Читать книгу: «Geburt bewusst erleben»

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Maria Bettina Fillafer

GEBURT
BEWUSST
ERLEBEN

Wie du deine Schwangerschaft achtsam und selbstbestimmt gestaltest

Für Robert

Er hat mich ermutigt, unterstützt, beruhigt, bekocht, versorgt und umarmt.

Ohne ihn gäbe es dieses Buch nicht.

Für meinen Sohn Songhay

Er hat mich beschenkt, begleitet, gestärkt, geführt, inspiriert und mir vertraut.

Durch seine Geburt erkannte ich meine Berufung zur Hebamme.

Für meine Mutter Christine

Sie hat mich gepflegt, gefüttert, getröstet, gefördert, gefordert und an mich geglaubt.

In einer warmen Sommernacht hat sie mir das Leben geschenkt.

Dank an

Prim. Dr. Albert Knauder

Hebamme Larissa Fritz, BSc

Die Geburt eines Kindes gleicht einer Reise

Andere Umstände – Reiseführerin durch die Schwangerschaft

Biologische Aspekte

Ernährung und Bewegung

Künstlich empfangen – ein anderer Schwangerschaftsbeginn

Die wunderbare Welt des Kindes

Achtsam und selbstbestimmt körperlichem und emotionalem Stress begegnen

Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung

Geistiger Wachstumsprozess

Was nährt mich, wer stärkt mich? – eine Wohlfühlsammlung

Achtsame und selbstbestimmte Transformation – Reiseführerin durch die Geburtsvorbereitung

Lebenserfahrungen

Atmen

Bewegung

Achtsamkeit

Hypnobirthing

Affirmationen

Visualisierungen

Anker

Achtsame Tiefenarbeit

Intuition – Mutterinstinkt – Bauchgefühl

Hilfreiche Begleiterinnen

Naturkraft Geburt – Reiseführerin durch die Geburt

Die Geburt naht

Natürlich einleiten

Die Geburt beeinflussende Faktoren

Der Geburtsbeginn

Hingabe und Loslassen – die Eröffnungsphase

Die Kraft der Pause – die Übergangsphase

Kraft und Mut – die Austreibungsphase

Gebärhaltungen

Der Schmerz rund ums Gebären

Die Nachgeburt

Der Kaiserschnitt – ein guter Plan B

Negative Geburtserfahrungen

Eine Hebamme wird Mutter – ein besonderes Geburtserlebnis

Bonding – Liebe auf den ersten Blick

Literaturverzeichnis

Anhang

Verzeichnis der Übungen und Impulse

Stichwortverzeichnis

Meine Berufung …

Ein großer Zauber liegt in der Geburt eines Kindes. Wir können unzählige Erklärungen über dieses Ereignis abgeben, wir werden es in seiner Ganzheit nie begreifen.

Die Geburt eines Kindes gleicht einer Reise

Du packst deinen Klinikkoffer und bereitest dich auf eine der wichtigsten Erfahrungen deines Lebens vor. Du hast dir überlegt, mit welchem Fortbewegungsmittel du losfährst, und triffst Vorkehrungen, um abgesichert und gut begleitet zu sein. Du übst dich in Vertrauen und Gelassenheit, um mit den Herausforderungen auf diesem Weg umgehen zu können. Je näher der Termin rückt, umso mehr erfasst dich das Reisefieber. Freude und Sorgen wechseln einander ab. Du fragst dich, ob du schon bereit bist für ein so großes Abenteuer.

Eine der wesentlichsten menschlichen Eigenschaften ist unser angeborenes Bedürfnis nach Entwicklung. In der Zeit der Schwangerschaft wird das deutlicher sichtbar als in jeder anderen Lebensphase, du verfügst über ein enormes Wachstumspotenzial auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene. In wenigen Monaten entsteht aus einer Eizelle ein Kind und eine Frau reift zur Mutter.

Zwei wesentliche Reisebegleiterinnen, die Achtsamkeit und die Selbstbestimmtheit, erleichtern diese Lebensphase. Sie unterstützen dein körperliches Wohlbefinden und deinen Umgang mit starken Emotionen. Sie öffnen deinen Horizont und helfen dir, die Geburt bewusst zu erleben.

Wenn du schwanger bist, richtest du deine Antennen nach innen, du spürst dein Kind und achtest auf deine Empfindungen. Dieses Nach-innen-Lauschen führt zu einer Sensibilisierung der Sinne, die du durch eine regelmäßige und bewusste Wahrnehmung vertiefen kannst. Eine gezielte Praxis der Achtsamkeit fördert den Kontakt mit deinem Mutterinstinkt und deinem Bauchgefühl, sodass du deine Entscheidungen leichter auf einer selbstbestimmten Basis treffen kannst.

Die vorliegende Reiseführerin möchte dich ein Stück auf deinem Weg durch diese Zeit begleiten. Wichtige, oft gestellte Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt werden beantwortet und umfangreiche Möglichkeiten zur Vorbereitung dargestellt. Basierend auf meinen langjährigen Erfahrungen als Hebamme gebe ich Impulse, wie du dein natürliches Wachstumspotenzial am besten nützen kannst.

Das Thema Loslassen sowie menschliche Fähigkeiten wie Geduld, Mut und Hingabe als wesentliche Helferinnen unter den Wehen kommen ebenso zur Sprache wie die unfehlbaren Begleiterinnen Mutterinstinkt, Intuition und Bauchgefühl.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die »achtsame Tiefenarbeit«. Dieses eigene Geburtsvorbereitungskonzept habe ich über die letzten Jahrzehnte in meiner Auseinandersetzung mit Techniken des Hypnobirthing, der Achtsamkeitspraxis und zahlreichen anderen Methoden entwickelt. Es ist wie viele andere hier vorgestellte Bereiche mit einem weiteren zentralen Thema, dem Atem, der dir in diesem Buch immer wieder begegnen wird, eng verbunden.

Neben der natürlichen Geburt kommen auch Kaiserschnitt und tabuisierte Themen wie künstliche Befruchtung, Schmerz und negative Geburtserlebnisse zur Sprache. Der Austausch über diese Erfahrungen und ein konstruktiver Umgang damit sind wichtig, um sie ohne bitteren Nachgeschmack in die eigene Geburtsgeschichte integrieren zu können.

Zahlreiche Übungen und Impulse dienen der alltäglichen Praxis, deinem persönlichen Üben und der individuellen Vertiefung. Denn letztlich ist alles schon da: das innere Wissen ums Gebären und die tiefe Verbundenheit mit deinem Kind. Es wird durch achtsames Üben lediglich verfeinert und damit tragfähiger.

In diesem Sinne soll dir diese Reiseführerin liebevolle Begleiterin durch die einzigartige Zeit der Schwangerschaft und Geburt sein. Die Reise kann beginnen!

Im Moment des Schwangerwerdens begeben wir uns auf eine Reise in ein neues Abenteuer.

Andere Umstände – Reiseführerin durch die Schwangerschaft

Ein positiver Schwangerschaftstest gibt dem Leben eine neue Richtung, unabhängig davon, ob lange ersehnt oder unerwartet. Kaum eine Lebensphase verändert das Empfinden einer Frau tiefgreifender als die Zeit rund um die Geburt ihres Kindes. Es braucht ein Weilchen, bis sie sich mit den »anderen Umständen« vertraut gemacht hat. Ihr Körper fühlt sich anders an. Ihre emotionale Stimmungslage unterliegt ungewohnten hormonellen Schwankungen. Ihr Lebensschwerpunkt verlagert sich. Ihre Träume werden lebhafter. Unzählige Fragen tauchen auf. Die schwangere Frau beginnt ihre persönliche Landkarte durch den Dschungel der einströmenden Informationen zu zeichnen.

Biologische Aspekte
Der Anfang der Schwangerschaft

Alles Wunderbare, das sich in unserem Leben manifestiert, braucht Zeit und Ruhe zur Reifung. Der weibliche Körper weiß, was er tun muss, wenn sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Im Moment der Empfängnis beginnt ein intensiver Umbauprozess. Die Blutzirkulation des mütterlichen Körpers, zuständig für die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung, sowie der Energiefluss, der sich auf zahlreichen Meridianbahnen bewegt, ändern ihre Ausrichtung. Sie widmen sich dem Wachstum und der verbesserten Durchblutung der Gebärmutter. Die innere Aufmerksamkeit verlagert sich verstärkt in den Bauch und das Becken. Aus dem Zellknäuel entstehen ein neuer Mensch und sein lebenserhaltendes Organ, der Mutterkuchen. Dieser dient der Zufuhr und dem Abtransport nährender und verbrauchter Stoffe zwischen Mutter und Kind. In jeder Minute der Schwangerschaft geschieht ein Geben und Nehmen. In diesem geschützten Universum der Gebärmutter nimmt der faszinierende Prozess der menschlichen Entwicklung seinen Lauf. Nach neun Monaten hat sich das kleine Pünktchen in einen rund drei Kilo schweren Menschen verwandelt.

Die Verfeinerung der Sinne

Die Sinneswahrnehmungen, allen voran der Geschmacks- und der Geruchssinn, verfeinern sich deutlich. Dementsprechend erlebt die Schwangere einen umfassenden Wandel ihrer Essensgelüste. Heißhungerattacken auf ungewöhnliche Nahrungsmittel, wenig Appetit, neue Vorlieben und alte Abneigungen durchkreuzen jeden vernünftigen Ernährungsplan. Unterschiedliche Bedürfnisse nach Süßem, Salzigem oder Saurem wechseln sich zu ihrer großen Verwunderung ab.

Die Frühschwangerschaft ist häufig von unangenehmen, in unterschiedlicher Intensität auftauchenden Begleiterscheinungen geprägt. Übelkeit, die zu verschiedenen Tageszeiten auftreten kann, überschattet den Alltag. Manchmal gelingt es der Schwangeren kaum, etwas bei sich zu behalten, sodass sie sich stationär im Krankenhaus wiederfindet und Infusionen braucht, um erneut in Schwung zu kommen. Das macht die erste Zeit des Schwangerseins schwieriger. Es zwingt die Schwangere zur Ruhe, um verarbeiten und verdauen zu können. Kleine Snacks zwischen den Mahlzeiten, Pausen und mehr Schlaf erleichtern die komplizierten körperlichen Umbauarbeiten. Die wirksamste Methode gegen Übelkeit sind eine Essensumstellung und Akupunktur. Die klassische morgendliche Übelkeit, die gelegentlich den ganzen Tag anhält, verschwindet meistens nach der vierzehnten Schwangerschaftswoche von selbst.

Der Geruchssinn der schwangeren Frau verfeinert sich. Sie reagiert stärker auf besondere Düfte und hält üble Gerüche kaum aus. Plötzlich kann sie etwas oder jemanden nicht mehr riechen. Eine verdorbene Mahlzeit wird jetzt wesentlich früher entdeckt, somit entgeht sie leichter einem verdorbenen Magen. Ein Mensch, der sie in dieser Zeit schwächt, wird schlechter ausgehalten als sonst. Eine werdende Mutter umgibt sich am liebsten mit Menschen, die sie stärken und schützen.

Neben der Schutzfunktion dient die Schärfung des Geruchssinns dazu, dass die Mutter ihr Kind an seinem Duft leicht erkennen kann. Beim Bonding kurz nach der Geburt verliebt sich die Mutter auch über den Geruch in ihr Baby.

Diese Sensibilisierung der Wahrnehmung betrifft ebenso die anderen Sinne. Das Gehör wird feiner, das Sehen verändert sich, der Tastsinn sensibilisiert sich. Manchmal bemerkt eine Frau durch diese charakteristischen Veränderungen eine Schwangerschaft noch vor dem positiven Test.

Die Interpretationen über den Zweck dieses »Sinneswandels« reichen von der hormonellen Umstellung über biochemische Erklärungen bis hin zum überlebenswichtigen Mutterinstinkt, der mit seiner geschärften Wachheit vor Gefahren schützt. Eine Schwangere ist in ihrem Zustand verletzlicher als sonst. Sie muss sich auf ihre Sinne verlassen, um schneller reagieren zu können. Sie nimmt über diese sinnliche Verfeinerung wahr, was ihr guttut und was sie vermeiden soll.

Müdigkeit und Erschöpfung

In der Frühschwangerschaft hat die Frau ein wesentlich größeres Schlaf- und Ruhebedürfnis als vorher. Sie fühlt sich häufiger müde und erschöpft. Ihr gewohntes Kräftepotenzial lässt nach. Sie braucht länger als sonst, um sich zu regenerieren.

Bedenkt man, wie intensiv ihr Körper arbeitet, wie sehr ihr Kreislaufsystem beansprucht wird, so ist es verständlich, dass sie öfter pausieren muss. Nicht nur die physische Anstrengung fordert sie, auch geistige Eindrücke und neue Gefühlsbewegungen brauchen Zeiten des Nichtstuns. Es dauert, bis die einschneidenden Veränderungen, die gerade geschehen, integriert werden. Bewusste Pausen, ausreichend Schlaf sowie eine achtsame Lebensführung sind jetzt empfehlenswert. Leerlaufphasen zum Reden, Träumen, Schlafen und Ausruhen dürfen mit gutem Gewissen in den Alltag eingebaut werden. Der Körper einer Schwangeren arbeitet immer, egal ob sie wach ist oder schläft. Die ersten Wochen und Monate der Schwangerschaft sind meistens anstrengender als das zweite Drittel. Hier blüht die Frau auf. Erst im letzten Drittel wird die Schwangerschaft wieder beschwerlich.

Die Wirkung der Hormone

Der innere Umbau, der im Körper einer schwangeren Frau geschieht, betrifft die Blutzirkulation, den Flüssigkeitshaushalt, die Organfunktionen, Bänder, Muskeln und Knochen, die Zellerneuerung, Nervenbahnen und den Energiekreislauf. All das wird von einem höchst intelligenten hormonellen System gesteuert, welches sicherstellt, dass für das Wachstum, die Entwicklung und das Wohlergehen des Kindes gesorgt ist.

Die Auswirkungen der veränderten Hormonproduktion reichen von erweiterter Herzleistung, größerem Blutvolumen, Umstrukturierungen im Stoffwechsel bis hin zu deutlichen Veränderungen im Gehirn. Hormone lenken nicht nur notwendige körperliche Prozesse, sie vergrößern auch die Bindungsfähigkeit und bringen die Frau mit ihren intuitiven, kreativen und geistigen Anteilen in Kontakt. Muttergefühle erwachen. Sie wird offener für Zärtlichkeiten und beginnt sich kreativ zu entfalten.

Ihr Körper wird von Östrogenen regelrecht überschwemmt. Die Produktion in der Schwangerschaft übersteigt die Menge, die während des restlichen Lebens erzeugt wird. Das Östrogen ist für Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und Fülle verantwortlich. Die Haut wird in vielen Fällen schöner, das Haar voller, die Brust fester. Die Frau wirkt in dieser Zeit sinnlicher, weiblicher und strahlender. Östrogen beeinflusst die oben beschriebene Sensibilisierung der Sinne und die zunehmende Wachsamkeit.

Daneben ist das Progesteron das zweite wichtige Schwangerschaftshormon, seine Produktion ist jetzt zehn- bis fünfzehnmal höher als sonst. Das Progesteron ist ein wichtiges Schutzhormon, es unterstützt die Abwehr von schädlichen Eindringlingen, die Infektionen auslösen können. Gleichzeitig zeigt es sich ebenfalls in der Fülle, Strahlkraft, Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Vitalität der Schwangeren.

Rückt die Geburt näher, so steigen Oxytocin und Prolaktin deutlich an. Sie bereiten den Körper aufs Gebären vor. Oxytocin, das bekannte Liebeshormon, gewährleistet den Weiterbestand unserer Spezies. Wenn wir verliebt sind, beim Lachen, beim Liebesakt, beim Gebären und beim Stillen wird es in den Köper geschwemmt. Oxytocin erzeugt zudem regelmäßige Wehen. Direkt nach der Geburt unterstützt es die Frau dabei, sich verlässlich mit ihrem Kind zu verbinden. Prolaktin ist das Hormon für die zunehmende Entspanntheit in der späten Schwangerschaft, die Milchproduktion und das Stillen.

Ernährung und Bewegung

Grundlage für einen gesunden Körper in der Schwangerschaft und damit eine bestmögliche Versorgung für das Ungeborene sind eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Beide Aspekte sind eng miteinander verknüpft. In Fachkreisen wird der Schwangeren mehrmals wöchentlich eine moderate sportliche Betätigung von einer halben bis zu einer Stunde in Form von Ausdauertraining empfohlen. Geeignet sind zum Beispiel Nordic Walking, Wandern, Radfahren in der Ebene, Schwimmen oder Tanzen. Zusätzlich wird, ebenfalls mehrmals wöchentlich, ein halbstündiges Muskelaufbautraining wie Gymnastik oder Yoga empfohlen, beides jedoch nur dann, wenn keine medizinische Kontraindikation, wie eine drohende Frühgeburt, vorliegt. Ist die Schwangere völlig unsportlich, ist es wichtig, dass sie ihr Trainingsprogramm langsam aufbaut. Ist sie von Haus aus sehr sportlich, wird jetzt von extremer Anstrengung abgeraten. Die Schwangere darf sich anstrengen, aber nicht überanstrengen.

Nur zwei Drittel aller Schwangeren unserer westlichen Hemisphäre sind normalgewichtig. Der Rest kämpft meistens mit zu vielen Kilos auf den Hüften. Damit steigt das Risiko für Komplikationen wie Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, ein zu niedriges oder zu hohes Geburtsgewicht des Neugeborenen sowie eine erhöhte Kaiserschnittrate. Das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes ist bei regelmäßiger körperlicher Aktivität wesentlich geringer. Sogar Frauen, die erst am Anfang der Schwangerschaft eine ausgewogene Bewegungskultur einführen, erkranken seltener an Diabetes.

Der Zuckerbelastungstest/oGTT

Der oGTT (oraler Glukosetoleranztest) wird zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Innerhalb von zwei Stunden wird dreimal Blut abgenommen. Das erste Mal nüchtern, dann stündlich nach dem Trinken einer hochkonzentrierten Zuckerlösung. Die Werte sollen 92-180-153 mg/dl nicht überschreiten. Sie werden mittels Blutabnahme aus der Vene bestimmt, nur so sind sie aussagekräftig. Das Ergebnis zwischen dem Blut aus einem Fingerstich und dem venösen Blut kann stark differieren. Manchmal ist der Wert aus dem Finger falsch positiv und eine gesunde Frau geht mit einer Fehldiagnose nach Hause. Ein Infekt oder übermäßiger Stress am Tag der Messung beeinflusst den Test ebenfalls. Der Blutzucker steigt an. Falls die Werte des oGTT unter korrekten Messbedingungen auffällig sind, braucht die Schwangere eine umfangreiche Einschulung durch eine Diätologin und eine gute Begleitung durch ihre Fachärztin.

Tipps für den oGTT: Versuche am Tag des oGTT entspannt ins Labor oder zur Ärztin zu gehen. Hast du einen grippalen Infekt, verschiebe deinen Termin um ein paar Tage. Ernähre dich in der Zeit vorher moderat, verzichte auf Familienpizza, Eistee und Torten. Ist der Test vorbei und das Ergebnis unauffällig, bleibe bei deiner gesunden, ausgewogenen Ernährung.

Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Die Ernährungsempfehlungen für Schwangere lauten: hochwertige Lebensmittel, wenig Zucker, weniger Kohlenhydrate und Fett. Der Kalorienbedarf ist jetzt nur gering erhöht, vom Essen für zwei wird dringend abgeraten. Folsäure und Jod sollen laut Fachkreisen zusätzlich eingenommen werden. Eisen- und Vitamin-D-Mangel werden im Blutbild erkannt, Müdigkeit und Abwehrschwäche sind die Folge. Fehlt Magnesium, so bekommt die Frau Krämpfe in den Beinen. Diese Vitamine können leicht ergänzt werden. Durch Bewegung kommt die Kalorienverbrennung leichter in Schwung, der Stoffwechsel kann die Nahrung besser verwerten. Je hochwertiger die Ernährung in Zusammenhang mit regelmäßiger Bewegung, desto seltener müssen Vitamine ergänzt werden.

Normalgewichtige Frauen nehmen in der Schwangerschaft zirka 10 bis 18 kg zu. Untergewichtige Frauen brauchen etwas mehr Gewichtszunahme und übergewichtige Schwangere haben einen kleinen Spielraum von 0 bis 6 kg. Das sind die derzeitigen Empfehlungen für eine Schwangerschaft. Die beste Prophylaxe gegen zukünftiges Übergewicht beim Kind ist das ausschließliche Stillen für mindestens 4 bis 6 Monate, darin sind sich alle Fachkreise einig.

Bleibt die Gewichtszunahme der Schwangeren im Rahmen, so ist sie beweglicher, dynamischer und widerstandsfähiger. Eine Gebärende gleicht einer Marathonläuferin, sie schafft in den Stunden der Geburt eine körperliche, emotionale und geistige Höchstleistung. Doch im Gegensatz zur Sportlerin, die nach dem Lauf eine Pause einlegen kann, geht es für sie sofort weiter. Alles Gute aus dem mütterlichen Körper wird vor der Geburt und danach beim Stillen dem Kind zugeführt, mit der Konsequenz, dass die Frau ihre Energiespeicher möglichst rasch wieder aufladen muss.

Achtsam essen

Die Essensempfehlungen sind je nach Informationsquelle und aktuellem Trend unterschiedlich. Über die Liste der zu vermeidenden Lebensmittel herrscht in Fachkreisen Einigkeit: Um das Risiko einer Toxoplasmose- oder Listerioseinfektion zu minimieren, sollte auf jegliche rohe und geräucherte tierische Produkte (Fisch, Fleisch und Rohmilchprodukte) während der Schwangerschaft verzichtet werden.

Doch unabhängig von Empfehlungen verschiedener Ernährungsberaterinnen gibt es einen neuen Trend, der auch für die Nahrungszufuhr von Bedeutung ist: die Achtsamkeit sich selbst, seinen Bedürfnissen und den täglichen Mahlzeiten gegenüber. Achtsamkeitsübungen rund ums Essen verändern die Nahrungsaufnahme wesentlich. Alle Sinne werden geweckt. Die Schwangere nimmt sich bewusst Zeit zum Essen, ohne Handy oder andere Ablenkungen. Beim achtsamen Essen hört die Frau vermehrt auf ihre inneren Impulse, um herauszufinden, welche Lebensmittel ihr guttun. Sie isst langsam und bewusst. Sie spürt, wie viel sie braucht und wann es genug ist. Sie gestaltet ihre Mahlzeiten abwechslungsreich und bunt. Sie isst mit den Augen, der Nase, den Geschmacksknospen, dem Bedürfnis des Magens und der Zellen sowie mit Herz und Hirn. Sie weiß, was sie isst, und vor allem, dass sie isst. Sie bekommt ein besseres Gefühl dafür, was sie braucht. Sie nimmt sich selbst wahr. Sie übt sich darin, ihr eigenes Bauchgefühl zu stärken. Dieser Trend unterstützt die Selbstbestimmtheit der Schwangeren.

Der Faktor Bewegung führt zu einem erhöhten Körperbewusstsein, mehr Zufriedenheit und einer verbesserten inneren Wahrnehmung der körperlichen Bedürfnisse. Damit verändern sich automatisch die Essgewohnheiten. Eine Frau, die sich bewegt, isst bewusster und ist damit für »achtsames Essen« empfänglicher.


BERICHT

Künstlich Empfangen – ein anderer Schwangerschaftsbeginn

»Die IVF ist eine großartige Errungenschaft der westlichen Medizin. Sie ermöglicht es Paaren ein Kind zu bekommen, die sonst nie Eltern werden könnten.« — PRIM. DR. ALBERT KNAUDER

Wir leben in einer Zeit der Wunder. Es ist heute keine Seltenheit mehr, dass ein Kind sein Leben außerhalb des Mutterleibes beginnt. Alles was es dazu braucht, sind männliche Spermien, weibliche Eizellen und einen geeigneten Nährboden. Für Hebammen ist es inzwischen ganz normal, Kinder aus künstlicher Befruchtung willkommen zu heißen, immerhin werden in Österreich zirka 3 Prozent aller Neugeborenen im Labor gezeugt, das sind über 2500 Kinder pro Jahr. Weltweit kommen jährlich über eine halbe Million Kinder aus In-Vitro-Fertilisation, IVF, auf die Welt. Liegt das Baby in den Armen der frischgebackenen Mutter, hat sich der nicht immer einfache Weg bis dahin gelohnt.

Denn lediglich 30 Prozent aller Punktionen führen zum ersehnten Ziel. Paare, die sich ein Kind wünschen, erleben nicht selten eine Odyssee, um nicht zu sagen einen Leidensweg bis zur ersehnten Fruchtbarkeit. Sie durchwandern die Ordinationen von Gynäkologinnen, suchen Alternativmediziner und Naturheilkundlerinnen auf. Hormonstatus, Blutbilder und Spermiogramme werden überprüft. Die Durchgängigkeit der Eileiter wird mit Ultraschall und Laparoskopie unter die Lupe genommen. Die hoffnungsvolle Frau ernährt sich fruchtbarkeitsfördernd, hat regelmäßig, unabhängig von ihrer Libido, rund um den Eisprung Sex und recherchiert stundenlang im Internet, bis sie früher oder später in einem Kinderwunschinstitut landet. Familienplanung kann zeitaufwendig und kostspielig sein. Klappt sie nicht, fordert das die Paarbeziehung und lässt an der Weiblichkeit zweifeln.

Die Ursachen für die verzögerte Fruchtbarkeit liegen in mehr als der Hälfte der Fälle beim Mann oder bei beiden, lediglich ein kleiner Prozentsatz betrifft die Frau allein. Das PCO-Syndrom, eine Störung der Durchgängigkeit der Eileiter, sowie die Endometriose sind bei der Frau die Hauptgründe für eine erschwert zustande kommende Schwangerschaft. Der betreuende Gynäkologe begleitet das Paar von Anfang an bei der Suche nach den Ursachen für die verzögerte Fruchtbarkeit und auf seinem Weg zur Elternschaft.

Primarius Dr. Albert Knauder, Vorstand der Gynäkologie und Geburtshilfe des Landesklinikums Neunkirchen, betreute als Facharzt im Wiener Neustädter Landesklinikum die Kinderwunschambulanz von 1998 bis 2013 und gründete 2008 gemeinsam mit einem Kollegen das erste Kinderwunschinstitut der Region. In einem ausführlichen Gespräch erzählt er aus seiner Zeit am Kinderwunschinstitut und von seinen Erfahrungen mit Paaren, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kind:

Der Ablauf einer künstlichen Befruchtung

»Der Weg einer Frau, die nicht natürlich schwanger wird, beginnt üblicherweise bei ihrem Facharzt. Zur genaueren Abklärung wird sie an eine Kinderwunschambulanz weiterverwiesen. Hier wird untersucht, beraten und Inseminationen werden durchgeführt. Die therapeutischen Mittel dort sind leider begrenzt. Tritt kein Erfolg ein, so geht die Frau häufig auf die Suche nach einer neuen Gynäkologin oder besucht ein Kinderwunschzentrum.

Bei jedem Wechsel des Facharztes werden erneut der Hormonstatus der Frau eruiert und das Spermiogramm des Mannes erstellt, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Ursachenforschung, Diagnostik und Therapie wechseln sich also ab. Hoffnung und Frustration liegen eng beisammen.

Der erste Schritt einer In-vitro-Fertilisation ist die Stimulation, dabei wird versucht, medikamentös möglichst viele Eizellen zur Reifung zu bringen. Danach kommt der Eingriff der Punktion, einige reife Eizellen werden aus dem Eierstock entnommen. Anschließend erfolgt die Befruchtung mit den Samenzellen im Labor. Mehrere Tage muss das Paar abwarten. Gibt es zahlreiche Embryonen, so überwiegt die Hoffnung, entwickeln sich nur wenige Eizellen weiter, kommt die erste Frustration.

Am Tag des Embryotransfers wird deren Entwicklung überprüft und der Gynäkologe setzt in der Regel einen davon in die Gebärmutter ein. Dann wartet die Frau wieder und hofft, dass der Schwangerschaftstest positiv ist. Kommt eine Blutung oder ein negatives Testergebnis, ist die Frustration riesig.

Falls sich sowohl die eingesetzte als auch die anderen befruchteten Eizellen nicht weiterentwickeln, bedeutet das für das Paar, dass die ganze Prozedur, Stimulation und Punktion, wiederholt werden muss. Auch bei einem positiven Testergebnis ist die Situation noch labil. Erst wenn man am Ultraschall ein Kind sieht, kann das Paar aufatmen.«

Die Partnerschaft auf die Probe gestellt

»Psychisch ist das sehr belastend für eine Frau. Lässt die Schwangerschaft auf sich warten, wird sie immer wieder an das Problem erinnert. Es kommt vor, dass Frauen mit dem großen Wunsch ins Institut kommen, dass Angehörige oder Mitarbeiterinnen nichts von der IVF erfahren dürfen. Hier wird eine besonders feinfühlige Betreuung benötigt, denn der Stressfaktor steigt für solche Frauen verständlicherweise enorm. Die Verheimlichung erschwert ihr tägliches Leben.

Weiters ist die Sexualität des Paares belastet. Über einen langen Zeitraum wird sie aus dem Kontext Intimität und Liebe herausgerissen und dient nur mehr der ersehnten Fortpflanzung. Nicht selten schleicht sich eine allgemeine Frustration ein, die an der Partnerschaft nagen kann. Es geht dabei nicht nur ums Schwangerwerden, sondern auch um die gemeinsame Zukunft: >Ist ein gemeinsames Kind für unsere Beziehung so wichtig, dass wir die Strapazen einer IVF in Kauf nehmen?< Gelegentlich geschieht es, dass ein Paar sich trennt und sich in einer neuen Beziehung kurze Zeit danach eine Schwangerschaft einstellt.

Manche Patientinnen brauchen auch Unterstützung, um sich mit der künstlichen Befruchtung aus ethischer, moralischer und ganzheitlicher Sicht anzufreunden. Sie wünschen sich sehnlichst ein Kind, sind sich aber nicht sicher, ob die künstliche Befruchtung der richtige Weg für sie ist.«

Verständnis – Erfahrung – Begleitung

»Ein offener, ehrlicher Umgang im persönlichen Umfeld rund um die IVF erleichtert die Situation für das Paar auf jeden Fall. Die hoffnungsvollen Menschen, die sich dem Kinderwunschteam anvertrauen, brauchen rundum Verständnis und eine realistische Vermittlung darüber, was möglich ist: So klar, so ehrlich und so respektvoll wie möglich. Erfahrung und Empathie sowie eine gute Mischung aus Feingefühl und Direktheit im Beratungsgespräch helfen der Frau am meisten.

Es ist üblich, dass ein Paar im Rahmen der Behandlung bei seinen emotionalen Prozessen betreut wird. Kommt ein Paar, das bereits einen längeren Kinderwunsch mit mehreren IVF-Versuchen hinter sich hat, so ist die Frustrationstoleranz gering und man wird früher eine psychologische Begleitung hinzuziehen. Die Suche nach einer geeigneten Therapeutin ist eine wünschenswerte Begleitmaßnahme, ebenso wie Selbsthilfegruppen mit Gleichgesinnten und entsprechende Internetforen für den Austausch.«

Feingefühl und Direktheit

»Als behandelnder Facharzt muss ich mich mit dem Paar, vor allem mit der Frau beschäftigen und herausfinden, was sie braucht. Die Aufklärung über die Vorteile und Risiken einer IVF ist wichtig, das Alter des Paares und Dauer des Kinderwunsches gehören miteinbezogen. Das Entscheidende dabei ist, die Frauen möglichst realistisch und neutral zu beraten. Unangenehme Dinge müssen dabei angesprochen werden.

Die Partnerschaft wird im Verlauf einer IVF nicht selten einer genauen Prüfung unterzogen. Auch andere Faktoren der persönlichen Umgebung können wichtig sein. Wenn die Frau viel Stress hat, wird es notwendig sein, die Lebensumstände zu verändern, manchmal sogar den Arbeitsplatz oder Beruf zu wechseln. Unregelmäßige Tag- und Nachtdienste haben ebenfalls negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.«

Plötzlich schwanger

»Frauen, die bereits durch eine IVF Mutter wurden, werden nicht selten danach unerwartet spontan schwanger. Es scheint, dass der psychische Druck des Kinderwunsches sich direkt auf die Körperlichkeit auswirkt. Wenn das Baby da ist, lässt der Druck nach. Ein anderes Beispiel: Macht die Karrierefrau Urlaub, fällt die Arbeitsbelastung weg und es funktioniert plötzlich. Die psychische Komponente spielt immer auch eine Rolle.

Durch meine Arbeit am Institut waren mir alle Patientinnen und ihre Geschichten vertraut. Viele Paare begleitete ich durch die Schwangerschaft, gelegentlich sogar bei der Geburt ihres Kindes.

Wenn ich auf die Zeit im Kinderwunschzentrum zurückblicke, so haben mich die vielfältigen Emotionen der Menschen sehr berührt, vor allem die positiven, freudigen Gefühle und Erlebnisse, wenn eine künstliche Befruchtung erfolgreich war und die Frau ihr Neugeborenes in den Armen hielt.«

Die wunderbare Welt des Kindes

Wenn wir über Schwangerschaft und Geburt sprechen oder schreiben, beziehen wir uns häufig nur auf den Körper, die Gefühle und den Geist der werdenden Mutter. Doch eigentlich geht es in dieser Zeit vor allem um den kleinen Menschen, der geschützt heranwächst und auf das Leben außerhalb vorbereitet wird. Werfen wir einen genaueren Blick auf seine Wirklichkeit:

Bereits ab der 7. Schwangerschaftswoche, also noch lange bevor die werdende Mutter ihr Kind spürt, reagiert das winzige Menschlein auf Berührungen von außen. Mit seinem Tastsinn fühlt es seinen Lebensraum. In diesem Stadium ist es gerade einmal 15 Millimeter lang. Sein Herzchen schlägt schon kräftig. Ab der 8. Woche nehmen Magen und Nieren des Embryos ihre Arbeit auf. Die Geschmacksknospen auf seiner Zunge werden bis zur 13. Schwangerschaftswoche ausgebildet. Er schmeckt, was seine Mutter gegessen hat. Er trinkt Fruchtwasser. Seine Harnblase füllt und entleert sich wieder. Die Entwicklung der Augen ist in der 12. Woche abgeschlossen. Ab der 16. Woche beobachtet man beim Ungeborenen Lichtempfindlichkeit. Ist es außen sehr hell, versucht es sich mit den Händen zu schützen und sich abzuwenden. Sein Herzchen schlägt vor Aufregung schneller. Ab der 25. Woche sieht das Baby bereits. Es öffnet die Augen, wenn es wach ist, und schließt sie, wenn es schläft. Ab der 23. Woche kann es mit medizinischer Unterstützung außerhalb der Gebärmutter überleben.

Ab der 17. Schwangerschaftswoche hört das Kleine und ist ununterbrochen vom Rauschen des Blutes der Mutter, dem mütterlichen Herzschlag, dem Geräusch ihres Atems, dem Blubbern ihres Darms und ihrer Stimme umgeben. Seine Welt ist nie still. Geräusche von außen werden immer deutlicher wahrgenommen. Der kleine Mensch in der Gebärmutter reagiert erschrocken auf laute Geräusche und entspannt sich bei angenehmen Tönen.

Über das emotionale Empfinden, die seelischen Bedürfnisse und die geistigen Wahrnehmungen des Ungeborenen wissen wir sonst allerdings wenig. Hier bleibt uns nichts anderes übrig, als auf unser uns innewohnendes emotionales Verständnis zu vertrauen. Wenn wir uns vor Augen führen, dass der winzige Embryo bereits ab der 8. Schwangerschaftswoche auf Berührung reagiert, so scheint es fast logisch, dass es Möglichkeiten gibt, sich innerlich mit seinem Kind zu verbinden und zu lauschen, was es zu erzählen hat.

In meinen Geburtsvorbereitungskursen gibt es einige Übungen zur Stärkung der Verbindung von Mutter und Kind. Eine davon ist zum Beispiel das Summen zum Baby. Kinder lieben es schon vor der Geburt, wenn ihre Mütter singen, tanzen und lachen. Sie hören die vertraute Stimme und werden dabei liebevoll geschaukelt. Glückshormone werden ausgeschüttet, die den Körper der Frau überschwemmen und über das Fruchtwasser durch die Nabelschnur zum Baby gelangen. Jede emotionale Regung der Schwangeren wird von ihm wahrgenommen. Im Laufe der Monate lernt das Ungeborene das große Spektrum menschlicher Gefühle kennen. Die bewusste Hinwendung zum Baby und das Hineinfühlen in seine geschützte Welt machen eine werdende Mutter sensibler für seine Empfindungen.

ÜBUNG: »Ich verbinde mich mit meinem Kind«

Suche dir einen Augenblick der Ungestörtheit.

Setze oder lege dich hin und schließe deine Augen.

Seufze ein paarmal tief durch.

Beim Einatmen streckst du dich wie eine Katze.

Beim Ausatmen lässt du alles gehen, was du nicht mehr brauchst.

Lege eine Hand auf deinen Babybauch und die andere aufs Herz.

Lass den Atem weich unter beide Hände fließen.

Spüre dein Herz und fühle dein Kind.

Wenn es ganz klein ist,

sodass seine Bewegungen noch nicht wahrnehmbar sind,

stell dir vor, wie dein Baby in deiner Gebärmutter sanft schaukelt

und wie deine Hände Warmherzigkeit hineinstrahlen.

Verbinde Herz und Kind miteinander.

»Ich spüre dich, mein Kind.«

»Ich schütze dich und nähre dich.«

»Ich bin für dich da.«

Nimm einen dieser Sätze, der sich besonders gut anfühlt, und wiederhole ihn so lange und so oft du möchtest.

Bleib ein Weilchen in dieser sanften Verbundenheit.

ÜBUNG: »Reise zu deinem ungeborenen Kind«

Mach es dir bequem, schließe die Augen.

Seufze ein paarmal befreit durch,

mit jeder Atemwelle lässt du dich tiefer nach innen sinken.

Deine Hände gleiten über deinen Bauch.

Spüre seine Wölbung und Ausdehnung, vielleicht bemerkst du sogar sanfte Bewegungen.

Dein Blick geht nach innen.

Bilder deines Kindes tauchen auf.

Wie sieht es in der geschützten Welt deiner Gebärmutter aus?

Stell dir das Rauschen, Blubbern und Pulsieren in dir vor.

Dein Baby erlebt ein Konzert aus den Klängen deines Körpers.

Alle seine Sinne werden in diesem Ozean des Lebens genährt.

Wie nimmt dein Baby wahr, wie fühlt es sich und dich?

Was erlebt es in seiner Welt?

Was liebt es ganz besonders?

Bleib ein Weilchen in diesem Raum mit deinem Kind.

Lass die Gefühle, Bilder, Gedanken und Eindrücke wirken.

Schenke deinem Baby ein Lächeln.

»Ich bin für dich da, mein Kind.«

Verweile in deiner Innenschau, solange du möchtest.

Dann räkle und strecke dich,

und tauche wieder auf.

Achtsam und selbstbestimmt körperlichem und emotionalem Stress begegnen

Eine Frau, die ein Kind unter ihrem Herzen trägt, ist empfänglich, sensibel und verletzlich. Übermäßiger Stress stellt eine enorme Belastung für sie und ihr Baby dar. Die Ausschüttung sämtlicher Stresshormone überschwemmt nicht nur die Mutter, sondern auch ihr Ungeborenes. Geht es in der Arbeit oder in nahen Beziehungen rund und findet die schwangere Frau aus den Turbulenzen nicht mehr heraus, gibt es drei wichtige Strategien, die hilfreich sein können.


Stärkung der Selbstwirksamkeit

Der Begriff »Selbstwirksamkeit« wurde von dem bekannten amerikanischen Psychologen Albert Bandura geprägt und beschreibt die tiefe Überzeugung, dass der Mensch die innere Stärke besitzt, Aufgaben und Anforderungen, die im Leben auftauchen, erfolgreich bewältigen zu können. Die Selbstwirksamkeit beschreibt den Glauben an sich selbst und an den eigenen Wert.

In der Schwangerschaft bekommen bereits erworbenes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen im Umgang mit Problemen eine neue Wichtigkeit, denn jede auftauchende Herausforderung betrifft neben der Mutter auch ihr Ungeborenes. Emotionalen Belastungen in der Schwangerschaft sollte die Frau mit Ruhe und Gelassenheit begegnen. Alle innewohnenden Kraftquellen dürfen angezapft werden, um die eigene Selbstwirksamkeit zu stärken.

ÜBUNG, um zu deiner Kraftquelle zu kommen

Setze oder lege dich bequem hin.

Nimm dir ein bisschen Zeit, um in dich hineinzuspüren.

Seufze ein paarmal befreiend durch

und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen sanft strömenden Atem.

Irgendwo in deinem Inneren gibt es eine geheimnisvolle Quelle,

einen Ort der Sammlung und der Stille.

Lausche nach innen bis du wahrnimmst,

wo sich deine Quelle befindet.

Lass dich dort nieder, dein Atem strömt weich.

Aus deiner Quelle sprudelt ununterbrochen Kraft.

Mit jeder Atemwelle saugst du sie tief in dich ein,

so lange, bis du gut gefüllt bist.

Genieße deine Kraft ein Weilchen.

Nun lass Gelassenheit aus deiner Quelle sprudeln.

Lass sie dein ganzes Sein erfassen.

Bleib ein Weilchen in deiner Gelassenheit.

Dann sprudelt eine tiefe innere Ruhe aus deiner Quelle.

Sie breitet sich überall in dir aus.

Alles in dir kommt zur Ruhe.

Verweile an diesem wohltuenden Ort, solange du willst.

Du kannst jederzeit zurückkehren, wenn du es brauchst.

Mit einem Seufzer tauchst du wieder auf

und nimmst alles mit, was du in deinem Alltag brauchen kannst.

Stärkung der Resilienz

Der neue populäre Begriff »Resilienz« beschreibt die in einem Menschen innewohnende Widerstandskraft in schwierigen Lebenssituationen. Wenn wilde Stürme im Leben wüten, hilft die Resilienz, um rasch wieder auf die Beine zu kommen. Im Gegensatz zur Selbstwirksamkeit, die mit einem tiefen Glauben an sich selbst verbunden ist, schenkt die Resilienz eine Zähheit, die bei groben Turbulenzen und heftigen Krisen Durchhalten gewährleistet. Nicht selten habe ich Schwangere betreut, bei denen alles drunter und drüber gegangen ist. Heftige Beziehungskrisen, Probleme in der Arbeit, finanzielle Nöte oder auffällige Screening-Befunde zählen zu den weitverbreitetsten Belastungen, die Frauen in der Zeit ihrer Schwangerschaft zu bewältigen haben. Sowohl als Hebamme als auch als Mutter habe ich erfahren, dass diese Zeit sehr gut geeignet ist, um die eigene Resilienz maßgeblich zu stärken. Die Motivation einer Mutter, aus einer materiellen oder emotionalen Krise herauszukommen, verstärkt sich gewaltig, wenn es nicht nur um sie selbst, sondern auch um ihr Kind geht.

Der Höhepunkt des Wachstums der eigenen Resilienz ist die Geburt. Hat eine Gebärende unter den Wehen das Gefühl, nicht mehr weiterzukönnen, wandelt sich diese Haltung in dem Moment, in dem sie an ihr Kind erinnert wird. Sie schöpft daraus neue Kraft. Der Erfahrungsbericht einer jungen Hebamme und Mutter, der sich im Kapitel „Naturkraft Geburt“ befindet, beschreibt diese Situation genau.

Stärkung der Selbstfürsorge

Der dritte wichtige Punkt im Umgang mit Stress ist die Selbstfürsorge, also sich selbst ebenso liebevolle Fürsorge und Unterstützung zu schenken wie der besten Freundin. Die bereits erworbene Fähigkeit zur Selbstfürsorge wird während der Schwangerschaft auf die Probe gestellt. Sollte sie verkümmert sein, ist jetzt der richtige Moment, sich darin zu üben. Zum einen, weil die Frau sich besser spürt als sonst – gewohnheitsmäßig lauscht sie häufiger nach innen, dadurch wird ihre Selbstwahrnehmung gestärkt. Zum anderen, weil sie zum Wohle ihres Kindes besser auf sich selbst schaut. Alles Gute, das die Schwangere sich selbst zukommen lässt, stärkt auch ihr Baby. Es entsteht in dieser Zeit eine Selbstverständlichkeit in dieser Selbstfürsorge, die über die Schwangerschaft hinausgehen darf. Liebevolle Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber ist die Basis für gelebte Selbstfürsorge. Rund um die Schwangerschaft betrifft das grundlegende Dinge wie ausreichend Schlaf, Ruhephasen, energiespendende Nahrung für Körper und Geist sowie gute Gesellschaft.

Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung

Neben der körperlichen Höchstleistung, die eine schwangere Frau ununterbrochen, ob wach oder schlafend, vollbringt, durchläuft sie einen tiefgreifenden persönlichen Entwicklungsprozess. Sie erfährt und erschafft sich neu. Sie sucht nach ihrem inneren Gleichgewicht, um mit der Intensität der Erfahrung besser umgehen zu können.

Fürsorge

Wenn ein Kind heranreift und der Bauch wächst, verliert vieles an Bedeutung, was bisher wichtig erschienen ist. Alles dreht sich um dieses kleine Wesen, das in der Gebärmutter heranwächst. Eine liebevolle Fürsorge keimt auf, alte Gewohnheiten verändern sich aus Rücksicht auf das Ungeborene. Wünsche und Pläne, die mit einem Kind nicht vereinbar sind, geraten für eine Zeit in Vergessenheit. Die werdende Mutter nimmt wahr, wie ihre Gedanken plötzlich mit ganz anderen Themen beschäftigt sind als vor der Schwangerschaft. Die große Verantwortung, die wunderbare Bereicherung, aber auch die Einschränkungen der persönlichen Freiheit durch das heranwachsende Leben werden geahnt. Freudige Erwartung, Sorgen, Hoffnung und Unsicherheiten wechseln einander ab.

Gefühle der Herzöffnung

Während der Körper mit großer Geschwindigkeit seine Dimensionen erweitert, öffnet sich das Herz der Schwangeren. Das emotionale Empfinden verdichtet sich. Eine schwangere Frau ist empfindsamer, verletzlicher und gereizter. Gelegentlich entgleitet ihr die Kontrolle über ihre inneren Impulse und Reaktionen. Sie lacht ohne offensichtlichen Grund, weint schneller – egal ob vor Freude oder Kränkung – und regt sich leichter auf. Gefühle wie Angst, Wut und Traurigkeit überfallen sie mit großer Vehemenz und sind nicht immer zuordenbar. Sie tauchen auf und verschwinden wieder. Die Nachrichten im Fernsehen, ein kleiner Vogel auf dem Balkon, das Kind einer Freundin oder ein unachtsames Wort des Partners lösen ungewohnt starke Gefühlsreaktionen aus. Vertraute Schutzmechanismen verlieren ihre Wirkung. Mit großer Geschwindigkeit versucht die Schwangere sich verwundert und gelegentlich verunsichert auf ihre veränderte Stimmungslage einzustellen. Es scheint eine Vorübung zu sein für die Zeit mit dem Kind, das sie mit seiner emotionalen Impulsivität immer wieder neu herausfordern wird.

Eine werdende Mutter braucht diese besondere Offenheit, um sich auf die einzigartige Beziehung zu ihrem Baby einzulassen. Sie entwickelt in der Schwangerschaft eine Erweiterung ihrer Liebesfähigkeit. Die außergewöhnliche Sensibilität im Fühlen legt den Grundstein für eine tragfähige Bindung zu ihrem Kind. Sie macht sie zur Löwinnenmutter, die ihr Baby instinkthaft zu jeder Zeit verteidigt.

Sich sorgen

Am Anfang der Schwangerschaft tritt auch die Sorge um das Kind ins Leben einer werdenden Mutter. Dies betrifft eine Frau besonders, wenn sie bereits eine Fehlgeburt erlebt hat. Sie ist mit ihrer Angst, erneut ein Kind zu verlieren, konfrontiert und daher in den ersten Monaten wesentlich angespannter. Sie braucht länger, um ihrem Körper zu vertrauen. In der Regel wird sie gelöster, je weiter die Schwangerschaft fortschreitet und sobald sie die kleinen Tritte in ihrem Bauch spürt. Ist das Stadium erreicht, wo ihr Baby auch außerhalb der Gebärmutter lebensfähig ist, entspannt sie sich.

Geistiger Wachstumsprozess

Intensive Lebenserfahrungen sind häufig mit enormen Wachstumsprozessen verbunden. Sie kennzeichnen eine Zeit großer Reifung. Der geistige Aspekt des Mutterwerdens stellt bisherige Wertigkeiten, Ziele und Glaubenssätze auf die Probe und bringt eine vielfältige innere Wandlung mit sich.

Offenheit für Intuition

Intuitive Eingebungen erleben in der Schwangerschaft einen großen Aufschwung. Die Schwangere öffnet ihre unsichtbaren Antennen nach innen und außen. Ihre Träume werden intensiver, ihr Schlaf unruhiger. In allen Bewusstseinszuständen ist sie mit der Verarbeitung von neuen Informationen und Erfahrungen beschäftigt. Es ist wertvoll, diese Offenheit für innere Bilder und Wachträume zu fördern, um sie leichter mit dieser verfeinerten Intuition in Verbindung zu bringen.

Bewegung vom Ich zum Du

Der essenzielle Wandel, der sich in einer werdenden Mutter vollzieht, liegt in der Bewegung vom Ich zum Du. Die Liebe, die durch ein Kind erfahren wird, ist von wesentlich mehr Selbstlosigkeit geprägt als jede andere Form der Zuwendung. Sie ist eine fortgeschrittene Praxis des Altruismus. Jeder Tag ist eine Schule in Geduld, Gelassenheit, Vertrauen und Liebe. Das beginnt in der Schwangerschaft, erreicht einen ersten Höhepunkt bei der Geburt und kommt so richtig in Fahrt, wenn das Baby da ist. Eine junge Mutter trainiert ihre Verständnisfähigkeit und ihre Toleranz bei Tag und bei Nacht.

Am Puls des Lebens

In der Zeit rund um die Geburt ist die Schwangere so nahe am Puls des Lebens wie sonst selten. Von einem Tag auf den anderen wird sie Teil der universellen Geheimnisse, sie bekommt Einblick in die verborgenen Wirklichkeiten unseres Daseins. Die Wehenkräfte gleichen einem Naturschauspiel, das den Körper erfasst und wieder verlässt. Diese Lebensphase besitzt eine zutiefst mystische Komponente. Besteht dafür eine Offenheit, kann es sein, dass in der Schwangerschaft ein inneres Wissen rund um das Leben in seinem Wandel, seinem Kommen und Gehen, seinem Werden und Vergehen entsteht.

Bei näherer Betrachtung wird klar, wie viele Faktoren die Themen Schwangerschaft und Geburt mitbestimmen. Einige davon entziehen sich unserem Zugriff, andere sind uns bewusster.

Die Wandlung einer Frau zur Mutter wird beeinflusst durch:

• die eigene Geschichte und die der Mütter und Großmütter

• private Beziehungen und Arbeitsumfeld

• Träume und Traumata

• Körpergefühl

• gegenwärtigen Gesundheitszustand

• Glaubenssätze über die Urkräfte des Lebens

• Einstellungen zu und Reaktionen auf Veränderungen, Herausforderungen und Schmerzen

• die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion

Entscheidend für ein positives Erleben dieser Phase ist, dass die stärkenden Einflüsse in den Vordergrund treten. Schreiben ist eine gute Möglichkeit, um Ordnung in die innere Vielfalt zu bringen und gegebenenfalls auszumisten. Ein Heft, ein Tagebuch oder einfache Listen können dazu beitragen, das Positive bewusst zu fördern und hinderliche Einflüsse zu reduzieren. Das geschriebene Wort unterstützt die Auseinandersetzung mit Fragen, die sich mit den inneren Wachstumsprozessen und der Umsetzung von wohltuenden Zielen beschäftigen.

IMPULSE zur Stärkung der positiven Einflüsse

• Was sind meine besonderen Stärken?

• Was belastet mich?

• Was kann ich in der Schwangerschaft noch lösen?

• Wie kann ich eine gesunde Lebensweise in der Schwangerschaft fördern?

• Wie viel Zeit brauche ich für meinen Körper und mein geistiges Wohlbefinden?

• Welche Menschen tun mir besonders gut?

• Welche Menschen möchte ich lieber meiden?

• Welche Geschichten über die Geburt stärken mich?

• Wie kann ich meinem Umfeld vermitteln, dass ich keine negativen Geburtsberichte hören möchte?

Was nährt mich, wer stärkt mich? – eine Wohlfühlsammlung
Natur

Regelmäßiges Luftschnappen im Wald, auf der Wiese, am See oder am Berg ist für dich in der Schwangerschaft eine gesunde und wichtige Kraftquelle. Spaziergänge und Wandern versorgen deinen Körper mit ausreichend Sauerstoff, regen den Stoffwechsel an, schütten Wohlfühlhormone aus und halten dich fit. Du schützt dich dadurch vor Infekten, Schwangerschaftserkrankungen und Stimmungsschwankungen. Beim Gehen ist Zeit zum Nachdenken, für gute Gespräche mit deinem Partner, zum Pläneschmieden und Problemelösen. Möchtest du das stille Gehen für Atemmeditationen nützen, schulst du dabei deinen Geist in Achtsamkeit und bereitest dich gleichzeitig aufs Gebären vor.

Bewegung

Ob Yoga, Tanzen, Schwangerschaftsfitnesstraining, Nordic Walking oder Schwimmen, du brauchst körperliche Betätigung drinnen oder draußen und sie darf richtig Spaß machen. Sie aktiviert dein Kreislaufsystem, verbessert deine Kondition, Muskeln werden aufgebaut und Kalorien verbrannt. Die Glückshormone Dopamin, Serotonin und Endorphine beginnen in großen Mengen im Körper zu zirkulieren. Bewegung wirkt auf allen Ebenen. Lebensenergie, im Chinesischen »Chi« genannt, beginnt dynamisch in deinen Energiebahnen zu zirkulieren, Blockaden werden gelöst. Du fühlst dich besser, währenddessen und danach. Dein Baby in der Gebärmutter schaukelt genüsslich mit, wenn du gehst, turnst oder tanzt. Die Geburt ist ein großer Kraftakt. Bist du gut in Form, hast du mehr Energie, Ausdauer und Reserven.


Lachen

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich in kurzer Zeit effektiv von unangenehmen Spannungen zu lösen: die eine ist zu lachen, die andere zu weinen. Beides hat seinen Platz. In der Schwangerschaft sitzen die Tränen ohnehin locker, warum nicht zwischendurch Tränen vor Lachen fließen lassen? Lachen unterstützt Heilungsprozesse, fördert die Immunabwehr, verbessert die Atmung und damit die Sauerstoffversorgung. Ein wohltuender Hormoncocktail wird ausgeschüttet und überschwemmt den ganzen Körper, wenn du lachst. Der Stress nimmt ab, deine Perspektiven öffnen sich. Auch beim Gebären ist es gelegentlich gut, etwas Lustiges zu sagen. Die verzweifelte Dramatik, in die eine Wehende durch den Schlafmangel und den Schmerz fallen kann, wird dadurch entschärft, die Freude auf das Baby kommt ins Bewusstsein zurück. In den Frauen- und Paarkursen wird neben den tiefen Entspannungsübungen und trotz der Intensität der Gespräche und der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Thematik immer wieder herzhaft gelacht. Auf diese Weise wird jegliche Anspannung über die bevorstehende Geburt gelöst.

Tipp: Findest du einen Grund zum Lachen, nütze ihn. Ist die Welt grau und traurig, schau dir einen Film an, bei dem du herzhaft lachen musst. Lass dich von deinen Liebsten mit Witzen versorgen. Ergreife jede Gelegenheit, um zu lachen. Am Anfang wirkt es vielleicht etwas künstlich, aber du wirst sehen, wie schnell du Expertin bist. Dein Kind liebt es, wenn du lachst!

Kreativität

Durch die Veränderungen in der Schwangerschaft erlebt deine Kreativität einen großen Aufschwung. Du bist im wahrsten Sinn des Wortes »schöpferisch«. Es kann sein, dass du zu nähen beginnst, köstliche Kuchen backst, das Kinderzimmer planst, ausmalst, singst und musizierst, zeichnest, schreibst, kochst, fotografierst. Kreativität löst ein Gefühl der Zufriedenheit aus, ein meditatives Versinken in den Augenblick, ein sogenanntes Flowerlebnis entsteht. Ich empfehle meinen Frauen in der Schwangerschaft ein Tagebuch zu beginnen und bis direkt nach der Geburt alles, was sie auf dieser Reise erlebt haben, aufzuschreiben. Meine Hebamme hat mir bei meiner eigenen Schwangerschaft diese Empfehlung gegeben und ich bin ihr heute noch sehr dankbar dafür.

Frauenkraft

Freundinnen, Schwestern, Cousinen, Tanten oder Mütter bilden einen sicheren Schutzwall gegenüber Anstürmen und Überforderungen durch die Außenwelt. Belastungen wie unklare Untersuchungsergebnisse, ein anstrengendes Arbeitsklima, unnötige Tipps von übergriffigen Bekannten oder komplizierte Beziehungsmuster erschweren deinen Alltag. Dein Verhalten verändert sich in der Schwangerschaft, du bist sensibler als sonst, dein Partner kennt sich nicht mehr aus, dein Umfeld versteht dich nicht immer. Tränen haben Hochsaison. Gute Freundinnen, die dich jetzt auffangen, gehören zu deinen allerwichtigsten Schwangerschaftsbegleiterinnen. Dem Einfluss eines weiblichen Umfelds auf eine Schwangere wird in unseren Breiten weniger Bedeutung zugemessen als in anderen Regionen der Erde. Doch wohltuende Frauen rund um dich leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung deines Selbstbewusstseins, deiner Weiblichkeit, deines Mutterinstinkts und deines Bauchgefühls. Die Nähe zu Gleichgesinnten und die unerschütterliche Frauenkraft sind verlässliche Begleiterinnen durch die Schwangerschaft.

Inspiration

Als Schwangere brauchst du Inspirationen von innen und außen, um dich in diesem neuen Lebensabschnitt besser orientieren zu können. Du stehst vor einem großen Neubeginn und erlebst dadurch eine ungewohnte Offenheit gegenüber Impulsen. Jetzt hast du die Möglichkeit anhand von Vorbildern aus der Umgebung Vorstellungen über das Muttersein zu vergleichen. Durch positive Beispiele und anregende Ideen findest du deinen persönlichen Weg als Mutter leichter. Freundinnen und Freunde, die entspannt und gelassen mit ihren eigenen Kindern umgehen und sich auch im größten Chaos nicht völlig verlieren, stehen als hervorragende Inspirationsquelle zur Verfügung.

Sinnlichkeit

Die Verfeinerung der sinnlichen Wahrnehmung und die Veränderung deiner Hormonsituation sind bereits zur Sprache gekommen. Verbindet man diese beiden, ergibt sich auf einer zutiefst körperlichen Ebene eine größere Empfänglichkeit für Sinnlichkeit. Du erlebst dich in der Schwangerschaft, auch wenn du das Gefühl hast, aus allen Fugen zu geraten, vielleicht erotischer als sonst. Die Östrogene statten dich mit weiblicher Üppigkeit aus. Die Wohligkeit des Babys in deinem Bauch und die Fülle, die du verkörperst, verfeinern deine Sinnlichkeit. Erlaube es. Manche Frauen erleben in der Schwangerschaft ein tieferes körperliches Verlangen nach ihrem Partner. Es geschieht zwar, dass der Mann sich aus Sorge um das Ungeborene entzieht, aber bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ohne Frühgeburtsbestrebungen gibt es keinen Grund, auf Sinnlichkeit und Erotik in der Partnerschaft zu verzichten.

Weiblichkeit

In der Schwangerschaft bist du auf biologische Weise mit den weiblichen Prinzipien verbunden. Bei der Empfängnis nimmst du Leben in dir auf, du nährst und schützt es. Du wirst Teil der geheimnisvollen Schöpfung und schenkst beim Gebären einem neuen Menschen das Leben. Attribute wie hingebungsvoll, heilend, mitfühlend, spielerisch, verträumt, weise und empfänglich erhalten eine neue Bedeutung für dich. In unserer männlich dominierten Zeit fehlt häufig der Blick auf die weibliche Urkraft, doch während der intensiven Wandlungsphase der Schwangerschaft hast du leichter Zugang dazu. Deine weibliche Intuition kommt direkt aus deinem Bauch und deinem Herzen, sie stellt eine wesentliche Informationsquelle für dich als Mutter dar. Die starke Verbindung zwischen dir und deinem Baby ist eine der wichtigsten Ratgeberinnen, die dir zur Verfügung steht. In meiner Arbeit mit werdenden Müttern lege ich großen Wert auf die Pflege dieser besonderen Verbundenheit.

Sensibilität

Deine verfeinerte Sensibilität während der Schwangerschaft öffnet dein Herz und deine Sinne für das Ungeborene, sodass du auf seine Bedürfnisse besser reagieren kannst. Sie hilft dir, dein Kind zu spüren, verändert deine Wahrnehmung und erweitert deine Sicht aufs Leben, eines der größten Geschenke der Schwangerschaft. Diese ungewohnte Feinfühligkeit kann jedoch auch überfordern und zu Missverständnissen führen, deshalb sind verständnisvolle Menschen die allerbesten Schwangerschaftsbegleiter. Bei indigenen Völkern, die Schwangere als emotionaler, empfindlicher und gereizter als sonst beschreiben, gilt übrigens der Grundsatz: Widersprich niemals einer werdenden Mutter!

Träume

Träume gehören zur mystischen Wirklichkeit unseres Lebens. Als werdende Mutter hast du Zugang zu tieferen Bereichen deines Bewusstseins. Im Traum verarbeitest du neue Lebenserfahrungen und vermischt Bekanntes mit Unbekanntem. Wünsche oder Ängste verbinden sich mit dem Tagesgeschehen und formen etwas Neues, zum Teil wunderbar Unmögliches. Als Schwangere träumst du mehr und reichhaltiger als sonst. Um diese Eindrücke festzuhalten, kannst du ein Traumbuch anlegen, in das du gleich nach dem Aufwachen alles, woran du dich noch erinnerst, aufschreibst. Behalte dieses Buch, es wird dich Jahre später durch seinen wertvollen Inhalt erstaunen. Ich kenne Frauen, die in der Schwangerschaft sogar Namen und Geschlecht ihres Kindes geträumt haben.

Stille

Still werden in unserer lauten Zeit ist eine lebenslange Übung. In der Schwangerschaft richtest du deine Aufmerksamkeit regelmäßig in deinen Körper, auf das Ungeborene. Wenn du achtsam lauschst, spürst du dein Kind besser. Als Nebeneffekt öffnet sich ein mit inneren Kommentaren, Bewegungen, Gefühlen und Wahrnehmungen gefüllter Raum in dir. Häufiges Nach-innen-Lauschen beruhigt deinen Geist. Setze dich täglich einmal hin und komme zur Ruhe, spüre in dich hinein und beobachte. Du wirst sehen, die kleinen Pausen, in denen du ganz still verweilst, mehren sich, du wirst gelassener. Diese kurzen Sequenzen des Innehaltens und bewussten Hineinspürens stärken deinen Zugang zu deinen inneren Kraftquellen und nähren dein Kind.

Welches Geheimnis hütet die Gebärende, die sich vertrauensvoll den Urkräften des Lebens hingibt?

Achtsame und selbstbestimmte Transformation – Reiseführerin durch die Geburtsvorbereitung

Es ist wichtig, sich aufs Gebären vorzubereiten. Wenn ich gefragt werde, ob eine Frau einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen soll, so vergleiche ich die Geburt gerne mit einem Marathonlauf. Niemand würde auf die Idee kommen, bei einer solchen Anstrengung mitzumachen, ohne zu trainieren. Es gibt eine Vielzahl an Kursen. Halte Ausschau nach einem, der dich anspricht, der deine Sinne aktiviert, bei dem du dich bewegst, entspannst, atmest, tönst, lachst und in dem grundsätzliches Wissen vermittelt wird. Wenn du dich in deinem Kurs wohlfühlst und die Freiheit hast, jede Übung deinen Bedürfnissen anzupassen, bist du gut aufgehoben. Das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten sowie der Gruppeneffekt vertiefen die Wirkung.

Eine Schwangerschaft dauert ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung zirka 280 Tage oder 40 Wochen. Der ET (errechneter Termin) oder EGT (errechneter Geburtstermin) bezeichnet den voraussichtlichen Tag, an dem das Kind auf die Welt kommen wird. Er wird mithilfe des Menstruationszyklus, dem Zeitpunkt der Empfängnis und dem Ultraschall bei der ersten gynäkologischen Untersuchung bestimmt. Der optimale Zeitraum, um den ET festzulegen, ist zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche. Dabei wird vor allem die Köpfchen-Steiß-Länge des kleinen Embryos gemessen. Lediglich in den ersten drei Monaten ist diese Bestimmung aussagekräftig. Später sollte keine Korrektur mehr stattfinden. Wird der Termin nach diesem Zeitraum aufgrund des Größenwachstums des Babys nach vorne verlegt, kann das zu einer unnötigen Geburtseinleitung führen. Nicht die Größe eines Ungeborenen, sondern seine tatsächliche Reife entscheidet, wann es zur Welt kommen möchte. Nur 5 Prozent aller Kinder kommen »pünktlich«. 80 Prozent der Kinder kommen in einem Zeitfenster von drei Wochen vor dem EGT bis zu zwei Wochen danach, 20 Prozent außerhalb dieser Zeitspanne. 40 Prozent aller schwangeren Frauen gebären nach dem errechneten Geburtstermin.

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Возрастное ограничение:
0+
Дата выхода на Литрес:
22 декабря 2023
Объем:
170 стр. 17 иллюстраций
ISBN:
9783990405727
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