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Hans Müller-Jüngst

Paulo Redmann

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Paulo wächst heran und gründet eine Familie

Sehr strenger Winter in Dinkelstein

Endlich Tauwetter!

Hochwasser in Dinkelstein

Frühsommer

Trockenheit, Hitze

Ende der Trockenzeit

Ben und Joshua werden erwachsen

Ben und Joshuas letztes Schuljahr

Impressum neobooks

Paulo wächst heran und gründet eine Familie

Hans Müller-Jüngst

PAULO REDMANN

Impressum

Texte: © Copyright by Hans Müller-Jüngst

Umschlag: © Copyright by Hans Müller-Jüngst…

Verlag: Hans Müller-Jüngst

Waisenhausstr. 4

47506 Neukirchen-Vluyn

HaMuJu@t-online.de

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

Paulo Redmann wurde als Sohn der Marga Redmann und ihres Mannes Arthur Redmann 1950 in Dinkelstein, einer kleinen Stadt am Fuße der Löhrberge in Norddeutschland, geboren.

Sein Vater war eine stattliche Erscheinung, sowohl was seine Körpergröße als auch was seinen Körperumfang betraf.

Er legte immer Wert auf eine angemessene Erscheinung, das hieß, dass man ihn fast ausschließlich in Anzug und Krawatte sah, wenn er das Haus verließ, und man kannte ihn in der Nachbarschaft kaum in einem anderen Aussehen.

„Guten Tag Arthur, machst du wieder einen Spaziergang?“, fragte man ihn dann, und Arthur Redmann antwortete:

„Ich will mir nur die Beine vertreten und mache eine Runde um den Block!“

Seine Nachbarn trugen Arbeitskleidung oder Freizeitkleidung, niemand von ihnen würde alltags Anzug tragen.

Arthur Rebmann aber ließ sich in seine Entscheidung, Anzug zu tragen, nicht hineinreden, auch nicht von seiner Frau. Wahrscheinlich wollte er sich von der Kriegszeit absetzten, in der man aus Gründen der Unterversorgung einfachste Kleidung getragen hatte.

Er hatte bei seinen Spaziergängen immer einen Gehstock bei sich, der seine Körperhaltung noch aufrechter erscheinen ließ.

Nicht dass er einen Stock gebraucht hätte, nicht weil er ein körperliches Defizit zu verzeichnen gehabt hätte, nein, der Stock war Teil des Gesamtbildes, das er für jeden sichtbar abgab.

Er war von Berufs wegen Prokurist bei einer Firma, die Staubsauger herstellte und bei den Hausfrauen hohes Ansehen genoss. Die Vertreter, die unterwegs waren, um die Staubsauger zu verkaufen, hatten leichtes Spiel.

Arthur Redmann war seit 30 Jahren bei der Firma und hatte sich bis zum Posten des Prokuristen hochgearbeitet. Auch er war früher Vertreter bei „Saugwerk“ und konnte sich gut erinnern, was es bedeutet hatte, bei den Hausfrauen zu erscheinen und seinen Staubsauger vorzuführen. Er war immer nett aufgenommen worden und konnte überzeugend darbieten, wie gut die „Saugwerk“-Staubsauger arbeiteten. Oft wurden ihm bei solchen Gelegenheiten Kaffee und Kuchen angeboten, worauf er sich gerne einließ.

Seit er nur noch im Innendienst tätig war, dann als Prokurist, gestaltete sich sein Arbeitstag ganz anders. Er hatte ein geräumiges Büro und saß die ganze Zeit hinter seinem Schreibtisch.

Die Firma „Saugwerk“ war seit ihrer Gründung in Dinkelstein ansässig, das war vor über 50 Jahren.

Alfred Strom hatte in den Wirren der Weltwirtschaftskrise die Gelegenheit beim Schopf gepackt und zunächst ganz klein angefangen, bis er den Betrieb immer mehr ausgeweitet hatte, es arbeiteten dann um die 1000 Menschen bei „Saugwerk“, was natürlich für die Wirtschaft von Dinkelstein von erheblicher Bedeutung war. Jeder Dinkelsteiner kannte „Saugwerk“, und die Firma war bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Arthur Redmann mischte auch in der Stadtpolitik kräftig mit und war über Jahre hinweg Stadtrat für die CDU im Stadtparlament.

Die CDU führte die Stadt während der gesamten Nachkriegszeit mit absoluter Mehrheit, sie war in den Augen der meisten Dinkelsteiner Garant für wirtschaftliche Stabilität und für die Bewahrung der Werte. Wenn Arthur Redmann im Stadtrat das Rederecht zugeteilt wurde, und er sich erhob, dann herrschte schon allein wegen seines imposanten Äußeren augenblicklich Ruhe, und wenn er dann mit seiner sonoren Stimme anfing zu reden, regte sich nichts mehr im Saal.

Viele seiner Zeitgenossen trauerten seiner Amtszeit im Stadtrat hinterher, als er mit Ende 50 aus Altersgründen ausschied, er war auch gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe.

Zu Hause fühlt er sich am wohlsten, wenn ihn seine Marga umsorgte und ihn bekochte. Dann zog er seine Anzugjacke aus, lockerte seine Krawatte und schlüpfte in seine Hausschuhe. Er nahm sich die Zeitung und setze sich mit ihr lange Zeit an den Tisch und las.

Nach dem Essen legte er sich nachmittags immer hin und schlief. Er durfte dabei nicht gestört werden, sonst würde er fuchsteufelswild, das bekam schon Paulo in seinen jungen Jahren zu Hause zu spüren.

Marga führte ein sehr zurückgezogenes Leben, war aber mit dem, was ihr geboten wurde, sehr zufrieden. Sie pflegte das, was man gemeinhin Hausfrauendasein nannte, dazu gehörten das Putzen und das Kochen. Aber diese Tätigkeiten bereiteten ihr sogar Freude, sie klagte nicht, sondern sang dabei sogar fröhliche Lieder.

Einmal in der Woche traf sie sich mit Freundinnen in der Stadt, und sie ging mit ihnen einkaufen. Wichtiger als der Einkauf war aber der anschließende Cafebesuch.

Jede nahm zu dem Kaffee, den sie sich bestellten, ein ordentliches Stück Torte und genoss es, es wurde dabei nicht ein Wort geredet. Wenn dann alle ihre Torte gegessen hatten, setzte aber eine Redeorgie ein, in der alles zur Sprache kam, was sich in der zurückliegenden Woche ereignet hatte. Doch während die anderen ihre Männer und deren Allüren vorführten, hielt sich Marga zurück, sie wollte nicht über ihren Mann lästern, weil sie es zu sehr achtete, was er tat. Dann sahen sich die Frauen eine ganze Woche lang nicht, mit Ausnahme des Wochenmarktes, den einige aufsuchten, bis sie wieder einkaufen und im Anschluss in das Café gingen.

Wenn allerdings jemand vorher Geburtstag hatte, wurde das natürlich gefeiert, und alle Frauen waren eingeladen. Man schenkte sich Pralinen oder Parfums, etwas, von dem jeder wusste, dass sich das Geburtstagskind darüber freute.

Um spätestens 19.00 h, war die Geburtstagsfeier immer zu Ende, dann gingen die Frauen wieder nach Hause.

Arthur wartete dann immer schon auf Marga, nicht, dass er ihr Vorwürfe machte, er wusste ja, wo sie gewesen war, aber er hatte Marga gern um sich.

Sie unterhielten sich dann über Margas Heimat, die in Ostpreußen lag, Arthur war während des Krieges in Ostpreußen und hatte Marga dort kennengelernt. Sie sind dann gemeinsam vor den anrückenden Russen nach Westen in Arthurs Heimatstadt gegangen.

Marga war in Ostpreußen die Tochter eines Gutsbesitzers und hatte ein sehr angenehmes Leben geführt, sie hatte ein eigenes Pferd und ritt jeden Tag mit ihm aus.

Sie konnte sich bei ihrer Flucht nicht mehr von ihren Eltern verabschieden, und sie wusste nicht, was aus ihnen geworden war, sicher sind sie während der Besatzung durch die Russen ums Leben gekommen.

Arthur hatte mehrere Male versucht, Kontakt zu der inzwischen russischen Heimatstadt Margas aufzusuchen, um zu erfahren, ob Margas Eltern noch lebten. Er hatte aber nie eine Rückantwort auf sein Gesuch hin erhalten. Von Fahrten nach Ostpreußen, die inzwischen angeboten wurden, hatten Marga und er Abstand genommen, Marga wollte ihre Heimat im Gedächtnis behalten, so wie sie damals, als sie floh, ausgesehen hatte.

Marga war für eine Frau recht groß, sie war 1.75 m und überragte damit ihre Freundinnen um Einiges. Auch waren ihre Freundinnen eher vollschlank, wie man ihre Leibesfülle freundlich umschrieb, während Marga schlank war. Nie aß sie im Übermaß, und das Stück Torte, dass sie sich einmal pro Woche gönnte, hungerte sie sich im Anschluss wieder herunter, bis ihre Waage das ihr genehme Gewicht anzeigte.

Dinkelstein war als Kleinstadt Ziel vieler umliegender Dörfer, weil sie trotz ihrer Kleinheit alles bot, was man zum Einkaufen benötigte. Es gab neben den gängigen großen Märkten und Discountern zusätzlich einige im Ort gewachsene Anbieter von Kleidung und Schuhen, darüber hinaus waren auch ganz alte Metzger und Apotheken in der Stadt ansässig.

Die Stadt wurde von der „Löhrallee“ durchzogen, welche die Hauptachse war, an der die wichtigen Geschäfte lagen. Etwa in der Hälfte ihrer Länge durch die Stadt gab es einen Kreisverkehr, von dem die „Bahnhofstraße“ zum Bahnhof und die „Pestalozzistraße“ zum Schulzentrum abzweigten.

In der „Bahnhofstraße“ gab es das Cinemaxx, ein Multiplexkino mit 6 Sälen, das gut besucht war, und vor allem von Jugendlichen frequentiert wurde.

Das Schulzentrum war mit seinem pädagogischen Zentrum, das ausreichend Platz bot und gleichzeitig Aula war, auch Kulturzentrum und Theater von Dinkelstein.

Auch in der „Bahnhofstraße“ lag das „Pulp“, eine Diskothek, zu der Jugendliche auch aus den Nachbargemeinden anreisten und sich vergnügten.

Am Beginn der Bahnhofstraße lag das „Café Klein“, dass einmal in der Woche von Marga Redmann und ihren Freundinnen besucht wurde, und das eine ordentliche Kuchenauswahl hatte.

Hinter dem Bahnhof floss zwischen den „Lörbergen“ und der Stadt die „"Hilme"“, ein gemächlich dahin plätscherndes Flüsschen, dass durchschnittlich 50 cm tief und 4 m breit war.

Am Stadteingang gab es ein Schwimmzentrum mit Hallenbad und Freibad, um dessen Errichtung sich zehn Jahre zuvor im Stadtrat die Gemüter erhitzt hatten, und wo sich Arthur Rebmann lauthals für dessen Bau stark gemacht hatte, obwohl der Bau Millionen gekostet hatte, und dessen Erhalt Unsummen verschlang.

„Aber“, so Arthur Redmann, „ein Schwimmzentrum gehört nun mal einmal zu einer Stadt von der Größe Dinkelsteins, und es erhöht deren Attraktivität!“

An der anderen Seite der Stadt lagen ein Umspannwerk und ein Sägewerk. Für den Betrieb des Sägewerkes war für die Zukunft an Wasserstoff gedacht, was besonders die Fraktion der Grünen im Stadtrat favorisierte. Dabei sollte der Wasserstoff mit Strom aus Windkraftwerken und Elektrolyse aus Meerwasser kostenlos gewonnen werden, er sollte dann über Pipelines oder Tankwagen auf Schiene oder Straße zu den Abnehmern geliefert werden.

Bei der Verbrennung des Wasserstoffs entstünde als Abfallprodukt nur Wasser und kein CO2!

Hinter dem Bahnhof gab es eine schmale Brücke über die „"Hilme"“, die von den Landwirten mit ihren Traktoren befahren wurde, wenn sie auf ihre Felder gelangen wollten. Auch Spaziergänger überquerten über sie den Fluss, wenn Sie den Wald an den „Löhrbergen“ erreichen wollten.

Die „Löhrberge“ waren ein Mittelgebirgszug, der an seiner höchsten Stelle 531 m maß, das war der „Schöngipfel“, und den zu erreichen setzten sich viele Dinkelsteiner besonders an Sonntagen zum Ziel.

Oben auf dem schön Gipfel gab es ein Restaurant mit Außenbetrieb und sonntags hat man Mühe, am frühen Nachmittag noch einen Platz zu bekommen. Der Betrieb ließ dann merklich zum Herbst und Winter hin nach, und der Strom der Restaurantbesucher verlagerte sich nach innen und war auch längst nicht mehr so stark wie im Sommer.

Am Mittwoch und am Samstag fand auf dem Marktplatz in der „Pestalozzistraße“ ein Wochenmarkt statt, zu dem Besucher aus Dinkelstein und allen Nachbardörfern erschienen. In aller Herrgottsfrühe begann um 6.30 h der Markt, und es dauerte bis 13.00 h, wenn die ersten Marktstände wieder abgebaut wurden.

Man sah auf dem Markt vor allem Hausfrauen in ihren Kitteln, die oft mit Fahrrädern angereist kamen, wenn sie aus Dörfern in der unmittelbaren Nachbarschaft stammten und eine Einkaufstasche mit sich trugen.

Im Laufe des Vormittags wurde es auf dem Markt so voll, dass man sich zwischen den Marktständen kaum bewegen konnte.

Als besondere Attraktion auf dem Markt galt der Fischstand, denn in Dinkelstein gab es nirgendwo sonst die Möglichkeit, frischen Fisch zu kaufen.

Real hatte den Versuch unternommen, donnerstags einen Fischwagen auf dem großen Parkplatz des Einkaufsmarktes zu postieren, das aber mangels Nachfrage dann wieder aufgegeben.

Auf dem Wochenmarkt haben sich viele, nur um ein Quätschchen zu halten, und Marga Redmann ließ sich auch dort blicken und kaufte ein. Wenn Sie auf eine ihrer Freundinnen traf, stellten sie sich an den Rand des Marktes und unterhielten sich, oft stieß eine weitere ihrer Freundinnen zu ihnen.

Nie gingen sie aber vom Markt aus ins Café, sondern sie packten die Sachen, die sie eingekauft hatten und gingen zu sich nach Hause.

Arthur Redmann war ein fleißiger Spaziergänger, an beinahe jedem Sonntag lief er mit Marga über die „"Hilme"brücke“, und steuerte den Wald an den „Löhrbergen“ an.

Von dort aus liefen die beiden auf den „Schöngipfel“ und fanden sich in Gesellschaft vieler anderer, die auch den Gipfel bestiegen.

Oben, vor oder in dem Restaurant, bestellte sich Arthur Redmann immer ein Viertel Weißwein vom Wein des Hauses, während Marga sich ein Kännchen Kaffee bringen ließ. Kuchen nahm sie keinen, ihr Mann ohnehin nicht.

Marga achtete auf ihre Linie, und ihr langte das Stück Torte völlig, das sie in der Woche mit ihren Freundinnen im Café aß.

Marga und Arthur Redmann wohnten von Anbeginn an in der Altstadt von Dinkelstein in Arthurs Geburtshaus. Dort war Platz genug für alle, als Paulo noch dort lebte. Er hatte ein großes Zimmer und konnte dort mit seinen Freundinnen und Freunden Partys feiern, ohne seine Eltern zu stören, im Sommer in dem riesigen Garten, der zum Haus gehörte.

Im Alter von 19 Jahren verließ Paulo sein Zuhause und ging zum Studium nach Hamburg, wo er an der Uni die Fächer Mathematik und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien belegte. Nach seinem Referendariat in Hamburg hatte sich Paulo an sein altes Gymnasium in Dinkelstein versetzen lassen.

Er war während seiner ganzen Kindheit und Jugend in der Altstadt ein glücklicher Mensch gewesen, es wurden ihm zu Hause viele seiner Wünsche erfüllt.

Er hatte im Alter von 10 Jahren eine elektrische Eisenbahn zu Weihnachten bekommen die in jedem Jahr um weitere Teile ergänzt wurde, bis er eine stattliche Anlage hatte, an der er stundenlang saß und spielte.

Oft waren Freunde bei ihm und spielten mit, denn nicht jeder hatte eine elektrische Eisenbahn, weil die in der Anschaffung doch ihren Preis hatte.

Zu seinen Eltern hatte er ein sehr herzliches Verhältnis, besonders zu seiner Mutter, die nichts auf ihren Paulo kommen ließ.

Wenn er gegen 13.30 h von der Schule nach Hause gekommen war, stellte sie ihm sein Mittagessen auf den Tisch und setzte sich zu ihm. Dieses Ritual hatte sich Paulo eingeprägt, und er würde es nie vergessen, er musste dann erzählen, was er an dem Vormittag in der Schule erlebt hatte.

Marga heuchelte ihr Interesse nicht, wenn sie Paulo dazu aufforderte, sie ließ ihn spüren, dass sie wirklich wissen wollte, was er erlebt hatte, und Paulo merkte das.

Wenn Marga missgestimmt war, warum auch immer, ging er zu ihr, nahm sie seine Arme, und es dauerte nicht lange, und Margas Miene hellte wieder auf.

Seinen Vater bekam er nur selten zu Gesicht, außer am Wochenende, und da machte er ausgiebige Ruhepausen, in denen er nicht gestört werden wollte. Paulo begleitete seine Eltern sonntags immer auf den „Schöngipfel“, er durfte sich oben in dem Restaurant dann immer ein Stück Kuchen bestellen, dazu nahm er eine Limo.

Eine besonders schöne Zeit war für Paulo immer der Urlaub, den er einmal im Jahr mit seinen Eltern machte. ihr bevorzugtes Reiseziel war Juist, sie fuhren auch einmal in die Berge nach Österreich, aber das gefiel niemandem von ihnen, also blieb es bei Juist.

Auch eine Reise ins Ausland, nach Portugal, Italien oder Spanien wollte niemand von ihnen unternehmen, das hätte doch einen erheblichen Umstand bei der An- und Abreise bedeutet, den wollten sie nicht auf sich nehmen.

Sie nahmen auf Juist immer die gleiche Ferienwohnung, und der Vermieter kannte sie natürlich schon.

Als Jugendlicher hatte Paulo eine Freundin, die Anna hieß und in seine Jahrgangsstufe ging, sie kam vom anderen Ende der Stadt aus der Daimlerstraße, war aber mit ihrem Fahrrad in 5 Minuten bei ihm.

Paulo war während seiner gesamten Schulzeit ein Mädchenschwarm, sodass er mit 17 das schönste Mädchen des Gymnasiums zur Freundin hatte.

Er hatte das Gardemaß seines Vaters, allerdings nicht dessen Körperfülle. Er hatte brünettes Haar, das er mittellang trug, und er hatte eine athletische Figur.

Anna war für ein Mädchen auch recht groß, hatte blondes Haar, dass sie lang trug, und beide trugen sie immer Jeans und T-Shirts wie ihre Altersgenossen.

Marga war beinahe ein bisschen eifersüchtig auf Anna, gönnte aber auf der anderen Seite Paulo sein Glück.

Als Paulo zur Universität nach Hamburg und Anna nach Münster ging, trennten sich die beiden voneinander, was nicht ganz schmerzfrei über die Bühne ging, beide kamen aber schnell über die Trennung hinweg.

Paulo war zu Hause ausgezogen, und das machte Marga am meisten Kopfzerbrechen wie allen Müttern, deren Kinder nach langen Jahren schließlich das Haus verließen. Aber Paulo kam am Anfang noch an jedem Wochenende nach Hause und brachte seiner Mutter eine Tasche Schmutzwäsche zum Waschen mit.

Marga verwöhnte ihn dann mit allem, was das Herz begehrte. Sie stellte sich in die Küche und zauberte für ihn ein fantastisches Essen und Paulo genoss seinen Status als Student.

Er ging in Dinkelstein ins „Pulp“ und traf dort seine alten Schulkollegen.

Und wenn es am Sonntag wieder Abschied nehmen hieß, war bei Marga kein Halten:

„Heute musst du wieder zurück, versprich mir, dass du am nächsten Wochenende wiederkommst!“, sagte sie mit Tränen erstickter Stimme zu Paulo, und Paulo nahm sie in seine Arme und drückte sie an sich.

„Natürlich komme ich am nächsten Wochenende wieder“, sagte Paulo, „wer soll mir denn sonst meine Wäsche waschen?“

So spielte sich während der ersten Semester ein Wechsel zwischen Studium und Nachhausefahren ein, mit dem sowohl Paulo als auch Marga gut zurechtkamen. Dann aber, so etwa im vierten Semester, lernte Paulo auf einer Hochschulfete Sara kennen und lieben.

Er tanzte mit ihr und merkte gleich, dass das etwas anderes war als das Gezappel, das er mit anderen Mädchen auf der Tanzfläche vollführte.

Wenn Blues getanzt wurde, legte Sara ihren Kopf an Paulos Schulter und schmiegte sich an ihn, und Paulo legte seine Arme um sie und zog sie zu sich.

Sara und Paulo küssten sich innigst, Sara ging auch mit auf Paulos Zimmer, das er im Wohnheim hatte, und Paulo ging auch mit zu Sara. Dort liebten sie sich und standen stundenlang nicht aus ihren Betten auf, sie lagen eng umschlungen und drückten sich.

Sara war ähnlich wie Anna und hatte auch langes blondes Haar, sie gefiel Paulo auf Anhieb, nicht aber wegen der Ähnlichkeit zu seiner ersten großen Liebe.

Sara war ein grundsolider Mensch und verlässlich, dass merkte Paulo sofort, sie war im 4. Semester wie Paulo und studierte auch auf Lehramt für Gymnasien, sie hatte Französisch und Geschichte belegt.

Sara kam aus Hildesheim und war in den ersten Semestern auch an jedem Wochenende nach Hause gefahren und hatte dort ihre Schmutzwäsche von ihrer Mutter waschen lassen. Als sie aber mit Paulo zusammen war, wurde es seltener, dass die beiden nach Hause fuhren, und sie wuschen ihre Wäsche in der Waschmaschine, die im Keller des Wohnheims stand.

Wenn sie überhaupt nach Hause fuhren, wechselten sie zwischen Hildesheim und Dinkelstein, und Paulo war bei Saras Eltern sehr willkommen, die froh waren, ihre Tochter in den Armen eines soliden jungen Mannes, wie Paulo einer zu sein schien, zu wissen.

Sara hatte noch eine jüngere Schwester, Evelyn, die noch in das letzte Schuljahr ihres Gymnasiums ging.

Dann fuhren sie nach den Dinkelstein und wurden dort auf das Gleiche hervorragend beköstigt wie bei Saras Eltern.

Im Sommer lief Sara mit auf den „Schöngipfel“ und genoss es, durch den Wald zu laufen, sie freute sich dann immer auf das Stück Kuchen, dass sie sich im Gipfelrestaurant aussuchen durfte.

Marga war wieder beinahe eifersüchtig auf Sara wie damals auf Anna, das Gefühl war aber nicht mehr so ausgeprägt, sie fand sich schließlich damit ab, dass Paulo seine eigenen Wege ging.

Sie mochte Sara sehr, und das galt umgekehrt genauso.

Paulos Vater blieb immer ein Stückchen außen vor, aber Sara baute auch zu ihm ein gutes Verhältnis auf.

„Wie läuft es denn so mit Eurem Studium?“, fragte er die beiden schon mal, und Sara antwortete dann:

„Wir müssen in einem Jahr beide unseren Bachelor machen, bevor wir dann den Master anhängen.“

Damit gab sich Paulos Vater zufrieden und fragte nicht weiter nach.

Marga spürte, dass sich bei ihrem Sohn und dessen Freundin etwas anbahnte, etwas Festes, in die Zukunft Weisendes.

Als Sara und Paulo am Sonntag wieder abgereist waren, sprach Marga mit ihrem Mann darüber:

„Arthur, ich glaube, dass sich zwischen Sara und Paulo etwas Ernstes anbahnt, was denkst du darüber?“

„Ich sehe das genauso wie Du, wollte aber erst Dein Urteil darüber abwarten!“, antwortete Arthur.

Sara absolvierte ihr Referendariat auch in Hamburg mit Paulo zusammen und ließ sich danach nach Feldstadt in die Nachbarstadt von Dinkelstein an das dortige Gymnasium versetzen.

Die beiden liebten sich wie am ersten Tag und zogen zusammen, Paulo kaufte ein Haus auf dem „Sonnhügel“ in Dinkelstein.

Sie hatten ein Reihenhaus mit nicht zu großem Garten, denn Gartenarbeit mochten sie beide nicht so gerne.

Ansonsten führten sie ein geordnetes Leben in Dinkelstein und Paulos Eltern kamen gelegentlich vorbei, wie sich auch Saras Eltern hin und wieder blicken ließen.

Sara und Paulo schlossen Bekanntschaft mit all ihren Nachbarn und lebten sich auf dem „Sonnhügel“ ein, und eines Tages war Sara schwanger.

Diese Nachricht schlug bei Saras und Paulos Eltern ein wie eine Bombe, und sie sahen sich augenblicklich schon als Großeltern, die mit ihrem Enkelkind über den „Sonnhügel“ spazierten.

Aber Sara stand erst am Anfang ihrer Schwangerschaft, und Paulo war außer sich vor Freude über seine kommende Vaterschaft.

Alles stand danach im Zeichen von der Geburt des Kindes.

Sara und Paulo dachten von da an in Kategorien, wie es werdende Eltern taten, das hieß, dass sie sich am Abend hinsetzen und Namensbücher durchgingen. Namen wie Arthur, Fritz, wie Saras Vater hieß oder Paulo für Jungen schieden nach ihrer Meinung vollkommen aus, und auch Marga, Sara oder gar Erica, wie Saras Mutter hieß, kamen für Mädchen nicht in Frage.

Sie ließen sich von Bekannten und Freunden Namen nennen und sprachen über sie, sie verglichen diese Namen immer mit Menschen die diesen Namen trugen, und die sie kannten, und wenn der oder die Betreffende sympathisch war, kam der Name in die engere Wahl, falls nicht, wurde er fallen gelassen.

Auf diese Weise bekamen Sara und Paulo Namen zu Gehör, von denen sie vorher noch nie gehört hatten. Sie schoben die Entscheidung für einen Namen immer weiter vor sich her, bis Sara im 5. Monat schwanger war, aussah wir eine wandelnde Kugel, und sie immer noch keinen Namen hatten.

Das Besondere an Sarahs Schwangerschaft war, dass sie von Zwillingen entbunden werden sollte, weshalb sie so sehr an Körperumfang zulegte. Es sollten zwei Jungen werden, für die dann die Namen gefunden werden mussten, und sie einigten sich schließlich auf Ben und Joshua. Beide Namen fanden Zuspruch bei ihren Eltern, und auch Evelyn fand diese Namen akzeptabel, wobei sie als Schwester der Mutter natürlich um ihre Meinung gebeten worden war.

Für Sara und Paulo bedeutete die Nachricht von den Zwillingen, dass sie für die Zimmerauswahl für ihren Nachwuchs ganz neu disponieren mussten, es mussten dann zwei Zimmer her, die ihr Haus aber hergab.

Alles, was sie im Vorfeld schon eingeplant hatten, musste doppelt beschafft werden. Aber so viel Zeit hatten sie noch, dass sie neu planen und sich auf die neue Situation einstellen konnten.

Als Marga einmal zu Besuch war, sagte sie:

„Wer hätte gedacht, dass du gleich Zwillinge bekommen würdest, Sara, ich kenne aus meiner näheren Verwandtschaft niemanden mit Zwillingen.“

„Ich bin schon sehr gespannt auf die Erfahrung mit den beiden ich kenne auch in meinem Bekanntenkreis niemanden mit Zwillingen, Paulo und ich werden dann zu einem Großeinkauf fahren, ich denke, dass wir zu IKEA nach Feldstadt gehen werden“, antwortete Sara.

„Sagt mir Bescheid wenn ihr fahrt, ich komme dann mit, wenn ich darf, vielleicht kann ich kleine Tipps geben“, sagte Marga.

„Natürlich kannst du mitkommen“, antwortete Sara, „Paulo wird sich freuen, wenn er das erfährt.“

Sara und Paulo waren beide 29 Jahre alt und damit in dem Alter, in dem man eine Familie gründen konnte. Beide hatten sie den Wunsch geäußert, zu heiraten, es gab eigentlich keinen Grund, aber sie machten es eben. Das Standesamt beraumte einen Hochzeitstermin an, und sie feierten mit beiden Familien im Ratskeller in der Altstadt von Dinkelstein.

Das war das erste Mal, dass die beiden Familien aufeinandertrafen, und sie waren sich auf Anhieb sympathisch.

Paulos Vater hatte den Ratskeller reserviert und alle dorthin eingeladen, er hatte ein opulentes Hochzeitsessen bestellt.

Sara und Paulo waren dann ein Ehepaar, und Sara behielt ihren Namen Klute als Zusatz sie hieß dann Klute-Redmann, der Familienname sollte aber Redmann sein.

Sie unterhielten sich beim Essen über die eigenen Hochzeiten, und wie lange die schon zurück lagen, Evelyn musste von ihrem Gymnasium berichten. Dann erzählte Sara:

„In vier Monaten ist es soweit, dann kommen Ben und Joshua zur Welt, und bis dahin müssen wir alle Sachen zusammen haben, die wir benötigen.“

„ihr müsst unbedingt an Spieluhren über den Wickelkommoden denken!“, sagte Saras Mutter.

„Und ihr müsst Heizstrahler installieren, damit sich Eure Jungen nicht erkälten, wenn sie gewickelt werden!“, sagte Marga.

„Nächste Woche fahren wir zu IKEA, dort kaufen wir alles, was wir brauchen“, sagte Sara.

Sie sind im Anschluss noch alle mit zu Marga und Arthur gegangen und haben sich im Wohnzimmer hingesetzt, Marga und Arthur hatten vorher ausreichend Stühle besorgt, damit auch jeder einen Platz bekam. Arthur hatte von seinem guten Wein auf den Tisch gestellt, es gab aber auch Kaffee, Bier, Schnaps und Wasser. Sie machten nicht mehr allzu lange, weil die Hildesheimer noch eine Stunde Rückreise vor sich hatten.

Am frühen Abend fuhren Sara und Paulo zum „Sonnhügel“ zurück und gingen früh zu Bett.

„Jetzt sind für Mann und Frau“, sagte Paulo zu Sara, und Sara küsste ihn.

In der darauffolgenden Woche fuhren sie mit Marga nach Feldstadt, um zu IKEA zu gehen, Arthur war zu Hause geblieben, weil er sich nicht ganz wohl fühlte. Feldstadt war von Dinkelstein aus gut zu erreichen, man verließ die Stadt nach Westen über die „Löhrallee“ und war nach 8 km in Feldstadt.

Feldstadt hatte die Einrichtungen, die man in einer Großstadt fand wie Kreishaus, Krankenhaus, in dem Sara später gebären würde und eben IKEA.

Feldstadt war Kreisstadt und hatte etwas über 100.000 Einwohner, das Autokennzeichen des Kreises war FE.

Die drei hatten am Donnerstagmorgen eine Zeit erwischt, in der bei IKEA nicht allzu viel los war, das merkten sie schon, als sie auf den riesigen Parkplatz fuhren und nicht alle Parkboxen belegt waren, wie sonst immer. Sie liefen gleich in die Abteilung für Babymöbel und suchten sich Wickelkommode, Schränke, Heizstrahler, Spieluhren und Kleinigkeiten aus, weil sie alles zweimal kaufen mussten kam ein ganz schöner Berg an Sachen zusammen, und sie überlegten nicht lange und nahmen den Lieferservice in Anspruch.

Sara musste langsam laufen und geriet schnell außer Atem, Marga und Paulo stützten sie als sie durch die langen Gänge in dem Kaufhaus liefen. Schließlich setzten sie sich in das Restaurant und nahmen sich Kaffee und Kuchen von der Theke.

„Ihr müsst euch noch einen Kinderwagen zulegen, einen für Zwillinge!“, sagte Marga und Sara antwortete:

„Wir können, wenn wir hier fertig sind, zum „Babyparadies“ fahren, ich weiß, wie man dahin kommt.“

Also fuhren sie, nachdem sie bei IKEA eingekauft hatten, zum „Babyparadies“ und schauten sich Zwillingskinderwagen an.

Sie entschieden sich für ein Modell mit längs angeordneten Sitzen, weil diese Kinderwagen nicht so breit war, und man deshalb mit Ihnen durch enge Hindernisse fahren konnte. Gleichzeitig hatten Freunde ihnen gesagt, dass sie darauf achten sollten, dass die Räder am Kinderwagen nicht zu klein waren, damit sie auf losem Untergrund nicht stecken blieben.

Sie nahmnen ein Modell, das ihnen zugesagte, und Paulo verstaute es in seinem Wagen.

„Damit haben wir für heute aber erst einmal genug eingekauft!“, sagte Paulo, und Sara und Marga gaben ihm recht.

Sie fuhren wieder nach Dinkelstein und Paulo machte noch einmal Kaffee.

„Wenn ich dir irgendwie helfen kann, Sara, beim Kochen, Putzen oder Waschen, dann musst du mir nur Bescheid sagen!“, sagte Marga.

„Ich danke Dir, aber noch kann ich alles machen wenn auch langsam“, antwortete Sara.

Daraufhin brachte Paulo seine Mutter nach Hause, und kurz nachdem er auf dem „Sonnhügel“ zurück war, ging das Telefon:

„Paulo, Vater geht es sehr schlecht, komm doch bitte schnell vorbei, ich habe schon den Notarzt verständigt!“, sagte Marga.

Paulo sagte Sara Bescheid und machte auf dem Absatz wieder kehrt, um zu seinen Eltern zu fahren.

Er kam gerade als er Notarzt seinen Vater auf eine Bahre legen und in den Krankenwagen schieben ließ.

„Wir müssen ihn nach Feldstadt ins Krankenhaus bringen!“, sagte der Notarzt und war schon mit dem Krankenwagen verschwunden.

Marga stand in ihrer Haustür und weinte und Paulo ging zu ihr und nahm sie in seine Arme, er drückte sie an sich und sagte:

„Im Krankenhaus ist er in guten Händen, sie werden ihn dort schon wieder auf Vordermann bringen!“ Er ging mit seiner Mutter ins Haus und sagte ihr:

„Du kommst heute Abend mit zu uns, pack bitte ein paar Sachen für dich zusammen, morgen früh fahren wir zum Krankenhaus!“

Marga tat schließlich, was Paulo verlangt hatte, und stand dann abfahrbereit mit einer Tasche im Wohnzimmer.

„Nimm Vaters und deine Papiere, Geld und die Haustürschlüssel mit!“, sagte Paulo, und als seine Mutter alles beieinander hatte, gingen sie zu Paulos Wagen und fuhren zum „Sonnhügel“.

„Was ist mit Vater?“, fragte Sara sofort und Paulo antwortete:

„Er ist gerade nach Feldstadt zum Krankenhaus gebracht worden, Mutter und ich fahren Morgen früh hin und schauen, wie es ihm geht!“

Sara sagte zu Marga:

„Setz dich erst einmal hin und trinke einen Cognac, und sie schenkte ihrer Schwiegermutter einen Schwenker ein. Marga trank den Schnaps, kam aber nicht zur Ruhe. Als sie dann früh ins Bett gegangen waren, wälzte sich Marga auf der Wohnzimmercouch hin und her und fand keinen Schlaf. Marga machte in der ganzen Nacht kein Auge zu und stand wie gerädert am nächsten Morgen wieder auf.

Paulo und sie fuhren in der Früh ohne Frühstück nach Feldstadt zum Krankenhaus und ließen sich an der Pforte das Zimmer von Arthur nennen, nachdem sie sich dort ausgewiesen hatten.

Sie fuhren mit dem Lift hoch auf die Etage, auf der Arthur lag und klopften an seine Zimmertür, als sie keine Antwort erhielten, öffneten sie die Tür und fanden Paulos Vater an Schläuche angeschlossen. Sein Blutdruck wurde überwacht und sein Puls permanent gemessen, er war aschfahl im Gesicht und sah aus wie ein Häufchen Elend. Marga konnte kaum die Fassung bewahren, so sehr nahm sie der Anblick mit, und kurze Zeit später erschien der Stationsarzt auf Arthurs Zimmer.

Er ging zu Marga und rückversicherte sich, dass sie Frau Redmann war, dann sagte er hier:

„Frau Redmann, es sieht mit ihrem Mann nicht gut aus, er hat Lungenkrebs in fortgeschrittenem Stadium, und wir geben ihm noch höchstens vier Wochen!“

Marga ließ sich auf einen bereitstehenden Stuhl fallen und fing an zu weinen, Paulo war bei ihr und hielt ihre Hand.

„Sind Sie mit ihrer Diagnose absolut sicher?“, fragte Paulo den Stationsarzt.

„Absolut!“, antwortete dieser.

Paulo und Marga blieben eine Zeit lang bei Arthur, Paulo sah aber, dass er nichts tun konnte, er wusste nicht einmal, ob sein Vater sie überhaupt wahrnahm.

Er drängte dann seine Mutter, mit ihm zu kommen und ging mit ihr zu dem Krankenhauscafe und ließ sich zweimal Frühstück geben. Marga saß wie versteinert und wollte nichts essen aber Paulo forderte sie auf:

„Du musst essen, damit du bei Kräften bleibst!“ Marga nahm dann ein Brötchen und bis ein Stück ab, aber Paulo insistierte:

„Iss weiter, wenigstens ein bisschen musst du essen!“

Und Marga zwang sich ein Brötchen hinein und trank auch eine Tasse Kaffee dazu.

„Gehen wir noch einmal zu Vater, bevor wieder nach Hause fahren?“, fragte Paulo sie dann, und Marga wollte noch ein Blick auf ihn werfen, bevor sie wieder nach Hause fuhr.

Sie würden in der kommenden Zeit an jedem Tag nach Feldstadt fahren, um ihn zu sehen, Paulo würde Marga bringen.

Als sie auf dem „Sonnhügel“ angekommen waren sah Sara schon an ihren Gesichtern, dass sie nichts Gutes zu erzählen hätten, und Paulo berichtete hier von der Krebsdiagnose des Stationsarztes.

„Das ist ja schlimm!“, rief Sara aus und kümmerte sich um Marga, die schweigend auf einen Wohnzimmerstuhl gesunken war.

„Er wird schon wieder gesund werden, wir fahren jeden Tag nach Feldstadt!“, sagte Sara, was ich in diesem Moment aber nicht so sicher, ob das auch wirklich stimmte.

Sie und Paulo bemühten sich, Marga auf andere Gedanken zu bringen indem sie sie mit Aufgaben betrauten, die bei Ihnen anfielen wie Kochen zum Beispiel.

Aber Marga war in Gedanken immer bei Arthur und hatte die Krebsdiagnose des Stationsarztes im Hinterkopf.

Am nächsten Nachmittag fuhren Paulo und sie, nachdem Paulo seinen Unterricht beendet hatte, nach Feldstadt und besuchten Arthur.

Als sie sein Zimmer betreten lassen, lag er unverändert regungslos in sein Bett, das Gesicht eingefallen und blass. Sie blieben eine Zeit lang bei ihm, und Marga hielt seine Hand. Es wurden Kaffee und Kuchen gebracht und Marga nahm den Kuchen und wollte Arthur füttern, sie merkte aber gleich, dass er den Kuchen nicht essen wollte.

Als der Stationsarzt ins Zimmer kam, begrüßten sie sich, und Marga fragte ihn, ob Arthur überhaupt äße.

„Das ist das große Problem mit ihrem Mann, wir werden bei ihm, wenn sie wieder gegangen sind, eine Magensonde legen und ihn künstlich ernähren“, sagte der Arzt.

Marga sah ihn mit großen Augen an, und er sagte:

„Machen Sie sich darüber keine Sorgen, das ist ein ganz normaler Vorgang, wenn die Patienten nicht essen wollen oder können, legen wir Ihnen eine Sonde.“

Marga und Paulo verabschiedeten sich wieder von Arthur bis zum nächsten Tag, und als sie auf dem Flur waren, sagte Marga:

„Das macht mir aber doch Sorgen, dass sie ihm eine Magensonde legen!“, aber Paulo antwortete:

„Du hast doch gehört, das ist ein ganz normaler Vorgang, und du brauchst dich darüber nicht aufzuregen!“

In Wirklichkeit sah Paulo schon der Tod seines Vaters kommen, so wie sie ihn in seinem Zimmer liegen gesehen hatten, apathisch, geistig nicht anwesend und scheinbar willenlos hatte er sich im Stillen von der Welt verabschiedet.

„Was mache ich bloß allein mit meinem großen Haus?“ fragte Marga auf der Rückfahrt plötzlich im Auto, und Paulo dachte nach.

„Da werden wir schon eine Lösung finden!“, antwortete Paulo. Er überlegte, wie es wäre, wenn Sara und er zu seiner Mutter zögen, ihr Haus auf dem „Sonnhügel“ würden sie wieder verkaufen und wären auf Anhieb schuldenfrei.

Zu Hause besprach er seine Gedanken mit Sara, und Sara gab ihr Einverständnis zum Umzug.

„Wenn es so schlecht um deinen Vater steht, sollten wir an deine Mutter denken und sie nicht allein lassen!“, so Sara. Es dauerte dann nur noch eine Woche und Sara und Paulo erhielten einen Anruf vom Krankenhaus aus Feldstadt.

„Es tut uns leid, ihnen mitteilen zu müssen, dass ihr Vater in der letzten Nacht verstorben ist!“ Diese Nachricht traf sie alle zunächst einmal sehr, besonders Paulo Mutter fing sofort an zu weinen und hörte erst einmal nicht mehr auf. Paulo tröstete sie und sagte:

„Liebe Mutter, Vaters Tod trifft mich genauso wie Dich, aber wir müssen in die Zukunft sehen!“, und er erzählte seiner Mutter, was er sich überlegt und schon mit Sara besprochen hatte. Augenblicklich hörte Marga auf zu weinen und war gefasst, Paulo drückte ihre Hand und sah ihr ins Gesicht:

„Alles wird wieder gut!“, sagte er. Aber Marga fiel es sehr schwer, mit dem Tod ihres Mannes zurechtzukommen, sie war einerseits relativ gut gestimmt, was ihre Aussichten für die Zukunft anbelangte, andererseits aber auch von tiefer Trauer befallen.

Paulo kümmerte sich gemeinsam mit ihr um die Bestattungsformalitäten und setzte gemeinsam mit dem Bestatter einen Beerdigungstermin fest. Marga und er schrieben an alle Bekannten und Verwandten und luden sie zur Beerdigung ein, sie gaben eine Große Annonce im „Dinkelsteiner Anzeiger“ auf, in der sie auch Ort und Zeit der Beerdigung hingewiesen, die Beerdigung sollte drei Tage später an einem Freitag stattfinden.

Besonders nahestehende Bekannte und Verwandte sollten sich im Anschluss im „Ratskeller“ zu einem Kaffeetrinken einfinden.

„Ich habe in meiner Größe gar nichts anzuziehen!“, rief Sara aus und Marga antwortete ihr:

„Das macht doch nichts, jedermann kann doch sehen, dass Du schwanger bist und deshalb nichts Passendes anzuziehen hast!“

Am Freitagmorgen war zunächst ein Trauergottesdienst angesetzt, und die Kirche war voll. Neben den Hildesheimern waren vor allem alle Stadtoberen anwesend, denn Arthur war ein bekannter Mann gewesen. Sie gingen zu Marga und Paulo und kondolierten, am Schluss erschien der Pfarrer und sprach ihnen sein Beileid aus.

Dann nahm jeder in der Kirche Platz und der Gottesdienst begann, der Pfarrer war an einem der letzten Tage bei Paulo und hatte einige Höhepunkte aus Arthurs ereignisreichem Leben notiert, die flocht er in seine Predigt ein und sprach sie besonders an. Als die Predigt beenndigt war, ging der Bürgermeister von Dinkelstein nach vorn und hielt eine Rede auf Arthur, er stellte ihn als grundsoliden und anständigen Menschen dar, und er hob einige Höhepunkte aus Arthurs Abgeordnetendasein hervor.

Nach dem gemeinsamen Vaterunser gingen die gesondert Geladenen in den Ratskeller und setzen sich zu Kaffee und Kuchen zusammen.

Marga saß vor Kopf, und Paulo saß neben ihr und tröstete sie.

Nach 2 Stunden wurde das Kaffeetrinken schließlich aufgehoben, und Saras Vater kann nach vorn zu Marga, er sagte ihr:

„Liebe Marga, wir haben deinen Mann ja gerade noch kennengelernt und gleich gemerkt, dass er ein sehr feiner Mensch gewesen war.“ Er legte dabei seine Hand auf Margas Schulter und umarmte sie leicht zum Abschied, dann fuhren sie zurück nach Hildesheim.

Als sie Beerdigungsfeierlichkeiten vorbei waren, gingen Marga, Sara und Paulo zum „Sonnhügel“ setzen sich ins Esszimmer. Paulo holte für jeden etwas zu trinken und schnitt das Thema „Umzug in die Altstadt“ an.

Marga ergab sich sofort ganz offen und forderte Sara und Paulo geradezu auf, ihr Vorhaben auch in die Tat umzusetzen.

„Ich habe doch Platz genug, ihr könnt euch im Haus ruhig ausbreiten und habt noch Zimmer für Eure Kinder. Ich werde mich mit einem Zimmer bescheiden, das riesige Wohnzimmer können wir ja gemeinsam nutzen, aber ich brauche es nicht, wie gesagt, ich habe ja ein Zimmer!“, sagte Marga.

„Wir müssen erst einmal bei dir räumen und Sachen, die du nicht mehr brauchst, auf den Sperrmüll werfen auch wenn du glaubst, dich nicht von bestimmten Dingen trennen zu können, gib dir einen Ruck und leg die Sachen heraus!“, forderte Paulo Marga auf.

„Wir müssen unsere Möbel ja auch unterkriegen!“, warf Sara ein. Marga sah die beiden an und nickte mit ihrem Kopf.

Am nächsten Tag fuhren Sara und Marga mit Saras kleinem Wagen in die Altstadt und sahen sich in dem riesigen alten Haus um, sie kamen am Ende auf so viele Altmöbel und abgenutzte Sachen, dass Sara sagte:

„Ich denke, wir sollten eine Firma mit dem Ausmisten betrauen, wir allein kommen da nicht zurecht, zumal ich mich kaum noch richtig bewegen kann!“ Marga ging zu den alten dunklen Schränken und zu den Sofas, den alten Schabrackensesseln und strich mit einer Hand über die zum Teil kostbaren Möbel.

„Ich denke, du hast Recht, das hier im Wohnzimmer ist ja nur ein Teil des Mobiliars, Dinge, von denen ich mich nicht lösen kann, räumen wir in den Keller, aber sieh Dir nur den alten Sekretär an!“, und sie stand neben dem wuchtigen Möbelstück, „den hat Arthur früher immer zum Arbeiten benutzt, er stammt auch von seinen Großeltern, hat also schon einige Jahre auf dem Buckel.“

„Marga, auch der Sekretär muss weg oder in den Keller“, erwiderte Sara, „wir können jetzt nicht die Geschichte eines jeden Möbelstücks rekapitulieren.“

Marga und sie liefen durchs ganze Haus und besahen , was weg musste, und was bleiben konnte. Sara griff zum Telefon und rief eine Entrümpelungsfirma an, die es in Feldstadt gab, und die mit einem Lkw kommen wollte.

Dann gingen die beiden Frauen daran, ein Zimmer für Marga auszustaffieren, und sie nahmen den Raum neben dem Wohnzimmer, der eine ausreichende Größe hatte.

Sie räumten das Zimmer zunächst ganz leer und machten es dann sauber.

Es lag in der ganzen unteren Etage Parkett, bis auf die Küche und das Badezimmer.

„Ich finde, dass du einen schönen Teppich in dein Zimmer legen solltest!“, schlug Sara vor, und Marga nickte dazu.

Die Wände waren mit Raufaser beklebt, sodass man sie nur streichen musste, das würden Sara und Marga zusammen machen.

Als sie in dem leeren Zimmer standen, machten sie Pläne, wie das Zimmer einzurichten wäre, und Marga wies zunächst ihrem Bett einen Platz zu. Dann sahen sie eine Sitzecke vor, wo sie auch Margas Fernseher hinstellen würden. Es gäbe dort eine Couch, einige Sessel und einen Tisch, dann müsste auch ein Schrank in das Zimmer.

Es blieb noch ausreichend Platz in dem Raum, Marga hütete sich aber davor, ihn zu voll zu stellen, sie könnte nach und nach noch ein paar Kleinigkeiten im Zimmer postieren.

Die Gästetoilette, die sich neben Margas Zimmer befand, sollte zu einem Badezimmer vergrößert werden, das nur für Marga reserviert wäre. Dazu sollte die Wand zu dem kleinen Abstellraum daneben herausgenommen werden.

Am frühen Nachmittag kam Paulo aus der Schule in die Altstadt, und er sah sich in dem alten Haus seiner Mutter um.

„Wie ich sehe, habt ihr schon ein Zimmer leergeräumt, das soll wohl dein Zimmer werden, Mutter?“, fragte Paulo.

„Das Gästeklo nebenan soll zu einem Badezimmer erweitert werden! “, sagte Sara, „und Marga und ich haben eine Entrümpelungsfirma bestellt, die sich um die ganzen alten Sachen kümmern soll, was Marga behalten will, kommt in den Keller.“

„Der Raum hier muss gestrichen werden“, sagte Paulo, „ich fahre zum Baumarkt und hole die nötigen Sachen!“

Und noch am selben Tag strichen Marga und Sara das Zimmer, während Paulo durchs Haus lief und alte Sachen ausmusterte. Es gab das eine oder andere Stück, dass er für wert befand, aufgehoben zu werden und das er, wenn er konnte, in den Keller brachte.

Am Abend, als sie fertig waren, fuhren sie wieder zum „Schönhügel“ und beim Abendessen sagte Marga:

„Ich freue mich, in der Altstadt weiter mit euch wohnen zu können!“

„Wir freuen uns auch!“, sagte Paulo.

„Sara, du musst morgen früh einen Umzugswagen für übermorgen bestellen!“, fuhr Paulo fort.

„Ist gut“, sagte Sara, „das mache ich, wir können morgen mit unserem Auto ja schon einmal Kleinzeug rüberfahren!“

„So wie ich das gesehen habe, sind alle Räume mit Raufaser tapeziert, sodass wir einen Anstreicher bestellen können, der die Räume weiß streicht, auch muss jemand kommen, der das Gästeklo zum Badezimmer erweitert, ich kenne da jemanden in Dinkelstein, um den ich mich augenblicklich kümmern werde“, sagte Paulo.

Sara war vier Monate vor dem Geburtstermin von Ben und Joshua, der würde um den 20. November liegen, sie fühlte sich relativ gut, und konnte, wenn auch mit Einschränkungen, noch gut zulangen.

Am nächsten Tag fuhren sie wieder mit ihrem Kleinwagen in die Altstadt rüber, und sie begannen, Margas Zimmer einzuräumen. Zwischendurch tätigte Sara zwei Anrufe zur Umzugsfirma und zu einem Anstreicher.

Sie nahm sich einen Einkaufszettel für IKEA und schrieb drei kleine Sessel darauf, die Couch auch den Tisch und den Schrank nahmen sie von den alten Möbeln.

Du brauchst auch noch eine Lampe für die Sitzecke und eine Deckenlampe!“, sagte Sara und schrieb die Lampe auf den Zettel. Als sie soweit alles hingestellt hatten, meinte Marga:

„Ich würde gerne in die Mitte des Zimmers und neben den Tisch einen Teppich hinlegen“, und Sara schrieb Dinge auf.

Sie gingen im Anschluss in die anderen Räume und notierten die Möbel, die die Entrümpelungsfirma nicht mitnehmen sollte. Paulo hatte da schon vorgesiebt und Möbel, die aufbewahrt werden sollten, gekennzeichnet.

Sara und Marga schnappten sich dann jeder eine Leiter und nahmen die Deckenlampen ab, die zum Teil sehr altmodisch aussahen und legten sie zur Seite. Dann gingen sie an die Fenstervorhänge und nahmen auch die herunter, sie hingen schon seit Jahren vor den Fenstern. Sie würden für neue Gardinen Stoff bei IKEA kaufen, ebenso wie neue Deckenlampen, und Sara schrieb alles auf ihren Zettel.

Am frühen Nachmittag erschien Paulo, und er war bei dem Mann, der das Gästeklo ausbauen sollte und hatte mit ihm einen Termin vereinbart.

„Ihr wart ja so richtig fleißig“, sagte er und begutachtete Margas Zimmer.

Sara und Paulo wollten sich eine komplett neue Küche zu legen und würden sie bei IKEA kaufen und von IKEA-Leuten aufbauen lassen. Sie liefen zu Margas alter Küche und Marga sagte:

„Das ist meine alte Küche, sie ist so ungefähr 30 Jahre alt, zum Teil haben Arthur und ich noch Sachen vom Vorbesitzer übernommen, die demzufolge noch viel älter sind.“

„Das muss alles raus und durch neue Küchenmöbel und -geräte ersetzt werden!“, sagte Paulo.

Es gab in der Küche auch nicht ein Teil, das sie übernehmen wollten, sicher hatte der Gasherd schon beinahe antiquarischen Wert, aber wem nutze das, wenn er möglicherweise den modernen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr genügte? Eine Spülmaschine hatte Marga gar nicht, sie hatte die bei paar Dinge, die Arthur und sie an Geschirr und Besteck benutzt hatten, immer von Hand abgespült, was für die beiden sicher ausreichend war.

Wenn die alten Küchenmöbel raus transportiert worden wären, müsste man auch mal sehen, ob die alten Leitungen noch in Ordnung wären, die müssten die IKEA-Leute in Augenschein nehmen.

Sie würden die Großgeräte wie Kühl/Gefrierkombination, Spülmaschine, Mikrowelle und Herd/Backofen auch bei IKEA kaufen und sich von den IKEA- Leuten beraten lassen.

Dann liefen sie zu den Räumen, die einmal Kinderzimmer werden sollten und da war klar, dass sie komplett neu möbliert werden müssten, und Sara schrieb auf ihren Einkaufszettel noch Lampen und Teppiche für die Kinderzimmer, dazu Kinderbetten und Bettwäsche.

Und schließlich waren sie im Schlafzimmer von Marga und Arthur, und da müsste alles auf den Sperrmüll und durch die Schlafzimmermöbel ersetzt werden, die sie in ihrem Schlafzimmer auf dem „Sonnhügel“ hatten.

Kleinmöbel, die sie aussortiert hatten und aufbewahren wollten, brachten sie in den Keller.

Der Keller war von Marga und Arthur eigentlich nie genutzt worden, nur die Gasheizung belegte einen Raum. Früher belegten sie zwei weitere Räume mit Koks für die Kokszentralheizung, danach wurden diese Räume für zwei große Öltanks gebraucht und mit der Gasheizung, die Marga und Arthur zehn Jahre zuvor hatten einbauen lassen, standen diese Räume leer.

Marga, Sara und Paulo stellten die Sachen, die sie aufbewahren wollten, in diese Räume und mussten sehen, dass sie sie nicht schnell voll gestellt hatten.

Am späten Nachmittag machten sie Schluss und fuhren zum „Sonnhügel“ zurück.

Sara war mit der Entrümpelungsfirma so verblieben, dass sie am Vormittag käme und mit der Umzugsfirma, dass sie ihre Sachen vom „Sonnhügel“ am Nachmittag in die Altstadt brächte.

Der Anstreicher würde unabhängig von den beiden Firmen arbeiten können, und der Mann, der das Gästeklo erweitern sollte, käme irgendwann, so wie Paulo es mit ihm verabredet hatte.

Sara, Marga und Paulo aßen das letzte Mal auf dem „Sonnhügel“ zu Abend, danach wohnten sie in der Altstadt in der „Herrengasse“.

Die beiden Frauen waren am nächsten Morgen schon um 8.00 h in der Altstadt und warteten auf die Entrümpelungsfirma, die kam pünktlich und die Männer fingen auch gleich an, die alten Sachen in den Lkw zu laden. Auch brachten sie die Dinge, die verwahrt werden sollten, in den Keller, um die Mittagszeit war das Haus ganz leer.

Sie hatten in der Küche ein paar Dinge so belassen, wie sie waren, vor allem Kühlschrank, Herd und Sitzmöbel.

Sara fuhr dann mit Marga zu IKE und kaufte die Dinge, die auf ihren Einkaufszettel standen, und dann nahm Sara Paulos größeren Wagen für die Sessel, die sie in Margas Zimmer stellen wollten und fuhr noch einmal zurück.

Um 14.00 h kam der Umzugswagen zum „Sonnhügel“, und die Männer luden in Windeseile alles in ihren Lkw und brachten die Sachen zur „Herrengasse“, dort stellten sie sie ins Haus und hatten damit ihren Auftrag erledigt. Nach langem Hin und Her hatten sich Marga, Sara und Pauo darauf verständigt, dass der alte Sekretär in Margas Zimmer käme, mit der Hilfe der Männer brachten sie ihn hinüber.

Am Abend war die Hauptarbeit vollbracht, die alten Möbel waren durch die Entrümpelungsfirma entsorgt und die Umzugsmöbel vom „Sonnhügel“ in die „Herrengasse“ gebracht worden.

Sie richteten Saras und Paulos Schlafzimmer ein, damit sie dort auch übernachten konnten. Margas Zimmer war ja soweit schon fertig, dass sie dort schlafen konnte.

Der nächste Tag war ein Samstag, und sie fuhren alle noch einmal zum „Sonnhügel“, um zu sehen, dass sie auch alles ausgeräumt hatten, dann ging es aber wieder zurück zur „Herrengasse“, und sie nutzten das Wochenende, um ihre Zimmer einzurichten.

Da IKEA am Samstag bis 20.00 h geöffnet hatte, fuhren sie noch einmal zu IKEA und kauften Kleinigkeiten wie Teppiche und Lampen, vor allem aber machten Sara und Paulo einen Termin für die Küchenaufstellung perfekt. Sie baten Marga, doch im Restaurant auf sie zu warten und gingen in das Küchenstudio, um sich beraten zu lassen. Sie entschieden sich schließlich das „Metod“-System, hielten sich aber offen für Ratschläge des Küchenservice, den sie in Anspruch nehmen wollten. Sie vereinbarten einen Termin, an dem die Küchenfachleute von IKEA erscheinen und die Küche aufstellen würden.

Es stellte sich heraus, dass die Küchenplanung mit so vielen Kleinigkeiten versehen war, an die man vorher gar nicht gedacht hatte, aber sie würden sie beim Treffen mit den IKEA-Leuten schon berücksichtigen.

So war ihr Aufenthalt im Küchenstudio doch von nicht zu langer Dauer, und Sara und Paulo gingen zum Restaurant, wo sie Marga trafen, die sich freute, nicht länger allein sitzen zu müssen.

Sie wollten zuerst essen und dann für Marga Lampen und Teppiche kaufen.

Gardinenstoff würde Sara in der Folgewoche auch bei IKEA kaufen, sie würde die Gardinen mit dem Saumband selbst kürzen.

Nachdem sie gegessen hatten, gingen sie zu den Lampen und kauften für Marga eine dimmbare Stehlampe und eine Deckenlampe. Danach kauften sie noch zwei Teppiche für Margas Zimmer.

Sie würden noch unendlich oft zu IKEA fahren und Kleinigkeiten kaufen, sie müssten sich zuerst einen Überblick verschaffen, was sie noch alles nötig hatten.

Sie verbrachten die folgenden Tage damit, die Räume einzurichten, und Margas Raum war der erste, der fertig war, und sie fühlte sich sehr wohl in ihm. Das Wohnzimmer bereitet ihnen mit seinen 45 Quadratmetern ein paar Schwierigkeiten, sie überlegten, ob sie es in einen Fernsehraum oder in einen Aufenthaltsraum verwandeln sollten, in dem man sich einmal hinsetzte und las.

Sie kamen überein, beides in dem Riesenraum zuzulassen. Sie postierten in eine Ecke Saras und Paulos Sitzmöbel, die sie auf dem „Sonnhügel“ in ihrem Wohnzimmer stehen hatten, daneben stellten sie Bücherregale mit den vielen Büchern, die sie, zum Teil ungelesen, hatten. Unter die Polstermöbel mit einem kleinen Tisch legten sie einen hellen Teppich.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes richteten sie eine Fernsehecke ein, ebenfalls mit Polstermöbeln. Das war die Grundstruktur des Wohnzimmers, an der einen Seite gab es einen Kamin, aber im Sommer brauchte man den nicht.

Auch die Kinderzimmer waren soweit fertig, es standen die Kinderbetten, die Schränke, die Wickelkommoden und Paulo müsste noch die Heizstrahler und die Spieluhren anbringen.

In den Räumen müssten noch Gardinen angebracht werden, und Sara und Marga sahen sich bei IKEA um, um schöne Stoffe zu bekommen.

So ergänzten sie peu a peu in den Zimmern das, was dort stand, mit ausgefallenen und attraktiven kleinen Dingen, sie mussten sich auch noch um Bilder kümmern, die sie an die Wände hängen konnten. Teilweise waren das Fotos aus eigenem Bestand, aber die großen Freiflächen im Wohnzimmer zum Beispiel verlangten schon nach ansprechenden Bildern.

Und wenn sie wirklich herausragende Bilder kaufen wollten, mussten sie schon in eine Galerie gehen oder Poster kaufen und sie in einem Passepartout bringen.

Sara konnte sich kaum noch richtig bewegen, und Marga und Paulo nahmen ihr alle schwere Arbeit ab, sie konnte nur noch mit Marga zu IKEA fahren und dort ganz gemächlich die langen Gänge entlang laufen.

Als die IKEA-Leute wegen der Küche in der „Herrengasse“ waren, zeigte sich deren handwerkliches Können, sie nahmen Maß, legten Steckdosen, befanden die vorhandenen Leitungen für gut, auch die Gasleitung und machten Einrichtungsvorschläge. Sie schlossen den Spülmaschinenabfluss an den Spülensyphon an und fertigten eine Skizze an, auf der man die endgültige Küche sehen konnte. Die Küche bot ausreichend Platz für alle, sodass sie dort essen konnten.

Dazu mussten sie aber einen Essplatz einrichten, und einen stabilen Tisch und solide Stühle besorgen. Sie ließen sich von den IKEA-Leuten etwas zeigen, was ihren Vorstellungen sehr entgegenkam. Sie bestellten die Sachen gleich und wollten sie sich anliefern lassen, genauso wie die anderen Küchensachen, die sie in Absprache mit den IKEA- Leuten auch noch bestellten.

Am Ende brauchten die IKEA-Leute drei Tage und die Küche war tipptopp aufgebaut, auch der Essplatz wirkte einladend.

Dass Letzte, was in der Küche montiert werden musste, war das Licht, sie nahmen neben einer Deckenlampe viele kleine Lichtquellen, die sie unter die Küchenschränke und auch am Essplatz anbrachten.

„Lasst uns doch unsere schöne neue Küche mit einem Essen einweihen, das wir zusammen zubereiten sollten, jeder kann nach zwei seiner Bekannten einladen!“, schlug Sara vor.

„Ich finde die Idee ganz ausgezeichnet, wir müssen überlegen, was wir kochen sollten, ich würde zwei meiner liebsten Freundinnen einladen!“, sagte Marga.

„Sara und ich können Freunde aus unseren Schulen einladen, vermutlich werden das aber schon Freunde von meinem Gymnasium sein, denn Sara wird ja jetzt eine ganze Zeit in ihrem Gymnasium fehlen“, sagte Paulo.

Sie saßen zu dritt an ihrem Esstisch und fühlten sich dort sehr wohl.

„Wir müssen noch ausreichend Stühle besorgen, damit auch jeder einen Platz hat“, sagte Sara.

Paulo sagte in seinem Gymnasium seinen beiden Freunden, an die er dachte, Bescheid und Marga unterrichtete ihre beiden Freundinnen, die auch immer dabei waren, wenn sie nach dem Einkaufen ins Café gingen und dort Torte aßen.

Alle dachten sie an drei Gänge, die sie zubereiten wollten: da war zuerst Saras Suppe aus Karotten, Lauch und Ingwer, als Nachtisch sollte es Eis mit geschmolzener Kuvertüre geben. Nur beim Hauptgang waren sie sich noch nicht einig, er sollte aber auf jeden Fall etwas Vegetarisches sein.

„Ich bin dafür das wir Pilzrisotto machen, dazu kann es frische Champignons und Steinpilze geben“, sagte Paulo.

„Ich schließe mich an, weil ich das Essen für ausgezeichnet halte, und sich unsere eingeladenen Gäste sicher darüber freuen werden!“, sagte Sara.

„Ich kenne euer Risotto gar nicht und mache aber mit!“, sagte Marga, „wenn es so gut ist wie ihr sagt, werden sich meine Freundinnen sicher auch freuen!“

Zum Nachtisch würde es Vanilleeis geben, wie man es in jedem Supermarkt bekam, und es würde als Soße Kuvertüre im Wasserbad erhitzt.

„Ich schlage als Termin für unser Essen den nächsten Samstag vor!“, regte Paulo an.

„Ist gut, dann lass uns den Samstag nehmen!“, sagte Sara.

„Ja gut, dann Samstag!“ , schloss sich Marga an.

Sie würden am nächsten Morgen ihr erstes gemeinsames Frühstück in der neuen Küche zu sich nehmen. Die nächste Bäckerei lag um die Ecke, und Paulo bot sich an, Brötchen kaufen zu gehen. Sara und Marga deckten den Tisch und kochten Kaffee, und sie zelebrierten ein gelungenes Frühstück.

Marga und Arthur hatten den „Dinkelsteiner Anzeiger“ abonniert, und Marga hatte das Abo beibehalten. Paulo sagte:

„Zu einem guten Frühstück gehört immer eine Zeitung!“ , und er nahm sich den Anzeiger und las ihn durch. Er hatte nicht die Erwartung, hohes journalistisches Niveau in seiner Zeitung vorzufinden, der Anzeiger bedeutete ihm aber ein Stück Heimatverbundenheit. Außerdem gab es auf seiner Rätselseite ein Sudoku, und das löste Paulo jeden Morgen für sein Leben gern.

„Was soll es zu unserem Essen zu Trinken geben?“, fragte Sara. Marga hatte noch aus Arthurs Beständen jede Menge Moselwein im Keller, den wollte sie anbieten. Paulo erwiderte aber:

„Zu einem italienischen Essen gehört auch ein italienischer Weißwein, biete du deinen Freundinnen den Moselwein an, ich besorge vier Flaschen „Pinot Grigio“! Ich selbst trinke ja nur alkoholfreies Bier, das besorge ich schon!“

Am Mittwoch begab sich Sara an die Suppe, sie hatte alle Zutaten, die sie für das Essen brauchte, bei Aldi und bei Edeka gekauft, die es beide in der Altstadt gab. Am Nachmittag hatte sie die Suppe fertig, und nachdem sie abgekühlt war, stellte sie sie in ihre neue Kühl/Gefrierkombination und fror sie ein.

Sara versuchte am Samstag auf dem Wochenmarkt die Pilze zu bekommen, und Marga begleitete sie dabei, und tatsächlich gab es neben den Champignons auch frische Steinpilze, weil sie gerade in der Pilzsaison waren.

So viel Arbeit gab es dann auch nicht mehr beim zubereiten des Risotto und Sara, Marga und Paulo waren um 18.00 h mit den Vorbereitungen fertig. Sie hatten ihre Gäste für 19.00 h eingeladen und in der Küche den Esstisch gedeckt und mit Blumen drapiert. Pünktlich um 19.00 h ging die Stelle und Margas Freundinnen kamen zuerst, nur ganz kurze Zeit später erschienen auch die beiden Kollegen von Paulo. Sie machten erst einen Rundgang durch das Haus und die drei Bewohner zeigten den Besuchern alle Zimmer und fanden bei Ihnen große Bewunderung.

Im ersten Stock lagen die Kinderzimmer und Saras und Paulus Arbeitszimmer, in dessen Mitte sie ihre Schreibtische längsseits aneinander gestellt hatten. An den Wänden standen Regale voller Bücher, ausschließlich Fachbücher. Um der trockenen Arbeitszimmeratmosphäre ein wenig Auffrischung zu geben, hatten sie eine große Zimmerpflanze an das Fenster auf den Boden gestellt.

Danach gingen sie alle in Margas Zimmer, und das war das Zimmer im Haus, das am meisten ins Auge stach, weil es vollkommen fertig eingerichtet war.

Margas Freundinnen, Kati und Elfi, lobten Marga wegen ihres Geschmacks beim Einrichten.

Danach gingen die vier in die Küche und setzten sich an den Esstisch.

„So, wer möchte etwas trinken, wir haben italienischen Weißwein, Moselwein, Bier und alkoholfreies Bier?“

Paulus Freunde, Frank und Bernd, nahmen jeder erst einmal ein Bier.

„Wir können ja zu Fuß nach Hause laufen“, sagte Frank.

Kati und Elfi nahmen Moselwein, genau wie Marga, und Sara und Paulo nahmen alkoholfreies Bier.

„Schön das ihr gekommen seid, ich möchte euch sagen, was es heute bei uns zu essen gibt: Karotten-Lauch-Ingwer-Suppe, ein Pilzrisotto und zum Nachtisch Eis mit heißer Schokoladensauce“, sagte Sara.

Das hört sich ja gut an!“, entgegnete Elfi und Sara und Paulo gaben jedem ein Schälchen Suppe. Der Ingwer gab der Suppe eine asiatisch anmutende Schärfe, und die wurde von allen bemerkt und positiv hervorgehoben. Paulo hob sein Bierglas und stieß mit allen an: „Sara und ich freuen uns und trinken mit euch auf einen gelungenen Abend!“

„Wer möchte denn noch ein Schälchen Suppe?“, fragte Sara, als alle ihre Suppe gegessen hatten, und alle vier Besucher nahmen noch ein Schälchen.

Sara hatte das Risotto in einer größeren Schüssel angerichtet und stellte sie mit einer Kelle auf den Tisch. Der Reis war bissfest und die Champignons gaben dem Gericht eine sehr schmackhafte Note, der absolut herausstechende Geschmack kam aber von den Steinpilzen, die unbedingt an das Gericht gehörten.

„Das Risottto ist Dir aber sehr gut gelungen!“, rief Kati aus, und alle pflichteten ihr bei.

Jeder nahm zweimal vor dem Gericht und alle lobten es nochmal wegen seines ausnehmend guten Geschmacks.

Noch einmal stießen sie miteinander an, als Frank und Bernd aber auf italienischen Weißwein schwenkten, und Paulo öffnete eine Flasche von dem „Pinot Grigio“ und schenkte jedem von beiden ein Glas ein.

Nachdem sie alle von dem Eis zum Nachtisch gegessen hatten, waren sie mehr als satt.

„Wie geht es dir in Deiner Schwangerschaft, Sara?“, fragte Elfi dann und Sara antwortete:

„Danke der Nachfrage mir geht es ausgezeichnet und ich hoffe, dass das in den zwei Monaten, die ich noch habe, auch so bleibt!“

„Ich weiß nicht, ob ihr Nachwuchs habt, Frank und Bernd, aber bei uns dreien sind die Schwangerschaften 30 Jahre und mehr her!“, fuhr Elfi fort.

„Nein, wir haben noch keinen Nachwuchs“, antwortete Bernd.

„Ein Nachwuchs sitzt hier am Tisch!“, sagte Paulo und legte seinen Arm um die Schultern seiner Mutter und Marga strahlte stolz.

Es war ein sehr heißer Samstag, und es hatte auch am Abend nicht wesentlich abgekühlt, sodass sie in der Küche alle Fenster geöffnet hatten.

„Bei den Temperaturen muss man unweigerlich an Klimaanlagen denken, die in den Baumärkten überall angeboten werden“, sagte Bernd.

„Die Tage, an denen es so heiß ist wie heute, kann man aber an einer Hand abzählen, und ich denke, wenn man abends die Fenster öffnet, kann man es doch ganz gut aushalten!“, entgegnete Paulo. Im Folgenden kamen sie auf ihre Wohnsituation in Dinkelstein zu sprechen. Kati und Elfi wohnten beide auf den „Sonnenwall“ am anderen Ende der Stadt, wären zu Fuß aber in 15 Minuten zu Hause.

Frank und Bernd wohnten in der „Kirchstraße“ auf der anderen Seite der „Löhrallee“, und hatten dort beide vor zehn Jahren Baugrundstücke gekauft, auf denen sie Einfamilienhäuser hatten errichten lassen.

„In Dinkelstein ist nicht allzu viel los“, sagte Kati, „aber wenn man einmal etwas unternehmen will, fährt man eben die paar Kilometer noch Feldstadt.“

„Meine Frau und ich gehen sehr oft in unserer Cinemaxx, dass bei uns um die Ecke liegt, wir besuchen auch relativ oft Veranstaltungen im Kulturzentrum, ich finde, dass dort einiges geboten wird!“, sagte Frank.

„ Meiner Ansicht nach muss sich jeder fragen lassen, ob er wirklich ein so hoch stehendes kulturelles Angebot braucht und auch ausnutzt. Ich meine, wenn ich aus der Zeitung etwas über ein mir zusagendes kulturelles Angebot erfahre, sei es nun Kino oder Theater, und ich komme in Dinkelstein nicht zurecht, dann fahre ich doch nach Feldstadt oder noch weiter!“, sagte Sara.

„Neben dem kulturellen Angebot einer Stadt gibt es aber noch weitere Faktoren, die sie lebenswert machen können, ich denke da an reduzierten Verkehrslärm, gute Ausstattung mit Geschäften, oder gute Luft!“, wandte Paulo ein.

„Genauso sehe ich das auch!“, sagte Elfi, „das sind doch Punkte, mit denen sich Dinkelstein brüsten kann, und in deren Genuss kommen wir alle.“

„Ich glaube, dass das Punkte sind, die für eine junge Familie, die wir bald sein werden, von besonderer Bedeutung sind!“, sagte Sara.

„Was nutzt uns denn das beste Kinoprogramm und herausragendste kulturelle Angebot, wenn unsere Kinder nicht mitspielen und ununterbrochen herumschreien, wir müssen zuerst an unsere Kinder und deren Wohlergehen denken!“, sagte Paulo.

Gegen 22.30 h beendeten sie den Abend und Kati und Elfi wurden von Paulo nach Hause gefahren, während Frank und Bernd liefen.

Sara und Marga räumten die Küche auf, und als Paulo zurück war, gingen sie schlafen. Am Sonntagmorgen machten Sara, Marga und Paulo einen Spaziergang durch die Altstadt, um sich einen Überblick über ihr näheres Wohnumfeld zu verschaffen, das Paulo zwar noch von früher her kannte, es hatte sich in der Zwischenzeit aber doch einiges verändert.

Am Nachmittag setzte sich Paulo zum Korrigieren an seinen Schreibtisch, während Sara und Marga in der Küche einen Kuchen backten.

In den Folgetagen und -wochen statteten sie das Haus mit den noch fehlenden Kleinigkeiten wie Bilder aus, und es rückte der Geburtstermin langsam näher.

Es war Mitte November geworden, und ein eiskalter Ostwind bestimmt das Wetter, der Bruch mit dem Sommer hätte gar nicht drastischer ausfallen können. Sara verbrachte die Zeit ausschließlich im Liegen, sie hatte sich die Couch im Wohnzimmer ausstaffiert und las dort, lediglich, wenn es etwas zu essen gab, stand sie auf und lief in die Küche.

Als sich bei Sara die erste Wehe bemerkbar machte, rief sie Paulo, der zum Glück zu Hause war, und fuhr mit ihm nach Feldstadt ins Krankenhaus, und sie begaben sich gleich in die Geburtsabteilung.

Dort machte man Sara für die Geburt fertig brachte sie in den Kreißsaal und legte sie auf die Liege. Eine Hebamme war bei ihr, und sie bat Paulo, der natürlich dabei war, Saras Hand zu halten, als es auch schon losging.

Die Hebamme rief den Gynäkologen, der sofort erschien, er begrüßte Sara und Paulo und besah sich Saras inzwischen doch riesigen Bauch.

„Geht es Ihnen gut?“, fragte er Sara und Sara antwortete:

„Von ganz kleinen Zipperlein abgesehen geht es mir sehr gut.“

„Dann wollen wir mal!“, sagte der Arzt und drückte vorsichtig auf Saras Bauch.

Bei Sara setzten die Wehen ein, zuerst in größerem Abstand, dann aber kurz aufeinander. Sara begann vor Schmerz zu schreien, was für die Hebamme und den Arzt eine völlig normale Regung war, womit Paulo aber nichts anzufangen wusste.

Die Hebamme sah ihm an, dass er schlapp zu machen drohte und sagte ihm:

„Jetzt quetschen sie nicht zu sehr die Hand ihrer Frau, und reißen sie sich zusammen!“

Paulo sah Sara ins Gesicht, es war völlig entstellt, und er bekam mit, wie Sara kämpfte, als sich wieder eine Wehenpause einstellte.

Sara gab ihre verkrampfte Haltung auf und ließ alle Glieder locker, sie entspannte scheinbar, dabei ließen die nächsten noch heftigeren Wehen nicht lange auf sich warten.

Paulo sah bei Sara, wie sich ihre Gesichtszüge wieder spannten, und wie Zuckungen durch ihren Bauch gingen, sie schrie wieder vor Schmerz, und Paulo sah die Hebamme und den Arzt an.

Die Hebamme aber sagte nur:

„Es läuft alles ganz normal, keine Sorge!“, Aber für Paulo war nichts normal, er hörte seine Frau nur schreien und konnte ihr nicht helfen, außer dass er ihre Hand drückte, Sara schrie immer lauter.

„Mein Gott“ dachte Paulo, „was muss Sara nur durchmachen!“

Bei Sara war es so, dass ein Kind in der optimalen Gebärlage war, während das andere vermutlich mit der Gebärzange geholt werden musste, von einem Kaiserschnitt sahen sowohl der Arzt als auch die Hebamme aber ab.

„Und jetzt pressen, pressen, pressen!“, rief die Hebamme und Sara wandte sich in ihren Wehen und presste. Aber es tat sich nichts, stattdessen gab es eine erneute Wehenpause.

„Kannst du noch, Sara?“, fragte Paulo seine Frau und er war sichtlich mitgenommen, was Sara ihm ansah und sie grinste flüchtig.

„Frau Redmann, sollen wir ihnen ein schmerzstillendes Mittel geben, es werden jetzt noch einmal heftige Wehen einsetzen, dann sollten Sie es aber geschafft haben!“, sagte der Arzt, aber Sara lehnte dankend ab.

Und dann setzten noch einmal Wehen ein, dieses Mal noch stärker und eigentlich nicht auszuhalten, Sara schrie wie verrückt, Paulo stand da mit weichen Knien, und er war verzweifelt, dass er nicht helfen konnte.

„Pressen, pressen, pressen!“, rief die Hebamme beinahe noch lauter als Sara, plötzlich sah man ein Köpfchen, und gleich griff die Hebamme nach dem Körper des Kindes und zog es heraus, das zweite Kind wurde mit der Gebärzange geholt, es musste zuerst in die richtige Lage gebracht werden, bevor es auch herausgeholt wurde.

Augenblicklich war Sara jeglicher Schmerz genommen, die Hebamme schnitt die Nabelschnüre durch und säuberte die Babys, danach legte sie sie auf Saras Bauch, die über alle Maßen glücklich dreinschaute, und Paulo küsste zuerst seine Frau und dann ganz vorsichtig seine Kinder.

Der Erstgeborene sollte Ben und der zweite Joshua sein, und beide bekamen ein Armband, auf dem ihre Namen und Geburtsdaten vermerkt waren.

Die Geburt hatte alles in allem 3.5 Stunden gedauert und lag damit absolut im Rahmen. Ben und Joshua lagen an Saras Busen und tranken, danach schliefen sie ein.

„Das hast du sehr gut gemacht, Sara!“, sagte Paulo und küsste sie. Danach wurde Sara die Nachgeburt entnommen, und sie wurde gewaschen bevor Ben und Joshua in ihre Stubenwagen gelegt und mit Sara auf ihr Zimmer gebracht wurden.

Paulo rief seine Mutter an und teilte ihr mit dass alles gut gelaufen wäre und Ben und Joshua nach 3.5 Stunden auf der Welt waren. Marga gratulierte ihrem Sohn und war glücklich, Großmutter geworden zu sein, er sollte schnell nach Hause kommen und ihr alles erzählen, vor allem sollte er aber Sara von ihr grüßen und auch sie beglückwünschen.

Sara müsste mit Ben und Joshua eine knappe Woche im Krankenhaus verbringen, bis sie und die Kinder stabil genug wären, um nach Hause zu können.

Paulo hielt sich 2 Stunden bei Sara und seinen Söhnen auf, dann verabschiedete er sich mit einem Kuss von allen dreien und machte sich nach Hause auf.

„Morgen kommen Marga und ich euch besuchen, es wird Nachmittag werden!“, sagte Paulo schon im Gehen.

Zu Hause in der „Herrengasse“ wartete Marga schon auf ihn, und er setzte sich mit seiner Mutter bei einer Tasse Kaffee in die Küche.

„Na, dann erzähl mal, wie deine Söhne so aussehen, und wie die Geburt verlaufen ist!“, forderte Marga. Paulo überlegte kurz, bis er antwortete:

„Ich hätte nie gedacht, dass die Frauen bei der Geburt so viel Schmerzen erleiden müssen, Sara hat mir richtig leid getan, meine Söhne sehen toll aus, du wirst sie ja Morgen sehen, aber frag mich nicht, wem sie ähneln, das musst du selbst entscheiden!“

„Da hast du ja auch einmal erlebt, was es für Frauen bedeutet, ein Kind zu gebären, als Du geboren wurdest, konnte Dein Vater nicht dabei sein, und ich war auf mich allein gestellt, heute ist für die Frauen so manches einfacher, wie ich glaube, aber das eigentliche Gebären ist das Gleiche geblieben!“, erläuterte Marga.

Paulo ging in die beiden Kinderzimmer hoch und kontrollierte, ob auch alles da war, was hinein- gehörte, er ließ die Spieluhren laufen und machte die Heizstrahler an, zum Schluss stellte er die Heizung auf mittlere Stufe, und als alles funktionierte, war er zufrieden und ging wieder nach unten. Seine Mutter hatte inzwischen ein Essen zubereitet, und sie setzte sich zu ihm, während er aß.

Er würde von da ab eine Woche lang mit ihr in dem Haus verbringen, aber das war für ihn kein Problem, er kam mit seiner Mutter gut zurecht.

Am nächsten Tag fuhr er mit ihr nach Feldstadt ins Krankenhaus, und als die beiden in Saras Zimmer kamen, lagen Ben und Joshua in ihren Stubenwagen und schliefen. Sara hatte die ganze Zeit den Blick auf sie gerichtet, Marga ging zu ihrer Schwiegertochter und gab ihr einen Kuss auf die Wange, sie sagte:

„Liebe Sara, ich weiß als Mutter, welche Schmerzen dir die Geburt bereitet hat, aber das Ergebnis ist einfach toll!“ Sie ging zu den Stubenwagen und betrachtete Ben und Joshua genau, sie berührte sie aber nicht, um sie nicht zu wecken.

„Ich finde, dass sie Arthur ähnlich sehen!“, sagte Marga danach und sah zu Sara und Paulo, die nur nickten. Paulo fand, dass es viel zu früh war, um irgendwelche Ähnlichkeiten mit jemandem festzustellen, behielt das aber für sich.

„Mit Ben und Joshua ist alles in Ordnung, der Arzt hat heute Morgen zusammen mit der Hebamme bei Ben und Joshua die U2 durchgeführt, sie waren beide sehr zufrieden mit dem Ergebnis!“, plötzlich ging bei Ben ein Zucken durchs Gesicht, und alle waren begeistert, das zu sehen.

Kurze Zeit später war bei Joshua die gleiche Gesichtsregung zu sehen, und wieder waren alle hingerissen.

Ben und Joshua waren eineiige Zwillinge und glichen sich bis auf das noch kaum vorhandene Haar.

„Bist du mit dem Aufenthalt hier im Krankenhaus zufrieden?“, fragte Paulo Sara und sie antwortete:

„Das ist doch völlig egal, Hauptsache den beiden kleinen gut, und ich bin ja auch nur sechs Tage mit Ben und Joshua hier, dann kommen wir nach Hause!“

„Klappt mit Deinem Milchfluss alles?“, fragte Marga Sara.

„Zum Glück funktioniert das Stillen ausgezeichnet und ich brauche keine Milchpumpe, die beiden werden immer satt,“ sagte Sara.

Marga und Paulo gegen nach 2 Stunden wieder und fuhren nach Hause, am nächsten Tag wollten sie wiederkommen.

Zu Hause drehte Paulo die Heizung eine Stufe höher, es war wirklich schneidend kalt geworden, und er wollte nicht, dass seine Söhne frören, wenn sie auf ihren Zimmern wären.

Marga und er verständigten alle Bekannten , dass sie nun Ben und Joshua hätten und glücklich wären. Die Hildesheimer kamen und wollten unbedingt zu Sara ins Krankenhaus, und Paulo fuhr mit ihnen noch mal dorthin. Evelyn war auch mitgekommen, und sie war gespannt darauf, ihre Neffen zu sehen. Als sie in Saras Zimmer waren, stürmten sie geradezu auf Ben und Joshua zu, sodass Paulo sie schon bremsen musste, damit die Kleinen nicht erschraken.

Saras Mutter war außer sich und herzte ihre Tochter, und Ben und Joshua bekamen Küsse von der Oma.

„Ich finde, sie haben große Ähnlichkeit mit deinem Großvater, Sara!“, sagte Saras Mutter.

Ben und Joshua bekamen natürlich die plötzliche Unruhe im Zimmer mit und fingen an zu nölen, Sara nahmen die beiden zu sich, und sie waren augenblicklich wieder still.

„Liebe Schwester, dass hast du dich aber sehr anstrengen müssen, um zwei so liebe Kinder auf die Welt zu bringen!“, sagte Evelyn.

Sie bekamen jeder eine Tasse Kaffee auf Saras Zimmer und hielten sich 2 Stunden dort auf, dann wurde es Sara und den Kindern aber allmählich zu wild mit dem Besuch, und die Hildesheimer machten sich auf und verließen Sara, Ben und Joshua wieder.

Sie fuhren mit zu Marga und Paulo und sahen so eigentlich zum ersten Mal das neue/alte Haus, in dem sie nun alle lebten.

„Meine Güte, das ist ja riesig!“, rief Saras Mutter, und Paulo führte sie durch alle Zimmer. Er fing oben an und zeigte den Hildesheimern die Zimmer von Ben und Joshua, es war angenehm warm geworden und Evelyn rief aus:

„Wie niedlich!“, als sie die Spieluhren und die Wickelkommoden sah. Dann gingen Sie in Saras und Paulos Arbeitszimmer und Saras Eltern besahen sich die vielen Bücher in den Regalen.

„Das müssen die Kinder also alles heute lernen!“, kommentierte Saras Vater. Als sie unten in Margas Zimmer standen, waren sie sehr angetan von dem guten Geschmack, den Sara beim Einrichten bewiesen hatte. Es stimmte aber auch alles im Zimmer von den Gardinen bis zu den Teppichen und der alte Sekretär kontrastierte sehr angenehm zu den modernen Sesseln.

Sie setzen sich danach in das große Wohnzimmer, und Marga brachte jedem eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.

„Wenn Sara mit den beiden Kleinen in 6 Tagen hier erscheint, findet sie alles perfekt vorbereitet vor“, sagte Saras Mutter.

„Was haltet ihr davon, wenn ich für uns alle etwas zu essen bestelle?, fragte Saras Vater, und die anderen waren nicht abgeneigt. Also griff Paulo zum Telefon rief den Italiener an, den es in der Altstadt gab, und er bestellte Spaghetti Carbonara, Pizza Quattro Staggioni und Insalata Italia und das alles zweimal.

Er ging nach einer halben Stunde mit seinem Schwiegervater los und holte in der Pizzeria das Essen.

Zu Hause hatte er noch von dem „Pinot Grigio“, Marga spendierte eine Flasche Moselwein, und Paulo selbst nahm ein alkoholfreies Bier.

Dann setzen sich alle in die Küche an den Esstisch und aßen in gemütlicher Runde.

„Wenn Ben und Joshua alt genug sind, setzen wir sie in einen Klemmsitz, den wir an der Tischplatte befestigen, und wir setzen Sie zu uns an den Esstisch“, sagte Paulo.

„Bis dahin liegen sie auf dem Boden auf einer Decke und spielen mit ihren Greifspielzeugen“, sagte Saras Mutter, und sie gab Paulo schließlich das kleine Paket, dass sie die ganze Zeit mit sich herumtrug. Paulo nahm es und packte es aus, und er entnahm ihm Greifspielzeug für seine Kinder, von dem Saras Mutter gerade noch gesprochen hatte.

Sechs Tage später kam Sara schließlich mit Ben und Joshua nach Hause und Marga und Paulo, die sie vom Krankenhaus abgeholt hatten, machten glückliche Gesichter.

Marga hatte in der Küche eine warme Decke auf den Boden gelegt, und die beiden Kleinen lagen zufrieden dort und hatten ihr Greifspielzeug.

„Ich habe mich richtig nach meinem Zuhause gesehnt!“, sagte Sara und setzte sich an den Esstisch. Dann kam Paulos Part, und er ging mit ihr und seinen Kindern in deren Zimmer hoch und wickelte eines von ihnen, er musste das ja erst noch lernen, hatte aber den Bogen schnell raus, und Ben und Joshua lagen anschließend freudestrahlend in ihren Kinderbetten.

In der Zeit spielte sich ein Leben bei Ben und Joshua ein Leben ein, das von Leichtigkeit getragen war, für die beiden bedeuteten die Erwachsenen Sara und Paulo Fixpunkte in ihrer Wahrnehmung, besonders natürlich Sara.

Sehr strenger Winter in Dinkelstein

Die Kälte, die sich im November angekündigt hatte, sollte sich in Dinkelstein festsetzen, dann kam Schneefall, der gar nicht mehr aufhören wollte.

Paulos erster Gang am Morgen war ein Gang vor die Tür zum Schneeräumen, dazu hatte er in seiner Garage neben dem Haus einen Schneeschieber, eine Schüppe und einen Besen stehen, und wenn nichts half, setzte er auch Salz ein, von dem er aus dem letzten Winter noch einen Sack in der Garage stehen hatte.

Er wusste, dass das Salzstreuen eigentlich verboten war, weil man die Kleinstlebewesen schützen wollte, die natürlich unter dem starken Salzeinsatz zu leiden hatten. Aber Paulo dachte in erster Linie an einem sauberen Bürgersteig vor seinem Haus, der besonders auch von alten Menschen benutzt wurde, wenn sie zum Einkaufen gingen. Nicht auszudenken, wenn jemand von ihnen fiel und sich möglicherweise auch noch etwas brach.

Paulo wusste, dass die Gemeinde Dinkelstein die Verwendung von Auftausalz auf Gehwegen verboten hatte, nur in ausnehmend strengen Wintern war Auftausalz erlaubt.

Er bekam den Bürgersteig aber mit seinem Schneeschieber nicht so schneefrei, dass er nicht mehr glatt war. Also nahm er, wenn er mit Schneeschieber, Schüppe und Besen fertig war, immer von dem Auftausalz und streute es auf den Gehweg, er schuf so einen etwa 1 Meter breiten Streifen, der völlig frei von Schnee war, und auf dem man deshalb sehr gut laufen konnte.

An diesem Morgen gab es in Dinkelstein -5 °C Frost und sehr viel Schnee, und es schneite weiter ununterbrochen.

Paulo schätzte, dass vor seinem Haus ein halber Meter Schnee lag, und er hatte sich drinnen warm angezogen, damit er beim Schneeräumen nicht fror.

Er traf draußen seinen Nachbarn an, ebenfalls mit Schneeräumgerät bewaffnet, und er kam mit ihm ins Gespräch:

„Guten Morgen Herr Schröder, in der Nacht hat es aber mächtig geschneit!“

„Das können Sie wohl laut sagen, und es schneit weiter, d. h., dass wir mit einmal Schneeschieben heute wohl nicht hinkommen werden!“, sagte Herr Schröder.

„Ich nehme nach dem Schneeschieben Auftausalz und streue es auf den Gehweg ich weiß, dass das eigentlich verboten ist, aber bei den Schneemengen kommt man ja sonst gar nicht zurecht!“, sagte Paulo.

„Ich habe meinen Sack Auftausalz offen in meiner Garage stehen und nehme nach dem Schneeschieben immer einen Eimer voll und streue das Salz auf den Gehweg“, so Herr Schröder.

„Ich meine, wenn man gegen einander abwägt, das Leben von Kleinstlebewesen, die sich unter den Gehwegplatten aufhalten und die Sicherheit vornehmlich alter Menschen beim Gehen auf dem Bürgersteig, dann favorisiere ich eindeutig die Sicherheit der Alten!“, sagte Paulo.

„Das sehe ich genauso!“, sagte Herr Schröder.

„Dann wünsche ich Ihnen einen ruhigen Schneetag!“, sagte Paulo.

„Ich Ihnen auch!“, Und beide gingen sie an die Arbeit und nahmen sich ihre Schneeschieber.

Paulo hatte sich vor Jahren einen Schneeschieber mit Aluminiumsschild gekauft, er hatte einen Holzstiel und war leicht. Davor hatte er einen mit einem Schild aus Stahlblech, der schwer war und rostete, und den er schnell wieder ausrangierte.

Wenn er seinen Schneeschieber über die Gehwegplatten schob, blieb er schon mal an überstehenden Plattenkanten hängen. Das konnte er nicht vermeiden, und er musste neu ansetzen.

Den aufgenommenen Schnee schob er immer in die Straßengosse, immer lag dort aber schon so viel Schnee, dass er einen kleinen Wall bildete.

Er machte eine kleine Pause und holte sich Handschuhe aus dem Haus, denn er hatte eiskalte Hände bekommen, auch eine Kappe nahm er mit nach draußen.

Er brauchte an diesem Morgen deutlich länger Gehweges als in den Jahren davor immer, es fiel einfach viel Schnee, so viel, wie Paulus sich nicht erinnern konnte jemals in Dinkelsein liegen gesehen zu haben.

Wenn ihm ein ein Hundebesitzer mit seinem Tier begegnete, und der Hund Anstalten machte, sein Geschäft auf dem Gehweg zu verrichten, machte Paulo den Hundebesitzer darauf aufmerksam, mit seinem Hund an den Straßenrand zu gehen und dessen Hinterlassenschaft in einem Beutel zu legen und mitzunehmen.

Meistens zeigten sich die Hundebesitzer einsichtig und gingen zum Straßenrand, oft bekam Paulo aber auch böse Kommentare zu hören.

„Guten Morgen Herr Redmann, das ist sehr schön, dass sie für uns Alte den Bürgersteig schneefrei machen!“, sprach Paulo mit einem Mal Frau Schneider, eine Nachbarin zur anderen Seite, an.

„Guten Morgen Frau Schneider“, erwiderte Paulo den Gruß.

Paulo war noch nicht einmal bis zur Hälfte des Gehwegs gekommen und half seiner Nachbarin durch den tiefen Schnee.

„Ich habe gehört, dass sie Vater geworden sind, Zwillinge sogar, da gratuliere ich ganz herzlich!“, Sagte Frau Schneider, „bei dem Wetter können Sie mit ihren Kindern aber nicht vor die Tür!“

„Ich danke ihnen für die Glückwünsche, nein, wir werden unseren ersten Spaziergang draußen noch etwas vor uns herschieben, ich denke, dass meine Frau und ich uns den Schnee mit Ben und Joshua zu Hause durchs Fenster ansehen werden!“, sagte Paulo.

„Das machen Sie mal, es wird schon wieder besseres Wetter geben, sodass sie raus und ihren Kindern die Welt zeigen können!“

Dann ging Frau Schneider weiter, jetzt durch den geräumten Teil des Bürgersteiges.

Es schneite immer noch, und Paulo schaute zum Himmel und konnte keine Wetterbesserung erkennen. Er nahm seinen Schneeschieber und ging an die zweite Hälfte des Bürgersteiges.

Er blieb gerade zu Beginn des Stückes immer wieder an hervorstehenden Gehwegplatten hängen und musste neu ansetzen. Sein Nachbar, Herr Schröder, war da schon weiter, aber der hatte sich auch mit niemandem unterhalten wie Paulo.

Paulo arbeitete sich durch, der Schneefall hatte aber eher noch zugenommen, als dass es aufgehört hätte zu schneien.

Als Paulo auch den zweiten Teil des Gehweges fertig hatte, wenn auch mit großer Anstrengung, ging er in die Garage, nahm sich einen Eimer und füllte ihn voll mit Auftausalz. Paulo streute den gesamten Bürgersteig, weil der erste Teil beinahe schon wieder zugeschneit war.

Aber das Salz würde zumindest für die erste Zeit verhindern, dass wieder der ganze Bürgersteig zugeschneit war.

Als er seine Gerätschaften zur Garage brachte, sah er Herrn Schröder wieder und sagte:

„Herr Schröder ich fürchte, dass wir heute noch einmal raus müssen!“

„Das sehe ich auch so, dann treffen wir uns eben wieder hier draußen, denken Sie an warme Sachen!“, antwortete Herr Schröder.

Paulo legte alles, was er aus der Garage genommen hatte, zurück und schloss das Garagentor. Als er den kurzen Weg zur Haustür lief, bemerkte er, dass die Stufen vor der Haustür vollkommen vereist waren sodass die Gefahr bestand, auf ihnen auszurutschen. Er ging noch einmal zur Garage, öffnete das Tor, und nahm einen halben Eimer mit Auftausalz. Dann stellte er den einmal neben die Haustür, schloss das Garagentor und ging ins Haus, wo ihn sofort eine angenehme Wärme umgab. Er fand Marga und Sara in der Küche und fragte sofort nach Ben und Joshua.

„Die habe ich beide gerade gestillt, und sie schlafen jetzt in ihren Zimmern“, sagte Sara.

Sie hatten inzwischen Babyphons besorgt und in die Küche gelegt, auf diese Art und Weise bekamen sie jeden Mucks mit, den Ben und Joshua von sich gaben. Paulo hatte an diesem Tag zur 3. Stunde Unterricht, von daher konnte er das Schneeschieben am frühen Morgen überhaupt erledigen, er musste aber dann so allmählich los. Eins war klar, er würde an diesem Morgen nicht mit dem Wagen zur Schule fahren, die „Herrengasse“ war noch nicht geräumt, und er könnte ohnehin nicht durch den halben Meter Schnee fahren. Im Übrigen war es ja zur Schule nicht weit, sodass er eigentlich immer laufen konnte, außerdem war das Auto umweltfeindlich.

Also nahm er seine Schulsachen, zog sich wieder an und lief los. Über sein Stück geräumten Gehweg und das von Herrn Schröder ging es gut, dann aber musste sich Paulo durch den Schnee kämpfen, und das ging nicht, ohne dass er nasse Hosenbeine bekam.

Als er in der „Löhrallee“ angekommen war, war die Straße freigeräumt und gestreut, die Bürgersteige vor den Geschäften waren auch frei. Die Geschäftsleute konnten es sich nicht erlauben, vor ihrem Laden einen nicht geräumten Gehweg zu haben, das hätte ihnen die Kunden vergrault. Es durfte auch nicht ein Stück geben, dass vereist oder glatt war, man hatte einfach Auftausalz in rauen Mengen auf den Gehweg gegeben.

Im Kreisverkehr bewegte sich der Verkehr ganz langsam, jeder hatte Angst, mit seinem Wagen auf dem Eis auszurutschen.

Paulo kam am Marktplatz vorbei und sah, dass die Stadt gerade den Kopfsteinpflasterplatz räumen ließ, gerade auf Kopfsteinpflaster war die Rutschgefahr bei den winterlichen Verhältnissen besonders groß. Da an diesem Vormittag kein Wochenmarkt war, konnten die Räumfahrzeuge gut arbeiten.

Er erreichte seine Schule in der großen Pause, und die Schüler bewarfen sich natürlich mit Schneebällen, was ihnen bei Strafe verboten war, aber sie scherte das Verbot nicht, und die Pausenaufsicht konnte gar nicht alle Schneeballwürfe registrieren und wurde auch selbst beworfen.

Der Hausmeister hatte auf dem Schulhof mit seiner Schneefräse eine große Freifläche und verschiedene Gänge geschaffen, dennoch war der Platz für die Schüler sehr beengt.

Paulo begrüßte die Pausenaufsicht und betrat das Schulgebäude, seine Hosenbeine waren klatschnass, und er spürte die Kälte an sich hochkriechen. Er würde sich an eine Heizung stellen müssen, damit seine Hose trocknete.

Im Lehrerzimmer herrschte ein heilloser Trubel, alle diskutierten über den immensen Schneefall und verlangten von der Schulleitung, dass sie bei den Witterungsverhältnissen Unterrichtsfrei gab.

Es schneite immer noch, Paulo hatte sogar den Eindruck, dass der Schneefall stärker geworden war, und er musste an Zuhause denken, wo sein Gehweg wieder zuschneite.

Er ging zu Frank und Bernd und setzte sich zu ihnen an seinen Platz:

„So viel Schnee habe ich in Dinkelstein noch nicht erlebt!“, sagte er zu den beiden, und Frank und Bernd antworteten:

„Unsere armen Frauen müssen heute Morgen den Schnee von den Gehwegen räumen!“

Plötzlich wurde die Tür zum Lehrerzimmer aufgestoßen, und der Schulleiter trat ein:

„Liebes Kollegium, meine Damen und Herren, ich habe soeben ein Telefonat mit der Bezirksregierung in Feldstadt geführt, und dort hat man mir gesagt, dass es in das Belieben der Schulleitungen gestellt ist, Unterrichtsfrei zu geben oder nicht, und ich habe mich entschieden, noch bis heute Mittag zu warten und dann das letzte Wort zu sprechen.“

Allgemeine Zustimmung war die Folge und alle klopften anerkennend auf ihre Tische, in diesem Augenblick gongte es und die großen Pause war beendet.

Die Schüler stürmten das Gebäude, teilweise voller Schnee oder klatschnass, der Eingangsbereich sah katastrophal aus, und es schwamm alles.

Der Hausmeister stand dort und rief allen Schülern zu, dass sie sich erst einmal die Sachen abklopfen sollten, bevor sie ins Gebäude kamen.

Mitten in der 5. Stunde, es war gerade 12.00 h geworden, gab es eine Durchsage in allen Klassenräumen:

„Liebe Schülerinnen und Schüler, wegen der widrigen Witterungsverhältnisse wird der Unterricht morgen ausfallen, ich bitte darum in der Schule anzurufen, ob der Unterricht übermorgen stattfindet und die Telefonketten zu gebrauchen.“

Ein Gejohle und Gekreische brach sich Bahn, und die Schülerinnen und Schüler packten schon ihre Sachen zusammen, obwohl sie ja noch bis zur 6. Stunde Unterricht hatten.

Als Paulo nach Unterrichtsende auf den Schulhof kam, sah er, dass die Flächen, die der Hausmeister freigeräumt hatte, wieder zugeschneit waren, und er seine Schneefräse in Gang gesetzt hatte.

Paulus Hose war wieder getrocknet, und er trat den Rückweg nach Hause an. Er musste feststellen, dass inzwischen doch alle Anwohner ihre Gehwege geräumt hatten bzw. gerade dabei waren, es ein zweites Mal zu tun.

Das würde auch Paulo blühen, sobald er zu Hause einträfe, und er beeilte sich. Er begrüßte zu Hause seine Mutter und Sara und zog umgehend seine Arbeitskleidung an, dann ging er zur Garage und holte die Gerätschaften, die er zum Schneeräumen brauchte. Und wie am Morgen traf er seinen Nachbarn wieder, der auch das zweite Mal räumen musste:

„Guten Tag Herr Schröder, dieses Mal hat es uns aber erwischt!“, sagte Paulo.

„Guten Tag Herr Redmann, so etwas habe ich in Dinkelstein noch nie erlebt, und es schneit und schneit“, antwortete Herr Schröder.

Der neu gefallene Schnee ließ sich leichter vom Gehweg entfernen als der alte, der über Nacht gefallen war, weil er noch nicht am Boden festgefroren war.

Paulo blieb an den hochstehenden Gehwegplatten hängen und musste immer wieder neu anfangen. Als er schließlich fertig war, ging er wieder ins Haus und aß mit den anderen zu Mittag.

„Morgen ist wegen der Schneemassen unterrichtsfrei, was übermorgen sein wird, ist noch nicht ganz klar, wir sollen morgen in der Schule anrufen!“, sagte Paulo.

„Die Temperatur draußen ist über Tag nicht angestiegen, das ist schon eine sehr ungewöhnliche Wetterlage, und wir müssen uns auf sie einstellen!“, sagte Sara.

An diesem Tag war kein Denken daran, mit den Kindern vor die Tür zu gehen, man konnte ja auch den Kinderwagen nicht durch den Schnee schieben. Im Übrigen war es viel zu kalt und Ben und Joshua waren auch noch zu empfindlich, sie blieben mit ihnen stattdessen im Haus und würden sich mit den beiden beschäftigen. Ben und Joshua schliefen viel, und das war das Glück von Sara und Paulo, es wäre schlimm für sie gewesen, wenn die beiden Kleinen ununterbrochen geschrien hätten.

Marga kochte Kaffee für alle, und sie hatte auch noch ein paar Plätzchen, die sie zu dem Kaffee essen konnten.

Dann hörte man in dem Babyphon, wie Ben und Joshua langsam wach wurden, und Sara und Paulo liefen zu ihnen hoch, sie nahmen sie aus ihren Betten und wickelten sie, Sara und Paulo waren inzwischen ganz versiert im Wickeln, das war ja auch nicht schwer.

Dann legte Sara beide Kinder an und stillte sie, zufrieden tranken sie mit geschlossenen Augen und waren ganz ruhig. Nach dem Stillen nahmen Sara und Paulo die beiden mit nach unten in die Küche und setzten sie auf die weiche Decke auf dem Küchenboden, Paulo setzte sich zu ihnen und hielt ihnen ihr Greifspielzeug hin.

„Ich will heute Maxi-Cosis im Internet bestellen, damit wir Ben und Joshua ins Auto setzen können“, sagte Sara.

„Ist gut“, antwortete Paulo, „wie lange müssen wir dann warten, bis die Kindersitze bei uns sind?“

„Ich denke, dass sie 3 Tage nach der Bestellung bei uns sein werden.“

Marga hatte vor, zu Kati und Elfi zu laufen, weil Elfi ihren Geburtstag feiern wollte und sie eingeladen hatte.

„Sei bloß vorsichtig, wenn du zum „Sonnenwall“ läufst, inzwischen sind die Gehwege zwar geräumt, es kann aber noch die eine oder andere eisglatte Stelle geben!“, sagte Paulo zu seiner Mutter.

Marga war sehr unsicher, ob sie gehen sollte oder nicht, Paulo überlegte nicht lange und bot sich an, sie zu fahren.

Das brachte doch einen Schub Zufriedenheit in Margas Gesicht, und sie war froh, dass Paulo ihr das angeboten hatte.

„Ich hoffe nur, dass mein Wagen anspringt, diese Kälte, die bei uns herrscht, schafft jede Batterie, immerhin hat mein Wagen eine Nacht und einen Tag in der Garage gestanden und ist nicht bewegt worden, Sarahs Wagen steht die ganze Zeit draußen, ich denke, dass ich ihre Batterie zuerst an mein Ladegerät anschließen werde und es über Nacht laden lassen muss!“

Marga machte sich fertig und zog ihren Mantel über.

„Ein Geschenk wird es erst nachher geben, Elfi wird schon verstehen, dass ich ihr bei diesem Wetter keins kaufen konnte“, sagte Marga.

Paulo ging zur Garage und öffnete das Garagentor, er setzte sich in seinen Wagen und drehte den Zündschlüssel, er bekam mit, wie der Motor ganz langsam drehte. Er dachte schon, dass es damit geschehen wäre, aber nach der dritten Drehung zündete sie Maschine und lief. Er fuhr vorsichtig rückwärts bis zur Haustür, und Marga stieg ein.

„Da haben wir Glück gehabt, ich dachte schon, das war´s, als der Motor erst nach 3 Umdrehungen kam!“, sagte Paulo. Er ließ den Wagen in die „Herrengasse“ rollen, die ja zum Glück inzwischen geräumt war und fuhr übervorsichtig los, eine Bremsprobe ergab, dass der Straßenbelag rutschig war.

Paulo fädelte sich auf der „Löhrallee“ in den Verkehr ein und schlich wie die anderen die Allee entlang, bis er am Schwimmzentrum links abbog.

Paulo brachte seine Mutter bis zu Elfis Haus, und Marga stieg aus und schellte bei Elfi, und erst als ihr die Tür geöffnet worden war, fuhr Paulo wieder zurück. Er hatte mit ihr verabredet, dass er sie gegen 19.00 h wieder abholen wollte.

Bis dahin würden Sara und er sich mit Ben und Joshua beschäftigen.

Er stellte seinen Wagen wieder in die Garage zurück und ging ins Haus, Ben und Joshua lagen auf der Decke auf dem Küchenboden, und Sara und Paulo nahmen sie, und liefen mit ihnen ins Wohnzimmer, sie hatten die Decke und das Greifspielzeug mitgenommen.

Sara und Paulo setzten sich zu den beiden auf die Decke auf dem Wohnzimmerboden und gaben ihnen verschiedene Dinge, die sie in ihre Münder stecken konnten wie Flaschenöffner, ihr Greifspielzeug und ihre Schnuller. Sara sagte:

„Ich habe soeben bei Amazon zwei Maxi-Cosis bestellt!“, und Paulo nickte.

Sie und Paulo saßen dicht neben den beiden, und Paulo hatte den Eindruck, dass sich die beiden fast ausschließlich auf Sara konzentrierten, was aber kein Wunder war, denn Sara war nun mal ihre Bezugsperson, die sie von Anbeginn ihres Daseins auf der Welt beinahe immer vor sich hatten, Paulo würde in späterer Zeit eine wichtige Rolle für die beiden einnehmen.

Er machte sich aber auch nichts daraus, dass er offensichtlich nicht die erste Geige spielte, er würde nichts daran ändern können, und solange sich Ben und Joshua wohlfühlten, war für ihn alles in Ordnung.

Ab und zu gaben die beiden nicht definierbare Laute von sich, die aber doch in den Bereich Wohlbehagen fielen. Dann gab Paulo Ben seinen Finger und der steckte ihn in den Mund, Paulo hatte sich natürlich die Hände gewaschen und sogar desinfiziert. Ben kaute genüsslich mit seinem zahnlosen Mund auf Paulus Ringfinger herum, Sara gab Joshua ihren Ringfinger auch.

„Da sitzen wir jetzt mit unseren beiden Kindern auf dem Boden und spielen mit ihnen, das hätten wir uns vor zwei Wochen noch nicht gedacht!“, sagte Paulo.

„Ich finde diese Situation für uns alle sehr entspannend!“, entgegnete Sara. Paulo beobachtete Ben, mit welcher Hingabe er an dem Ringfinger nuckelte, es sah aus, als wollte er den Finger verspeisen. Nach einer Dreiviertelstunde machte sich bei Ben und Joshua aber die Müdigkeit breit, sie begannen abwechselnd zu gähnen.

Sara stand wieder auf und schnappte sich Joshua, dann stand auch Paulo auf und nahm Ben. Sara legte beide an und stillte sie. Paulo sah seine Söhne zufrieden und mit geschlossenen Augen trinken.

Er stellte sich ans Fenster und schaute hinaus, es schneite und schneite schon den ganzen Tag über. Er sah auf seinen Gehweg und stellte fest, dass das Auftausalz seine Wirkung tat, auch die „Herrengasse“ war noch frei von Schnee.

Ben und Joshua waren an Saras Busen eingeschlafen, und Sara bat Paulo, sich Ben zu nehmen und mit Joshua und ihr nach oben zu gehen, dort legten sie die beiden vorsichtig in ihre Betten und schlichen aus deren Zimmern.

Sie setzten sich ins Wohnzimmer und nahmen sich jeder ein Buch, in dem sie lasen. Aber so ganz bei der Sache waren sie beide nicht, sie mussten an Ben und Joshua denken, obwohl die ja ganz friedlich in ihren Betten schliefen.

Ein Blick auf das Außenthermometer zeigte -10 °C, was für Dinkelstein schon beinahe arktische Kälte bedeutete, es war schon um 16.00 h beinahe stockdunkel.

Paulo ließ sein Buch sinken und sagte zu Sara:

„Ich denke, dass ich morgen das Ladegerät an die Batterie deines Wagens anschließe, ich glaube nicht, dass sie noch genügend Kraft hat, den Motor zu starten!“

Plötzlich klingelte das Telefon, und Frank war dran:

„Kann ich mir mal Dein Ladegerät leihen, Paulo, ich weiß nicht, wo ich meins habe!“, sagte er.

„Klar, Du musst es Dir nur abholen, ich muss es aber spätestens morgen Mittag zurückhaben!“, antwortete Paulo.

„Ist gut, ich bin gleich bei dir“, rief Frank durchs Telefon.

Paulo lief schnell in seine Garage, wo er das Ladegerät auf einem Regal liegen hatte und holte es rein. Kurze Zeit später schellte auch schon Frank, und Paulo gab ihm das Ladegerät mit dem Versprechen Franks, es bis morgen Mittag zurückzubringen.

Paulo ging wieder ins Wohnzimmer und nahm sein Buch hoch, um in ihm weiterzulesen. Sara sah auf die Uhr, die im Wohnzimmer an der Wand hing und fragte Paulo:

„Musst du nicht langsam losfahren und Marga abholen?“

„Ich habe eigentlich noch eine Viertelstunde Zeit, könnte aber beim Getränkemarkt vorbeifahren und Sprudel holen“, antwortete Paulo.

„Das mach mal!“, sagte Sara, und Paulo zog seine Jacke über und fuhr los. Der Getränkemarkt lag direkt neben der Firma „Saugwerk“, auf dem Weg also, und es gab dort einen wunderbar geräumten Kundenparkplatz.

Paulo kaufte zwei Kisten Wasser und eine 11er Kiste alkoholfreies Bier. Dann fuhr er weiter und überquerte einfach die „Löhrallee“, um in den „Sonnenwall“ zu gelangen.

Unmittelbar nachdem er vor Elfis Haustür parkte, kam Marga heraus und stieg in seinen Wagen, sie winkte noch bei der Abfahrt.

Zu Hause ließ Paulo Marga zuerst aussteigen, bevor er seinen Wagen in die Garage fuhr und das Garagentor schloss.

„Pass auf die Stufen auf, sie sind sicher glatt!“, rief er Marga zu, und er streute etwas von dem Auftausalz auf die Stufen.

Dann gingen Marga und er ins Haus und wärmten ihre Finger der Heizung.

„Na, Marga, wie war denn Deine Geburtstagsfeier?“, fragte Sara.

„Alle meine Freundinnen waren da, und wir haben uns prächtig unterhalten“, antwortete Marga.

„Sag mal, wie alt seid ihr eigentlich alle so?“, fragte Paulo.

„Wir sind alle so um die 60, einige sind etwas älter“, antwortete Marga, „ich zähle mit meinen 60 Jahren zu den Jüngeren.“

Sara begann, in der Küche den Tisch zu decken, und Marga stellte mit einem Mal eine Schüssel auf den Tisch, in der selbst gemachter Kartoffelsalat und Würstchen waren.

„Für euch mit einem schönen Gruß von Elfi“, sagte Marga, und Sara und Paulo machten sich über das Essen her.

„Das finde ich aber sehr nett von Elfi, dass sie an uns gedacht hat!“, sagte Sara. Marga aß nicht mit, weil sie schon bei Elfi gegessen hatte, und sie schaute den beiden beim Essen zu.

Als sie den Kartoffelsalat und die Würstchen vertilgt hatten, räumten sie schnell den Küchentisch ab, und Marga holte das Mensch-ärgere-Dich-nicht- Spiel, mit dem sie sich abends immer vergnügten, wenn im Fernsehen nichts geboten wurde. Sie waren wie versessen auf das Spiel, bei dem man nicht großartig nachdenken musste, und es ausschließlich auf das Glück des Spielers ankam.

Sie spielten so lange, bis sich Ben und Joshua wieder meldeten, danach gingen sie ins Bett, oder sie spielten noch eine Runde, wenn es noch sehr früh war.

Paulo hatte immer ein alkoholfreies Bier neben sich stehen, die beiden Frauen tranken jede ein Glas kalten Weißwein.

Als sich Ben und Joshua über das Babyphon meldeten, war es noch sehr früh.

Sara und Paulo gingen hoch zu Ihnen und wickelten sie, bevor Sara die beiden nahm und sie stillte.

Paulo stand am Fenster und schaute hinaus, der Schnee hatte schon die Fensterränder erfasst, und er hätte die Fenster ganz zu geweht, wenn das Fensterglas nicht so warm wäre, dass der Schnee darauf taute.

Nachdem Ben und Joshua beim Stillen wieder eingeschlafen waren, nahmen Sara Paulo sie und legten sie in ihre Betten, wo sie sofort weiterschliefen. Dann schlichen sie aus den Kinderzimmern und gingen wieder nach unten in die Küche, wo Marga schon auf sie wartete.

Sie setzen beim Mensch-ärgere-Dich-nicht da wieder ein, wo sie unterbrochen worden waren und spielten weiter. Marga gewann die Partie, und sie spielten noch eine Runde, bevor sie ins Bett gingen.

Am nächsten Morgen holte Paulo Brötchen zum Frühstück, und er sah an der Haustür auf sein Außenthermometer, es zeigte -12 °C, und Paulo zog seinen Kragen hoch.

Es schneite und es muss die ganze Nacht über geschneit haben, denn der Gehweg lag unter einem riesigen Berg Schnee. Da würde nach dem Frühstück wieder die Arbeit des Schneeräumens auf Paulo zukommen.

„Draußen sind es -12 °C!“, sagte Paulo nach seiner Rückkehr vom Bäcker zu Sara und Marga.

„Wir können von Glück sagen, dass wir eine funktionierende Heizung haben!“, sagte Marga.

Paulo zog sich nach dem Frühstück wieder seine Arbeitskleidung an, setzte sich die Kappe auf und vergaß auch seine Handschuhe nicht, dann ging er vor die Tür.

Er nahm sein Schneeräumgerät aus der Garage und ging ans Werk. Zunächst musste er den Berg Schnee mit der Schüppe vom Gehweg entfernen, um danach mit den Schneeschieber zu arbeiten, auch gab er jede Menge Auftausalz auf den Bürgersteig.

Herr Schröder hatte seinen Gehweg schon geräumt, wie sich Paulo überzeugen konnte.

Als er am späten Vormittag mit seiner Schneeräumarbeit fertig war, hörte er ein Auto die „Herrengasse“ entlang schleichen, das war Frank, der vorsichtig auf sein Grundstück einbog und das Ladegerät zurückbrachte.

„Hallo Paulo“, rief Frank, „danke für das Ladegerät!“

„Sag mal Frank, hast du schon mit der Schule telefoniert, was mit Morgen ist?“

„Ja, der Unterricht fällt auch morgen aus, wir sollen, was die anderen Tage anbelangt, wieder in der Schule anrufen!“, antwortete Frank.

„Ich danke dir, Frank!“, sagte Paulo, nahm das Ladegerät und ging ins Haus.

„Ich werde jetzt bei Deinem Wagen die Batterie ausbauen und sie ins Haus holen“, sagte Paulo zu Sara und ging gleich neben seine Garage, wo Saras tiefverschneiter Wagen stand. Er wischte den Schnee von der Motorhaube und öffnete sie.

Mit einigen Handgriffen hatte er die Batterie ausgebaut, schloss die Motorhaube wieder und ging ins Haus zurück.

„Frank war gerade da, morgen ist auch noch unterrichtsfrei, und was in den nächsten Tagen geschieht, da sollen wir in der Schule anrufen.“

Er stellte die Batterie in der Diele auf den Boden und schloss die Pole des Ladegerätes an, dann steckte er das Kabel des Ladegerätes in die Steckdose und ließ das Gerät laden, er würde es 24 h laden lassen.

Inzwischen lag draußen über 1 Meter Schnee, und wenn es weiter so schneite, und davon ging Paulo aus, käme er mit dem Schneeräumen nicht mehr nach.

„Paulo, komm mal nach hinten!“, rief Sara, und er ging in die Küche und schaute zum Fenster in den Garten hinaus. Sie hatten dort ein riesiges Grundstück, auf dem aber von Gartenwegen und -beeten nichts zu erkennen war.

Man konnte die Kronen der Obstbäume aus den Schneemassen ragen sehen, auch das Dach der Gartenlaube lugte hervor, mehr aber nicht.

Inzwischen wird er Schnee für die Anwohner in Dinkelstein zum Problem, denn der Schnee hatte ja auch ein Gewicht, und das lastete auf den Dächern.

Solange wir die Häuser Walm- und Satteldächer hatten, konnte der Schnee abrutschen und stellte keine Gefahr dar.

Die allermeisten Häuser in Dinkelstein hatten solche Dachformen, weil man einfach damals bei der Errichtung der Häuser so gebaut hatte. Die geneigten Dachflächen boten dem Wind weniger Angriffsfläche auf die Konstruktion, die Sparren und Pfetten bildeten Dreiecke in der Dachkonstruktion, die Stabilität schufen.

Es gab aber auch in Dinkelstein und erst recht in Feldstadt moderne Zweckbauten, die Flachdächer hatten, Flachdächer wurden deshalb auf solche Bauten gesetzt, weil sie kostengünstiger waren und weniger Eigengewicht hatten, auch konnten obere Räume durch zum Beispiel Lichtkuppeln besser beleuchtet werden.

Als großer Nachteil, der sich dann bemerkbar machte, musste angesehen werden, dass sich auf Flachdächern der Schnee türmte. Das war in Gegenden mit Flachdachbauwerken, in denen traditionell wenig oder gar kein Schnee fiel, kein Problem.

In den Nordausläufern des Harzes aber, in denen Dinkelstein lag, gab es schon mal Schnee, wenn auch der Schnee, der in diesem Winter fiel, besonders mächtig war.

Flachdächer, die es in Dinkelstein gab, waren auf dem Schwimmzentrum, dem Cinemaxx und dem Schulzentrum, auf sie musste ein besonderes Augenmerk gerichtet werden, daneben gab es einige Flachdachbungalows und viele Garagen, die Flachdächer hatten.

Auch Paulus Garage hatte ein Flachdach, und Paulo hatte schon länger überlegt, das Dach der Garage vom Schnee zu befreien.

Und weil es nicht zu schneien aufhören wollte, nahm er sich für diesen Tag vor, zur Tat zu schreiten.

Sein Garagendach war eine Leimbinderkonstruktion, wie sie in größerem Maßstab auch für Hallenbauten verwandt wurde. Die Leimbinder waren quer in das Mauerwerk des Garagenbaus eingelassen, danach sind sie mit Brettern eingedeckt worden. Den Abschluss bildete eine Schicht Bitumenbahn gegen den Regen.

Ähnlich verfuhr man bei großen Bauten wie dem Schulzentrum oder dem Schwimmzentrum, nur waren dann die Leimbinder entsprechend massiver, und statt der Bretter nahm man große hölzerne Platten, am Ende wurden aber wie bei den Garagen Bitumenbahnen aufgetragen.

Diese Dachkonstruktion tat so lange ihren Dienst, wie sie nicht übermäßig belastet wurde, wenn aber solche Mengen Schnee fielen, wie dies in Dinkelstein der Fall war, gerieten sie an ihre Grenzen.

Paulo holte, nachdem er seine Arbeitskleidung angezogen hatte, seine Schüppe und seinen Schneeschieber aus der Garage.

Er stellte die Leiter an der Zufahrtseite an und nahm die Schüppe, dann stieg er auf sein Garagendach.

Der Meter Schnee, den er vor sich hatte, musste erst einmal an einer Ecke weggeräumt werden, damit er sich auf das Dach stellen konnte. Er bemühte sich, den Schnee auf die Gartenseite zu werfen, damit er ihn hinterher nicht noch einmal wegschaufeln musste.

Als er auf dem Garagendach stand, merkte er ein leichtes Schwingen des Daches, und er machte zunächst einmal die Ränder frei.

Er merkte beim Schaufeln, wie schwer es war, diese Menge Schnee zu bewältigen, die auf dem Dach lag. Dann ging er in die Dachmitte und nahm das Schwingen nicht mehr wahr, für ihn ein Zeichen dafür, dass die Schneelast auf dem Dach schon um ein Beträchtliches verringert worden war.

Auch als er die letzte Schüppe mit Schnee in den Garten warf, sah er, dass neben dem Schnee noch der eine oder andere Ball und sonstiges Kinderspielzeug auf dem Dach gelegen hatte.

Er legte diese Dinge neben sein Garagentor, damit die Kinder diese Sachen eventuell wieder abholen konnten.

Als er noch neben der Garage stand, machte er eine Überschlagsrechnung, wie schwer der Schnee gewesen war, der auf dem Dach gelegen hatte dabei ging er von einem spezifischen Gewicht von 0,2 g/cm^3 aus, die Garage war 5 m lang und 3 m breit, das machte bei einer Schneehöhe von 1 m 15 m³ Schnee und ein Gewicht von 3 Tonnen. Er hatte also 3 Tonnen Schnee in seinen Garten befördert und dazu knapp 2 Stunden gebraucht.

Paulo war leicht außer Atem geraten und sah, wie seine Atemluft gefror.

Er räumte Schüppe und Leiter wieder in die Garage und ging ins Haus zu Sara, Marga, Ben und Joshua.

„Ich glaube, dass es höchste Zeit gewesen war, dass ich den Schnee vom Garagendach geschaufelt habe, das Dach hat schon so verdächtig geschwungen es lagen, wie ich ausgerechnet habe, ungefähr 3 Tonnen Schnee auf dem Dach!“, sagte Paulo.

„Und der Schnee auf unserem Hausdach bereitet keine Probleme?“, fragte Sara.

„Nein, wir haben ja ein Walmdach, von dem der Schnee abrutschen kann!“, antwortete Paulo.

Sara und Marga hatten Kaffee gekocht, und Paulo bot sich an, schnell zum Bäcker zu laufen und Kuchen zu holen.

Er würde auf seinen Gehweg noch einmal Auftausalz streuen, denn es hatte sich auf ihm schon wieder eine Schneeschicht gebildet.

Paulo kaufte beim Bäcker eine Lage Apfelstreußel und nahm auch Sahne dazu, dann lief er wieder zurück.

Er setzte sich mit den beiden Frauen in die Küche, und sie tranken Kaffee und aßen den Kuchen dabei.

Erst danach kam Paulo dazu, die Batterie wieder in Saras Wagen einzubauen, und er ging nach dem Kaffeetrinken wieder hinaus und fegte mit einem Handfeger erst einmal den ganzen Schnee von dem Wagen. Dann stieg er ein und öffnete die Motorhaube.

Die Schraubenschlüssel für den Batterieeinbau hatte er beim Batteriehausbau im Motorraum gelassen.

Er holte die Batterie und der Einbau vollzog sich genauso schnell wie der Ausbau, er schloss am Ende die Kabel wieder an und zog die Schrauben an den Polen stramm.

Dann setzte er sich wieder in den Wagen und drehte am Zündschlüssel, nach 2 Umdrehungen sprang der Motor an.

Paulo stellte den Motor wieder ab, schlug die Tür zu und schloss sie ab. Dann ging er ins Haus und zog seine Arbeitskleidung wieder aus.

Als er in der Küche saß und noch einmal Kaffee trank, klingelte auf einmal das Telefon und Frank war dran:

„Hallo Paulo, könntest Du wohl mal bei mir vorbeikommen, mein Garagendach ist unter der Schneelast zusammengebrochen, ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll!“, sagte er.

„Ich bin gleich bei dir, sagen wir in 10 Minuten!“, antwortete Paulo.

„Komisch“, dachte er, „gerade noch habe ich mein Garagendach geräumt!“

Also zog er seine Arbeitskleidung wieder an, setzte sich in seinem Wagen und fuhr das kurze Stück in die „Kirchstraße“, auf die andere Seite der „Löhrallee“.

Als er bei Frank ankam, standen die beiden Frauen, Frank und Bernd vor Franks Garage und schauten betreten drein.

„Guten Tag zusammen, wie ich sehe, hast Du Deinen Wagen ja draußen stehen, Frank!“, sagte Paulo.

„Zum Glück ja, sonst wäre der von dem herabfallenden Dach ganz schön beschädigt worden!“

Paulo ging mit Frank und Bernd zu Franks Garage und besah sich den Schaden, die mittleren beiden Leimbinder waren durchgebrochen, und ein paar von den Abdeckbrettern waren in Mitleidenschaft gezogen worden.

„Du musst den Schaden deiner Hausratversicherung melden und einen Dachdecker kommen lassen!“, sagte Paulo.

„Ist der Schaden denn gedeckt?“, fragte Frank.

„Ja“, antwortete Paulo, „die Garage gehört versicherungstechnisch zum Haus, der Dachdecker muss nur die beiden kaputten Leimbinder austauschen und die zerbrochenen Bretter ersetzen, danach muss er eine neue Bitumeneindeckung aufbringen“, fuhr er fort.

„Wenn du eine große Plane hast, können wir die auf das Loch in dem Garagendach legen!“

„Ich glaube, dass ich so etwas im Keller habe!“, sagte Frank und lief gleich los, um nachzusehen. Er kam mit einer Kunststoffplane zurück, die etwa 3 m × 2 m maß und mal irgendwo als Sandkastenabdeckung o. ä. gedient hatte. Die legten sie auf das Dach und legten ein paar Steine auf die Enden, damit sie nicht verrutsche.

„Ich habe in weiser Voraussicht vor zwei Stunden mein Garagendach geräumt, bei der Arbeit habe ich schon ein verdächtiges Schwingen bemerkt, offensichtlich habe ich genau zur zum richtigen Zeitpunkt den Schnee geräumt“, sagte Paulo.

„Dann muss ich ja gleich auch wohl ran!“, sagte Bernd und machte sich zu seiner Garage auf. Frank und Paulo halfen ihm und gaben ihm die Schüppe an, als er auf dem Garagendach stand.

„Du hast Recht Paulo, ich spüre auch ein leichtes Schwingen in der Konstruktion“, sagte Bernd.

Du musst dein Dach frei schaufeln und alles in deinen Garten werfen!“, antwortete Paulo. Wahrscheinlich war Bernd gerade einem Dachdurchbruch zuvorgekommen, wie in Frank erlebt hatte. Er hatte wie Paulo auch 3 Tonnen Schnee geräumt und in seinen Garten befördert. Als er damit fertig war, atmete er erst einmal durch, und er war froh, dass er den Schnee weggeräumt hatte.

Paulo war längst wieder zu Hause, als er die Sirenen hörte, die immer erschallten, wenn es irgendwo brannte, und die Feuerwehr ausrücken musste.

„Da ist bestimmt ein Feuer ausgebrochen!“, dachte Paulo und schaute aus dem Fenster. Auf der „Löhrallee“ sah man die Blaulichter vorbeirasender Feuerwehrwagen, aber ein Blick in die Fahrtrichtung zeigte nirgendwo Qualm oder Flammen.

Dann ging das Telefon und Kati war dran:

„Bei uns im Schwimmzentrum ist das Dach eingestürzt, ich wollte euch das nur mitteilen, wenn ihr euch fragt, warum die Feuerwehrsirenen gehen!“, sagte sie.

Danke für die Mitteilung!“, sagte Paulo, der das Gespräch angenommen hatte. Das Schwimmzentrum war gerade erst zehn Jahre alt, und Paulus Vater hatte sich massiv im Stadtrat massiv dafür stark gemacht.

Das Dach über der Schwimmhalle maß 20 m × 40 m und war in Leimbinderbauweise errichtet, das hieß, dass alle 5 m ein Leimbinder gesetzt wurde und mit Doppelschichtpaneele verbunden worden war. Das war eine solide und traditionelle Bauweise, die Langlebigkeit und Stabilität versprach, nur hatte niemand an solche Schneemassen gedacht.

Der Schnee auf dem Hallendach, der wie überall 1 m hoch lag, wog 160 Tonnen, und die musste ein Dach erst einmal tragen!

Paulo zog eine Jacke über und fuhr auf den Parkplatz am Getränkemarkt, von dort lief er über die „Löhrallee“ zum Schwimmzentrum.

Zum Glück hatte das Hallenbad geschlossen, sodass keine Personen zu Schaden gekommen waren, es stand eine Menge Leute am Schwimmzentrum, die der Feuerwehr bei ihrer Arbeit zusehen wollte. Paulo sah Elfi und Kati, und er sah Frank und Bernd.

Er ging zuerst zu den beiden Frauen und sagte ihnen:

„Da müsst ihr erst mal eine Zeit lang auf euer Schwimmen verzichten!“

„Länger als zwei Wochen wird die Reparatur aber nicht dauern!“, antwortete Kati.

Dann ging Paulo zu Frank und Bernd und sagte:

„Große Dächer leiden genauso unter der Schneelast sowie kleine!“

Die Feuerwehr forderte aus Feldstadt eine riesige Abdeckplane an, die sie über das kaputte Dach legen wollte, bis mit den Reparaturarbeiten begonnen werden konnte.

Nachdem das geschehen war, sicherten die Feuerwehrleute die Baustelle mit Absperrband ab und stellte Baustellenschilder auf.

Dann trat der Einsatzleiter mit einem Megaphon vor die Menge und sagte:

„Meine Damen und Herren, halten Sie ihre Dächer schneefrei, das waren 160 Tonnen Schnee, die die dem Dach der Schwimmhalle den Einsturz beschert hatten, 1 m³ Schnee wiegt 200 kg, da können Sie sich ausrechnen, wie viel Schnee auf dem Dach ihrer Garage liegt, oder, wenn Sie einen Bungalow haben, wie viel Schnee auf dem Dach ihres Hauses liegt!“

Sofort löste sich die Menge auf, und jeder fuhr zu sich nach Hause und kontrollierte bei seiner Garage und seinem Haus die Schneemenge.

Als Paulo wieder bei sich war, deckten die Frauen gerade den Abendbrottisch, und er setzte sich zu ihnen.

„Das Dach des Schwimmbades ist eingestürzt, und der Leiter der Feuerwehr hat alle darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich die Schneemenge bei sich auf den Dächern kontrollieren sollten!“, sagte Paulo.

„Das kann ja nur bedeuten, dass man von der Stadt aus das Dach des Schulzentrums und des Cinemaxx freiräumen muss!“, sagte Marga.

„Ich denke, dass die Feuerwehr heute darangehen wird, die beiden Dächer zu räumen“, sagte Paulo.

Frank hatte bei seiner Hausratversicherung angerufen, und man hatte ihn dort mitgeteilt, was Paulo schon gesagt hatte, dass er einen Dachdecker kommen lassen sollte, der ihm das Garagendach repariert. Da aber viele Menschen auf die Dachdecker einstürmten, würde es wohl eine Zeit lang dauern, bis Frank mit seiner Garage dran wäre.

Als Ben und Joshua gestillt und gewickelt waren, setzten sich Sara, Marga und Paulo wieder in die Küche und spielt Mensch- ärgere-Dich-nicht, bis sie Ben und Joshua aus dem Babyphon wieder hören konnten.

Dann gab es eine kurze Unterbrechung, in der die beiden gestillt und noch einmal gewickelt wurden, danach ging es weiter.

Gegen 22.30 h waren aber alle müde und gingen ins Bett.

Ben und Joshua waren angenehme Zeitgenossen, sie wurden einmal in der Nacht wach, dann stand Sara auf, stillte sie und legte sie wieder hin. Sie schliefen dann sofort wieder ein und wurden erst am nächsten Morgen gegen 7.00 h wieder wach.

Vielleicht können wir am nächsten Tag alle irgendwo hinfahren, wenn die Maxi-Cosis von Amazon geliefert worden wären. Vielleicht könnten Sie zu IKEA nach Feldstadt und dort ins IKEA Restaurant gehen.

Der Unterricht fiel an diesem Morgen wieder aus, nicht dass Paulo sich deshalb gegrämt hätte, aber er dachte als verantwortungsvoller Pädagoge auch an die Schüler.

Aber die Witterungsverhältnisse ließen eben etwas anderes nicht zu, und es schneite und schneite, es lag wieder 1 m Schnee auf dem Gehweg, und Paulo machte sich nach dem Frühstück wieder an die Arbeit des Schneeräumens. Wie gehabt zog er seine Arbeitskleidung an und ging nach draußen, er öffnete die Garage und musste unweigerlich hoch zum Dach schauen, er fand aber alles in Ordnung.

Dann nahm er die Schüppe und den Schneeschieber und ging zuerst daran, den Schnee in die Gosse zu schaufeln, wo sich schon ein mächtiger Wall aufgetürmt hatte.

„Guten Morgen Herr Redmann!“, hörte Paulo mit einem Mal eine Stimme rufen, und das war Herr Schröder.

„Guten Morgen Herr Schröder, wenn es nicht bald aufhört zu schneien, weiß ich nicht, ob ich noch mit dem Räumen nachkomme!“, antwortete Paulo.

„Mir geht es genauso wie Ihnen, gestern noch habe ich 1 m Schnee weggeräumt und heute schon wieder, ich finde, dass die Stadt mal langsam den Schnee abtransportieren muss!“, sagte Herr Schröder.

„Ich habe gestern mein Garagendach freigeräumt, bei einem Bekannten aus der „Kirchstraße“ ist es eingebrochen, genauso wie das Dach über dem Schwimmbad!“, fuhr Paulo fort.

„Ja schlimm, man sollte das Gewicht des Schnees nicht unterschätzen, mein Garagendach ist ein Betondach, das einiges an Gewicht aushält!“, so Herr Schröder.

„Herr Schröder, ich werde nachher einmal bei der Stadt anrufen!“, sagte Paulo.

Nachdem er mit Schneeräumung fertig war, holte er einen Eimer voll Auftausalz und streute jede Menge von dem Salz auf den Gehweg. Frau Schneider kam wieder des Wegs und lobte Paulo, dass er den Gehweg freigeräumt hatte.

Inzwischen waren Leute vom Tiefbauamt damit beschäftigt, den Schnee von den Dächern des Schulzentrums und des Cinemaxx zu schaufeln. Das war Handarbeit, und es standen einmal sechs und einmal vier Männer mit Schüppen auf den Dächern und warfen den Schnee neben die Gebäude. Es war natürlich sehr viel Schnee: das Dach des Schulzentrums maß 30 m mal 40 m, und es lag überall 1 m Schnee darauf. Beim Schulzentrum bedeutete das 240 Tonnen Schnee, beim Cinemaxx maß das Dach 15 m mal 20 m, was 60 Tonnen Schnee ausmachte.

Der Schnee konnte nicht dauernd neben den Gebäuden liegen bleiben, und ein Radlader und zwei LKWs mit Kipper waren dazu abgestellt, ihn in die „Hilmewiesen“ außerhalb der Stadt zu bringen.

Man hatte einen Fahrweg für die LKWs von der Straße nach Feldstadt aus angelegt, der bis unmittelbar an die "Hilme" führte, dorthin sollte der viele Schnee gebracht werden.

Der Mann auf dem Radlader sollte auch gleich den Marktplatz freiräumen, denn am nächsten Tag sollte der Wochenmarkt stattfinden, und der Schnee, der dann fiel, sollte von Hand entfernt werden.

Paulo rief beim Tiefbauamt an und man sagte ihm dort, dass im Laufe des Tages der Radlader aus der „Pestalozzistraße“ mit beiden LKWs in der „Herrengasse“ vorbeifahren sollte, um den dort aufgetürmt Schnee abzutransportieren.

Paulo bedankte sich für die Zusage, setzte sich bei den Frauen in die Küche.

Ben und Joshua lagen auf der weichen Decke auf dem Küchenboden, und fühlten sich wohl. Marga hatte Kaffee gekocht, und es war noch etwas Kuchen vom Vortag da, den sie zu dem Kaffee aßen.

Plötzlich schellte es, und als Paulo die Tür öffnete, stand da der DHL-Mann mit zwei großen Paketen.

Sofort war Paulo klar, dass es sich bei den beiden Paketen nur um die Maxi-Cosis handeln konnte. Er gab dem DHL-Mann etwas Trinkgeld und trug die Pakete in die Küche.

Ben und Joshua machten große Augen, als sie die Pakete sahen, und Paulo ging sofort daran, sie auszupacken.

„Da haben Sie sich bei Amazon aber sehr bemüht!“, sagte Sara und nahm die Babysitze in Augenschein.

„Ich will die Sitze gleich in den Wagen einbauen, das ist nicht viel Arbeit!“, sagte Paulo, und er trank seinen Kaffee aus und brachte die Sitze zur Garage. Er öffnete das Garagentor, setzte sich in den Wagen und fuhr ihn raus.

Als er die beiden Maxi-Cosis auf die Rückbank gestellt hatte, war klar, wie er vorgehen musste: er legte den Beckengurt in die beiden Aufnahmepunkte seitlich an den Sitzen und den Schultergurt einmal um die Sitze herum in den hinteren Aufnahmepunkt, fertig!

Wenn die Leute von der Stadt da waren mit den Schnee aus der Herrengasse weggefahren haben, können wir eine Tour machen!“, sagte Paulo, und er schaute Ben und Joshua an, und die blickten zu ihrem Vater, als der sagte:

„Das wird euer erster Kontakt mit der Außenwelt, erschreckt nicht, es ist nicht immer so kalt bei uns, und das Weiße, dass ihr draußen liegen seht, ist Schnee, und der verschwindet hoffentlich bald wieder.“

Paulo setzte sich wieder und trank seine Tasse Kaffee, und das letzte Stück Kuchen aß er auch.

Nach einer Weile hörten sie in der Küche draußen eine deutlich wahrnehmbares Gerumpel, und Paulo ging vor die Tür, nicht ohne vorher seine Jacke übergezogen zu haben. Dort sah er einen großen Lkw mit Kipper und einen gewaltigen Radlader, der auf seinen Antriebsachsen Schneeketten aufgezogen hatte.

Die verursachten das Rumpelgeräusch, sie waren notwendig, weil der Radlader sonst, wenn er gegen die schweren Schneelasten am Schulzentrum und am Cinemaxx arbeiten musste, weggerutscht wäre.

Paulo trat an den Straßenrand und zeigte dem Radladerfahrer den Schneewall, den er dort angehäuft hatte, und er wies auch auf den Schneewall bei Herrn Schröder, der auch vor die Tür gekommen war.

Der Lkw stand ein Stück weiter am Straßenrand, und der Radlader begann vorsichtig, damit er den Bordstein nicht beschädigte, den Schnee aufzunehmen und dem Lkw auf den Kipper zu laden.

Inzwischen waren einige Anwohner auf ihrem Gehweg und sorgten dafür, dass sie vom Radlader nicht vergessen wurden.

Nach einer Zeit war die gesamte „Herrengasse“ geräumt, und die Anwohner waren zufrieden.

Paulo gab den Fahrern des LKWs und des Radladers jeweils zehn Euro Trinkgeld, und der Lkw fuhr Richtung „Hilmewiesen“ davon.

Der Radlader rumpelte wieder in die „Pestalozzistraße“ zurück, denn dort war die Arbeit noch lange nicht getan.

Am Cinemaxx neigte sie sich die Arbeit allerdings langsam dem Ende zu, und auch der Marktplatz war frei. Die Arbeiter vom Cinemaxx gingen zu den Arbeitern des Schulzentrums auf das Dach und halfen dort mit.

Alle arbeiteten zuerst am Rand und warfen den Schnee hinunter, bevor sie sich in der Mitte begaben, von dort schoben drei Arbeiter den Schnee zum Rand und drei Arbeiter warfen ihn nach unten.

Der Radladerfahrer hatte immer Pause, wenn die Männer den Schnee nachwarfen, und die LKWs unterwegs zu den „Hilmewiesen“ waren und dort für einen gewaltigen Schneeberg sorgten.

Sara, Marga und Paulo machten die Jungen fertig, um mit ihnen zu IKEA zu fahren. Sara zog Ihnen sehr warme Sachen an und Wollmützen auf, dann steckte sie sie in lammfellgefütterte Schlafsäcke, und die Erwachsenen zogen sich Jacken über und Handschuhe an.

Sie gingen nach draußen, und den Gesichtern von Ben und Joshua konnte man ansehen, dass sie mit der Kälte noch nicht zurechtkamen, die beiden schrien.

Sara und Paulo setzen sie ihre Maxi-Cosis und streichelten sie, sie redeten auf sie ein, dass sie keine Angst zu haben brauchten und die Kälte ihnen nichts anhaben könnte.

Als sie langsam losfuhren und Paulo die Heizung im Wagen voll angestellt hatte, wurde es im Wageninnern allmählich warm, und Ben und Joshua beruhigten sich wieder.

Sie schlichen die „Löhrallee“ entlang Richtung Stadtausgang und kamen auf freies Feld, wo ein ordentlicher eiskalter Wind wehte, das Außenthermometer zeigte -10 °C.

Plötzlich sah Paulo vor sich gelbe Warnleuchten und erkannte ein Streufahrzeug, hinter dem er herfahren musste, denn an Überholen war kein Denken.

So fuhren sie langsam nach Feldstadt, immerhin auf einer frisch gestreuten Straße, was einem ein Gefühl von Sicherheit gab.

6 km hatten sie noch hinter dem Streufahrzeug herfahren müssen, dass aber immerhin 50 Km/h fuhr.

Plötzlich stimmte Marga, die hinten zwischen den Babysitzen saß, ein Lied an und Sara und Paulo sagen mit, es war „Schneeflöckchen, weiß Röckchen …“, und Ben und Joshua hörten aufgeregt und neugierig zu.

Dann passierten sie die Stelle an der die LKWs immer zu den „Hilmewiesen“ abbogen, und sie konnten den Schneeberg sehen, der sich im Hintergrund befand. Ein Radlader mit Schneeketten war damit beschäftigt, den Schnee, den die LKWs abkippten, zusammenzuschieben und auf den Berg zu drücken.

Alles war tief verschneit, man sah keine Menschen und kein Tier, im Hintergrund konnte man die Löhrberge erkennen. Die "Hilme" war zugefroren, und man konnte ihren Verlauf unter dem Schnee kaum ausmachen,

Dann erreichten sich Feldstadt und schlichen wieder durch den Ort, bis sie zu IKEA kamen, wo der riesige Parkplatz wunderbar geräumt war, es war auch nicht so viel los.

Paulo fuhr in die Nähe des Eingangs und parkte dort.

Sara holte den Kinderwagen aus dem Kofferraum, der an diesem Tag seine Premiere haben sollte, und sie setzte Ben und Joshua hinein.

Dann holte Paulo einen Einkaufswagen und sie gingen in das Möbelhaus.

Sofort umgab sie eine angenehme Temperatur, und sie folgten den Pfeilen, denen man als Kunde folgen sollte.

Auf diese Weise durchliefen sie alle Abteilungen bei IKEA, aber sie wussten ja auch nicht so richtig, was sie kaufen sollten, sie wollten sich inspirieren lassen, vielleicht würde Paulo am Ende in der Küchenabteilung ein neues Küchenmesser und ein neues Küchenbrett kaufen.

Ben und Joshua hörten der Musik aufmerksam zu, die bei IKEA gespielt wurde und machten große Augen.

In der Babyabteilung blieben sie hängen, und Sara und Marga schauten sich bei den Angeboten um. Sie stellten am Ende aber fest, dass sie zu Hause für Ben und Joshua alles hatten, was sie brauchten und liefen weiter.

In der Badezimmerabteilung sagte Sara mit einem Mal:

„Paulo brauchen wir nicht einen neuen Handtuchhalter?“, und Paulo überlegte, er willigte dann ein, und legte den Handtuchhalter in den Wagen.

Marga überlegte noch, ob sie nicht etwas für ihr neues Badezimmer kaufen sollte, ließ es aber dann, denn sie hatte alles.

Sie liefen weiter durch die endlosen Gänge bei IKEA, und am Ende kamen sie in die Abteilung mit Kleinzeug, das man für die Küche brauchte wie Tassen und Gläser, aber auch Küchenmesser und Küchenbretter.

Paulo besah sich die Messer und nahm eins in die Hand, dass ihm wegen seiner mittleren Größe sehr gut gefiel.

„Ich glaube, ich nehme das Messer und auch noch ein neues Küchenbrett!“, sagte er, ging zu den Kirchenbrettern, zog eins hervor, und legte es mit dem Messer in den Wagen.

Dann gingen sie durch die Kassen und im Anschluss ins Restaurant.

Dort nahmen sie einen Tisch für sich, neben den man den Kinderwagen stellen konnte, und Ben und Joshua hatten beide ihre Schnuller im Mund und machten einen zufriedenen Eindruck.

Die drei Erwachsenen nahmen jeder eine Tasse Kaffee und ein Stück von dem guten Kuchen, den es bei IKEA immer gab.

Das Restaurant war vielleicht zu zwei Dritteln gefüllt, sodass sie noch gut Platz fanden.

Ein Blick durch das riesige Fenster im Restaurant zeigte, dass es draußen schneite, es schneite schon seit Tagen in unverminderter Stärke, und Marga sagte, dass sie so etwas noch nie erlebt hätte.

Nachdem sie ihren Kaffee getrunken und ihren Kuchen gegessen hatten, standen sie auf und räumten ihr Geschirr in die Ablagen, dann liefen sie wieder zu ihrem Wagen.

Als Ben und Joshua draußen Schnee ins Gesicht fiel, erschraken sie zuerst, merkten aber dann, dass ihnen der Schnee nichts machte.

Sara und Paulo setzen die beiden in ihre Sitze, und sie fuhren nach Dinkelstein zurück.

Zu Hause in der „Herrengasse“ nahmen alle mit Genugtuung zur Kenntnis, dass der Schnee weggeräumt war, und Paulo problemlos auf sein Grundstück fahren konnte.

Er parkte vor der Garage, und Sara und er nahmen zuerst Ben und Joshua heraus, die wieder Schnee ins Gesicht bekamen und ihre Augen weit aufgerissen.

Dann brachten Sara und er die beiden ins Haus zogen ihnen die warmen Sachen aus, sie legten sie in der Küche auf die weiche Decke und Sara machte sie fertig, um sie zu stillen.

Paulo besah sich sein neues Messer und sein Küchenbrett, er machte eine Schnittprobe an einem Stück alter Zeitung, und das Messer fuhr sauber durch das Papier schnitt es durch.

Er hatte für sein neues Messer noch einen Wetzstahl in der Küche, der würde fürs Schärfen fürs erste reichen.

Dann nahm er den Handtuchhalter, den Sara gekauft hatte, und ging mit ihm ins Badezimmer. Er hatte sich schon gedacht, dass er von den Löchern des alten Handtuchhalters höchstens eins brauchen könnte, das zweite müsste er neu bohren.

Er nahm seine Bohrmaschine, spannte einen 6er Bohrer ein und rief:

„Ich muss nur ein Loch bohren!“, und Sara und Marga hielten Ben und Joshua die Ohren zu.

Dann pulte Paulo die alten Dübel heraus und steckte zwei neue in die Löcher. Er schraubte die neuen Handtuchhalter an und warf das Duschtuch darüber.

Er ging zur Küche und sagte Sara, dass der neue Handtuchhalter hängen würde. Sara ging sofort nachsehen, sie kam wenig später zurück und nickte Paulo zu.

Das „Hilmetal“, in dem Dinkelstein lag, wurde von einer Hochspannungsleitung durchzogen, die die Stadt mit Energie versorgte. Die Hochspannungsleitung wurde über 20 m hohe Masten geführt und insgesamt von niemandem beachtet.

In Dinkelstein herrschte inzwischen Schneechaos, es lag wieder 1 m Schnee auf Cinemaxx und Schulzentrum, ebenso auf Paulus Garagendach, und Paulo machte sich wieder daran, dass Garagendach freizuräumen.

Auch das Tiefbauamt war wieder aktiv geworden und hatte Radlader, zwei Kipper und sechs Arbeiter bereitgestellt, um die Dächer von Cinemaxx und Schulzentrum schneefrei zu machen.

Zu den Schneemassen kam dann bei der Extremkälte noch Eisregen, und der brachte den Verkehr auf den Straßen völlig zum Erliegen. Aber auch der Verkehr auf der Schiene war zum Erliegen gekommen, die Dinkelstein war Bahnstation auf dem Weg von Feldstadt nach Hermesburg, und die Weiche, die sich unmittelbar vor dem Bahnhof befand, war festgefroren.

Das Schlimmste aber war, dass der Eisregen einen dicken Eispanzer um die Hochspannungsleitungen gelegt hatte, der das Gewicht der Leitungen um ein Beträchtliches erhöht hatte.

Sie waren am Ende so schwer geworden, dass sie die Stahlmasten nicht mehr halten konnten und einknickten. Die Hochspannungsleitungen fielen auf die Felder und mussten abgeschaltet werden, was einen sofortigen Stromausfall in ganz Dinkelstein zur Folge hatte.

Bis die Einwohner realisiert hatten, was da geschehen war, lief jeder zu seinem Sicherungskasten und sah nach den Sicherungsautomaten, alle fanden ihre Sicherungen in Ordnung.

Der Griff zum Telefon offenbarte dann ärgeres Übel, das Telefon war tot, Marga und Sara betätigten den Lichtschalter immer wieder, aber es tat sich natürlich nichts.

Dann plötzlich konnte man draußen eine Megaphonestimme hören:

„Achtung, Achtung, liebe Anwohner von Dinkelstein, unsere Hochspannungsleitung ist beschädigt, und deshalb gibt es in der ganzen Stadt für die Dauer der Reparatur keinen Strom!“

Schon bald wurde es bei Sara, Marga und Paulo kalt im Haus, denn die Heizung funktionierte natürlich auch elektrisch, zumindest die Steuerung.

Es war gerade Mittag und noch relativ hell, jeder zog sich eine Jacke über, Sara nahm Ben und Joshua und zog ihnen wieder sehr warme Sachen über und steckte sie in ihre lammfellgefütterten Schlafsäcke.

„Wir haben hinter dem Haus doch einen sehr großen Stapel Holz liegen, das muss noch von Vater stammen, ich werde den Kamin anstecken und das Holz nach und nach verbrauchen!“, sagte Paulo.

Zum Glück gab es einen Kamin im Haus, was sollten nur die Leute machen, die keinen Kamin hatten?

Paulo ging nach draußen und nahm einen Korb mit, in den er Holzscheite legte. Er hackte mit dem Beil, das er in seiner Garage fand, Scheite zu Anmachholz.

Im Wohnzimmer nahm er ein Stück alte Zeitung und knubbelte es zusammen. Dann stellte er Stücke von dem Anmachholz um das Papier und steckte es an.

Es dauerte eine Zeit, bis die Flammen auf das Holz überschlugen, weil es nass war und deshalb auch qualmte. Dann öffnete Paulo die Lüftungsklappe, und sofort wurde das Feuer angefacht.

Er legte ein paar Holzscheite auf das Feuer, und nachdem sie kurzzeitig gequalmt hatten, brannten sie lichterloh.

Allmählich herrschte im Wohnzimmer eine angenehme Wärme, je weiter man sich aber von dem Kamin entfernte, desto kälter wurde es.

Sara hatte die Decke aus der Küche geholt und sie an den Kamin gelegt, sie nahm Ben und Joshua wieder aus ihren Schlafsäcken und legte sie auf die Decke.

Sara, Marga und Paulo hatten einen Tisch und Stühle nahe an den Kamin gestellt, und beratschlagen, was zu tun wäre.

„Wir müssen sehen, was wir noch an Lebensmitteln haben, wir wissen ja nicht, wie lange der Stromausfall dauern wird!“, sagte Marga.

„Und damit wir überhaupt kochen können, müssen wir Gaskartuschen besorgen!“, fügte Sara an.

„Ich werde in meinen Wagen steigen und schnell zur Tankstelle fahren, dort bekomme ich Gaskartuschen, und ich werde auch tanken, in der Zwischenzeit könnt ihr ja aufschreiben, was wir sonst noch brauchen!“, sagte Paulo.

Er stand auf und fuhr sofort los, die Tankstelle lag am Ende der Stadt gegenüber dem Schwimmzentrum. Als er dort ankam, hatte sich schon eine kleine Schlange gebildet, sodass er 6 Fahrzeuge vor sich hatte. Da sich die Schlange aber teilte, weil an zwei Tanksäulen zugleich getankt werden konnte, ging es relativ zügig vorwärts. Als Paulo dran war, tankte er zunächst voll und holte im Kassenhäuschen sechs Gaskartuschen, er sah, dass damit die Gaskartuschen fast ausverkauft waren. Dann fuhr er wieder nach Hause und ließ sich von den Frauen den Einkaufszettel geben und lief mit einer großen Tasche und einem Schlitten, den er in der Garage hatte, zunächst zu Edeka und danach zu Aldi.

Bei Edeka war es voll, und Paulo sah, wie die Leute Hamsterkäufe tätigten, weil wohl alle dachten, dass der Stromausfall länger dauern würde. Er sah Menschen, die ihren Einkaufswagen voll mit Konservendosen gepackt hatten, daneben bergeweise Toilettenpapier, viele kauften Mehl und Küchenpapier.

Paulo arbeitete seinen Einkaufszettel ab, und darauf stand sehr viel Milch, fünf Pakete Spaghetti, Tomatensauce, abgepacktes Brot und dazu Hefe und Mehl.

Bei Aldi kaufte er Kaffee, Thunfisch und Schwarzbrot, alles in reichlichen Mengen, und am Ausgang gab es Gaskartuschen, von den er noch einmal fünf Stück nahm.

Dann stellte er seine schwer gepackte Tasche auf den Schlitten und zog sie nach Hause. Dort überlegten die drei Erwachsenen, dass sie die Lebensmittel, die sie eingefroren hatten, draußen im Schnee vergraben könnten, denn die Kühlung war ja außer Betrieb, und die Kälte draußen reichte allemal.

Also packte jeder mit an, Paulo hob ein Loch im Schnee aus, direkt neben der Haustür, in das sie die Gefriersachen legten. Dinge, die einfach nur gekühlt wurden wie Milch, stellten sie neben der Haustür.

„Wo haben wir eigentlich unsere Campingsachen wie Gaskocher und Glaslampen?“, fragte Paulo und Sara antwortete:

„Da musst du im Keller nachsehen!“

Paulo ging in den Keller runter, in dem er nicht mehr gewesen war, seit sie die Möbel, die sie beim Umzug behalten wollten, dort hingestellt hatten.

Er fand dann das Zelt und eine Tasche mit Kleinzeug, in der auch der Gaskocher und die Gaslampen waren, außerdem nahm er Taschenlampen mit hoch, Batterien hatten sie noch in Reserve.

Als Paulo wieder oben war, sagte er:

„So, jetzt haben wir zehn Gaskartuschen, die müssten jetzt erst einmal eine Zeit lang reichen! Als Licht müssen uns auch Kerzen dienen, von Kerzen haben wir, glaube ich, noch ausreichend.“

„Ich habe auch noch viele Kerzen“, sagte Marga und ging sie holen.

„Haben wir genügend Streichhölzer?“, fragte Sara.

„Ja, wir haben Streichhölzer und Feuerzeuge“, antwortete Paulo.

„Wir müssen uns unsere Sachen griffbereit zurechtlegen, damit wir sie nachher im Dunkeln nicht suchen müssen,“ sagte Marga.

Also standen alle auf und legten ihre Mäntel, Jacken, Pullover in Griffweite auf die Sessel.

Paulo hatte ein. Radio geholt und stellte es ein, er wählte einen Sender, mit dem sie auf dem Laufenden gehalten wurden, und es wurde tatsächlich eine Meldung gesendet, in der sie etwas über die Situation in den Dinkelstein erfuhren:

„Wegen einer Überlastung der Stromleitungen durch Eis wurde die Stromverbindung in Dinkelstein zwischen Feldstadt und Hermesburg unterbrochen, nach Angaben der Elektrizitätsgesellschaft soll die Störung morgen Nachmittag behoben sein, es wird darum gebeten, Menschen, die über keine offene Feuerstelle verfügen, bei sich aufzunehmen.“

Paulo dachte gleich an Frau Schneider und lief zwei Häuser weiter zu ihr hin. Er klopfte laut an ihrer Haustür, denn Schellen konnte er ja nicht, er klopfte so lange, bis Frau Schneider öffnete.

Sie kam verfroren und im Mantel an die Haustür, kaum zu einer Regung in der Lage.

„Frau Schneider, ich will sie zu uns holen, wir haben in unserem Wohnzimmer den Kamin angezündet, der angenehme Wärme spendet“, sagte Paulo zu ihr.

„Das ist aber nett von Ihnen, Herr Redmann, dass sie so an ihre Mitmenschen denken!“, antwortete Frau Schneider.

Sie knöpfte ihren Mantel zu, steckte ihren Schlüssel in die Tasche und zog die Haustür zu. Dann ging sie mit Paulo zu dessen Haus, und Sara und Marga grüßten sie herzlich. Sie erfuhren von Frau Schneider, dass sie keine Vorsorge an Lebensmitteln oder sonstigen Dingen getroffen hatte.

„Ich bin so schlecht zu Fuß und könnte die Dinge, die ich brauchte, auch gar nicht alle tragen, ich lasse mir sonst immer alles bringen, was ich nötig habe, aber der Bringdienst ist heute nicht gekommen, und über Handy konnte ich niemanden erreichen.“

Sofort überprüften Sara, Marga und Paulo ihrer Handys auf ihren Ladezustand und fanden ihn bei sich o. k.

„Bei uns gibt es heute einfache Küche, Frau Schneider, da müssen Sie ihre Ansprüche ein Stück herunterschrauben!“ sagte Marga.

„Aber ich bitte Sie, Frau Redmann, ich werde doch bei Ihnen keine Ansprüche stellen!“, antwortete Frau Schneider.

Sie warf einen Blick auf Ben und Joshua, die beiden hatten sofort mitbekommen, dass jemand Fremdes ins Zimmer gekommen war, sie rissen ihre Augen auf.

„Na, ihr habt ja einen schönen warmen Platz am Kamin!“, sagte sie und zog ihren Mantel aus, den sie auf die Sessel warf.

„Sara, wo haben wir Taschenlampenbatterien?“, fragte Paulo.

„Im rechten Küchenschrank oben!“, antwortete Sara, und Paulo ging und holte die Batterien. Sara stellte das Radio ab, weil es keine Meldungen mehr gab, sie wollte es zu jeder vollen Stunde wieder einschalten.

Paulo kam wieder und legte die Batterien auf den Tisch.

„Wenn es gleich dunkel wird“, sagte er, „dann müssen wir die Gaslampen bereithalten, wenn jemand zur Toilette geht, dann muss er eine Taschenlampe mitnehmen, ansonsten sollen Kerzen benutzt werden!“

Marga zeigte Frau Schneider ihre Toilette, weil sie vom Wohnzimmer aus gesehen sehr nahe war.

Um 15.00 h begann es zu dämmern, und um 16.00 h war es stockdunkel.

Für die Raumbeleuchtung im Wohnzimmer hatten sie Kerzen auf den Tisch gestellt, wenn gegessen wurde, und man etwas sehen musste, sollte eine Gaslampe angezündet werden.

„Wie ich sehe, sind sie aber gut auf die Krise vorbereitet in der wir uns ja jetzt alle befinden, es fehlt ja an nichts!“, sagte Frau Schneider.

„Wenn man kleine Kinder hat, sowie Paulo und ich, dann trifft man Vorkehrungen, um gegen alle möglichen Defizite, die einen treffen können, gewappnet zu sein!“, sagte Sara daraufhin.

Paulo nahm einen Gaskocher und steckte ihn auf eine Gaskartusche, er nahm einen Topf mit Wasser und begann, das Wasser zu erhitzen, er wollte Nudeln kochen.

„Es gibt heute Nudeln mit Tomatensauce!“, sagte er.

Für die Tomatensauce nahm er Tomatenjuice, den er vorher bei Aldi gekauft hatte, er verfeinerte ihn mit Sahne und Rosmarin.

In der Zeit, in der die Nudeln kochten, stillte Sara Ben und Joshua.

Paulo und Sara gingen hoch in die Kinderzimmer und bauten die Kinderbetten auseinander und im Wohnzimmer wieder zusammen.

Dann legte Sara Ben und Joshua in ihre Betten und setzte sich zum Essen an den Tisch.

Paulo gab jedem von den Nudeln und der Sauce und wünschte einen guten Appetit. Frau Schneider bedankte sich noch einmal dafür, dass sie bei Redmanns mitessen durfte, aber Paulo winkte ab.

Zum Nachtisch gab es für jeden ein Fruchtjoghurt, den Paulo von Aldi mitgebracht hatte.

Um 20.00 h stellte Sara noch einmal das Radio ein, und sie erfuhren, dass sich ein Reparaturtrupp der Hochspannungsleitung angenommen hätte, es blieb aber beim Nachmittag des nächsten Tages mit der Fertigstellung.

Ben und Joshua schliefen in ihren Betten, und die Erwachsenen verhielten sich ruhig, um sie nicht zu wecken.

Frau Schneider legte sich dann auf die Couch, Sara brachte ihr eine Decke, und Sara und Paulo legten sich auf die weiche Decke der Kleinen an den Kamin, Marga ging in ihr Zimmer und legte sich dort in ihr Bett, sie deckte sich ordentlich zu.

Paulo legte noch einmal Holz ins Kaminfeuer, und jeder machte die Augen zu bis auf Paulo, der nicht einschlafen konnte.

Als es ganz still war, konnte er die Männer in der „Pestalozzistraße“ arbeiten hören, er hörte, wie die LKWs abfuhren und der Radlader auf seinen Schneeketten vor dem Cinemaxx und dem Schulzentrum herumrumpelte, die Männer schienen eine Nachtschicht einzulegen, genauso wie der Reparaturtrupp draußen an der kaputten Hochspannungsleitung.

Paulo dachte nach, er überlegte, wie abhängig doch alle vom Strom waren, und er versuchte sich Zeiten vorzustellen, in denen den Menschen keinen Strom zur Verfügung stand. Er würde am nächsten Tag Marga fragen, ob sie solche Zeiten noch kannte. Paulo stand ganz leise auf und schlich zum Fenster, er schaute hinaus, und alles was er sah, war Schneetreiben.

Die Stadt lag im Dunkeln, die Laternen waren aus. Das war schon ein sehr ungewöhnlicher Anblick, man sah absolut nichts, außer den Schneeflocken.

Paulo legte sich wieder hin, war aber immer noch außerstande, zu schlafen.

Frau Schneider atmete leise, aber vernehmbar, Sara schlief fest, wurde aber von Ben und Joshua wieder geweckt.

Paulo legte sich auf die Seite und hoffte, so Schlaf zu finden. Aber es half nichts, er döst ein wenig ein, war dann aber wieder wach.

Kurz nach Mitternacht wurden Ben und Joshua wach, und Sara stand auf, sie tat das mit einem Automatismus, der nicht hinterfragt wurde. Sie nahm Ben und Joshua und legte sie an, Sara hatte die Nahrungsquelle für die beiden immer bei sich, gleichzeitig war die Muttermilch in ihrer Zusammensetzung unerreicht.

Die beiden schliefen beim Stillen gleich wieder ein, und Sara legte sie hin. Sie selbst legte sich auch wieder hin, machte die Augen zu und schlief.

Das war ein Ritual, und Paulo bekam es zum ersten Mal mit, Sara stand deshalb sehr hoch in seiner Achtung.

Die ganze Nacht wälzte sich Paulo von einer auf die andere Seite, und er sah, wie es dann plötzlich allmählich wieder hell oder besser gesagt dämmrig, trüb wurde.

Die Nacht war dann für alle vorbei, es war 6.30 h, und Ben und Joshua waren auch wach.

Sara machte die beiden frisch und wusch sich auch, wie alle ins Badezimmer gegen und sich kurz wuschen. Nachdem sich alle einen guten Morgen gewünscht hatten, nahm Paulo den Gaskocher und setzte ein Topf mit Wasser auf, er wollte Kaffee kochen.

Sara und Marga legten die Frühstücksutensilien auf den Tisch, und Paulo kochte Kaffee nach alter Art mit einem Filter.

„Na Frau Schneider, ging das denn mit dem Schlafen?“, fragte Paulo seine Nachbarin.

„Ich habe gut geschlafen, danke!“ , antwortete Frau Schneider.

Sara stellte um 7.00 h das Radio an, und Paulo legte noch einen Holzscheit in das Kaminfeuer, er hatte die ganze Nacht dafür gesorgt, dass das Feuer in Gang blieb.

Im Radio wurde gemeldet das im Kreis Feldstadt das Schneechaos ausgebrochen wäre, die Stromunterbrechung, von der Dinkelstein betroffen war, würde noch bis zum Nachmittag dauern.

Die eingeknickten Strommasten waren aus Thomasstahl hergestellt, ein Material, das als sehr spröde galt und deshalb hielten sie solche Extrembelastungen nicht aus. Es würden auf die bestehenden Mastfundamente Masten aus neuem Stahl errichtet und die Leitungen repariert.

Frau Schneider wollte wieder zu sich nach Hause, aber Paulo fragte sie, was sie in der Kälte bei sich wollte, bei ihm brannte doch wenigstens ist ein Kaminfeuer. Das sah Frau Schneider ein und bedankte sich, noch bleiben zu dürfen.

Inzwischen waren in den Geschäften und öffentlichen Gebäuden Notstromaggregate im Einsatz, sodass das Licht brannte und die Kühltruhen weiterliefen.

Paulo zog sich die Jacke über und wollte zu Edeka laufen, um ein paar Konserven zu kaufen.

Als er auf seinem Gehweg stand, schüttelte er den Kopf, es lag wieder 1 m Schnee darauf, und es schneite immer weiter, auch die Kälte war geblieben, -10 °C.

Es lag eine merkwürdige Stille über der Szenerie, und Paulo konnte auch nichts von den Arbeiten in der „Pestalozzistraße“ hören, dort war man mit der Räumung der Dächer wohl fertig.

Bevor er zu Edeka ging, musste er sich wohl um die Räumung des Gehwegs kümmern, und er tat dies in alter Manier, holte sein Schneeräumgerät aus der Garage und schaufelte zunächst den Schnee in die Gosse, dann machte er mit dem Schneeschieber die Gehwegplatten frei, anschließend streute er jede Menge Auftausalz.

Dann lief er zu Edeka und bekam zum ersten Mal mit, wie sich Leute un das letzte Paket Toilettenpapier stritten, und als sie Paulo bemerkten, wie er Zeuge ihres Streites wurde, gaben sie nach, und der eine Kunde überließ demjenigen, der zuerst nach dem Toilettenpapier gegriffen hatte, das Paket.

Ansonsten lief bei Edeka aber alles unaufgeregt und friedlich ab, niemand drängte, alle schienen Zeit zu haben.

Paulo nahm seine Konserven und legte sie in seine große Tasche, mit der wieder nach Hause lief, dort stapelte er die Konserven im Küchenschrank auf.

„Habt ihr nach dem Feuer gesehen?“, fragte Paulo, und Marga antworte, dass sie soeben ein Holzscheit aufgelegt hätte.

„Sag mal Mutter, hast du eigentlich noch die Zeit gekannt, in der es keinen Strom gab?“, fragte Paulo seine Mutter, und Marga musste nicht lange überlegen, bis sie antwortete:

„Wir hatten, wenn überhaupt, nur Lichtstrom, es gab noch keine elektrischen Haushaltsgeräte, und mein Vater achtet darauf, dass das Licht nur im äußersten Dringlichkeitsfall eingeschaltet wurde, wenn man im Licht zusammen saß, zum Essen, Spielen oder Lesen, ansonsten musste man sich mit einer Kerze behelfen, er wollte auf diese Weise Geld sparen, denn Strom war teuer!“

Frau Schneider, die 75 Jahre alt war, wie alle im Laufe des Tages erfahren hatten, war gebürtige Oberschlesierin, und sie sagte, dass sie die Zeit ohne Strom schon noch kannte:

„Wir haben uns im Dunkeln aufgehalten oder Kerzen angesteckt, auch Petroleumlampen wurden angesteckt, alle elektrischen Geräte, über die die Haushalte heute verfügen, gab es zu meiner Zeit einfach nicht!“

Paulo merkte sich das ganze letzte Nacht kein Auge zugetan hatte, er riss sich aber zusammen und wollte einmal zur „Löhrallee“ herunterlaufen, um zu sehen, was dort los wäre:

„Frau Schneider und Mutter, ihr kommt doch sicher mit, wenn ich zur „Löhrallee“ laufe!“, fragte Paulo, und die beiden älteren Damen gaben ihr Einverständnis, Paulo gab Frau Schneider ein paar Handschuhe und Sara gab ihr einen Schal von sich. Marga nahm Handschuhe und Schal von sich und zog auch noch ihren warmen Mantel über.

Auch Paulo zog sich warm an, und dann liefen sie los, sie gingen jedoch auf der Straße, denn die Gehwege waren zum größten Teil nicht geräumt.

„Habt ihr eigentlich früher auch immer so viel Schnee gehabt?“, fragte Paulo Frau Schneider und seine Mutter.

„Wir hatten in Ostpreußen immer sehr strenge Winter, Weihnachten lag immer Schnee“, sagte Paulos Mutter.

„Auch wir in Oberschlesien hatten immer viel Schnee, manchmal schaffte ich den Weg zur Schule nicht, der über Felder lief, die verschneit waren“, ergänzte Frau Schneider.

Bis zur „Löhrallee“ war Ihnen auf der „Herrengasse“ kein Auto begegnet, es lag auch zu viel Schnee auf der „Herrengasse“, als dass man da hätte fahren können, und es schneite und schneite. auch die „Löhrallee“ war zugeschneit und man sah kein Auto auf ihr fahren, auch der Busverkehr war eingestellt.

Plötzlich vernahmen die 3 rasselnde Geräusche und Motorenlärm, der immer lauter wurde.

Panzer der Bundeswehr waren gekommen, um den Schnee von der Straße zu räumen, sie hatten die ganze Straße von Feldstadt aus freigeräumt und mussten ihre Arbeit noch bis Hermesburg weiterführen, damit wenigstens die Hauptstraße schneefrei war. Hinter dem Panzer fuhr ein Streuwagen, der jede Menge Salz auf die Straße warf.

Paulo winkte einem Soldaten zu, der aus dem Einstiegsturm des Panzers lugte, dann wurde es in Dinkelstein wieder gespenstisch still.

Man sah den einen oder anderen durch die Kälte huschen, die meisten waren auf dem Weg vom Einkaufen nach Hause, und sie waren so sehr in ihre warme Kleidung eingewickelt, dass man von ihren Gesichtern kaum etwas sah.

Die 3 machten sich wieder auf den Weg nach Hause, und Paulo nahm von draußen Holzscheite mit ins Wohnzimmer, wo Sara sich um das Feuer gekümmert hatte.

„Der „Dinkelsteiner Anzeiger“ ist gerade in einer dünnen Ausgabe bei uns abgegeben worden“, sagte Sara, und Paulo setzte sich mit der Zeitung an den Tisch. Es war in der Zeitung die Rede von dem vielen Schnee, wie es ihn seit Jahren in Dinkelstein nicht gegeben hätte. Der Stromausfall hatte natürlich nicht kommentiert werden können, denn auch beim Zeitungsdruck brauchte man Strom.

Ein Schwerpunkt in der Berichterstattung wurde auf die Räumpflicht aller Anwohner gelegt, der nachzukommen war, die Witterungsverhältnisse ließen es nicht anders zu.

Um 10.00 h schaltete Paulo das Radio ein und erfuhr in einer Meldung, dass die Bauern im Umland Probleme mit dem Melken der Kühe hätten, weil die Melkmaschinen nicht funktionierten. Es mussten die Betriebe mit Notstromaggregaten ausgestattet werden, damit überhaupt gemolken werden konnte. Man konnte natürlich einen Teil der Kühe von Hand melken, aber nicht 80 Stück!

Alle sehnten den Zeitpunkt herbei, an dem es in Dinkelstein wieder Strom gäbe.

„Wenn es früher eiskalt war, haben wir uns unsere warmen Sachen angezogen und sind früh ins Bett gegangen, was hätten wir bei der Kälte auch tun sollen?“, sagte Marga.

„Wir hatten zu Hause Kohleöfen, denn in Oberschlesien wurde ja Kohle gefördert, und die Öfen wurden immer mit Kohle beschickt, frieren musste bei uns niemand!“, ergänzte Frau Schneider.

Sara und Paulo gingen zu Ben und Joshua, und Sara stillte die beiden, dann legte sie sie in ihre Betten, und sie schliefen augenblicklich ein.

Danach sagte Paulo:

„Ich werde mich mal um das Mittagessen kümmern, wer hat etwas gegen Linsensuppe einzuwenden?“, und niemand machte Einwände geltend.

Dann nahm er zwei Dosen Linsensuppe aus dem Küchenschrank und gab sie in einen Topf, er legte einen Ring Fleischwurst hinein und erhitzte alles.

Marga deckte den Tisch, und sie setzten sich daran.

„Wenn ich überlege, wie lange ich schon keine Linsensuppe gegessen habe, das ist schon nicht mehr wahr!“, sagte Paulo, und er gab jedem einen Schlag von der Suppe auf den Teller und schnitt ihm ein Stück Fleischwurst ab.

Nach dem Essen gab es Kaffee, und die älteren Frauen nutzten die Gelegenheit, aus ihrer Jugend zu erzählen, Marga sagte:

„Als ich ein junges Mädchen in Ostpreußen war, gab es vieles nicht, was bei uns als selbstverständlich angesehen wird, ich nenne nur Kühlschrank, Spülmaschine und Waschmaschine, ich möchte diese Geräte heute nicht missen, sehne mich aber manchmal auch nach dem einfachen Verhältnissen zurück!“

„Marga, du sprichst mir aus der Seele“, sagte Frau Schneider, die sich inzwischen mit Paulos Mutter duzte, „sicher mussten wir früher vieles von Hand erledigen, was uns heute abgenommen wird, aber auch ich sehne mich manchmal nach dieser alten Zeit!“

„Ich hole aus der Küche ein paar Plätzchen!“, sagte Sara und lief schnell los.

„Wie weit die wohl mit der Reparatur der Hochspannungsleitung sind?“, fragte Paulo und stellte in diesem Moment das Radio an.

„Liebe Dinkelsteiner Bürger, wenn alles gut geht, wird um 15.00 h in der Stadt wieder der Strom eingeschaltet, wir danken ihnen als Elektrizitätsgesellschaft für ihre Geduld!“. Was sie so gerade noch aufschnappen konnten und wenn sich das bewahrheiten sollte, was da gesagt wurde, dann hatten Sie noch 2 Stunden auf Strom zu warten.

Paulo blickt aus dem Fenster, es schneite, es schneite als gäbe es in Dinkelstein gar kein anderes Wetter.

Ein Räumfahrzeug kam die Herrengasse herauf und räumte den Schnee von der Straße, anschließend wurde Salz gestreut.

„Dann können wir gleich wieder in die anderen Räume unseres Hauses gehen, ich werde schon einmal die Heizungen alle voll aufdrehen, damit der Bau wieder richtig warm wird, Frau Schneider, sie sollten gegen 16.00 h nach Hause gehen, wenn 1 Stunde lang die Heizungen bei Ihnen gelaufen sind!“, sagte Paulo.

Ben und Joshua wurden wach, und Sara legte beide an, danach wurden sie auf die weiche Decke vor dem Kamin gelegt.

Paulo baute die Kinderbetten auseinander, und Marga und er brachten die Teile wieder hoch in die Kinderzimmer, wo sie sie wieder zusammenbauten. Dann gingen sie wieder runter ins Wohnzimmer, Paulo legte einen Holzscheit ins Kaminfeuer.

„Gleich hat sich die Sache mit dem Holz erübrigt, dann läuft unsere Heizung wieder!“, sagte er zu Frau Schneider.

„Ich werde gleich bei mir erst einmal alles hochdrehen, ich will es überall warm haben!“

Paulo sah auf die Uhr, es war 14.50 h, als mit einem Mal das Licht anging und der Strom wieder eingeschaltet war.

„Es ist vorbei, wir haben es geschafft, jetzt müssen wir nur etwas warten, bis die Heizung wieder arbeitet!“, rief Paulo vor Freude aus.

Sara und er gruben mit Marga die Lebensmittel wieder aus dem Schnee, die sie dort bei -10 °C gelagert hatten und brachten sie in die Küche, um sie wieder einzufrieren, und die Lebensmittel, die zur Kühlung draußen hingestellt wurden, holten sie und legten sie in den Kühlschrank.

Sie räumten die Kerzen weg, und Paulo brachte den Gaskocher und die Gaslampen in den Keller. Er hörte die Heizung im Heizkeller arbeiten, und es konnte nur noch Minuten dauert, bis oben die Wärme spürbar wäre.

Als er Wohnzimmer war, legte er eine Hand auf einen Heizkörper und fühlte die Wärme hochsteigen:

„Fühl mal Sara, die Heizung wird warm!“

Sie nahmen Ben und Joshua hoch und trugen sie in die Küche, sie hatten die Decke mitgenommen und legten die beiden Kleinen darauf.

Die Temperatur in der Küche war mittlerweile angenehm, und Frau Schneider und Marga kamen und setzen sich mit Sara und Paulo um den Tisch.

„Soll ich noch einmal Kaffee kochen?“, fragte Marga in die Runde, und niemand war abgeneigt.

„Ich laufe schnell zur Edeka und hole Kuchen für uns!“, sagte Paulo schon im Gehen. In der Küche brannte das Licht, und alles funktionierte wieder wie vorher.

„Ohne Strom wären wir aufgeschmissen!“, sagte Marga und stellte den Kaffeeautomaten an, dann deckte sie den Tisch.

Als Paulo zurück war, sagte er:

„Sie hatten nur abgepackten Kuchen, aber der wird uns auch schmecken!“, und er gab jedem ein Stück.

Im Anschluss brachte Paulo Frau Schneider wieder zu sich nach Hause, und als sie ihre Wohnung betrat, umgab sie gleich eine wohltuende Wärme.

„Herr Redmann, ich danke Ihnen zutiefst für ihre Gastfreundschaft, das werde ich Ihnen nie vergessen!“, sagte Frau Schneider.

„Lassen Sie mal gut sein, Frau Schneider, in der Not müssen sich die Menschen doch helfen!“, antwortete Paulo und wünschte Frau Schneider alles Gute.

Als er auf dem Weg nach Hause über seinen Gehweg lief, sah er, dass sich dort wieder 1 Meter Schnee angehäuft hatte, und er nahm sich vor, den am nächsten Tag als erstes wegzuräumen.

Am nächsten Morgen ging Paulo nach dem Frühstück zu seiner Garage und holte das Schneeräumgerät heraus, mittlerweile hatte sich in ihm ein Hass auf den Schnee aufgebaut, erüfluchte leise vor sich hin, aber es nutze nichts, er musste den Gehweg räumen.

Er nahm den Meter Schnee auf seine Schüppe und warf ihn in die Gosse, dort lag wieder ein gehöriger Wall von Schnee, und Paulo würde wieder bei der Stadt anrufen und darum bitten, dass die Männer mit dem Radlader und den LKWs kämen, und den Schnee der Anwohner aus der „Herrengasse“ wegräumten.

Am Ende schob er mit dem Schneeschieber die Schneereste und das Eis von den Gehwegplatten und streute Salz. Meine Güte, wie hasste er diese Arbeit, wie sehnte er die schneefreie Zeit herbei!

In diesem Moment kam auch Herr Schröder vor die Tür und ging an seine Arbeit auf dem Gehweg.

„Guten Morgen Herr Schröder!“, rief Paulo ihm zu und Herr Schröder erwiderte seinen Gruß:

„Also ich mache das nicht mehr gerne, dass ich hier den Schnee wegräume, es wird Zeit, dass er wegtaut!“, sagte er.

„Ich werde gleich bei der Stadt anrufen, dass sie wieder unseren Schnee weggeräumt!“, sagte Paulo und ging und brachte sein Schneeräumgerät in die Garage zurück.

Als er wieder nach vorne kam, fragte er Herrn Schröder:

„Wie haben Sie denn die Zeit ohne Strom verbracht?“

„Meine Frau und ich haben vor dem Kamin gesessen und gelesen, und vorgestern sind wir früh ins Bett gegangen“, antwortete Herr Schröder.

„Schönen Tag noch!“

„Ebenso!“

Paulo ging ins Haus und griff zum Telefon, er rief das Tiefbauamt wegen des Schneeräumens an:

„Herr Redmann, wir werden am Nachmittag wieder in der „Pestalozzistraße“ arbeiten, der Radlader wird mit zwei LKWs dann bei Ihnen vorbeikommen und die „Herrengasse“ freiräumen!“

„Vielen Dank für die Zusage!“, sagte Paulo.

Am Schulzentrum lief die Schneefräse des Hausmeisters ununterbrochen, und er hatte den ganzen Vormittag geräumt, der Schulhof war beinahe frei von Schnee, den die Fräse zur Seite geworfen hatte.

Paulo rief im Sekretariat an, um zu erfahren, ob normaler Unterricht stattfände, und die Sekretärin sagte ihm, wenn es so weiter schneite, würde erst einmal kein Unterricht stattfinden.

Marga hatte zu Mittag gekocht, und sie setzten sich an den Küchentisch und aßen.

„Wenn es weiter so schneit, findet auch demnächst kein Unterricht statt!“, sagte Paulo.

„Das ist ja auch kein Wunder, wie sollten denn die Schüler von auswärts auch zur Schule kommen?“, fragte Sara.

Tatsächlich war es ja so, dass sie Hauptstraße von Feldstadt über Dinkelstein nach Hermesburg jeden Tag von einem Panzer der Bundeswehr geräumt wurde, sodass auch der Bus zweimal zwischen den beiden Städten pendeln konnte, aber die ganzen Abzweigungen, die zu den Dörfern führten, aus denen viele Schüler kamen, wurden gar nicht geräumt. Die Dörfer waren quasi von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Dorfbewohner waren hingegangen und hatten, zum Teil in Eigenregie, Wege zur Hauptstraße angelegt, damit man einkaufen oder zum Arzt gehen konnte.

Schulbusse, die morgens im Regelfall die Dörfer anfuhren, konnte natürlich nicht durch die Schneemassen fahren, also fiel der Unterricht aus.

Am frühen Nachmittag fuhren der Radlader und zwei LKWs in die „Pestalozzistraße“, um die Straße, den Marktplatz und das Schulzentrum freizuräumen, auch das Cinemaxx in der „Bahnhofstraße“ nahmen sie sich vor.

In dem Moment konnte man die Baufahrzeuge gut ausmachen, zumal die Schneeketten, die der Radlader montiert hatte, Krach genug machten. Die Bauarbeiter waren zu sechst wie schon beim vorigen Mal, und sie fingen mit dem Cinemaxx in der „Bahnhofstraße“ an.

Das Dach des Cinemaxx maß ja 15 m mal 20 m und hatte somit 60 Tonnen Schnee zu tragen. Die Männer strengten sich an und schaufelten den Schnee in 4 Stunden vom Dach, der Radlader belud die Kipper, und die brachten den Schnee zu den „Hilmewiesen“. Der Radlader räumte auch das Stück „Bahnhofstraße“ bis zum Cinemaxx frei, bevor die Männer in die „Pestalozzistraße“ gingen.

Dort nahmen sie sich zunächst die Straße vor, räumten auch den Marktplatz frei, und gingen dann zum Schulzentrum über.

Der Hausmeister bat darum, dass die Arbeiter vom Tiefbauamt nicht wieder den ganzen Schulhof voll voll Schnee warfen, den er gerade mühsam mit seiner Schneefräse freigeräumt hatte. Sie wollten sich bemühen, darauf zu achten.

Paulo stand im Wohnzimmer am Fenster, und konzentriert sich, die anderen Baufahrzeuge zu hören, und nach 4 Stunden konnte man den Radlader und die Kipper die „Herrengasse“ hochkommen hören.

Sie fingen zunächst an, den Schnee von der Fahrbahn zu räumen, und die LKWs fuhren zu den „

„Hilmewiesen“.

Dann gingen sie daran, die Schneewälle, die sich bei den Anwohnern vom Freiräumen der Gehwege aufgetürmt hatten, abzutragen.

Als sie damit fertig waren, ging Paulo zu ihnen nach draußen gab sowohl dem Radladerfahrer als auch den Fahrern der LKWs jeweils zehn Euro Trinkgeld.

Die Herrengasse war wieder frei, und die Gehwege konnten problemlos genutzt werden, Frau Schneider jedenfalls ging zu Edeka und freute sich, dass das ohne Schneeberge möglich war.

Plötzlich ging bei Paulo das Telefon, und die Hildesheimer waren dran:

„Einen schönen guten Tag, wir hatten uns überlegt, einmal unseren Enkelkindern einen Besuch abzustatten, ist durch das recht?“, fragte Sara Vater.

„Hallo, kommt nur, wir versinken zwar bei uns in Dinkelstein im Schnee, aber ihr werdet das schon schaffen!“, und so verabredeten sie sich für den nächsten Tag in Dinkelstein, sie wollten sich nicht auf eine bestimmte Uhrzeit festlegen, peilten aber den Nachmittag an.

Paulo, Sara und Marga setzen sich an den Küchentisch und beratschlagten, was es zu essen geben sollte und vor allem, wo Saras Eltern und Evelyn schlafen sollten.

„Wir haben im Keller doch noch unsere Liegen, darauf könnten deine Eltern doch schlafen!“, schlug Paulo vor.

„Genug Bettzeug haben wir auch noch, wir stellen die Liegen dann ins Wohnzimmer und Evelyn kann auf der Couch schlafen!“, antwortete Sara.

„Sollen wir wirklich für alle aufwendig kochen und nicht lieber beim Italiener etwas holen?“, fragte Marga. Schließlich verständigten sie sich darauf, dass Saras Vater und Paulo am Abend zur Pizzeria liefen und dort das Essen, das sie sich bestellt hatten, abholten.

Vorher gäbe es Kaffee und Kuchen, und den Kuchen würde Paulo beim Bäcker um die Ecke besorgen, wie er das immer tat.

Paulo setzte sich vor seinem PC und rief die Seite der Pizzeria auf, dort suchte er die Speisekarte und druckte sie sechsmal aus, damit sich am nächsten Tag jeder in Ruhe etwas aussuchen konnte.

Ben und Joshua lagen zufrieden auf ihrer Decke, an ihnen ist der Tag ohne Strom spurlos vorübergegangen, und ihnen ging es immer gut, wenn Sara ihnen Milch gab.

Sie spielten mit dem Greifspielzeug, dass ihnen Saras Mutter nach der Geburt geschenkt hatte.

Nach dem Abendessen stand wieder ein Mensch- ärgere-Dich-nicht-Abend an, und sie setzen sich alle ganz aufgeregt um den Tisch. Ben und Joshua waren gestillt und ins Bett gelegt worden, und die Erwachsenen würden spielen, bis sich die beiden wieder über ihr Babyphon bemerkbar machten.

Dann fingen sie an, und Marga war genauso aufgeregt wie ihre beiden Mitspieler, es war ein Spiel, bei dem man nicht nachzudenken brauchte.

Als die beiden Kleinen im Babyphon zu hören waren, gingen Sara und Paulo hoch in die Kinderzimmer, Sara nahm beide aus ihrem Bett und legte sie an.

Paulo stand daneben und war wieder einmal überwältigt, wie reibungslos und glatt das Stillen der Beiden über die Bühne ging.

Er stellte sich ans Fenster und sah hinaus, Schneefall, Schneefall ohne Ende.

Sara legte Ben und Joshua wieder in ihre Betten, wo sie sofort wieder einschliefen. Anschließend ging sie mit Paulo wieder runter in die Küche, und Marga wartete sehnsüchtig darauf, das Spiel fortsetzen zu können.

Sie spielten dann noch zwei Runden, die Marga beide gewann, dann gingen sie schlafen.

Am nächsten Morgen stand alles im Zeichen des Besuches der Hildesheimer, und alle überprüften, ob sie für die 6 Personen, die sie dann wären, ausreichend Sachen zum Frühstück hätten, und Sara meinte:

„Meine Eltern sind große Käseesser, Paulo, Du solltest noch einmal zu Edeka gehen und dort verschiedene Käsesorten holen, bring auch noch Schinken mit!“

Paulo lief sofort nach dem Frühstück los und ärgerte sich über den vielen Schnee, der schon wieder auf dem Gehweg lag. Aber es nützte alles nichts, er musste den Gehweg freiräumen und tat dies mit seiner Schüppe und seinem Schneeschieber, anschließend streute er ordentlich Salz auf den Gehweg.

Dann lief er zu Edeka und ging in die Käseabteilung, Sara und er aßen immer mittelalten Käse, er nahm ausgefallene Käsesorten, darunter italienische, französische, und holländische, und er ließ sich von der Verkäuferin beraten.

Die Käse entwickelte durch die Verpackung hindurch ein Aroma, das nicht jedermanns Sache gewesen wäre. Er dachte auch an eine Lage „Schwarzwälder Schinken“ und nahm auch ein Glas Orangenmarmelade mit aus Neugier, ob er bei den anderen damit Anklang finden würde.

Zu Hause machte Paulo seine Einfahrt frei, damit seine Schwiegereltern problemlos auf sein Grundstück fahren könnten. Marga und Sara machten die Küche sauber und Paulo stellte sich nach seiner Aktion ans Wohnzimmerfenster und wartete dort auf die Hildesheimer.

Und endlich kam ein Wagen, der so aussah wie der seines Schwiegervaters und bog auf sein Grundstück ein, die Hildesheimer waren da.

Paulo ging nach draußen, um sie zu begrüßen, und Evelyn hatte nichts anderes zu tun, als einen Schneeball zu machen und den nach Paulo zu werfen. Sie traf Paulo mitten auf die Brust, aber Paulo hatte zu Schnee eigentlich kein gutes Verhältnis mehr, und er grinste nur.

Dann ging er zu den Hildesheimern und umarmte einen nach dem anderen.

„Schön das ihr da seid, kommt doch ein!“, sagte Paulo. Und dann kamen sie in die Küche, in der Ben und Joshua auf der Decke lagen, und Saras Mutter war hin und weg, sie hatte kaum ein Auge für ihre Tochter, und umarmte sie kurz.

Dann aber beugte sich zu Ben und Joshua unter, und die beiden machten große Augen. „Na, euch geht es auf der warmen Decke aber gut!“, sagte sie und legte beiden Bauklötze hin, die sie sofort nahmen und in den Mund stecken.

Danach begrüßte sie Marga:

„Tut mir leid Marga, aber zuerst kommen die Kleinen, und das musst du verstehen!“ Marga hatte volles Verständnis für Saras Mutter und entgegnete:

„Die Hauptsache ist doch, dass ihr überhaupt da seid!“

Evelyn stand bei Sara und hatte ihren Arm um ihre Hüfte gelegt:

„Schnee habt ihr aber genug bei euch in Dinkelstein!“, sagte sie zu ihrer Schwester.

„Hör bloß auf mit Schnee, ich kann bald keinen Schnee mehr sehen und sehne den Tag herbei, an dem er auf den Straßen verschwunden ist, und Paulo geht es genauso!“

„Bei uns in Hildesheim liegt auch Schnee, aber bei Weitem nicht so viel wie bei euch“, sagte Saras Vater, „als wir in Feldstadt von der Autobahn abgefahren waren, taten sich mit einem Mal vor uns große Schneeberge auf, und die Straße nach Dinkelstein war zwar geräumt, man musste aber höllisch aufpassen, dass man nicht am Straßenrand in Schneewehen fuhr.“

Wir haben in Dinkelstein Schnee wie seit Jahrzehnten nicht, und gestern hatten wir in der ganzen Stadt Stromausfall, weil die Hochspannungsleitung durch Vereisung so schwer geworden war, dass unter ihrer Last die Masten eingeknickt waren, einen Tag ohne Strom, das war eine interessante Erfahrung!“

Saras Vater schaute ganz verblüfft und sagte dann:

„Da habt ihr aber auf vieles verzichten müssen, viele Annehmlichkeiten sind doch erst durch Strom möglich!“

„Natürlich funktionierte keines unserer Küchengeräte, und wir mussten unser Gefriergut draußen im Schnee eingraben, denn kalt genug ist es ja, aber die Heizung hatte nicht funktioniert, sodass wir unseren Kamin im Wohnzimmer angesteckt haben“, sagte Paulo.

„Ihr Armen, hoffentlich hatte nicht alle sehr gefroren und vor allem daran gedacht, eure Kinder warm genug anzuziehen!“, sagte Saras Mutter.

„Wir haben eine Nachbarin bei uns aufgenommen, die bei sich keine Möglichkeit hatte, ein Feuer anzustecken, ja, so ein Tag ohne Strom wirft einen doch ganz schön zurück!“, sagte Paulo.

Also setzt euch doch alle an den Tisch, Marga kocht für uns Kaffee, und Paulo geht zum Bäcker und holt Kuchen!“, sagte Sara.

„Mit eurem Haus seid ja richtig fertig, oder habt ihr noch Einrichtungsvorhaben?“, fragte Saras Mutter.

„Nein, zum Glück haben wir den Einrichtungsstress hinter uns, wenn ich daran denke, wie oft wir nach Feldstadt zu IKEA gefahren sind!“, antwortete Sara. Marga begann den Tisch zu decken, und Evelyn und Saras Mutter halfen ihr dabei.

Dann kam Paulo mit einem großen Kuchentablett zurück und stellte es auf den Tisch, sodass sich jeder bedienen konnte. Marga goss jedem einen Kaffee ein und setzte sich dann auch hin:

„Wenn Arthur das alles noch erlebt hätte!“, entfuhr es ihr mit einem Mal.

„Der hätte sich doch sicher über seine Enkelkinder sehr gefreut!“, sagte Saras Vater.

„Ich bin mir sicher, dass er jetzt bei Ben und Joshua auf der Decke säße und irgendwelchen Unsinn mit ihnen anstellen würde!“, sagte Marga.

„Paulo, da hast du aber sehr guten Kuchen mitgebracht!“, sagte Evelyn, die in dem Kreis ein wenig zu kurz kam, aber das macht ihr nichts aus, dass sich alles nur um ihre Neffen drehte.

„Wenn wir nachher zu Abend essen, gehen wir beide wieder zu unserer Pizzeria und holen dort unser Essen“, sagte Paulo zu seinem Schwiegervater, „ich habe die Speisekarte ausgedruckt, sodass sich jeder etwas aussuchen kann, aber bis dahin haben wir noch etwas Zeit, und wenn ihr einverstanden seid, machen wir vor dem Abendessen noch ein kleinen Spaziergang!“, fuhr er fort.

Die „Herrengasse“ war gerade geräumt, und auch die „Pestalozzistraße“ war frei, sodass sie einen kleinen Spaziergang durch die Stadt machen konnten, vielleicht könnten Sie bis zum Bahnhof hoch durch die „Bahnhofstraße“, wenn die auch frei wäre.

Sara machte Ben und Joshua fertig und zog ihnen warme Sachen an, dann steckte sie die beiden in ihre lammfellgefütterten Schlafsäcke, und Paulo nahm den Kinderwagen aus seinem Wagen und stellte ihn vor die Haustür.

„Auf diese Weise kommen wir alle einmal an die frische Luft, wenngleich es aber bitterkalt ist,“ sagte Paulo, und tatsächlich zeigte das Außenthermometer wie schon seit Langem -10 °C.

Als Ben und Joshua in ihrem Kinderwagen saßen, schneite es ihnen wieder in die Gesichter, und sie taten ganz verstört, nach und nach gewöhnten sie sich aber an den Schneefall.

Sara stellte ihn das Kinderwagenverdeck so ein, dass sie nicht viel von dem Schnee mitbekamen, und als alle Erwachsenen ihre Mäntel angezogen und die Schals um ihre Hälse gelegt hatten, liefen sie los.

Sie liefen mit dem Kinderwagen auf der Straße, denn mit Autos war in der „Herrengasse“ nicht zu rechnen, und als sie an der „Löhrallee“ angekommen waren, konnten sie hören, wie sich der Panzer der Bundeswehr näherte.

Sara und Marga hielten Ben und Joshua die Ohren zu, damit sie nicht zu sehr erschraken.

Der Panzer schob in Mengen Schnee zur Seite, kein anderes Schneeräumfahrzeug hätte das wohl in der Geschwindigkeit geschafft. Hinter dem Panzer folgte wieder der Streuwagen, der Unmengen an Salz auf die Straße warf.

Sie mussten dann, als Panzer und Streuwagen vorbeigefahren waren, den Kinderwagen über den Schneewall heben, den der Panzer am Rand der „Löhrallee“ und an der Einmündung der Pestalozzistraße hinterließ.

Sie liefen auf den Marktplatz mit seinem Kopfsteinpflaster, das spiegelglatt war.

„Dort oben ist mein Gymnasium!“, rief Paulo und zeigte auf das Schulzentrum. Es war im Moment noch frei von Schnee, das änderte sich aber bis zum nächsten Tag.

Als sie dort angekommen waren, sahen sie, dass der Schulhof geräumt war, und das Dach hatte nur eine hauchdünne Schicht von Schnee, bald läge aber wieder 1 Meter Schnee darauf.

„Die Stadt kommt mit einem Radlader und zwei LKWs, und sie machen das Dach frei von Schnee, denn der Schnee wiegt schließlich eine Menge, unser Schwimmbad ist auf diese Weise schon am Dach beschädigt worden“, sagte Paulo.

Sie liefen wieder zum Kreisverkehr zurück und gingen geradeaus in die „Bahnhofstraße“, auch dort mussten sie den Kinderwagen über den Schneewall heben, den der Panzer hinterlassen hatte.

Sie kamen am Cinemaxx vorbei und erreichten am Ende der Bahnhofstraße den Bahnhof. Es verkehrte aber kein Zug auf der Strecke von Feldstadt nach Hermesburg, zum Ersten lag zu viel Schnee auf den Gleisen, und zum Zweiten war die Weiche in unmittelbarer Bahnhofsnähe festgefroren.

„Für solche Fälle hat die Bundesbahn spezielle Dieselloks, die, mit einem Schneepflug versehen, den Schnee von den Schienen räumen“, sagte Saras Vater.

„Ich denke dass sie Morgen oder Übermorgen daran gehen und den Schnee wegräumen, damit der Zugverkehr wieder in Betrieb kommt, wenn die Menschen schon nicht mit ihrem Auto nach Feldstadt kommen, dann müssen Sie mit dem Zug fahren können“, antwortete Paulo.

Der Bahnhof lag verwaist und zugeschneit da, man sah, dass dort seit langer Zeit kein Zug mehr gefahren war.

Die festgefrorene Weiche lag unter 1 m Schnee und zweigte unter normalen Bedingungen auf ein Abstellgleis ab, der Trend ging aber seit Längerem zu beheizbaren Weichen hin, dieser Technikfortschritt war aber noch nicht bis Dinkelstein durchgedrungen.

Sie liefen wieder zum Kreisverkehr zurück und gingen geradeaus über die „Pestalozzistraße“ bis zur Schule, dort bogen sie in die „Herrengasse“ ein und liefen wieder nach Hause.

Sara und Paulo kümmerten sich sofort um Ben und Joshua und befreiten sie von ihren warmen Sachen, sie legten sie in der Küche auf die weiche Decke und gaben ihnen ihre Bauklötze.

Dann zogen sie sich selbst aus und wärmten sich die Hände an der Heizung.

Paulo bat alle, sich an den Tisch zu sitzen und gab jedem, der wollte, einen Schnaps, er selbst trank keinen.

Er holte die Speisekarten und teilte sie aus, und alle studierten das Speiseangebot der Pizzeria.

Als jeder ausgesucht hatte, was ihm zusagte, blickte Paulo seinen Schwiegervater an, und gab ihm zu verstehen, dass sie beide noch einmal raus zur Pizzeria müssten.

Die beiden zogen ihre Mäntel über und liefen los, sie hatten vorher angerufen und ihre Bestellung aufgegeben. Als sie bei der Pizzeria ankamen, war alles abholbereit verpackt, und Paulo und sein Schwiegervater nahmen das Essen und liefen wieder zurück.

Auf dem Gehweg vor dem Haus lag wieder eine Schneeschicht, die bis zum nächsten Tag sicher einen halben Meter Dicke erreicht haben dürfte.

Ich räume nun schon seit langem regelmäßig 1 Meter Schnee von meinem Bürgersteig und auch von meinem Garagendach, ich habe auch bei der Stadt angerufen, dass sie einen Räumdienst einrichtet, der den Schnee von der Straße und vom Straßenrand abführt, und sie kommen auch und machen die Arbeit. Aber ich finde, so allmählich reicht es uns allen mit dem Schnee!“, beklagte sich Paulo bei seinen Schwiegervater.

„Ich habe ja schon gesagt, dass wir in Hildesheim auch Schnee haben, aber bei Weitem nicht so viel wie ihr hier, ich habe es überhaupt noch nicht erlebt, dass eine ganze Stadt so zugeschneit ist wie Dinkelstein.“

Dann kamen sie bei Paulo an und liefen ins Haus, wo alle schon auf ihr Essen warteten.

Marga gab eine Flasche von ihrem Moselwein aus, und Sara hatte italienischen Rotwein besorgt, Paulo trank alkoholfreies Bier.

Als jeder sein Essen vor sich stehen hatte, sagte Sara:

„Euch allen einen guten Appetit!“, und alle fingen an zu essen.

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430 стр. 1 иллюстрация
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9783753188829
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