Читать книгу: «Malagash»

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Sundays Vater stirbt an Krebs. Die Familie ist nach Malagash am Nordufer von Nova Scotia zurückgekehrt, damit er dort sterben kann, wo er aufgewachsen ist. Ihre Mutter und ihr Bruder sind beide am Boden zerstört. Aber am Boden zerstört sein ist zu wenig. Am Boden zerstört sein nützt nichts. Sunday hat einen Plan, sie hat angefangen, alles aufzunehmen, was ihr Vater sagt. Seine langweiligen Geschichten. Seine dummen Witze. Alles. Sie nimmt jedes einzelne „Ich liebe dich“ direkt neben jedem „Könnten wir die Heizung hier aufdrehen?“ auf. Alles ist wichtig. Weil Sunday ein Computervirus schreibt. Ein Computervirus, das heimlich auf den Festplatten von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leben wird. Ein Computervirus, das die Gedanken ihres Vaters denkt und die Worte ihres Vaters sagt. Sie hat Tausende von Codezeilen zu schreiben. Kryptografie zu verstehen. Exploits zu testen. Sie hat keine Zeit, traurig zu sein. Ihr Vater wird für immer leben.

Joey Comeau liefert mit Malagash ein präzise gestaltetes, schwarzhumoriges Porträt einer trauernden Familie. Er laviert in kurzen Kapiteln und mit knappen Sätzen zwischen Banalem und Existenziellem, er schildert das Aufbegehren und den Kampf gegen die Sterblichkeit und was – im digitalen Zeitalter – von einem Menschen vielleicht bleibt. Das ist klug, das ist komisch, das ist auch sehr berührend.

JOEY COMEAU, *1980, ist ein kanadischer Schriftsteller. Er ist Texter des Web-Comics A Softer World (mit Emily Horne). Bekannt wurde er vor allem mit seinen Romanen Lockpick Pornography, Overqualified und One Bloody Thing After Another.

Bei Luftschacht erschienen:

Malagash (Roman, 2021)

Überqualifiziert (Briefroman, 2018)

Lockpick Pornography (Roman, 2016)

Joey Comeau

Malagash

Roman

Aus dem kanadischen Englisch von Tobias Reußwig


Für meine Mutter, Karen Byers

Titel der kanadischen Originalausgabe: Malagash

Copyright © 2017 Joey Comeau

ISBN 978 - 1 - 77041 - 407 - 5

Published by ECW Press

665 Gerrard Street East, Toronto, Ontario, Canada M4M 1Y2

© Luftschacht Verlag – Wien

luftschacht.com

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten.

1. Auflage 2021

Umschlaggestaltung: Julian Tapprich – juliantapprich.com

Übersetzung: Tobias Reußwig

Lektorat: Teresa Profanter

Satz: Luftschacht – Paul Frenzel

Gesetzt aus der Metric, Cascadia Code und der Noe

Druck und Herstellung: Finidr s.r.o.

Papier: Munken Print Cream 90 g/m2, Surbalin glatt 115 g/m2

ISBN: 978 - 3 - 903081 - 51 - 2

ISBN E-Book: 978 - 3 - 903081 - 80 - 2

We acknowledge the support of the Canada Council for the Arts for this translation.



C:\MALAGASH>Buch.exe

Inhalt

//Eins

//Zwei

//Drei

//Vier

//Eins

>_

„Eine Last wird sich heben.“ Mein Vater hält einen großen Becher mit zerstoßenem Eis, den er von einer Seite zur anderen schwenkt. Das Eis ist noch nicht genug geschmolzen. „Eine Last wird sich heben“, sagt er.

Er hat es satt, „Ich weiß“ sagen zu müssen, mit dieser beruhigenden Stimme, wieder und wieder. „Ich weiß, Sunday, ich weiß.“

Also hat er diese neue Art gefunden, es zu sagen. „Eine Last wird sich heben. Ein Blatt wird fallen. Frischer, weißer Schnee wird diese ganze schläfrige Stadt bedecken.“

„Das ist sehr poetisch“, sage ich zu ihm.

Er schwenkt den Becher mit dem Eis wieder.

„Sunday, du bist meine Tochter“, sagt er und streckt seine Hand nach meiner aus. Ich nehme sie. „Du bist meine Tochter“, sagt er, „und es bricht mir das Herz, dass nun der Tag für dich gekommen ist, diese schwierige und simple Wahrheit zu lernen.“

Sein Gesicht ist sehr ernst, was eine der Arten ist, wie mein Vater lächelt. Er hält inne, als würde er nach den richtigen Worten suchen. Er sucht natürlich nicht. Nichts fällt meinem Vater leichter, als mich zu ärgern.

„Die Wahrheit ist, dass wir, jeder Einzelne von uns, alt und gebrechlich werden, Sunday. Wir, jeder Einzelne von uns, legen uns im Winter unseres Lebens nieder“, er schwenkt den Becher, „um Platz für die Babystinktiere und die nervösen kleinen Stachelschweine zu machen, die im Frühling geboren werden.“ Er sagt das in seinem Krankenhausbett, während er einen dünnen Bademantel trägt. Sein Gesicht ist todernst. Er denkt, er sei witzig. „Sie strecken ihre Köpfe aus dem Frost, weil jetzt ihre Zeit ist, meine geliebte Tochter. Jetzt ist ihre Zeit, in der Sonne zu glitzern.“ Er drückt meine Hand wie im Fernsehen.

„Das ist sehr poetisch“, antworte ich ihm wieder.

„Das hast du schon gesagt“, sagt mein Vater.

„Sehr poetisch“, sage ich.

Es ist meine Schuld, dass ich jeden Tag dasselbe sage. Ich will nicht, dass du stirbst. Ich will nicht, dass du stirbst.

„Schnee wird die Stadt bedecken“, sagt er feierlich.

„Schnee, Mitte Juli?“, sage ich. „Oh wow, wie bei einer Metapher?“

„Manchmal kommt der Winter früher, als wir wollen“, sagt mein Vater. „Manchmal beschließt der Himmel –“

„Okay, das reicht jetzt mit den –“ Ich unterbreche mich selbst. Es macht mich wahnsinnig. Es soll mich wahnsinnig machen. Mein Vater lächelt, als meine Stimme bricht, nimmt einen Schluck aus dem Becher mit dem schmelzenden Eis. Und wieder einmal erkenne ich, dass ich gegen den Tod selbst argumentiere. Ein stures Kind. Ein kleines Mädchen. Ich will nicht, dass eine Last sich hebt. Ich will nicht, dass ein Blatt fällt.

Es spielt keine Rolle, wie dumm die Argumente meines Vaters sind, wie klischeehaft seine Metaphern. Er steht auf der Gewinnerseite. Der Krebs ist überall. In zwei Wochen, vielleicht einem Monat, werden wir das Ende dieses verschlungenen Gartenpfads erreicht haben. Und er wird mir zeigen, dass ich unrecht habe. Eine Last wird sich heben. Ein Blatt wird fallen. Frischer, weißer Schnee wird diese ganze dumme Stadt bedecken.

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Ich dachte, Malagash sei eine kleine Stadt, aber es ist noch nicht mal das. Eine lange Straße, eine verschlungene, rot gepflasterte Schlaufe um die Nordküste von Nova Scotia. Ein Traktor steht auf einem Feld. Ein Geländemotorrad, das an einem Schuppen lehnt. Wir kommen an einem Pferch voller Lamas vorbei, die verdammt gelangweilt aussehen. Der Atlantische Ozean taucht höchstpersönlich auf, um neben uns herzufahren. Dann schlüpft er davon.

Ich sitze vorne, erneut habe ich mein Telefon in der Hand. Das Glas- und Metallobjekt, das einmal mein Telefon war. Ich habe niemanden mehr, den ich anrufen könnte. Was eine Erleichterung ist, weil ich keine Kraft mehr habe, mich zu verstellen. Es gibt nur eine begrenzte Menge von Kondolenzbekundungen, die ein Körper aushalten kann. Nur eine begrenzte Menge von Updates über alles, bei dem man gefehlt hat, bis sie einem nicht mehr fehlen.

Ich verwende mein Telefon, um meine Mutter aufzunehmen. Das dumpfe Geräusch der Schlaglöcher. Wacklige, flüchtige Videoeindrücke von den vorbeigleitenden Landhäuschen. Der Hungerhaken, der vor sich hin summt. Die vorbeirasenden Bäume. Das Telefon nimmt alles auf, was es kann, während wir zum ersten Mal durch die Heimatstadt meines Vaters fahren. Säuberliche kleine Häuser, für die Privatsphäre mit ausreichend Abstand zueinander, jedes ist auf seinem eigenen Stück wunderschönen Seeblicks positioniert. Es gibt einen alten Kramladen mit einer sterbenden PIZZA-Neonreklame.

Über dem Matsch ist die Stimme meiner Mutter zu hören. Der Matsch streckt sich bis zum grün-grauen Ozean.

„Gemeinde wäre der höfliche Begriff“, sagt sie. „Tatsächlich ist es ein Elefantenfriedhof für Menschen.“ Ein Lachen ist in ihrer Stimme, als würde sie uns aufziehen. Dieser Ort ist ihr vertraut. Weder Simon noch ich waren jemals hier, aber Mom und Dad verbrachten an diesem Ort ein ganzes Leben. Sie lebten hier zusammen, bevor Simon oder ich geboren waren. Mit dem Telefon am Fenster nehme ich auf, was ich kann. Es gibt eine Kirche, einen Weinberg, eine aufgegebene Salzmine irgendwo unter uns, ein Bibelcamp, einen Kai, von dem aus Hummerfischer einst in See stachen. Vielleicht tun sie es immer noch? Noch ein Kai. Noch einer. Kais sehen immer verlassen aus. Es gibt einen echten Friedhof rund um die Kirche. „Weiter als bis zu diesen Gräbern kommen einige dieser Leute nie“, sagt meine Mutter, während wir daran vorbeifahren.

Ein paar Fakten, an die meine Mutter sich erinnert:

„Die Straße wird durch den Lehm so rot. Sie haben benutzt, was sie zur Verfügung hatten. Schaut mal, wie rot auch die Erde ist.“

„Bei Ebbe kannst du ewig laufen und das Wasser reicht dir nicht höher als bis zur Hüfte.“

„Diese Landhäuschen dort gehörten der Tante und dem Onkel eures Vaters, Edie und Harry. Zwei getrennte Landhäuschen direkt nebeneinander. Ist das nicht perfekt? Es hat ihre Ehe gerettet.“

Es war nicht notwendig, uns zu überzeugen, hierherzuziehen. Wir haben nicht gebettelt oder gestritten. Unser Vater wollte zurück nach Hause nach Nova Scotia, um nahe bei seiner Mutter und seinen Kindheitserinnerungen zu sterben. Wir wollten bei unserem Vater sein. Die Rechnung war sehr einfach. Bringt uns, wohin ihr wollt, solange wir bei ihm sein können. Der Rest war völlig egal.

Alles, was wir brauchen, ist hier. Wir haben unsere Klamotten. Simon hat seine Puzzles und seine Spielsachen, und ich habe meine Computer. Wir werden nicht ewig hier sein, denke ich. Bloß für das restliche Leben meines Vaters.

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Ich nehme die Stimme meines Vaters mit meinem Telefon auf. Audio, aber kein Video. Ich mache mir zu große Sorgen darüber, wie dünn seine Arme sind und wie blass sein Gesicht ist. Ich nehme seine Stimme auf, weil seine Stimme sich noch richtig anhört. Er klingt wie mein Vater, und es ist mein Vater, an den ich mich erinnern möchte.

Ich nehme ihn bei jedem Besuch auf. Seine Witze und sein Lachen. Sein ruhiges Akzeptieren des Todes. Seine Wortspiele. Das Kratzen in seiner Stimme, wenn er über meinen kleinen Bruder spricht, den Hungerhaken. Wenn er über meine Mutter spricht. Über mich. Ich habe mir noch nie etwas so genau angehört, wie ich mir diese Aufnahmen anhöre. Das Auf und Ab des Tonfalls. Die Gründe für jede kleine Flexion. Es gibt so viel Bedeutung in jeder dummen, kleinen Sache, die wir von uns geben.

Manchmal halte ich das Telefon in meiner Hand. Manchmal lege ich es auf den Tisch oder auf das Bett neben ihn. Also schwankt die Tonqualität. Das kann dazu führen, dass er sich weit weg anhört, wenn ich es mir zu Hause anhöre. Als ob seine Stimme durch einen dichten, vorgezogenen Vorhang zu mir kommen würde. Aber das liegt nur daran, dass er noch am Leben ist. Wenn er tot ist, werden sich die Aufnahmen näher anhören.

Ich nehme alles auf. Dann kopiere ich alles auf einen Laptop, den ich golden spritzlackiert habe. Auf die Oberseite des Laptops habe ich ein altmodisches Kreuz in weiß mit einer Schablone draufgesprüht. Ich weiß absolut nichts über Religion. Das hat nichts mit Religion zu tun.

Ich bin gründlich mit meinen Aufnahmen, aber sie zu sortieren, ist schwierig. Ich teile sie in Phrasen, Sätze auf. Jede Aufnahme wird in ihre Teile zerlegt. Manchmal sind es nur einzelne Wörter oder Geräusche. Manchmal ist es ein Lachen. Ich habe so viele Variationen von seinem Lachen.

schnelles_lachen.wav

schneidendes_abschließendes_lachen.wav

langes_schallendes_lachen.wav

längeres_lachen_zusammen_mom.wav

trauriges_lachen.wav

unerwartetes_lachen.wav

lachen_fuer_mich.wav

Aber das Wichtigste ist die Stimme meines Vaters. Die Wörter.

poetisch.wav

du_bist_meine_tochter.wav

sunday.wav

sunday_sunday_sunday_monster_truck.wav

bienchen_und_bluemchen.wav

schlaefrige_stadt_bedecken.wav

ansehnlich_alt.wav

huehner.wav

ein_blatt.wav

„Eine Last wird sich heben“, sagt er. „Ein Blatt wird fallen.“ Ich sammle die Worte meines Vaters. „Frischer, weißer Schnee wird diese ganze, schläfrige Stadt bedecken.“

Ich habe eine Datenbank angelegt, um den Überblick zu behalten. Jede Datei bekommt einen Eintrag in der Datenbank. Jeder Dateiname wurde einem Transkript und einem Textfeld zugeordnet, in dem ich versucht habe, den Kontext zu beschreiben. Aber das war nicht genug. Also habe ich Textfelder für Inhalt, Tonfall, für Gesichtsausdrücke hinzugefügt. Es gibt so viel, an das man sich erinnern muss. Verwirrung. Gespielte Empörung. Metapher. Es ist ein unbenutzbares Datenchaos.

Nachts spiele ich mir seine Stimme in langen Nonsensschleifen vor, bevor ich einschlafe. Wie eine Gutenachtgeschichte. Wie ein Schlaflied.

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Unser Zimmer ist voller Blumen. Sie sind auf der Tapete, der Decke. In den Türrahmen geschnitzt. Sie sind auf die zu kleinen Stühle gemalt, die vor dem Bücherregal stehen. Dieses ganze Zimmer fühlt sich merkwürdig aus der Zeit gefallen an, wie ein altes Foto.

Der Hungerhaken und ich teilen uns ein Stockbett. Er zieht das untere Bett vor, aus Angst, im Schlaf hinauszufallen. Aber mir macht es nichts aus. Ich habe kein Problem mit dem oberen Bett. Wenn ich hier oben bin, fühlt es sich getrennt vom Rest des Raums an, privater. Und es ist mir egal, wenn ich hinausfalle.

Wenn ich die Wahl hätte, hätte ich lieber ein richtiges Bett und mein eigenes Zimmer. Es gibt zwei weitere Zimmer in diesem Stock, aber sie sind nicht für uns bestimmt. Eines ist für unsere Onkel, sobald sie ankommen; das andere ist für unsere Mutter. Dieses Zimmer ist unseres.

Ich bin allerdings ein wenig zu groß für das Bett. Meine Füße drücken gegen das Fußende, und es ist kein Platz für einen Computer. Erst recht nicht für drei. Das wäre zu einem Problem geworden. Also habe ich den Schrank ausgeräumt. Habe ihn in Besitz genommen. Die Tür ist nicht schalldicht, aber es ist dunkel darin, und privat, und ich mag es sogar irgendwie, dass ich meine Knie an meine Brust pressen muss, um hineinzupassen. Während also mein Bruder schläft, rolle ich mich vor den Geräten zusammen und lade die Stimme meines Vaters hoch. Ich erstelle neue Einträge in der Datenbank.

„Guten Morgen, Sunday“, sagt er. „Wie war der Flug?“

„Wem schreibst du auf diesem Ding? Einem Jungen? Sag ihm, dass er uns einen Witz erzählen soll.“

„Warum kommt die Katze mich eigentlich nie besuchen? Ist sie sauer auf mich?“

„Du bist so wundervoll, Sunday.“ Seine Stimme ist sehr still und ernst auf dieser Aufnahme. Ich habe eine eigene, besondere Kategorie für Aufnahmen, auf denen er meinen Namen sagt. Und für die, auf denen er sagt, dass er mich liebt. Manchmal ernst, und manchmal mit einem fröhlichen Lachen.

update aufnahmen_db

set tonfall = ´froehlich lachend`

where filename = ´wundervoll.wav`;

„Erzähl das nicht deiner Mutter oder Simon, aber ich liebe dich viel mehr als sie“, sagt er.

update aufnahmen_db

set tonfall = ´todernst`

where filename = ´liebt_mich_am_meisten.wav`;

Die kleinen Blumen auf der Tapete im Kleiderschrank flackern im Computerlicht.

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Es gibt ein verlassenes Bauernhaus gegenüber des Hauses meiner Großmutter. Das Holz ist grau gebleicht, und das Dach ist auf der rechten Seite eingebrochen, als wäre das Haus nach links gestolpert. Das Haus wirkt nicht verzweifelt. Es wehrt sich nicht. Es schlägt nicht um sich oder kämpft gegen seinen Einsturz. Es ist ein Elefant, der weit genug gekommen ist und nicht mehr weitergehen kann. Die stolze, graue Hülle eines Tiers, das sich jede Falte in seiner Haut verdient hat. Das lange genug gelebt hat. Hier ist seine Belohnung.

Jetzt wird es dunkel. Der Himmel ist das Einzige, was man deutlich erkennen kann.

Ich habe dagesessen und zugesehen. Ich möchte die Seite dieses alten Hauses berühren. Meine Hand auf seine Flanke legen und etwas in diesen großen, hohlen Lungen knarren hören. Aber als ich aufstehe, um hinüberzulaufen, hält mich die Dunkelheit davon ab. Der Himmel leuchtet noch farbig, und die Sterne haben angefangen, sich zu zeigen, aber der Boden und die Büsche am Rand der Auffahrt meiner Großmutter sind fort. Verschwunden.

Das stolpernde alte Bauernhaus hebt sich jetzt nur noch als Silhouette von den Sternen ab. Das wäre gar keine so schlechte Art zu sterben. Endlich zu stolpern und in einem Feld niederzustürzen, und es zu akzeptieren. Sein eigener Grabstein zu sein. Es wäre kindisch, sich zu wehren. Kindisch, um sich zu schlagen oder gegen seinen Einsturz anzukämpfen. Kindisch zu versuchen, ewig zu leben. Ich kann meinen Vater dort draußen auf dem Feld sehen, gelassen und ruhig. Ich bin diejenige, die noch um sich schlägt. Ich bin diejenige, die will, dass er ewig lebt.

„Sunday, Liebes, bist du da draußen?“, ruft meine Großmutter hinter mir. In dem orangen Leuchten. „Sunday, wie viel Kartoffelsalat möchtest du?“ Ein weiteres spätes Abendessen. Das Klappern von Besteck auf geblümten Tellern.

Schau dir das Haus an, so still und willig. Wenn es eine gute Art gibt zu sterben, dann ist es die dort draußen. Elegant und ruhig im Angesicht des Unvermeidlichen.

Es fühlt sich fast großzügig an. Schönheit und Beschwichtigungen sind nicht für uns selbst. Natürlich wird der Tod kommen. Und natürlich gibt es keine gute Art zu sterben. Es gibt keinen Frieden. Eine Last wird sich nicht heben. Ein Blatt wird nicht fallen. Aber wir können so tun, als ob.

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Manchmal höre ich mir die Stimme meines Vaters an, um mich zu beruhigen. Aber das ist nicht der Grund, warum ich ihn aufnehme.

Ich nehme ihn auf, weil ich ein Computervirus schreibe. Ich schreibe ein Computervirus auf der Basis der Worte meines Vaters. Basierend auf seinen Witzen und seinem Lachen. Basierend auf seinen Geschichten. Das Virus wird in die Welt hinausgehen und es wird für immer auf den Festplatten von Fremden leben. Es wird sich unter allem verstecken, und in der Dunkelheit wird es sehr leise Dinge wiederholen, die mein Vater gesagt hat. Jedes Wort, das ich aufgenommen habe.

Es wird nichts laut sagen. Es wird nicht mit der echten Stimme meines Vaters sprechen. Teilweise, weil die Tondateien zu groß sind, um sie in das Virus aufzunehmen. Teilweise, weil sein Überleben davon abhängen wird, nicht gehört zu werden. Nicht entdeckt zu werden. Also wird das Virus die Worte meines Vaters für ihn sprechen; es wird sie in Datenspeicher kopieren. In die weiten Strecken ungenutzten Speicherplatzes. Wie ein Echo in einem leeren Raum. Wie die Worte auf der Rückseite eines alten Fotos, versteckt vom Rahmen. Wie ein Geist.

Und obwohl die Aufnahmen zu groß sind, um sie vollständig zu integrieren, ist seine Stimme doch wichtig. Also habe ich mit der Konfiguration von quelloffener Spracherkennungssoftware herumgespielt. Ich stellte sie ein, Datei für Datei für Datei zu analysieren. Miteinander zu vergleichen und zu kontrastieren. Ich fütterte sie mit Lachen. Witzen. Ich fütterte sie mit jeder stillen Frage, jeder trockenen Beobachtung. Ich ließ alles durchlaufen, und die Software gab mir eine kurze Ziffernfolge. Bloß ein Fragment eines Fingerabdrucks. Ein Muster.

Und dieses Muster kam in den Quellcode des Virus. Streng genommen nicht notwendig, aber wichtig für mich.

Sein Lachen wurde ein Teil des Musters, das das Virus benutzt, um sich selbst zu erkennen. Es wurde Teil des Codes, das das Virus nutzt, um zu mutieren, um die Klartextzitate meines Vaters vor Anti-Virus-Software zu verstecken, die nach ihm suchen könnte. Überall, wo ich es benutzt habe, verringerte das Muster die Zufälligkeit des Verhaltens des Virus. Anstatt pseudo-zufällig auszuwählen, welche Veränderungen es an einem infizierten System vornehmen könnte, entscheidet es sich, sich entsprechend dieser einen Zahl zu verhalten. Nicht überall und immer natürlich. Aber an einigen Orten – in einigen Momenten – wird das Virus, statt eine Münze zu werfen, einfach tun, was es möchte. Es wird es selbst sein.

Das ist nicht die effizienteste Art, es zu machen. Es ist auch nicht die klügste.

Aber es fühlt sich richtig an.

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Mein Vater hat wohlgemerkt keine Ahnung von dem Virus. Er würde kein Wort verstehen. Vielleicht würde er die grundlegende Idee davon verstehen, aber die grundlegende Idee davon ist etwas, das ich ihm jeden Tag sage. Ich will nicht, dass mein Vater stirbt. Er weiß es. Jeden Tag weiß er es.

Mom ist die Programmiererin, nicht Dad. Ja, Dad ist sehr stolz, wenn ich Programmierwettbewerbe gewinne, aber er lächelt bloß, wenn es zu technisch wird. Er hat Computer nie verstanden. Begriff nie den Sinn. „Schau doch, wie schön es draußen ist“, sagt er immer. Selbst an den hässlichsten Tagen.

Als ich vor zwei Jahren wegen Hackens von der Schule suspendiert wurde, war meine Mutter rasend vor Wut. Nicht wegen mir, sondern wegen der stellvertretenden Schulleiterin, die mich nach Hause geschickt hatte. Mein Vater und ich saßen am Küchentisch und hörten ihr beim Telefonieren zu. Ihre Stimme wurde lauter und lauter.

„Nein, ich verstehe ganz genau, was sie getan hat“, sagte meine Mom. „Tun Sie es?“ Sie hörte zu. „Damit wir uns richtig verstehen. Private E-Mails und Daten, die meinen Kindern und hunderten von anderen Kindern gehören, waren mehr als ein Jahr lang unnötig in Gefahr, weil Sie Geld sparen wollten, indem Sie eigene Server benutzt haben? Und Sie suspendieren meine Tochter, weil sie Sie darauf hingewiesen hat? Sie haben nicht mal einen richtigen IT-Mitarbeiter. Meine Tochter wollte helfen.“

Was nicht exakt meiner Motivation entsprach, wenn ich ehrlich bin, aber es hörte sich auf jeden Fall gut an. Mein Vater aber saß nur da und lächelte.

„Ein wenig schulfreie Zeit, was?“, sagte er zu mir. „Das ist toll!“

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Zuerst gefällt mir die Art, wie sie sich kleidet. Einfache schwarze Kleidung. Straffe, schwarze Haare. Es gefällt mir, weil es die Art ist, wie ich versuche, mich zu kleiden. Es ist die Art, wie ich mich selbst sehen möchte. Ich möchte so undekoriert wie möglich sein. Eine Chiffre. Ich möchte nicht, dass meine Kleidung irgendetwas darüber verrät, was in mir vorgeht. Ein schwarzes Loch, aus dem keine Information entkommen soll.

Ihr weißer Laborkittel passt nicht zum Rest ihres Outfits. Es ist ein bewusster Fehler, das ist beinahe sicher. Nicht praktisch. Der Laborkittel ist ein Zugeständnis, der eine Teil des Doktorkostüms, den sie trägt. Ein Requisit. Aber abgesehen davon? Simpel. Also ja, ich mag die Art, wie sie sich kleidet. Aber es ist schwer, jemanden zu mögen, dessen Arbeit es ist, dich wie ein Kind zu behandeln.

Sie ist eine Psychiaterin, habe ich herausgefunden. Sie hat es mir noch nicht gesagt. Sie geht einfach voran. Einen langen Krankenhausflur nach dem anderen. Sie sagt auch nicht, wohin wir gehen, aber es gibt farbige Streifen auf dem Boden. Sie führen in verschiedene Richtungen. Farben kommen und Farben gehen, aber eine bleibt immer unter unseren Füßen. Blau, was eine Legende an der Wand für mich als „Kinderpsychiatrie“ dechiffriert.

Unser Ziel ist ein Raum, der eindeutig für Kinder gedacht ist. Kinder-Kinder, meine ich. Dinger im Hungerhaken-Alter. Aber ich bin hier, also schätze ich, ist er auch für mich gedacht. Offenbar gibt es keine institutionelle Unterscheidung zwischen mir und dem Hungerhaken. Zwei Eier, eins wie das andere, obwohl er halb so alt ist wie ich.

Trotzdem ist der Unterschied zwischen mir und meinem Bruder noch so groß, dass sie beschlossen haben, sich getrennt um uns zu kümmern. Er ist noch im Krankenzimmer und wartet darauf, dass er an der Reihe ist. Die Ärztin zieht einen Stuhl für mich und einen für sich heraus. Überall sind Plüschkreaturen, ein weicher Alligator, wuschelig und dunkelgrün, ein Nilpferd hängt auf einer Box mit Latexhandschuhen, ein ausgestopfter Adler, seine Flügel ausgestreckt und sein Schnabel verfilzt.

„Ich wurde gebeten, dir zu helfen, dich vorzubereiten“, sagt die Ärztin. Ich brauche das nicht. Ich weiß, dass mein Vater im Sterben liegt, und ich weiß, was ich tun muss. Der Hungerhaken ist derjenige, der hier sein sollte. Er würde sich perfekt einfügen. Ich kann ihn mir vorstellen, wie er einen liebenswerten Raubvogel umarmt, sein Gesichtsausdruck so leer wie eh und je.

Wir sind zurück in der Stadt für einen Scan, den sie nur in einem richtigen Krankenhaus machen können. Niemand hat große Hoffnungen. Ich frage mich, ob diese Ärztin die Idee meiner Mutter war. Aber das ist gemein von mir. Meine Mutter ist nicht gehässig. Und sie ist auch nicht geschmacklos. Meine Mutter ist besser als das.

Die Ärztin redet und redet. Sie redet nicht annähernd so effizient, wie sie sich kleidet.

Menschen sind so repetitiv. Warum? Die Art, wie sie reden, ist nutzlos. All die Information ist in den Kontext und jene wenigen, ersten Worte gepackt. Der Rest ist Wiederholung, Redundanz, Betonung. Zeitverschwendung. So reden jetzt alle. Hör sie dir an. Werden alle Gespräche so sein? Für den Rest meines Lebens? Ich hasse das.

Und schau dir diese Spielzeuge an. Keine dieser Kreaturen ist in der wirklichen Welt weich. Perversionen von Gefahr, verdrehte, liebenswerte Schatten des Todes, umarmbar gemacht. Bedeckt von Schnee.

„Eine Last wird sich heben“, möchte ich sagen.

„Dein Vater wird sterben. Er hat große Angst“, sagt die Ärztin.

Und dann sagt sie es noch eine halbe Stunde lang.

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Auf dem Flur spiele ich einen Teil der Aufnahme ab.

„Dein Vater wird sterben. Er hat große Angst“, sagt die Ärztin.

Das ist eine Verschwendung meines Telefonspeicherplatzes. Ich lösche jede Sekunde von ihr.

Sie ist für immer fort.

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Als ich hineinkomme, ist keine Zeit für einen Witz über die Kuscheltiere. Meine Mutter steht bereits, und sie nimmt mich in den Arm, bevor ich ein Wort sagen kann. Ich umarme sie auch und vergesse meinen sorgfältig formulierten Witz. Ich drücke sie fest, weil es unerwartet ist. Weil es warm ist und ich sie liebe, und weil sie uns wirklich nie in den Arm nimmt. Egal aber, wie fest ich zudrücke, sie drückt fester. Es ist sehr schwierig, nicht zu weinen anzufangen.

Ich kann meinen Vater jetzt noch nicht anschauen. Stattdessen schaue ich über die Schulter meiner Mutter zu Simon. Er starrt uns ausdruckslos an.

Hinter uns taucht die Ärztin wieder auf. Ganz in Schwarz, überhaupt nicht wie ich. Sie klopft an der Tür mit demselben gespielt-zaghaften Klopfen wie bei ihrem ersten Besuch. Meine Mutter lässt mich los und nimmt den Hungerhaken bei der Hand.

„Hallo Simon“, sagt die Ärztin zu ihm. Sie dreht sich um und geht voran. Meine Mutter und mein Bruder verschwinden im Flur, sie folgen der blauen Linie auf dem Boden. Ihre Runde im Schutzgebiet für entkrallte Raubvögel.

Auf dem Nachttisch meines Vaters stapeln sich Bücher. Taschenbücher und gebundene. Bücher aus der Bibliothek und brandneue Anschaffungen. Thriller. Harte, skrupellose, kaltherzige Macher, die trotzdem am Ende das Richtige tun. Ich habe versucht, sie zu lesen. Ich habe es wirklich versucht. Es hätte etwas sein können, das ich mit ihm teilen könnte. Aber sie geben mir nichts. Sie fühlen sich leer an.

Mein Vater hat eine Schwäche für sie. Sein Wort: Schwäche. Schwäche scheint aber nicht ganz korrekt zu sein.

Eine Schwäche dafür, überhaupt keine Schwächen zu haben? Eine Schwachstelle für Gewalt und Happy Ends? Eine Schwäche dafür, dass alles jedes Mal gut ausgeht? Gemäß dem Plot-Twist natürlich. Eine Schwachstelle für den Plot-Twist.

„Wie ist es gelaufen?“, fragt mein Vater.

Ich bin immer noch etwas zittrig von der Umarmung meiner Mutter. Die Bücher wirken wie die perfekte Ablenkung. Ich zeige darauf.

„Echt?“, sage ich. „Mehr?“

Er zuckt mit den Schultern.

„Sterben heilt Langeweile nicht“, sagt er. Er schaut mich immer noch an und denkt über die Psychiaterin nach.

„Sie haben mir gesagt, dass du sterben wirst, und dass du große Angst hast“, sage ich zu ihm. „Sie haben mir gesagt, dass ich für uns beide tapfer sein muss.“

„Wie im Fernsehen?“, sagt mein Vater.

„Wie im Fernsehen“, sage ich. Ich liebe sein Lächeln.

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In diesen letzten Tagen seines Lebens ist etwas hinter den Schmerzen meines Vaters und hinter den Witzen meines Vaters gewachsen. Es ist nicht die Angst, die zu erwarten ich instruiert wurde. Die ist natürlich da. Es gibt Augenblicke, in denen mein Vater ängstlich aussieht. Immer, wenn meine Mutter hier ist, als wäre er ihr zuliebe ängstlich. Oder vielleicht ist er mir zuliebe stark. Aber das meine ich nicht. Das ist nicht das, was ich hinter seinen Augen wachsen sehe. Es ist auch keine Tapferkeit. Es ist etwas komplett anderes. Eine Ruhe und eine Zuversicht haben in ihm Wurzeln geschlagen.

Ich sollte nicht „diese wenigen letzten Tage seines Lebens“ sagen. Meine Mutter verkrampft sich, wenn ich solche Dinge in Simons Gegenwart sage. Wenn ich zu nahe an eine ehrliche Einschätzung komme. Ich muss so reden, wie sie redet, dem Hungerhaken zuliebe. Ich muss vorsichtig sein. Niemals lügen, aber die Wahrheit nicht herausrutschen lassen. Er wird schmelzen, wenn die Wahrheit ihn berührt. Entsprechend sprießt die Hoffnung in der Gegenwart meines Bruders ewiglich. Es gibt immer Hoffnung. Ohne Hoffnung sind wir verloren. Hoffnung ist ein strahlendes Licht in der Dunkelheit dessen, was wirklich passiert, und solange wir meinen kleinen Bruder gut beleuchtet halten, wird niemals etwas Schlimmes passieren und alles wird am Ende gut werden.

„Wirst du sterben?“, fragt der Hungerhaken meinen Vater heute. Niemand hat mir gesagt, wie seine Sitzung mit der Psychiaterin lief.

„Wir wissen es nicht mit Sicherheit“, sagt meine Mutter, obwohl wir es tun. Wir wissen es mit Sicherheit.

„Hoffnung sprießt ewiglich“, sage ich ernst.

Meine Mutter wirft mir einen drohenden Blick zu. Ich schaue unverwandt zurück.

„Was bedeutet das?“ Mein Bruder schaut jetzt mich an, er ist verwirrt.

„Ohne Hoffnung sind wir verloren“, sage ich. „Es gibt immer Hoffnung. Hoffnung ist das strahlende Licht in der tiefsten Dunkelheit.“

Ich versuche, eine todernste Miene aufzusetzen, so, wie mein Vater es tut.

„Sunday“, warnt meine Mutter.

Der Hungerhaken ist so verwirrt, dass er anfängt zu weinen.

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Ich habe jetzt alle drei Computer in meinem Schrank aufgebaut, sie laufen ununterbrochen. Meine Großmutter hat ein langes, oranges Verlängerungskabel für mich gefunden, und ich habe mir von meiner Mutter eine Steckdosenleiste in Truro besorgen lassen. Groß genug für alle drei Netzteile und meine externe Festplatte. Auf dem Dachboden habe ich einen alten Nachttisch gefunden. Ein Computer steht darunter, es ist gerade genug Platz, dass er aufgeklappt bleiben kann. Der andere steht offen darauf. Der dritte befindet sich auf meinem Schoß, wenn ich im Schrank bin. Auf dem Boden, wenn ich es nicht bin.

„Meine Güte!“, sagte meine Großmutter, als sie die Kabel sah, die sich überall herumwanden, die Laptops, offen und flackernd, einer über dem anderen. „Pass auf, dass du sie dir nicht um den Hals wickelst! Du würdest dich erwürgen!“

Es wirkt wie etwas, was nur jemand Verrücktes sagen würde.

Simon ist wieder allein unterwegs.

Dieser surrende, überhitzte kleine Raum gehört mir und mir allein.

Zwei der Laptops sind nicht mit dem Internet, dafür aber miteinander verbunden. Jeder läuft auf einem anderen Betriebssystem, für Testzwecke. Ich habe gebräuchliche, aber leicht veraltete Versionen der beliebtesten Betriebssysteme ausgewählt. Verwundbar, aber überall zu finden.

Das ist der Ort, an dem der Geist meines Vaters wartet.

Er ist noch nicht bereit. Ein Computer infiziert den anderen, manchmal, mit der Erinnerung an meinen Vater. Sein Geist schlüpft zwischen ihnen hin und her. Aber noch nicht perfekt. Und nicht so oft, wie er sollte. Es funktioniert nur manchmal, und ich weiß noch nicht warum.

Und wenn es hier nur manchmal funktioniert – auf einem System, das ich kontrolliere, mit Software, die ich kenne und verstehe –, wie kann ich erwarten, dass sein Geist draußen in der Welt überlebt, mit Dutzenden von Betriebssystemen? Millionen von Kombinationen von Software und Hardware! Nein. Das Virus ist noch nicht bereit. Noch nicht widerstandsfähig genug. Ich muss ein besseres Spektrum von Schwachstellen finden, die ich ausnutzen kann. Einen stärkeren Satz von Infektionsvektoren. Ich brauche auch Backup-Exploits, Wege, auf denen sich das Virus ausbreiten kann, wenn die erste Methode scheitert.

Ich habe mich zu sehr auf seine Worte konzentriert und den Code selbst vernachlässigt. Den Virus-Teil dieses Virus. Aber die Worte sind wichtig. Mein lebender Vater hat immer noch mehr zu sagen. Ich möchte, dass es so viele von seinen Witzen und Freundlichkeiten wie möglich in die Software schaffen, bevor ich seinen Geist auf den dritten Computer lade, den ich mit Stenciltechnik grau und schwarz angesprüht habe, mit einem nur halb als Witz gemeinten Ouija-Brett.

Wenn alles bereit ist, wird es egal sein, was für ein schöner Tag draußen ist. Ich werde die Toten beschwören.

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