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Katrin Langholf
Von der Schönheit,
Frau zu sein
Heilung und Entfaltung der Weiblichkeit

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1. Auflage 2014
© Katrin Langholf
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Tel.: 08053 –7992952 ‚ Fax: 08053 –7992953, http://www.sheema-verlag.de
© Bildmaterial: Archiv Katrin Langholf, Archiv Sheema Medien Verlag
Ebook ISBN 978-3-931560-72-0
EPDF ISBN 978-3-931560-73-7
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
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Gesamtkonzeption: Sheema Medien Verlag, Cornelia Linder
Covergestaltung: Schmucker-digital
Lektorat: Anna Scherer
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Ich widme dieses Buch
meinen drei wunderbaren Töchtern
Anna, Louisa und Mira
Inhalt
Begrüßung
Einleitung
Teil I - Orientierungswissen
1. Kapitel: Der Mensch – ein multidimensionales Wesen
Die individuelle Ebene
Die kollektive Ebene
Die historische Ebene
Schöpfer oder Geschöpf? Ein metaphysischer Exkurs
2. Kapitel: Was unterscheidet Mann und Frau?
Die Verteilung der männlichen und weiblichen Energie
Die Chakren und ihre elektromagnetische Polung
3. Kapitel: Was ist Weiblichkeit? Die Geschichte der Frau
Kulturgeschichtliche Aspekte
Die archaische Ebene
Die energetische Ebene
4. Kapitel: Die Ebenen der Heilung
Die Bedeutung der Persönlichkeit
Die Bedeutung des inneren Kindes
Die Bedeutung des Körpers
Die Bedeutung der Seele
Die Bedeutung des kollektiven Feldes
Die Bedeutung des systemischen Feldes
Die Bedeutung der Unterscheidung zwischen Gefühlen und Emotionen
Teil II - Die Praxis
5. Kapitel: Einführung in die Technik des Releasings
Das Wirkungsspektrum von Releasing
6. Kapitel: Im Körper sein
Die kollektive und historische Ebene
Körperliche Erfahrungen in den ersten Lebensjahren und -monaten
Individuelle Geschichte und die Einstellung zum Körper
Alte Seelenerinnerungen
Intermezzo: Releasingsätze zum Thema „Im Körper sein“
7. Kapitel: Im Leben stehen. Die Beziehung zum Vater. Selbstwert
Exkurs zum Dilemma des modernen Mannes
Mögliche Ursachen, die uns daran hindern, voll im Leben zu stehen
1. Die individuelle Kindheitsgeschichte
2. Die kollektive Ebene
3. Die individuelle Seelenebene
Intermezzo: Releasingsätze zum Thema „Im Leben stehen“
8. Kapitel: Die Vagina, das Tor zur Fülle
Die Verbindung der personalen mit der transpersonalen Ebene
Die Beziehung zur eigenen Weiblichkeit und zu den unmittelbaren weiblichen Energien
Die Beziehung zu anderen Frauen
Der Einfluss der modernen Gesellschaft
Der Orgasmus und seine energetische Wirkung
Kommunikation
Die Beziehung zum Mann
Kindheitsgeschichte, seelische und kollektive Aspekte
Intermezzo: Releasingsätze zum Thema „Die Vagina“
9. Kapitel: Die Paarbeziehung – der Spiegel zum Selbst
Die Bedeutung von Beziehungen im Leben
Die Bedeutung des inneren Kindes im erwachsenen Leben
Die Bedeutung der Paarbeziehung auf der inneren Ebene
Ein konstruktiver Weg durch die Krise
Intimität und Freiheit
Ein Blick auf die äußere Ebene
Männer und Frauen sind unterschiedlich
Was also führt eine Beziehung zum Gelingen?
Intermezzo: Releasingsätze zum Thema „Paarbeziehung“
10. Kapitel: Sexualität – die Wiederentdeckung der körperlichen Erfüllung
Die historische und kulturell-gesellschaftliche Ebene
Biografische und karmische Ursachen
Die evolutionäre und die energetische Motivation zur Sexualität
Konventioneller Sex vs. bewusste Sexualität
Die Bedeutung von Herz- und Wurzelchakra im sexuellen Kontakt
Die Frau – ein zyklisches Wesen
Weibliche bzw. männliche Essenz
Ein Wort zur gleichgeschlechtlichen Liebe
Intermezzo: Releasingsätze zum Thema „Sexualität“
11. Kapitel: Vom Leben getragen – die Heimat im Sein
Vom Teufelskreis zum Engelskreis
1. Die kausale Ebene
2. Die psychologische Ebene
Sein und Handeln
Die Magie tritt in Kraft
Intermezzo: Releasingsätze zum Thema „Vom Leben getragen“
Danksagung
Literaturliste
Anhang zum Tibetan Tantra
Über die Autorin
Leser-Service / Buchempfehlungen
Begrüßung
Liebe Leserin, geneigter Leser,
ich heiße Sie herzlich willkommen und freue mich, dass Sie mein Buch in den Händen halten. Bevor es losgeht, möchte ich im Vorfeld ein paar Anmerkungen machen, damit Sie die Art und Weise, in der dieses Buch geschrieben ist, nachvollziehen können.
Die Einsichten, die ich über das Wesen der Weiblichkeit gewonnen habe, sind zu einem großen Teil aus der Erfahrung mit mittlerweile Tausenden von Klientinnen entstanden und der Fähigkeit der inneren Schau, die ich mithilfe meiner ersten Lehrer Isa und Yolanda Lindwall entwickeln durfte. Insofern ist dieses Buch im strengen Sinn kein wissenschaftliches Werk. Wenn Sie Interesse an wissenschaftlichen Forschungen haben, die meine Erkenntnisse untermauern, habe ich im Anhang entsprechende Literatur für Sie zusammengestellt. Besonders die moderne Hirnforschung konnte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder aufs Neue belegen, was Heiler, Seher, Weise und Mystiker der verschiedensten weltanschaulichen Traditionen seit Jahrhunderten gesagt und gelehrt haben.
Neben den allgemeinen Literaturhinweisen im Anhang habe ich an einigen Stellen im Text mit Zahlen versehene Sternchen eingefügt, die konkrete Verweise auf bestimmte Bücher geben oder auch vertiefende Anmerkungen von mir selbst. So wird der Fluss meiner Gedanken im Buch nicht durch zu ausführliche Detailinformationen gestört und Sie haben gleichzeitig die Möglichkeit, sich ausführlich zu informieren.
Des Weiteren möchte ich etwas zur Wahl des Geschlechts in meiner Textsprache sagen: Es ist für mich, wie sicherlich für viele Autorinnen der heutigen Zeit, die sich mit dem Thema Weiblichkeit auseinandersetzen, ein Dilemma, ein Buch über Weiblichkeit zu schreiben in einer Sprache, die sich so entwickelt hat, dass allgemeine Attribute oft selbstverständlich im männlichen Geschlecht ausgedrückt werden. Ich bin jedoch keine Freundin von „Anrufbeantworterinnen“ und dergleichen und fühle mich in der Sprachform, mit der ich aufgewachsen bin, am wohlsten. Besonders störend finde ich den/die Versuch/e alles unter einen oder mehrere Hu(ü)t/e zu bringen. Ich hätte dieses Buch sicher um etliche Seiten verlängern können, wenn ich diese Technik angewandt hätte, und Sie hätten das Buch vermutlich nach kürzester Zeit entnervt beiseite gelegt. Es gibt eine einzige Stelle, wo ich es trotz alledem so gehalten habe, aber wirklich nur ganz kurz.
Um dem Thema Weiblichkeit im Rahmen unseres allgemeinen Sprachgebrauchs ihren Tribut zu zollen, habe ich, wenn es um konkrete Beispiele geht, als Protagonisten immer Klientinnen gewählt. Das heißt natürlich nicht, dass all diese Themen für Männer nicht genauso relevant sein können. Was es mit der geschlechtlichen Identifikation auf den verschiedenen Ebenen unseres Wesens auf sich hat, wird im Verlauf des Buches ausführlich zu lesen sein.
Die Struktur der Themen im zweiten Teil ist der theoretischen Grundlage meiner Jahresgruppen für Frauen entliehen. Sie können aus diesem Buch also lesen, was ich theoretisch so mache. In der Praxis geht es natürlich immer um den eigenen Weg, das individuelle Wachstum und die Heilung durch bestimmte Methoden, Erfahrungen und konkrete Vollzüge.
Nun hoffe ich, dass ich alle Unklarheiten beseitigt habe, und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Ihre Katrin Langholf
Einleitung
„Frau-Sein“ ist ein Begriff, der seit etlichen Jahren in aller Munde ist. Es wird darüber geschrieben, gesprochen und diskutiert. Das Thema Weiblichkeit ist längst in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Wenn man genauer hinschaut, kann man dabei zwei grundsätzliche Strömungen beobachten:
Da gibt es zum einen den politischen Ansatz, der aus der Bewegung des Feminismus und der Emanzipation des vergangenen Jahrhunderts hervorgegangen ist. Diese Bewegung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Frau, sowohl auf der individuellen wie auch der gesellschaftlichen Ebene darin zu unterstützen, ihre herkömmlichen Rollenbilder und deren damit verbundenen Begrenzungen zu hinterfragen und zu überwinden. Sie befasst sich mit der Anerkennung und Würdigung der Frau in der Gesellschaft. Sehr viel dreht sich in diesem Zusammenhang um das Thema „Gleichberechtigung“. Diese Bewegung verdient meiner Meinung nach den größten Respekt, vor allem wenn man bedenkt, dass die ersten Frauen, die sich aus ihrem „Joch“ erhoben haben, dies unter den größten persönlichen und gesellschaftlichen Entbehrungen getan und den Weg für uns nachfolgende Generationen bereitet und geebnet haben.
Die meisten Frauen in unserer Zeit sind in Bezug auf die äußeren Bedingungen ihres Lebens in der Lage, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen, Berufe zu erlernen, die sie materiell unabhängig machen und den Ausdruck ihrer kreativen Kraft ermöglichen. Das ist für uns inzwischen schon selbstverständlich, ist aber den mutigen und beharrlichen Bemühungen jener Frauen zu verdanken, die damals aufgestanden sind und sich auf den Weg gemacht haben. Dieser Prozess ist in seiner ganzen Konsequenz bis heute noch nicht abgeschlossen.
Was im ganzen Emanzipationsprozess jedoch vielfach aus dem Blick geraten scheint, ist die weibliche Energie an sich, die einen essenziellen Aspekt unseres Seins als Frau ausmacht.
Wir haben (mehr oder weniger) gelernt, uns in der männlich-patriarchalisch strukturierten Wirklichkeit zurechtzufinden und durchzusetzen – zum Preis einer energetischen Selbstunterdrückung. Weibliche Energie oder Essenz und deren natürlicher Ausdruck wird heutzutage oft gleichgesetzt mit einer Schwäche, die überwunden werden muss. Was zählt, ist Leistung, Zielorientierung, Klarheit und Erfolg.
Das Problem ist, dass wir unsere weibliche Natur zwar leugnen können, uns das aber auf lange Sicht nicht guttut. Wir fühlen uns ausgebrannt, leer, unzufrieden und entwickeln darüber hinaus neue Abhängigkeiten, wie zum Beispiel alle möglichen Spielarten von Süchten – über Esssucht, Attraktivitässucht, Jugendwahn, Perfektionismus und vieles mehr. Die Ursache liegt, nebst der vielen individuellen Themen, auf die ich zum Teil später eingehen werde, darin, dass wir als Frauen nicht mehr in der Lage sind, mit unserer weiblichen Energie in unserer Mitte zu ruhen. Wir haben vergessen, wie es ist, Frau zu sein – und zwar nicht im Sinne einer angepassten unterdrückten „Mutti“, sondern im energetischen Sinn, der sich jedoch auch immer auf unser Denken, Fühlen und Handeln auswirkt.
So kann man sagen, dass die zweite Strömung der Weiblichkeitsthematik damit zu tun hat, sich dem eigentlichen Wesen des Weiblichen wieder anzunähern, es zu verstehen, anzunehmen und zu heilen.
Beide Strömungen sind nicht voneinander zu trennen, denn ohne die Freiheit, unseren individuellen Selbstausdruck zu finden und die Anerkennung durch die Gesellschaft als vollwertiger Mensch, wären wir auch nicht frei, uns als Frau selbst zu entdecken und uns darin aufzurichten.
Unsere weibliche Essenz ist ein natürlicher Ausdruck von Kraft und Schönheit, die das Potenzial birgt, durch jede Frau zu strahlen und in ihr zu wirken. Im Kontakt mit dieser Essenz können wir das Mysterium des Frau-Seins erfahren, die Fülle des Lebens kosten und die natürliche Kreativität, die dem weiblichen Prinzip zugrunde liegt, zum Ausdruck bringen.
Dieses Buch soll Frauen darin unterstützen, die Wurzeln ihrer Weiblichkeit wieder zu entdecken und sich mit ihnen zu verbinden. Ich möchte mich mit Ihnen auf eine Reise in die individuelle und kollektive Geschichte der Weiblichkeit begeben und aufzeigen, warum und wie es dazu gekommen ist, dass die Frau von den Wurzeln ihrer weiblichen Energie entfremdet wurde. Es werden verschiedene Themen und Aspekte zur Sprache kommen, die sich in meiner langjährigen Arbeit mit Frauen als häufige und damit relevante Themen herauskristallisiert haben, Themen, die der Betrachtung und Heilung bedürfen.
Darüber hinaus werde ich praktische Anregungen geben, die Sie für sich umsetzen können und die Sie dabei unterstützen werden, Ihr weibliches Potenzial zu befreien, wenn Sie es möchten.
Sie können dieses Buch also einfach als Sach- und Informationsbuch lesen, sind aber auch eingeladen, sich auf einen inneren Prozess einzulassen, um mehr über das Frau-Sein zu erfahren und sich auf einer tieferen Ebene als Frau selbst zu begegnen.
Viel Spaß damit in beiden Fällen!
Teil I
Orientierungswissen
1. Kapitel
Der Mensch – ein multidimensionales Wesen
Die individuelle Ebene
Bevor wir uns nun in die Gefilde der Weiblichkeit begeben, möchte ich zunächst klarstellen, dass Frauen und Männer erst einmal Menschen sind. Ein Mensch ist ein vielschichtiges Wesen. Dieses Wesen hat einen physischen Körper mit den unterschiedlichsten genetischen, sozial- und umweltbedingten Anlagen, diverse sogenannte feinstoffliche Körper *1, die in und um diesen physischen Körper liegen, eine Persönlichkeit, eine Seele und den Geist, der in diesem Zusammenhang nicht mit der mentalen Ebene oder dem Verstand gleichzusetzen ist.
Ich werde kurz auf die Begriffe Persönlichkeit, Seele und Geist eingehen. Sie werden in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder ein wenig unterschiedlich definiert, und deshalb erscheint es mir sinnvoll, eine gemeinsame Verständigungsgrundlage für uns zu schaffen. Auf die Ebene der feinstofflichen Körper werde ich im 2. Kapitel zurückkommen.
Die Persönlichkeit ist die Instanz in uns, die normalerweise „Ich“ sagt. Psychologisch könnte man sie definieren als die Konstellation aller individuellen Eigenschaften, die sich auf Denken, Fühlen und Handeln auswirken. Ihr Streben dient dem Überleben, dem Wachsen, der Anpassung und der Veränderung.
Unsere Persönlichkeit wird geprägt durch unsere physische und psychische Konstitution, soziale Prägungen und Umwelteinflüsse, kulturelle Normen und Werte und natürlich alle Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen. Besonders prägend sind dabei die Erfahrungen in unserer Kindheitsentwicklung, und in diesem Zusammenhang spielen wiederum die familiären Beziehungen eine herausragende Rolle.
Den Begriff Seele definiere ich hier auf folgende Weise: Sie ist ein individualisierter Ausdruck des Lebens, der nach Erfahrung und Wachstum strebt. Die Seele bewohnt den physischen Körper, in welchem sie bestimmte Erfahrungen macht, die zu ihrer Reifung und Entwicklung beitragen. Es ist wahrscheinlich, dass die Seele mehr als nur die momentane Erfahrung in diesem aktuellen Körper macht, der gerade diese Zeilen liest. Sie ist darüber hinaus auch eine Vermittlerinstanz zwischen der Ebene der Persönlichkeit und den überpersönlichen Aspekten (Geist) unseres Wesens. Und wenn wir tatsächlich davon ausgehen, dass wir mehrere Erfahrungen in verschiedenen physischen Körpern machen, so ist die Seele auch Informationsträger aller Erfahrungen, die die verschiedenen Personen gemacht haben, die wir einmal gewesen sind. So wirkt die Seele immer auch auf unsere Persönlichkeit und auf unseren Körper. Man könnte das einen „seelosomatischen“ Prozess nennen, in Anlehnung an den bekannten psychosomatischen Prozess, bei dem die psychische Verfassung Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden hat. Die Seele wird auf unserer Reise eine wichtige Rolle spielen.
Der Geist ist in unserem Zusammenhang als transpersonale, kausale Energie zu verstehen. Der Ursprung und die Ursache allen Seins. Der Atheist würde vielleicht sagen, die Urmaterie, aus der der Urknall entsprang, der Gläubige würde diese Kraft als Gott oder göttliche Energie bezeichnen.
Ich möchte mich hier keinem Lager verpflichten, nur bin ich der festen Überzeugung, dass diese Kraft mit einer sinnhaften und sinnstiftenden Intelligenz versehen ist, die auf einer Ebene wirkt, welche jenseits unseres begrenzten und rationalen Verstandes wirkt. Die Essenz unserer Seele ist untrennbar mit dem Geist verbunden.
Viele Meister der unterschiedlichsten religiösen und spirituellen Traditionen sagen sinngemäß: Die Seele zieht hinein in das Spiel des Lebens, um sich zu erfahren, sich zu erkennen und am Ende bewusst in die Einheit mit dem reinen Sein des Geistes zurückzukehren.
Ein schönes und spannendes Spiel, könnte man meinen. Aber dazu später mehr.
In diesen grundsätzlichen Aspekten sind wir als Frauen oder Männer gleichermaßen bestückt und in derselben Mission unterwegs. Wie Novalis so treffend sagte: „Wohin gehen wir? Immer nach Hause.“
Die kollektive Ebene
Nun gibt es neben dieser individuellen Ausstattung aber noch eine andere wesentliche Dimension, die den Menschen und seine Erfahrungswelt beeinflusst. Auch dieses Phänomen betrifft beide Geschlechter. Der Mensch ist nämlich nicht nur ein individuelles, sondern auch ein kollektives Wesen. Das bedeutet, dass wir zu unserer individuellen Ausstattung und Erfahrung zusätzlich mit sogenannten kollektiven Feldern verbunden sind. In manchen Zusammenhängen werden sie auch morphische oder morphogenetische Felder genannt.*2
Den Begriff des Feldes kann man in diesem Zusammenhang mit einem Spielfeld vergleichen. Auf einem Fußballplatz ist das Feld so angelegt, dass man dort mit allen entsprechenden Regeln, Linien, Toren etc. Fußball spielen kann. Ein Ballettsaal braucht andere Voraussetzungen, zum Beispiel Stangen, einen Parkettboden und Spiegel. So ist es wahrscheinlich, dass auf dem Fußballplatz Menschen zusammenkommen, die Fußball spielen, und im Ballettsaal wird man diejenigen antreffen, die tanzen möchten. Das heißt, ein Feld bietet einen Raum, der durch entsprechende Voraussetzungen einen bestimmten Erfahrungsinhalt ermöglicht und in sich trägt.
Ein kollektives Feld im hier gemeinten Sinn ist nicht sichtbar. Die Voraussetzungen für kollektive Felder ergeben sich aus dem Gesetz der Resonanz. Dieses Gesetz ist ein physikalisches Prinzip und lässt sich gut anhand musikalischer Phänomene erklären. Sie können das selbst einmal ausprobieren: Wenn Sie in ein Musikgeschäft gehen, in dem verschiedene Instrumente in einem Raum stehen, dann können Sie zum Beispiel auf einem der Instrumente eine beliebige Saite in Schwingung versetzen. Alle anderen Instrumente, die eine Saite mit derselben Tonfrequenz haben, werden von allein mitschwingen und klingen. Das bezieht sich aber nicht nur auf Musikinstrumente. Als ich neulich Klavier spielte, fing die Metallschaufel an unserem Holzofen immer dann an zu klingen, wenn ich einen bestimmten Ton anschlug. Oder es kommt vor, dass eine Gitarrensaite klingt, wenn man laut niest.
Das Phänomen der kollektiven Felder wurde schon von C. G. Jung erforscht.*3 Man betrachtet sie als energetische Speicher, die irgendwo in der Atmosphäre herumwabern und sich mit bestimmten Erfahrungsinhalten menschlichen Lebens füllen. Es gibt die verschiedensten kollektiven Felder, und jeder Mensch (und jedes Lebewesen) ist spezifisch mit den kollektiven Feldern in Resonanz, die mit seiner Erfahrungswelt in Verbindung stehen. Das heißt, dass zum Beispiel ich, als Deutsche, Frau, Ehefrau, Mutter, unter anderem mit dem kollektiven Feld der Mütter, der Deutschen, der Ehefrauen usw. in Resonanz schwinge.
Diese Felder entstehen durch ähnliche Erfahrungen, die mehrere Individuen eines gemeinsamen Erfahrungsfeldes machen. Die Felder und die Individuen beeinflussen sich gegenseitig, das heißt, wir als Individuen speisen dieses Feld mit unseren Erfahrungen, und das Feld wiederum wirkt auf unsere individuellen Körper, wenn es eine gewisse spezifische Kraft durch Masse erreicht hat.
Es gibt in der Forschung einen interessanten Versuch, den Ken Keyes *4 überliefert hat: Auf der Insel Koshima in Japan wurde eine Affenkolonie über 30 Jahre lang beobachtet. Die Affen ernährten sich gerne von Süßkartoffeln. Im Jahre 1952 lernte eine junge Affendame namens Imo, dass sie den lästigen Sand, der immer an der Kartoffelschale haftete, an einem nahe gelegenen Fluss mit Wasser abwaschen konnte. Diese Erkenntnis gab sie an ihre Mutter weiter, und so entstand ein allmählicher Prozess, der bis zum Jahre 1958 andauerte, in dem immer mehr Affen lernten, diese Technik anzuwenden. Eines Tages gab es jedoch plötzlich einen markanten Umschwung, als von einem Tag auf den anderen plötzlich fast alle Affen auf dieser Insel ihre Kartoffeln im Wasser abwuschen. Damit jedoch nicht genug – an jenem bestimmten, kritischen Punkt, an dem die Erfahrung ausreichend Informationsmasse erzeugt hatte, wuschen plötzlich auch jene Affen, die auf der benachbarten Insel lebten und die noch nie angefangen hatten, sich mit diesem Thema zu befassen, ihre Kartoffeln ab. Man spricht seitdem vom 100-Affen-Prinzip, ohne dass es sich in Wirklichkeit um genau 100 Affen gehandelt haben muss. Die 100 Affen stehen stellvertretend für die Masse, die es braucht, um individuelle Bemühungen oder Erfahrungen dem Kollektiv zugänglich zu machen.
In der Geschichte der Menschheit hat es immer Phasen und Paradigmen gegeben, die dazu geführt haben, dass durch ähnliche Erfahrungen vieler Menschen ein starkes, kollektives Feld entstehen konnte. Um nur ein paar zu nennen: die Zeit der Inquisition, Kriege, verschiedene Wirtschaftslagen, Gesellschaftsformen sowie häufige Erfahrungen, die vom Stand der Wissenschaft beeinflusst wurden, zum Beispiel die Sterblichkeitsrate bei Geburten und vieles mehr. Diese Erfahrungen führen zu Überzeugungen über die Realität, und das Empfinden und Verhalten passt sich diesen Überzeugungen an.
Jene Erfahrungen resonieren in unserem individuellen Feld, bis eine neue, stärkere Informationsmasse ihre Zugkraft aufhebt. Dies kann geschehen, indem neue Erlebnisse in Bezug auf ein bestimmtes Thema ab einem konkreten Zeitpunkt überwiegen oder alte Energien bewusst aufgelöst werden. Vor längerer Zeit hatte ich eine Klientin, die mit ihrem Mann gemeinsam einen Bauernhof betrieb. Sie stand unter starker innerer Anspannung. In der Arbeit mit ihr kamen wir in Kontakt mit dem alten kollektiven Feld der Landwirte vergangener Zeit, wo die Natur und ungünstige Wetterbedingungen mit einem Handstreich eine ganze Existenz vernichten konnten. Ich will zwar nicht behaupten, dass eine Missernte in der heutigen Zeit keine Bedeutung für einen Landwirt hat, aber in unserer Gesellschaft sind die meisten Bauern für einen solchen Fall versichert, sodass keine akute Lebensgefahr besteht. Diese Erinnerungen aufzuspüren und zuzuordnen, kann sehr erleichternd und klärend für eine Person sein. Die Anspannung meiner Klientin löste sich nach unserer Arbeit komplett auf.
Man sollte die Bedeutung der kollektiven Ebene nicht unterschätzen. Vor allem, wenn man versucht zu verstehen, wie und warum es im normalen und modernen Leben gelegentlich zu merkwürdigen Reaktionen, körperlichen Erscheinungen und Empfindungen kommt. Um nur ein Beispiel zu nennen, haben viele Frauen heutzutage das unbestimmte Gefühl, ihr Leben, besonders auf der materiellen Ebene, nicht eigenständig bewältigen zu können. Dieses Gefühl kann entweder deutlich als Angst empfunden werden, oder es wirkt ganz subtil im Untergrund, zum Beispiel als Anspannung. Oft haben die betreffenden Frauen eine sichere Arbeitsstelle. Die Angst, die hier wirkt, kommt häufig aus dem kollektiven Feld, aus einer Zeit, in der Frauen tatsächlich materiell abhängig von ihren Männern waren.
Die historische Ebene
Diese Ebene wirkt sich im Erleben eines Menschen auf zweierlei Weise aus: Wenn wir annehmen, dass wir als seelische Wesen tatsächlich zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Körpern gelebt haben, dann nimmt unsere Seele, als Informationsträger, Erfahrungen aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart und die Zukunft. Manche Erinnerungen sind neutral oder sogar stärkend für unser Selbst- und Lebensgefühl, andere dagegen schwächen und beeinträchtigen uns. Eine Klientin erinnerte sich in einer Sitzung an ein vergangenes Leben, wo sie bei einer Naturkatastrophe ihre Familie und ihre gesamte Lebensgrundlage verloren hatte. Sie war zu mir gekommen, weil sie eine tiefe Lebensangst verspürte, die sich fast vollständig auflöste, nachdem wir dieses alte Trauma in ihrer Seele bearbeitet hatten.
Der zweite Wirkungsbereich unserer geschichtlichen Entwicklung liegt im kollektiven Feld. Selbst wenn ich nicht persönlich eine bestimmte schmerzhafte Erfahrung gemacht habe, zum Beispiel bei der Geburt eines Kindes gestorben bin, so ist diese Erfahrung aus vergangenen Zeiten so tief im Feld des Kollektiven verankert, dass ich vielleicht trotzdem so etwas wie Todesangst spüre, wenn ich erfahre, dass ich schwanger bin. Natürlich sind Schwangerschaft und Geburt immer lebensverändernde Ereignisse und ambivalente Empfindungen dabei ganz normal, aber wenn eine Frau in Panik ausbricht, dann kann es manchmal eine große Hilfe sein, diese Aspekte zu untersuchen, um sie zu entlasten.
Es gibt eine unendliche Vielfalt an Themen, die aus der historischen Vergangenheit relevant für unser derzeitiges Leben sein können. Ich möchte für unseren Zusammenhang auf zwei wesentliche eingehen, die im zweiten Teil des Buches immer wieder zur Sprache kommen werden:
Das Patriarchat ist eine Gesellschaftsform, die einen sehr großen und überwiegend negativen Einfluss auf die Frau und ihre Weiblichkeit hat. Ich bin keine Historikerin und kann deshalb nicht genau datieren, wann und unter welchen Umständen sich diese Gesellschaftsform entwickelt hat. Das Patriarchat zeichnet sich dadurch aus, dass es dem Mann eine Übermachtstellung gegenüber der Frau einräumt. Die Frau wird als ein Wesen zweiter Klasse betrachtet und behandelt. In den Blütezeiten des Patriarchats, galt eine Frau als unmündig und dumm. Es war selbstverständlich, dass ein Mann das Recht hatte, nach Belieben über sie zu verfügen. In diesen Gesellschaftsformen hat eine Frau nicht die Möglichkeit, ein materiell eigenständiges Leben zu führen, und ist für ihr Überleben gewissermaßen von der Gnade des Mannes abhängig – von einem Anrecht auf Glück, Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung ganz abgesehen. Im Patriarchat erfahren Frauen sehr häufig körperliche und sexuelle Gewalt und werden dadurch traumatisiert.
Das Patriarchat ist bis heute lebendig; in manchen Kulturen sehr deutlich in der oben beschriebenen Weise, in anderen eher als subtiles Relikt, so wie in unserer westlichen Gesellschaft. Hier in Deutschland hat eine Frau zwar grundsätzlich kein Problem, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, aber es ist zum Beispiel immer noch weitgehend normal, dass sie für die gleiche Arbeit erheblich weniger Geld verdient als ein Mann.
Während das Patriarchat für viele Menschen bekannt und sichtbar ist, verhält es sich mit dem Matriarchat ganz anders. Zum einen ist es viel weniger bekannt als das Patriarchat. Aber in Kreisen, in denen sich Menschen und besonders Frauen mit alternativen Gesellschaftsstrukturen befassen, wird das Matriarchat häufig als eine Gesellschaftsform idealisiert, in der Gleichheit und Gerechtigkeit herrschen. Das mag für manche dieser Lebensformen zutreffen. Was jedoch wenig bekannt ist: In der Menschheitsgeschichte hat es matriarchalische Gesellschaftsformen gegeben, die in ihrer Geringschätzung und Unterdrückung des anderen Geschlechts dem Patriarchat in nichts nachstanden. Obwohl wir in unserer heutigen westlichen Kultur weit davon entfernt sind, ist diese Information für die innere Arbeit sehr wichtig, da Erfahrungen aus beiden extremen Gesellschaftsformen unser Lebensgefühl und vor allem die Beziehung zum jeweils anderen Geschlecht sehr wesentlich mitbeeinflussen.
Schöpfer oder Geschöpf? Ein metaphysischer Exkurs
Was hat es mit all diesen Ebenen auf sich? Worum geht es in diesem seltsamen Spiel, welches „das Leben“ genannt wird? Wer sind wir darin?
Ich möchte zunächst ein kleines Gedankenspiel mit Ihnen machen *5: Wenn es tatsächlich so ist, dass alles, was existiert, aus einer Art Urkraft entstanden ist – nennen Sie es Gott oder schöpferische kosmische Energie oder nennen Sie es den Urknall – so wäre es letztendlich so, dass in allem, was ist, das Eine enthalten ist. Dieses Eine ist die lebendige Essenz des Lebens, auf die alles, was existiert, zurückzuführen ist, und was dort, also in allem, was existiert, ein und dasselbe ist.
Stellen wir uns jetzt vor, reines schöpferisches Sein – jene Essenz – ergießt sich in verschiedene Formen, um sich im Spiegel dieser Formen bewusst zu erkennen. Stellen wir uns weiterhin vor, diese Uressenz des Lebens ist selbsterfüllt, frei, unbegrenzt kreativ und ihrem Wesen nach liebend. Und dann fällt dieser Kraft auf einmal ein, ausprobieren zu wollen, wie es wäre, wenn man eine Realität erschafft, in der die Erfahrung des Begrenztseins die Grundlage der Realitätserfahrung ist. Ziel des Spiels ist es, in einem Raum von Kontrasten, das eigene schöpferische Potenzial durch Erfahrungen, Wünsche und Vorlieben zu entfalten und dadurch die Vielfalt des Lebens zu erweitern. Es ginge darum, viele Abenteuer zu erleben und am Ende zu erkennen, wer ich in Wahrheit bin, nämlich frei, selbsterfüllt, unbegrenzt kreativ und meinem Wesen nach liebend.
Die größte Herausforderung besteht zunächst einmal darin, absolut glaubwürdige und geniale Umstände zu erschaffen, die die Protagonisten dieses Spiels davon überzeugen, dass sie und ihre Realität tatsächlich begrenzt sind. Ein unglaublich geniales Unterfangen, wenn es gelingt. Und ich glaube: Es ist tatsächlich wirklich gut gelungen! Ein sehr interessanter Film, der diese Thematik auf eine etwas nihilistische Weise aufgreift ist „Matrix“. Umgekehrt bedeutet das, dass alles Erleben, welches weniger als frei, selbsterfüllt, kreativ und liebend ist, nicht der Wahrheit dessen entspricht, was wir unserem Wesen nach sind.
Wir sind in unserem Körper, in dieser Erfahrungswelt gleichermaßen Schöpfer und Geschöpf. Es gibt die Anteile in uns, die in der Trance leben, dass diese Welt, die uns umgibt, die unumstößliche Realität ist – inklusive aller Gesetzmäßigkeiten, die darin existieren. Und es geht sogar so weit, dass es Anteile von uns gibt, die ausschließlich in dieser Realitätsebene überhaupt existieren. Aber es gibt auch einen Seins-Aspekt in uns, den manche zum Beispiel das wahre Selbst oder das höhere Bewusstsein nennen. Unser wahres Selbst ist die ganze Zeit Beobachter in diesem Spiel des Lebens, immer eins mit der wahren Essenz unserer schöpferischen Freiheit und am schöpferischen Prozess unserer „Geschichte“ maßgeblich beteiligt.
Was im Laufe dieses Spiels geschieht, ist, dass sich die meisten Menschen in dem „begrenzten“ Teil ihres Selbst verloren und den Zugang zu ihrer Essenz oder dem wahren Selbst vergessen haben. Dieser Vorgang führt dazu, dass wir uns mit dem persönlichen Drama unseres Lebens identifizieren. Das ist aber kein Problem, denn irgendwann wird jeder aus diesem Spiel erwachen – und Zeit spielt dabei keine Rolle, denn letztendlich ist sie auch nur ein Konstrukt dieser Realitätsebene. Wie Maharishi, der Begründer der Transzendentalen Meditation, es einmal so lapidar ausgedrückte: „An der Erleuchtung kommt am Ende keiner vorbei.“ Es ist ja auch so, dass dieses Spiel seine Reize hat.
Es gibt Anteile in uns, die wir aufgeben müssten, wenn wir uns „entschließen“ sollten, aus dem Spiel auszusteigen. Die meisten von uns identifizieren sich aber genau mit diesen Anteilen, sodass es buchstäblich Todesängste auslöst, wenn die Auflösung dieser Anteile zur Debatte steht.
Es geht unter anderem um unseren Körper und unser Ego, welches wiederum unmittelbar mit unserer Persönlichkeit verbunden ist. Das Ego ist die Instanz in uns, die uns das Gefühl gibt, ein abgetrennter Teil vom Ganzen zu sein. Nur zum Vergleich: Individualität ist auch einzigartig, aber nicht unbedingt abgespalten vom Ganzen. Sowohl unser Körper als auch das Ego sind mit Todesängsten ausgestattet – logischerweise, denn sie sind tatsächlich sterblich. Und wir identifizieren uns mit diesen Anteilen und Ängsten. Wir tun alles, um sie am Leben zu halten. Lieber leiden wir, als zu sterben. Solange wir jedoch auf der Ebene unseres Egos verhaftet bleiben, sind wir auch zum größten Teil mit der „Geschöpf-Ebene“ in uns identifiziert. Die Geschöpf-Ebene steht in Relation zur Ego-Ebene. Hier erleben wir uns von Gott, dem Leben oder dem Schicksal in die Welt geworfen – unter Umständen, die uns scheinbar einfach so widerfahren. Daraus entsteht das Gefühl, Opfer zu sein und das Leben als etwas wahrzunehmen, das von uns getrennt ist und dem wir ausgeliefert sind, mit dem wir ringen und kämpfen müssen und im Zweifelsfall meistens den Kürzeren ziehen.
Die Menschen haben im Laufe der Jahrhunderte immer wieder versucht, sich aus diesem Elend zu befreien. Das Problem war, dass sie die Befreiung auf der Geschöpf-Ebene gesucht haben. Denken Sie an all die Anweisungen verschiedener Religionen, in denen mit Mitteln von Gewalt versucht wurde, den Menschen ihre Liebe zum Körper und dem irdischen Leben auszutreiben. Man hat versucht, durch Zerstörung zu befreien. All das hat aber leider in den allermeisten Fällen nicht zum ersehnten Ziel geführt. Eher zu viel Schmerz und noch mehr Angst und Hader mit dem Leben, als sowieso schon da waren.
Es ist schon eine Gratwanderung. Wenn an diesem Gedankenexperiment etwas dran ist, geht es ja am Ende darum, die ganze Illusion unserer persönlichen Geschichte und dem Dasein als getrennte Wesen aufzugeben. Aber diese Illusion ist das, was wir in unserem Körper und unserer Persönlichkeit als Realität erleben. Und nicht nur das: All unsere Wünsche sind an diese Realität geknüpft. Reichtum, Erfolg, Liebe, alles findet im Rahmen des Spielfeldes und seiner Gegebenheiten statt. Dadurch hängt unsere ganze Aufmerksamkeit daran, mit aller Kraft und Energie wenigstens ein bisschen von dem zu bekommen, was wir so gerne haben oder sein möchten.
Die eigentliche Lösung liegt jedoch auf einer ganz anderen Ebene. Man kann es auch viel sanfter und natürlicher haben, indem man nach und nach anfängt, seine Aufmerksamkeit immer wieder auf diese liebende und ruhige Instanz in sich auszurichten, die unser wahres Selbst ist. Dies wird zu einer allmählichen Verschiebung in unserer Identifikation führen. Im Kontakt mit unserem wahren Selbst hat alles seinen Platz, das Freie und das Begrenzte. Das Spiel wird immer heiterer, je mehr wir die Illusion durchschauen. Das Überleben hängt immer weniger vom Überleben des Egos oder unseres Körpers ab, denn wir sind in Kontakt mit dem in uns, was nie geboren wurde und deshalb auch niemals sterben wird. Wir dürfen uns Zeit lassen. Vielleicht macht das Spiel jetzt erst richtig Spaß, wer weiß?
Führen wir diesen Gedankengang bis zum Ende, bedeutet das zweierlei: Zunächst sind wir in der letzten Instanz, also auf der Ebene unseres höheren Selbst, auch Schöpfer unseres Schicksals. Auf dieser Ebene kann man sagen, dass alles, was ich erfahre, von mir (also dieser Instanz in mir) erschaffen wurde. Und wer aufhört, sich über die grausamen Wendungen des Schicksals zu beklagen und tiefer schaut, wird feststellen, dass alles, was wir erfahren, entweder ein reines Geschenk der Fülle des Lebens ist (quasi von sich selbst an sich selbst) oder wenn es zwickt und hakt, eine Erfahrung ist, die uns helfen kann, wach zu werden und aus der Trance der Begrenztheit zu erwachen. Je mehr wir uns bewusst mit unserem wahren Selbst verbinden, desto häufiger werden wir die Erfahrung machen, aktiv an unserem Schicksal mitzuwirken, und Sinn in dem erkennen, was uns im Leben begegnet. Dann wird aus dem „Drama des Lebens“ nach und nach eine „gelungene Inszenierung“ und ein Weg des Erwachens.
Und zweitens: Wenn Sie sich noch einmal vergegenwärtigen, dass die Essenz von allem, was ist, ein und dasselbe ist, stellt sich die Frage: Wer ist dann da draußen?*6 Wer ist ein Anderer? An diesem Punkt der Erwägungen kann man sagen: Wenn die Essenz überall dieselbe ist, dann gibt es am Ende nur das Eine, und nichts und niemand ist getrennt von mir. Dann ist alles, was ich erlebe, ein kosmisches Bewusstseinsspiel oder eine Projektion meines Bewusstseins in die scheinbar äußere Realität.
Es ist jedoch wichtig, die verschiedenen Ebenen unterscheiden zu lernen. Viele der heutigen „New Age“- oder Coachingtechniken drehen sich um das große Paradigma: „Ich kreiere mir alles selbst“. Das klingt gut, stimmt aber nur sehr bedingt, wenn wir uns damit auf die Ego- oder die Persönlichkeitsebene begeben. Die meisten von uns haben bisher keinen voll bewussten Zugang zur eigentlichen schöpferischen Instanz in uns selbst. Gleichzeitig erschaffen wir die ganze Zeit. Das Problem an dieser Stelle ist, dass das Reservoir unseres Unterbewusstseins riesig ist. Viele unserer Motive sind von unbewussten Erwartungen, Ängsten und Programmierungen gesteuert, ohne dass unser Wachbewusstsein irgendetwas davon ahnt. Darüber hinaus haben die allerwenigsten von uns die Wachheit, sich pausenlos ihrer Gedanken bewusst zu sein und diese zu steuern. Ständig wiederholte (auch unbewusste) Gedanken wirken wie Affirmationen und entwickeln dadurch Manifestationspotenzial. Wenn man einmal anfängt, sich dabei zu beobachten, welche Gespräche man innerlich mit sich selbst führt, dann kann einem manchmal angst und bange werden.
Natürlich sind die meisten von uns auch auf der Persönlichkeitsebene bestrebt, bewusst Dinge zu erschaffen. Und das gelingt auch oft. Nehmen wir das Beispiel der Berufswahl. Wenn ich einen bestimmten Beruf erlernen möchte, habe ich die Möglichkeit, eine entsprechende Ausbildung zu wählen und später eine Arbeitsstelle zu suchen, die diesem Wunsch entspricht. Nur ist die Persönlichkeitsebene den Spielregeln unterworfen, die hier herrschen. Den Gegebenheiten unserer psychosexuellen Entwicklung, den Umweltbedingungen, dem sozialen Umfeld, in dem wir leben, unseren daraus resultierenden Überzeugungen über uns und das Leben sowie vieles mehr. Es kommt darüber hinaus auch vor, dass das, was unser Ego möchte, nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was unser wahres Selbst im Sinn hat. Dann sieht es immer wieder so aus, als hätte sich das Leben gegen uns verschworen.
Wir können aber etwas dafür tun, dass sich die verschiedenen Ebenen in uns einander annähern. Wir können lernen, mit den verschiedenen Aspekten in uns zu kommunizieren. Wir können uns auf der einen Seite als „begrenzte“ Persönlichkeit mit unserem höheren Selbst verbinden und mitteilen, was wir uns wünschen, und auf der anderen Seite lauschen, was das höhere Selbst aus seiner Warte und Liebe mit uns und unserem Wachstum im Sinn hat. Das zu sehen und zu verstehen, kann wesentliche Entlastung und Entspannung in unser Leben und unser System bringen. Große Vorsicht ist jedoch geboten, wenn wir meinen, unser höheres Selbst will uns etwas „verweigern“. Wenn ich zum Beispiel glaube, ich kann keinen Partner finden, weil mein höheres Selbst der Ansicht ist, ich sollte den Weg der Entsagung gehen. Etwas plakativ, aber gehen wir einfach mal davon aus, es wäre so. Das kann natürlich theoretisch möglich sein, aber viel wahrscheinlicher ist es, dass wir alte Verbote oder Ängste in uns tragen, die in unserer Realität verhindern, dass wir auf dieser Ebene Erfüllung finden. Ein guter Seismograf ist in solchen Fragen immer ein Empfinden von Kraft und Stimmigkeit sowie Ruhe und Fülle im Herzen. Sobald ich das Gefühl habe, ein Opfer oder Märtyrer zu sein, kann ich davon ausgehen, dass es sich nicht um die letzte Wahrheit handelt.
2. Kapitel
Was unterscheidet Mann und Frau?
Auch wenn wir Menschen beiderlei Geschlechts eine gemeinsame menschliche Grundausstattung haben und zu großen Anteilen in einem gemeinsamen kollektiven Feld leben, so gibt es doch Unterschiede, die auf den ersten Blick vielleicht klein sind, aber große Auswirkungen auf unsere Körperformen, unsere mentale und emotionale Struktur, den Ausdruck und die Wahrnehmung haben.
Die Verteilung der männlichen und weiblichen Energie
Jeder Mensch trägt männliche und weibliche Anteile in sich, und all diese Anteile brauchen in jedem Menschen einen angemessenen Platz in seinem Leben, damit er vollständig sein kann.
Die Verteilung von weiblicher und männlicher Energie ist aber nicht strikt festgelegt, sondern hat in jedem Menschen einen individuellen Spielraum. Je nach Veranlagung können in einer Frau oder einem Mann die Aufteilung der weiblichen bzw. männlichen Anteile variieren. Es gibt unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie das durchschnittliche Verhältnis von männlicher und weiblicher Energie bei Frauen und Männern gelagert ist. Die einen sagen, es bestehe ein großer Unterschied, aber es gibt auch Schulen, die behaupten, dass die prozentuale Verteilung von männlichen und weiblichen Energien in einer Frau oder einem Mann etwa in einem Verhältnis von 49:51 Prozent stehen.
Fakt ist, dass die energetische Waagschale sich einer bestimmten Seite zuneigt. Deshalb fühlen wir uns in den meisten Fällen eben grundsätzlich weiblich oder grundsätzlich männlich und deshalb bilden wir in mancher Hinsicht unterschiedliche, zum Teil komplementäre Körperformen aus, mit allem, was das mit sich bringt, wenn man zum Beispiel den Einfluss von Hormonen auf unsere Wahrnehmung und Emotionen betrachtet. Diese Unterschiede bewirken, dass wir in manchen Lebensbereichen sehr verschiedene Erfahrungen im Leben machen.
Unterschiede sind natürlich immer auch individuell, da jeder Mensch einen ganz eigenen Lebensweg geht. Dieser Lebensweg ist aber niemals losgelöst vom kulturellen Hintergrund, in dem wir leben, auch nicht von archetypischen Erfahrungen, die man nur im Körper seines jeweiligen Geschlechts machen kann, wie zum Beispiel die Erfahrung des Gebärens, die man ausschließlich in einem weiblichen Körper machen kann. An diesem Punkt sind wir auch mit unterschiedlichen kollektiven Feldern verbunden und haben deshalb verschiedene Resonanzflächen.
Die Chakren und ihre elektromagnetische Polung
Ein weiterer Aspekt, der in Bezug auf die Unterschiede zwischen Frau und Mann relevant ist, sind die elektrischen oder magnetischen Unterschiede, die in unseren Körpern wirken.
Erinnern Sie sich, dass ich im 1. Kapitel angekündigt habe, etwas über die feinstofflichen Körper *7 zu schreiben? Ich möchte gleich zu Anfang darauf hinweisen, dass ich dieses Thema nur anreißen kann. Es ist sehr umfassend und würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Einigen von Ihnen sind die allgemeinen Grundlagen sicherlich bekannt, aber für unsere gemeinsame Verständigungsgrundlage werde ich dieses Thema nun kurz skizzieren:
Aus der ayurvedischen, indischen sowie der traditionell chinesischen Medizin können wir, sofern wir uns mit spirituellen Inhalten oder alternativen Heilungswegen befasst haben – oder wir Inder bzw. Chinesen sind –, lernen, dass unser sichtbarer physischer Körper nicht alles ist, was unser System ausmacht. Die Einsichten und Wahrnehmungen, auf deren Grundlagen die indische und chinesische Medizin basieren, konnten lange Zeit nur von bestimmten Heilern und hellsichtigen Menschen wahrgenommen werden. So blieb es dem Normalsterblichen überlassen, daran zu glauben oder eben nicht. In der heutigen Zeit ist es durch die technische Entwicklung in der Wissenschaft möglich geworden, nichtmaterielle Phänomene, die den Körper betreffen, sichtbar zu machen, zum Beispiel durch Aurafotografie, Kirlianfotografie, Biofeldtests, Biophotonenmessungen *8 *9 und ähnliches.
Man kann mithilfe dieser Methoden sehen, dass unser physischer Körper von einem Energiefeld umgeben ist, das, je nach Person, unterschiedliche Farben aufweist. Dieses Feld wird im Fachjargon auch die Aura *10 genannt. Die Aura besteht aus verschiedenen Schichten, die, ähnlich wie bei einer Zwiebel, übereinanderliegen und einander, wie auch den physischen Körper, durchdringen. Jede Schicht unserer Aura ist einem bestimmten Seins- und Erlebensbereich zugeordnet. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von den feinstofflichen Körpern, die uns umgeben. Diese feinstofflichen Körper werden immer wieder etwas unterschiedlich definiert. Man kann jedoch verallgemeinernd festhalten, dass einige dieser Körper mit unserer Physis verbunden sind, es gibt einen feinstofflichen Körper, der mit der emotionalen Ebene verbunden ist, einen, der dem mentalen Bereich zugeordnet ist, und dann gibt es Körper, die mit der geistigen Ebene unseres Daseins verbunden sind.
Außer diesen feinstofflichen Körpern haben wir zudem Energiezentren in unserem Körper, die in der indischen Weisheitslehre als die Chakren *11 oder Chakras bezeichnet werden. Der Begriff Chakra leitet sich aus dem Sanskrit ab und bedeutet übersetzt „Rad“. Das kommt daher, dass die Chakren radähliche, spiralförmige Wirbel bilden. Wir haben in unserem System an die 1.000 kleinerer Nebenchakren an den verschiedensten Stellen in unserem Körper, aber es gibt sieben Hauptchakren, die entlang unserer Wirbelsäule liegen und ihre Energie sowohl nach vorne wie auch nach hinten ausstrahlen. Diese sieben Chakren haben zwei grundlegende Funktionen. Um auf die erste dieser beiden Funktionen eingehen zu können, muss ich zuvor noch einen weiteren Begriff einführen. Es gibt eine grundlegende, vitale Energie im menschlichen System, die in ihrer Essenz eins ist mit der Qualität von Geist oder reinem, lebendigen Sein. Das ist die sogenannte Kundalinie-Energie.*12 Diese Energie steht uns als Potenzial zur Verfügung und ohne sie gibt es kein Leben im menschlichen Körper. Es ist jedoch eine Frage der evolutionären Entwicklung des Bewusstseins, wie aktiv diese Energie in unserem System wirkt. Zunächst schlummert sie am unteren Ende unserer Wirbelsäule. Im Laufe unserer menschlich-seelischen Entwicklung steigt sie die Wirbelsäule aufwärts. Diese Aufwärtsbewegung geht einher mit einem Zustand zunehmender Bewusstheit. Ist die Kundalini-Energie voll erweckt, so ist auch das Bewusstsein erwacht und frei. Einen derartigen Zustand nennt man, zum Beispiel im Buddhismus, den Zustand der Erleuchtung.
Die Energie der Chakren ist also zum einen in ihrer Essenz identisch mit der Kundalini-Energie, aber sie ist in jedem Chakra auf eine bestimmte Weise thematisch gefärbt. Tatsächlich sind den einzelnen Chakren unter anderem auch bestimmte Farben zugeordnet.
Die sieben Hauptchakren sind wie folgt beschrieben:
1. Chakra: Das 1. Chakra liegt im Bereich des Damms und wird das Wurzelchakra genannt. Wenn die Energie in diesem Chakra aktiviert ist, erleben wir uns als geerdet und das Leben ergreifend. Hier siedeln sich Themen und Gefühle an, die mit unseren Instinkten, dem Durchsetzungsvermögen, aber auch mit Empfindungen von Stabilität und Urvertrauen verbunden sind. Die Farbe, die diesem Chakra zugeordnet wird, ist ein dunkles, kräftiges Rot.
2. Chakra: Dieses Chakra wird auch das Sakralchakra oder Hara genannt. Es liegt ca. einen Fingerbreit unter dem Bauchnabel. Hier sitzt unsere Lebenskraft und Lebenslust, darum wird es häufig auch der sexuellen Energie zugeordnet. Gleichzeitig liegt hier das energetische Zentrum für unsere Begeisterungsfähigkeit und die Kreativität. Dem Hara-Chakra ist die Farbe Orange zugeordnet.
3. Chakra: Das 3. Chakra liegt im Bereich des Solarplexus und hat zum einen mit Qualitäten von Wille und Macht zu tun, auf der anderen Seite liegt hier aber auch unsere Fähigkeit, Energien zu spüren und zu verarbeiten. Das ist unter anderem der Grund, weshalb uns unerfreuliche Gespräche oder Streit „auf den Magen schlagen“. Auch stehen viele emotionale Beziehungsthemen mit diesem Chakra in Zusammenhang – und unsere Fähigkeit zur Kommunikation. Die Farbe des 3. Chakras ist Gelb.
4. Chakra: Es wird das Herzchakra genannt und liegt etwa in der Mitte des Brustbeins. Das Herzchakra hat eine Schlüsselposition in vielen spirituellen Traditionen. Hier wird eine Qualität von Liebe aktiviert, die, jenseits der romantischen Liebe, eine besondere, heilende und transformierende Kraft entwickeln kann. Die romantische Liebe beinhaltet natürlich auch die Qualität des Herzens. In ihr schwingen jedoch gleichzeitig Energien mit, die anderen Chakren zugeordnet sind. Ganz sicher steht sie in Beziehung zum Hara-Chakra wie auch zum Solarplexuschakra. Je nach Art einer Liebesbeziehung können jedoch alle anderen Chakren ebenso involviert sein. Im Einklang mit der reinen Kraft, die unserem Herzchakra innewohnt, können alte Verletzungen geheilt werden, aber darüber hinaus kann das gesamte Energiesystem durch die Konzentration auf das Herzchakra in seiner Schwingung erhöht und geläutert werden. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass auch die Qualität von Mitgefühl diesem Chakra entspringt. Zwar geht es im Herzchakra um das Thema Beziehung, auf dieser Ebene ist die Liebe jedoch frei von emotionalen Eintrübungen und Verstrickungen. Die Gefühle, die dem Herzen entspringen, müssen nicht immer nur fröhlich sein, doch sie sind in jedem Fall authentisch und pur. Dem Herzchakra sind zwei Farben zugeordnet: Grün und Rosa.
5. Chakra: Als nächstes kommt das fünfte, das Kehlkopfchakra. Im Kehlkopf sitzt unser Ausdruck, und somit steht dieses Chakra auf besondere Weise in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer Persönlichkeit, aber auch dem individuellen Ausdruck der Seele. Wenn unser Kehlkopfchakra offen ist, so ist unsere Persönlichkeit offen. Wir zeigen uns der Welt, leben unseren individuellen Selbstausdruck und fühlen uns inspiriert. Hier regiert die Farbe Blau.
6. Chakra: Das 6. Chakra ist das Stirnchakra und wird auch das dritte Auge genannt. Es liegt zwischen unseren Augenbrauen. Hier erfahren wir den Bereich der feinstofflichen Wahrnehmung und der Visionen. Das dritte Auge ist unser geistiger Impulsgeber. Somit hat dieses Chakra auch etwas mit unserer Willenskraft zu tun sowie mit der Fähigkeit, uns auszurichten und zu fokussieren. Die Farbe ist Indigo.
7. Chakra: Zum Schluss kommt das Kronenchakra, welches seinen Sitz oben auf der Schädeldecke hat. Dies ist unser Tor zur geistigen Welt, zu den spirituellen Erfahrungen, zur Verbindung mit dem, was wir gemeinhin das höchste Bewusstsein nennen. Aus dieser Verbindung werden uns besondere Erkenntnisse zuteil. Die diesem Chakra zugeordnete Farbe ist das Violett.
Neben den speziellen Qualitäten von Erfahrung, die wir durch unsere Chakren machen können, besteht die zweite Funktion der Chakren darin, einen ständigen Energieaustausch zwischen den verschiedenen Ebenen unseres Systems aufrechtzuerhalten – den stofflichen und den energetischen Aspekten in uns. Die Chakren geben Energie ab und nehmen Energie auf. Sie werden deshalb auch die Organe unserer feinstofflichen Körper genannt. So viel zu den Chakren an sich.
Wesentlich für unseren Zusammenhang in Bezug auf die Unterschiede zwischen Mann und Frau ist aber eine besondere Eigenschaft, die die Chakren bei beiden Geschlechtern aufweisen. Die Chakren haben nicht nur ihre spezifische thematische und energetische Ausprägung, sondern sie haben auch eine magnetische Polung. Mit magnetisch meine ich in diesem Zusammenhang, dass es Chakren gibt, deren Energiezustand aktiv ist, und solche, die einen rezeptiven oder empfänglichen Grundzustand haben.
Die magnetische Polung ist, wenn man die Chakren von unten nach oben durchwandert, immer abwechselnd positiv (aktiv) und negativ (rezeptiv) gepolt und zwar genau komplementär bei Mann und Frau. Bei der Frau fängt es im Wurzelchakra negativ an und beim Mann positiv. Über das Kronenchakra hört man Verschiedenes. Es gibt Schulen, die sagen, es folge diesem Prinzip, aber es gibt auch Menschen, die sich mit dieser Materie befasst haben, die sagen, das Kronenchakra sei neutral gepolt. Das ist für unseren Zusammenhang jedoch unerheblich.
Die komplementäre Polung der Chakren bei Frau und Mann ist im Übrigen einer der Gründe für die magische Anziehung, die zwischen den Geschlechtern existiert. Sie spielt eine besondere Rolle im Verhalten und Erleben der Sexualität, aber auch bei der Art und Weise, wie Männer und Frauen sich ganz allgemein mit dem Leben verbinden. All das wird in den folgenden Kapiteln erörtert.
Das Wissen über die Polung unserer Chakren ist von taoistischen, tantrischen Traditionen überliefert. Auch hierzu gibt es im Anhang Literaturangaben *13 für diejenigen von Ihnen, die dieses Thema für sich vertiefen möchten. Die spezifische Polung bei Männern und Frauen hat einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung und die Art, wie wir dem Leben begegnen. Darauf werde ich gleich im nächsten Kapitel eingehen.
3. Kapitel
Was ist Weiblichkeit? Die Geschichte der Frau
Eine Frau, die grundsätzlich gesund und im Einklang mit ihrer Weiblichkeit ist, trägt natürlicherweise das Gefühl in sich, im Leben aufgehoben und versorgt zu sein. Mit der aktiven Kraft ihres Herzens verströmt sie mühelos ihre Liebe in die Welt. Sie fühlt sich kraftvoll und kreativ, gelassen und entspannt. Ihren Körper erlebt sie als eine Quelle der Lust und Freude. Im Einklang mit der Weisheit ihres Herzens findet sie ihren ganz individuellen Weg durch das Leben. Sie ist versöhnt mit den Licht- und Schattenaspekten des Lebens und ruht in ihrer Mitte. In der Gemeinschaft mit anderen Frauen findet sie Unterstützung und Nahrung für ihre weiblichen Bedürfnisse. Sie hat eine liebende, respektvolle Beziehung zu den Männern.
Wer von meinen Leserinnen all dies empfindet und verkörpert, darf dieses Buch nun getrost beiseitelegen und entspannt mit ihrem Leben fortfahren …
Für alle anderen wird es nun hoffentlich richtig interessant!
Warum ist es für viele – ich wage sogar zu behaupten, die überwiegende Zahl der Frauen – so ganz anders? Warum fühlen sich die meisten Frauen immer wieder so erschöpft, ausgebrannt, gestresst, unerfüllt, traurig, verbittert, kraftlos und einsam?
Die Geschichte, die dazu geführt hat, ist vielschichtig, und es lohnt sich, einen Blick auf die unterschiedlichen Ebenen zu werfen, die zu dieser Entwicklung geführt haben.
Kulturgeschichtliche Aspekte
Zunächst einen Blick auf unsere Kulturgeschichte.
Wir können die Zeit im Prinzip zurückdrehen bis zu Adam und Eva. Hier geschah gar Entsetzliches, wenn man die Geschichte im wörtlichen Sinn versteht. Evas Neugierde führte dazu, dass der Mensch aus dem Paradies verstoßen wurde. Diese Geschichte und ihre buchstäbliche Überlieferung hatten zur Folge, dass die Frau fortan wie ein sünd- und schuldhaftes Wesen 2. Klasse behandelt wurde. Ihre Schuld wurde übrigens nicht nur von außen, also den Männern deklariert, sondern auch die Frau trug und trägt zum Teil bis heute dieses Gefühl von Schuld, Scham und Versagen in sich selbst.
Die Folgen davon fanden ihren Ausdruck in der Gesellschaftsstruktur des Patriarchats. Im Patriarchat herrschte die Vorstellung, dass eine Frau über sehr geringen bis gar keinen Verstand verfügt, sie hatte keine oder nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, ihre Kraft und Kreativität zu entwickeln. Sie hatte praktisch keine Rechte. Sie wurde als Sexualobjekt missbraucht und verletzt und war materiell zumeist vollkommen abhängig von ihrem Mann, oder einem männlichen Familienmitglied. Ich will dabei nicht ausschließen, dass es in dieser Zeit punktuell auch Frauen gegeben hat, die entweder ein sonnigeres Schicksal hatten, wie etwa ein gut behütetes Mädchen aus reichem Hause, der Augenstern des Vaters. Oder aber Frauen, die sich über diese Zustände hinweggesetzt haben und ein eigenständiges Leben führten. Diese Frauen lebten jedoch häufig in der Gefahr, Anstoß zu erregen und bestraft, gefoltert oder getötet zu werden. Aus jener Zeit tragen wir in unserem kollektiven weiblichen Feld sehr viele Schuldgefühle, Angst und Schmerz.
Diese Strukturen wirken teilweise bis in die heutige Zeit hinein, wenngleich man natürlich sagen muss, dass sich in den vergangenen 100 bis 200 Jahren die Position der Frau, besonders in der westlichen Gesellschaft, stark verändert und verbessert hat. Das Patriarchat befindet sich, zumindest hier, auf dem Rückzug, obschon es immer noch starke gesellschaftliche Strukturen gibt, die die Werte und Prinzipien des Patriarchats aufrechterhalten.
Eine Hauptströmung, der wir diese Veränderungen verdanken, ist die Emanzipationsbewegung. Diese Bewegung und ihre Verdienste habe ich ja bereits in meiner Einführung erwähnt. Problematisch wird es nur an dem Punkt, wo Frauen in ihrem verständlichen Verdruss über die traditionelle Frauenrolle auf der energetischen Ebene das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben.
Das große Paradox ist, dass die weibliche Energie – und ich spreche hier nicht von der Frau in all ihren Aspekten – unter anderem ganz wesentlich Eigenschaften verkörpert, die mit Sanftheit, Lieben, Nähren, Unterstützen zu tun haben. Wenn wir als Frau frei sind, fließen diese Energien wie selbstverständlich als wesentlicher Ausdruck unseres gesamten Daseins in unser Leben hinein und berühren die Menschen, die uns umgeben. (Ich möchte an dieser Stelle allerdings erwähnen, dass die weibliche Energie auch noch ganz andere Aspekte in sich birgt, die alles andere als lieb und sanft sind, aber das soll an einer anderen Stelle erörtert werden). Im Zeitalter des Patriarchats wurde daraus ein Anspruch der Männer an die Frauen abgeleitet. Die Frau wurde auf die oben genannten Eigenschaften reduziert und so zur Sklavin dieses Potenzials.
Ein Hauptaugenmerk der Emanzipationsbewegung lag darauf, sich von diesen Eigenschaften zu lösen, um endlich frei zu werden für die kreative und selbstbestimmte Kraft, die in jeder Frau lebt. Und dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen. Für die innere Ganzheit kann es aber nicht darum gehen, sich für das eine, und gegen das andere zu entscheiden. Wir brauchen beides, um als Frau im Einklang mit uns selbst und der nährenden Energie, die wir in uns tragen, leben zu können. Diese weiblichen Aspekte zu bekämpfen, bedeutet letztendlich, immer gegen uns selbst zu kämpfen.
Der wesentliche Schritt besteht darin, eine bewusste und selbst gewählte Form für sich damit zu finden.
Ein anderes Problem in der Emanzipationsbewegung war, dass die Frauen sich in einer männlich geprägten Gesellschaftsstruktur behaupten mussten. Es ist leider immer noch so, dass klassische männliche Qualitäten das Maß und den Wert der Dinge bestimmen. Zielorientiertheit, Konkurrenz, Leistungsbewusstsein. Diese Qualitäten sind an sich nicht falsch oder schlecht. Das Problem ist nur, dass sie völlig überbewertet sind und Frauen, wie im Übrigen auch die Männer, körperlich, psychisch und energetisch darunter leiden.
Um sich einen Platz in der Gesellschaft erobern zu können, wählten die Frauen den Weg, die männlichen Paradigmen zu übernehmen und mussten noch bessere Männer werden, um zu beweisen, dass sie in diesem System bestehen können. Man darf in diesem Zusammenhang nicht außer Acht lassen, dass jene Bewegung für eine gewisse Zeit auch ein gesunder Ausgleich für die Frauen war, um endlich etwas von sich leben zu können, was ihnen bis dahin verwehrt gewesen war.
Jetzt scheint eine Zeit angebrochen zu sein, in der Frauen es wieder wagen können, sich mit den Wurzeln der weiblichen Energie zu verbinden.
Die archaische Ebenez
Es gibt noch eine Ebene, die unser Leben beeinflusst und die viel weiter zurückreicht als das, was man eine kulturelle Entwicklung nennen würde. Ich nenne sie in diesem Zusammenhang die archaische Ebene. Erinnern Sie sich daran, was ich über die kollektive Ebene geschrieben habe? Die archaische Ebene wirkt durch das kollektive Feld, aber sie lebt quasi auch noch in unseren Genen und bestimmten Bereichen unseres Gehirns. Zum Beispiel im limbischen System.*14
Der „Urmensch“ – und bitte legen Sie mich nicht genau zeitlich fest – war ein Wesen, welches sich für sein Überleben in Gruppen zusammenfand. Die Natur war hart, das Essen musste selbst erlegt oder gesammelt werden und es gab für das Überleben der Gemeinschaft ganz klare Rollen, die nicht zur Debatte standen und die sicherlich auch lange Zeit nicht reflektiert werden konnten – sowohl in Bezug auf äußere Notwendigkeiten als auch in Bezug auf den Bewusstseinsstand des Menschen in dieser Entwicklungsphase.
Der Mann war stark und hatte von seiner hormonellen Ausstattung her mehr Aggressionspotenzial in sich. Daraus ergab sich seine Rolle als Jäger und Beschützer. Die Frau gebar die Kinder und war für die Brutpflege zuständig. Allein hätte ein Mensch und ganz besonders eine Frau nur schwerlich, wenn überhaupt, überleben können.
Für uns Frauen bedeutet das auf dieser genetisch-kollektiven und hirnstrukturellen Ebene ein altes existenzielles Gefühl der Abhängigkeit vom Schutz des Mannes. Ich will damit nicht andeuten, dass diese Abhängigkeit etwas ist, mit der wir uns einfach abfinden müssen, sondern es ist wichtig zu verstehen, dass diese archaische Ebene auch heute noch in uns wirkt. Wenn es beispielsweise um Unsicherheiten in Beziehungen oder anderen Lebensumständen geht, wird, neben vielen anderen Dingen, auch diese existenzielle Ebene in unserem Fühlen und Erleben der Situation mit angeregt.
Beide der genannten Aspekte beeinflussen deutlich die individuelle Geschichte eines jeden Menschen. Wir werden in Paradigmen hineingeboren, die unser Selbstbild und unsere Erfahrungswelt stark prägen. Es gibt immer die kontinuierliche Weiterentwicklung einer Gesellschaft mit allen Irrungen und Wirren und scheinbaren Rückschritten, die dazugehören, und gleichzeitig dauert es lange, bis ein vollkommener Wandel stattgefunden hat. Es wäre unsinnig zu behaupten, die Rolle der Frau wäre, zumindest was unsere westliche Gesellschaft anbelangt, noch wie im Mittelalter. Und doch wirken die Paradigmen dieser Zeit immer noch auf bestimmten Ebenen weiter.
Was wäre beispielsweise, wenn die Vergangenheit unserer Kultur liebevoll und entspannt mit dem Thema Sexualität umgegangen wäre? Meinen Sie, es gäbe dann so etwas wie Unterdrückung der sexuellen Freude, die zu Ängsten und „Perversionen“ aller Art sowie zu sexueller Gewalt führen? Aber das nur als Gedankenspiel am Rande.
Gleichzeitig ist eine individuelle Geschichte auch das, was sie ist – eben individuell. Kein Mensch macht genau dieselben Erfahrungen wie ein anderer. Selbst wenn die äußeren Bedingungen die gleichen sind, so kann das Erleben jener Situation ein völlig anderes sein, als bei einem anderen Menschen.
Die energetische Ebene
Im vergangenen Kapitel habe ich über die Chakren und ihre Polung gesprochen. Ich möchte Sie an dieser Stelle zu einem kleinen Experiment einladen:
Wenn Sie die folgende Anleitung durchgelesen haben, kann es hilfreich sein, für die Durchführung der Übung die Augen zu schließen.
Übung (siehe Hinweis auf Seite 196):
Stellen Sie sich zunächst eine Situation vor, in der Sie sehr aktiv sind. Vielleicht machen Sie eine Sportart, die Sie auch im Alltag praktizieren, oder Sie stellen sich vor, Sie hacken Holz oder putzen die Fenster, so schnell Sie können. Versuchen Sie sich möglichst körperlich mit dieser Vorstellung zu verbinden. Wie fühlt sich Ihr Körper an? Die Muskeln, die Atmung, der Pulsschlag? Wenn Sie das richtig gefühlt haben, atmen Sie ein paar Mal bewusst ein und aus und lassen dieses Bild und die damit verbundenen Empfindungen hinter sich.
Jetzt stellen Sie sich als Nächstes vor, Sie sitzen in der Badewanne oder in der Sauna oder in der Natur an einem besonders schönen und stillen Ort. Versuchen Sie sich wieder so konkret wie möglich mit der Vorstellung an sich sowie den Körperempfindungen zu verbinden, die das in Ihnen auslöst. Vielleicht können Sie fühlen, wie der Atem ruhig wird, der Körper entspannt sich, die Gedanken werden ruhiger und es entsteht ein Gefühl des körperlichen Loslassens.
Verweilen Sie in diesem Zustand, so lange Sie möchten.
Dann atmen Sie wieder einige Male bewusst ein und aus und verbinden sich mit der Situation, in der Sie sich gerade befinden.
Sie haben soeben eine Erfahrung gemacht, wie sich die aktive und die rezeptive Energie im Körper anfühlt.
Das Wurzelchakra der Frau ist, im gesunden Zustand, rezeptiv gepolt. Es beeinflusst die Grundverbindung, die wir zum Leben haben. Hier entscheidet sich, wie wir uns grundsätzlich im Leben fühlen. Als Frau stellen wir diese Verbindung auf empfängliche Weise her. Ist diese rezeptive Polung intakt und das Chakra entspannt, können wir in einem weiblichen Körper die Erfahrung machen, dass das Leben zu uns kommt und dass es uns beschenkt mit allem, was wir brauchen. Auf dieser Ebene können wir uns entspannt zurücklehnen und einfach empfangen. Die rezeptive Polung wirkt auf natürliche Weise anziehend.
Natürlich hängt unsere Erfahrung von Fülle oder Nicht-Fülle im Leben noch von verschiedenen anderen Faktoren ab, aber hier liegt eine wichtige Voraussetzung dafür.
Es gibt zwei Schwierigkeiten, die die rezeptive Grundpolung unseres Wurzelchakras behindern:
Zum einen sind leider immer noch erschreckend viele Frauen in ihrem Wurzelchakra, also ganz konkret auch im Bereich der Vagina, verletzt. Jegliche Form von sexuellen Übergriffen ist in unseren Zellerinnerungen gespeichert und führt zu Verspannungen und Blockaden im Vaginalbereich. Immer wieder aufs Neue erschrecken mich die Statistiken, wie viele Mädchen und Frauen bis heute Opfer physischer und sexueller Gewalt sind. Es sind aber nicht nur unsere individuellen Erfahrungen, die diesen Bereich blockieren können. Wir tragen auch die Verletzungen der Generationen vor uns in unserem Energiesystem. Zum einen genetisch und systemisch, durch die Ahnenreihe der Frauen in unserer Familie, und eben auch aus dem kollektiven Feld. Da gibt es noch einiges freizuräumen, sowohl auf der psychisch-energetischen wie auch auf der politischen Ebene, bevor das kollektive Feld der Frauen an diesem Punkt erleichtert aufatmen kann. Wir arbeiten daran …
Das andere Thema betrifft die Polung selbst. Die Körper-, Frauen- und Sexualfeindlichkeit, aus der unsere Kultur gerade langsam erwacht, hat dazu geführt, dass viele Frauen das Wissen über ihre Sexualität verloren haben. Es geht mir dabei nicht um das Wissen von Abläufen im Sinne der sexuellen Aufklärung. Auch wenn es an dieser Stelle sicher immer noch weiteren Bedarf gibt, kann man sagen, dass die meisten jungen Frauen in unserer Gesellschaft heutzutage über die sexuellen Abläufe informiert sind. Auch die Emanzipationsbewegung hat viel dazu beigetragen, Frauen zu ermutigen, ihre ureigene Sexualität zurückzuerobern. Es ist kaum zu glauben, dass erst in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts langsam publik wurde: Auch der weibliche Körper hat die Fähigkeit zum Orgasmus. 1948 wurde zum letzten Mal überliefert, dass – wohlgemerkt in Amerika – einem Mädchen die Klitoris amputiert wurde, da es angeblich widernatürliche sexuelle Regungen hatte, indem es masturbierte.*15 Man kann diese tiefe Sexualfeindlichkeit, besonders in Hinblick auf die Frauen, also keinesfalls ins Mittelalter abschieben.
Der Aspekt, den ich in diesem Zusammenhang jedoch herausheben möchte, ist, dass die Form der Sexualität, die heute in unserer Gesellschaft allgemein gelehrt und angepriesen wird, sehr stark von männlicher Energie geprägt ist. Viel, schnell, heiß, orgasmusorientiert. Männliche Energie ist wunderbar, Hitze, Leidenschaft – herrlich! Aber die unbewusste, übergroße und ausschließliche Konzentration auf Reibung kann im Wurzelchakra einer Frau auf Dauer zu einer energetischen Umpolung führen. Das Wurzelchakra wird positiv geladen. Es kann energetisch nicht mehr aufnehmen und empfangen. Was unser Wurzelchakra natürlicherweise in Balance hält, wäre der Ausgleich von Hitze und Kühle, von Leidenschaft und Verweilen, von Sturm und Ruhe im Liebesspiel. Die Verteilung ist ganz und gar individuell und soll jetzt nicht als neues Konzept missverstanden werden. Wir haben häufig vergessen, was uns wirklich guttut und entspricht. Wir waren so lange entmündigt und sind verstummt. Wir haben den Zugang zu unserem natürlichen Rhythmus bei einer sexuellen Vereinigung verlernt. Aber jetzt können wir, wenn wir wollen, dieses Terrain für uns zurückerobern und die Sexualität so für beide Geschlechter wieder bereichern.
4. Kapitel
Die Ebenen der Heilung
Wie geschieht Heilung? Heilung ist ein sehr vielschichtiger Prozess. Wenn Sie sich an meinen metaphysischen Exkurs aus dem ersten Kapitel erinnern, dann kann man auch in diesem Zusammenhang sagen: Auf der Ebene des Schöpferseins ist Krankheit – jetzt im weitesten Sinne – eine Spielart des Lebens, die uns etwas zeigen oder lehren möchte. Aber die Ursachen sind oft nicht unmittelbar linear zu erklären und aufzulösen.
Die moderne Medizin arbeitet häufig innerhalb des Paradigmas, dass ein Symptom ein Umstand ist, den man beheben muss, um eine Krankheit zu heilen. In der ganzheitlichen Medizin betrachtet man den menschlichen Körper, einschließlich seiner Psyche, als einen Gesamtorganismus. Befindet er sich im Gleichgewicht, ist er gesund. Es gibt jedoch verschiedene Ursachen und Faktoren, die zu einem Ungleichgewicht führen können und sich dann in verschiedenen Symptomen niederschlagen. Auch wenn viele dieser Symptome körperlich sind, heißt das noch lange nicht, dass die Ursachen dafür auf dieser Ebene liegen. Es ist immer hilfreich, in einen Heilungsprozess möglichst viele Ebenen des gesamten Organismus miteinzubeziehen, um einerseits die Ursachen aufzuspüren und zu lösen und andererseits Maßnahmen zu ergreifen, die den gesamten Organismus wieder ins Gleichgewicht bringen und stärken.
In meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass es verschiedene Ebenen von belastenden Themen gibt, denen wir im Leben begegnen. Manche begleiten uns für eine kurze Zeit – vielleicht sogar nur einen Moment – und lösen sich sofort wieder auf. Wie zum Beispiel, wenn ein anderes Auto mir die Vorfahrt genommen hat und ich nur knapp einem Unfall entgangen bin. Vielleicht bin ich geschockt oder wütend. Diese Gefühle können mich ein paar Stunden oder sogar Tage begleiten, aber dann löst sich dieser Zustand nach kurzer Zeit von allein wieder vollständig auf.
Andere Themen sind vielleicht lästig, können aber durch ein gutes Gespräch oder eine kurzzeitige therapeutische Intervention vollständig gelöst werden. Ein Beispiel wäre hierfür eine Person, die im Rahmen eines Einstellungsgesprächs bemerkt, dass sie zunehmend unsicherer wird und infolgedessen nicht eingestellt wird. Bei einem therapeutischen Gespräch kommt eine Erinnerung aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche, in der sich diese Person in bestimmten schulischen Situationen in ihrer Kindheit und Jugendzeit ängstlich und überfordert gefühlt hat. Das zu erkennen und die alten damit verbundenen Gefühle noch einmal zu durchleben und zu erlösen, befreit sie von dieser Angstreaktion und im nächsten Bewerbungsgespräch fühlt sie sich kraftvoll und selbstbewusst.
Dann gibt es die Themen, die ich als „Lebensthemen“ bezeichnen würde. Diese Themen tauchen immer wieder auf – sei es durch bestimmte Erfahrungen, Empfindungen, Reaktionen oder körperliche Symptome. Sie haben etwas mit unserem inneren Wachstum zu tun. Die schöpferische Instanz in uns wählt dabei Lebensumstände und Situationen, die uns genau an die Punkte bringen, wo wir alte Überzeugungen in uns tragen, die uns begrenzen. Wir haben die Wahl, entweder unser Schicksal zu beklagen und das Leben und alle, die uns scheinbar das Leben zur Hölle machen, zu verfluchen, oder die Herausforderung anzunehmen und den Lernprozess zu ergreifen, der für uns darin liegt. Für einen Lernprozess reicht eine einmalige Erkenntnis zumeist nicht aus. Wir müssen diese Erkenntnis umsetzen, zum Leben erwecken, üben und etablieren.
Die moderne Gehirnforschung hat inzwischen herausgefunden, dass die Reiz-Reaktions-Leitungen in unserem Gehirn, die sogenannten Synapsen, eine Tendenz haben, in ihrer Reizleitung Bahnen zu etablieren, die, wenn sie einmal festgefahren sind, eine Art von „Suchtstruktur“ entwickeln, um sich ständig zu wiederholen und zu bestätigen.*16 Dieser Prozess ist automatisch und unbewusst. Wir merken nicht, dass unsere Wahrnehmung die Realität so filtert, dass wir überhaupt nur das sehen und wählen können, was uns diese Strukturen vorgeben.
Solange uns diese Gehirnstrukturen in unserem Leben und Selbstgefühl bestärken, ist ja nichts dagegen einzuwenden. Sie helfen uns auch bei der Verarbeitung von Informationen. So muss ich mir zum Beispiel nicht immer wieder neu klarmachen, wie ich ein Auto lenken kann, sondern es passiert nach einiger Übungszeit einfach automatisch. Aber es gibt immer auch Strukturen, die uns belasten, begrenzen und verletzen.
Ganz klassisch ist zum Beispiel die Tatsache, dass Frauen, die als Kind sexuelle oder physische Gewalt erlebt haben, viel häufiger als andere Frauen immer wieder an Männer geraten, mit denen sich diese Erfahrung wiederholt. Und selbst wenn es sich nicht um so drastische Erfahrungen in unserer äußeren Realität handelt, haben wir grundsätzlich die Tendenz, Realität mit unserem Empfinden oder unserer Interpretation zu färben – sodass es sich anfühlt wie das, was es schon immer war (auch wenn eine andere Person dieselbe Situation wahrscheinlich ganz anders empfindet und erlebt).
Ich habe im Laufe der Jahre großen Respekt vor diesen Mustern entwickelt. So ein Umlernprozess hat, neben Erkenntnis und Übung und dem bewussten Aufarbeiten der Ursachen, auch erst einmal etwas mit einem Entzug zu tun – ganz wörtlich, wie bei einem Alkoholiker oder Heroinsüchtigen. Wir werden zwar vielleicht keine weißen Mäuse sehen oder Pupillenveränderungen und Krämpfe haben, aber es fühlt sich an, als ob es unmöglich wäre oder sogar eine existenzielle Bedrohung. Ich möchte ein Beispiel anführen, welches ich im Lauf dieses Kapitels immer wieder neu beleuchten werde, um die verschiedenen Ebenen der Heilung aufzuzeigen:
Stellen Sie sich vor, ein kleines Mädchen liebt seinen Vater, wie das kleine Mädchen so zu tun pflegen. Dieser Vater hat in seiner Biografie sehr früh großen Verlust erlitten und hat sich, aufgrund dieses Traumas, überwiegend in sich selbst zurückgezogen. Er ist nicht unfreundlich, aber abwesend. Das Mädchen macht immer wieder die Erfahrung, dass es mit seiner Liebe ins Leere läuft. Es bekommt das Gefühl, nicht gesehen zu werden, nicht bedeutungsvoll zu sein. Später im Leben wird es höchstwahrscheinlich immer wieder Männern begegnen, die genau diese alten Gefühle wieder neu beleben. Vielleicht probiert die Frau im Laufe ihres Lebens verschiedene Strategien aus, um mit dieser Erfahrung zurechtzukommen, aber die Grunderfahrung und der damit verbundene Schmerz lassen sich nicht überwinden. Die Überzeugungen, die dahinter stecken, können zum Beispiel folgende sein: „Ich bin nicht liebenswert“, „Ich bin nicht wichtig“. Und sie wartet darauf, dass endlich ein Mann in ihr Leben kommt, der diesen Schmerz heilt. Und da ist der springende Punkt. Es fühlt sich absolut unabdingbar an, dass nur durch die Erfüllung auf der äußeren Ebene die Heilung kommen kann. Jeder neue Mann bringt neue Hoffnung und unweigerlich neue Enttäuschung mit sich. Die Heilung kann dann beginnen, wenn diese Frau die Suche im Außen und den damit verbundenen Schmerz nach innen holt. Wenn Sie gute Unterstützung hat, wird sie diesen Prozess Schritt für Schritt vollziehen können. Und vielleicht wird sie irgendwann erkennen – und zwar im Sinne einer Erfahrung, nicht nur als mentales Konzept –, dass die Fülle der Liebe in ihr selbst liegt, und die Erfüllung darin fühlen. Aber sie muss dafür die fixe Idee und das existenzielle Gefühl aufgeben, dass sie für ihr Glück und Überleben etwas ganz bestimmtes von außen braucht. Die Heilung funktioniert auch nicht, wenn diese Frau beschließt, sich innerlich zu verhärten, um nicht immer wieder den Schmerz und die Enttäuschung fühlen und erleben zu müssen. Das wird vermutlich irgendwann dazu führen, dass sie körperliche oder psychische Krankheitssymptome entwickelt. Es ist also ein sehr sensibler Prozess, im Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen und dem damit verbundenen Schmerz, das Muster der Bedürftigkeit an sich zu transzendieren. Das ist die Schnittstelle von unserem Geschöpf- und Schöpferdasein. Es ist sowohl ein horizontaler Prozess, in dem die Geschichte aufgerollt und geheilt werden kann, die überhaupt zu diesen Erfahrungen und den damit verbundenen Gefühlen und Selbstbildern geführt hat. Gleichzeitig ist es ein vertikaler Prozess der Entwicklung und des Wachstums, der uns immer mehr in Kontakt mit den Aspekten des Schöpferseins in uns bringt.
In Bezug auf unsere Lebensthemen entwickeln wir uns also nicht so sehr linear, sondern eher spiralförmig. Das bedeutet, wir reiben uns an den betreffenden Mustern, lösen eine Schicht und entwickeln uns. Sehr häufig kommt es dann zu einer Phase der Ruhe, bis das Thema erneut aktiviert wird. Man wird vermutlich feststellen, dass das Thema und die damit verbundenen Empfindungen wahrscheinlich ähnlich sind, wie in der letzten Runde, aber wenn man genauer hinschaut, wird man doch gleichzeitig eine Veränderung wahrnehmen. Vielleicht stürze ich nicht mehr in den bodenlosen Abgrund. Vielleicht fühle ich mich traurig, kann aber trotzdem mit Freunden ausgehen und lachen. Die Phasen des Leidens verkürzen sich und es wird insgesamt alles immer leichter. Irgendwann können wir vielleicht milde lächeln, wenn „es“ wieder auftaucht. Dann sind wir frei.
Die Arbeit, die in diesem Buch beschrieben wird, befasst sich mit den Ursachen, die ein Ungleichgewicht in einem Menschen hervorruft, und sie zeigt verschiedene Möglichkeiten, diese Ursachen zu erkennen und zu beheben. Im Folgenden werde ich kurz auf die verschiedenen Ebenen eingehen, die wesentlich für den Heilungsprozess sind.
Die Bedeutung der Persönlichkeit
Unsere Persönlichkeit hat im Wesentlichen mit unserem Selbstbild zu tun – also damit, „wer ich bin“. Sie entwickelt sich durch unsere genetischen Anlagen, die Sozial- und Umweltbedingungen, in die wir hineingeboren werden und in denen wir aufwachsen, sowie die Erfahrungen, die wir machen.
Alle gesellschaftlichen Normen und Werte wirken sich auf sie aus, ob uns das bewusst ist oder nicht. Selbst wenn wir rebellieren, tun wir das in Hinblick auf diese Werte. Wie sich all diese Bedingungen auf eine jeweilige Person auswirken, ist vollkommen individuell. Es gibt ähnliche Lebensverhältnisse, die bei einer Person dazu führen, kriminell zu werden, und bei der nächsten Person Engagement und Mitgefühl für alle Lebewesen hervorruft.
Unsere persönliche Geschichte ist ein wesentlicher Faktor, wenn es darum geht, Ursachen für bestimmte, begrenzende Muster in uns zu finden.
Ein besonders wichtiger Bereich unserer persönlichen Geschichte ist die Bedeutung des inneren Kindes.
Die Bedeutung des inneren Kindes
Erfahrungen, die wir im Leben machen, beeinflussen uns in dem Maß, wie sie sich prägend auf uns auswirken. Das hat viel mit den synaptischen Strukturen zu tun, von denen ich im Vorfeld geschrieben habe.
Das Gehirn eines sich entwickelnden Embryos ist noch sehr frei und flexibel. Es gibt organisch betrachtet kaum festgelegte synaptische Strukturen. Der Prägungsprozess beginnt jedoch bereits im Mutterleib.*17
Eine Prägung entsteht, wenn eine bestimmte Erfahrung, die wir vor allem in unseren ersten Lebensjahren machen, entweder sehr intensiv ist oder sich häufig wiederholt (oder beides zusammen). Wenn eine Prägung sich erst einmal in eine bestimmte synaptische Bahn fest geformt hat, dann ist es schwer, etwas anderes daraus zu machen. Deshalb sind die ersten Prägungen in unserem Leben so eindrücklich und so wichtig, denn alles Weitere baut darauf auf. Ein Baby hat noch keine Möglichkeit, eine Erfahrung mit mentaler Distanz zu betrachten und zu bewerten. Es hat keine Möglichkeit, Position zu beziehen. Es ist in einem vollkommen abhängigen und rezeptiven Zustand. Es hat keine Schutzfilter.
Die vollkommene Abhängigkeit ist ein weiteres wichtiges Thema, weswegen unsere (frühe) Kindheit so prägend für uns ist. Für unser Überleben sind wir von bestimmten Menschen abhängig. Deshalb spielen diese Menschen, zumeist die Eltern, in unserem Leben eine so große und existenzielle Rolle. Im Laufe unserer Kindheitsentwicklung gibt es bestimmte wichtige, entwicklungsbedingte Themen, die, je nachdem wie sie erlebt werden, einen großen Einfluss auf unser Leben und die psychische Stabilität haben. Darauf werde ich im weiteren Verlauf des Buches noch genauer eingehen.
Um auf unser Beispiel mit dem Mädchen und ihrer Vaterwunde zurückzukommen, liegt in ihrer persönlichen Kindheitsentwicklung eine wesentliche Ursache für das Thema des nicht wirklich Gesehen- und Gewollt- Seins. Sie hat in dieser Entwicklungsphase nicht die Möglichkeit zu verstehen, dass das Verhalten ihres Vaters die Folge seiner eigenen Kindheitswunde ist. Sie erlebt sein Nichtpräsentsein und kann gar nicht anders, als es persönlich zu nehmen.
Die Bedeutung des Körpers
Unser Körper ist zunächst einmal das Vehikel, welches uns durchs Leben trägt. Er hat motorische Eigenschaften und Fähigkeiten, ist aber auch sehr empfindsam, durch die vielen Nervenbahnen, die ihn durchziehen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, in welcher Verfassung unser Körper ist. Können wir uns frei bewegen? Fühlen wir uns wohl? Es gibt viele Menschen, die beispielsweise unter motorischen Einschränkungen oder sogar chronischen Schmerzen leiden. Dieser Zustand führt zu einer starken Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens bis in die psychische Grundverfassung hinein.
Der Körper hat aber noch eine weitere Eigenschaft: Er ist ein sehr präziser Speicher- und Informationsträger. Die Sparte der Psychosomatik in der Medizin hat seit Langem erforscht, dass psychische Störungen häufig die Tendenz haben, sich in körperlichen Symptomen zu manifestieren.*18 Es gibt die klassischen psychosomatischen Krankheiten, bei denen die Mediziner davon ausgehen, dass ihre Ursache tatsächlich in der Psyche liegen, aber eigentlich kann man, wenn man einen Menschen ganzheitlich betrachtet, die körperlichen Phänomene niemals völlig losgelöst von anderen Teilen des Gesamtorganismus betrachten. Man kann den Körper also als Informationsträger verstehen, dessen Ausdruck und Verfassung uns wertvolle Hinweise darüber liefern können, wo die tiefere Ursache eines bestimmten Problems liegen könnte.
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