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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-86506-766-1
© 2015 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers
Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers
Titelfoto: Andrej Gronau/fotolia©GstudioGroup
Satz: Brendow Web & Print, Moers
1. digitale Aufgabe: Zeilenwert GmbH 2015
www.brendow-verlag.de
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Widmung
Einleitung – persönliches Kennenlernen
Wie alles begann
Casting Edition – The Dream Come True
Shooting Edition – Ich lerne mich selbst kennen
Beauty Edition – Eine Frage des Vertrauens
Runway Edition – Gerate ich ins Straucheln?
Film Edition – Nicht alle Rollen passen zu mir
Sports Edition – Wer entscheidet, was sportlich ist?
New York Edition – Castings sind hart und nicht fair
Sexy Edition – Wie weit will ich gehen?
Transformation, Action und Traumjob – Verwandeln um jeden Preis?
Mein Leben nach GNTM – Der Alltag kehrt zurück?
Das kleine Model-ABC
Checklisten für dich
Ein paar letzte Worte
Ich sage Danke!
Bildnachweis
Bildteil
Weitere Bücher
Für alle, die an mich glauben, mich
unterstützen und gern haben.
Ohne euch wäre dies alles nicht möglich gewesen.
Ich liebe euch!!

Kurz vorweg, damit ihr euch nicht wundert:
Ich darf leider die GNTM-Fotos, die nicht mit meiner Kamera gemacht wurden, nicht verwenden, da ich nicht die Rechte an den Bildern habe.
Das betrifft also sowohl die Entscheidungsbilder als auch all die Bilder, die der Fotograf von ProSieben gemacht hat und die ihr zum großen Teil im Internet sehen konntet. Ich hoffe, euch gefallen die Bilder trotz der manchmal nicht ganz perfekten Qualität.
Einleitung – persönliches Kennenlernen
Im Leben begegnest Du vielen Menschen, aber nur wahre Freunde hinterlassen ihre Spuren in Deinem HERZEN.
Bevor ich damit beginne, euch von meiner Zeit bei GNTM zu erzählen, möchte ich noch etwas privater anfangen. Ich möchte euch die Chance geben, mich richtig kennenzulernen und mehr über mich zu erfahren, als im Fernsehen zu sehen war.
Ich möchte ein paar Fragen klären, die ich oft gefragt werde, wenn ich auf Fans treffe, und euch einen Einblick in mein Leben vor und nach GNTM geben, sodass ihr sehen könnt, was, wie und wo es sich verändert hat.
Beginnen wir mit meiner Person: Mein Name ist Jacqueline Thießen, ich bin zur Zeit 18 Jahre alt (während meiner Teilnahme an GNTM 16 und später 17), wohne in Hamburg, habe zwei jüngere Geschwister (Jasmin, 13 und Tizian, 7) und wohne noch bei meinen Eltern.
Ich habe 2014 angefangen, an der Uni Hamburg zu studieren. Mein Hauptfach ist Sozialökonomie (eine Mischung aus BWL, VWL, Soziologie und Jura/Recht) und ich möchte weiterhin nebenbei als Model arbeiten. Meine Hobbys sind: Lesen (eigentlich alles, außer Horrorgeschichten und Thriller/Krimis), schreiben (Geschichten, Gedichte), singen (auch ziemlich querbeet), Einrad fahren, Keyboard spielen und ganz wichtig: das Schauspielern.
Ich bin in Hamburg geboren, aber als ich drei Jahre alt war, zogen wir in ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein, wo wir bis zum Jahre 2010 geblieben sind, danach ging es wieder zurück nach Hamburg.
Ich war schon immer neugierig auf das Modeln, habe mich gerne verkleidet, Fotos gemacht und kleine Videos aufgenommen, sobald ich meinen eigenen (billigen) Fotoapparat hatte.
Ich habe eine sehr enge Beziehung zu meiner Schwester, wir machen unheimlich viel gemeinsam und erzählen uns eigentlich alles. Ich war und bin noch ein sehr schüchterner, ehrlicher, hilfsbereiter und ruhiger Mensch, dazu noch äußerst zielstrebig und ehrgeizig – ich möchte immer perfekt sein und es fiel mir in der Kindheit schwer zu begreifen, dass ich das nicht immer schaffen konnte. Ich habe es gehasst bei Spielen zu verlieren und konnte mich ziemlich über unwichtige Kleinigkeiten aufregen, beispielsweise wenn meine Socke nicht richtig saß oder ein Playmobil-Männchen umfiel. Für mich ging eine Welt unter und es hat etwas gedauert, bis ich meinen Perfektionismus zurückschrauben konnte.
Während GNTM bin ich offener und selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt meinen Körper ganz neu wahrzunehmen und neue Seiten an mir entdeckt.
Aber wie sah mein Leben vor GNTM aus?
Eine typische Woche:

Ihr seht, dass meine Wochen ziemlich voll waren, und gerade in der Oberstufe war es nicht ganz leicht, die ganzen Termine mit den Klausuren zu koordinieren.
Euch fällt vielleicht auch auf, dass einige meiner Termine mit der Kirche zu tun haben und ich möchte euch gerne erklären, wie mein Bezug zur Kirche entstanden ist: In dem Dorf, in dem wir wohnten, hatten wir eine sehr aktive Kirchengemeinde und neben den Gottesdiensten am Sonntag gab es auch immer mal wieder welche für den Kindergarten und später die Schule.
Die Verbindung gestärkt haben außerdem der Pastor und die Menschen im Kirchenrat beziehungsweise diejenigen, die sich einfach engagierten in der Gemeinde. Es gab jedes Jahr ein Musical mit allen Kindern und Jugendlichen, die Lust darauf hatten, und wir führten es dann irgendwann der gesamten Gemeinde in der Kirche vor. Wir hatten auch eine Band und richtige Technik, sodass es für uns Kinder stets super modern und professionell aussah.
Dazu kam mein Konfirmandenunterricht – in einer Gruppe mit meinen Freunden, dem tollen Pastor und den Teamern, die uns halfen, machte es immer unglaublich viel Spaß und ich bin immer gerne hingegangen. Es war einfach eine tolle Zeit und ich habe gemerkt, dass die Kirche nicht unmodern, altmodisch oder so etwas ist, sondern auch mit der Zeit gehen kann. Es gab Familiengottesdienst, Kinderbetreuung während des normalen Gottesdienstes und noch alles Mögliche mehr.
Nachdem wir später umgezogen waren, besuchte (und besuche) ich auch hier in Hamburg die Kirche. Auch in dieser Gemeinde gibt es ein Kindermusiktheater, bei dem meine Schwester und ich mit Feuer und Flamme dabei waren und als dann mein Sozialpraktikum anstand, fragte ich in der Kirche, ob ich es nicht dort machen könnte. Es klappte und in den drei Wochen habe ich so viele Dinge erlebt und so wundervolle Menschen kennengelernt, dass in mir der Wunsch wuchs, selber einmal eine Gemeinde zu haben. Irgendwann möchte ich einmal Pastorin werden.
Als dann der Konfirmandenjahrgang meiner Schwester sehr viel größer als gewöhnlich war, startete auch hier das Prinzip der Teamarbeit (Pastor plus Teamer) und ich helfe seitdem jeden Donnerstag mit.
Das war jetzt in aller Kürze der Weg, der zu meinem Kircheninteresse geführt hat – es gäbe noch sehr viel mehr zu erzählen, aber das würde wohl den Rahmen dieses Buches sprengen …
Deshalb nur noch ein Rat für euch: Geht in die Kirche eurer Gemeinde und versucht euch einzubringen. Engagiert euch für Neues, helft, wo ihr könnt und erlebt, wie viele Menschen die Kirche unterstützt.
Für mich hat besondere Bedeutung, dass man dort nicht nach seinem Aussehen oder Können bewertet wird, jeder darf helfen, so viel und so gut er eben kann – es ist ein starker Gegensatz zum Modelbusiness, aber gerade deshalb ist mir mein Glaube und das Gemeindeleben wichtig – als Ruhepol und Möglichkeit, einfach ganz locker und entspannt ich zu sein. Probiert es aus – ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Das war es dann erst mal von mir. Jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß mit meinem Hinter-den-Kulissen-Buch, das noch etwas mehr zu bieten hat als den reinen Bericht der Geschehnisse – findet es selbst heraus!
Eure Jacqueline

Wie alles begann
Niemand hat Gott je gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollkommen.
(1. Johannes 4, 12)
Wer kennt sie nicht, die Castingshow „Germany’s next Topmodel“? Wer hat sie noch nie geschaut, drüber gezappt oder sich selbst in die Rolle eines dieser Mädchen geträumt?
Wohl jedes junge Mädchen in Deutschland wird von der Existenz dieser Sendung wissen und sich wünschen teilnehmen zu können, doch so viele Fragen stehen vor der Bewerbung: Habe ich überhaupt eine Chance? Wieso sollte gerade ich angenommen werden?! Habe ich überhaupt Talent zum Modeln? Sehe ich gut genug aus?
All diese Fragen habe auch ich mir seit der ersten Staffel gestellt, die ich mir mit meiner Mutter und meiner kleinen Schwester angesehen habe. All diese Mädchen wirkten so weit weg, beinahe schon unnahbar, auf jeden Fall hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mal ein Teil dieser Sendung sein würde. Und dennoch habe ich in der Schule oft mit meinen Freundinnen darüber gesprochen, eines Tages – wenn wir alt genug wären –gemeinsam zum Casting zu gehen (damals gab es gerade die offenen Castings, wo alle hintereinander hergelaufen sind und einzelne von der Jury ausgewählt wurden).
Und sei es nur, um einmal da gewesen zu sein. Heidi Klum und die Jury live zu sehen und ein kleines Abenteuer zu erleben. Andererseits hat natürlich auch jede die Furcht, nicht genommen zu werden. Einfach übersehen zu werden oder sogar gesagt zu bekommen, woran die Ablehnung liegt. Da ist dann auch Angst im Spiel, dass nicht genug Selbstbewusstsein und Kraft vorhanden ist, um damit klarzukommen. So habe ich jedenfalls gedacht. Ich kenne die Selbstzweifel und die Angst vor dem „Versagen“.
Doch ich habe mich getraut, denn wie heißt es so schön: Nur wer aufgibt, hat schon verloren. Mit dem Rückhalt aus meiner Familie und der Gewissheit, dass in dieser Show bestimmte Typen gesucht werden – es also nicht an mir liegt, wenn ich nicht weiterkomme – habe ich mich beworben.
Zunächst habe ich viele Daten im Internet angegeben. Von meinem Namen über das Alter bis hin zu Stärken, Schwächen und dem Grund, warum gerade ICH Germany’s next Topmodel bin. Anschließend erhielt ich eine Castingnummer und eine Zeitspanne (17.00 – 17.30 Uhr), in der ich mich beim Casting in Hamburg melden sollte.
Kleine Info am Rande: Eine Teilnahme ist auch ohne vorherige Anmeldung im Netz möglich, dauert aber länger, da all diese Daten und Fragen dann vor Ort noch beantwortet werden müssen ☺.
Dann begann das Warten, bis es endlich so weit war. Ich habe versucht nicht zu viel darüber nachzudenken, da ich dazu neige, mich zu sehr in etwas hineinzusteigern. Wie gesagt, ich bin ziemlich perfektionistisch …
Am Tag selbst, dem 19. August 2012 – es war der heißeste Tag des Jahres – überkamen mich Zweifel. Wir waren an der Ostsee und es war soooo unwahrscheinlich, dass ich auch nur die Castingrunde überstehen würde, also warum sollten wir zurück nach Hamburg fahren, wo wir doch hier an der Ostsee schön baden konnten? Das wären doch nur verschwendete Benzinkosten und eine unnötige Fahrerei …
Ich wäre also beinahe gar nicht zum Casting gefahren, aber auch in dieser Situation, wie in so vielen meines Lebens, hat meine Familie – insbesondere meine Mama – mir den Mut und die Unterstützung gegeben, die ich in diesem Moment gebraucht habe und wir sind gefahren.
Das Casting fand in einem Hotel statt und während ich weiter nach hinten geführt wurde, mussten meine Mutter und meine Schwester, die mich begleiteten, vorne im Foyer auf mich warten – viereinhalb Stunden lang in der prallen Sonne, die durch die komplett verglaste Vorderfront in die Lobby schien.
Währenddessen saß ich in einem wunderbar klimatisierten Raum und – wartete. Immer acht Mädchen wurden in einen Raum gebracht und dort von Scouts beurteilt. Zu sehen, wie wunderschöne Mädchen traurig wieder herauskamen, ließ mich noch einmal zweifeln. Wenn diese Mädchen nicht weiterkamen, wie sollte ich überhaupt nur eine Chance haben?
Gleichzeitig kamen Mädchen weiter, von denen ich es nicht auf den ersten Blick erwartet hatte – das beruhigte mich wieder etwas. Es ging also nicht nur um die perfekte Figur und ein bereits jetzt perfektes Aussehen, sondern auch andere Dinge wie das Laufen, das Auftreten, die Natürlichkeit und Wandelbarkeit wurden bewertet.
Als ich dann endlich dran war, konnte ich kaum laufen – praktisch das erste Mal auf so hohen Schuhen (und dann auch noch auf Teppich!), die Aufregung, was in dem Raum wohl passieren würde und die Hoffnung, doch eine Runde weiter zu kommen. Meine Beine zitterten, ich schwitzte und ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen – ihr könnt es euch wie den Moment vor einer wichtigen Prüfung oder Präsentation vorstellen! Was schießt einem da nicht alles durch den Kopf: Habe ich mich gut genug vorbereitet? – Hoffentlich vergesse ich nichts! – Wie sehe ich aus? –Funktioniert meine Präsentation auf dem PC? – Halte ich das Zeitlimit ein?
Ziemlich genauso ging es mir.
Aber wie vor jeder Prüfung und jedem Auftritt, den ich bisher hatte, war ich auch furchtbar neugierig und gespannt und konnte es kaum erwarten, dass es losgeht. Also ein ziemliches Gefühlschaos!☺
In dem Raum mussten wir uns dann kurz vorstellen mit Name, Alter und Wohnort, manche wurden noch etwas anderes gefragt (Echtheit der Haarfarbe o. ä.).
Dann mussten wir jeweils zu viert nebeneinander laufen. Einmal hin und einmal zurück. Klingt jetzt ausgesprochen einfach, aber damals kamen mir diese acht Meter Weg unheimlich weit vor und ich hatte wahnsinnige Angst, auf dem Teppich umzuknicken, hinzufallen oder etwas anderes falsch zu machen. (Zum Glück ist aber nichts passiert.)
Aus meiner Gruppe sind mit mir drei Mädchen weitergekommen. Um unsere zuvor angegebenen Maße zu überprüfen, wurden wir vermessen, gewogen und es wurden Polaroids gemacht (Portrait-, Ganzkörper- und Profilaufnahmen).
Anschließend hieß es wieder warten.
Erst als ich wieder im Vorraum war, konnte ich begreifen, was geschehen war: Ich, Jacqueline Thießen, hatte die erste Hürde auf dem Weg zu Germany’s next Topmodel genommen!
Die ganze Anspannung löste sich in riesige Freude und auch Hoffnung, dass ich vielleicht, ganz vielleicht, doch eine Chance hatte meinen Traum zu leben. Es war ein totaler Kick für mein Selbstvertrauen. Ich fühlte mich plötzlich durchaus hübsch genug, um bei dieser Show mitzumachen. Ich vergaß die Dinge an mir, die meiner Meinung nach nicht perfekt waren.

Ich bekam die Erlaubnis, meiner Mutter und Schwester Bescheid zu sagen, und hüpfte strahlend nach vorne. Sie hatten das Gleiche beobachtet wie ich: Wunderschöne Mädchen waren traurig und enttäuscht nach Hause geschickt worden und entsprechend groß war nun die Freude, dass ich eine Runde weitergekommen war! Die Fahrt zurück nach Hamburg hatte sich also gelohnt!
Das Casting war allerdings noch lange nicht vorbei; es folgte die Aufnahme eines „normalen“ Walks und eines „Crazy Walks“ (man sollte etwas Außergewöhnliches tun, damit Heidi sich an einen erinnert), ein langes Interview mit noch viel mehr Fragen als bei der Anmeldung (um das Auftreten und Sprechen anzuschauen), sowie ein ca. 15-minütiges Interview vor laufender Kamera (um das Auftreten und die Wirkung vor dieser zu testen). Dann war das Casting geschafft und die erste Hürde auf meinem Weg zu Germany’s next Topmodel genommen.
Nun hieß es erneut warten, denn natürlich kommen in jeder Stadt viel mehr Mädchen weiter, als später tatsächlich in die Show kommen.
Nach Beendigung der Castingtour durch Deutschland wird weiter ausgewählt – wer wirkt gut vor der Kamera, wer könnte Spannung in die Show bringen, wo gibt es eine große Chance zur Verwandlung, was für Typen brauchen und wollen wir und, und, und … Schließlich geht es bei diesem Casting in erster Linie um eine Fernsehsendung, die eine spannende Geschichte erzählen und die Zuschauer unterhalten soll, und nicht nur um eine Modelkartei. Euch fallen sicher noch weitere Kriterien ein, nach denen ausgewählt wird.
Alle paar Wochen kam dann ein Anruf, der mir mitteilte, dass ich unter den Top 1000, 500, 200 und 100 sei. Das waren immer sehr aufregende Momente – jedes Mal mit der Angst behaftet, nun zu hören zu bekommen, dass man es leider nicht mehr weiter geschafft habe … Zum Glück bekam ich stets die positive Option gesagt ☺.
Nach dem letzten Anruf, ich sei unter den Top 100, war die Aufregung natürlich ganz groß, denn mit dem nächsten Schritt (wie groß er auch sein würde – ob auf 50 oder 25) wäre ich im Fernsehen und würde Heidi Klum einmal persönlich treffen können. Doch je mehr Zeit verstrich, desto unsicherer wurde ich – ja gut, Top 100, aber was hatte ich schon, dass ich noch ein Stück weiter kommen sollte? Dazu kam die lange Zeit, in der ich nichts mehr hörte …
Es war inzwischen Dezember (im August war das Casting gewesen!) und noch immer hatte ich weder etwas Positives noch Negatives gehört …
Was ich damals nicht wusste: Meine Mutter war längst informiert worden, dass ich unter den Top 25 war und von einem Kamerateam überrascht und abgeholt werden sollte (dass Heidi dann auch noch persönlich kam war auch für meine Mutter eine Überraschung ☺).
Sie hatte alle meine Freunde und Verwandten informiert und mit der Leiterin des Kindermusiktheaters gesprochen, sodass ich während der Generalprobe für unseren Auftritt überrascht werden konnte. Das war ein echtes Problem für unsere Theateraufführung: Weder meine Schwester noch ich würden den richtigen Auftritt am darauffolgenden Tag mitmachen können – da ich mein erstes Shooting in Wiesbaden hatte und meine Mutter und Schwester zugucken durften … Es musste also auch noch stillschweigend für Ersatz gesorgt werden!
Ehrlich gesagt war ich aber so im Schul- und Klausurenstress (kurz vor den Weihnachtsferien – das kennt ihr bestimmt!), dass ich wirklich nichts mitbekommen habe!
Jetzt im Nachhinein denke ich zwar, dass ich etwas hätte merken können – immer wieder fehlten mir meine Lieblingssachen und auf Nachfrage erfuhr ich, sie seien in der Wäsche, obwohl ich sie gar nicht getragen hatte, meine Schwester erfragte, was ich denn am liebsten mögen würde. Und Papa wollte plötzlich zur Kirche fahren, um seine Kamera sicher zu transportieren, da Schnee lag (den wahren Grund erfahrt ihr gleich) und vorher wollte er noch Bilder von mir und meiner Schwester machen (machen wir zwar auch sonst manchmal, aber heute hatten wir uns gar nicht extra schick gemacht …) und so weiter.
Aber damals bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass all dies mit meiner Teilnahme bei GNTM zu tun haben könnte (es war ja auch das erste Mal, dass wir Mädchen von zu Hause abgeholt und überrascht wurden).
Jedenfalls stand ich dann in der Kirche und habe mit meiner Schwester ein altes Weihnachtslied gesungen, als die Kirchentür aufging und jemand hereinkam. Ehrlich gesagt habe ich mich noch geärgert, dass mal wieder jemand zu spät kam und jetzt unsere Generalprobe störte.
Um mich nicht noch mehr ablenken zu lassen, habe ich einfach nach oben geschaut – dort haben wir ein schönes Buntglasfenster – und dann stand plötzlich Heidi Klum persönlich vor mir, hinter ihr ein Kameramann und Tontechniker, nahm mich in den Arm und eröffnete mir: „Du bist unter den Top 25 und ich würde dich jetzt gerne mitnehmen!“
Diesen Moment werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen. Es war so unwirklich und unglaublich, dass ich erst viel, viel später wirklich realisiert habe, was in diesen paar Minuten geschah. Heidi setzte sich neben meine Mutter auf die Bank und hörte zu, wie ich mit meiner Schwester das Lied beendete – ich konnte kaum singen, so aufgeregt war ich, aber irgendwie ging es dann doch ☺ .
Kaum fertig (meine Familie und ich gaben noch ein Interview), sagte Heidi, dass wir jetzt zum Flughafen müssten und mir ging auf, dass ich ja noch gar nichts gepackt hatte! Voller Panik wollte ich losstürzen, doch Mama beruhigte mich: Meine Schwester und sie hatten meinen Koffer gepackt und das war auch der eigentliche Grund, warum Papa die dreihundert Meter bis zur Kirche mit dem Auto zurückgelegt hatte, statt wie wir anderen zu Fuß zu gehen, er musste den Koffer mitnehmen.
Ich verabschiedete mich – tränenreich, aber auch voller froher Erwartung und unbändiger Freude – und schnappte meinen Koffer (Mann, war der schwer!). Schwupps, und schon saß ich dann in einem Auto Richtung Flughafen – die größte Reise meines Lebens begann.
Casting Edition – The Dream Come True
Wiesbaden – das erste Shooting
Du hast mich geschaffen – meinen Körper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Dafür danke ich dir, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. An mir selber erkenne ich: Alle deine Taten sind Wunder! (Psalm 139, 13 - 14)
Das zweite Mal in meinem Leben war ich nun am Hamburger Flughafen (inzwischen kenne ich ihn schon ziemlich gut). Ich war erst einmal geflogen und dementsprechend aufgeregt, zumal das dieses Mal kein normaler Urlaub werden würde, sondern ein Wettbewerb mit starken Konkurrentinnen!
Zwei davon lernte ich gleich am Flughafen kennen – Lovelyn und Sabrina – wir verstanden uns ganz gut, waren aber zu angespannt, um viel zu reden. Die anderen Mädchen waren bereits in Wiesbaden und als wir mitten in der Nacht am Hotel ankamen, schliefen sie schon.
Hier wartete die erste Hürde auf mich – Lovelyn und Sabrina sollten sich ein Zimmer teilen, während ich einem fremden Mädchen zugeteilt wurde, welches natürlich bereits schlief. Ich musste nun leise und vorsichtig alles aus meinem Koffer suchen, mich bettfertig machen und hinlegen. Das Mädchen (Sophie) war dann am nächsten Morgen ziemlich überrascht, dass sie nicht mehr allein im Zimmer war, aber wir haben uns zum Glück von Anfang an verstanden.
Nur war ich viel zu schüchtern und zurückhaltend, um von mir aus auf die anderen Mädchen zuzugehen, die sich nun auch schon einen Tag lang kannten und bereits Freundschaft geschlossen hatten.
Deshalb war ich wirklich froh, dass wir heute unsere Eltern noch wiedersehen würden, da sie beim ersten Shooting im Wiesbadener Kurhaus dabei sein konnten. Aufstehen mussten wir übrigens um 4.00 Uhr – ich habe knapp vier Stunden geschlafen und musste trotzdem total fit und munter aussehen, denn schließlich würde heute schon die erste Entscheidung fallen. (Eine wichtige Eigenschaft für Models – mit Schlafmangel gut umgehen zu können und im besten Fall auch nicht so viel Schlaf zu brauchen!)
Als wir das Thema erfuhren, war ich total überrascht: Aschenputtel wird zur Prinzessin – es gab genau das wieder, was ich fühlte und dachte! Ich, Jacqueline Thießen, würde ein 30 000 Dollar Kleid anziehen und eine Prinzessin sein dürfen – der Traum jedes Mädchens, oder?
Ich gab meine ersten Interviews und das ist schwerer, als man sich das vorstellt. Man muss immer die Frage mit aufgreifen und schöne ganze Sätze bilden. (Redakteur: „Wo wohnst du?“ Da antwortet man nicht: „In Hamburg“, sondern „Ich wohne in Hamburg.“) Man darf nicht in die Kamera schauen und muss genau auf Gestik, Mimik sowie Wortwahl achten – zuerst ganz schön anstrengend, aber mit der Zeit fiel es mir immer leichter und begann sogar richtig Spaß zu machen. Bei einigen Redakteuren natürlich mehr, bei anderen weniger, wie man auch in jedem Job manche Mitarbeiter sympathischer findet als andere.
Unsere Eltern warteten in einem anderen Haus, während wir uns fertig machten. 25 Mädchen – das dauerte! Und der „Schedule“ (Zeitplan) verschob sich immer mehr. Statt um 12.45 Uhr war ich dann endlich als vierzehnte um 13.45 Uhr dran (angezogen war ich seit 11.00 – und mit solchen teuren Kleidern war das Hinsetzen unmöglich – ich stand also geschlagene vier Stunden auf High Heels – ein echter Einblick ins Modelleben!).
Es hatte angefangen zu schneien und war dementsprechend kalt. Da stand ich nun drinnen, in furchtbar unbequemen Schuhen, eine Decke um die Schultern und wartete darauf, dass das Mädchen vor mir fertig wurde. Die Zeit schien einfach nicht zu vergehen …
Ich zitterte – noch nicht vor Kälte, sondern vor Aufregung –, ich wollte gut sein, Heidi überzeugen und meiner Mutter und Schwester zeigen, wie wohl ich mich fühlte, wie verwandelt, wie neu und unbekannt diese „schöne Seite“ an mir war. Mich selbst im Spiegel anzusehen und sagen zu können, ja, ich finde mich hübsch! Ich habe es verdient hier zu sein.
In diesem Moment vor dem Shooting habe ich mich dann ganz auf mich konzentriert und habe mich wortwörtlich verwandelt – ich war nicht mehr Jacqueline, die schüchterne Schülerin aus Hamburg, sondern Jacqueline, die Prinzessin, die alles schaffen konnte, was sie wollte!
Und dann ging es los.
Die ersten drei Schritte hinaus hatte ich noch Angst hinzufallen, dann spürte ich die Kälte und meine Aufregung wuchs noch mehr. Da standen ziemlich viele Menschen und Kameras, aber ich konzentrierte mich ganz auf meine Mutter, meine Schwester, Heidi Klum, den Juror Thomas Hayo und den Fotografen (Andreas Ortner). Die Kälte blendete ich aus, ich war ja jetzt eine Prinzessin, die störte so etwas nicht, und durch das Adrenalin vergaß ich sowieso alles.
Die Posen fielen mir plötzlich leicht, ich probierte immer neue aus und hörte genau zu, was Heidi und der Fotograf anmerkten, um es direkt umzusetzen. Ich hatte Spaß – das war genau das, was ich tun wollte. Und ich schien es tatsächlich zu können! Heidi lobte mich und teilte mir mit, dass ich eine Runde weiter sei!
Mama, meine Schwester und ich weinten alle gemeinsam vor Freude. Ich natürlich auch, weil die ganze Anspannung von mir abfiel. Zu hören, wie das Shooting bei anderen Mädchen gelaufen war, hatte mich nervös gemacht – würde ich mithalten können? Und jetzt durfte ich sagen: Ja! Ich kann und werde mithalten, denn das hier ist mein Traum und den werde ich so lange wie möglich ausleben! Stolz und erhobenen Hauptes ging ich wieder rein und schaffte es auch endlich, wirklich auf die Mädchen zuzugehen und mich zu ihnen zu setzen – das Shooting hatte mir Selbstvertrauen und Mut geschenkt.
Vor allem war ich aber auch froh, mich umziehen und endlich wieder hinsetzen zu können. Eine wahre Erlösung für meinen Rücken – nach nur vier Stunden Schlaf und der ganzen Aufregung war der nämlich reichlich verspannt.
Nun hieß es noch weiter warten, bis wirklich alle durch waren. Ein paar Mädchen waren Wackelkandidaten und die Jury (bestehend aus Heidi Klum und Thomas Hayo – Enrique Badulescu kam erst in Dubai dazu) beriet sich, wer mitkommen dürfe. Das Warten ging also weiter.
Das Warten ist ebenfalls sehr typisch für jeden Beruf, der mit dem Fernsehen oder Modeln zu tun hat: Ob nun auf Entscheidungen, Kleider, Stylisten, das Licht oder wen/was auch immer, ständig muss man warten – also stets Musik oder ein gutes Buch dabei haben!
Nach der Entscheidung ging es dann gleich in den Bus (die Koffer hatten wir bereits am Morgen aus dem Hotel mitgenommen) und auf zum Flughafen – das Ziel? Dubai! Mit noch 24 Mädchen ging es weiter.
Auch dieser Abschied war tränenreich, war er diesmal doch für länger … Am liebsten hätte ich alles hingeschmissen und wäre mit Mama und Jasmin nach Hause gefahren. Aber ich bin auch sehr ehrgeizig und zielorientiert. Ich konnte jetzt nicht einfach aufhören. Immer würde ich mich fragen, was wäre gewesen, wenn …? – und hey, das war doch mein Traum! Da würde ich eine Trennung von meiner Familie ja wohl überleben. Wir konnten telefonieren, das Heimweh würde bald verschwinden und das Ganze würde auch höchstens drei Monate dauern! Also: Kopf runter und durch!
Heute bin ich doch sehr froh, dass ich damals (auch durch das Veto meiner Mutter und Schwester) nicht aufgehört, sondern weiter gekämpft habe – was hätte ich sonst alles verpasst?!

Dubai – es geht richtig los
Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind. (Psalm 146, 8)
Ein jegliches hat seine Zeit – weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. (Prediger 3, 4)
Nun war es so weit – ich war allein.
Na ja, allein zwischen 25 Mädchen und dem ganzen Team, aber allein ohne Familie und Freunde und das für die bisher längste Zeit meines Lebens.
Klar, Klassenfahrten für fünf Tage – kein Problem, nette Ausflüge, alles entspannt und mit Klassenkameraden, die man kennt und gernhat. Und das Wichtigste: Es gibt keinen Wettbewerb und man hat sein Handy ☺.
Hier war nun aber alles anders, denn es war ja schließlich ein Wettbewerb und das Handy mussten wir im Bus abgeben, damit wir nicht aus Versehen vertrauliche (noch nicht im Fernsehen gezeigte und veröffentlichte) Informationen rausgaben oder sogar auf Facebook/Instagram posteten. Also konnten wir für die gesamte Zeit auch nicht ins Internet.
Telefonieren konnten wir natürlich trotzdem – von einem Haustelefon aus. Das allerdings stand vor einer Kamera, beide Gesprächspartner wurden aufgenommen – es ist eine Fernsehshow, aber egal.
Zu der Zeit hatte ich noch kein Smartphone, nur ein uraltes Ding und deshalb machte es mir nichts aus, es abzugeben, da es im Ausland eh nicht funktionierte, keine integrierte Kamera hatte und natürlich auch kein Internet.
Schwer vorstellbar – ich weiß ☺ Kleiner Exkurs: Mein Handy. Gebraucht gekauft, als ich in die fünften Klasse kam, denn von dem Dorf, in dem wir damals lebten, musste ich eine halbe Stunde mit dem Bus zur Schule fahren und brauchte das Handy zum Bescheid sagen, wenn mal Stau war oder etwas ausfiel – der Bus fuhr nur alle halbe Stunde. Ich musste um 7.00 Uhr den Bus erwischen und an der Schule dann eine halbe Stunde warten, bis es acht war … Nervig, aber ein Handy war deshalb echt von Nutzen! Kennt ihr das auch?
Kaum am Flughafen gab es das erste Problem: Alle Flüge hatten Verspätungen durch das große Schneechaos. Ich konnte es kaum erwarten, ins Warme zu kommen – Schnee hatte ich echt genug gehabt.
Irgendwann waren wir dann doch im Flugzeug. Da ich auch erst das dritte Mal flog, hatte ich Angst, dass wir abstürzen würden. Kaubonbons und das Reden mit meinen Sitznachbarn halfen aber ganz gut.

Tja … in Dubai angekommen ging es aber gleich weiter. Zum Schlafen war durch die ganze Flugverspätung keine Zeit mehr. Und alle, die schon einmal eine Nacht durchgemacht haben, wissen, dass der Schlafmangel sich irgendwann bemerkbar macht …
Durch das ganze Adrenalin, die Aufregung und die wunderbare Wärme verschwand meine Müdigkeit aber erst mal und machte ehrfürchtigem Staunen Platz: Dubai.
Allein der Flughafen war sehenswert.
Überall diese ganz fremde Schrift (Arabisch natürlich) und so viele Menschen. Ziemlich überwältigend.
Wir fuhren jedenfalls ins Hotel und wer „meine“ Staffel gesehen hat weiß, dass es nicht irgendein Hotel war – es war das Atlantis The Palm Hotel – und wir hatten nicht irgendwelche Zimmer, sondern die Brücken-Suite (Bridge Suite). Wahnsinn!!!!
Wir konnten gar nicht glauben, dass wir wirklich hier wohnen sollten.

Viel Zeit blieb aber wieder nicht, nach kurzem Auspacken und Essen (das kam wirklich nie zu kurz während der gesamten Staffel – und jeder konnte essen, was er wollte!) ging es gleich weiter zu einem Fitting.
Wofür?
Wussten wir auch nicht. Überraschungen sind doch das Schönste!
Die Kleider waren auf jeden Fall schon einmal Hammer, ganz viel Gold, Rot und Glitzer.
Nur die Verständigung war teilweise schwierig (auf Englisch natürlich, aber mit dem arabischen Akzent manchmal ziemlich schwer zu verstehen …).

Und dann kam die Auflösung: Wir würden heute Abend eine Fashionshow machen – für Amato Haute Couture, einen sehr bekannten Designer, der auch schon in anderen Staffeln ausstattete (unter anderem die Kleider des Finales 2011 und 2012).
Eine große Ehre.
Und damit ein großer Druck – Laufstegtraining war angesagt. Das allererste Mal und es musste gleich gut laufen, schließlich wollte sich niemand am Abend blamieren!
Wir wurden in Gruppen aufgeteilt (Christine, Höpke, Anna, Caroline, Bing Yang und ich) und während ich wartete, schrieb ich ein kleines Gedicht, um mich zu beruhigen und meine Gefühle zu ordnen:

Nachdem ich jetzt alle Gedanken abgeworfen hatte, war ich sehr gespannt, was Heidi wohl zu mir sagen würde.
Was mache ich noch falsch beim Laufen?
Was muss ich verbessern?
Und ganz wichtig, würde ich das bis heute Abend schaffen?
Als ich dann endlich dran war, konnte ich es gar nicht fassen: Zwar sagte Heidi, dass ich noch etwas mehr Bewegung (vor allem in der Hüfte) bräuchte, aber sie lobte mich auch, da ich die Erste war, die vorne die Pose hielt und nicht sofort wieder umdrehte.
Ein Wahnsinnsgefühl!

Nach dem Training ging es gleich ans Styling: Wir wurden geschminkt, zurechtgemacht und bekamen die Schuhe.
Leider bekam ich welche in Größe 41 statt meiner eigentlichen Schuhgröße 39. Wieder ein typisches Problem oder zumindest eine Schwierigkeit des Modellebens. Zu große oder kleine Schuhe müssen ertragen werden und man muss das Beste daraus machen.
Ich stopfte also zehn (es waren wirklich zehn!) Taschentücher in die Schuhe und quetschte meinen Fuß hinein. Jetzt passte er einigermaßen, nur wurde mein großer Zeh ziemlich gepresst und nach zehn Minuten war es kaum mehr auszuhalten.
Egal, mit neun Taschentüchern war ich immer hinten aus dem Schuh gerutscht. Also lieber die Zähne zusammenbeißen. Leider dauerte es noch eine halbe Stunde, bis es losging, und ich war erst die Elfte, die laufen sollte …
Wie gerne hätte ich die Schuhe noch einmal ausgezogen (denn da wir schon das erste Outfit anhatten, kam hinsetzen ja wieder einmal nicht mehr in Frage)! Aber das Risiko, dass meine Füße anschwellen und nicht mehr in die Schuhe passen würden, wollte ich nicht eingehen.
Viele der anderen Mädchen hatten ähnliche Probleme – die Schuhe waren einfach schrecklich!

Als es dann losging, beherrschte ein Gedanke alles: Ich will es schnell hinter mich bringen und diese blöden Schuhe ausziehen. Keine gute Voraussetzung für einen Hammer Walk.
Um mich abzulenken, begann ich die Pailletten an meinem Kleid zu zählen. (Ablenkung ist in so einem Fall super – natürlich auch gegen Aufregung – so denkt man nicht mehr nach und konzentriert sich nur noch auf eine kleine Sache.)
Bei mir funktionierte es jedenfalls, denn als ich dran war, wollte ich unbedingt diese vielen vielen Pailletten (die genaue Anzahl hatte ich schon wieder vergessen) bestmöglich präsentieren.
Auch wenn die Füße wehtaten und ich suuuper aufgeregt war. Egal! Das Publikum sollte nichts merken – weder beim ersten noch beim zweiten Outfit.
Und obwohl Heidi bei der nachfolgenden Besprechung mich nicht als eine der drei Besten nannte, war ich zufrieden, denn ich gehörte auch nicht zu denen, die negativ aufgefallen waren. Mein Ziel, niemanden merken zu lassen, wie groß die Schmerzen in den Schuhen gewesen waren, hatte ich erreicht!
Meine Freude darüber löste sich allerdings gleich wieder in Luft auf, denn Heidi verkündete uns, dass noch an diesem Abend die nächste Entscheidung anstand, und uns Mädchen verlassen müssten.
Schock!
So schnell hatte ich nicht damit gerechnet. Gerade gestern waren doch schon Mädchen gegangen!
Und nun schon wieder?
Was wäre, wenn ich nach Hause zurückmüsste? War ich gut genug gewesen?
Klar, ich hatte Lob bekommen, aber war das genug? Und was war mit der Kritik – hatte ich sie angenommen und bereits angefangen, sie umzusetzen?
Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf und mir fiel es schwer, mit den anderen zu reden. Ich brauchte Ruhe, um nachzudenken, mich selbst zu beruhigen und mir über meine Chancen klar zu werden.
Ich suchte mir also einen ruhigen Platz im Freien und holte mein Gedicht-Heftchen wieder heraus. Ich brauchte etwas Positives, wollte nicht mehr über die Entscheidung nachdenken. Wir mussten immer wieder warten und das bedeutete, dass wir frei hatten (na ja, zumindest in einem bestimmten Rahmen), also würde ich darüber schreiben:

Mein Kopf war wieder frei und der Knoten in meinem Bauch entkrampfte sich etwas.
Egal, was bei der Entscheidung passieren würde, es hatte sich gelohnt hier zu sein.
Es war eine tolle Erfahrung gewesen und ich würde all das nie vergessen. Es hatte sich wirklich gelohnt, zum Casting zu fahren.
Ich hatte bereits jetzt angefangen mich zu entwickeln, selbstständiger zu werden und neue Seiten an mir zu entdecken.
Mit neuer Kraft kehrte ich zu den anderen zurück und unterhielt mich. Da alle so nett waren, verflog die restliche Zeit wie im Fluge und schon ging es los.
Wir wurden in kleinen Gruppen auf den Laufsteg gerufen und wer weiterkam, erhielt das Foto aus Wiesbaden und die bekannte schwarze Modelmappe.
Meine Aufregung war wieder da.
Ich wollte so eine Mappe haben! Unbedingt! Dieses Souvenir brauchte ich!!!
Bitte, bitte, bitte lass mich weiterkommen, hoffte ich.
Ich wurde erst mit der vorletzten Gruppe aufgerufen und da alle der vorangegangenen Mädchen weitergekommen waren, wurde es langsam echt eng.
Nur noch acht Mädchen waren übrig und Heidi hatte angedeutet, dass mehrere gehen müssten.
Meine Beine zitterten und ich konnte an nichts anderes denken als: Bitte lass mich weiter …
Der Mappenstapel war auf sechs Stück geschrumpft und jedes Mädchen in meiner Gruppe hatte bereits eine erhalten.
Als Letzte rief Heidi mich nach vorne. Zwei Mappen waren noch da und nach mir würden noch vier Mädchen kommen … Ich zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht und trat vor.
Ich weiß heute wirklich nicht, wie ich das in dieser Situation geschafft habe, ich hatte solche Angst und war soooo aufgeregt. Beim Schauen der Folge war ich dann total überrascht, dass man mir das gar nicht so stark angesehen hat!
Heidi machte dann zum Glück kurzen Prozess und gab mir die Mappe mit meinem allerersten Bild.
Ich möchte nicht eingebildet klingen, aber als ich das Foto ansah, war ich einfach nur sprachlos – ich erkannte mich selbst nicht wieder und betrachtete mich als Fremde.
Wow, sieht die schön aus, dachte ich und konnte absolut nicht realisieren, dass ich das sein sollte. Wahnsinn!
Ich glaube, ich habe erst drei Tage später wirklich begriffen, dass ich diejenige auf dem Bild war – zumal ich sonst eigentlich kein Foto von mir so richtig mochte (abgesehen von so süßen aus dem Kleinkindalter).
Leider mussten uns an diesem Abend dennoch drei Mädchen verlassen: Nancy, Linda und Lisa (Merle ging freiwillig). Mir fiel es sehr schwer mich zu freuen, während ich zusehen musste, wie die drei weinten und so traurig und enttäuscht waren. Unser Zimmer war nun leerer. Nur noch Höpke, Anna Maria und ich waren übrig, denn Nancy musste uns sofort verlassen.

Obwohl ich natürlich erleichtert war, dass ich nicht nach Hause musste, war das erste (Telefon-) Gespräch mit meinen Eltern schwer. Heimweh meldete sich, gerade, weil ich sonst in jeder Situation und besonders bei so starkem Druck immer ihre tatkräftige Unterstützung hatte. Hier konnten sie nun nicht aktiv eingreifen und helfen, sondern nur im Nachhinein gute Tipps und Hilfestellungen für womöglich noch Kommendes geben.
Gerade für einen sehr familiengebundenen Menschen wie mich war das in der ersten Woche sehr schwer. Aber ich hatte ja kleine Hilfen von zu Hause mitgenommen: Edelsteine, die mir symbolisch Kraft, Stärke, Mut, Ruhe und Entschlossenheit gaben, sowie kleine laminierte Zettel mit (typischen) Sprüchen meiner Mutter an mich, die ich an verschiedenen Stellen aufbewahrte, um zu spüren, dass meine Familie bei mir war.
Die erste richtige Entscheidung war überstanden. Ich hatte meine Modelmappe und das erste Bild. Ich war glücklich. Und nachdem die ganze Anspannung von mir abgefallen war, auch total müde … Also ab in die Suite (… wie das schon klingt – ab in meine Suite ☺) und schlafen gehen. Ab morgen würde es weitergehen, mit weiteren Aufgaben, dem Druck und der Hoffnung auf den Sieg.
Top 20.
Shooting Edition –
Ich lerne mich selbst kennen
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. (Psalm 119, 105)
Neuer Tag, neues Glück.
Nach einem reichhaltigen Frühstück – alle möglichen Früchte, Croissants, kleine Küchlein, Saft, Wasser und Tee –, warteten wir alle ungeduldig auf das Thema der neuen Woche.
Ich war wieder ausgeschlafen (obwohl wir um 6.00 Uhr aufstehen mussten) und genauso neugierig wie alle anderen.
Als Thomas und Enrique dann endlich kamen, ging es auch gleich voll los: Die Woche hieß: Shooting Edition – drei Shootings, von denen jedes Mädchen zwei meistern sollte.
Die ersten beiden Fototermine trugen die verheißungsvollen Titel Höhen- und Unterwassershooting.
Wir wurden aufgeteilt in Gruppen von je 10 Mädchen. Während Thomas die Namen verlas, wurde ich ganz hibbelig – ich wollte unbedingt in die Höhe! Ich mag das Wasser nicht so und konnte mir damals nicht vorstellen, unter Wasser zu bleiben, geschweige denn gut auszusehen und ein tolles Bild hinzukriegen.
Daher fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen, als Thomas mich bei der Höhenshooting-Gruppe aufrief!
Das Set war atemberaubend.
Die Aussicht war traumhaft – wir hatten direkten Blick auf den Burj Khalifa, den höchsten Turm der Welt (830 m) – auf einigen Bildern ist er sogar im Hintergrund zu sehen, bei mir verdeckt ihn das Kleid.
Wir sollten in ca. 30 Metern Höhe frei schweben (die Kleider kamen übrigens wieder von Furne One Amato Couture).
Gleich beim Ankommen sahen wir die Kleider und mir fiel eines besonders ins Auge: Es war ein Traum in Rosa und wirklich unglaublich – bauschige Röcke und ein eng geschnittenes Oberteil, kleine Blümchen und etwas Spitze. Das wäre wirklich das perfekte Kleid.
Nach und nach wurden alle „gefittet“, ich wurde erst geschminkt und bekam meine Haare gemacht.
Währenddessen kam Christine vorbei – in einem wunderschönen rosa Kleid … – doch zum Glück war es nicht das, welches ich mir für mich wünschte. Es war nur ein ähnliches Modell, aber in diesem kurzen Moment blieb für mich die Welt stehen.

Gerade als ich zum Fitting aufgerufen wurde, gab es Mittagspause und ich musste mich noch länger gedulden. Während des Essens erzählten uns die bereits fotografierten Mädchen von ihren Erfahrungen und Kleidern.
Viele hatten Lob bekommen und nur wenige Kritik – ich musste mich also anstrengen, denn auch wenn wir uns nett unterhielten, ging es letztendlich doch immer darum, wer am Ende der Woche nach Hause fliegen müsste …
Gerade in der Anfangszeit hat man das zwar noch nicht so stark wahrgenommen – es waren immerhin noch zwanzig Mädchen – aber da wir in Gruppen von nur zehn aufgeteilt waren, sah es schon ganz anders aus. Heidi hatte ja bereits am Morgen angedeutet, dass auch nach dem Shooting jemand gehen könnte und das wollte natürlich niemand.
Wir sprachen auch über die anderen zehn und was die wohl so taten.

Nach dem Essen wurde auch ich dann endlich gefittet, und nachdem ich ein rotes Kleid anprobiert hatte (welches nicht so richtig passte), bekam ich doch tatsächlich das gewünschte in Rosa!
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich darüber war. Ich fühlte mich in dem Kleid wie eine Prinzessin (noch viel mehr als in Wiesbaden), denn das Kleid entsprach einfach all meinen Vorstellungen. Es war wie ein Kleid aus einer Parfum-Werbung.
Ich fühlte mich weiblich und sexy und gleichzeitig süß, niedlich und einfach schön. Diese Empfindung war ziemlich neu für mich, denn sonst fand ich mich allenfalls ganz nett im Spiegel, keinesfalls aber wunderschön.
Ich hatte jetzt richtig Lust auf das Shooting und konnte es kaum erwarten.
Ja, und dann war da noch die enorme Höhe, aber sooo schlimm würde es schon nicht werden, denn wir waren gesichert (das Sicherheitsteam stammte übrigens aus Deutschland, was mich zusätzlich beruhigte), die anderen Mädchen hatten es auch überlebt und ich hatte auch keine starke Höhenangst.
Trotzdem wurde mir dann ganz schön mulmig, als ich auf der Leiter stand und mich in den Gurt setzen sollte.
Was, wenn doch etwas passierte?
Aber aufgeben wollte ich auf keinen Fall!
Als ich mich in den Gurt setzte und nach hinten fallen ließ, war die Angst dann auch wie weggeblasen. Es war unglaublich, frei über dem Abgrund zu schweben.
Ich konnte so weit schauen und alles sah so anders aus als in Deutschland! Die Gurte schnitten ziemlich ins Fleisch – das kennt ihr vielleicht vom Klettern, vom Bungee-Springen oder Ähnlichem – doch daran dachte ich nicht eine Sekunde.
Leider war mein Kleid zu schwer, um frei schwebend Bilder zu machen (es sah dabei einfach zu unförmig aus).
Ich hielt mich also an diesem Holzgerüst fest (aua – viele Splitter und gar nicht einfach, sein ganzes Gewicht nur mit einer Hand zu halten!) und versuchte, graziös auszusehen.
Meine Jimmy-Choo-Schuhe halfen leider nicht, sie waren zu klein und taten unheimlich weh – in ihnen hätte ich nicht laufen können!
Aus diesem Grund waren meine Füße ziemlich taub und schwer in die richtige Position zu bringen, aber als diese Hürde genommen war, ging es ganz leicht. Ein paar kleine Veränderungen in der Position und im Gesicht, ein Mann, der mein Kleid warf (da die Windmaschine zu schwach war, bzw. mein Kleid zu viel Stoff hatte), schon war das Shooting vorbei und ich durfte (bei den Schuhen) und musste (beim Kleid) mich wieder umziehen.
Es war übrigens ziemlich schwierig, das Kleid zu werfen und trotzdem ein Bild hinzukriegen, auf dem der Mann nicht zu sehen war … Deshalb ist mein Bild auch das einzige im Hochformat.
Beim Verlassen des Sets konnte ich einen Blick auf den Monitor werfen und ein paar meiner Bilder ansehen – wow, das sah echt cool aus, und wenn erst das Seil retuschiert wäre! Ich wollte dieses Bild unbedingt haben!
Nach mir kamen noch ein paar andere Mädchen und ich tat das, was ich auch vorher die ganze Zeit getan hatte. Ich (ihr habt es wahrscheinlich schon erraten) wartete …!
Ich schrieb in mein Tagebuch und redete mit den anderen Mädchen.
Als wir dann endlich alle durch waren, rief Heidi uns nach draußen. Niemand von uns hatte mit dem gerechnet, was jetzt kam. Es gab zwei Wackelkandidatinnen und eine davon würde uns heute verlassen.
Ich war schockiert, denn die andere Gruppe war ja noch gar nicht fotografiert worden. Würde von denen auch eine gehen müssen? Was, wenn sie insgesamt schlechter wären, wäre es dann nicht fair, wenn diese gehen müssten?
Ich hatte alle beobachtet und fand keineswegs, dass jemand oder sogar zwei Mädchen negativ aufgefallen waren …
Ich hoffte, dass nicht ich eine der beiden sein würde, ich hatte doch so ein gutes Gefühl gehabt und sowohl Heidi als auch Rankin hatten mich gelobt … Sollte das trotzdem nicht reichen? Gespannt oder eher: Angespannt wartete ich – und wohl auch die anderen Mädchen – auf die Verkündung.
Caroline und Lisa wackelten. Ich mochte beide und wünschte keiner von ihnen, dass sie gehen müsste.
Ein schreckliches Gefühl, das mit jeder Entscheidung schlimmer wurde.

Ich war stets sehr traurig und konnte gut nachempfinden, was die Mädchen fühlten. Ich hätte jedes Mal weinen können (und habe es auch oft getan), aber ein kleiner Teil von mir stellte auch immer fest, dass es jetzt nur noch so und so viele Konkurrentinnen gab, die es zu schlagen galt und war froh, dass nicht ich diejenige war, die kritisiert wurde und gehen musste.
Ich glaube, es liegt in der Natur des Menschen egoistisch zu sein und als Erstes an sich zu denken, aber es ist eben wichtig, das nicht zu offen zu zeigen und auch Mitleid empfinden zu können und für andere da zu sein, sie zu unterstützen, selbst wenn man eigentlich einen Vorteil aus ihrer Situation zieht.
Zurück zu den Wackelkandidatinnen. Lisa musste gehen und mir wurde noch einmal in aller Deutlichkeit bewusst: Egal wie gut du aussiehst und was du alles zu bieten hast, ein schlechter Tag und der Traum ist vorbei. Jeder von uns kann jederzeit rausfliegen.
Wir waren jetzt nur noch 19 – innerhalb von drei Tagen hatten uns sieben Mädchen verlassen müssen.
Und ich konnte die Nächste sein. Kein besonders beruhigender Gedanke, aber ein Grund, meine verbleibende Zeit – wie kurz oder lang sie auch sein mochte – zu genießen, jeden Moment voll auszukosten und alles mitzunehmen, was nur ging.
Als wir am Abend wieder im Hotel ankamen, gab es natürlich viel zu erzählen, aber durch den tränenreichen Abschied von Lisa, waren wir alle eher niedergeschlagen. Zumal der Druck der Unterwassershooting-Gruppe nun noch höher war, schließlich wollte niemand rausfliegen …
Wir gingen alle früh schlafen und während die einen ihrem Shooting entgegenfieberten, waren wir anderen gespannt, was wir machen würden.
Ich würde ja für mein Leben gerne auch einmal mit Delfinen schwimmen!
Tag 4 bei GNTM
Um 7.00 Uhr klingelte der Wecker (für Langschläfer ist der Beruf wirklich nicht zu empfehlen, denn eigentlich jeder Auftrag beginnt sehr früh!).
Die zweite Gruppe verließ uns recht schnell für ihr Unterwassershooting, während wir noch in Ruhe frühstückten. Dann fuhren wir los.
Es war heiß – so richtig heiß! – und das Auto hatte keine Klimaanlage … Deshalb waren wir alle erleichtert, als wir aussteigen konnten.
Wir waren auf einem Markt (Souks heißen die dort).
Kleine niedliche Läden, die alles Mögliche verkauften von Gold über Schmuck, Schuhe, Kleidung bis hin zu Gewürzen – alles auf einem riesigen bunten Haufen.
Es gab so viel zu sehen. Schon jetzt war es ziemlich voll und da wir nicht allzu viel Zeit hatten, stürmten wir gleich in den ersten Laden. In dem wir dann feststellten, dass wir ja noch gar keine Dirham (die Währung Dubais) hatten. Das Wechseln des Geldes stellte sich dann doch noch komplizierter heraus als erwartet, denn wir konnten ja nicht nachprüfen, ob der Wechsler uns richtig rausgab und mussten schnell überlegen, ob und wie viel wir umtauschen wollten – schließlich geht mit jedem Wechsel etwas Geld verloren, sodass es blöd wäre, zu viel umzutauschen.
Ich entschied mich für 25 €, was ungefähr 121 Dirham ergab (es ist schwer zu vergleichen, aber ich versuche euch eine Vergleichsmöglichkeit zu geben: Ich habe drei Postkarten, einen PEZ-Spender für meinen Bruder und vier Schlüsselanhänger gekauft und hatte noch 20 Dirham übrig).
Die anderen suchten ebenfalls kleine Geschenke und Souvenirs aus.
Anschließend kamen wir zum Gewürzmarkt und ich muss gestehen, dass ich nicht mal die Hälfte der Gewürze (die alle in großen Fässern ohne Beschriftung herumstanden) erkannt habe. Aber es roch unglaublich gut und wir bekamen ziemlichen Hunger.
Uns war allerdings davon abgeraten worden, auf diesen Märkten als Tourist etwas zu kaufen (wegen der Verträglichkeit) und so fuhren wir in ein schickes Restaurant. Wir bekamen dort viele kleine Bambusschalen und Schüsseln mit verschiedenen Leckereien darin.
Ich probierte all die Dinge, die keinen Fisch enthielten (denn ich mag keinen Fisch) und muss sagen, dass trotz des teilweise merkwürdigen Aussehens eigentlich alles gut essbar und sogar lecker war. Nicht alle Mädchen mochten das Essen und es war schwierig, weil wir ja nicht wussten, was worin enthalten war, aber irgendwie ist dann doch jede satt geworden und wir waren bereit für die nächste Station.
Nach dem Essen fuhren wir jedenfalls zu einem kleinen Bootsanleger, um eine kleine Tour auf dem Dubai Creek zu machen. Zum Glück war das Schiff überdacht, denn da wir Kleidung anziehen mussten, die bis zum Boden ging und mindestens die Schultern bedeckte, war uns natürlich mega-warm in der prallen Sonne (und in dem Auto ohne Klimaanlage …).
Der Fluss war schön, genauso wie die Aussicht – wir wussten natürlich nicht, was wir sahen, da der Fahrer nichts erklärte (sein Englisch war sehr schlecht), aber es machte Spaß und war unheimlich entspannend nach den letzten Tagen.
Viel zu schnell legten wir wieder an und mussten wieder ins überhitzte Auto steigen …
Seit dem Mittag fragten wir immer wieder, ob wir nicht an den Strand könnten – wir wollten baden und einfach herumliegen. Die ganze Zeit hatte es geheißen: „Nein, wir haben noch was vor, vielleicht später … “ Und jetzt – nach der Bootstour – ließen wir nicht mehr locker. Wir wollten an den Strand! Jetzt, sofort!
Unsere Quengelei hatte Erfolg, wir tuckerten zu einem schönen Sandstrand und beobachteten den wunderschönen Sonnenuntergang. Leider mussten wir schnell (nach etwa zehn Minuten) zum Hotel zurück, da die anderen bereits zurückgekehrt waren und nun erzählen sollten.
Den gesamten Rückweg rätselten wir darüber, wer wohl rausgeflogen war und überlegten, was wäre, wenn niemand von ihnen hatte gehen müssen. Wir alle fänden das Lisa gegenüber sehr ungerecht, einige regten sich schon während der Fahrt auf, dass diese Möglichkeit ungeheuerlich und unfair wäre.
Im Hotel trafen wir dann wieder zusammen und ich hielt Ausschau, ob ich jemanden vermisste. Wer fehlte in ihrer Gruppe?
Ich zählte immer wieder, kam aber jedes Mal auf 19 Mädchen. Das verwirrte mich zusehends, ich war mir so sicher gewesen, dass aus beiden Gruppen jemand gehen müsste und nun waren wir immer noch 19? Es müssten doch 18 sein?
Die Auflösung kam postwendend: Bei ihnen hatte niemand gehen müssen.
Das stieß einigen sauer auf und ein kleiner Zickenkrieg entbrannte. Ich hielt mich zurück, denn es war ja nun schon geschehen und sich darüber aufzuregen würde nichts mehr daran ändern.
Klar tat Lisa mir leid, aber es war die Entscheidung der Jury, und wenn die der Meinung war, dass in der Unterwassershooting-Gruppe alle gut genug waren, um weiterzukommen, dann war das eben so. Wir anderen waren nicht dabei gewesen und konnten uns kein eigenes Urteil bilden.
Nun ja, nach dem Essen, wir wollten gerade schlafen gehen, standen plötzlich Thomas und Enrique vor uns. Sie verrieten, dass wir morgen unser finales Fotoshooting haben würden und zwar in der Wüste. Enrique würde uns fotografieren und um uns schon richtig einzustimmen, hatten sie ein „Mood Board“ dabei.
Ein „Mood Board“ ist eine Art Plakat mit verschiedenen Bildern, die zum Thema passen, sodass man sich noch besser auf das Thema einstellen kann. Es dient als Arbeits- und Präsentationsmittel in Kommunikations- und Designberufen, wie eben dem Modeln.
Nachdem wir nun erfahren hatten, dass es schon sehr früh losgehen würde, beeilten wir uns mit dem Schlafengehen.
In die Wüste geschickt
Am nächsten Morgen hieß es aufstehen um 4:00 Uhr.
80 Kilometer außerhalb Dubais sollte das Shooting stattfinden. Als wir um 6:00 Uhr ankamen, war es schon warm, aber im Laufe des Tages sollte es so heiß werden, dass wir alle den Schatten suchten und sogar das Eis in den Gefriertruhen rasend schnell schmolz.
Ein wenig später holte Heidi uns ab und brachte uns auf eine kleine Anhöhe, von der aus wir zusahen, wie Thomas und Enrique auf Kamelen angeritten kamen.
Ich war super gespannt, wie es wohl sein würde auf so einem Tier zu reiten, aber leider bekam ich keine Gelegenheit dazu, es auszuprobieren … Naja, vielleicht ein anderes Mal.
Auf jeden Fall gab uns die Jury noch ein paar Informationen und Ideen mit auf den Weg und schon mussten wir zum Make-up und Styling.
Ich wurde als eine der Ersten fertig gemacht – das heißt, ich wurde natürlich geschminkt, mit sehr hellen und freundlichen, nicht sehr auffälligen Tönen. Während bei den anderen toupiert und gesteckt und verwuschelt wurde, wurden meine Haare einmal gebürstet und fertig, denn meine Haare sind ja von Natur aus bereits sehr voluminös …
Ich sollte allerdings erst nach dem Mittagessen drankommen und auch erst kurz vorher gefittet werden, also setzte ich mich und schrieb wieder ein kleines Gedicht:

So gestärkt konnte ich es nicht mehr erwarten, endlich dranzukommen und doch war noch nicht einmal das erste Mädchen fotografiert worden …
Um 12.30 Uhr holten wir uns schließlich unser Essen und hinterher durfte ich endlich zum Fitting. Mein Outfit war schnell gefunden – blau, sodass meine Augen harmonierten, und eine Menge Armbänder.
Ich konnte vor Sonne kaum schauen und dann noch der ganze Sand, der herumwehte – das Shooting war von den bisherigen echt das schwerste für mich – insbesondere auch deshalb, weil meine Haare nie so wollten, wie Enrique das gerne gehabt hätte.
Was im Fernsehen nicht zu sehen war: Wir unterbrachen eine Zeit und ich bekam ein Tuch auf den Kopf, damit die Haare nicht mehr so stark ins Gesicht wehen konnten. Erst nach dieser Änderung gelangen schöne Bilder.
Mit tränenden Augen, aber guter Kritik von der Jury taumelte ich (ja, weil es so heiß war und ich kaum etwas sah) schließlich wieder hinunter zu den anderen.
Ich zog mich um und wartete mit der Gruppe in etwas kühleren Steinbauten, bis alles vorbei war.
Zwischendurch fuhren Sabrina und ich mit einem Kamerateam in ein nahe gelegenes Hotel und drehten dort noch ein paar Szenen, Interviews und alberten herum. Es war wirklich schön dort und der Pool war auch spitze, allerdings gab es ein paar neidische und missgünstige Blicke, als wir zurückkamen. Aber naja, was soll‘s.
Danach warteten wir weiter und weiter und weiter. Doch auch nachdem das letzte Mädchen längst wieder umgezogen war, redete niemand über die Abfahrt ins Hotel … Wir wunderten uns natürlich, doch als es hieß, wir würden noch ein Gruppenfoto machen (mit Jury), schien alles erklärt.
Wir zogen uns also wieder unsere Shooting Outfits an und begaben uns wieder auf die Anhöhe. In einem Zelt wurde dann das Bild geschossen und anschließend rannten wir alle auf die Kamera zu – auch dabei ist ein schönes Gruppenbild entstanden.
Wieder in unserem „Lager“ packten wir schnell unsere Sachen und warteten auf den Bus, doch stattdessen teilte man uns mit, dass noch heute eine Entscheidung anstünde und wir noch länger hierbleiben würden.
Ziemlich ernüchtert – denn Enrique hatte an alle nur gute Kritik verteilt, wir waren also alle gut gewesen und konnten uns nicht vorstellen, wer gehen müsste –, holten wir uns das bereitgestellte Abendbrot und bangten um unser Weiterkommen.

Endlich war es so weit.
Wir stellten uns alle in zwei Reihen auf, und Heidi rief nach und nach alle nach vorne.
Die im Fernsehen gezeigten Reihenfolgen sind übrigens nur selten auch in diesem Durchlauf aufgenommen – wenn man genau schaut, findet man immer kleine Ungereimtheiten. Sei es beim Umarmen einer weitergekommenen Kandidatin, wo man schon ein Foto in der Hand hat, aber erst später aufgerufen wird, oder bei den Lichtverhältnissen.
Ziemlich schnell als dritte oder vierte wurde Michelle aufgerufen und musste uns verlassen.
Ich war vollkommen überrascht, weil Michelle für mich eines der außergewöhnlichsten Mädchen gewesen war, eines derjenigen, die ich noch viel weiter gesehen hätte …
Und natürlich war es danach schwer ruhig zu bleiben, denn Heidi hatte ja bereits angekündigt, dass einige gehen müssten … Es konnte also immer noch jeden treffen – auch mich, denn ich war eine der Letzten, die aufgerufen wurden.
Enrique bemängelte die schwierige Inszenierung meiner Haare, und auch Thomas und Heidi schauten sehr ernst. Doch als Heidi dann sagte, dass sie für mich kämpfe und schon in der Kirche gesehen hätte, dass ich etwas Besonderes sei, was vielleicht nicht jedem sofort ersichtlich wäre, war das für mich der schönste Moment in der ganzen bisherigen Zeit. Und auch heute muss ich sagen, dass ich noch immer Tränen in die Augen bekomme, wenn ich mir diese Szene ansehe. Tausend Dank, Heidi!!
Zum Schluss blieben Caroline und Anna übrig. Wir hielten alle die Luft an. Wen würde es treffen? Heidi eröffnete uns und vor allem ihnen dann schließlich, dass sie beide weiter seien, sich aber mehr anstrengen müssten, um mit uns anderen mithalten zu können. Die Freude bei uns allen war natürlich groß.
Wir waren jetzt noch 18 Mädchen und das war schon so viel mehr als ich mir jemals erhofft hätte. Es war so ein unglaubliches Glück, dass ich diese Chance hatte, und ich konnte gar nicht begreifen, wie viel ich nun schon erlebt hatte, wen ich alles kennengelernt hatte und was ich Neues über mich herausgefunden hatte.
Doch die Jury setzte noch einen drauf, denn sie eröffneten uns, dass es in Dubai zwar ganz nett gewesen sei, wir aber jetzt doch viel lieber nach Los Angeles fliegen sollten.
LA!
Ich war sprachlos. Ein Traum und ich war dabei! Endlich würde ich all die Gebäude und Wahrzeichen sehen, die ich aus dem Fernsehen und aus Büchern kannte. Ich würde nach Amerika fliegen! Wow!
Während das ganze Equipment abgebaut wurde, kannten wir nur das eine Thema: LA – was würde uns dort erwarten, wie würden wir das meistern, wie lange würden wir noch zu 18 bleiben, wann würden wir fliegen? Fragen über Fragen, auf die wir natürlich noch keine Antwort bekamen. Überraschungen sind ja auch viel schöner, oder?

Noch am selben Abend packten wir alle unsere Koffer wieder ein und bereiteten alles vor. Am nächsten Morgen sollten nur noch ein paar Interviews geführt werden, dann würde es zurück nach Deutschland gehen.
Ihr fragt euch jetzt bestimmt: „Deutschland, ich denke LA?“
Tja, zwischen Dubai und LA lagen Weihnachten und Silvester – da durften wir zu unseren Familien nach Hause, schließlich wollte auch Heidi diese Woche mit ihren Liebsten verbringen! Ich weiß auch nicht, wie ich es gefunden hätte, wenn es anders gewesen wäre. Schließlich habe ich am 25.12. Geburtstag und bin ein sehr familien-verbundener Mensch. Insofern war diese kleine Pause super.

Zum Glück flog ich nicht als Einzige nach Hamburg (Lovelyn und Sabrina waren auch dabei), sodass wir uns gegenseitig beim Finden des Gates und dem Abholen des Koffers helfen konnten – so ein Flughafen ist nämlich ganz schön unübersichtlich und wir waren so fertig von den ganzen Gefühlen, dass wir alleine bestimmt ewig gebraucht hätten.
Inzwischen kenne ich ja schon einige Flughäfen, habe an Sicherheit gewonnen und festgestellt, dass Essen und Trinken super teuer sind und Sicherheitskontrollen immer ewig dauern.
Ein bisschen Aufregung ist aber auch heute noch da, wenn ich alleine fliege.
Ich fühle mich immer sicherer, wenn ich alles ganz genau geplant habe und jemand bei mir ist, oder ich zumindest die Sicherheit eines funktionierenden Handys habe, sodass ich im Notfall immer jemanden erreichen kann und nicht ganz allein bin – wie geht es euch da? Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was mir alles schon schiefgegangen ist, später mehr dazu.
Бесплатный фрагмент закончился.
