Читать книгу: «Superpower Periode»

Шрифт:

Maisie Hill

Titel der englischen Originalausgabe:

Period Power

Text Copyright © 2019 by Maisie Hill

Illustrations Copyright © 2019 by Jasmine Parker

ISBN der Originalausgabe 978-1-47296361-1

Published by Arrangement with Maisie Hill.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30161 Hannover

Verlag und Autorin haben sich um eine geschlechtergerechte Sprache bemüht. Die englische Sprache kennt keine weiblichen und männlichen Formen von Substantiven, für die Übersetzung mussten daher Anpassungen vorgenommen werden. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und aufgrund des Themas wurde im Text häufig die weibliche Form gewählt; alle Angaben beziehen sich selbstverständlich auf Angehörige aller Geschlechter.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

VAK Verlags GmbH

Eschbachstraße 5

79199 Kirchzarten

Deutschland

www.vakverlag.de

© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2020

Übersetzung: Beate Brandt

Lektorat: Nadine Britsch

Illustrationen: Jasmine Parker

Layout: Richard Kiefer

Umschlag: Favoritbüro, München

Satz & Druck: Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg

Printed in Germany

ISBN: 978-3-86731-230-1 (Paperback)

ISBN: 978-3-95484-408-1 (ePub)

ISBN: 978-3-95484-410-4 (PDF)

Für Mama, die den Samen für dieses Buch gelegt hat.

Und für Christine, die ihn zum Leben erweckt hat.

Wie Sie dieses Buch am besten lesen

Im ersten Teil geht es vor allem darum, Ihren Körper zu verstehen. Ich habe mich bemüht, die wichtigsten Punkte so aufzubereiten, dass das Ganze hoffentlich wenig mit den langweiligen oder verklausulierten Informationen zu tun hat, an die Sie sich vielleicht noch aus dem Biologieunterricht in der Schule erinnern. Sollten Ihnen die Informationen im Moment trotzdem zu sehr nach Fachchinesisch klingen, ist es vollkommen in Ordnung, wenn Sie zum zweiten Teil vorspringen, damit Sie die Zyklusstrategie gleich für sich nutzen können. Bei Bedarf können Sie immer noch bestimmte Dinge gezielt im ersten Teil nachlesen. Am Ende des Buchs finden Sie zudem ein Glossar, in dem Sie einzelne Begriffe nachschlagen können.

Hinweise des Verlags

Dieses Buch dient der Information über Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge. Wer diese Informationen anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Autorin und Verlag beabsichtigen nicht, Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben. Die vorgestellten Vorgehensweisen sind nicht als Ersatz für professionelle Behandlung bei ernsthaften Beschwerden zu verstehen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil 1: Lernen Sie sich selbst kennen

Kapitel 1: Die berühmt-berüchtigte Vagina

Kapitel 2: Flecken im Schlüpfer

Teil 2: Die Zyklusstrategie

Kapitel 3: There will be blood – Winter

Kapitel 4: Let’s get this party started – Frühling

Kapitel 5: Don’t stop me now – Sommer

Kapitel 6: Highway to hell – Herbst

Kapitel 7: Ch-ch-ch-ch-changes – Veränderungen

Teil 3: Selbstfürsorge

Kapitel 8: Wie Sie gut für sich sorgen

Kapitel 9: Wenn es nicht rund läuft

Nachwort

Anhang

Glossar

Ressourcen

Danksagung

Über die Autorin

Einleitung

In meinem Beruf als Gesundheitsexpertin für Frauen werden mir jede Menge Fragen gestellt – Fragen, mit denen sich meine Klientinnen teilweise herumschlagen, seit sie 13 waren und auf die sie mit 30 noch immer keine befriedigende Antwort erhalten haben. Die meisten davon beginnen mit „Warum“, beispielsweise:

• Warum ist meine Blutung so schmerzhaft / kurz / leicht / lang / schwer?

• Warum bekomme ich meine Regel so häufig / unregelmäßig / selten?

• Warum habe ich keine Menstruation mehr?

• Warum fühle ich mich in der einen Woche großartig und in der nächsten schrecklich?

• Warum ist meine Scheide so trocken / feucht / empfindlich?

• Warum habe ich manchmal / immer Schmerzen beim Sex?

• Warum will ich gar keinen Sex haben?

• Warum habe ich ständig Lust auf Sex?

• Warum bin ich dauernd müde?

• Warum bin ich manchmal so aufgebläht, dass ich zwei Kleidergrößen mehr brauche?

• Warum bin ich so ängstlich, gestresst, schlecht gelaunt?

• Und warum bin ich so wütend und aggressiv?

Die Antwort auf all diese Fragen ist im Grunde die gleiche – es sind Ihre Hormone. Einmal abgesehen vielleicht von der Wut, die Sie spüren, denn diese könnte durchaus damit zu tun haben, dass Frauen in unserer Gesellschaft den Großteil der unbezahlten Arbeit und emotionalen Leistung erbringen, und all das kostet Kraft. Deshalb versuchen Ihre Hormone, Sie auf diese ungerechte Verteilung aufmerksam zu machen.

Hormone beherrschen das Leben aller Menschen – nicht nur das von Frauen. Es handelt sich um chemische Botenstoffe, die von Drüsen im Körper abgegeben werden und dann durch den Blutkreislauf zu bestimmten Organen und Geweben wandern. Dort stoßen sie bestimmte Prozesse an, die unser Verhalten und unsere Gesundheit steuern. Wenn Sie „hangry“ sind (eine Zusammensetzung aus den engl. Begriffen angry für wütend und hungry für hungrig), dann sagen sie Ihnen, dass Sie etwas essen sollen. Sind Sie im Stress, dann bringen sie das Herz dazu, schneller zu pumpen, damit Sie entweder in den Kampfmodus gehen oder die Flucht ergreifen können. Und am Ende des Tages geben sie das Signal, dass es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Hormone kontrollieren auch Ihren Zyklus und bewirken oder tragen dazu bei, dass Energieniveau, Stimmung und sexuelle Lust schwanken und sich Ihr Körper und Ihr Verhalten im Verlauf eines jeden Menstruationszyklus immer wieder verändern.

In den folgenden Kapiteln werde ich Ihnen alle Informationen geben, die Sie benötigen, um Ihren Zyklus zu verstehen. Mehr noch, Sie erhalten praktische Vorschläge, wie Sie Ihre Symptome lindern können. Wir werden wichtige Meilensteine und Themen im Leben einer Frau betrachten, wie die Teenagerzeit, den Einsatz hormoneller Verhütungsmittel, Unfruchtbarkeit, Mutterschaft und die Jahre rund um die Menopause (die sogenannten perimenopausalen Jahre). All dies gehört zur Zyklusstrategie, die Sie schon bald als Ihre Geheimwaffe zu schätzen wissen werden, wenn es um die Verbesserung Ihrer Beziehungen, Ihrer Karriere und Ihrer Gesundheit geht.

Sie werden entdecken, wie Sie Ihr tägliches Leben bestmöglich in Einklang mit Ihrem Zyklus führen können. Dabei erwartet natürlich niemand, dass Sie in der Lage sind, Ihren Alltag komplett an Ihren jeweiligen Zustand anzupassen, denn das wäre wohl kaum realistisch. Aber ich bin zuversichtlich, dass Sie hier und da kleine Veränderungen vornehmen können, und sollte das einmal nicht klappen, gibt es immer noch Ausgleichsmöglichkeiten, die die schwierigeren Tage zumindest ein wenig erleichtern. Zumindest aber wissen Sie, was los ist, und spenden sich selbst Trost und liebevolle Zuwendung, anstatt sich niederzumachen. Ich empfinde die Zyklusstrategie als wirkliche Unterstützung, weil sie eine Blaupause vorgibt, wie wir mit unseren eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet umgehen können, wie auch immer diese aussehen mögen, und wir so in Zukunft gut mit unserem Zyklus leben können.

Bevor wir beginnen, möchte ich hier noch kurz einige Dinge klarstellen. In diesem Buch geht es um das Verbessern der hormonellen und Menstruationsgesundheit. Ich bin eine überzeugte Anhängerin der gesundheitlichen Vorteile, die ein Menstruationszyklus mit sich bringt, und ich glaube, dass er sich positiv auf Ihr Leben auswirken kann. Trotzdem erlaube ich mir kein Urteil über Frauen, die hormonell verhüten, was beispielsweise bei der Pille bewirkt, dass der Menstruationszyklus ausgeschaltet wird. Bedenklich finde ich allerdings, dass die Pille zur Behandlung von Störungen des Menstruationszyklus eingesetzt wird, denn sie kann möglicherweise zwar die Symptome lindern, behandelt aber nicht die zugrunde liegenden Probleme. Dennoch bleibt alles, was Sie für Ihre geistige oder körperliche Gesundheit tun, allein Ihre Entscheidung. Es ist Ihr Körper und Ihr Leben und ich möchte Sie ermutigen, auf Ihre innere Weisheit und Körperintelligenz zu hören.

Das vorliegende Buch ist ein sachbezogener Ratgeber zum Thema Hormone und Zyklus. Es zeigt anhand von wissenschaftlichen Grundlagen auf, warum jeder Zyklus Ihnen eine ganze Reihe von Superkräften beschert und wo die Fallstricke sind, auf die Sie achten sollten. Wir sind alle verschieden, und die Wissenschaft kann keine Antworten auf alle Fragen liefern, aber ein neugieriger und entdeckungsfreudiger Geist vielleicht schon!

Natürlich tut sich in der Forschung mehr, als ich hier wiedergeben kann. Ich musste daher bewusst entscheiden, was ich in dieses Buch aufnehme und was nicht. Wenn ich Ihnen sage, dass man schon allein über ein Thema dieses Buchs eine ganze Doktorarbeit schreiben kann, dann haben Sie einen ungefähren Begriff davon, was ich alles auslassen musste. Natürlich steht es Ihnen frei, auf Grundlage der hier enthaltenen Informationen loszugehen und eigene Forschungen anzustellen! Hierfür wird der Anhang mit den Ressourcen und Referenzen besonders hilfreich sein.

Sie erhalten mit diesem Buch jede Menge praktische Werkzeuge, um die tief greifende innere Arbeit zu tun, die notwendig ist, um sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, einschließlich der Anforderungen, die es mit sich bringt, eine Karriere zu haben und sie mit Ihren Beziehungen und vielleicht einer Mutterschaft in Einklang zu bringen. In diesem Buch mache ich keine Annahmen darüber, ob Sie in einer Beziehung leben oder Kinder haben (möchten). Ich gehe auch nicht davon aus, dass Sie sich selbst notwendigerweise als weiblich empfinden. Die meisten Bücher über Fortpflanzung und Sexualität benutzen immer noch cissexuelle (Anm. d. Übers.: Der Begriff Cissexualität, auch Zissexualität oder Cisgender, steht für Menschen, die mit einem bestimmten biologischen Geschlecht geboren werden und sich auch damit identifizieren, im Gegensatz zum Transgender.) Begriffe und Bezugsrahmen, etwa das Bezeichnen von Hormonen als „männlich“ oder „weiblich“ oder aller Menschen mit einer Gebärmutter als „Frauen“, was problematisch ist. Wenn wir Testosteron beispielsweise als männliches Hormon bezeichnen, dann ordnen wir alles, womit es in Verbindung gebracht wird – Ehrgeiz, sexuelles Verlangen und Muskelmasse – Männern zu, und das tut all jenen mit einem weiblichen Fortpflanzungssystem unrecht, weil diese Faktoren auch in unserem Leben eine wichtige Rolle spielen. Nicht jeder Mensch, der eine Frau ist, verfügt über einen Menstruationszyklus oder eine Gebärmutter, und ebenso ist nicht jeder Mensch, der menstruiert oder eine Gebärmutter besitzt, eine Frau. Es ist mir wichtig zu respektieren, dass Menschen aller Geschlechtsidentitäten einen Menstruationszyklus haben können. Daher habe ich möglichst auf den Einsatz von Pronomen verzichtet, um eine inklusive Sprache zu verwenden, die diese Diversität widerspiegelt. Der hierfür von mir teilweise verwendete Begriff der „menstruierenden Person“ ist nicht immer ideal, denn wenn Sie gerade nicht Ihre Regel haben, dann fühlen Sie sich womöglich nicht angesprochen. Auch kann es sein, dass Menschen sich auf eine Körperfunktion reduziert fühlen. „Menschen mit Periode“ klingt vielleicht ein wenig besser, auch wenn es das zuvor angesprochene Problem nicht löst. In den Fällen, in denen ich die Worte „Mädchen“ oder „Frau“ verwende, spiegele ich damit entweder die Sprache der zitierten Forschungen wider (hier wollte ich nicht sprachlich eingreifen, da es praktisch keine Forschungsergebnisse zu Menstruation und Transgendern gibt), oder ich verwende sie, um das Patriarchat zu verdeutlichen. Ich hoffe, dass meine Sprachwahl so ausgewogen und inklusiv ist, wie es meiner Intention entspricht.

In jedem Fall gehe ich davon aus, dass Sie jemand sind, der es verdient zu erfahren, was sich Monat für Monat in Ihrem Körper abspielt, und dass Ihnen daran liegt, Ihr Leben einfacher und angenehmer zu gestalten. Wenn Sie sich bewusst durch Ihren Menstruationszyklus zu bewegen wissen, dann sind Sie im Fluss. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass meine biologische Ausstattung mir im Leben eher im Weg stehen und Ärger bescheren würde. Ich lernte nicht, meinem Körper zu vertrauen. Dieses Buch erwuchs aus dem Wunsch, gegen diese Überzeugungen anzugehen und zu zeigen, dass unsere Physiologie eine Superkraft ist und uns keineswegs ausbremsen muss. Der Menstruationszyklus wird nur selten beachtet, aber ich hoffe, dass Sie am Ende dieses Buchs erkannt haben werden, dass er das am wenigsten genutzte und geschätzte Werkzeug zur Verbesserung unseres Lebens darstellt.

Ja, wir sind hormongesteuerte Wesen – und das ist auch gut so.

Meine eigene Geschichte

Ich hatte früher mit extremen Regelschmerzen zu kämpfen, und wenn ich extrem sage, dann meine ich das genau so. Ich musste mich an öffentlichen Orten auf den Boden legen, weil ich nicht mehr stehen konnte. Ich wusste oft nicht, wie ich es nach Hause schaffen sollte, wo ich mich verkriechen konnte. Regelmäßig wachte ich mit extremen Schmerzen auf und ließ mir um zwei Uhr nachts heiße Bäder ein, während ich verzweifelt darauf wartete, dass die Schmerztabletten endlich wirkten. Manchmal hatte ich das Gefühl, mein Steißbein und meine Hüften würden unter dem Druck zerbrechen. Ich habe mir drei Monate in Folge die Haut so stark verbrannt, dass ich Brandblasen bekam, weil eine heiße Wärmflasche das einzige Mittel war, das bei den rasenden Schmerzen wenigstens etwas zu helfen schien. Es gab Momente, in denen ich kurz davor stand, den Rettungsdienst zu rufen und die Sanitäter um Morphium anzubetteln.

Ich habe Jahre damit verbracht, diesen Schmerz zu heilen – am Anfang eher halbherzig, dann nahezu mit Besessenheit. Akupunktur, chinesische Kräuter, westliche Kräuter, Osteopathie, Reflexzonenmassage, Massage, Homöopathie, Ernährung, Achtsamkeit für den Menstruationszyklus, kognitive Verhaltenstherapie, Psychotherapie, Heilung durch Handauflegen, Yoga, Scheidung, Masturbation … Ich habe wirklich nichts ausgelassen. Ich habe flehentlich um Schmerzlinderung gebeten, im Stillen und bei Ärzten. Ich habe Unmengen von Schmerzmitteln genommen und muss sagen: ein Hoch auf alle Schmerzmittel, seien sie natürlich oder pharmazeutisch. Ich weiß nicht, was ich ohne sie getan hätte.

In den vergangenen fünf Jahren haben mich Regelschmerzen nicht mehr belastet. Mein eigener Heilungsweg war auch der Grund, warum ich es mir zur Aufgabe gemacht habe, andere Menschen dabei zu unterstützen, ihre Menstruations- und Hormonprobleme zu verstehen. Inspiriert wurde ich dabei von den weisen Frauen, von denen ich behandelt wurde und deren Therapieformen mich fasziniert haben. Ich habe mittlerweile einen Bachelor in Akupunktur sowie Diplome in Arvigo®-Therapie (Arvigo Techniques of Maya Abdominal Therapy®, kurz ATMAT, eine Form der Unterleibsmassage, siehe Seite 343), Aromatherapie und Reflexzonenmassage. Dann bin ich noch – wissbegierig, wie ich nun einmal bin – bei verschiedenen weltweit führenden Vertretern des wachsenden Felds der Menstrualität in die Lehre gegangen und habe erfahren, wie Ernährung und Lebensweise unseren Zyklus beeinflussen können und welche psychologischen Auswirkungen er hat.

Nach und nach konzentrierten sich mein persönliches ebenso wie mein Berufsleben immer stärker auf die Menstruationsgesundheit, und weil ich mich ja sozusagen selbst in den Dienst der Sache gestellt und so viele verschiedene Wege ausprobiert hatte, um meine eigene Gesundheit zu verbessern, wusste ich, wie ich Ratsuchenden helfen konnte und welche Techniken für ihre spezielle Situation oder ihren Zustand geeignet sein könnten. Der eine Ansatz aber, der sich für alle am einfachsten und effektivsten umsetzen ließ, war das Wissen darum, was tatsächlich in einem Menstruationszyklus abläuft und wie man seinen Alltag möglichst gut auf die eigenen Rhythmen und Bedürfnisse abstimmt. Immer wieder wurde ich gebeten, Diagramme zu zeichnen und Stichpunkte zu notieren, damit diese mit Freunden geteilt werden konnten. Aus diesem Grund begann ich irgendwann, neben meiner Einzelarbeit auch Workshops zur Menstruationsgesundheit zu geben. Hier wurde es dann erst richtig interessant, und meine Arbeit nahm neue Dimensionen an, denn es ist etwas sehr Machtvolles und Beeindruckendes, in einer Gruppe von Frauen zusammenzusitzen und gemeinsam die jeweiligen Zyklen zu erforschen. Die Teilnehmerinnen weinten. Ich weinte. Wir äußerten unsere Wut darüber, dass niemand uns diese wichtigen Informationen gegeben hatte, als wir vierzehn waren, oder dreißig, oder vierzig. In einigen Fällen sogar fünfzig. Es gab Frauen, die darum trauerten, aufgrund der Menopause keine Blutungen mehr zu bekommen, sodass sie das Wissen nicht mehr aktiv anwenden konnten. Aber sie zeigten auch Erleichterung, weil sie endlich verstanden, was während ihrer Menstruationsjahre abgelaufen war. Wir trauerten auch darum, dass niemand unsere Mütter aufgeklärt hatte, sodass sie ihrerseits nichts an uns hatten weitergeben können. Wir entdeckten die Themen, die uns miteinander verbanden – die eigene Geschichte und die der anderen waren oft ähnlich. Immer mehr Frauen kontaktierten mich und wollten liebend gerne zu einem Workshop kommen, aber die Entfernung sei einfach zu groß. Alle fragten sie, ob es noch einen anderen Weg gebe, mit mir zu arbeiten. Und so entstand die Idee zu diesem Buch.

Die Zeiten ändern sich

Die Idee, dass die Periode eine Art Zeugnis über die Gesamtgesundheit abgeben kann, stammt vom American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG), der größten gynäkologisch-geburtshilflichen Fachgesellschaft in den USA. Im Jahr 2015 empfahl die ACOG, dass der Menstruationszyklus als eine Art fünfter Vitalwert angesehen werden sollte, wenn es um die Gesundheit menstruierender Teenager geht, wobei einige Experten die Meinung vertraten, dass dies auf das gesamte gebärfähige Alter einer Frau ausgedehnt werden sollte, und dem kann ich absolut zustimmen.

Die Medienorganisation NPR (National Public Radio) ernannte das Jahr 2015 zum „Jahr der Periode“, weil sich die Verwendung des Wortes „Menstruation“ in den Nachrichtenbeiträgen zwischen 2010 und 2015 verdreifacht hatte, vor allem dank so prominenter Beiträge wie jenem über die Zensur eines Fotos von Rupi Kaur, das sie auf einem Bett liegend zeigt mit Blutflecken auf ihrer Hose und dem Laken, oder dem Marathonlauf von Kiran Gandhi in London, bei dem sie nichts tat, um ihre Blutung zu stoppen. Und dann war da noch die Reaktion auf Donald Trumps spöttische Bemerkung über Megyn Kelly, die die Bewegung #PeriodsAreNotAnInsult ins Leben rief. Gleichzeitig wurden die Rufe zur Abschaffung der Steuer auf Tampons, Binden und andere Menstruationsprodukte immer lauter. Schließlich ist es wirklich unverständlich, dass Tampons besteuert werden, Orangenkekse und Viagra aber nicht. (Die Aussage betrifft UK; in Deutschland werden seit 2020 Menstruationsprodukte nur noch mit 7 statt 19 Prozent besteuert; Anm. d. Übers.)

Es geht also voran. Nach einem erfolgreichen Pilotversuch hat die schottische Regierung mehr als 500 000 britische Pfund für einen Plan ausgegeben, demzufolge Haushalte mit niedrigem Einkommen kostenlos Menstruationsartikel erhalten, und vor Kurzem wurde damit begonnen, sie an Schüler und Studenten an allen Schulen, Colleges und Universitäten auszugeben. Leider haben die konservative Regierung in England und das englische Kultusministerium nicht mitgezogen.

Die Kampagne #freeperiods, angeführt von der Teenager-Aktivistin Amika George, erhielt massive öffentliche Unterstützung, und nach einer von der Organisation The Pink Protest organisierten Demonstration vor dem Parlament in London verpflichtete sich die Regierung tatsächlich, Mittel in Höhe von 15 Millionen britischen Pfund bereitzustellen, um die Periodenarmut in Großbritannien anzugehen – ein wahrhaft unglaubliches Ergebnis. Doch obwohl gleichzeitig angekündigt wurde, auch die Tampon-Steuer abzuschaffen, und der britische Ärzteverband (BMA) einen Antrag zur Beendigung der Periodenarmut unterstützte, besteht die Steuer immer noch.

Zum Glück gibt es einige Politiker, die sich dafür einsetzen, dass das Thema auf dem Tisch bleibt. Die Abgeordnete Danielle Rowley stand kürzlich im britischen Parlament auf und verkündete, dass sie gerade ihre Tage habe (Faustcheck, Schwester!). In den USA war der demokratische Abgeordnete Sean Maloney aus New York schockiert, als die Verwaltung ihm Kosten in Höhe von 37,16 US-Dollar nicht erstattete, die in seinem Büro für Tampons für Mitarbeiter und Besucher angefallen waren. Laut Mahoney sollten wir „damit aufhören, so zu tun, als wäre der tägliche Bedarf einer Frau etwas, mit dem wir nicht umgehen können.“ Männer, die sich für die Sache einsetzen wollen, dürfen sich gerne ein Beispiel an Maloney nehmen!

Eine zunehmende Zahl an Universitäten und Unternehmen stellt Studenten, Mitarbeitern und Besuchern kostenlose Menstruationsprodukte zur Verfügung. Kenia und Uganda haben ihre Steuern auf Menstruationsprodukte abgeschafft und Indien hat die 12-Prozent-Steuer auf Binden gekippt. In Kanada wurde die Mehrwertsteuer auf Binden und Tampons 2015 abgeschafft, ebenso wie in sechs US-Bundesstaaten, und es sieht so aus, als würde Australien in Kürze nachziehen.

Das sind durchaus Fortschritte, aber sie reichen nicht aus, denn es geht nicht nur um den Zugang zu Produkten, der vereinfacht werden muss. Wenn wir daran arbeiten wollen, die Scham und den Makel zu beseitigen, die häufig noch immer mit der Regelblutung verbunden sind, dann müssen wir weiter gehen. Wir müssen den Zugang zu Informationen und Bildung verbessern und lernen, eine andere Sprache zu verwenden, wenn wir über die Menstruation sprechen. In unserer Gesellschaft ist es die Schwangerschaft, und folglich das Fehlen einer Blutung, die gefeiert wird, und solange wir als reine „Fortpflanzungsgefäße“ betrachtet werden, bleibt unsere Menstruation etwas Ekliges und Verborgenes, ein Zeichen unserer Unfähigkeit, uns fortzupflanzen, statt unsere Fähigkeit als „Zuchtstuten“ zu erfüllen. Bei dem Stigma, das die Sprache und das Verhalten rund um die Periode dominiert, geht es vor allem um die Scham über einen fehlgeschlagenen Zyklus. Wenn Menstruationsartikel als weibliche Hygieneprodukte bezeichnet werden, dann lässt sich daraus ableiten, dass wir wohl schmutzig und unhygienisch sind. Und dann gibt es da noch die neue Tampon-Produktlinie von Tampax® mit dem Namen „Pure and Clean“ – denn auch wenn man einen Tampon benutzt, kann man ein braves Mädchen sein, Jungfrau bleiben, wie es sich gehört, und dazu noch sauber und rein sein.

Einige Unternehmen nehmen zugegebenermaßen Tabus in Angriff. Erstaunlicherweise ist niemals eine tatsächliche Damenbinde in einer Anzeige aufgetaucht, bis Bodyform® im Jahr 2016 eine echte zeigte. Gleichzeitig räumte die Firma mit dem Mythos der blauen Ersatzflüssigkeit auf, und zeigte eine rote Flüssigkeit, ebenso wie Blut, das am Bein einer Frau entlanglief, während sie duschte. In Indien gibt es den Mythos, dass Mädchen und Frauen während ihrer Periode eingelegtes Gemüse verderben lassen können. Folglich stieß die Werbekampagne #touchthepickle für Binden von Procter & Gamble mit dem Markennamen Whisper® auf viel Aufmerksamkeit und gewann sogar einen Preis in Cannes. Dennoch sollten wir wachsam bleiben, wenn Unternehmen unter dem Deckmantel des Aktivismus mitmischen wollen. Als die Procter & Gamble-Marke Always® in einer (Marketing-) Kampagne ankündigte, der Periodenarmut ein Ende setzen zu wollen, indem für jede im April 2018 gekaufte Packung Always-Ultra-Binden die läppische Spende von einer Binde ermöglicht werden sollte (die Kampagne ging tatsächlich nur über einen Monat!), wurde dem Unternehmen zu Recht vorgeworfen, aus Armut Profit schlagen zu wollen. Gabby Edlin, Gründerin von Bloody Good Period – einer Organisation, die gespendete Menstruationsartikel an Asylsuchende, Flüchtlinge und alle weitergibt, die sie sich sonst nicht leisten könnten – kommentierte die Kampagne so: „Sie erheben nicht ihre Stimme. Sie setzen Periodenarmut lediglich als Marketingwerkzeug ein. … Weniger hätten sie gar nicht tun können.“ Im Gegensatz dazu stehen Unternehmen wie Hey Girls, Conscious Period und Ruby Cup, die für jedes gekaufte Produkt das gleiche Produkt einmal spenden. Die Firma The Cup Effect verkauft Menstruationstassen auf gemeinnütziger Basis und für jede gekaufte Tasse werden zwei Tassen an Menschen gespendet, die unter Periodenarmut leiden.

Wie also ändern wir die Weise, in der man über die Blutung spricht? Wir müssen unsere Geschichten erzählen, denn es sind vor allem Gespräche, die die Menstruationsbewegung voranbringen. Je häufiger wir über unsere Erfahrungen und Probleme sprechen, umso weniger lassen sie sich ignorieren. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menstruationszyklen ausgeblendet oder abqualifiziert werden, weil sie nur eine Hälfte der Bevölkerung betreffen. Menschen mit einer Gebärmutter sind keine Randgruppe.

In ihrem ausgesprochen amüsanten und zutreffenden Essay aus dem Jahr 1978 mit dem Titel „Wenn Männer menstruieren könnten“ beschreibt die Autorin, Aktivistin und Feministin Gloria Steinem, dass „die Menstruation zu einem beneidenswerten maskulinen Ereignis würde – Männer würden prahlen, wie lange und wie viel sie bluten.“ Und es gäbe sicher ein passendes Emoji dazu – etwas, das die Hilfsorganisation Plan UK fordert, um das Gespräch über die Regel zu fördern. In ihrer Begründung gibt die Organisation an, dass „Frauen und Mädchen im 21. Jahrhundert immer noch nicht die am schnellsten wachsende globale Sprache nutzen können, um über ihre Periode zu reden.“ Sicherlich würde ein roter Tropfen – das von Plan UK vorgeschlagene Emoji – häufiger genutzt als ein schwebender Mann im Raumanzug? (Den roten Tropfen gibt es inzwischen; Anm. d. Übers.)

Ein einfacher Akt der Revolution besteht darin, mehr über den eigenen Körper zu lernen, seinen Zyklus näher zu erkunden und die eigene Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Experten in Hormon- und Reproduktionsgesundheit können dabei ebenso wie die wachsende Anzahl an medizinischen Hilfsgeräten, die mittlerweile auf dem Markt sind, eine große Hilfe darstellen, aber Sie benötigen sie nicht wirklich, um sich selbst kennen zu lernen. Alles, was Sie benötigen, sind Informationen, damit Sie verstehen lernen, was in Ihrem Körper vor sich geht, und dazu noch einen Stift und Papier, damit Sie festhalten können, wie Sie sich jeweils fühlen. Wenn Sie außerdem Buch darüber führen möchten, wie sich Ihre Körpertemperatur im Verlauf eines Zyklus verändert, damit Sie Ihren Eisprung bestimmen können, benötigen Sie zusätzlich ein digitales Thermometer.

Unsere Körper sind lange Zeit gegen uns eingesetzt worden und haben uns Positionen mit Einfluss und Macht verwehrt, aber eine Trendwende hat eingesetzt, und es ist an der Zeit, einen Nutzen aus dem zu ziehen, was unsere Hormone für uns tun können.

TEIL 1
LERNEN SIE SICH SELBST KENNEN
Sich selbst zu kennen, ist der Beginn aller Weisheit.
– Aristoteles –

Ich möchte Ihnen alle Informationen an die Hand geben, die Sie benötigen, um Ihren Köper und Menstruationszyklus zu verstehen, also lassen Sie uns bei den Grundlagen beginnen, die Sie bereits im Sexualkundeunterricht in der Schule hätten lernen sollen, wahrscheinlich aber nicht gelernt haben.

Sie haben ein Recht, Ihren Körper zu kennen und zu verstehen. Wenn Sie über alles, was mit der Menstruation zu tun hat, Bescheid wissen, wird es Ihnen wesentlich leichter fallen festzustellen, wann etwas nicht ganz in Ordnung ist. Zu verstehen, wie alles funktioniert, hilft die „angelernte“ Scham zu überwinden, die viele von uns in Bezug auf unsere – normalerweise sehr gesunden und normalen – Körperfunktionen empfinden.

Außerdem ist Ihr Körper natürlich großartig und faszinierend und er ist es wert, kennengelernt zu werden! Sind Sie bereit, einen Blick unter die Motorhaube zu werfen?

Kapitel 1
Die berühmt-berüchtigte Vagina

Reisen wir doch einmal zurück in der Zeit bis zu dem Punkt, als Sie ein frisch befruchtetes Ei im Inneren Ihrer Mutter waren, ein unglaubliches Bündel sich entwickelnder Zellen. Als Ihre Eltern Sie zeugten und ihre Erbanlagen aufeinander trafen und sich vermischten, wurde Ihr genetisches Geschlecht entweder als weiblich oder männlich festgelegt. Wenn es um die sexuelle Entwicklung geht, ist das frühe Genitalsystem in den ersten sechs Wochen bei beiden Geschlechtern nahezu gleich – etwas, das meine Klientinnen immer wieder erstaunt und Sie vielleicht auch. Wenn Sie genauer sehen möchten, wie sich die weiblichen und männlichen Genitalien im Verlauf der Schwangerschaft entwickeln und differenzieren, dann schauen Sie sich die Zeichnung auf der übernächsten Seite an.

In der siebten Schwangerschaftswoche beginnen Embryonen, die dazu bestimmt sind, männliche Genitalien zu entwickeln, mit der Bildung von Hoden und der Abgabe von testikulären Hormonen, die eine Maskulinisierung der äußeren Geschlechtsorgane bewirken. In der Folge schließen sich verschiedene Falten, was einen verräterischen Saum hinterlässt, der den ganzen Penis hinunter über die Mitte des Hodensacks bis hin zum Anus verläuft und ein Leben lang sichtbar bleibt. Ein weiteres Hormon hindert männliche Embryonen daran, weibliche Fortpflanzungsstrukturen zu entwickeln, während bei den weiblichen Embryonen das Fehlen genau dieser Hormone die Entwicklung von Gebärmutter, Muttermund und Eileitern ermöglicht. Bei den äußeren Geschlechtsmerkmalen wird der Genitalhöcker, der bei männlichen Embryonen zur Eichel des Penis wird – auch Glans penis genannt – zur Glans clitoralis oder Klitoriseichel bei Frauen. Die genitalen Falten verschmelzen nicht wie bei den männlichen Embryonen, sondern bilden stattdessen die inneren Schamlippen (Labia minora). Die labioskrotalen Schwellungen werden zu den äußeren Schamlippen (Labia majora). Im Grunde genommen haben Frauen und Männer also die gleiche „Ausrüstung“ und sehen zu Beginn auch im Genitalbereich gleich aus, bis dann ein männlicher Embryo in der Frühschwangerschaft aufgrund bestimmter Hormone männliche Genitalien entwickelt. Ein weiblicher Embryo setzt die Entwicklung einfach weiter fort. Wenn ein Mensch zu einem späteren Zeitpunkt in seinem Leben eine geschlechtliche Identität hat, die nicht den Genitalien entspricht, mit denen er geboren wurde, kann er eine operative Geschlechtsumwandlung veranlassen und aus dem Penis kann eine Klitoris werden oder umgekehrt. Ist die moderne Medizin nicht wunderbar?

Eine Tour rund um Ihre Vagina

Da Sie nun wissen, wie alles begann und auf welche Weise Sie zu Ihrer genitalen Ausstattung gekommen sind, wollen wir einmal einen näheren Blick auf all das werfen, was Sie da unten so haben. Und wenn Sie gleich mitschauen möchten, schnappen Sie sich einen Spiegel und los geht’s!

Vulva

Kennen Sie Ihre?

Und wissen Sie, wo sie sich befindet? Die britische Hilfsorganisation The Eve Appeal fand heraus, dass 60 Prozent der von ihr befragten Britinnen nicht in der Lage waren, die Vulva auf einem medizinischen Diagramm zu finden1. Eigentlich kein Wunder, wenn man sich vor Augen führt, wie unzureichend unser Sexualkundeunterricht in der Regel ist. Um gar nicht erst lange drumherum zu reden: Mit dem Begriff Vulva – oder auch Scham – bezeichnet man die gesamten äußeren Genitalien, einschließlich des Schamhügels (das ist der Hügel aus Fettgewebe, der sich über Ihrem Schambein befindet und mit Schamhaar bewachsen ist), der inneren und äußeren Schamlippen, der Klitoris mit ihrer wunderhübschen Haube, des Damms und der Öffnungen von Vagina (Scheide) und Harnröhre (wo der Urin austritt).

Was die meisten von uns als Vagina bezeichnen, ist also eigentlich die Vulva. Die Scheide ist die innen liegende Röhre, die Ihre äußeren Genitalien – Ihre Vulva also – mit Ihrer Gebärmutter, dem Uterus, verbindet. Es ist die einzige Öffnung, die sichtbar ist, wenn man die Schamlippen auseinander schiebt. Können Sie sich vorstellen, dass ein Mann, oder auch eine Frau, die verschiedenen Teile verwechselt, die das männliche Genital ausmachen? Ich glaube kaum; also sollten wir tun, was wir tun können, um unsere Körper für uns zu erobern, indem wir die richtige Terminologie verwenden.


Nun, da Sie wissen, was die Vulva tatsächlich ist, sollten wir einen genaueren Blick auf ihre einzelnen Teile werfen. Beginnen wir doch gleich ganz oben mit meinem Lieblingsteil, der Klitoris.

Klitoris

Bei Ihrer Klitoris, die mit der erstaunlichen Anzahl von 8.000 Nervenenden ausgestattet ist (das sind doppelt so viele wie beim männlichen Äquivalent, der Eichel), geht es vor allem um Lust. Ihre Lust. Während der Penis verschiedene Funktionen erfüllt – Wasserlassen, Ejakulation, Penetration und körperliche Empfindungen – ist die Klitoris das einzige Organ, das allein der sexuellen Stimulierung und Erregung dient. Und zwar weil wir – wer hätte es gedacht! – mehr sind als Brutmaschinen.

Die Klitoris ist für das menschliche Auge nur zum Teil sichtbar, und zwar nicht, weil sie vielleicht gerade unter ihrer Haube steckt, sondern weil die Klitoris im Grunde wie ein Eisberg zu einem großen Teil verborgen ist. Sie ist nämlich gar nicht „erbsengroß“, wie Lexika und medizinische Fachtexte uns glauben machen wollen (wenn die Klitoris überhaupt in ihnen vorkommt), sondern verfügt tatsächlich über eine Länge von 7 bis 12 Zentimetern. Der Teil, der uns am vertrautesten ist, ist die Klitoriseichel oder Glans clitoris, die sich am oberen Ende der Vulva befindet.

Wo also steckt der Rest?

Dank der australischen Urologin Helen O’Connell, die die äußere und innere Klitoris in ihrer Gesamtheit kartiert hat, wissen wir mittlerweile, dass an ihr wesentlich mehr dran ist, als es zunächst den Anschein hat. Innen liegt ein Schwellkörper, der Bulbus vestibuli, der sich bis weit in die Vagina hinein erstreckt (einige Experten glauben, dass hier der berühmte G-Punkt angesiedelt sein könnte), und es gibt zwei Schenkel (Crus clitoridis), die die Öffnung zu Ihrer Vagina auskleiden. Schenkel und Schwellkörper sind mit Muskelgewebe überzogen, das in puncto Erregung und Orgasmus eine entscheidende Rolle spielt, indem es die Spannung und die willkürlichen Kontraktionen hervorruft, die Sie wahrscheinlich kennen.

Und wissen Sie, wann genau Helen O’Connell diese Entdeckung gemacht hat? 1998.

Ja, Sie haben richtig gelesen, 1998. Wir kennen die kompletten Ausmaße der Klitoris seit 20 Jahren, und immer noch gibt es wissenschaftliche Texte und Artikel, die sie als „kleine Erbse“ beschreiben. Gerne fällt auch der Begriff „phallusähnlich“, wobei ich eingedenk der Tatsache, dass die Klitoris in ihrer Gesamtheit größer ist als der durchschnittliche nicht erigierte Penis, eher die Sichtweise vertrete, dass der Penis eine kleine Klitoris ist.


Die Klitoriseichel kann zwischen 0,5 und 3 Zentimetern lang sein und besitzt (ähnlich der Vorhaut am Penis) eine Haube, die je nach der wunderbaren und einzigartigen Konfiguration verschiedener Geschlechtsteile verschiedene Größen aufweisen kann. Die Haube, die auch als Klitorisvorhaut bezeichnet wird, kann von Ihnen oder Ihrem Sexualpartner zurückgezogen werden oder sie tut dies auch von selbst, wenn Sie erregt sind. Im Erregungszustand schwillt die Klitoris an und die Eichel wird dadurch häufig besser sichtbar und ist leichter zu finden. Einige wenige Klitorides (ja genau, das ist der Plural) sind nicht komplett sichtbar, häufig aufgrund von Verklebungen. In solchen Fällen klebt die Innenseite der Haube an der Klitoris fest. Je nachdem wie stark dies der Fall ist, bleibt die Klitoris ständig verdeckt, was zu Reizungen, Schmerzen, Infektionen und sexuellen Funktionsstörungen führen kann, zum Beispiel weniger ausgeprägtem Empfinden und verhaltenen Orgasmen beziehungsweise gar keinen. Sollten Sie davon betroffen sein, dann wenden Sie sich bitte an einen Facharzt, der auf derlei Symptome spezialisiert ist und solche Verklebungen zu diagnostizieren weiß, denn laut einer Studie litt eine von fünf Frauen, die eine gynäkologische Fachpraxis aufsuchten, unter einer mehr oder weniger ausgeprägten Form von Verklebung.2 Wenn Verklebungen an der Klitoris Probleme verursachen, kann ein kleiner Eingriff unter lokaler Betäubung Abhilfe schaffen.

Die Größe der Klitoris ist nicht nur von Frau zu Frau verschieden, sondern ändert sich auch im Verlauf des Lebens. Eine kleine Studie fand heraus, dass sie sogar im Verlauf eines Menstruationszyklus die Größe ändert.3 Rund um den Eisprung wuchs ihr Volumen um 20 Prozent und nahm dann kurz vor der Menstruation wieder ab. Eine andere Studie entdeckte, dass die Klitoris durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel schrumpfen kann.4 Folgeuntersuchungen ergaben, dass von 40 Frauen, die entweder die Pille nahmen oder einen Vaginalring benutzten, dies bei allen mit einer Verkleinerung der Klitoris einherging.5 Tja, Klitorisschwund lässt sich wohl nicht leugnen. Aber die Klitoris wächst auch mit dem Alter, speziell nach der Hormonumstellung, die die Menopause mit sich bringt. Wie auch immer Ihre Klitoris aussieht, sie ist wunderschön und verdient Ihre Liebe und Wertschätzung, genau wie der Rest Ihres Körpers.

Wenn die bloße Penetration Sie nicht zum Orgasmus bringt, dann stehen Sie damit nicht alleine da – nur rund 18 Prozent der Frauen erreichen allein dadurch einen Orgasmus, während die große Mehrheit von uns dafür eine Stimulierung der Klitoris benötigt.6 Kein Wunder eigentlich, denn schließlich ist es die Klitoris und nicht die Vagina, die vollgepackt ist mit Nervenenden. Da wir nun zudem die vollständige Anatomie der Klitoris kennen, glauben einige Experten, dass „vaginale Orgasmen“ und „G-Punkt-Orgasmen“ im Grunde klitorale Orgasmen sind – es handelt sich einfach nur um solche, an denen die innen liegenden Teile der Klitoris beteiligt sind.

Trotz des Wissens und der Tatsache, dass sich die meisten von uns beim Masturbieren rein auf die Klitoris konzentrieren, geht es bei heterosexuellem Sex zu einem großen Teil um die vaginale Penetration, was erklärt, warum es so große Unterschiede zwischen den Orgasmen von Männern und Frauen gibt. Stellen Sie sich einmal vor, die Dinge wären umgekehrt und wir würden dem Penis nur eine kurze oberflächliche Beachtung schenken, bevor unsere Aufmerksamkeit zu Hoden oder Oberschenkeln wanderte, und wir würden ganz selbstverständlich von den Männern erwarten, dass dies sie zum Orgasmus brächte – ob sich ein Mann das wohl gefallen lassen würde? Wahrscheinlich nicht, warum also sollten wir es tun? Wenn wir erregt sind, werden wir feucht, aber wussten Sie schon, dass wir auch steif werden? Die Klitoris erigiert nämlich auch und diese Erektionen treten sogar während der Nacht auf. Sie können auf diese Weise im Schlaf bis zu acht Erektionen pro Nacht haben.7

Schamlippen

Unabhängig davon, was medizinische oder pornografische Abbildungen uns glauben machen wollen, sind Schamlippen keineswegs symmetrisch und weisen eine ganz unterschiedliche Dicke, Länge, Form, Behaarung und Farbe auf. Alle Varianten sind normal und großartig.

Labia ist der lateinische Plural für Lippen. Die äußeren Schamlippen (Labia majora) liegen, wie der Name schon sagt, außen. Sie sind fülliger als die inneren und dienen als schützendes Kissen, das beispielsweise beim Fahrradfahren äußerst nützlich ist. Außerdem besitzen sie im Gegensatz zu den inneren Schamlippen Haarfollikel. Die Schambehaarung an den äußeren Schamlippen dient dem Schutz. Sie hilft Hautabschürfungen zu vermeiden und ist sozusagen die erste Verteidigungslinie gegen Invasoren. Ganz ähnlich wie die Haare in der Nase, die möglichst viele Bakterien und Schadstoffe aus der Atemluft herausfiltern, hilft die Schambehaarung dabei, das Eindringen von Bakterien zu verhindern. Ob Ihre äußeren Schamlippen dichten oder eher spärlichen Haarwuchs aufweisen, hängt damit zusammen, wie viele Haarfollikel Sie dort besitzen.

Ihre inneren Schamlippen liegen – richtig geraten! – weiter innen. Bei einigen sind sie sozusagen verborgen und werden erst beim Auseinanderziehen der äußeren Schamlippen sichtbar. Es kann aber auch sein, dass sie deutlich erkennbar sind und über die äußeren herausragen. Alles ganz normal und wunderbar.

Die inneren Schamlippen sind dünner und empfindlicher als die äußeren. Dank ihrer guten Durchblutung schwellen sie an, wenn Sie erregt sind, was wiederum die Empfindsamkeit noch weiter erhöhen kann. Sie sind mit Schleimhaut bedeckt, einer Zellschicht, die sich auch an Ihren anderen Körperöffnungen findet, also an Nasenlöchern, Mund, Augen, Ohren, Anus und Harnröhre. Die Schleimhaut soll nicht nur Krankheitserreger daran hindern, in den Körper einzudringen, sondern gibt auch Flüssigkeit ab, um diese Gewebe feucht zu halten. Diese Funktion kann nachlassen, wenn während der Menopause der Östrogenspiegel sinkt, was eine mögliche Ursache für Scheidentrockenheit ist.

Weibliche Pornostars und Schauspielerinnen lassen ihre Schamlippen manchmal mithilfe von Schönheitschirurgie (der sogenannten Labioplastik) „perfektionieren“. Dann werden die Fotos meist noch digital nachbearbeitet, um das Erscheinungsbild weiblicher Genitalien zu „verbessern“, sodass unsere Vorstellungen vom Aussehen der Vulva immer begrenzter werden. Womöglich denken Jungs im Teenageralter mittlerweile, dass eine unbehaarte Vulva der Normalfall ist. Natürlich bleibt es ganz Ihnen überlassen, was Sie mit Ihrem Körper tun, aber meiner Meinung nach läuft etwas verkehrt, wenn – wie es derzeit der Fall ist – die Zahl dieser Operationen stetig ansteigt und Berichten zufolge sogar schon Neunjährige Interesse daran zeigen.8 Wenn Sie einen Eindruck davon bekommen möchten, wie extrem unterschiedlich Vulven aussehen können, dann empfehle ich Ihnen einmal einen Blick in The Vulva Gallery auf Instagram zu werfen. Hier finden Sie Zeichnungen von Vulven, zusammen mit den persönlichen Geschichten ihrer Besitzerinnen.

Scheidenvorhof

Wenn Sie die inneren Schamlippen auseinanderziehen, wird Ihr Scheidenvorhof sichtbar. Dabei handelt es sich um den Teil Ihrer Vulva, der zwischen Ihren Schamlippen und der Vaginalöffnung liegt. Dieser Vorhof besitzt zwei Öffnungen – die Harnröhrenöffnung und die Vaginalöffnung. Die Harnröhrenöffnung, aus der Sie pinkeln, befindet sich unterhalb der Klitoris und oberhalb der Vaginalöffnung. Auf beiden Seiten der Vaginalöffnung befinden sich die zwei Bartholin-Drüsen, die auch als große Vorhofdrüsen bezeichnet werden. Und obwohl sie groß(artig) sind – sie geben nämlich ein Sekret ab, wenn wir erregt sind –, sind sie ansonsten eher klein und für das menschliche Auge normalerweise nicht sichtbar. Von hier stammt die Flüssigkeit, wenn Sie feucht werden. Das männliche Äquivalent ist die Cowper-Drüse, die unter der Prostata sitzt und Präejakulat abgibt (ja, auch Männer werden feucht).

Ihre Skene-Drüsen, auch Paraurethraldrüsen genannt, befinden sich in der Scheidenwand, treten jedoch nahe der Harnröhrenöffnung an die Oberfläche. Sie produzieren rund ein Drittel der Flüssigkeit, die bei Erregung abgegeben wird, und wenn Sie jemals beim Orgasmus gespritzt haben, dann stammte dieses Ejakulat aus den Skene-Drüsen.

Lassen wir unsere (sowieso leicht reizbare) Harnröhrenöffnung einmal aus und stürzen uns lieber gleich ins Innere der Vagina.

Vaginalöffnung und Jungfernhäutchen

Am Eingang zur Scheide finden wir das sagenumwobene Jungfernhäutchen oder Hymen (sofern vorhanden), und tatsächlich gehört Vieles, was wir darüber gelernt haben, ins Reich der Legenden. Das Jungfernhäutchen ist nämlich keineswegs eine Art Abdichtung, die durch die erste vaginale Penetration durchbohrt wird und Sie für immer zerstört und unrein zurücklässt.

Zwar deckt eine geringe Anzahl von Hymen tatsächlich die gesamte Vaginalöffnung ab (wodurch der Abfluss von Menstruationsblut erschwert wird und meist eine Operation erforderlich ist), aber die meisten Häutchen verfügen über eine Öffnung in der Mitte oder viele kleine Öffnungen (so ähnlich wie bei der Tülle einer Gießkanne). Einige sehen ein wenig aus wie Fransen, die die Vaginalöffnung zum Teil abdecken. Wieder andere verkümmern und sind im Jugendalter bereits verschwunden oder reißen leicht durch Bewegung und Sport oder die Verwendung von Tampons. Es gibt auch robuste Modelle, die sich dehnen und an das Einführen von Fingern, Tampons und Penissen gewöhnen und sich schließlich zurückbilden. Nur ein geringer Teil besteht auch später im Leben noch, und einige von uns werden sogar ganz ohne Hymen geboren.

Das Hymen ist einfach eine dünne Membran am Rand der Vaginalöffnung, auf das viele Kulturen aus Gründen, die sich mir noch nicht erschlossen haben, großen Wert legen – einen so großen, dass sogar Hymenalrekonstruktionen zur Wiederherstellung der Jungfräulichkeit angeboten werden.

Ihr Jungfernhäutchen ist kein begehrter Preis für Ihren Ehemann in Ihrer Hochzeitsnacht – es sei denn, Sie möchten das so. Es ist einfach nur ein Stück Gewebe, das sich bis dahin wahrscheinlich schon von selbst verabschiedet hat.

Vagina

Ihre Vagina, also die Scheide, ist eine Röhre, die Ihre Vulva (also die äußeren Genitalien) mit Ihrer Gebärmutter (dem Uterus) verbindet. Sie ist von außen nicht sichtbar und in einem 45-Grad-Winkel nach hinten Richtung Po geneigt. Die vordere Wand ist dabei etwas kürzer als die hintere. Ihre Blase befindet sich vor Vagina und Uterus und das Rektum (der hinterste Abschnitt des Dickdarms) dahinter.




Die Vagina ist kein klaffendes Loch, das darauf wartet gefüllt zu werden. Es ist eher so, dass die Scheidenwände einander berühren, sofern sich nicht etwas – ein Finger, ein Tampon, ein Penis, ein Sexspielzeug oder ein Baby – in der Vagina befindet. Die Oberfläche der Vagina ist mit Rillen bedeckt, die man Rugae nennt und die Sie mit dem Finger fühlen können. Die Rugae sorgen dafür, dass die Scheide hochelastisch und dehnbar ist, was den Effekt hat, dass der Muttermund höher gezogen wird, wenn Sie erregt sind. Zu bestimmten Zeiten im Menstruationszyklus – ebenso wie in der Pubertät, nachdem Sie ein Baby bekommen haben, in der Stillzeit und nach der Menopause – kann es vorkommen, dass die Scheide sich aufgrund eines niedrigen Östrogenspiegels trocken anfühlt. Scheidentrockenheit kann auch durch Rauchen, Medikamente mit antiöstrogener Wirkung und das Sjögren-Syndrom hervorgerufen werden – eine Autoimmunerkrankung, die häufig mit rheumatischen Beschwerden und Lupus einhergeht und Schleimhäute wie die von Augen, Mund und Vagina austrocknet. Ihre Vagina ist nicht mit vielen Nerven ausgestattet (sonst wäre das Kinderkriegen noch schmerzhafter) und eine ihrer Aufgaben besteht darin, zu verhindern, dass Krankheitserreger in die Gebärmutter gelangen. Das tut sie rein physisch, indem die Scheidenwände eng gegeneinander gepresst werden, und chemisch durch die Produktion von Lactobacillus acidophilus, den gesunden Bakterien, die beispielsweise in probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln und Joghurt enthalten sind. Diese Bakterien geben Milchsäure und Wasserstoffperoxid ab und tragen so dazu bei, ein saures Milieu mit einem pH-Wert von 4,9 bis 3,5 zu schaffen, in dem möglichst wenige Krankheitserreger überleben und in die Gebärmutter eindringen können. Genau wie Ihr Darm über ein eigenes Ökosystem an freundlichen Bakterien verfügt, tut dies auch Ihre Vagina, und wenn das System aus dem Gleichgewicht gerät, leiden Sie eventuell unter wiederkehrenden Pilzinfektionen und bakterieller Vaginose. Die Scheide muss nicht gereinigt oder ausgespült werden, im Gegenteil – der Einsatz von vaginalen Reinigungsprodukten oder Intimduschen kann das Bakteriengleichgewicht zerstören und Schaden anrichten. Das Fehlen einer gesunden Scheidenflora kann zu entzündlichen Beckenerkrankungen, bakterieller Vaginose, Geschlechtskrankheiten, Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften, Frühgeburten und Gebärmutterhalskrebs beitragen.9

Gebärmutterhals

Am oberen Ende der Scheide befindet sich der Eingang zur Gebärmutter, der Gebärmutterhals. Er ist ein bisschen wie ein Tor, da sein Job die meiste Zeit Ihres Lebens darin besteht, geschlossen zu bleiben. Er öffnet sich nur zur Zeit des Eisprungs, um das Eindringen von Spermien zu ermöglichen, bei der Menstruation zum Abfluss des Blutes und während der Geburt, damit ein Baby das Licht der Welt erblicken kann.

Ihr Gebärmutterhals ist der am niedrigsten gelegene und engste Teil der Gebärmutter. Sie können ihn mit dem Finger in der Scheide eventuell ertasten (wenn Sie sich hinhocken, geht es leichter). Er ist rund, und je nachdem, an welchem Zyklustag Sie sich befinden, kann er sich entweder ein wenig anfühlen wie eine Nase mit einem Grübchen in der Mitte oder wie geschürzte Lippen. Wenn Sie ein Kind zur Welt gebracht oder in den Wehen gelegen haben, ist das Grübchen in der Mitte ausgeprägter und sie können eventuell Ihre Fingerspitze hineinschieben.

Manchmal ist der Gebärmutterhals leicht zu ertasten, und zu anderen Zeiten ist er außer Reichweite, denn im Verlauf des Menstruationszyklus ändert sich nicht nur die Art, wie er sich anfühlt, sondern auch seine Position. Vor, während und nach der Periode steht er niedriger, sodass penetrativer Sex in bestimmten Positionen unangenehm sein kann. Um die Zeit des Eisprungs zieht sich der Gebärmutterhals ein wenig zusammen, um die Distanz zu verkürzen, die die Spermien zurücklegen müssen. Spermien erreichen bei der Ejakulation eine Geschwindigkeit von rund 45 Kilometern pro Stunde und haben daher kein Problem, den Gebärmutterhals zu erreichen. Sobald sie jedoch dort angekommen sind, müssen sie den Rest der Reise zu Ihren Eileitern antreten, wo dann eventuell eine Befruchtung stattfindet. Und auch wenn 15 bis 20 Zentimeter zunächst nicht so dramatisch klingen, ist das für eine kleine Zelle, die sich nur sehr langsam vorwärts bewegt, doch eine ganz schöne Strecke, für die ein Spermium 2 bis 7 Stunden braucht. Also hilft der Körper ein bisschen nach, indem er den Gebärmutterhals nach oben zieht und so die Distanz verkürzt.

Der Gebärmutterhals produziert Schleim, der wie eine Schranke Infektionen verhindern soll. Während des fruchtbaren Zeitfensters vor dem Eisprung sorgt der Anstieg von Östrogen dafür, dass der Zervikalschleim an Menge und Glibberigkeit zunimmt, sodass er fast ein wenig die Konsistenz von Eiklar hat. Das erleichtert den Spermien die Fortbewegung und das Eintreten in die Gebärmutter. Im nächsten Kapitel finden Sie genaue Informationen darüber, welchen Veränderungen der Schleim unterliegt und wie Sie anhand seiner Konsistenz Ihre fruchtbaren Tage bestimmen können.

Während der Schwangerschaft produziert Ihr Gebärmutterhals Schleim, der den Eingang zum Uterus wie ein Pfropfen verschließt – eine Schutzmaßnahme gegen das Eindringen von Keimen. Während der Wehen ist es dann von großer Bedeutung, wie offen und geweitet der Muttermund ist. Tatsächlich muss der Gebärmutterhals einige Veränderungen durchlaufen, um sich bis auf 10 Zentimeter ausdehnen zu können. Er muss dünner, weicher und kürzer werden und sich in eine nach vorn gerichtete Stellung begeben. Hat sich der Muttermund auf 10 Zentimeter geweitet, ist der Gebärmutterhals komplett offen und praktisch nicht mehr vorhanden, während der obere Teil der Gebärmutter, der Fundus, sich vergrößert hat, damit oben am Uterus der notwendige Druck nach unten für die Geburt produziert werden kann.

Wenn Sie zur gynäkologischen Untersuchung gehen, wird ein Abstrich von der Transformationszone des Gebärmutterhalses genommen, also von dem Bereich, an dem sich am häufigsten krankhafte Zellen entwickeln, um sie auf Veränderungen zu untersuchen. Wenn anormale Zellen entdeckt werden, wird eine weitere Untersuchung empfohlen, und zwar in Form einer Biopsie, bei der eine größere Menge von Zervixzellen entnommen wird, oder man wendet ein Verfahren an, das als LLETZ-Konisation oder auch LEEP-Konisation bezeichnet wird. Diese Eingriffe werden unter örtlicher Betäubung durchgeführt und involvieren den Einsatz einer kleinen Drahtschlinge, die elektrischen Strom führt, sodass das betroffene Gewebe entfernt und die Wunde gleichzeitig versiegelt wird.

Abstriche vom Gebärmutterhals sind sehr wichtig und retten Leben, also sollten Sie Ihre Vorsorgetermine einhalten.10 Einige weiterführende Untersuchungen können allerdings auch Nachteile haben und beispielsweise das Risiko von Frühgeburten, untergewichtigen Babys und Kaiserschnitten erhöhen. Die meisten Auffälligkeiten verschwinden in der Regel ohne Behandlung von selbst, und das durch Vorsorgeuntersuchungen geweckte erhöhte Bewusstsein für sie kann durchaus zu einer Überbehandlung führen. Genau aus diesem Grund wird die British Society for Colposcopy and Cervical Pathology demnächst ihre Richtlinien überarbeiten und unter anderem darüber diskutieren, ob einige Fälle nicht eher davon profitieren würden, wenn der PAP-Abstrich wiederholt und die Entwicklung aufmerksam beobachtet wird, anstatt sofort eine OP anzusetzen.

Gebärmutter

Ihre Gebärmutter oder Uterus ist ein unglaublich dynamisches Organ. Sie reagiert nicht nur extrem sensibel auf die hormonellen Signale, die sie im Verlauf eines Menstruationszyklus empfängt, sondern sie fungiert in ihren Zellen und jenen, die sie umgeben, auch selbst als hormoneller Signalgeber – all das sind kommunikative Funktionen, die lebenswichtig sind, wenn eine Empfängnis stattgefunden hat.

In Form und Größe erinnert die Gebärmutter an eine umgedrehte Birne. Sie ist etwa 7,5 Zentimeter lang und 5 Zentimeter breit, ihre Wände sind 2,5 Zentimeter dick. Vor der Gebärmutter liegt Ihre Blase und dahinter sitzt der Enddarm (Rektum).

Wenn wir Diagramme des weiblichen Fortpflanzungssystems betrachten, dann lässt uns das glauben, die Gebärmutter stünde vollkommen aufrecht und mit ausgestreckten Armen (in Form der Eileiter) da, während sie in Wahrheit eher eine bescheidene Verbeugung macht und die Arme dabei leicht nach hinten streckt. Die Gebärmutter ist zwar hohl, aber auf gleiche Weise, wie die Vaginalwände aneinander liegen, tun dies auch die Uteruswände, lediglich getrennt durch eine dünne Flüssigkeitsschicht.

Die Gebärmutter unterteilt sich in drei Bereiche. Der oberste sitzt über der Öffnung des Eileiters und wird als Fundus bezeichnet. Der mittlere Teil ist der Gebärmutterkörper und der schmalste, der Uterus und Vagina miteinander verbindet, ist der Gebärmutterhals.

Außerdem verfügt sie über drei Schichten. Die äußerste ist das dünne Perimetrium, das man auch als die Haut des Uterus bezeichnen könnte. Die mittlere Schicht, das Myometrium, besteht aus miteinander verwobenen Schichten glatter Muskulatur. Genau diese Muskelschicht kommt bei Geburt und Wehen ins Spiel und erzeugt Kontraktionswellen, die den unteren Teil der Gebärmutter nach oben ziehen und den Gebärmutterhals dazu bringen, sich zu öffnen. Die innerste Lage ist das Endometrium, die Auskleidung Ihrer Gebärmutter. Es kann sich aufgrund seiner guten Durchblutung in jedem Menstruationszyklus in Vorbereitung auf die mögliche Einnistung eines befruchteten Eis füllen und aufbauschen. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, baut es sich wieder ab beziehungsweise wird von der Gebärmutter abgestoßen, wenn Sie Ihre Periode haben.

Die meisten Gebärmütter weisen eine leichte Neigung nach vorne auf und werden daher als antevertiert bezeichnet. Bei etwa einem Viertel von uns kippt der Uterus allerdings eher nach hinten Richtung Po und wird als retrovertiert bezeichnet. Ursachen hierfür können beispielsweise Endometrioseherde oder eine Beckenentzündung sein, denn beide lösen häufig Narbenbildung und Verklebungen aus. Die Gebärmutter wird dann in der nach hinten geneigten Position fixiert, was oft Beckenschmerzen hervorruft oder verschlimmert, einschließlich schmerzhafter Perioden und Schmerzen beim Sex. In einigen Fällen kann eine Gebärmutter auch die Muskeln spielen lassen – und nein, ich rede nicht vom Gewichte stemmen – und sich dadurch leicht verbiegen oder sogar nach vorne oder hinten zusammenfalten, was zu zusätzlichen Problemen führt. Ist die Gebärmutter nach hinten geneigt und faltet sich dann zusätzlich zusammen, kann der obere Teil den Mastdarm beeinflussen und Ihnen Schmerzen beim Stuhlgang bescheren. Ist die andere Richtung davon betroffen, beeinflusst es die Blase, und der zusätzliche Druck auf sie kann dazu führen, dass man häufig zur Toilette gehen muss. Blase und Uterus werden sowieso durch Bindegewebe nah beieinander gehalten – wenn sich ein Teil bewegt, tut der andere es auch.

Wenn Sie wissen oder vermuten, dass sich Ihre Gebärmutter in einer ungewöhnlichen Position befindet, können Arvigo®-Therapeuten (siehe auch Seite 343) und spezialisierte Physiotherapeuten manuell daran arbeiten, die Bänder und Muskeln zu lösen und neu auszurichten, die Ihre Gebärmutter an Ort und Stelle halten, damit sie wieder in eine optimale Position findet. In einigen Fällen allerdings ist eine Operation unumgänglich.

Manche werden bereits mit einer ungewöhnlich geformten Gebärmutter geboren. Anstatt wie eine auf dem Kopf stehende Birne auszusehen, kann der Uterus beispielsweise eine Herzform annehmen und wird dann als Uterus bicornis bezeichnet. Ist die Furchung leichter ausgeprägt spricht man von einem Uterus arcuatus („bogenförmiger Uterus“). Es kann auch vorkommen, dass sich im Zentrum der Gebärmutter eine Muskelwand bildet, die den Innenraum in zwei Teile teilt (Uterus septus), oder die Gebärmutter ist gleich doppelt mit zwei getrennten Kammern vorhanden (Uterus didelphys). In ganz seltenen Fällen entwickelt sich nur eine Seite der Gebärmutter (Uterus unicornis). Meist werden diese Varianten nur entdeckt, wenn aus gynäkologischen Gründen eine Ultraschalluntersuchung angezeigt ist oder Sie immer wieder Fehlgeburten erleiden. Die leichter erkennbaren Formen werden in jedem Fall bei Routine-Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft entdeckt und Betroffene bekommen zusätzliche Unterstützung, weil manche Varianten mit vorzeitigen Wehen verbunden sind.

Eileiter

Vom oberen Gebärmutterbereich gehen zwei Eileiter ab, einer rechts und einer links. Jeder ist rund 10 Zentimeter lang und besteht aus zwei Teilen: dem Isthmus tubae uterinae (der kurze, enge Teil, der der Gebärmutter am nächsten ist) und der Ampulla tubae uterinae (der breitere längere Teil des Schlauchs, der zu den Eierstöcken hinführt). Man kann sich einen Eileiter wie einen Trichter vorstellen, dessen schmales unteres Ende an der Gebärmutter befestigt ist, während sich die breitere Öffnung in der Nähe des Eierstocks befindet. An dieser breiten Öffnung befinden sich Fransen, die als Fimbriae tubae bezeichnet werden. Die längste dieser Fransen ist mit dem Eierstock verbunden. Ihre Aufgabe besteht darin, das beim Eisprung aus dem Eierstock abgegebene Ei aufzufangen, woraufhin es dann seine Reise durch den Eileiter Richtung Gebärmutter antritt.

Trifft das Ei auf diesem Weg auf ein Spermium, dann findet die Befruchtung zumeist im Bereich der Ampulla statt. Das befruchtete Ei wandert anschließend Richtung Gebärmutter und durchquert dabei den Isthmus, wo seine Reise eventuell verlangsamt wird, bis ausreichend Gebärmutterschleimhaut für eine Einnistung bereitsteht und die Kommunikation zwischen dem befruchteten Ei und der Mutter beginnen kann. Bei einer von 80 Schwangerschaften nistet sich das befruchtete Ei an einer anderen Stelle als der Gebärmutterschleimhaut ein, was zu einer sogenannten ektopischen Schwangerschaft führt, die nicht lebensfähig ist und eine medizinische Intervention erfordert. Am häufigsten entstehen solche Schwangerschaften im Eileiter, und wenn sich ein befruchtetes Ei dort einnistet, wird es mithilfe von Medikamenten oder operativ entfernt, was zum Verlust des betroffenen Eileiters führen kann.

Die Hauptaufgabe der Eileiter besteht darin, den Transport zu erleichtern. Aus diesem Grund verfügen sie über Muskeln, die durch Kontraktionen eine Art wellenförmige Bewegung erzeugen, die man auch als Peristaltik bezeichnet (einen Begriff, den Sie vielleicht von Ihrem Darm kennen, der ähnlich funktioniert). Außerdem sind die Eileiter mit Flimmerhärchen, sogenannten Zillien ausgestattet, die das Ei sanft in Richtung Gebärmutter bewegen. Die Eileiter geben ebenfalls Schleim ab, der den Transport von Spermien und Ei erleichtert, in etwa so wie fließendes Wasser auf einer Wasserrutsche das Gleiten fördert. Das Rauchen von Tabak und Cannabis wirkt sich negativ auf die Beweglichkeit der Eileiter aus und erhöht das Risiko für Eileiterschwangerschaften.11,12

Eierstöcke

Die Eierstöcke sind zwei perlfarbene Drüsen, die etwa die Größe ungeschälter Mandeln aufweisen. Sie befinden sich an beiden Seiten der Gebärmutter, unmittelbar unter den Enden der Eileiter, und werden durch Bänder, die mit der Gebärmutter und der Beckenwand verbunden sind, an Ort und Stelle gehalten. Die Eierstöcke sind die weiblichen Geschlechtsdrüsen, das männliche Äquivalent sind die Hoden. Die Eierstöcke erfüllen zwei Funktionen: In jedem Menstruationszyklus erzeugen sie ein reifes Ei, das beim Eisprung freigesetzt wird, und sie erzeugen Hormone wie Östradiol (die Form des Östrogens, das wir am besten kennen), Testosteron, Progesteron und Inhibin, die alle eine Rolle beim Tanz der Hormone im Menstruationszyklus spielen. Wie genau diese Rollen aussehen, schauen wir uns im nächsten Kapitel an. Konzentrieren wir uns für den Moment also auf den Vorrat an Eizellen, den die Eierstöcke enthalten.

Im Gegensatz zu den Spermien, die von der Pubertät an regelmäßig produziert werden, wird ein Mensch mit einem weiblichen Fortpflanzungssystem bereits mit der vollen Anzahl an Eizellen geboren. Das bedeutet, dass die Eizelle, aus der Sie ursprünglich stammen, bereits angelegt wurde, als Ihre Großmutter mit Ihrer Mutter schwanger war. Also hat sich ein Teil von Ihnen auch einmal im Bauch Ihrer Großmutter befunden.

Als Sie in der 20. Schwangerschaftswoche in der Gebärmutter Ihrer Mutter wuchsen, hatten Sie die Höchstzahl an Eizellen oder Oozyten erreicht – erstaunliche sieben Millionen! Von der 24. Woche an nahm die Anzahl der Eizellen allerdings rapide ab, sodass bei Ihrer Geburt noch rund eine Million vorhanden waren und zu Beginn der Pubertät noch etwa 400 000. Die winzigen unreifen Eier, die es nicht bis zur Pubertät schaffen, werden abgebaut und vom Körper absorbiert. Ab der Pubertät beginnen jeden Tag einige Follikel zu wachsen und in jedem befindet sich ein unreifes Ei, sodass es einen ständigen Fluss an sich entwickelnden Follikeln gibt, die mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen, bevor sie den Reifepunkt erreichen und sich entscheidet, ob sie als Bewerber für den Eisprung in Frage kommen oder nicht. Nur etwa 400 werden als reife Eier beim Eisprung freigesetzt, was in etwa der Zahl der Perioden entspricht, die Sie in Ihrem Leben haben werden. Die restlichen werden den Anforderungen nicht gerecht und durchlaufen einen Prozess, der als Atresie bezeichnet wird und bei dem in jedem Zyklus Tausende von Follikeln absterben. Vielleicht finden Sie die Vorstellung deprimierend, dass nur 0,1 Prozent des Materials, mit dem Sie ins Leben gestartet sind, genutzt wird – ich hingegen finde es unglaublich, dass unser Körper sich so viel Mühe gibt, hochwertige Eizellen auszuwählen. Ein menschliches Lebewesen zu erschaffen, heranwachsen zu lassen und großzuziehen, ist eine massive biologische Investition, also ist es durchaus sinnvoll, dass hinter dem Ganzen ein strenges Auswahlverfahren von Mutter Natur steckt.

Das war also unser Kurztrip durch das Fortpflanzungssystem. Schauen wir uns als Nächstes an, was alles während eines Menstruationszyklus geschieht.

Kapitel 2
Flecken im Schlüpfer

In Ihrem Menstruationszyklus gibt es zwei zentrale Momente: die Menstruation (der Abfluss und die Bewegung von Blut) und die Ovulation (die Freisetzung und Bewegung einer Eizelle).

Die zwei Pole von Menstruation und Ovulation bestimmen die beiden Hauptphasen Ihres Menstruationszyklus. Mit dem ersten Zyklustag – dem Tag, an dem Ihre Blutung beginnt –, startet die Follikelphase, die bis zum Eisprung, der Ovulation, andauert. Man nennt diese erste Zyklushälfte die Follikelphase, weil dies der Abschnitt Ihres Zyklus ist, in dem Ihre Hormone das schnelle Wachstum von Eifollikeln bewirken, ebenso wie die Reifung der Eizelle, die in jedem Follikel enthalten ist. Die Follikelphase erreicht ihren Höhepunkt in dem Moment, in dem das Ei aus dem Follikel springt – dem Eisprung also. Wie lange diese Phase dauert, kann stark variieren, denn jeder Körper benötigt zur Ovulation eine andere Zeitspanne. In einem „Bilderbuch“-Zyklus von 28 Tagen Länge, den aber nur etwa 12,4 Prozent von uns haben1, findet die Ovulation am 14. Tag statt. Ist Ihr Zyklus kürzer und beträgt seine Dauer beispielsweise nur 21 Tage, dann tritt der Eisprung früher ein, bei einem längeren Zyklus von 36 Tagen wahrscheinlich erst an Tag 22. Manchmal kann die Abweichung sogar noch größer sein. Wenn Sie einen kürzeren oder längeren Zyklus haben, dann sollte Ihr Arzt das beim Bestimmen Ihres Progesteronspiegels berücksichtigen. Progesteron wird in der Regel am 21. Zyklustag getestet, was bei einem 28-Tage- Zyklus passt, denn der beste Zeitpunkt liegt sieben Tage nach dem Eisprung. Bei kürzeren oder längeren Zyklen hingegen ist dieser Tag nicht der am besten geeignete. Sind Ihre Zyklen länger, sollten Sie dies im Falle einer Schwangerschaft dringend Ihrer Hebamme und Ihrem Gynäkologen mitteilen, denn häufig kommt gegen Ende der Schwangerschaft die Sorge auf, „überfällig“ zu sein, und es werden eventuell völlig unnötige Maßnahmen ergriffen, um die Geburt künstlich einzuleiten. Wenn Sie Ihre Basaltemperatur aufzeichnen und wissen, wann Ihr Eisprung stattgefunden hat, dann können Sie Ihre Hebamme bitten, den Geburtstermin auf Grundlage des Eisprungs zu berechnen anstatt des Zeitpunkts der letzten Periode.

Der Eisprung markiert den Beginn der Gelbkörperphase oder der zweiten Zyklushälfte. Der Name kommt daher, dass der Follikel nach dem Sprung der Eizelle auf der Oberfläche des Eierstocks verbleibt und zum Gelbkörper oder Corpus luteum wird – einer temporären Drüse, die Progesteron produziert und freisetzt. Progesteron ist das Hormon, das in der zweiten Zyklushälfte das Heft in der Hand hat. Die Gelbkörperphase hat meist eine feste Länge, idealerweise etwa 14 Tage. Sie beginnt mit dem Eisprung und endet, wenn Sie Ihre Periode bekommen.

Der Ablauf Ihres Menstruationszyklus wird durch den komplexen Tanz mehrerer Hormone gesteuert:

• Gonadotropin-freisetzendes Hormon (GnRH)

Das GnRH ist in Ihrem Zyklus so etwas wie der Boss. Es wird pulsativ von der Hypothalamusdrüse im Gehirn freigesetzt und dann zum Nachbarn des Hypothalamus transportiert, der Hypophyse. Diese nimmt die Meldungen des GnRH auf und setzt dann follikelstimulierende Hormone und luteinisierende Hormone frei (siehe weiter unten). Diese beiden Hormone kommunizieren mit Ihren Eierstöcken und bringen Ihre Follikel dazu, zu reifen und schließlich beim Eisprung eine Eizelle freizusetzen. Das GnRH kann man mit Meryl Streep in dem Film Der Teufel trägt Prada vergleichen – ihre Präsenz ist überall spürbar, nichts geschieht ohne ihr Zutun, und trotzdem sind es ihre Mitarbeiter, die die eigentliche Arbeit verrichten.

• Follikelstimulierendes Hormon (FSH)

Das follikelstimulierende Hormon macht genau das, was sein Name vermuten lässt – es stimuliert die Follikel, um den darin enthaltenen Eizellen zur Reife zu verhelfen. Es betritt die Bühne, wenn der Hormonspiegel zu Beginn des Zyklus niedrig ist und regt die Follikel an, zu wachsen und zu leuchten (na gut, rein technisch gesehen leuchten sie nicht, aber ich stelle mir gerne vor, wie sie alle um Aufmerksamkeit buhlen: „Nimm mich! Nimm mich!“). Sobald das führende Follikel ausgewählt wurde und damit beginnt, Östrogen zu produzieren, verabschiedet sich das FSH, denn sein Job ist erst einmal erledigt. Sobald die Menge des durch das reifende Follikel ausgestoßenen Östrogens eine bestimmte Schwelle erreicht, taucht das FSH aber wieder auf und wechselt sich mit dem luteinisierenden Hormon (LH) ab. Die beiden stacheln sich immer weiter an und bringen den Follikel so dazu, die Eizelle freizusetzen. Sie können sich die Rolle des FSH in etwa so vorstellen wie die von Tyra Banks in America’s Next Top Model. Zu Beginn baut sie die Teilnehmer auf, hilft ihnen dabei, sich gut zu fühlen, und gibt ihnen alles, was sie brauchen, um zu einer gewissen Reife zu finden. Dann nimmt sie sich zurück und schaut zu, wem es tatsächlich gelingt aufzublühen, und sobald die Gewinner feststehen, tritt sie wieder auf, schwingt Lobreden und verleiht Titel, damit die Teilnehmer ihre Karriere starten können (oder in unserem Fall der Eisprung stattfindet).

• Östrogen

Östradiol ist die Form von Östrogen, die von den sich entwickelnden Follikeln abgegeben wird. Es bestimmt den ersten Teil Ihres Zyklus. Östrogen hat etwas Majestätisches und ich stelle es mir gerne als die Beyoncé unter den Hormonen vor – selbstsicher, verführerisch, sinnlich, fruchtbar und fähig, komplexe Tanzchoreografien einzustudieren, weil es ihr leicht fällt, Neues zu lernen. Wenn das Östrogen die Bühne betritt, erscheinen Ihre Gesichtszüge symmetrischer2, die Haut wird reiner, die Laune hebt sich, Ihr Gang wird aufreizender. Östrogen will Aufmerksamkeit und dass ihm die Welt zu Füßen liegt, weil es einfach so fabelhaft ist.

• Luteinisierendes Hormon (LH)

Das luteinisierende Hormon ist die Kraft hinter dem letzten Moment der Ovulation. In den 24 Stunden vor dem Eisprung, wenn das Östrogen seinen Höhepunkt erreicht, regt es den Ausstoß von LH an, das wiederum den Follikel dazu bewegt, mehr Östrogen zu produzieren und zusammen mit dem FSH zum Eisprung führt. Beyoncé (alias Östrogen) mag vielleicht von außen betrachtet der Star der Show sein, aber es ist Solange Knowles (das LH), die bzw. das den Eisprung passieren lässt (oder es Jay-Z so richtig zeigt). Das LH ist auch dafür verantwortlich, den Gelbkörper am Eierstock dazu zu bringen, nach dem Eisprung Progesteron zu produzieren. Es ist der Hüter der zweiten Zyklushälfte.

• Testosteron

Testosteron ist kein männliches Hormon, denn es wird von allen Menschen hergestellt. Es ist aktiv, ehrgeizig, sexy und wettbewerbsorientiert oder, anders gesagt, die Serena Williams der Hormone. Es hilft beim Aufbau und Erhalt von Muskeln und Knochendichte und kurbelt im Vorfeld des Eisprungs Ihre Libido an.

• Progesteron

Ruhig, sanft und introvertiert dominiert das Progesteron die zweite Hälfte Ihres Zyklus und kann dafür verantwortlich sein, dass Sie ängstlicher sind, nahe am Wasser gebaut haben und unter Stimmungsschwankungen leiden. Es zieht die Bremse an und bringt Sie dazu, zu Hause zu bleiben und sich mit „Seelennahrung“ zu trösten. Als die Kristen Stewart ihrer Fortpflanzungshormone ist es leicht reizbar, möchte nicht im Mittelpunkt stehen, läuft am liebsten in Jogginghosen durch die Gegend und bleibt daheim, um mit Freundinnen Apfelkuchen zu backen.

Das Einmaleins der Hormone

Das Wort Hormon leitet sich vom griechischen Verb hormao ab, das so viel bedeutet wie „anregen“ oder „antreiben“, und genau das tun Hormone. Es sind leistungsstarke Moleküle, die in Ihrem Blutkreislauf unterwegs sind und Botschaften an bestimmte Stellen in Ihrem Körper senden, um dort Reaktionen auszulösen, die ansonsten brachliegen würden. Einige Hormone wirken schnell und kurzfristig und lösen beispielsweise einen schnelleren Herzschlag oder schwitzige Hände aus, andere wiederum – wie solche, die Fortpflanzungs- oder Wachstumszyklen lenken – benötigen mehr Zeit, um ihre ganze Wirkung zu entfalten.

Hormone werden in Drüsen produziert, von denen sich einige in Ihrem Gehirn befinden (Hypothalamus, Hypophyse und Zirbeldrüse) und andere im Rest Ihres Körpers (Eierstöcke, Nebennieren, Schilddrüse, Nebenschilddrüsen und Bauchspeicheldrüse). In Ihrem Blut zirkulieren Hunderte von Hormonen gleichzeitig, wobei ihre jeweilige Konzentration schwankt, je nachdem, ob es Tag oder Nacht ist, wo Sie sich in Ihrem Menstruationszyklus befinden und welche Jahreszeit herrscht. Ihre Aufgabe besteht darin, Ihren Körper im Gleichgewicht zu halten. Für jede Hormonfunktion gilt das gleiche grundlegende Muster:

• Ein Signal geht bei einer Zielzelle ein, die genau auf den Empfang dieses speziellen Signals ausgelegt ist.

• Eine chemische Reaktion findet statt.

• Eine Reaktion tritt ein.

Jedes Hormon erfüllt eine bestimmte Aufgabe, und damit es wirken kann, muss es von einer Zielzelle erkannt werden, die auf den Empfang der speziellen Botschaft des Hormons ausgelegt ist. Das wird erreicht über einen Mechanismus, bei dem das Hormon durch den Körper reist wie ein Schlüssel und nach den richtigen Rezeptoren – also Schlössern – sucht. Passen Schlüssel und Schloss zusammen, findet eine Reaktion statt und die Tür öffnet sich. Passen sie nicht, passiert auch nichts weiter.

Rezeptoren befinden sich an bestimmten Drüsen und Organen. Manche davon sind über den Körper verteilt, sodass viele Bereiche involviert sind. Das ist lebenswichtig, wenn eine größere koordinierte Reaktion erforderlich ist, beispielsweise beim Kampf-oder-Flucht-Reflex, der uns bei einer wahrgenommenen Gefahr entweder kämpfen oder weglaufen lässt.

Der Körper verfügt über mehrere Hormonschleifen, wodurch Anweisungen an diejenigen Drüsen gesendet werden, die Teil der Schleife sind. Diese Schleifen werden auch als Hormonachsen bezeichnet.

• Bei der HHO-Achse (HHO = Hypothalamus-Hypophyse-Ovar, engl. auch HPO für hypothalamic-pituitary-ovarian) instruiert der Hypothalamus die Hypophyse, Ihre Eierstöcke zur Hormonproduktion anzuregen. Über diese Achse werden der Uteruszyklus und der Ovarialzyklus gesteuert, die gleichzeitig ablaufen. Beim Ovarialzyklus geht es um die Veränderungen im Eierstock während eines Menstruationszyklus, in dem ein Follikel heranreift, der Eisprung stattfindet und der Gelbkörper gebildet wird. Beim Uteruszyklus wird die Gebärmutterschleimhaut auf die mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet, abgebaut (wenn diese Einnistung nicht stattfindet oder missglückt) und dann wieder regeneriert.

• Über die HHN-Achse (HHN = Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde, engl. auch HPA für hypothalamic-pituitary-adrenal) instruiert der Hypothalamus die Hypophyse, die Nebennierenrinde zur Produktion von Hormonen wie Adrenalin anzuregen, das bei einer Flucht-Kampf-Reaktion freigesetzt wird. Diese Achse steuert Ihre Stressreaktion. Sie kann Ihr Fortpflanzungssystem blockieren und das Eintreten von Ovulation und Menstruation stoppen, wenn sie den Zeitpunkt als ungünstig für eine Empfängnis befindet, beispielsweise während Zeiten andauernder Belastung, bei Übertraining und / oder nicht ausreichender Nahrungszufuhr im Verhältnis zur verbrauchten Energie.

• Bei der HHS-Achse (HHS = Hypothalamus-Hypophyse-Schilddrüse, auch Thyreotrope Achse oder engl. HPT für hypothalamic-pituitary-thyroid) instruiert der Hypothalamus die Hypophyse, die Schilddrüse zur Produktion von Schilddrüsenhormonen anzuregen. Die HHO- und HHS-Achsen hängen zusammen. Wenn daher eine Unterfunktion (Hypothyreose) oder Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse vorliegt, kommt es in der Regel auch zu Menstruationsstörungen (siehe Seite 365).

• Neben der Produktion von Hormonen verfügen diese Achsen auch über Feedback-Schleifen, sodass die Botschaft auch lauten kann, die Produktion eines Hormons zu stoppen – schließlich geht es am Ende um das Gleichgewicht.

Nun kennen Sie die Hauptakteure Ihres Menstruationszyklus, werfen wir also einmal einen Blick darauf, was in den einzelnen Phasen abläuft. Es mag so aussehen, als ob sich in diesem Kapitel alles um die Fruchtbarkeit dreht, und das ist zu einem gewissen Grad tatsächlich so, aber Fruchtbarkeit hat nicht nur mit Empfängnis zu tun, sondern ist auch ein Zeichen für Ihre Gesamtgesundheit. Das Wissen, an welchem Zeitpunkt im Zyklus man sich befindet, geht über das Verhüten oder Erreichen einer Schwangerschaft hinaus, weil es die Fähigkeit fördert, den eigenen Körper lesen zu können. Die zweite Hälfte Ihres Zyklus umfasst meist ziemlich genau 14 Tage, den Zeitpunkt des Eisprungs zu kennen, ist also ausgesprochen nützlich, speziell wenn Ihr Zyklus nicht regelmäßig ist, denn Sie können so berechnen, wann Sie wahrscheinlich Ihre Regel bekommen. Sie hängen weniger in der Luft, haben die Kontrolle über Ihren Zyklus und können besser planen. Selbst wenn Sie über einen regelmäßigen Zyklus verfügen, gibt das Wissen, an welchem Punkt Sie sich gerade befinden, Ihnen die Möglichkeit, die körperlichen und emotionalen Erfahrungen auf Basis der hormonellen Geschehnisse besser einordnen zu können.

Wenn es darum geht, Ihren Zyklus zu überwachen, um schwanger zu werden oder eben auch nicht, dann ist es entscheidend zu wissen, wann Ihre fruchtbare Zeit ist. Die Forscherin Kerry Hampton fand heraus, dass nur 13 Prozent der Frauen, die versuchten schwanger zu werden und deshalb eine gynäkologische Beratung aufsuchten, korrekt bestimmen konnten, wann sie fruchtbar waren3, obwohl 68 Prozent von ihnen angaben, während der fruchtbaren Zeit gezielt Sex zu haben.

Follikelphase: Von der Menstruation bis zur Ovulation

Ihre Periode und Ihr Menstruationszyklus sind ein Spiegel Ihrer Gesamtgesundheit und können durch kleine und große Ereignisse im Leben beeinflusst werden. Weihnachtliche Alkohol- und Essensexzesse, körperlich und geistig extrem fordernde Arbeitsprojekte, Schlafmangel aufgrund von Beziehungsproblemen, der Tod eines geliebten Menschen, Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme, Reisen, das Beenden Ihrer Raucherkarriere, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, wöchentliche Yoga-Stunden, der heiß geliebte neue Job, großartiger Sex – all das hat einen Einfluss darauf, ob Sie Ihre Tage zu früh oder zu spät bekommen, ob die Regel leicht oder heftig ausfällt und ob Sie Schmerzen haben oder sich wohl fühlen.

Doch auch wenn Sie sich bewusst sind, dass die Ereignisse in Ihrem aktuellen Zyklus einen Einfluss auf Ihre kommende Periode haben können, ist es wichtiger, noch weiter zurück zu blicken und zu schauen, was sich in früheren Zyklen getan hat. Das hat folgenden Grund: In Ihren Eierstöcken befinden sich ruhende Follikel, und jeder Follikel enthält eine unreife Eizelle. Die Follikel benötigen mehr als ein Jahr, um den Ruhezustand zu verlassen und die ovulatorische Phase zu erreichen. Etwa 190 Tage vor dem Eisprung entwickeln sie eine Blutzufuhr und beginnen auf die Umgebung zu reagieren. Wir müssen also über das hinausdenken, was uns im aktuellen Zyklus oder dem davor widerfahren ist, und die vergangenen sechs Monate betrachten.

Wenn Ihre Regel nur schwer in Gang kommt, sind Sie sich vielleicht nicht sicher, welcher Tag als der erste zählt. Der erste Tag Ihres Zyklus ist derjenige, an dem Sie Ihre Periode mit vollem Blutfluss erleben. Eine kleine Menge Blut zu entdecken, bevor die Periode „richtig“ startet, zeigt das Auslaufen des vorherigen Zyklus an, selbst wenn dies für einige Tage anhält, bevor der Blutfluss zunimmt und die Regel tatsächlich beginnt. Es kann übrigens zu jedem Zeitpunkt der prämenstruellen Phase durch den Abfall des Progesteronspiegels zu solchen leichten Zwischenblutungen kommen – möglicherweise ein Zeichen dafür, dass Ihr Körper nicht ausreichend Progesteron produziert. Progesteron ist das Hormon, das Lutealphase und Schwangerschaft unterstützt. Ist der Spiegel zu niedrig, kann dies unter anderem bewirken, dass die Gebärmutterschleimhaut vorzeitig abgestoßen wird. Auch um den Zeitpunkt des Eisprungs kann es zu Schmierblutungen kommen, die anzeigen können, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat.

Nun, da Sie wissen, wie Sie Tag 1 bestimmen können, sollten wir uns noch einmal anschauen, was die Blutung überhaupt auslöst. Kurz bevor Ihre Periode beginnt, sinken – sofern Sie nicht schwanger geworden sind – Progesteron- und Östrogenspiegel und lösen die Freisetzung von Prostaglandinen aus. Diese wiederum sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße in Ihrem Endometrium (der Gebärmutterschleimhaut) zusammenziehen, sodass die Endometrium-Zellen unter Sauerstoffmangel leiden und absterben. Die toten Zellen werden dann während Ihrer Periode abtransportiert und verlassen den Körper durch die Vagina. Wenn krampfartige Schmerzen oder Darmkrämpfe während der Periode zu Ihrem Alltag gehören, dürfen Sie sich bei den Prostaglandinen bedanken. Sobald sie freigesetzt werden, lautet ihr Befehl an die glatte Muskulatur des Myometriums (der muskulären mittleren Schicht Ihrer Gebärmutter), sich ordentlich zusammenzuziehen. Die daraus resultierenden Kontraktionen sollen die Ausscheidung des Bluts unterstützen. Manchmal übertreiben es die Prostaglandine allerdings ein wenig, sodass der Darm sich ebenfalls angesprochen fühlt und mitmacht, und die nächste Toilette in jedem Fall die Ihrige ist.

Ihre Gebärmutterschleimhaut – auch Endometrium genannt – beginnt in der Regel rund 48 Stunden vor Beginn der Periode mit ihrem großen Umbauprozess. Am dritten Tag der Regel bilden sich die Rezeptoren für Östrogen und Progesteron (die Schlösser, in die die Hormone wie ein Schlüssel passen) und an Tag 6 ist der Umbau abgeschlossen. Ihr Endometrium ist nun extrem dünn und bildet eine Schicht von lediglich 4 bis 7 Millimetern.

Temperaturmessmethode

Eine kostengünstige und unkomplizierte Methode, um festzustellen, ob und wann ein Eisprung stattgefunden hat, ist das Aufzeichnen der Basaltemperatur. Gemessen wird mithilfe eines digitalen Thermometers unter der Zunge, und zwar noch vor dem Aufstehen. Ihre Basaltemperatur ist die niedrigste Temperatur, die der Körper während des Schlafs erreicht, weshalb sie nur nach mindestens drei Stunden ununterbrochenem Schlaf gemessen werden kann und noch bevor Sie am Morgen aufgestanden sind oder etwas gegessen oder getrunken haben. Vor dem Eisprung liegt die Temperatur niedriger, etwa bei 36° bis 36,5°C, um danach um 0,2°C oder mehr anzusteigen. Grund hierfür ist die Wärmewirkung des Progesterons, das nach dem Eisprung produziert wird. Bei einigen fällt die Temperatur sogar leicht vor dem Eisprung, was ein Anzeichen dafür sein kann, dass er kurz bevorsteht. Wenn keine Schwangerschaft eintritt, sinkt der Progesteronspiegel gegen Ende des Menstruationszyklus wieder und damit auch die Basaltemperatur kurz vor oder mit Beginn der Regel. Hat hingegen eine Empfängnis stattgefunden, bleibt die Temperatur erhöht und kann sogar noch weiter ansteigen.


Über das Aufzeichnen der Basaltemperatur lässt sich leicht einschätzen, wann ein Eisprung stattgefunden hat, und wenn Sie Ihre Temperaturkurve für einige Monate beobachten, lernen Sie Ihren Zyklus und die Tage, an denen Sie schwanger werden können (ein Zeitraum, der auch als „fertiles Fenster“ bezeichnet wird), besser kennen. Wenn Sie sich ein Kind wünschen, können Sie diesen Zeitraum nutzen, wenn nicht, sollten Sie in dieser Zeit keine Form von Geschlechtsverkehr haben, bei dem der Penis in die Vagina eindringt, oder aber eine Verhütungsmethode anwenden, etwa ein Kondom. Man geht davon aus, dass das fertile Fenster etwa 6 Tage umfasst, denn eine Eizelle ist nach dem Eisprung nur rund 12 bis 16 Stunden lebensfähig. Selbst wenn Sie in einem Zyklus zweimal ovulieren, tritt der zweite Eisprung innerhalb von 12 Stunden nach Freisetzung des ersten Eis ein. Spermien können bei Vorhandensein eines fruchtbarkeitsfördernden Zervixschleims bis zu fünf Tage in Gebärmutter und Eileiter überleben.

Bei korrekter Anwendung stellen das Messen der Morgentemperatur und das Überwachen von Zervixschleim und Muttermundposition – zusammen als symptothermale Methode bekannt – eine hoch wirksame Verhütungsmethode dar. Das Festhalten der Basaltemperatur kann aber auch schon für sich genommen wertvolle Informationen liefern, weshalb ich meine Klientinnen häufig darum bitte. Temperaturen unter 36°C weisen oft auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin, und Temperaturen nach dem Eisprung, die nur langsam ansteigen oder während der Lutealphase fallen, können auf einen Progesteronmangel hindeuten (mehr dazu auf Seite 205). Beide Symptome sollten untersucht werden. Festzustellen, wann der Eisprung stattfindet, kann helfen zu bestimmen, ob jemand in seinem Zyklus eher sehr früh ovuliert oder spät und ob die Lutealphase lange genug ist, was vor allem dann von Bedeutung ist, wenn eine Schwangerschaft geplant ist. Meine Klientinnen finden diese „Hausaufgabe“ zumeist sehr faszinierend, vor allem jene, die unregelmäßige Zyklen haben und nun besser vorhersagen können, wann ihre Periode eintritt; wenn sie den Zeitpunkt des Eisprungs kennen, müssen sie einfach nur die Anzahl der Tage ihrer Lutealphase hinzurechnen.

Die symptothermale Methode

Wenn Sie die symptothermale Methode zur Verhütung nutzen möchten, empfehle ich Ihnen, einen Termin zur NFP-Beratung zu vereinbaren. (NFP steht für „Natürliche Familienplanung“; diese Beratung gibt es z. B. bei pro familia; Anm. d. Übers.) So lernen Sie am besten, wie man Temperaturkurven anlegt und interpretiert, bevor Sie den Sprung wagen und der Methode vertrauen. Eine solche Beratung lohnt sich auch dann, wenn Sie planen, Ihre fruchtbaren Tage mithilfe einer App oder eines Geräts zu bestimmen. Mindestens aber sollten Sie einen guten Ratgeber zum Thema lesen (weitere Informationen siehe Anhang). Ich selbst nutze die Methode seit 15 Jahren als Hauptverhütungsmittel und muss gestehen, dass ich mich nach 10 Jahren, in denen sie einwandfrei funktionierte, doch zu fragen begann, ob es eventuell daran liegen könnte, dass ich unfruchtbar bin. Seither allerdings bin ich zweimal geplant schwanger geworden und zwar jeweils schnell und problemlos, wahrscheinlich weil ich genau wusste, wann meine fruchtbaren Tage waren. Derzeit verwende ich einen Zykluscomputer mit einer Genauigkeit von mehr als 99 Prozent, mit dem ich morgens meine Temperatur messe. Das Gerät nutzt meine Temperatur, um auf der Basis der zuvor gesammelten Daten meinen Fruchtbarkeitsstatus für die nächsten 24 Stunden zu berechnen und zeigt mir dann entweder ein rotes Licht, wenn ich mich in meinem fertilen Fenster befinde, oder ein grünes, wenn dies nicht der Fall ist. Außerdem gibt es ein gelbes Licht, das anzeigt, dass das Gerät erst dabei ist, den Zyklus kennenzulernen und es noch nicht über genügend Daten verfügt, um den Fruchtbarkeitsstatus zu messen. Dieses gelbe Licht erscheint auch, wenn es eine Fluktuation in Ihrer Temperatur gibt (die Basaltemperatur kann durch das Trinken von Alkohol, Krankheiten oder Fieber beeinflusst werden). Eine gelbe Leuchtanzeige sollte immer so interpretiert werden, dass Sie im Zweifelsfall fruchtbar sind. Natürlich sollten Sie und Ihr Partner sich auf sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen, bevor Sie sich auf Sex ohne Kondome einlassen.

Interessante Fakten über Ihre Periode

• Sie werden in Ihrem Leben rund 400 Mal Ihre Tage bekommen.

• Sie können einen Zyklus ohne Eisprung haben und trotzdem Ihre Periode bekommen.

• Wenn Sie hormonell verhüten, bekommen Sie nicht Ihre Periode, sondern Sie haben eine Abbruchblutung, die durch den Mangel an Hormonen verursacht wird, wenn Sie die Dummy-Tabletten aus Ihrer Pillenpackung nehmen (Placebos, die keine Hormone enthalten, Ihnen aber helfen, im Rhythmus der täglichen Einnahme zu bleiben). Eine Periode ist im Gegensatz dazu das Ergebnis eines etwa einmonatigen biologischen Prozesses, bei dem der Eisprung der zentrale Punkt ist.

• Es findet keine Synchronisation statt.4 Untersuchungen, die von der Menstruations-App Clue durchgeführt wurden, haben ergeben, dass bei Menstruierenden, die zusammen leben, sich die Perioden im Laufe der Zeit eher gegenläufig entwickeln. Wenn Sie ab und an mit einer Mitbewohnerin gleichzeitig menstruieren, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass bei einigen Menschen die Zykluslänge variiert, sodass es immer wieder einmal Zeiten geben wird, in denen sich die Tage überlappen.

• Wenn Sie im Meer schwimmen, während Sie Ihre Tage haben, müssen Sie nicht befürchten, von Haien angegriffen zu werden.

Eine Auswahl findet statt

Gegen Ende des vorangegangenen Zyklus wird eine Gruppe unreifer Follikel ausgewählt, die den Reifungsprozess unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons (FSH) fortsetzen und darum konkurrieren, die Eizelle zu werden, die es im nächsten Zyklus zur Ovulation schafft. Es ist ein wenig so, als wären mehrere Lebensläufe gecheckt und dann eine Kandidatengruppe zu Bewerbungsgesprächen eingeladen worden. Nach dem sechsten Tag ist der Auswahlprozess abgeschlossen und ein Kandidat überragt die anderen hinsichtlich seiner Reife und Größe. Dieser dominante Follikel gratuliert sich dann selbst dazu, den Job bekommen zu haben, und beginnt Östrogen zu produzieren – Ihr Beyoncé-Hormon, das die erste Zyklushälfte bestimmt. Die Produktion und Freisetzung von Östrogen sendet (zusammen mit einem anderen Hormon namens Inhibin, das in Ihren Eierstöcken produziert wird) ein Signal an Ihre Hypophyse, die erbsengroße Drüse in Ihrem Kopf, weniger FSH zu produzieren, denn nun, da der „Follikel des Monats“ gekürt wurde, werden keine weiteren Bewerber benötigt. Das FSH wird später noch gebraucht, aber für den Moment kann es sich erst einmal zurücklehnen.

Während Ihr dominantes Follikel weiter wächst und reift, steigt der Östrogenspiegel und sorgt dafür, dass die Dicke Ihrer Gebärmutterschleimhaut um etwa zehn bis elf Millimeter zunimmt. Der ansteigende Östrogenspiegel bewirkt auch, dass die Drüsen in Ihrem Gebärmutterhals animiert werden, Schleim zu produzieren – und wahrscheinlich werden Sie erleichtert sein zu erfahren, dass dies die Ursache für den feuchten Fleck in Ihrem Schlüpfer ist. Tatsächlich kann es zur Produktion einer ganzen Menge an Flüssigkeit kommen – genug, um sich zu fragen, ob da unten irgendetwas Komisches abläuft. Doch das, was Sie da sehen und fühlen, ist Zervixschleim und der ist – zum Glück! – einfach nur ein Zeichen guter Gesundheit.

Zervixschleim wird im Vorfeld des Eisprungs produziert und ist ausgesprochen wichtig, wenn es um die Fruchtbarkeit geht. Er wirkt mehrfach und auf wunderbare Weise:

• Er lässt Sie wissen, wenn der Eisprung kurz bevorsteht. Das ist kostengünstiger und meiner Meinung nach effektiver als sogenannte Ovulationstests, die übrigens gar nicht den Eisprung anzeigen (mehr dazu auf Seite 65).

• Aufgrund seiner Gleiteigenschaften gestaltet sich der Sex angenehmer (obwohl dieser Schleim eine andere Zusammensetzung hat als die Flüssigkeit, die produziert wird, wenn Sie erregt sind).

• Er schafft eine Route, über die Spermien von der Scheide durch den Gebärmutterhals bis in die Gebärmutter gelangen – das ist in etwa so, wie Lachse auf ihrer Laichreise einen Fluss hinauf selbst Wasserfälle bewältigen.

• Er beschleunigt die Spermien sogar auf der Heldenreise zu Ihrer Eizelle.

• Er produziert ein farnartiges Muster, das Spermien als Leitsystem dient, wohingegen der nicht fruchtbare Zervixschleim, der an den anderen Zyklustagen produziert wird, die Spermien praktisch zum Stillstand bringt.

• Er nährt die Spermien, um sie am Leben und topfit zu erhalten.

• Er erzeugt ein basischeres Milieu, um Spermien vor der eher sauren Scheidenflora zu schützen.

Die verschiedenen Arten von Zervixschleim

Während Ihres Zyklus (und bitte denken Sie immer daran, dass wir alle verschieden sind!), stellen Sie womöglich fest, dass sich Ihre Vagina einige Tage nach Ende der Periode trocken anfühlt oder leicht feucht, wobei die Feuchtigkeit aber innerhalb von Sekunden verdunstet, wenn sie der Luft ausgesetzt wird. Auf diese Phase folgt die Produktion von Zervixschleim, der leicht klebrig ist sowie zäh, elastisch und relativ dick – er ist also von einer Konsistenz, die es einem Spermium eher schwer macht, seine Aufgabe zu erledigen. (Wenn Sie NFP, siehe Seite 51, als Verhütungsmethode verwenden, sollten Sie diese Art von Schleim vorsichtshalber trotzdem als fruchtbar einstufen). Danach folgt Zervixschleim mit einem höheren Feuchtigkeitsgehalt und höherer Fruchtbarkeit. Er ist cremig, dünnflüssig und milchig, fast wie eine Lotion, und kann sich am Scheideneingang fast kühl anfühlen. Dieser Schleim ist typischerweise weiß und undurchsichtig. Sie beginnen nun feucht zu werden, auch wenn Sie gar nicht angeturnt sind, was wiederum dazu führen kann, dass Sie dann doch Lust auf Sex haben – Mutter Natur ist nämlich wirklich clever, wenn es darum geht, uns dazu zu bringen, kurz vor dem Eisprung Sex zu haben.

Schließlich kommt der fruchtbarste Schleim. Dieser magische Stoff ähnelt rohem Eiweiß und ist extrem glitschig und dehnbar. Tatsächlich kann man ihn zwischen zwei Fingern mehrere Zentimeter lang ziehen, ohne dass er reißt, und manchmal fällt er einfach aus Ihnen heraus (aber keine Sorge, es gibt mehr davon – Sie müssen also nicht befürchten, Ihre Fruchtbarkeit für diesen Monat gerade die Toilette hinuntergespült zu haben). Viele, mit denen ich spreche, irritiert diese Eigenschaft und sie vermuten, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Weit gefehlt. Diese Art von Schleim ist normal und ideal, vor allem, wenn Sie schwanger werden wollen. Und außerdem: Wenn ein Mann etwas produzieren könnte, was so dehnbar wäre, meinen Sie nicht, er würde damit prahlen?

In diesem Stadium kann der Zervixschleim klar oder auch ein wenig schlierig sein. Beim Eisprung treten bei 4,8 Prozent von uns Schmierblutungen auf in Form von Schleim mit Schlieren von rosafarbenem oder rotem Blut.8 Man vermutet, dass Schmierblutungen zur Zeit des Eisprungs durch das relative Verhältnis von Östrogen und Progesteron unmittelbar nach der Ovulation ausgelöst werden, wenn das Östrogen plötzlich abfällt, das Progesteron aber noch nicht angestiegen ist. Allerdings hängen nicht alle Blutungen, die in der Zyklusmitte auftreten, mit dieser Hormonverschiebung zusammen. Es kann sich auch um ein Zeichen für ein Gesundheitsproblem handeln, also sollten Sie das Thema in jedem Fall bei Ihrem Arzt ansprechen.

Vielleicht fragen Sie sich auch, wie man den Unterschied zwischen Zervixschleim und Samenflüssigkeit erkennt. Gute Frage! Wenn Sie eine Schwangerschaft anstreben, werden Sie recht häufig Sperma in sich haben – wie also wissen Sie, was was ist? Samenflüssigkeit ist eher dünn, nicht spinnbar und trocknet schnell auf dem Finger. Fruchtbarer Zervixschleim mit der Konsistenz von Eiklar ist glibberig und fadenziehend. Samenflüssigkeit wird von Toilettenpapier absorbiert, während fruchtbarer Zervixschleim aufliegen bleibt, ohne absorbiert zu werden.

Wenn Sie schwanger werden möchten, sollten Sie ab dem Zeitpunkt Sex haben oder Sperma injizieren, an dem Ihr Zervixschleim eine milchige, lotionartige Konsistenz aufweist und spätestens dann, wenn der Schleim mit der Konsistenz von Eiklar auftaucht. Dieser Schleim kann ein Spermium etwa 5 Tage am Leben erhalten und bildet sich genau aus diesem Grund in den Tagen vor dem Eisprung. Einige der Spermien, die es bis zum Gebärmutterhals schaffen, werden in den Seitenfalten, auch Krypten genannt, gespeichert, bevor sie ihren Weg fortsetzen dürfen. Auf dem Weg nach oben dezimiert sich die Spermienzahl immer weiter und alle, die es durch den Gebärmutterhals und die Gebärmutter bis zu den Eileitern schaffen, werden dort festgehalten, um auf die Eizelle zu warten. Wenn die Eizelle dann vorbeischwebt, werden einige Spermien freigegeben und dürfen sich dem Ei nähern. Es ist also nicht so, dass die Spermien sich einen Wettlauf um das Ei liefern, sondern Sie hängen eher herum, bis die Eizelle bereit ist und entscheidet, wer sich ihr nähern darf. Das bedeutet vor allem eines: SIE MÜSSEN IM VORFELD DES EISPRUNGS SEX HABEN. Warten Sie nicht einfach darauf, dass Tag 14 kommt, denn dann ist es vielleicht zu spät, weil Ihre Eizelle nur etwa 24 Stunden lang bereitsteht und außerdem nicht jeder am 14. Tag seinen Eisprung hat. Achten Sie auf den Zervixschleim!

Wenn Sie die symptothermale Methode zur Verhütung nutzen, dann ist dies die Zeit, in der Sie andere Maßnahmen ergreifen müssen, das heißt Sie üben entweder Verzicht (eher öde, vor allem weil Ihre Libido um den Zeitpunkt des Eisprungs besonders ausgeprägt ist), oder Sie nutzen Kondome (auch ein wenig öde, aber immerhin effektiv), und wenn Sie sehr viel Vertrauen in Gott oder das Universum haben, den Coitus interruptus, also das Herausziehen des Penis aus der Scheide vor der Ejakulation (spaßig, aber erfordert seeeehr viel Vertrauen; es ist also keine wirklich sichere Verhütungsmethode, unter anderem, weil Ihr Liebhaber ziemlich gut aufpassen muss). Eine Studie hat zudem festgestellt, dass Spermien bereits im Präejakulat vorhanden sein können5, dem sogenannten „Lusttropfen“, der schon vor dem Höhepunkt austreten kann (auch wenn andere kleinere Studien dies verneinen6). Die Versagensrate beim Coitus interruptus liegt zwischen 4 und 18,4 Prozent7, bei Kondomen bei 2 bis 17,4 Prozent.

Jetzt wissen Sie also bereits eine Menge über Ihren Zervixschleim und können beginnen, danach Ausschau zu halten. Die Frage ist allerdings: Wo genau finden Sie ihn? Achtung, jetzt kommt ein ganz radikaler Vorschlag! Stecken Sie einfach den Finger in Ihre Scheide. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die das nicht gerne tun und dafür kann es verschiedene Gründe geben, die ich alle respektiere. Im Grunde ist es nicht verwunderlich, dass wir zögern, einen oder zwei Finger in uns hineinzustecken, denn die meisten von uns sind durch die Vorstellungen von Eltern, Religion, Schule und Massenmedien geprägt, die uns glauben machen, dass unsere Vaginas schmutzig und wir sexuell abartig sind, wenn wir uns selbst dort anfassen – was übrigens der wahre Grund für Tampon-Applikatoren ist. Was für Gefühle auch immer Sie Ihrem Körper entgegenbringen, ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass Sie wundervoll sind und alle Teile Ihres Körpers ebenso.

Eine weitere Möglichkeit, den Zervixschleim zu begutachten, ist beim Abwischen nach einem großen Geschäft (kein Grund zur Scham, das ist etwas, das wir alle tun). Die glibberige Natur des Eiklarschleims sorgt dafür, dass Ihre Hand mit dem Papier beim Abwischen schneller über die Vulva rutscht. Während Sie Ihren Darm entleeren, kann auch etwas Schleim austreten und in die Toilette fließen. Wenn Sie vermuten, dass Ihr Eisprung kurz bevorsteht und Sie es genau wissen wollen, können Sie auch ein Stück Papier unter Ihre Vulva halten, während Sie Ihr großes Geschäft erledigen, damit Sie sehen können, ob Flüssigkeit austritt. Sie mögen den Gedanken vielleicht zunächst etwas abartig finden, aber wenn Sie wirklich Kinder haben möchten, sollten Sie am besten gleich damit anfangen, sich mit Körperflüssigkeiten anzufreunden.

Abschließend ist auch der nasse Fleck in Ihrem Schlüpfer ein Zeichen für die Art des Schleims. Der fruchtbarste Schleim hat einen hohen Wasseranteil und tendiert daher dazu, einen symmetrischen Fleck zu hinterlassen, der feucht bleibt, während der nicht fruchtbare Schleim, den Ihr Körper nach dem Eisprung produziert, eher schlierenförmige Flecken hinterlässt, die schnell trocknen.

Geht da was Fischiges vor?

Zervixschleim ist sehr gesund, aber Scheidenausfluss, der unangenehm riecht oder in Farbe oder Textur abweicht, kann ein Hinweis auf eine vaginale Infektion sein, beispielsweise eine Pilzinfektion (Candida), bakterielle Vaginose oder Trichomoniasis.

• Soor oder Scheidenpilz wird durch ein zu starkes Wachstum einer Hefeart (zumeist Candida albicans) verursacht, die auf der Oberfläche von Darm, Haut und Vagina lebt, ohne uns zu schaden. Im Normalfall wird der Pilz vom Immunsystem in Schach gehalten und auch durch das natürlich saure Milieu der Scheide. Es gibt aber Zeiten, wenn der pH-Wert der Scheide alkalischer wird, beispielsweise durch Menstruation, Schwangerschaft, Diabetes, eine Chemotherapie, die Einnahme der Pille und einige Antibiotika, die die gesunden Bakterien abtöten, die normalerweise mit Candida um Nahrung und Platz konkurrieren. (Vielleicht hatten Sie ja auch schon einmal eine Blasenentzündung, haben Antibiotika genommen und im Anschluss eine Pilzinfektion bekommen?) In solch einer stärker alkalischen Umgebung können pilzähnliche Organismen sich stark vermehren und einen dicklichen weißen Ausfluss verursachen, der Hüttenkäse ähneln kann, sowie starken Juckreiz. Einige Menschen, die eine Pilzinfektion haben, leiden auch nur unter starkem Juckreiz ohne Ausfluss oder mit dünnem und wässrigen Ausfluss. Zu den weiteren Symptomen zählen eine wunde Vulva, Schmerzen beim Sex und ein Brennen beim Wasserlassen. Eine Pilzinfektion führt in der Regel nicht zu Ausfluss, der stark riecht, und wenn doch, dann riecht er eher hefig als fischig. Ein nicht verschreibungspflichtiger Arzneistoff wie Fluconazol kann verwendet werden, um die Infektion oral und/oder in Form eines Vaginalpessars zu behandeln, und da Candida Hefe und Zucker liebt, sollten diese erst einmal aus der Ernährung gestrichen werden; das betrifft auch Alkohol und Obst. Das Essen fermentierter Lebensmittel, die Einnahme eines Probiotikums, das den Stamm Saccharomyces boulardii enthält, und Oregano-Öl (oral eingenommen) können helfen, eine Candida-Infektion zu behandeln beziehungsweise zu verhindern.

• Bakterielle Vaginose (BV) ist eine bakterielle Infektion, die durch ein Ungleichgewicht der Scheidenflora hervorgerufen wird. Eine sinkende Anzahl der dort hauptsächlich vorhandenen nützlichen Milchsäurebakterien bewirkt einen rapiden Anstieg von krankmachenden Keimen wie Gardnerella vaginalis. Dies kann einen dünnen, wässrigen, grauen, grünlichen oder gelben Ausfluss hervorrufen, der stark fischig riecht, aber in der Regel keinen Juckreiz oder andere Reizungen hervorruft. Riecht Ihr Ausfluss fischig, sollten Sie das Ihrem Arzt mitteilen, denn das sorgfältige Waschen vor dem Arzttermin kann bedeuten, dass ihm dieser wichtige Hinweis auf BV möglicherweise entgeht. Eine unbehandelte bakterielle Vaginose kann Fehl- und Frühgeburten verursachen (schwangere Frauen mit unbehandelter BV erleiden fünfmal häufiger eine späte Fehlgeburt oder vorzeitige Wehen als Frauen ohne BV) sowie Perioden, die schwer und schmerzhaft sind, und Brustabszesse. Einer Studie zufolge, die von Dr. Anona Blackwell, Beraterin für urogenitale Medizin am Singleton Hospital in Swansea, durchgeführt wurde, sind Frauen mit unbehandelter BV, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen, stärker gefährdet, im Anschluss eine Unterleibsinfektion zu entwickeln. Auf Basis der Studie empfahl Dr. Blackwell, dass Ärzte vor Schwangerschaftsabbrüchen und Kaiserschnitten auf BV testen. Zu den Risikofaktoren für BV gehören: Vaginalduschen, Schaumbäder, eine Kupferspirale (verdoppelt das Risiko), Rauchen, das Vorhandensein anderer Geschlechtskrankheiten und Sex (zwar geht man nicht davon aus, dass BV direkt durch Sex übertragen wird, aber es wird häufiger bei Menschen festgestellt, die sexuell aktiv sind). Bei Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüchen oder Symptomen, die als störend empfunden werden, beispielsweise der charakteristische Geruch, werden in der Regel Antibiotika verabreicht, obwohl BV sich häufig von selbst gibt, speziell wenn Sie Vaginalduschen, übermäßig häufiges Waschen der Vulva (mehr als einmal am Tag) und die Verwendung von Produkten einstellen, die das Gleichgewicht der Bakterien in der Scheide negativ beeinflussen wie Schaum- und Ölbäder, parfümierte Seifen und Duschgels, starke Waschmittel und Produkte zur „Intimhygiene“ (die niemand braucht). Bei penetrativem Sex sollten Sie außerdem Kondome verwenden und Gleitmittel vermeiden, die keine Zusatz-, Geschmacks- oder Farbstoffe enthalten (halten Sie sich lieber an Produkte auf Wasserbasis).

• Trichomoniasis wird durch einen Parasiten verursacht, der durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. Diese unliebsame Krankheit erzeugt einen Ausfluss, der schwerer und / oder dicker ist als normal oder auch leicht schaumig und vom Aussehen her gelblich, grünlich, grau oder blutdurchsetzt sein kann. Er kann nach Fisch oder verdorbenem Fleisch riechen. Trichomoniasis kann mit Juckreiz einhergehen und einem Brennen beim Wasserlassen. Die Schamlippen können rot und geschwollen sein und es kann zu Schmerzen beim Sex kommen. Die Behandlung erfolgt mithilfe von Antibiotika. Damit die Krankheit nicht immer wieder gegenseitig übertragen wird, sollte Geschlechtsverkehr für mindestens eine Woche nach der Behandlung tabu sein und die Sexualpartner sollten gleichzeitig behandelt werden. Um das Risiko einer Geschlechtskrankheit von vornherein zu vermeiden, sollten Sie und Ihr Partner sich möglichst vorher testen lassen, bevor Sie auf den Gebrauch von Kondomen verzichten.

Zu wenig fruchtbarer Schleim?

Ein Mangel an fruchtbarem Schleim kann folgende Gründe haben:

• Die Menge nimmt mit dem Alter ab – traurig, aber wahr. Als ich mit Anfang zwanzig begann, mithilfe von NFP zu verhüten, hatte ich stets vier Tage mit glibberigem Eiklarschleim. Heute bin ich 37 und bei einem bis drei Tagen angelangt, je nachdem, wie gut ich für mich sorge.

• Sie haben erst kürzlich die Pille abgesetzt.

• Einige Medikamente können ein Abnehmen des Zervixschleims bewirken. Dazu gehören nichtsteroidale Entzündungshemmer (z B. Ibuprofen und Aspirin), Antihistamine, Erkältungs- und Nebenhöhlen-Medikamente, die einen Hustenstiller enthalten oder schleimhemmend sind, Clomid / Clomifen (ein fruchtbarkeitsförderndes Mittel), einige Schlafmittel und Antidepressiva, der Wirkstoff Propanthelin und einige Antiepileptika.

• Dehydrierung, also Flüssigkeitsmangel.

• Schlechte Durchblutung der Fortpflanzungsorgane, die mit einer vorwiegend sitzenden Lebensweise zu tun hat, z. B. Schreibtischarbeit.

• Niedrige Östrogenproduktion

• Zervikale Konusbiopsien, die nach einem auffälligen Abstrich vorgenommen werden, können in seltenen Fällen offensichtlich die Fähigkeit des Gebärmutterhalses beeinträchtigen, Zervixschleim herzustellen und abzugeben, da die Krypten, die den Schleim produzieren, bei der Biopsie entfernt wurden.

• Tampons sind sehr saugstark – denken Sie nur an das blaue Wasser, das in der Fernsehwerbung aufgesogen wird. Wenn Sie unter Scheidentrockenheit leiden und einem Mangel an fruchtbarem Schleim, sollten Sie einige Zyklen lang auf Binden ausweichen und schauen, ob das einen Unterschied macht.

Neben der Produktion und Abgabe von Zervixschleim durchläuft Ihr Gebärmutterhals auch einige Veränderungen im Zyklus. Er wird weich, hoch, offen und feucht. Wenn Sie Ihren Gebärmutterhals untersuchen – und das war jetzt Ihr Stichwort, ein Bein auf den Klodeckel oder Badewannenrand zu stellen, in der klassischen Tampon-Einführpose, oder sich einfach hinzuhocken –, können Sie ertasten, wie er sich im Verlauf Ihres Menstruationszyklus verändert. Im Vorfeld des Eisprungs fühlt sich Ihr Muttermund nacheinander wie folgt an:

• Weich, wie Ihre Lippen. Während des restlichen Zyklus wird er sich fester anfühlen, eher wie Ihre Nasenspitze.

• Hochstehend; der Gebärmutterhals zieht sich nach oben, um den Abstand zwischen Scheide und Gebärmutter zu verkürzen, damit Spermien eine größere Chance haben, die Reise zu überleben. Zu anderen Zeitpunkten während des Zyklus ragt er tiefer in die Scheide hinein, was zu Schmerzen bei penetrativem Sex führen kann.

• Offen, wie in: Die Tür steht offen, Jungs, kommt nur herein!

• Feucht, dank des ganzen Zervixschleims, den Ihr Körper wunderbarerweise produziert hat.

Wenn es da unten zu kribbeln beginnt

Dank des Östrogenanstiegs werden Ihre Genitalien stärker durchblutet, was wundervolle Körpergefühle auslöst und dafür sorgt, dass Sie tagträumen, wenn Sie eigentlich arbeiten sollten. Und das Beste ist: Sie kommen leichter zum Orgasmus! Alle einmal die Hand heben, die ebenfalls finden, dass dies die beste Zeit des Monats ist!

Die zusätzliche Blutzufuhr kann auch zur Folge haben, dass Ihre Klitoris sich in der Zeit um den Eisprung herum vergrößert. Hinzu kommen mehr Feuchtigkeit und eine erhöhte Libido dank Östrogen und Testosteron, sodass Sie jetzt gut beraten sind, sich Zeit für sich selbst zu nehmen oder sich Ihren Partner zu schnappen.

Mittlerweile ist Ihr dominanter Follikel von weniger als 4 Millimetern Größe zu Beginn Ihres Zyklus auf etwa 25 Millimeter angewachsen und der Eisprung – der Moment, in dem die im Follikel enthaltene reife Eizelle freigesetzt wird – steht kurz bevor.

Wenn die vom Follikel abgegebene Östrogenmenge vor dem Eisprung ihren Höhepunkt erreicht, wird eine Hormonsequenz eingeleitet, die den letzten Wachstumsschub auslöst, den der Follikel benötigt, um die Eizelle reifen zu lassen. Dieser Wachstumsschub erzeugt eine Ausbeulung auf der Oberfläche des Eierstocks, die dann aufbricht und – schwupps! – ist die reife Eizelle auch schon unterwegs.

Ist Ihr Körper nicht wunderbar?

Einige spannende Fakten zum Eisprung

• Die menschliche Eizelle ist die größte Körperzelle (ein Spermium ist übrigens die kleinste Zelle) und misst in etwa 0,1 mm.

• Menschen mit einem weiblichen Fortpflanzungsapparat werden bereits mit allen Eizellen geboren, die sie jemals haben werden. Bei der Geburt enthalten die Eierstöcke etwa eine Million unreife Eizellen, im Jugendalter nur noch 300 000 bis 400 000. Von diesen werden während der fruchtbaren Zeit nur 400 heranreifen und beim Eisprung freigesetzt werden, immer nur eine oder maximal zwei gleichzeitig. Jüngste Forschungen haben allerdings die Existenz von Stammzellen in den Eierstöcken nachgewiesen, was einige Experten für künstliche Befruchtung hoffen lässt, daraus reife Eizellen gewinnen zu können.

• Der Eisprung findet im Frühling meist am Morgen und während Herbst und Winter am Abend statt (rund 50 Prozent von uns haben ihren Eisprung zwischen Mitternacht und 11 Uhr morgens im Frühling und 90 Prozent zwischen 16 und 19 Uhr in den kälteren Monaten).9

• Bei jüngeren Frauen findet der Eisprung meistens abwechselnd beim einen und dann beim anderen Eierstock statt, während er ab 30 häufiger am gleichen Eierstock erfolgt.10

• Sobald eine Eizelle freigesetzt wurde, ist sie nur 12 bis 24 Stunden lebensfähig. Manchmal können innerhalb dieses Zeitrahmens auch zwei Eizellen freigesetzt werden.

• Ein Eileiter kann auch eine Eizelle aufnehmen, die am Eierstock der gegenüberliegenden Körperseite freigesetzt wurde. Wenn also festgestellt wurde, dass einer Ihrer Eileiter nicht durchgängig ist oder Sie einen Eileiter aufgrund einer Eileiterschwangerschaft verloren haben, müssen Sie die Hoffnung nicht aufgeben. Einer Studie zufolge entstand rund ein Drittel aller spontanen Schwangerschaften dadurch, dass der verbleibende Eileiter die Eizelle von der anderen Körperseite auffing.11 Das bedeutet, dass selbst dann, wenn Ihr rechter Eierstock und Ihr linker Eileiter nicht funktionstüchtig sind oder entfernt wurden, ihr linker Eierstock eine Eizelle freisetzen kann, die vom rechten Eileiter aufgefangen wird. Wie großartig ist das denn?!

Die Lutealphase – vom Eisprung bis zur Menstruation

Nach der Freisetzung der reifen Eizelle fällt der nun leere Follikel in sich zusammen, entwickelt eine eigene Blutzufuhr und wird zu einer temporären Drüse, die als Gelbkörper oder Corpus luteum bezeichnet wird. Dieser Gelbkörper ist verantwortlich für die Produktion und Freisetzung von Progesteron, dem dominanten Hormon in der Lutealphase. Progesteron ist ein reifungsförderndes Hormon und unterstützt eine Schwangerschaft, sofern sie denn eintritt. Es hat aber noch weitere gesundheitsförderliche Eigenschaften, denn es wirkt beispielsweise entzündungshemmend, beruhigt Nervensystem und Gemüt, verbessert den Schlaf (weswegen Sie womöglich nach dem Eisprung schneller in den Schlaf finden, tiefer schlafen und ab und an ein Nickerchen brauchen), regt den Aufbau von Knochengewebe an und hält das Östrogen im Zaum, indem es einen Mangel oder Überschuss ausgleicht (ein hoher Östrogenspiegel wird mit einem erhöhten Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs in Verbindung gebracht sowie einer ganzen Palette an Zyklussymptomen, über die Sie mehr in Teil III erfahren).

Kurze Nebenbemerkung: Wenn Sie hormonell verhüten und „Progesteron“ ein Bestandteil des Mittels Ihrer Wahl ist, können Sie die eben genannten Gesundheitsvorteile leider nicht genießen. Das liegt daran, dass Verhütungsmittel Progestin enthalten und nicht Progesteron; dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Moleküle. Progesteron produzieren Sie nur, wenn Sie ovulieren, was bei der Einnahme der Pille natürlich nicht passiert.

Mein Spitzname für Progesteron ist der „große Entschleuniger“, denn es lässt uns die Dinge langsamer und vorsichtiger angehen und wir bekommen mehr Lust, zu Hause zu sein und uns auszuruhen. Im Grunde genommen sorgt es dafür, dass Sie für den Fall, dass eine Empfängnis stattgefunden hat, sicher und gut aufgehoben sind. Es lässt im Übrigen nicht nur Sie selbst langsamer werden, sondern auch Ihre Verdauung, und sorgt so dafür, dass Ihr Darm mehr Zeit hat, die Nährstoffe aus dem Essen zu gewinnen und aufzunehmen – schließlich kann es ja sein, dass Sie einen sich entwickelnden Embryo mit durchfüttern müssen. Sie werden auch feststellen, dass Ihr Appetit während der Lutealphase zunimmt, weil Ihr Körper sich schon einmal dafür rüstet, ein Baby heranwachsen zu lassen und unterzubringen. Wehren Sie sich nicht dagegen, denn wenn Sie nicht häufig genug essen, werden instabile Blutzuckerwerte echte Heißhungerattacken auslösen. Achten Sie einfach darauf, nicht ausschließlich nach stark kohlenhydrathaltigen Produkten mit viel Zucker zu greifen, und wählen Sie stattdessen Proteine und komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte und Gemüse.

Nach dem Eisprung trocknet Ihr Zervikalschleim über Nacht ein und verdickt sich. Er wird pastös und bröckelig und weist eventuell eine leichte Gelbfärbung auf. Sie werden an den Spuren in Ihrem Schlüpfer erkennen, dass der Schleim nun verkrustet. Ihr Muttermund senkt und verschließt sich und wird fester. Diese Veränderungen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass Ihr Östrogenspiegel gesunken ist. Wenn Sie in der Lutealphase einen zweiten Schub an feuchtem Zervixschleim mit der Konsistenz von Eiklar erleben, dann zeigt dies keine fruchtbare Zeit an, sondern hat damit zu tun, dass Ihr Progesteronspiegel gesunken ist, während das Östrogen wieder zugelegt hat (allerdings nicht bis zu den Pegeln, die vor dem Eisprung erreicht wurden). Dieser relativ hohe Anteil an Östrogen im Verhältnis zum Progesteron sorgt für einen flüssigeren Zervixschleim.

Aufgrund der wärmenden Eigenschaften von Progesteron schlägt sich seine plötzliche Produktion in einem Anstieg der Basaltemperatur nieder. Wenn Sie schwanger sind, wird das Progesteron weiter produziert und nach 18 aufeinanderfolgenden Tagen mit einer erhöhten Basaltemperatur sollten Sie von einer Schwangerschaft ausgehen.

Während sich Ihre Gebärmutter auf eine mögliche Einnistung vorbereitet, bei der sich ein befruchtetes Ei in die Gebärmutterschleimhaut bohrt, schwellen die Zellen in dieser Schleimhaut an und werden so stark mit Flüssigkeit aufgepumpt, dass sie als eine glatte Oberfläche erscheinen und die Schleimhaut eine Dicke von 18 Millimetern erreichen lassen (wie Sie sich vielleicht erinnern, betrug die Dicke zu Beginn des Zyklus gerade einmal 4 Millimeter, also findet da eine Menge Aufbauarbeit statt).

Findet keine Einnistung statt, beginnt der Gelbkörper sich aufzulösen und ungefähr am 26. Tag eines 28-Tage-Zyklus stoppt er die Hormonabgabe. Die Gebärmutterschleimhaut beginnt mit dem Abbau, was die Menstruation einleitet und die Rückkehr zur Follikelphase.

Tests zur Vorhersage des Eisprungs

Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft Klientinnen mit Kinderwunsch mir erzählen, dass sie sich auf diese Tests verlassen, um zu wissen, wann der Eisprung stattfindet und folglich die beste Zeit für Sex oder den Einsatz von Samenspenden ist. Jedes Mal, wenn ich das höre, atme ich tief durch und sage: „Ok, ich kenne da womöglich einen viel einfacheren Weg, wie man die Chancen erhöhen kann, schwanger zu werden.“ Also, liebe Leserinnen, wer wirklich darauf warten will, dass im Fenster des (kostspieligen) Teststicks ein Smiley erscheint, verpasst wahrscheinlich einen großen Teil des Fruchtbarkeitsfensters. Wenn Schleim mit Eiklarkonsistenz vorhanden ist, kann ein Spermium darin bis zu fünf Tage überleben, warum also sollte man die kleinen Kerlchen nicht ein wenig da drinnen herumlungern lassen (darin sind sie eh gut). Diese Tests können einen Eisprung nicht erkennen, denn sie messen nur den Anstieg an luteinisierendem Hormon (LH), der rund 12 bis 36 Stunden vor dem Eisprung stattfindet und ihn letztendlich auslöst. Wenn Sie jedoch nicht häufig genug testen, können Sie den Anstieg verpassen. Sie sind wirklich besser beraten, Ihre Temperatur und Ihren Zervixschleim zu beobachten, was Sie im Übrigen – bis auf den Kauf eines Thermometers – keinen Cent kostet. Nach dem Eisprung steigt Ihre Basaltemperatur durch das Progesteron um rund 0,2°C an, was das Aufzeichnen der Temperatur zu einer hocheffektiven Methode macht, wenn man feststellen will, ob und wann ein Eisprung stattgefunden hat. Auch wenn man den Eisprung hier erst im Nachhinein feststellt, können Sie so nach und nach Ihren Zyklus kennenlernen und für zukünftige Zyklen Ihre Fruchtbarkeit vorhersagen. Bei einigen zeigt sich ein kurzer Temperaturabfall oder „Nadir“ vor dem Eisprung, der ein Anzeichen dafür sein kann, dass dieser kurz bevorsteht.

TEIL 2
DIE ZYKLUSSTRATEGIE
Mit ihrer ersten Blutung erhält eine Frau ihre Kraft.
In den Jahren, in denen sie blutet, nutzt sie sie.
In der Menopause wird sie zu ihr.
– Weisheit der amerikanischen Ureinwohner –

Nachdem Sie nun wissen, wie Ihr Körper und Ihr Menstruationszyklus funktionieren, wollen wir uns näher anschauen, wie das Auf und Ab der Hormone Ihr tägliches Leben beeinflusst und wie Sie dieses Wissen nutzen können, um Karriere, Beziehungen und Gesundheit zu fördern. Energie, Stimmung, Appetit, Schlaf, sexuelles Verlangen, Kreativität, Produktivität, Konzentrationsfähigkeit, die Lust unter Menschen zu gehen und Ihr Bedürfnis nach Bewegung beziehungsweise Ruhe werden stark dadurch beeinflusst, an welchem Punkt in Ihrem Zyklus Sie sich befinden. Das Leben wird wesentlich einfacher, wenn der Groschen gefallen ist und Sie endlich verstehen, was in den einzelnen Phasen normalerweise abläuft, denn mit dem Wissen um die inneren Abläufe können Sie sich selbst mit Nachsicht begegnen.

Wie Sie in den folgenden Kapiteln feststellen werden, habe ich den Menstruationszyklus in vier klar unterscheidbare Phasen aufgeteilt, von denen jede einer der vier Jahreszeiten zugeordnet wird:

• Während Ihrer Menstruation befinden Sie sich im Winter.

• Die Phase vor dem Eisprung ist Ihr Frühling.

• Rund um den Eisprung herum herrscht bei Ihnen Sommer.

• Die prämenstruelle Phase (rund eine Woche, bevor Ihre Regel beginnt) entspricht dem Herbst.



Jede Jahreszeit Ihres Zyklus birgt ihre eigenen Superkräfte und Gefahren. Sie werden nicht nur diese kennenlernen, sondern auch erfahren, aufgrund welcher biochemischen Cocktails wir uns im Verlauf eines Zyklus so stark verändern. Und dann nämlich können Sie in Ihren Kalender schauen und Ihr Arbeits- und Privatleben zumindest in Teilen an die jeweiligen Zyklusphasen anpassen. Natürlich wird es Dinge geben, die Sie nicht ändern können – vermutlich sogar viele. Aber wenn Sie im Einklang mit Ihren inneren Jahreszeiten sind, können Sie besser respektieren, an welcher Stelle Sie sich in Ihrem Zyklus befinden, sodass Sie bei Punkten, die Sie nicht verschieben oder auslassen können, besser verstehen, was gerade abläuft. Und so können Sie bestmöglich für sich sorgen, was Ihnen einige Seelenpein und Katastrophen ersparen kann. Vergleichen wir es mit einem kalten, regnerischen und windigen Tag. Es gibt Zeiten, da möchten Sie einfach nicht nach draußen gehen und können Ihre Pläne ändern, aber wesentlich häufiger werden Sie sich einfach entsprechend anziehen, einen Schirm schnappen und hinaus müssen, und genau hier kann die Zyklusstrategie hilfreich sein.

Obwohl mit jeder Jahreszeit bestimmte Fähigkeiten und Fallstricke verbunden sind, geht es hier um Ihre Erfahrungen mit Ihrem Zyklus, weshalb ich gleich zu Beginn betonen möchte, wie wichtig es ist, dass Sie Ihren Zyklus von Anfang an aufzeichnen und damit meine ich ab heute. Die in diesem Abschnitt enthaltenen Beschreibungen stammen aus meiner Ausbildung und den Erfahrungen, die ich in den vergangenen zehn Jahren durch meine Arbeit gesammelt habe. Dennoch hat auch dieses Buch seine Grenzen und kann nicht jede Einstellung und jedes Erlebnis abbilden, sodass es sein kann, dass die in den kommenden Kapiteln geschilderten Erfahrungen den Ihrigen entsprechen oder auch nicht. Und das ist völlig in Ordnung. Wie bei allen Dingen ist es Ihr eigenes Erleben, das zählt. Sehen Sie die Zyklusstrategie als eine Schablone, die Ihnen als Ausgangspunkt dienen kann – ein flexibles Rahmenwerk, innerhalb dessen Sie experimentieren können, während Sie Ihren Zyklus kennenlernen und eigene Daten sammeln.

Bei der Zyklusstrategie geht es nicht darum, einen perfekten „Bilderbuchzyklus“ zu haben. Wenn Ihr Zyklus kurz oder lang, unregelmäßig oder gerade nicht vorhanden ist, dann ist sie sogar noch nützlicher für Sie. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, mit wie vielen Menschen ich gearbeitet habe, deren Zyklus sich auf eine feste Anzahl von Tagen einpendelte, nachdem sie einmal begonnen hatten, ihn gewissenhaft aufzuzeichnen. Wenn Sie nicht menstruieren – vielleicht weil Sie die Pille abgesetzt oder ein Baby bekommen haben und nun darauf warten, dass Ihre Periode wiederkehrt, oder weil Sie die Menopause schon hinter sich haben oder keine Gebärmutter mehr besitzen –, dann haben Sie trotzdem die Möglichkeit, Ihre Temperatur zu messen und den Rhythmus der vier Jahreszeiten in Ihr Leben zu bringen. Ich habe diesen speziellen Zeiten im Leben ebenso wie den Teenager- und perimenopausalen Jahren (die Zeit, bevor Ihre Regel endgültig ausbleibt und in der Sie unter Symptomen wie beispielsweise Hitzewallungen leiden – siehe Seite 258) ein spezielles Kapitel gewidmet (Kapitel 7). Hier gehe ich auch darauf ein, wie das Erleben Ihres Zyklus abweichen kann, wenn Sie transsexuell oder nichtbinär sind.

Das Schöne an der Zyklusstrategie ist, dass Sie allein entscheiden, wann jede Jahreszeit beginnt und endet, und was Ihre persönlichen Superkräfte und Fallstricke in den einzelnen Phasen sind (Ihr Erleben und Ihre Einstellung hierzu kann sich übrigens im Verlauf Ihres Lebens ändern). Sobald Sie erst einmal für einige Monate Aufzeichnungen vorgenommen haben, werden Sie Ihre Jahreszeiten bestimmen können. Ist Ihr Zyklus eher kurz, werden Sie feststellen, dass eine oder zwei Jahreszeiten besonders kurz ausfallen. Ist er hingegen eher lang, halten Sie sich womöglich eine ganze Weile im Frühling auf und fragen sich, wann zum Teufel es nun endlich Sommer wird und der Eisprung stattfindet. Leiden Sie stark in der prämenstruellen Phase, dann kann es sein, dass Ihr Herbst unmittelbar nach dem Eisprung beginnt und ganz schön lang ist.

Mir ist besonders wichtig, dass Sie die von Ihnen gesammelten Daten und die damit verbundenen Erkenntnisse wertschätzen und respektieren und dass Sie lernen, Ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und gut für sich zu sorgen. Sie kennen Ihren Körper und Geist besser als jeder andere, und wenn Sie die Symptome und Erfahrungen Ihres Zyklus aufzeichnen, dann halten Sie das Ruder fest in der Hand, um Ihr Leben und Ihre Gesundheit in die richtige Richtung zu lenken.

Es geht hier um Ihren Zyklus. Ihren Körper. Ihr Leben. Den meisten von uns wurde beigebracht, dass unsere Fortpflanzungssysteme und Hormone im Leben eher hinderlich sind, aber das halte ich für ausgemachten Blödsinn, denn es ist unser Zyklus, der uns dorthin bringt, wo wir im Leben hinsteuern – geben Sie das Ruder also bloß nicht aus der Hand!


Mein ewiger Dank gilt den beiden Begründerinnen der Red School, Alexandra Pope und Sjanie Hugo Wurlitzer, die mich alles über die Jahreszeiten des Menstruationszyklus gelehrt und mir freundlicherweise gestattet haben, diese zusammen mit einigen Eigenschaften, die sie auf Grundlage ihrer Arbeit mit jeder Jahreszeit verbinden, in dieses Buch aufzunehmen. Ich kann ihr Buch Wild Power und die Ausbildungen, die sie über die Red School anbieten, nur empfehlen (siehe Anhang).

Warum das Aufzeichnen sich lohnt

Das Nachverfolgen und Entwickeln eines Bewusstseins für Ihren Menstruationszyklus zählt zu den besten Maßnahmen der Selbstfürsorge, die Sie ergreifen können. Außerdem erfordert es im Vergleich zum Gang ins Fitnessstudio, dem Beginn einer Diät oder dem Verzicht auf Kaffee nur wenig Mühe. Wenn es darum geht, gesunde Veränderungen vorzunehmen, zählt das Zyklusbewusstsein zu den Gewohnheiten, die sich am leichtesten anfangen, fortführen und umsetzen lassen. Hinzu kommt, dass der Erfolg sich recht schnell einstellt. Wenn Sie eine Minute am Tag Zeit haben (und das kann sogar sein, während Sie sich die Zähne putzen oder das Kaffeewasser aufsetzen), dann können Sie Zyklusbewusstsein praktizieren, denn es geht allein darum, festzustellen und zu notieren, wie Sie sich fühlen.

In den Jahren, in denen wir menstruieren, finden wir auch heraus, wer wir sind, arbeiten an unseren Verletzungen, entwickeln unsere Stärken und fühlen uns zunehmend zu Hause in uns selbst. Sie befinden sich in einem ständigen Kreislauf, der von Ihrem Menstruationszyklus gesteuert wird, und jeder weitere, den Sie durchlaufen, gibt Ihnen die Chance, ein wenig (oder auch gewaltig) zu wachsen und die Haut des vorherigen Zyklus abzustreifen. Sie werden feststellen, dass Sie nach außen in die Welt hineinwachsen, aber auch in Ihrem Inneren. Mit wachsender Überzeugung erkennen Sie Ihr Recht an, hier auf diesem Planeten zu sein und Ihre wahrhafte Größe zu leben. Der Weg dorthin ist nicht immer angenehm, und manchmal gewinnt der Frust die Oberhand. Aber es gibt auch Zeiten, in denen es sich wunderbar und ganz schön großartig anfühlt, sich auf diese Weise selbst kennenzulernen.

In verdichteter Form erleben wir in jedem Menstruationszyklus unsere Erfahrungen von der Menarche (der ersten Periode) bis zur Menopause, sodass jeder Zyklus in gewisser Weise der Vorbereitung auf das Ende der fruchtbaren Zeit dient. Es ist die innere Arbeit, die durch das Aufzeichnen des Zyklus angestoßen wird, und uns hilft, den psychischen Übergang zur Menopause mit mehr Leichtigkeit zu bewältigen – denn wenn wir in der Perimenopause, also der Zeit vor der Menopause, landen und noch immer nicht wissen, was eigentlich in unserem Körper vorgeht, können die Zeiten ganz schön hart werden.

Das Zyklusbewusstsein hilft Ihnen, Ihre sich verändernden Stimmungen und Energielevel zu spüren und darauf zu reagieren, wodurch eine innere Stabilität und Flexibilität entsteht, die es Ihnen erlaubt, freundlich zu sich selbst zu sein. Es eröffnet Ihnen die Möglichkeit, eine Art Zykluskarte Ihres Monats zu erstellen und Ihren Kalender daran auszurichten. Und Sie lernen, wie Sie sich gut um sich kümmern und so das Beste aus jeder Zyklusphase herausholen können.

Wenn Sie Ihre Gefühle und Erfahrungen aufzeichnen, beginnen Sie Ihre eigenen Stärken und Herausforderungen zu erkennen und können die Zyklusstrategie dann an Ihre persönlichen Muster anpassen. Im Laufe der Zeit werden Sie feststellen, dass es Zeiten in Ihrem Zyklus gibt, in denen Sie sogar in der Lage sind, Ihre Stimmung und Ihren Energiepegel für den Tag vorherzusagen. Sie werden entdecken, wann Sie Lust haben, sich mit Freunden zu treffen und auszugehen, und wann Sie Zeit für sich alleine brauchen – und all das bis zu einem gewissen Grad vorhersehen zu können, ist gut für Ihre Beziehungen, denn es gibt den Menschen in Ihrem Umfeld eine Blaupause für Ihren individuellen Rhythmus. Wenn Sie sich an Tag 26 am liebsten auf dem Sofa lümmeln und beim Schauen Ihrer Lieblingsserie Essen vom Lieferdienst vertilgen möchten, Ihr Partner aber einen Tisch in einem netten Restaurant reserviert hat und Sie außerdem nicht wissen, was Sie verdammt noch mal anderes tragen sollen als eine Jogginghose, weil Sie sich gerade total aufgebläht und generell eher unattraktiv fühlen, dann kann das schon einmal zu Spannungen führen. Kennt Ihr Lieblingsmensch hingegen Ihren Menstruationsplan (auf welche Weise auch immer Sie ihn darüber informieren möchten), dann weiß er, dass Sie jetzt am liebsten mit einem Hähnchen-Curry auf dem Sofa sitzen, wenig reden und maximal ein bisschen kuscheln möchten (solange Sie dabei nicht dem anderen beim Kauen zuhören müssen).

Das Aufzeichnen des Zyklus fördert das Körperbewusstsein – also Ihre Fähigkeit, Ihren Körper zu verstehen und zu lesen. Die Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die psychische Gesundheit sind so enorm, dass ich überzeugt bin, dass ein Zyklusbewusstsein die größte bislang noch ungenutzte Ressource zur Verbesserung der geistig-seelischen Gesundheit von Menstruierenden ist. Es eröffnet die Möglichkeit festzustellen, ob man nur zu bestimmten Zeiten im Zyklus deprimiert oder besorgt ist, oder ob dieser Zustand generell überwiegt. Fühlt man sich überwiegend so, kann man untersuchen, ob diese Gefühle sich in der prämenstruellen Phase intensivieren – ein Phänomen, das auch als prämenstruelle Exazerbation bekannt ist. Doch auch wenn sich psychische Probleme zyklusbedingt potenziell verstärken können, gibt es zugleich Momente der Linderung, und das Aufzeichnen Ihres Zyklus ermöglicht es Ihnen, diese optimal zu nutzen.

Mit dem Zyklus zu arbeiten, ist ein kontinuierlicher Prozess, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich zu sagen: „Das fühlt sich nicht gut an, und das auch nicht, aber das hier ist super, gebt mir mehr davon!“ Es ist eine Achtsamkeitsübung, die eine erdende Wirkung hat. Wenn Sie es sich angewöhnen, immer wieder in sich hineinzuhorchen, bedeutet dies auch, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche besser einschätzen und Ihre Muskeln spielen lassen können, wenn es um das Setzen von Grenzen und Selbstliebe geht. Der Zyklus ist wie ein fester Raum – er sagt Ihnen, wo Sie stehen und wer Sie sind, und er gibt Ihnen alles an die Hand, was Sie benötigen, um sich zu entwickeln und genau zu der Person zu werden, die Sie sein möchten. Sie können an ihm wachsen und er entwickelt sich gemeinsam mit Ihnen und eröffnet Ihnen die Möglichkeit, immer stärker in sich selbst zu ruhen.

Am Ende dieses Teils wissen Sie, dass Abweichungen in Bezug auf Appetit, Energie, Stimmung, Libido und Schlafbedürfnis ebenso zu 100 Prozent normal sind wie Ihr wechselndes Bedürfnis nach Geselligkeit und Alleinsein, und dass all diese Dinge zudem noch ziemlich gut vorhersagbar sind. Sie werden erfahren, dass Ihr Menstruationszyklus nicht medikalisiert oder behandelt werden muss, es sei denn natürlich, Sie selbst wünschen es. Das Aufzeichnen Ihres Zyklus wird Ihnen helfen festzustellen, wann Ihre Symptome zuschlagen und was mögliche Auslöser sind, und Sie können die gesammelten Daten zudem mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Sie helfen Ihnen, für sich einzustehen, sodass Sie eine passende Behandlung erhalten.

Denken Sie immer daran: Kein Experte kennt Sie besser, als Sie selbst sich kennen.

Wie wird aufgezeichnet?

Das Beobachten des Zyklus kann in 15 Sekunden erledigt sein. Allerdings wird es wahrscheinlich immer auch Zeiten geben, in denen Sie in die Tiefe gehen und eine halbe Stunde oder länger mit dem Notieren Ihrer Gefühle und Empfindungen verbringen. Das Ziel besteht darin, eine für Sie geeignete Form zu finden. Nachfolgend finden Sie einige hilfreiche Ideen für den Anfang.

Ein Wort sagt alles

Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, ob das überhaupt etwas für Sie ist, oder Sie sich fragen, wie zum Teufel Sie das Ganze in einen ohnehin schon voll gepackten Alltag einbauen sollen, dann wird Ihnen diese Methode gefallen.

Notieren Sie jeden Tag einfach nur ein Wort, das Ihre Gefühle am passendsten beschreibt. Mehr nicht. Ja, ich weiß, das klingt schon fast zu einfach, aber es sind häufig die schnellsten und einfachsten Methoden, die uns den Einstieg erleichtern und uns bei der Stange bleiben lassen, und genau das streben wir an: eine tagtägliche Gewohnheit. Ein Wort am Tag ist also bereits großartig, weil es Ihnen ermöglichen wird, Muster zu erkennen – wobei ich allerdings davon ausgehe, dass Ihre Neugier geweckt werden wird (warum auch nicht, schließlich sind Sie ein faszinierendes Beobachtungsobjekt) und Sie werden beginnen, mehr zu notieren.

Selbst wenn Sie die meiste Zeit anders vorgehen, wird es wahrscheinlich Tage geben, an denen Sie sich so fantastisch fühlen, dass Sie das Aufzeichnen komplett vergessen (ja, ich gestehe, das ist mir auch schon passiert). Wenn Sie dazu tendieren, dann notieren Sie in diesen Wohlfühlphasen einfach nur ein Wort pro Tag.

Sie können das Zyklusrad auf Seite 393 verwenden, sich eine Notiz auf Ihrem Smartphone machen oder, wenn Sie Excel-Tabellen mögen (das scheint es auch zu geben), eine solche Tabelle anlegen, die es Ihnen leicht macht, die einzelnen Monate miteinander zu vergleichen. Tatsächlich ist ein Wort pro Tag in einer Excel-Tabelle nicht die schlechteste Idee.

Wie wär’s mit einer App?

Apps für Smartphones, beispielsweise Clue, Kindara und Natural Cycles (und andere; nicht alle hier genannten Apps sind auch auf Deutsch erhältlich; Anm. d. Übers.), bringen viele Vorteile mit sich – sie sind benutzerfreundlich und ihre Erinnerungen helfen, wenn Sie einmal vergessen, an welchem Punkt in Ihrem Zyklus Sie sich gerade befinden. Aber sie vereinfachen und generalisieren Erfahrungen auch, wodurch ein Vergleich verschiedener Monate erschwert werden kann. Ich würde mir wünschen, dass Sie mehr in die Tiefe gehen, aber Sie müssen deshalb Ihre Zyklus-App nicht gleich löschen. Tatsächlich können sich die App und das Aufzeichnen Ihres Zyklus gut ergänzen. Sie sollten sich allerdings vorab genau informieren, da einige Apps die gesammelten Daten an Pharmaunternehmen verkaufen. Aus diesem Grund empfehle ich häufig die Anwendung Clue, weil sie die Daten nicht verkauft, sondern stattdessen mit Forschungsinstituten der Universitäten Oxford, Columbia und Stanford zusammenarbeitet. Außerdem mag ich die Benutzeroberfläche, weil sie geschlechtsneutral ist.

Die altmodische Methode: Papier und Stift

Das ist meine Lieblingsmethode, weil Sie nach Belieben viel und wenig schreiben und einzelnen Tagen einen Farbcode zuordnen (dazu gleich mehr) können. Wenn Sie bereits ein Bullet Journal besitzen (ein System, mit dem man ein Notizbuch nutzen kann, um verschiedene Aspekte des Lebens zu planen, zu organisieren und festzuhalten), dann können Sie es verwenden, um jeden Tag einige Dinge zu notieren, die Sie beobachten möchten, etwa Energiepegel, Appetit und Lust auf Sex. Oder Sie nutzen eine Tabelle auf die gleiche Weise, wie Sie einen Habit Tracker, also ein Tool zum Aufzeichnen von Gewohnheiten, verwenden und setzen entweder Häkchen oder bewerten jeden Punkt auf einer Skala von eins bis zehn. Bei der Verwendung solcher Aufzeichnungshilfen empfehle ich Ihnen, Raum für Gedanken zu lassen, die nicht einstufbar sind, denn die wird es mit Sicherheit geben.

Da das Zyklusrad eine einfache Methode ist, den gesamten Zyklus auf einen Blick zu erfassen (ein Beispiel für ein ausgefülltes Rad sehen Sie auf Seite 393), können Sie Kopien in Ihr Notizbuch kleben oder kreativ werden und Ihr eigenes zeichnen. Ein leeres Zyklusrad kann kostenlos von meiner Webseite (siehe Anhang) heruntergeladen werden.

Was wird aufgezeichnet?

Festzuhalten, wie Sie sich körperlich und psychisch fühlen, ist eine relativ einfache Methode der Selbstfürsorge, weil Sie so die Möglichkeit haben, Muster zu erkennen und herauszufinden, was Sie brauchen, um sich genährt und belastbar zu fühlen. Sie gewinnen durch diese tägliche Praxis an Stärke, wobei es nicht darum geht, die Dinge so zu verbessern, dass Ihre Stimmung und Energie nie kippen, denn – Überraschung! – auch Sie sind nur ein Mensch. Stärke bedeutet einerseits körperliche Belastbarkeit, aber es liegt auch Stärke darin, verletzlich zu sein, weich zu werden und gut zu sich zu sein sowie zu erkennen und zu respektieren, wo Sie gerade stehen und mit dem zu arbeiten, was Ihnen gerade zur Verfügung steht.

Ihren körperlichen Zustand können Sie aufzeichnen, indem Sie auf Folgendes achten:

• Energiepegel

• Schlafstörungen

• Libido

• Appetit

• Heißhunger

• Verdauungsprobleme

• Aufgeblähtheit

• Brustspannen

• Kopfschmerzen

• Rücken- oder andere körperliche Schmerzen

• Regelschmerzen

• Basaltemperatur

• Zervixschleim

• Position des Muttermunds

Sie sollten auch festhalten, wie es Ihnen emotional geht. Nicht jedem Menschen fällt es gleich leicht, die eigenen Gefühle zu erkennen. Ich habe eine ganze Weile und viele Therapiestunden benötigt, um das, was in mir abläuft, benennen zu können. Wenn Sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben oder an einigen Zyklustagen Hilfe benötigen, kann die folgende Liste vielleicht als Unterstützung dienen.

• Friedlich

• Zerstreut

• Aufgedreht

• Geerdet

• Ruhelos

• Ängstlich

• Deprimiert

• Stabil

• Frustriert

• Verwirrt

• Wütend

• Gekränkt

• Eifersüchtig

• Aufgeregt

• Freudvoll

• Zweifelnd

• Stark

• Schwach

• Gut drauf

• Traurig

• Glücklich

• Leer

• Ausgefüllt (kann sich gut anfühlen oder auch zu viel sein)

• Genährt

• Besorgt

• Zufrieden

Sie können auch Ihr Bedürfnis nach Dingen festhalten, beispielsweise nach:

• Essen

• Trinken

• Schlaf

• Gesellschaft und Gesprächen

• Ruhe und Raum für sich

• Aktivität

• Hilfe

• Nähe und Sex – mit sich selbst oder einer anderen Person

• Kunst und Kultur

• einem Geschirrspüler

• Zeit für Dinge, die Ihnen wichtig sind

• einem heißen Bad

An Tagen, an denen Sie Ihre Stimmung und Erfahrungen tiefergehend ergründen möchten, können die folgenden Fragen hilfreich sein. Je nachdem, an welchem Punkt in Ihrem Zyklus Sie sich befinden, werden einige Fragen Ihnen relevanter erscheinen als andere. Sie können ganz nach Belieben alle Fragen beantworten oder auch nur eine einzige.

• Ist dies eine Phase in Ihrem Zyklus, in der Sie sich wohl fühlen, oder stehen Sie eher neben sich?

• Welche Bedürfnisse haben Sie emotional, körperlich, seelisch und ganz praktisch? Wie können Sie sie befriedigen?

• Was fühlt sich heute leicht an? Und was schwer?

• Welche Teile Ihrer Persönlichkeit sind in dieser Zyklusphase aktiv? In welcher Weise sind sie hilfreich oder hinderlich?

• Zu wem oder was fühlen Sie sich hingezogen und was stößt Sie gerade ab? Wie fühlt sich das an?

• Wie geht es Ihnen mit Ihrer Beziehung zu sich selbst in dieser Phase, wie sehen Ihre Selbstgespräche aus?

• Wie ist Ihre Beziehung zu anderen in dieser Phase, wie sehen Ihre Gespräche mit anderen aus?

• Sind Sie freundlich zu sich selbst, und wenn nicht, woran liegt es?

• Wie reagieren die Menschen in Ihrem Umfeld während dieser Phase auf Sie und wie fühlen sich diese Reaktionen für Sie an?

• Vor welchen Herausforderungen stehen Sie, wie können Sie sich selbst unterstützen und wie können Sie andere um Unterstützung bitten?

• Was ist heute Ihr tiefster Wunsch und wie hängt das mit dem Punkt zusammen, an dem Sie sich gerade in Ihrem Zyklus und in Ihrem Leben befinden?

• Was ist heute Ihre größte Angst und wie hängt das mit dem Punkt zusammen, in dem Sie sich gerade in Ihrem Zyklus und in Ihrem Leben befinden?

• Wenn es eine Sache gäbe, die Sie heute verbessern könnten, was wäre es?

• Welchen Grund haben Sie heute, stolz auf sich sein?

• Wofür sind Sie heute dankbar?

• Wo kommen Sie nicht voran oder verlieren Sie die Selbstkontrolle?

• Was sind Ihre natürlichen Talente in jeder Phase und wie können Sie sie hervorheben oder dafür sorgen, dass sie von anderen bemerkt werden?

• Welche Unterstützung können Sie sich selbst in den einzelnen Phasen geben oder von anderen erbitten?

Wie nutze ich die Informationen?

Es liegt ganz an Ihnen, wie intensiv Sie Ihre Aufzeichnungen betreiben möchten, wobei Sie – ehrlich gesagt – am Ende eine ganze Menge Informationen haben könnten. Schauen wir uns also einmal an, welchen Nutzen Ihre Notizen potenziell haben.

Am Ende jedes Zyklus sollten Sie sich einen Moment Zeit nehmen, um zu rekapitulieren, wie es sich angefühlt hat, alles aufzuzeichnen, und welche Daten Sie dabei gewonnen haben. Welche Intention oder welchen Plan haben Sie in diesem Zyklus verfolgt und hat die Umsetzung geklappt? Was hat dabei geholfen und was war eher hinderlich? Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen und wie können Sie diese in künftigen Zyklen praktisch nutzen? Wie können Sie mehr Selbstliebe entwickeln?

Wenn Sie das Zyklusrad oder ein Notizbuch verwenden, dann können Sie Anfang und Ende der Jahreszeiten abschätzen, indem Sie jedem Tag eine Farbe zuweisen. Wenn Sie dies tun, werden Sie innerhalb weniger Zyklen erkennen, wie vorhersagbar Ihr Zyklus ist und können im Vorfeld schon Tage farblich markieren. Wenn Ihre beste Freundin dann mit Ihnen um die Häuser ziehen will, wissen Sie, welche Tage dafür am ehesten geeignet sind. Da bleibt dann nur zu hoffen, dass die von Ihnen vorgeschlagenen Termine auch zum Zyklus Ihrer Freundin passen!

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Wenn Sie feststellen, dass es Tage gibt, die ständig schwierig für Sie sind, dann sollten Sie sich selbst im Kalender vorwarnen. Ich markiere beispielsweise die Tage 1,2,6 und 20 meines Zyklus mit „Mach langsamer“. An diesen Tagen fühle ich mich nämlich meist etwas ausgelaugt. Die Tage 21 und 24 hingegen bekommen die Markierung „Alleine sein“, denn dann sehne ich mich meist nach Stille. Auf diese Weise geschieht alles, was ich für diese Tage plane, mit Achtsamkeit für meine Gefühle und ich versuche, Termine möglichst auf andere Tage zu verschieben.

Das Aufzeichnen Ihres Zyklus hilft Ihnen zu planen, wann es Zeit ist für schwere Arbeit, für Ruhe, den Gang ins Fitnessstudio, gesellige Runden und Alleinsein. Den meisten von uns gelingt es nicht, ein Leben zu führen, dass zu 100 Prozent im Einklang mit dem Zyklus ist. Umso wichtiger ist es, achtsam mit uns selbst umzugehen, wenn das Leben sich gerade einmal nicht auf die jeweilige Phase abstimmen lässt. Wenn Sie in Ihrer prämenstruellen Phase ein voll gepackter Arbeitstag erwartet, dann sollten Sie darauf achten, in der Nacht zuvor ausreichend Schlaf zu bekommen und am Tag keine Mahlzeiten auszulassen. So können Sie Ihre Fähigkeiten optimal einsetzen, ohne von Erschöpfung oder einem niedrigen Blutzuckerspiegel aus der Bahn geworfen zu werden.

Übergangstage

Wenn Sie feststellen, dass Sie im Rhythmus einer Jahreszeit angekommen sind und trotzdem kurz darauf aus dem Tritt geraten, kann es sein, dass gerade der Wechsel von einer Jahreszeit zur nächsten ansteht. An Übergangstagen ist es durchaus normal, wenn alles etwas stockender vorangeht. Das kann sich darin äußern, dass Sie sich erschöpft fühlen oder näher am Wasser gebaut haben, aber es kann auch so intensiv sein, dass Sie glauben, Ihnen würde der Boden unter den Füßen weggerissen. An diesen Tagen sind Ihre Gefühle womöglich sehr intensiv oder auch kaum vorhanden, weil manchmal ein Gefühl von Leere und Taubheit überwiegt.

Übergangstage machen uns zu schaffen, weil wir uns wehren, eine bestimmte Jahreszeit zu verlassen, in der wir uns besonders wohl fühlen oder deren Kräfte wir noch nicht so genutzt haben, wie wir es vorhatten. Hinzu kommen möglicherweise Ängste in Bezug auf die nächste Jahreszeit, die damit zu tun haben, sichtbarer zu werden, oder es geht um Ihre Gefühle rund um Ihre Fruchtbarkeit – entweder weil Sie schwanger werden möchten oder gerade nicht. Vielleicht kommt auch Traurigkeit auf, weil Sie gerne in einer Beziehung wären, es aber derzeit nicht sind. Vielleicht geht es auch um die Freude, eine Jahreszeit zu verlassen, mit der Sie zu kämpfen hatten, doch weil Sie sich ohne Achtsamkeit davon verabschiedet haben, gleitet Ihnen gerade alles aus den Händen.

Die Gefühle, die Sie mit den einzelnen Jahreszeiten verbinden, können sich im Laufe des Lebens ändern. Ich selbst war jahrelang eine Eisprung-Queen und konnte mir nicht vorstellen, dass je eine andere Phase meines Zyklus dem Sommer den Rang ablaufen würde. Nachdem ich Mutter geworden war und mein Zyklus zurückkehrte, scheute ich allerdings unwillkürlich vor dieser Sonnenseite zurück, weil ich von meiner Sexualität abgetrennt war. Dadurch zeigte sich ein deutlicher Einbruch an Tag 6, und mit ein wenig Nachforschen fand ich heraus, dass es um meinen Widerstand dagegen ging, gesehen und als sexuelles Wesen wahrgenommen zu werden. Ich wollte mich lieber zurückziehen und Zeit für mich selbst haben, was es mir erschwerte, in die Phasen einzutreten, in denen man typischerweise unterwegs ist und andere Menschen trifft. Ein weiterer Punkt war das Schreiben dieses Buches im Verlauf von fünf Menstruationszyklen und der starke Druck, in Frühling und Sommer hochproduktiv zu sein; das hatte großen Einfluss auf meine Gefühle, die mich vormals diese beiden Jahreszeiten genießen ließen.

Bei einem Zyklus von 28 Tagen liegen diese Übergangstage in der Regel rund um die Tage 6,12,20 und 28. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass es hier um Ihren Zyklus geht und Sie womöglich feststellen, dass das Timing bei Ihnen ganz anders ausschaut. Sie können auch von Monat zu Monat variieren und je nach Ihrem Gesundheitszustand und dem, was sonst noch so in Ihrem Leben abläuft, früher oder später eintreten. Versuchen Sie herauszufinden, wo diese Tage in Ihrem Zyklus liegen, und planen Sie um sie herum, wenn sie Ihren Flow unterbrechen. Vielleicht sollten Sie auf dem Weg zur Arbeit einen beruhigenden und erdenden Spaziergang im Park machen? Wie wäre es, wenn Sie dafür sorgen, dass Sie zu Mittag ein leckeres und nahrhaftes Essen bekommen? Tut es Ihnen vielleicht gut, sich nach dem Feierabend erst einmal eine halbe Stunde hinzulegen?

Ohne Zyklusbewusstsein können diese Übergangszeiten Sie hart treffen. Sie kommen unerwartet und können Ihnen das Gefühl geben, den Boden unter den Füßen zu verlieren, mit möglicherweise katastrophalen Auswirkungen auf Ihre Psyche, Ihre Beziehungen und Ihr Arbeitsleben. Einige Menschen haben auch mit Frühling und Herbst zu kämpfen, weil es sich bei ihnen um Übergangsjahreszeiten handelt. Winter und Sommer hingegen fungieren als Pole des Zyklus, denn in ihnen finden die beiden Hauptereignisse statt – Eisprung und Menstruation. Catarina, eine meiner Klientinnen, erlebt dies bei ihrem Zyklus so: „Im Winter und Sommer ruhe ich viel mehr in mir selbst, bin geerdeter und besser in Verbindung mit mir.“

Mit einem Zyklusbewusstsein wissen Sie, dass diese Übergangstage kommen und können das Ganze abfedern, indem Sie weich auf einer Matratze landen – vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes, weil Sie sich gleich tausend Mal besser fühlen, wenn Sie sich eine Weile hinlegen und einfach gar nichts tun. Sie können sich selbst auch mit mehr Freundlichkeit begegnen, weil Sie wissen, was vorgeht, oder sich von möglichst vielen täglichen Pflichten freimachen. Sie können viele Strategien nutzen, um mit zyklusbedingten Themen umzugehen. Der Schlüssel liegt darin, einfach mit dem Aufzeichnen zu beginnen, damit Sie wissen, wann Ihre Periode ansteht und wie Sie sich bestmöglich um sich selbst kümmern können.

Das Aufzeichnen Ihres Zyklus vertieft Ihre Beziehung zu sich selbst und gibt Ihnen das Selbstvertrauen, Ihre natürlichen Talente voll zu bejahen, gesunde Grenzen zu setzen, Vertrauen in alle Aspekte Ihres Lebens zu haben, Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen sowie Selbstachtung und Selbstwert zu entwickeln. Es ist wirklich lohnenswert, also lassen Sie uns gleich damit anfangen!

Kapitel 3
There will be blood – Winter

Jede Meile zählt doppelt im Winter.

– George Herbert –



Hier sind wir nun, am Beginn Ihres Winters. Wenn ein Zyklus endet und der nächste beginnt, dann ist dies zugleich ein Moment des Todes und auch eine Wiedergeburt. Welches Gefühl überwiegt bei Ihnen persönlich?

Wie reagieren Sie auf das Wissen, dass Ihre Periode eingesetzt hat? Sind Sie erleichtert, weil Sie nicht schwanger sind und die prämenstruelle Zeit endlich vorbei ist? Sind Sie voller Panik und Sorge, weil Sie unter Menstruationsschmerzen, starkem Blutverlust oder anderen unangenehmen Symptomen leiden? Bringt das Einsetzen der Regel Enttäuschung mit sich und ein weiteres Sinken der Hoffnung, schwanger zu werden, selbst wenn Sie es gar nicht angestrebt haben? Ist Ihre Regel etwas, auf das Sie sich bewusst freuen, oder ist sie eher eine lästige Unannehmlichkeit? Oder schenken Sie ihr womöglich gar keine Beachtung?

Unsere Periode regiert unser Leben – ganz gleich, ob sie uns stark beeinträchtigt oder keinerlei Probleme bereitet. Sie stellt eines der ältesten Messsysteme der Menschheit dar und ist Zeugnis unserer inneren Gezeiten. Dennoch genießt sie nicht gerade den besten Ruf und viele würden auch gerne darauf verzichten. Perioden werden als lästig, störend und peinlich empfunden – eine Unannehmlichkeit, die uns bei der Arbeit ebenso behindert wie in der Freizeit. Die Periode ist die einzige Blutung, die nicht durch eine Verletzung hervorgerufen wird und dennoch wird sie zumeist versteckt, ausgeklammert und heruntergespielt. Ein Witz eigentlich, wenn man bedenkt, dass sie vor allem ein Zeichen für ein gesundes, funktionierendes Fortpflanzungssystem ist und Menstruationsblut eine reiche Quelle von Stammzellen ist – einer Zellart, die sich in jede andere Zelle des Körpers verwandeln kann und daher in der Medizin hoch geschätzt wird.

Welche Einstellung Sie zu Ihrer Periode haben, wird von einer ganzen Reihe von Faktoren beeinflusst, beispielsweise von Ihren frühen Erfahrungen, der Kultur und Religion, in der Sie erzogen wurden, dem Erleben Ihrer ersten Regel (auch als Menarche bezeichnet), der Einstellung Ihrer Familie zur Menstruation, den seit Generationen bestehenden Mustern, der Reaktion anderer Menschen auf Ihre Periode (sowohl jetzt als auch in der Vergangenheit), Ihrem aktuellen Wunsch, schwanger zu werden oder auch nicht, und von den Gefühlen, die Sie für Ihren Körper, Ihr Geschlecht, Ihre Sexualität und Ihre Gesundheit haben. Auch Ihre aktuelle Lebenssituation spielt natürlich eine Rolle.

Es ist schon ulkig. Wenn das Blut, das aus der Vagina kommt, daher rührt, dass ein Mann einer Frau „die Jungfräulichkeit genommen“ hat, dann wird dieses Blut gefeiert, manchmal sogar öffentlich präsentiert. Der Mann wird bewundert und man klopft ihm auf die Schulter. Aber wenn es im Rahmen eines monatlichen, natürlichen biologischen Prozesses fließt, ist es scheinbar eine abstoßende Sache, die man verstecken muss!

Wenn der Winter kommt

In den Tagen rund um den Beginn Ihrer Periode befinden sich Ihre Hormone im Vergleich zum restlichen Zyklus auf dem niedrigsten Stand. Es kann sein, dass Sie dies extrem spüren und sich manchmal – körperlich, psychisch und / oder emotional – kurz vor dem Zusammenbruch fühlen. Unüberwindbare Müdigkeit, emotionale Verletzlichkeit, nah am Wasser gebaut zu haben, Ängstlichkeit und ein unruhiger Geist können die Begleiterscheinungen sein, aber meist wird einem erst bewusst, was gerade abläuft, wenn die Blutung tatsächlich einsetzt und alles plötzlich einen Sinn ergibt.

Sie werden feststellen, dass sich das Einsetzen Ihrer Periode bereits vorab ankündigt – entweder weil Symptome auftauchen, die Ihnen das Leben schwerer machen, oder weil Sie sich ein wenig abgespalten vom Rest der Welt fühlen und Ihr Fokus durch den Vorgang der Blutung stärker nach innen gerichtet ist. Wenn Sie feststellen, dass Sie sich von der Welt zurückziehen, dann ist dies Ihr Stichwort, das zu tun, was erforderlich ist, um eine gute Erfahrung mit Ihrem Winter zu machen – sei es das Aufstocken Ihres Vorrats an Binden und Tampons oder das Freischaufeln von Zeit für sich selbst. Nachdem sie ihren Zyklus einige Monate lang verfolgt hatte, stellte meine Klientin Catarina fest, dass ihr Winter mit einem speziellen Thema verbunden ist, und sie lernt nun, mit den entsprechenden Gefühlen umzugehen.

‚Mein Winter beginnt immer am Abend oder in der Nacht. Wenn die Blutung einsetzt, bin ich stets sehr erleichtert. Meine innere Anspannung löst sich. Ich mag dann am liebsten alleine sein und finde es besonders nervig, mit Fragen belästigt zu werden, insbesondere wenn sie zu einem tiefergehenden Gespräch einladen. Ich mag keine Musik hören und habe eine Abneigung gegen Körperkontakt (inklusive Stillen). Mein Partner zeigt seine Zuneigung gerne über Berührungen, hat aber gelernt, seine Liebe in diesen Zeiten anders zu zeigen, beispielsweise indem er mir etwas Heißes zu trinken bringt oder mir meinen Raum lässt.’

Dies sind Anzeichen dafür, dass Ihr Winter bevorsteht:

• Mit dem Rückgang von Östrogen und Progesteron fällt die Basaltemperatur etwa einen Tag vor oder am Tag der einsetzenden Blutung.

• Es fühlt sich so an, als sei die Blase aus prämenstruellem Druck endlich geplatzt und damit lösen sich auch Aufgeblähtheit, Berührungsempfindlichkeit der Brüste und emotionale Spannungen auf.

• Das Sicherheitsventil im Zyklus geht auf, Ihr Ego erlebt einen Zusammenbruch und Sie können endlich alle Hemmungen fallen lassen (Taschentücher und Filme zum Weinen bereithalten).

• Das Einsetzen Ihrer Regel bringt emotionalen Aufruhr mit sich. Es ist nicht nur ein körperlicher Reinigungsprozess – es kann auch ein emotionaler sein.

• Sie entwickeln ein körperliches Bewusstsein dafür, dass Sie kurz vor der Blutung stehen oder diese bereits begonnen hat.

• Regelschmerzen (Freude über Freude).

• Sie fühlen, wie Sie so dahintreiben und sich von der Welt um Sie herum abschotten, während Ihre Energie sich stark nach innen richtet und es Ihnen schwerfällt, sich auf das Außen zu konzentrieren.

• Eine tiefe Konzentration auf Ihr Inneres ist nun möglich (was im Übrigen auch die einzige Option sein kann, wenn Sie sich vor Schmerzen krümmen).

• Sie geraten in einen benebelten oder traumähnlichen Zustand, vielleicht einen anderen Bewusstseinszustand, in dem Sie sich ein wenig weggetreten fühlen.

• Sie können auch ein Gefühl von Glückseligkeit spüren, wenn Ihr Körper die natürlichen schmerzlindernden Hormone Oxytocin und Endorphine freisetzt.

• Ihre Grenzen lösen sich auf, wodurch Sie sich der Welt gegenüber durchlässiger und verletzlicher fühlen. Das ist definitiv nicht die Zeit, um einen Wocheneinkauf im Supermarkt zu erledigen oder die Schwiegereltern einzuladen.

• Sie können auch Erregung verspüren, weil Gebärmutter und Genitalien stärker durchblutet werden.

Wenn Sie vor der Menstruation eine harte Zeit durchmachen, und insbesondere, wenn Sie unter einer Extremform des prämenstruellen Syndroms leiden, die man als prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) bezeichnet, dann kann das Eintreten Ihrer Regel sofortige Erleichterung bringen, denn nun sind Sie zurück in der Hälfte Ihres Zyklus, in der Sie sich wieder wie Sie selbst fühlen. Haben Sie hingegen Probleme mit Ihrer Fruchtbarkeit oder Menstruation und die Regel ist eher unerwünscht, dann kann der Winter eine harte Zeit sein und neben verschmutzter Unterwäsche emotionalen Aufruhr und physische Schmerzen mit sich bringen, die man nur als Folter beschreiben kann.

Doch selbst im tiefsten Elend dient Ihre Periode als eine Art Anker. Sie informiert Sie ganz grundlegend darüber, dass Sie nicht schwanger sind, gibt Ihnen aber auch die Chance, innezuhalten, eine Bestandsaufnahme zu machen und loszulassen. Es ist der Moment im Monat, in dem Sie mit sich selbst in den Dialog gehen und die Gesundheit Ihres Zyklus und Ihrer Periode überprüfen. Der Moment, in dem Sie Ihre Aufzeichnungen zum vorherigen Zyklus durchgehen und festhalten sollten, wie viele Tage er umfasste. Schauen Sie sich an, welche Symptome Sie bemerkt haben, wann sie eintraten und wo Ihre Hochs und Tiefs in Bezug auf Energiepegel, Stimmung und sexuelles Verlangen waren.

Wenn Sie die Daten jedes Zyklus aufzeichnen, können Sie ihn mit den vorherigen Zyklen vergleichen und so Gemeinsamkeiten und Muster aufdecken. Bei vielen kann dies erstaunlich ins Detail gehen. Meine Klientin Gemma hatte mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen. Sie ging zu ihrem Hausarzt, der ihr ein Antidepressivum verschrieb, wobei sie sich aber nicht sicher war, ob sie es tatsächlich nehmen sollte; sie wartete erst einmal ab. Sie hatte auch an einem meiner Workshops teilgenommen, und als sie begann, ihren Zyklus aufzuzeichnen, stellte sie überrascht fest, dass sie sich nicht immer so fühlte, sondern nur an den Tagen 19 bis 22 und dann noch einmal kurz vor Eintritt ihrer Monatsblutung. Da Gemma außerdem häufig einige Tage vor dem Einsetzen der Regel leichte Schmierblutungen hatte, fragte ich mich, ob ihr Progesteronspiegel vielleicht zu niedrig sei. Also bat ich sie, regelmäßig ihre Basaltemperatur zu messen und auch einen Bluttest machen zu lassen, damit wir ein Gesamtbild bekämen. Sie kam einen Monat später wieder und wir konnten erkennen, dass ihre Basaltemperatur deutlich sank, und zwar zum gleichen Zeitpunkt, an dem ihre Stimmung in den Keller rutschte. Das Ergebnis des Bluttests bestätigte, dass sie zwar einen Eisprung hatte und Progesteron produzierte, die Menge aber nicht ausreichte, um die zweite Hälfte ihres Zyklus zu unterstützen. Das war eine wichtige Information, denn es war das Fehlen der beruhigenden Wirkung des Progesterons, das Ängste auslöste, die dadurch erschwert wurden, dass sie gerne schwanger werden wollte. Nachdem wir alle in Frage kommenden Optionen besprochen hatten, entschied sich Gemma, einen Arzt zu konsultieren, der ihr bioidentische Hormone verordnete – das sind Hormone, die chemisch identisch sind mit den vom Körper selbst produzierten Hormonen. Sie begann mit der Einnahme von bioidentischem Progesteron und unterstützte die Ovulation und Lutealphase zusätzlich durch Akupunkturbehandlungen und eine Ernährungsumstellung. In den nächsten Zyklen stellte sie fest, dass es ihr wesentlich besser ging und ihre Basaltemperatur nun in der gesamten Lutealphase stabil blieb. Gemmas Arzt schlug vor, dass sie im Vorfeld und während des ersten Drittels der Schwangerschaft weiterhin Progesteron nehmen solle, und auch ihre Schwangerschaft verlief problemlos. Für Gemma war es also viel wichtiger, hormonelle Unterstützung zu bekommen als ein Antidepressivum, und es war das Aufzeichnen des Zyklus, das diese Erkenntnis ermöglichte.

Der Winter ist die Zeit, um sich auf die eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren und sich zu überlegen, was für den kommenden Zyklus benötigt wird und wovon Sie in Ihrem Leben mehr haben wollen. Genauso wie Sie am Montagmorgen an die vor Ihnen liegende Woche denken und Entscheidungen treffen, wie Sie Ihre Zeit einteilen, mit wem Sie Termine vereinbaren und welchen Dingen Sie sich mit wie viel Energie widmen, ist der Winter die Jahreszeit in Ihrem Zyklus, in der Sie sich darüber klar werden können, was Sie vom Leben erwarten und woran Sie arbeiten müssen, um es zu bekommen.

Nehmen Sie sich während Ihrer Periode ein wenig Zeit, um sich folgende Fragen zu stellen – sowohl in Bezug auf Ihren Zyklus, als auch auf Ihr Leben an sich:

• Wogegen kämpfe ich an?

• Was bin ich bereit loszulassen?

• Was erfordert meine Aufmerksamkeit?

• Wovon möchte ich mehr?

• Wo kann ich Energie und Fokus in mein Leben bringen?

Diese einfachen Fragen werden Ihnen helfen festzustellen, wo Sie sich gerade befinden und was Sie verändern möchten. Ich empfehle Ihnen, sie schnell zu beantworten, ohne lange darüber nachzudenken, um ehrliche und möglicherweise überraschende Antworten zu erhalten. Danach können Sie sich überlegen, woran Sie in diesem Zyklus arbeiten wollen. Haben Sie ein spezifisches Ziel oder eine Intention für diesen Zyklus? Seien Sie ehrlich mit sich selbst, schreiben Sie es auf und vertrauen Sie darauf, dass das Universum hinter Ihnen steht.

Die Superkräfte des Winters
Grenzen setzen

Melden Sie Ansprüche an für sich und Ihre Bedürfnisse – wie auch immer diese aussehen mögen. Wenn Sie während Ihrer Periode dünnhäutig und verletzlich sind, dann fragen Sie sich, was Sie tun können, um sich sicher und geschützt zu fühlen, und ob es Dinge gibt, die Sie ablehnen sollten. Brauchen Sie Zeit für sich oder wünschen Sie sich Nähe und Intimität? Können Sie jemanden bitten, die Kinder vom Kindergarten abzuholen? Können Sie nach der Arbeit noch in Ruhe abendessen gehen und einen weniger voll besetzten Zug nach Hause nehmen? Wenn Sie keine besonderen Bedürfnisse verspüren, ist es ebenfalls wunderbar, denn dann sind Sie frei, um darüber nachzudenken, was Sie wollen – welche Wünsche und Träume in Ihnen schlummern und wie Sie sie nähren und stärken können. Meine kluge und wundervolle Mentorin Alexandra Pope erklärt es so, dass während der Menstruation das äußere Licht der Welt gedimmt ist und unsere inneren Lichter angehen, und damit sie möglichst hell erstrahlen können, braucht es Dunkelheit. Dieses Bild kann uns helfen, gute Entscheidungen in Bezug darauf zu treffen, wofür wir unsere Energie im Winter einsetzen.

Sich nähren

Sobald Sie einmal „klar Schiff“ gemacht haben, haben Sie Zeit zur Verfügung, die Sie entweder mit einer nährenden Tätigkeit füllen oder offen lassen können. Unter einer nährenden Tätigkeit verstehe ich etwas, das Sie nur für sich tun. Sie können es alleine tun oder gemeinsam mit anderen, das bleibt ganz Ihnen überlassen. Das Wichtigste ist, dass es stärkend, erholsam und angenehm ist und etwas mit Ihnen zu tun hat. Leerraum zu lassen kann eine Herausforderung sein und sich unangenehm anfühlen – die Versuchung kann sehr groß sein, diesen mit einem kurzen Abstecher zu Instagram zu füllen, anstatt in Stille bei sich zu bleiben und zu schauen, was sich zeigt. Dennoch sollten Sie es einmal ausprobieren. Was Sie in Ihrem Inneren finden, mag chaotisch sein, zugleich aber auch wunderschön.

Ausruhen

Die meisten meiner Klientinnen finden, dass der Beginn der Periode der natürlichste Punkt im Zyklus ist, um in irgendeiner Form zur Ruhe zu kommen, und auch wenn das in mir die Frage aufwirft, ob ich eine blöde Feministin bin, wenn ich vorschlage, sich in dieser Zeit von Verpflichtungen freizumachen, so habe ich doch das Gefühl, dass irgendeine Form von Ruhe, wenn Sie sie benötigen oder sich wünschen, äußerst vorteilhaft sein kann. Nicht nur nehmen Sie durch das Ausruhen im Winter Rücksicht auf den Vorgang der Menstruation (der dem Körper immerhin einiges abverlangt), sondern es erlaubt Ihnen auch, Energie zu sammeln für die produktiven und eher nach außen gerichteten Jahreszeiten Frühling und Sommer.

Loslassen

Während des Winters können Sie noch mehr abgeben als nur Blut. Es ist die beste Zeit, um aufgestaute Gefühle ebenso wie Menschen, Situationen und Glaubenssätze loszulassen, die Ihnen nicht guttun. Überlegen Sie sich, wie Sie Altes ausräumen und Platz machen können für Neues. Richten Sie den Scheinwerfer auf all das, was für Sie wichtig ist. Versuchen Sie es einmal mit freiem Schreiben, einer Technik, bei der Sie innerhalb eines festgelegten Zeitraums ohne Pause schreiben, ohne sich Gedanken über Rechtschreibung, Grammatik oder Inhalt zu machen. Wenn Ihnen gar nichts mehr einfällt, schreiben Sie einfach „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, und zwar so lange, bis sich wieder etwas zeigt. Es ist eine großartige Methode, um zehn Minuten lang den ganzen angesammelten Gedankenmist abzuladen und im Kopf wieder für mehr Freiraum zu sorgen.

Empfangen

Wenn Sie sich Raum schaffen und in Ihrem Winter präsent sind, werden Sie mit Erkenntnissen und kreativen Lösungen für Probleme belohnt, an denen Sie sich womöglich schon wochen- oder jahrelang die Zähne ausgebissen haben. Lernen Sie Ihrem Instinkt zu vertrauen und den Botschaften, die Sie während Ihrer Periode empfangen. Wahrscheinlich hatten Sie in dieser Zeit schon zuvor Offenbarungen, ohne sie jedoch mit Ihrer Menstruation in Verbindung zu bringen.

Die Gefahren des Winters
Weitermachen, als ob nichts wäre

Wenn Ihre Regel leicht, kurz oder ohne nennenswerte Ereignisse verläuft, dann kann es Ihnen schwerfallen, im Winter präsent zu bleiben. Richten Sie sich in diesem Fall Ihren Tagesablauf so ein, dass Sie daran erinnert werden, achtsam mit sich umzugehen und Ihr Tempo ein wenig zu drosseln – und sei es nur um 5 Prozent. Bedenken Sie auch, dass Schmerzmittel zum Glück die Schmerzen betäuben, dabei aber so effektiv sein können, dass sie auch den gesamten Prozess betäuben und Sie die Weisheit des Winters verpassen. Sich wieder einmal mehrere Folgen Friends am Stück anzuschauen, ist eine Möglichkeit, um sich auszuruhen, und es kann zudem hilfreich sein, weil Lachen das Wohlfühlhormon Oxytocin freisetzt. Andererseits kann die Ablenkung Sie aber auch davon abhalten, einen tieferen Teil von sich selbst zu erforschen, also experimentieren Sie damit: Verzichten Sie einmal darauf und schauen Sie, was passiert. Können eine halbe Stunde Alleinsein und Ruhe wirklich so verkehrt sein?

Das Bedürfnis nach Rückzug ignorieren

Wenn Sie das Stichwort erhalten, sich ein Stück weit von der Welt zurückzuziehen, dann sollten Sie alle Hebel in Bewegung setzen, um dies auch zu tun, selbst wenn Ihnen nur wenig Zeit zur Verfügung steht. Selbst wenn Sie nur zwanzig Minuten haben, dann kosten Sie diese bis zur letzten Sekunde aus, bevor Sie wieder Ihr Pokerface aufsetzen und in die reale Welt zurückkehren. Auch wenn es Zeiten im Leben gibt, in denen Durchhalten notwendig und unvermeidbar ist, sollten Sie sich bewusst machen, was Sie da leisten, und zumindest kleine Anpassungen vornehmen. Wenn Sie im Winter nicht ausreichend Ruhezeit haben, können Sie sich in Frühling und Sommer leer und ausgelaugt fühlen und die Kraft, die in diesen produktiven Phasen steckt, nicht ausschöpfen.

Schuldgefühle

Ach, wie leicht stellen sich doch Schuldgefühle ein, wenn man einmal einen Gang herunterschaltet und sich Zeit für sich selbst nimmt. Aber schauen Sie sich doch einmal um: Ist die Welt gerade zusammengebrochen, weil Sie sich für eine Stunde oder einen Tag ausgeklinkt haben? Fühlen Sie sich aufgrund Ihrer Auszeit nicht erholter und viel besser in der Lage, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen? Würden Sie eine Freundin beschimpfen, die sich Zeit für sich nimmt? Eben! Also hören Sie auf, sich selbst zu geißeln, nur weil Sie es einmal langsamer angehen lassen.

Losstürmen

Wenn Sie sensibel dafür sind, dass Ihr Östrogen bereits langsam ansteigt, während Sie sich noch im Winter befinden, dann kann es leicht passieren, dass Sie den Aufschwung spüren und entsprechend loslegen wollen. Versuchen Sie in diesem Fall bitte, sich noch ein wenig zu bremsen und einen Teil Ihrer Energie aufzusparen, oder Sie werden beim Übergang zum Frühling hundemüde sein. Nach der Tiefe und Dunkelheit des Winters kann der Frühling ein Gefühl großer Erleichterung bringen. Da passiert es allzu leicht, dass man zu früh aus den Startlöchern kommt und sich vorschnell ins volle Leben begibt. Anstatt die Energie zu verbrennen, die gerade erst wieder in Gang kommt, sollten Sie einmal ausprobieren, wie es sich anfühlt, sie in sich ansammeln zu lassen.

Rückzug ist etwas anderes als Ausgrenzung

Menstruierende Frauen sind in der Geschichte schon für ungefähr alles verantwortlich gemacht worden, was nur irgendwie schiefgehen konnte: über die Ufer getretene Flüsse, versiegte Brunnen, Missernten, nicht aufgehender Teig, verdorbenes Fleisch, geronnene Milch und Mayonnaise und das Verderben von Essiggurken. In einigen Kulturen und Religionen wird die Periode als unrein betrachtet, und wer seine Tage hat, muss sich strengen Regeln fügen und manchmal sogar sein Zuhause verlassen. Es gibt allerdings auch Gemeinschaften, in denen das Menstruationsblut für Stärke steht und die Menstruation Mädchen und Frauen Zutritt zum spirituellen Reich gewährt. Die Frauen der Kalasha, die im Nordwesten Pakistans leben, treffen sich beispielsweise in einem großen heiligen Gebäude, in dem sie menstruieren, Kinder gebären und die gemeinsame Zeit genießen.

In einigen Religionen – beispielsweise im orthodoxen Judentum, im Islam und bei den Rastafaris – ist sexueller Kontakt zwischen Mann und Frau während der Menstruation verboten, und einige verlangen sogar, dass Paare in dieser Zeit in getrennten Betten schlafen. Es gibt Kulturen, in denen menstruierende Frauen abgeschieden in einer Menstruationshütte leben müssen, damit sie Nahrung und Wasser nicht kontaminieren. Bei den Hindus in Rajasthan, Bangladesch, Nepal und Bali dürfen Frauen in dieser Zeit nicht kochen oder in Berührung mit Nahrungsmitteln kommen, auch der Besuch von religiösen Stätten ist verboten, was auch auf den Islam und den japanischen Schintoismus zutrifft.

In einigen Teilen Nepals werden menstruierende Frauen als unrein angesehen und es ist ihnen verboten, andere Menschen, Vieh und Erntefrüchte zu berühren. Frauen werden oft aus ihren Gemeinschaften ausgeschlossen, und selbst wenn sie in ihrem Heim bleiben dürfen, sind Küche und Gebetsraum für sie tabu. In einigen ländlichen Regionen des Landes wird immer noch eine Tradition namens Chaupadi gepflegt, obwohl sie offiziell im Jahr 2004 verboten wurde. Sie sieht vor, dass Frauen, wenn sie bluten, verbannt werden und in kleinen Hütten leben müssen, was aufgrund von schlechter Hygiene und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt immer wieder zu Todesfällen führt1.

Im besten Fall kann ein Rückzug während der Menstruation eine Erholung von den Pflichten und Aufgaben darstellen und Zeit freischaufeln, die man in weiblicher Gesellschaft verbringt. Im schlimmsten Fall allerdings ist er schädlich für die körperliche und seelische Gesundheit und kann tödlich enden. Stellen wir hier also ganz klar, dass der Rückzug von den täglichen Pflichten und das Zusammensein mit anderen Frauen etwas völlig anderes ist als eine erzwungene Absonderung und Vernachlässigung, die gewaltsam erzeugt ist und auf dem Glauben beruht, dass menstruierende Frauen unrein und gefährlich sind.

Ausruhen – aber richtig!

Wir leben in einer Welt, in der das Bedürfnis nach Ruhe nur selten respektiert wird und wir überall um uns herum den Druck wahrnehmen, immer noch mehr zu tun. Wenn wir also in einer Kultur leben, in der Wachstum um jeden Preis angestrebt wird, ist Ausruhen ein wahrhaft radikales Gegenprogramm – und Ihr Winter ist die perfekte Zeit, sich dem zu widmen, wenn Ihnen danach ist.

Nehmen Sie sich die Natur zum Vorbild – nichts blüht das gesamte Jahr über, warum also sollten wir es tun? Der Winter ist die natürliche Zeit, um in den Winterschlaf zu gehen, sich auszuruhen, den Akku aufzuladen und für das nächste Jahr zu planen – oder, in diesem Fall, für den nächsten Zyklus. Es ist die Zeit, in der Bauern sich ausruhen, bevor im Frühjahr die geschäftige Zeit des Aussäens und Pflanzens beginnt, und sich auf wichtige Aufgaben konzentrieren wie das Reparieren von Geräten und die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Auch Ihr Winter ist eine Zeit, um sich auszuruhen und zu planen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles stehen und liegen zu lassen, was gerade nicht dringend ist. (Und das ist vermutlich mehr als Sie glauben!)

Wenn Tiere Winterschlaf halten, sparen sie dabei Nährstoffe auf, die für das schnelle Wachstum im Frühling benötigt werden – und wir unterscheiden uns gar nicht so sehr von unseren pelzigen Freunden. Wenn Sie sich im Winter ausreichend Ruhe gönnen, können Sie im Frühling und im Sommer aus dem Vollen schöpfen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie drei Tage lang bewegungslos im Bett liegen sollen, es sei denn, dass Sie das müssen oder möchten, und in diesem Fall sollten Sie absolut zu sich und Ihren Bedürfnissen stehen. Und wenn Sie es nicht können, weil Sie glauben, sich wie ein verantwortungsvoller Erwachsener verhalten zu müssen, dann gönnen Sie sich dennoch das Maximum, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist – Sie werden erstaunt sein, was dreißig Minuten bewusstes Ausspannen bringen.

Eine weitere Möglichkeit, für ein wenig mehr Ruhe zu sorgen, ist kurzzeitig mit dem Sport auszusetzen. Es ist eine großartige Zeit, um Ruhetage einzulegen (das tun übrigens selbst Olympiateilnehmer) oder sanftere Varianten zu wählen: Gehen statt Laufen, restoratives oder Yin-Yoga statt anstrengenderes Vinyasa-Yoga, kurzes und leichtes Kardiotraining statt hochintensives Intervalltraining. Der Winter ist die Zeit, wenn sich Ihre Energien in Ihr Inneres zurückziehen und das kann dazu führen, dass körperliche Betätigung sich nach harter Arbeit anfühlt. Verschwenden Sie also die Ihnen zur Verfügung stehende Energie nicht und konzentrieren Sie sich auf das, was Ihnen gerade wichtig erscheint.

Historisch gesehen waren Ruhe und Erholung etwas, das die Oberschicht sich gönnte und von dem die unteren Schichten ferngehalten werden sollten, um Faulheit und Alkoholismus vorzubeugen. Auch heute fühlt es sich immer noch nach etwas Privilegiertem an, Zeit für sich zu haben. Als körperlich gesunde Frau mit heller Hautfarbe, einer Schulbildung und einem stabilen Lebensumfeld bin ich sicherlich privilegiert, und dennoch gibt es Zeiten, in denen es mir schwerfällt, mir die Zeit freizuschaufeln, die ich benötige, wenn ich meine Regel habe. Also fällt es allen, die weniger privilegiert sind als ich, wahrscheinlich noch schwerer, sich Zeit für sich zu nehmen, speziell wenn der Druck groß ist, ausreichend Geld zu verdienen und für andere zu sorgen. Womöglich ist der Winter die einzige Zeit in Ihrem Zyklus, in der Sie sich berechtigt fühlen, Zeit für sich zu beanspruchen. Laut meiner Klientin Sandra kann die Regel die einzige akzeptierte Entschuldigung sein, es etwas langsamer angehen zu lassen: „Ich bin müde und möchte mich am liebsten in einer Höhle verkriechen, aber ich ruhe gleichzeitig auch in mir. Ich habe das Gefühl nichts erzwingen zu müssen und es ist auch die einzige Zeit in meinem Zyklus, in der ich es mir erlaube ‚Nein‘ zu sagen.“

Wenn Sie Ruheinseln im Alltag schaffen möchten, ist die folgende Liste vielleicht hilfreich.

Klinken Sie sich komplett aus den sozialen Medien aus. Klingt einfach, zählt aber sicher zu den härtesten Rückzugsformen.

• Packen Sie sich aufs Sofa und vertiefen Sie sich in das Buch, das Sie immer schon lesen wollten.

• Hören Sie sich eine zehnminütige geführte Meditation oder Visualisierung an (online finden Sie eine Menge kostenloser Varianten).

• Arbeiten Sie von zu Hause aus, sodass Sie zumindest in Schlafanzug und Hausschuhen bleiben und sich eine Wärmflasche um den Bauch binden können.

• Treffen Sie eine Abmachung mit befreundeten Eltern, Ihre Kinder dort für ein Weilchen zu parken und revanchieren Sie sich, wenn andere Ruhezeiten benötigen.

• Verabschieden Sie sich für einen Tag in eine Wellness-Oase oder schaffen Sie sich diese zu Hause.

• Verbringen Sie die Mittagspause draußen.

• Legen Sie sich hin und legen Sie Musik auf, die Sie bewegt.

• Beobachten Sie, wie Gras und Blätter sich im Wind bewegen oder wie eine Kerzenflamme tanzt.

• Machen Sie restoratives oder Yin-Yoga.

• Laden Sie sich einen Podcast oder ein Hörbuch herunter, sodass Sie auf der Fahrt nach Hause von der Arbeit abtauchen können.

• Geben Sie zwei Handvoll Bittersalz in eine Badewanne mit heißem Wasser, zünden Sie ein paar Kerzen an und genießen Sie Ruhe und Frieden.

• Gehen Sie zelten, und sei es nur im eigenen Wohnzimmer oder Garten.

Die schwierigen Seiten der Blutung

Während die Männer in den beiden Weltkriegen an der Front kämpften, wurden Frauen als Arbeitskräfte benötigt und hielten die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen. Forschungen aus dieser Zeit konzentrierten sich unter anderem auf die Frage, mit welchen Aufgaben man menstruierende Frauen betrauen konnte. Eine dieser Studien, bei der es um das Fliegen von Flugzeugen ging, kam übrigens zu dem Schluss, dass Frauen mit einem „gesunden“ Zyklus absolut sichere Kandidatinnen seien – ganz so, als herrschte zuvor die Vorstellung, die Blutung könne uns zu Kamikaze-Pilotinnen werden lassen. In den 1940er-Jahren verlagerte sich die Forschung dann auf mögliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Arbeiten und Menstruationsstörungen. Ziel war nicht etwa das Aufdecken von Berufsrisiken und schlechten Arbeitsbedingungen, weit gefehlt! Es ging vielmehr darum, ob so schwache Geschöpfe wie wir überhaupt mit bestimmten Arbeitsumfeldern zurechtkamen. Interessantes Timing, finden Sie nicht auch? Schließlich wollten die aus dem Krieg heimgekehrten Männer ihre Jobs zurück.

Die Periode ist lange Zeit genutzt worden, um uns von Machtpositionen fernzuhalten und diese Taktik gilt auch heute noch. Im Jahr 2009 drückte der rechtsgerichtete Radiomoderator G. Gordon Liddy seine Bedenken gegenüber der von Präsident Obama für den obersten Gerichtshof nominierten Richterin Sonia Sotomayor wie folgt aus: „Hoffen wir einfach einmal, dass keine wichtigen Sitzungen stattfinden, während sie ihre Tage hat oder kurz davor steht, sie zu bekommen. Das wäre wirklich übel. Gott weiß, wie das ausgehen würde.“ Und als Donald Trump die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly angreifen wollte, weil sie ihn während einer Debatte unter Druck setzte, sagte er gegenüber dem Sender CNN: „Da kam Blut aus ihren Augen, Blut kam überall aus ihr heraus.“ Da zeigt sich doch echte Klasse.

Wir sind keine Belastung, wenn wir arbeiten und bluten, wir zeigen uns regelmäßig der Situation gewachsen und noch mehr, unsere Körper erlegen uns keine Grenzen auf – außer natürlich, wenn Schmerzen oder starker Blutverlust uns körperlich einschränken. Viele Frauen fühlen sich gut, wenn sie ihre Tage haben und können ganz normal arbeiten. Alle anderen, für die dies sehr wohl ein Thema ist, sollten ihre Stärken nutzen. Wenn Sie wissen, dass Sie morgens produktiv arbeiten können, dann erledigen Sie alle wichtigen Dinge zuerst und nutzen Sie den Nachmittag für ruhigere Routinearbeiten wie das Beantworten von E-Mails und anderen Kleinkram. Oder machen Sie es genau umgekehrt, wenn Sie speziell morgens unter Bauchkrämpfen und heftigerem Blutverlust leiden.

Anstatt die Menstruation als einen körperlichen Vorgang zu sehen, der uns ausbremst, können wir es auch so betrachten, dass unser Körper uns in dieser Zeit viel gibt. Sie können im Winter bei sich zu Hause ankommen, ein Gefühl für eine innere Richtung oder Berufung entwickeln oder den Drang spüren, etwas in der Welt bewegen zu wollen, vielleicht sogar ohne zu wissen, was genau dies sein könnte. Lassen Sie zu, dass Ihre innersten Gedanken und Gefühle an die Oberfläche kommen. Der Winter ist die Zeit, in der alles näher und zugänglicher ist. Zuhören und empfangsbereit zu sein, das sind Yin-Eigenschaften, die mit dieser tiefen, entspannten Phase verbunden sind – Ihre Periode richtet Ihren Fokus nach innen und bietet eine Möglichkeit, einen tieferen Teil Ihrer selbst zu entdecken. Sich auszuruhen erlaubt es Ihnen, die Weisheit zu empfangen, die mit dem Winter einhergeht. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, mit Ihrem Innersten eine Verbindung einzugehen und zu prüfen, wo Sie im Leben stehen und ob Ihr Leben Ihren Träumen entspricht. In der Ruhe kommen die Lösungen zu Ihnen, aber um sie hören zu können, braucht es Raum und Stille. Während Ihres Winters haben Sie eine „Standleitung“ zu sich selbst, weshalb einige Stämme, beispielsweise die Yurok-Indianer, der Zeit der Menstruation einen hohen Stellenwert einräumen und an ihrer Tradition festhalten, dass die Frauen während ihrer Blutung nicht arbeiten. Stattdessen wird das, was sie häufig als ihre „Mondzeit“ bezeichnen, mit Meditation verbracht, sodass sie den durchlässigen Zustand nutzen können, um in Kontakt mit dem spirituellen Reich zu treten.

Während die meisten von uns nicht in der Lage sein werden, zur Zeit der Regel alles stehen und liegen zu lassen, habe ich dennoch das Gefühl, dass Stärke darin liegt, dies in einem Maße zu tun, das sich gut für Sie anfühlt und das man Ihnen zugesteht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit dieser Idee auf jede Menge Widerstand gestoßen bin – sie widerspricht feministischen Prinzipien und suggeriert, dass die einzigen Menschen, die sich einen solchen „Luxus“ leisten können, solche sind, die sich ihre Zeit komplett frei einteilen können und finanziell unabhängig sind. Aber wenn meine Klientinnen es dann doch schafften, sich Zeit für sich zu nehmen – und bei einigen erforderte das wesentlich mehr praktische Vorbereitungen als ich es mir überhaupt ausmalen konnte –, sind große Dinge passiert. Ich weiß, ich weiß, ich höre Sie schon sagen, dass das bei Ihnen nicht geht und ich habe verstanden. Zeit ist wertvoll und Ihre Arbeit und Ihr Einkommen ebenfalls. Sich freizunehmen, das kann sich unmöglich anfühlen, und es ist ein Luxus, den viele sich nicht leisten können. Aber können Sie sich selbst für den Anfang vielleicht zehn Minuten gönnen? Können Sie sich selbst das Geschenk einer halben Stunde ruhiger Zeit machen, in der Sie die Welt da draußen ausblenden und nach innen horchen, ohne ein einziges Mal zum Smartphone zu greifen?

Wir leben auf der Überholspur, und auch wenn es Aufgaben gibt, die nicht delegierbar sind, können Sie einige Projekte während Ihrer Periode kurzzeitig ruhen lassen – was nicht heißt, dass sie nicht bearbeitet werden. Manchmal tut sich selbst im Ruhezustand eine ganze Menge. Ideen, die in Ihrem Kopf kreisten, werden plötzlich konkreter und alle Puzzleteilchen finden den richtigen Platz. Haben Sie sich jemals durch ein Meeting am Nachmittag gekämpft, bei dem versucht wurde, eine Lösung für ein grundlegendes Problem zu finden, nur um am nächsten Morgen unter der Dusche plötzlich einen Geistesblitz zu haben? Das fasst ganz gut zusammen, was Ihnen im Winter passieren kann und worum es geht. Weil Sie einen Schritt zurücktreten, entsteht Raum, der während der Menstruation extrem wertvoll ist, weil es sich um eine Zeit handelt, in der Sie Erkenntnisse, neue Blickwinkel und Lösungen empfangen können – die Antworten auf so viele Dinge, mit denen Sie zu kämpfen hatten. Doch Sie werden sie nicht hören, wenn Sie keinen Raum dafür schaffen.

Natürlich gibt es Dinge, die absolut nicht liegenbleiben können, und an diesem Punkt in Ihrem Menstruationszyklus können Sie womöglich wirklich Großes leisten, insbesondere dann, wenn Sie für das brennen, was Sie tun. Tun Sie also Ihr Möglichstes, um Ihre Zeit sinnvoll zu nutzen und geben Sie den Aufgaben Priorität, die am dringlichsten sind oder Ihnen persönlich am wichtigsten. Das bedeutet aber auch, all die kleinen Dinge, die in keine dieser beiden Kategorien fallen, für den Moment beiseitezulegen. Wenn es irgendetwas gab, mit dem Sie bisher zu kämpfen hatten, dann sollten Sie jetzt einen Schritt zurücktreten, entweder indem Sie die Sache in die Welt entlassen und freigeben (zusammen mit dem Bedürfnis, auf der ständigen Suche nach Perfektion noch länger daran festzuhalten), oder sie einen Tag oder auch mehrere Tage liegenlassen, wenn es sich nicht nach Loslassen anfühlt. Seien Sie versichert, dass Ihr Hormonspiegel ab dem dritten Tag Ihrer Regel wieder ansteigen wird und Sie sich zunehmend energetisiert und motiviert fühlen werden.

Während der Menstruation verfügen Sie über eine besonders starke Intuition. Wenn Sie sich also bezüglich Ihres Lebenswegs unsicher sind, nicht wissen, was die geeignete Ausbildung für Sie ist, oder überlegen, einen beruflichen Neustart zu wagen, dann ist nun die Zeit, in der die Ideen sprießen und Sie womöglich Hinweise erhalten, was Ihre Berufung im Leben ist. Dabei geht es um Ihre Hauptaufgabe in dieser Welt und wie Sie Ihre einzigartige Sichtweise und Ihre Begabungen einbringen können, um ein bestimmtes Problem zu lösen (bei dem es im Übrigen nicht gleich um die Rettung der Welt gehen muss). Achten Sie darauf, wozu Sie sich während Ihrer Periode hingezogen fühlen, machen Sie sich Notizen und lassen Sie das Ganze einfach eine Weile auf sich wirken. Sie müssen nicht gleich alles umkrempeln (außer Sie wollen es), aber Sie können Vorstellungen zu möglichen Berufungen im Leben einfach einmal im Blickfeld behalten. Sich aufgerufen zu fühlen, etwas zu tun, kann inspirierend und aufregend sein, aber auch Angst machen und erdrücken. Seien Sie zu Beginn einfach des Themas gewahr und lassen Sie es auf sich wirken. Ihr Zyklus wirkt wie Dünger, und jedes Mal, wenn Sie sich in den Frühling und Sommer begeben, werden Ihre Hormone Ihnen helfen, die Wurzeln und Keimlinge zu entwickeln und Ihre Ideen Stück für Stück Realität werden zu lassen. Und weil Berufungen sich nicht einfach in Luft auflösen, sondern auf spiritueller Ebene schmerzlich werden, wenn man ihnen nicht folgt – und das spüren Sie zumeist im Herbst –, kommen Sie irgendwann an den Punkt, an dem Sie aktiv werden. Lernen Sie dem Instinkt zu vertrauen, den Sie während Ihrer Blutung haben – er enthält eine Kraft, die die Welt braucht.

Bezahlter Urlaub während der Tage?

Einige Unternehmen und Länder verfolgen eine Politik, bei der Beschäftigte während ihrer Menstruation bezahlten Urlaub nehmen können, ohne dass dies einen Einfluss auf die normalen Urlaubs- oder Krankentage hat. Da ich früher während meiner Tage unter extremen Schmerzen litt, die sehr kräftezehrend waren und selbst das Gehen zur Qual machten – vom Arbeiten ganz zu schweigen –, finde ich das natürlich ganz großartig, denn viele leiden wirklich und es ist höchste Zeit, dass das am Arbeitsplatz Beachtung findet. Hinzu kommt, dass Frauen in unserer Gesellschaft den größten Teil der unbezahlten Arbeit übernehmen, und da wir so ohnehin im Vergleich zu den Männern einige Extratage im Monat arbeiten, ist es nur vernünftig, wenn wir während unserer Blutung einen Tag oder auch zwei Tage frei nehmen können.

Andererseits gibt es da einen Teil in mir, der vor dieser Vorstellung zurückschreckt. Wir haben so lange dafür gekämpft, nicht mehr als das „schwache Geschlecht“ angesehen zu werden, das seine Hormone nicht unter Kontrolle hat (es aber irgendwie schafft, die Ernte zu verderben und Wasser untrinkbar zu machen), dass bezahlte freie Tage aufgrund von Menstruationsbeschwerden sich wie ein Schritt in die falsche Richtung anfühlen. Es ist so, als würden wir nach all den Protesten endlich zugeben und akzeptieren, dass wir weniger fähig sind als die Penisträger. Emily Martin, Vizepräsidentin der Abteilung für Gerechtigkeit am Arbeitsplatz am National Women’s Law Center in den USA, hat es gegenüber der New York Times einmal so ausgedrückt: „Es suggeriert, dass Frauen am Arbeitsplatz auf einzigartige Weise durch die Tatsache behindert sind, dass sie Blutungen haben … und dass jede menstruierende Person krank ist.“ Tatsächlich haben viele Menstruierende keine Probleme mit ihrer Regel und viele von jenen, die Probleme haben, leisten dennoch hervorragende Arbeit. Was aber ist mit all den anderen, die tatsächlich damit zu kämpfen haben? Immerhin fand eine von YouGov durchgeführte Online-Umfrage heraus, dass 30 Prozent aller Frauen schon einmal aufgrund von Regelschmerzen zu Hause geblieben sind (bei der Studie kam allerdings auch heraus, dass 68 Prozent dieser Frauen ihrem Arbeitgeber nichts über die Gründe mitgeteilt haben).2

Die einfachste Antwort wäre sicherlich, in diesem Bereich eine Art Rundumpaket zu schnüren, das Menstruationsbeschwerden, Fehlgeburten, Beschwerden in der Perimenopause und Menopause (wenn Sie aufhören zu bluten) ebenso einschließt wie dauerhafte körperliche und psychische Gesundheitsprobleme bei allen Menschen. Auf diese Weise wäre das sehr reale Potenzial für Diskriminierung – niedrigere Löhne, geringere Chancen und der generelle Einsatz unserer Körper gegen uns – kein Thema mehr. Wir könnten uns aber auch bis zur Wurzel des Übels vorarbeiten und im gleichen Zug das Wissen über den Zyklus, die Diagnose und Behandlung von Menstruationsstörungen und die Zugänglichkeit von Gesundheits- und Wellness-Modellen fördern. Es gibt noch einiges zu tun.

Periodenarmut

Tampons, Binden und Co. sind ein absolutes Muss für alle, die eine Periode haben. Es handelt sich hierbei aber auch um ein Milliarden-Dollar-Geschäft und bei steigenden Preisen sinkt die in den Packungen enthaltene Stückzahl3, sodass die Produkte für Einkommensschwache immer weniger bezahlbar werden.

Während dies unzweifelhaft all jene betrifft, die in Entwicklungsländern leben, ist es auch in den Industriestaaten durchaus ein Thema. Das Hilfswerk Plan UK berichtet, dass jedes zehnte Mädchen in Großbritannien sich keine Menstruationsprodukte leisten kann4, einem von sieben fällt die Finanzierung nicht leicht, und 40 Prozent mussten schon einmal improvisieren und andere Methoden anwenden, um das Menstruationsblut aufzufangen. Das Befestigen von Taschentüchern oder ganzen Toilettenpapierrollen ist die häufigste Ersatzmethode, gefolgt von Socken, Stofffetzen, Zeitungspapier und doppelter Unterwäsche – alles in dem verzweifelten Versuch, das Blut irgendwie aufzufangen.

Der gleiche Bericht gibt an, dass 49 Prozent aller Mädchen in Großbritannien schon einmal aufgrund ihrer Regel einen ganzen Schultag verpasst haben. Laut eines Berichts von WaterAid und UNICEF gehen mehr als ein Drittel der Mädchen in Südasien nicht zur Schule, wenn sie ihre Tage haben.5 Das hat verheerende Auswirkungen, wie die Herzogin von Sussex Meghan Markle im Jahr 2017 in ihrem Artikel „How Periods Affect Potential“ im Time Magazine schrieb: „Wenn ein Mädchen aufgrund seiner Periode Schultage verpasst, dann liegt es hinter seinen männlichen Klassenkameraden in Summe 145 Tage zurück. Und das im positivsten Fall, nämlich dann, wenn es sich entscheidet, die Schule weiterhin zu besuchen, was die meisten nicht tun.“6

Das ist nicht in Ordnung. Bei solch erschreckenden Zahlen wie diesen wird deutlich, dass das kostenlose Bereitstellen von Menstruationsprodukten sowie das Verbessern der Bildung zu diesem Thema und Fördern der Gesundheit von menstruierenden Teenagern wichtige frühe Maßnahmen darstellen, wenn es darum geht, Geschlechtergerechtigkeit in der Schule und am Arbeitsplatz zu fördern. Oder wie Chella Quint – Menstruationslehrerin, Comedian, Autorin und Gründerin der Kampagne #periodpositive – es ausdrückt: „Bei Periodenarmut geht es nicht nur um mangelnde finanzielle Mittel, manchmal mangelt es auch schlichtweg an Wissen, Selbstvertrauen, Nachhaltigkeit oder Zugangsmöglichkeiten, und Schulen können dieses Thema gleich hier und jetzt angehen.“7

In Großbritannien dürfen nahezu 70 Prozent der Mädchen während der Schulstunde nicht zur Toilette gehen8, was dazu führt, dass 16 Prozent von ihnen zu Hause bleiben, weil sie Angst haben, die Toilette nicht benutzen zu dürfen – und so beginnt unsere Bildung damit, dass wir von den Autoritäten eine Erlaubnis erbitten müssen, um das zu tun, was unser Körper von uns verlangt – etwas, das ich beispielsweise auch in Bezug auf Schwangerschaft und Wehen immer wieder erlebe, wenn Frauen davon sprechen, was sie „tun dürfen“. Von denen, die während ihrer Periode zur Schule gehen, befürchten nahezu zwei Drittel, dass es im Klassenraum zu einem Missgeschick kommen könne, was für das Lernen nicht gerade förderlich ist. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie bekommen mitten in einer Prüfung Ihre Tage. Quint leitet derzeit in Großbritannien eine Kampagne, die Schulen dazu ermuntern will, in den Toiletten in der Nähe der Prüfungsräume Menstruationsprodukte vorrätig zu haben, um diese zusätzliche Sorge auszuräumen. Was für einen großen Unterschied würde das für die Schüler machen!

Weltweit hat jede dritte Frau keinen Zugang zu einem sicheren Ort, wo sie zur Toilette gehen könnte9, und von diesem Drittel haben 526 Millionen keine andere Chance als ihre Notdurft draußen im Freien zu erledigen. Neben der Scham birgt dies auch ein erhöhtes Risiko von Krankheiten, Schikanen und Angriffen. Die Periode ist nicht schmutzig, aber wenn Periodenprodukte nicht zur Verfügung stehen, dann wird der ganz normale Vorgang der Blutung, der die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft, zu einem Risiko in puncto Hygiene und persönlicher Sicherheit. Und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, was es für das Selbstwertgefühl bedeutet, wenn man nicht gut für sich sorgen kann, weil man keine entsprechenden Produkte hat oder keinen sicheren Ort, um sie zu verwenden.

Es gibt weltweit einige fantastische Hilfsorganisationen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, für mehr Aufklärung zu sorgen und Menstruationsprodukte zur Verfügung zu stellen, wie beispielsweise die folgenden Gruppen:

• Binti International setzt sich in Großbritannien, USA, Indien und Afrika für einen freien Zugang zu Binden ein und klärt über die Menstruation auf, um gegen die Tabus und den Makel anzugehen, mit denen die Regel belegt ist.

• Bloody Good Period setzt sich unmittelbar vor Ort für ein Ende der Periodenarmut ein, durch die Ausgabe von Produkten und langfristige Aufklärungsarbeit. Die Organisation baut auf öffentliche Spenden von Menstruationsprodukten, die dann an Asylsuchende, Flüchtlinge und andere Bedürftige ausgegeben werden.

• Days for Girls stellt Mädchen und Frauen in mehr als 116 Ländern wiederverwendbare Menstruations-Sets zur Verfügung und leistet Aufklärungsarbeit.

• Femme International ist in Kenia und Tansania tätig und verteilt dort wiederverwendbare Menstruationsprodukte und leistet Aufklärungsarbeit in Schulen und Gruppen.

• #HappyPeriod stellt Menstruationsprodukte für alle bereit, die ein niedriges Einkommen haben, obdachlos sind oder unterhalb der Armutsgrenze leben. Die Organisation sammelt hierfür Sach- und Geldspenden und hat innerhalb der USA mehrere Vertretungen.

• Huru International setzt sich in Afrika dafür ein, die Anzahl der Tage zu verringern, die Mädchen jeden Monat in der Schule fehlen, weil ihnen die Ressourcen und Informationen fehlen, die sie zum Umgang mit ihrer Periode benötigen. Dazu stellt die Organisation wiederverwendbare Binden und Informationen bereit.

• Irise International ist in Ostafrika tätig und konzentriert sich darauf, eine replizierbare und nachhaltige Lösung für die Herausforderungen zu finden, auf die Mädchen während ihrer Menstruation in der Schule stoßen.

• I Support the Girls sammelt Tampons und Binden als Spenden (ebenso neue und leicht gebrauchte BHs) und verteilt sie in den USA und anderen Ländern an bedürftige Frauen und Mädchen.

• Plan International UK setzt sich für die Rechte von Mädchen in aller Welt ein und hat ein Menstruationsmanifest gegen Periodenarmut verfasst.

• The Cup Effect ist ein sozial engagiertes Unternehmen und möchte den Einsatz und die Verfügbarkeit von Menstruationstassen fördern. Über Projekte mit Partnern vor Ort in Ländern wie Kenia, Malawi und Großbritannien leistet es Aufklärungsarbeit zu den Tassen und stellt sie Menschen mit niedrigem Einkommen zur Verfügung.

• The Cup Foundation fördert benachteiligte Mädchen weltweit, indem die Organisation ihnen nachhaltige Menstruationstassen und eine umfassende Aufklärung über ihre Rechte in puncto Sexualität und Fortpflanzung gibt.

• Bei The Red Box Project handelt es sich um eine gemeindebasierte Initiative in Großbritannien, die rote Schachteln mit Periodenprodukten in Schulen aufstellt, für all jene, die sie sich sonst womöglich nicht leisten könnten.

Бесплатный фрагмент закончился.

1 531,92 ₽

Жанры и теги

Возрастное ограничение:
0+
Объем:
535 стр. 26 иллюстраций
ISBN:
9783954844081
Издатель:
Переводчик:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги