Читать книгу: «Alfi, der Chaot»

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Donnerstag, 26.2.
Freitag, 27.2.
Samstag, 28.2.
Sonntag, 1.3.
Montag, 2.3.
Dienstag, 3.3.
Mittwoch, 4.3.
Donnerstag, 5.3.
Freitag, 6.3.
Samstag, 7.3.
Sonntag, 8.3.
Montag, 9.3.
Dienstag, 10.3.
Mittwoch, 11.3.
Donnerstag, 12.3.
Freitag, 13.3.
Samstag, 14.3.
Sonntag, 15.3.
Montag, 16.3.
Dienstag, 17.3.
Mittwoch, 18.3.
Donnerstag, 19.3.
Freitag, 20.3.
Samstag, 21.3.
Sonntag, 22.3.
Montag, 23.3.
Dienstag, 24.3.
Mittwoch, 25.3.
Donnerstag, 26.3.
Freitag, 27.3.
Samstag, 28.3.
Sonntag, 29.3.
Montag, 30.3.
Dienstag, 31.3.
Mittwoch, 1.4.
Donnerstag, 2.4.
Freitag, 3.4.
Samstag, 4.4.
Sonntag, 5.4.
Montag, 6.4.
Dienstag, 7.4.
Mittwoch, 8.4.
Donnerstag, 9.4.
Freitag, 10.4.
Samstag, 11.4.
Sonntag, 12.4.
Montag, 13.4.
Dienstag, 14.4.
Mittwoch, 15.4.
Donnerstag, 16.4.
Freitag, 17.4.
Samstag, 18.4.
Sonntag, 19.4.
Montag, 20.4.
Dienstag, 21.4.
Mittwoch, 22.4.
Donnerstag, 23.4.
Freitag, 24.4.
Samstag, 25.4.
Sonntag, 26.4
Montag, 27.4.
Dienstag, 28.4.
Mittwoch, 30.4.
Donnerstag, 1.5.
Freitag, 2.5.
Samstag, 3.5.
Sonntag, 4.5.
Montag, 5.5.
Dienstag, 6.5.
Mittwoch, 7.5.
Donnerstag, 8.5.
Freitag, 9.5.
Samstag, 10.5.
Sonntag, 11.5.
Montag, 12.5.
Dienstag, 13.5.
Mittwoch, 14.5.
Donnerstag, 15.5.
Freitag, 16.5.
Samstag, 17.5.
Sonntag, 18.5.
Montag, 19.5.
Dienstag, 20.5.
Mittwoch, 21.5.
Donnerstag, 22.5.
Freitag, 23.5.
Samstag, 24.5.
Sonntag, 25.5.
Montag, 26.5.
Dienstag, 27.5.
Mittwoch, 28.5.
Donnerstag, 29.5.
Freitag, 30.5.
Samstag, 31.5.
Sonntag, 1.6.
Montag, 2.6.
Dienstag, 3.6.
Mittwoch, 4.6.
Donnerstag, 5.6.
Freitag, 6.6.
Samstag, 7.6.
Sonntag, 8.6.
Montag, 9.6.
Dienstag, 10.6.
Mittwoch, 11.6.
Donnerstag, 12.6.
Freitag, 13.6.
Samstag, 14.6.
Sonntag, 15.6.
Montag, 16.6.
Dienstag, 17.6.
Mittwoch, 18.6.
Donnerstag, 19.6.
Freitag, 20.6.
Samstag, 21.6.
Sonntag, 22.6.
Montag, 23.6.
Dienstag, 24.6.
Mittwoch, 25.6.
Donnerstag, 26.6.
Freitag, 27.6.
Samstag, 28.6.
Sonntag, 29.6.
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 9783865067128
© 2014 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers
Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers
Titelmotiv und Innenillustrationen: Inken Weiand
Satz: Brendow Web & Print, Moers
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014
www.brendow-verlag.de
Donnerstag, 26.2.
Hi ihr! Wenn ich mich mal kurz vorstellen darf: Ich bin Alfi, der Chaot. Um es gleich zu sagen: Ich bin ein ziemlicher Loser. Loser nicht wie Schraube lose, sondern wie “ Loser” – Verlierer, Katastrophenanzieher, ewiger Lächerlichmacher. Wie ich eben.
Meine Eltern haben mir diese Kladde gegeben. Darin soll ich für die Schule üben oder Tagebuch schreiben – typisch elterliche Beschäftigungstherapien, wie jeder zugeben wird. Ich habe nach reiflicher Überlegung beschlossen, dass Tagebuch schreiben das kleinere Übel ist.
Also erkläre ich die Kladde hiermit zum Tagebuch und schreibe hinein.

Freitag, 27.2.
Wozu mir einfällt: Ich müsste auch meine Sippe mal vorstellen.
Das gehört sich doch wohl so.
Also: Das rechts ist meine Ma. Sie ist ein absoluter Hammer.
Sie programmiert beruflich – als Frau. Und sie kann nicht nur den Kochlöffel, sondern noch viel besser Schlagbohrer und Dübel und Kreissägen bedienen. Und Hämmer natürlich.
Das links ist mein Pa. Der ist handwerklich genauso unbegabt wie ich. Nur, dass er ansonsten ein ziemlicher Freak ist. Er ist Prediger bei uns in der Gemeinde und nebenbei noch Relilehrer. Zum Glück nicht an meiner Schule.
Und dann haben wir noch meine Schwester Betti, hier künstlerisch wertvoll in der Mitte dargestellt. Sie hat schon diverse Reitwettbewerbe gewonnen und schreibt in der Schule eine Eins nach der anderen. Genie pur, würde ich mal sagen. Leider an meiner Schule.
Ich hingegen? Ich habe leider heute mal wieder eine Sechs im Vokabeltest zurückbekommen. Schade auch.

Samstag, 28.2.
Hab heut mal wieder eine meiner typischen Losernummern abgeliefert. Ich bin gerade dabei, zu spielen, ich sei ein Gitarrensuperstar – auf dem Schreibtisch, mit Gitarre ausgestöpselt, damit meine Eltern nichts mitbekommen -da fängt meine Ma an zu bohren.
Nichts Ungewöhnliches übrigens. Meine Ma liebt Heimwerkertätigkeiten aller Art.
Nach einer Weile ruft Ma nach mir.
Schon ungewöhnlicher.
Ich also noch schnell meinen Song zu Ende gerappt, unendlichen, ekstatischen Applaus meiner unsichtbaren Fans entgegengenommen, vom Tisch geklettert, Gitarre weggelegt.
Währenddessen ruft Ma geschätzte zwanzigmal weiter.
Ich schlurfe also zu ihr hin. Sie steht auf der Leiter, in der einen Hand eine Lampe, in der anderen den Bohrer. Sie fragt, warum ich so trödele.
Ich sage, ich trödele nicht.
Doch.
Nein.
Doch.
Na ja. Irgendwann sieht sie wohl ein, wie fruchtlos die Debatte ist. Sie bittet mich dann, die großen Hohlraumdübel vom Küchentisch zu holen.
Ich gehe also in die Küche. Auf dem Tisch liegt ein ganzes Sammelsurium von Zeug. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie Hohlraumdübel aussehen. Erst recht nicht, wie große Hohlraumdübel aussehen.
Ich greife also irgend so ein Päckchen und bringe es Ma vorbei.
Ma: “ Das sind Wandhaken, Alfi! Bring mir die Hohlraumdübel!“
Ich schlurfe langsam zurück, lege die Wandhaken wieder hin und schnappe mir das nächste Päckchen. Eile in gesteigertem Tempo wieder zu Ma zurück.
Ma: “ DIE HOHLRAUMDÜBEL!“
Ich wieder zurück in die Küche. Ich habe echt keine Lust, noch lauter angeschrien zu werden, und versuche nun also, die Inschriften zu entziffern, die auf den Kästchen stehen. Nicht einfach übrigens. Winzig klein und zum Teil zerrissen.
Schließlich nehme ich alle Kästchen, auf denen keine Inschrift ist, mit.
Ma: “ WO BLEIBST DU DENN?“
Ich: “ Welches sind die Hohlraumdübel?“
Ma: “ Reich mir einen an. In dem blauen Kästchen!“
Ich versuche, gleichzeitig das blaue Kästchen zu öffnen, die anderen – ungefähr zwanzig – Kästchen festzuhalten, eines von den seltsamen ufoartigen Teilen herauszunehmen und Ma anzureichen, die, wie bereits gesagt oben auf der Leiter steht.
Die Sache geht schief.
Na ja, war ja nicht anders zu erwarten. Immerhin fällt Ma nicht von der Leiter. Hey, Gott, wofür hast du eigentlich so etwas wie Hohlraumdübel erfunden?

Sonntag, 1.3.
Einer jener Tage, an denen man sich fragt, wozu es eigentlich Sonntage gibt. Morgens bin ich viel zu früh aus dem Bett gejagt worden, dann hatte ich noch nicht einmal mehr Zeit, ordentlich zu frühstücken vor der Kirche.
Anschließend hatte ich eine Debatte mit den Eltern über den Sinn des Kirchgangs. Pa meinte, er diene als geistliche Nahrung für die Woche und ließ mein Argument nicht gelten, ich wolle mir stattdessen körperliche Nahrung für den Tag zuführen.
Ma meinte, der Gottesdienst sei zur Ermutigung gedacht. Na ja. Siehe unten.
Ich begab mich also mit meiner Sippe zur Kirche. Für den Kindergottesdienst bin ich eindeutig zu erwachsen, habe einfach keine Lust auf Liedchen und, Gott hat dich lieb, immer, immer, immer’ und Bildermalen. Obwohl mich die alte KiGo-Tante ja noch jeden Sonntag fragt, ob ich nicht zu den Kindern kommen will.
Heute wäre ich mal besser dorthin gegangen übrigens. Na, zu spät.
Der Pastor hielt eine Predigt über das Gleichnis mit den Pfunden. Der Typ mit den meisten Pfunden ist überhaupt der Tollste, der mittlere geht noch, und der mit den wenigsten ist der Loser per se. Obwohl er ja immerhin ein Pfund hat.
Ich flüsterte Pa, der neben mir saß, zu, was eigentlich mit denen wäre, die überhaupt kein Pfund bekommen hätten. Pa flüsterte zurück, ich solle ihn hinterher fragen.
Nach dem Gottesdienst wollte er dann von mir wissen, was ich eben gefragt hätte. Ich hatte die Sache schon wieder halb verdrängt, aber dann fiel es mir wieder ein. “ Was ist eigentlich mit denen, die noch nicht einmal ein Pfund verliehen bekommen haben? Die Totalloser eben? So wie ich?“
Pa sah mich an. “ Du bist kein Totalloser. Du hast auch eine Begabung. Du hast sicher ein Pfund.“
“ Aha. Und welches soll das sein?“

Mit der Frage brachte ich Pa echt in Verlegenheit. Er sah sich hilflos nach Ma um, die aber gerade mit Frau Hasenberg redete. Dann stotterte er irgendetwas von inneren Werten.
Deprimierend, das Ganze.
Hey, Gott, wozu hast du eigentlich die Totalloser erfunden? Und wenn es schon sein muss: Warum muss dann ausgerechnet ich einer von ihnen sein?
Montag, 2.3.
Schule. Schule ist wie immer, deprimierend und alles das, was dazugehört. Heute wurden wir Vokabeln abgefragt, und natürlich konnte ich mal wieder fast überhaupt nichts. Woher soll ich auch wissen, was “ chicken flavour” heißt? Ich schwieg vor mich hin, während ich krampfhaft nachdachte.

Da flüsterte mir mein Sitznachbar Jens eine Lösung zu: “ Currywurst!“
“ Currywurst“, sagte ich erleichtert.
Die Klasse prustete los, die Heinrichs sah mich pikiert an. “ Currywurst“ war falsch gewesen.
Dienstag, 3.3.
Bei mir ist mal wieder Holland in Not! Betti hat mir vorhin ein Fotobuch gezeigt, mit Gedichten – von ihr selber geschrieben – und Fotos unserer Familie im letzten Urlaub. Für Ma zum Geburtstag.
Meine Güte, beinahe hätte ich den Geburtstag meiner eigenen Mutter vergessen! Dabei ist es doch eigentlich die Pflicht eines guten Sohns, seiner Mutter etwas Originelles und Liebevolles zum Geburtstag zu schenken. Nur was?

Von Pa bekommt sie ein Schmuckstück, von Betti das Fotobuch. Wie soll ich daneben bestehen?
Ganz egal, was ich mache: Es wird aussehen wie ein Haufen Müll neben den Geschenken der beiden anderen …
Hey, Gott, gib mir eine Idee!
Mittwoch, 4.3.
Was schenke ich bloß meiner Mutter? Mein Taschengeld ist leider vorübergehend vollständig aufgebraucht wegen akuten Bedarfs an Cola und einer CD der Band “ die Dummis”, die sich allerdings im Nachhinein als Fehlkauf herausgestellt hat. Ob sich meine Mutter über eine Dummi-CD freut?

Donnerstag, 5.3.
Ich habe heute in der Schule ein paar Jungs gefragt, was sie ihrer Mutter zum Geburtstag schenken.
Cedric schenkt seiner Mutter gar nichts. Andreas tut sich mit seiner Schwester zusammen. Ansgar besorgt Pralinen.
Na klasse. Meine Schwester hat schon etwas, und über Pralinen freut sich Ma bestimmt nicht.
Zu dumm! Übermorgen hat sie Geburtstag!
Hey, Gott, jetzt ist wirklich deine Hilfe gefragt, was diesen Geburtstag angeht!

Freitag, 6.3.
Habe eine Umfrage in der Jugendgruppe gestartet. Johannes macht Laubsägearbeiten für seine Mutter, Bertram macht ihr ein Gutscheinheft, und Karlchen hat eine Decke gestickt.
Du meine Güte, wenn ich säge, dann kommt meine Ma sofort an mit dem Erste-Hilfe-Kasten! Und das mit Recht, wegen einschlägiger Erfahrungen. Als ich damals das Vogelhäuschen bauen wollte, konnte ich danach zwei Wochen nicht mehr schreiben, weil ich mir in den Daumen gesägt und der sich entzündet hatte! Ob sich Ma darüber freut?
Ansonsten brachte Christian, unser Jugendleiter, in der Jugendgruppe ein Faltblatt mit, in dem Gruppen aus Kirchengemeinden eingeladen wurden, an einem Theaterwettbewerb teilzunehmen. Das Ganze nannte sich “ Junge Menschen nähern sich Glaubenshelden”. Christian wedelte die ganze Zeit mit dem Blatt herum, bis endlich die ersten neugierig geworden waren und guckten.
Die Mädels waren natürlich alle sofort begeistert, allen voran mein Schwesterchen Betti. Sicher sahen sie sich alle schon in einer Hauptrolle, umjubelt und beklatscht.
Ich bin da eher realistisch. Wahrscheinlich darf ich den dritten Baum von links spielen – zumindest, wenn ein Baum vorkommt.
Na ja, mal sehen … Im Moment ist Ma’s Geburtstag akuter.

Samstag, 7.3.
Ma’s Geburtstag. Ein bisschen peinlich, das Ganze. Ich bin heute morgen doch noch mit dem Fahrrad losgefahren, um Pralinen für das Geburtstagskind zu holen, habe dafür Kredit bei meinem Vater bekommen. Betti hat mit ihrem Fotobuch natürlich den Vogel abgeschossen, aber Ma hat sich auch über die Pralinen gefreut – zumindest tat sie so.
Nachmittags kam dann Besuch von Tante Maibritt mit ihren Töchtern. Ich sollte mit den Kleinen spielen, weil Betti in der Küche half und danach für die Schule lernte. Ich überlegte eine Weile, auch für die Schule zu lernen, hockte mich dann aber doch mit den Kleinen hin und überlegte, was wir spielen könnten.
Als wir gerade beschlossen hatten, Räuberbande zu spielen, erschien Tante Maibritt und erklärte, so etwas komme nicht in Frage, ihre Kinder würden nach christlichen Werten erzogen.
Nach kurzer Beratung wichen wir auf den barmherzigen Samariter aus. Ich bekam aber trotzdem Ärger. Hey, Gott, das ist doch wohl ziemlich ungerecht, oder?

Sonntag, 8.3.
Mal wieder Kirchgang. Mit der Familie. Ma stöhnte entsetzlich, sie habe so viel zu tun, allein mit dem Aufräumen der Fete gestern und überhaupt, da bot ich ihr an, den Kuchen zu backen.
Das war keine gute Idee.
Diese Backrezepte zu lesen ist eine Kunst für sich. Was bedeutet “ schwer reißend vom Löffel fallen”?
Na ja, dann hab ich mich noch ein wenig verrechnet. Ich konnte Milliliter und Liter noch nie auseinanderhalten. Der Kuchen war klitschig und kritschesüß. Ma aß trotzdem ein Stück und danach zwei Magentabletten. Den Rest sah ich später in der Mülltonne …

Montag, 9.3.
Mathearbeit zurück. O-Ton Frau Groß: „Da habe ich mich aber gefreut, Alfi. Diesmal war es eine gute Fünf!“ Gott, bist du etwa Sadist?

Dienstag, 10.3.
Pa, seines Zeichens einer der Prediger unserer Gemeinde, meinte heute, er habe darüber nachgedacht. Ganz bestimmt hätte ich auch ein Pfund von Gott verliehen bekommen, auch wenn es schwierig sei, dies zu entdecken. Und ob ich nicht in der Gemeinde mitarbeiten wolle. Ehrenamtlich. Solche Menschen wie mich brauche man dort.
„Menschen mit nicht erkennbaren Pfunden?“, fragte ich verwirrt.
Pa kratzte sich am Kopf. „Menschen mit Einsatz und Herz“, murmelte er schließlich. Und fragte dann noch mal, ob ich bereit wäre, mitzuhelfen.
Ich erklärte ihm, von mir aus gerne, aber es geschehe auf seine Verantwortung.
Da sagte er, es würden für Samstag noch Leute gebraucht, die die Stühle stellen für eine Kinderveranstaltung.
Ahaaa … Hey, Gott, meinst du wirklich, dass das mein Pfund ist? Stühle stellen? Ich hätte lieber etwas Cooleres …

Mittwoch, 11.3.
Ob ich in dem Theaterstück eine Rolle bekomme?
Bestimmt, sagt Pa. Betti blickt bedenklicher drein.
Hoffentlich nicht einen Baum.

Donnerstag, 12.3.
Es hat ein wenig Stunk gegeben wegen der Fünf in Mathe, nachdem ich sie denn heute doch zur Unterschrift vorgelegt habe. Ma hat losgezetert, Pa hat geschimpft, und Betti hat erklärt, ich sei einfach blöd. Wobei ich ihr da nur zustimmen kann. Ich bin eben zu blöd für Mathe.
Hab mir die Sache eine Weile angehört und bin dann Gitarre spielen gegangen. Ohne Stöpsel, damit die Eltern nichts mitbekommen. Zur Dummi-CD. Der Name “ Dummi” passt zu mir, finde ich.

Freitag, 13.3.
Jugendgruppe. Christian hat “ David und Goliath – ein geistliches Heldenstück” für uns ausgesucht, weil es so unheimlich gut zu unserer Gruppe passt und so unheimlich viel Tiefgang hat. Und weil es so unheimlich toll zum Thema des Wettbewerbs passt.
Das teilte er uns direkt am Anfang mit.
Dann erzählte er uns, was in dem Stück vorkommt. Keine große Überraschung, wenn man mich fragt: Goliath verspottet Sauls Krieger; David kommt und wundert sich; David besinnt sich darauf, dass das nicht geht; David bekommt eine Rüstung und ein Schwert und kommt damit nicht zurecht; David nimmt seine Schleuder und haut Goliath um.
Alle wollten natürlich sofort David spielen. Mir war schon klar, dass ich höchstens auf eine kleine Rolle hoffen durfte. Also meldete ich mich für Saul, aber die Rolle bekam Markus. Ich meldete mich für Soldat eins, zwei und drei, aber die Rollen bekamen andere. Ich meldete mich sogar für Goliath, aber die Rolle wurde für Bertram reserviert. Ich meldete mich für Davids Brüder, aber Christian übersah mich einfach und erklärte, dafür finde sich schon jemand.
Ich überlegte gerade, ob ich vielleicht plötzlich unsichtbar geworden sei, aber da sprang Betti – sie darf übrigens Sauls Tochter Michal spielen – plötzlich für mich ein und sagte, warum ich einfach ignoriert würde, das sei voll unchristlich.
Christian schien mich jetzt erst zu bemerken, fuhr sich verlegen durch das Haar, meinte, ich sei vielleicht unbegabt, überlegte dann und meinte, Pa habe auch schon so etwas gesagt, und wenn ich unbedingt wolle, könne ich Davids Bruder Eliab spielen. Aber nur, wenn es unbedingt sein solle.
Ich erklärte, es solle unbedingt sein. Und jetzt darf ich wahrhaftig Theater spielen. Einen der großen Krieger. Wow!
Danke, Gott!

Samstag, 14.3.
Ich hätte nicht gedacht, dass Stühlestellen eine so anspruchsvolle Aufgabe ist! Pa hatte mich ja angeworben, um 10 Uhr sollte ich erscheinen. Ich machte mich auch tatsächlich pünktlich auf den Weg, aber dann waren ein paar Ampeln rot, und ich traf Andrea aus meiner Klasse und musste mit ihr über das Wetter reden. Aber um zehn nach zehn war ich da.
Da rannte bereits Frau Hasenberg wie ein aufgescheuchtes Huhn herum und sagte, sie vermisse diejenigen, die die Stühle stellen sollten.
Ich erklärte, ich gehöre dazu. Da sagte sie, ich solle loslegen.
Ich: „Wie denn?“
Sie: „Na, in Reihen.“
Ich: „Aha.“
Ich nahm also den ersten Stuhl und stellte ihn irgendwohin. Den zweiten daneben. Und so weiter.
Als ich ungefähr hundert Stühle gestellt hatte, kam Frau Hasenberg wieder angerast.
Sie: „Wie hast du denn die Stühle gestellt?“
Ich: „Na, in Reihen.“
Sie: „Aber wir brauchen sie ganz anders!“
Ich: „Wie denn?“
Sie: „Na, in Reihen quer dazu. In die andere Richtung eben.“
Ich: „Aha.“
Ich nahm also den ersten Stuhl und drehte ihn um. Den zweiten daneben. Und so weiter.
Irgendwann kam dann Frau Hasenberg wieder.
Ich: „Ist es richtig so?“
Sie: „Ja. Aber es sind zu viele Stühle.“
Ich: „Wie bitte?“
Na ja, das Ende vom Lied war, dass ich die Hälfte der Stühle wieder wegräumte, bis sie endlich zufrieden war.
Und dann kam Otfried, unser Küster. Der sah sich den Raum mit hochgezogenen Augenbrauen an und fragte dann, welcher Volltrottel die Stühle gestellt habe.
Frau Hasenberg erklärte mit fester Stimme: „Dieser junge Mann da.“
Worauf Otfried mir erklärte, nach Brandschutzrichtlinien müssten die Stühle auseinander und in die andere Richtung stehen.
Was ich Otfried erklärte, möchte ich hier nicht wiederholen. Aber ich glaube, dass ich nie wieder Stühle stellen darf. Hey, Gott, kannst du mir bitte eine andere Gabe zeigen?

Sonntag, 15.3.
Habe heute meinem Papa erklärt, meine unsichtbare Begabung liege auf einem anderen Sektor als dem Stühlestellen. Woraufhin er meinte, es finde sich sicherlich noch etwas, und das Lobpreisteam werbe im Moment heftig um Verstärkung, und sicher sei das etwas für mich, ich habe doch ein Interesse für Musik.
Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass Interesse und Begabung nicht dasselbe seien und dass ich außerdem nicht singen könne.
Das war Pa egal. Noch vor dem Gottesdienst schleppte er mich zu Guido, unserem Lobpreisleiter. Nun muss man dazu sagen, dass Guido echt gut singen kann. Dementsprechend ist unser Lobpreis nicht schlecht. Mir war natürlich klar, zu welcher Katastrophe es kommen musste.
Guido war erst einmal begeistert, teilte mich direkt in die Männer-Hintergrundgruppe ein und erklärte, ich müsse nur mit den anderen, uahhh uahhh’ singen, und zwar leise und gefühlvoll.
Ich war total aufgeregt, denn ich hatte nicht kapiert, wann ich den Text von mir geben sollte. Ich sah die ganze Zeit über nach links und rechts, um zu sehen, was die anderen taten. Und dann, als Helga ihr Solo anstimmte – sie sang übrigens gut – da hatte ich das Gefühl, Christian mache den Mund auf, um, uahhh’ zu singen. Ich also los: ¸ Uahhh, uahhh.“ Laut und gefühlvoll.
Horst kniff mich in die Seite, Lisa sah mich finster und unchristlich an, und Guido machte energische Handbewegungen. Bis ich gemerkt hatte, dass Christian nur gegähnt hatte und ich an der falschen Stelle, uahhh’ gemacht hatte, vergingen peinliche Sekunden.
Guido meinte anschließend, ich sei sicher einer der Menschen, denen Gott Geduld zeigen wolle. Hey, Gott, tu etwas! Du willst doch wohl nicht im Ernst, dass ich jetzt jeden Sonntag den Lobpreis verderbe?

Montag, 16.3.
Mein lieber Sitznachbar Jens hat beantragt, auf einen anderen Platz wechseln zu dürfen. Er behauptet, er habe Angst, meine Dummheit sei ansteckend. Ich hasse ihn! Es war aber niemand bereit, in die erste Reihe zu wechseln.
Die Groß sagt, wenn ich noch eine Chance haben will, versetzt zu werden, muss ich mehr Einsatz zeigen. Um Himmels willen, was bringt bitteschön Einsatz in Mathematik, wenn ich keine Ahnung habe?
Die Groß bemerkte wohl meine Verwirrung. Jedenfalls nahm sie mit spitzen Fingern mein Heft, hielt es in die Höhe und meinte, allein das Heft rechtfertige eine ungenügende Note.
Ich hab es mir vorhin noch mal angesehen. Sicher, die Seiten sind etwas lose, es hat keinen Einband mehr und ein paar Flecken, weil mir der Tee darauf ausgelaufen ist – aber dafür kann ich doch nichts!

Dienstag, 17.3.
Da Ma nicht bereit ist, mir eine Entschuldigung zu schreiben ungefähr des Inhalts, mein Matheheft sei leider auf den Grill gefallen, und da Betti nicht bereit ist, das Matheheft für mich abzuschreiben, werde ich mir etwas anderes einfallen lassen müssen. Ob ich vielleicht am besten ab jetzt die Mathehausaufgaben abschreibe? Dann wären sie jedenfalls richtiger. Aber mich lässt sowieso niemand abschreiben. Höchstens Andrea. Die will aber Geld dafür haben …
Ich war vorhin in der Schulbibliothek und habe mir, Mathe für Anfänger und Fortgeschrittene’ ausgeliehen. Vielleicht hilft das ja …

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