Читать книгу: «Mein Augen-Buch»

Шрифт:

Meir Schneider
Mein Augen-Buch
Meir Schneiders Übungsprogramm für besseres Sehen
Entwickelt von dem Augentherapeuten, der sich selbst von seiner Blindheit heilte


VAK Verlags GmbH Kirchzarten bei Freiburg
Titel der amerikanischen Originalausgabe:

Inhalt

Geleitwort

Vorwort

Einführung

KAPITEL 1: WIE ICH MICH SELBST VON MEINER BLINDHEIT HEILTE

Wie ich die Bates-Methode für mich entdeckte

KAPITEL 2: ZEHN SCHRITTE ZU BESSEREM SEHEN

Schritt 1: Der „Große Schwung“

Wie Sie den Großen Schwung ausführen sollten

Schritt 2: In die Ferne schauen

Vorbeugung gegen den Grauen Star

Schritt 3: Die Peripherie erkunden

Übung 1 für peripheres Sehen: In die Ferne schauen

Übung 2 für peripheres Sehen: Zettel auf die Nase kleben

Schritt 4: Sonnenbaden und in den Himmel schauen

Sonnenbaden

In den Himmel schauen

Schritt 5: Nachtspaziergang

Schritt 6: Palmieren

Die Vorbereitung auf das Palmieren

So palmieren Sie richtig

Nutzbringende Effekte des Palmierens

Schritt 7: Den Fokus verlagern

Wie Sie die Fokusverlagerung üben

Das Kleingedruckte lesen

„Die Buchstaben sind schwarz und die Seite ist weiß …“

Schritt 8: Das stärkere Auge blockieren

Mit einer Sonnenbrille experimentieren

Noch einmal: Details anschauen

Schritt 9: Blinzeln

Schritt 10: Gesundheit und Wohlbefinden für Augen und Körper

Richtig gehen

Die Augen ausruhen lassen

Richtig atmen

Den Nacken entspannen

Die Augenmuskeln dehnen

Einen schönen Anblick genießen

Nicht die Augen zusammenkneifen!

KAPITEL 3: EMPFEHLUNGEN FÜR DIE ARBEIT AM COMPUTER

Wie Sie Ermüdungserscheinungen reduzieren

KAPITEL 4: BRECHUNGSFEHLER REDUZIEREN UND KORRIGIEREN

Kurzsichtigkeit

Das Übungsprogramm bei Kurzsichtigkeit

Zusatzübung: Den Ball werfen und fangen

Weitsichtigkeit

Das Übungsprogramm bei Weitsichtigkeit

Alterssichtigkeit

Das Übungsprogramm bei Alterssichtigkeit

Zusatzübungen bei Alterssichtigkeit

Überschriften, Groß- und Kleingedrucktes

Hornhautverkrümmung

Das Übungsprogramm bei Hornhautverkrümmung

Zusatzübungen bei Hornhautverkrümmung

KAPITEL 5: SCHIELEN UND SCHWACHSICHTIGKEIT ÜBERWINDEN

Das Übungsprogramm bei Schielen

Zusatzübungen bei Schielen

KAPITEL 6: AUGENERKRANKUNGEN – WAS SIE SELBST TUN KÖNNEN

Grauer Star

Das Übungsprogramm bei Grauem Star

Anmerkung zu Operationen bei Grauem Star

Zusatzübung: Hüpfen und Fangen

Diabetes

Das Übungsprogramm bei Diabetes

Zusatzübungen bei Diabetes

Anmerkung zu Laserbehandlungen

Grauer Star und Diabetes

Grüner Star

Das Übungsprogramm bei Grünem Star

Körperbezogene Zusatzübungen bei Grünem Star

Spezielle Anweisung zum Palmieren bei Grünem Star

Weitere Hinweise zu Übungen bei Grünem Star

Sehnervenentzündung

Netzhautablösung und Netzhautriss

Das Übungsprogramm bei Netzhautablösung

Zusatzübung mit Dunkelheit und Licht

Glaskörperabhebung

Makula Pucker und Makulalöcher

Das Übungsprogramm bei Makula Pucker und Makulalöchern

Zusatzübung bei Makula Pucker und Makulalöcher: Lochbrille

Retinitis pigmentosa

Das Übungsprogramm bei Retinitis pigmentosa

Zusatzübungen bei Retinitis pigmentosa

KAPITEL 7: DIE BLINDEN FLECKEN KONVENTIONELLER AUFFASSUNGEN VOM SEHEN

Das verborgene Risiko von Sonnenbrillen

Risiken und Nebenwirkungen von Kontaktlinsen oder Brillen

SCHLUSSWORT: DIE REALEN KOSTEN VON AUGENPROBLEMEN

ANHANG

Danksagungen

Über den Autor

Hinweis des Verlags

Dieses Buch dient der Information über bewährte Techniken zur Förderung des Sehvermögens und zur Selbsthilfe bei Augenproblemen. Wer sie anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Autor und Verlag beabsichtigen nicht, Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben. Die Informationen in diesem Buch sind nicht als Ersatz für professionelle therapeutische Hilfe bei gesundheitlichen Problemen zu verstehen.

Geleitwort

Wer jemals das Privileg hatte, bei einem Vortrag von Meir Schneider dabei zu sein, der weiß, dass man dabei nicht nur die Rolle eines passiven Zuhörers hat. Er lädt das Publikum gleich ein, seine Übungen mitzumachen. Wichtiger, als über seine Methode zu reden, sei es, sie zu erleben, sagt Meir Schneider; Theorie hat nach seiner Auffassung nur dann einen Wert, wenn sie in die Praxis umgesetzt wird. Wir Menschen verfügen über ein unglaubliches Anpassungsvermögen und dem entspricht das, was er lehrt: Es ist einfach, direkt und transformierend. Es geht über die Grenzen vorgefertigter Konzepte hinaus und vermittelt die Gewissheit, dass wir die Passivität unseres gewohnheitsmäßigen Handelns hinter uns lassen, erfrischend Neues entdecken und es in unseren Alltag integrieren können.

Dieses Buch spiegelt wieder, wie er lehrt. Die interaktiven und dynamischen Inhalte verdeutlichen die Qualitäten des Autors und helfen uns, von einschränkenden Sehgewohnheiten abzurücken, die uns bisher scheinbar Sicherheit gegeben haben, um neue Möglichkeiten zu erfahren. Da er davon ausgeht, dass wir alle unser Sehvermögen auf natürliche Weise verbessern können, ist dieses Buch nicht nur für diejenigen bestimmt, bei denen Sehstörungen diagnostiziert worden sind; es ist für uns alle. Meir Schneider pflegt zu sagen: Unsere Routine, unsere Gewohnheit ist die eigentliche degenerative Krankheit.

Ich lernte Meir Schneider zum ersten Mal 1992 kennen, bei einer Konferenz mit 600 Teilnehmern in São Paulo, Brasilien. Er hinterließ bei den Zuhörern einen solchen Eindruck, dass man sich am Ende einig war, dies sei der ideale Zeitpunkt, um in Brasilien den ersten Trainingskurs anzubieten. Ich nahm daran teil, obwohl ich keine medizinischen oder ähnlichen beruflichen Vorkenntnisse oder Erfahrungen hatte. Dass man Mediziner oder im Gesundheitsbereich tätig war, das war für Meir Schneider keine notwendige Voraussetzung dafür, an seinen Kursen teilzunehmen. Er wollte bei dem, was er lehrte, und bei seinen Vorträgen offen sein für jeden, der bereit war, an sich zu arbeiten. Als ich seine Techniken intensiver kennenlernte, veränderte das meine Einstellung zu meinem Körper und meinen kognitiven Prozessen sowie meinen Umgang damit völlig.

Wenig später begann ich, andere zu unterrichten; dadurch vervollständigten sich meine Kenntnisse und Erfahrungen weiter. Einige Jahre später, als ich bereits als voll ausgebildete Therapeutin arbeitete, die sich auf Sehschulung spezialisiert hatte, empfand ich das Bedürfnis, mein theoretisches Wissen zu vertiefen, und ging noch einmal zur Schule, um Augenoptikerin zu werden. Dadurch bekam ich bessere Voraussetzungen, um die Großartigkeit der Methode schätzen zu können – die großartige Fähigkeit von Meir Schneider, eine komplexe Theorie in etwas zu verwandeln, was uns direkt anspricht. Theorie versucht schließlich, zu erklären, was wir sind. Und Meir Schneider übersetzt sie mit einer seltenen Intelligenz und Freigiebigkeit. Bei dem, was er lehrt, bleibt nichts im Verborgenen; alles ist da, greifbar für alle, die bereit sind, sich selbst zu erfahren.

Dieses Buch ist weitaus mehr als ein Leitfaden für Übungen; es ist eine Einladung zur Selbstentwicklung. Viel Freude beim Lesen!

M. Fernanda Leite Ribeiro

(Augenoptikerin und Lehrerin für Selbstheilung, São Paulo, Brasilien)

Vorwort

Die Welt wird möglicherweise schon bald mit einer „Epidemie“ von Sehstörungen konfrontiert sein, da Hunderte Millionen Menschen, die ständig Computerbildschirmen und fluoreszierendem Licht ausgesetzt sind und in übermäßig erleuchteten Städten leben, allmählich älter werden. Das Tragische ist, dass sie zwar alle Voraussetzungen zu haben scheinen, um diese Katastrophe vorherzusehen, das derzeitige medizinische Establishment jedoch nicht bereit ist, auf diese Epidemie angemessen einzugehen. Aus meiner persönlichen Erfahrung glaube ich, dass Mediziner im Grunde oft an einer eigenen Form von Kurzsichtigkeit leiden, einer kurzsichtigen Einstellung zu ganzheitlichen Ansätzen zur Wiederherstellung und Erhaltung unserer körperlichen Gesundheit.

In der heutigen Zeit verstehen wir sehr gut, wie wichtig effektive Bemühungen sind, Vorsorge für „Instandhaltung“ und „Wartung“ zu treffen. Wenn wir den Wert und die Schönheit eines Produkts oder Systems während seiner ganzen Lebensdauer erhalten und diese Lebensdauer so lange wie möglich ausdehnen wollen, müssen Schritte unternommen werden, um die Funktionstüchtigkeit aller lebenswichtigen Elemente zu erhalten und Mängel zu beseitigen, die sich durch falschen Gebrauch, Nachlässigkeit oder Beschädigungen entwickelt haben. Dem menschlichen Körper muss im Vergleich zu einer Maschine diesbezüglich sogar noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden; er muss ernährt, versorgt und gepflegt werden.

Ich freue mich, dass immer mehr Menschen wach werden, diesen Gedanken aufgreifen und angefangen haben, sich eine präventive, schützende Einstellung zu ihrer körperlichen Gesundheit zu eigen zu machen. Jeden Tag nimmt die Zahl derer zu, die genauer darauf achten, welche Nahrungsmittel und Getränke sie zu sich nehmen, die auf die Umwelt achten, in der sie leben, und darauf, sich allgemein gesunde Gewohnheiten wie körperliche Bewegung zu eigen zu machen.

Aber wir nehmen uns immer noch nicht genügend Zeit, um der Gesundheit und dem Wohlbefinden unserer Augen Rechnung zu tragen. Das ist der Zweck dieses Buches: Menschen zu helfen, ihr Sehvermögen zu erhalten und zu „reparieren“, als Weg, sowohl die Dauer als auch die Qualität ihres Lebens zu erhöhen. Es erscheint mir wie eine Ironie, dass dem wissenschaftlichen Establishment möglicherweise die Schuld an dem traurigen Zustand zu geben ist, in dem wir uns befinden. Denn die Erfolge, die in den letzten Jahrzehnten in der Optometrie und Augenheilkunde zu verzeichnen waren, sind in weiten Teilen schuld an der in unserer Kultur so verbreiteten Laissez-faire-Haltung zur Gesundheit unserer Augen. Diese Haltung hat sich durchgesetzt, weil es gang und gäbe ist, Sehprobleme zu korrigieren, indem Brillen verordnet oder chirurgische Eingriffe vorgenommen werden, ohne dass eine Alternative aufgezeigt oder angeboten wird.

Für viele ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie von der medizinischen Wissenschaft „gerettet“ werden, wenn etwas mit ihrem Sehvermögen nicht (mehr) in Ordnung ist. Dies mag zwar in vielen Fällen zutreffen; ich bin dennoch der festen Überzeugung, dass es stets besser ist, einer Krankheit von vorneherein vorzubeugen, statt einfach abzuwarten, bis das System zusammenbricht, in der Hoffnung, dass die medizinische Wissenschaft dann schon eine Lösung bereithalten wird. Präventive Medizin ist vor allem billiger! Vergleichen Sie 20 Minuten aerobe Übungen am Tag (etwa Laufen am Strand oder Radfahren durch einen Park) mit den Kosten von 100 000 US-Dollar für eine Operation, mit der verstopfte Blutgefäße repariert werden. Selbst wenn Sie den Preis für eine teure Mitgliedschaft in einem Luxus-Fitnessstudio sowie regelmäßige Massagen mit einkalkulieren, ist der präventive Ansatz immer noch sehr viel billiger.

Wir sollten uns in die Pflicht nehmen, ein Gesundheitsprogramm für unsere Augen zu entwickeln, weil der ganze Körper durch Überanstrengung der Augen in Mitleidenschaft gezogen wird. Das menschliche Auge wurde ursprünglich entwickelt, um zu jagen, um den Horizont abzusuchen, um Vögel zu beobachten, um in die Ferne zu blicken. Es war dafür vorgesehen, unter unterschiedlichsten Umständen genutzt zu werden, um unterschiedliche Dinge in unterschiedlichen Entfernungen und unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu sehen und zu erkennen. Wenn wir hingegen den ganzen Tag bei gleicher Beleuchtung nur auf einen Computerbildschirm starren, verlieren unsere Augen ihre Variationsfähigkeit wie auch ihre Sehschärfe. Wir verlieren die Leidenschaft, die Vielfältigkeit des Lebens um uns herum zu betrachten. Und welche Folgen hat dies für unseren Körper und unseren Energiehaushalt?

Viele Menschen berichten, dass sie sich in der Mitte des Tages erschöpft fühlen und Stimulanzien brauchen, um wieder fit zu werden. Wir müssen uns vor Augen halten, dass alles, was wir mit den Augen tun, Einfluss auf den ganzen Körper hat.

Die Gewohnheiten, die Sie entwickeln werden, wenn Sie sich an die Übungen in diesem Buch halten, können die Rettungsleine sein, die Sie brauchen. Sie werden Ihre Leidenschaft für das Leben wieder entdecken, wenn Sie das Sehvermögen, das Sie haben, schützen und den degenerativen Zustand beseitigen, an dem Sie leiden. Das Beste von allem ist – wie bei jeder Art von persönlichem Übungsprogramm –, dass die neuen Gewohnheiten Ihr Leben in einer Weise nachhaltig beeinflussen werden, die über die nutzbringenden Effekte der Prävention von Krankheiten hinausgeht.

„Die Augen sind das Fenster zur Seele“, sagte ein Dichter. Indem wir uns mit unserem Sehen beschäftigen, stellen wir in einer grundlegenden, einfachen und schönen Weise eine Verbindung zu Licht und Dunkelheit, zur Natur, zu unserer physischen Umwelt und untereinander her. Joggen ist nicht nur eine gute körperliche Übung, es kann auch eine willkommene Entlastung und Entspannung für den Geist sein. Es ist ein Weg, die Verbindung zu Ihrer Nachbarschaft wiederherzustellen, aus Ihrer Alltagsroutine auszubrechen und Ihre psychische Komfortzone zu erweitern. Das Gleiche gilt, wenn man lernt, mit dem natürlichen Blinzeln des Auges (Lidschlussreflex) richtig umzugehen, und wenn man übt, Einzelheiten genau wahrzunehmen oder weit in die Ferne zu blicken, und wenn man Nachtspaziergänge oder -wanderungen macht.

Computer haben zweifellos viel zur Verbesserung der Lebensqualität beigetragen. Indem jedoch jedes Jahr Hunderte Millionen von Menschen Computer in ihren Alltag integrieren, setzen sie ihre kostbaren Augen einer permanenten, unnatürlichen Belastung und schlechtem Licht aus. Sie beanspruchen ihr zentrales Sehen übermäßig, da sie mit verschwommenen Augen auf den Bildschirm starren, und vergessen, ihr peripheres Sehen zu nutzen. Sie vergessen, den natürlichen Reflex des Blinzelns zu nutzen. Sie vergessen, richtig zu atmen. Sie sitzen mit zusammengezogenen Schultern und verspanntem Nacken da. Sie kneifen die Augen zusammen und versuchen, digitale Daten zu analysieren. Und statt die natürliche menschliche Fähigkeit zu nutzen, die Umwelt nach Bildern oder Eindrücken abzusuchen oder zu filtern, sitzen sie einfach da und warten passiv darauf, dass die Flut ständig wechselnder Bilder auf sie einströmt. Vergessen Sie nicht: Der Berg kam nicht zum Propheten – der Prophet musste zum Berg gehen.

Wir haben die Verantwortung (und damit gleichzeitig das Glück und die Freude), dass wir uns selbst darum kümmern (können), dass wir mit der Natur und mit unserem eigenen menschlichen Potenzial in engere Verbindung kommen. Wir sollten uns in die Pflicht nehmen, unseren Anspruch auf unser Erbe, unser Geburtsrecht geltend zu machen: Gesundheit, Glück und ein langes, ausgeglichenes, produktives Leben. Das alles beginnt bei unseren Augen!

Unsere Sinne verbinden uns eng miteinander, mit unserer Umwelt und mit uns selbst – vielleicht kein anderer Sinn so sehr wie unser Sehsinn. Wenn jemand sein Sehvermögen verliert, sind dem Preis keine Grenzen gesetzt, den er bereit ist, einem Arzt dafür zu zahlen, dass er das Problem löst. Leider richten viele Behandlungen und Verfahren, die heute bei den Augen angewendet werden (auch Lasik-Operationen), mehr Schaden an, als dass sie Nutzen bringen.

Das Problem wird noch weiter dadurch verschärft, dass bei den Augentests beim Optiker Fehldiagnosen gestellt werden, da die Personen, deren Augen wegen einer möglichen Brillenverordnung getestet werden, gestresst und nervös sind. Sie stehen verständlicherweise oft unter Stress und strengen sich beim Sehtest besonders an, aus Angst, ihre Sehfähigkeit könnte sich verschlechtert haben. An einem durchschnittlichen, entspannten Tag unterscheidet sich die Sehkraft jedoch erheblich von derjenigen in Situationen, in denen sie ängstlich und gestresst sind. Aber wann haben Sie jemals gehört, dass ein Optiker sich dieser Realität gestellt hätte? Hat Ihr Optiker Ihnen jemals die Schultern massiert und Sie gebeten, tief ein- und auszuatmen, bevor Ihre Augen gemessen wurden? Oder hat Ihr Augenarzt Sie jemals gebeten, zu beten oder zu meditieren, zu singen oder zu tanzen, bevor Ihr Augendruck gemessen wurde?

Die meisten Optiker geben sich keine Mühe, das Sehvermögen ihrer Patienten unter normalen, weniger stressintensiven Bedingungen zu testen. Und die meisten Menschen haben nicht die Möglichkeit, ihr Sehvermögen unter entspannteren Umständen zu testen. Das Ergebnis ist, dass Brillen auf der Grundlage eines Sehtests verordnet werden, der unter Stress durchgeführt wurde. Dies hat zur Folge, dass die Augen – da sie keine andere Wahl haben – lernen, sich auf die falsch verordnete Brille einzustellen, und sich mit der Zeit in die falsche Richtung anpassen: in Richtung des schlechteren, nicht des besseren Sehens. Tatsache ist, dass die meisten Augenoptiker nicht einmal glauben, dass schlechtes Sehen überhaupt etwas mit Stress zu tun habe.

Meine persönliche Erfahrung bei der Arbeit mit Tausenden von Ausbildungsteilnehmern und Patienten widerspricht jedoch dem, was diese Optiker und Ärzte zu wissen glauben. Stress und schlechtes Sehvermögen gehen in der Tat Hand in Hand!

Deshalb rate ich meinen Patienten und Ausbildungsteilnehmern, manchmal ihre Brille abzunehmen, wenn sie Techniken üben, die ich ihnen beibringe, und den Leserinnen und Lesern dieses Buches rate ich dies ebenso: Sofern Sie sich in einem sicheren Umfeld befinden, nehmen Sie zeitweise die Brille ab, wenn Sie die Übungen dieses Buches ausführen! Bei einer Sehschwäche geht es um nichts anderes, als wenn man nach einem Beinbruch wieder gehen lernen muss: Wenn Sie die Krücken nicht (irgendwann einmal) weglassen, werden Ihre Beine ihre alte Kraft nicht wiedergewinnen. Deshalb möchte ich Sie dazu ermuntern: Trainieren Sie Ihre Augen genauso, wie Sie den übrigen Körper im Fitnessstudio trainieren, aber stets in einem sehr entspannten Zustand – das ist wichtig und das sollten Sie nicht vergessen!

Die Übungen in diesem Buch sollen Ihnen helfen, neue, gesundheitsfördernde Gewohnheiten zu entwickeln, die Sie sofort in Ihr Leben integrieren können. Wenn ausreichend viele von uns diese Übungen gewissenhaft machen und sich an die Ratschläge in diesem Buch halten, können wir die Epidemie an Grauem Star, Makuladegeneration und anderen degenerativen Augenerkrankungen abwenden, die nach den Vorhersagen von Wissenschaftlern wie ein Güterzug auf unsere Kultur zurollt.

Fragen Sie sich einmal, was am ehesten im Interesse des medizinischen Establishments ist: die Augenheilkunde auf den Prüfstand zu stellen und neue Ideen aus Bereichen außerhalb der etablierten Schulmedizin einfließen zu lassen – oder weiterhin darauf zu setzen, dass man neue Methoden auf der Grundlage des alten Denkens entwickeln könne? Haben die Vertreter des bisherigen Systems das Interesse, Ihnen zu helfen, sich selbst mit einem Minimum an Zeit und Mühe zu heilen, oder sagen sie Ihnen, dass es kein Problem sei, ungesunde Gewohnheiten zu haben, weil sie wissen, wie sie das wieder in Ordnung bringen können? Ich möchte hier nicht anklagen und Schuld zuweisen oder einer Verschwörung das Wort reden. Ich versuche einfach, die Weisheit eines alten Sprichwortes anders zu formulieren, das besagt, man solle nie einen Friseur fragen, ob man einen neuen Haarschnitt brauche. Fragen Sie deshalb auch nie einen Optiker, ob es möglich sei, Ihr Sehvermögen selbst zu korrigieren. Das medizinische Establishment ist so sehr abhängig von Technologie und Chemie, dass es wenig Anreiz sieht, sich für einen einfacheren, weniger kostspieligen, persönlichen, ganzheitlichen Ansatz zur Erhaltung und Reparatur des Sehvermögens zu begeistern.

Dieses Buch ist meine Antwort auf dieses gravierende Problem und mein Versuch, Ihnen eine Alternative aufzuzeigen, damit Sie nicht zum Spielball gewinnorientierter, chirurgiefixierter Mediziner werden. Sie sind zuerst einmal Ihr eigener Patient. Heilen Sie sich selbst mithilfe der Techniken in diesem Buch (und in anderen vergleichbaren Büchern). Nur als letzter Ausweg oder bei schweren Erkrankungen sollten Sie Hilfe bei der Chemie und der Chirurgie suchen.

Für diejenigen von Ihnen, die gut sehen können oder sogar noch besser als gut, ist es jetzt gleichwohl an der Zeit, einfache Gewohnheiten in ihr Leben zu integrieren, die sicherzustellen, dass Ihr außergewöhnlich gutes Sehvermögen so lange wie möglich erhalten bleibt. Mein Traum ist, dass wir alle ein Leben lang gut sehen …

Meir Schneider

*

Liste der für das Übungsprogramm benötigten Materialien

• Vier Blätter dunkles Bastelpapier mit folgenden vier Formaten: 5 x 5 cm, 5 x 12,5 cm, 5 x 17,5 cm und 5 x 22,5 cm

• Abdeckband

• Tennisbälle (mindestens zwei)

• Abdeckbrille (beschrieben in Schritt 8, Seite 85 ff.) *

• Rote und grüne Brillengläser *

• Roter Stift (Filzstift oder Füller)

• Weißes Kopierpapier

• Kleine Taschenlampe mit roter Glühbirne (oder mit weißer Birne, die rot überklebt wird)

• Rote und grüne Spielkarten (optional)*

• Sehprobentafeln zur Verwendung aus 3 m und 6 m Entfernung (in diesem Buch abgedruckt)

• Blinklichter (wenn an einem gravierenden Sehverlust gearbeitet werden soll)*

• Phosphoreszierender (im Dunkelnder leuchtender) Ball

• Schnur mit aufgefädelten Perlen*

• Optional: Lochbrille (Rasterbrille)

* Die mit * gekennzeichneten Gegenstände können Sie sich – wie alle übrigen – zu Hause besorgen oder aus geeignetem Material, das Sie finden, selbst herstellen. Sie können sie aber auch bei der School for Self-Healing bestellen: www.self-healing.org

Einführung

Dieses Buch sollte zunächst unter dem Titel Von der Blindheit zum Sehen veröffentlicht werden, weil ich blind geboren wurde, mir aber mit jahrelangen Bemühungen und Forschungen das Sehen selbst beigebracht habe. Heute kann ich – dank dieses Wunders – lesen, schreiben und sogar Auto fahren.

Die Idee hinter dem ursprünglichen Titel war, dass meine scheinbar wundersame Entwicklung von der Blindheit zum Sehen den Leserinnen und Lesern signalisieren sollte, dass dieses Buch Möglichkeiten aufzeigt, die jeder nutzen kann, um sein Sehvermögen zu verbessern, unabhängig von seiner aktuellen Situation.

Allerdings wird es sich bei den Leserinnen und Lesern dieses Buches wohl überwiegend nicht um Personen handeln, die – wie es bei mir der Fall war – offiziell für blind erklärt worden sind. Es dürften vielmehr Menschen sein, die an allen möglichen Punkten auf dem Kontinuum des Sehvermögens anzusiedeln sind. Darunter sind sicher auch einige mit „perfektem“ Sehvermögen, die dieses erhalten oder sogar noch verbessern möchten. Der erste Titel klang zwar dramatisch, ich wollte jedoch sichergehen, dass das Buch nicht fälschlicherweise für ein Handbuch gehalten würde, das nur für Blinde oder Personen mit einer schweren Sehschwäche bestimmt ist. Deshalb habe ich von der aufsehenerregenden ursprünglichen Idee Abstand genommen und einen anderen Titel gesucht.


Mein kalifornischer Führerschein

Dennoch bleibt meine persönliche Erfahrung, die ich mit der Überwindung meiner Blindheit gemacht habe, das Kernstück dieses Buches. Jedem, der bezweifelt, dass eine Verbesserung seines Sehvermögens möglich ist, mag meine Geschichte als hoffnungsvolles Beispiel dienen. Deshalb war es mir wichtig, hier wenigstens kurz zu beschreiben, wie es zu diesem Wandel kam. Eine detailliertere Schilderung meiner Lebensgeschichte ist in meinem früheren Buch Movement for Self-Healing zu finden, das sowohl die physischen Schwierigkeiten, mit denen ich konfrontiert war, chronologisch darstellt, wie auch die lange Folge von Schritten, Entdeckungen und Übungen, die ich gemacht habe, um meine Blindheit zu überwinden.

Im vorliegenden Buch möchte ich den Prozess mit einer stärkeren Betonung der psychologischen Aspekte zusammenfassen. Denn die emotionalen und geistigen Herausforderungen waren in diesem Prozess des Sehenlernens von zentraler Bedeutung.

Die Haupthindernisse, mit denen Sie konfrontiert sein werden – ob Sie nun offiziell blind sind oder die Adleraugen eines Kampfjet-Piloten haben –, werden vergleichbar mit denen sein, denen ich mich gegenübersah, auch wenn sich unsere Lebensumstände wahrscheinlich deutlich unterscheiden. Die entscheidende Herausforderung für Sie besteht darin, sich in die Pflicht zu nehmen und die nötige Zeit zu investieren, um Ihr Sehvermögen zu verbessern und Ihre Welt zu erweitern.

Für mich war es schon schwierig genug, das in den 1970er-Jahren in Israel zu schaffen, trotz des glühenden Wunsches und der inneren Motivation, mich von meiner Blindheit zu befreien. Den Leserinnen und Lesern in unserer modernen, hektischen Zeit mag ein solcher Zeitaufwand unmöglich erscheinen. Wenn Sie sich dennoch in die Pflicht nehmen und die nötige Zeit investieren, kann sich dies in zweierlei Hinsicht in außergewöhnlicher Weise auszahlen: Sie verbessern Ihr Sehvermögen und öffnen Ihr Leben für ganz neue Facetten.

Befreien Sie sich von der Fessel stressiger Routine. Die Menge an Zeit und Engagement, die ich aufgebracht habe, um mein Sehvermögen zu verbessern, war schon extrem im Vergleich zu dem, was bei den meisten Menschen erforderlich ist. Aber genau das ist der Punkt. Widmen Sie diesen Übungen so viel Zeit wie möglich und vergessen Sie nicht – auch wenn Ihr Leben hektisch ist und Sie viel beschäftigt sind –, dass es von größter Bedeutung ist, Ihrem Sehvermögen höchste Priorität einzuräumen.

KAPITEL 1

Wie ich mich selbst von meiner Blindheit heilte

Geboren bin ich unter schwierigen Umständen in der damals noch stalinistischen Sowjetunion. Mein Vater ging illegalen Geschäften nach, indem er Fotos für Kirchen machte und druckte. Diese Arbeit hätte dazu führen können, dass er für 20 Jahre nach Sibirien geschickt wurde. Darüber hinaus waren meine Eltern beide taub.

Meine Großeltern väterlicherseits waren dagegen, dass ein weiteres Kind in die Familie kam. Es war mein Großvater väterlicherseits, der als Erster feststellte, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmte. Bei einer ärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass ich mit Grauem Star geboren war. Viele Menschen entwickeln zwar später im Leben Grauen Star, aber nur sehr wenige werden damit geboren. Ich war praktisch blind geboren.


Mein Vater Abraham, meine Mutter Eda und ich im Alter von fünf Jahren, als ich noch so gut wie nichts sehen konnte

Auf der Suche nach einem besseren Leben für uns alle beschloss meine Familie, aus der Sowjetunion zu fliehen und sich in dem neuen Land Israel niederzulassen. In dieser Zeit der Umsiedlung und Umstellung wurden an meinen Augen fünf Operationen durchgeführt. Die erste in Polen, auf unserem Weg nach Westeuropa, verlief erfolglos. Die übrigen alle in Israel durchgeführten Operationen hatten meine Linsen bis zu dem Punkt vernarbt, dass 99 Prozent der Linsen aus Narbengewebe bestanden, das effektiv verhinderte, dass Licht durchdringen konnte. Infolgedessen wurde mir vom Staat Israel ein Blindenausweis ausgestellt und die meisten Menschen in meiner Umgebung hatten sich damit abgefunden, dass ich nie würde sehen können.


Der Blindenausweis, mit dem ich vom Staat Israel für dauerhaft blind erklärt wurde

Als Kind las ich nur Braille-Schrift, obwohl ich eine normale Schule mit nicht sehbehinderten Kindern besuchte. Wegen dieser Situation litt ich viel unter Einsamkeit und Isolation. Was machst du, wenn du blind bist und von Kindern umgeben bist, die normal sehen können, während deine (tauben) Eltern sich hauptsächlich mit einer Zeichensprache verständigen, die du nicht sehen kannst …?

Mein Vater, der sich sehr für das aktuelle Zeitgeschehen interessierte, wollte oft, dass ich Radio hörte und ihm erklärte, was draußen in der Welt passierte. Er wollte, dass ich Nachrichten hörte und sie für ihn wiederholte, was mich zunächst irritierte. Ich verstand nicht, warum er immer meinen Kopf hob, wenn ich ihm zu erzählen versuchte, was ich gehört hatte. Später wusste ich, dass er das tat, weil er mir von den Lippen ablesen wollte. Aber wie sollte ich wissen, dass Lippenlesen so wichtig war, wenn ich gar nicht sehen konnte, wie sich die Lippen bewegten?! Diese tragikomische Situation charakterisiert treffend die frühen Jahre meiner Kindheit. Ich war von Verwirrung und Frustration umgeben und davon, dass meine Eltern immer zu kämpfen hatten, um im Alltag zurecht- und über die Runden zu kommen. Ich lernte aber auch, dass es viele Wege gab, um die Herausforderungen zu überwinden, mit denen Menschen durch ihre Lebensumstände konfrontiert werden.

Mir war klar, dass meine Eltern mich liebten. Dennoch war unser Leben von Angst und Unsicherheit geprägt, nachdem wir den Repressionen in der Sowjetunion entflohen waren, um in den jungen Staat Israel zu ziehen, der vom Krieg verwüstet war. Wegen ihrer Taubheit konnten meine Eltern kein Hebräisch lernen, das so ganz anders als das Russisch war, das sie vorher gesprochen hatten. Darüber hinaus verloren meine Großeltern mütterlicherseits das Geld, das sie aus der Sowjetunion mitgebracht hatten, durch schlechte Investitionen in Israel. Bei alledem glaubte meine Großmutter dennoch unerschütterlich an mich und fand Wege und Möglichkeiten, mir zu helfen. Sie blieb nach den Operationen bei mir am Krankenbett, als ich traumatisiert und verunsichert war, weil ich viele andere Kinder um mich herum weinen hörte.

Andere Mitglieder meiner Familie waren der Meinung, dass ich die Sozialfürsorge in Anspruch nehmen solle. Ich hatte zwar kein Problem damit, meine Familie um Geld zu bitten, aber irgendwie wollte ich es nicht vom Staat annehmen. Diese Einstellung entsprang einem tiefen Instinkt, dessen Ursprung ich erst später verstand, als ich reifer wurde. Ein Mensch, der staatliche Unterstützung erhält (was bei vielen Behinderungen der Fall ist), läuft leicht Gefahr, ein schlechtes Selbstbild zu entwickeln und sich als bedürftig oder bemitleidenswert zu sehen; das kommt automatisch, ob es einem gefällt oder nicht. Greift man aber nicht auf diese Unterstützung zurück, bekommt man ein stärkeres Selbstbild und ist gezwungen, eigenständig zu werden.


Ab der siebten Klasse war ich der schnellste Braille-Leser in Israel.

Ich war fest entschlossen, dass ich nicht als Blinder stigmatisiert werden wollte. Dieser Entschluss war der Beginn meines Wandels und einer Veränderung, ohne die ich nicht dahin gekommen wäre, wo ich heute bin. Als Reaktion auf den Mangel an Sicherheit und die Ungewissheit, die die frühen Jahre in meinem Leben prägten, entwickelte ich ein Gefühl der Entschlossenheit und Selbstverpflichtung. Andere Kinder wollten oft nicht mit mir spielen. Auf Partys wollten die Mädchen nicht mit mir tanzen. Manchmal fühlte ich mich einsam. Ich begriff aber, dass die Wahl bei mir lag, ob ich depressiv oder glücklich war.

So flüchtete ich mich in meine Braille-Bücher. Mit meinen Büchern war ich in einer anderen Welt und las stundenlang. Selbst wenn meine Mutter sagte: „Zeit zu schlafen, Licht aus“, versteckte ich die Bücher einfach unter meinem Bett. Unsere Wände waren zwar dünn, aber sobald das Licht aus war und ich wusste, dass sie mich nicht mehr sehen konnte, zog ich meine Bücher wieder hervor und las weiter.

Jedes Mal, wenn wieder neue Braille-Bücher auf dem Postamt eintrafen, eilte ich dorthin, um sie abzuholen. Die Bücher waren riesig. Es muss schon ein wundersames Bild gewesen sein, das ich abgab – ein kleines Kind, das einen sehr großen Schulranzen auf dem Rücken trug, der an den Schultern festgeschnallt war, dazu eine Braille-Schreibmaschine unter den einen Arm geklemmt und eine Tasche voller Braille-Bücher unter den anderen. Mehr als einmal fiel die Schreibmaschine zu Boden und war beschädigt und wir mussten dann die Reparaturkosten bezahlen. Mein Vater ärgerte sich immer über den hohen Preis und ich fühlte mich schuldig, weil ich die Schreibmaschine fallen gelassen hatte.

Langsam, aber sicher, bauten sich meine Muskeln auf. Viele, die mir in jener Zeit begegneten, meinten, es sei zu viel, was ich zu heben und zu schleppen hatte. Aber genau dieses viele Heben und Schleppen formte in vieler Hinsicht meinen Charakter. Ich stellte mir vor, dass irgendetwas mich eines Tages von meiner Blindheit befreien würde, und ich handelte danach: Ich ging aus eigenem Antrieb von einem Arzt zum anderen.

Ich kämpfte gegen den Unmut oder die Ressentiments der anderen Kinder in der Schule, die der Meinung waren, ich bekäme zu viel Sonderbehandlung. Es ärgerte sie, dass sie mir erklären mussten, was an der Tafel stand. Und mir ging es genauso! Ich wollte die Tafel mit eigenen Augen sehen können. Ich wollte allein, ohne fremde Hilfe arbeiten. Ich hatte sogar Lehrer, die gemein zu mir waren, weil ihnen mein Verhalten nicht passte. Sie glaubten, ein blindes Kind habe unterwürfig und passiv zu sein – was ich nie war und wahrscheinlich nie sein würde.

Ich wünschte mir verzweifelt, von meinem Zustand befreit zu werden. Aber alle Ärzte erklärten mir, daran könne man nichts ändern, die Blindheit werde mich mein Leben lang begleiten und mein Sehvermögen werde nie mehr als ein halbes Prozent ohne Brille und nicht mehr als vier oder fünf Prozent mit Brille betragen. Sie sagten, ich solle das Augenlicht annehmen, das ich hatte, und damit zufrieden sein. Das waren schöne Worte, aber mir halfen sie nicht.

Wie ich die Bates-Methode für mich entdeckte

Mein Vater war offensichtlich verärgert darüber, dass seine Taubheit einer erfolgreichen Laufbahn in seinem Leben im Weg stand, und er machte daraus keinen Hehl. Meine Mutter fühlte sich ebenfalls von der hörenden Umwelt herabgesetzt. Die Vorurteile und Benachteiligungen, die sie erlebt hatten, waren mir bewusst und doch glaubte ich, dass eine glänzende Zukunft vor mir lag, auch wenn ich nicht wusste, wie sie aussehen würde.

Dann lernte ich eines Tages einen anderen kleinen Jungen namens Jacob kennen, der die Highschool abgebrochen hatte. Er zeigte mir Augenübungen, die auf der sogenannten Bates-Methode beruhten [ein Augentraining, entwickelt von dem amerikanischen Augenarzt William H. Bates, 1860–1931; Anmerkung d. Verlags]. Ich lernte die Augenübungen und begann gewissenhaft, damit zu arbeiten.

Zu meinem Erstaunen kamen von den Autoritätsfiguren, die es in meinem Leben gab, mehr Beschwerden denn je, als ich die Bates-Methode praktizierte und Verbesserungen erzielte. Dazu müssen Sie wissen, dass ein Teil meiner Übungen darin bestand, von einem Detail zum anderen zu schauen; der Zweck dieser Übung war, mein Gehirn daran zu hindern, dass es bequem und „faul“ wurde. Aber meine Erdkundelehrerin regte sich darüber auf, wenn ich die Augen zwischen den Glocken neben der Tafel hin und her wandern ließ und mir während des Unterrichts Details anschaute. Sie ging deswegen sogar zum stellvertretenden Direktor. Der hörte mich zum Glück jedoch an und erklärte ihr dann, dass die Übungen mir helfen könnten und nicht meine Fähigkeit beeinträchtigten, ihr im Unterricht zuzuhören.

Mein Bibelstundenlehrer regte sich auf, wenn wir mit der Klasse auf dem Schulhof saßen und Bibelverse lasen, dass ich die Augen schloss und mein Gesicht der Sonne entgegenhielt, während ich den Kopf von einer Seite zur anderen neigte. Wenn ich in die Sonne schaute, verengten sich meine Pupillen; bewegte ich den Kopf zur Seite, erweiterten sie sich. Der Lehrer sagte, es störe ihn, wenn ich ständig den Kopf von einer Seite zur anderen neigte, obwohl er einräumen musste, dass ich aufmerksam zuhörte und alles mitbekam, was er sagte. Dennoch meinte er, ich solle aufhören, meine Augen zu „sonnen“, weil es ihn störe – auch wenn ich der beste Schüler in der Klasse sei.

Trotz dieser Reaktionen machte ich meine Übungen beharrlich weiter. Meine Netzhaut begann, auf Licht zu reagieren, und das gab mir den Anstoß, die dicke, schwere, dunkle Brille abzusetzen, die die Welt für mich trüber gemacht hatte.

Meine Mutter regte sich darüber auf, dass ich zehn Mal am Tag aufs Hausdach hinaufstieg, um meine Augen zu sonnen. Sie sagte: „Du verdrückst dich ständig von deinen Hausaufgaben.“ Dann regte sie sich darüber auf, dass ich drei Stunden am Tag da saß, um zu palmieren – eine Übung, die meine Augen ausruhen ließ und verhinderte, dass sie sich ständig willkürlich bewegten.

Kurz, ich traf auf so viel Widerstand bei dem, was ich tat, dass ich nicht einmal wusste, dass es möglich war, zu versuchen, eine Veränderung herbeizuführen, ohne Widerständen zu begegnen. Wenn du bei allen auf Widerstand stößt, ist es nicht nur schwierig, die Übungen zu machen, sondern auch mit der Tatsache umzugehen, dass deine Familie, Freunde, Lehrer und sogar Nachbarn etwas gegen deine Bemühungen haben. Dennoch hielt ich beharrlich daran fest.


Mit dieser Brille konnte ich die größten Buchstaben auf der Sehprobentafel aus einer Entfernung von 1,50 m (20/800) lesen.

Innerhalb von drei Monaten war ich in der Lage, Druckbuchstaben zu sehen. Und zwar nicht mit 38 Dioptrien, was der Linse bei einem Mikroskop entspricht, sondern mit 20 Dioptrien – nur ein sehr dickes Brillenglas. Innerhalb von sechs Monaten waren die Kopfschmerzen verschwunden, die mich bis dahin mein ganzes Leben lang geplagt hatten.

Innerhalb eines Jahres, nachdem ich angefangen hatte, die Bates-Methode zu praktizieren, konnte ich normale Buchstaben sehen. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich die Übung des „Sonnenbadens“ für die Augen auf dem Hausdach machte und scharf konturierte schwarze Buchstaben sah, die auf weißem Papier gedruckt waren. Ich hielt mir das Papier an die Nasenspitze. Zum allerersten Mal in meinem Leben konnte ich im Alter von 17,5 Jahren ein gedrucktes Wort ohne Vergrößerung sehen. Dieser Erfolg kostete mich eine so gewaltige Anstrengung, dass ich mich übergeben musste. Danach „sonnte“ ich mich wieder und palmierte und übergab mich erneut, bis ich einen weiteren Buchstaben sah, dann noch einen weiteren.

Bald hörte ich laute Stimmen, die miteinander stritten. Es waren die Nachbarn unter uns, die sich gegenseitig beschuldigten, die „Schweinerei“ an den Fenstern verursacht zu haben. Ich hatte nicht gemerkt, dass ich jedes Mal, wenn ich mich übergab, das über ihren Fenstern gemacht hatte. Also ging ich zu ihnen hinunter und erklärte ihnen, was passiert war. Statt wütend auf mich zu sein, waren sie über meine Ehrlichkeit erstaunt. Ich hätte das, was ich geschafft hatte, ignorieren können, tat es aber nicht. Ich war stolz darauf, dass ich endlich einen Buchstaben sehen konnte. Ich verfeinerte und verbesserte das Verfahren und konnte nach drei Monaten mehrere Buchstaben sehen, wenn ich sie mir direkt vor die Nase hielt.

Von da an arbeitete ich kontinuierlich weiter. Die Menschen, die mich kannten und mich sahen, waren überrascht, dass ich die Straße tatsächlich sehen konnte, statt den Weg nur zu ertasten. Während ich sie bisher nie erkannt hatte, begann ich jetzt, ihre Gesichter zu erkennen. Eine Nachbarin war tatsächlich ganz durcheinander, dass ich sie erkennen konnte! „Stimmt hier etwas nicht?“ fragte sie. „Du bist doch der Blinde aus der Nachbarschaft. Wieso kannst du uns sehen? Was hast du gemacht? Was ist los?“ Es war erstaunlich. Ich hatte ihr das Gefühl der Sicherheit genommen, dass sie immer wusste, was in der Nachbarschaft los war. Es war fast, als ob sie das Gefühl hätte, die Welt, die sie bisher kannte, sei ihr weggenommen worden: Da war das blinde Kind, das plötzlich jeden anschaute und tatsächlich sah! Ich war Widerstände gewöhnt, aber jetzt angenehm überrascht von den ersten Bewunderungsbekundungen, die ich erhielt.

Mein Eifer hielt an. Ich schaute von Detail zu Detail. Mein Umfeld akzeptierte schließlich, dass ich sehen und andere Personen erkennen konnte, sodass sich mein Status bald veränderte: von jemandem, der fast blind war, zu jemandem, der fast sehen konnte. Ich arbeitete weiter, trotz der Tatsache, dass ich nur langsam Fortschritte machte.

Ein Meilenstein war, als Jacob, mein Freund und Mentor auf dem Weg zur Verbesserung meines Sehvermögens, mir erklärte, dass ich keine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) mehr habe. Fragen Sie mich nicht, wie er das erkannte, aber als ich zur Augenärztin in der städtischen Klinik ging, war sie regelrecht schockiert. Sie sagte zu mir: „Ich weiß nicht, wie das gekommen ist, aber Sie brauchen die Zylinder bei Ihren Brillengläsern nicht mehr, um die Hornhautverkrümmung zu korrigieren, weil Sie keine Hornhautverkrümmung mehr haben!“ Mich überraschte es nicht, dies zu hören.

Es war in dieser Zeit, als ich auch etwas über die Verbindung zwischen der Gesundheit meiner Augen und der Gesundheit meines übrigen Körpers lernte. Eine Freundin, Miriam, Bibliothekarin, brachte mir eine Reihe von Übungen zur Verbesserung meiner körperlichen Verfassung bei. Ich begann, Bewegungstechniken zu üben, und lernte, dass Bewegung Leben bedeutet. Wann immer Möglichkeiten durch irgendwelche Umstände versperrt sind, gibt es immer andere Möglichkeiten, die einem helfen, weiter zu kommen. Aus eigener Erfahrung habe ich gelernt, dass der menschliche Körper in der Lage ist, sich zu verbessern und sich selbst zu heilen. Wir vergessen, dass wir das Potenzial haben, unser Sehvermögen zu verbessern. Die Welt ist so sehr von dem Märchen überzeugt, dass schlechtes Augenlicht sich nicht bessern könne – schon gar nicht in einem Fall wie meinem –, dass es schwer ist, sich vorzustellen, dass eine Geschichte wie die meine wahr ist. Ich habe die konventionelle Auffassung widerlegt und die Kraft heilsamer Übungen aufgezeigt.


Wir vergessen leicht, dass wir das Potenzial haben, unser Sehvermögen zu verbessern.

Ich bin Miriam und Jacob dankbar, dass sie mir Augenübungen und Formen der Körperbewegung beigebracht und mich ermutigt haben, diese Übungen mit anderen Menschen zu teilen. Ich habe Menschen kennengelernt, die körperliche Besserungen selbst bei schweren Leiden wie Kinderlähmung, Muskeldystrophie, Rückmarksverletzungen, Arthritis und Schlaganfällen erlebt haben.

Ich wusste, ich hatte meine Berufung gefunden, nämlich: anderen zu diesem Bewusstsein zu verhelfen. Die meisten Menschen glauben kaum an ihre eigenen heilenden Fähigkeiten. Ich hingegen glaube sehr an diese ihre Fähigkeiten, weil ich an meine eigenen Fähigkeiten glaube und wegen meines Erfolgs.

Es gibt zwei Möglichkeiten, zu beschreiben, wie Sie Verbesserungen erzielen können. Die eine ist, zu erklären, dass der Körper ein größeres funktionelles Potenzial hat, als die meisten Menschen in ihrem Leben je erfahren. Die andere ist, zu demonstrieren, wie dieses Potenzial mit Übungen erschlossen werden kann. Wann immer ich mit Menschen arbeite, demonstriere ich ihnen, dass sie mehr tun können, als sie denken. Wenn sie Schmerzen haben, bedeutet dies, ihnen zu helfen, sich durch den Schmerz nicht zu sehr einschränken zu lassen. Wenn sie verspannt sind, bedeutet dies, ihnen zunächst zu helfen, das ganze Ausmaß der Verspannung zu erkennen, und sie dann abzubauen.

Bei mir verlief der Prozess keineswegs reibungslos. Meine Augen pflegten sich 300 Mal in der Minute unwillkürlich zu bewegen, bis ich „palmieren“ lernte, das heißt: meine Hände gegeneinander zu reiben, sie dann sehr sanft über die Augenhöhlen zu legen und Dunkelheit zu visualisieren. Dadurch beruhigten und entspannten sich meine Augen. Irgendwie half es mir sogar in meiner Jugend, dass ich Eltern hatte, die taub waren. Ich konnte Rock-’n’-Roll-Musik laut aufdrehen und dabei entspannen. Trotz unserer dünnen Wände konnten meine Eltern es nicht hören! Wann immer ich diese Musik auflegte, legte ich mir sehr sanft die Hände über die Augenhöhlen, um sie zu entspannen. Innerhalb von drei Monaten ging die unwillkürliche Bewegung meiner Augen auf 60 Bewegungen pro Minute zurück. Dies war der Punkt, an dem meine Linse anfing, etwas aufzuklaren. Die zusätzliche Übung des Sonnenbadens wärmte meine Augen und begann, meine unregelmäßigen Pupillen zu aktivieren.


Meine Augen bewegten sich 300 Mal pro Minute unwillkürlich, bis ich palmieren lernte.

Man hätte zwar noch nicht sagen können, dass ich sehen konnte, aber ich lernte doch allmählich, hinzusehen, auch wenn es manchmal schmerzhaft war. Mein Braille-Lehrer hatte mir beigebracht, die Braille-Schrift zu fühlen und nicht auf die Seite zu schauen: „Um Gottes willen, nicht hinsehen, denn wenn du hinsiehst, verwirrst du nur deine Sinne. Du musst fühlen und nicht hinsehen.“ Diese Anweisung hatte ich so verinnerlicht, dass ich gelernt hatte, mein Leben zu leben, ohne irgendetwas anzusehen. Hinzusehen war nun ein neuer Befehl an mein Gehirn. Das Ergebnis war, dass ich zwar anfing, mehr zu sehen, aber meine Augen schmerzten. Palmieren und mich lange hinlegen, um mich auszuruhen, das half mir. Manchmal wollte ich auch gar nichts sehen, es war einfach zu viel. Dennoch übte ich auch weiterhin, hinzusehen.

Als ich in die Vereinigten Staaten kam, lernte ich einige Menschen kennen, die sich sehr für meine Arbeit interessierten. Sie boten mir an, mir dabei behilflich zu sein, anderen meine Methoden beizubringen und sie zu trainieren. Es war etwas Neues für mich, dass es Menschen gab, die sich für meine Erfahrungen begeisterten. Ich lernte, wie man Einzelne unterrichtete – Miriam riet mir immer, dass ich nur mit Einzelpersonen arbeiten sollte – und wie man eine ganze Klasse so unterrichtete, dass jeder Einzelne dabei lernte, wie er an sich selbst arbeiten konnte. Und ich lernte dabei, dass die größte Schwierigkeit für die meisten darin besteht, dass sie nicht glauben, sie könnten die Zeit finden, die notwendig ist, um an sich zu arbeiten. Die meisten denken, sie hätten viel zu viel zu tun. Andere sind ungeduldig und nicht bereit, die Zeit und Mühe zu investieren, die notwendig sind, um ihren Geist und ihren Körper zur Ruhe kommen zu lassen und zu entspannen.

Ich bringe ihnen bei, wie sie diese Übungen in ihre übliche alltägliche Routine integrieren können. Ich bringe ihnen bei, dass Details anzusehen etwas ist, wozu sie sich seit Langem nicht mehr motiviert fühlen, dass die Makula – der zentrale Bereich der Netzhaut – jedoch dadurch stimuliert wird, wenn man es tut, und dass die Makuladegeneration verhindert werden kann. Ich bringe ihnen bei, dass ein entspannter Nacken beim Sitzen wichtig ist und dass sich die „Investition“ lohnt, mit dem Kopf kreisende Bewegungen zu machen, bevor man sich in einen Sessel setzt. Ich bringe ihnen bei, dass sie, wenn sie an ihrem Computer sitzen, von Zeit zu Zeit in die Ferne blicken sollten, damit ihre Augen sich erholen können. Das sind einfache Gewohnheiten, die leicht in das alltägliche Leben zu integrieren sind.

Meine eigenen Kinder wurden beide mit Grauem Star geboren. Das war traumatisch für mich und ihre Mutter, da wir aus Erfahrung wussten, welchen Kampf sie vor sich haben würden. Im Alter von zwei Wochen wurden sie am Grauen Star operiert, sodass sich der fürs Sehen zuständige Bereich des Gehirns, der visuelle Kortex (Sehrinde), normal entwickeln konnte. Das war in meiner Jugendzeit noch unbekannt. Da ihre Operationen erfolgreich verlaufen waren, hatten sie nicht unter den Vernarbungen zu leiden, die mir zu schaffen gemacht hatten, als ich klein war. Mithilfe der Techniken, die Sie in diesem Buch finden, hat sich ihr Sehvermögen enorm verbessert. In ihrer ganzen Kindheit und Jugend haben meine Kinder immer wieder ihr stärkeres Auge abgedeckt und mit dem schwächeren Auge Objekte angeschaut, um die Belastung zu reduzieren, die entsteht, wenn ansonsten allein das stärkere Auge für das Sehen zuständig ist.

Mein Sohn, der das Herz und das Gemüt eines Künstlers hat, ist in vieler Hinsicht oft in seiner eigenen Welt. Während er in seiner Welt ist, betrachtet er aber mit großem Interesse Details. Dank seiner starken Beobachtungsgabe und seiner Liebe zum Detail sieht er vieles, was andere nicht sehen. Er hat das beste Sehvermögen eines Kindes entwickelt, das je mit Grauem Star geboren wurde. Er hat jetzt eine Sehschärfe von 20/40 ohne Brille. Das sind 80 Prozent einer Sehkraft von 20/20 ohne seine natürlichen Linsen. Jeder andere hätte ohne die natürliche Linse des Auges eine Sehkraft von 20/400 (5 Prozent des normalen Sehvermögens). Mit Brille hat er eine Sehschärfe von 20/15. Die meisten anderen Kinder, die mit Grauem Star geboren und erfolgreich operiert wurden, haben mit wesentlich dickeren Brillengläsern eine Sehkraft von 20/80 oder 20/100; eine Sehkraft von 20/40 ist einmalig für jemanden, der keine natürliche Linse besitzt.

Meine Tochter hat auch viele Phasen der Veränderung durchgemacht. Wir haben in unserem Wohnzimmer viel miteinander gespielt, wobei sie ihr stärkeres Auge abdeckte, wenn sie mit mir Ball spielte, und ihr schwächeres Auge nutzte. Zu verfolgen, wie der Ball auf sie zurollte und wegrollte, machte bei ihr einen gewaltigen Unterschied, sodass sich ihr Sehvermögen stark verbesserte.

Im Alter von zwölf Jahren entwickelte sie erhöhten Augendruck. Die Ärzte wollten ihr sofort Augentropfen geben, um den Druck zu reduzieren. Wir lehnten diesen ärztlichen Rat jedoch ab, da wir überzeugt waren, dass die Tropfen schaden könnten. Stattdessen arbeitete ich mit ihr und trotz ihres unglaublich vollen Stundenplans auf der Mittelschule und der Highschool mit vielen außerschulischen Aktivitäten fand sie Zeit, um an ihrem peripheren Sehen zu arbeiten; dadurch reduzierte sich ihr Augendruck. Sie fand auch Zeit, um an ihrem Nacken zu arbeiten. Sie ging zu Akupunkteuren und Homöopathen, machte Vitamintherapien und ging zur Massage, um ihre Verspannungen in Rücken und Nacken abzubauen. Ich brachte ihr bei, wie sie auf unterschiedlichste Weise ihren ganzen Körper entspannen konnte, um für bessere Durchblutung des Kopfes zu sorgen. Ihr Druck reduzierte sich enorm.

Es war ein langer, harter und mühseliger Prozess, mit Höhen und Tiefen, aber er funktionierte. Bei hohem Augendruck neigen manche Menschen dazu, Grünen Star (Glaukom) zu entwickeln, wodurch der Sehnerv geschädigt und das Gesichtsfeld verkleinert wird. Somit war der Erfolg, den wir bei ihr erzielten, ein Teilerfolg, aber gut; sie hat eine Sehkraft von 20/20. Sie neigt zwar zu hohem Augendruck, ihr Sehnerv ist aber sehr gesund und ihr Gesichtsfeld ausgezeichnet.

*

Durch diese Erfahrungen, die ich an mir selbst, mit meinen Kindern und mit Tausenden von Patienten und Schülern gemacht habe, mit denen ich arbeitete, bin ich wirklich zu der Überzeugung gelangt, dass Menschen ihr Sehvermögen verbessern und die Zeit dafür finden können, egal, ob sie in der Schule oder am Arbeitsplatz sind.

Ein Computertechniker, der einmal an einem Kurs von mir teilnahm, konnte während des Kurses seine Sehkraft von 20/200 auf 20/80 verbessern. Er konnte innerhalb von acht Monaten seine verordnete Gläserstärke um die Hälfte reduzieren, von 7 Dioptrien auf 3,5 Dioptrien. Zum ersten Mal in seinem Erwachsenenleben hatte er keine Probleme, ohne Brille Auto zu fahren, und das war Jahre später, als er in den Vierzigern war, immer noch so.

Wir alle können uns die Zeit dafür nehmen. Wir brauchen nur zu beschließen, dass wir die Zeit wert sind und der Aufwand dafür sich lohnt. Wir sollten uns bemühen, Augenübungen mit unserem alltäglichen Leben zu kombinieren. Dann können wir Erfolg haben und einen großen Gewinn daraus ziehen. Dann können wir hervorragende Ergebnisse erzielen. Stellen Sie sich vor, Sie bräuchten sich nie mehr größeren Behandlungen beim Augenarzt zu unterziehen. Stellen Sie sich Ihr Leben ohne Grauen Star, ohne Makuladegeneration, Grünen Star oder Netzhautablösung vor. Stellen Sie sich vor, dass Sie Ihr Leben einfach dadurch verbessern könnten, dass Sie Ihre Augen mehr aktivierten.

Der älteste Mensch, mit dem ich bisher gearbeitet habe, war 101 Jahre alt. Dieser Patient erlebte große Veränderungen und schaffte es, besser zu sehen und auch seine Gehirn- und Augenfunktionen um einiges zu verbessern, sogar nach nur einer Sitzung. Er war einer von nur zwei Patienten im Alter von mehr als 100 Jahren, mit denen ich gearbeitet habe, daher kann ich nur diese Beispiele anführen. Erfolg hatte ich bei beiden. Ich habe auch mit mehreren Patienten von über 80 und 90 Jahren gearbeitet und durch die Arbeit mit diesen Übungen enorm positive Veränderungen in ihrem visuellen System erlebt.

Ich habe keinen Zweifel, dass Sie die Funktion Ihrer Augen verändern können, egal, ob Sie 20,30,40,50,60,70 Jahre oder darüber sind. Ihr Gehirn verfügt über genügend Elastizität, um dies zu unterstützen. Das Problem ist nicht das Alter als solches, sondern ob die betreffende Person die richtigen Übungen für ihr Alter macht oder nicht. Für ein fünfjähriges Kind ist es vielleicht einfacher, sich daran zu gewöhnen, mit dem schwächeren Auge zu arbeiten, indem es vier oder acht Stunden am Tag beim Spielen eine Augenklappe trägt. Und die Plastizität des Gehirns ist mit fünf Jahren natürlich größer als mit 75. Es gibt jedoch gute, altersgerechte Übungen, die Sie zu jedem Zeitpunkt in Ihrem Leben machen können und die Ihr visuelles System völlig verändern können.

KAPITEL 2

Zehn Schritte zu besserem Sehen

Wenn Sie Ihr Sehvermögen hegen und pflegen, werden Sie nicht nur besser sehen können, sondern sich auch besser fühlen und die Gesundheit Ihres ganzen Körpers positiv beeinflussen. Zusätzlich zu denjenigen Übungen, die darauf abzielen, bestimmte schwerere Störungen und Erkrankungen zu bekämpfen (vgl. Kapitel 4 ff.), habe ich zehn grundlegende und wirkungsvolle Schritte für jedermann entwickelt, die Sie perfekt in Ihr alltägliches Leben integrieren können. Diese Übungen beruhen auf meinen sieben Prinzipien für gesundes Sehen.

• Tiefe Entspannung

• Anpassung an die Lichtfrequenzen

• Details ansehen

• In die Ferne blicken

• Das periphere Sehen erweitern

• Ausgewogene Beanspruchung beider Augen

• Augen-Körper-Koordination

Das sind die wesentlichen Prinzipien für gesundes Sehen. Mit beharrlichem Praktizieren der Augenübungen dieses Kapitels können Sie sie realisieren.

Schritt 1: Der „Große Schwung“

Meine Begegnungen mit Alan werde ich nie vergessen. Alan war ein junger Frankokanadier und Banker; er war nach einem Meeting in seiner Bank auf dem Nachhauseweg am Lenkrad seines Wagens eingeschlafen und hatte sich drei Tage später auf einer Intensivstation wiedergefunden. Als er aufwachte, hatte man seine Stirn durch Platin ersetzt. Er hatte sein gesamtes Sehvermögen verloren. Der Sehnerv seines linken Auges war zerstört, zudem auch der größte Teil des Sehnervs seines rechten Auges. Aber von dem Nervengewebe war etwas übrig geblieben, sodass Alan feststellte, dass er nach wie vor über eine gewisse visuelle Wahrnehmung verfügte.

Die Ärzte waren allerdings der Meinung, dass die 4 Prozent, die ihm von seinem potenziell funktionsfähigen Sehnerv geblieben waren, nicht genug seien, um in gewisses Sehvermögen wiederzuerlangen. Alan hörte von meinem Buch The Handbook of Self Healing. Darin schlage ich vor, dass Menschen, die blind sind, anfangen, mit Blinklichtern in einem dunklen Raum zu arbeiten. Alan experimentierte mit den Techniken in diesem Buch und natürlich wurde das Wenige, das von dem Sehnerv geblieben war, wieder reaktiviert. Er rief mich in San Francisco an und kam bald für eine Reihe von Therapiesitzungen zu mir. Als er hereinkam, hielt seine Freundin ihn an der Hand, um ihn in das Behandlungszimmer zu führen, da er die meisten Gegenstände nicht sehen konnte. Sein Gehirn wusste nicht, wie es das wenige übrig gebliebene gesunde Nervengewebe in seinem rechte Auge nutzen sollte.

In unseren ersten Sitzungen machten wir eine Übung, die als der Große Schwung bezeichnet wird [nach William H. Bates]. Als er diese Übung ausführte, sagte er: „Ich nehme zwölf Gegenstände wahr, die ich vorher in dem Raum noch nicht bemerkt habe.“ Innerhalb von Minuten verbesserte sich sein Orientierungssinn noch mehr. Als die Sitzungsreihe abgeschlossen war, musste er nicht mehr herumgeführt werden. Der Große Schwung ist eine sogenannte integrative Übung. Sie ermöglichte Alan, ein gewisses Raumgefühl zu entwickeln.

Die Übung des Großen Schwungs entwickelt ein Gefühl der Fluidität, fließender Übergänge in der Sinneswahrnehmung, und der Flexibilität, das es Ihnen ermöglicht, Details leichter anzusehen, sich den Lichtverhältnissen leichter anzupassen und sich neue, lebendigere Sehgewohnheiten anzugewöhnen.

Wie Sie den Großen Schwung ausführen sollten

• Stellen Sie sich mit leicht gegrätschten Beinen und leicht gebeugten Knien hin. Halten Sie einen Zeigefinger im Abstand von etwa 30 cm vor Ihrem Gesicht hoch, sodass die Fingerspitze zur Decke zeigt. Schauen Sie mit weichem, entspanntem Blick auf Ihren Finger. Wenn Sie blind sind oder selbst mit einer Sehhilfe sehr schlecht sehen können, können Sie Zeige- und Mittelfinger zusammennehmen und anschauen.

• Während Sie auf Ihre(n) Finger schauen, schwingen Sie Ihren Körper um seine senkrechte Achse von einer Seite zur anderen. Wenn Sie nach rechts schwingen, drehen Sie den Körper so weit, dass Ihre linke Ferse sich leicht vom Boden abhebt. Drehen Sie den Körper nach links, so hebt sich Ihre rechte Ferse leicht vom Boden ab.

• Wenn Ihre Hand müde wird, können Sie die gleiche Übung mit der anderen Hand beziehungsweise mit dem anderen Zeigefinger machen. Führen Sie die Schwünge nach rechts und links 20 Mal hintereinander aus.

Sie werden feststellen, dass Sie dabei das Gefühl haben, dass sich im Hintergrund alles in die entgegengesetzte Richtung zu Ihrem Finger zu bewegen scheint – ähnlich wie die Landschaft, die an Ihnen vorüberzieht, wenn Sie in einem fahrenden Zug aus dem Fenster schauen. Lassen Sie sich von dem Gefühl der Entspannung ergreifen, das sich einstellt, wenn Sie den Fokus nicht konzentriert auf einen bestimmten Gegenstand richten müssen. Sie bewegen sich nach rechts und die Welt bewegt sich nach links … Sie bewegen sich nach links und Welt bewegt sich nach rechts …


(a) Der Große Schwung, Vorderansicht; das Auge auf den Finger gerichtet halten!

(b) Der Große Schwung, Profilansicht von rechts.

(c) Der Große Schwung, Profilansicht von links.

• Als Nächstes halten Sie Ihren Finger waagerecht vor Ihr Gesicht. Dann bewegen Sie den Finger nach oben und unten, wobei Sie den Kopf vertikal zusammen mit dem Finger bewegen. Achten Sie darauf, dass Sie weiterhin einen weichen Blick beibehalten. Wenn Sie sich nach oben bewegen, scheint sich im Hintergrund alles nach unten zu bewegen. Neigen Sie sich nach unten, scheint sich alles andere nach oben zu bewegen …

• Sodann halten Sie den Finger wieder vor sich hoch wie bei der ersten Beschreibung der Übung (– der Finger zeigt zur Decke). Aber dieses Mal beugen Sie sich, wenn Sie nach einer Seite schwingen, in der Hüfte vor und „fegen“ mit dem Arm in einem Halbkreis nach unten, bis auf Kniehöhe. Den Kopf senken Sie nicht tiefer als bis zu den Knien, setzen den Schwung aber so weit fort, bis Ihr Arm voll ausgestreckt ist und Sie zu Ihrem Finger hochblicken. Diese Übung dürfte Ihre Augen weiter entspannen.

• Der nächste Schritt ist sehr wichtig: Nun visualisieren wir den Großen Schwung. Wir schließen unsere Augen und machen die Bewegung mit unserem Körper und stellen uns vor unserem geistigen Auge vor, dass die Welt vor unseren Augen rückwärts und vorwärts schwingt. Alles, was Sie visualisieren, bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Bewegen Sie sich nach rechts, so bewegt sich die Umgebung nach links … Bewegen Sie sich nach links, dann bewegt sich die ganze Welt nach rechts … Erinnern Sie sich daran, wie Sie das vorher bei Objekten gesehen haben. Dann öffnen Sie die Augen und setzen die Übung fort.

Wenn Sie auf diese Weise schauen, verhindern Sie damit, dass Sie „erstarren“. Es wird einfacher, Details anzusehen, und wesentlich leichter, zu blinzeln [das heißt: den natürlichen Lidschlussreflex des Auges zu nutzen]. Vergessen Sie nicht, zu blinzeln. Blinzeln hilft Ihnen, sich zu entspannen.

Als ich anfing, an meinem eigenen Sehvermögen zu arbeiten, litten meine Augen an einem ständigen Augenzittern (Nystagmus), einer ständigen unwillkürlichen schnellen Bewegung der Augen, verursacht durch die ständige Überanstrengung des Auges, da es ständig versuchte, die Welt zu sehen, aber ohne jeden Erfolg. Ich machte die Übung des Großen Schwungs etwa 40 Minuten pro Tag, mit dem Ergebnis, dass das unwillkürliche Flattern der Augen unverzüglich nachließ. Ich hatte das Gefühl, dass mehr Licht in meine Augen gelangte. Im Hintergrund begannen Details aufzutauchen und als ich anfing, Details anzusehen, wie Fenster oder Bücher in Regalen, wurden sie nach und nach immer klarer. Der Große Schwung bewirkte, dass mein Gehirn auf neue Übungen vorbereitet wurde.

Wenn Sie die anderen Übungen in diesem Buch machen und danach anschließend jeweils den Großen Schwung, werden Sie die Übungen besser aufnehmen. Denn der Große Schwung verringert Anspannungen und Steifheiten im Gehirn, zusätzlich zu dem Effekt, dass er uns darauf vorbereitet, neue Sehtechniken zu lernen und davon zu profitieren.

Ich werde nie die Zeit vergessen, als ich mit meinem Sehlehrer Jacob, der damals erst 16 Jahre alt war, durch die Straßen von Tel Aviv ging. Jacob hielt mich dazu an, eine Gebäudefassade voller Fenster anzuschauen. In den Ecken der Fenster konnte ich winzige, verschwommene schwarze Quadrate sehen, bei denen es sich, wie ich später erkannte, um Fensterventilatoren handelte. Auf Jacobs Anweisung ließ ich den Blick vom Fenster zum Ventilator und dann wieder zurück wandern, immer wieder hin und zurück, einen ganzen Sommer lang, ohne zu verstehen, warum ich das tat. Langsam entwickelte sich dadurch, dass ich Fenster und Ventilatoren anschaute, also die Muster von Quadraten anschaute, eine neue Gewohnheit bei mir, die Gewohnheit, zu schauen und nicht zu erstarren. Der Große Schwung half mir, mich auf diese Übung vorzubereiten, und reduzierte die Starrheit, die verhinderte, dass ich Details anschaute. Dadurch konnte das Übungsprogramm seine Wirkung entfalten.

Der Grund dafür, dass der Große Schwung als integrative Übung bezeichnet wird, ist, dass man damit den sonst gewohnten Stress hinter sich lässt. Bei Menschen, die dicke Brillengläser mit einem sehr spezifischen Brennpunkt tragen, werden die Augen oft so strapaziert, dass es sehr schwierig für sie ist, die Welt vital zu sehen. Sie schauen, ohne Details zu sehen, zum Teil aus Erschöpfung und zum Teil aus Gewohnheit, die sie durch die Überanstrengung beim Sehen entwickelt haben. Der Große Schwung löst diese Anspannung auf. Bei dieser Übung können Sie nicht starren; durch die Bewegung gelangt mehr Licht in Ihr Auge und deshalb müssen Sie sich nicht anstrengen, um Ihr Gehirn neu zu programmieren.

Die Übung des Großen Schwungs wird Ihnen auch helfen, Ihr peripheres Sehen und einen besseren Orientierungssinn zu entwickeln. Sie brauchen nicht 40 Minuten am Stück zu schwingen. Schon 2 Minuten mit 20 Schwüngen können helfen, lockerer zu werden. Betrachten Sie diese Übung sozusagen als Aufwärmen vor dem Training.

Schritt 2: In die Ferne schauen

Es ist kein Zufall, dass unsere Sehschule am Strand liegt. Wir brauchten allerdings fünf Jahre, um die Behörden und verschiedene Anwohnergruppen davon zu überzeugen, sodass wir uns in diesem Wohngebiet niederlassen konnten. Der Grund, warum dieser Standort für uns so ideal ist: Dort können wir täglich die Wellen anschauen und ihre glitzernde Schönheit bei unserer Arbeit nutzen. Sie glänzen in der Sonne und haben unterschiedliche Farben, selbst im Nebel. Man kann hier fast immer Wellen sehen, auch wenn es draußen grau ist. Deshalb meine Empfehlung:


Der Standort unserer Schule ist so ideal, weil wir täglich die Wellen anschauen und ihre glitzernde Schönheit bei unserer Arbeit nutzen können.

• Schauen auch Sie sich nach Möglichkeit Wellen an. Oder schauen Sie den Himmel an. Schauen Sie sich Wolken an. Schauen Sie sich Hügel und Täler an!

• Wenn Sie nicht am Strand wohnen, schauen Sie aus Ihrem Fenster auf die vielen anderen Gebäude.

Beim Nahsehen (wenn Sie beispielsweise auf den Bildschirm starren), strengen Sie unwissentlich Ihre Augen an. Die Ziliarmuskeln ziehen sich zusammen und dadurch verändert sich die Form Ihrer Linse, sie ist dann nicht mehr flach, sondern rund. Schauen Sie hingegen in die Ferne, entspannen sich die Ziliarmuskeln und der Aufhängeapparat hält die Linse flach und flexibler.

Die Überanstrengung der Augen ist in unserem Kulturkreis für viele Menschen zur Normalität geworden, da sie viel am Computer, vor dem Fernseher oder vor Büchern sitzen. Sie achten auf die Inhalte vor ihren Augen und nicht auf ihre Augen selbst; das führt dazu, dass diese überanstrengt werden. Nahsehen bewirkt, dass Sie sich anstrengen. Mit Langeweile etwas anzusehen bewirkt, dass Sie sich anstrengen. Wenn Sie weiter am Computer arbeiten oder sich die Fernsehsendung weiter anschauen oder das Buch weiter lesen, überanstrengen Sie Ihre Augen – selbst wenn Sie sich der Anstrengung bewusst sind. Also:

• Achten Sie darauf, dass Ihr Gesicht entspannt ist und Ihr Kiefer nicht verkrampft und angespannt ist. Lassen Sie den Augen zwischendurch freien Lauf, damit sie sich ausruhen und erholen können. Wenn es möglich ist, reservieren Sie sich ein paar Stunden, in denen Sie keiner Arbeit nachgehen, die mit Nahsehen verbunden ist. Selbst wenn Sie unter Termindruck stehen und mit der Zeit kämpfen, um einen Termin einzuhalten, tun Sie sich einen Gefallen und nehmen Sie sich zehn Minuten, um Ihre Augen ausruhen zu lassen: indem Sie die Augen in die Ferne schweifen lassen. Sehen Sie sich beispielsweise die Bewegungen der Wellen oder die dahinziehenden Wolken an. Schauen Sie in die Ferne!

• Wenn Sie in die Ferne blicken, sollte die Entfernung nie weniger als 35 m betragen; sie müssen weit genug in die Ferne blicken, damit Ihre Augen sich vom Nahsehen erholen können. Denn wenn Sie in die Ferne schauen, müssen Ihre Augen sich nicht auf einen Punkt fokussieren; Sie können einen Punkt, den Sie vor Augen haben, flüchtig überfliegen oder auf verschiedene Bereiche innerhalb dieser Stelle schauen. Vergessen Sie nicht, zu blinzeln, und vermeiden Sie es, sich beim Sehen anzustrengen. Sollte der Punkt in der Ferne verschwommen sein, so lassen Sie ihn verschwommen sein.

• Schauen Sie jeden Tag mindestens zehn Minuten in die Ferne. Falls Sie Sehhilfen tragen, seien Sie mutig: Nehmen Sie Ihre Kontaktlinsen heraus, oder legen Sie die Brille ab und lassen Sie Ihre Augen den frischen Wind genießen.

In San Francisco kam eine Studentin zu mir und meinte nach zweieinhalb Wochen, in denen Sie ihre Kontaktlinsen nicht getragen hatte, sie fühle sich gut dabei, weil es guttue, wenn der Wind über die Augen streiche. Wenn Sie sich dies zur Gewohnheit machen, verringern Sie Ihre Abhängigkeit von Brillen und Kontaktlinsen und stärken nach und nach Ihr visuelles System.

Vorbeugung gegen den Grauen Star

Wenn Sie dieses einfache Konzept an andere weitergeben können, tragen Sie dazu bei, dass es zu einer „Revolution“ in der Welt kommt, da Sie damit dazu beitragen, dem ansonsten vorhersehbaren Grauen Star vorzubeugen. Die meisten Ärzte sind inzwischen der Meinung, dass die meisten Menschen früher oder später Grauen Star entwickeln. In die Ferne schauen hilft, dem Grauen Star vorzubeugen, weil die Linse dadurch ihre volle Beweglichkeit behält und aktiviert wird, lebendiger wird.

Mir ist klar, dass Sie, selbst wenn Sie diese Übung jeden Tag machen, wahrscheinlich nicht so viel in die Ferne schauen können, wie Sie durch die Erfordernisse des Lebens nah sehen müssen. Dennoch, wenn Sie drei Mal am Tag acht bis zehn Minuten lang in die Ferne sehen, können Ihre Augen wenigstens ausruhen und die Belastung ausgleichen, die durch das Nahsehen entsteht.

Schritt 3: Die Peripherie erkunden

Beim zentralen Sehen ist es unmöglich, Ihre Augen zu belasten, wenn Sie daran denken, sich gleichzeitig auf das periphere Sehen zu konzentrieren. In unserer Kultur ist es gang und gäbe, Teile des Auges zu vernachlässigen, die uns ansonsten helfen würden, auf natürliche Weise gut zu sehen. Unbewusst blenden wir bestimmte Bereiche aus. Wir blenden die Peripherie aus, weil wir sie als irrelevant für unser Leben betrachten. Während wir uns auf Objekte direkt vor uns konzentrieren, schenken wir dem, was uns um herum ist, einfach keine Beachtung. Demgegenüber mussten unsere Vorfahren ihrer Umwelt sehr wohl Beachtung schenken: Im Dschungel würde man nicht länger als eine Woche überleben, ohne die Peripherie zu beachten. Man würde gefressen oder verhungern, wenn man nicht darauf achten würde, was um einen herum geschieht.

Heutzutage ignorieren wir das periphere Sehen jedoch, damit wir uns den ganzen Tag auf unsere Computer oder Papiere konzentrieren können, ohne durch unsere Umgebung abgelenkt zu werden. Wir sind bemüht, uns auf die jeweils anstehende Aufgabe zu konzentrieren, und dürfen uns von eventueller Unruhe um uns herum nicht ablenken lassen. Wenn wir die Peripherie jedoch nicht wahrnehmen, erhöht sich dadurch die Belastung für unser zentrales Sehen erheblich, was mit der Zeit dazu führt, dass wir es schlecht nutzen. Das Ergebnis ist, dass wir uns beim zentralen Sehen anstrengen; damit nimmt die Klarheit des Sehens ab und geht schließlich verloren. Hier bewahrheitet sich das alte Sprichwort, das besagt: „Wer rastet, der rostet.“ Mit der Zeit geht die Verbindung zwischen unserem Gehirn, unserem Sehnerv und den Stäbchenzellen des peripheren Sehens verloren. Zusammen mit einer eventuellen genetischen Prädisposition kann dies zur Ursache für Grünen Star (Glaukom) werden. Wir sollten also gleich damit beginnen, unser peripheres Sehen zu trainieren.

Wie Sie feststellen, welches Ihr stärkeres Auge ist

Bei etwa 20 Prozent der Menschen, die ich getroffen habe, war zwischen beiden Augen kein Unterschied in der Sehstärke feststellbar. Bei den meisten Menschen aber ist die Sehstärke der Augen sehr unterschiedlich. Bei einigen ist das eine Auge das stärkere beim Weitsehen und das andere ist stärker beim Nah sehen.

Sofern bei Ihnen ein extremer Unterschied zwischen beiden Augen besteht, ist Ihnen das wahrscheinlich bereits bekannt. Sie wissen vielleicht, welches Auge mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen stärker korrigiert werden muss. Sollten Sie nicht sicher sein, welches Auge das dominante ist, können Sie es selbst testen.

Um herauszufinden, welches Auge beim Weitsehen das dominante ist, machen Sie eine lockere Faust und lassen in der Mitte der Faust ein bleistiftgroßes Loch, wie bei einem Teleskop. Halten Sie die Faust etwa 30 cm entfernt vor Ihr Gesicht. (Bei Menschen, die schlecht sehen, kann der Abstand kleiner sein, und bei denen, die scharf sehen, kann er größer sein.) Blicken Sie dann mit beiden Augen gleichzeitig durch das Loch in Ihrer Faust auf irgendeinen entfernten Punkt. Nun schließen Sie ein Auge, um zu sehen, ob dieser Punkt verschwindet. Ist beispielsweise Ihr linkes Auge das stärkere, dann sehen Sie das Objekt noch durch Ihre Faust, wenn Sie das rechte Auge schließen. Schließen Sie das linke Auge, dann sehen Sie das Objekt nicht (und umgekehrt). So erkennen Sie, welches Auge stärker ist.

Um festzustellen, welches Auge beim Nahsehen das dominante ist, schauen Sie auf eine Seite in diesem Buch. Schauen Sie auf die kleinsten Buchstaben, die Sie sehen können, und dann schließen Sie abwechselnd jeweils ein Auge. Das Auge, das die kleinen Buchstaben besser sehen kann, ist beim Nahsehen Ihr stärkeres Auge. (Falls Sie es selbst nicht feststellen können, sollten Sie einen Optiker um Hilfe bitten.)


Auch so können Sie herausfinden, welches Ihr dominantes Auge ist.

Übung 1 für peripheres Sehen: In die Ferne schauen

• Setzen Sie sich irgendwo bequem hin, wo Sie in der Ferne etwas sehen können, was Sie sich gerne anschauen. Während Sie in die Ferne blicken, beginnen Sie, beidseitig von Ihrem Kopf mit den Händen zu winken, um Ihre Augen darauf aufmerksam zu machen, dass es eine Peripherie gibt. Schauen Sie nicht auf Ihre winkenden Hände, sondern nur in die Ferne. Lassen Sie Ihre Augen dabei aber die Bewegung der Hände erkennen.

• Winken Sie so mit den Händen, dass Ihre Finger auf Sie gerichtet und Ihre Handgelenke locker sind. Machen Sie dies ein oder zwei Minuten lang. Während Sie das tun, werden Sie merken, wie Ihre Augen ihre Anspannung verlieren; diese Entspannung der Augen ist für gesundes Sehen äußerst wichtig.


William aktiviert durch das Winken mit seinen Händen das periphere Sehen, während er in die Ferne blickt.

Übung 2 für peripheres Sehen: Zettel auf die Nase kleben

• Schneiden Sie ein kleines Stück undurchsichtiges Papier aus (etwa 2,5 x 5 cm groß), das Sie sich dann quer auf den Nasenrücken kleben, sodass Ihre Augen halb verdeckt sind. Dadurch wird Ihr Blickfeld zum Teil eingeschränkt.

• Gehen Sie ein oder zwei Minuten lang mit diesem Papier auf der Nase in einer vertrauten Umgebung umher. Dann setzen Sie sich hin und winken, wie vorher, beidseitig von Ihrem Kopf mit den Händen. Stehen Sie auf und setzen Sie sich wieder hin, wobei Sie den ganzen Körper aufwärts und abwärts bewegen, während Sie gleichzeitig seitlich mit den Händen winken; wiederholen Sie das mehrmals. Indem Sie das tun, zeigen Sie Ihrem Gehirn, dass eine Peripherie existiert, die sich bewegt, zu der es aber normalerweise keine Verbindung hat.


William benutzt das kleine Stück Papier, um sein zentrales Sehen zu blockieren, während er sein peripheres Sehen aktiviert.

In der Vergangenheit war es üblich, dass Menschen nachts zu Fuß unterwegs waren, manchmal in völliger Dunkelheit und manchmal im Licht der Sterne und des Mondes. Stellen Sie sich vor, wie wichtig es für sie war, Dinge zu bemerken, die sich nachts in ihrer Peripherie bewegten! Über Millionen von Jahren hin pflegten unsere Vorfahren so unterwegs zu sein. Heute sind unsere Städte nachts hell erleuchtet und unsere Zellen für peripheres Sehen werden kaum noch in Anspruch genommen; sie sind ja hauptsächlich zum Nachtsehen bestimmt.

Wenn wir seitlich mit den Händen winken, werden die für unser peripheres Sehen zuständigen Zellen aktiviert, weil die Stäbchen der Netzhaut eher auf Bewegung als auf reglose Bilder reagieren; umgekehrt reagieren die Zäpfchen besser auf ein regloses Bild. Diese Zäpfchen befinden sich hauptsächlich im zentralen Teil der Netzhaut (der Makula) und werden genutzt, um Details anzusehen. Die Netzhaut verfügt über unermesslich viele Stäbchen, die hauptsächlich auf Bewegungseindrücke reagieren. Wenn wir diese Stäbchen trainieren, nehmen wir den „überarbeiteten“ Zäpfchen viel Stress und machen es ihnen leichter, korrekt zu funktionieren. Statt dass das Gehirn das Auge zwingt, zu erstarren und angestrengt auf einen Bildausschnitt zu blicken, befiehlt das Gehirn dem Auge, unangestrengt und ungezwungen zu schauen, um die ganze Landschaft besser zu sehen.


(a) William blockiert sein zentrales Sehen noch mehr.

(b) Während er winkt, beugt er sich vorwärts und rückwärts, um an der Peripherie noch mehr Bewegung entstehen zu lassen.

• Als Nächstes nehmen Sie ein größeres Stück Papier (2,5 x 13 cm), das Sie auf dem Nasenrücken befestigen, und wiederholen diese Übung. Danach nehmen Sie ein Stück Papier, das 2,5 x 18 cm groß ist. Indem Sie so viel von Ihrem zentralen Sehfeld blockieren (und sogar noch etwas von Ihrem peripheren Sehfeld), werden Sie eine Peripherie entdecken, die Sie kaum jemals bewusst nutzen. Dann greifen Sie wieder auf das mittelgroße Papier zurück und wiederholen die Übung.

• Schließlich nehmen Sie das kleine Stück Papier und wiederholen die Übung ein letztes Mal. Dabei stellen Sie möglicherweise fest, dass das kleine Stück in Ihrer Wahrnehmung jetzt noch kleiner zu sein scheint. Das ist so, weil Teile des Auges und des Gehirns, die vorher ausgeblendet waren, jetzt für das periphere Sehen aktiviert worden sind.

• Abschließend nehmen Sie das kleine Stück Papier weg, stellen sich hin und machen den Großen Schwung, damit Ihr Gehirn die Übung verinnerlicht, die Sie gerade gemacht haben.

Schritt 4: Sonnenbaden und in den Himmel schauen
Sonnenbaden

Für unser Wohlbefinden insgesamt kann es eine große Wirkung haben, wenn wir uns jeden Tag kurz in die Sonne begeben.

Seit den 1980er-Jahren warnen Ärzte uns vor den Gefahren des Sonnenbadens. Inzwischen haben auch sie begriffen, welche nutzbringenden Effekte Sonnenlicht hat, und empfehlen, dass wir täglich ein wenig in die Sonne gehen sollten. Wichtig ist jedoch, Ihre Augen allmählich an das starke Licht der Sonne zu gewöhnen. Sonnenbaden ist eine großartige Übung für diesen Zweck, da es für die Augen entspannend ist und Ihnen auch bei Ihrem Schlaf helfen kann.

Ich hatte einmal eine Patientin, die über fürchterliche Schlaf -losigkeit klagte. Sie hatte seit vielen Nächten nicht geschlafen und war enorm verspannt. Ich brachte ihr die Übung des Sonnenbadens bei und massierte sie in der Sonne. Nach der ersten Sitzung ging sie nach Hause und schlief die ganze Nacht durch; nachdem sie in unserer Sehschule nur drei weitere Sitzungen gehabt hatte, berichtete sie, dass sie inzwischen viel besser schlafe. Das war vor einigen Jahren. Sie praktiziert weiterhin die Technik des Sonnenbadens und hat keinen Schlafentzug mehr erlebt.

Ärzte raten heute, dass wir uns der Sonne am besten vor 10 Uhr morgens und nach 17 Uhr am Nachmittag aussetzen sollten. Meiner Meinung nach sollten wir uns aber manchmal auch mittags der Sonne aussetzen. Sofern Sie empfindlich gegenüber Sonnenlicht sind, sollten Sie damit beginnen, dass Sie die Übung des Sonnenbadens früh am Morgen oder kurz vor der Abenddämmerung machen – oder mitten am Tag nur für fünf Minuten:


(a) Bewegen Sie den Kopf von einer Schulter zur anderen im Kreis.

(b) Wenn Sie das Gesicht in die Sonne halten, zieht der Musculus sphincter pupillae die Pupillen zusammen.

(c) Beugen Sie die andere Schulter leicht nach vorn, wenn Ihr Nacken nicht so beweglich ist wie bei dieser Yogaschülerin.

• Um mit dem Sonnenbaden zu beginnen, schließen Sie einfach die Augen und wenden das Gesicht der Sonne zu. Nun bewegen Sie den Kopf von einer Seite zur anderen, indem sie ihn von einer Schulter zur anderen im Kreis bewegen. Wenn Sie Ihr Gesicht in die Sonne halten, zieht der Musculus sphincter pupillae die Pupillen zusammen. Wenn Sie den Kopf zu einer Schulter hin bewegen, erweitern die radialen Muskelfasern des Musculus dilator pupillae die Pupillen, obwohl Ihre Augen geschlossen sind.

• Manchen fällt es leicht, den Kopf um 180 Grad von Schulter zu Schulter zu bewegen. Sollte Ihnen der volle Bewegungsablauf schwerfallen, so beugen Sie die andere Schulter leicht nach vorne; dies wird Ihnen helfen, den Kopf ganz bis zur Seite zu bewegen und den begrenzten Bewegungsradius zu kompensieren, bis Sie lockerer geworden sind. Je öfter Sie diese Übung machen, desto größer werden Ihr Bewegungsradius und Ihre Beweglichkeit.

• Die Bewegungen sollten nicht schnell, aber auch nicht langsam sein: einfach entspannen, langsam tief ein- und ausatmen und visualisieren, dass die Sonne mit ihrer Energie und ihrem Licht in Ihr Gesicht eindringt und Ihren Augen wie auch Ihrem Geist guttut. Ihre Augenlider sollten sanft geschlossen sein – nicht zugekniffen. Sie sollten die Augenlider so sanft schließen, als wären Sie dabei, einzuschlafen. Je weniger Sie Ihre Augenlider zusammenkneifen, desto entspannter werden Ihre Augen.

Als ich auf der Highschool war, habe ich diese Übung des Sonnens auf einem Campingausflug gemacht. Als ein Mädchen sah, wie ich den Kopf nach hinten und nach vorne im Kreis bewegte, fragte es: „Warum sagst du immer nein? Kannst du nicht ja sagen?“ Also bewegte ich meinen Kopf auf und nieder, so, als ob ich nicken würde, um ja zu sagen, und machte eine Entdeckung: Ich bemerkte, dass diese Bewegung zu einer noch größeren Abwechslung in den Winkelstellungen führte, in denen Licht meine Augen erreichte, sodass noch mehr Teile der Augen aufgeweckt und aktiviert wurden. Diese zusätzliche Übung ermöglichte eine stärkere Stimulation und eine erhöhte Sinneswahrnehmung von Helligkeit und Dunkelheit. Ich empfehle, diese zusätzliche Übung beim Sonnenbaden mit aufzunehmen.

Wann immer Sie diesen Unterschied zwischen den Extremen von dunkel und hell wahrnehmen, werden Ihre Pupillen stärker. Die Pupillen der meisten modernen Menschen sind sehr schwach, weil sie Sonnenbrillen tragen, wenn sie draußen sind; das schwächt die Pupillen. Automatische Aktivitäten wie die der Irismuskulatur des Auges, die die Pupillenweite reguliert, werden durch ihre Funktion und Inanspruchnahme beeinflusst. Je öfter Sie Ihre Pupillen verengen und erweitern, desto stärker werden die Irismuskeln. Darüber hinaus profitiert auch Ihre Netzhaut von mehr konzentriertem Licht und durch das Zusammenziehen und Erweitern der Pupillen verbessert sich die Durchblutung des Auges erheblich.

Die Übung des Sonnenbadens ist ein Muss für Menschen, die ihr Sehvermögen verbessern möchten. Wie bei jeder Übung führt auch diese nicht bei jedem zu einer drastischen Veränderung. Aber etliche meiner Klienten haben eine enorme Verbesserung ihres Sehvermögens erlebt und konnten die Gläserstärken ihrer Brillen reduzieren, nachdem sie diese Übung des Sonnenbadens gewissenhaft gemacht hatten. Wenn Sie bei der Arbeit oder in der Schule eine Pause haben, empfehle ich Ihnen, sich lieber zu sonnen als eine Zigarette zu rauchen oder Kaffee zu trinken.

In den Himmel schauen

• In den Himmel schauen ist eine einfache Übung. Sie ist vergleichbar mit dem Sonnenbaden, aber Sie machen diese Übung als Alternative, wenn keine Sonne scheint. Sie legen dazu einfach eine Hand an den Hinterkopf und die andere auf Ihre Stirn, wobei Sie Druck ausüben, sodass Ihr Kopf massiert wird, wenn Sie ihn von einer Seite zur anderen drehen. Sie bewegen also Ihren Kopf von einer Seite zur anderen, als ob Sie sich sonnen würden, und blinzeln schnell mit den Augenlidern, während Sie in den Himmel schauen.


Üben Sie Druck auf den Kopf aus und behalten Sie dabei die Arme in der Ausgangsstellung, während Sie mit den Augenlidern in den Himmel blinzeln und nur den Kopf von einer Seite zur anderen drehen.

• Nachdem Sie so zwei Minuten lang in den Himmel geschaut haben, machen Sie eine Minute lang den Großen Schwung. Dann schauen Sie wieder drei Minuten in den Himmel und anschließend machen Sie zwei Minuten den Großen Schwung. Dann drei weitere Minuten in den Himmel schauen und zwei weitere Minuten den Großen Schwung ausführen. Dies ist eine „Anti-Blinzel-Übung“, denn wenn Sie auf diese Weise in den Himmel schauen und dann den Großen Schwung machen, lassen Sie mehr Licht in Ihre Augen und verringern die Neigung zu blinzeln.


Der Große Schwung und die Übung, in den Himmel zu schauen, gehen Hand in Hand.

Schritt 5: Nachtspaziergang

Der Nachtspaziergang und das Sonnenbaden sind einander ergänzende Übungen. Die Idee bei dieser Nachtübung ist, einfach nachts, also in der Dunkelheit, spazieren zu gehen und sich den Weg dabei nur vom Licht des Mondes und der Sterne zeigen zu lassen.

Die meisten von uns sind, selbst wenn wir außerhalb des Stadtzentrums leben, noch vom Schein der Lichter der Stadt umgeben. Diejenigen von uns, die in abgelegenen Gegenden wohnen, benutzen oft Taschenlampen oder Ähnliches. Wir alle haben gelernt, mit künstlichem Licht zu leben, aber sobald man der ständigen Beleuchtung einmal eine Zeit lang völlig entkommt, merkt man, wie sehr die Lichter der Stadt die Augen belasten. Ja, wir sind froh, sie zu haben, weil sie die Straßen erleuchten, uns sicher machen und auch noch nach Sonnenuntergang Aktivitäten ermöglichen. Aber wie wertvoll diese Lichter für unsere Sicherheit und für die Industrie auch sein mögen – wir dürfen nicht vergessen, dass dieses ständige Licht für unsere Augen nicht vorteilhaft ist. Aus diesem Grund müssen wir Übungen wie den Nachtspaziergang machen, die unsere Augen stärken und die Belastung durch die Beleuchtung der Stadt kompensieren.

Bei jedem längeren Augenkurs, den ich durchführe, nutzen wir einen Abend, um zusammen im Dunkeln spazieren zu gehen. Es ist sehr angenehm für uns alle, an Orten wie Parks spazieren zu gehen, wo es keine künstliche Beleuchtung gibt. Natürlich kann es gefährlich sein, im Dunkeln spazieren zu gehen, egal, ob Sie in der Stadt oder auf dem Land leben, deshalb empfehle ich, bei solchen Nachtspaziergängen eine Gruppe von Freunden dazu zu bewegen, zusammen spazieren zu gehen.

In der Dunkelheit der Nacht dauert es nur drei bis vier Minuten, bis sich die Pupillen auf das Neunfache der normalen Größe erweitern, die sie bei Tageslicht haben. Es dauert etwa 40 Minuten, um die Stäbchen der Netzhaut zu aktivieren, die Bewegungen und die Peripherie wahrnehmen. Und nachdem Sie nachts etwa 50 Minuten spazieren gegangen sind, nutzen Sie schließlich das volle Potenzial Ihrer Augen.

Nachtspaziergänge sind eine sehr gute Gelegenheit, auch alle anderen Übungen zu versuchen, die Sie lernen. Nachdem Sie einen schönen, sicheren Ort gefunden haben, wo Sie nachts spazieren gehen können, machen Sie sich auf den Weg und erkunden Sie die vielen nutzbringenden Effekte dieser Übung. Bei dem Spaziergang halten Sie gelegentlich an und machen die Übung des Großen Schwungs. Nehmen Sie sich die Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, und lassen Sie Ihr Gehirn die Änderung begreifen, die es erlebt.

Palmieren (diese Übung wird im nächsten Abschnitt besprochen) ist eine weitere Übung, die als Ergänzung bei Nachtspaziergängen wunderbar funktioniert, weil sie es Ihren Augen ermöglicht, sich besser an die Dunkelheit zu gewöhnen. Nachdem Sie sich richtig daran gewöhnt haben, können Sie Übungen zu peripherem Sehen versuchen, wenn Sie sich in der Umgebung sicher fühlen. Kleben Sie sich ein kleines Stückchen Papier zwischen die Augen und winken Sie beidseitig des Kopfes mit den Händen, um das periphere Sehen zu aktivieren, während Sie gehen.

Bis Sie Ihren Nachtspaziergang beendet haben, werden Sie Ihre Augen aufgeweckt und aktiviert und Ihr Gehirn daran erinnert haben, wie es einst in primitiveren Zeiten funktionierte, bevor „Lichtverschmutzung“ ein Thema war. Deshalb sind Nachtspaziergänge, wenn es Ihnen ernst damit ist, Ihre Augen zu verbessern, eine effektive und vergnügliche Übung, die ich mindestens zwei Mal im Monat empfehlen würde, wenn das Wetter es erlaubt.

Schritt 6: Palmieren

Zunächst ein wichtiger Hinweis: Menschen mit Grünem Star sollten vor dem Palmieren zuerst die „Speziellen Anweisungen zum Palmieren bei Grünem Star“ in Kapitel 6 lesen – wegen der notwendigen Modifikationen bei dieser Übung.

Tibetische Yogis praktizieren das Palmieren seit mehr als 1500 Jahren. Diese Übung ist eine gute Ergänzung zu allen anderen Übungen, die Sie in diesem Buch erlernen.

Die meisten Menschen glauben, ihre Augen könnten sich zur Genüge ausruhen und erholen, während sie schlafen. Schlaf ist zwar sehr wichtig, aber viele Menschen leiden selbst bei ausreichendem Schlaf unter Augenermüdung. Es gibt einige Gründe, warum es dazu kommt. Ein Grund ist, dass wir in unserer modernen Zeit oft Geräusche oder Lärm um uns herum hören, während wir schlafen; selbst wenn wir uns dadurch nicht gestört fühlen, stört der Lärm unsere Ruhe auf einer unterbewussten Ebene. Der andere Grund, warum unsere Augen durch den Schlaf oft nicht ausreichend zur Ruhe kommen, ist der, dass viele Menschen in Räumen schlafen, die nicht völlig dunkel sind. Ich empfehle, Ihr Schlafzimmer so gut wie möglich abzudunkeln. Je dunkler der Raum, desto mehr werden Ihre Augen ausruhen. Wenn wir in völliger Dunkelheit schlafen, werden Hormone wie Melatonin produziert, die unseren Körper entspannen und uns zu einem tieferen und erfrischenderen Schlaf verhelfen.

Um einen wirklich zufrieden stellenden Schlaf zu haben, träumen wir sehr oft. Träume fördern unser Wohlbefinden – es ist, als würden sie den Tag wegwaschen. Träume ermöglichen zwar körperliche und mentale Entspannung, die schnellen Augenbewegungen (Sakkaden) während des Träumens lassen jedoch keine vollständige Entspannung der Augen zu.

Die größte Erholung ist eine bewusste Erholung, nicht eine passive Erholung. William Bates, der erste Begründer eines Augentrainings (in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts), verstand dieses Prinzip. Und die tibetischen Yogis, die die Kunst der Meditation beherrschen, verstehen dieses Konzept vielleicht noch besser als jeder andere. Wenn man meditiert, gelangt man in einen Zustand der transzendentalen Entspannung. Wie bei der Meditation hilft Palmieren uns, den Geist zu beruhigen und uns auf die Entspannung der Augen zu konzentrieren. Dies hat einen sehr starken Effekt.

Es gibt ein großartiges jüdisches Sprichwort, das besagt, die Wahrheit sei immer einfach, der Weg zur Wahrheit könne jedoch kompliziert oder schwierig sein.

Um korrekt zu palmieren und die nutzbringenden Wirkungen dieser Übung zu erzielen, sollten Sie sich als Erstes richtig darauf vorbereiten. Sie sollten entspannte Hände haben, weil dies eine Übung ist, bei der Ihre Hände Ihre Augen „nähren“. „Gesunde“ Hände, die ruhig und entspannt sind, können den Augen Wärme und Energie zuführen und für bessere Durchblutung sorgen; Sie können Ihren Augen jedoch unmöglich Energie zuführen, wenn Ihre Hände irgendwie fahrig, gereizt, taub oder gefühllos sind. Für entspannte Hände zu sorgen ist also notwendig, um den Nutzen aus dieser Übung ziehen zu können.

Die Vorbereitung auf das Palmieren

• Das Wichtigste beim Palmieren ist, dass Sie sich nicht gestresst fühlen. Ich empfehle daher, die Schläfen, das Gesicht, die Schultern und die Kopfhaut zu massieren, damit die Augen gut durchblutet werden und so entspannt wie möglich sind.

• Lockern Sie dazu Ihre Schultern. Bewegen Sie beide Schultern gleichzeitig in einer kreisenden Bewegung, vorwärts und rückwärts. Dann bewegen Sie abwechselnd jede Schulter einzeln in einer kreisenden Bewegung, vorwärts und rückwärts. Stellen Sie sich vor, dass die Schulterkuppe die Schulter bewegt. Tippen Sie mit der gegenüberliegenden Hand auf die Schulterkuppe und sagen Sie laut: „Schulterkuppe.“ Die kreisförmige Bewegung der Schultern fördert die Durchblutung; wenn Sie diese Übung mehrmals wiederholen, werden Ihre Schultern sich leichter anfühlen.

• Als Nächstes heben Sie einen Arm hoch und bewegen den ganzen Arm in einer kreisenden Bewegung, wobei Sie sich vorstellen, dass Ihre Fingerspitzen den Arm bewegen. Indem Sie sich auf Ihre Fingerspitzen konzentrieren, wird Ihr Körper auf natürliche Weise lockerer. Tippen Sie mit den Fingerspitzen gegen eine Wand und sagen Sie: „Fingerspitzen.“ Dann legen Sie die gegenüberliegende Hand auf Ihre Schulter und bewegen sie kreisförmig. Wiederholen Sie diese Abfolge von Bewegungen mit der anderen Schulter und Hand.


Zum Entspannen: (a) Die Schläfen massieren. (b) Die Wangenknochen massieren. (c) Die Kopfhaut massieren. (d) Den Nacken massieren.


(a)Mit beiden Schultern gleichzeitig kreisende Bewegungen machen, vorwärts und rückwärts. (b) Die Finger verschränken, die Arme strecken und die Arme kreisförmig bewegen.

Der Bereich zwischen den Schultern wird oft zusammengezogen und die Energie wird dort „eingeklemmt“ und blockiert, weil dieser Teil des Körpers nicht genügend bewegt wird. Die Folge ist ungenügende Durchblutung, dadurch werden die Hände nahezu eingefroren, zum Erstarren gebracht.

• Der nächste Schritt zur Vorbereitung auf das Palmieren besteht daher darin, die Finger 100 Mal zu öffnen und zu schließen und sich dabei vorzustellen, dass die Fingerspitzen diese Bewegung auslösen. Von Zeit zu Zeit tippen Sie mit den Fingerspitzen auf den gegenüberliegenden Unterarm. Dann massieren Sie Ihre Hände, vorwärts und rückwärts, wobei Sie so tun, als würden Sie sie mit Seife und Wasser waschen. Danach reiben Sie beide Handflächen aneinander, wobei Sie Ihre Fingerspitzen in einer kreisenden Bewegung rückwärts und vorwärts gegeneinander reiben.

Ergebnis dieser Übung ist, dass Ihre Finger warm und Ihre Hände locker werden. Die Wärme und die Entspannung Ihrer Hände ermöglichen es Ihnen jetzt, richtig und nutzbringend zu palmieren. Wenngleich es sehr wichtig ist, beim Palmieren entspannt zu sein, müssen diese Schulterübungen nicht jedes Mal gemacht werden. Was Sie indes als Minimum tun sollten, das ist, Ihre Handflächen aneinander zu reiben, um sie wärmen, dann die Finger zu verschränken, die Arme zu strecken und sie kreisförmig zu bewegen. Machen Sie mehrmals den vollen Bewegungsablauf in beide Richtungen, zuerst mit den Händen, indem Sie beide Handflächen gegeneinanderlegen, und dann mit den Handflächen nach außen. Je nachdem, wie viel Zeit zur Verfügung steht, können diese Entspannungsübungen zwei bis acht Minuten dauern.

Бесплатный фрагмент закончился.

1 433,67 ₽

Жанры и теги

Возрастное ограничение:
0+
Объем:
297 стр. 63 иллюстрации
ISBN:
9783954842872
Издатель:
Переводчик:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги