Читать книгу: «Die erste Durchquerung Australiens»

Шрифт:

Über den Autor

Ludwig Leichhardt (1813 – 1848), gebürtig aus Brandenburg, studierte in Göttingen zunächst Philosophie, Sprachwissenschaften und Religionsgeschichte, später Naturwissenschaften. 1841 reiste er nach Australien und erreichte im Jahr 1842 Sydney. Zwei Jahre später brach er zu seiner ersten Expedition quer durch Australien auf. Nach seiner erfolgreichen Rückkehr folgte 1848 seine letzte Reise in die australische Wildnis, wo er auf bis heute ungeklärte Weise den Tod fand.

Franz Braumann (1910 – 2003) war selbst passionierter Reisender und stammte aus der Gegend von Salzburg. Für sein literarisches Schaffen und seine historischen Werke erhielt er mehrere Auszeichnungen, so u.a. den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Zum Buch

Ludwig Leichhardts Reisebericht liest sich wie ein literarisch anspruchsvoller Abenteuerroman. Und doch entspringen die hier beschriebenen Ereignisse nicht der blühenden Fantasie ihres Verfassers, sondern einer wahren Begebenheit. Nach zweijährigem Überlebenskampf und einem Gewaltmarsch von beinahe 5000 Kilometern durch das australische Outback kehrt der Zoologie-, Botanik- und Geologieforscher am 21. September 1846 in die Zivilisation zurück. Was hinter ihm liegt, begründet seinen Ruhm als einer der größten Entdeckungsreisenden des 19. Jahrhunderts: Die kleine Expedition um Leichhardt hatte eine der gefährlichsten Regionen der Welt bezwungen und den australischen Kontinent erstmals in der Geschichte vollständig durchquert.

Im Jahr 1844 traten Ludwig Leichhardt und sein Forschungsteam eine Expedition in unbekanntes Gebiet an: Australien zu Fuß zu durchqueren, hatte vor Leichhardt niemand gewagt. Auf fünf Monate war die Reise angelegt, für ebendiesen Zeitraum waren Proviant und Ausrüstung berechnet, doch insgesamt fünfzehn Monate sollte der Marsch durch eines der lebensfeindlichsten Gebiete der Erde letztendlich dauern. So blieb der Expedition nichts anderes übrig, als die Überlebenstechniken ihrer Aborigine-Führer zu übernehmen und sich den vorgefundenen Bedingungen zu stellen. Immer wieder wurden sie von Ureinwohnern angegriffen und waren von Nahrungsnot betroffen. Doch ganz entgegen der herrschenden Mentalität seiner Zeit sah Leichhardt sich selbst und seine Expedition als die eigentlichen Eindringlinge an. Als er am 21. September 1846 heil von seiner Mission zurückkehrt, wurde der Totgeglaubte über Nacht zum Nationalhelden.

DIE 100 BEDEUTENDSTEN ENTDECKER


Ludwig Leichhardt nach der Rückkehr von seiner Expedition nach Sidney mit 33 Jahren

Ludwig Leichhardt

Die erste
Durchquerung
Australiens

Von Brisbane zum

Northern Territory

1844 – 1846

Neu bearbeitet nach seinen Tagebüchern, mit

einer Einführung und einem Nachwort versehen

und herausgegeben von Franz Braumann

Mit 45 Abbildungen


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Es ist nicht gestattet, Abbildungen und Texte dieses Buches zu scannen, in PCs oder auf CDs zu speichern oder mit Computern zu verändern oder einzeln oder zusammen mit anderen Bildvorlagen zu manipulieren, es sei denn mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012

Der Text wurde behutsam revidiert

nach der Ausgabe Edition Erdmann Stuttgart, Wien und Bern, 1983

Lektorat: Dietmar Urmes, Bottrop

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH

nach der Gestaltung von Nele Schütz Design, München

Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin/Erich Lessing

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0311-3

www.marixverlag.de/Edition_Erdmann

INHALT

Einführung des Herausgebers

LUDWIG LEICHHARDTS TAGEBUCH

Dornige Pfade

Hodgson und Caleb gehen nach Moreton-Bay zurück

Weihnacht im Busch

Durst

Die schwarzen Begleiter trennen sich

Kontakte mit Aborigines

Alltag des Lebens in der Wildnis

Der Überfall

Weitermarsch mit den Verwundeten

Am Mondschein-Creek

Reiche Emu-Jagdbeute

Pferde ertrinken

Die Eingeborenen als Führer durch den Sumpf

Nach 15 Monaten in Port Essington

Nachwort

Worterklärungen

Daten zur Entdeckungsgeschichte Australiens

Quellenwerke und Literaturhinweise

Bildnachweis

EINFÜHRUNG DES HERAUSGEBERS
DER SOHN DES TORFSTECHERS

Ludwig Leichhardt entstammte dem ›Volk aus der Tiefe‹. Er konnte weder auf eine adelige noch auf eine bürgerliche oder nur eine bäuerliche Abkunft verweisen. Er wurde am 23. Oktober 1813 als das sechste Kind eines armen Torfstechers in der Nähe des Dorfes Trebatsch in der preußischen Mark Brandenburg geboren. Die mühevolle Lebensaufgabe seines Vaters und wohl auch schon der Vorfahren bestand darin, in den weiten brandenburgischen Moorheiden Heiztorf in Ziegelform auszustechen, diesen den Sommer über an mannshohen in den Moorboden getriebenen Stangen zu trocknen, der dann an der Stelle von Kohle oder Brennholz in die Haushalte der Umgebung bis nach Berlin geliefert wurde.

Dem kleinen Ludwig wäre vielleicht genauso wie einigen seiner Brüder dieses gleiche Lebensschicksal beschieden gewesen, wäre seine Intelligenz und die rasche Auffassungsgabe nicht seinem Taufpaten, dem Pastor Rödelius aus Zaue, schon in der Volksschule aufgefallen. Er sah in ihm einen jungen Seelenhirten heranwachsen und brachte den Jungen mit 13 Jahren auf eigene Kosten an das Gymnasium in Cottbus. Die Mutter ließ das ungern geschehen; sie fürchtete, dass sich ihr Jüngster – wie so viele Studenten damals – auch zu einem Freigeist entwickeln würde.

Der junge Ludwig aber entwickelte bald eine andere Leidenschaft: Als ihm das eben damals erscheinende mehrbändige Werk Alexander von Humboldts »Die Ansichten der Natur« in die Hand fiel, erweckte es in ihm eine unbändige Sehnsucht nach Reisen in ferne und unerforschte Länder. Aber wie hätte er jemals ohne Geld und gute Beziehungen auf die Erfüllung solcher Wünsche hoffen können?

Mit 18 Jahren bestand Ludwig Leichhardt 1831 sein Abitur in Cottbus mit ausgezeichnetem Erfolg. Er musste nun wieder nach Hause heimkehren und versuchen, die Laufbahn eines kleinen Beamten anzutreten. Doch noch während der Ferien entschloss er sich zum Studium der Philosophie. Im Herbst 1831 fand er von Neuem Gönner, damit der völlig mittellose Student an die Universität Berlin gehen konnte. Er blieb dort vier Semester, immer noch schwankend, zu welchem Lebensberuf er sich entscheiden sollte.

Im Jahre 1833 wechselte Ludwig Leichhardt an die Universität Göttingen. Und hier fiel mit einem Schlag durch eine zufällige Begegnung die Entscheidung über sein endgültiges Lebensziel!

Er lernte dort zwei Studenten aus England, die Brüder John und William Nicholson, kennen. Diese stammten aus dem Hause eines wohlhabenden Händlers in Clifton und waren eben auf einer Bildungsreise für ein paar Semester an eine deutsche Universität gekommen. Ludwig freundete sich mit den Brüdern Nicholson an, die von der gleichen Reiselust befallen waren. Sie überredeten Leichhardt, auf das Studium der Naturwissenschaften und der Medizin hinüberzuwechseln, weil sich nur mit diesen Wissenschaften für einen jungen Forscher der Weg in die weite Welt öffnete. Die drei Freunde wohnten bald auf einer gemeinsamen Studentenbude.

Ludwigs Eltern und Pastor Rödelius waren über diesen Studienwechsel aufs Tiefste enttäuscht. Aber nun übernahmen nach einem kurzen Briefwechsel mit den Eltern der Nicholsons diese auch die Kosten für das Studium Leichhardts. Nach einem Jahr Studium in Göttingen gingen alle drei Studenten wieder an die Universität Berlin, um dem damals berühmtesten Weltreisenden Alexander von Humboldt, der zeitweilig auch an der Universität Vorlesungen hielt, nahe zu sein.

Nach dem Abschluss des Studiums kam auch für die drei Freunde die Stunde der Trennung. Doch die Brüder John und William luden den Freund nun zu einem mehrmonatigen Aufenthalt im Hause Nicholson nach Clifton ein. Ludwig Leichhardt kehrte noch einmal zu seinen Torfstecher-Eltern nach Trebatsch zurück, bevor er sich auf die Reise nach England begab.

Er fuhr in der Reisekutsche nach Hamburg und kam auf einem Segler, der auch sechzig deutsche Auswanderer nach Amerika an Bord hatte, nach England. Nach einem kurzen ersten Aufenthalt in London, wobei er die Weltoffenheit dieser großen Stadt staunend erlebte, reiste er mit der Postkutsche eine Woche später nach Clifton in der Nähe von Bristol.

Ludwig wurde wie ein Kind des Hauses aufgenommen. Der Besuch war nur auf ein paar Monate gedacht gewesen. In dieser Zeit aber starb eine kinderlose Erbtante der Nicholsons, die den beiden Neffen ihr ganzes großes Vermögen testamentarisch vermacht hatte.

William Nicholson ließ nun seinen Freund nicht mehr aus England fort. »Wir werden jetzt mitsammen reisen und die Welt studieren!«, lud er Ludwig ein. Wie hätte dieser ein solches Himmelsgeschenk ablehnen können? Er schlug sogleich überglücklich ein.

Ludwig Leichhardt lebte nun ein halbes Jahr lang in England. Auf die immer dringenderen Bitten der Eltern, wieder nach Deutschland heimzukehren, schrieb er Ende 1837 einen Brief an sie, der zusammen mit anderen Briefen Leichhardts erhalten blieb: »William und ich wollen noch bis zum Mai des nächsten Jahres in London studieren. Später wollen wir zusammen nach Paris gehen. Und wenn uns die Umstände günstig gestimmt sind, wollen wir hernach an den Küsten des Mittelländischen Meeres naturwissenschaftliche Studien anstellen. Diese sollen uns für größere Reisen in tropische Erdteile vorbereiten. Soviel ist schon jetzt gewiss, dass uns Europa allein nicht genügen wird und dass wir drei oder vier Jahre lang auf Reisen bleiben wollen. Wir planen, später nach Ostindien oder nach Australien zu gehen …«

In diesem Brief kündigte sich zum ersten Mal der ferne Erdteil Australien in Leichhardts Leben an, der später auch sein ausschließlicher Lebensinhalt und sein Schicksal wurde. In den wohlhabenden Kreisen Londons ging damals ein geflügeltes Wort um: »Ein Mann, der nicht beide Indien gesehen hat, ist noch kein richtiger Reisender und hat von der Welt noch nichts gesehen!«

Im Mai 1838 beantragte Leichhardt vor seiner Ausreise nach Paris einen Reisepass bei dem deutschen Konsul in London. Dieser aber wurde ihm nach einer Rückfrage in Berlin überraschend verweigert. Leichhardt war in der Zwischenzeit in Preußen zur Ableistung des Militärdienstes einberufen worden. Seine sofortige Heimkehr aus England wurde ihm nun befohlen.

Der Einberufene fiel aus allen Himmeln. Jetzt – vor dem Beginn der größten Reise seines Lebens sollte er zu jahrelangem Kasernendienst verurteilt sein? Auch William redete ihm dringend zu, jetzt nicht heimzukehren. Leichhardt ersuchte um die Aufschiebung seines Militärdienstes bis zur Rückkehr von der großen Weltreise. William Nicholson erreichte es mit den guten Verbindungen seines reichen Vaters ohne Weiteres, dass Ludwig einen englischen Pass erhielt. Mit diesem setzten die zwei Freunde ohne Behinderung über den Kanal nach Frankreich über. In Paris erfuhr Leichhardt von dem Aufschub der Einberufung bis zum 1. Oktober 1840. Kehrte er jedoch auch bis dahin nicht zurück, war ihm als Fahnenflüchtigem Preußen für immer verschlossen, oder er lief Gefahr, bei seiner Heimkunft vielleicht für Jahre in den Kerker zu wandern.

Paris, das Ludwig Leichhardt gerade zu dieser Zeit mit einem Rausch an Reiselust erfüllte, ließ ihn diese Drohung nicht schwernehmen. Er träumte schon von den blauen Küsten des Mittelmeers, von Italien und Griechenland – wie sollte er da einen Befehl, der ihm zur Befolgung noch zwei Jahre Zeit schenkte, ernst nehmen? Bis dahin konnte er sich immer noch entscheiden – zurück nach Preußen in eine graue Kaserne oder hinaus in eine unbegrenzte weite Welt! Die Entscheidung fiel für die unbegrenzte Weite.

Aber dennoch spürte er eine ständige Drohung über seinem Leben, die ihm manche unerhörte Erlebnisse verdarb. Das unerträgliche Gefühl, später einmal nicht mehr in sein Vaterland zurückkehren zu dürfen, ohne Strafe und Kerkerhaft erwarten zu müssen, brachte ihn noch in Italien fast dazu, alles hinzuwerfen und wieder heim zu seinen alten Eltern zu gehen.

Aber dann erinnerte er sich wieder daran, dass er schon als Zwölfjähriger davon geträumt hatte, einst ein Handwerksgeselle zu werden, damit er in die Welt hinauswandern konnte. Jetzt aber konnte er frei wie ein Vogel von Land zu Land, von Erdteil zu Erdteil fliegen! Das verdrängte die nagende Unruhe.

Nach einer achtzehn Monate dauernden Reise durch die Länder des Mittelmeers kehrte er 1840 noch einmal mit William nach London zurück. Seiner Heimkehr nach Deutschland hatte er endgültig abgesagt.

Vor seiner neuen Reise schrieb Ludwig an seine Mutter – der Vater war indessen gestorben: »… und unser gemeinsamer Plan ist, für zwei Jahre nach Neuholland (so hieß damals Australien noch in Europa) zu segeln und uns in der Sydney-Kolonie anzusiedeln. William will unsere Kapitalien in der Schafzucht anlegen, die das angelegte Geld derzeit mit 80% verzinsen soll. Von diesem Ertrag können wir zwei dann gemeinsam, ohne das eigentliche Kapital zu vermindern, unsere Reisen und Forschungen kreuz und quer durch Australien finanzieren …«

Doch im letzten Augenblick kam alles völlig anders. William Nicholson scheute sich auf einmal vor dem harten und ungeregelten Leben als »australischer Buschläufer«. Er eröffnete in Edinburgh in Schottland eine Praxis als Arzt.

Sein Freund Leichhardt aber sollte nicht auf seine Pläne verzichten müssen, obwohl er auch jetzt völlig bar eigener Geldmittel dastand. Nicholson bezahlte die Überfahrt nach Australien auf dem Auswandererschiff »Sir Edward Paget« und stattete ihn darüber hinaus noch mit 1400 Talern aus, damit sich Leichhardt im fernen Kontinent eine erste Lebensgrundlage schaffen konnte.

Die »Sir Edward Paget« stach am 1. Oktober 1841 von Cardiff aus in See. Mit der englischen Küste entschwand Europa endgültig aus dem Leben Leichhardts. Er hatte über seine Zukunft entschieden – für viele Jahre – vielleicht für sein ganzes Leben!

Die monatelange Segelreise auf dem Schiff verlief mit den üblichen Aufregungen – Stürmen und Krankheiten, Sehnsucht, Heimweh und Langeweile. Mit Leichhardt reisten 250 englische Auswanderer, die so bettelarm waren, dass ihnen die Regierung die Überfahrt hatte bezahlen müssen, um die Besiedlung der neuen Kolonie rascher voranzutreiben. Das englische Mutterland litt dauernd an Überbevölkerung, dennoch entschlossen sich viel zu wenig verarmte Manufakturarbeiter und Bauern zur Auswanderung in die verrufene Strafkolonie, auf der über hundert Jahre lang fast ausschließlich Verbrecher ausgesetzt worden waren. Nur die etwa zwanzig zahlenden Passagiere, Kaufleute und angehende Farmer, hofften, im neuen Erdteil viel rascher als zuhause zu Reichtum zu gelangen. Bereits auf dem Schiff blühte hektisch die Spekulation mit Grundstücken und Anteilen an riesigen Schaffarmen.

DER BUSCHLÄUFER

Mitte Februar 1842 betrat Ludwig Leichhardt nach einer viereinhalb Monate dauernden Schiffsreise von England um das Kap der Guten Hoffnung in Sydney den Boden des zuletzt entdeckten Erdteils Australien. Der geschäftige Trubel dieser jungen Stadt überraschte ihn sehr. Sie war erst vor 54 Jahren als Farmersiedlung in einer tief ins Land eingreifenden Bucht gegründet worden. Die Gründer aber bestanden aus 530 englischen Sträflingen und ihren Bewachern, die mit dem ersten Verbrechertransport, dem dann noch viele folgten, an dieser Stelle an Land getrieben worden waren. In dieser unerhörten Leere des in seinem Inneren noch völlig unbekannten Erdteils mussten nun die Sträflinge in schwerer täglicher Arbeit sich ihren eigenen Lebensunterhalt schaffen.

Jetzt aber, noch nicht einmal in der Hälfte des 19. Jahrhunderts, zählte Sydney bereits 100 000 Einwohner, die alle anscheinend nur eines vorantrieb: die Jagd nach Geld, Geld und wieder Geld! Ludwig Leichhardt nahm sich in dieser Gesellschaft wahrscheinlich lächerlich genug aus, weil er nicht nach Spekulationswerten fragte, sondern den erst eben neu angelegten Botanischen Garten aufsuchte. Er hatte erfahren, dass dessen Direktorstelle gerade zu dieser Zeit unbesetzt stand, und er bewarb sich um diesen Posten. Doch die Stadtverwaltung von Sydney lehnte seine Bewerbung ab – wahrscheinlich, weil sie dem eben erst zugewanderten Deutschen zu wenig vertraute.

Doch wie es sich bald erweisen sollte, war gerade diese Abweisung wieder für seine Zukunft entscheidend. Denn wäre nun Leichhardt als ausreichend dotierter und bald angesehener städtischer Beamter für lange Zeit in dieser Stadt festgebunden worden, wäre er vielleicht niemals mehr zum ständig nach neuen Wildnissen und unentdeckten Einsamkeiten suchenden Buschläufer gereift.

»Buschläufer« galt damals noch als verächtliches Schimpfwort für einen aus dem streng umgitterten Arbeitslager entsprungenen Häftling. Von Zeit zu Zeit gelang einem solchen die Flucht in den »scrub«, ins unerforschte Buschland des Inneren. Ein solcher konnte nur als Fallensteller sein Leben fristen, oder er überfiel ab und zu eine einsam gelegene Schaffarm und plünderte diese aus. Die berittene Polizei war aber stets solchen Buschläufern auf den Fersen. Wegen bloßen Diebstahls wurden sie nach einer harten Prügelstrafe wieder in einen streng bewachten Arbeitstrupp eingegliedert. Wer jedoch einen Mord auf dem Gewissen hatte, der wurde ohne Gerichtsverfahren an dem nächsten Baum aufgeknüpft.

Mit den Jahren aber änderte sich allmählich die Bedeutung dieses Namens, und Buschläufer wurde ein jeder genannt, der in das grenzenlose Land hinter den Blauen Bergen trampte und dort als Schafhirt oder auch nur als Jäger leben wollte.

Ludwig Leichhardt wurde durch die Abweisung seines ersten Ansuchens noch nicht entmutigt. Er trug aus England einen Empfehlungsbrief an den Chef der Landvermessung von Neu-Südwales, Sir Thomas Mitchel, bei sich. Und gerade Landvermesser zu werden, erschien ihm als der günstigste Beruf, später in das Innere Australiens zu gelangen. Doch das offizielle Australien schenkte ihm kein Vertrauen. Sein Gesuch um Anstellung wurde hier ebenso abgelehnt wie das erste am Botanischen Garten.

Leichhardts unverändertes Ziel war und blieb der unbekannte Kern der riesigen Landmasse Australiens, die damals noch im völligen Dunkel des Unbekannten lag. Als erforscht galt nur der südliche Zipfel des Kontinents und ein schmaler Küstenstreifen im Osten und Westen des Erdteils. Wohl hatten sich schon Expeditionen auch in diese »Terra incognita«, das unbekannte Land, hineingewagt, aber diese mussten wieder umkehren, wenn sie kein Wasser mehr fanden, wenn ihre mitgeführten Lebensmittel zu Ende gingen oder gar feindselige Eingeborene, Aborigines, sie mit Pfeilschüssen aus dem Hinterhalt oder im offenen Überfall zurücktrieben. Wer aber nicht mehr zurückkehrte, der war mit Sicherheit verdurstet, wenn nicht von den wilden kannibalischen Schwarzen getötet und vielleicht sogar verzehrt worden …


Ludwig Leichhardt als »Buschläufer«

Der englische Offizier Robert Lind, mit dem sich Leichhardt bei der Überfahrt angefreundet hatte, nahm ihn für einige Monate in seine Wohnung in Sydney auf. Anfang September reiste Leichhardt dann mit einem der neuen Dampfschiffe 120 Kilometer weit nordwärts nach Newcastle am Hunterfluss. Schon in Sydney hatte er den Farmer Walker Scott getroffen, der ihn zu einem längeren Aufenthalt einlud. Walker besaß über 20 000 Schafe auf seinen unendlichen, noch kaum vermessenen Weiden, und diese Zahl vermehrte sich durch den natürlichen Geburtenzuwachs noch ständig. Leichhardt wurde in Glenton weit hinter der Küste von Newcastle von Scott so freundschaftlich aufgenommen, dass er sich von diesem Tag an in Australien zu Hause fühlte. Nach den Gewitterstürmen des beginnenden Frühlings leuchtete Anfang Oktober die australische Landschaft blütenreich und grün. Die verdorrten Weideflächen und der verwelkte Busch hatten sich fast über Nacht in einen blühenden Garten des Paradieses verwandelt.

Aber Leichhardt hielt auch hier wieder das tatenlose Herumhocken nicht lange aus. Die unbekannten Berge der Liverpool-Range im fernen Westen der Farm verlockten ihn bald zu einem längeren Ausritt. Vor dem für mehrere Wochen geplanten Ritt hatte er sich noch eingehend mit dem Buschleben der Schafhirten und der Zedernholzfäller in den Bergwäldern vertraut gemacht. Zu Fuß wanderte er tagelang ohne Zelt und Waffe durch den Busch und lebte völlig auf sich gestellt von getrocknetem Schaffleisch in seinem Rückenpack, ausgerüstet mit nur einem Feuerzeug in der Tasche und einem verbeulten Kochkessel. Als studierter Geologe erkundete er dabei auch die Gesteinsschichten und führte ständig einen gar nicht so leichten Gesteinshammer mit sich.

Einmal rettete ihm dieser Prüfhammer sogar das Leben. Ein wild lebender Stier, der wohl einst seine Rinderherde verlassen und sie nicht wieder gefunden hatte, griff ihn plötzlich mitten im »scrub« mit dumpfem Gebrüll und gesenkten Hörnern an. Leichhardt rannte ohne Waffe um sein Leben. Der Stier aber war schneller. Er fasste Leichhardt auf seine Hörner und schnellte ihn in die Luft. Der Verfolgte sah schon sein Ende vor sich, von den breiten Hufen des wilden Tieres zu Tode getrampelt zu werden – da erinnerte er sich im Niederfallen des Hammers, den er noch in seiner Hand trug. In seiner Todesangst schlug er dem Stier mit aller Kraft auf die breite Stirn, dass dieser halb betäubt und dumpf brüllend zu Boden ging. Er rannte weiter, bis er endlich erschöpft auf einen niedrigen Baum klettern konnte. Der Stier folgte ihm nicht mehr.

Dieses Mal tat Leichhardt eine ausgiebige Rast in Scotts Schaffarm wohl. Sobald er sich kräftig genug fühlte, trat er zu Fuß den Marsch nach dem etwa 50 Kilometer fernen Mount Royal in den Liverpool-Bergen an. Nach drei Tagen Wanderung in den Bergen entdeckte er einen mächtigen hohlen Baum, der ihm für einige Wochen eine Wohnung wurde. Er lebte von Damper, einem harten, ungesäuert gebackenen Brotfladen, der wochenlang haltbar blieb. In der Nähe sprang eine klare Quelle den Berg herab; Zucker und Tee trug er bei sich. Mit jedem Tag fühlte er sich in der einsamen, großartigen Natur heiterer und innerlich freier werden. Wenn er abends in seine Baumhöhle zurückkehrte, kochte er sich noch Tee und kaute den steinharten Brotfladen dazu. Er wickelte sich in seine wollene Decke und schaute durch den offenen Baumspalt zu, wie sich die Sterne an dem unendlichen australischen Himmel entzündeten. Meistens weckte ihn schon gegen drei Uhr morgens die tief absinkende Nachtkühle. In diesen wachen Morgenstunden entwarf er den neuen Tagesplan der geologischen, zoologischen und botanischen Streifzüge, die er nach einer neuen Richtung wieder durchführen wollte.

Ein Mensch ohne Waffe, ohne böse Absicht wird bald im menschenleeren Busch als Freund aller Tiere und Vögel aufgenommen. So besuchten ihn neugierig bald jeden Morgen die tierischen Buschbewohner – der herrliche Leiervogel mit seinen Paradiesfedern, der dunkelfiedrige australische Truthahn, die blau schimmernde Lauftaube, manchmal sogar ein Wallaby, ein furchtlos äsendes Känguru. Über ihm flogen Schwärme schneeweißer Ibisse nach der dschungelfeuchten, tropischen Nordküste Australiens.

Leichhardt hatte stets gegen die empfindliche Morgenkälte mannslange Farne vor den Eingang seiner Baumhöhle gelehnt. Eines Nachts wirbelte der jähe Sturmstoß eines aufsteigenden Gewitters die noch nicht erloschene Glut des abendlichen Lagerfeuers vor der Baumöffnung jäh auf. Die längst schon dürren Farne fingen wie Zunder Feuer. Leichhardt blieb nur noch, mitten aus dem Schlummer geschreckt, die Zeit übrig, um durch den flammenden Baumspalt ins Freie zu springen. Ehe er noch etwas retten konnte, waren im Inneren sein Hut, sein einziges Hemd und sein Tagebuch mit allen täglichen Aufzeichnungen verbrannt. Anfangs lachte er trotzig zu dieser überstandenen Gefahr. Natürlich musste er nun die herrliche Wildnis verlassen. Bis er aber nach drei Tagen erschöpft und halb verhungert die Farm Glenton erreichte, hing ihm von dem ausgestandenen Sonnenbrand die Haut auf dem Rücken in Fetzen herab.

Natürlich stellte daraufhin Leichhardt seine Forschungen nicht ein. Diesmal entlieh er sich auf der Farm ein Reitpferd, mit dem er die hundert Kilometer nördlich von Newcastle liegende Landschaft der Moreton-Bay erforschen wollte. Auf seinem einsamen Ritt nordwärts traf er immer wieder hinter den fernsten Hügelwellen einen Ansiedler, der nichts sonst besaß als etliche Schafe und ein Graslager in einer primitiven Hütte, die er mit seiner Axt als dem einzigen Werkzeug gezimmert hatte. Mit diesem Siedler am äußersten Rand der bewohnten Welt teilte Leichhardt dann sein Lager unter einer gemeinsamen Wolldecke. Vielleicht schlief er neben einem Deportierten, der geflohen war oder dem die letzten Strafjahre erlassen worden waren.

Von solchen Einsiedlern erhielt er manchmal die besten Ratschläge, die ein Überleben in der leeren Wildnis erst möglich machten. Einer fragte ihn: »Kennst du den Bunyatree, den Bunya-Baum?« Leichhardt musste dies verwundert verneinen.


Biwak im Wald (Gemälde von Augustus Earle)

»Du findest ihn überall gegen Norden zu. Er sieht fast wie die Araukarie, der seltsame Nadelbaum im südlichen Australien, aus. Unter den Schuppen seiner Zapfen findest du die nahrhaftesten Kerne. Davon allein kannst du dich im »scrub« tagelang ernähren, wenn du sonst nichts mehr zum Nagen finden wirst. Aber beobachte den Bunya-Baum erst eine Weile aus der Ferne, bevor du hingehst und auf ihn kletterst! Die Horden der Schwarzen treffen sich unter einem Bunya gern und halten ihn natürlich für ihr Eigentum. Es ist schon geschehen, dass sie einen verirrten Schafhirten vom Baum herabgeholt, ihn gekillt und aufgefressen haben. Hoho, dann später haben die suchenden Reiter nur noch die abgenagten Knochen und seinen grinsenden Totenschädel gefunden!«

Nun, alles glaubte ja Leichhardt auch wieder nicht, was diese Squatter in ihrer Einsamkeit zu erzählen wussten. Doch er nahm sich vor, hier die Augen mehr offen zu halten als unten im Süden in den Liverpool-Bergen. Er wusste aus anderen Erzählungen, dass eher schon ein weißer Schafhirt getötet wurde, wenn er sich ein schwarzes Weib, das auf Wurzelsuche herumgestreift war, in seine Hütte mitgenommen hatte. In der Nacht darauf war die Horde geschlichen gekommen und hatte den Frauenräuber erschlagen. Ein solches unrühmliches Ende traf wohl hie und da einen der »Old hands« – wie die auf Bewährung freigelassenen Verbrecher genannt wurden. –

Ludwig Leichhardt wurde auf seinem Forschungsritt hinter der Moreton-Bay von einem tagelang unheilbar erscheinenden Durchfall begleitet, der ihn auf die Dauer so erschöpfte, dass er sich fast nicht mehr im Sattel aufrecht halten konnte. Er musste umkehren, um auf kürzestem Weg die Küste und Menschen zu erreichen. Er fürchtete bereits, dass er vorher noch bewusstlos vom Pferd sinken könnte und dann hilflos liegen bliebe.

In diesem Zustand traf er einen »Old hand«, der zu Fuß durch die Wildnis wanderte. Der Rauch seines niedrigen Lagerfeuers hatte das Pferd von selber dorthin geleitet. Der Mann blieb hocken und schaute fragend auf den blassen Reiter. Er half dem Kranken endlich aus dem Sattel und sagte nur: »Du hast Glück gehabt, weil du auf mich gestoßen bist! Du hast wohl fauliges Wasser ungekocht getrunken!«

Das mochte zutreffen. Leichhardt hatte sich bereits an die Wildnis akklimatisiert gefühlt und nicht mehr jeden Schluck Wasser abgekocht.

»Ich bin unentbehrlich für die Ansiedler hinter der Moreton-Bay!«, erzählte ihm der seltsame »Old hand«. »Ich bin Hüttenbauer, Bäcker, Schneider und Schmied, Tierdoktor und auch Wundheiler, wenn sich einer gefährlich verletzt hat und im Wundfieber schon auf den Tod daniederliegt! Du aber brauchst nur die Ly-Wurzel!«

Der geheimnisvolle Alte kochte Leichhardt den Absud einer heilkräftigen Wurzel. Und schon am nächsten Morgen blieb Leichhardts Hose wieder trocken. Im Busch entscheidet manchmal nur das Wissen um eine Wurzel das Überleben – wenn noch so harter Wille und Mut versagen!

Leichhardt fand am Rand der Wildnis manchmal auch eine Farm, auf der die Frau fehlte. Dann gab es statt eines sauberen Holzhauses nur eine schmutzige Bude auf vier eingerammten Pfählen, die den Bewohner vor der nächtlichen Bodenkälte, Schlangen und Ameisen schützen sollten. Ein paar Schafe genügen für den Lebensunterhalt mit Milch und Fleisch. Die übrigen Bedürfnisse des einst in der Gemeinschaft gesittet lebenden Menschen blättern wieder ab – zuletzt unterscheidet manchen Squatter nur noch die hellere Hautfarbe von dem australischen Ureinwohner.

Begleitet jedoch auch eine Frau den Mann in die Wildnis, wächst die abgelegene Farm förmlich von selber in eine menschliche Ordnung hinein. Möbel, Geschirr werden in die Einsamkeit geschafft; Leichhardt entdeckte sogar noch Bücher in Farmhütten, hinter denen alle Pfade endeten …

Ludwig Leichhardt lebte zwanzig Monate lang forschend und immer fernere Landschaften erkundend hinter den Küstenregionen zwischen dem 34. und dem 25. südlichen Breitengrad. Nach seiner späteren Schätzung legte er dabei rund 4000 Kilometer allein und stets ohne Begleiter im Sattel zurück. Er hatte sich in dieser langen Zeit zu einem erfahrenen und ausdauernden »Buschläufer« entwickelt. Allerdings hatten sich nach diesem langen Aufenthalt im Busch auch seine Haltung und sein Aussehen verändert. Seine große, dürre Gestalt bewegte sich etwas vornüber geneigt. Die Ränder seiner Hose hingen zerfranst und ausgerissen, sein Wollhemd hatte mehr Flicken als den früheren roten Stoff. Mancher ehrliche Squatter erschrak zuerst, wenn der hagere Besucher sich durch die Tür bückte, weil er ihn für einen entflohenen Deportierten hielt, den wohl nur der Hunger wieder aus dem menschenleeren »scrub« in bewohnte Gegenden zurückgetrieben hatte.

Ludwig Leichhardts letzter Forschungs-Ausritt galt den Darling-Downs, einem noch unbegangenen Hochland hinter einem Steilanstieg von 500 Metern über der Küstenebene. Hinter der Einsattelung des Cunningham-Passes war gegen den fernen Westen hin des weißen Mannes Land zu Ende.

Als Leichhardt die Passhöhe erreicht hatte, suchte er sich in der völlig pfadlosen Landschaft eine windfreie Stelle für sein erstes Nachtlager. Zum Sonnenuntergang im Südwesten umfloss die in der Ferne aufsteigenden Bergketten ein roter Purpurnebel, als flatterten Brände aus dunstigen Tälern empor. Er legte sich in der Gewissheit auf den harten, trockenen Erdboden zum Schlafen hin, dass noch kein Weißer vor ihm diese unerhörte Naturerscheinung über der lockenden und auch wieder drohenden Tiefe Australiens erlebt hatte. Wie ein unwiderstehlich starker Magnet zog ihn diese ferne Welt an!

Aber als er am nächsten Morgen erwachte, war sein Reitpferd, das er nur leicht angepflockt hatte, fort und nicht mehr aufzufinden. Sein größtes Versäumnis war, dass er abends dem Pferd die leichten Sattelpacken nicht abgenommen hatte – er war einfach zu rasch in den Schlaf gesunken. Ohne Nahrungsmittel und nur mit seinem Gewehr konnte er zu Fuß nicht die diesmal für Wochen geplante Erkundungsreise durchhalten. Zwei Tage lang suchte er nach dem verschwundenen Reitpferd, dann blieb ihm nichts anderes übrig, als umzukehren, und er stieg noch einmal zwei Tagesreisen weit in die Moreton-Bay hinab.


Grasbäume (Gemälde von John Skinner Prout)

Er besaß kein Geld mehr zum Kauf eines neuen, kräftigen Reittiers – so mietete er auf der ersten Stockman-Farm einen billigen Klepper, der nur so ungefähr von den wilden Stockmans zugeritten worden war. Zweimal warf der Gaul seinen neuen Reiter ab – aber endlich lenkte ihn Leichhardt wieder den Cunningham-Pass hinauf zu neuen Forschungsabenteuern.

So weit gegen Nordwesten war vor Leichhardt noch kein Weißer gekommen. Er ritt auf dieser letzten Erkundung vor der Rückkehr nach Sydney über 90 Meilen (145 Kilometer) bis an die nördliche Schleife des Condamine River.

In seinem erhaltenen Forschungsbericht schrieb der Reisende: »… Die grasbedeckten, baumlosen und nur ganz schütter mit offenem Wald bedeckten Höhenwellen ergeben in der Zukunft ein Weideland von Millionen Morgen Ausdehnung, sobald dieses Land kartiert und vermessen ist. Dieses hochgelegene Land ist der Schafzucht besonders günstig …«

Alle seine bisherigen Forschungsreisen in das Innere Australiens hatte Ludwig Leichhardt ohne einen Auftrag durchgeführt. Es hatte ihn ja auch Sir Mitchel trotz eines empfehlenden Schreibens aus London nicht als Landvermesser in seinen Dienst genommen.

Aber ein rätselhaft glühender, unablässig vorandrängender Antrieb ließ Ludwig Leichhardt nicht mehr los. Ein Bekenntnis, das er bisher noch zurückgehalten hatte, das aber für seine Zukunft das wichtigste werden sollte, schrieb er in einem seiner Briefe an die Freunde in London: »… Je mehr Erfahrungen ich auf meinen Forschungsritten an die Grenzen des Unbekannten sammelte, desto stärker wuchs mein Wunsch, die ganz große, die wirkliche Forschungsreise vom Süden der Moreton-Bay bis an die Nordküste Australiens zu unternehmen, durch die Tausende Meilen Land, die auf der Karte Australiens bis heute noch als mächtiger weißer Fleck eingezeichnet sind. Entweder gelingt mir der Durchbruch, oder über meine Forschungsreise durch Inner-Australien legt sich Schweigen – umkehren werde ich nicht mehr …!«

Einige Wochen lang hielt sich Ludwig Leichhardt noch bei seinem treuen Freund und Förderer Walker Scott auf der Farm von Glenton auf. Da nun sein Plan einer großen Forschungsreise feststand, reiste er zu Anfang des Jahres 1844 wieder nach Sydney zurück.

VORBEREITUNG ZUR GROSSEN REISE

Ludwig Leichhardt konnte nach seiner Rückkehr von Moreton-Bay nach Sydney bald feststellen, dass die Idee einer Land-Expedition bis nach Port Essington an der Nordküste Australiens die Aufmerksamkeit sehr vieler Menschen gewonnen hatte und diese immer stärker beschäftigte. Es schrieben mehrmals auch die Zeitungen darüber und ergingen sich in phantastischen Vermutungen über das Abenteuerliche, aber auch über den wirtschaftlichen Wert eines solchen Unternehmens für die Zukunft. Auch die gesetzgebenden Körperschaften setzten diese Frage auf die Tagesordnung ihrer Beratungen. Der Chef der Landvermessung, Sir Thomas Mitchel, schlug die Subventionierung einer solchen Expedition mit 1000 Pfund Sterling vor, um ihre Ausrüstung rasch voranzutreiben.

In diese noch allgemeinen Beratungen brachte die Meldung aus dem Staatssekretariat für Kolonien, dass auch ein Kapitän Sturt von Adelaide in Südaustralien aus die Vorbereitungen für eine Forschungsreise quer durch den Kontinent nach Norden treffe, eine neue Aufregung. Das gab den letzten Anstoß für Leichhardt, gestützt auf seine zweijährigen Erfahrungen über die Schwierigkeiten des Reisens in gebirgigen und – wie zu erwarten war – oft auch wasserlosen Gegenden, nun sofort diese Reise zu wagen. Allerdings musste noch die Bedingung der öffentlichen Unterstützung bei den zur Ausrüstung nötigen Kosten erfüllt werden. Es mussten ebenso erst die richtigen Begleiter gefunden werden, die sich freiwillig und ohne besondere Entlohnung dem Unternehmen anschließen und auch geduldig manchen Mangel der Ernährung während der Reise auf sich nehmen würden.

Während der Aussprachen Leichhardts mit seinen Bekannten in Brisbane und der Umgebung hatte sich allgemein die Meinung herauskristallisiert, dass dieser Reiseplan durchaus real ausführbar wäre. In Sydney jedoch erhob sich anfangs gegen eine Reise unter der Leitung Ludwig Leichhardts eine ziemlich heftige Opposition. Andere wieder bedauerten, dass sich Leichhardt nicht einen näher liegenden Wirkungskreis innerhalb der Grenzen von Neu-Südwales schaffen wollte – die Aussicht auf eine leitende Stellung im öffentlichen Dienst dieser Provinz erschien nun durchaus gegeben.

Viele aber sahen offen dieses Unternehmen als eine Tollheit und Folge eines blinden Enthusiasmus an, der nur durch eine vernunftwidrige Ruhmsucht genährt wurde, die sich als ein Hang für die Wissenschaften ausgab. Und die größten Gegner rieten davon ab, weil sie ein solches Unternehmen für einen glatten Selbstmord hielten, der verhindert werden müsse.

In seinen späteren Aufzeichnungen schilderte Ludwig Leichhardt die damalige Situation, ihr Hin und Her zwischen Ablehnung und Zustimmung, wörtlich:

»… Ich war für die Schwierigkeiten der Reise nichts weniger als blind. Im Gegenteil! Und ich hoffe, meine Leser werden glauben, dass ich es aufrichtig meine: Ich dachte, diese würden mannigfach und groß – in der Tat größer, als sie sich wirklich auswiesen. Aber während meiner in der letzten Zeit unternommenen Exkursionen in dem Squatting-District hatte ich mich so an ein vergleichsweise wildes Leben gewöhnt und die Gewohnheiten der Ureinwohner so genau beobachtet, dass ich mich versichert hielt, die einzigen wahrhaften Schwierigkeiten, auf die ich stoßen könnte, würden nur einen lokalen Charakter haben. Ich war überzeugt, dass ich bei vorsichtigem Verfahren … imstande sein würde, meine Begleiter auf einem grasbewachsenen und wohlbewässerten Wege zu führen … Und ich hielt mich versichert, dass die Reise … mit unserer Ankunft in Port Essington endigen müsse. Durch dieses Bewusstsein gehoben … begann ich meine Vorbereitung, welche, soweit es meine eigenen schwachen Mittel und die Beiträge wohlwollender Freunde gestatteten, ziemlich bald bis zum 13. August 1844 vollendet waren …«

Ludwig Leichhardt besaß fast keine eigenen Mittel. Deshalb musste er auf manche nützliche Instrumente wie Barometer und Kochapparat verzichten. Seine einzigen Hilfsmittel waren: ein Sextant, ein Chronometer, ein Handkompass, ein kleines Thermometer und Arrowsmiths Landkarte des »Continents von Neu-Holland« (Australien).

Die schwierigste Aufgabe aber war die Auswahl von fünf Begleitern, deren Zahl wegen der geringen Mittel auf keinen Fall überschritten werden sollte. Da nun der Plan öffentlich bekannt geworden war, offerierten viele junge Leute ihre Dienste, die meisten wohl in der Erwartung eines großen Abenteuers. Leichhardt wählte und schwankte lange, bis er sich endgültig entschieden hatte.

Es soll seiner eigenen Niederschrift gefolgt werden:

»Als ich Sydney verließ, waren meine Begleiter James Calvert, John Roper, John Murphy, ein Jüngling von ungefähr 16 Jahren, William Phillips, ein Krongefangener (entlassener Häftling) und Harry Brown, ein Eingeborener vom Newcastle-Stamm …«

Über die Seefahrt bis nach Brisbane schrieb Leichhardt später:

»Wir verließen Sydney in der Nacht des 13. August, um mit dem Dampfer ›Sovereign‹ unter Kapitän Cape nach Moreton-Bay zu gehen. Es macht mir viel Vergnügen, die uneigennützige Freundlichkeit von ›Hunter’s River-Dampfschiffahrts-Compagnie‹ zu bestätigen, die mir für meine Gesellschaft, unser Gepäck und dreizehn Pferde freie Fahrt bewilligte. Die Überfahrt dauerte ungewöhnlich lange. Anstatt in drei Tagen in Brisbane anzukommen, waren wir eine Woche zur See, sodass meine Pferde Mangel an Futter und Wasser litten.

… In Brisbane angekommen, wurden wir mit der größten Freundlichkeit von unseren Freunden, den ›Squatters‹, aufgenommen. Diese und die Einwohner von Brisbane überhäuften mich mit freundlichen Beiträgen so sehr, dass ich mich genötigt sah, vieles abzulehnen oder zurückzulassen. So musste ich auf den Vorteil manches erwünschten Artikels wegen der beschränkten Transportmittel verzichten …«

Hier boten sich aber auch neue Teilnehmer der Expedition an. Leichhardt entschloss sich schließlich, noch vier Teilnehmer zu chartern. Seine Vorräte waren so sehr angewachsen, dass er diese Änderung wagte. Er berichtet selber darüber:

»… Folgende Personen traten der Expedition bei: Pomperdon Hogson, in dieser Gegend wohnhaft, Gilbert, dann Caleb, ein amerikanischer Neger, und Charley, ein Eingeborener vom (australischen) Bathurst-Stamm. Hogson konnte ich aus Rücksicht auf frühere Verpflichtungen nicht zurückweisen; da er überdies bei botanischen Forschungen sehr eifrig war, konnte er mir nützlich sein. Gilbert kannte ich durchaus noch nicht. Er war in Diensten des Zoologen Gould gewesen, der unsere Kenntnisse der Fauna von Australien bereichert hatte. Jene zwei Männer rüsteten sich selber aus und brachten auch vier Pferde und zwei Ochsen in das Unternehmen mit …«

Doch der Aufbruch aus Brisbane wurde das Schwierigste der bisherigen Vorbereitungen. Leichhardt schrieb darüber: »… Es war viel Regen gefallen, der alle Creeks (Wasserläufe) überfüllte und den Weg so sumpfig und schlüpfrig machte, dass er fast unbegehbar geworden war. Es erforderte einen ganzen Tag, die menschliche Begleitung, das Vieh und die Vorräte über den Fluss zu bringen. Bis Sonnenuntergang war diese Arbeit noch nicht beendet. Da aber die Nacht schön und mondhell und meine Station nicht weit jenseits des Flusses war, beschloss ich die Abreise.


Bumerangs

… Glücklicherweise hatten mir meine Freunde einen Ochsenwagen geliehen, um einen Teil unseres Gepäcks weiter bis zu den Darling-Dünen zu fahren. Da ich außerdem einen leichten Federwagen erhandelt hatte, wurde auch dieser beladen. Mir schmeichelnd, dass wir leicht und schnell vorwärtskommen würden, gab ich Befehl zum Marsch. Wir kamen nach Überwindung fortwährender Schwierigkeiten, die uns beim Treiben unserer Pferde und beim Tragen der Wagen durch die sumpfigen Stellen des Weges begegneten, um ein Uhr morgens in Cowpers Ebenen, ungefähr zehn Meilen von Brisbane, an …«

Der gespendete leichte Wagen mit den gefederten Achsen, der Leichhardt anfangs fast wie ein Traumgefährt erschien, auf welchem er in guten und leicht passierbaren Expeditionsstrecken seiner schwerfälligen Marschgruppe vorauseilen könnte, um stets die schönsten Lagerplätze zu erkunden, spielte allerdings diese phantastische Hoffnungsrolle bald zu Ende. Ein Intermezzo, das Leichhardt am besten selber schildern soll:

»… Ich fand bald, dass mein Wagen unserem Vorwärtskommen hinderlich sei. Aber er war ein kostbarer Artikel, und ich zweifelte nicht, dass er mir mehr Nutzen gewähren würde, nachdem wir die sumpfigen Gegenden überschritten haben würden.

… Einige Tage danach entschied gleichwohl der Zufall die Frage. Die Pferde liefen mit ihm davon; dabei war die Deichsel gebrochen sowie eine Wagenfeder beschädigt worden, sodass ich genötigt war, ihn zurückzulassen. Ich tat es mit Vergnügen, da es stets leichter ist, sich der Notwendigkeit zu fügen, als eine scheinbar beschwerliche Maßregel aus eigenem freien Willen zu ergreifen. Wir schritten mit Erleichterung nach Campbell’s Station, die Gastfreundschaft der Ansiedler in Anspruch nehmend.

… Ich war so glücklich, meinen zerbrochenen Wagen gegen drei Mastochsen umzutauschen, und ich kaufte später noch fünf Zugochsen, um sie in das Tragen von Packsätteln einzugewöhnen. Ich hatte mich bereits überzeugt, dass wir uns zum Transport der Ladung auf die Pferde nicht verlassen durften. Weder meine Begleiter noch ich selbst kannten die Ochsen gut genug; und es bedurfte langer Zeit, bis wir uns mit der gefährlichen Nachbarschaft ihrer Hörner versöhnen konnten. Zuletzt wurden wir durch die Gewohnheit mit unseren öfter widerspenstigen »Compagnons de voyage« bekannt und gewissermaßen vertraut …«

Auf Campbel’s Station wurde der gesamte Expeditions-Tross, die Bekleidung und Verproviantierung abgeschlossen. Statt diese einfach aufzuzählen, soll auch hierin wieder Leichhardt das Wort gegeben werden:

»Durch ein Geschenk der Herren Campbell und Stephens von vier jungen Stieren und eines Ochsen von Herrn Isaacs stieg unser Bestand an Rindern auf 16 Stück. Dazu hatten wir 16 Pferde. Unsere Gesellschaft bestand aus 10 Individuen.

… An Proviant führten wir 1200 Pfund Mehl, 200 Pfund Zucker, 80 Pfund Tee, 20 Pfund Gelatine und andere Artikel von geringerer Wichtigkeit mit. An Munition gab es 20 Pfund Pulver, 4 Beutel Schrot von verschiedener Größe. Jeder von uns hatte auf meinen Wunsch sich mit zwei Paar festen Beinkleidern, drei derben Hemden und zwei Paar Schuhen versorgt. Ferner hatten einige sich Ponchos (Decken) aus leichtem Kaliko, die sich geölt sehr brauchbar gegen die Feuchtigkeit erwiesen, zugelegt. So sahen wir uns für sieben Monate wohl ausgerüstet, welche Zeit, wie ich damals sanguinisch glaubte, zu unserer Reise hinreichend sein würde. Unsere Berechnungen hinsichtlich des Proviants waren fast ganz richtig, denn unser Mehl dauerte bis zum Mai, dem achten Monat unserer Reise. Aber in der Zeit, die dafür nötig sein würde, hatten wir uns sehr getäuscht …«

Die Reit- und Packsättel für die Tiere bestanden zwar aus gutem Material, doch diese waren den Tieren nicht eigens angepasst worden. Sie litten bald unter wunden Rücken. Als die Pferde zu sehr davon behindert wurden, mussten die Packsättel für die viel weniger empfindlichen Ochsen umgenäht werden.

Auch darüber, was den Ochsen als Traglast zugemutet werden konnte, mussten erst Erfahrungen gesammelt werden. Auf weite Strecken waren sie nur fähig, 150 Pfund statt der erhofften 250 zu tragen. Leichhardt berichtet weiter:


Eine Ochsenkarawane auf dem Treck nach neuen Weidegründen

»… Das tägliche Beladen der Ochsen und Pferde nahm gewöhnlich zwei Stunden in Anspruch. Eine während des Marsches locker gewordene Ladung verursachte häufig, dass die Ochsen diese abwarfen, die Gurte zerrissen und große Unruhe schafften, wenn wir sie wieder fangen und beladen mussten. In der Nacht wollten sie beständig fort und in das letzte Lager zurück. Häufig hatten wir bis zum Mittag zu warten, bis Charley und Brown, unsere Hirten, die Herumstreicher wiederbrachten …«

So vorbereitet, oftmals niedergedrückt schon bei den Einübungen zur großen Reise ins Unbekannte, schloss Ludwig Leichhardt seine Aufzeichnungen mit den Worten: »… Aber ich eile nun, zur Erzählung unserer Reise zu kommen …!«

LUDWIG LEICHHARDTS TAGEBUCH

DORNIGE PFADE

Es war gegen Ende September 1844, als wir die nötigen Vorbereitungen zu unserer Reise getroffen hatten und die Station der Herren Campbell und Stephens verließen, um langsam nach dem fernsten Punkt, an dem sich der weiße Mann angesiedelt, vorzurücken. Wir kamen am 30. September zu Jimba an, wo wir der Zivilisation Lebewohl sagen mussten.

Diese Stationen sind an den Creeks angelegt, die von den West-Abhängen der Küstengebirge – sich hier in einer Richtung von Nord nach Süd erstreckend – herabkommen und sich durch die mehr oder weniger ausgedehnten Ebenen schlängeln, um sich mit dem Condamine-Fluss zu vereinigen, der, ebenfalls den Küstengebirgen entspringend, alle Gewässer der Gegend westlich von den Gebirgen in sich aufnimmt. Der Condamine bildet in einer großen Entfernung die Scheide zwischen der Sandstein-Gegend im Westen und den reichen Basalt-Ebenen des Ostens. Diese Ebenen, ebenso berühmt wegen des Reichtums ihrer Weiden wie der Vortrefflichkeit der Schafe und des Viehs, das auf ihnen gezogen wird, sind gleich merkwürdig wie der Fundort von Überresten erloschener Tiergattungen, von denen mehrere von gigantischer Größe gewesen sein müssen. Die Station des Herrn Isaacs ist an solchen fossilen Resten besonders reich.

1844 Oktober 1. – Nachdem wir das Geschirr etwas ausgebessert hatten, das durch unsere widerspenstigen Ochsen zerbrochen worden war, und meine Begleiter ihre Vorbereitungen vollendet hatten, verließen wir Jimba und betraten, von Hoffnung getragen, die Wildnis Australiens. Das Herz manchen Mannes würde wie das unsrige geschlagen haben, wenn er uns gesehen hätte, wie wir auf unserem Weg um die erste Anhöhe jenseits der Station herumzogen, in vollem Chor ein »God save the Queen« anstimmend. Kaum eine Meile von Jimba kreuzten wir den Jimba Creek und gingen in einer NW-Richtung über die Waterloo-Ebenen ungefähr acht Meilen vorwärts, wo wir an einer Reihe Weiher unser erstes Lager aufschlugen. Charley lieferte einen Beweis seiner wunderbaren Sehkraft, indem er jeden Riemen der Packsättel, die entzweigegangen waren, im hohen Gras der Waterloo-Ebenen wiederfand.

Oktober 5. – Wir verfolgten die Lagunen-Reihe ungefähr sieben Meilen in W bei S-Richtung, die Gegend zu unserer Rechten war meist schön, vereinzelte Bricklow-Büsche mit Myal und Vitex in voller Blüte, von Lichtungen mit der reichsten Gras- und Kräuterdecke umgeben; in den Akaziengebüschen die Rebhuhntaube (Geophaps scripta) im Überfluss. Wir hörten den Gesang der Wonga-Wonga (Leucosarcia picala Gould). Enten und zwei Pelikane wurden gesehen. Eingeborene waren kurze Zeit vorher hier gewesen; eine Menge großer Unio-Muscheln, Gräten vom Codfish und Gehäuse der Frischwasser-Schildkröte zeigten, dass sie keinen Mangel an Nahrung litten. Ein kleiner Orangenbaum, ungefähr 5–8' hoch, wuchs entweder gruppenweise oder vereinzelt, eine blätterlose Staude, zu den Santalaceen gehörig, in den länglichen, niedrigen Dickichten zerstreut. Chenopadiaceen waren überall, wo der Myal wuchs, häufig. Unser Lager befand sich unter 26° 56' 11" Breite.

Oktober 7. – Indem wir der Lagunenkette westlich folgten, kamen wir nach einem Marsch von wenigen Meilen zu dem Condamine, der nordwestlich floss. Er hatte ein breites, sehr unregelmäßiges Bett und war zu jener Zeit wohl mit Wasser versorgt – ein träger Strom von gelblich weißer, trüber Farbe, hier und da mit Rohr bewachsen.

Die wohlbekannten Spuren der Eingeborenen waren überall sichtbar; so war die Rinde frisch von den Bäumen geschält, die knorrigen Stämme der Apfelbäume zu Fahrzeugen, um über das Wasser zu setzen, losgehauen, Honig ausgeschnitten; auch sah man frische in die Stämme gehauene Stufen, um jene der Opossums wegen ersteigen zu können. Das Thermometer zeigte bei Sonnenaufgang 41½ Grad Fahrenheit; aber zwischen 12 und 2 Uhr stand es im Schatten auf 80 Grad. Die Hitze war sehr groß, obschon eine leichte Brise und vorüberziehende Wolken die Macht der brennenden Sonne etwas mäßigten.

Oktober 8. – Während der Nacht hatten wir ein fürchterliches Gewitter gegen Westen mit viel Donner und Blitzen. Der Fluss lief sehr gewunden, sodass wir nicht weiter als 7 oder 8 Meilen vorwärtskamen. Das Bricklow-Gebüsch nötigte uns häufig, im Flussbett zu gehen. Schön mit Gras bewachsenes Waldland wechselte mit Bricklow- und Myal-Gebüschen ab. Der Boden ist reich, schwarz und fest. Jener der Bricklow-Büsche ist ein steifer Lehm, in dem vom Regen flache Rinnen ausgewaschen sind, den Ansiedlern unter dem Namen Melon-holes (Melonengruben) bekannt …

Oktober 11. – Gegen Nord-West weiterreisend kamen wir an ein Dickicht Zypressfichten, das die Außenseite eines Bricklow-Busches bildete. Dieser Busch war zuerst ungewöhnlich offen, und ich dachte, er würde von geringer Ausdehnung sein. Ich war jedoch sehr im Irrtum; die Bricklow-Akazie, Kasuarinen und ein verkrüppelter Teestrauch bildeten ein so undurchdringliches Dickicht, dass die Ochsen, indem sie sich einen Weg hindurch erzwangen, die Mehlsäcke zerrissen, ihre Lasten abwarfen, die Gurte zersprengten und die Geduld meiner Begleiter hart auf die Probe stellten, da diese fast fortwährend damit beschäftigt waren, eins oder das andere der unruhigen Tiere wieder zu beladen. Nachdem wir fünf Meilen darin vorgedrungen und noch ohne Aussicht auf sein Ende waren, beschloss ich, nach unserem letzten Lager zurückzukehren. Es war nicht ganz bis zum Ablauf von zwei Tagen, als wir unsere Spuren wieder betraten und die Lagune, die wir verlassen hatten, wieder erreichten. Wir hatten ungefähr 143 Pfund Mehl verloren, Herr Gilbert sein Zelt eingebüßt und seinen Flintenschaft beschädigt. In derselben Nacht begann es zu regnen, und dies dauerte den ganzen nächsten Tag fort. Der Regen kam in schweren Güssen mit Gewittern gegen Nord und Nord-West, machte den Boden sehr weich und ließ uns eine Überschwemmung befürchten, da die Lagune sehr schnell anschwoll. Unser Zelt war ein vollständiger Sumpf. Die Pferde und das Vieh waren kaum fähig zu gehen … Der Flaschenbaum (Sterculia), merkwürdig wegen einer Erweiterung seines Stammes ungefähr drei Fuß über dem Erdboden, wurde innerhalb des Busches bemerkt … Wir unterschieden während des Regens drei verschiedene Frösche, die ein sehr unharmonisches Konzert anstimmten.

Oktober 17. – Der Erdboden war zu schlüpfrig und morastig, als dass er uns gestattet hätte, gestern aufzubrechen; außerdem waren drei Pferde fort und konnten nicht wiedergefunden werden. In der letzten Nacht brachte Herr Roper drei Enten und eine Taube, womit er allen höchst willkommen war. Charley war einige Zeit sehr trotzig gewesen, wenn ich ihn nach dem Vieh ausgeschickt hatte; diesen Morgen drohte er sogar, Herrn Gilbert erschießen zu wollen. Ich entließ ihn augenblicklich aus unseren Diensten und nahm ihm all die Sachen, welche er unter der Bedingung empfangen hatte, dass er bei uns aushielte.

Oktober 18. – Gegen Abend kam Charley und bat um Verzeihung. Ich gab ihm zu verstehen, dass er besonders Herrn Gilbert beleidigt hätte. Er wendete sich deshalb an ihn, und mit dessen Übereinstimmung trat Charley wieder in unsere Dienste. John Murphy und Caleb, der amerikanische Neger, gingen nach dem Creek, den Herr Hodgson zuerst gesehen hatte. Der Creek war nicht vier Meilen weit. Sie kehrten indes nicht zurück; um neun Uhr hörten wir gegen Nord-Ost schießen. Wir antworteten durch ein gleiches Signal, aber sie kamen nicht. Ich schickte nun Herrn Hodgson und Charley ab, um sie zurückzubringen. Wenn sie ihren Pferden die Zügel hätten hängen lassen, würden diese sie ohne Zögern zurückgebracht haben; aber beide verirrten sich wahrscheinlich.

Die Lagune, die ich Kent’s Lagune nach F. Kent Esq. nannte, lag unter 26° 42' 30" Breite. Wir suchten während der hellen Mondnacht Opossums zu fangen, bekamen aber nur den gemeinen Beuteldachs.

Unsere Pferde gingen frei im Busch umher, um sich von den kleinen Fliegen, von denen sie gepeinigt wurden, zu befreien. Das Wetter war sehr schön. Während der hellen Nächte taute es sehr stark; der Morgen war kalt, das Wasser in den Lagunen 8 bis 10 Grad wärmer als die Luft.

Wir haben unsere Ladungen genau, jeden Sack Mehl zu 120 Pfund, abgewogen; deren hatten wir acht, die von vier Ochsen getragen wurden. Die Schokolade und Gelatine war uns jetzt sehr angenehm, da wir nur wenig Wildbret erlegen konnten. Die Gegend war noch immer äußerst morastig. Fußstapfen der Eingeborenen wurden überall gesehen; sie selbst aber erschienen in diesem Teil des Landes selten. Obgleich wir kein Wildbret fanden, waren die Fährten von Kängurus sehr zahlreich und deuteten auf Tiere von bedeutender Größe. Ein paar Emus wurden gesehen.

Oktober 19. – Herr Hodgson und Charley, die ich ausgeschickt hatte, John und Caleb zurückzubringen, kehrten mit einem Känguru in das Lager zurück. Ich sandte sie mit Herrn Roper unverzüglich wieder ab, um die unglücklichen Leute zu suchen, deren Abwesenheit mir die größte Besorgnis verursachte. Die Herren Roper und Gilbert hatten eine Taube und eine Ente als Tagesbeute gebracht, die uns mit dem Känguru ein gutes und erwünschtes Abendessen abgaben. Während des Abends und der Nacht wurde ein kurzes Brüllen gehört, wahrscheinlich von Kängurus herrührend, deren Herr Gilbert einige von neun Fuß Höhe gesehen zu haben erklärte. Brown brachte eine Teppichschlange sowie eine andere mit gelbem Bauch.

Herr Gilbert brachte mir von dem Ort, an dem er den Creek am 10. Oktober gekreuzt hatte, ein Stück Steinkohle. Sie kommt sowohl hier wie an der Ostseite mit Sandstein zusammen vor. Kiesel von roter Farbe waren am Creek sehr häufig und ebenso in dem Busch, den ich Flourspill (Mehlverschütter) nannte …

Oktober 20. – An diesem Morgen um neuneinhalb Uhr kehrten die Herren Roper, Hodgson und Charley mit John Murphy und Caleb zurück. Diese waren ungefähr zwölf Meilen irregegangen, ohne zuletzt selbst zu wissen, wo sie sich befanden. Ihre Spuren hatten über sieben Meilen weit geführt, bevor sie jene trafen, und sie würden unfehlbar umgekommen sein, wäre Charley nicht fähig gewesen, ihnen der Spur nach zu folgen. Es war in der Tat ein Umstand, den wir der Vorsehung verdanken mussten, dass er uns nicht verlassen hatte. Ihrer Ansicht nach ist die Gegend ganz frei, von einem schönen Creek bewässert, der in den Condamine fließt. Es ist derselbe, den wir am 10. Oktober passierten und den ich Charley’s Creek nannte.

Oktober 22. – Ich verließ gestern Kent’s Lagune. Nach einem Marsch von ungefähr drei Meilen durch offenen Wald trafen wir auf Hodgson’s Creek, an dem John Murphy und Caleb gefunden worden waren. Der Creek bestand hier aus einer dichten Kette schöner, felsiger Wasserlöcher.

An den Ufern von Hodgson’s Creek wuchs eine Dampiera mit zahlreichen blauen Blumen … Jacksonia (Dogwood, Hundeholz), die Zypressfichte mit hellem, amberfarbigem Harz; Charley brachte mir schönes, claretfarbiges Harz, und ich war erstaunt, als ich fand, dass es einer anderen Art Cullitris angehörte. Gefleckte Gummi- und Eisenrinden-Bäume bildeten den Wald; weiterhin Wasser-Gummi-Bäume (flooded gum).


Känguru (Kupferstich nach einem Gemälde von George Stubbs)

Tauben- und Mutton-Vögel sind häufig und versorgen uns mit verschiedenen Mahlzeiten; Leguane werden als große Delikatesse angesehen. Heute wurden mehrere schwarze Kängurus getroffen.

Oktober 23. – Wir setzten unsere Reise durch ein Kasuarinendickicht in nordwestlicher Richtung fort, kamen aber bald wieder in einen schönen, offenen Eisenrinden-Wald, hier und da mit dichtem Unterholz; ein Bricklow-Gebüsch zu unserer Rechten liegen lassend, gelangten wir an einen trockenen Creek mit einem tiefen Kanal, den ich wegen des hier herrschenden Überflusses von mehreren Arten Akazien den Acacia Creek nannte. Nicht eine Meile weiter kamen wir an einen zweiten Creek mit fließendem Wasser, den ich wegen einiger Jacksonia-Büsche in der vollsten Pracht ihrer gelben Blumen den Dogwood Creek (Hundeholz-Creek) nannte.

Oktober 24. – Da der Creek sumpfig war, mussten wir ihm mehrere Meilen abwärts folgen, um eine Furt zu finden. An dieser fiel ein Pferd, das den Tee trug, rückwärts ins Wasser, während es das entgegengesetzte Ufer zu ersteigen suchte, und durchnässte seine wertvolle Ladung.

Oktober 25. – … Die Ruhe der Mondnacht wird weder durch das Geschrei des Opossums und fliegender Eichhörnchen, noch durch den monotonen Ruf des Spottvogels und der kleinen Eule unterbrochen; auch der heimische Hund umheult während des kühlen Morgens unser Lager nicht. Das Heimchen allein zirpt längs der Wassergräben, und der melodische Ruf eines unbekannten Vogels, ähnlich wie »Gluck, Gluck« klingend, viele Male wiederholt und mit einem Triller endigend, wie das melancholische Klagen des Brachvogels, werden im nächsten Busch gehört.

Oktober 26. – Unsere Reise wurde fortgesetzt. Auf der anderen Seite des Tals sahen wir entfernt Bergreihen gegen Nord-West und Nord. Der Busch war hin und wieder offener. Schöne große Flaschenbäume traten auf. Das junge Holz derselben, das zwischen seinen Fasern eine bedeutende Menge Stärkemehl enthält, wurde von unseren Reisemitgliedern häufig gekaut. Fusanus war häufig und voller Früchte; diese, von der Größe eines kleinen Apfels, liefern, wenn vollkommen reif und abgefallen, eine sehr angenehme Speise.

Die Fleischschicht, die den dicken rauen Kern umgibt, ist indes sehr dünn.

Oktober 28. – … Die blaue Brunonia war sehr häufig, das Gras fünf Fuß hoch, in voller Frucht, gleich einem Getreidefeld wogend. Der Boden ist indes sandig und locker …

HODGSON UND CALEB GEHEN NACH MORETON-BAY ZURÜCK

November 3. – In der vergangenen Woche war es während des Tages drückend heiß, dagegen in der Nacht öfter außerordentlich kalt gewesen. Zwei oder drei Stunden vor der Dämmerung und eine Stunde nach Sonnenuntergang war es gewöhnlich angenehm, besonders innerhalb des Wirkungskreises eines lustigen Zypressfichten-Feuers, das die Luft mit dem angenehmen Duft des brennenden Harzes erfüllte.

Jetzt war es mir auf eine schmerzliche Weise klar geworden, dass ich in meinen Berechnungen zu sanguinisch gewesen war, wenn ich hoffte, stets eine hinreichende Menge Wildbret zu finden, um meine Begleiter mit animaler Kost versorgen zu können, und dass der Mangel desselben unsere Mittel und Kräfte sehr beeinträchtigen musste. Auch waren wir genötigt gewesen, eine bedeutendere Menge von unserem Mehl zu gebrauchen, als ich es wohl gewünscht hätte, und ich sah klar, dass meine Reisegesellschaft, die ich bei meiner Ankunft in Moreton-Bay nur mit Widerwillen vergrößert hatte, für unsere Vorräte zu bedeutend war. Ich eröffnete deshalb meinen Begleitern, dass es absolute Notwendigkeit sei, unsere Zahl zu verringern. Alle schienen indes gleiches Verlangen zu tragen, die Reise fortzusetzen; deswegen war es billig, dass die, die sich zuletzt uns angeschlossen, uns verließen. Herr Gilbert jedoch, der dieser Anordnung zufolge hätte zurücktreten müssen, fand einen Ersatzmann in Herrn Hodgson, der wohl unter den anhaltenden Beschwerden am meisten gelitten hatte, sodass er und Caleb, der amerikanische Neger, sich auf ihre Rückkehr nach Moreton-Bay vorbereiteten. Zuvor unterstützten sie uns jedoch beim Schlachten eines Ochsen, dessen Fleisch wir in Streifen schnitten und an der Sonne trockneten. Dieser unser erster Versuch, von dessen Gelingen der Erfolg unserer Reise abhing, erhielt uns während seines Verlaufs in einem Zustand der größten Aufregung. Es glückte indes zu unserer großen Freude und flößte uns Vertrauen für die Zukunft ein. Der kleine Stier gab uns 65 Pfund getrocknetes Fleisch und ungefähr 15 Pfund Talg. Die Operation schloss damit, dass wir unseren Gefährten Lebewohl sagten, und obgleich unser Besitztum um zwei Pferde vermindert wurde, überließ uns Herr Hodgson den größten Teil seiner eigenen Vorräte. Die tägliche Ration der Gesellschaft wurde nun auf vier Pfund Mehl mit drei Pfund trockenen Fleisches festgesetzt, was wir vollkommen hinreichend fanden, uns unsere Kräfte zu bewahren.

Sooft es notwendig war, einige Zeit an einem Ort zu bleiben, verursachten uns unsere Ochsen und Pferde große Unruhe; sie wollten beständig in der Richtung, aus der wir gekommen, zurück, und häufig mussten wir sie fünf, sieben, ja selbst zehn Meilen weit wiederholen.

Am 30. Oktober wurden wir aus dem Busch von Eingeborenen angerufen; aber mit einer Ausnahme ließen sie sich nicht blicken. Dieser Mann kannte einige englische Worte und sprach den Dialekt der Darling-Dünen. Er schien mit der Gegend um Jimba bekannt zu sein und bat um die Erlaubnis, in unser Lager kommen zu dürfen. Diese gab ich ihm indes nicht. Sie liefen, als sie uns unsere Gewehre ergreifen und zwei Pferde aus dem Lager bringen sahen, in den Busch zurück.

Am 3. November besuchten sie uns wieder und unterhielten sich mit uns auf sehr freundschaftliche Weise, zeigten uns in einem der nächsten Baumstämme Honig, unterstützten uns beim Ausschneiden desselben, aßen auch etwas davon und baten uns um Tabak. Es war uns indes nicht möglich, ihnen Geschenke zu machen, da wir in jeder Hinsicht sparsam sein mussten. Besonders bewunderten sie unsere roten Decken. Beim Erblicken eines Degens wurden sie von Schrecken ergriffen und baten zitternd, ihn in die Scheide zu stecken. Sie erstaunten über das Ticken der Uhr und die Bewegung ihrer Räder. Größtenteils waren es junge Männer von freundlicher Gemütsart und gefälligem Äußeren. Die Kinder blieben in einiger Entfernung; Frauen sah ich nur zwei.


Ein Eingeborener

Ihren Angaben zufolge erstreckt sich der Busch bis zu dem Condamine.

Der Busch war in allen Richtungen von Spuren der Kängurus durchkreuzt, von denen wir indes keines zu Gesicht bekommen konnten.

Zur Erinnerung an unsere Beschäftigung nannte ich den Creek Dried Beef Creek.

November 5. – Nahe an unserem Lager bemerkten wir das Grab eines Eingeborenen. Es war ein einfacher, konischer Sandhügel, der über dem von den Wilden wahrscheinlich in einer hockenden Stellung zusammengedrückten Leichnam errichtet war. Da es aber unser Zweck und Vorteil erheischten, ruhig und ohne den Eingeborenen zu Ärgernissen Anlass zu geben, zu reisen, zerstörten wir es nicht. Bemerkenswert ist es indes, dass wir während unserer ganzen Reise mit Ausnahme eines Schädels, den ich in einem späteren Abschnitt erwähnen werde, nie wieder Gräber oder auch nur Überreste von Schwarzen antrafen. In der Nachbarschaft unseres Lagers befanden sich mehrere isolierte konische Hügel.

November 6. – Die Anordnung, nach der unsere Ladungen verpackt waren, setzte mich in den Stand, stets einen meiner Begleiter, dem es besonders viel daran lag, reiten zu lassen. Im Sommer, als es regelmäßig schön war und kein Gewitter die Atmosphäre abkühlte, wurden, als wir den Condamine verließen, die Beschwerden des Wanderns während des Tages sehr drückend. Von Jimba waren wir mit wenigen unbeladenen Pferden aufgebrochen, die uns nur erlaubten, abwechselnd zu reiten; als sich aber der Bestand unserer Vorräte nach und nach verringerte, bestieg einer nach dem anderen sein Pferd, und an diesem Tag hatte ich die Freude, jeden von uns beritten zu sehen.


Feuerbestattung

Wir setzten längs des Flusstals ungefähr zehn Meilen unsere Reise fort. Buchsbaum- und Apfelbaum-Ebenen lagen zu beiden Seiten des Creeks, der nun die Bezeichnung ›Fluss‹ verdiente und von mir Dawson genannt wurde, in Anerkennung der freundlichen Unterstützung, die ich von R. Dawson Esq. erhalten hatte.

November 7. – Die Gegend war außerordentlich schön, das Tal von zwei oder drei Meilen Breite mit üppigem Gras, hier und da mit Apfelbäumen, Wassergummi und Bastard-Buchsbäumen bewachsen.

Wild war sehr zahlreich. Herr Gilbert trieb ein großes Känguru auf, eins von denen unter dem Namen »Alter Mann« bekannt, das in einem Wasserloch Zuflucht suchte und dort erlegt wurde, leider aber mit dem Verlust von zwei oder drei Känguruhunden, die tödlich verwundet worden waren. Als wir uns zum Mittagessen gesetzt hatten, kam ein halb ausgewachsener Emu langsam auf uns zu, als habe er wissen wollen, was wir an seinem einsamen Aufenthaltsort zu tun hätten. Unglücklicherweise wurde er durch das Bellen unseres kleinen Dachshundes erschreckt und entkam in das nächste Dickicht.

November 8. – Wir folgten dem Dawson abwärts. Vielleicht vier Meilen von unserem Lager vereinigte er sich von Nord-Ost her mit einer Reihe Weiher. In der Regenzeit ist wahrscheinlich das ganze Tal mit Wasser bedeckt. Wir bemerkten oft die Zeichen der von den Bergen herabfließenden Ströme.

November 10. – Der Fluss teilte sich in einzelne Arme, die mit den seichten Gräben der von den Hügeln hier und da herabkommenden Ströme das ganze Tal mit einem Gewirr von Kanälen durchzogen, aus dem wir uns nur mit der größten Schwierigkeit herauswinden konnten. »Einen solchen Fluss habe ich in meinem Leben noch nie gesehen«, sagte mein schwarzer Charley.

In der Lagune wurden große Fische bemerkt. Muscheln waren immer häufig. Die Gunyas der Eingeborenen sahen wir überall, obgleich sich kein solcher zeigte … Hier war es, wo ich auf den dürren Hügeln zum ersten Mal eine Bauhinia entweder als Strauch oder als kleinen dicht belaubten Baum mit gespreizten Ästen antraf. Ihre Schoten waren flach, von abgestumpfter Form, fast einen Zoll breit und drei bis vier Zoll lang …

Bis zum 14. November folgten wir dem Dawson abwärts … Ich machte es zur unabänderlichen Gewohnheit, das Fleisch, das nach dem Verbrauch der Tageskost übrig geblieben war, zu trocknen. Es trug viel dazu bei, unser vorrätiges Fleisch zu schonen und das Leben unserer Ochsen zu verlängern. Die größte Sparsamkeit war notwendig, denn wir waren beständig Verlusten ausgesetzt, welche durch die Ochsen, die ihre Lasten abwarfen, veranlasst wurden – ein in jener Zeit häufig vorkommender Unfall und Folge der Unruhe der durch Stiche der Hornissen gereizten Tiere, die eine Wiedervergeltung der Beschädigungen waren, die ihren an den Ästen hängenden Nestern von den darunter hinweggehenden Ochsen häufig zugefügt wurden.

November 14. – … Das behagliche Gefühl, das mich überkam, wenn ich aus einem Bricklow-Busch, der noch unentwirrbarer war als gewöhnlich, heraustrat und das frische Grün des Sumpflandes, das einen kleinen See umgab, um den rings umher die einheimischen Reiher einherstolzierten, mit Schwärmen in seinem Wasser spielender Enten, im Hintergrund von offenem Wald begrenzt, in welchem die edle Corypha-Palme sich auszeichnete, sich plötzlich meinen Blicken darbot – war ebenso unbegrenzt wie unbeschreiblich. Voller Freude kehrte ich zu dem Lager zurück, um die ganze Gesellschaft vorwärts zu bringen, was jedoch nicht ohne bedeutende Mühe bewerkstelligt werden konnte. Meiner Berechnung nach kreuzte ich Gilbert’s Range, die Berge, die nach meinem Begleiter Gilbert benannt waren. Das Tal des Palm Creek erstreckte sich ungefähr neunzehn Meilen von West nach Ost. Die Gebirgsketten, die es gegen Süd begrenzten, nannte ich nach meinem Freund R. Lynd Esq. Lynd Range.

November 17. – Die schöne Wasserstelle, die ich für unser Lager auswählte, war nicht nur von herrlichen Corypha-Palmen und blühenden Gummibäumen beschattet, sondern der hängende Callistemon, die Creek-Melaleuca und die Casuarina verliehen ihm den Charakter der Flüsse und Creeks des Moreton Bay Districts. In der Wasserstelle befanden sich Judenfische und Aale im Überfluss; von den Letzteren erhielten wir eine gute Mahlzeit und trockneten noch drei andere, die sich sehr gut aufbewahren ließen … Die Krone der Corypha-Palme schmeckte sowohl in heißer Asche gebacken als auch roh gut. In der Nähe der Sümpfe des Palm Creek bemerkte ich ein Gras, dessen Ähre den größten Samen hatte, den ich je bei einem Gras traf. Auch meine Schwarzen waren über seine merkwürdige Größe erstaunt.

November 18. – … Während des Abends und des ersten Teils der Nacht wurden wir von Sandfliegen und Moskitos sehr belästigt und geplagt. Aber die helle Nacht wurde so kalt, dass diese Hauptfriedensstörer des angenehmen Buschlebens bald erstarrten.

November 20. – … Wir betraten nun eine gebirgige Gegend. Die Ufer des Flusses waren zuweilen sehr steil und von schmalen Spalten unterbrochen, die das Vorwärtskommen langsam und schwierig machten. Der Weg wand sich durch enge Täler und Gebirgsanhöhen, deren Abhang sehr steil und gefahrdrohend war … Sehr lästig war der Überfluss von Stechgras, das sich an unsere Kleider und Decken anheftete und selbst in die Haut drang.

Dem Anschein nach waren die ersten Erhebungen der Gebirge ein beliebter Versammlungsort der schwarzen Eingeborenen. Die Überreste jüngst abgehaltener Mahlzeiten von Muscheln waren an den großen Wasserlöchern herum zerstreut, und als ich ein Lager traf, das erst kürzlich verlassen worden war, fand ich unter wenigen Stücken Rinde vier schöne Kängurunetze, aus der Rinde der Sterculia verfertigt, ebenso einige Bündel Stöcke, die gebraucht wurden, jene aufzuspannen. Da ich an Schnüren den größten Mangel litt, nahm ich zwei dieser Netze und ließ einen Degen mit schön poliertem Messinggriff, vier Fischangeln und ein seidenes Tuch dafür zurück, worüber sie, wie ich überzeugt war, ebenso erfreut sein würden, wie ich über ihre Netze …


Tal des Mitta-Mitta (Gemälde von Eugène de Guérard)

Bis vor Kurzem hatten wir alle heftig an der Diarrhö gelitten, deren Ursache ich mir auf keine andere Weise erklären konnte, als dass ich sie dem Wechsel der Diät zuschrieb. Leguane, Opossums und Vögel aller Art, die früher mit Freuden für unsere Schmortöpfe bestimmt worden waren, wurden jetzt nicht genommen. Vom getrockneten Kängurufleisch, sonst für uns ein Leckerbissen, aßen wir nur, nachdem es lange genug gekocht war, die ausgezeichnete Brühe, an die wir gewöhnlich ein wenig Mehl taten.

Einer unserer Ochsen hatte einen Mehlsack zerrissen, und dadurch waren ungefähr fünfzehn Pfund seines Inhaltes auf dem Boden zerstreut. Wir gingen alle daran, so viel wie möglich davon aufzuschaben, wozu wir trockene Gummiblätter als Löffel zum Zusammenbringen gebrauchten. Wir sammelten ungefähr sechs Pfund davon, das mit trockenen Blättern und Staub ziemlich vermischt war, und kochten daraus eine Suppe – ein Gericht, nachdem etwas Gelatine hinzugefügt war, das jeder von uns sehr gern aß … Die Trichterameise gräbt ein perpendikuläres Loch in den Erdboden und umgibt die Öffnung mit einem erhabenen, nach außen wie ein Trichter schräg in die Höhe gehendem Rand. Die Gegenwart dieser Insekten zeigte gewöhnlich weichen, lockeren Boden an, in welchem Pferde und Ochsen bis über die Fußgelenke versanken … Große Hornissen von glänzend gelber Farbe mit einigen schwarzen Zeichen bauten ihre Papiernester an die Baumzweige oder hängten sie an die trockenen Äste. Die meisten von uns waren mehrmals von ihnen heftig gestochen worden. Wenn wir sie in der Nähe unseres Lagers fanden, töteten wir sie gewöhnlich, indem wir schnell ein Feuer von trockenem Gras unter ihnen anzündeten.

November 25. – … Auf meinem Ausflug kreuzte ich den bedeutendsten Arm von Robinson’s Creek und fand die Gräben seines rechten Ufers ebenso steil und unübersteiglich wie die des linken. Wasser war sehr selten. Die ganze Gegend besteht aus fein geädertem Sandstein … Zum Abendbrot für jeden eine schöne Taube, ein seltener Fall während unserer Reise.

November 27. – Während der Nacht ein Gewitter, das indes an der anderen Seite der Gebirgskette vorüberzog. Nach einem kurzen Windstoß bekamen wir einige leichte Regenschauer, durch das unsere Beschäftigung, Kängurufleisch zu trocknen, nicht unterbrochen wurde …

Unsere Reise fortsetzend, genossen wir von der äußersten Spitze der Berge eine sehr schöne und ausgedehnte Aussicht. Gebirgsreihen mit ausgedehnten Peaks, Kuppen und steilen Felswänden erstreckten sich in verschiedener Entfernung von West nach Nord-Nord-West. Die entfernteste Kette war besonders auffallend und imposant. Ich nannte sie die Expedition’s Range. Einem schön geformten Berg unter N 68° W gab ich den Namen Nicholson zu Ehren des Dr. Charles Nicholson, der zuerst die Idee einer Land-Expedition nach Port Essington bei dem gesetzgebenden Council von Neu-Süd-Wales angeregt hatte.

… Darauf stiegen wir unter großen Schwierigkeiten in das breite Tal hinab, das von beiden Seiten durch schöne Abhänge und Bergrücken, offen mit silberblättrigen Iron-bark-(Eisenrinden-) Bäumen bestanden, eingeschlossen war … Wir beschäftigten uns damit, Fett von dem erlegten Emu zu gewinnen. Es war von gelber Farbe und sehr gut zu gebrauchen, die Schlösser unserer Feuergewehre einzuschmieren. Es wird als antirheumatisches Mittel angesehen, als welches ich es zuweilen benutzte.

WEIHNACHT IM BUSCH

Dezember 1. – … Auf meinem Rückweg geriet ich in ein neues System Gräben, südlich von dem Creek, den ich verlassen hatte, und östlich von dem, an dem sich unser Lager befand, und den ich den Creek of the ruined castles genannt hatte, weil hohe Sandsteinfelsen – zerspalten und zerklüftet gleich Pfeilern, Wällen und hohen Bogen der Burgruinen in Deutschland – auf den breiten und sandigen Gipfeln einiger Hügel zu beiden Seiten des Tals sich erhoben … Ich brach mit Herrn Gilbert am 2. Dezember auf. Unsere Bewunderung stieg mit jedem Schritt, den wir im Tal vorwärts taten. Das ganze System der Creeks und Gräben müsste sich ausgezeichnet für eine Niederlassung zur Viehzucht eignen. Mit Ausnahme der schmalen Schlucht, durch welche der bedeutendste Creek fließt, ist es überall von unübersteigbaren Felsen umgeben. Schönes Gras, Überfluss an Wasser im niederen Teil des Creeks und Nutzholz vereinigen sich, diesen Ort zu jenem Zweck zu empfehlen. Nachdem wir einen felsigen Bergrücken, mit geflecktem Gummi bestanden, erstiegen hatten, von dem die merkwürdigen Gestaltungen des Landes rund um uns – der flachgipfelige Bergwall, die isolierten Säulen, die immensen Massen auf den Berggipfeln aufgetürmter Trümmer – sichtbar waren, gingen wir einen Abhang mit silberblättrigen Eisenrinden-Bäumen hinab und kamen an eine Kette von Wasserlöchern, die nach Osten abflossen … In nordwestlicher Richtung unsere Reise fortsetzend, waren wir gezwungen, mit unserem alten Feind, dem silberblättrigen Bricklow und einer stachligen Akazie mit gefiederten Blättern zu streiten.

Die merkwürdigste Form der Vegetation war jedoch eine baumartige Zamia mit einem Stamm von sieben bis acht und zehn Fuß Höhe und ungefähr neun Zoll Durchmesser, mit länglichen Zapfen, die jetzt noch nicht reif waren. In der Folge des häufigen Vorkommens dieser Pflanze nannte ich den Creek Zamia Creek. Auf den Fette-Hennen-Ebenen, über die wir kamen, indem wir dem Lauf des Zamia Creek folgten, fand ich zu meinem Erstaunen Erythrina, die ich gewöhnlich nur in den Creeks und an den Dickichten der Gebirgsausläufer in der Nähe der Seeküste gefunden hatte. Bei meiner Rückkehr zu dem Lager fand ich, dass die Gesellschaft Ausflüge gemacht, um Kängurus zu schießen, und auch drei gebracht hatte. Das fliegende Eichhorn wurde geschossen.

Wir hielten uns an dem Burgruinen-Creek länger auf, in der Absicht mehr Kängurus zu bekommen. Herr Gilbert und alle unsere guten Schützen gingen, ihr Glück zu versuchen. Es gelang ihnen, sieben zu erlegen.

Dezember 5. – Ich wendete mich mit meiner ganzen Gesellschaft nach dem Zamia Creek. Wir trafen bald ein schönes, rohrbewachsenes Wasserloch, das Schwärme kleiner Finken umflatterten. Die Nacht war trübe, der Morgen sehr schön und der Tag äußerst heiß.

Dezember 6. – … Die Pferde waren nach dem Burgruinen-Creek ungefähr 21 Meilen weit zurückgegangen, sowie die Ochsen zu unserem letzten Lager, dass Charleys Aussage nach Schwarze besucht und augenscheinlich aufs Genaueste untersucht hatten. Es war klar, dass sie uns beobachteten, obgleich sie sich nie zeigten.

Dezember 7. – … Während ich mich dazu vorbereitete, in der Umgebung zu rekognoszieren, kam Charley, den ich nach meinem Pferd geschickt hatte, in vollem Lauf zurück und brachte die Nachricht, dass die Wilden unsere Pferde mit Spießen erstochen hätten. Glücklicherweise waren die Herren Gilbert und Calvert gerade zurückgekehrt. Daher bestiegen drei von uns ihre Pferde und eilten, die Übrigen von der Gesellschaft zum Bewachen des Lagers zurücklassend, nach dem Ort, wo Charley die Schwarzen gesehen hatte. Wir fanden, dass eins unserer Pferde eine tiefe Wunde in die Schulter erhalten hatte; glücklicherweise waren aber die anderen unverletzt und grasten ruhig. Charley sah nur zwei Schwarze sich in den Busch zurückziehen, hatte aber eine große Menge derselben bemerkt, als er zu dem Platz kam. Dieses Ereignis gab uns die Notwendigkeit zu erkennen, stets wachsam zu sein, wenn wir vermuteten, dass Schwarze in unserer Nähe wären …

Der Himmel war von einem schwachen Dunst überzogen, der durch häufige Buschfeuer verursacht wurde. Wir freuten uns auf keine Mahlzeit so sehr wie auf den Tee und das kalte Frühstück zwischen zwölf und zwei Uhr beim Lagern.

Die ganze Vegetation schien die Hitze einer meist senkrecht niederstrahlenden Sonne zu empfinden. Von neun Uhr an war es sehr heiß bis um elf, um welche Zeit sich eine kühlende, nördliche Brise erhob.

Dezember 10. – Von Charley begleitet ging ich, einen Weg über die Berge zu suchen … Es war dies ein schönes Tal, eine flache Gegend mit Ebenen, isolierten lang gezogenen Hügeln, in weiterer Entfernung von Bergreihen abgegrenzt, deren höchste Punkte 77° O und 76° W liegen. Da ich hoffte, sie zur Weihnachtszeit zu erreichen, nannte ich sie Christmas Ranges … Nach einem ermüdenden Ritt war ich glücklich genug, die Quelle des Creeks zu treffen, an der unsere Gesellschaft lagerte. Der Knall einer Büchse brachte mir die angenehme Gewissheit, dass unser Lager nicht sehr entfernt war. Mein schwarzer Begleiter verließ mich an der Gebirgskette, wie er es bereits früher bei ähnlichen Gelegenheiten getan hatte, und es war zu augenscheinlich, dass ich in Zeiten der Gefahr und bei Schwierigkeiten nicht auf ihn zählen konnte. In dem Busch am Gebirge fanden wir fünf bis sechs neu erbaute Hütten von Eingeborenen. Diese waren wahrscheinlich hierhergekommen, um Honig zu suchen und kleine Fels-Kängurus zu fangen, die in den Sandsteinschluchten sehr häufig waren. In dem Graben, den ich herabgekommen war, fand sich ein Strauch mit dunkelgrünen Blättern und roten Beeren, ein oder zwei Samen enthaltend, ziemlich häufig. Die Beeren waren von der Größe einer Kirsche und sehr schmackhaft. Der schuppige Stamm der Zamia bog sich vor dem Wind bis zur Erde, um darauf seine schöne Krone wieder zu erheben.

Dezember 12. – … Unser Fleisch war ganz aufgezehrt, aber wir wünschten unsere Ochsen für das Weihnachtsfest zu behalten, das für jeden von uns so innig mit Erinnerungen an glückliche Tage und erlebte Vergnügen verknüpft war, dass ich beschlossen hatte, das nahende Fest so lustig, wie es uns die Umstände gestatteten, zu begehen. Dieser Bestimmung zufolge ließ sich ein jeder mit schmaler Kost begnügen und suchte Wildbret zu beschaffen.

Dezember 15. – … Charley kehrte mit dem umherstreifenden Vieh sehr spät zurück und berichtete, dass er den Rauch von Feuern der Eingeborenen längs der westlichen Gebirgskette gesehen hätte. Dies war eine willkommene Nachricht, da wir von früher wussten, dass ihre Gegenwart das Dasein einer schönen Gegend anzeigte. Gestern hatten wir eine große Menge reifer Limonen gesammelt, von denen wir, da es ein Sonntag war, beabsichtigten, eine Torte zu bereiten. Da aber meine Begleiter abwesend waren, wurde der Schmaus bis zu ihrer Rückkehr am Montagmorgen aufgeschoben, an dem wir sie zu einem Gericht sehr ähnlich einer Stachelbeerkaltschale verwendeten.

Die Reihen Wasserstellen im Busch waren mit steifem Sterngras bedeckt, das eine große Menge von der Spitze des Stängels sich erhebender Ähren hatte. Charley tötete eine Diamantschlange, größer als wir je zuvor eine gesehen hatten. Er benutzte nur das Fett, wovon eine merkwürdige Menge in ihr enthalten war. Die Leguane hatten eine schwach bläuliche Färbung um den Kopf wie im Nacken.

Dezember 18. – Unter sehr großen Schwierigkeiten brachten wir das Vieh und unsere Pferde zusammen. Einen der Packochsen, der sich im Busch verlaufen hatte, konnten wir aber nicht finden. Der ungünstigen Lage unseres Ruheplatzes wegen waren wir genötigt, ihn preiszugeben. Die alten Ochsen kümmerten sich, wenn sie müde waren, sehr wenig um Gesellschaft und zogen sich gern an eine einsame Stelle zurück, wo sich gutes Futter und Gras fanden. Häufig, wenn wir das Ende einer Station erreichten, wurden wir durch ein Gewitter aus Süden überrascht, dem ein anderes aus Westen mit viel Regen folgte. Dies war der erste starke Regen, dem wir während der Tagereise ausgesetzt waren, während Gewitter meist erst nach vier Uhr aufzogen, zu welcher Zeit wir uns gewöhnlich unter unseren Zelten in Sicherheit befanden.

Die schönen Lagunen, die ich nach ihrem Entdecker Brown’s Lagunen nannte, und das gute Futter in ihrer Umgebung veranlassten mich, hier in der Absicht zu bleiben, den fetten Ochsen, den uns Herr Isaacs gegeben hatte, zu schlachten, um ihn wie den Charqui der Amerikaner zu trocknen, anstatt damit bis Weihnachten zu warten, wie wir es ursprünglich beabsichtigten, besonders da wir mit dem Charakter der Gegend vor uns nicht bekannt waren. Demgemäß wurde der Ochse am 18. um fünf Uhr morgens geschlachtet und in dünne Streifen geschnitten, die vor Einbruch der Nacht durch die starke Hitze der beinahe senkrecht herniederstrahlenden Sonne ziemlich getrocknet waren. Wir freuten uns bei dieser Gelegenheit sehr und verspeisten verschwenderischerweise die Leber zum Frühstück, das gefüllte Herz zu Mittag und ein schönes Stück und die Nieren zum Abendbrot. Wer lange Zeit wie wir von so geringer Kost gelebt hat, wird begreifen, mit welch epikuräischer Lust die Mahle gehalten wurden.

Dezember 19. – Wir beendigten unsere Arbeit, indem wir den Talg schmolzen, womit wir unsere Sättel, Zügel und das Ledergeschirr tüchtig einschmierten. Am Vormittag kehrten Calvert und Charley, die nach dem Ochsen ausgesandt worden waren, mit diesem zurück. Sie hatten ihn in einem Bricklow-Wäldchen, in der Nähe einer Wasserlache, ruhig kauend gefunden.

Dezember 21. – Da unser Fleisch noch nicht ganz trocken war, hielt ich es für ratsam, einen Tag länger zu bleiben, der dadurch sehr nützlich angewandt wurde, dass wir den Talg in Säcke verpackten, die aus der Haut des Tieres verfertigt worden waren.

Dezember 22. – Wir legten heute ungefähr fünf Meilen zurück und schlugen unser Lager an dem Creek auf, an dem wir die Hütten der Eingeborenen gesehen hatten. Ich machte mit Charley Ausflüge und fand, dass der Creek bald von Busch umgeben war. Der Busch wurde umso dichter, je mehr er sich dem Fuß der Gebirge näherte. Diesen Erscheinungen nach beschloss ich, meine Gesellschaft wieder nach Brown’s Lagune zurückzuschicken, während ich mit Herrn Calvert und Brown die Ausdehnung des Busches, in den wir verstrickt waren, ermitteln wollte.

Dezember 23. – Während der Nacht hatten wir ein schreckliches Gewitter gegen Süd mit heftigem Regen, der bis nach Mitternacht anhielt und dem ein Orkan aus Ost folgte. Wir beobachteten einen merkwürdigen Meteor von schöner bläulicher Farbe, beinahe parallel mit den Gewitterwolken schwebend.

Die Laube des Kragenwürgers wurde im Busch gesehen. Sie ist von trockenem Gras gemacht, seine Gänge waren an einem Ende mit Schneckenhäusern und Feuersteinen bestreut, die von dem Vogel mit großem Fleiß gesammelt sein mussten, deren Zweck wir indes nicht erraten konnten.

Der Creek, dem wir abwärts folgten, verschwand fast ganz, aber fünf Meilen weiter wurde sein Kanal wieder so tief wie vorher und vereinigte sich mit einigen von den Weihnachtsbergen kommenden Gräben … Hier begann die Gegend in großen Buchsbaum-Ebenen, die sich zu beiden Seiten ausdehnten, offener zu werden. Ein wenig weiter kamen wir an Anhöhen der Basaltformation.

Dezember 24. – Wir kehrten nach dem Lager zurück, hielten uns aber aus Unachtsamkeit zu weit östlich. Hier durchdrangen wir einen ausgedehnten Myal-Wald, den schönsten, den ich je gesehen hatte, mit Hainen der einheimischen Orange untermischt, von denen einige stets so viel Früchte trugen, um uns einige Erfrischung zu bieten. Auch Reihen von Wasserlöchern kreuzten wir, die kürzlich ein Gewitterregen gefüllt und Tausende von Fröschen ins Leben gerufen hatte, die durch ein unaufhörliches Quaken ihre Zufriedenheit mit diesem angenehmen Wechsel kundgaben.

Dezember 25. – Wir kehrten zu Brown’s Lagunen zurück und trafen bei unserem Lager gerade ein, als sich unsere Gefährten zu einem Mahl von Pudding und gedämpftem Kakadu niedergesetzt hatten. Der Tag war trübe und schwül.

Am heiligen Weihnachts-Abend hatten wir ein heftiges Gewitter gehabt.

Dezember 26.–27. – … Um zehn Uhr hellte es sich auf, und wir benutzten die vier Stunden schönen Wetters zum Reisen … Obgleich wir unsere Pferde mit Steig- und anderen Riemen gekoppelt hatten, waren sie doch während der Nacht in der offenen Gegend umhergestreift, auf der sie sich voneinander getrennt hatten, um Futter zu suchen, sodass es drei Stunden wegnahm, bis Charley den größten Teil derselben fand.

Dezember 28. – Wir kamen über die Buchsbaumebene, bis wir den freien Basaltrücken erreichten, längs dessen Fuß wir uns hielten … Das sandige Bett des Creeks war ganz trocken, und wir mussten nach einem langen und beschwerlichen Marsch ohne Wasser unser Lager aufschlagen, bekamen auch kein heftiges Gewitter, das uns damit versorgt hätte. Wir fingen das Regenwasser, das von unseren Decken träufelte, in den Pfannen auf.

Das Gewitter war vorüber und die Sonne untergegangen, als Brown, mein schwarzer Begleiter, plötzlich die Decke, unter der wir saßen, zurückwarf und mir am westlichen Himmel einen Kometen zeigte. Ich erfuhr später, dass dieser Komet schon vor dem 1. Dezember beobachtet worden war. Aber das ununterbrochene Reisen im hohen Wald hatte uns gehindert, ihn früher zu sehen. Der Creek erhielt den Namen Comet Creek.

Dezember 29. – … An dem Creek wachsend sahen wir einen kleinen rotblättrigen Feigenbaum und die einheimische Portulaca. Diese gab einen ausgezeichneten Salat, war aber viel herber, als ich sie in anderen Teilen der Gegend gefunden hatte. Die Melone wuchs auch hier. Während unserer Rückkehr zum Lager wehte aus Süd-West ein heißer Wind über die Albinia-Dünen, deren bedeutende Ausdehnung die Ursache der hohen Temperaturen hinreichend erklärte. Das einzige Thermometer, das ich besessen hatte, war unglücklicherweise bald nach unserer Abreise zerbrochen. Dieser Verlust wurde auf der ganzen Reise von mir hart empfunden.

Dezember 30. – Unsere Jäger erlegten auf den Albinia-Dünen zehn Emus und ein Känguru. Aber die moorige Beschaffenheit des Bodens verhinderte, sie zu erlangen. Qual genug für unseren hungrigen Magen!

Dezember 31. – … Brown begleitete mich zum Erforschen der Gegend. Wir waren kaum zwei Meilen längs des Creeks gekommen, als meine Aufmerksamkeit durch die Trümmer einer Hütte angezogen wurde, die aus einer aufgerichteten Stange und zwei gabeligen, ungefähr sechs Fuß hohen Pfählen bestanden, beides mit einem scharfen, eisernen Tomahawk gehauen. Keiner von uns zweifelte, dass dies das Werk eines weißen Mannes war, wahrscheinlich eines Flüchtlings aus der (Straf-)Kolonie von Moreton-Bay … Indem wir uns wenige Meilen weiter um eine Krümmung des Creeks wendeten, sahen wir eine Säule dichten Rauches von seinem linken Ufer an einer schönen Wasserstelle aufsteigen. Es war augenscheinlich, dass ein Lager der Eingeborenen vor uns lag. Wir wurden von einem Wilden sehr bald entdeckt, der, indem er uns einen Augenblick angestarrt hatte, einen Schrei ähnlich den Worten: »Weißer Mann! Weißer Mann!« ausstieß und eilig davonlief, indem ihm die ganze Gesellschaft folgte. Wir gingen darauf zum Lager und fanden ihr Mahl, aus zwei Eiern der Talegalla, gerösteten Opossums, Beuteldachsen und Leguanen bestehend. In ihren Dillis (kleinen Körben) befanden sich einige Wurzeln oder Knollen von länglicher Form, ungefähr einen Zoll lang und einen halben Zoll dick, die, wenngleich ungekocht, von angenehmem Geschmack und gleichem Geruch waren. Auch Tonkugeln als Schmuck für sich selbst waren darin. Hübsche Opossum-Mäntel, Kängurunetze, Dillis, aus Koorajong-Rinde nett geflochten, lagen umhergestreut, ebenso einige Lanzen aus Bricklow-Akazien-Holz verfertigt. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, die Eier zu kosten und fand sie ausgezeichnet. Brown glaubte, dass einer von ihnen wie ein Mulatte ausgesehen hätte, und da sie uns etwas zugerufen hatten, was wie »Weißer Mann« klang, war ich überzeugt, dass entweder ein Weißer bei ihnen sei oder ganz vor Kurzem unter ihnen gelebt hatte.

Бесплатный фрагмент закончился.

1 801,05 ₽