Читать книгу: «Die Kunst des Seins»

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Inhaltsverzeichnis

Copyright

Auf ein Wort

Teil 1

Die elementaren Geistigen Gesetze

Schritte zur Erleuchtung

Das Bewusstsein

Die Bewusstseins-Pyramide

Wie konnte das alles passieren?

Von welchem Baum darf man essen?

Die Last, die wir tragen

Über Pro-bleme

Über Ordnungen

Über Glaubenssätze

Über den Sinn von Krankheit

Über die Macht des Zufalls

Eine Welt voller Spiegel

Akzeptanz ist der Schlüssel

Vom Richter zum Schöpfer

Teil 2

Vom Homo consumens zum Homo sapiens

Frauen und Männer

Beziehungen

Von Prinzessinnen und Fröschen

Wenn die ›Liebe‹ geht

Geld und Berufung

Terror am Arbeitsplatz

Information oder Programm?

Mentales Training

Selbstcoaching

Zum Schluss

Die Übungen zu diesem Buch

Quellenverzeichnis

Über den Autor

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»In uns existieren wunderschöne wie auch wilde Kräfte«

Copyright

eBook (1. Auflage Printversion 2006)

© EchnAton Verlag Diana Schulz e.K.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf

- auch teilweise - nur mit Genehmigung

des Verlages wiedergegeben werden.

Covergestaltung: Raphaela Näger

Coverbild: PixelQuelle.de

Lektorat: Angelika Funk

Gesamtherstellung: Diana Schulz

ISBN: 978-3-937883-51-9

www.echnaton-verlag.de

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Die Kunst des Seins

Coaching für ErwachsenDE

Klaus Biedermann

Wenn sich eine Tür vor uns schließt,

so öffnet sich dafür eine andere.

Die Tragik jedoch ist, dass man meist

nach der geschlossenen Tür blickt

und die geöffnete nicht beachtet.

(André Gide)

Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Seminare, danke meinen Klienten, ohne die dieses Buch nicht hätte entstehen können, denn ich habe von ihnen lernen dürfen.

Ich danke allen, die mir bei der Organisation meiner Seminare und Praxis geholfen haben: Angelika Rückwald, Katharina Kolerus, Doris Schummer, meiner Schwester Sonja, Britta Müller-Sieben, Manuela Kaiser, Anke Lehmann, Gabriele Klaubert und Nicole Spitzenberg.

Auf ein Wort

Der Mensch ist dazu geboren, seinem Leben einen Sinn zu geben und es mit diesem zu erfüllen. Dabei kommt es ganz allein auf ihn selber an. Damit Ihr Leben mit dem Sinn erfüllt sein kann, von dem Sie träumen, ist es wichtig, dass Sie sich einige grundlegende Gedanken über sich selbst und Ihr Dasein in dieser Welt machen. Dieses Buch kann Ihnen dabei helfen.

Das bedeutet manchmal Arbeit, denn alles verändert sich Schritt für Schritt und es kann sein, dass Sie hin und wieder Geduld aufbringen müssen. Wer Ihnen erzählt, dass durch eine plötzliche Verwandlung, praktisch wie durch Zauberhand, das Schicksal ohne Arbeit auf einen phantastischen Streich verändert werden kann, den dürfen Sie getrost einen Scharlatan nennen, von denen sich viele unverdrossen unter uns herumtreiben. Sie versprechen den totalen Wandel ohne viel Aufwand - Reichtum, Gesundheit und Ekstase - und finden damit natürlich immer ihre Anhänger. Alles im Leben aber hat seinen Preis und dies spiegelt die tiefe Gerechtigkeit wieder, die das Leben bestimmt. Billige Lösungen schwächen, Schwierigkeiten stärken.

Kunst kommt von Können, und Coaching besteht aus Handeln. Mit diesem Buch möchte ich Sie zum Denken anregen, ob Sie dem Denken Handlungen folgen lassen, überantworte ich Ihrer Intelligenz.

Sie können dieses Buch lesen und es danach in ein Regal stellen - zu all den anderen. Sie haben die Wahl, es beim Wissen zu belassen. Ein berühmter Koch sagte einmal: »Wer lesen kann, kann auch kochen.« Im Unterschied zu einem Kochbuch gibt es hier allerdings keine Rezepte - nur Anregungen. Wie viel Sie von welcher Zutat nehmen, überlasse ich Ihrer Phantasie, Ihrer Kreativität und Ihrem guten Geschmack. Wenn Ihnen etwas, von dem was Sie hier lesen, nicht schmeckt, geben Sie es jemand anderem - bekanntlich sind die Geschmäcker ja verschieden.

Während meiner fast 30-jährigen Laufbahn als Therapeut, Coach und Seminarleiter habe ich die Erfahrung gemacht, dass man keinem anderen Menschen helfen kann, wenn es dieser nicht aus seiner Tiefe heraus wirklich will und geschehen lässt, erst recht nicht mit einem Buch.

Aber fast jeder Mensch kann sich selbst helfen. Auch das habe ich erfahren dürfen: Es bedarf dazu manchmal nur eines kleinen Hinweises, der im richtigen Augenblick gegeben, auf fruchtbaren Boden fällt. Der Begriff Coaching kommt von dem Wort ›Kutsche‹.

Der Kutscher hat die Aufgabe, die Kutsche mit Hilfe der Pferde sicher ans Ziel zu bringen. Ein guter Kutscher, der seine Pferde kennt, braucht dazu nur ab und zu eine kleine Korrektur mit den Zügeln vorzunehmen. Er weiß, er kann den Pferden vertrauen. Nur der Kutscher, der kein Vertrauen in seine Pferde hat, oder sie gar nicht kennt, wird an den Zügeln reißen und immer wieder viel Kraft aufbringen, um ihnen seinen Willen aufzuzwingen.

Betrachten Sie den Kutscher als Ihr Ego, die Kutsche als Ihr Lebensgefährt und die Pferde als Ihre innere Weisheit, eine Ihnen innewohnende Kraft, die das Ziel kennt und Sie auch dort hin bringen kann.

Wenn Sie es wirklich wollen, dann wird es funktionieren, und dabei möchte ich Sie mit diesem Buch unterstützen. Vielleicht kann ich damit einen Teil von Ihnen erreichen, der die Fähigkeit besitzt, Ihr Leben als das zu verstehen, was es ist, nämlich IHR Leben.

Versetzen Sie sich in die Lage, Ihr Dasein so lebenswert zu gestalten, wie es für Sie gedacht ist. Manchmal kann das an Ihrem Verstand vorbei geschehen und ganz im Stillen wirken. Damit das so sein kann, ist ein Großteil dieses Buches auch metaphorisch zu verstehen. Oft sind die kleinen und zarten Veränderungen die stärksten und wirken am nachhaltigsten.

Das Weiche besiegt das Harte. Fragen Sie den Sand im Meer.

Der Verstand, der seit früher Kindheit programmiert wird, ist meist der große Verhinderer, der sich lieber mit dem zufrieden gibt, das er kennt, als sich auf Neues einzulassen. Wenn Sie dies spüren, kämpfen Sie nicht dagegen an, sondern beobachten Sie einfach seine Tricks. Er wird Ihnen wahrscheinlich pausenlos einreden, warum etwas nicht funktioniert und warum die heimische bekannte Küche die beste ist. Gründe dafür wird er genug finden und für Neues wird er Beweise fordern.

Es gibt Menschen, die über einer neuen Suppe so lange ihren Kopf schütteln, bis ein Haar hineinfällt.

Dies ist eine Folge der Programmierungen, aus denen im Laufe der Zeit sogar Überzeugungen werden. Um Programme löschen zu können, muss man sie aber kennen und man muss verstehen, wie sie entstanden sind. Ich werde auch darauf eingehen.

Wenn Sie ein skeptischer Mensch sind und hier von bestimmten ›Zutaten‹ zum ersten Mal lesen, seien Sie es getrost weiterhin - denn Skepsis bedeutet ja nichts anderes als genaues Hinschauen. Ein Skeptiker (griechisch: skeptikós) ist wörtlich übersetzt ein Ausschau haltender oder Untersuchender. Skepsis heißt also zunächst nichts anderes als eingehende Untersuchung. Im engeren Sinne wird damit eine erkenntniskritische Haltung bezeichnet, die der Möglichkeit endgültig gesicherten Wissens ›skeptisch‹ gegenübersteht.

Meist wird Skepsis allerdings mit Vorverurteilung verwechselt. Oft genug habe ich Menschen erlebt, die stolz auf ihre ›Skepsis‹ und überhaupt nicht bereit waren, etwas Neues aufzunehmen. Nach dem Motto: Was ich nicht verstehe, gibt es auch nicht, und ich kann nur die Dinge verstehen, die ich auch sehen und anfassen kann. Das ist schade, denn mit dieser Haltung versperrt man sich viele Wege. Und allen Ernstes - wer kann schon von sich behaupten, die Welt zu verstehen? Albert Einstein sagte einmal: »Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur in ihr zurechtfinden.«

Für das, was ich in diesem Buch schreibe, gibt es eine Regel: Glauben Sie nichts.

Glaube ersetzt immer Erfahrung. Erinnern Sie sich an Ihre innere Weisheit, denn ich ermutige Sie dazu, Erfahrungen zu machen und diese zu reflektieren. Weisheit kommt nämlich nicht durch Erfahrung, sondern durch die Reflexion darüber. Sonst wäre ja jeder

alte Mensch automatisch weise. Im Leben geht es aber nicht ums Älterwerden, das kann jedes Tier. Es geht um das Erlangen von Reife - und das ist alleine dem Menschen vorbehalten. Heranzureifen bedeutet, mehr und mehr in das Prinzip des Lebens hineinzutauchen.

Was Sie erfahren und reflektiert haben, brauchen Sie nicht mehr zu glauben. Geglaubt haben Sie in Ihrem Leben genug. Lassen Sie sich ein und betrachten Sie dieses Buch als Tür - vielleicht in eine neue Küche.

Nehmen Sie versuchsweise einmal an, dass Sie etwas in sich haben, das alles, was Ihr eigenes Leben betrifft, verstehen kann und nur für Sie da ist - und zwar jenseits des Verstandes. Nennen Sie es: Unbewusstes, Unterbewusstsein, kreative Intelligenz oder Höheres Selbst. Dieses Etwas gehört zu Ihnen wie ihr Herz oder Ihre Lungen.

Vielleicht werden beim Lesen einige Ihrer Glaubenssätze ins Wanken gebracht. Aber überlegen Sie einmal, wie oft Sie in Ihrem Leben schon Glaubenssätze verändert haben. Oder haben Sie als Kind etwa nicht an den Weihnachtsmann geglaubt? Auf ein paar mehr oder weniger kommt es da sicher nicht an.

Wenn Sie sich einlassen, kann dieses Buch ein Freund sein.

In jedem Menschen steckt die Schöpferkraft, ein lebenswertes Leben frei von Unterdrückung und Manipulation, ein Leben in Liebe, vollkommener Gesundheit und innerem und äußerem Frieden zu leben. Mögen Sie erkennen, dass Sie dazugehören!

Um den Lesefluss zu gewährleisten, habe ich meist die männliche Form der Anrede verwendet. Ich hoffe, verehrte Leserin, Sie verzeihen mir das.

Teil 1
Die elementaren Geistigen Gesetze

»Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die Dummheit des Menschen ... und beim Universum ist man sich noch nicht sicher ...« (Albert Einstein)

Selbstverständlich können Sie denken, was immer Sie wollen. Mein Vorschlag für ein Leben, das Sie selbst weitgehend in der Hand haben und gestalten können, ist die Verinnerlichung und das Befolgen der folgenden Geistigen Gesetze oder ›Prinzipien‹, die ich zunächst einmal nur erkläre, damit Sie sie dann beim Weiterlesen immer wiederfinden werden. So kann dieses Buch einem aufmerksamen Leser auch ein Arbeitsbuch auf seinem ganz persönlichen Weg zur Erleuchtung sein.

Die italienische Renaissance war ein fruchtbarer Nährboden für die Synthese platonischer Ideen und spätantiker okkulter Philosophien.

So ist zum Beispiel die umfangreiche Zahlenmystik in der Alchemie auf das Einfließen der Kabbala in den Neuplatonismus zurückzuführen. Den ›elementaren‹ Grundstein zur spirituellen Suche nach dem Stein der Weisen aber legte die Tabula Smaragdina.

Sie spielte seit Jahrhunderten bereits eine zentrale Rolle und wurde Hermes Trismegistos, dem dreimal großen Hermes, einem mystischen Weisen aus Ägypten, zugeschrieben, welcher schon Platon maßgeblich beeinflusst haben soll. Hermes soll vor oder zu Moses Zeit gelebt haben, daher galten im alchemistischen Umfeld die hermetischen Texte als gleichwertig mit der Genesis - also auch mit der biblischen Schöpfungsgeschichte und den Zehn Geboten.

Große Gelehrte wie Paracelsus und der Neuplatoniker Marsilio Ficino, dem wir die Übersetzung des ›Corpus Hermeticum‹ ins Lateinische und damit die Verbreitung der hermetischen Lehren im Abendland verdanken, wussten um die Bedeutung dieser universellen Lehre für den Menschen. Angeblich wurde dieses Wissen im Grab des Hermes gefunden.

Schon in der Antike sahen viele Gelehrte den Hermes Trismegistos als jemanden an, der die Menschen belehrt und geheimnisvolle Bücher verfasst habe. Ferner entstand durch die Vermischung griechischer und ägyptischer Anschauungen eine große Anzahl von Schriften, welche ihm zugeschrieben wurden und teilweise noch erhalten sind, darunter eben die Tabula Smaragdina, die die sieben Hermetischen Axiome enthält und die das Zusammenwirken des gesamten Universums erklärt. Diese wurden auch als das ›Kybalion‹ bekannt. Hermes Trismegistos galt ebenso als Erfinder der Alchemie und der Magie, wie die Bezeichnung ›Hermetische Kunst‹ für Alchemie belegt.

Als Bewahrer der altägyptischen Legenden um Hermes Trismegistos wirkten griechische Gelehrte bis zur Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Türken. Auch im Judentum wurden Teile davon weitergegeben - zwar nicht im Talmud, wohl aber in der Kabbala und insbesondere im Sohar. Auch im Islam fanden diese griechisch-ägyptischen Anschauungen Eingang und blieben dort in mehrfachen Fassungen und vermischt mit anderen Traditionen lange erhalten.

Vom alten Ägypten aus ging das Wissen in den arabischen Raum und wurde über Córdoba aber auch über Harran, der Stadt Abrahams, in das Europa des ersten Jahrtausends gebracht. Durch den Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche jedoch wurde die Lehre der Hermetik – und die damit verbundene Lehre der Magie – als teuflisch bezeichnet: Die katholische Kirche konnte und wollte es nicht zulassen, dass es Weisheiten und Wahrheiten außerhalb ihrer eigenen Organisation gab. Der erste Einschnitt in dieser Richtung erfolgte 325 auf dem Konzil von Nicäa, wo die Reinkarnationslehre aus dem Kontext der Bibel gestrichen wurde. Ein zweiter Einschnitt erfolgte 1227, als die Astrologie als ›teuflisch‹ gebannt wurde. Aufgrund dieses Verhaltens seitens der katholischen Kirche wagten viele Weise und Gelehrte nicht mehr, ihr Wissen um die hermetische Lehre offen darzulegen, sondern ›versiegelten‹ es buchstäblich – woraus sich die Bezeichnung ›etwas ist hermetisch verschlossen‹ entwickelte.

Und dies sind die sieben Hermetischen Axiome:

1. Ein Schöpfergeist ist die Quelle des Lebens. Dieses Prinzip enthält die Wahrheit: ›Alles ist Geist.‹ Es besagt, dass das All die substanzielle Realität ist, welche allen äußerlichen Manifestationen und Erscheinungen zugrunde liegt, die wir unter den Bezeichnungen ›materielles Universum‹, ›Erscheinungsformen des Lebens‹, ›Materie‹, ›Energie‹ kennen, kurz allem, was für unsere materiellen Sinne in Erscheinung tritt, dass alles materialisierter Geist ist, der selbst unerkennbar und unerklärbar ist, der aber als universal und schöpferisch angesehen und gedacht werden kann.

Das erklärt auch, dass die ganze Erscheinungswelt oder das Universum eine geistige Schöpfung des Alls ist, unterworfen den Gesetzen aller geschaffenen Dinge, und dass das Universum als Ganzes und auch in seinen Teilen seine Existenz dem Geist verdankt. Ebenso wie auch unser Leben.

Dieses Prinzip erklärt, indem es die geistige Natur des Universums festlegt, alle verschiedenen geistigen und seelischen Phänomene, die die öffentliche Aufmerksamkeit in so großem Maße beschäftigen und die ohne solche Erklärung unverständlich sind und sich einer wissenschaftlichen Behandlung entziehen. Das Verständnis dieses großen Hermetischen Prinzips der Geistigkeit befähigt den Menschen, die Gesetze des geistigen Universums leichter zu begreifen und sie zu seinem Wohlbefinden und Vorwärtskommen anzuwenden. Damit ist er in der Lage, die großen Geistigen Gesetze verständnisvoll anzuwenden, anstatt ihre Anwendung dem Zufall zu überlassen. Mit dem Hauptschlüssel in der Hand kann jeder die vielen Tore des geistigen und psychischen Tempels des Wissens öffnen und ihn frei und verständnisvoll betreten. Dieses Prinzip erklärt die wahre Natur von ›Energie‹, ›Kraft‹, ›Stoff‹ und warum und wie alles der Herrschaft des Geistes unterworfen ist.

Vor langer Zeit schrieb einer der hermetischen Meister: »Derjenige, der die Wahrheit der geistigen Natur des Universums begreift, ist weit auf dem Wege zur Meisterschaft fortgeschritten.«

Der Geist ist also der Schöpfer aller Dinge. Alles, was Sie in Ihrer Umgebung, in Ihrem Heim und in der Welt sehen können, jeder Gegenstand Ihres Haushaltes, Ihr Auto, die Straße, durch die Sie fahren, die Häuser – kurz alles, was von Menschen geschaffen wurde – war irgendwann einmal zunächst in der geistigen Vorstellung vorhanden. Wenn Sie wissen, dass Sie der Schöpfer Ihrer Welt sind, können und brauchen Sie sich nicht mehr vor der Verantwortung zu drücken. Selbst die großen Dinge wie Frieden oder die Erhaltung der Umwelt, die man scheinbar alleine nicht verändern kann, beginnen beim Individuum selbst.

2. Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung hat ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig. Zufall ist nur der Name für ein unbekanntes Gesetz. Es gibt viele Ebenen der Ursächlichkeit, aber nichts entgeht dem Gesetz. Mit der ›Schwarz-Weiß-Brille‹ werden Sie dieses Gesetz nicht entdecken.

Das Prinzip besagt: Alles geschieht gesetzmäßig, nichts ereignet sich zufällig, es gibt keinen Zufall. Es gibt verschiedene Ebenen von Ursache und Wirkung, die höheren beherrschen die niederen Ebenen und nichts kann völlig dem Gesetz entgehen. Beispiele für so genannte Zufälle finden Sie im Kapitel über Zufall. Diejenigen, die dieses Prinzip verstanden haben und danach leben, verstehen die Kunst, sich über die gewöhnliche Ebene von Ursache und Wirkung zu erheben. Indem sie sich geistig auf eine höhere Ebene erheben, werden sie Ursache statt Wirkung. Solche Menschen werden nicht mehr von äußeren Ursachen wie Figuren auf dem Schachbrett des Lebens bewegt, sondern haben Selbstbeherrschung erlangt und werden Spieler statt Figur. Sie haben gelernt, das Spiel des Lebens zu spielen, anstatt dass mit ihnen gespielt wird und sie durch einen anderen Willen oder durch ihre Umgebung bewegt werden. Wer diesen Gedankengang zu Ende denkt und das Erkannte anwendet, verfügt über einen unermesslichen Reichtum an hermetischem Wissen.

3. Die Dinge hängen über Analogien zusammen: wie oben, so unten; wie innen, so außen; wie im Großen, so im Kleinen. Dieses Prinzip enthält die Wahrheit, dass es zwischen den Gesetzen und Erscheinungsformen der verschiedenen Ebenen des Seins und Lebens eine Entsprechung gibt. Der alte hermetische Grundsatz lautete: ›Wie oben, so unten; wie unten, so oben.‹ Und das Begreifen dieses Prinzips gibt einem die Mittel an die Hand, manchen Widerspruch zu lösen und manch verborgenes Geheimnis der Natur zu lüften. Es gibt Ebenen jenseits unseres Wissens, aber wenn wir das Prinzip der Entsprechung auf sie anwenden, können wir vieles verstehen, was sonst unbegreiflich für uns wäre.

Dieses Prinzip tritt auf den verschiedenen Ebenen des materiellen, geistigen und rein geistigen Universums in Anwendung und Erscheinung – es ist ein universales Gesetz. Die alten Hermetiker (Anhänger der hermetischen Lehre) betrachteten dieses Prinzip als eines der wichtigsten geistigen Werkzeuge, mit denen der Mensch die Hindernisse beiseite räumen konnte, die das Unbekannte dem Blick entzogen. Wie die Kenntnis des Prinzips der Geometrie den Menschen befähigt, weit entfernte Sonnen und ihre Bewegungen – in seinem Observatorium sitzend – zu erkennen, so befähigt die Kenntnis des Prinzips der Entsprechung den Menschen, verständnisvoll vom Bekannten zum Unbekannten seine Schlüsse zu ziehen.

4. Gleiches hängt mit Gleichem zusammen und verstärkt sich, Ungleiches stößt sich ab. Nichts ist in Ruhe, alles bewegt sich, alles ist in Schwingung.

Tatsachen, denen die moderne Wissenschaft beipflichtet und die jede neue wissenschaftliche Entdeckung bestätigt. Und doch war dieses hermetische Prinzip schon vor Tausenden von Jahren von den alten Meistern verkündet worden. Dieses Prinzip besagt, dass alle Unterschiede zwischen den verschiedenen Manifestationen des Stoffes, der Energie, der Gedanken und sogar des Geistes im weitesten Sinne von den verschiedenen Graden der Schwingung abhängen.

Vom reinen Geist bis hinunter zur gröbsten Form der Materie ist alles in Schwingung – je höher die Schwingungszahl, desto höher ihre Position auf einer gedachten Skala. Die Schwingung des Geistes hat einen so unendlichen Stärkegrad und eine solche Schnelligkeit, dass sie sich praktisch in Ruhe befindet – genauso wie ein sehr schnell rotierendes Rad bewegungslos zu sein scheint. Am anderen Ende der Skala finden sich die groben Formen der Materie, deren Schwingungen so langsam sind, dass auch sie in Ruhe zu sein scheinen.

Zwischen diesen Polen gibt es Millionen über Millionen verschiedener Grade von Schwingung. Vom Körperlichen im Elektron, Atom und Molekül bis hin zu Welten und Universen ist alles in schwingender Bewegung. Dies ist auch auf den Ebenen von Energie und Kraft – die nur verschiedenartige Grade von Schwingung sind – wahr, ebenso auf den geistigen Ebenen – deren Zustände von der Schwingung abhängen – und schließlich auf den rein geistigen Ebenen. Das Verständnis dieses Prinzips befähigt Sie‚ Ihre eigenen geistigen Schwingungen zu beherrschen.

Die Meister wenden dieses Prinzip auch in verschiedener Weise an, um Naturphänomene zu überwinden. So ging Jesus über Wasser.

Ich selbst habe auf einer Indienreise Folgendes erlebt: In der Nähe von Bombay lebte eine alte Frau in einem Dornbusch. Von ihr hieß es, sie sei eine erleuchtete spirituelle Meisterin und Heilerin. Mit einigen Freunden besuchte ich diese Frau, deren Namen ich inzwischen vergessen habe. Viele Leute waren dort versammelt und hörten ihren Ausführungen zu, die wir nicht verstanden, da sie Hindi sprach. Sie verbot allerdings, sie zu fotografieren, was auch auf einem Schild in englischer Sprache stand. Heimlich taten wir es aber dennoch, weil es wirklich faszinierend war, wie sie dort lebte. Als wir in Deutschland unsere Fotos vom Entwickeln abholten, war zwar der Dornbusch auf den Bildern, kein einziges Foto zeigte aber die Frau.

»Derjenige, der das Prinzip der Schwingung versteht, hat das Zepter der Macht ergriffen«, schrieb einer der alten Meister.

5. Alles unterliegt einem Kommen und Gehen, alles hat Gezeiten. Alles fließt aus und ein, alle Dinge steigen und fallen, das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für dessen Ausschlag nach links.

Dieses Prinzip enthält die Wahrheit, dass sich in allem eine abgemessene Bewegung zeigt, hin und her; ein Hin- und Zurückfließen, eine pendelgleiche Bewegung, eine gezeitengleiche Ebbe und Flut, ein hoher und ein niedriger Stand, und zwar immer zwischen den beiden Polen, die gemäß dem Prinzip der Polarität bestehen, das soeben beschrieben wurde. Es gibt immer eine Aktion und eine Reaktion, ein Vorwärtsschreiten und ein Zurückgehen, ein Steigen und ein Fallen. Dies gilt für die Geschehnisse des Universums, die der Sonnen, der Welten, der Menschen, Tiere, des Geistes, der Energie und der Materie.

Dieses Gesetz offenbart sich im Entstehen und Vergehen von Welten, im Aufstieg und Untergang von Nationen, im Leben aller Dinge und auch in den geistigen Zuständen der Menschen. Im Hinblick auf letztere finden die Hermetiker das Verständnis dieses Prinzips ganz besonders wichtig. Wenn Sie dieses Prinzip erkannt haben, können Sie lernen, es auszunutzen, statt von ihm ausgenutzt zu werden. Auf dieser und ähnlichen Methoden beruht die Kunst der Hermetiker. Der hermetische Meister polarisiert sich selbst an dem Punkt, wo er zu ruhen wünscht, und dann neutralisiert er den rhythmischen Schwung des Pendels, der ihn sonst zum anderen Pol hintragen würde. Alle Menschen, die ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung erreicht haben, tun dies bis zu einem gewissen Grade mehr oder weniger unbewußt, der Meister aber tut das bewusst und unter Anwendung seines Willens und erreicht damit eine Gewichtigkeit und geistige Festigkeit, die nahezu unmöglich erscheint.

6. Alles besitzt jeweils ein Paar von Gegensätzen oder Polen; Gleich und Ungleich ist dasselbe; Gegensätze tragen nur entgegengesetzte Vorzeichen.

Alles ist zwiefach, alles hat zwei Pole; Gleich und Ungleich ist dasselbe; Gegensätze sind identisch in der Natur, nur verschieden im Grad; Extreme berühren sich; alle Wahrheiten sind nur halbe Wahrheiten; alle Widersprüche können miteinander in Einklang gebracht werden.

Dieses Prinzip enthält folgende Wahrheit: ›Alles ist zweifach; alles hat zwei Pole; alles hat sein Paar von Gegensätzlichkeiten.‹ Es erklärt die alten Paradoxe, die so viele in Erstaunen versetzt haben und die folgendermaßen aufgestellt wurden: These und Antithese sind identisch in der Natur; Gegensätze können in Einklang gebracht werden; Extreme berühren sich; alles ist und ist nicht zu gleicher Zeit; alle Wahrheiten sind bloß halbe Wahrheiten; jede Wahrheit ist zur Hälfte falsch; jedes Ding hat zwei Seiten.

Dieses Prinzip besagt, dass in allem zwei Pole sind oder gegensätzliche Aspekte und dass die Gegensätze in Wirklichkeit nur die Extreme ein und desselben Dinges sind mit verschiedenen Graden dazwischen. Beispielsweise Hitze und Kälte, obgleich ›Gegensätze‹, sind in Wirklichkeit dasselbe, der Unterschied besteht lediglich in den verschiedenen Graden desselben Dinges.

Betrachten Sie ein Thermometer und schauen Sie, ob Sie entdecken können, wo die ›Hitze‹ aufhört und die ›Kälte‹ beginnt. Es gibt nicht so etwas wie ›absolute Hitze‹ oder ›absolute Kälte‹, die beiden Ausdrücke ›Hitze‹ und ›Kälte‹ bezeichnen lediglich verschiedene Grade desselben Dinges und dieses ›eine Ding‹, das als ›Hitze‹ bzw. ›Kälte‹ in Erscheinung tritt, ist nur eine Form, ein Grad der Schwingung. So stellen ›Hitze‹ und ›Kälte‹ nur die beiden Pole dessen dar, was wir ›Wärme‹ nennen – und die Erscheinungen, die sich daraus ergeben, sind nur Manifestationen des Prinzips der Polarität.

Wo hört die Dunkelheit auf und beginnt das Licht? Was ist der Unterschied zwischen ›groß‹ und ›klein‹, zwischen ›hart‹ und ›weich‹, zwischen ›schwarz‹ und ›weiß‹, zwischen ›scharf‹ und ›stumpf‹, zwischen ›laut‹ und ›leise‹, zwischen ›hoch‹ und ›niedrig‹, zwischen ›positiv‹ und ›negativ‹? Das Prinzip der Polarität erklärt diese Widersprüche – und kein Prinzip kann es ersetzen.

Dasselbe Prinzip wirkt auf der geistigen Ebene. Lassen Sie mich das Gesagte anhand des Beispiels von Liebe und Hass verdeutlichen: Liebe und Hass sind für uns extreme Begriffe für zwei augenscheinlich völlig unterschiedliche geistige Zustände. Und doch stellen auch sie nur Grade eines einzigen Zustandes dar, denn zwischen den beiden Extremen kennen wir auch einen ›mittleren Punkt‹, von dem ausgehend wir Ausdrücke wie ›Zuneigung‹ und ›Abneigung‹ gebrauchen. Zwischen diesen ›Graden‹ besteht ein solch allmählicher und fließender Übergang, dass wir manchmal unsicher werden und nicht wissen, ob wir ›gern mögen‹ oder ›nicht mögen‹ oder ob vielleicht keine von beiden Aussagen zutrifft. Bei alldem handelt es sich demnach lediglich um Grade derselben Sache, was bei näherem Hinsehen erkennbar wird. Und was von den Hermetikern für noch wichtiger gehalten wird: Es ist sogar möglich, die Schwingungen von Hass in Schwingungen von Liebe zu verwandeln, bei sich wie bei anderen.

Sicher haben auch Sie schon persönliche Erfahrungen mit dem unfreiwillig schnellen Übergang von Liebe in Hass und umgekehrt gemacht. Und Sie werden daher die Möglichkeit erkennen, dass dies durch Einsatz des Willens bewirkt werden kann, durch Anwendung der hermetischen Formeln. ›Gutes‹ und ›Böses‹ sind nur die Pole ein und desselben Dinges, und der Hermetiker versteht die Kunst, Böses in Gutes zu verwandeln durch Anwendung des Prinzips der Polarität. Kurz, die ›Kunst der Polarisation‹ ist ein Teil der ›geistigen Alchemie‹, gekannt und angewandt von den alten und neuen Meistern. Das Verständnis dieses Prinzips befähigt einen Menschen, seine eigene Polarität zu ändern sowie die von anderen.

Und zeigt uns nicht auch unsere Erde dieses Prinzip durch ihre zwei Pole, zwischen denen alles liegt?

7. Alles hat männliche und weibliche Prinzipien. Sie offenbaren sich auf allen Ebenen.

Diesen Prinzipien begegnen wir nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der geistigen Ebene. Auf der physischen Ebene offenbart sich das Prinzip als Geschlechtlichkeit und auf den höheren Ebenen nimmt es höhere Formen an, aber das Prinzip bleibt immer dasselbe. Keine Schöpfung physischer, geistiger oder rein geistiger Art ist möglich ohne dieses Prinzip. Das Verständnis dieses Gesetzes wirft Licht auf manche Frage, die die Menschen in Erstaunen versetzt hat. Dieses Prinzip arbeitet stets nach den Gesetzen der Schöpfung im Wechselspiel zwischen Entstehen und Vergehen, Leben und Tod. Wir finden es in unserem Ein- und Ausatmen, in Ebbe und Flut, in den Jahreszeiten mit dem Blühen und Vergehen der Pflanzen. Wir finden es im Rhythmus der Tage im Wechsel zwischen Sonne und Mond.

Harmonie und Ausgleich zwischen diesen beiden Kräften sind in der chinesischen Philosophie ein zentraler Punkt und als die Elemente Yin (weiblich-passiv) und Yang (männlich-aktiv) bekannt.

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin finden wir diese Prinzipien wieder. Yang steht dort für die Fülle und Hitze, Ying für Leere und Kälte. Wenn man die Philosophie der geistigen und rein geistigen Schöpfung, Zeugung und Wiedererzeugung verstehen will, muss man dieses hermetische Prinzip kennen. Es enthält die Lösung vieler Mysterien des Lebens. Die größte Kraft, die diese Welt so sein lässt, wie sie uns erscheint, ist Bewusstsein.

Zu Beginn der meisten Bibelübersetzungen steht: ›Am Anfang war das Wort, und aus dem Wort wurde Fleisch‹, was nichts anderes meint, als dass jeder Gedanke die Tendenz hat, sich zu materialisieren.

Vor jedem Wort muss aber ein Gedanke stehen, denn das Wort ist ja bereits der materialisierte Gedanke, der wiederum Bewusstsein voraussetzt.

Wenn man das weiß und befolgt, schützt man sich vor unbewussten Äußerungen. Wie oft sagen Sie: ›Das habe ich ja nicht so gemeint.‹ Das mag zwar stimmen, aber die Macht, die alles erschaffen kann, hat nicht die Aufgabe, zu kontrollieren und zu bewerten, sondern eben nur die Aufgabe, zu materialisieren.

Diese Energie ist die stärkste Kraft im gesamten Universum und gilt für den Makrokosmos wie für den Mikrokosmos. Vielleicht ist diese Kraft so groß, weil sie nicht denkt, sondern nur ausführt.

Es gibt zwei wichtige Instanzen in Ihnen.

Den Denker – er kann denken, was er will – und den Beweisführer – er wird alles daransetzen, Beweise für die Richtigkeit des Denkens zu erbringen. Die neuere Hirnforschung ist zwar dabei zu beweisen, dass wir in Wirklichkeit gar nicht denken, aber ich lade Sie ein, davon auszugehen, dass wir es manchmal doch tun. Was immer der Denker also denkt, wird der Beweisführer beweisen. In der Psychologie nennt man dieses Phänomen in Anlehnung an die griechische Mythologie den ›Pygmalion-Effekt‹.

Einst lebte auf Zypern ein großartiger Bildhauer mit Namen Pygmalion. Er beschloss, sich ganz und gar seiner Kunst zu widmen, da er keine Frau finden konnte, die seiner Vorstellung von Schönheit entsprach. Bald darauf hatte er in seinem Atelier ein Stück sehr reinen weißen Marmors, aus dem er eine wunderschöne Frau formte – eine Gestalt, die all das verkörperte, was er für schön hielt. Pygmalion war so ergriffen von seiner eigenen Schöpfung, dass er die Göttin Aphrodite bat, ihm bei der Suche nach einer Frau zu helfen, deren Schönheit seiner Skulptur ebenbürtig war. Aphrodite wusste, dass nur die Statue selbst Pygmalion genügen würde, und so hauchte sie dem Marmor das Leben ein, nach dem Pygmalion so glühend verlangte. Pygmalion nannte sie Galatea und heiratete seine eigene Schöpfung.

Die Geschichte des Pygmalion wurde von Ovid, einem der bedeutendsten römischen Schriftsteller der Nachwelt überliefert.

Sie finden sie aber auch in der moderneren Fassung zum Beispiel in dem Musical ›My fair Lady‹ wieder.

Professor Higgins, der sich mit Phonetik beschäftigt, trifft auf dem Blumenmarkt in London die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle, die ihn wegen ihrer kraftvoll-vulgären Sprache fasziniert und gleichzeitig abstößt. Er überredet sie, sein Sprachlabor aufzusuchen und verspricht dort, ihr den Weg zu den besten Kreisen zu bahnen, wenn sie bei ihm Sprachunterricht nähme. Sie müht sich mit nur mäßigem Erfolg ab und provoziert bei dem von Higgins inszenierten Versuch, die nur oberflächlich angelernte ›feine Lebensart‹ beim Pferderennen in Ascot den Leuten vorzuführen, einen Skandal. Higgins findet trotzdem immer mehr Gefallen an seinem ›Objekt‹. Auf dem Diplomatenball im Buckingham Palace kann sie sich aber beweisen, obwohl ein Phonetiker anwesend ist, der für Geld die wahre Herkunft von Personen errät. Er denkt allerdings wegen ihres reinen Englisch, dass sie eine Ungarin mit königlichem Blut sei. Am gleichen Abend beglückwünschen sich Higgins und Colonol Pickering, aber keiner beglückwünscht Eliza.

Sie jedoch sagt dem Professor sehr deutlich, wie sehr sie sich vorgeführt und erniedrigt fühlt und verschwindet am nächsten Morgen. Professor Higgins fordert Eliza erfolglos auf, zurückzukommen, dann erst versteht er: Er vermisst sie, weil er sie trotz der großen Unterschiede zwischen sich und ihr gelernt hat als Person zu schätzen, sogar zu lieben. Professor Higgins hatte, wie auch Pygmalion, versucht, eine Frau vollkommen nach seiner Vorstellung zu schaffen, glücklicherweise aber noch die ›Kurve bekommen‹.

Wir sehen an diesen Beispielen, dass man keinen anderen Menschen nach seinen eigenen Idealvorstellungen formen kann.

Viele Beziehungen scheitern an diesem Irrglauben. Aber es gibt eine gute Nachricht: Sich selbst kann man sehr wohl verändern. Die Sozialwissenschaftler Ellen Key, Robert King-Merton und Robert Rosenthal haben sich intensiv mit diesem Phänomen beschäftigt und teils spektakuläre Versuche unternommen.

Es gab unter anderem ein Schulexperiment, in dem mehreren Lehrern einer für sie neuen Klasse gesagt wurde, mit wem sie es in der nächsten Zeit zu tun haben würden. Die Klasse wurde ihnen gegenüber aufgeteilt in die sehr motivierten intelligenten und in die eher faulen oder dummen Schüler.

Tatsache aber war, dass diese Einteilung rein willkürlich vorgenommen worden war, was die neuen Lehrer natürlich nicht wussten.

Das Ergebnis beeindruckte sogar die Versuchsleiter. Beim nächsten Zeugnis waren die Noten der vermuteten guten Schüler besser, die der angeblich schlechten Schüler schlechter. Die Schüler hatten sich also ›erwartungsgemäß‹ verhalten, und die Lehrer hatten wiederum darauf reagiert.

Das Erstaunlichste beim Pygmalion-Effekt ist also, dass sich die Menschen in Ihrer Umgebung so verhalten werden, wie es Ihrer Einstellung entspricht. Glauben Sie das nicht?

Machen Sie doch einmal den folgenden Versuch: Gehen Sie an einem beliebigen Tag aus dem Haus mit der Einstellung, dass Sie liebenswert und erfolgreich sind und viele gute Begegnungen haben werden. (Das müssen Sie aber wirklich glauben, versprochen?)

An einem anderen Tag denken Sie das Umgekehrte. Ich wette mit Ihnen, dass Sie den zweiten Versuch nach kurzer Zeit abbrechen werden – es sei denn, es spiegelt Ihre normale Haltung wider. Der Engländer Sir Francis Galton brach den Versuch jedenfalls ab, nachdem er von Passanten angerempelt und beschimpft worden war.

Er war im Selbstversuch eines Morgens aus dem Haus gegangen mit dem Glaubenssatz: ›Ich bin der meist gehasste Mann Englands.‹

Sie erleben Ihr Leben so, dass es Ihrem Glauben Recht gibt. Wie ein Radio empfangen Sie das, worauf Sie eingestellt sind. Sie empfangen das, mit dem Sie in Resonanz sind. Seien Sie mutig, und drehen Sie an dem Einstellknopf!

Unsere Welt ist unendlich bunt und vielfältig. Unermesslich viele einzelne Teile ergeben die gesamte Welt, und alles ist miteinander verwoben, niemand ist eine Insel.

Glauben Sie das auch? Wenn nicht, tun Sie so, als würden Sie es glauben. Es ist längst eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache, dass sich der Mikrokosmos vom Makrokosmos kaum unterscheidet.

Dass jede ihrer Millionen Zellen die Informationen des gesamten Organismus in sich trägt – und vieles darüber hinaus. Das hieße also, dass die gleiche bunte Vielfalt in Ihnen ist.

Jesus sagte einmal: »In meines Vaters Haus sind viele Räume.« Das Haus Gottes auf dieser Erde sind Sie. Sie sind der lebendige Tempel Gottes. Das zu wissen, ist wichtig.

Lassen Sie mich an dieser Stelle den Talmud zitieren:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Ist es nicht erstaunlich, dass ein solch altes Wissen, das sich seit Jahrtausenden durch alle Weisheitslehren zieht und auch noch die nächsten Tausend Jahre wahr sein wird, heute so wenig öffentliche Beachtung erfährt?

Schritte zur Erleuchtung

Ich glaube, dass wir einen Funken jenes ewigen Lichtes in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muss und das unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht. (Johann Wolfgang von Goethe)

Alle paar Jahre wird uns suggeriert, dass es wieder einmal um die ›entscheidende Wahl‹ geht. Als wenn wir dann wirklich eine Wahl hätten – da lachen ja sogar die Hühner. O.K., wir können wählen, ob wir die Bohnen mit Speck oder mit Zwiebeln mögen.

Aber einmal Spaß beiseite: Sie haben tatsächlich eine Wahl – immer – nicht nur alle vier Jahre. Ihr Leben hat nämlich immer nur den Sinn, den Sie ihm geben.

Wenn Sie mit Ihrem Leben zufrieden sind, werden Sie mir wahrscheinlich zustimmen; sind Sie aber unzufrieden, wird Ihr Verstand protestieren, wenn Sie hören, dass Sie sich dieses Leben ausgesucht haben, dass Sie es genau so gewählt haben, wie es ist. Sie haben es gewählt, um erleuchtet zu werden.

Sie kamen auf diese Welt, um sich zu entwickeln, um zu entdecken, dass Sie erleuchtet sind. Um dieses Ziel zu erlangen, erhielten Sie einen Körper, oder besser gesagt, Sie suchten sich einen aus. Vorher waren Sie reines Bewusstsein, unkörperlich, eine Seele. Diese Seele trägt die Erfahrungen aller vorherigen Inkarnationen in sich. Sie ›weiß‹, was sie gelernt hat und was sie noch lernen muss, um ihr Ziel zu erreichen. Die Menschheit ist in ihrer Entwicklung an einem entscheidenden Punkt angekommen. Der Weg, auf dem wir gehen, gabelt sich in zwei Richtungen, und wir haben die Wahl. Entweder gehen wir den Weg in den globalen Selbstmord oder wählen den Weg zu einer Veränderung des Bewusstseins.

Die Welt steckt in einer Energie-Blockade, die sich in der Verknappung der Rohstoffe auch im Außen zeigt. Alle schauen auf das Symptom und die Folgen, aber kaum jemand sucht die Ursache dort, wo sie ist: Im menschlichen, schöpferischen Bewusstsein selbst.

Wir können den Weg der Symptombehandlungen und vermehrten Ausbeutung, den Weg immer zahlreicherer und härterer Konflikte weitergehen. Wir können beschließen, noch mehr Leid in dieser Welt zu verbreiten und die wenigen Reichen noch reicher werden zu lassen. Wir können noch mehr Armut produzieren, weiterhin Menschen verhungern lassen – und das bei einem täglichen Militärbudget von mehreren hundert Millionen Dollar! Wir können diese Erde weiterhin als unser Eigentum betrachten, mit dem wir machen können, was wir wollen, oder wir können sie als eine wunderschöne Leihgabe für unsere gewählte Daseinsform ansehen.

Zwar führen viele Wege nach Rom, aber wir haben leider nicht so viele Wahlmöglichkeiten.

Der Weg, den wir gehen können – und wir haben das Potenzial dazu –, ist der des Friedens und der Liebe, der Erleuchtung und des Wissens. Erleuchtung ist das eigentliche Ziel unseres Seins. Wir sind auf dieser Welt, um unser gesamtes Potenzial kennen zu lernen und daraus zu schöpfen. Die Schritte dahin sind so simpel und so klar. Es sind nur wenige. Sie sind wirkungsvoll, weil sie so einfach sind. Die Lösungen für die schwierigsten Probleme sind meist einfach.

Zufällig waren meine Frau und ich zum Zeitpunkt der Papstwahl in Rom. Als Kardinal Ratzinger als Papst auf den Balkon trat, konnte man sehen, dass er angekommen war. Ich bezweifle allerdings, ob die katholische Kirche weiß, dass sie einen Erleuchteten zum Papst hat, und ich hoffe, dass er sich gegen die konservativen Politiker, von denen er ja auch einer war, durchsetzen kann, um der Kirche die Reformen zu bescheren, die notwendig geworden sind. Ein schönes Wort: notwendig. Es heißt nichts anderes, als dass man aus einer Not heraus eine Wende nehmen sollte. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob seine Erleuchtung ausreicht, Jahrtausende alte Machtstrukturen derart aufzuweichen, wie dies nötig wäre. Derjenige, auf den sich die Kirche aufbaut und beruft, Jesus Christus, hat es ja auch nicht geschafft. Auch er fiel diesen Strukturen letztlich zum Opfer.

Kennen Sie den?

Der Papst stirbt und kommt an das Himmelstor, um Einlass ins Paradies zu erlangen. Petrus kommt an die Tür und fragt nach seinem Begehr. »Ich möchte ins Paradies, denn ich bin der Papst.«

»Papst?«, überlegt Petrus. »Das sagt mir jetzt im Moment nichts. Wer oder was soll das sein?«

»Ich bin das Oberhaupt der katholischen Kirche«, antwortet der Papst.

»Katholische Kirche? Sagt mir auch nichts, tut mir wirklich Leid. Aber warten Sie bitte einen Moment hier, ich muss den Chef fragen.«

»Draußen steht jemand, der behauptet, Papst und Oberhaupt der katholischen Kirche zu sein. Sagt dir das etwas?«, fragt Petrus den Lieben Gott. Gott überlegt und sagt: »Tut mir Leid, habe ich noch nie gehört. Aber lass uns Jesus fragen, immerhin war der schon einmal auf der Erde, vielleicht weiß er etwas.« Jesus wird gerufen und mit dem Auftrag zum Himmelstor geschickt, doch nachzusehen, ob er etwas herausbekomme.

Nach zehn Minuten kommt Jesus laut lachend zurück, sich die Tränen aus den Augen wischend. »Was ist los?«, fragen Petrus und der Liebe Gott wie aus einem Munde. Nachdem er nach Luft geschnappt hat, kann Jesus endlich sagen: »Erinnert ihr euch an den Fischerverein, den ich vor ungefähr 2000 Jahren gegründet habe? Den gibt es immer noch.« Wie viel wurde und wird in Jesus hineininterpretiert! Es wird noch lange Zeit dauern, bis die Menschen die Wahrheiten um und über diesen Mann erfahren dürfen. Was in seinem Namen geschaffen wurde – dieses heute so mächtige und reiche Kirchengebilde – resultiert nicht aus seinem Wirken und lag sicher nicht in seiner Absicht. Jesus, der gekommen war, den Menschen Licht zu bringen, wurde missbraucht, um ein Trugbild aufzubauen, das Trugbild einer Märtyrerschaft und des Leids. Jesus wird in der Regel in seiner wohl leidvollsten Stunde angebetet, am Kreuze hängend, und es wird erzählt, dass er für uns dort auch gestorben sei. Kann man jemandem ein schlechteres Gewissen machen als mit solch einer Aussage?

Wer ein schlechtes Gewissen hat, wird sich immer schuldig fühlen und wird gerne alles tun, was angeblich nötig ist, um von seiner Schuld befreit zu werden.

Es gibt genügend Hinweise darauf, dass Jesus nicht dort auf Golgatha am Kreuz gestorben ist. Den Menschen aber wurde gesagt: »Leiden sind Lehren«, und man predigte ihnen Entsagung. Damit konnte man sie ausbeuten und unterjochen – zu allen Zeiten. Die Prachtbauten der Kirche wurden nur dadurch möglich, und niemanden kümmerte es, wenn bei diesen Bauten Hunderte von Arbeitern ums Leben kamen und viele ihr letztes Hemd gaben, damit die Kuppeln auch noch mit Gold verkleidet werden konnten. Das hätte dem Mann, der die Händler aus dem Tempel vertrieb, sicher nicht gefallen, das hätte er nicht gewollt. Kein Religionsgründer hätte so etwas gewollt. Und wer Jesus so versteht, hat ihn nicht verstanden.

Er kam, um die Liebe zu bringen und uns erkennen zu lassen, dass Gott auch in jedem von uns ist, dass der Schöpfer und sein Geschöpf Eins sind – er kam, uns zu erleuchten. Er wollte sicher nicht, dass wir ihn anbeten. Er hätte gewollt, dass wir ihn in uns selbst finden.

Wie weit der Weg zur Erleuchtung ist, bestimmt jeder ganz allein für sich. Es ist ein Weg mit vielen großen und kleinen Stationen.

Manchmal halten wir uns länger auf, wie in einer erfüllenden Beziehung, die manchmal sogar ein Leben lang dauern darf. Oder wir verweilen kürzer, zum Beispiel in einem Job, den wir nur machen, weil wir eine Fähigkeit lernen müssen, die wir gerade dort lernen können. Jede dieser Stationen ist wichtig auf dem Weg zu Ihrer Erleuchtung – auch die Stationen, die sie nicht so mögen. Aber auch diese haben Sie sich – meist unbewusst – ausgesucht, um aus ihnen zu lernen. Dass diese Behauptung wahr ist, können Sie daran erkennen, dass so genannte ›negative‹ Umstände sich oft im Nachhinein als durchaus ›positiv‹ herausstellen. Wenn wir zurückblicken, sagen wir oft: »Damals war es schlimm, aber heute kann ich das Gute darin sehen und bin im Nachhinein froh, dass es genau so passiert ist.« Der bekannte deutsche Fußballtrainer, der wegen seiner Kokainaffaire hierzulande keinen Job mehr bekam, ist nach eigener Aussage in dem Land, in dem er heute zu den erfolgreichsten Trainern gehört, sehr zufrieden. Sicherlich muss man aber kein Kokain nehmen, um sein Glück zu finden – wenn auch viele das zu glauben scheinen.

Das, was Sie am meisten daran hindert, erleuchtet zu sein, ist einesteils Ihre Vorstellung davon, was Erleuchtung ist, und auf einer anderen Ebene Ihre Angst davor. Wie bei vielen Ihrer Vorstellungen handelt es sich auch hierbei um übernommene Darstellungen eines anderen Menschen, dem Sie glauben. Eine Vorstellung oder Erwartung ist immer auch ein Hindernis, was in dem Wort ›Vorstellung‹ schon zum Ausdruck gebracht wird. Die Vorstellung ist Ihre Idee von etwas, das Sie vor Ihr Erleben stellen. Vorstellungen können aber immer nur begrenzt sein. Jetzt frage ich Sie: Kann man das Grenzenlose eingrenzen?

Sie gehen beispielsweise zu einer Party, machen sich vorher eine Vorstellung von der Party, haben vielleicht Erwartungen an jemanden, den Sie dort treffen werden, usw. und können dadurch die Party nicht mehr so erleben, wie sie ist. Ihre Vorstellungen verhindern ein direktes Erleben von dem, was ist.

Es gibt drei Worte, die den Zustand der Erleuchtung am besten charakterisieren: Liebe, Akzeptanz und Einssein.

Je unnatürlicher Ihr Bild von Erleuchtung ist – sofern Sie überhaupt eines haben –, desto weiter schieben Sie diesen Zustand von sich weg. Selbstverständlich haben Sie einen guten Grund, das zu tun; denn erleuchtet zu sein heißt, die Verantwortung für sein Erleben zu übernehmen und zu erkennen, dass man sie immer hatte.

Mit unserer Erleuchtung gehen wir so um wie die Bürger von Schilda, die Licht in Säcken in ein dunkles Haus bringen wollten.

Wir versuchen mit Hilfe aller möglichen Techniken, unter Anleitung von Gurus, Übungen, Ernährungsplänen und vielem anderem mehr, das Licht von draußen hereinzuholen. Der Gipfel von allem sind eloquente Motivationstrainer, die von Firmen und sogar Fußballvereinen für viel Geld engagiert werden. Es hat sich scheinbar noch nicht herumgesprochen, dass man niemand anderen motivieren kann. Die andere Seite der Medaille ist: Was ist das für ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter derart ›motivieren‹ muss? Man kann ganze Abteilungen über Feuer oder Glasscherben laufen lassen, man kann sie mit dem Hals Eisenstangen verbiegen lassen.

Man kann sie auch pausenlos ›Jacka‹ rufen lassen. Dies alles wird, außer natürlich für den Motivationstrainer, nichts bringen. Solange die Mitarbeiter nicht wirklich ›in der Firma sind‹, solange Respekt und Achtung im Unternehmen keinen Platz haben und Geben und Nehmen nicht im Ausgleich sind, ergeben solche Aktionen keinen Sinn – aber wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, gehen die Leute auch so für ihr Unternehmen durchs Feuer.

Und was die Fußballvereine angeht: Sind ein paar Millionen Euro Jahresgehalt nicht Motivation genug?

Wir übersehen, dass der Schalter zur Erleuchtung in uns ist. Es genügt, diesen einen, alles entscheidenden Lichtschalter umzulegen. Finden müssen und können Sie diesen nur selbst. Jetzt sagen Sie vielleicht: »Nur die Meister konnten das.« Dann frage ich Sie: »Warum beanspruchen Sie die Meisterschaft nicht für sich? Warum stellen Sie ihr Licht unter den Scheffel?«

Die Qualität Ihres Lebens wächst direkt proportional zur Anzahl der Lehrer und Lehrerinnen, die Sie in Ihrem Leben haben. (Ron Smothermon)

Es ist vollkommen in Ordnung und wichtig, Lehrer zu haben, denn warum soll man durch den Fluss schwimmen, wenn man ebenso gut eine Brücke benutzen kann. Es ist auch sicherlich sinnvoll, Übungen oder Techniken anzuwenden oder seine Ernährung umzustellen, weil es uns diszipliniert, und Disziplin ist notwendig. Im Denken und im Tun. Aber kein Guru, keine Technik, keine Ernährungsweise wird Sie erleuchten. So wie auch niemand einen anderen heilen kann. Heilung geschieht nur von innen, aus einer tiefen Bereitschaft heraus, das anzunehmen, was von außen angeregt wird, und in das eigene Leben zu integrieren.

Sokrates empfahl den Ärzten, jedem seiner Patienten zunächst die Frage zu stellen, ob dieser bereit sei, das Verhalten, das zu seiner Krankheit geführt hatte, in Zukunft zu meiden.

Wenn Sie das Licht angemacht haben, werden Sie selbstverständlich die Dinge ändern, die geändert werden müssen. Selbstverständlich: aus dem Selbst heraus verstanden.

Den ›guten‹ Lehrer oder Meister erkennen Sie daran, dass er Ihnen nicht bei der Suche, sondern beim Finden Ihres Lichtschalters behilflich ist. Er weiß, dass man einen anderen Menschen nicht ›verbessern‹ kann, weil ja jeder Mensch schon vollkommen erschaffen ist. Ein guter Lehrer wird ein Klima erschaffen, in dem es dem Schüler möglich wird, sich an seine eigene Vollkommenheit zu erinnern. Er wird Sie also nach Innen begleiten, weil er weiß, dass Ihre Wahrheit nur dort zu finden ist – und er wird sich im rechten Moment von Ihnen verabschieden. Denn die Wahrheit ist individuell. Sie liegt nicht in Schriften und Büchern, sondern im tiefsten und innersten Selbst eines jeden Menschen.

Die meisten Menschen aber wollen gar nicht finden, sondern suchen. Wir sind in der Regel problemorientiert und nicht lösungsorientiert.

Es lebte einmal ein Mann, der sein Leben der Suche nach Gott gewidmet hatte. Viele Jahre hatte er gesucht. Eines Tages gelangte er zu einem Haus, an dessen Türschild der Name ›Gott‹ geschrieben stand. Leise zog er seine Schuhe aus und schlich davon.

Vor einem Lehrer, der Ihnen erzählt, er wisse genau, was für Sie richtig ist, sollten Sie schleunigst die Flucht ergreifen. So läuft es aber in unserer Welt. Ständig werden wir ›verbessert‹, erzogen und geformt. Uns wird vor Augen gehalten, wie unvollkommen wir sind und welchem Trend wir nun wieder nachzulaufen haben. Allen voran tun dies die Medien, wenn es um Äußerlichkeiten geht. Aber auch die großen Religionen, deren ursprüngliche, reine Lehren von ihren Anhängern dogmatisiert wurden, führen uns unsere Unvollkommenheit vor Augen. Es wurden Regeln aufgestellt, Formen erfunden und uns wurde genau gesagt, was getan werden muss, um auf den ›rechten Weg‹ zu kommen. Dass da irgendetwas falsch läuft, beweisen die Kirchenaustritte und die seit Jahrhunderten stattfindenden Religionskriege.

Dass die Menschen aber gerade bei der Kirche etwas suchen, beweisen die über eine Million jugendlichen Besucher beim Weltkirchentag im Jahre 2005 in Köln. Es war ermutigend, anzuschauen und mitzuerleben, mit welcher Freude und mit welchem Enthusiasmus all die jungen Menschen aus der ganzen Welt friedlich und singend zusammengekommen waren, um die Antworten auf ihre vielen Fragen zu finden.

Ich bezweifle allerdings, dass sie von den Kirchen ihre Antworten erhalten, und sie werden dort auch nur finden, was sie suchen, wenn sie sich auf ihre eigene Reise nach innen begeben.

Rief die Jugend der 68er, zu der ich auch gehöre, noch den Slogan: »Unter den Talaren der Mief von tausend Jahren« und »Weg mit dem Establishment. Wir brauchen keine Autoritäten!«, so wies am 30. September 2005 der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber anlässlich der Verleihung des Franz-Josef-Strauß-Preises der Hans Seidel-Stiftung an den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl mit eindringlichen Worten darauf hin, dass unsere Jugend nach Führung und Autorität rufe und man sie ihr auch geben müsse. Da kann man sich doch nur fragen, warum sorgt er nicht dafür? Als langjähriger bayrischer Ministerpräsident und Minister hätte er doch sicherlich so manche Möglichkeit. Man kann darüber nachdenken, ob es eine Ironie ist, dass Helmut Kohl den Franz-Josef- Strauß-Preis bekommen hat, aber auch Edmund Stoiber hat sicherlich beobachtet, wie orientierungslos das Gros der heutigen Jugend ist und dass die Führung durch RTL, SAT1, Viva und VOX nicht ausreichen kann, einen mündigen Staatsbürger zu formen. Als wenn das wirklich jemand wollte – mündige Staatsbürger! Die Jugend braucht keinen Führer, das hatten wir schon. Die Jugend der 68er hatte die Wahrheit erkannt, aber eben nur die halbe. Deswegen haben die meisten ja auch aufgegeben, weil sie in der falschen Richtung suchten und sich in Schuldzuweisungen verausgabten.

Was die Jugend braucht – und sicher nicht nur die Jugend – , ist das Wissen darum, dass sie in dem Moment geführt wird, in dem sie sich darüber klar werden darf, dass die größte Führung in jedem Menschen wohnt.

Sagt ein bekanntes Sprichwort nicht: »Jeder ist seines Glückes Schmied«? Also fangen Sie damit an, Ihr Glück zu schmieden – heute noch! In dieser Volksweisheit steckt doch der Hinweis, dass genau dies möglich ist. Erkennen Sie, was für Sie Glück bedeutet, und lassen Sie sich nicht von anderen sagen, was Glück ist. Glück ist so individuell, so vielfältig! Wie kann es sonst passieren, dass Menschen, die einen großen Lottogewinn erhalten hatten, damit sehr unglücklich wurden, andere dagegen sich und ihrer Familie damit die Bedingungen für ein glückliches Leben schaffen konnten?

Vor einiger Zeit lehnte ein Mann seinen Lottogewinn von mehreren Millionen Euro ab, weil er befürchtete, dadurch unglücklich zu werden. Er begründete seine Haltung mit der Aussage: »Ich habe alles, was ich brauche.« Dieser Mann war sicher in einer gewissen Art erleuchtet.

Sie sehen, es geht kein Weg an der Selbsterkenntnis vorbei, und Sie werden nicht darum herumkommen, sich einige grundlegende Gedanken über sich zu machen. Schauen Sie in den Spiegel, und betrachten Sie sich selbst, mit allem, was Sie getan und unterlassen haben. Kunst kommt von Können, erinnern Sie sich?

Der Grad der Kunst hängt ab von der Art und Weise, in der Sie etwas tun. Ein Spiegel ist die Meditation – und dies ist der nächste Schritt zur Erleuchtung.

Neben einem meditativen Menschen haben Waffen keinen Platz. Alle Weisheitslehrer und Erleuchteten dieser Welt, ob sie Sokrates, Jesus, Buddha, Lao-Tse, Mohammed, Osho oder Gurdjeff hießen, haben uns aufgefordert, nach innen zu gehen und uns selbst zu erkennen.

Auf dem Weg nach innen werden Sie Facetten entdecken, die Sie entweder nie für möglich gehalten hätten oder die Sie vielleicht immer schon erahnt haben. In jedem Fall ist es ein interessanter Weg, und Ihre erwachte Neugierde wird Sie immer weiter vorantreiben. Dieser Weg ist eine Einbahnstraße.

Meditation ist der ehrlichste Spiegel, den es gibt, und wird vielleicht gerade deshalb von so vielen Menschen gemieden wie eine ansteckende Krankheit. Die Rationalisierungen und Ausreden, die Menschen finden, um nicht zu meditieren, sind enorm. Ein Grund dafür ist Angst.

Der Mensch hat ein Leben lang gebraucht, zu glauben, dass er fehlerhaft, schlecht, nicht liebenswert sei, und natürlich hat er Angst, diesem Wesen zu begegnen. Intuitiv weiß er, dass er sich in der Meditation selbst begegnet, also meidet er sie.

»Erkenne dich selbst, dann erkennst du das Universum und die Götter«, mahnte schon das Orakel von Delphi.

Wenn Sie in den Spiegel der Meditation schauen, begegnen Sie sich ›pur‹, ohne Wenn und Aber, ohne psychologische Erklärungsmodelle, ohne religiöse oder gesellschaftliche Raster und Muster. Sich ›pur‹ begegnen heißt, dem göttlichen Kern in sich nahe zu sein; am Ende dieses Weges stehen – wie Buddha sagte – Licht und Ekstase.

Es gibt viele Gründe, diesen Weg zu meiden. Beispielsweise kann es unangenehm sein, sich selbst genauer zu betrachten, die Dinge zu sehen, die man für Fehler oder Schwäche hält. Das hatte ich vorhin mit der Angst auf einer tieferen Ebene gemeint. Denn das könnte Abstriche an einem Perfektheitsanspruch machen, der uns vermittelt wurde, oder uns aus unserer ach so geschätzten Bequemlichkeit herausreißen.

Meditation bedeutet auch, ›sich leer zu machen‹. Dieser Moment der Leere ist unendlich wichtig. Fast alle Meditationstechniken zielen auf diesen Zustand ab.

Meditation ist in ihrer höchsten Stufe ein Zustand jenseits des Denkens, ein Zustand reinen Bewusstseins ohne Inhalt. Das Ziel sollte sein, in einen Zustand der Akzeptanz des eigenen Lebens und das aller anderen Wesen zu gelangen. Meditation ist keine Geheimwissenschaft und ist alleine für sich genommen noch nicht einmal unbedingt ein spiritueller Vorgang. Das Wort kommt aus dem Lateinischen: meditari = nachsinnen. Meditation ist also erst einmal eine besinnliche Betrachtung.

Wissenschaftlich ist die positive Wirkung der Meditation längst bewiesen, und jeder, der meditiert, braucht diesen Beweis sowieso nicht mehr. Als Meditation werden Techniken bezeichnet, die von Heiligen aller Länder und Religionen entwickelt wurden, um seelische Leiden zu heilen und psychische und spirituelle Befreiung zu erlangen. Die Techniken variieren, doch sind die darunter liegenden Prozesse, die sich auf die spirituelle und psychische Entwicklung richten, mehr oder weniger gleich. Meditation kann eindrucksvolle Veränderungen im Bewusstsein auslösen. Sie wird als Kern der mystischen Wissenschaften angesehen, und Menschen, die meditieren, halten sich oft allein wegen dieser Praktik für ›spirituell‹.

Seit den frühen 60er Jahren erfreut sich die Meditation auch bei uns eines zunehmenden Zuspruchs und ist inzwischen bis in manche Vorstandsetage großer Firmen ›salonfähig‹ geworden. Sie wurde außerdem zum Forschungsgegenstand, und den Wissenschaftlern ist es auch mit ihren Methoden gelungen, festzustellen, dass sie wirksam ist (hört, hört!). Das hat unsere moderne Wissenschaft herausgefunden: Meditation bewirkt physiologische Veränderungen im Zusammenhang mit Entspannung und psychologischen Erfolgen wie größere Ruhe und mehr Entspanntheit. Weiter führt Meditation zur Verbesserung des Allgemeinzustandes bei Bluthochdruck, Ängsten, Suchtverhalten und Phobien.

Allerdings kommen solche Wirkungen nur denjenigen zugute, die über einen längeren Zeitraum meditieren, und die meisten Menschen tun das nicht.

Die große Bedeutung der Meditation liegt darin, dass sie den Meditierenden allmählich die Wirklichkeit anders erfahren lässt, weil sich dessen Wahrnehmung und Verstehen durch sie verändert.

Sicherlich ist Meditation als größter Beitrag der mystischen Traditionen zur heutigen Psychotherapie zu verstehen. Die Techniken der Meditation, die einer viel älteren Wissenschaft entspringen, erscheinen dem Verstand zunächst vielleicht sinn- oder bedeutungslos und erweisen sich erst nach jahrelanger Praxis als die ausschlaggebenden Dinge im Leben. Über eine der Funktionen des Verstandes sagte ich ja schon etwas.

Der indische Meister Osho hat einmal gesagt, dass Meditation das Ziel sei und jede Form von Therapie lediglich eine Vorbereitung sein könne. Einige Lehrer alter Traditionen sagen, dass Meditation eine Therapie allein für sich ist und dass mit gezielten Praktiken gewisse Zustände geheilt werden können. Durch Meditation kann man sicherlich inneren Frieden und Harmonie finden, es braucht oft allerdings Jahre an Training. Leider verbinden wir in unserem Kulturkreis den Begriff ›Meditation‹ oft mit den bisweilen zu Unrecht negativ belegten Begriffen ›Sekten‹ oder ›Gurus‹ und Menschen, die meditieren, werden von den ›Toughen‹ belächelt oder als ›esoterische Spinner‹ bezeichnet. Dadurch werden viele Menschen von einer sinnvollen Technik ausgeschlossen. In unseren Selbst-Erfahrungs-Seminaren erlebe ich Meditation immer wieder als eine der effektivsten Methoden.

Das wichtigste Ziel der Meditation besteht in der Entwicklung des beobachtenden Selbst. Und dieser Punkt stellt sicherlich eine der größten Herausforderungen dar, weil Sie doch immer wieder dahingehend beeinflusst werden, die Dinge im Außen zu verändern.

In der Meditation können Sie erleben, wie wichtig es ist, still zu werden, nach innen zu gehen und dort die Zeichen zu erkennen.

Nach Ansicht vieler Mystiker sind andere Nutzen der Meditation wie größere Ruhe, bessere Gesundheit oder vermehrte Kreativität allerdings unbedeutend und können sogar zum Hindernis werden, wenn sie als Ziel definiert werden. Durch eine solche Zieldefinition würde die Wirksamkeit der Meditation für den eigentlichen Zweck abgeschwächt, sagen sie und sprechen von einem Missbrauch und einer Vergeudung des ihr innewohnenden Potenzials. Das sei, als faste man in erster Linie, um abzunehmen. Demnach sollte man also Meditation zu therapeutischen Zwecken allerhöchstens begleitend einsetzen. Einen feinen Holzmeißel zum Dosenöffnen herzunehmen, ist ja auch nur dann sinnvoll, wenn man damit nicht mehr schnitzen möchte.

Wenn man Meditation nur für die Psychotherapie einsetzt, ist das, als sammle man Austernschalen und werfe die Perlen weg. Man neigt dann leicht dazu, von den relativ unwesentlichen Resultaten auf die mystische Wissenschaft zu schließen und man schaut nicht weiter. Der psychotherapeutische Nutzen der Meditation liegt sicher darin, dass der Meditierende allmählich seine Wirklichkeit anders erfährt, weil sich seine Wahrnehmung und sein Verstehen verändern. Man kann durch Meditation zum Beispiel mehr Distanz zu seinen Symptomen bekommen und aufspüren, was wirkt.

Wenn Ihnen gesagt wurde, Meditation sei gefährlich oder Spinnerei, und Sie glauben das, dann nennen Sie das Ganze einfach beten. Dieser Begriff ist uns in der Regel geläufiger, obwohl ›Beten‹ eigentlich das Gegenteil von Meditation ist, weil Beten bitten heißt und ›meditari‹ nach Innen gehen. Damit meine ich nicht, dass Beten wertlos ist. Medizinische Forschungen haben inzwischen gezeigt, dass Gläubige, die beten, eher und schneller geheilt werden als Menschen, die das nicht tun. Was aber meiner Meinung nach den Wert des Betens ausmacht ist der Glaube der Betenden. Auch Jesus hat gesagt: »Steh auf, dein Glaube hat dir geholfen.« Wenn Sie beten, brauchen Sie in keine Kirche und keinen Tempel zu gehen, obwohl diese Orte als Raum der Kontemplation durchaus dienen können. Das eigene Selbst ist der göttliche Tempel. Wenn Sie beten wollen, gehen Sie in Ihr eigenes Inneres, wo immer Sie gerade sind, und sprechen Sie mit Ihrer inneren Macht. Dies wird Ihnen Kraft und Frieden geben.

Das herkömmliche Beten ist für viele zu einer geistlosen rituellen Handlung geworden, die nach Dogmen praktiziert wird. Uns wurde gesagt, dass wir unvollkommen und klein seien und dass wir außerhalb von uns jemanden anbetteln müssten, der uns vergibt und errettet.

Wenn Sie jemanden anderen um Vergebung Ihrer Sünden bitten, werden Sie diese nie erhalten; denn niemand außer Ihnen selbst hat die Macht, Ihnen zu vergeben. Vertrauen Sie darauf, dass der Gott, der Sie führt, in Ihnen wohnt, und werden Sie sich bewusst, dass Sie, wenn Sie beten, eigentlich ein Selbstgespräch führen.

In der Regel setzen sich die Menschen im Gebet nieder und präsentieren Gott eine Liste von dem, was nicht in Ordnung ist. So als wollten sie sagen: »Nun, lieber Gott, da haben wir dieses und jenes, bitte bring das doch in Ordnung ...« Sie verstehen nur selten, dass Gott die ganze Zeit über bei ihnen gewesen ist, weil er ja in ihnen ist. Sie sind ein Teil von ihm. Er ist doch alles, oder? Wenn Sie also das nächste Mal beten, dann sagen Sie nichts. Seien Sie still, und wissen Sie, dass Sie Gott sind. Das ist Meditation. Meditation holt sich Hilfe von innen.

Meditation kann zunächst einmal heißen, täglich für eine gewisse Zeit, die Sie erübrigen können (können Sie?), an einem schönen Ort (nicht im Bett!) die Augen zu schließen, die Gedanken schweifen zu lassen und so zur Ruhe kommen – innerlich still zu werden.

Lassen Sie die Gedanken einfach wie weiße Wolken am Himmel vorüberziehen, die Sie als stiller Zeuge lediglich beobachten.

Sie werden wahrscheinlich am Anfang viel Unordnung vorfinden, die Sie dazu verleiten wird, damit aufzuhören. Mit Unordnung meine ich eine pausenlose Flut von Gedanken aus Ihren unterschiedlichsten Lebensbereichen. Akzeptieren Sie diese Unordnung, und genau das wird Ihnen helfen weiterzumachen. Wenn Sie sich wehren, geben Sie Ihrem Verstand Energie, und damit haben Sie schon verloren. Sie stärken das Objekt Ihrer Abwehr.

Siegmund Freud, der ›Vater‹ der Psychoanalyse, hat dies erkannt: Impulse, die aus unbewussten Schichten nach außen drängen und von uns abgewehrt werden, weil wir sie uns nicht erlauben zu leben, gewinnen mehr und mehr Macht über uns. Wir benötigen mehr Energie, um diese Impulse abzuwehren.

Seien Sie also lediglich Zeuge und Beobachter Ihrer Gedanken. Das ist der Anfang. Mit der Zeit werden Sie einfach meditativer in allem, was Sie tun. Ob Sie Geschirr waschen, Auto fahren oder in einer Konferenz sitzen. Bedenken Sie: Meditation heißt nicht abschalten, sondern ganz im Gegenteil: total bewusst in der eigenen Mitte ruhen, ganz im Hier und Jetzt.

Sie können aus einer Vielzahl unterschiedlicher Meditationstechniken auswählen. Es gibt stille Formen der Meditation, aber auch sehr dynamische, die den ganzen Körper miteinbeziehen. Zu Beginn sind die dynamischen Formen sehr zu empfehlen, da sie erst einmal den Körper anstrengen und es dadurch später leichter wird, zu entspannen.

Meditation ermüdet nicht, sondern ist die reinste Form der ›wachen Entspannung‹.

Irgendwann werden Sie dann für Meditation keine gesonderte Zeit mehr einräumen müssen, sondern Sie sind einfach zu einem meditativen Menschen geworden: ausgeglichen, in sich ruhend, liebevoll und friedlich.

Ein anderer Schritt zur Erleuchtung ist: Loslassen.

Der Spatz in der Hand ist uns oft lieber als die Taube auf dem Dach, von der wir genau wissen, dass sie da ist. Um diese Taube in die Hand nehmen zu können, müssen wir den Spatz loslassen, und vor diesem Moment der Leere in unserer Hand haben wir Angst.

Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte wiedergeben:

Es lebte einmal ein Mann, der aß mit Leidenschaft Nusskuchen. Die Nüsse hierzu waren in einem Krug aufbewahrt. Eines Tages wollte seine Frau ihm Nusskuchen backen. Der Mann nahm den Krug vom Schrank, griff gierig hinein, packte eine Handvoll Nüsse, und als er seine Hand herausziehen wollte, blieb er stecken. Er zog und zerrte, es nutzte nichts, die Hand steckte fest. Als er um Hilfe rief, kam seine Frau herbeigelaufen und zog an dem Krug. So sehr sie sich auch bemühte, die Hand steckte fest. Inzwischen hatten sich, angelockt durch das laute Gezeter der beiden, einige Nachbarn und andere neugierige Zuschauer eingefunden. Immer mehr Ratschläge und Spott kamen aus der Menge, aber nichts half.

Endlich trat ein Fremder aus der Menge hervor und verschaffte sich Gehör: »Willst du genau befolgen, was ich dir sage, so werde ich dir helfen, deine Hand zu befreien.«

»Oh, ich tue alles, was du mir sagst, wenn ich nur meine Hand wieder losbekomme und endlich meinen Nusskuchen essen kann«, erwiderte der Mann.

»Gut, dann lasse die Nüsse, die du in der Hand hast, los.«

»Aber warum denn das, ich möchte sie ja herausholen?«, jammerte der Arme.

»Da du versprochen hast, meinen Rat zu befolgen, tue, was ich dir gesagt habe«, antwortete der geduldige Fremde.

Der Mann tat es, die Nüsse fielen in den Krug zurück, und er konnte seine Hand ganz leicht aus dem Krug herausziehen. Daraufhin nahm der Fremde den Krug, kippte ihn so, dass genau die richtige Menge an Nüssen herausfiel, und verabschiedete sich mit folgenden Worten:

»Siehst du, so einfach ist Loslassen.«

Wie oft geht es uns wie diesem Mann! Mit aller Macht wollen wir etwas erreichen, setzen unsere ganze Energie daran und müssen bald merken, dass wir festsitzen. Wohl dem, zu dem dann jemand wie in der kleinen Geschichte kommt, mit dessen Hilfe aus der Distanz heraus die Lösung ganz einfach gefunden werden kann. Diese Helferlein gibt es aber nicht wie Sand am Meer. Wenn Sie also wieder einmal an solch einem Punkt in Ihrem Leben angekommen sind, entspannen Sie sich, lassen Sie los, treten Sie ein Stück zurück und betrachten die Situation, als seien Sie ein Fremder – sozusagen aus der Vogelperspektive. Sie werden erstaunt sein, wie viele Lösungen Ihnen einfallen.

Ein sehr erfolgreicher Unternehmer, der öfter meine Seminare besucht, sagte einmal: »Meine Geschäfte gehen am besten, wenn ich hier bin. Wenn ich abschalte, mich ganz um mich selbst kümmere, etwas für meine Entwicklung tue, wenn ich loslasse. Dann kommen zu Hause in der Firma die größten Aufträge herein.«

Wenn Sie jetzt allerdings zu einem Seminar kommen, damit zu Hause die Geschäfte besser laufen, wird es nicht funktionieren, weil Sie ja nicht wirklich loslassen, sondern mit einer Absicht da sind.

Loslassen bedeutet: Absichtslosigkeit.

In einer Garnisonsstadt gab es ein Offizierskasino, in dem eine sehr attraktive junge Frau die Gäste bediente. Jeder der Offiziere wünschte sich, zumindest einmal mit ihr auszugehen. Alle Avancen, ob indirekter oder aufdringlicher Art, scheiterten. Es gab unter all diesen Männern einen, der sie nie angeschaut hatte und der sich immer mit dem Rücken zur Theke gesetzt hatte. Den, der so offensichtliches Desinteresse gezeigt hatte, den hat sie letztendlich geheiratet.

Das, was Sie halten wollen geht, das, was Sie loslassen kommt.

Im Besonderen gilt dieser Satz für Beziehungen. Ein Mensch, den ich halten möchte – oft mit allen Mitteln –, wird gehen (und sei es auch nur innerlich), ein Mensch, den ich frei sein lasse, kann bleiben, denn Liebe ist ein Kind der Freiheit. Der schlimmste Satz, den man einem anderen Menschen sagen kann, lautet: »Ohne dich kann ich nicht leben.« Damit sagen Sie dem anderen nichts anderes, als dass Sie sich abhängig machen von ihm und ihm die Verantwortung für Ihr Wohl übergeben. Einen Menschen, der das sagt oder einen das auch nur spüren lässt, kann man aber nicht lieben, den muss man eigentlich hassen.

Woran es hier hapert, wird manchmal in einer dramatischen Weise klar. Dramatisch deswegen, weil es nicht wenige Menschen gibt, die Suizid begehen, wenn sie verlassen werden. Anstatt den Umstand des Verlassenwerdens und der damit erlebten Kränkung als Chance zu sehen, um an sich zu arbeiten und den Eigenanteil zu betrachten, bringt man sich um und gibt dem anderen die Schuld daran. So ist dessen Leben in einer auch für ihn oft unerträglichen Weise belastet.

Schauen Sie sich einmal um. Wie viele Menschen bleiben in Beziehungen oder an ihrem Arbeitsplatz, weil sie nichts Besseres in Aussicht haben oder nicht glauben, dass es etwas Besseres für sie gibt? Das Bessere kann aber erst in Ihr Leben treten, wenn Sie das Alte losgelassen haben. Und wirklich besser ist es erst, wenn Sie gelernt haben, wofür das Alte gut war, und wenn Sie es gewürdigt haben. Sonst erleben Sie das gleiche Drama in der neuen Beziehung oder am neuen Arbeitsplatz. Wir bekommen nämlich so lange das Gleiche vorgesetzt, bis wir unsere Lektion gelernt haben. Dies gilt, wie schon gesagt, im Großen wie im Kleinen, innen wie außen. Zu diesem Lernprozess gehört auch, dass Sie schließlich die Bewertungskriterien ›besser‹ und ›schlechter‹ loslassen und wertfrei das sehen können, was Ihrer Entwicklung dient.

Das größte Loslassen ist der ›Tod‹. Ich setze das Wort Tod in Anführungszeichen, weil es in Wirklichkeit keinen Tod gibt. Vielleicht ist das unsere größte Illusion: glauben, dass es den Tod gibt. In diesem Universum kann nichts ›sterben‹. Fragen Sie einen Physiker. Nichts kann vernichtet werden, sondern es erfolgt nur eine Zustandsänderung. Der geschmolzene Eiswürfel, ist ja auch nicht tot. Die äußere Form des Eiswürfels existiert zwar nicht mehr, aber das, was ihn ausmacht, das, was er ist, seine Essenz also, existiert weiter.

Dieses Universum besteht aus Energie in unterschiedlichsten Schwingungsmustern und Formen. Der Tod bringt uns in eine andere Schwingung, in einen anderen Seinszustand. Selbst unser Körper, egal ob er begraben oder verbrannt wird, verwandelt sich lediglich in eine andere Materie. Das was wir sind, unsere Seele, unser Geist – ganz wie Sie wollen –, wandert weiter zu neuen Aufgaben und neuem Lernen.

Ich habe einige Menschen sterben sehen, und immer hatte ich das Gefühl, es war letztlich ein freudiges Loslassen, auch wenn das Ego manchmal bis kurz vor diesem Moment heftig und im Schmerz gekämpft hat. Oft können sich die Sterbenden nicht lösen, weil sie die Trauer und den Schmerz der Angehörigen nicht ertragen können oder weil sie glauben, nicht alles Irdische geregelt zu haben, oder denken, die anderen könnten ohne sie nicht klarkommen.

Alles in diesem Universum verläuft zyklisch, alles ist ein großes Ausatmen und Einatmen. So auch unser irdisches Leben, das wir bei der Geburt einatmen – manchmal unterstützt durch einen Klaps auf den Hintern – und im Moment des Sterbens ausatmen. Das Trauern um einen Verstorbenen ist natürlich und gewollt. Aber an der Art und Weise des Trauerns können die Hinterbliebenen auch feststellen, wie leicht oder schwer ihnen das Loslassen fällt. Für sie ist der Tod eine Prüfung und gleichzeitig eine Chance.

Schauen Sie einmal genau hin. Sehr oft ist es so, dass die Hinterbliebenen betrauern, dass sie verlassen wurden, sie versinken in Selbstmitleid und spüren ihren Schmerz. Dass dies über einen gewissen Zeitraum passiert ist normal, nicht umsonst spricht man von einem Trauerjahr. Alles, was darüber hinaus geschieht, ist dem Entwicklungsprozess sowohl für die Hinterbliebenen als auch für den Toten hinderlich. Der Tote kann nicht ›gehen‹, er kann nicht in die nächste Stufe seiner von ihm geplanten universellen Entwicklung eintreten, und die Hinterbliebenen können sich schlecht auf ihre eigenen Aufgaben und Entwicklungen konzentrieren.

Oft verlieren sie dabei sogar die, die noch leben, aus den Augen und verpassen die Chance, das zu lernen, was durch den Tod zu lernen ist. Alle Menschen, deren Eltern ein Kind verloren haben, können sicher ein trauriges Lied davon singen. Eine über einen ›gesunden‹ Zeitraum hinaus andauernde Trauer kann sich sogar zu einer schweren Depression entwickeln. Dann nimmt man das eigene Leben nicht mehr, das einem ja einmal geschenkt wurde – meist in einem Akt der Liebe. Der Tod ist das große Loslassen – für den Sterbenden wie für die Lebenden.

In Griechenland kommen heute noch in einigen Dörfern nach dem Tod eines geliebten Menschen die so genannten Klageweiber in das Haus der Hinterbliebenen und helfen, zu trauern. Sieben Tage wird gewehklagt und damit den Betroffenen geholfen, ihrem Schmerz Raum und Zeit zu geben, sich auszudrücken. Danach kann diese Energie sich umwandeln in Freude und Dankbarkeit darüber, dass man mit dem Menschen, der gegangen ist, eine gewisse Zeit verbringen durfte.

Es gibt Kulturen, in denen ein großes Fest gefeiert wird, wenn jemand stirbt, weil man weiß, dass seine Reise weitergeht, und man ihn dazu beglückwünscht, seine Aufgaben in diesem Leben erfüllt zu haben. Schon die alten Ägypter wussten, dass die Reise nach dem Tod weitergeht, was die zahlreichen Grabbeilagen in den Pyramiden deutlich beweisen. Neuere Ausgrabungen zeigen, dass sogar die Menschen der Steinzeit rituelle Bestattungen kannten und den Toten Gegenstände mit ins Grab legten. Durch die Entdeckung sehr alter Stämme in Neuguinea, die in ihrer Entwicklung sich selbst überlassen waren, also keinem Einfluss von außen erlagen, kam zu Tage, dass auch diese Menschen an ein Leben nach dem Tod glauben.

Jetzt könnte man behaupten, dass es sich dabei um ein Wunschdenken handelt, um etwas, das sich entwickelte, um mehr aus dem Leben zu machen als es eigentlich ist. Auch, dass es sich bei diesem Glauben um ein Mittel handelt, sich den Umgang mit dem Tod erträglicher zu machen, wird ins Felde geführt. Bei dem Leben nach dem Tod scheint es sich aber vielmehr um ein intuitives Wissen der Menschheit zu handeln, denn die meisten Menschen (85 %) auf diesem Planeten glauben daran. Ob es nun ein Leben nach dem Tod gibt, mag dahingestellt sein, viel wichtiger ist jedoch die Frage: Gibt es ein Leben vor dem Tod?

Richard Bach, der Autor vieler Bücher, unter anderem des Titels ›Die Möwe Jonathan‹ sagte einmal: »Ein Beweis dafür, ob deine Mission auf dieser Erde erfüllt ist: Wenn du noch lebst, ist die es nicht.«

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Erleuchtung ist neben dem Loslassen das Nehmen der Verantwortung. Erinnern Sie sich an das Hermetische Gesetz ›Innen wie außen‹, alles, was im Kleinen ist, hat seine Entsprechung im Großen wie auch umgekehrt.

So gesehen, ist die Erde der symbolische Körper des Bewusstseins all derer, die auf ihr leben. Demzufolge sind die Erscheinungen, die die Erde zeigt, Symptome, Signale und Hinweise darauf, wie sich unser Bewusstsein zu verändern hat.

Die Symptome, die uns unsere ›Umwelt‹ zeigt, werden zurzeit mit Methoden der Schulmedizin behandelt. Das heißt, es wird geflickt und repariert. Lediglich das Symptom wird behandelt.

Symptome haben aber die Tendenz, sich zu verlagern, das heißt, an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Es ist so ähnlich, als wenn man versucht, ein Stück Seife in einer Badewanne zu fassen. Was diese Erde braucht, ist eine Veränderung des Bewusstseins.

Schon der Begriff ›Umwelt‹, der so häufig in Zusammenhang mit Verschmutzung und Klima gebraucht wird, führt in die Irre, weil er uns von der restlichen Welt trennt. Er absorbiert den Einzelnen und vollzieht eine Trennung. Diese Welt besteht aber nicht aus Einzelteilen.

Niemand ist eine Insel, alles ist miteinander verwoben, man kann es gar nicht oft genug sagen: nicht nur der Mensch mit dem Menschen, sondern Tiere und Menschen, Pflanzen und Tiere, Steine, Luft und Wasser. All das sind Teile dieses großen Systems Erde, die wiederum ein Teil des Systems ›Universum‹ ist.

Wie groß die ›Innenweltverschmutzung‹ ist, lässt sich nur sehr ungenau anhand der Suchtstatistiken, des Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs, der zunehmenden Verrohung unserer westlichen Gesellschaften, dem Werteverfall, den jeder beklagt, aber niemand stoppt, ablesen. Dass aber auch dies alles System hat, dazu komme ich später noch.

Eine Behandlung mit Katalysatoren und verschärften Gesetzen kann nur dann wirklichen Erfolg haben, wenn auch gleichzeitig das Bewusstsein der Verursacher in die Behandlung miteinbezogen wird.

So wie jede Krankheit ein Hinweis auf eine Disharmonie im Gesamtsystem ist, so sind auch unsere großen Krankheiten und Seuchen Hinweise für uns alle. Jede große Seuche, die besiegt wurde, zog auch ein verändertes Bewusstsein nach sich. So trat zum Beispiel nach der Pest ein anderes Hygienebewusstsein auf. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass eine große Seuche unserer Zeit den gleichen Namen hat wie das englische Wort für Hilfe, nämlich Aids.

Jede Krankheit, jede Katastrophe hat aber ihren tieferen Sinn, den es zu entschlüsseln und zu verstehen gilt. Warten wir es ab, was uns die Vogelgrippe bringt, durch die wir ja erleben, wie eng wir weltweit miteinander verwoben sind und dass sich niemand wirklich abgrenzen kann. Der Himmel entzieht sich noch unserer Kontrolle. Es kann wohl schon als Ironie bezeichnet werden, wenn am 20. Oktober 2005 ein Professor im Fernsehen vor Panikmache warnte mit dem Hinweis, dass die Vogelgrippe ja weit weg sei, und am 25. Oktober in Deutschland die ersten verendeten Zugvögel gefunden wurden.

In der Regel sehen wir in Krankheiten etwas Feindliches, das es zu bekämpfen gilt. Zwei Behandlungsmethoden stehen sich gegenüber.

Die eine behandelt das Symptom und lehnt einen Zusammenhang zwischen psychischem Verhalten, der Lebenssituation und -einstellung des Kranken ab. Die Krankheit ist hinderlich und muss so schnell wie möglich weg. Davon lebt eine ganze Industrie sehr gut. Die Errungenschaften und Entwicklungen unserer modernen Medizin haben vielen Menschen das Leben gerettet und verlängert, doch das Bewusstsein vieler Mediziner ist nicht mitgewachsen. (Ich weiß, dass es Ausnahmen gibt.) Der Fortschritt der Technik ist sehr gut, doch er wird nicht viel nutzen, wenn der Geist sich nicht mitentwickelt.

Die andere Methode beruht auf der Ansicht, dass der Mensch selbst die Ursache seines Leids ist und dass die Krankheit ihm lediglich etwas aufzeigen möchte. Sie sieht die Krankheit als einen Freund und Wegbegleiter. Immer, wenn man seinen Weg verlässt, wird sich dieser Freund melden. Dadurch wird man wieder an seine Verantwortung erinnert. Der erleuchtete Mensch wird die Verantwortung für sein Leben nicht in die Hände eines fremden Arztes geben, mag er noch so einen guten Ruf haben, sondern er wird sie selber nehmen.

Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass wir in einem Kosmos leben. Kosmos bedeutet Ordnung. Wir sind lediglich ein Teil dieser Ordnung. Der Begriff Ordnung kann hier allerdings in die Irre führen, wenn Sie darunter ›aufgeräumt‹ verstehen. Ordnung meint hier eine Gesetzmäßigkeit, nach der sich die Existenz richtet.

Dieser Kosmos, oder anders ausgedrückt: diese Existenz, wird dafür sorgen, dass alles in seinem Gleichgewicht bleibt. Genau das, was für den Kosmos gilt, gilt auch für den kleinen Kosmos, nämlich für Sie. Jeder Mensch ist ein eigenes Universum, ja sogar jede Zelle ist ein eigenes Universum. Sie sind der Schöpfer Ihres Universums. Im Kleinen wie im Großen. Im Grunde ist es ganz einfach, weil die Gesetzmäßigkeit immer und überall die gleiche ist.

Das, was nicht immer das gleiche ist, ist unser Erkennen dieser Gesetzmäßigkeiten. Darum kümmern sich diese Gesetze aber nicht. Sie sind unabhängig von den Bewertungen unseres Verstandes.

Mit zunehmendem Erkennen dieser Gesetzmäßigkeiten wird es immer weniger ›Wunder‹ in Ihrem Leben geben. Wunder sind nämlich lediglich Dinge, die wir uns nicht erklären können, oder Dinge, von denen andere nicht wollen, dass wir sie erkennen.

Unsere Aufgabe ist es, Harmonie herzustellen. Wenn wir dies nicht schaffen, müssen wir gehen. Chancen hatten wir genug.

Das Spiel, das Adam und Eva im Paradies begonnen haben, nämlich das der Schuldzuweisung, ist, wie bereits gesagt, bis heute noch sehr aktuell. Schuld geben heißt Verantwortung abgeben. Auch in den eindrucksvollsten Begegnungen unseres Lebens, in unseren Liebesbeziehungen, geben wir die Schuld für das Nichtfunktionieren gerne dem Partner. Indem wir aber die Verantwortung abgeben, nehmen wir uns auch gleichzeitig die Möglichkeit, etwas zu verändern. Wir werden immer darauf warten müssen, dass der andere etwas ändert, und das kann sehr lange dauern.

Verantwortung abgeben heißt, das Erleben seines Lebens in die Hände eines anderen legen.

Sie sind für Ihr Erleben des Lebens verantwortlich, ob Sie das so sehen oder nicht. Natürlich sind Sie versucht, für Ihre ›schlechten‹ Gefühle andere verantwortlich zu machen, ja, sogar das Wetter muss zuweilen herhalten. Sie sind aber für all ihre Gefühle verantwortlich.

Lassen Sie es mich an einem Beispiel deutlich machen:

Sie fahren morgens mit Ihrem Auto zur Arbeit. Sie fahren auf einer Vorfahrtstraße, den Weg, den Sie immer fahren. Ihre Geschwindigkeit ist den Umständen angepasst, alles ist in Ordnung. Vielleicht freuen Sie sich sogar auf Ihre Arbeit. Bis zu dem Moment, in dem aus einer Einfahrt ein Auto herausgeschossen kommt, Ihnen direkt vor den Kühler. Sie machen eine Vollbremsung und verhindern knapp den Auffahrunfall. Wahrscheinlich werden Sie sehr schimpfen und den anderen mit allen möglichen Namen bedenken. Sie ärgern sich – und bitte –, bekommen Sie mit: Sie ärgern sich. Ihre gute Laune ist weg, der Blutdruck ist erhöht, und Sie nehmen den Ärger vielleicht noch bis zur Arbeitsstelle mit. Es dauert jedenfalls seine Zeit, bis er verraucht ist.

Sie hätten aber auch so reagieren können: Nachdem Sie durch die Vollbremsung einen Unfall verhindert haben, loben Sie sich innerlich, weil Sie so hervorragend reagiert haben, zudem noch in einem Moment, in dem Sie nicht mit so etwas gerechnet hatten. Sie bedanken sich bei sich selbst für all das, was Sie sich erspart haben: Unfallschaden, Versicherung, eventuell sogar Verletzungen. Mit dieser Reaktion werden Sie Ihren gut begonnenen Tag ungehindert fortsetzen und sogar Ihren Kollegen stolz davon berichten.

Keine Sache und kein Ding enthält Freude in sich, es sind immer Sie, der sich darüber freut. Und mit dem Ärger ist es ganz genauso.

Das Bewusstsein

In der Zeitschrift ›Was ist Erleuchtung‹, Ausgabe 11, sagt Dr. Goswami, ein amerikanischer Physiker, der den wissenschaftlichen Gottesbeweis antreten möchte:

»Ich hatte das Glück, durch die Quantenphysik erkennen zu können, dass alle Paradoxa der Quantenphysik gelöst werden können, sobald wir Bewusstsein als Urgrund des Seins anerkennen. Das war mein spezifischer Beitrag – hier liegt natürlich das Potenzial für einen Paradigmenwechsel, denn nun können Wissenschaft und Spiritualität einander wirklich ergänzen.«

Erinnern Sie sich an den Denker und den Beweisführer!

Am Anfang von allem muss Bewusstsein gewesen sein, denn Bewusstsein ist noch über dem Denken oder dem Verstand angesiedelt. Das Bewusstsein kann nämlich den Denker beobachten, wie Sie es in der Meditation erleben können. Dieses Bewusstsein möchte ich Allbewusstsein nennen, ein Bewusstsein, das sich seines Selbst vollkommen bewusst ist: Viele nennen dieses Bewusstsein Gott. Damit geben sie dieser Energie aber schon eine Form, obwohl man der Formlosigkeit doch keine Form geben kann. Wir versuchen, uns so das Unbegreifliche begreiflich zu machen. Dies wird aber immer eine Illusion bleiben.

Wenn Sie das Wort ›Gott‹ nicht mehr hören können, weil es bei Ihnen negativ besetzt ist, kann ich das gut verstehen. Wahrscheinlich mußte der ›liebe‹ Gott in Ihrem Leben schon für vieles herhalten. Für ein Kind ist Gott oft die wichtigste Person neben Vater und Mutter, und von vielen Eltern wird Gott oder seine Helfer, das Christkind oder der Nikolaus, als ›Supernannys‹ gründlich missbraucht: »Der liebe Gott sieht alles«, also selbst das, was den Eltern vielleicht verborgen bleibt. Auch die geheimen Wünsche und Sehnsüchte des Kindes, denn Gott hat die Fähigkeit, in uns hineinzuschauen, ja schlimmer, er weiß sogar schon, was wir denken werden.

Hier hat die Kirche kräftig mitgeholfen. Aber die Kirche ist ja auch ›wir‹. Sie kann es nur so geben, weil es uns so gibt, wie wir sind. Auch sie ist ein Spiegel, wir sind nicht nur das Volk.

Was tun Menschen nicht alles, damit Gott an ihnen ›Wohlgefallen‹ hat. Uns wurde auch noch gesagt, dass wir diesen Gott ›fürchten und lieben‹ sollen. Ziemlich verrückt, nicht wahr? Jemanden, den ich fürchte, kann ich nicht lieben. Aber dies ist nicht die einzige Doppelbödigkeit, mit der ein Kind heranwächst. Wir sollen ein gottesfürchtiges Leben leben. Was bedeutet aber ein Leben in Furcht? Die Antwort liegt auf der Hand. Was mag in einem Kind alles vorgehen, das mit seinen ›Verfehlungen‹ und ›Sünden‹ diesem ›allmächtigen‹, aber leider unsichtbaren Gott vollkommen ausgeliefert ist? Einem Gott, der ohne Erbarmen zusieht und zuhört und permanent mit Gedankenlesen beschäftigt ist! Dieses Kind wird sich mit Sicherheit noch winziger vorkommen, als es das in der Erwachsenenwelt ohnehin schon ist.

Wir beten sogar noch: »Herr erhebe Dein Antlitz über uns ...«, womit die Ursache dieses Übels klarer werden kann: Wir selbst sind es, weil wir die Verantwortung nach außen abgeben. Wir drücken uns vor der Verantwortung, wir wollen nicht erwachsen werden.

Gott hat sicherlich ganz andere Dinge zu tun, als ständig seine Geschöpfe zu überwachen, von denen er ja selbst gesagt haben soll, dass sie ihm ›gut‹ gelungen wären.

Wohl dem Kind, dem von einem gütigen, verzeihenden Gott berichtet wurde und das es vor allem durch und in seinen Eltern einen solchen Gott kennen lernen durfte. Da Kinder vorwiegend am ›Modell‹ lernen, werden sie solche Eigenschaften wie Güte und Vergebung übernehmen. Wie auch immer Ihr Gottesbild aussieht, Sie sind der einzige Mensch, der es verändern kann, Gott wird es jedenfalls nicht für Sie tun. Fangen Sie heute damit an, sich Folgendes vorzustellen: Gott ist alles. Wenn es auf dieser Welt irgendetwas gibt, das nicht Gott ist, dann gibt es keinen Gott.

Folglich gibt es auch keinen Teufel. Das ist Denken in der Dualität, schwarz-weiß. Aber: Alles ist Eins, und jeder von uns ist Teil dieses Allbewusstseins.

»Vielleicht haben alle Menschen zusammen eine Seele, und jeder ist ein Teil von ihr.« (Aus dem Anti-Kriegsfilm: ›Der schmale Grat‹.)

Solange auf diesem Planeten, dem Träger des Bewusstseins all seiner Bewohner, irgendwo etwas nicht in der kosmischen Ordnung ist, ist jeder Teil dieses Bewusstseins dafür mitverantwortlich. Wie wichtig Bewusstseinsarbeit für uns alle ist, kann jeder erkennen, der mit offenen Augen durchs Leben geht. Was wir brauchen, ist eine dringende Neuordnung des Denkens. Diese Neuordnung muss notwendigerweise bei jedem Einzelnen selbst beginnen. Denn wer nicht an sich arbeitet, an dem wird gearbeitet.

Zurzeit geschieht dies an allen Ecken und Enden dieser Welt. Unsere Erde ist Träger des gesamten Bewusstseins und wehrt sich mehr und mehr gegen das, was geschieht. Sie wird dafür sorgen, dass sich dieses Bewusstsein, unser aller Bewusstsein, verändert, wobei eine Auslöschung ja auch eine Veränderung darstellt. Es gibt immer häufiger Überschwemmungen, Erdbeben, gigantische Stürme und Feuersbrünste. Alleine im Jahr 2005 haben alle Elemente – Feuer, Wasser, Luft und Erde – für unglaublich große Katastrophen gesorgt (Feuer in Portugal und den USA, Tsunami in Sumatra und Überschwemmungen in China, auf den Philippinen, in der Schweiz und in Österreich, Hurrikans in New Orleans, Florida, Mexiko und Guatemala, Erdbeben in Japan, Pakistan und Kaschmir). Alleine im Jahre 2005 kamen bei diesen Katastrophen fast eine Million Menschen ums Leben. Extreme Naturkatastrophen haben sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht, und da sich innerhalb der letzten 200 Jahre die Menschheit versechsfacht hat, sterben natürlich auch immer Menschen bei solchen Ereignissen.

Es ist übrigens noch gar nicht so lange her, dass die Menschen in solchen Fällen glaubten, es handle sich um ein Strafgericht Gottes oder der Götter. Erst seitdem wir jede Erklärung in Wissenschaft und Technik suchen, haben wir andere Gründe gefunden. Wie auch immer, das ändert nichts an der Tatsache, dass es so nicht weitergehen kann.

Wenn es die Erde in ihrer jetzigen Form nicht mehr geben wird, wird man sagen, es sei eine riesige Naturkatastrophe gewesen. Dies wird eine Lüge sein, denn sie wurde von Menschen gemacht.

Bisher haben wir uns so benommen, als gehöre uns dieser Planet und als könnten wir jederzeit einfach umziehen. Wir gehören aber lediglich zu den Untermietern. Wenn sich ein Untermieter nicht an die Hausordnung hält, wird er zunächst einmal angemahnt, und wenn er sich nicht ändert, wird ihm gekündigt, unter Umständen mit Zwangsräumung. Genau dies wird geschehen, wenn wir uns und unser Denken nicht schleunigst ändern, schnell und radikal.

Ihr Verstand wird sich permanent dagegen wehren. Er will so weitermachen wie bisher, nur besser soll es gehen. Er verfolgt diese Linie mit dem Trotz eines Dreijährigen. Der Trotz eines Dreijährigen ist vollkommen in Ordnung – für einen Dreijährigen. Dabei werden wir auch unterstützt von all den Leuten, die sogar ›wissenschaftliche Beweise‹ dafür liefern, dass es so schlimm ja gar nicht ist. Überlegen Sie dann einmal für einen Moment, wer wissenschaftliche Untersuchungen bezahlt.

Erinnern Sie sich an das erste hermetische Axiom: Alles ist Geist. Wir haben die Macht, die Dinge zu verändern, wenn wir anders denken. Auch wenn wir uns nicht mit diesen Gedanken beschäftigen, schaden wir uns und der Welt. Denn das heißt für das schöpferische Ganze, dass wir es hinnehmen und zufrieden mit den Zuständen sind. Jeder kann, zum Beispiel durch Meditation, seinen eigenen geistigen Schwingungszustand erhöhen und damit auf das schöpferische Bewusstsein aller einwirken. Er muss noch nicht einmal seine Bahn verlassen, denn alles schwingt ja nur zwischen zwei Polen, wie Sie sich sicher erinnern werden. Negatives Denken liegt auf der gleichen Achse wie positives Denken, man muss sich nur umdrehen. Und hat Jesus nicht auch gesagt: »Kehret um!«?

Die Bewusstseins-Pyramide

Die neue Hirnforschung hat das menschliche Bewusstsein in der Großhirnrinde, die die äußere Nervenzellschicht des Großhirns bildet, lokalisiert. Also am allerhöchsten Punkt des menschlichen Körpers, der Stelle, die uns zuallererst mit etwas Höherem verbinden könnte. Die goldenen Kronen der Könige symbolisieren diese Verbindung, denn ein König sollte eine Verbindung zu einem Höheren Selbst haben, damit er weise Entscheidungen treffen kann. Und Gold war schon immer Symbol für reines Bewusstsein.

Wenn wir vom Bewusstsein sprechen, ist es hilfreich, sich dieses mehrdimensional vorzustellen, und ich schlage als Modell eine Pyramide mit mehreren Ebenen vor.

Auf einigen Ebenen dieser Pyramide sind Sie zwangsläufig, weil Sie leben. In die anderen Ebenen zu gelangen, wird schon schwieriger.

Die Ebenen sind zwar eng miteinander verbunden, werden aber nicht immer transparent.

Sie betreten diese Pyramide und sind zunächst in der ersten Ebene, der des tiefen Schlafs. Hier ist der Mensch sowenig bei Bewusstsein, dass er von seinem Dasein nichts weiß. Es ist auch der Raum des Komas und des Schlafwandelns. Hier sind Sie von Natur aus, hier wird Ihre ›Batterie‹ aufgetankt, hier zu sein, ist für Ihr Überleben ein ›Muss‹. Der Herzschlag ist da, die Atmung und alle notwendigen lebenserhaltenden Maßnahmen geschehen von allein.

Glauben Sie das? Von alleine geht überhaupt nichts. Sie haben es gewählt, und Sie sorgen dafür, dass es geschieht. Es ist Ihnen zur Natur geworden.

Die Natur garantiert Ihnen das Betreten der zweiten Ebene Ihres Bewusstseins, nämlich der Ebene des Schlafs mit Träumen und des wachen Schlafs. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Mensch ohne Träume wahrscheinlich nicht überleben könnte, oder wenn, dann nur in einem Zustand der Psychose.

Testpersonen, die man träumen ließ, fühlten sich wesentlich wohler als diejenigen, die man zwar schlafen, aber nicht träumen ließ. Nun, wie hat man das gemacht?

Ganz einfach: Gewöhnlich beginnt bald nach dem Einschlafen die erste Traumphase, die durch gut sichtbare Augenbewegungen unter den geschlossenen Lidern des Schläfers eingeleitet wird. Die Phase wird REM-Phase genannt (rapid eye movements). Aber auch die messbaren Hirnströme zeigen deutliche Veränderungsmuster.

Wird jemand jetzt geweckt, wird er keinen Traum haben. Danach darf er wieder einschlafen, wird jedoch bei neuerlichem Traumbeginn wieder geweckt. Die Testpersonen konnten also schlafen, ohne zu träumen. Andere Testpersonen wurden wach gehalten. Nach einiger Zeit stellten sich bei ihnen Halluzinationen ein, d. h., sie träumten, ohne zu schlafen. Diese zweite Testgruppe schnitt bei Nachuntersuchungen bezüglich ihres Wohlbefindens wesentlich besser ab.

Chuang-Tse wachte eines Morgens auf.

Er hatte geträumt, er sei ein Schmetterling.

Nun sprach Chuang-Tse zu sich:

»Ich träumte, ich sei ein Schmetterling,

und nun weiß ich nicht, bin ich Chuang-Tse, der träumte,

er sei ein Schmetterling,

oder bin ich ein Schmetterling, der träumt,

er sei Chuang-Tse?«

Wir haben weitgehend verlernt, auf unsere Träume zu achten beziehungsweise deren Aussagen zu verstehen und sie in unser Leben zu integrieren. Dabei sind Träume vielleicht sogar das Umfassendste, was es im menschlichen Sein noch zu verstehen gibt.

In unseren Träumen können wir mit einem Teil unseres Bewusstseins das Irdische verlassen und durch Zeit und Raum wandern. Möglicherweise ist der Traum eine Art Vorgeschmack auf das, was dem menschlichen Bewusstsein wirklich möglich ist.

Sicherlich aber hat der Traum mehr Funktionen als die von Sigmund Freud entdeckten. Hirnhemisphärisch betrachtet sind wir linkslastig geworden. Das heißt, wir benutzen mehr den Teil des Gehirns, der für unser logisches Denken und die gesprochene Sprache zuständig ist.

Die rechte Gehirnhälfte als Sitz des bildhaften ›Denkens‹, der Intuition und der Emotionen ist in unserer Kultur mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt worden. Und dennoch gibt es keine Entscheidung, keine Handlung, die nicht von einer oder mehreren Emotionen bestimmt wäre. Reine Verstandesmenschen gibt es gar nicht, auch wenn viele es noch so gerne behaupten. Aber irgendwie scheinen Gefühl und Intuition nicht in unsere Leistungsgesellschaft hineinzupassen. Nach einer in den USA bei erfolgreichen Topmanagern durchgeführten Untersuchung kam allerdings heraus, dass diese fast ausschließlich intuitiv entscheiden und bei ASWTests (außersinnliche Wahrnehmung) schnitten diese Leute überdurchschnittlich gut ab. Der Begriff ›außersinnliche Wahrnehmung‹ führt sowieso in die Irre, weil es diese nicht gibt. Es scheint ›Sinne‹ zu geben, die von den meisten Menschen nicht benutzt werden, weil sie nicht glauben, dass sie sie besitzen.

Um wie viel kreativer könnten wir sein, wenn wir uns erlauben würden, die rechte Hirnhälfte in unserem ganz normalen Alltag intensiver ›mitspielen‹ zu lassen, was zum Beispiel durch Meditation ganz einfach wäre.

Natürlich bewundern wir die Bilder berühmter Maler oder die Werke anderer kreativer Menschen, aber in unserem eigenen Leben machen wir unsere Entscheidungen doch eher von der ›Meinung‹ der linken Hirnhälfte abhängig – zumindest glauben wir das. Die linke Hirnhälfte scheint zwar nach den Maßstäben unseres Gesellschaftssystems ›lebenstüchtiger‹ zu sein, die rechte ist ihr aber sicherlich, was die ›Lebensqualität‹ anbelangt, überlegen. Mit Lebensqualität meine ich die Fähigkeit eines bewussten, in die Natur der Dinge eingebetteten Lebens.

Bei den Irokesen und den Sioux wurden die jungen Männer während ihrer Mannbarkeitsriten tanzend um ein Feuer geführt.

Rechts und links je ein alter Schamane, von denen jeder dem Jüngling seine Botschaft ins Ohr sang oder rief, und zwar gleichzeitig.

Auf diese Weise wurden beide Gehirnhälften erreicht, da der Schüler in Trance war. Heute wissen wir wieder, wie wichtig das gleichberechtigte Nebeneinander der beiden Hemisphären für unser Gesamtbewusstsein ist.

Als Paradebeispiel für den Umgang mit Träumen möchte ich hier die Irokesen erwähnen. Sie hatten eigentlich nur einen Gott – den Traum. Sie führten alle Anweisungen, die sie im Traum erhielten, durch. Und wirklich alle. Sogar wenn ein Stammesbruder geträumt hatte, seine Hütte brenne ab, so wurde dieselbe am nächsten Tag feierlich verbrannt. So sehr vertrauten diese Menschen der Weisheit ihres Unbewussten. Wenn es ihr Verstand auch nicht verstehen konnte, so wussten sie doch um jenen Teil des Menschen, der als ›der Weise‹ bezeichnet werden kann. Dieser ›Weise‹ gibt uns wertvolle Hinweise für die Gestaltung unseres Lebens und unser ›Eingebettetsein‹ in diese Welt, wenn er beachtet und respektiert wird.

Der amerikanische Anthropologe Dr. Anthony C.F. Wallace von der Universität Pennsylvania schrieb 1958 eine Arbeit über die Traumkultur der Irokesen. Er stellte für ihn überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den Traumtheorien dieser Indianer und denen Sigmund Freuds fest. So überraschend finde ich dies gar nicht, denn wenn etwas wahr ist, ist es überall wahr. Für beide war der Traum der Ausdruck der Seele. Jeder Psychotherapeut weiß das. So waren sich die Irokesen schon darüber im Klaren, dass sich in Träumen auch unbewusste Wünsche ausdrückten und dass der Träumende selbst diese oft nicht deuten konnte. Um sich über die Inhalte ihrer Träume klar zu werden, setzten die Indianer Techniken ein, die die heutige Psychotherapie ebenfalls benutzt.

Es gibt sehr hilfreiche Methoden, mit Träumen zu arbeiten. Vom Nachschlagen in irgendwelchen Traumdeutungsbüchern rate ich Ihnen ab. Das ist etwas für Hobbypsychologen, die sich dann bei ihren Freunden als Traumdeuter aufspielen. Die Traumsymbolik ist zu individuell, um sie einem Lexikon zu überlassen.

Als sehr nützlich habe ich folgende Methode erlebt: Der Träumer erzählt seinen Traum noch einmal so, als spiele er sich im Moment des Erzählens ab, also in der Gegenwart. Schon beim Erzählen werden oft Inhalte spontan klar oder können vom Therapeuten hinterfragt werden. Hierbei wird nach der Methode der freien Assoziation gearbeitet. Das heißt, spontanen Einfällen des Träumers zu fehlenden Fragmenten seines Traums wird viel Raum gelassen, und sie haben unbedingt Vorrang vor der Interpretation des Therapeuten.

Sind in dem Traum mehrere Personen beteiligt, lässt der Therapeut den Klienten den Traum in allen Rollen erzählen. Der Träumer nimmt also nach und nach jede Position innerhalb seines Traums ein. Da der Traum, oder besser gesagt das Unbewusste, die Tendenz hat, Botschaften verschlüsselt zu übermitteln, kann man oft interessante Tatsachen aus einer scheinbaren Nebenrolle erfahren.

Eine weitere, etwas aufwendigere Methode, die sich aber gut in Gruppen anwenden lässt, ist das ›Traumtheater‹: Nachdem der Träumer seinen Traum den Anwesenden möglichst ausführlich erzählt hat, spielen einzelne Teilnehmer diesen Traum wie ein Theaterstück nach. Der Träumer ist der Regisseur, spielt also nicht selbst mit, sondern gibt die Anweisungen für das Traumszenarium. Jetzt ist er also gleichzeitig Beobachter seines eigenen Traums, den er durch diese Methode nach außen verlagert hat.

Hierbei werden, auch durch die Mitteilungen und spontanen Einfälle der ›Schauspieler‹, wichtige Trauminhalte deutlicher.

Wie ›real‹ Träume sein können, wissen Sie wahrscheinlich aus eigener Erfahrung, wenn Sie aus einem intensiven Traum aufwachen und einige Zeit benötigen, sich in Ihr Tagesbewusstsein hineinzuorientieren.

Träume bewirken sogar biologische Vorgänge, wie die Ausschüttung von Hormonen oder eine Erektion beim Mann.

Ein Zenmeister sagte einmal: »Im Stein schläft das Bewusstsein, in der Pflanze träumt es, im Tier beginnt es aufzuwachen und im Menschen erwacht es.« Ich kann uns nur allen wünschen, dass dieser Meister Recht hat. Aber wo viel Schatten ist, muss ja auch Licht sein.

Trauen Sie sich auch tagsüber zu träumen, Ihre Visionen zu formen. Diese Visionen sind wie Magnete und Ihre Realität von morgen. Träumen Sie Ihre eigenen Träume, und nicht die, die Ihnen vorgegeben werden.

Sie können sich ihre Welt erschaffen.

»Woher kommt die Kraft, im Kampf über sich selbst hinauszuwachsen? Vielleicht entsteht sie aus dem Risiko, alles für einen Traum aufs Spiel zu setzen, von dem niemand sonst etwas weiß.«

(Aus dem Film: ›Million Dollar Baby‹ von Clint Eastwood)

Kinder haben noch die Fähigkeit der Tagträumerei, aber sie wird ihnen aberzogen: »Hör auf zu träumen ...« »Träume sind Schäume.« – und durch vieles mehr. Sehr schnell wird Kindern beigebracht, was die ›Realität‹ ist. Als wenn es so etwas gäbe!

Laden Sie Ihre Träume ein. Legen Sie abends Schreibzeug oder ein kleines Diktiergerät neben Ihr Bett. Dann können Sie, wenn Sie unmittelbar nach einem Traum aufwachen, diesen gleich notieren. Tun Sie es wirklich sofort, wenn Sie aufwachen, und verschieben Sie es nicht bis zum Morgen; denn dann ist das Meiste vergessen.

Führen Sie außerdem vor dem Einschlafen eine kleine Übung durch, die Sie im Übungsteil dieses Buches finden.

Die Grenze zwischen der zweiten und der dritten Ebene ist sehr durchlässig. Das wird jeder bestätigen, der nach einem Traum aufwachte und eine Zeit lang brauchte, um sich zu orientieren.

Die dritte Ebene ist die des wachen Schlafs. Hier halten Sie sich tagsüber meist auf.

Wahrscheinlich gefällt es Ihnen nicht, das zu lesen, aber dieses Buch soll Ihnen auch nicht ›gefallen‹. Dieses Buch soll Ihnen helfen, mehr Bewusstheit in Ihr Leben zu bringen.

Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung aus der Arbeit mit Menschen, die etwas in ihrem Leben verändern wollten, kann ich Ihnen sagen: Das, was Ihrem Verstand nicht gefällt, hat außerordentlich gute Chancen, eine Veränderung zu bewirken.

Ihr Verstand hat die Fähigkeit, Sie so lange in ›Gefallen‹ einzulullen, bis Sie daran glauben. Ihr Intellekt ist der Letzte, der eine Veränderung möchte. Er ist auf Überleben trainiert, und für ihn bedeutet jede Veränderung eine massive Bedrohung. Der Verstand funktioniert wie ein programmierter Computer. Und er ist programmiert, da können Sie sicher sein. Leider zum Großteil nicht von Ihnen selbst. Alle Erlebnisse Ihres Lebens sind dort gespeichert und nach ›hilfreich‹ oder ›bedrohlich‹ sortiert.

Ein Kind, das in seiner Bewegungsfreiheit eingeengt wurde, sei es in seiner körperlichen oder seelischen, wird lernen, sich mit dieser Unfreiheit zu arrangieren, das heißt, sich so einzurichten, dass es überleben kann. Die Folge davon werden Verspannungen aller Art sein, sowohl körperliche als auch seelische. Jeder Versuch von außen, diese Verspannungen zu lockern, wird vom Verstand mit massiver Angst beobachtet werden. Da die meisten der Programme automatisch ablaufen, nenne ich diesen Zustand ›wacher Schlaf‹.

Mit wachem Schlaf meine ich auch Ihre ›alltäglichen‹ Verrichtungen, all das, was routinemäßig verläuft, wie das Aufstehen nach dem Läuten des Weckers, das Ankleiden, der Weg zur U-Bahn, das Einnehmen der Mahlzeiten usw. Schauen Sie sich doch mal in der UBahn oder der Kantine ganz bewusst um. Sehen viele Menschen nicht ein wenig aus wie Roboter?

In der Routine liegt eine große Gefahr: die Macht der Gewohnheit, die Sie in Unbewusstheit verharren lässt. Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum vielen ›alltäglichen‹ Dingen der Nimbus des Langweiligen anhaftet? Ich werde Ihnen den Grund verraten: Weil Sie es geschehen lassen, dass es so ist. In Wirklichkeit wiederholt sich nichts. Nichts und niemand ist das oder der Gleiche, das bzw. der er gestern war. Sie erwarten das zwar, weil es bequemer ist, aber es ist der Nährboden für Enttäuschungen. Vielleicht kennen Sie den Film mit Bill Murray ›Und täglich grüßt das Murmeltier‹. Hier wird auf humorvolle Art und Weise demonstriert, dass wir sehr wohl die Möglichkeit haben, in die Alltagsroutine schicksalswendend einzugreifen.

Enttäuschungen entstehen aus Erwartungen, Ihren Erwartungen wohlgemerkt. Erwartungen wiederum bilden den Nährboden für Täuschungen. Seien Sie deshalb jedem dankbar, der sie enttäuscht, denn er hat Ihre Täuschung beendet. Niemand auf der ganzen Welt ist da, um Ihre Erwartungen zu erfüllen, genau wie auch Sie nicht dazu da sind, um so zu sein, wie jemand Sie haben möchte.

Auf den ersten Blick hört sich das sehr verlockend an, bringt aber wieder mehr Verantwortung in Ihr Leben. Sie werden mehr und mehr zum agierenden Menschen statt zum reagierenden. Das Einzige, was Sie erwarten dürfen, ist, dass das Leben Sie jeden Tag neu beschenkt. Und Sie werden immer das bekommen, was Sie gerade brauchen, aber das wird nicht immer das sein, was Sie wollen. Erst in der vierten Ebene des Bewusstseins beginnt der Mensch, sich vom Tier zu unterscheiden, von einigen wenigen Exemplaren ausgenommen (auf beiden Seiten). Es ist die der Selbstwahrnehmung.

Es gibt Menschenaffen und Delphine, die sich im Spiegel selbst erkennen und nicht etwa einen Artgenossen vermuten.

Bis vor einiger Zeit noch glaubte die Wissenschaft, wir hätten ein Bewusstsein, weil wir sprechen können, und dass uns gerade das vom Tier unterscheide. Diese Annahme ist inzwischen widerlegt – zumal ja auch Tiere eine ›Sprache‹ haben, mit der sie sich mitteilen. Denken Sie an die Gesänge der Wale oder den Tanz der Bienen.

Viele menschliche Sprachprozesse laufen nämlich nicht bewusstseinsgesteuert ab, sondern unbewusst.

Forscher konnten nachweisen, dass das Gehirn bereits nach 200 Millisekunden die grammatische Struktur eines Satzes analysiert. 200 bis 400 Millisekunden später ist die Bedeutung der Wörter erfasst, und nach etwa 600 Millisekunden gleicht das Gehirn Satzstruktur und Wortbedeutung gegeneinander ab. Das heißt, dass wir irgendwann im Laufe unserer Sprachentwicklung nicht mehr über Verben, Nomen oder Substantive ›nachdenken‹, sondern diese Prozesse laufen eben unbewusst ab. Man kann das mit dem Autofahren vergleichen. Wenn Sie sich vorstellen, auf was Sie in Ihren ersten Fahrstunden alles haben achten müssen. Wenn Sie heute Auto fahren, erfolgen die meisten Prozesse unbewusst.

Können Sie erklären, wie Sie laufen? Bemühen Sie sich nicht, es geht nicht. Laufen ist solch ein komplizierter Prozess, dass, wenn wir es bewusst tun müssten, wir keine fünf Schritte weit kämen, ohne hinzufallen.

Die Beteiligung des Unbewussten wird ebenso bei den Inhalten unserer Sprache deutlich. Denken Sie doch nur an die vielen ›Versprecher‹, die so oft die Wahrheit verraten, wenn wir das, was wir wirklich denken oder uns wünschen, nicht auszusprechen wagen.

In ihrer Rede vor dem Deutschen Bundestag im August 2005, also vor den Wahlen, erklärte die CDU-Vorsitzende, Frau Angela Merkel, dass sie sicher sei, gemeinsam mit der SPD dieses Land nach vorne bringen zu können. Der ganze Bundestag lachte, außer Herr Westerwelle, dem die Kinnlade sichtbar herabfiel. Dass sie sich sofort verbesserte, änderte nichts, es war heraus. Wie prophetisch ihre Aussage damals war, wissen wir jetzt, wobei noch abzuwarten bleibt, ob sie wirklich das Land nach vorne bringen werden.

Die TV-Moderatorin Sandra Maischberger begrüßte die Zuschauer ihrer Talkrunde bei NTV-24 einmal so: »Zunächst einmal möchte ich Ihnen meine Gänse vorstellen.« Den beiden weiblichen Gästen war ihre Betroffenheit deutlich anzusehen.

Das Ich-Bewusstsein hat also mit Sprache nichts zu tun, es bedeutet im weitesten Sinne Selbsterkenntnis. Beim Menschen beginnt der Prozess etwa mit dem zweiten Lebensjahr, wenn das Kind damit anfängt, ›ich‹ zu sagen. Dies rührt aus der schmerzlichen Erfahrung her, dass es mit seiner Mutter keine symbiotische Einheit mehr bildet. Eine wichtige Zeit, in der das Kind viel Hilfe bei der Findung seines Selbstbewusstseins benötigt. Doch wie wenig Kinder bekommen diese Hilfe! Wir stecken in einer Neurosenkette, denn Menschen ohne Selbstbewusstsein haben Kinder ohne Selbstbewusstsein. Erst wenn jemand ganz bewusst aus dieser Kette aussteigt, wird etwas Wesentliches verändert. Das Kind eines befreiten Menschen wird selber frei sein. Darauf gehe ich später noch ausführlicher ein.

Viele Menschen nehmen sich selbst erst wahr, wenn Sie krank sind, wenn Sie Schmerzen haben. Dann spüren Sie sich. Und wissen Sie was – dazu sind Krankheiten auch da. Von der Ebene der Selbstwahrnehmung aus betreten Sie im Idealfall die fünfte Ebene, die Spitze der Pyramide, die Ebene des kosmischen Bewusstseins.

Dort haben Sie den Raum des Egos verlassen und sind sich bewusst, dass Sie ein Teil dieser Existenz sind. Die Isolation ist aufgehoben, das Bewusstsein dehnt sich aus und erkennt die größeren Zusammenhänge dieses Universums. Es ist der Zustand des ›All-ein-seins‹. In diesem Zustand sind Sie, im Gegensatz zur üblichen Bedeutung dieses Wortes, nie mehr einsam. Es ist der Raum der Erleuchtung. Viele Mystiker, vor allem die Märtyrer, haben uns vorgemacht, das Ego sei unwichtig und müsse fallen gelassen werden. Zunächst ist es aber wichtig, das Ego zu spüren und eventuell zu stärken. Erst dann können Sie darüber hinausgehen.

So etwas wie Selbstlosigkeit gibt es gar nicht. Selbst Mutter Theresa oder die Märtyrer hatten etwas von ihrem Tun, und sei es ›nur‹ enorme Aufmerksamkeit und Heiligsprechung.

Haben Sie die Pyramide vor Augen? Ihre Pyramide? Wenn Sie ein Modell brauchen, schauen Sie sich eine amerikanische Ein-Dollar-Note an. Dort finden Sie eine Pyramide mit einem sehenden Auge in der Spitze dargestellt. Angeblich das Zeichen der Illuminaten. Dieses Wort entstammt dem lateinischen ›illuminati‹, was ›die Erleuchteten‹ bedeutet. Der bayrische Gründer des Illuminatenordens hieß Adam Weishaupt (1748-1830). 1784, acht Jahre nach der Gründung, wurde in Bayern der Illuminatenorden zusammen mit anderen Geheimgesellschaften von Kurfürst Karl Theodor verboten. 1785 erklärt Papst Pius VI. in zwei Briefen an den Bischof von Freising die Mitgliedschaft im Orden als unvereinbar mit dem katholischen Glauben. Trotz der formellen Auflösung des Ordens wirken Mitglieder in einzelnen Logen fort, unter anderem bei den Freimaurern, Weishaupt beispielsweise in der Freimaurerloge ›Zur Behutsamkeit‹. Weishaupts Ziel war die Verbindung seines Systems des Illuminatenordens mit dem des Freimaurertums und die weltweite Verbreitung seiner Ideale.

Infolge des Aufruhrs um die angeblichen geheimen Machenschaften des Ordens erfuhren die Illuminaten große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Sie wurden aller möglichen Dinge verdächtigt; sogar der Ausbruch der Französischen Revolution wurde ihnen angelastet. Erwähnenswert bleibt, dass über Adam Weishaupt und sein Wirken diverseste Theorien gibt. Eine, die ich einmal gehört habe, besagt, dass er, nachdem in Bayern sein Orden verboten worden war, in die USA auswanderte und dort unter dem Namen George Washington bekannt wurde. Diese Theorie zwar gewagt, sollte aber doch nicht nur als reine Spekulation abgetan werden, wenn man bedenkt, dass das Illuminatenzeichen – die Pyramide mit dem Auge – auch auf den Dollarscheinen zu finden ist.

Die Chronologie würde ja vom Zeitstrang her gesehen wie die Faust aufs Auge passen. Und wenn man überlegt, dass bei der Abstimmung über die amerikanische Landessprache nur eine Stimme den Ausschlag für Englisch statt Deutsch gab, halte ich das für durchaus möglich. Das Wappentier der USA ist der Weißkopfseeadler. Eine Hommage an Weishaupt?

An dieser Stelle möchte ich Sie aber wieder an sich selbst erinnern: Sie befinden sich bereits in Ihrer Pyramide, und jede der Ebenen steht Ihnen zur Verfügung. Der Mensch verhält sich aber meist so wie ein Blinder, der in seiner zugigen Hütte haust. Er weiß von dem Keller, in dem ein unendlicher Schatz liegt, und ab und zu tastet er sich nach unten, um in seinen Schätzen zu wühlen. Wenn er wieder oben in seiner Hütte sitzt, vergisst er den Schatz, bis er sich wieder einmal mehr zufällig an ihn erinnert.

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9783937883519
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