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Fünfseenland
Heide Marie Karin Geiss
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Alle Rechte vorbehalten
1. Auflage 2019
Lektorat: Isabell Michelberger
Satz: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Benjamin Arnold
unter Verwendung eines Fotos von: © susine/Fotolia.com, © Mandragora/iStock.com, © Fosin2/iStock.com
Alle Bilder stammen von der Autorin Heide Marie Karin Geiss
Kartendesign: maps4news.com/©HERE
Druck: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten
Printed in Germany
ISBN978-3-8392-5920-7
Inhalt
Impressum
Karte
1 In dreißig Minuten durchs Sonnensystem
Planetenweg Starnberg, Start: Bürgerpark Schiffswiesen
2 Unter zwei Dächern
Museum Starnberger See in Starnberg
3 Die ganze Welt ist Bühne
Friedhof an der Hanefelder Straße in Starnberg
4 Behörde in herrschaftlichen Gemäuern
Schloss Starnberg hoch über dem Ort
5 Keltisch oder christlich – die drei Bethen
Kirche St. Alto in Starnberg-Leutstetten
6 Ehrensalut für bayerischen Märchenkönig
Votivkapelle St. Ludwig in Berg
7 Monumentale Kunst mit Panoramablick
Bismarckturm in Berg-Leoni (Assenhausen)
8 Besuch bei der Mutter auf der Anhöhe
Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Berg-Aufkirchen
9 Ein Bayer mit Lederhose in New York
Oskar-Maria-Graf-Denkmal in Berg-Aufkirchen
10 Zu Gast bei Biene Maja
Székler-Tor in Münsing
11 Bestens speisen mit Seeblick
Gasthof Zum Fischmeister in Münsing-Ambach
12 Alte Schmiede als kreativer Ort
Töpferei Corinna Post in Münsing-Holzhausen
13 Traditionelles Wirtshaus mit viel Geschmack
Gasthaus & Metzgerei Zum Altwirt in Münsing
14 Der Graf und sein Kasperl Larifari
Pocci-Denkmal in Münsing
15 Zwei Herren in der Badewanne
Loriot-Denkmal in Münsing
16 Pflanzerl, die absoluten Verkaufsschlager
Fischereihofladen & Bootsverleih Sebald in Münsing-Ammerland
17 Erst Eiszeit, dann prima Badespaß
Dietlhofersee in Weilheim
18 Sakrales Schmuckstück in üppiger Pracht
Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Weilheim
19 Kultiges Bier in der Region
Brauerei Dachsbräu in Weilheim
20 Hier schlägt das kulturelle Herz der Stadt
Stadttheater in Weilheim
21 Bürgermeisteramt in historischem Gemäuer
Deichstetterhaus in Iffeldorf
22 Glück auf
Bergwerkmuseum in Penzberg
23 Spazierweg in einer Blüte
Schaugarten in Seeshaupt
24 Was machen Giraffen am See?
Buchheim Museum in Bernried
25 Idyllisch gelegen und preisgekrönt
Bauernhaus Beim Stupper in Bernried
26 So weit das Auge reicht
Gastwirtschaft Forsthaus Ilkahöhe über Tutzing
27 Treffpunkt auf dem historischen Dampfer
Museumsschiff Tutzing in Tutzing
28 Historisches entdecken in alten Gemäuern
Ortsmuseum in Tutzing
29 Kino macht Freude und Freunde
KurTheater in Tutzing
30 Der Eiskönig und sein kaltes Reich
Eisdiele Corallo in Tutzing
31 Gut aufpassen, ihr Löwen!
Häring Midgardhaus in Tutzing
32 Prächtiger Halt für Sisis Sonderzug
Bahnhof in Feldafing
33 Herzlich willkommen, Euer Majestät
Kaiserin Elisabeth Museum in Possenhofen
34 Lebendige Kultur im Herzen des Dorfes
Literaturcafé Waschhäusl in Pöcking
35 Das Beste ist halt immer gut
Metzgerei Lutz in Pöcking
36 Eldorado für Naturliebhaber
Maisinger See bei Pöcking-Maising
37 Rittergeschlecht zeigt guten Geschmack
Schloss Fußberg in Gauting
38 Ein aromatischer Duft liegt in der Luft
Kaffeerösterei am Ammersee in Herrsching
39 Verspieltes Landhaus für Geselligkeit
Kurparkschlösschen in Herrsching
40 Adelskirche für die Römer
Archäologischer Park in Herrsching
41 Oh Wanderer, verweil nur hier
Hotel Gasthof zur Post in Herrsching
42 Tradition in bayerischer Idylle
Hotel garni zur Post in Andechs-Erling
43 Die fromme Helene auf dem Heiligen Berg
Kloster Andechs in Andechs
44 Alles glänzt in rotem Gold
Kupfermuseum Fischen in Pähl-Fischen
45 Hier ist die Welt noch in Ordnung
Pfarrkirche St. Remigius in Raisting
46 Auf spannender Zeitreise
Heimatmuseum im Alten Pfarrhof in Raisting
47 Ein Mann und seine zwei Lieben
Otto-Hellmeier-Kulturhaus in Raisting
48 Direkter Draht zum Mann im Mond
Radom-Erdfunkstelle in Raisting
49 Erleben Sie Ihr blaues Wunder
Vogelfreistätte Ammersee-Südufer in Dießen
50 Vom Dschungel zum romantischen Paradies
Schacky-Park in Dießen
51 Dieser Ton macht keine Musik
Pavillon am See in Dießen
52 Der Mann mit dem goldenen Fisch
Statue Der Diez in Dießen
53 Die Welt en miniature
Zinngießerei Schweizer in Dießen
54 Ausflug in den Himmel
Kirche Marienmünster in Dießen
55 Klettermaxe auf einem Piratenschiff
Hochseilgarten Ammersee in Utting
56 Skandinavische Schönheit
Die evangelische Kirche in Utting
57 Romantische Villa mit Charme
Künstlerhaus Gasteiger in Utting-Holzhausen
58 Die Scholle und ein Hauch von Bohème
Friedhof bei der Kirche St. Ulrich in Utting-Holzhausen
59 Musikgenuss in barocker Pracht
Historisches Rathaus in Landsberg
60 Große Kunst zu kleinem Preis
Kunstautomat in Landsberg
61 Spektakulär und ganz ungewöhnlich
Autobahn- und Pfarrkirche Maria am Wege in Windach
62 Hilft bei vielen Zipperlein
St. Ulrichbrunnen in Eresing
63 Zusammenspiel von Nadel und Faden
Nähmaschinenmuseum im Kloster St. Ottilien bei Eresing
64 Gesprühte Kunst an Klosterwänden
Druckerei des Klosters St. Ottilien bei Eresing
65 Wie aus dem Märchenbuch
Fuggerschloss in Türkenfeld
66 Im Windbeutel-Paradies
Bäckerei Lindner in Schondorf
67 Das ungleiche Paar
Wilhelm-Leibl-Haus in Schondorf
68 Wölfe aus Schwemmholz und Eisen
Skulpturenweg am Ammersee zwischen Schondorf und Eching
69 Traditionsreiche Institution im Ort
Wirtshaus Zum Wastl in Schondorf
70 Vollkommener Ablass zu gewinnen
St. Jakobskapelle in Schondorf
71 Symbol fördert Harmonie im Rathaus
Hagal-Rune-Brunnen in Schondorf
72 Musiknoten aus Stein
Skulptur Einklang in Inning-Stegen
73 Zwei Schiffe gehen auf Reisen
MS Utting, Heimathafen in Inning-Stegen
74 Riesiger Heiliger hilft in Notfällen
Wallfahrtskirche St. Rasso in Grafrath
75 Garten der Erinnerung
Neuer Friedhof in Inning
76 Schattenspender und Naturdenkmal
Eichenallee in Seefeld
77 Buntes Leben in historischen Gemäuern
Schloss Seefeld in Seefeld
78 Gemütlich, bayerisch, gut
Gasthof Ruf in Seefeld-Oberalting
79 Beeindruckend schöner Dorfmittelpunkt
St. Peter und Paul Kirche in Seefeld-Oberalting
80 Auf den Spuren eines rätselhaften Volks
Keltenpavillon in Wörthsee-Steinebach
81 Erholung am begehrten Seeufer
Paradieswinkel Gasthof Woerl in Seefeld
82 Auf dem Holzweg über dem Moor
Rundweg um den Wörthsee mit Start in Wörthsee-Steinebach
83 Beliebter Treffpunkt der Einheimischen
Gasthof Alter Wirt in Seefeld-Hechendorf
84 Das Lied vom Glöcklein
Wallfahrtskapelle Mariä Hilf in Weßling-Grünsink
85 Vorhang auf für Kunst und Kultur
Pfarrstadl in Weßling
86 Beliebter Treffpunkt vieler Künstler
Gemeindegalerie in Weßling
87 Kalorienzählen unerwünscht
Aenishänslin, Café am See, in Weßling
88 Bayerisch gekocht, italienisch gewürzt
Il Plonner – der Dorfgasthof in Weßling-Oberpfaffenhofen
Karte


1 In dreißig Minuten durchs Sonnensystem
Planetenweg Starnberg, Start: Bürgerpark Schiffswiesen
Wer nach den Sternen greifen will, hat auf dem 2017 eröffneten Planetenweg Starnberg Gelegenheit dazu. Der interessante, rund zwei Kilometer lange Spaziergang am See beginnt im 2016 eröffneten Bürgerpark Schiffswiesen. Ebenso aufregend wie die Entdeckung von Sonne und Planeten gestaltete sich die Entstehung dieses ungewöhnlichen Vorhabens.
15 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Gymnasiums Starnberg hatten zusammen mit ihrem Physiklehrer 2016 die Idee hierzu. Allerdings mussten vor dem Start im Herbst des gleichen Jahres noch Stadt und Landrat dem Vorhaben zustimmen. Die Bürgermeisterin ließ rasch ein Spendenkonto einrichten, denn nach ihrer Meinung böte der Planetenweg eine interessante Erweiterung des touristischen Angebots für Stadt und Region. Rund 15.000 Euro Kosten veranschlagten die Schüler für das Projekt. Die Sponsorensuche war nach weniger als einem Jahr abgeschlossen.
Wesentlich schwieriger zu klären war die Frage, in welchem Maßstab die Planeten dargestellt werden sollten. Die Lösung: Bei einem Maßstab von 1 zu 2,25 Milliarden befindet sich das letzte der zehn Objekte zwei Kilometer entfernt vom ersten. Diesem Maßstab entsprechend besitzt die Sonne einen Durchmesser von stolzen vier Metern. Damit sie nicht so gigantisch die Umgebung dominiert und statische Probleme mit sich bringt, ist sie als Halbkreis mit einem Durchmesser von nur zwei Metern abgebildet.
Die Planeten schweben auf 1,70 Meter hohen Stahlstelen in modernem Design. An den Vorderseiten sind Infotafeln angebracht. Dank QR-Codes können weitere Bilder und Informationen abgerufen und an einem Rätselspiel teilgenommen werden.
Der unterhaltsame Weg mit einer reinen Gehzeit von rund 30 Minuten führt immer entlang des Seeufers bis zum Neptun, der letzten Station nahe dem Pelletweg.
Tipp: Zwei Starnberger Eisverrückte bieten in ihrer Eisdiele Eiswerkstatt am Kirchplatz (Wittelsbacherstraße 9) bis zu 18 Sorten Eis an. 100 % natürliche Zutaten und selbst hergestellt – man schmeckt’s!

Planetenweg Starnberg /// Start: Bürgerpark Schiffswiesen ///
Dampfschiffstraße 5 /// 82319 Starnberg ///
Weitere Informationen erhalten Sie bei der
Tourist-Information Starnberg /// Hauptstraße 1 ///
82319 Starnberg /// 0 81 51 / 9 06 00 /// www.sta5.de ///
2 Unter zwei Dächern
Museum Starnberger See in Starnberg
Das Museum Starnberger See besteht tatsächlich aus zwei Gebäuden: das unter Denkmalschutz stehende sogenannte Lochmannhaus nahe der Bahntrasse Starnberg-Tutzing und der moderne 2008 eröffnete Museumsbau an der Possenhofener Straße, das Neue Haus. Beide Museen erzählen von der ganz unterschiedlichen Nutzung des Starnberger Sees im Laufe vieler Jahrhunderte.
Allein schon das um 1520 errichtete Lochmannhaus ist ein Museum. Das Bauernhaus, ältester Holzblockbau der Region, wurde von Münchner Patriziern als Landsitz für die Sommermonate erbaut. Die gotische Stube im oberen Geschoss weist heute noch die Originalvertäfelung aus dem frühen 18. Jahrhundert auf. Im Untergeschoss befindet sich die ehemalige Küche mit gemauerter Kochstelle. Noch bis zum Jahr 1911 war das historische Gebäude bewohnt.
1913 schlossen sich engagierte Bürger zum Museumsverein für den Würmseegau, Verein für Volkstum und Heimat, zusammen mit dem Ziel, ein Heimatmuseum zu gründen. Bis 1962 hieß der Starnberger See noch Würmsee. Am 9. Juli 1914 konnte das Museum im Lochmannhaus eröffnet werden. Sogar König Ludwig III. erschien zur Eröffnungsfeier.
In den drei Ausstellungsräumen zählt die wertvolle Starnberger Heilige (1755) von Franz Ignaz Günther (1725–1775), Bildhauer und Vertreter des bayerischen Rokokos, zu den absoluten Highlights. Die 1,80 Meter große Heiligenfigur mit ihrem schönen, vom Schmerz gezeichneten Gesicht zeigt vermutlich Maria Magdalena. Weitere Sehenswürdigkeit sind das Modell des Prachtschiffs Buzentaur, auf dem bayerische Herrscher legendäre Seefeste feierten, und das sieben Meter lange Ruderboot Delphin, das 1835 für König Ludwig I. gebaut wurde. Beide sind im Neuen Haus zu finden, neben weiteren Zeitzeugen der Wittelsbacher Lustschifffahrt.
Tipp: Die Elektro-Ruder- und Tretboote vom Schiffsverleih Schropp (Seepromenade, Bootshaus 4) sind keine höfischen Prachtschiffe. Aber es macht Spaß, den See aus einer anderen Perspektive zu erleben!

Museum Starnberger See /// Possenhofener Straße 5 ///
82319 Starnberg /// 0 81 51 / 4 47 75 70 ///
www.museum-starnberger-see.de ///
3 Die ganze Welt ist Bühne
Friedhof an der Hanefelder Straße in Starnberg
Nähert man sich Starnberg – sei es gemütlich mit dem Dampfer oder schnell mit dem Auto –, grüßt von Weitem schon die denkmalgeschützte einschiffige Kirche St. Josef (1764–70). Das Rokoko-Gotteshaus zeigt sich mit dem klassischen bayerischen Doppelzwiebeldach. Das sehenswürdige Innere des Gebäudes präsentiert üppige Ausstattung, beispielsweise Stuckaturen des berühmten Stuckateurs Franz Xaver Feuchtmayer d.J. aus der genauso bekannten Wessobrunner Schule. Zu der Kirche gehört eine ebenfalls sehenswerte Friedhofsanlage, die aus dem späten 19. Jahrhundert stammt. Im Unterschied zu anderen Gottesäckern dieser Größenordnung sind auf dem Friedhof an der Hanefelder Straße die Gräber nicht nummeriert, obwohl etliche Berühmtheiten auf diesem Gottesacker ihre letzte Ruhestätte fanden.
Zu den bekannten Persönlichkeiten zählt der bedeutende Regisseur, Schriftsteller und Theaterleiter Otto Falckenberg (1873–1947). »Die ganze Welt ist Bühne und alle Fraun und Männer blosse Spieler« steht auf seinem Grabstein. Falckenberg, Sohn eines Hofmusikalienhändlers, war im Jahr 1900 Mitbegründer des Goethe-Bundes und 1901 des literarischen Kabaretts Die Elf Scharfrichter. Von 1917 bis 1944 war er Direktor und künstlerischer Leiter der Münchner Kammerspiele. Schauspieler wie Heinz Rühmann, Therese Giese oder Elisabeth Flickenschildt verdanken ihm ihre Entdeckung. In Erinnerung an den großen Meister wurde die den Kammerspielen angeschlossene Schauspielschule in Otto-Falckenberg-Schule umgetauft. Sie ist eine der renommierten Fachakademien für Darstellende Kunst.
Auch der Dramatiker, Journalist und Erzähler Georg Queri (1879–1919) sowie der Schriftsteller Gustav Meyring (1868–1932), die Beiträge für den Simplicissimus schrieben, sind hier begraben.
Tipp: In der Haneberger Straße finden Sie das Gasthaus Zur Sonne mit bayerischer Küche. Die angeschlossene Metzgerei (mit Imbisstheke) wurde mehrfach prämiert. www.scholler-starnberg.de

Friedhof an der Hanefelder Straße ///
Hanefelder Straße 40 a /// 82319 Starnberg ///
4 Behörde in herrschaftlichen Gemäuern
Schloss Starnberg hoch über dem Ort
Wer die Autobahn von München kommend bergab nach Starnberg fährt, sieht schon von Weitem das Schloss Starnberg, eines der ältesten Schlösser der Fünfseenregion. Wann genau die einst mächtige Burganlage auf einem lang gestreckten Bergzug erbaut wurde, lässt sich nicht mehr exakt datieren, vermutlich im 11. Jahrhundert. 1244 wurde die Burg erstmals unter dem Namen Starnberch castrum erwähnt.
Dem Grafen von Andechs diente sie als Verteidigungsburg gegen die nahe gelegene Karlsburg der Wittelsbacher im Würmtal bei Leutstetten. Von der Karlsburg ist heute nur noch der Burgstall erhalten. Nach dem Tod des letzten Andechsers im Jahr 1248 verleibten sich die Wittelsbacher dessen Burg ein. Als das Gebäude seine militärische Bedeutung verloren hatte, diente es als Sommerwohnsitz.
Im 15. Jahrhundert baute man die Burg in ein komfortables Schloss um – ganz im Stil der damals so beliebten Renaissance. Das Gemälde aus dem Jahr 1541 an der Außenmauer der Schlossfassade erzählt von dieser Zeit. 1643 zerstörten die Schweden große Teile des Schlosses. 1734 vernichtete ein Brand die inzwischen barocken Mauern. Was das Feuer übriggelassen hatte, verfiel zusehends im Laufe der Jahre. Ab 1803 bezogen Rent- und Forstamt das Schloss.
Nach einer umfassenden Restaurierung zog das Finanzamt in die historischen Gemäuer ein. Im 2001 umgebauten historischen Säulensaal befindet sich das Servicezentrum der Behörde. Ein tiefer Graben, über den sich eine dreibogige Brücke spannt, trennt die frei zugängliche Gartenanlage, die einstige Vorburg, von der Hauptburg. Der Lustgarten wurde 1764 in einen Nutzgarten mit Obst und Gemüse umgewandelt. 1979 erhielt die Gartenanlage mit traumhaftem Ausblick auf den See und die komplette Alpenkette ihren barocken Charakter wieder.
Tipp: Die Literaturzeitschrift Starnberger Hefte ist aus einem Literaturzirkel am Gymnasium des Ortes hervorgegangen; zu beziehen in der Starnberger Buchhandlung Bücherjolle. www.starnberger-hefte.de

Der Weg ist gut ausgeschildert (zum Finanzamt)
und von Weitem erkennen Sie
Schloss Starnberg /// Schlossbergstraße ///
82319 Starnberg /// www.finanzamt.bayern.de ///
5 Keltisch oder christlich – die drei Bethen
Kirche St. Alto in Starnberg-Leutstetten
Leutstetten nördlich von Starnberg ist vielen Ausflüglern vor allem wegen seiner Schlossgaststätte und dem herrlichen Biergarten bekannt. Die Wirtschaft ist Eigentum von Luitpold Prinz von Bayern, der im nahen Schloss Leutstetten 1951 geboren wurde und Urenkel des letzten Königs von Bayern, Ludwig III., ist. Prinzessin Elisabeth, die spätere Kaiserin von Österreich, gastierte ab und zu in dem im Stil der Renaissance erbauten Gebäude. Unmittelbar neben der Gastwirtschaft steht die kleine Kirche St. Alto, die mit zwei Besonderheiten aufwartet!
An der südlichen Kirchenwand unter der Westempore fällt eine Holztafel aus dem Jahr 1643 auf. Zu sehen sind die drei Bethen, eine christliche Dreiergruppe, bestehend aus den Heiligen Einbeth, Warbeth und Wilbeth. Die Damen stehen vermutlich in engem Zusammenhang mit den drei heidnischen heiligen Schwestern Ainpet, Gberpet und Firpet, deren Geschichte bis hin zu den keltischen Göttinnen zurückreicht. Das Trio soll Familien beschützen, bei Geburten helfen und den Kindersegen fördern.
Das zweite Highlight in dem Gotteshaus ist ein alter, römischer Grabstein, der unter dem Seitenaltar eingemauert wurde. Darauf findet sich der Lebenslauf des vermutlichen Besitzers des römischen Gutshofes im Leutstettener Moos nahe Leutstetten. Herr Pintamus, ein Veteran der römischen Armee, stammte aus Braga in Nordportugal. Er machte im Militär Karriere und wählte zusammen mit seiner Frau den Gutshof als Altersruhesitz.
Woher man das alles weiß? Anfang 2002 stieß man auf Reste einer Villa Rustica aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., die nur etwa 50 Jahre existierte. Zu den zahlreichen Fundstücken zählte der besagte Grabstein, der vermutlich von der Gattin nach dem Tod ihres Gatten in Auftrag gegeben wurde.
Tipp: Esoterisch interessierte Wanderer suchen die Bethenquelle auf, die nahe dem Leutstettener Kirchlein sprudelt. Das Quellwasser soll bei Augenleiden und Gedächtnisschwäche helfen.

Kirche St. Alto /// Altostraße 7 A ///
82319 Starnberg-Leutstetten ///
6 Ehrensalut für bayerischen Märchenkönig
Votivkapelle St. Ludwig in Berg
Das Leben von König Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach (1845–1886) endete nahe Schloss Berg am 13. Juni 1886 tragisch im Starnberger See. An diesem Tag unternahm der König, der bis heute in Bayern viele Anhänger hat, kurz nach 18 Uhr einen Spaziergang am See, zusammen mit seinem Arzt Dr. von Gudden. Als beide um 20 Uhr nicht zum Abendessen zurückgekehrt waren, machte sich ein Suchtrupp auf den Weg. Gegen 22.30 Uhr fand man die Leichen des Königs und Dr. von Guddens im seichten Wasser des Seeufers.
Noch immer ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um die Todesursache des Monarchen, die bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Ein Jahr nach dem tragischen Tod des Märchenkönigs ließ seine Mutter, Königin Marie, eine sieben Meter hohe, gotische Totenleuchte oberhalb der offiziellen Todesstelle errichten.
Nachdem der Ruf nach einer Gedenkstätte für Ludwig II. immer lauter geworden war, begannen 1896 im Park von Schloss Berg die Arbeiten zum Bau einer Gedächtniskirche. Der imposante achteckige Bau wurde innerhalb von vier Jahren im frühgotischen Stil aus Sandstein errichtet. Die beiden Freitreppen lassen das Kirchlein wie ein Monument erscheinen. In seiner Kuppel versteckt sich ein zauberhaftes Fresko mit dunkelblauem Sternenhimmel.
Alljährlich findet am Sonntag nach dem 13. Juni eine Gedenkmesse in dem kleinen Gotteshaus statt, bei der stets ein Vertreter des Hauses Wittelsbach anwesend ist. Darüber hinaus erweisen etliche Fahnenabordnungen, die Chevaulegers, Reiter des 4. Königlich Bayerischen Regiments in historischen Uniformen, Ehrengäste der Vereinigung Ludwig II. – Deine Treuen und Blasmusikanten dem König die Ehre. Zum Abschluss der Feierlichkeiten wird lautstarkes Ehrensalut abgefeuert – in stillem Gedenken an den Kini.
Tipp: In der Pizzeria Bachmayrs Dadabei im Sportverein (Lohacker 2) in Berg geht es gemütlich zu. Die Pizza mit hauchdünnem Boden ist genauso lecker wie preisgünstig. Telefon 0 81 51 / 51 5 74.

Votivkapelle St. Ludwig /// Im Park von Schloss Berg ///
Nähe König-Ludwig-Weg /// 82335 Berg ///
www.vereinigung-ludwig-ii-deine-treuen.de ///
7 Monumentale Kunst mit Panoramablick
Bismarckturm in Berg-Leoni (Assenhausen)
Auf einer Anhöhe über dem Starnberger See nahe dem Berger Ortsteil Leoni thront der Bismarckturm. Dieses monumentale Denkmal ist dem Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck (1815–1898) gewidmet. Von hier aus genießt man einen schönen Blick auf Teile des Sees und die Alpenkette. Besonders bei Föhn erscheinen die unzähligen Bergspitzen zum Greifen nahe.
Doch warum errichteten die Bayern auf diesem genialen Aussichtsplatz dem preußischen Politiker einen 30 Meter hohen, klotzigen Turm? Bayern trat als letzter süddeutscher Staat dem Deutschen Reich bei – der geschickten Verhandlungstaktik von Bismarck sei Dank!
Angeregt wurde der Turmbau von dem Münchner »Malerfürst«, dem berühmten Franz von Lenbach (1836–1904), der den Politiker mehrmals porträtierte. Die 1890 gegründete Vereinigung zur Ehrung Seiner Durchlaucht des Fürsten Bismarck beschloss den Bau des Turmes auf dem 1894 erworbenen Panoramaberg. Am 25. April 1896 wurde der Architekt Theodor Fischer, der sich in zwei Wettbewerben als Sieger durchgesetzt hatte, mit der Realisierung seines Entwurfs beauftragt.
1899 war der mehrstufige Turm aus Kalk- und Tuffstein mit umlaufender großer Wandelhalle vollendet. Da es sich um einen Ehrenturm handeln sollte, konnte man auf den ursprünglich vorgesehenen Aussichtsturm verzichten. Hierdurch reduzierten sich die veranschlagten Baukosten von 300.000 Mark auf 190.000 Mark.
Zur feierlichen Einweihung am 1.7.1899 erschienen mehr als 1.600 geladene Gäste aus Politik, Kunst und Kultur. Die Seitenflächen des Turmes zieren zahlreiche Reliefs, die im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte stehen. In trinitate robur (In der Dreiheit liegt die Kraft), der Wahlspruch des Eisernen Kanzlers, ist auch heute noch unter dem Reichsadler mit Bismarck-Wappen an der Südseite des Turmes zu lesen.
Tipp: Das Wirtshaus Müllers auf der Lüften bietet solide Hausmannskost (Soljanka probieren!) und zwei Kegelbahnen. Jägerberg 20, 82335 Berg, 0 81 51 /4 44 36 66, www.muellers-aufderlueften.de.

Wenn Sie kurz nach Assenhausen (in Richtung Allmannshausen)
von der Berger Straße rechts in die Dürrbergstraße abbiegen,
kommen Sie auf dem gut beschilderten Weg zum
Bismarckturm /// 82335 Berg-Leoni (Assenhausen) ///
www.gemeinde-berg.de ///
8 Besuch bei der Mutter auf der Anhöhe
Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Berg-Aufkirchen
Der kleine Ort Aufkirchen existiert bereits seit dem Ende des 10. Jahrhunderts. Sein Name bedeutet nichts anderes als Kirche auf einer Anhöhe und bezeichnet damit treffend seine Lage auf einem lang gezogenen höheren Moränenhügel. Auch die einschiffige Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt thront 680 Meter ü.d.M. und grüßt daher schon von Weitem die Gläubigen.
Das spätgotische Gotteshaus stammt aus dem 15. Jahrhundert. Bereits im Mittelalter entwickelte es sich zu einem derartig beliebten Wallfahrtsort, sodass 1499 ein Neubau errichtet werden musste, um den Gläubigen genügend Platz zu bieten. Wegen ihrer immensen Beliebtheit wurde die Wallfahrtskirche um 1720/30 in den Zyklus der 13 bedeutendsten bayerischen Marien-Wallfahrtsorte aufgenommen. Für die Pilger, die mit dem Schiff anreisten, entstand 1857 von Leoni nach Aufkirchen ein Kreuzweg mit 14 Stationen.
Bedingt durch ihre exponierte Lage war die Kirche ständig Naturgewalten ausgesetzt. Im Laufe der Geschichte des Gotteshauses mussten oft umfangreiche Reparaturen ausgeführt werden. Im Jahr 1734 schlug beispielsweise ein Blitz nahe des Kirchturms ein, der anschließend bis auf die Grundmauern niederbrannte. Der heutige Turm mit seiner charakteristischen Haube (1795/96) stammt von dem Stadtbaumeister und Mönch Matthias Widmann. Im 19. Jahrhundert wurde ein neues Pfarrhaus errichtet.
Der alte Pfarrhof dient seit dem 18.9.1896 als Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen, ein in strenger Klausur lebender Orden. Nach wie vor ist die hübsche Wallfahrtskirche Ziel vieler Gläubiger. Bei der jährlichen feierlichen Hauptwallfahrt am 15. August pilgern mehr als 1.000 Gläubige zur Mutter von Aufkirchen, wie das Gotteshaus genannt wird.
Tipp: Der geschichtsträchtige Gasthof Post bietet gute bayerische Küche unter Verwendung vorwiegend regionaler Zutaten. Übrigens auch für Nicht-Wallfahrer! www.post-aufkirchen.de

Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt /// Marienplatz ///
82335 Berg-Aufkirchen /// 0 81 51 / 9 98 79 80 ///
www.pfarrgemeinde-aufkirchen.de ///
9 Ein Bayer mit Lederhose in New York
Oskar-Maria-Graf-Denkmal in Berg-Aufkirchen
Der Schriftsteller Oskar Maria Graf (1894–1967) soll kantig, eckig, aber immer selbstironisch gewesen sein. Der rebellische Zeitgenosse tauchte tief in die bayerische Seele ein, zeigte sich aber auch gerne politisch. Beispielsweise empörte sich der Bajuwaren-Dichter am 12. Mai 1933 in der Wiener Arbeiter-Zeitung darüber, dass seine Bücher nicht von den Nazis verbrannt wurden. »Verbrennt mich!«, forderte er in dem Artikel, damit »meine Bücher nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen.«
Nach seiner Flucht vor den Nazis ins Exil nach New York soll Graf nur noch in Lederhose gesehen worden sein. Das bayerische Outfit soll ihm auch geholfen haben, sein starkes Heimweh zu lindern.
Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm 1927 mit seinem autobiografischen Roman Wir sind Gefangene. Beschrieben wird das Leben in einem Dorf, seinem Heimatort Berg nicht ganz unähnlich. In seinem Roman Das Leben meiner Mutter – nach seinen Angaben sein wichtigstes Buch – schildert er einige Bewohner Bergs mit ihren Eigenheiten. Dies brachte ihm damals nicht nur Freunde ein. »Nestbeschmutzer« gehörte noch zu den harmlosesten Beschimpfungen.
Die Bayern, jedenfalls die meisten, haben ihm verziehen und gedenken seiner mit dem Bronzedenkmal (1994). Es wurde zu seinem 100. Geburtstag am Ortseingang von Aufkirchen, nahe der Alten Schule, eingeweiht und zeigt den bayerischen Dichter in Lebensgröße, gekleidet in einer kurzen Lederhose und Trachtenjanker, auf einem Koffer sitzend.
Diesen Oskar Maria Graf aus Bronze schuf der 1956 in Straubing geborene Bildhauer Max Wagner, der seit 1989 Mitglied der Münchner Secession ist. Von Wagner, der in Starnberg lebt und arbeitet, stammt auch die Büste des Schriftstellers, die vor dem Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn bei München steht.
Tipp: Im Manthaler, einer familiär geführten Wirtschaft mit Biergarten, werden Spezialitäten vorwiegend aus der bayerischen und schweizerischen Küche angeboten; Manthalstraße 1 in Berg, 0 81 51 / 5 56 63 91.

Oskar-Maria-Graf-Denkmal /// Schulplatz ///
82335 Berg-Aufkirchen ///
10 Zu Gast bei Biene Maja
Székler-Tor in Münsing
Sehr schön bunt ist es: das zauberhafte, unter Denkmalschutz stehende Holztor, das Ungarische Tor oder auch Székler-Tor genannt. Diese Art von Toren stammt ursprünglich von einer ungarischen Volksgruppe aus dem rumänischen Siebenbürgen, die den Székler-Dialekt spricht. Die Angehörigen dieser Volksgruppe nennt man die Székler. Bei ihnen symbolisiert das Haustor den Übergang von der äußeren Welt in das vertraute Zuhause. Alles Böse wird durch das Tor abgewehrt und dringt nicht in das Heim.
Das Székler-Tor in der Seeuferstraße gehört zur Villa des weltoffenen reiselustigen Schriftstellers Waldemar Bonsels (1880–1952). Der Autor erschuf beispielsweise die berühmte Biene Maya. Das Buch »Die Biene Maja und ihre Abenteuer« aus dem Jahr 1912 mit den lustigen Geschichten der umtriebigen Biene und ihrem Freund Willi ist bis heute ein Kinderbuchklassiker, wurde in über 40 Sprachen übersetzt und später verfilmt. Die Story entstand jedoch nicht am Starnberger See, sondern in Bonsels’ vorherigem Zuhause in Oberschleißheim. Weitere Bienen-Abenteuer erschienen 1915 mit dem Buch »Himmelsvolk. Ein Märchen von Blumen, Tieren und Gott« – wieder ein Bestseller.
Durch die Veröffentlichungen wurde Bonsels so vermögend, dass er sich 1919 die 1885/86 erbaute traumhafte Villa unterhalb von Ambach leisten konnte. Hier lebte er mit seiner Frau bis 1952. Der frühere Eigentümer, der ungarische Maler und Direktor der Akademie der Bildenden Künste in München, Gyula Benczúr (1844–1920), ließ das Székler-Tor aufstellen. Das hölzerne Kunstobjekt mit floralen Schnitzereien hatte Béla von Benczúr 1894 entworfen als Geschenk für den Bruder Gyula.
Über dem Durchgang steht geschrieben: »Wenn Du Gott und Deine Heimat liebst, magst Du eintreten. Mit tückischer Seele jedoch sollst Du draußen bleiben.«
Tipp: Das Restaurant Roseninsel im nahen Bio-Hotel Schlossgut Oberambach bietet hochwertige und regionale Speisen in gepflegtem Ambiente. Gemüse und Kräuter stammen aus eigenem Anbau. www.schlossgut.de

Székler-Tor /// Seeuferstraße 25 /// 82541 Münsing ///
11 Bestens speisen mit Seeblick
Gasthof Zum Fischmeister in Münsing-Ambach
Das Gasthaus Zum Fischmeister liegt praktischerweise direkt am Schiffssteg in Ambach. Daher empfiehlt es sich im Sommer, stilvoll mit dem Dampfer anzureisen. Mit dem Auto kann der Genusstempel nicht erreicht werden. Deshalb den PKW ein Stück entfernt, höher parken und die letzten paar Meter zu Fuß gehen. Das schöne historische Gebäude beherbergt seit rund 150 Jahren eine Wirtschaft.
Früher logierte in diesem Haus der Fischmeister, Namensgeber des heutigen Lokals. Damals mussten die 99 Fischer am See ihren kompletten Fang bei einem der beiden Fischmeister abgeben. Diese Beamten der Herzöge bzw. des Königs leiteten jeden Freitagmorgen den Fang anschließend an die herzoglichen und königlichen Küchen weiter. Wurde von dort kein Bedarf mehr signalisiert, durften die Fischer ihren übrigen Fang verkaufen. Einen Teil des Erlöses ließen sie danach gleich im Gasthaus. Sicherlich saß man damals schon in dem herrlich gelegenen Biergarten und genoss – so wie die heutigen Sonnenanbeter – den unvergleichlich schönen Blick auf den See.
Im Sommer trifft man im Gasthaus Zum Fischmeister gerne auf Münchner Prominenz, was wohl etwas damit zu tun hat, dass das Haus dem Schauspieler und Schriftsteller Josef Bierbichler gehört, der auch darin wohnt. Der 1948 in Ambach geborene Bierbichler, Sepp genannt, gründete 1976 mit dem Regisseur und Dramatiker Herbert Achternbusch im Anwesen eine Künstler-Wohngemeinschaft, zu der auch seine Schwester Annamirl Bierbichler gehörte.
Das beliebte Ausflugsziel offeriert vorwiegend traditionelle bayerische Küche, modern interpretiert. Es wird viel Wert auf gute Produkte aus der nahen Umgebung gelegt. Beispielsweise stammt das Fleisch aus ökologischer Haltung in Eurasburg, die Demeter-Eier kommen aus Münsing und die Forellen aus einer Fischzucht an der Isar.
Tipp: Der Golfclub Bergkramer Hof bei Münsing bietet von Mai bis Oktober Golf-Schnupperkurse an. Traumhafter Alpenblick inklusive! Eine gute Gelegenheit, den Sport auszuprobieren! www.gc-bergkramerhof.de

Gasthaus Zum Fischmeister /// Seeuferstraße 31 ///
82541 Münsing-Ambach /// 0 81 77 / 5 33 ///
www.zumfischmeister.com ///
12 Alte Schmiede als kreativer Ort
Töpferei Corinna Post in Münsing-Holzhausen
Holzhausen, ein ausgesprochen malerisch gelegener Ort, erhebt sich über dem Ostufer des Starnberger Sees vor beeindruckender Alpenkette. Wen wundert’s, dass er zahlreiche Kunstschaffende in seinen Bann zieht und deshalb zu Recht auch »Kunstdorf« genannt wird. So hat beispielsweise die Gefäßkeramikerin Corinna Post, die aus Düsseldorf stammt, hier Wurzeln geschlagen. Wenn der Vater Künstler und Kunstlehrer, die Mutter Keramikerin und der ehemalige Lebensgefährte und Vater ihrer beiden Kinder Bildhauer ist, hat Corinna bei den Vorgaben fast keine andere Wahl, als sich auch der schönen Künste zu widmen. Gesagt – getan!
Nachdem sie in mehrere unterschiedliche Töpferwerkstätten reingeschnuppert hatte, beschloss Corinna Post, das Handwerk von Grund auf zu lernen und schloss eine Töpferlehre ab. Daran schloss sich ein Studium an der renommierten Akademie der Bildenden Künste in München an. Als Spezialgebiet wählte Corinna natürlich Keramik. Später kam die Bildhauerei dazu. 1996 machte sie sich als freiberufliche Künstlerin selbstständig.
Seit 2003 fertigt Corinna Post in der Alten Schmiede hauptsächlich Gebrauchskeramik. Dabei ist es ihr ein Anliegen, Schönheit mit Zweckmäßigkeit geschickt zu verbinden. Denn was nützt ein Gefäß, das zwar hübsch anzuschauen ist, aber in der Praxis nicht funktioniert.
Ihr Fachwissen und ihre langjährige Berufserfahrung gibt Corinna gerne in ihren Töpferkursen für Kinder und Erwachsene weiter. Gearbeitet wird nicht auf der Scheibe, sondern frei. »Holzhauser stellen aus« heißt eine Initiative, die sie mit ins Leben gerufen hat. Alle zwei Jahre im Sommer öffnen mehr als 20 Werkstätten, Höfe und Ateliers in Holzhausen ihre Türen und präsentieren das komplette, kreative Potenzial des Ortes.
Tipp: Das Café Waldhauser in der Brunnenstraße 28a lädt im familieneigenen Waldhauser Hof zu hausgemachten Kuchen und Torten ein. Der Bio-Apfelsaft stammt von den Streuobstwiesen. www.cafe-waldhauser.de

Töpferei Corinna Post /// In der Alten Schmiede ///
St.-Heinricher-Straße 5 /// 82541 Münsing-Holzhausen ///
0 81 77 / 99 79 00 /// www.toepferei-corinna-post.de ///
13 Traditionelles Wirtshaus mit viel Geschmack
Gasthaus & Metzgerei Zum Altwirt in Münsing
Zum intakten dörflichen Ensemble von Münsing gehört die geschichtsträchtige Wirtschaft Zum Altwirt. Ende des 19. Jahrhunderts brachte die neu gebaute Isartalbahn zahlreiche Ausflügler von München zum Würmsee, wie der Starnberger See damals hieß. Nach dem Baden kehrte man gerne beim Altwirt in der Gaststube oder im Biergarten ein, bevor es wieder zurück in die Stadt ging.
Der Familienbetrieb mit eigener Metzgerei wurde 1967 an Josef, den Sohn von Josef und Theres Großmann übergeben. Dessen Sohn, ein gelernter Metzgermeister, übernahm 2002 Gastwirtschaft und Metzgerei. 2014 wurde die Wirtschaft komplett modernisiert und saniert, der bayerische Charakter und die Gemütlichkeit blieben gottlob gewahrt. Auch die Metzgerei wurde runderneuert und damit den neuen EU-Richtlinien angepasst. Auf diese Weise konnte die eigene Schlachtung und eigene Produktion sichergestellt werden.
Nur hochwertige Zutaten, gerne aus der Region, werden für die bayerischen Gerichte auf der abwechslungsreichen Speisekarte verwendet. Das schmeckt man! Das Wild stammt aus heimischer Flur. Das Rindfleisch vom Münsinger Weiderind und das Lamm aus dem Werdenfelser Land. Das Entengericht und der ofenfrische Schweinebraten, beides garniert mit selbst gemachten Knödeln, sind die lukullischen Lieblinge, nicht nur bei den vielen Stammgästen.
Das bezaubernde Dorf Münsing wurde um 550 gegründet. Hier ergänzen sich ländliche Idylle und die Bewahrung des Traditionellen. Die Ruhe wissen auch Schauspieler Heiner Lauterbach und Bestsellerautor Patrick Süskind (Das Parfüm) zu schätzen, die in diesem reizvollen kleinen Ort ihr Zuhause haben.
In Münsing steht die Kirche im wahrsten Sinn des Wortes mitten im Ort – neben dem Maibaum, der mit seinen vierzig Metern Höhe den der Landeshauptstadt sogar um drei Meter überragt.
Tipp: Die Bäckerei Graf, eigentlich ein kleiner Krämerladen in der Ammerlander Hauptstraße 15 in Münsing-Ammerland, ist eines der Hauptdrehorte der Kult-TV-Serie Hubert und Staller.

Gasthaus & Metzgerei Zum Altwirt /// Hauptstraße 2 ///
82541 Münsing /// 0 81 77 / 2 42 /// www.altwirt-muensing.de ///
14 Der Graf und sein Kasperl Larifari
Pocci-Denkmal in Münsing
Wer den kreativen Lebemann Franz von Pocci (1807–1876) kennenlernen möchte, begibt sich nach Münsing vor die dortige Grundschule. Da steht er auf einem Sockel, schlank mit mächtigem Kinn, riesiger Fliege, die Arme lässig verschränkt und ganz in Bronze. Mit verschmitztem Lächeln schaut er seine Bewunderer an. Zu seinen Füßen sitzt – wie könnte es anders sein – der Kasperl Larifari.
Das 2006 aufgestellte und feierlich eingeweihte Pocci-Denkmal stammt von dem 1957 in München geborenen Bildhauer Otto Süßbauer, der in Mooseurach bei Königsdorf lebt. Rund 15.000 Euro kostete das Denkmal, wobei ein Großteil durch Spenden von Firmen, der Gemeinde und vielen Einwohnern gestemmt werden konnte. Lange wurde im Ort und in der Gemeinde über mögliche Standorte diskutiert. Der Platz bei der Schule schien am treffendsten, denn Pocci liebte die Kinder und die Kinder liebten ihn.
Franz von Pocci war ein echtes Multitalent: Zeichner, Komponist, Karikaturist, Maler, Schriftsteller, Musiker und Erfinder des berühmten Kasperls Larifari. Von seinen über 600 komponierten Musikstücken sind die Lieder »Wenn ich ein Vöglein wär« und »Widewide wenne, heißt meine Putt-Henne« sicherlich die bekanntesten. Die rund 40 Kasperlstücke, die er für das heute noch existierende Münchner Marionettentheater verfasste, brachten ihm den Spitznamen »Kasperlgraf« ein.
Die 2002 in Münsing gegründete Franz Graf von Pocci Gesellschaft zeichnet seit 2006 jedes Jahr Kunstschaffende mit dem Pocci-Preis aus. Gerhard Polt und die Biermösl Blosn, das Münchner sowie das Salzburger Marionettentheater waren schon unter den Preisträgern.
Das Schloss (1683/85) Ammerland am See bei Münsing, das die Familie Pocci von König Ludwig I. geschenkt bekam und in dem Franz bis zu seinem Tod wohnte, kann nicht besichtigt werden.
Tipp: Das Erholungsgebiet Ambach an der Ostseite des Sees ist im Sommer beliebtes Ziel. Der Parkplatz (rund 2.000 Plätze) befindet sich gute 200 Meter vom Strand entfernt. Im Sommer kostenpflichtig.

Pocci-Denkmal /// Weipertshauser Straße 7 ///
82541 Münsing ///
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