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Hermann Straubinger
Übersäuerung
Die besten Tipps für ein harmonisches Säure-Basen- Gleichgewicht Ihres Körpers
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Hermann Straubinger
Übersäuerung Die besten Tipps für ein harmonisches Säure-Basen-Gleichgewicht Ihres Körpers
ISBN E-Book (epub): 978-3-86374-085-6
(Druckausgabe: ISBN 978-3-86374-083-2, 1. Auflage 2013)
Mankau Verlag GmbH
Postfach 13 22, D-82413 Murnau a. Staffelsee
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Redaktion: Dr. Thomas Rosky, München
Endkorrektorat: Dr. Thomas Wolf, MetaLexis
Gestaltung Umschlag: Andrea Barth, Guter Punkt GmbH & Co. KG
Gestaltung Innenteil: Sebastian Herzig, Mankau Verlag GmbH
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
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Wichtiger Hinweis des Verlags:
Der Autor hat bei der Erstellung dieses Buches Informationen und Ratschläge mit Sorgfalt recherchiert und geprüft, dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr; Verlag und Autor können keinerlei Haftung für etwaige Schäden oder Nachteile übernehmen, die sich aus der praktischen Umsetzung der in diesem Buch dargestellten Inhalte ergeben. Bitte respektieren Sie die Grenzen der Selbstbehandlung und suchen Sie bei Erkrankungen einen erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker auf.
Inhalt
Vorwort
Sauer macht krank
Der Säure-Basen-Haushalt
Der Mensch – das basische Wesen
So entstehen Säuren in unserem Körper
Säuren durch falsche Ernährung
Säuren durch Mineralstoff- und Vitaminmangel
Säuren durch Krankheiten
Säuren durch Stress
Säuren durch Bewegungsmangel oder Überanstrengung
Die Organe des Säure-Basen-Haushaltes
Das ABC der Säurekrankheiten
Phasen der Erkrankung
Stadien der Übersäuerung
So stellen Sie Ihre Übersäuerung fest
Säurekrankheiten von A–Z
Essen Sie sich gesund
Grundpfeiler Ernährung und Bewegung
Die sieben Ursachen für Übergewicht
So essen Sie richtig
Gesunde basische Ernährung
Eiweiß – Baustein des Lebens
Fett – die zweitwichtigste Energiequelle
Kohlenhydrate – der Energiespender Nummer Eins
Einfach basisch mit Obst und Gemüse
Gesunde Ernährung schmeckt!
Die verborgenen Kräfte von Obst und Gemüse
Die Hitliste der Obstsorten
Die Hitliste der Gemüsesorten
Obst- und Gemüsesäfte – die gesunde Alternative
Gesunde Powersäfte
Basenfasten mit Früchten
Saftfasten heißt sanft fasten
Vorbereitung
Saftrezepte für die Vorfastentage
Die Saftfastentage
So bereiten Sie Ihre Basensäfte zu
Wie entsafte ich was?
Saftrezepte für die Fastenwoche
Bewegung und Entspannung
Ohne Bewegung geht’s nicht
Die zehn goldenen Regeln
Einfach entspannen
Raffinierte basische Kartoffelrezepte
Kartoffel – das steckt drin
Hauptgerichte – klassisch raffiniert
Salate mit Kartoffeln
Suppen mit Kartoffeln
Stichwortverzeichnis
Vorwort
Fühlen Sie sich seit einiger Zeit nicht ganz wohl? Vielleicht sind Sie oft müde, können sich nicht mehr konzentrieren? Sie haben häufig Kopfschmerzen und sind gereizt. Möglicherweise waren Sie auch schon beim Arzt? Der konnte nur nichts Konkretes feststellen. Trotzdem: Irgendetwas stimmt nicht! Möglicherweise ist Ihr Säure-Basen-Gleichgewicht gestört – die Voraussetzung für Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude. Still und unbemerkt hat es sich über Jahre in Richtung sauer verschoben – durch falsche Ernährung, zu wenig Bewegung oder Stress. Die Zivilisationskrankheit Übersäuerung kann für die unterschiedlichsten Beschwerden verantwortlich sein. Die gute Nachricht aber: Das muss nicht sein. Sie können Ihrem Körper helfen, indem Sie sich gezielt entsäuern. Dabei erholt sich Ihr Organismus nach und nach, und die Krankheitssymptome hören auf. Sie fühlen sich wie befreit, wie neugeboren.
Verschaffen Sie sich Klarheit: Machen Sie selbst den Säure-Check. Und lesen Sie, wie Ihr Körper wieder ins Gleichgewicht kommt: Was Sie essen müssen, damit die Basen wieder die Oberhand gewinnen. Wie gut Ihnen schon etwas Bewegung und Entspannung tut.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.
Hermann Straubinger
Sauer macht krank
Sauer macht lustig, so heißt es – wahrscheinlich, weil man beim Verzehr von sauren Speisen sein Gesicht verzieht und so aussieht, als ob man lachen würde. Doch zum Lachen besteht kein Grund, denn schon die Fruchtsäure von Obst, etwa eines Apfels, ist in der Lage, unseren harten Zahnschmelz anzugreifen! Zum Glück steuert der Speichel dem entgegen und ist in der Lage, die Säure schnell zu neutralisieren – sofern er nicht selbst zu sauer ist.
Der Säure-Basen-Haushalt
Übersäuerung, saures Milieu, Säurekrankheiten – das sind Begriffe, die noch vor nicht allzu langer Zeit nur von Heilpraktikern und »alternativen« Ärzten gebraucht wurden. Das hat sich geändert. Dank exakter Messmethoden und einer Reihe von Studien sehen auch immer mehr Schulmediziner darin die Ursache unterschiedlichster Krankheiten. Immer geht es dabei um eine Störung in unserem Säure-Basen-Haushalt. Wie der Ausdruck »Haushalt« schon vermuten lässt, haben wir es hier nicht mit einem konstanten Verhältnis von Säuren und Basen zu tun, sondern die Säure- und Basenmengen verändern sich ständig. So wechseln sich über den Tag verteilt so genannte Säurefluten mit Basenfluten ab. Das ist gut erkennbar an unserem Urin. Morgens haben wir einen sauren Urin, während er in der Regel gegen 14.00 Uhr am stärksten basisch ist (→ Säuremessung im Urin auf Seite 57). Ist dieser normale Wechsel in Richtung »basisch« gestört, heißt das nicht, dass wir es mit einer bedrohlichen Übersäuerung unseres Blutes (Azidose) zu tun haben, wohl aber, dass unser Organismus mit zu viel Säuren überschwemmt wird. Und dass die natürliche Fähigkeit unseres Körpers, schädliche Säuren zu neutralisieren und auszuscheiden, mehr oder weniger erschöpft ist.
Die Folgen davon sind zunächst Befindlichkeitsstörungen wie schlechte Stimmungslage, es können aber auch Kopfschmerzen und Allergien auftreten. Und schließlich sind Krankheiten wie Nierenleiden oder sogar ein Herzinfarkt möglich. Die gute Nachricht: Sie können bei Anzeichen einer Übersäuerung eine Menge tun, um Ihren »Haushalt« wieder in Ordnung zu bringen. So wie man einen Finanzhaushalt wieder in Ordnung bringen kann, wenn man rechtzeitig zu sparen beginnt. In diesem Fall müssen Sie eben an Säuren sparen, und dabei liefert den wesentlichsten Beitrag ein basischer Speiseplan. Denn in der Hauptsache trägt unsere »moderne« Ernährung zur Übersäuerung unseres Körpers bei. Statt Gemüse, Kartoffeln und Vollkornsorten stehen zu oft Fleisch, industriell veränderte Nahrungsmittel, Feinmehlgebäck und große Mengen von Zucker auf unserem Speiseplan. Schon im Kindesalter werden die Weichen mit »Fastfood« in Form von Pizza, Hamburger, Cola-Getränken oder süßen Cornflakes in Richtung sauer gestellt. Dabei wirkt sich nicht nur das »Food« verheerend aus, gleichermaßen leidet unser Organismus am »Fast« – dem schnellen, kaum zerkauten Hinunterwürgen unserer Nahrung. Bei den Heranwachsenden kommen dann Alkohol, Rauchen und weitere Genussgifte dazu. Und dies alles spielt sich ab vor dem Hintergrund saurer Böden, sauren Regens, sauren Grundwassers und saurer Luft. Trotzdem: Die ersten Symptome lassen manchmal lange auf sich warten, da sich unser Körper lange Zeit durch eine Reihe von Gegenmaßnahmen gegen die andauernde Übersäuerung stemmt. Erst wenn unsere Basenreserven langsam erschöpft sind, treten Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, Muskelkater, Leistungsschwäche, allergische Erscheinungen oder Herz-Kreislaufstörungen auf.
Der Mensch – das basische Wesen
Der Großteil allen Lebens stammt aus dem Meer. Zwei Drittel der Erdoberfläche besteht aus diesem basischen Lebenswasser, das einen pH-Wert von 8,0 bis 8,5 aufweist (→ »Säuren, Basen und pH« auf Seite 14). Auch der Mensch ist biologisch gesehen ein basisches Wesen. Das Blut ist und muss ständig basisch bleiben (pH 7,35 bis 7,45). Schon geringste Abweichungen würden sich lebensbedrohlich auswirken. Alle Zellen werden vom basischen Blut versorgt. Das menschliche Leben entwickelt sich neun Monate lang in einem basischen Fruchtwasser (pH 8 bis 8,5). Damit unser Körper gesund bleibt, mag er es also ausgeglichen bis basisch – abgesehen vom Magen, der mit der starken Salzsäure unsere Nahrung zersetzt und Bakterien abtötet, und von der Haut, die mit ihrem leichten Säureschutz Krankheitserreger abwehrt. Dabei hält unser Organismus den Säuregrad seiner Organe und Flüssigkeiten in sehr engen Grenzen. Dieser Säuregrad wird als so genannter pH-Wert angegeben. Die Skala reicht von extrem sauer mit pH-Wert 1 (Schwefelsäure) über neutral bei pH-Wert 7 (reines Wasser) bis extrem basisch mit einem pH-Wert von 14 (Natronlauge). So hat unser Blut einen sehr engen pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45. Das zeigt, wie genau es unser Körper mit seinem Lebenssaft nimmt. Schon geringe Abweichungen führen zu massiven Störungen, die schnell lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen können. Ein Blut-pH-Wert unter 6,8 ist tödlich.
| TYPISCHE PH-WERTE | |
| 1,0 | Batteriesäure (Bleiakku) |
| 1,2 | Magensäure (Magensaft) |
| 3,2 | Limonade, Cola, Apfelsaft |
| 3,8 | Kohlensäure |
| 4,8 | Essigsäure |
| 5,0 | Kaffee |
| 5,5 | menschlicher Schweiß |
| 5,6 | sauberes Regenwasser |
| 6,6 | Trinkmilch |
| 6,65 | destilliertes Wasser bei ca. +55 °C |
| 7,0 | destilliertes Wasser bei +25 °C |
| 7,4 | Blut |
| 8,1 | Backpulverlösung |
| 8,2 | Seewasser |
| 8,3 | Darmsaft |
| 10,5 | Waschmittellösung |
| 12,5 | Kalkwasser |
| 14 | Natronlauge (1 mol/L) |
Wie unser Blut hat auch jeder Teil oder »Saft« unseres Körpers seinen ganz bestimmten »gesunden« pH-Wert, in dem unsere Biokatalysatoren, die Enzyme, ihren Job optimal verrichten können. Dabei handelt es sich immer um einen Bereich und nicht um einen festen Wert, und das zeigt an, dass der pH-Wert durch vieles beeinflusst wird. Und zwar in beide Richtungen. Das kann unsere Ernährung sein, ein Medikament, eine Entzündung oder auch Stimmungsschwankungen. Unser Körper versucht dann mit einem ausgeklügelten Regelungssystem, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bezeichnenderweise sind fast alle diese Systeme dazu da, »saure« Störungen auszugleichen. Basen stellen also die weitaus geringere Bedrohung dar.
So basisch ist unser Körper
Blut
Blut ist mit pH 7,35 bis 7,45 in einem sehr engen Bereich deutlich basisch. Ein Blut-pH-Wert unter 6,8 führt zum Tod. Unter 7,35 spricht man von einer Azidose, über 7,45 von einer Alkalose.
SÄUREN, BASEN UND PH
Chemisch gesehen sind alle Flüssigkeiten Säuren, die ein freies positives Wasserstoff-Ion (H+) besitzen. Je mehr dieser Wasserstoff-Ionen in der Flüssigkeit sind, desto stärker ist die Säure. Basen, auch Laugen genannt, sind die Gegenspieler von Säuren. Sie haben ein negativ geladenes Hydroxid-Ion (OH–) und können das H+-Ion der Säure an sich binden. Also: Säuren können H+-Ionen abgeben, Basen können H+-Ionen aufnehmen. Treffen nun beide aufeinander, kommt es zu einer so genannten Neutralisation. Die Wirkung der beiden hebt sich auf, und herauskommt ein Salz und Wasser.
Säure + Base → Neutralisation → Salz + Wasser
Dies ist ein wichtiges Prinzip unseres Säure-Basen-Haushaltes, der damit gefährliche Säuren unschädlich macht. Nach diesem Muster neutralisiert zum Beispiel der basische Bauchspeichel der Bauchspeicheldrüse – immerhin 1,5 Liter täglich – die Magensäure im Zwölffingerdarm.
Der Säure- und Basengehalt wird mit dem so genannten pH-Wert angegeben. Die Bezeichnung kommt von »potentia hydrogenii« und zeigt schon, um was es geht: um die Kraft des Wasserstoffs. Gemessen wird nämlich die Konzentration der Wasserstoff-Ionen. Die Skala reicht von 1 für extrem sauer (Schwefelsäure) bis 14 für extrem basisch (Natronlauge). Genau in der Mitte liegt die neutrale 7 des reinen Wassers. Dieser Wert ist weder sauer noch basisch. Je niedriger also der Wert, desto saurer, je höher, desto basischer ist die gemessene Flüssigkeit. Dabei ist der Unterschied zwischen pH 4 und pH 6 nicht etwa nur 2, sondern auf Grund einer speziellen Skaleneinteilung, die man logarithmisch nennt, ist pH 4 ganze 10-mal saurer als pH 5 und 100-mal saurer als pH 6.
Magen
Magensaft ist eine wässrige Flüssigkeit, die Salzsäure (pH 1,0 bis 3,0) und das eiweißspaltende Verdauungsenzym Pepsin enthält. Etwa 1,5 bis 3 Liter werden täglich gebildet. Der niedrige pH-Wert des sauren Magensaftes wirkt bakterienabtötend und führt zu einer Ausflockung (Denaturierung) von Eiweiß, wodurch dieses durch die eiweißspaltenden Enzyme besser »angreifbar« wird.
Speichel
Speichel ist mit pH 7,1 bis 7,0 leicht basisch bis neutral. Wer viel Zucker zu sich nimmt, bildet Plaquebakterien, die ihren Energiebedarf durch den Abbau von Zucker aus Nahrungsmitteln decken. Dabei entstehen Säuren in der Mundhöhle, und der pH-Wert des Speichels fällt in einen sauren Bereich ab. Die Auflösung des Zahnschmelzes beginnt bei einem pH-Wert von 5,5. Ist der Zucker aufgebraucht, führt der Speichel wieder zu einem Anstieg des pH-Wertes. Er repariert die entstandenen Schäden und remineralisiert die Zähne.
Muskeln
Muskeln und Organzellen liegen mit pH 6,9 im sauren Bereich, weil sie Tag und Nacht unter Bildung von Kohlensäure Nährstoffe verbrennen. Sportler, die verstärkt auf kohlenhydrat- und eiweißreiche Nahrungsmittel zurückgreifen, sind besonders gefährdet zu übersäuern. Wenn der Sauerstoff in den Muskelzellen nicht mehr ausreicht, stellt unser Körper auf anaerobe (»ohne Sauerstoff«) Energiegewinnung um. Dabei werden Kohlenhydrate ohne Sauerstoff abgebaut. Es entsteht unter anderem Milchsäure (Laktat). Je mehr Laktat produziert wird, umso stärker sinkt der pH-Wert im Muskel, er wird zunehmend saurer und bringt immer weniger Leistung.
Bauchspeicheldrüse
Das Verdauungssekret der Bauchspeicheldrüse ist mit pH 8,0 stark basisch, da es den sauren Nahrungsbrei vom Magen im Zwölffingerdarm neutralisieren muss. Über den Dünndarm werden dann die Nährstoffe von unserem Organismus aufgenommen, weil unsere Verdauungsenzyme in basischer Umgebung an die Arbeit gehen können.
Harn
Der Harn schwankt mit Werten von pH 5,0 bis 8,0 von stark sauer bis stark basisch. Durch die Entsäuerung in der Nacht ist der Morgenurin am sauersten, nachmittags zwischen 14.00 Uhr und 17.00 Uhr am basischsten, weil unser Magen mit jeder Mahlzeit neben der Magensäure auch lebenswichtige Basen produziert. Urin besteht zu 95 % aus Wasser, in dem der Harnstoff gelöst ist, der übrig bleibt, wenn wir in der Leber Eiweiß abbauen. Daneben verlassen die Harnsäure und das Kreatinin ebenfalls als Stoffwechselendprodukte und kleinere Mengen organischer und anorganischer Salze (Kochsalz), Phosphate und Säuren mit dem Harn unseren Körper. Die Niere ist unser wichtigstes Organ zur Ausscheidung überflüssiger Säuren!
Dünndarm
Der pH-Wert von 8 ist klar basisch. Das wichtigste Eiweiß-Verdauungsenzym Trypsin, das im Saft des Dünndarms vorkommt, hat ebenso sein pH-Optimum im Bereich von 8. Bei steigendem Säuregehalt wird dieses Enzym wie die Mehrzahl aller Enzyme gehemmt oder sogar zerstört.
| WICHTIGE ENZYME | |
| Pankreatin | Bauchspeicheldrüsenenzym |
| Katalase | Spaltet Wasserstoffsuperoxid in Wasser und Sauerstoff |
| Papain | Papaya-Enzym gegen Entzündungen/ Verdauungserkrankungen |
| Prypsin | Eiweißstoffwechsel |
| Pepsin | Eiweißstoffwechsel |
| Kathepsin | Eiweißstoffwechsel |
| Lipase | Fettstoffwechsel |
| Bromelaine | Ananas-Enzym zur Behandlung des Verdauungstraktes |
| Hyaluronidase | Keimdrüsen und Samen des Mannes |
| Diastastasen/Amylasen | Zucker- und Stärkestoffwechsel, Bauchspeichel- und Mundspeicheldrüse |
| Chymotrypsin | Bauchspeicheldrüsenenzym, Eiweißstoffwechsel |
Enzyme – die Katalysatoren unseres Lebens
Enzyme sind so genannte Biokatalysatoren, ohne die keine der lebenswichtigen chemischen Reaktionen in unserem Körper ablaufen würde. Ohne Enzyme gäbe es kein Leben. Erst durch ihre Anwesenheit kann in unserer Zelle aus der Nahrung Energie und Baustoffgewonnen werden. Chemisch gesehen sind sie nichts anderes als spezielle Eiweißstoffe (Proteine) mit katalytischen, also umsetzungsaktiven Fähigkeiten. Alle Proteine wiederum bestehen aus Hunderten oder Tausenden von Aminosäuren. Insgesamt gibt es 20 solcher Aminosäuren, aus denen 99 % aller Proteine und damit auch Enzyme zusammengesetzt sind. Jedes Enzym hat seine bevorzugten »Nahrungsteilchen«. Manche verarbeiten nur Stärke wie das Enzym Amylase im Speichel, andere wie die Urease nur Harnstoff in der Leber und wieder andere nur bestimmte Fettmoleküle im Dünndarm (Lipase). Aber sie sind nicht nur wählerisch, was die verwertbaren Nährstoffe angeht, sie brauchen auch noch bestimmte Voraussetzungen:
Vitamine und Spurenelemente sind oft so genannte Co-Faktoren unserer Enzyme. Ohne deren Hilfe können die Enzyme ihrer Arbeit nicht oder nur ungenügend nachkommen. Die Folge: unvollständiger Stoffwechsel in den Zellen und dadurch Säureanstieg. Diese zellulären Säuren werden im Bindegewebe abgelagert, in das Blut abgesondert und dort üblicherweise von den Puffer-Systemen abgefedert. Das belastet jedoch unsere Basenreserven und »versulzt« unser Bindegewebe (→ Seite 44 »Das Bindegewebe – unsere Mülldeponie«).
So genannte Koenzyme dienen als zusätzliche Helfer. Zum Beispiel wird das Koenzym Q oder Q 10 gebraucht, um in den Kraftwerken unserer Zellen, den Mitochondrien, Glukose zu verbrennen, um so Energie zu gewinnen. Koenzyme sind mit den Vitaminen verwandt und benötigen auch Vitamine von außen. Wer sich vitaminarm ernährt, leistet Stoffwechselstörungen Vorschub.
Am schnellsten arbeiten Enzyme bei Temperaturen zwischen 33 und 37 °C. Darunter und darüber verlangsamt sich die Arbeitsgeschwindigkeit. Das Enzym wird in seiner Aktivität gehemmt. Bei über 50 °C werden die meisten Enzyme zerstört. Deswegen sind auch gekochte Nahrung oder industriell hergestellte Nahrungsmittel ohne wertvolle Enzyme.
Alle Enzyme arbeiten nur optimal bei einem bestimmten pH-Wert. Dies muss keineswegs immer der neutrale pH-Wert 7 sein. Das im Magensaft vorkommende Pepsin fühlt sich nur im deutlich sauren Bereich zwischen 2 und 3 wohl, Trypsin, das im Saft des Dünndarms vorkommt, liebt es dagegen stark basisch. Und weil das so wichtig ist, versucht unser Körper, den pH-Wert immer in einem festen Bereich zu halten. Man nennt das auch Pufferung (→ Seite 38). Eine pH-Wertveränderung ist im Gegensatz zu einer Temperaturerhöhung über 50 °C nicht »tödlich« für das Enzym. Stellt man den richtigen pH-Wert wieder her – etwa durch eine Basenkur – funktioniert das Enzym meist wieder.
So funktionieren unsere Enzyme
In einer Flüssigkeit wie etwa Wasser sind Millionen kleinster Teilchen in ständiger Bewegung. Manche sind schnell, manche langsam, und die meisten bewegen sich mit einer mittleren Geschwindigkeit. Damit es zu einer chemischen Reaktion kommen kann, müssen zwei der Teilchen aufeinander prallen. Dazu ist eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit nötig, auch Aktivierungsenergie genannt. Leider sind jedoch die meisten Moleküle nicht schnell genug, haben nicht genügend Dampf im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit Hitze könnte man ihnen »Beine machen«. Dann nämlich bewegen sich alle Moleküle oder Atome schneller, und der Anteil der Teilchen mit der notwendigen Mindestgeschwindigkeit für eine chemische Reaktion steigt rapide an.
Nun kann aber das Innere unserer Zellen nicht aufgeheizt werden, um lebensnotwendige Reaktionen zu beschleunigen. Über 40 °C werden die meisten Proteine zerstört, was unseren Tod bedeuten würde. Deswegen funktioniert es umgekehrt: Nicht die Flüssigkeitstemperatur wird angehoben, bis genügend viele Teilchen die Mindestgeschwindigkeit (Aktivierungsenergie) für eine Reaktion erreicht haben, sondern die Mindestgeschwindigkeit für einen erfolgreichen Zusammenstoß wird mit so genannten Katalysatoren herabgesetzt.
Diese Katalysatoren sorgen wie in unseren Autos dafür, dass die giftigen „Abgase“ schon bei niedrigeren Temperaturen möglichst vollständig umgewandelt werden. Und das erledigen in unserem Körper so genannte Biokatalysatoren – die allgegenwärtigen Enzyme.
So entstehen Säuren in unserem Körper
Säuren durch Stoffwechselvorgänge
Die von unserem Blut gelieferten Nährstoffe enthalten zwar schon Energie, aber die ist chemisch gebunden und steht den Zellen und damit zum Beispiel unseren Muskeln nicht direkt zur Verfügung.
Ebenso wie das Benzin in einem Automotor müssen auch die Nährstoffe zuerst verbrannt werden, um Bewegung zu erzeugen.
Das geschieht in speziellen »Zellkraftwerken«, den Mitochondrien, die in fast jeder Zelle vorhanden sind. Alle Energie also, die wir zum Leben nutzen können, entsteht durch Verbrennung (= Oxidation). Und durch Oxidation kann diese Energie schrittweise auf eine Art »Energiewährung« wie das ATP (→ Seite 22) übertragen werden.
Die Energieproduktion im Körper
Damit die Energie produziert werden kann, müssen einige Bedingungen erfüllt sein:
→ Wir brauchen genügend Zucker oder Fette,
→ es muss ausreichend Sauerstoff vorhanden sein,
→ die zur Energiefreisetzung benötigten Enzyme müssen optimal arbeiten können.
Dazu wird erst einmal im Darm unsere Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt, die Lunge nimmt Sauerstoff aus der Luft auf, und unser Herz-Kreislauf-System transportiert die aufbereiteten Nährstoffe und den Sauerstoff an das Bindegewebe heran, das die Zellen umschließt. Erst von hier gelangt es dann in die Zellen. Bei optimaler Verbrennung bleiben Wasser und Kohlendioxid (CO2) übrig. Pro Tag produzieren wir etwa ein Kilogramm CO2. Dieses muss schnellstmöglich abtransportiert werden, sonst wird die Zelle sauer, und das wäre ihr Untergang. Ein gesunder Organismus hat damit auch keine Schwierigkeiten, denn er scheidet das Kohlendioxid jederzeit über die Atemwege aus.
Zu einer Übersäuerung kommt es erst, wenn zu wenig Sauerstoff vorhanden ist oder aber die Verbrennung nicht vollständig ablaufen kann, weil nicht genügend Mineralstoffe zur Verfügung stehen oder die Enzyme in einem zu sauren Zellmilieu nicht optimal arbeiten. Jedes unvollständig verbrannte Zucker- oder Fettmolekül säuert unseren Stoffwechsel. Die dabei gebildeten Säuren, besonders die Milchsäure aus Glukose und Ketosäuren aus Fetten, werden wir dann nicht mehr so einfach über die Atmung los.
Neben dieser »natürlichen« Säureproduktion durch unseren Stoffwechsel entstehen meist durch falsche Ernährung, mangelnde Bewegung und Stress oft regelrechte Säurefluten, auf die unser Körper sehr viel weniger vorbereitet ist. Schafft er es dann nicht, die Säuren auszuscheiden, spricht man von Übersäuerung. Bei einer latenten Azidose ist der Körper zwar »übersäuert«, man hat jedoch noch keine gesundheitlichen Beschwerden, da ein komplexes Puffersystem unseren Körper noch vor den Säuren schützt. Aber wie jedes Puffersystem hat auch dieses seine Grenzen.
ATP – DIE ENERGIEWÄHRUNG
In den Kraftwerken unserer Zellen – den Mitochondrien – werden Nährstoffe wie Kohlenhydrate (Zucker) und Fett mit Hilfe von Sauerstoff verbrannt. Dabei entsteht der »Brennstoff« ATP (Adenosintriphosphat) sozusagen als universelle zellulare Energiemünze. Es besteht aus dem stickstoffhaltigen Adenin, dem Zucker Ribose und drei Phosphatmolekülen.
Dieses ATP ist der Motor des Lebens, und zwar in allen Organismen dieser Erde. Beim Abspalten einer der drei Phosphatmoleküle wird Energie frei. Sie kann jetzt in allen Bereichen zum Aufbau neuer Moleküle oder Zellen eingesetzt werden. Zurück bleibt das ADP (Adenosindiphosphat), das in Mitochondrien wieder in ATP umgewandelt werden kann.
ATP als Energiemünze hat entscheidende Vorteile gegenüber Fett oder Zucker:
Der Energiegehalt ist kleiner – man hat sozusagen energetisches Kleingeld.
ATP kann leichter regeneriert werden.
Die Energie steht schnell ohne große Umwandlungsprozesse zur Verfügung.
Erste Anzeichen einer Übersäuerung
→ Müdigkeit
→ Kopfschmerzen
→ Konzentrationsmangel
→ Leistungsschwäche
→ Schlafstörungen
→ Herz-Kreislaufstörungen
Ein durchschnittlicher Mensch setzt pro Stunde etwa 5 kg ATP um, also 120 kg ATP pro Tag. Bei Leistungssportlern kann der Verbrauch bis auf 100 kg pro Stunde steigen. Solche Mengen liegen natürlich nicht in gespeicherter Form vor, sondern müssen ständig hergestellt werden. Und zwar in jeder einzelnen Zelle durch die Verbrennung der »Energiespeicher« Zucker und Fett. Bei einer vollständigen Verbrennung von Glukose bräuchte man nur knapp 15 g Glukose, um 1 kg ATP zu bilden.
Ist unser Stoffwechsel im Gleichgewicht, wird genauso viel Energie hergestellt, wie verbraucht wird. Man spricht dann von einem aeroben (mit Sauerstoff) Stoffwechsel. Bei großer körperlicher Anstrengung oder Stoffwechselstörungen kann es aber vorkommen, dass nicht genügend Sauerstoff zugeführt werden kann. Folge: Die Moleküle für ATP können nicht mehr ganz verbrannt werden, und unser Körper behilft sich damit, dass er die halbfertigen ATP-Vorprodukte in Milchsäure umbaut. Wir kennen alle die Folgen aus diesem anaeroben Stoffwechsel: Muskelkater durch Übersäuerung der Muskulatur in Kombination mit mikroskopisch kleinen Faserrissen.
Säuren durch falsche Ernährung
Man ist, was man isst, heißt es. Und man fühlt sich auch so, möchte man hinzufügen. Wenn man bedenkt, wie unterschiedlich unsere Nahrung ist, die wir täglich zu uns nehmen, und wie kompliziert die Prozesse sind, mit denen unser Körper daraus Energie und Baustoffe gewinnt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass wir unseren Organismus mit der falschen Ernährung nicht gerade unterstützen, ja richtig Schaden zufügen können.
Der Weg der Nahrung durch unseren Körper
Die Verdauung unserer Speisen beginnt im Mund, wo die Nahrung mit den Zähnen mechanisch zerkleinert wird. Unser Speichel (täglich 1 bis 1,5 Liter) macht sie für den Weitertransport in die Speiseröhre gleitfähig. Schon im Speichel spaltet das Enzym Amylase komplexe Kohlenhydrate (Stärke, Glykogen, Dextrine) in kleinere Untereinheiten (Oligosaccharide, Malzzucker). Wer Brot lang genug kaut – und das sollte man sowieso! – wird feststellen, dass es süßlich schmeckt. Gewürze wie Pfeffer, Chili, Senf oder Paprika erhöhen die Enzymtätigkeit und die Speichelproduktion. Nicht zuletzt reinigt der Speichel unsere Zähne und neutralisiert im Mund entstandene oder mit der Nahrung zugeführte Säuren, etwa Fruchtsäuren von Obst. Deswegen: mit dem Zähneputzen nach Obstgenuss etwa eine Stunde warten, bis der Speichel seine Arbeit getan hat.
Aufspaltung durch Säure
Vom Mund geht’s über die Speiseröhre in den Magen, wo der Speisebrei mit dem Magensaft (täglich 1,5 bis 3 Liter) vermischt wird. Der niedrige pH-Wert von 1,5 des sauren Magensaftes tötet Bakterien ab und führt zu einer Ausflockung (Denaturierung) von Eiweiß. Bier, Wein und Stärkeres fördern die Magensäuresekretion erheblich. Ebenso Eiweiß, während Fett die Säureproduktion hemmt. Über die Magenwand werden in geringem Maße Fett verdauende Enzyme und vor allem das Eiweiß spaltende Enzym Pepsin zugegeben. Die Verdauung der Kohlenhydrate wird im Magen ohne eigene Kohlenhydrat verdauende Enzyme fortgesetzt. Ein hoher Fettanteil erhöht also die Verweildauer der Nahrung im Magen. Der fette Schweinebraten liegt dann schwer im Magen, wie man sagt.
Der Magen produziert aber neben der Salzsäure gleichzeitig den passenden basischen Puffer dazu: das Natriumbikarbonat. Man kennt es auch als doppelkohlensaures Natron oder Bullrichsalz aus der Apotheke gegen Sodbrennen. Eingelagert in den Magenschleim wirkt diese Substanz zum einen wie ein chemischer Schutzwall gegen die Selbstverdauung durch die ätzende Magensäure. Den Rest benötigen unsere Organe Leber, Bauchspeicheldrüse und die Darmschleimhautdrüsen, wo sie gespeichert werden und dann den sauren Magenbrei im Dünndarm neutralisieren.
Aufnahme der Nahrungsbestandteile
Durch den Magenpförtner kommt der Nahrungsbrei in den Zwölffingerdarm. Im Dünndarm dann werden die Nahrungsbestandteile mit Hilfe von Enzymen weiter zerlegt. Kohlenhydrate werden durch spezielle Enzyme (Disaccharidasen) in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt. Die Fettverdauung findet hauptsächlich im oberen Teil des Dünndarms statt. Dazu wird die von der Leber gebildete Gallenflüssigkeit zuerst in der Gallenblase zwischengespeichert und dann in den Zwölffingerdarm abgegeben, um die Fette zu emulgieren. Später können sie so von den Verdauungsenzymen (Lipasen) besser aufgeschlossen werden.
Die im Magen begonnene Eiweißverdauung wird im Darm fortgesetzt. Das Sekret der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) enthält Enzyme wie das Trepsin, das große »Eiweißbrocken« in kleinste Moleküle (Peptide, Aminosäuren) abbaut.
Die zweite wichtige Aufgabe des Dünndarms ist die Überführung dieser kleinsten Nährstoffteilchen in die Blutbahn. Dafür ist die Oberfläche dieses Organs durch die so genannten Darmzotten stark vergrößert. Schleimhautfalten mit fingerförmigen Ausstülpungen, auf denen sich der so genannte Bürstensaum befindet, erhöhen die Fläche des Darmes auf die Größe eines Tennisplatzes. Im Dickdarm wird vor der Ausscheidung dem Rest des Speisebreis Wasser entzogen, das zusammen mit wertvollen Mineralstoffen wieder zurück in den Körper transportiert wird.
Die Darmflora
Über diesen komplexen Mechanismus der Verdauung ist unser Körper darauf eingerichtet, unterschiedlichste Nahrungsstoffe aufzunehmen und zu verarbeiten. Sehr wichtig für den gesunden Aufschluss der Nahrung ist zudem die Mikroflora im Darm – unterschiedlichste Bakterien, die teilweise auch Vitamine produzieren können. Die Nahrung, die Ausscheidungen dieser Mikroorganismen und die Körpersekrete bestimmen das Mikroklima im Darm. Ist es gestört, kommt es zu einer säurebildenden Gärung. Das beeinflusst auch die Verarbeitung und Zurückgewinnung von Nahrungsbestandteilen.
Säure durch die Nahrung
Einseitige Ernährung führt nicht nur zu Mangelerscheinungen, weil zu wenig an lebenswichtigen Mineralstoffen aufgenommen wird, sondern ebenso, weil diese Stoffe bei der Verarbeitung industrieller Nahrungsmittel in unserem Körper zu stark verbraucht werden. So kommt es zum Beispiel häufig nach übermäßigem Verzehr von raffiniertem Zucker zu Vitamin-B-Mangel.
Chemisch konservierte Nahrungsmittel können auch schnell das Mikroklima in unserem Darm schädigen. Die Folge: Es kommt zu säurebildender Gärung im Darm.
Jede Verdauung von Eiweiß bildet Säure. Besonders aber wirkt sich tierisches Eiweiß auf den Säure-Basen-Haushalt negativ aus. Aber auch da gibt es Unterschiede. So bilden die Aminosäuren in Milch und Käse weniger Säure als der Spitzenreiter unter den sauren Lebensmitteln, das Fleisch. Nukleinsäuren und Aminosäuren wirken nämlich säuernd, weil sie zu anorganischen Säuren Phosphorsäure und Schwefelsäure umgewandelt werden. Die können nicht weiter abgebaut werden und müssen mit Basen neutralisiert und durch die Nieren ausgeschieden werden. Je mehr Fleisch wir also konsumieren, desto mehr Basen brauchen wir zur Ausscheidung. Fleisch hat auch jede Menge eigentlich basischer Purine aus der DNS (Zellkern).
Um sie ausscheiden zu können, müssen sie jedoch in Harnsäure umgewandelt werden und sind so ebenfalls säuernd. Pflanzliches Eiweiß hat dagegen immer auch eine Menge an basischen Mineralien und nicht so viele Zellkerne wie tierisches Eiweiß.
Fleisch macht sauer
Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein Säureüberschuss durch übermäßigen Fleischkonsum zu einer verstärkten Mobilisation von Kalzium aus der Knochensubstanz führt, den Knochen also Kalzium entzogen wird. So ließ Prof. Peter Burckhardt am Universitätshospital in Lausanne seinen Patienten die freie Wahl: Hackfleisch mit Nudeln und Parmesan, gebackene Kartoffeln mit Tomatensalat oder Fisch mit Reis. Kalorienanzahl, Kalzium- und Proteingehalt waren etwa gleich. Das Ergebnis: Schon nach einigen Tagen unterschieden sich die Kalzium-Verluste um bis zu 75 %! Eine Überprüfung des Urin-pH-Wertes ergab, dass zwei Diäten zu einem eher sauren und die anderen zu einem eher basischen Urin führten. Deswegen rät Prof. Peter Burckhard zu »knochenfreundlicher« Nahrung. Das sind Stoffe, die im Körper in Basen abgebaut werden. Und das hat keineswegs mit dem Geschmack zu tun. So ist etwa die Zitrone kein Säurebildner, weil aus vielen Mineralstoffen der Zitrusfrucht starke Basen gebildet werden und die Zitronensäure zur schwachen Kohlensäure umgebaut wird. Die wiederum verlässt unseren Körper als Kohlendioxid über die Atmung.
Säuren durch Mineralstoff- und Vitaminmangel
Vitamine und Mineralstoffe brauchen wir bei allen unseren Stoffwechselvorgängen. Nur leider enthält unsere Nahrung immer weniger davon. Unglücklicherweise haben gerade die Nahrungsmittel, für die wir am nötigsten Mineralstoffe und Vitamine bräuchten, um sie in unserem Körper richtig zu verwerten, am wenigsten davon.
Vitamine
Wenn wichtige Vitamine und Mineralstoffe in der Zelle fehlen, treten Engpässe in der Stoffumwandlung auf. Denn Enzyme brauchen so genannte Koenzyme, und die wiederum benötigen Vitamine von außen, um im Körper hergestellt werden zu können. Besonders die Vitamine der B-Gruppe (Vitamin B1,Vitamin B2, Vitamin B6, Vitamin B12, Nicotinamid, Pantothensäure, Folsäure) werden in hohem Maße bei Glukose-Verwertung und Energiebereitstellung verbraucht. Wer sich vitaminarm ernährt, leistet Stoffwechselstörungen und damit einer Übersäuerung Vorschub.
Mineralstoffe
Zink ist enorm wichtig für eine optimale Säureausscheidung über die Nieren und damit für unseren Säure-Basen-Haushalt, denn es sorgt für den Abtransport des Kohlendioxids (CO2) während der Atmung. Hohe Konzentrationen dieses Enzyms finden sich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), in der Magenschleimhaut, Niere und in den Augenlinsen. Das Hämoglobin in den Erythrozyten transportiert Sauerstoff von der Lunge zu den anderen Geweben und umgekehrt das im Körpergewebe gebildete Kohlendioxid zur Lunge, von wo es abgeatmet wird. Darüber hinaus benötigt unser Basenorgan Nummer Eins, die Bauchspeicheldrüse, das Spurenelement. Ohne Zink kann sie kein Insulin produzieren. Dies ist auch der Grund, warum viele Diabetiker unter Zinkmangel leiden.
Eisen ist Bestandteil vieler Enzymsysteme, insbesondere im Bereich des Sauerstofftransportes, der Sauerstoffverwertung und -speicherung. Das Hämoglobin als Transportsystem enthält etwa 70 % des im Körper befindlichen Eisens. Die optimale Anfuhr und Ausnutzung von Sauerstoff ist eine Grundvoraussetzung für die Stoffwechselvorgänge in den Zellen.
Kupfer ähnelt in seiner Funktion stark dem Eisen. Wo Eisen gebraucht wird, dient Kupfer als Katalysator. Die Hämoglobin-Synthese und die Atmungskette können ohne Kupfer nicht funktionieren. Es gibt keine Verbrennung, keine Energieleistung ohne Kupfer.
Kalium ist ein sehr wichtiges Spurenelement für das Säure-Basen-Gleichgewicht in allen Zellen. Kommt es bei den Verbrennungsvorgängen in der Zelle zu einem Sauerstoffmangel, wird vermehrt Milchsäure gebildet. Zum Puffern dieser für die Zellen gefährlichen Säure und zur Bindung von Kohlendioxid ist Kalium erforderlich.
ANORGANISCHE SÄUREN
Die anorganischen Säuren entstehen bei der Umwandlung von Nahrungsmitteln. Dazu gehören Phosphorsäure aus Nukleinsäuren, die ein wichtiger Bestandteil aller Zellen sind, und Schwefelsäure ausschwefelhaltigen Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine. Da Phosphor- und Schwefelsäure im Körper nicht weiter abgebaut werden können, müssen sie mit Basen neutralisiert und als Salze über die Nieren ausgeschieden werden. Je mehr Nahrungsmittel wir konsumieren, die zur Bildung von anorganischen, nicht abbaubaren Säuren führen (z.B. Käse, Fleisch), desto mehr Basen brauchen wir zu ihrer Ausscheidung. Selbst wenn genug Basen vorhanden sind, belastet der Säureüberfluss unseren Stoffwechsel.
Die Säuren sind natürlich nicht nur schädlich, und ihre Verbindungen brauchen wir für lebenswichtige Vorgänge und Stoffe. Ähnlich ist es mit den Aminosäuren. Ungesund und schädlich ist allein ihr Überfluss, der durch falsche Ernährung verursacht wird.
Kalzium dient dem Knochenaufbau und wird bei Übersäuerung verstärkt dem Knochen zur Pufferung der Säuren entnommen. Außerdem steuert es die Energiegewinnung aus ATP. Sie kommt zum Stillstand, wenn kein Kalzium mehr vorhanden sind. Ein Kalzium-Mangel wird schnell durch den Abbau der im Skelett gespeicherten Kalzium-Reserven ausgeglichen. Zusammen mit der permanenten Kalzium-Unterversorgung durch die Nahrung kann es im Alter zu Osteoporose kommen.
Mangan ist für den Säure-Basen-Haushalt von großer Bedeutung. Die bei anaerober Verbrennung entstandene Milchsäure wird mit dem manganhaltigen Enzym Pyruvatcarboxylase wieder zu verbrennungsfähiger Glukose zurückverwandelt. Ohne diesen Vorgang würden unsere Zellen einen Milchsäuretod sterben.
Magnesium kommt in mehr als 300 Enzymen vor, und die Energieproduktion aus Fetten und Kohlenhydraten in der Zelle liefe ohne Magnesium nur auf Sparflamme.
Säuren durch Krankheiten
Eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes macht nicht nur krank, sie kann auch durch eine Krankheit hervorgerufen oder verstärkt werden. Das gilt für akute Krankheiten ebenso wie für chronische Krankheiten.
→ Bei Diabetikern wird durch Insulinmangel vermehrt Fett abgebaut. Dabei entstehen als Zwischenprodukt so genannte Ketonsäuren – man spricht auch von einer Ketoazidose. Wenn es dann zusätzlich zu einer Überblähung der Lunge (Lungenemphysem) kommt, übersäuert der Körper über das verminderte Abatmen von Kohlensäure zusätzlich.
→ Überhaupt ist jede Beeinträchtigung der Atemtätigkeit, etwa durch einen akuten Asthmaanfall, eine chronische Bronchitis bei Rauchern ab dem 50. Lebensjahr oder durch chemische Substanzen ungünstig bis gefährlich für unser Säure-Basen-Gleichgewicht.
→ Auch alle Krankheiten von Organen, die unseren Säure-Basen-Haushalt steuern, wie die Leber, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) oder Gallenblase, können zu einer Übersäuerung führen.
→ Krankheiten, die unser Säureausscheidungsorgan Nummer Eins – die Niere – betreffen, führen oft dazu, dass nicht genügend Säure aus dem Körper transportiert werden kann.
→ Verschiedene Erkrankungen des Magens können zu einer Übersäuerung führen.
Achtung! Übersäuerung kann durch ernsthafte Erkrankungen zustande kommen. Deshalb sollten Sie unbedingt den Rat eines Arztes einholen, bevor Sie selbst eine Entsäuerung einleiten.
Säuren durch Stress
Etwas »schlägt uns auf den Magen« oder liegt dort »wie ein Stein«, wir sind buchstäblich »sauer«, wir müssen »etwas Unverträgliches schlucken« oder aber wir müssen Nachrichten erst einmal »verdauen«. Betroffen ist immer der Verdauungstrakt. Negative Gedanken, Ängste, Sorgen, Wut, Verzweiflung, Stress, aber natürlich auch Freude wirken sich sofort körperlich aus. Das ist auch nicht verwunderlich, bestehen doch zwischen unserem Gehirn und dem vegetativen Nervensystem wie etwa dem Magen-Darm-Nervensystem zahlreiche Verbindungen. Das vegetative Nervensystem hält alle lebenswichtigen Organtätigkeiten aufrecht und passt den Körper an die ständig wechselnden Umweltbedingungen an, indem es Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Aktivität, Verdauung, Drüsentätigkeit, Temperatur, Ausscheidung, Schlaf, Wachstum und Fortpflanzung steuert. Es besteht aus zwei Teilen mit gegenläufigen Funktionen. Durch dieses Zusammenspiel halten sie das vegetative Gleichgewicht unseres Körpers (Homöostase) aufrecht.
→ Sympathisches Nervensystem: für Aktivität und Leistung;
→ Parasympathisches Nervensystem: für Erholung, Entspannung und Energieaufbau.
Man kann sagen, dass der Einfluss des Sympathikus das Gleichgewicht in Richtung sauer, der des Parasympathikus in Richtung basisch verschiebt. Beide sind natürlich notwendig, so wie auch Säuren in unserem Körper gebraucht werden. Nur das falsche Verhältnis der beiden zueinander kann uns krank machen.
Regelabläufe der Nervensysteme
Das vegetative Nervensystem ist von unserem Willen nicht steuerbar, weshalb man auch vom »autonomen« oder »unwillkürlichen« Nervensystem spricht. Bei Angst, Aufregung und Stress bewirkt der Sympathikus durch eine Ausschüttung von Stresshormonen eine Reduzierung der Verdauungsprozesse. Unser Körper spart so kurzfristig Energie, um sich für eine Gefahrensituation zu wappnen. Es wird zwar weniger Magensäure produziert, aber Fettsäuren werden vermehrt mobilisiert, und Glukose und ATP werden produziert. Das bedeutet einen Säureschub für unseren Körper. Zum Ausgleich erfolgt etwas später eine verstärkte Parasympathikus-Aktivität mit vermehrter Ausschüttung von Magensäure auch ohne vorherige Nahrungsaufnahme.
Eine Übersäuerung wirkt aber auch umgekehrt als starker Stressfaktor auf das vegetative Nervensystem. Säure aktiviert den Sympathikus. Sie sorgt für Erregung, wenn wir eigentlich ausruhen sollen, und bewirkt die Ausschüttung der Stresshormone, auch wenn gar kein wirklicher Grund für Anspannung, Kampf oder Flucht gegeben ist. Dazu versetzt eine saure Stoffwechsellage unser Immunsystem in Alarmbereitschaft, ohne dass Krankheitserreger unsere Gesundheit bedrohen.
Säuren durch Bewegungsmangel oder Überanstrengung
Die Lunge dient im Säure-Basen-Gleichgewicht als wichtiges Aufnahme- und Ausscheidungsorgan. Sie gibt saures Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff für die Energiegewinnung in unseren Zellen auf. Durch Bewegung an frischer Luft wird der pH-Wert im Körper sofort gesenkt. Wer sich wenig bewegt und schlecht atmet, bekommt zu wenig Sauerstoff. Die Folge: Viele saure Substanzen bleiben im Körper zurück, weil für die Energiegewinnung beim Verbrennen in den Zellen Sauerstoff fehlt. Der Verbrennungsvorgang bleibt unvollständig, und statt Wasser und Kohlendioxid entstehen saure Zwischenprodukte. Und der Teufelskreis dreht sich weiter. Sinkender pH-Wert in der Zelle heißt auch, dass die Enzyme – unsere Biokatalysatoren – nicht mehr so gut funktionieren und die Stoffwechselvorgänge in der Zelle langsamer ablaufen.
Je mehr Sauerstoff etwa durch ein moderates Ausdauertraining eingeatmet wird, umso mehr Säuren werden auch ausgeschieden. Wer es aber übertreibt, kommt »außer Atem« und bekommt einen Muskelkater. Wegen eines Sauerstoffmangels hat der Körper Milchsäure gebildet, und zusammen mit kleinsten Verletzungen des Muskels tut der entsprechende Muskel jetzt weh.
Die Organe des Säure-Basen-Haushaltes
Säuren lassen sich in unserem Körper verschiedenen Kategorien zuordnen: nach ihrer Herkunft und nach den Organen, die an ihrer Entsorgung beteiligt sind.
→ Anorganische Säuren werden mit unserer Nahrung aufgenommen und können ausschließlich über den Urin entsorgt werden.
→ Organische Säuren werden sowohl mit der Nahrung aufgenommen, entstehen aber auch durch die Energiegewinnung (Milchsäure, Ketonsäuren) in unseren Zellen. Die flüchtige Säure Kohlendioxid wird dabei über die Lunge abgeatmet, während nichtflüchtige Säuren in unserer Leber verarbeitet werden.
Für Abbau und Ausscheidung sind im Wesentlichen drei Organe zuständig: Nieren, Lunge und Leber. Dazu kann unser Blut durch so genannte Puffer bei plötzlichen Säureschwankungen seinen pH-Wert innerhalb eines engen Bereiches (pH 7,35 bis 7,45) konstant halten. Und Säuren, die wir nicht sofort loswerden können, lagern sich im Bindegewebe ein, wo sie regelrecht zu einer »Versulzung« führen. Für all diese »Säureabwehrmaßnahmen« verbraucht unser Organismus körpereigene Reserven. Unser Körper schwächt sich damit selbst. Deswegen ist es so wichtig, die Puffer-Systeme unseres Körpers zu unterstützen.
REGULATION DES SÄURE-BASEN-HAUSHALTES
Blut über Puffersysteme → sofort
Lunge über Abatmung → sofort
Niere über Ausscheidung → mittelfristig
Leber über Harnstoffwechsel → langfristig
Das Blut als Transportvehikel
Das Blut erreicht alle Teile unseres Körpers. Es besteht aus festen Bestandteilen (Blutkörperchen und Blutplättchen) und flüssigem Plasma. Angetrieben vom Herzen als Pumpe, fließen in den Adern eines erwachsenen Menschen etwa 4,5 bis 6 Liter Blut. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2) zwischen der Lunge und den Organen. Schon ein geringer Kohlendioxidanstieg führt dazu, dass unser Atemzentrum und Herzschlag beschleunigt arbeiten, bis das überschüssige Kohlendioxid abgeatmet ist.
Für die rote Färbung der Blutkörperchen sorgt der Blutfarbstoff Hämoglobin. Er benötigt ausreichende Mengen an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure. Ohne Hämoglobin könnte unser Blut keinen Sauerstoff transportieren.
Die wichtigsten Aufgaben unseres Blutes sind:
Transport: Mit unserem Blut werden Sauerstoff und Kohlendioxid, Vitamine, Stoffwechselprodukte und Nahrungsstoffe im Körper transportiert.
Wärmeregulation: Unser Blut transportiert auch Wärme. Wegen seiner großen Wärmekapazität ist es wichtig für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur.
Signalübermittlung: Die Botenstoffe unseres Körpers – die Hormone – benutzen das Blutkreislaufsystem, um an ihren Bestimmungsort zu gelangen.
Immunabwehr: Bestimmte Stoffe im Blut dienen der Abwehr von Eindringlingen.
Damit unser Blut all diese Aufgaben erfüllen kann, muss sein pH-Wert in einem eng gesteckten Bereich zwischen 7,35 und 7,45 konstant gehalten werden. Ein Wert unter 7 oder über 7,8 würde sich tödlich auswirken: Die roten Blutkörperchen würden hart und könnten nicht mehr durch die feinen Blutgefäße in den äußeren Bereichen unseres Organismus gelangen. So käme nicht mehr genügend Sauerstoff von der Lunge in unsere Zellen. Dort würde die Energiegewinnung durch sauerstoffarme Verbrennung wieder vermehrt Milchsäure produzieren, und die Zelle würde noch saurer und letztlich absterben.
Die Lunge – unser Säurenschornstein
Unsere Lunge ist wohl das bekannteste Organ, was die Regulation des Säure-Basen-Haushaltes betrifft. Sie atmet in der Hauptsache Kohlendioxid (CO2) ab. Und zwar im Idealfall genauso viel, wie in unseren Zellen bei der Energiegewinnung abfällt. Das ist für uns lebenswichtig, denn mit Wasser zusammen entsteht aus CO2 die Kohlensäure. Ein Anstieg der CO2-Menge in unserem Organismus bedeutet also auch eine Verschiebung des pH-Wertes hin zum Sauren. Innerhalb weniger Minuten reagiert unsere Atmung auf Veränderungen des O2- oder CO2-Gehaltes unseres Blutes, indem ein Anstieg oder Abfall des pH-Wertes sofort die Atemfrequenz ändert.
PUFFERUNG
Den Mechanismus unseres Blutes, Säuren unschädlich zu machen, nennen Chemiker Pufferung. Dabei bleibt der basische pH-Wert konstant, selbst wenn man unserem Blut Säuren hinzufügt. Ausschlaggebend dafür sind Mineralstoffe, die hinzukommende Säuren sofort neutralisieren.
Ein wichtiges Puffersystem des Menschen ist der Kohlendioxid-Bikarbonat-Puffer:
CO2 + H2O ←→ H2CO3 ←→ HCO3– + H+
Aus Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O) entsteht Kohlensäure (H2CO3), diese gibt ein H+-Ion ab, und es entsteht Bikarbonat (HCO3). Dieses stellt nun die Pufferbase dar, Kohlendioxid bzw. die Puffersäure. Beide Prozesse laufen im Körper dauernd in beide Richtungen ab. Die Komponenten dieser chemischen Gleichung stehen immer in einem chemischen Gleichgewicht. Werden jetzt dem Blut Säuren – was nichts anderes heißt wie H+-Ionen – zugeführt, so kann das Bikarbonat (HCO3), nach obiger Formel von rechts nach links gelesen, diese aufnehmen, und es entsteht Kohlensäure (H2CO3). Diese wiederum zerfällt in Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2), welches einfach durch Ausatmen über die Lunge unschädlich gemacht werden kann. Analog gilt, dass Basen – also OH–-Ionen – ebenfalls gepuffert werden:
OH– + CO2 = HCO3–
Das bei der Pufferung entstandene Bikarbonat HCO3- muss dann, damit der pH-Wert ausgeglichen und stabil bleibt, durch eine verminderte Ausatmung mit nachfolgendem CO2-Anstieg kompensiert werden oder einfach durch die Nieren ausgeschieden werden.
Eine Atemstörung kann zum Beispiel die Abatmung von CO2 behindern. Andererseits führt eine krankhaft gesteigerte oder durch Aufregung oder einen Schock verursachte allzu hohe Atemtätigkeit (Hyperventilation) zu einem CO2-Mangel und dementsprechend zu einer Verschiebung hin zum Basischen. So ziehen Krankheiten unserer Atmungsorgane oft auch Störungen des Säure-Basen-Haushaltes nach sich.
Die Nieren – unsere Kläranlage
Für die rasche Regulierung des pH-Wertes in unserem Blut ist die Lunge durch die Abatmung von CO2 zuständig. Unsere Nieren reagieren zwar langsamer, dafür aber nachhaltiger.
Ununterbrochen wird dort unser Blut filtriert. So wird jeder Tropfen Blut, der in unseren Adern fließt, etwa alle 4 Minuten gefiltert. Insgesamt durchströmt immer ungefähr ein Viertel unseres Blutes die Nieren. Von Zellresten und großen Molekülen gereinigt, bleibt nach dem Filtervorgang der so genannte Primärharn übrig. Würden wir den schon ausscheiden, wäre die Folge eine sofortige »Vertrocknung«. Denn er enthält zwar kaum noch Zellen und Eiweiße, aber dafür Blutplasma. So fließt der Primärharn erst durch ein komplexes kilometerlanges Kanalsystem, wo er immer wieder gefiltert und ein Großteil zurück ins Blut aufgenommen wird. Am Ende verlässt dann nur noch etwa 1 % des Primärharns unseren Körper.
Pufferung durch Resorption
Viele Substanzen, die noch im Primärharn enthalten waren, werden nämlich von unserem Körper dringend benötigt. Deshalb müssen sie in das Blut zurückgeholt werden. Man nennt das auch Resorption. Neben Mineralstoffen wie Natrium, Kalium, Kalzium oder Chlorid gehört auch das Bikarbonat dazu, das wir dringend zum Puffern der Säuren in unserem Körper brauchen. Dabei reagieren unsere Nieren flexibel. Bei erniedrigtem Blut-pH wird Bikarbonat wieder resorbiert, ist der Blut-pH erhöht, wird ein Teil des filtrierten Bikarbonats mit dem Urin ausgeschieden.
Aber es geht noch weiter. Unsere Nieren können nicht nur Bikarbonat zurückgewinnen, sondern sogar aus CO2 und Wasser mit Hilfe des Enzyms Karboanhydrase neues Bikarbonat produzieren, um die Verluste zu ersetzen, die bei der Pufferung von Kohlensäure aufgetreten sind.
SO ENTSTEHEN SÄUREN IM KÖRPER
Die Menge der Säuren und Basen in unserem Organismus entstehen:
→ Von außen durch die Zufuhr der Nahrung
→ Von innen durch Stoffwechselschlacken (Milchsäure durch Muskeltätigkeit)
→ Durch chronische Darmgärung bei gestörter Darmflora
→ Durch Organstörungen (Diabetes)
→ Durch wechselnde Tätigkeit von Nieren und Darm
→ Durch Ausscheidung von CO2 über die Lunge
→ Durch die Tätigkeit der Belegzellen des Magens (Salzsäure- und Bikarbonatbildung)
→ Durch das vegetative Nervensystem
Und unsere Nieren haben noch eine Methode, um Säuren aus dem Körper zu bekommen. Sie bauen nämlich die Aminosäure Glutamin zu Glutamat ab. Dabei wird Ammoniak frei, das sich mit den H+-Ionen der Säure zu NH4+ verbindet und so ausgeschieden werden kann.
Die Leber – unser zentrales Basenorgan
Unser wichtigstes Stoffwechselorgan ist die Leber. Mit ca. 1,5 kg Gewicht und einer Durchblutung von etwa 25% des Herzminutenvolumens ist die Leber unser lebender Motor, der all unsere Organe versorgt. Als Entgiftungs- aber auch Recycling-Organ verarbeitet sie aus dem Darm aufgenommene Nährstoffe wie z.B. Eiweiß und verteilt sie auf die Organe. Sie bereitet aber auch Stoffwechselschlacken und Gifte wieder auf oder entsorgt sie. Die Leber wandelt Kohlenhydrate (Glukose) in unseren »Speicherzucker« Glykogen um, und wenn diese Speicher voll sind, sogar in Fett.
Zudem produziert die Leber die für die Verdauung so wichtige Gallenflüssigkeit, die entweder in der Gallenblase zwischengespeichert oder direkt in den Darm abgegeben wird. Dort bereitet die in ihr enthaltene Gallensäure Fette aus unserer Nahrung für die Weiterverarbeitung durch die Enzyme der Bauchspeicheldrüse vor. Neben dem Verdauungssaft aus der Bauchspeicheldrüse und dem Dünndarm ist die Gallenflüssigkeit die Dritte im basischen Bunde. Alle drei neutralisieren die Magensäure im Dünndarm und leiten damit einen neuen Abschnitt des Verdauungsvorgangs ein. Denn erst in einem basischen Milieu können die Verdauungsenzyme unsere Nahrung in ihre Nährstoffe zerlegen. Für die Gallenflüssigkeit benötigt unsere Leber aber genügend basisches Natriumbikarbonat, das hauptsächlich vom Magen produziert wird, parallel mit der Bildung der sauren Magensäure.
Unsere Leber scheidet zwar Säuren nicht direkt aus, trotzdem ist sie enorm wichtig für unseren Säure-Basen-Haushalt. Sie ist zwar rund um die Uhr tätig, zeigt jedoch zeitliche Höhe- und Tiefpunkte. So wird vormittags und um die Mittagsstunde mehr Galle gebildet als am Abend und in der Nacht. Das bedeutet, dass mittags am besten verdaut werden kann. Dafür kümmert sich die Leber in der Nacht mehr um den Aufbau der Körpersubstanzen.
Der Magen – unsere Basenfabrik
Wir kennen den Magen meist als saures Organ, besonders wenn wir uns ärgern. Das ist aber nicht einmal die halbe Wahrheit. Der Magen ist unser größter Basenlieferant. Neben der Salzsäure, die unsere Nahrung verdauungsgerecht bearbeitet und Bakterien und Keime abtötet, entsteht im Magen mit Natriumbikarbonat auch das Gegenteil: eine Base. Unser Magen ist nämlich ein Säure-Basen-Spalter. Was er dazu braucht, ist einfaches Kochsalz, das sich immer in unserem Blut befindet. NaCl – so sagt der Chemiker zu Kochsalz – ist ein enorm wichtiges Salz für unseren Körper. Deswegen ist die Menge auch nahezu konstant. Etwa sechs Gramm davon brauchen wir. Ein Zuviel macht uns »durstig«, weil unsere Nieren das Salz erst ab einer bestimmten Verdünnung wieder ausscheiden können. Haben wir zu wenig davon, bleibt unser Harn kochsalzfrei, weil es im Körper zurückgehalten wird. Kochsalz müssen wir allerdings deswegen nicht zusätzlich zu uns nehmen. Das Problem in den Industrienationen ist eher ein Zuviel an Salz.
Bei einer normalen Mahlzeit bilden kleine Drüsen unseres Magens – die Belegzellen – etwa 1,1 Liter Magensaft mit ungefähr 0,5 % Salzsäure (HCl) aus Kochsalz (NaCl), Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O). Und die macht unseren Magensaft mit einem pH-Wert zwischen 1 und 3 sehr sauer.
Zink und Enzyme als Katalysatoren
Durch chemische Spaltung unter Zuhilfenahme des wichtigen Spurenelements Zink und im Beisein von Enzymen werden aus dem verbleibenden Rest (CO2+ OH + Na) gleichzeitig Basen in Form von Natriumbikarbonat (NaHCO3) gebildet, und zwar dreimal mehr als Säure. Übrigens: Was so chemisch klingt, ist unser bekanntes »doppelkohlensaures Natron«, das seit über hundert Jahren bei Sodbrennen verabreicht wird.
WAS TUN BEI ÜBERSÄUERUNG?
Mehr basisches Mineralwasser trinken.
Säuren durch viel Bewegung an frischer Luft abatmen.
Durch Schwitzen die Haut entsäuern (Sport, Sauna).
Richtig essen.
a) Lange kauen, denn unser Speichel ist basisch, und schlecht zerkaute Nahrung gärt im Darm und bildet Säuren.
b) Nicht zu viel essen, sonst werden zu viele basische Verdauungssäfte verbraucht.
c) Basenspendende Lebensmittel essen (Gemüse, Obst).
Täglich über einen begrenzten Zeitraum einen Teelöffel Natriumbikarbonat auf 1/4 l lauwarmes Wasser einnehmen.
Heilfasten.
Bei akuten Schmerzen ist das durchaus hilfreich, auf Dauer beeinträchtigt man aber genau dadurch die Produktion von Basen. Und gerade deren Mangel ist die Ursache für die Beschwerden.
Säuren werden neutralisiert
Die Basen gehen über unseren Blutkreislauf zur Leber, wo sie für die Bildung der Galle benötigt werden. Unsere Bauchspeicheldrüse braucht sie, um die Enzyme Trypsin und Chymotrypsin herzustellen, und die alkalophilen Drüsen im Dünndarm (Brunner’sche Drüsen, Lieberkühn’sche Drüsen) benötigen sie für die Verdauung. Die ins Blut entlassenen Basen reichen normalerweise im Darm zur Neutralisierung der Magensäure. Dort verbinden sie sich mit der Magensäure wieder zu unserem bekannten Kochsalz. Während der saure Speisebrei also den direkten Weg über Magen und Zwölffingerdarm genommen hat, warten die Basen in der Bauchspeicheldrüse und in der Gallenblase darauf, dass der Speisebrei im Zwölffingerdarm ankommt. Erst dann werden die Gallensekrete abgegeben, was die Bauchspeicheldrüse wiederum dazu anregt, ihre Enzyme auszustoßen. Da beide stark basisch sind, wird nun der saure Speisebrei in einen weniger sauren Zustand übergeführt.
Das Bindegewebe – unsere Mülldeponie
Lange Zeit hat die Schulmedizin überhaupt das Problem einer »Übersäuerung« bestritten. Und natürlich auch, dass unser Bindegewebe darunter leidet. Seit aber immer häufiger auch anerkannte Ärzte wie etwa Dr. H.-W. Müller-Wohlfahrt von einer »Versulzung« unseres Bindegewebes durch Übersäuerung sprechen, scheint hier ein Umdenkprozess einzusetzen. Was aber ist das Bindegewebe, von dem so oft gesprochen wird? Einige bezeichnen es als ein Organ wie Herz, Lunge oder Niere mit dem Unterschied, dass es den ganzen Körper durchzieht und so die Billionen von Körperzellen miteinander verbindet.
Unser gesamter Stoffwechsel passiert die haarfeinen Filtersysteme unseres Bindegewebes. Denn keine einzige Organzelle unseres Körpers hat einen direkten Anschluss an eine Blutader. Die feinsten Verästelungen unserer Adern (Kapillare), die Nährstoffe und Sauerstoff heranschaffen, enden alle im Bindegewebe. Genauer gesagt in der Flüssigkeit zwischen den Zellen des Bindegewebes. Von dort aus schwimmen die Nährstoffe zu den Organzellen. Umgekehrt müssen auch die Abfallstoffe aus unseren Zellen durch das Bindegewebe zurück zu den Blutgefäßen oder zu unserem Abwassersystem, den Lymphkanälen.
Doch damit nicht genug. Dasselbe gilt auch für die gesamte Kommunikation in unserem Körper, die eigentlich auch eine Art von Transport ist, nämlich die Beförderung von Botschaften. Die bioelektrische Weiterleitung von Nervenimpulsen läuft über unser Bindegewebe. Dabei leitet Wasser eigentlich keinen Strom. Erst die kleinsten Partikel, die im Wasser aufgelöst sind – die Mineralsalze –, verleihen ihm diese Eigenschaft. Wegen dieser Funktion nennt man sie auch »Elektrolyte«. Eine korrekte Mineralsalzzusammensetzung in der Zwischenzellflüssigkeit ist also für eine störungsfreie Reizweiterleitung der Nervenimpulse notwendig.
Und nicht zuletzt steuert unser Bindegewebe das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen.
Säuren, die nicht sofort über die Lungen oder Nieren ausgeschieden werden können, müssen unschädlich gemacht werden. Dazu bedient sich unser Körper bei seinen Mineralstofflagern: Fingernägel, Knochen, Haare, Zähne oder Sehnen. Das Ergebnis sind nur leider schwer ausscheidbare Salze in unserem Bindegewebe, auch Schlacken genannt. Doch was geschieht, wenn das Bindegewebe bereits »voll« ist? Leicht einzusehen, dass ein Bindegewebe, das mit Schlacken aus der Neutralisation von Säuren »versulzt« ist, seine lebenswichtigen Aufgaben nurmehr eingeschränkt ausüben kann. Es gelangen nicht mehr genügend Nährstoffe und Sauerstoff in die Zellen, und andererseits können die Abfallstoffe nicht mehr abtransportiert werden. Das führt zu einem sauren Milieu und letztlich zu Säurekrankheiten. Das Heimtückische daran: Jahrelang kommt es »nur« zu mehr oder weniger unangenehmen Symptomen oder Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Konzentrationsmangel oder Kopfschmerzen. Bis dann richtige Krankheiten ausbrechen. Und da das Bindegewebe alle Teile unseres Körpers betrifft, ist die Bandbreite der möglichen Krankheiten schier unbegrenzt. Das kann ein Bandscheibenvorfall, Allergien, Rheuma oder sogar ein Herzanfall sein.
BINDEGEWEBE-TYPEN
Wenn wir uns die Größe und Bedeutung des Bindegewebes vergegenwärtigen, kann es nicht verwundern, dass das zusammenhängende und letztlich alles tragende Bindegewebe als »Grundsystem des Körpers« oder »System der Grundregulation« bezeichnet wird. Alle grundlegenden, für das Funktionieren unseres Körpers nötigen Aufgaben werden über dieses Gewebe durchgeführt und auch reguliert. Dabei ist es enorm wandlungsfähig.
Die Hauptbestandteile unseres Bindegewebes sind Zellen, die in Fasern und Wasser mit Nährstoffen eingebettet sind. Die meisten Fasern bestehen übrigens aus dem aus der Kosmetikindustrie bekannten Eiweißstoff »Kollagen«. Übersetzt heißt das bezeichnenderweise »leimbildend«. Noch wichtiger für Hautcremes und dergleichen dürfte der zweite Fasertyp, das »Elastin« sein.
Welche Funktionen das Bindegewebe in unserem Körper erfüllt, hängt stark von der Konsistenz ab:
→ Es kann locker mit vielen Zellen, Wasser und wenig Faseranteil sein wie zwischen Muskeln, Nerven und Organen.
→ Es kann sehr straff sein mit viel Faseranteil und fast ohne Wasser, wie etwa die Sehnen unserer Muskeln, unsere Stimmbänder oder die Gelenkkapseln unserer Kniegelenke.
→ Es kann »wabbeliges« Fettgewebe sein.
→ Es kann aber auch fester Knorpel bis hin zum harten Knochen fast ohne Wasser sein.
Die Pflege des Bindegewebes ist also für jeden von uns eine der wichtigsten Säulen zur Aufrechterhaltung körperlichen Wohlergehens. Wer da bei ersten Anzeichen von Übersäuerung rechtzeitig gegensteuert, seine Lebensweise und Ernährung umstellt, kann viele Krankheiten vermeiden. Lesen Sie dazu ab Seite 93 »Essen Sie sich gesund« und ab Seite 195 »Bewegung und Entspannung«.
Das ABC der Säurekrankheiten
Hinter vielen Krankheiten vermutet man auf den ersten Blick alles andere als eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes. Neben den Erkrankungen von Organen, die direkt durch ein Zuviel an Säure oder einen Basenmangel betroffen sind, bringt die Übersäuerung unseres Bindegewebes im ganzen Körper Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten aller Art hervor oder ist zumindest mitverantwortlich für eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit.
Phasen der Erkrankung
Unser Körper muss ständig Abbauprodukte wie Säuren und Gifte aus dem täglichen Stoffwechsel und aus der Umwelt ausscheiden. Das erledigen Darm, Nieren, Lunge und Haut. Sind die überlastet oder stehen zu wenig Mineralstoffe (Basen) zur Verfügung, werden die sauren Stoffwechselschlacken und Gifte zuerst im Bindegewebe abgelagert. Was wir dann als Krankheiten erleben, ist meist der Versuch unseres Körpers, diese Stoffe wieder loszuwerden. Wenn der Körper zu schwach ist, die Depots voll sind oder wir ihn an der Ausscheidung hindern, lagert er die Schlacken in immer tieferen Schichten ab und es kommt zu chronischen Krankheiten.
Gelungene Ausscheidung über Darm, Nieren, Haut, Lunge. Die Ausscheidungsorgane funktionieren optimal und der Körper hat genügend Mineralien (Basen), um die sauren Schlacken zu neutralisieren und auszuscheiden.
Versuch der Ausscheidung über eine Entzündung der Gelenke, der Haut (Dermatosen), der Schleimhäute und über Fieber. Unser Körper versucht, die Ausscheidung über Durchfall, Fieber, Schwellung oder Infekte zu erreichen. Wenn die Ausscheidungsorgane gesund sind und genügend Mineralien vorhanden sind, um die Säuren zu binden, sind wir nach so einer Krankheit in der Regel gesünder als vorher.
Gescheiterter Ausscheidungsversuch und Ablagerung in Form von Warzen, Leberflecken, Harnsäure (Gicht), Gallen- und Nierensteinen, Verhärtungen im Bindegewebe (Zellulitis). Der Körper versucht, mit diesen Ablagerungen wichtige Organe wie Herz und Blut zu schützen. Die Ablagerungen sind aber noch gutartig. Bis zu diesem Punkt ist unser Körper noch in der Lage, sich selbst zu regulieren, die Störungen finden im Bindegewebe statt und noch nicht in der Zelle. Diese Krankheiten der Akutphasen sind meist noch heilbar. Danach entstehen schwer heilbare und chronische Krankheiten.
Phase der Zellerkrankung mit Hautveränderungen, Diabetes, Geschwüren. Die Depots sind randvoll, unser Körper kann die Zellen nicht mehr ausreichend schützen. In dieser Phase werden die Krankheiten chronisch, weil die Ausscheidung der Säuren aus eigener Kraft nicht mehr gelingt. Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zu schweren Erkrankungen.
Phase des Zelluntergangs: Degeneration von Gewebe, Versteifung der Gelenke, Verhärtung von Organen, Herzinfarkt. Zellen sterben und die ersten Organe reagieren mit Funktionseinschränkung. Diese Vorgänge sind bereits lebensgefährlich. Die Ausscheidung und Körperregulation ist zunehmend blockiert.
Zellveränderung in Form von Krebs. Sauerstoff- und Nährstoffversorgung sowie der Abtransport der Schlacken aus den Zellen ist schwer eingeschränkt. Es kommt zu ungehemmtem Zellwachstum.
Die Lanser Säure-Basen-Studie
Dr. Alex Witasek, Leiter des Instituts für Regenerationsforschung in Lans, untersuchte 1994 im Rahmen einer Entgiftungskur die Einflüsse von basischen Mineralsalzen auf den menschlichen Organismus. 30 Patienten bekamen täglich 3x5 Kapseln Basenpulver verabreicht. Eine Kontrollgruppe von 30 Patienten bekam 3x5 Placebos (Kapseln ohne Wirkung). Die Auswertung der Laborergebnisse ergab vor allem eine positive Auswirkung von Basenpulver auf die Fließeigenschaft des Blutes. Fibrinogen, der Eiweißstoff, der die Blutgerinnung fördert, der rote Blutfarbstoff Hämoglobin und das Gesamteiweiß waren mit Basenpulver deutlich stärker gesenkt als ohne basische Mineralsalze.
→ Die deutliche Senkung der Fibrinogenkonzentration im Blutplasma bedeutet eine Vorbeugung gegen Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten mit Infarktrisiko und Hirnmangeldurchblutung mit Schlaganfall. Fibrinogen ist nicht nur ein Gerinnungsfaktor, sondern auch für die Zusammenballung der roten Blutkörperchen (Gerinnselbildung) verantwortlich. Dies beeinträchtigt stark die Durchblutungsintensität. Auch die Säurestarre der roten Blutkörperchen ist durch die erhöhte Konzentration des Fibrinogens verstärkt, sodass insgesamt ein erhöhter Blutdruck notwendig ist, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Die Kombination von Hochdruck, Zusammenballung der roten Blutkörperchen (Gerinnselbildung) und Säurestarre der roten Blutkörperchen ist ein hoher Risikofaktor für Gewebe mit erhöhtem Sauerstoffbedarf wie etwa das Nervensystem und das Herz.
→ Gelenk-, Glieder- und Kreuzschmerzen, Kopfschmerzen und Muskelverspannungen besserten sich deutlich durch das Basenpulver. Verantwortlich dafür ist die Bekämpfung des Schmerzes, der durch Übersäuerung bei Mangeldurchblutungen und chronischen Entzündungen entsteht.
→ Der Serum-Cholesterinspiegel sank bei der Basenpulvergruppe deutlich stärker als bei der Placebogruppe, was auf eine Leberaktivierung zurückzuführen ist, da diese nur im basischen Milieu optimal ihre Funktionen erfüllen kann.
→ Die Blutsenkungsgeschwindigkeit verringerte sich bei Patienten ab 60 Jahren deutlich durch Basenpulver, was eine Verminderung der Entzündungsaktivität widerspiegelt.
Es ist bemerkenswert, dass trotz des hohen Anteils von Natrium im verwendeten Basenpulver der Natriumspiegel im Blut der Basenpulvergruppe deutlich erniedrigt wurde, während er bei der Placebogruppe sogar leicht anstieg. So konnte zusammen mit den Verbesserungen der Fließeigenschaften der Bluthochdruck durch die Basenkapseln deutlich gesenkt werden.
Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und verringerte Merkfähigkeit durch Stressanpassung werden durch die Einnahme von Basenpulver erfolgreich bekämpft. Kurkrisen mit Kopfschmerzen oder Migräne, Übelkeit, Schwindel, Erbrechen oder Muskelkrämpfen traten in der Basenpulvergruppe bei 30 % der Patienten und in der Placebogruppe bei 70 % der Patienten auf.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Säuren im Organismus zu neutralisieren ist entscheidend für den Säure-Basen-Haushalt. Während einer Entgiftungskur tritt in den ersten Tagen in den meisten Fällen eine verstärkte Übersäuerung mit so genannten Entgiftungskrisen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schwindel und Müdigkeit auf. Durch Einnahme von Basenpulver konnten diese Krisen deutlich verringert werden. Eine Entgiftungskur sollte also immer von der Einnahme von Basenpulver begleitet werden.
Stadien der Übersäuerung
Es gibt verschiedene Stadien der Schwere einer Übersäuerung.
1. Grad: Idealzustand
Der Säure-Basen-Haushalt (Homöostase) ist im Gleichgewicht. Es gibt keinen Mangel an Pufferstoffen.
2. Grad: Latente Azidose oder versteckte Übersäuerung
In diesem Zustand befinden sich die meisten Menschen bei uns. Unsere Pufferreserven werden weniger, ohne dass sich der pH-Wert ändert, denn die Säuren können noch abgepuffert werden. Unsere Speicherdepots wie das Bindegewebe werden bereits mit Säuren gefüllt und die Basendepots bereits geleert. Die meisten fühlen sich bis auf kleine Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, kalte Füße, Verstopfung, Kribbeln oder Allergien ganz gesund. Alle diese Anzeichen für Übersäuerung werden auf andere äußere Ursachen geschoben.
3. Grad: Akute Azidose oder vorübergehende Übersäuerung
Mit einer akuten Infektionskrankheit sind wir schnell in einer akuten Azidose. Fieber oder Entzündungen sorgen verstärkt für eine saure Stoffwechsellage. Unsere Ausscheidungsorgane arbeiten auf Hochtouren, um durch Entzündungen, Fieber, Erbrechen oder Durchfall Toxine auszuscheiden. Wenn genügend Basenreserven vorhanden sind, stellt sich das Gleichgewicht wieder ein.
4. Grad: Chronische Azidose oder chronische Übersäuerung
Hier finden wir die chronischen Krankheiten wie Rheuma, Bronchitis, Asthma und Arthrosen. Die Basenreserven sind zunehmend erschöpft und erste Organveränderungen beginnen.
5. Grad: Lokale Azidose oder örtliche Übersäuerung
Durchblutungsstörungen durch die Säurestarre der roten Blutkörperchen, verminderte Fließfähigkeit des Blutes und Blutgerinnsel durch die Erhöhung des Fibrinogens können zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Aber auch Bandscheibenvorfall oder Abszesse gehören zu typischen Krankheitsbildern.
6. Grad: Säuretod
Die Säurekatastrophe hat viele Gesichter: tödlicher Gehirn- oder Herzinfarkt, Nierenversagen, Krebs oder Zuckerkoma.
So stellen Sie Ihre Übersäuerung fest
Viele unterschiedliche Symptome deuten auf eine Übersäuerung hin. Wir Menschen brauchen aber meist wissenschaftliche Beweise, um unser Verhalten zu verändern. Aber was misst man? Vielleicht das Blut? Was so nahe liegt, hat leider nicht viel Sinn. Denn zum einen schwankt der pH-Wert unseres Blutes laufend, wenn auch nur in ganz kleinem Rahmen zwischen 7,35 und 7,45. Noch wichtiger: Was unsere Beschwerden hervorruft, ist nicht unser übersäuertes Blut, sondern vielmehr die ständige Verminderung der Pufferkapazitäten. Die führt nämlich zu einer latenten Azidose. Allerdings lassen sich trotzdem aus dem Blut Messwerte gewinnen, die eine latente Azidose belegen. Dieser Bluttest nach Jörgensen muss allerdings in der Arztpraxis durchgeführt werden.
Urinprobe – der einfache Test
Die zweite Möglichkeit ist, die Säure dort festzustellen, wo sie ausgeschieden wird: im Urin. Das ist grundsätzlich möglich. Nur: Eine einzige Urinprobe hat da keine wirkliche Aussagekraft. Ist unser Urin sauer, kann einerseits eine Übersäuerung vorherrschen, es kann aber auch sein, dass unser Körper noch fähig ist, sich der überschüssigen Säuren über die Nieren zu entledigen. Zum anderen zeigt der Urin eines gesunden Menschen über den Tag gemessen ganz unterschiedliche pH-Werte. Schon 1953 beschrieb einer der Pioniere auf dem Gebiet des Säure-Basen-Haushalts ein Verfahren, das Rückschlüsse auf die vorhandenen Pufferkapazitäten erlaubt (→ Seite 60 »Der Urintest nach Sander«). Nachteil: Sie müssen die Proben in ein Labor einschicken. Aber es geht einfacher. Mit einem einfachen Lackmuspapier aus der Apotheke können Sie ganz ohne Arzt und Labor den Säuregehalt Ihres Urins messen und daraus Rückschlüsse auf Ihren persönlichen Übersäuerungsgrad ziehen.
»SAURE« KRANKHEITSSYMPTOME
Die unterschiedlichsten Krankheiten können ihre Ursachen in einer chronischen Übersäuerung haben. Und davon sind alle Teile unseres Organismus betroffen.
Kopfbereich: Kopfschmerz ohne ersichtliche Ursache, Entzündungen der Stirn- und Nasennebenhöhlen, allergische Reaktionen, Karies, Ohrgeräusche, Schwindel. Brustbereich: Atemwegserkrankungen, Herzdruck ohne EKG-Befund, Herzrhythmusstörungen.
Bauchbereich: Sodbrennen, Magenschmerzen, Magenkrämpfe, Magengeschwür, Gallen-, Nieren- und Blasensteine, Reizblase, Schwangerschaftsübelkeit.
Wirbelsäule und Gelenke: Osteoporose, langsame Knochenbruchheilung, Weichteilrheuma, Arthrosen, Bandscheibenschäden. Haut: Akne, Allergien, Neurodermitis, Schweißgeruch, trockene Haut, entzündete Haut, Pilzerkrankung.
Nervensystem: Antriebsschwäche, chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Energielosigkeit, depressive Verstimmung, Neuralgien.
So testen Sie selbst Ihren Urin
Die Säureausscheidung über die Nieren unterliegt einem bestimmten Rhythmus, der hauptsächlich vom 24 Stunden-Rhythmus unserer Leber bestimmt wird. Deshalb ist eine einzige Messung des Urins wenig aussagekräftig.
Neben der Grundversorgung an basischen Pufferreserven, die dafür sorgen, dass unser Blut-pH-Wert stabil bleibt, kommt es abhängig von der Tageszeit und den Mahlzeiten zu so genannten Basenfluten. Jede Mahlzeit regt die Produktion von Magensaft, aber auch von Natriumbikarbonat an, das dann die erwähnte Basenflut verursacht. Im Blut fällt sie nicht weiter auf, da dort die Basenreserven gleichmäßig gehalten werden. Wohl aber kann unser Harn einen deutlich basischen pH-Wert annehmen. Morgens nach dem Aufstehen, wenn die letzte Mahlzeit lange zurückliegt, ist Ebbe in unserem Basenmeer, und unser Urin wird deutlich sauer sein. Deshalb wird man mit einer Urinmessung wenig Aufschluss über seinen Übersäuerungszustand erhalten.
Vielmehr müssen Sie Ihre persönliche Harnsäurebestimmung mit insgesamt fünf Messungen dem biologischen Tagesrhythmus anpassen. Besorgen Sie sich dazu Teststreifen aus der Apotheke mit einem Bereich von pH 5,0 bis pH 8,0 und halten Sie diese Indikatorpapierchen direkt in den Urinstrahl. Anhand der Verfärbung lesen Sie den Säuregehalt Ihres Urins ab und tragen den Wert in ein Diagramm ein.
Probe 6 Uhr morgens
Dieser erste Urin des Tages wird beim Gesunden sauer sein, denn erstens fehlen mangels Nahrung die Basenfluten, und zweitens werden die nachts angefallenen Säuren ausgeschieden. Der Harn kann dabei pH-Werte zwischen 5,0 und 7,0 annehmen. Der Teststreifen färbt sich normalerweise gelblich. Es ist also ganz normal, dass der Urin morgens sauer ist.
Probe 9 Uhr morgens
Zwei bis drei Stunden nach dem Frühstück fällt diese zweite Probe durch die Basenflut nach dem Frühstück neutral bis leicht basisch aus. Der Wert pH-Wert sollte zwischen 7,0 und 8,0 liegen.
Probe 12 Uhr mittags
Diese Probe müssen Sie kurz vor dem Mittagessen nehmen. Die Basenfluten des Frühstücks sind weitestgehend abgebaut. Salzsäure und Natriumbikarbonat haben sich im Zwölffingerdarm wieder neutralisiert, der Rest an Basen hat die Basenreserven unseres Blutes aufgefüllt, das Bindegewebe von Säureresten freigespült oder wurde mit dem Harn ausgeschieden. Dazu kommt, dass unser normaler Stoffwechsel bis dahin neue Säuren produziert hat. Der pH-Wert unseres Harns sollte also leicht sauer bis neutral zwischen 7,0 und 7,5 liegen.
Probe 15 Uhr nachmittags
Noch unter der Einwirkung der mittäglichen Basenflut sollte unser Urin-pH-Wert einen deutlichen Sprung ins Basische machen. Die pH-Werte liegen bei gesundem Säure-Basen-Haushalt zwischen 7,5 und 8,5.
Probe 18 Uhr abends
Vor dem Abendessen zeigt sich wieder ein Säureüberschuss. Die letzte Basenflut ist Stunden zurück, und unser normaler Stoffwechsel hat neue Säuren produziert, was keinesfalls als Übersäuerung zu werten ist. Wer jetzt genügend Basenreserven hat, dessen Urin wird nur leicht im sauren Bereich landen. PH-Wertezwischen 7,0 und 8,0 sind normal.
Haben Sie keine Angst, wenn die Werte etwas darüber oder darunter liegen. Wichtig ist erst einmal, dass sich der pH-Wert »bewegt« und nicht über den ganzen Tag im sauren Bereich bleibt.
Interpretation des Kurvenverlaufes
Die Tageskurve, die sich durch die fünf Harnproben ergibt, hat bei einem gesunden Menschen einen typischen Zick-Zack-Verlauf. Es geht also nicht darum, den Urin kontinuierlich basisch zu halten, denn gerade der Rhythmus zwischen basisch und sauer zeichnet einen gesunden Säure-Basen-Haushalt aus! Versuchen Sie also nicht, durch übermäßige Basenzufuhr im basischen Bereich zu bleiben.
Die Kurve von Zuckerkranken ist häufig eine Gerade im sauren Bereich. Ebenso Kurven, die unbeeindruckt von den Basenfluten, die durch die Mahlzeiten ausgelöst werden, sich kaum aus der »Säuregeraden« bewegen und erst abends wieder einen normalen Säurepegel erreichen, deuten auf eine saure Stoffwechsellage hin.
Wer über mehrere Tage gemessen häufig unter oder über der angegebenen Schwankungsbreite liegt, kann sich mit einer einfachen Probe zusätzlich Klarheit verschaffen: Trinken Sie morgens auf nüchternen Magen 3 g Natriumbikarbonat oder 4 Tabletten Bullrichsalz, in einem Glas warmem Wasser aufgelöst. Das Frühstück müssen Sie an diesem Tag ausfallen lassen. 2 bis 3 Stunden später messen Sie mit einem Indikatorpapier aus der Apotheke Ihren Harn. Er sollte dann basisch sein. Ist das nicht der Fall, so ist eine Störung Ihrer Säure-Basen-Bilanz sehr wahrscheinlich und Sie sollten sich ärztlich untersuchen lassen. Eine entsäuernde Therapie ist dann dringend angesagt.
DER URINTEST NACH SANDER
Ein Pionier auf dem Gebiet des Säure-Basen-Stoffwechsels war Friedrich Sander, der schon 1953 eine diagnostische Methode zur Erfassung des Säure-Basen-Haushaltes beschrieb. Grundlage war die Erkenntnis, dass zu verschiedenen Tageszeiten hauptsächlich abhängig vom Leberrhythmus (→ Seite 61) auch unterschiedliche Mengen an Säuren und Basen mit dem Harn ausgeschieden werden.
Die logische Konsequenz: Die Pufferkapazität des Harns wird anhand eines Tagesprofils bestimmt. Das erfordert Urinproben um 6.00 Uhr, 9.00 Uhr, 12.00 Uhr, 15.00 Uhr und 18.00 Uhr.
Ein Labor bestimmt zunächst den pH-Wert der Proben. Danach werden mit basischem Natriumbikarbonat (NaOH) und saurer Salzsäure (HCl) die Messzahlen für die Pufferkapazitäten (Aziditätsquotient = AQ-Werte) im sauren und basischen Bereich bestimmt und in Form eines Tagesprofils dargestellt. Daraus berechnet sich dann ein Index als Maß für die gesamte Pufferkapazität des Harns. Die Methode nach Sander ermittelt also nicht nur die pH-Werte, sondern auch die noch vorhandenen Pufferkapazitäten.
Die Leber – unser Alchimist
Die Leber ist das Hauptorgan für den Stoffwechsel im Körper, der »Alchimist im Bauche«, das sagte schon Paracelsus. Wie wichtig sie für uns ist, zeigt, dass die Natur gegen ihre vorzeitige Zerstörung zwei Methoden einsetzt: Erstens ist das Lebergewebe eigentlich über die physiologisch notwendige Größe hinaus überdimensioniert, und zweitens ist die Leber außerordentlich regenerationsfähig. Heilbare Leberleiden können sich in einer Woche deutlich bessern und in einem Monat ausheilen. Dazu gehört allerdings nicht die fortgeschrittene Leberzirrhose.
Die Leber gibt den Takt vor
Der Rhythmus unserer Mahlzeiten richtet sich nicht zufällig nach der Leber. Schon länger weiß man, dass unsere Leber zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr Abfallprodukte unseres Stoffwechsels, etwa durch Basen neutralisierte Säuren, speichert, um sie dann in der Nacht zu entsorgen. In dieser Zeit stellt sie uns auch den für die Verdauung so wichtigen Gallensaft zur Verfügung. Der Höhepunkt der Leberaktivität liegt dann in der Mittagszeit so gegen 14 Uhr. Mahlzeiten zur rechten Zeit – geregelte Mahlzeiten eben – haben also durchaus ihren Sinn.
Säurekrankheiten von A–Z
Etliche Krankheitsbilder zeigen, dass eine Übersäuerung des Körpers eine oft nicht unwichtige Rolle spielt. Im komplizierten Zusammenspiel der Organe und Körperfunktionen kann es entscheidend sein, einer Übersäuerung entgegenzuwirken bzw. Säuren und Basen in der richtigen Balance zu halten.
Allergien
Kaum eine andere Krankheit hat so hohe Zuwachsraten wie die Allergien. Kein Wunder, denn die Zunahme läuft parallel mit der Verbreitung von Chemikalien in unserer Umwelt. Von den weltweit etwa 10 Millionen registrierten Chemikalien kommen wir täglich mit 60.000 bis 80.000 in Kontakt! Die Möglichkeiten, allergisch zu reagieren, sind also unendlich. Es wird vermutet, dass heute bereits jeder Zweite unter allergischen Symptomen leidet, meist ohne es zu wissen. Dabei kann unser Körper auf alle Stoffe sofort oder bis zu 24 Stunden verzögert allergisch reagieren, mit denen er über die Haut und die Schleimhaut (Darm und Bronchien) in Verbindung kommt. Jedes Mal, wenn eine Zelle unseres Immunsystems im Blut oder in verschiedenen Körpergeweben auf einen körperfremden Stoff trifft, löst sie eine Kettenreaktion aus, an deren Ende die allergischen Symptome stehen. Diese Reaktion auf eigentlich unschädliche Substanzen kann angeboren, aber auch erworben werden.
Bei fast jedem Allergiker zeigt sich eine erhöhte Einlagerung von Stoffwechselgiften und Säuren im Körper. Der genaue Zusammenhang ist allerdings noch nicht geklärt. Zusätzlich entgleist bei ständig übersäuertem Bindegewebe unser Immunsystem.
Auch noch ein anderer interessanter Mechanismus legt eine Verbindung zwischen Allergie und Übersäuerung nahe. So werden bei einem Kalziummangel große Mengen Histamin ausgeschüttet. Dieses Gewebshormon regt die Belegzellen unseres Magens dazu an, durch Kochsalzspaltung Natriumbikarbonat zu bilden. Dabei muss man wissen, dass Histamin auch eine Mittlersubstanz ist, die bei Allergien Rötungen, Schwellungen und juckende Quaddeln auf der Haut hervorruft.
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