Читать книгу: «Willkommen im Exzelsior»

Шрифт:

Jo Danieli

Willkommen im Exzelsior

Über käufliche Liebe und andere Ungereimtheiten

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Willkommen Im Exzelsior

Die Fahrt

Die Idee

Das Experiment

Das Missverständnis

Die Entjungferung

Die Abwehr

Die Ermutigung

Die Fantasterei

Die Herausforderung

Das Risiko

Der Deal

Die Feigheit

Die Knochenarbeit

Das Vertrauen

Die Warnung

Der Feind

Die Verbündete

Die Konfrontation

Die Feier

Der Fanatiker

Die Serenaden

Nachwort

Impressum neobooks

Willkommen Im Exzelsior

Erotischer Kriminal-Roman

Von Jo Danieli © 2017

Die Fahrt

Gloria (42, klein, mollig, dunkelhaarig, in Jeans und bunter Bluse), sitzt neben ihrem alten Freund Bernie (41, groß, etwas übergewichtig, brünett, in Jeans und hellem Hemd) in dessen kleinem Auto; Sie fahren durch einen städtischen Vorort stadtauswärts, durchqueren eine Pappelallee und biegen in eine Landstraße ein, die in die Hügel führt.

Gloria betrachtet Bernie aufmerksam von der Seite. “Was jetzt? Hat es dir die Sprache verschlagen?

Bernie zuckt beim Fahren die Schultern und gibt sich eine gelassen amüsierte Haltung. “Da gibt’s nichts zu sagen, Glori.”

Gloria runzelt die Stirn und seufzt, genervt: “A. Glori-a. Wie oft noch? Schlimm genug, dass ich so heiße, ich will nicht auch noch heilig klingen.”

Bernie kichert. “Ja. Gerade du.”

Gloria wendet sich ihm mit entrüstet verengten Augen zu. “Was soll denn das jetzt wieder heißen?”

“Das fragst du noch? Wer redet denn schon die ganze Zeit über Sex?”

Gloria schnaubt empört: “Na, wir beide!? Also bist du mindestens genausowenig heilig wie ich, wenn ich schon so unheilig bin!”

“Ich bin aber nicht sexbesessen, wie du.”

Gloria lacht laut auf. “Sex ... besessen? Ich?” (Schnaubt.) “Wie kann man von etwas besessen sein ...”

Sie lehnt sich provokant zu Bernie hinüber, schnippt mit den Fingern, “... an das man sich kaum erinnern kann?”

Bernie brummt, unbehaglich: “Könnten wir von etwas Anderem reden, bitte?”

“Wieso? Ist es dir peinlich?”

“Schon.”

Gloria kichert und schaut aus dem Fenster. “Na eben. Mir auch nicht.”

Bernie rollt die Augen; Gloria stößt ihn mit dem Ellenbogen an. “Komm! Es geht doch dir genau so!”

Bernie erwidert eilig, heftig den Kopf schüttelnd. “Nein.”

Gloria schaut ihn scharf an, kichert dann. “Oh Gott, oh Gott! Du wirst ja rot!” (Lacht.) “Jetzt kennen wir uns so lange ...”

“Eben!”

“Neunzehn Jahre!” Gloria kichert und schubst Bernie mit dem Ellenbogen. “Und ich hab’ nicht gewusst, dass es dir so peinlich ist, über Sex zu reden.”

“Ist es nicht. Ist nur - unnötig.”

“Wieso? Es ist ein sehr bedeutsames, trendiges Thema - “käuflicher Sex”!”

Bernie rollte die Augen und schaut aus dem Fenster (auf die letzten Ausläufer der Stadt und die grünen Hügel in einiger Entfernung. “Mit dem ich mich nicht befassen muss.”

Gloria gibt ihm einen leichten Schubs, und Bernie schubst leicht zurück, dass Gloria ihn nicht schubsen solle.

“Komm schon! Keinen Sex zu haben ist einfach nicht gesund.”

Bernie schnaubt und rollt wieder die Augen. “In einer platonischen Freundschaft ist das Reden über Sex-Haben aber auch nicht “gesund”.

“Wieso nicht? Ist doch ein Thema wie jedes –“

“Nein. Lassen wir das also.”

Gloria betrachtet ihn stirnrunzelnd und leicht irritiert von der Seite. “Über Krieg könnten wir wohl reden? Über Mord und –“

Bernie wirft Gloria eine tadelnden Blick zu. Gloria zuckt die Schultern. “Oder über das Thema ob es männliche Prostituierte geben sollte.”

Bernie seufzt tief und öffnet das Fenster. “Und ich hab’ gedacht, es wird ein entspannter Ausflug.”

Gloria wendet sich ihm auf ihrem Sitz voll zu.

“Wenn du nicht so herumzicken würdest, wenn ich ein Thema anspreche, das mir wichtig ist!”

Bernie seufzt, genervt und macht eine besänftigende Geste.

“Es ist dir wichtig, dich darüber aufzuregen, dass es mehr weibliche Nutten gibt als männliche?”

“Sag nicht “Nutten”.

“Wie dann? In-der-Kauf-mich-zum-Ficken-Branche-Beschäftigte”?

Gloria mustert ihn einige Momente lang schweigsam, zuckt dann die Schultern.

“Liebesdienerinnen und -diener. Tendenziell gigantisch unausgewogen, das Verhältnis, übrigens, prozentuell, gendermäßig.”

“Ist doch wurscht.”

“Mir nicht. Liebesdiener sollten –“

Bernie macht eine Geste, die Gloria das Wort abschneidet. “Was hat es mit “Liebe” zu tun, für Geld mit fremden Leuten Sex zu haben?”

Gloria prustet, aufbrausend. “Und was hat es mit Liebe zu tun, in einer Ehe gar keinen Sex zu haben? Oder zu wenig? Oder unbefriedigenden?”

Bernie seufzt und kneift Gloria ins Kinn; Sie weicht ärgerlich zurück.

“Glori? Wir werden uns doch nicht wegen so etwas streiten!?”

“So etwas beschäftigt zufällig Millionen Frauen! Täglich! Minütlich!”

Bernie tätschelt ihr Knie, grinsend. “Ist ja gut ...”

Gloria faucht und schieb seine Hand zur Seite. “Ist nicht gut! Wenn Männer sich in einer Ehe oder als Singles sexuell nicht ausgelastet fühlen, können Sie zu käuflichen Frauen gehen.” (Schaut herausfordernd.) “Und Frauen? Was können Frauen tun?”

“Vielleicht kommen die nicht in eine solche Situation.” Er schaut aus dem Fenster und beginnt ein Liedchen zu pfeifen. Gloria schaut ihn zornbebend an.

“Spinnst du? Du stellst dich jetzt absichtlich dumm, oder? Haben wir keine Bedürfnisse? In einer Ehe gibt es zwei Leute, du Ignorant!”

Bernie hört zu pfeifen auf und furcht seine Stirn, genervt. “Wieso Ignorant? Ich hab’ ja nur ...”

Gloria äfft seinen Tonfall in bitterem Spott nach. “... hab’ ja nur ...”

“... gemeint, dass Frauen vielleicht nicht so dringende Bedürfnisse haben, wie Männer.”

Gloria öffnet den Mund, um etwas zu sagen, starrt Bernie aber nur momentelang an, nach Worten ringend. Dann gestikuliert sie, lehrerinnenhaft. “Okay. Also gut, dann sag’ ich dir was über uns, die nicht-so-dringend-befriedigt-werden-müssenden Kreaturen! Ich, deine alte Freundin Glori-a, denke oft, sehr of daran, mit einem wildfremden Man zu bumsen.”

Bernie hält sich die Ohren zu; Gloria greift erschrocken aufs Lenkrad (weil Bernie beide Hände auf seinen Ohren hat).

“Spinnst du? Bist du ein kleines Kind, oder was? Böses Wort, bumsen, oder was?”

Sie neigt sich zu seinem Ohr. “Bumsen!”

Bernie ergreift das Lenkrad wieder, schüttelt den Kopf und drängt Gloria mit seinem Arm zur Seite.

“Ich sehe nicht ein, warum ich mir das anhören sollte!”

“Das? Was? Das perverse Geständnis von einem ... einem ... Serienkiller? Ich werd’s dir sagen: Weil ich gerade hier bin, und ich es dir sagen will! Weil es dich gefälligst du interessieren hat ... du ... du ... verklemmter ...”

Sie ringt nach Worten, schaut ihn zornfunkelnd an, und Bernie zuckt provokant ergeben die Schultern.

“Na gut. Aber wenn mir schlecht wird ...”

Gloria holt tief Luft und schaut durch die Windschutzscheibe, in einem Fantasiebild schwelgend.

“Also - ich würde mit einem X-beliebigen ins Bett gehen, einfach nur, um Sex zu haben, damit die brachliegenden Funktionalitäten meines Körpers gewürdigt werden ...” (Knurrt.) “... ehe ich alt, grau und verrunzelt bin.” (Erhebt die Stimme.) “Soll heißen, ich will gebumst werden, damit es mir besser geht, ohne dass ich gleich eine scheinheilige Beziehung mit irgendeinem lauwarmen Typen eingehen muss!”

Bernie nickt, bedächtig. “Oder umgekehrt.” Gloria schaut ihn verwirrt an.

Bernie zuckt die Schultern. ”Eine lauwarme Beziehung mit einem scheinheiligen Typen?”

Gloria schaut ihn misstrauisch an, schüttelt dann unwillig den Kopf und schaut weiter aus dem Fenster.

“Entweder bist du zu dumm oder zu stur ... oder du nimmst das einfach nicht ernst.”

Bernie seufzt, mit leichtem Widerwillen in der Stimme.

“Entschuldige, wenn das nicht zu meinen gedanklichen Prioritäten gehört, mir zu überlegen, wie deine körperlichen Funktionalitäten –“

Gloria klatscht sich selber auf die Oberschenkel, genervt. “Das war nur ein Beispiel! Es geht darum, wie es den Frauen auf der Welt ganz allgemein geht, wenn sie in Nöten sind.”

“Nicht die Nöte, bitte, nicht die Nöte!”

Gloria schaut Bernie herausfordernd an. “Verarschst du mich?”

Bernie legt den Kopf schief und schaut sie treuherzig an. “Natürlich nicht. Wie könnte ich.” (Murrt.) “Aber ungewohnt darf ich es schon finden, oder, in diesen ... Bahnen zu denken?”

“Dann gewöhn’ dich dran - denn mich interessiert das Thema sehr.”

Bernie schaut sie irritiert an. “Wie sehr?”

Gloria wendet sich ihm eifrig zu. “So sehr, dass ich mich frage, ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre, die Sache unternehmerisch anzugehen.”

“Deine Sexnot? Wie wär’s mit medizinisch?”

“Nein! Die ... Situation von Frauen, die “Sexnot” haben, wenn du das schon so blöd nennen willst!”

Bernie bläst die Luft hörbar aus. Gloria runzelt die Stirn. “Und überhaupt ... bin ich so abstoßend, dass du dir gar nicht vorstellen kannst, dass ich Sex mit jemandem habe?”

Bernie fuchtelt beschwichtigend. “Aber ... aber absolut nicht!” Er schaut Gloria eifrig an. “Ich meine ... ja! Natürlich bist du eine intelligente, interessante Frau und nicht nur ein Kumpel.”

Gloria brummt bitter ironisch. “Intelligent, das hört man ja gern als Frau. Und “interessant”. Oh, super. Die Roboterfrau ohne Unterleib.”

Bernie nickt bekräftigend; Gloria funkelt böse und neigt sich heftig zu ihm; Er weicht zurück, schüttelt den Kopf. “Aber so hab’ ich das doch nicht gemeint. Und gesagt habe ich es auch anders.”

“Wie wär’s mit “sexy” und “attraktiv”?”

Bernie nickt, eilfertig. “Klar. Bist du doch.”

“Ja. Sicher.” Gloria verschränkt die Arme, funkelt Bernie missmutig an, knurrt, “Frechheit.”

Bernie grinst sie an und wirft ihr einen Kussmund zu. “Nein, wirklich. Du bist hübsch. Das weißt du doch! Aber halt auch –

Gloria schaut ihn aus engen Augen herausfordernd an.

“... meine alte Freundin. Glori. Und irgendwie ...”

Gloria neigt sich zu ihm, schaut ihn gefährlich provokant an, während Bernie vorsichtig leiser wird.

“... androidisch.” (Eilig.) “So wie ... Audrey Hepburn!”

Gloria prustet empört. “Was? Audrey Hepburn war super-sexy!”

Bernie vollzieht eine “warnende” Geste und brummt, “ernsthaft”. “Oh nein! Audrey Hepburn war eine Heilige. Kein sündiges Haar an ihr. Oder Doris Day!”

Gloria prustet wieder empört. “Das ist doch nicht zu fassen! Alles Vollblutfrauen!”

Bernie schnaubt, entrüstet. “Was? Sex mit Doris Day? Glori, bist du pervers, oder was? Das waren Damen, bei denen man sich einfach nichts ... naja, nichts ... Schmutziges vorstellen kann.”

Gloria braust auf und zeigt auf Bernie: “Aha! Schmutziges?! Sex ist “schmutzig”? Verdammt,” ballt die Fäuste, “warum wirst du nicht gleich katholisch!”

Bernie seufzt und winkt ab. “Ach, halt doch den Schnabel, beste Freundin, du verstehst das sowieso nicht.”

“Ach nein!?!” Gloria gestikuliert gespielt aufbrausend. “Oh - ich hab’ vergessen: Ich bin ja ein “Es”, ein “Wesen ohne Unterleib”. Aber angeblich immerhin,“ fuchtelt sarkastisch bitter, “- intelligent!”

Bernie seufzt erschöpft und wischt sich das Gesicht, murmelnd. “Vollmond, oder was?”

Gloria boxt ihn gegen den Arm. “Frag’ mich gleich, ob ich meine Tage bekomme, dann ... “

Bernie schaut sie fragend an, und Gloria zischt, zwischen Empörung und Amüsement, “hör jetzt auf! Ich hab’ allen Anlass, mich aufzuregen.”

Bernie hebt die Augenbrauen in einer stummen Frage. Gloria fuchtelt wild.

“Kein Wunder sind so viele Frauen unbefriedigt, wenn solche Typen wie du herumrennen, die sich für so schlau halten und dabei Ansichten haben, die zum Himmel stinken!” Sie verschränkt die Arme und schaut zum Himmel. Es ist sonnig, der Himmel ist blau, ein kleines Lüftchen weht.

Bernie fährt eine Weile schweigend weiter; Gloria schaut hin und wieder zu ihm hinüber. Nach einer Weile zwinkert er ihr zu. “Adrenalinspiegel wieder normalisiert?”

Gloria runzelt zornig die Augenbrauen: “Thema immer noch nicht ernst genommen?”

Bernie tätschelt wieder ihr Knie. “Wir sind bald da. Die frische Luft wird dir guttun.”

Gloria brummt missmutig. “Was jetzt, bin ich krank, nur, weil ich die Wahrheit sage?”

“Irgendwie glaube ich, wir sollten das Thema wechseln.”

“Wieso? Ich bin noch nicht fertig.”

“Aber ich, ehrlich gesagt.”

“Sex ist ...” Gloria zählt an den Fingern, “... kreislaufbelebend. Herzstärkend. Depressionsvorbeugend.”

“Sehr romantisch.”

“Das auch.” Gloria hebt belehrend den Zeigefinger. “Momentan reden wir aber nur von Sex. Bumsen.”

Bernie brummt, genervt. “Was für ein blödes Wort.”

“Na, wie nennst du es dann?”

“Momentan nenne ich es “Belästigung”.”

Sie fahren einige Momente schweigend weiter; Glorias Gesichtsausdruck wird immer finsterer. Bernie schaut Gloria von der Seite her an, tätschelt wieder ihr Knie, fragt mitleidig: “So schlimm?”

“Lass mich in Ruhe.”

Bernie und Gloria marschieren eine leicht hügelige Wiese hinan; Gloria köpft unterwegs einige Blumen und Gräser. “... und neben den guten Freunden sollte es Männer geben, die nur für Sex da sind. Wie die Nutten ... die professionellen Liebesdienerinnen für die Männer. Halt für uns Frauen.”

Tief einatmend gestikuliert Bernie zum Himmel. “Herrlich, die frische Luft!” Er schaut interessiert in die Gegend. Gloria ignoriert seine Worte und schaut ihn herausfordernd an. “Warum gibt es sie nicht, ich meine, offiziell?”

Bernie breitet die Arme aus und saugt tief die frische Luft ein. Gloria hängt sich an seinen Arm. “Oh, der Bedarf, der ist vorhanden, das kann ich dir schriftlich geben!”

Bernie deutet in die Gegend. “In welche Richtung willst du?”

Gloria mustert ihn, etwas provokant. “Du bist ja schon lange unbeweibt. Du bist nicht schwul. Also willst du mir erzählen, dass du noch nie bei einer Nutte warst?”

Bernie schaut sie genervt an, merkt aber, dass sie nicht vom Thema ablassen wird, und er verschränkt die Arme, sodass Gloria ihn loslassen muss: “Noch nie. Leidet jetzt deine Statistik?”

“Aber du hast daran gedacht!”

“Möglich.” Bernie runzelt die Stirn und beginnt leicht den Kopf zu schütteln.

“Ha!” Gloria zeigt triumphierend auf ihn. Bernie rollt die Augen und marschiert hastig weiter. Gloria folgt ihm, etwas aufgebracht. “Wieso kannst du über solche Dinge nicht reden?”

“Kann? Ich will nicht. Das ist ja wohl mein Recht.”

“Warum nicht? Wie ist es mit Selbstbefriedigung?” Gloria holt Bernie ein, der tief seufzt und bergauf zeigt. “Hab’ gehört, dort oben auf der Anhöhe gibt es ein nettes Gasthaus. Zum Entspannen.”

“Ich entspanne mich beim Reden! Aber natürlich, wenn du einkehren willst?!”

“Will ich. Und ein Bier.”

“Sicher.”

Sie wandern einige Momente schweigend weiter. Bernie wirft einen vorsichtigen Blick auf Gloria, die gedankenverloren nach kleinen Steinen kickt. “Was meinst du ...”

Bernie schaut schnell wieder weg und rollt die Augen, aber Gloria spricht unbeirrt weiter. “... soll unsereins lieber in Lokalen herumhängen und irgendwelche Besoffenen abschleppen, wenn wir Lust auf Sex haben?”

“Ich kann dir ja nicht gut raten, zu einer Nutte zu gehen.” Bernie brummt unwillig und hält nach dem Gasthaus Ausschau.

Gloria fuchtelt aufgebracht. “Genau! Eine weit offene Marktlücke!”

Bernie muss grinsen, und Gloria bemerkt es, begreift den Doppelsinn ihrer Aussage und rempelt ihn leicht an. “Du hörst also doch zu!”

“Natürlich. Und ich hoffe, das war’s jetzt auch schon.”

Sie gehen Arm in Arm den Wanderweg entlang. Bernie saugt die frische Luft ein. “Herrlich.”

Gloria macht eine ausladende Geste. “Oh, ja, ich hör’ schon The Sound of Music. The Hills are alive ...” (kichert) “Und Julie Andrews. Auch so eine Frau ohne Unterleib?

Bernie zuckt die Schultern. “Na, ihre Rolle war ja auch nicht sexy angelegt. Oder als Mary Poppins. Kinderfilme. Aber als diese Missionarsfrau in Hawaii, Bingham oder so, war sie sexy.”

Gloria schubst ihn, “empört”. “Eine Gottesdienerin! Du bist ja pervers!”

Sie wandern weiter, und Bernie schaut sich begeistert um. “Wir sollten öfter hierher kommen. Schade, dass ich keinen Fotoapparat dabei habe, denn –“

Gloria fällt ihm ins Wort. “Na gut! Gehe ich eben in eine Bar und werde von so einem Serienmörder angequatscht ... oder einem Triebtäter ...”

“Na dann Internet-Dating. Und Thema erledigt.” Bernie macht die Geste des “Händeabputzens”, aber Gloria schaut ihn vorwurfsvoll an. “Nicht erledigt. Weil keine Lösung gefunden!”

“Aber ich hab’ doch gesagt: Online-Dating! Viele Leute, dort, die nur aufs Kennengelerntwerden warten!”

Gloria beugt sich heftig zu ihm. “Ich will niemanden kennenlernen! Ich will nur ab und zu Sex!”

Bernie seufzt, genervt. “Im Internet gibt es aber auch viele, die sowas wollen.”

“Und Mörder. Vergewaltiger. Perverse.”

Bernie bleibt stehen und hebt resigniert die Hände. “Dann heirate eben! Meine Güte, Gloria, hör’ bitte auf mit dem Thema!”

“Ich will aber mit verschiedenen Männern!”

Bernie starrt Gloria verdattert an, während sie eifrig nickt.

“Jetzt wirst du mir unheimlich.” Bernie nimmt Glorias Kopf und bewegt ihn hin und her. “Weiche, Dämon und gib’ mir meine Gloria zurück!”

Gloria macht sich halb amüsiert, halb verärgert los. “Ich will jetzt auch ein Bier.”

Die Idee

Gloria ist bei ihrer Arbeit in einem Großraum-Callcenter-Büro und schaut sich heimlich die Männer und Frauen an, die dort aus und eingehen und herumsitzen, ihre Kolleginnen. Kollegin Sonja (35, rothaarig, hager) steht beim Kopierapparat, und Gloria gesellt sich zu ihr, lehnt sich sinnierend gegen die Wand, als wolle sie warten, bis Sonja mit dem Kopieren fertig sei.

“Du, Sonja ...”

“Mhm ...” Sonja ist in ihre Arbeit versunken und zählt die Kopien mit, die von der Maschine ausgespuckt werden.“

“Kennst du die Coca-Cola-Werbung, wo dieser Mann –“

Sonja gluckst. “Klar. Der sexy Coca-Cola-Mann! Yummie. Gibt’s wieder einen neuen?”

Gloria schaut sie verdattert an, “Ich weiß nicht. Ich wollte nur fragen ...”

Sonja schmatzt und kopiert weiter. “Muss googeln.” (zwinkert Gloria zu) “Was wolltest du fragen?”

“Wegen ... wegen dem Glückshormonspiegel ...”

Stirnrunzelnd nimmt Sonja Kopien aus dem Auffangfach und legt sie beiseite, legt ein anders Original in die Kopierklappe. “Ein Projekt?”

Gloria wendet sich ihr verschwörerisch zu. “Nein, ich hab’ da was gelesen, von Schokolade und so. Und dass aber nichts so gesund ist wie ...” (flüstert) “Sex, oder zumindest Gedanken daran.”

Sonja seufzt. “Optische Schokolade hilft. Ein bisschen, ja.” Sie zwinkert Gloria zu. “Der Cola-Mann, richtig?”

“Richtig. Nehmen wir aber mal an, dass so einer ... also dass du die Gelegenheit hättest, für eine Nacht mit ihm ...”

Sonja schnaubt verhalten, und ihre Augen werden groß. “Was heißt eine Nacht ... ich wär’ schon mit zehn Minuten zufrieden. Und Fantasien fürs ganze Leben.”

Gloria schaut sie verblüfft an und nickt dann. “Genau. Ich würde ihn auch ... nehmen. So als ... Zwischendurch-Snack. Oder? Ich meine ... es muss auch gar nicht so ein Schönling sein ...”

Sonja kichert. “Gestern war ich im Kino. Eine romantische Komödie. Und sexy! Mit Chris Evans. Oyoyoy! Ich war mit meinem Nachbarn. Der ist potthässlich, aber nach dem Film hätte ich beinahe ...”

Gloria starrt sie atemlos an. “Und?”

“Aber nein. Dann habe ich ihn ewig am Hals.”

“Und wenn’s ein Fremder gewesen wäre? Der nicht im Haus wohnt oder den du überhaupt nicht kennst?”

Sonja packt ihre Kopien zusammen und gibt Gloria einen nachdenklichen Blick aus schmalen Augen. “So eine Art One-Night-Stand von irgendwoher?” Sonja nickt, dramatisch. “Oh ja, yeah, Baby, sicher.” Sie nimmt ihren Papierstapel. “Beantwortet das deine Frage, von wegen Glücksgefühlhormone?”

“Teilweise, ja. Danke. Da sind ja auch noch Präparate und so aber ...” Sie gibt Sonja ein Daumenhoch und wendet sich zum Kopierer, murmelnd: “Und was ich noch fragen wollte, Sonja ... was für ein Typ Mann turnt dich eigentlich konkret an ... falls ich ein Callboy-Unternehmen aufmachen sollte!?”

Gloria lümmelt auf ihrem Sofa und schaut fern; Sie zappt durch die Kanäle – und findet ein Programm, in dem es um Feminismus geht. Eine Diskussion ist im Gange. Eine streng wirkende, attraktive Frau, Adriane (43) spricht leidenschaftlich: “... in einer Gesellschaft, wo Männer seit jeher die Moral diktieren - wohl gemerkt, nach ihren jeweiligen Glaubensmustern und Machtvorhaben! - ist es ja wohl heute noch ausgeschlossen, dass Frauen sexuell Rechte zugestanden werden, die Männer schon immer für sich beansprucht haben ...”

Gloria greift hastig zum Telefon, wählt eine Nummer, während sie weiter fernschaut.

Die Feministin fährt fort: “... was nicht nur ein Grenzfall der Diskriminierung ist, wie Frau Doktor Bertram es hier vorhin angesprochen hatte, sondern es ist in der Tat schlichtweg das: geschlechterdefinierte Diskriminierung.”

Gloria spricht aufgeregt ins Telefon: “Bernie? Da ist was Interessantes im Fernsehen ... schau mal auf Melody TV, beeil’ dich! Zapp hin, jetzt! Das ist ein Befehl!”

“Natürlich würden Männer niemals selber eingestehen, dass sie Angst haben, unfähig zu sein, Frauen zu befriedigen, wegen ihrer komplexen Sexualität. Doch in Wahrheit sieht es anders aus.”

Gloria fuchtelt, erregt. “Hast du das gehört?” (lauscht) “Ja! Das ist eine Feministin, aber sie spricht nur aus, was Faktum ist! Hör’ ihr mal zu!”

Die TV-Feministin lächelt, nachsichtig: “Die Sexualität der Frauen ist ergreifend simpel. Das Problem, das die Männer damit haben ist, dass die Frauen eigentlich immerwährend sexuell bereit sind. Es sind die Männer, die körperlich-hormonellen Schwankungen unterworfen sind, was ihre sexuelle Leistungsfähigkeit betrifft. Frauen können immer - wenn sie wollen. Männer nicht.”

Gloria lauscht lauscht mit offenem Mund und steht dann auf, die Stirn runzelnd, ins Telefon schnaubend. “Was meinst du damit, Bernie?” (lauscht) “Wie kannst du das sagen? Sie ist eine Expertin!”

Im Fernsehen schaut die Feministin die Moderatorin entspannt an und greift nach ihrem Wasserglas. “Käufliche Männer hätten wahrscheinlich viel mehr Kunden als käufliche Frauen.”

Gloria jubelt und springt auf. “Hast du das gehört, Bernie? Hallo? Bernie?”

Sie schaut ungläubig das Telefon an, denn Bernie hat aufgelegt. Gloria schüttelt den Kopf und schaut wieder zum Fernseher. “Er hat aufgelegt. Das fasse ich ja nicht.”

Sie nimmt die Fernbedienung und dreht den Ton leiser. Die Moderatorin spricht jetzt: “Glauben Sie, dass die Idee der frei zugänglichen sexuellen Befriedigung für Frauen von Männern als eine Art Bedrohung aufgefasst werden würde?”

Die Feministin lächelt. “Danke für die Frage. Ganz genauso ist es.”

Gloria setzt sich wieder hin und murmelt, versonnen. “Was für ein Zufall. Genau dieses Thema, heute, hier ...”

“Frauen, die ihre Sexualität ausleben und sie befriedigen könnten, wie und wann sie wollen, wären in keinem Aspekt mehr von den männlichen Machern der Gesellschaft abhängig. Sie wären gesund und frei. Und stark.”

Gloria nickt der TV-Frau zu. Die Moderatorin lächelt höflich. “In einer männerdominierten Gesellschaft wäre derlei vermutlich gar nicht zu verwirklichen.”

Die Feministin seufzt und macht eine bedauernde Geste: “Es gäbe kein Verständnis dafür und keine Ambition, einen solchen Zustand der weibliche Freiheit überhaupt herbeizuführen. Auch von Seiten der Frauen nicht. Jahrhundertelange Gehirnwäsche kann nicht über Nacht überwunden werden.”

“Also haben wir es hier mit einem geradezu utopischen Thema zu tun?” Die Moderatorin lächelt weiter verbindlich, aber die Feministin kontert völlig ernst. “Ich hoffe nicht mehr lange. Frauen mit ausreichend gutem Sex wären so gesund, agil und leistungsfähig, dass die Männer geradezu gebrechlich und wohl auch dumm dastehen würden. Und vor allem rückblickend. in die Geschichte, wo soviel durch männerdominierte Machtausübung ruiniert wurde, im Sozialen, im Weltpolitischen. Im Familiären, Zwischenmenschlichen!”

Gloria ballt die Faust und ruft aus: “So ist es!”

Die Moderatorin versucht, zu entschärfen. “Die meisten Leute würden allerdings sagen, dass die Männer ja alles lenkend im Griff haben ...”

Die Feministin schnaubt, bitter sarkastisch. “Ja, im Griff! Um alles wohin genau zu lenken? In welchen neuen Abgrund? Wir haben so viele kranke Gesellschaften, basierend auf Doktrinen, die von Männern geschaffen wurden.”

Die Moderatorin sucht in ihrem Skript nach einem Faden, nickt und zuckt die Schultern, und die Feministin beobachtet sie nachsichtig. “Es ist schwer, auf so etwas zu antworten, ich weiß. Meist geht es ja um Religionen und philosophische Weisheiten.”

Gloria flüstert grimmig. “Von Männern.”

“... von Männern, weil die Frauen ganz einfach nichts zu sagen hatten. Und immer noch erschreckend wenig zu sagen haben.”

Die Moderatorin wirft mutig ein: “Sie könnten aber, heutzutage, nicht wahr?”

Die Feministin runzelt die Stirn und betrachtet die Moderatorin, leicht frustriert: “In einigen wenigen Ländern, ja. Und selbst dort ist momentan der Einfluss unaufgeklärter, ja, mittelalterlicher patriarchalischer Ideologien, die auf Gewalt und Unterdrückung beruhen, wachsend. Also, die Antwort ist, nein. Nicht wirklich.”

Gloria ballt die Faust. “Und wir haben so lange für Gleichberechtigung gekämpft. Mit dem Erfolg, dass immer noch Männer glauben, dass sie besser und wertvoller als Frauen seien.”

Sie schnappt sich das Telefon wieder und will den Fernseher ausschalten, erregt den Kopf schüttelnd. Die Feministin fährt aber fort. “Aber was nicht außer Acht gelassen werden darf, ist die Natur der Frau: Eine Frau wird immer mütterlich gestimmt sein, egal, wie befriedigt sie ist. Das heißt, je besser eine Frau sich fühlt, desto nachsichtiger wird sie mit den Männern sein. Eine Frau wird nur dann zur Furie, wenn sie sich wehren muss.”

Gloria schaut Adriane mit offenem Mund an. Die Feministin lächelt bitter: “In den Epochen der Matriarchate haben die Frauen den intellektuell weit unterlegenen Männern den Gefallen getan, sie wegen ihrer Körperkraft zu Schutzdiensten heranzuziehen. Wozu das geführt hat, sehen wir heute. Die Männer haben sich gegen ihre Ernährerinnen gewandt und ein Regime der Gewalt geschaffen. Weltweit.”

Die Moderatorin nickt und lauscht. Adriane gestikuliert. “Es gibt soviel Krieg. Alle Gesellschaften sind verschuldet. Die Menschen sind krank und verzweifelt! Was ist also an der Männerherrschaft positiv?” (lacht bitter) “Dass wir Frauen uns immerhin ohne Ketten bewegen dürfen?”

Sie schaut direkt in die Kamera. “Auch das ist keine Selbstverständlichkeit ...”

Gloria schaltet den Fernseher ab und lehnt sich seufzend zurück, schließt die Augen. “Und ich habe doch Recht, Bernie. Es gibt nicht deshalb keine Callboy-Ringe, weil es keinen Bedarf gibt, sondern weil ihr es zu einem Tabu erklärt habt ... aus lauter Angst!”

Sie schnappt sich ihr Telefon und schaut es an, zuckt dann aber die Schultern und legt es wieder weg. Ihr Gesichtsausdruck spiegelt den Gedanken, dass es keinen Sinn machen würde, sich weiter aufzuregen.

Gloria liegt in ihrem Jogging-Anzug auf der Couch im Wohnzimmer und schaut sich einen Pornofilm an. Sie klemmt sich ein Zierkissen zwischen die Beine und reibt sich daran. Dann beginnt sie mit ihren Händen ihre Schamgegend zu streicheln, zu massieren und zu drücken ... und hört genervt damit auf. Sie schaltet den Film aus und bleibt nachdenklich auf dem Sofa liegen. Dann greift sie zum Telefon und wählt die Nummer ihrer Freundin Suzie.

“Hi. Suzie.” Gloria steht auf und setzt sich an den Tisch, zündet sich eine Zigarette. “Ja, genau. Du, eine Frage: Wie oft machst du eigentlich Selbstbefriedigung?”

Sie lauscht ins Telefon und grinst vor sich hin, zieht einen Notizblock zu sich heran und einen Kugelschreiber und beginnt Penisse und Männchen zu kritzeln. “Nicht im Ernst? So oft? Und er merkt gar nichts, dein Allerliebster?” (lauscht) “Verstehe. Nein, bei mir klappt das gar nicht mehr.” (lauscht) “Hast du schon einmal daran gedacht, dir einen Callboy zu nehmen?” (kichert) “Aber sicher gibt es die!”

Sie raucht und seufzt. “Na, online! Also – viel besser als irgendwen in einer Bar aufzugabeln. Der vielleicht ein Mörder ist oder ein, was weiß ich, Spion.” (lauscht, kichert” “Wirklich? Nein, ein Vibrator gibt mir gar nichts.” (lauscht, kichert) “Auch nicht. He, wann hast du Zeit und Lust?” Sie zieht ein erstauntes Gesicht und schaut auf die Uhr.

Das Experiment

Gloria und ihre Freundin Suzie (38, blond, schlank), sitzen in einer Bar und trinken Cocktails. Beide tragen Jeans und helle Blusen. Suzie betrachtet ihren Drink und schürft. “Teuer, aber ... mhm!” Gloria schubst sie, gut gelaunt und raunt: “Die müssen nicht teuer sein.”

Suzie kichert: “Ich hab’ den Cocktail gemeint.”

Beide lachen; Einige Männer schauen zu ihnen hinüber, und Gloria und Suzie merken es und schauen einander vielsagend an. Gloria rollt die Augen: “Rothaarig ist nicht so meins, aber der dort hinten, der Blonde .... sieht so aus, als ob er gerade noch im Büro gewesen wäre ... vielleicht in einer Bank.”

“Kleinunternehmer?” Sie saugt an ihrem Drink, und Gloria zuckt versonnen die Schultern. “Aber genau das ist das Problem. Das Kennenlernen und alles, und das Danach. Wenn man nur schnellen Sex will und keine Komplikationen ...” Sie seufzt und Suzie nickt, ihren Drink schlürfend. “Außer man sagt’s gleich am Anfang. Dass man nur Sex will.”

“Aber dann wird man vielleicht ganz anders behandelt.”

“Wie – anders?”

“Vielleicht weniger rücksichtsvoll. Ich weiß auch nicht.” Gloria mustert den blonden Mann, der sich gerade mit einer Bedienung unterhält. “Ja, Unternehmer. Vielleicht etwas wie ... Verpackungsindustrie. Oder Ösen für Arbeitskleidung.”

Suzie kichert, und gluckst, verlegen, als ein Mann ihr zuprostet. Sie schaut eilig weg. “Du meine Güte. Ich bin ja gar nicht Single.”

“Na und? Der ist nicht schlecht, die starken Schenkel gefallen mir, aber soviel Bart ...”

“Ich weiß nicht ... eigentlich ist gar keiner mein Typ ...”

“Aber wie diese Männer dich anglotzen!”

Suzie reißt die Augen auf. “Mich?”

“Na, wen sonst? Mich vielleicht?” Gloria schnaubt, sarkastisch. Suzie legt spontan ihren Arm um Glorias Nacken, zieht ihren Kopf zu sich heran und küsst sie auf den Mund. “Du bist wunderschön.”

Beide kichern, weil die Männer auf den Kuss mit neugierigen Blicken reagieren.

“Wow! Das haben wir ja schon seit der Schulzeit nicht mehr gemacht.” Gloria zwinkert Suzie zu, “Das war sexy.”

“Ja und wie!” Suzie leert ihr Glas und seufzt, etwas betrunken. “Hey, vielleicht sollten wir uns wirklich nach den ...” (zwinkert) “... Professionellen umschauen.”

“Oh, und ich hab’ gedacht Callboys interessieren dich nicht?!”

“Sie sollten mich nicht interessieren. Ich hab’ ja jemanden, mit dem ich ausgehe.”

Gloria bricht in ein Kichern aus. “Mit dem du ausgehst. Wow, das klingt ja nach starker Bindung.”

Suzie zuckt die Schultern. “Ich stehe gar nicht so auf ihn, aber er glaubt, dass wir zusammen sind.”

“Und genau in diesem Moment bin ich sehr, sehr froh, das sich Single bin!” Gloria prostet Suzie zu und leert ihr Glas ebenfalls.

“Aber wo findet man sie, die ...” Suzie zwinkert verschwörerisch, “Liebesdiener?”

Gloria und Suzie sitzen kichernd in einem Internet-Cafe und surfen, auf der Suche nach einem Callboy. Etwas fünfzehn exotisch aussehende Männer diverser Altersgruppen sitzen ebenfalls an Computerschirmen, und manche beobachten Gloria und Suzie.

“Und wieso benutzen wir nicht unsere eigenen ...?” Suzie scrollt durch eine Website mit sexy Männerbildern.

“Naja, ich möchte eher anonym, also ganz anonym recherchieren.” Gloria dreht sich zu Suzie, um den neugierig schauenden Männern den Blick auf ihren Computerbildschirm zu verdecken.

“Hey, schau mal, der hier, Martin, ist online. Skypen wir?” Suzie klickt aufgeregt.

“Aber nur schriftlich. Ich will nicht, dass diese Typen etwas mitbekommen.” Währenddessen sind immer wieder Bemerkungen der anwesenden Männer zu hören.

“Den Ehemännern davongelaufen ...”

“Finden keinen Mann ...”

“ ... geile Weiber ...”

“Ich hab’, was die brauchen ...”

Einer der anwesenden Männer, exotisch attraktiv, mit Sport-Sakko, Habib (34), schlendert an Gloria und Suzie heran und wirft einen Blick auf ihren Bildschirm. Suzie schnaubt, verärgert, “Unverschämtheit!” und winkt Habib, dass er weggehen solle, aber Habib sucht Augenkontakt mit Gloria, die verlegen blinzelt. “Madame?”

Suzie schubst Gloria, “Was soll ich diesem Martin jetzt schreiben?”

“Vielleicht ...” Gloria neigt sich zu Suzie, damit Habib nichts mitbekommen soll, “etwas über den Preis, Konditionen und so?”

“Aber das ist doch total unhöflich! Es geht ja ums Flirten. Später erst ...” Sie fuchtelt aufgeregt. “Da, er hat etwas geschrieben!” Sie schubst Gloria aufregt, aber diese wendet sich Habib zu, der ihr höflich zuwinkt, ihre Aufmerksamkeit verlangend.

“Vielen Dank, aber wir ...” Gloria fehlen die Worte, und Habib gestikuliert “Einen Moment” und nähert sich noch weiter. “Ein Drink, die Damen?”

Suzie schaut erbost zu ihm auf und winkt ihm, dass er weggehen solle. “Siehst du nicht, dass wir beschäftigt sind?”

Gloria schubst Suzie, etwas verlegen, “Er fragt ja nur!” Sie lächelt Habib unsicher an, und dieser wiederholt seine Frage mit einer Geste. Suzie zeigt auf den Skype-Text von “Martin”, aber Gloria wirft kaum einen Blick darauf, und Suzie faucht Habib zornig an: “Sie stören!”

Gloria zuckt lächelnd die Schulter und winkt Habib, dass auch sie kein Interesse habe. Er verneigt sich leicht und wendet sich ab, und Gloria betrachtet ihn verstohlen von der Seite und merkt, dass er ein sehr attraktiver Mann ist. Er dreht sich plötzlich zu ihr um: “Ein schönes Lächeln ist eine Zier.”

Suzie schubst Gloria, aufgeregt: “Schau dir das an, das sind ja Preise! Holladiewaldfee! Das ist doch nicht dein Ernst, junger Mann! Der muss ja ... Königinnen bedienen!” Sie tippt eifrig. “Was sagen wir ihm, Gloria? Also, da müsste ich leider passen, sorry. Zu teuer. Bin ja nicht Demi Moore. Und du?” Sie schaut Gloria erwartungsvoll an, doch die ist nicht ganz bei der Sache. Suzie schubst sie wieder: “He, du recherchierst hier ja! Der Typ muss ja einen Schwanz aus Gold haben –“

Gloria zischt, verlegen, dass Suzie ihre Stimme senken solle, denn Habib kommt wieder heran. Suzie schaut ihn stirnrunzelnd an. “Schon einmal etwas von Höflichkeit gehört?” (neigt sich zu ihm) “Sie sind aufdringlich, und uns gefällt das nicht!”

Habib deutet auf den Bildschirm. “Suchen die Damen Gesellschaft?”

Gloria muss kichern, aber Suzie schaut Habib ernsthaft genervt an. “Tschüss, Mustafa! Wir sind unter uns. Girls’ night out, kapito?”

Gloria zuckt entschuldigend die Schultern und schaut Habib verlegen an. “Wir haben ein Projekt.”

“Verstehe ...” Habib wendet sich ab, schaut aber gleich wieder herüber. “Aber Sie wollen eine gute Zeit, nicht?”

Er schaut Gloria schmachtend an, und sie holt überrascht Atem, ringt nach Worten, aber Suzie drängt sich vor sie hin und macht ein wedelnde Geste zu Habib. “Aber nicht mit dir, Aladdin. Also, vertschüss dich jetzt, okay? Yallah, yallah!”

Habib bricht in Gelächter aus. Andere Männer diskutieren bereits über die beiden Frauen. Suzie wendet sich zu Gloria. “War da irgendetwas witzig? Ich glaube, wir müssen gehen. Hier haben wir keine Ruhe mehr.”

“Ach, ignoriere ihn einfach.” Gloria zuckt besänftigend die Schultern und schaut auf den Bildschirm. “Was waren noch die Preise?”

Suzie blinzelt missmutig zu Habib hinüber. “Du bist zu gutmütig mit den Typen. Da musst du schon energischer werden, wenn du so eine Klette loswerden willst.” Sie ruft Habib zu “Weißt du, was tschüss bedeutet?”

Habib geht etwas zur Seite, zündet sich eine Zigarette an und schaut in die Gegend. Gloria klopft auf Suzies Arm. “Was hat dieser Martin gesagt?”

“Zweihundert Euro!” Suzie runzelt mürrisch die Stirn und beobachtet Habib. “Ich glaube, der wird uns nicht so schnell vom Pelz rücken.”

Gloria ignoriert ihre Bemerkung und prustet: “Was? Für uns zwei, die ganze Nacht?”

“Was? Nein! Eine! Maximal vierzig Minuten.”

Gloria lacht laut auf, und Habib kommt wieder heran.

“Ich denk mir, der soll doch froh sein, dass –“ Suzie sieht Habib und giftet ihn an. “Jetzt ist diese Wüstenbeutelratte schon wieder da!” Sie schaut sich um und sieht die neugierigen Gesichter der anderen dunkelhäutigen Männer. “Brr ... verschwinden wir, Süße. Zuviel gärendes Kanaken-Testosteron.”

Habib verneigt sich höflich. “Darf ich die Damen auf einen Drink einladen?”

Gloria schaut Suzie fragend an, aber diese schüttelt empört den Kopf und zischt ihr zu. “Bist du verrückt? Doch nicht mit so einem!”

“Er riecht gut!”

Suzie rollt die Augen und drängt Gloria zum Aufstehen, wendet sich Habib zu. “Nix da! Wir gehen! Und tschüss, ...” (murmelt) “du Moschusochse!”

Gloria zwinkert Habib entschuldigend zu und lässt sich von Suzie mitziehen.

Gloria, Suzie und Habib spazieren den Gehsteig entlang durch die Nacht. Suzie schaut mürrisch zu Habib hinüber, während Gloria sich mit ihm unterhält. “Aber es heißt doch immer, die Türken .. oder die ... exotischen Ausländer –“

Habib seufzt und zieht ein etwas genervtes Gesicht. “Ich bin Ägypter.”

“... die haben Sex mit unsereins, den weißen ... ich meine, inländischen Frauen, aber heiraten wollen sie eine Türkin. Oder Ägypterin.”

“Oh! Sie wollen heiraten?” Habib lacht, und Suzie verdreht missmutig die Augen und flüstert Gloria zu: “Schon gar nicht einen Kameltreiber, der –“

Gloria rempelt Suzie an, die verstummt.

“Es geht um –“ Gloria sucht nach Worten, und Habib beugt sich zu ihr: “Liebemachen?”

Suzie rollt die Augen, bleibt stehen und zieht Gloria zu sich heran, äfft Habibs Tonfall nach: “Liebemachen” ... der meint ab in den Harem! Hauen wir ab!”

Gloria wendet sich höflich zu Habib, Suzie ignorierend: “Eigentlich - ja. Halt nicht mit Romantik und ganzen dem Pi-pa-po!”

Habib hebt fragend die tiefschwarzen Augenbrauen. “Aber mit Gefühl?” Gloria mustert ihn neugierig ... und Suzie zieht sie beiseite und zischt sie an. “Also, jetzt mach’ aber einen Punkt, Gloria! Du wirst doch nicht –“

Gloria macht sich ärgerlich los. “Ich bin doch kein kleines Kind! Red’ nicht dauernd drein!”

“Aber was willst du denn?” Suzie gestikuliert, unwillig. Gloria zuckt die Schultern. “Das weiß ich noch nicht!”

Habib schaut diskret zur Seite und zündet sich eine Zigarette an, während sie weitergehen. Gloria betrachtet ihn verstohlen von der Seite, seine gepflegte Erscheinung, das dichte, schwarze Haar, die langen, braunen Finger.

Suzie bemerkt Glorias Interesse und tritt zurück, hebt beide Hände: “Also, ich gehe jetzt heim! Das ist nichts für mich, diese Art von Abenteuer. Glaub’ mir, ich hab’ genug Erfahrung, dass ich dir raten kann ...”

Gloria will sich bei ihr einhängen, aber Suzie wehrt sie ab, und Gloria runzelt die Stirn. “Warum bist du so schlecht gelaunt? Komm schon. Auf einen Drink.” (flüstert) “Er ist doch nett. Ich könnte ihn fragen, ob –“

Suzie macht eine abwehrende Geste und schüttelt weiter den Kopf. “Nein, Gloria. Kein Bedarf an so Wüstensöhnen.”

“Wir plaudern ja nur!”

“Ohne mich. Und sag’ dann nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!” Suzie wendet sich von Gloria ab, und Habib stellt sich ihr in den Weg. “Ein Drink. Ich lade gerne beide Damen ein.” Er lächelt Suzie freundlich an, aber sie schüttelt heftig den Kopf, nimmt Gloria an den Schultern und küsst sie auf beide Wangen, flüsternd: “Du kannst dich doch nicht mit so einem einlassen, Gloria!”

“Aber ich will doch nur –“

Suzie schaut sie fragend an, und als Gloria etwas verschämt lächelt, rollt Suzie die Augen, fuchtelt resigniert, wendet sich ab und eilt davon, nach einem Taxi Ausschau haltend.

Gloria steht etwas betreten da und schaut zunächst Suzie nach, dann Habib an. Dieser bietet ihr galant seinen Arm. “Ein Glas Wein?”

Gloria zögert kurz, ringt nach Worten, hängt sich dann aber bei ihm ein. “Meine Freundin hat Angst um mich.” Sie schaut Habib etwas herausfordernd an. “Hat sie Recht?”

Habib lacht und zuckt die Schultern. “In ihrer Weltsicht, wahrscheinlich.”

Sie gehen ein paar Schritte und Gloria holt tief Luft. “Kann’s auch Cognac sein?”

Das Missverständnis

Gloria und Habib sitzen in Habibs teuremAuto, lachen und rauchen Zigaretten. Habib hat seine Hand auf Glorias Schenkel, und Gloria lässt es zu und schaut Habib lüstern an, während sie aus einer kleinen Flasche Cognac nippt. Habib beugt sich zu ihr und schnuppert an ihrem Haar. “Du riechst gut, Lady Gloria.”

“Sag’ lieber nicht meinen Namen.”

Habib brummt, verlockend. “Ich verstehe. Ehemann? Wie soll ich dich nennen?”

Er wendet sich Gloria voll zu und lässt seine Hand zwischen ihre Beine gleiten, und sie gibt nach, etwas seufzend, während sie die Cognac-Flasche abstellt und ihre Hand zögernd über seine Brust tastet. Habib seufzt, beugt sich zu Gloria und will sie küssen, während seine Hand die ihre von seiner Brust in Richtung Bauch und tiefer drückt, aber Gloria fährt zurück und schüttelt den Kopf. “Nicht küssen!”

Habib lächelt nur und schnurrt mit einer besänftigenden Kopfgeste und versucht wieder, Gloria auf den Mund zu küssen, aber Gloria dreht den Kopf weg. “Kein Küssen!” Sie konzentriert sich auf ihre Zigarette und streift die Asche in den Aschenbecher und will noch einen Zug machen, aber Habib ist nachdrücklich und nimmt ihr Gesicht in seine Hand. “Du hast saftige Lippen.” Er atmet heftig, “Sie brauchen Küsse.” Er nähert sich ihr wieder, aber Gloria dreht ihr Gesicht heftig weg und stemmt sich gegen Habib, schüttelt den Kopf. “Nein. Küssen ist nicht drin, ich will nicht –“

Habib lehnt sich zurück, lässt Gloria los und schaut sie erstaunt an, während sie ihre Kleidung zurechtzupft. Dann werden Habibs Augen schmal, und sein Gesichtsausdruck verwandelt sich von verführerischer Lüsternheit in ärgerliche Enttäuschung. “Du bist also eine ...” Er stößt heftig die Luft aus, bemüht, sich zu beherrschen.

Gloria starrt ihn erstaunt an und runzelt die Stirn. “Eine was?” Sie realisiert plötzlich, was er meint und schüttelt heftig den Kopf, gestikulierend. “Nein! Ich bitte dich! Nur ist Küssen so persönlich, das macht man doch nur, wenn man verliebt ist.” Sie nimmt schnell einen Zug aus ihrer Zigarette, um ihre Verlegenheit zu verbergen.

Habib schnaubt, etwas verächtlich. “Verliebt? Küssen verbindet das Oben und das Unten, nicht mehr und nicht weniger. “Er schaut sie forschend an und nickt dann, verächtlich. “Du bist eine Nutte.”

Gloria starrt ihn an und ringt nach Worten. “Nein!” Sie will Habibs Brust wieder berühren, aber er wehrt sie ab. “Du willst mich ausnehmen, hä? Geld für Sex? Nein, das hab’ ich nicht nötig!”

Gloria wendet sich ihm empört zu. “Das meinst du nicht ernst! Wieso ...?”

Habib schnaubt zornig und greift an Gloria vorbei zur Autotür und öffnet sie, “Hinaus!”

Gloria berührt seine Hand, aber er greift schnell und fest nach ihrem Handgelenk und schiebt sie zur Seite, zischt sie an: “Steig aus! Ich brauch’ das nicht! Geh! Verschwinde!”

Gloria sitzt wie versteinert, und Habib nimmt ihr die Zigarette aus der Hand und schleudert sie an Gloria vorbei auf die Straße. “Geh! Lügnerin. Ich brauche keine Nutte. Geh, sonst rufe ich die Polizei.”

Gloria schaut ihn wie benommen an, schüttelt den Kopf. “Was denkst du denn, du denn?”

Habib gestikuliert wild und zunehmend ärgerlich. “Geh! Aus meinem Wagen! Ich will dich nicht!”

Gloria will etwas sagen, aber Habib schneidet ihr mit einer Handbewegung das Wort ab und schnaubt: “Du kriegst kein Geld von mir. Raus. Jetzt!”

Gloria sieht, wie zornig sein Gesicht ist, schnappt ihre Handtasche und steigt schnell, aber etwas benommen aus dem Auto. Habib startet sofort und gibt Gas, während er noch die Autotür zuschlägt. Gloria stolpert erschrocken zur Seite, während das Auto davonbraust.

In Nachthemd und Bademantel marschiert Gloria aufgewühlt durch ihre Wohnung, Kaffee trinkend. Sie zappt durch Fernsehkanäle, surft im Internet, hört Musik und sinniert. Sie zieht einen Vorhang zur Seite, und draußen ist es noch stockfinster. Kaum Sterne sind zu sehen.

Gloria schaltet ihren Laptop ein, checkt ihre Emails, findet eine Nachricht von ihrer Mutter vor. “... interessante Idee, Gloria. Nicht neu. Es gibt ja Filme über Callboys. Aber du solltest dich vielleicht mehr mit der Realität auseinandersetzen, mein Kind, und nicht ...”

Gloria schließt die Email, genervt.

Sie googelt “Callboys” im Internet und zündet sich nervös eine Zigarette an, nimmt ihr Handy und kaut an ihren Lippen, aufgebracht und nervös.

Die Entjungferung

Etwas später sitzt Gloria im Wohnzimmer auf dem Sofa, immer noch in Nachthemd und Bademantel, aber sorgfältig frisiert, ein Glas Wein in der Hand, den Fernseher anstarrend, der ohne Ton läuft, als die Türglocke läutet. Gloria zuckt zusammen, holt dann aber tief Luft, stellt das Weinglas ab und nickt zu sich selber. “Und nun zum Geschäftlichen.”

Sie wandert etwas steif durch den Vorraum und öffnet die Tür, und ein exotisch wirkender Mann, Mitte 30, groß, schlank mit dunkelbraunem, kurzem Haar, Franco, steht vor der Tür, in dunkler Hose, buntem Hemd und beigem Sakko und lächelt charmant. Er hält Gloria eine lachsfarbene Rose hin. Gloria öffnet den Mund, um etwas zu sagen, aber sie bringt nichts heraus, wendet sich von Francos dunkelbraunen Augen ab nimmt nur die Rose in Empfang, nickt und tritt zur Seite, damit Franco eintreten kann.

“Guten Abend, danke für die Einladung.” Franco neigt höflich den Kopf und lächelt etwas amüsiert, entblößt dabei perfekt weiße regelmäßige Zähne. Gloria wirft noch einen Blick auf seine schmalen, schön geschwungenen Lippen und stolpert dann voran ins Wohnzimmer, heimlich nach Atem ringend.

Sie hört, dass Franco seine Schuhe abstreift und dreht sich schnell um, “Nein, lassen Sie sie an!” Aber Franco geht bereits in bunten Socken weiter und deutet auf Glorias hellen Wohnzimmerteppich. “Oh, ich würde nie ...”

Gloria zuckt die Schultern und wendet sich Franco zu, der in einem Respektabstand vor ihr stehen bleibt und auf die Rose deutet. “Passt perfekt dazu!” Er weist auf eine Blumenvase, in welcher Margueriten und grüne Zweige stehen. Gloria nickt, eifrig und steckt die Rose zu den anderen Blumen, “Vielen Dank” murmelnd.

Franco bleibt derweil am selben Platz stehen und schaut sich um. Er merkt, dass Gloria ihn dabei beobachtet und lächelt freundlich. “Ich versuche immer herauszufinden, wo die anderen Räumlichkeiten sind, damit ich Fragen vermeide. Die sind meist nicht sehr ...”

Gloria unterbricht ihn eifrig, gestikulierend: “Ich hätte es Ihnen gesagt, ja, hätte ich.” Franco verneigt sich leicht, mit einem wortlosen “sehr aufmerksam”. Dann mustern sie einander. Gloria errötet und deutet auf ihren Aufzug. “Ich hab’ keine Erfahrung mit so etwas. Hab’ gar nicht daran gedacht, dass ich auch etwas Anderes anziehen ...”

Franco streckt seine Hand aus und lächelt sanft. “Sie hätten auch gar nichts anziehen müssen.” Gloria schnappt nach Luft und kichert verlegen, rollt dann die Augen. “Ja, Sie sind sicher Einiges gewöhnt.”

Nun äußert Franco ein kurzes Lachen und schüttelt “tadelnd” den Kopf. “Also dieser Gedanke liegt mir absolut fern.”

Gloria seufzt und legt sich die Hände auf beide Wangen. “Was habe ich mir nur gedacht ...”

“Dass Sie gerne guten Sex hätten, unverbindlich und entspannt?” Franco legt den Kopf schief und hält immer noch seine Hand Gloria in. Sie schaut etwas zittrig auf und legt dann ihre Hand in die seine. Franco zwinkert “verwegen”. “Schlafzimmer?”

Etwas später liegt Gloria nackt auf dem Rücken in ihrem Bett, und Franco, ebenfalls nackt kniet zwischen ihren angewinkelten Beinen und bewegt sich langsam, aber nachdrücklich in ihr. Das Licht ist gedämpft, und Gloria hält die Augen geschlossen, blinzelt aber ab und zu hoch. Sie keucht und bewegt ihre Hüften im Takt, in dem Franco sich bewegt, während Franco sie “nebenbei” beobachtet. Gloria lässt ihre Hände über seine behaarte Brust gleiten und krault seine Haare sanft, berührt seine Schulter und Arme, während Franco sich nur neben ihr abstützt.

Gloria holt tief Luft und spricht etwas gepresst. “Es tut gut, wirklich, und du fühlst dich so wahnsinnig gut an ... aber ...” Sie schaut Franco an und lächelt verlegen, “Ich werde keinen Höhepunkt bekommen.” Sie kichert, etwas unsicher, “Ich habe normalerweise nie einen.”

Franco legt seine Hand auf ihre Wange und streicht darüber und Glorias Hals hinab bis zu ihrem Schlüsselbein und,lässt die Hand sanft dort liegen, und Gloria zuckt zusammen und hebt sich Franco spontan entgegen, sodass er tiefer in sie eindringt, ohne sich zu bewegen. Erstaunt und erregt schnappt Gloria nach Luft, und Franco beginnt sich zurückzuziehen. Gloria schaut ihn groß an und klammert ihre Beine um seinen Rücken, aber Franco lächelt nur, richtet sich langsam auf und lässt seine Hände Glorias Körper entlang über ihre Schenkel zu ihren Knien gleiten, und während er sich völlig zurückziehe und Gloria mit einem Seufzer reagiert, schließt Franco ihre Knie und zieht die Bettdecke etwas hoch.

Gloria atmet tief durch und dreht den Kopf zur Seite, streckt sich stöhnend aus, die Augen geschlossen. Franco legt sich auf die Seite von Gloria, auf die ihre Kopf gedreht ist und zieht die Bettdecke auch über sich.

Er atmet auch tief durch und kuschelt sich neben Gloria ins Bett. Nach einigen Momenten öffnet Gloria die Augen und betrachtet Francos Profil, spricht dann mit heiserer Stimme. “Es war ... gut. Aber zum Schluss ...” Sie schnauft und seufzt, lächelnd, “war etwas Besonderes. Wow. Das war intensiv.” Sie richtet sich etwas auf, während Franco langsam den Kopf zu ihr dreht. “Was war das?”

Franco lächelt vage und mustert Glorias Gesicht. “Ein Ausrutscher.”

Gloria schaut ihn erstaunt an und zuckt dann die Schultern. Franco hebt die Augenbrauen. “In der Fachwelt nennen wir es ...” Er unterbricht sich selber und lacht. “Sorry, blöder Witz.”

Gloria schubst ihn leicht und lacht mit ihm. “Ich dachte schon ...” Franco dreht sich spontan zu ihr und stützt seinen Kopf in seine Hand, während seine andere Hand an der Bettdecke um Gloria zupft. “Ich hab’ dich von deinem inneren Stress abgelenkt.” Er streicht wieder kurz über Glorias Wange, die spontan große Augen macht.

“Viele Menschen finden es erstaunlich erotisch, im Gesicht berührt zu werden.”

“Warum fühlt es sich so intensiv an?”

“Weil es eine Art Tabubruch ist.” Franco zuckt die Schultern, grinsend. “Und ich sollte nicht über solche Dinge sprechen.”

Gloria dreht sich ihm zu und blinzelt, verführerisch. “Oh, bitte, da turnt mich so an ...”

Franco lacht und nickt. “Okay. Die Kundin ist Königin. Also ... es ist eine emotionale Intensität. Sex ist ja grundsätzlich emotional, auch wenn’s nur ums ...” Er ringt nach Worten, aber Gloria kommt ihm zuvor. “Ums ficken geht?”

Franco nickt vage, “Tja, um den Akt der Penetration, beiderseits.”

“Wie das?”

“Emotion kommt vom lateinischen Wort emovere, das bedeutet, sich von irgendwoher oder aus etwas heraus bewegen. Und es bewegt sich ein gewaltiger Energieschub aus dem tiefen Inneren, wenn sexuelle Aktivitäten passieren. Wenn so intime Bereiche wie das Gesicht einbezogen werden, erhält das Ganze eine zusätzliche Dimension.”

Gloria starrt Franco mit offenen Mund an, und er zieht eine etwas verlegene Grimasse. “Wie gesagt, es ist nicht unbedingt sexy, darüber zu reden, aber ...”

Gloria kuschelt sich plötzlich an ihn. “Ich bin fast gekommen, jetzt gerade.”

Franco runzelt die Stirn und stößt einen Laut der Einsicht aus. “Wow. Meine Technik wird ja immer besser.”

Beide lachen laut auf, und Gloria richtet sich auf. “Ich habe ja schon gesagt, bei der Buchung, dass es eine Art Test für mich ist, eine Recherche ..”

“Ja. Für ein Projekt. Eine Studie, oder so?” Franco kuschelt sich ebenfalls näher an Gloria, die ihn aufmerksam mustert. “So ähnlich. Möchtest du etwas trinken, eine Zigarette?”

Etwas später sitzt Franco neben Gloria auf dem Bett, und sie rauchen Zigaretten und trinken Fruchtsaft. Etwas Tageslicht dringt durch einen Spalt zwischen den Vorhängen. Gloria ist in eine Kuscheldecke gehüllt, während Franco halb unter der Decke ist.

“Du bist nett.” Gloria nickt Franco etwas verlegen zu, und Franco hebt die Augenbrauen. “Du meinst - für einen Callboy?”

Gloria zuckt die Schultern, “So ähnlich. Ich hab’s mir kühler vorgestellt. Unpersönlicher.”

Franco nickt, verständnisvoll. “Das gibt’s auch. Aber ich mache den Job nicht, weil ich davon leben muss, sondern weil ich ihn gerne mache.”

“Und das hat etwas mit deinen eigenen sexuellen Bedürfnissen zu tun?” Gloria ist etwas erstaunt über ihre eigene Offenheit und zieht eine etwas verlegene Grimasse. Franco wiegt den Kopf. “Auch. Aber ich mache gerne Leute glücklich. Und Priester oder Sozialarbeiter waren nicht so meins, also ...” Er öffnet die Arme, “Tadaa!”, “und ich liebe diesen Job.”

“Auch wenn du an so eine ... Frigide wie mich kommst?” Gloria rollt die Augen mit bitterer Ironie. Zu ihrer Überraschung schaut Franco sie aufmerksam freundlich an, aber sein Gesicht wird strenger und er bedächtig langsam den Kopf. “Es gibt keine frigiden Frauen ...”

“... nur unfähig Männer?” Gloria zwinkert, verlegen.

“... nur Frauen, die aus privaten Gründen gerade nicht in Stimmung sind.” Franco nickt bekräftigend zu seinen eigenen Worten, während Gloria ihn erstaunt anschaut.

“Ja, Frauen sind vom physiologischen viel mehr auf Sex ausgerichtet als Männer. Sie können quasi immer. Sind immer erregbar, wenn die Stimulation richtig ist.”

Gloria schnaubt, “Du meinst, kein Herumdrehen an den Brustwarzen bis man zur Mörderin im Geiste wird?”

Franco lacht, “Das klingt nach bitterer Erfahrung.”

Gloria bläst Luft aus. “Oh, ja, bitter.”

“Und häufig. Ich habe viele Kundinnen, die mich bitten, ihre Brüste oder Genitalien gar nicht zu berühren, weil sie schon so oft falsch berührt wurden.”

Gloria schaut ihn verblüfft an. “Und ich hab’s dir gar nicht sagen müssen. Sieht man es mir an?”

“Du wolltest eine Callboy-Erfahrung machen, keine romantisches Abenteuer haben. Und deine Körpersprache ...” Er zuckt die Schultern, “hat mir genau gesagt, was du vorhast.”

Sie schauen einander in die Augen, und Gloria stößt wiederum einen verblüfften Schnaufer aus. “Wow.”

Franco nickt, versonnen. “Ich weiß jetzt viel über dich, und ich könnte ...” Er hält inne und schaut Gloria fragend an, und sie nickt eifrig, dass er weitersprechen solle. “... dir einige Freunden bereiten. Wenn du mich lässt und nicht regulieren willst.”

Gloria schaut ihn unverwandt an. “Das berühmte Vertrauen, hm?”

Franco nickt. “Dazu sind wir Profis da.”

“Und das ...” Gloria setzt sich erregt auf, “ist genau der Punkt!” Sie schaut Franco so begeistert an, dass er sich vor ihr spielerisch verbeugt. “Aber gerne!”

Er nimmt eine von Glorias Händen und drückt sie sanft. “Und ich habe Erfahrung. Zwölf Jahre.”

“Wow. Bist du reich?”

“Du meinst durch diesen Job?” Franco kichert, “Nein. Ich gebe mein Geld auch wieder aus.”

“Flottes Auto?”

“Gebrauchter Minivan. Ständig etwas zu reparieren. Behinderte Schwester, verarmte Mutter, psychisch labiler Vater. Zwei Hunde.”

Gloria schaut Franco verblüfft an. ”Wow. Eine Bestseller-Story. Stimmt das alles?”

Franco greift nach Glorias Hand, seufzend. “Mit ein Grund, warum ich mich dem Vergnügen verschrieben habe.”

“Und dein anderer Beruf?” Gloria schaut zu, wie Franco ihre Finger massiert. Als er nicht antwortet, schaut sie zu ihm auf, und er zwinkert, “bedauernd”.

“Oh, verstehe. Sorry. Geht mich nichts an.”

“Ich nehme es nicht persönlich, wenn eine Frau nicht auf Touren kommt. Viele Frauen buchen mich, weil sie den Mut aufbringen, sich selbst sexuell wieder erwecken zu wollen. Das geht nicht von heute auf morgen. Für mich ist es eine Ehre, dass ich dabei helfen ... soll.”

Gloria schaut Franco fasziniert an, dann bricht sie in Lachen aus, während sie zutiefst errötet. “Volltreffer. Jetzt werd’ ich mir eine Grube graben und nie wieder raus kommen.”

“In der Grube wirst du ein paar Millionen Frauen finden, Gloria.” (zwinkert) “Aber es waren noch viel mehr drinnen.”

“Alles Frauen, die nie genug guten Sex hatten, und die dann einen Profi engagierten?”

Franco lacht laut auf, und Gloria runzelt etwas irritiert die Stirn. Franco winkt ab. “Es hat nur so bitter pragmatisch geklungen, aber ... ja. Stimmt.” Er lässt Glorias Hand los und trinkt etwas Fruchtsaft.

Gloria nickt, einsichtig und spricht dann vorsichtig. “Wie ... läuft das normalerweise, Franco? Buchen diese Frauen, die nicht ... also solche, wie ich ... buchen die dich dann wieder, und das nächste Mal ... klappt es dann?”

Franco stellt das Saftglas wieder weg und wendet sich Gloria langsam zu. “Nun ja. Eigentlich ...” Er lächelt sie charmant an, “klappt es immer schon beim ersten Treffen.” In einer überraschenden verwegenen Geste, fasst er unter die Kuscheldecke nach Glorias Schenkel, und Gloria reagiert mit einem spontanen Zittern und einem kurzen Luftschnappen. Franco hebt den Kopf und schaut sie herausfordernd an, “Bei der Zugabe.” Er lässt seine Hand Glorias Schenkel entlang wandern, und sie schließt die Augen.

“Und ja, die meisten rufen mich dann wieder an.” Er legt seine Hand auf Glorias Bauch, und sie lässt sich mit einem wohligen Stöhnen aufs Bett sinken und schaut etwas erstaunt zu ihm hoch. Franco hebt verführerisch die Augenbrauen mit einem verschmitzten, etwas stolzen Lächeln. “Du kannst mir alles sagen, aber du kannst auch einfach ... mitmachen.”

Бесплатный фрагмент закончился.

449,59 ₽
Возрастное ограничение:
0+
Объем:
150 стр. 1 иллюстрация
ISBN:
9783742793249
Издатель:
Правообладатель:
Bookwire
Формат скачивания:

Похожие книги