mir an Liebsten die Fresse poliert hätte, doch er wusste so gut wie ich, dass er mir nicht ans Bein pissen konnte, wenn er keine Beweise für mein Vergehen hatte.

„Verschwinde aus meinem Büro, ehe ich mich vergesse“, knurrte er.

Ich schenkte ihm ein herausforderndes Grinsen, dann salutierte ich übertrieben und wandte mich ab.

„Ich warne dich, Porter. Wenn ich dich erwische, wie du meine Tochter anfasst, dann werde ich einen Scheiß darauf geben, was der Vorsitz denkt. Dann schneide ich dir deinen kümmerlichen Pimmel ab und stopf ihn dir in den Arsch!“

„Kinky“, sagte ich, ohne mich umzudrehen. Bei der Tür angekommen, wandte ich mich dann doch noch mal zu Wilson um. „Und Wilson – da ist absolut nichts kümmerlich an meinem Pimmel.“

Mit diesen Worten öffnete ich die Tür und verließ das Büro. Ich schaute auf die Uhr. Ich hatte noch zwölf Minuten bis zum Ende des Unterrichts, doch für die paar Minuten lohnte es sich nicht mehr, zurück zur Klasse zu gehen. Stattdessen begab ich mich nach draußen und überquerte den Parkplatz. Bei meinem Porsche angekommen, öffnete ich die Tür und setzte mich hinters Steuer. Ich brauchte eine Kippe und der Schneeregen hatte zwar nachgelassen, doch es war noch immer viel zu eklig draußen, um im Freien eine zu rauchen. Mit einem Seufzen holte ich meine Packung Zigaretten und mein Feuerzeug aus der Jacke und zündete mir eine Kippe an. Meine Gedanken wanderten zu dem Gespräch mit Wilson, als ich einen tiefen Zug nahm. Mann, der Kerl war vielleicht sauer gewesen. Und nicht nur wegen dem, was wir seinem Töchterchen angetan hatten. Nein. Am meisten war er sauer darüber, dass er uns nichts konnte. Er hatte nichts in der Hand und das machte ihn wütend. Er wusste, dass wir dahinter steckten, doch er konnte absolut nichts beweisen. Ich machte mir keine Sorgen, dass einer der Schüler auspacken würde. Selbst Samantha würde ihren Mund halten. Und falls nicht, dann war Wilson am Arsch und würde seinen Job verlieren. So oder so würden die KINGS die Gewinner sein.

Kapitel 6


Sam

Für den Rest des Schultages sah ich nichts mehr von den KINGS. Ich hatte es aufgegeben, in der Cafeteria zu essen, und nahm mein Lunch lieber zuhause ein. Das war einer der wenigen Vorteile, wenn man auf dem Schulgelände wohnte. Als ich nach der Schule die Tür zu unserem kleinen Haus aufschloss, war mein Dad schon zu Hause. Er saß im Wohnzimmer auf der Couch und hatte ein Glas mit Alkohol, wahrscheinlich Whisky, in der Hand. Das war ungewöhnlich. Dad trank zwar gerne ein oder zwei Gläser am Abend, doch mitten am Tag hatte ich ihn noch nie trinken gesehen.

„Hi Dad“, grüßte ich vorsichtig, meine Schultasche auf einem Sessel abstellend.

„Hi, Babygirl“, grüßte er, sein Glas mit einem Seufzen auf den Tisch vor sich stellend. „Komm und setz dich.“

Okay, das klang nicht gut. Dad wollte anscheinend reden und ich hatte so eine dunkle Vorahnung davon, worum es ging. Die Frage war, wie sollte ich reagieren? Was sollte ich sagen. Sollte ich ihm einfach davon erzählen, dass die KINGS ein Video von ihm hatten, das ihn ins Gefängnis bringen könnte? Ich war mir sicher, dass er nicht zulassen würde, dass die KINGS mich tyrannisierten, nur um seinen eigenen Arsch zu retten. Er würde also gegen die KINGS vorgehen, auch wenn es ihm im besten Fall den Job und im schlimmsten Fall die Freiheit kosten würde.

„Ich weiß, dass diese Möchte-gern-Könige der Schule dich auf dem Kieker haben“, sagte Dad, als ich mich gesetzt hatte. „Erzähl mir, was vorgefallen ist. Ich hab keine Beweise, doch wenn du mir sagen kannst, was diese Hur... – diese Mistkerle mit dir gemacht haben, dann kann ich vielleicht gegen sie vorgehen.“

„Was meinst du, Daddy? Die Sache mit den Windeln?“

„Ja, die Sache mit den Windeln.“

„Warum denkst du, dass es die KINGS waren?“

„Ich bin nicht dämlich, Sam. Du hast sie verpetzt und auch wenn sie wissen, dass ich sie ohne Beweise nicht wegen Drogen dealen drankriegen kann, so haben sie allen Grund, dich zu hassen und dich büßen zu lassen. Es macht keinen Sinn, dass es jemand anderer war.“

„Nun. Du hast recht. Es würde Sinn machen, dass die KINGS dahinter stecken“, stimmte ich zu. „Doch vermuten ist nicht dasselbe wie wissen. Du weißt, dass du Beweise brauchst. Und so gerne, wie ich dir helfen würde, diese Idioten zur Strecke zu bringen, so hab ich nichts, was dir weiterhelfen könnte.“

Dads Miene verfinsterte sich.

„Verdammt“, knurrte er. „Ich muss diese kleinen Bastarde irgendwie dran kriegen. Ich kann nicht einfach dasitzen und Däumchen drehen, wenn sie dich tyrannisieren. Ich bin dein Vater. Es ist mein Job, dich zu beschützen.“

„Mach dir keine Sorgen, Daddy“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. „Ich bin stärker als du denkst. Diese lächerlichen Streiche gehen mir am Ar... – am Hinterteil vorbei.“

„Ich weiß, dass du stark bist, doch ich will nicht, dass du dich hier unwohl an der Schule fühlst. Vielleicht sollte ich dich in eine andere Schule stecken. Hier bist du eine Zielscheibe, nur weil du meine Tochter bist. In einer anderen...“

„Nein“, warf ich ein. „Ich will nicht schon wieder die Schule wechseln. Das Schuljahr ist ja nicht mehr so lange und dann sind die KINGS weg.“

„Bist du sicher?“

„Ja. Ich bin sicher. Ich lasse mich nicht von ein paar Neandertalern davon jagen.“

„Mom wäre so stolz auf dich, wenn sie sehen könnte, was aus ihrem kleinen Mädchen geworden ist“, sagte Daddy warm.

Ein paar Tränen glitzerten in seinen Augen, wie immer, wenn die Sprache auf meine Mutter kam. Ich wusste, dass sie die Liebe seines Lebens gewesen war. Deswegen hatte er auch nicht wieder geheiratet. Mom und Dad waren High School Sweethearts gewesen. Sie hatten nur ein Jahr nach dem High School Abschluss geheiratet. Ich musste meine eigenen Tränen unterdrücken.

„Ich werde das Ganze schon überleben, Daddy. Die KINGS werden sich an mir die Zähne ausbeißen.“

Später am Abend lag ich im Bett und versuchte, mich auf die Geschichte auf meinem Kindle zu konzentrieren, doch meine Gedanken wanderten immer wieder zu Nate. Ich hasste den Mistkerl, doch ich konnte nicht abstreiten, dass da eine gewisse Anziehung war, gegen die ich alles andere als immun war. Ich musste masochistisch veranlagt sein, dass ich so empfand, wenn der Kerl nur darauf aus war, mich zu demütigen und mir wehzutun. Mein Handy klingelte, und ich legte meinen Kindle beiseite, um nach meinem Handy zu greifen, welches auf dem Nachttisch lag. Doch als ich den Namen auf dem Display las, zögerte ich. Paul. Was zum Teufel wollte dieser untreue Bastard von mir? Wenn er dachte, dass ich ihn zurücknehmen würde, dann hatte er sich aber geschnitten. Rose konnte ihn gerne haben. Ich würde niemals in der Lage sein, ihm zu verzeihen, was er getan hatte. Und nach diesem Vertrauensbruch würde ich ihm erst recht nicht meine V-Karte geben. Nein, er verdiente so eine Ehre nicht. Irgendwann, vielleicht auf dem College, würde ich einen netten, verständnisvollen Typ kennenlernen, der zu schätzen wusste, dass ich nicht sofort meine Beine breit machte. Ich wollte nicht glauben, dass es heutzutage keine anständigen Kerle mehr gab. Es musste sie geben. Ich musste nur die Augen offen halten. In der Zwischenzeit hatte ich keine Probleme damit, weiter auf Mr. Right zu warten. Ich hatte keine Ahnung, warum andere Teenager es so eilig hatten. Mit Jungen konnte ich es ja noch verstehen. Wenn sie Druck auf den Eiern hatte, dann war das vielleicht genug, um sie dazu zu treiben, sich ein Mädchen zu suchen, die ihnen half, den Druck abzubauen. Doch bei Mädchen? Wo war da der Druck? Ich verspürte ihn jedenfalls nicht. Ja, wenn ich Paul geküsst hatte, dann hatte sich das angenehm angefühlt und ein paar Schmetterlinge waren auch involviert gewesen, doch wirkliche Erregung hatte ich nie verspürt.

Hast du wohl, warf meine innere Stimme ein. Du warst erregt, als Nate dich gegen die Wand gepresst hat.

Uargh, ja das stimmte. Ich musste das leider zugeben. Es wäre verlogen, das abzustreiten. Die Frage war, warum ich auf die Nähe eines drogendealenden gemeinen Kerls wie Nate reagierte und Paul, der immer sanft und zärtlich gewesen war, hatte nie solch eine Reaktion bei mir ausgelöst. Vielleicht hatte ich unbewusst gespürt, was für ein betrügerischer Arsch er war. Doch warum ich auf Nate reagierte, blieb noch immer ein Rätsel. Und würde es wahrscheinlich auch immer bleiben. Und ich würde diesen unerwünschten Gefühlen niemals nachgeben. Nicht, dass ich damit rechnete, dass ich die Gelegenheit haben würde. Nate konnte jedes Mädchen haben und er hasste mich. Es gab absolut keinen Grund, warum er an mir interessiert sein würde. Die Erkenntnis beruhigte mich ein wenig. Wenn er mich nicht wollte, dann würde meine Selbstbeherrschung nie auf die Probe gestellt werden.

Als ich am nächsten Morgen meinen Spind öffnete, stieg mir ein fürchterlicher Gestank entgegen. Ein paar Kids, die zu nahe standen, fingen an zu würgen und flohen. Auch mir drehte sich der Magen um bei dem Gestank, doch ich musste erst einmal herausfinden, woher der Gestank kam, und was ich tun konnte, um ihn zu beseitigen. Nicht, dass ich dieser Aufgabe mit Vergnügen entgegensah.

„Iiieeehh, Wilson, was hast du denn in deinem Spind, das so stinkt?“, fragte ein Mädchen. „Hast du deine Sportsocken da drin, oder was?“

Ein paar Schüler lachten, doch alle hielten Abstand genug, um von dem Gestank nicht belästigt zu werden. Ich versuchte, so flach wie möglich zu atmen, als ich mich in den Schrank beugte, um ihn zu untersuchen. Wie sich herausstellte, musste jemand eine Stinkbombe hinein getan haben. Die stinkende Flüssigkeit war in zwei meiner Bücher gesunken und in den Schal, der meiner Mutter gehört hatte. Die Bücher waren mir egal. Ich würde sie wegschmeißen und neue besorgen. Doch der Schal meiner Mutter war eine Erinnerung, an der ich sehr hing. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nur hoffen, dass ich den Gestank irgendwie heraus waschen konnte. Ich nahm die Bücher, die nicht mehr zu retten waren und schmiss sie in den Müll. Mein Blick fiel auf Nate, der wieder einmal in der Nähe stand, um zu sehen, wie ich auf seinen Streich reagieren würde. Er grinste, als wir uns gegenseitig in die Augen sahen. Gott! Ich hatte noch nie jemanden so gehasst. Selbst Paul hasste ich nicht so wie diesen miesen Bastard, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, mich zu brechen. Entschlossen, ihm nicht die Genugtuung zu geben, verhärtete ich meine Miene und wischte die Tränen fort. Dann wandte ich mich ab und fuhr damit fort, meinen Spind von dem Gestank zu reinigen.

Nate

Ich mochte die Tränen in ihren Augen. Es schien, als wenn ich sie diesmal mehr getroffen hatte als mit den Windeln. Ich hatte sie genau beobachtet und ich vermutete, dass der ruinierte Schal sie viel mehr getroffen hatte als die ruinierten Bücher. Der Schal schien ihr etwas zu bedeuten. Gut zu wissen. Falls sie es schaffen sollte, den Schal irgendwie zu retten, würde ich ihn verbrennen. Oder in Stücke schneiden. Sie hatte uns verraten und ich würde dafür sorgen, dass sie für ihr Vergehen leiden musste. Keine Gnade für die graue Maus.

Den Rest des Schultages sah ich meine Mouse nicht mehr. Ich hatte keine Ahnung, ob sie nach Hause geflohen war, um sich unter ihrer Bettdecke zu verkriechen und zu heulen, oder ob sie es geschickt geschafft hatte, mir auszuweichen. Wilson hatte uns einen weiteren Tag Nachsitzen aufgebrummt, doch Ian war nicht anwesend. Wenn das so weiter ging mit ihm, dann würde ich ein ernstes Wort mit ihm wechseln müssen. Ich hatte keine Ahnung, was mit ihm los war. Wenn er Probleme hatte, dann konnte er zu uns kommen. Er wusste das. Wozu waren Freunde da, wenn sie einem nicht in der Not halfen? Doch er hatte sich weder mir, noch einem der anderen KINGS anvertraut. Ich wusste, dass er zu Hause Probleme hatte, wie wir alle, doch das war nichts Neues. Was konnte den plötzlichen Wandel bei ihm ausgelöst haben?

„Hast du irgendwas Neues über das Mädchen herausgefunden?“, fragte ich, mich zu Gregory beugend.

„Nicht viel. Ich hab ihr Foto ein paar Mal im Netz gefunden, doch nichts, was auf ihre Identität schließen lässt“, antwortete Gregory.

„Kannst du ins Polizeinetz hacken. Vielleicht hat sie eine Akte bei denen.“

„Ist nen Versuch wert“, stimmte Gregory zu. „Ich mach das gleich, wenn ich zu Hause bin.“

„Okay. Halt mich auf dem Laufenden. Dass Ian nicht zum Nachsitzen erschienen ist, gefällt mir nicht. Es scheint, als wenn er einen Scheiß darauf gibt, ob er den Abschluss schafft oder nicht.“

„Ja, du hast recht. Ich werde sehen, was ich herausfinden kann. – Denkst du, wir sollten ihn einfach drauf ansprechen?“

„Seth hat schon mal vorsichtig versucht“, erwiderte ich. „Er hat Ian gestern gefragt, ob alles in Ordnung ist.“

„Und was hat Ian geantwortet?“

„Dass Seth sich aus seinen Angelegenheiten raus halten soll.“

Gregory stieß einen leisen Pfiff aus.

„Wow. Das klingt überhaupt nicht nach Ian.“

„Ganz meine Meinung. Etwas stimmt nicht mit ihm und ich werde nicht eher ruhen, bis ich herausgefunden habe, was los ist.“

Als ich nach Hause kam, stand Dads Limo in der Auffahrt. Das hatte mir noch gefehlt. Was zum Teufel mochte er hier wollen? Und das so kurz nach dem Familien-Dinner. Ich überlegte, ob ich den Wagen wenden und mich verpissen sollte, doch ehe ich etwas Derartiges tun konnte, öffnete sich die Haustür, und Mom erschien auf der Schwelle.

„Komm schon, Nate. Willst du im Auto übernachten? Dad ist hier, um mit dir zu reden. Na los! Zack, zack! Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.“

Leise vor mich hin fluchend stellte ich den Motor ab und stieg aus. Mit meinem Rucksack über die Schulter geschlungen, stapfte ich auf die Eingangsstufen zu. Ich hatte kein gutes Gefühl. Was immer mein Dad mit mir besprechen wollte, ich war mir ziemlich sicher, dass es mir nicht gefallen würde. Hatte Wilson etwa mit Dad gesprochen? Fuck! Fuck! Fuck! Wenn das der Fall war, dann konnte ich mich auf die Hölle gefasst machen. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich zu schinden, als ich meine Schuhe und Jacke auszog und meine Frisur vor dem Spiegel richtete, doch Mom wurde ungeduldig und schob mich in Richtung Wohnzimmer. Dad stand vor dem Kamin und starrte in die Flammen. Obwohl weder Mom noch ich irgendwelchen Laut von uns gaben, drehte er sich sofort um, als wir den Raum betraten. Ich versuchte, in Dads Gesicht zu lesen, was Sache war. Seine Miene war neutral. Es brauchte eine Menge, um meinen Dad dazu zu bringen, Gefühle auf seinem Gesicht zu zeigen. Doch für gewöhnlich konnte ich etwas in seinen Augen sehen. Diesmal sah ich nichts. Das konnte ein gutes Zeichen sein. Vielleicht war sein Anliegen nichts Ernstes. Es konnte aber auch das totale Gegenteil bedeuten. Wenn mein Dad wirklich außer sich war, dann schaltete er manchmal alle seine Emotionen ab, wie ein verdammter Roboter. Ich hoffte inständig, dass die erste Möglichkeit heute zutraf.

„Dad“, grüßte ich. „Ich muss sagen, ich bin überrascht, dich so schnell nach dem Dinner hier zu sehen.“

Ich gab ebenfalls keinerlei Gefühlsregung preis. Ich hatte von meinem Vater gelernt, wie man das tat. Wenngleich ich auch nicht so gut darin war wie mein Vater. Dad kam ein paar Schritte näher, dann ließ er sich in einen Sessel sinken und schlug ein Bein über das andere. Er lehnte sich lässig in seinem Sitz zurück, beide Arme auf den Armlehnen platziert.

„Setz dich, Sohn.“

Innerlich rebellierte ich gegen die Idee, eine Unterhaltung über weiß Gott was mit meinem Dad zu führen, wenn ich andere Probleme zu lösen hatte. Doch ich schluckte meinen Ärger und setzte mich, äußerlich so ruhig und gelassen wie Dad.

„Was gibt es, Dad?“

„Wie lange ist dieses Mädchen, mit dem du zusammen warst, jetzt tot?“

Ich runzelte die Stirn. Was für eine Frage war das denn, bitteschön? Wieso wollte er über Bethany und ihren Tod reden? Dads Blick wurde streng, als ich nicht antwortete.

„Drei Monate“, brachte ich gepresst hervor. „Was hat ihr Tod mit dem zu tun, weswegen du den ganzen Weg hierher gemacht hast?“

„Drei Monate“, wiederholte Dad wie zu sich selbst. „Nicht lange, doch du bist jung. Junge Leute kommen schneller über Verlust hinweg.“

Ich bedachte meinen Vater mit einem harten Blick. Worauf; zum Teufel noch mal; wollte er hinaus? Mir gefiel die Richtung nicht, die dieses Gespräch nahm. Dads Blick fand mich erneut und wir starrten uns gegenseitig nieder. Ich war dieses Kräftemessen mit meinem alten Herrn gewohnt. Dad war kein Mann, dem man widersprach oder herausforderte. Doch ich war meines Vaters Sohn. Und ich war kein kleiner Junge mehr.

„In sechs Wochen ist dein Geburtstag. Ich denke, das ist ein guter Zeitpunkt, um deine Verlobung bekannt zu geben.“

„MEINE WAS?“, schrie ich, aus meinem Sessel aufspringend. Ich starrte meinen Vater drohend an. „Ich muss mich wohl verhört haben. Für einen Moment hab ich gedacht, etwas von einer Verlobung gehört zu haben. Doch ich muss mich wohl irren, denn ich habe kein Mädchen, mit dem ich mich verloben könnte.“

„SETZ DICH!“, bellte Dad scharf.

„Dieses Gespräch ist beendet“, sagte ich, mich auf dem Absatz umdrehend.

Zwei Gestalten traten vom Foyer in den Raum und blockierten den Weg, als ich das Wohnzimmer verlassen wollte. Es waren Dads Bodyguards. Zwei Fleischberge, an denen absolut kein vorbei kommen war. Wütend wandte ich mich auf den Absatz um und starrte Dad an.

„Setz dich wieder hin“, sagte Dad ruhig, doch die leise Drohung in seiner Stimme war unmissverständlich. „Wir sind noch nicht fertig.“

„Dad, ich weiß nicht, was du glaubst hier zu erreichen, doch ich werde mich nicht verloben.“

„Wenn du dich nicht fügst, stehst du an deinem Geburtstag vor der Tür. Mittellos. Weder ich, noch deine Mutter, werden dich länger unterstützen.“

Die Wut, die ich verspürte, brodelte in meinen Adern und ich hatte gute Lust, meinen Vater zu Brei zu schlagen. Das Problem war nur, dass ich mir nicht sicher war, wer gewinnen würde. Dad war noch immer in guter Form. Und dann waren da die beiden Gorillas hinter mir.

„Und wie bitteschön soll ich mich in sechs Wochen verloben, wenn ich nicht einmal ein Mädchen habe?“, knurrte ich.

„Du wirst deine Zukünftige heute kennenlernen“, erwiderte Dad gelassen. „Du wirst sie zum Essen ausführen. Ich habe einen Tisch für zwei im Rendezvous für euch reserviert. Meine Limo wird dich um sieben Uhr abholen.“

Ich starrte Dad ungläubig an.

„Wie bitte?“

„Du hast mich gehört, Sohn, also beleidige meine Intelligenz nicht, indem du dich blöd stellst. Ich erwarte, dass du dich von deiner besten Seite zeigst. Valerie ist ein hübsches Mädchen aus gutem Hause und die perfekte Ehefrau für dich.“

„Und was für einen Vorteil hast DU von dieser Liaison?“, fragte ich spöttisch.

„Das sagte ich bereits. Sie ist aus gutem Hause.“

„Beleidige nicht MEINE Intelligenz. Was für eine Familie, Dad?“

„Sie ist eine Montclaire.“

„Natürlich“, erwiderte ich sarkastisch. „Eine Montclaire.“

„Sie ist perfekt, Nate. Ich erwarte, dass diese Verbindung zustande kommt. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?“

„Kristallklar“, knurrte ich finster.

„Gut“, erwiderte Dad, sich aus seinem Sessel erhebend. „Dann wäre die Sache ja geklärt.“ Er glättete seinen Anzug, ehe er mich ansah. „Vergiss nicht. Sieben Uhr. Gib dir Mühe! Oder...“ Sein Blick wurde hart wie Stahl. „Ich muss dir nicht noch mal erklären, was geschieht, wenn du dies verbockst, nicht wahr?“

Anstelle einer Antwort gab ich meinem alten Herrn einen mörderischen Blick. Ich hatte keine Zweifel, dass mein Vater es tot ernst meinte. Er würde mich vor die Tür setzen und alle meine Geldmittel streichen, wenn ich mich weigerte, nach seiner Pfeife zu tanzen. Es gab keinen Ausweg. Zumindest konnte ich so schnell mit keinem daher kommen. Doch ich würde. Ich musste. Das Letzte, was ich wollte, war mich mit irgend so einer High Society Schlampe zu verloben.

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9783754171820
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